初乗り [First Ride of the Year]

Nach fast 660 km zwischen Weihnachten und Neujahr auf Festive 500 Kurs, war ich etwas müde und hatte wenig Lust zum radfahren. Ich liess sogar dass Neujahrsfahren aus und rief auch nicht Hannes am, um mit ihm nur mit Bibshorts, Socken und Schuhen bekleidet zum Unisee zu fahren. Das hatte ich ihm nämlich für den Start in das Neue Jahr angedroht.

Aber mal ehrlich, vier Tage ohne substantielles Radfahren reichen auch. Im Haus war alles getan was getan werden musste, ich hatte das Gefühl fetter und fetter zu werden und draußen war das Wetter herrlich, auch wenn fast schon drei Uhr nachmittags. Zeit für die erste Ausfahrt des Jahres.

In Japan heisst der traditionelle erste Besuch in einem Schrein zu Beginn eines Jahres 初詣 (hatsumoude); viele Japaner machen sich bereits in der Silversternacht auf den Weg dorthin, die meisten aber wohl in den Feiertagen zu Beginn des Neuen Jahres. Es gibt einige sehr bekannte Schreine, die dann brechend voll sind, wie z.B. der 明治神宮 (Meiji Jingu) in Tokyo; man wirft Geld in die großen Kästen vor den Torgebäuden oder kauft Glücksbringer und Amulette für das neue Jahr. In Schreinen kann man sehr viel Geld lassen. Dieses Foto habe ich Anfang 1991 am Sumiyoshi Taisha in Osaka aufgenommen, die Menschen stehen Schlange, um in den Schrein eingelassen zu werden.

92 sumiyoshi bridge

Es kann dann auch mal voller werden, gerade in der großen Stadt (Tokyo).

Im Neuen Jahr fühle ich mich irgendwie mehr als Japaner als sonst. Ich vermisse auch das Ekiden, das war eigentlich immer de Start in das neue Jahr radtechnisch. Das Ekiden gibt es noch, aber das vorausfahren mit dem Rad ist leider komplett vorbei.

Nach vielen Menschen stand mir nicht so der Sinn, also rauf auf das Canyon Positivo, denn dieses Rad benötigt am wenigsten Aufwand und eine der Standardstrecken abgefahren. Raus auf’s Land, zuerst nach Borgfeld und dann weiter am Waldesrand nach Fischerhude. Zunächst wollte ich schnell fahren, und dann war ich so in Gedanken verloren, dass ich die Abzweigung nach Fischerhude verpasste (passiert so etwa alle fünf Ausfahrten) und mich auf der Seeberger Landstrasse nach Quelkhorn wiederfand. Ich habe immer Superideen beim Radfahren (und, der Vollständigkeit halber beim duschen, aber das ist eine andere Geschichte und hat mit Jutta zu tun). Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich schon x-mal für den Nobelpreis nominiert worden wäre, Heinrich Böll und Günther Grass als bekannteste deutsche Schriftsteller der Gegenwart abgelöst hätte und Milliarden mit Geschäftsideen gescheffelt hätte, wenn, ja wenn ich mir diese Ideen nur irgendwie merken oder aufschreiben könnte. Kann ich aber nicht, das ist vermutlich ein Fluch der mir auferlegt wurde und so werden die kümmerlichen Reste guter Ideen in diesem Blog verwurstet.

Eines Tages werde ich mir eine richtig gute Idee merken und damit nach Hause fahren. Es ist dann voraussehbar, dass ich auf den letzten Metern vor der Haustür von einem Bus überfahren werde und erst zwanzig Tage später aus einem künstlichen Koma im Klinikum Nord wieder aufwache. Natürlich werde ich mich an nichts erinnern können.

Weiter nach Wilstedt und ein kurzer Rast an der Vietkong Tankstelle. Weiter Richtung Grasberg und in die Grasdorfer Strasse rein.

IMGP0838

Die Grasdorfer Strasse – die Antithese des japanischen Schreins am 1. Januar

Es wurde langsam dunkel und ich stellte fest, dass der Akku meiner Vorderlampe recht ausgelaugt war. Ich machte mich auf den Weg zu Lars, um endlich seine sehr schicken MTB Schuhe zu übernehmen. Perfekt. 64 km sind nicht viel, aber der Start im Neuen Jahr ist geschafft.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Bremen, Mob, Touren

2 Antworten zu “初乗り [First Ride of the Year]

  1. alex

    Ich habe noch keinen Kilometer im neuen Jahr gemacht. Wird auch mal langsam Zeit.
    Sag er mal, wie ist das mit Japan ? Du warst mal dort, das habe ich inzwischen gepeilt ? Aber vor welchem Hintergrund, das würde mich mal interessieren ? Ist halt interessant, bisher hatte ich nur mit einem deutschen Sensein Kontakt, der ein paar Jahre dort war.

  2. Ja, ich war von 90 bis 92 und dann von 98 bis 10 da, insgesamt 14 Jahre. Zuerst als Student (Stipendiat) und später dann beruflich als Manager bzw. Geschäftsführer von letztendlich drei Unternehmen: Schindler Elevator Japan; Tyco Flow Control Japan (heute: Pentair Flow Control) und zuletzte Häfele Japan.

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