Ich also

„Highway to Hell – visiting my parents“. Ich drückte auf die imaginäre  TEILEN Taste auf Facebook und ahnte schon, daß ich einen Fehler gemacht hatte.

Innerhalb von 10 Minuten bekam ich auch schon einen Kommentar von meiner Schwester: „Sag mal, spinnst Du?“. Tja, ich hatte ganz vergessen, daß nicht nur meine coolen Radfahrfreunde in Tokyo, sondern auch meine Familie, meine Arbeitskollegen, ein Teil meiner Student und noch ein paar Leute mehr an die ich mich jetzt nicht erinnern kann, sehen was ich auf Facebook poste. In der Zeit als man sich Auge in Auge mit Menschen unterhielt, Briefe schrieb und Telefongespräche führte hatte man im wesentlichen die Kontrolle darüber was man wem gesagt hatte. Ab und an erzählte jemand, dem an etwas vertraulich erzählt hatte dies weiter an eine Person, die das eigentlich nicht wissen sollte. Man wußte nicht dass diese Person es weiß und wenn es denn raus kam war es peinlich. Das war aber eher der Einzelfall. Viel häufiger war der Fall, dass eine Person zum wiederholte Male etwas erzählte, was man schon zehn Mal gehört hatte. Die Kriegserlebnisse des Opas. Die Krankheiten von Onkel und Tanten. Die Anekdoten vom Chef. Das hatte meist etwas mit „Alter“ oder mit „Kennt zuviele Leute und erzählt sowieso immer dasselbe“ zu tun.

Man war Herr über das was man sagte und noch viel wichtiger, man wusste wem man was gesagt hatte. Es sei denn man war betrunken, das war sozusagen das Vorgängermodell von Facebook.

Der entscheidende Punkt bei der ganzen Sache ist, dass man seine Freunde in Gruppen unterteile und diesen gezielt Informationen über einen selber zukommen ließ mit denen man ein bestimmtes Image von sich selber pflegte. Gegenüber den Eltern? Der nette, sich kümmernden Sohn der fleißig arbeitet und sich um seine Kindern kümmert. Gegenüber den Radfreunden? Der hart trainierende Supersportler. Gegenüber den Arbeitskollegen? Denk Dir was aus. Gegenüber der Frau? Der sparsame Ehemann der seine Schläuche selber flickt. Und so weiter. 

Mit Facebook ist das nun aber anderes, man kann nicht mehr gezielt mit Gruppen kommunizieren, die im wirklichen Leben selten aufeinander treffen, sondern alle Informationen werden gleichermaßen an alle verteilt und damit sichtbar. Facebook ist voll mit Einträgen in denen Eltern nebenbei erfahren, dass ihre Kinder am Wochenende völlig zugedröhnt waren, Professoren, dass ihre angeblich total überarbeiteten Studenten in Urlaub fahren und, Kinder die über Ihren Onkel erfahren, dass ihre Mutter gestorben ist, weil der es auf facebook postete, bevor jemand mit ihnen sprach.

Einige meiner Arbeitskollegen habe daher zwei facebook accounts, einmal einen persönlichen und dann eine für die Arbeit. Natürlich kann man das auch noch weiter treiben, viele Persönlichkeiten auf facebook, twitter und dazu noch ein paar blogs. Aber ist da nicht heuchlerisch und schizophren? Es gibt eine ganze Menge Dinge von mir, von denen ich nicht möchte, dass sie irgendjemand weiß. Ich glaube, das geht fast jedem so und diese Dinge gehören auch nicht auf das Netz. Dann gibt es einige Dinge, von denen möchte ich nicht, das bestimmte Personen das wissen. Meine Frau sollte zum Beispiel nicht wissen, wie super günstig der Kauf des neuen Bottecchia Renners nun war. Also kommt as auch nicht auf das Netz. Dann gibt es einige Dinge, da würde ich zwar sagen, na ja, das sollte meine Frau nicht wissen (zum Beispiel wieviele Räder nun in unserer Garage gerade genau stehen)  aber eigentlich macht es auch nichts, wenn sie es weiß und ich sollte es ihr ohne hin sagen. Das kann sie dann genauso gut aus dem Netz erfahren und wenn es denn nun wirklich relevant für für ihr Wohlbefinden ist, dann diskutieren wir das später aus.

 Also ich bin gar nicht gegen facebook. Ich finde es gut zu wissen was meine Freunde machen und es gibt mir die Möglichkeit ihnen dann zu schreiben oder sie anzurufen. Ich finde das ist ein sehr gutes Werkzeug um Heuchelei freizulegen. Und letztendlich dient es dazu sich darüber Gedanken zu machen was man schreibt und wie man sich anderen Menschen präsentiert. Eben nach Möglichkeit immer auf die gleiche Art und Weise, denn so ist man doch nun einmal, oder? Soweit zum Ideal.

Also, in diesem Sinne, was gibt es über mich zu sagen?

Ich wurde 1962 in Mönchengladbach geboren, bekam mit sechs Jahren mein erstes Rad und fuhr damit zur Grundschule. Ich bekam dann ein BMX, lernte Gitarre und spielte in einer Punkband namesn EA80 , die es erstaunlicherweise heute noch gibt und derem Erfolg ich mit meinen Fähigkeiten klar im Weg stand. Nach Abitur, gescheiteter Lehre in d er Landwirtschaft, Zivildienst ind er Ambulanz eines Hospitals in Düsseldorf yog es mich zum Studium des Bauingenieurwesens nach Aachen. Das Motobecane stand ann meistens in der Ecke. Da Düsseldorf der Nabel der Welt ist (so denkt man jedenfalls, wenn man dort wohnt) ist Aachen etwas langweilig, vor allem im Bauingenieurstudium mit vielen humorfreien Männern. 1985 ging ich auf Einladung der Japan Foundation (ich hatte relativ unbegründet einen Aufsatzwettbewerb gewonnen und auch heute schäme ich mich dafür, was ich damals geschrieben habe) nach Japan, was mich nachhaltig beindruckte. Vor die Wahl gestellt über Ziegelsteine zu promovieren, oder aber nach Japn zu gehen und Spass und Abenteuer zu haben entscheid ich mich für das Zweitere. Das war eine gute Idee und 1990 is 1992 fuhr ich mit meinem neu gekauften Panasonic in Japan durch die Gegend. DAs war Klasse und ich lernte meine Frau Kazuko kennen. Seitdem sind wir ca dreimal gemeinsam rad gefahren, haben es aber trotzdem auf zwei vernünftige Kinder geschafft.

Als deutscher Bauingenieur kann man eigentlich nicht in Japan bleiben, und so kam ich im Dienst eines deutschen Baukonzerns zunächst nach Essen und dann weiter nach China und nach Malaysia. Der fast zweijährige Aufethalt auf einer Großbaustelle auf dem Lande in China hat mir eine gewisse Abneigung gegen das politische System und den Status eingebracht, das sich nun meinen Beitrag für den Aufbau des Landes geleistet hatte. Dsa lokale Rad hielt etwa drei Stunden, dann brachen die Pedalen ab. Da die nächste Baustelle ohnehin Beirut gewesen wäre, entschloss ich mich 1998 den Laden zu verlassen und wieder nach Japan zu gehen. Dort blieb ich dann die nächsten 12 Jahre.

Mein Panasonic Rad wurde geklaut und ich kaufte mir ein Cannondale. Zunächst wohnte ich in der Provinz und später in Tokyo und ich fand Freunde mit denen ich gemeinsam gefahren bin. Über die Jahre nahm ich dann auch an Rennen teil und nachdem mein Arbeitgeber großzügig auf meine Dienste verzichtete, konnte ich 2008 die JCRC D Klasse gewinnen und wurde als erster Ausländer dort Meister. Im wesentlichen hing da aber einfach damit zusammen, dass ich bei allen Rennen mitfuhr was alle anderen nicht taten. Das brachte mir nach der alten Regelung viele Punkte ein. Eigentlich bin ich ein kein technisch versierter, starker Fahrer.

Wichtig war für mich zu fahren und dann darüber zu bloggen. Mit Technik wollte ich mich nicht beschäftigen. Prinzipiell finde ich auch, dass es kaum Unterschied zwischen Rädern und Komponenten gibt. Vermutlich ist die Zeit, die man zur Abwägung braucht, besser in Training investiert. Ich konnte ein paar einfache Dinge tun, aber z.B. nicht meien Schaltung oder meine Bremsen einstellen. Aber zum Glück gab es ja Nagai-San vom Positivo Radladen, der alles für mich machte.

Ich lernte dann noch mehr nette Menschen kennen mit denen ich fuhr und irgendwann find ich mit der Positivo Espresso Blog Site an. Ich kaufte mir ein Cervelo Soloist. Und  dan entscheid ich mich Anfang 2010 mit meiner Familie wieder in Deutschland zu leben. Ich wurde Professor an einer privaten Hochschule in Bremen. Na ja, eiogentlich bin ich noch kein Professor, aber das ist eine lange Geschichte die auch nicht besonders gut ist. Ich fuhr Rad in Bremen aber nicht mehr so intensiv wie in Tokyo. Da hängt vor allem mit dem Wetter in Bremen zusammen. Und dem Mangel an Bergen.

Letztens war ich in meiner Garage zählen. Ich habe ein Sommerrad, das Canyon, mit dem würde ich auch nur bei gutem Wetter fahren wollen. Und dann habe ich ein bad Boy MTB für den Winter und ein Union Fixie für den Regen und ein Chesini für den Regen mit Schutzblechen und ein Olmo das ich notfalls auch im Regen fahren würde. Also eigentlich habe ich fast nur Schlechtwetterräder und das braucht man hier auch.

Ich fing also mit dem Basteln an auch um diese langweilige Zeit im Winter zu überbrücken. Ich würde auch gerne an meinem Carbonrad basteln, allerdings sind hier die Komponenten sehr viel teurer und wenn man einen Fehler macht, dann kostet das gleich richtig Geld. Also beschränke ich mich auf das basteln mit alten Stahlrädern. Das macht auch sehr viel Spass und so viel schlechter und langsamer sind die Räder ja auch nicht. Ich kaufe nicht die ganz teuren alten Komponenten sondern mehr das mittelmäßige und versuche das beste daraus zu bauen. Technik ist wichtig, aber aussehen ist mindestens ebenso wichtig. Von daher finde ich den Aufbau des schwarzen Olmos für Larissa wirklich gut gelungen. Das hat nicht viel Geld gekostet aber eine Menge Arbeit. Das Pescarolo war ein ähnlicher Job, hat insgesamt vielleicht 200 Euro veschlungen.

Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass eigentlich jeder ein Haus bauen kann, aber nur die Architekt hat das Wissen dies so günstig wie möglich mit Standardteilen zu tun. Beim Raduafbau ist es ähnlich und man braucht einfach Geduld. Die größten Feinde dabei sind:

  • Mit etwas mittelmäßigem anfangen und es dann doch großartig werden lassen wollen. Solche Räder sehen dann sehr hübsch aus, sind aber eigentlich nicht fahrbar, da man sich immer Sorgen machen muß, das sie beschädigt werden. Kennt man auch von anderen Dingen im Leben, beispielsweise Kleidung die man aus den gleichen Gründen nicht trägt.
  • Sorten- und Epochenreinheit. Der Gedanke frißt sich in da Hirn,, dass es nun, weil man ja schon einmal das 7400er Dura Ace Achaltwerk hat, nun auch unbedingt Schalthebel und Bremsen aus der gleichen Gruppe kommen muß. Ohne das geht es nicht. Geht es doch, zeigt die Erfahrung, man bekommt aber dann abfällige Kommentare von Sortenreinheitsfetischisten zu hören die man ertragen muß.
  • Durchdrehen. Es fehlen Teile und die müssen morgen da sein. Man geht zum lokalen Radhändler und kauft einen Schlauch für €6,50 obwohl man den nun uch im web für drei bestellen könnte. Oder man will bei Ebay nicht mehr warten und kauft nun die Olmo pantografierten Bremshebel auf den USA inklusive horrender Portokosten. 

Kriegt man da unter Kontrolle und schaut man sich sein Werk wertfrei an, ist das ganze sehr befriedigend. In dem letzten ajhr habe ich mir eine Menge Dinge beigebracht, bin aber nicht der Meinung, dass ich ein besodners guter Mechaniker bin. Vor allem das Laufradbauen, das am Anfang einfacher erschien als ich es dachte ist wirklich schwierig. Liegt es an mir, brauchte ich mal einen guten Lehrer oder liegt es dran dass ich nicht das beste Werkzwug habe? Jedenfalls würd eich das wirklich gerne können. Obwohl natürlich ehrlicherweise der Kauf eines Systemlaufrades billiger wäre.

Also, ich habe ein Leben, ich fahre Rad, ich bastele an Rädern und ich scheibe über alles zusammen. Soviel gibt es zu sagen. Der Rest gehört nicht hierher.

3 Antworten zu “Ich also

  1. Ferdinand

    Hallo Tokio.mob!
    Ließt sich schön Deine Geschichte!
    Ich sehe das mit diesem verbissenen „Sorten- und Epochenreinheit“
    genau wie Du!
    Besuchst Du Radbörsen für ollen Rennradkram?
    Hast Du vor nach Rommerskirchen zur Rennradbörse am 9.6. zu kommen?
    Wir sollten uns mal treffen, auch wegen der Tange Prestige u. PR6000 Geschichte vielleicht nochmal…
    Gruß 753f.e./015Alpha

  2. Jochen

    Schöne Seite und schönes Nagasawa!

  3. schöne Seite…. du lebst im Rad. Sehr schön.
    Pass nur auf, dass dich keine anpin….. von wegen Verkauf von Teilen ohne Steuernummer…… hat mich mal 600€ gekostet.
    Ansonsten aber bitte weiter so.
    Gruss Andreas
    http://www.retrospeedstyle61.de

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