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Ausfahrten und Trainings in Bremen

OBKM Rennen Vier. Platz Eins.

Während irgendwo in Frankreich sich die Profis die Lunge aus dem Leib fahren und deutsche Hoffnungen eben diese gerade begraben, fand in Bremen der 4. Lauf der Offenen Bremer Kriteriumsmeisterschaft teil, bei dem sich junge Talente auf die Tor vorbereiten können.

Mit der deutschen Hoffnung meine ich Emanuel Buchmann, der aus unerfindlichen Gründen bei der ARD als Tour-Favorit gehandelt wird und vermutlich selber am meisten erstaunt ist, dass er regelmäßig nach dem Rennen interviewt wird.

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Yeah – und auf zum Sachsenring!

Mit jungen Talenten meine ich die vier Fahrer, die sich gestern auf dem legendären Sachsenring in Heilshorn einfanden, um wie jeden Monat im Sommer unter sich den besten und härtesten Seniorenfahrer (bzw. die härteste Frau) im fairen Kampf herauszufinden. Doch alles in der Reihe nach.

Ich fahre ja echt gerne Rad – aber nie die ersten zehn Kilometer. Bis ich mich umgezogen habe, auf die Kiste geschwungen und dann vor mich hin eiere, das kostet jedesmal so viel Willen und Durchhaltevermögen – vor allem nach einem langen Tag an der Hochschule, wo man so ziemlich das Gegenteil von Radfahren macht. Und zwar versucht Studis Spaß und Abenteuer am Hedging von Fremdwährungsrisiken beizubringen. „Im Gegensatz zum Surrealismus der Grundmetapher. Bäh, der Tod ist noch zu gut für sie.“

Ich war spät dran und von Westen zogen zudem auch noch Unwetter Richtung Bremen. Letztens, am 22. Juni gab es ja die selbe Situation als ich gerade Frau und Tochter zum Flughafen nach Hamburg fuhr, damit sie die Sommerferien in Japan verbringen konnten. Meine Frau hörte die Nachrichten im Auto und meinte „Fahr schneller, da ist bereits ein Hurricane in Scheeßel„. Ja, ja, und da im Norden brennen bereits die Deiche.

Am Haus am Walde traf ist Thomas V2 auf dem falschen Rad, aber ich musste mich beeilen, um noch rechtzeitig zu kommen. Und ich kam wirklich auf den letzten Drücker. Tim und Caro hatten sich heute heimlich zu einem Date in Zivil verabredet; zuerst habe ich die beiden nicht erkannt da sie sich extra auffällig in neon-gelb und rot verkleidet hatten. Aber dann sah ich das Canondäl Mars Hi Mod Schrott Evo Six Rad von Caro, auch kurz „Schrotti“ genannt.

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A girl and her machine – Schrotti.

Ein Rad das immer noch bei weitem nicht so alt ist, wie die Teilnehmer die heute im Rennen fuhren. Leider sollte das auch das einzige Bild bleiben, was ich an diesem Tag machte, ich muss mich also aus dem reichhaltigen Fundus des www bedienen, um die Eindrücke einigermaßen korrekt wiederzugeben.

Am Start waren heute die üblichen Verdächtigen die immer fahren: Wolfgang, der im Regelfall gewinnt; Kai, mit dem ich immer um Platz vier kämpfe; Marc, der … äh … mitfährt und ich.

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Start: Kai, Wolfgang, Marc und ich (v.l.n.r.)

Wegen des bevorstehenden Regens wurde das Rennen von 25 auf 20 Runden verkürzt. Aber es gab die gleiche Anzahl von Punktwertungen, nämlich fünf, also alle vier Runden.

Da vorne im Wind nicht mehr so oft gewechselt wird war klar, dass das Tempo heute ein wenig langsamer werden würde, zumal das Wetter auch recht drückend war. Wolfgang versuchte es bei der ersten Sprintwertung erfolgreich mit einem Ausreißversuch auf der Gegengerade. Ich versuchte hinterher zu powern, kam aber nicht mehr in seinen Windschatten. Kai jedoch kam in meinem und überholte mich kurz vor dem Ziel, also nur ein dritter Platz. Marc habe ich seitdem nicht mehr gesehen – bis zum Ende des Rennens, also ging es zu dritt weiter, was noch einmal anstrengender werden sollte.

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Der erste Print (also so in etwa)

Die Erholungsphasen sind ja dann auch kürzer, da wir ja nur vier Runden zwischen den Sprints hatten und ja auch noch dazu oft Führungsarbeit machen mussten. So kamen wir relativ langsam auf die Gegengerade in der letzten Runde und ich befand mich vorne, was immer eine ungünstige Position ist, da man von dort nicht sehen kann, ob einer der Hintermänner den Sprint anzieht. Ich entschloss mich relativ früh den Sprint selber zu beginnen, um nicht überrascht zu werden. Das klappte auch gut, ich kam als erster durch die Kurve auf die Zielgerade und konnte meinen Vorsprung bis zur Linie halten.

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2. Sprint, gefühlt etwa so.

Im sechsten Punkterennen, an denen ich bislang teilgenommen habe, war das das erste Mal, dass ich einen Sprint gewonnen hatte. Es war auch da erste Mal in 22 Sprints, dass ich Wolfgang schlagen konnte. Das lief also heute ganz gut.

Natürlich klappt da nicht immer. Beim dritten Sprint war ich auf der Gegengerade relativ lange vorne und machte innen auf. In der Kurve zogen Kai und Wolfgang an mir vorbei und ich war zu langsam, um an ihnen dranzubleiben. Zwar machte ich auf der Zielgeraden noch jede Menge Meter gut und am Ende war es knapp, aber es blieb wieder nur der dritte Platz.

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Der dritte Sprint: Knapp für alle.

So langsam wurde es eng. Es blieben jetzt noch zwei Sprints, der vorletzte in der Runde 16 und der letzte, der doppelt gewertet wird, in der 20. und letzten Runde. Zumindest hatte ich jetzt jede Menge Selbstvertrauen, da ich wusste, dass ich jeden schlagen konnte.

Ich habe keine Erinnerung mehr, was da genau passiert ist, aber es gelang mir den vierten Sprint wieder zu gewinnen. Das sah jetzt sehr gut aus, wenn ich den letzten Sprint auch noch für mich entscheiden könnte, dann hätte ich auch das Rennen gewonnen.

Mittlerweile fuhren wir echt langsam. Während das Durchschnittstempo sonst so zwischen 38 und 40 km/h liegt, waren wir jetzt bei 35 oder so. In der letzten Runde zog Wolfgang ähnlich wie in der ersten Runde den Sprint sehr früh auf der Gegengerade an, vielleicht 350 Meter vor dem Ziel. Ich war aber vorne, konnte relativ schnell reagieren und mir gelang es mich an ihn zu hängen, während Kai hinter mir erst einmal abreißen lassen musste. Durch die letzte Kurve kam ich auch sehr gut und konnte früh anfangen wieder zu treten so dass ich nicht viel Geschwindigkeit verlor und auf den letzten Meter dann Wolfgang überholen konnte. Wieder Erster. Nicht schlecht. Gesamt Erster. Noch besser.

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Zielfoto des Rennens – letzter Sprint mit Händen und Füssen

Irgendwie auch ungewöhnlich, denn in der letzten Zeit bin ich eher weniger Rad gefahren und fühlte mich nicht besonders fit. Aber um das mal hirstorisch richtig einzuordnen: Das war das erste Mal überhaupt in meiner Rennsportkarriere, dass ich ein Rennen gewonnen hatte. OK, da waren auch nur vier Teilnehmer, einerseits. Aber andererseits hat das auch fast 12 Jahre gedauert. Das erste Radrennen an dem ich jemals teilnahm war der Bike-Navi Grand Prix in Ashigara, Japan im November 2005.  Wie man auf dem nächsten Foto erkennen kann, war ich schon damals der Profi, der ich all die Jahre geblieben bin.

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Meine unglaubliche Leistungsstärke brachte die zuschauenden Frauen am Streckenrand fast um ihren Verstand.

Ich hatte nicht so viel Ahnung von Rennen und ich hatte auch gar keine Ahnung, dass das keine gute Idee ist ohne Peloton alleine in der Gegend rumzueiern. Letzter bin ich da zwar nicht geworden, aber großartig war es sicher auch nicht. Ich kaufte mir dann ein neues Rad (das macht man immer so, wenn es nicht klappt) und drei Jahre später war ich japanischer Meister in der D Klasse des JCRC (Japan Racing Cycling Club Association).

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Das klingt toll, aber ich glaube meine beste Platzierung in einem Rennen war da vielleicht ein 10. Platz. Die Meisterschaft schafft man vor allem durch viele Rennteilnahmen, nicht unbedingt nur durch gute Platzierungen.

Und in Deutschland kann man ja bei den Jedermannrennen nichts gewinnen. Beim Velothon in Berlin wurde ich einmal 21. in meiner Altersklasse (das war dieser Velothon der total verregnet war vor drei, vier Jahren) und das fand ich super. Dieses Jahr war ich 51. Gähn. Erster werden ist halt doch besser.

Nach uns starteten dann direkt die „Jedermänner“. Dieses Renn ist auch wegen der großen Teilnehmerzahl und deren Leistungsstärke deutlich schneller als unser Seniorending. Wie gesagt, es drohten Unwetter und ich machte mich auf den Weg, um schnell nach Hause zu kommen. Dort erzählte ich dann jedem in meiner Familie von meinem ersten Platz. So Opamässig – am Ende waren alle etwas genervt, aber ich war irgendwie … glücklich.

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Das Quiz. Die Gewinner.

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Puh, das muss ja schwierig gewesen sein, dieses Quiz, denn insgesamt gibt es nur drei Gewinner in der folgenden Reihenfolge.

Jörg

Konnte tatsächlich alle fünf Kultorte im Süden Bremens finden. Sogar die Bäckerei Hasselmann. Was am Heimvorteil lag, denn früher ging er um die Ecke zum Frisör. Herzlichen Glückwunsch zum ersten Platz.

Philipp

Auch bekannt als Lalle, Lulle, Blitzrad etc. – jedenfalls zu dem Zeitpunkt, als ich ihn kennenlernte. Und das war zu einer Zeit, als in Bremen Verabredungen zum gemeinsamen Rennradfahren noch mit Brieftauben über das Rennrad News Forum verschickt wurden und man froh sein konnte ein Treffen in der Woche zustande zu bekommen, bei denen dann fünf Leute mitfuhren. Heute kann ich ja alleine am Montag zwischen drei Ausfahrten wählen. Na ja, theoretisch zumindest, wenn die nicht alle so furchtbar schnell wären. Vier Richtige, Glückwunsch zum zweiten Platz.

Torsten Achtervogel

Fragte nach, ob es einen Trostpreis für drei Richtige gibt OHNE auch nur anzugeben, was er denn richtig hätte beantworten können. Das gibt auf jeden Fall einen Trostpreis, herzlichen Glückwunsch.

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Das Quiz.

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Heute gibt es etwas zu gewinnen; Einen wertlosen Preis, den ich noch nicht ausgesucht habe für denjenigen, der die Radpfade in den Süden Bremens am besten kennt.

Zur Einstimmung der Romantiker, von Hello Saferide: The Quiz.

Ich fuhr heute Nachmittag bei schönstem Kaiserwetter Richtung Süden. Es ist erst der 9. Juli und noch nicht der 30. Juli; an diesem Tag verstarb der Meiji-Kaiser 1912 in Japan und meine japanische Vermieterin, Morimoto-San erzählte mir einmal, dass seitdem an jedem 30. Juli, soweit sie sich erinnern kann, immer das schönste Wetter war. Heute war es auch nicht schlecht, vermutlich ist irgendein anderer Kaiser heute geboren worden oder verstarb.

Am Osterdeich waren Scherben ohne Ende; Hamburg mag sein G20 haben, Bremen hat die Breminiale. Echte Bremer, so erfuhr ich letztens, gehen da ohnehin nur am Mittwoch und Donnerstag hin. Am Freitag ist Friseusen und Spediteurstag und am Samstag und Sonntag fallen die Jugendlichen aus den umliegenden Dörfern dort ein.

Weiter draußen ging es aber. Ich fuhr zunächst nach Barrien, dann weiter über Okel nach Bruchhausen-Vilsen, eine Standardstrecke. In Bruchhausen fuhren zwei Triathleten von den Tri-Wölfen Stuhr vor mir; er dünn, sportlich, gute Waden aber keine Ahnung wo er war; sie im Triathlon Radoutfit mit Radhose ohen Träger, ärmelloses Trikot, Bauch- und Hüftfrei.

Ich fuhr relativ lange hinter den beiden und hatte Zeit und Muße Sie vor mir anzuschauen. Das Jersey war von Castelli und hatte hinten in der Mitte einen kleinen Aufdruck „Body Paint“. Kurz darunter schaute ein Ring nackter Haut hervor und exakt in der Mitte war ein kleines Muttermal. Keine Ahnung, wie die Frau sonst aussah, aber an dem Muttermal würde ich sie auch nicht in Radklamotten immer wieder erkennen.

Der Typ vorne machte gutes Tempo und sie gab die Kommandos wo er langfahren sollte. Sie schrie „Rechts“ und er drehte sich um und fragte „Was?“ „REECCCHHHHHTSSSS“. Als sie langsamer wurden dachte ich, OK, jetzt kannst Du ja auch mal vorne Dampf machen, aber die hingen sich nicht an mich ran, so dass ich nach kurzer Zeit schon einen guten Vorsprung herausgearbeitet hatte. Ich hatte aber keine Lust alleine zu fahren und mich von denen jagen zu lassen also bog ich schnell mal rechts ab, versteckte mich hinter einem Plakat und ließ die beiden Ahnungslosen vorbeifahren.

Über Schwarme, Morsum, Intschede und Daverden ging es auf die andere Weserseite und von dort über Etelsen und Achim nach Oyten und zurück nach Bremen. Schöne und relativ schnelle 115 km.

Strava

Das Quiz

Ich fotografierte so einiges am Straßenrand, Dinge die ich schon immer interessant bis lustig fand, aber bislang nie abgelichtet hatte. Das brachte mich auf die Idee, daraus ein Quiz zu machen. Also, es geht um die folgenden Photos:

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Tja, keine gute Idee die Öffungszeiten eines Imbiß mit feurigem Hintergrund zu hinterlegen. Da ich Sonntags da war brannte es zum Glück nicht.

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Bäckerei und Kolonialwarenladen Hasselmann. Schon immer geschlossen.

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Wo hat da jemand dick und fett „Slut“ auf die Straße geschrieben?

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Hier ist die Weser am allerschönsten.

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Das beste Eis im Süden gibt es bei Mel…. in …..

OK, das sind fünf Aufnahmen die ich heute unterwegs auf der Tour gemacht habe. Der erste, der mir die Google Map Links von mindestens vier dieser Orte schickt, hat die Chance etwas tolles zu gewinnen. Wie gesagt, ich weiß noch nicht was, aber es wird „phantastic“. „Huge“.

Viel Glück.

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Nach dem Regen.

Während die Tour de France heute auf der 2.Etappe von Düsseldorf nach Lüttich durch meine Heimatstadt Mönchengladbach fuhr, hörte es in Bremen endlich auf zu regnen.

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Ich hatte Tränen in den Augen, als das Peloton in Mönchengladbach nach der Sprintwertung die Hermann-Piecq-Allee langfuhr, maximal 100 Meter von meinem Elternhaus entfernt. Sogar meine Eltern konnte ich motivieren sich an den Streckenrand zu stellen. Der englische Eurosport Kommentator sprach von der „Kaiser Freidrich Hall“, gemeint war die Kaiser-Friedrich-Halle, die ich vor allem deswegen in Erinnerung hatte, weil sie ständig brannte und ich dort mein erstes Rockkonzert gesehen habe: Wallenstein. Später dann die Popfestivals sah ich einige andere Bands der Siebziger, wie die Ramblers, die Lilac Angels und 1980 konnten wir auf dem Frühlings Festival mit EA80 mit Pavillon hinter der Halle spielen und durften genau ein Lied spielen: Gladbach soll brennen.

Auch Lüttich, wo ich ja noch im April in miesestem Ardennenwetter war, zeigte sich heute irgendwie freundlich.

Der Regen in Bremen hörte auf, die Sonne kam etwas heraus und ich schwang  mich auf mein Rennrad. An so einem Tag konnte ich einfach nicht zuhause bleiben. Ich wollte nicht nachdenken wohin und fuhr die klassische Südrunde nach Riede, Dibbersen, Eißel, Uesen und weiter nach Embsen und Sagehorn, zurück über den Hodenberger Deich.

Die Wiesen waren wegen des vielen Regens wieder mit Wasser vollgelaufen, etwas dass man hier an sich nur im Winter sieht.

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Was für ein Tag.

Strava.

 

 

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Interessentenweg. OBKM.

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Nachdem Hannes, Eddie und ich Monate zusammen nicht mehr zusammen gefahren sind, weil Eddie, radtechnisch beneidenswert, nun in Marburg lebt, hatten wir uns am Dienstag verabredet, um Eddie die Schönheit norddeutscher Landschaft und seltene Strava Segmente aufzuzeigen.

Zunächst einmal fuhren wir auf den designierten bremischen OBKM Kurs 2017 an der Uni, der aber nicht realisiert werden konnte. Vermutlich ist das auch gut so. Es macht ja Sinn die bremische Meisterschaft in Bremen auszutragen und nicht in äh „Heilshorn“; die Lage dürfte auch mehr Fahrer und Publikum ziehen, aber die erste Linkskurve hinter dem Start hat halt den Nachteil, dass sie in eine verengte Fahrbahn ausläuft und da wurde es schon beim Trainingsfahren mulmig. Es gab ziemlich fiesen Wind und so rollten wir nur im Kreise.

Anschließend nahmen wir den Mittelwisch Climb  in Angriff, einen der gefürchteten Anstiege in Bremen den wir nur selten fahren, denn der führt quasi ins Nirgendwo. Also eigentlich nach Walle, aber dann muss man sich durch die ganze Stadt kämpfen und das macht wenig Spaß. Ich fuhr an, Hannes gab den letzten Kick und Eddie kapitulierte sich dann nach vorne, was sehr gut klappte.

Zurück an der kleinen Wümme lang ging es am Deich bis Wasserhorst, wo Hannes sich richtig ins Zeug legte und Druck machte.  Die Idee längere  Stücke zu rollen und dann ab und an richtig hart anzufahren war im Prinzip eine gute Idee, um sich auf das OBKM Rennen am nächsten Tag vorzubereiten.

Wir hatten dann die Idee zur humorlosen Kirche zu fahren, aber nicht wie gewöhnlich an der Lessum lang, sondern über die Strecke am Gramker Sportsee und dann über Feldwege weiter am Stahlwerk lang. Diese Trecke binich schon oft gefahren, allerdings immer in umgekehrter Richtung. Zunächst lief das sehr gut, aber dann verpassten wir eine Abzweigung (in der Natur dort sieht alles so schrecklich gleich aus) und landeten zunächst wo wir nicht hin wollten und dann in Walle. Nein, diesmal wirklich im Nirgendwo. Und zwar auf dem „Ökoweg“, der aus sehr viel Öko udn sehr wenig Weg bestand. Und dann verfahren wir uns auf den „Landweg“, der zwischen zwei sumpfigen Gräben zumindest aus Land, aber auch sehr wenig aus Weg bestand. Hannes überholte mich und ich musste kichern, denn an seinem Rad hatte sich jede Menge Gras verfangen, er sah aus wie ein schlecht getarnter Panzer. Hannes drehte sich um zu mir kichert und sagt: „Hihihi, an Deinem Rad ist jede Menge Gras“. Das stimmte.

Angehalten, Räder sauber gemacht. Das Zeug war wirklich überall, vor allem im Schaltwerk. Weitergefahren. Am Ende des Wegs merkte ich dann, das mein Hinterrad platt war. War mir auf dem Weg gar nicht aufgefallen.

Wir kamen dann zu einem Tor und lernten nun, dass wir auf dem „Interessentenweg“ gefahren waren.

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Irgendwo zwischen der humorlosen Kirche und dem Lessumwehr kamen wir wieder auf die Straße und fuhren dann auf die andere Seite, um die Lessum Rindo in Angriff zu nehmen: ein weiterer brutaler Anstiegsknaller in Bremen mit mehr als 20% Steigung. Das gab uns dann die Möglichkeit über die Lesmonawellen wieder in Richtung Heimat zu fahren.

Wir wollten dann gemeinsam schnell das Wasserhorst Pave in anderer Richtung fahren und waren auch wirklich sehr schnell drauf, als uns ein Auto entgegenkam und jeden KOM Versuch zunichte machte.

Und zum Schluss rollten wir am Deich nach Hause, versuchten und am Kuhgrabensprint über die krasse Autobahnbrücke am Platzhirschen und rollten zufrieden und leicht reumütig zurück zu unseren Familien, da wir leicht zu spät zum Abendessen waren.

Ich denke, wir haben Eddie gezeigt, was in Bremen möglich ist und was nicht möglich ist und sind beides gefahren. Tour auf Strava.

Am folgenden Tag war der 3. Lauf der OBKM in Heilshorn. Wie gewöhnlich waren wir sechs Starter in unserem Rennen. Nachdem das die ersten beiden Male doch recht gut gelaufen war, fuhr ich zum 3. Rennen mit höheren Erwartungen als „bitte lasst mich einfach in der Gruppe bleiben und ins Ziel kommen“. Das war schon eine schlechte Idee, zumal ich auch immer noch erkältet war und sowieso nicht hätte fahren sollen. Das habe ich dann auch beim fahren gemerkt. Na ja, aber auch hier gibt es ein nächstes Mal und ein übernächstes Mal und ein letztes Mal in diesem Jahr.

Zunächst aber einmal ist am Sonntag der Velothon in Berlin angesagt. Dank eines sehr geschickten Schachzuges, konnte ich mich dort in Block A positionieren: Ich habe nämlich bei der Anmeldung auf die Frage nach meiner geplanten Durchschnittsgeschwindigkeit bei dem Rennen 52 km/h angegeben. Unwahrscheinlich, dass da jemand (in der Planung) schneller ist als ich. Früher oder später werden vermutlich auch andere Teilnehmer auf diese Idee kommen, so dass ich nächstes Jahr „Schallgeschwindigkeit“ und 2019 „Lichtgeschwindigkeit“ angeben werde, um einen Platz in Block A zu erhalten.

Wie schnell ich dann wirklich war? Mehr demnächst.

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RTF Barrien

115 km im Bremer Süden entlang der Strassen, Täler, Bäche und aneinandergereihten Bleche von Butterkuchen, das ist die RTF Barrien an der ich jedes Jahr teilnehme.

Über die RTF Barrien habe ich seitdem wirklich alles geschrieben, was es zu schreiben gibt.  So war es 2014, so war es 2015, so war es 2016 und ehrlich gesagt war es 2017 nicht anders: nämlich gut. Mittlerweile trifft man ja wirklich sehr viele nette Menschen auf diesen Veranstaltungen darunter viele, die ich wirklich lange nicht mehr gesehen habe wie Jörg und Olli. Oder sogar ehemalige Studenten, die nun so langsam dem Rennradsport verfallen. Ich würde sogar behaupten, dass dies der Höhepunkt neben dem Radfahren ist.

Bis zum nächsten Jahr, ich freue mich.

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RTF. Das Delmenhorst Syndrom.

Eine RTF bietet dem ambitionierten Hobbyrennradfahrer die Möglichkeit sich einmal über 20 km völlig auzupowern und an seine Leistungsgrenzen zu gehen. Am Anfang natürlich. Am Ende plaudert man dann entspannt in der Gruppe und rollt das Ding nach Hause.

Delmenhorst, hört man diesen Namen, woran denkt man dann? Als ich am Tag vorher meinem Sohn sagte, dass ich am nächsten Morgen an einer RTF in Delmenhorst teilnehme meint er nur: „Ich habe letztens eine Statistik über Mordraten in Deutschland gesehen. Das war so eine Karte in grün, gelb und rot. Delmenhorst war da tiefrot. Pass auf Dich auf.“ Das ist aber Fake-News, der Spiegel zeigt, dass man in Delmenhorst sicherer lebt als zum Beispiel in Bremen. Meinem Sohn werde ich nun empfehlen nachts auf die Discomeile in Delmenhorst zu gehen. Wenn es so etwas gibt. Ansonsten ist Delmenhorst ein beschauliches Städtchen. Eine Bildersuche mit Google ergab unter anderem die folgenden Treffer:

An der Inkoop-Baustelle an der Oldenburger Straße hat es am Mittwochnachmittag einen schweren Unfall gegeben. Foto: Andreas Nistler

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Ich denke diese Impressionen geben einen guten Überblick, was den Fremden in Delmenhorst erwartet, wenn es schon nicht Mord und Totschlag ist.

Die RTF in Delmenhorst, ausgerichtet von dem rührigen RSV Urania Delmenhorst (internationaler Partnerverein ist übrigens Plutonia Pyöngjang: Städte die sich gegenseitig an Schönheit überbieten), ist eine der schöneren in der Umgebung von Bremen. Dieses Jahr bin ich sie zum 5. oder 6. Mal mitgefahren. Sie hat ein paar große Vorteile:

  • Die Anreise aus Bremen ist kurz und mit dem Rad.
  • Sie führt sehr schnell aus Delmenhorst hinaus in die Geest.
  • Man kann sich auf der Strecke entscheiden, ob man 80, 120 oder 155 km fahren möchte.
  • Am Ende fährt man nur kurz wieder nach Delmenhorst rein.

Aber auch einen großen Nachteil, denn die RTF ist traditionsgemäß schlecht ausgeschildert. Ich bin da noch nie 80, 120 oder 155 km gefahren, sondern immer 90, 133 oder 180, je nachdem wie viel ich mich verfahren hatte.

Da ich ja dieses Jahr durch Lüttich-Bastogne-Lüttich sehr gut vorbereitet war, musste ich am Abend vorher etwas gegen meine gute Vorbereitung tun, damit ich im Feld nicht weiter auffalle. Zufällig war ich zu einer Party der Absolventen meiner Hochschule eingeladen. Nach Steaks und Würstchen, vielen kleinen Bierchen redete ich dort ziemlich viel Mist; vermutlich, denn so genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Den Weg nach Hause habe ich auf dem Rad im Regen zurückgelegt und auch daran habe ich kaum eine Erinnerung. Woran ich mich allerdings sehr gut erinnere ist, dass fünf Stunden später der Wecker klingelte und ich zunächst glaubte, dass Körper und Kopf voneinander getrennt worden wären, denn der eine tat nicht was der andere ihm befahl.

Zum Glück kam Hannes vorbei und wir radelten los um uns mit den anderen Bremern am Subway in der Pappelstrasse zur gemeinsamen Anfahrt nach Delmenhorst zu treffen. „Früher“ war da, wo heute das Subway haussiert, Radsport Schröder.

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Serviervorschlag

Traditionsgemäß wurde nun dort zunächst ein Kranz niedergelegt („Den Opfern des Radsportes“), traurige Lieder angestimmt („An einem Rädlein helle“; „Beim Schröder vor dem Tore“) und viel Mist geredet bevor unsere große Gruppe mit Trommeln und Pyro sich aufmachte Richtung Delmenhorst.

Angekommen entdeckten wir viele bekannte Gesichter, unter anderem auch den Jungen, den ich bereits beim letzten Mal kennengelernt hatte. Der verkaufte mir ein Salamibrötchen und eine Cola. Für €1,50 – das gibt es eben nur den den RTFs die vom Verein organisiert werden. Da waren auch wieder die Fahrer der SG Stern, denen wir bereits eine Woche früher bei der Bremer RTF hinterhergefahren waren. Da waren Karin und Torsten die ich eine Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte (nicht weil sie in Delmenhorst wohnen), Jan, Lars, und und und. Das konnte ja lustig werden.

Zunächst einmal stellten wir uns aber an den Start. Da wir bereits ziemlich spät waren, fanden wir nur einen Platz im Mittelfeld. Die Stimmung war prächtig, Rennradfahrer bis zum Horizont, teilweise hinter Hecken und sonstwo.

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Am Start. Vorne die üblichen Verdächtigen.

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Prächtige Stimmung am Start. Siehe Andi (ganz links)

Es ging gleich zackig los. Also wie immer, bereits nach 100 Metern waren die ersten Löcher gerissen. Hannes und ich wollten eigentlich wieder bei den Sternen mitfahren, aber die hatten wir bereits ganz zu Anfang verloren. Ich versuchte uns nach vorne zu fahren, aber der Gegenwind und der Schädel hatten etwas dagegen. Bereits nach ein paar Minuten brach ich total ein. Hannes übernahm dann die Führung, aber ich konnte nicht folgen, so wenig Kraft brachte ich auf die Strasse. Es war echt schlimm, ich war über-vorbereitet.

So langsam bildete sich dann doch ein Gruppe von vielleicht 20 – 30 Fahrern und wir saussten raus aus Delmenhorst, fast immer gegen den Wind und richtig schön anstrengend. Wir waren schnell, aber nicht extraschnell und trotzdem war es irrsinnig anstrengend für mich. Ab und an machte ich an der Spitze etwas Führungsarbeit, aber ich musste mich wirklich zurückhalten. Wäre ich ein Rad, ich hätte nun geknarzt.

Peinlicherweise hatte ich schon wieder Probleme mit dem Material. Ich hatte extra mein knarzendes Canyon zuhause gelassen und mich mit dem lahmeren Basso Fior di Loto begnügt. Das ist eins von zwei Rädern, die nicht mit SPD Klickpedalen, sondern mit SPD-SL Klickpedalen ausgerüstet ist. Da ich das recht selten benutze hatte ich mir keine Gedanken über die Schuhe gemacht, zu mal ich ohnehin zwei paar SIDI habe, eins sehr alt und eins alt. Aus Versehen zog ich aber das sehr alte Paar an und da waren die Cleats nicht mehr im besten Zustand. Mitten auf freier Strecke, als ich in den Wiegetritt ging, klickte ich aus dem Pedal aus, trat auf die Strasse und musste einige Verrenkungen machen um mich nicht flach zu legen.

An einem T-Stück zeigte der Pfeil des Ausrichters nach links, aber viele waren sich sicher, dass wir nach rechts abbiegen sollten. Chaos. Schließlich entschieden wir uns dem Garmin und den Ortskundigen zu vertrauen und fuhren rechts weiter, was sich als die richtige Entscheidung herausstellte. Viele andere, unter anderem der schnelle Trupp vor uns, hatte sich aber für die falsche Richtung entschieden und kam deshalb an der Verpflegungsstation nach uns an. Warum das so kam weiß kein Mensch. Es könnte ein Versehen des Ausrichters sein, oder vielleicht hatte jemand das Schild auch umgehängt, wer weiß das schon. Tatsache ist aber auch, dass diese kleinen roten Pfeile mit gelber Spitze sehr schwer zu sehen sind. Man erkennt den Pfeil, braucht aber noch einige Zeit um die Richtung festzustellen. Und teilweise waren die Pfeile sehr spät vor den Abzweigungen festgemacht, so dass es zu scharfen Bremsungen im Feld kam. Das könnte und das sollte besser werden.

Da wir eine der wenigen, schnellen Gruppen waren, die die richtige Abbiegeentscheidung getroffen hatten kamen wir dann auch als erste an der Station in Colnrade an. Die schnelle Gruppe kam vielleicht 5 Minuten später, hatte einen dicken Hals und fuhr fast geschlossen an der Station vorbei (Auf Strava kann man gut nachverfolgen, wie sie etwa 10 Minuten Zeit verloren haben). Nach ca. 45 km muss man ja auch nicht unbedingt eine Pause machen. Wir bildeten dann eine kleinere Gruppe von vielleicht 20 Fahrern und machten uns auf und hinterher auf die 120 km Schleife. Dabei waren auch Kai Pi und Balacz, ersteren kenne ich schon sehr lange, zweiteren seit letztem Samstag. Und auch Lars. Ich wollte nun mit meinem iphone ein paar coole Photos machen, aber alles was mir aus Versehen gelang war dieses hier.

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Wie man sehen kann, habe ich mein sehr schickes Positivo Espresso Outfit an.

Die Gruppe passte ganz gut zusammen. Wir sammelten unterwegs noch zwei Fahrer auf, die aus der schnellen Gruppe gefallen waren, unter anderem einen Fahrer von der SG Stern der so aussah wie der Sportler unten heißt.

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Nein, nicht Kevin. So kann man nicht aussehen.

Das Klima in der Gruppe wurde nun immer besser, etwas das aus der Psychologie als „Stockholm Syndrom“ bekannt ist, oder meinetwegen auch als Delmenhorst Syndrom. Irgendwie ist alles zu schnell und zu anstrengend, aber man weiß auch, dass wenn es noch viel anstrengender wird und länger dauert, wenn man aus der Gruppe herausfällt. Deshalb entwickelt man eine Hassliebe für die Tempobolzer vorne an der Spitze.

Der Norddeutsche an sich und der Langstreckenfahrer im besonderen gilt ja allgemein nicht so als sehr offen und gesprächig (vgl. Horst Delme: „Der Norddeutsche – Aufzucht, Hege und Pflege“) im Gegensatz zum Rheinländer, aber bei einer RTF merkt man doch sehr deutlich, wie sich die Atmosphäre in der Gruppe langsam ändert. Am Anfang ist es sehr still, keiner sagt etwas, alle schweigen oder hecheln, denn bei 45 km/h ist es für die meisten von uns auch schwierig Konversation zu machen. Doch mit der Zeit beginnen die ersten Smalltalks. Der eine oder andere murmelt: „frei“, wenn eine Straße gekreuzt wird, oder flüstert „rechts“ wenn nach rechts abgebogen werden soll. Nach ca. 100 km sagt auch mal jemand „Vorsicht“, wenn ein Mähdrescher in voller Breite entgegenkommt, oder eben ein Haufen Fußballfans aus Dresden. Am Ende ist die Stimmung dann bereits orgiastisch. Man steht virtuell auf den Tischen und schreit „FFFREEEEIIIIIIIIII“ oder „AUUUTOOOOO VONNN VOOOOORNE !!!!“ in einer nicht für möglich gehaltenen Lautstärke. Hier verliert der Nordeutsche alle Hemmungen und geht in der Gruppe auf.

Ich klippte versehentlich noch zwei Mal aus. Beim zweiten Mal war es in einer Kurve in Colnrade, ich war gerade im Wiegetritt und steuerte auf einen Bordstein zu. Zum Glück war der Winkel recht flach, ich knallte mit der Pedale dagegen, das Rad fuhr durch den Impuls nun vom Bordstein wieder weg und ich konnte wieder einklicken. Das war aber sehr knapp.

So kamen wir geschlossen zum zweiten Mal an den Verpflegungspunkt.  Nach einer kurzen Pause entscheiden Hannes, Kai, Balacz und zwei andere aus unserer Gruppe, dass wir die 155 km in Angriff nehmen wollten. Wir fuhren los, aber ich schaffte es nicht in mein rechtes Pedal einzuklicken. Der Cleat war jetzt total hinüber. Also zogen Hannes und ich die Konsequenzen und machten uns auf den Heimweg. Bislang war ja noch nicht wirklich etwas passiert, aber ich wollte unser Glück auch nicht strapazieren.

Hier hatten wir nun endlich Rückenwind und kamen auch zu zweit gut voran. So langsam hatte ich den Alkohol aus meinem Körper rausgeschwitzt und funktionierte wieder einigermaßen normal. Hannes und ich wechselten uns vorne ab, überholten die eine oder andere Gruppe bis wir an die Stadtgrenze von Delmenhorst kamen und dort von einer anderen Gruppe im Ortsschildsprint überholt wurden. Und dann war die RTF und somit 120 km auch wieder vorüber. Wir hatten uns nun wirklich Bratwurst, Ziwi, Kaffee und Kuchen verdient.

Strava

Das übliche Gequatsche danach, ich war froh das sich es geschafft hatte denn Körper und Material hatten heute eigentlich etwas dagegen. Und hey, da war ja auch der Typ von der Selfiebox, vom letzten Wochenende.

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Auf dem Jersey ist ein perfekter Kreis abgedruckt.

 

Jörg war da, später kam auch Silke rein und wir fuhren alle zusammen wieder zurück nach Bremen. Das Ende der Giro d’Italia Etappe habe ich noch so halb mitbekommen, die Bundesliga aber so gar nicht mehr. Macht nichts.

Hannes hingegen hatte anschließend mit seiner Familie noch „Die lange Nacht der Museen“ vor sich. Ich denke Sport und Kultur sollten in umgekehrter Reihenfolge abgefrühstückt werden.

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OBKM 2017. Rennen 2.

Die OBKM, oder Offene Bremer Kriteriumsmeisterschaft ist eine Serie von sechs Rennen auf einem 1 km langen Rundkurs die gemeinsam von Bremer Vereinen organisiert, dieses Jahr zum x-ten Mal stattfindet. Also eine Tradition. Was bedeutet es bei einem Kriterium teilzunehmen und wer kann das?

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(c) fast alle Tim Weber

Prolog

Ein Kriterium ist ein Rennen, dass auf einem Rundkurs ausgerichtet wird. Das hat den Vorteil, dass es für den Ausrichter einfacher zu organisieren ist, die Zuschauer mehr vom Rennen haben und die Strecke sicherer ist für die Fahrer. Der Unterschied zu einem Rundstreckenrennen ist dabei, dass nicht der Erste der am Ende über den Zielstrich fährt der Gewinner ist, sondern dass nach jeweils einer bestimmten Anzahl von Runden (meistens 5) Punkte vergeben werden, 5 für den Ersten, 3 für den Zweiten und jeweils 2 und 1 für den Dritten und Vierten. Beim Endspurt wird die doppelte Anzahl von Punkten vergeben. Wer in der Addition aller Punkte die meisten hat geht als Gewinner hervor, deshalb wird so etwas auch manchmal als Punkterennen bezeichnet.

Für den Ausrichter ist das ein wenig mehr Arbeit, denn er muss jeweils notieren wer auf den vorderen vier Plätzen landet, für die Zuschauer ist das wesentlich spannender, da im Abstand von 10 bis 15 Minuten immer wieder gesprintet wird und für die Teilnehmer ist das einfach sau-anstrengend – sowohl von der Kraft, als auch von der Konzentration auf die richtige Taktik.

Bei der OBKM kommt noch hinzu, dass es eine Serie von 6 Rennen ist, die auf dem Sachsenring in Heilshorn ausgetragen wird. Sachsenring, das klingt zunächst einmal toll, bis man sich bewusst wird, dass man am Arsch der Welt in einem Industriegebiet direkt gegenüber einer Produktion von Müllwagen fährt. Für die ersten zehn in jedem Rennen gibt es 12 bis 1 Punkte, dazu zusätzlich noch 5 Punkte für jede Teilnahme an einem Rennen. Wer am Ende der Serie die meisten Punkte hat ist Bremer Meister.

Das hat schwerwiegende Konsequenzen, denen man sich bewusst sein sollte, bevor man sich entscheidet teilzunehmen:

  • Man muss auf ein Holzpodest steigen.
  • Man bekommt einen Blumenstrauß, der zum Schutz gegen Chemtrails in Alufolie eingewickelt ist.
  • Die Tatsache, dass man Meister wurde, ist innerhalb von einem Tag nach der Siegerehrung keinem Menschen mehr auf dieser Welt in Erinnerung.

Trotz dieser eklatanten Nachteile finden sind jedes Jahr so etwa 50 Fahrer die in ihrer Sucht nach Gefahr, Abenteuer, Ruhm und Ehre so verzweifelt sind, dass sie in verschiedenen Klassen in drei Rennen pro Renntag teilnehmen:

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Jugendrennen. Das ist entweder der Erst- oder Zweitplatzierte. Bin nicht sicher. Fuhren aber auch nur zwei.

Zunächst startet das Jugendrennen (U11, U13, U15 gemeinsam) über 15 Runden. An dem Rennen nehmen jedes Jahr etwa 5 Jugendliche teil die überwiegend von der RRG Bremen kommen. Das ist nämlich der einzige Verein in Bremen der aktiv Nachwuchsarbeit betreibt.  Bei allen anderen Vereinen, wie dem RCB oder Rot-Gold besteht der Nachwuchs ja aus den Dreissigjährigen (auch bekannt als „Coole Kids“), bzw. den Fünfzigjährigen. Bei Rot-Gold lernt man vor allem eins: Kuchen backen für die RTF. Da ist der Verein auf einem Niveau, das niemals von einem andren bremischen Verein erreicht werden wird.

Danach folgt mein Rennen über 25 Runden, dass den latent Leistungsschwachen wie mir ermöglicht auch mal Punkte zu machen und was zu gewinnen: Neben den Fünfzigjährigen dürfen da auch Frauen und Pandas mitfahren. An der Serie nehmen weniger als 10 Fahrer in dieser Kategorie teil, was den Vorteil hat, dass ein Topergebnis garantiert ist. Ich sag nach dem Rennen immer zu meiner Frau „Ich bin Vierter“ geworden und verschweige die Anzahl von fünf oder sechs Teilnehmern.

Das dritte und letzte Rennen geht über 40 Runden und ist ein Jedermannrennen. Es ist mit Abstand das schnellste Rennen und offen für alle Teilnehmer. Ich könnte natürlich auch da mitfahren, aber ich bin doch nicht bescheuert. Erstens sind dann 20 bis 30 Fahrer im Feld, zweitens würde ich da nach 5 Runden hinten rausfallen und drittens lacht sich da vorne links im Bild Caro über das Tempo tot, während weiter rechts die bärtigen und tätowierten Probleme haben überhaupt im Bild zu bleiben. Ich habe lange dafür gearbeitet endlich über Fünfzig zu werden und diese Sonderrechte werde ich mir jetzt nicht mehr nehmen lassen.

Taktik

Strategy & Tactics Cycling Chess on Wheels

Im Gegensatz zu einer RTF oder einem Jedermannrennen a la Cyclassics oder Velothon das zu Beginn einer Veranstaltung entschieden wird (20 km volle Power, hoffen, dass man in der Spitzengruppe bleibt, danach nur noch gemütlich zu Ende fahren), muss man bei einem Kriterium schon etwas mehr nachdenken. Es gibt zwei grundsätzliche Strategien wie man Punkte einfahren kann:

  • In der Runde vor dem Punktesprint in der Gruppe fahren und dann aus der Gruppe heraus versuchen beim Sprint möglichst weit vorne zu landen.
  • Sich im Rennverlauf aus der Gruppe abzusetzen, alleine oder mit zwei oder drei Fahrern, und dann nicht mehr sprinten sondern einfach versuchen möglichst lange vor dem Feld zu bleiben.
    Das Absetzen macht zu einem frühen Zeitpunkt Sinn, da dann die Chance besteht möglichst viele Wertungen mitzunehmen; es hat die höchsten Chancen auf einen Erfolg wenn sich eine Gruppe bildet, die die Tempoarbeit unter sich aufteilt. Alleine ist es bei einem Tempo von ca 40 km/h schwierig lange vorne zu bleiben.

Wird bis kurz vor dem Zielstrich in der Gruppe gefahren, muss man sich zeitlich und örtlich gut positionieren, um den Sprint zu gewinnen. Also an welcher Position bin ich wo in der Gruppe und wann starte ich meinen Sprint?

Ganz vorne zu sein ist gut, da die Strecke dann kürzer ist, aber auch schlecht, weil man nicht sieht wer hinter einem antritt und zu spät startet. Auch gibt es hier keinen Windschatten.

Ganz hinten zu sein ist auch nicht schlecht, da man das gesamte Feld im Überblick hat und sieht wer anfängt zu beschleunigen. Allerdings reicht die Zeit oder Strecke oft nicht mehr aus dann ganz bis nach vorne zu fahren.

Sind Kurven im Spiel oder ist die Gruppe sehr groß, dann muss man auch noch darauf achten, dass man überhaupt die Möglichkeit hat aus der Gruppe herauszukommen und die Kurven mit Tempo durchfahren kann ohne abzubremsen.

Auf dem Sachsenring ist es so, dass die Zielgerade etwa 100m lang ist, davor ist die letzte Rechtskurve. Man muss den Sprint vor der Kurve anziehen, auf den letzten 100 Meter kann man noch mal fünf  Meter gut machen aber viel mehr ist da nicht drin. Schon gar nicht, wenn man nicht mit Tempo aus der Kurve kommt.

Das schreibe ich hier jetzt mit meinen Erfahrungen aus insgesamt vier Kriteriumrennen (drei in Bremen, eins in Japan) und sollte entsprechend gewürdigt werden. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass ich mit jedem Rennen ein besseres Gefühl für die richtige Position und den richtigen Zeitpunkt bekomme. Mit anderen Worten, man kann da viel lesen und sich Gedanken machen, lernen tut man das aber nur auf der Strecke.

Der Renntag

Super Wetter, 26 Grad, endlich. Ich wünschte, ich wäre stressfreier zum Rennen gefahren, aber zeitlich war es sehr knapp und daraus ergab sich eine Kette von Fehlern. Mein schnellstes Rad, das Canyon Positivo, leidet gerade an der Tretlagerknarzkrankheit. Menschen sprechen mich an auf der Strasse und sagen „Für das Rad brauchen Sie keine Klingel.“ Das ist etwas unangenehm, bietet aber die Chance viele neue Bekanntschaften zu schließen. Alle anderen Räder sind nicht schnell genug für Kriterienrennen. Also musste ich knarzend zum und dann anschliessend im Rennen fahren. Da hätte ich auch gleich beim Start zum sprinten mit dem Megaphon rufen können: „Ich leg‘ jetzt los!“ denn das knarzende Innenlager verrät alles.
Ach so, und dann dachte ich, dass eine Trinkflasche genug ist – haha, bei 26 Grad, was für eine doofe Idee; zum Glück haben mich die Eltern von Schnippo vor Ort versorgt.
Letztendlich war ich aber dann doch vor dem Start des Jugendrennens da und traf einige bekannte Gesichter am Start.

Da Jugendrennen mit zwei Fahrern, von denen der eine auch noch deutlich schneller ist als der andere, war naturgemäß eher langweilig.

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Linda beim warmtüddeln für das Senioren/Frauen/Pandarennen

Dann kam das extrem spannende Senioren/Frauen/Pandarennen; extrem spanned und extrem anstrengend, da ich da ja selber mitfuhr. Mir geht immer das Herz in die Hose wenn ich vor dem Start Gesichter sehe die ich nicht kenne, da ich befürchte dass die vielleicht in meinem Rennen mitfahren und eine gute Platzierung verhindern. Meine Sorge war aber unbegründet, es nahmen die gleichen 5 Fahrer teil, die auch beim ersten Lauf dabei waren: Linda, Wolfgang, Reiner, Kai und ich.

Senioren, Frauen und Pandas sind nett zu einander, d.h. wir fahren zügig um den Kurs (38er Schnitt), wechseln uns aber dabei vorne auch ab. Das war bei dem Rennen besonders wichtig, da es auf der Zielgeraden und kurz danach auch heftig Gegenwind gab.

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Beim ersten Sprint nach 5 Runden war ich relativ weit hinten, noch nicht warm und irgenwie auch verpennt. Ich merkte zu spät dass es los ging und fand mich sehr weit hinten, so dass ich gar nicht mehr den Aufwand trieb zu sprinten und Letzter wurde. Jetzt war es nur wichtig  das Loch wieder zuzufahren, dass sich nach dem Sprint aufgetan hatte, denn wenn die anderen jetzt Druck gemacht hätten wäre ich hinten rausgefallen und dann wäre es vorbei gewesen.

Beim zweite Sprint in der 10. Runde war ich weiter vorne, aber der Sprint startete sehr spät, so dass ich nicht die Strecke hatte weiter nach vorne zu kommen und auf dem vierten Platz landete. Da der 5. (Kai) aufgegeben und relativ weit hintern war, mussten wir beide uns dann anstrengen das Loch wieder zuzufahren.

Beim dritten Sprint landete ich wieder auf dem letzten Platz, da ich mich sehr schlecht innen hinten positioniert hatte. Dann fuhr Linda auf der Gegengerade schnell an und riss ein Loch von 20m auf; Wolfgang und ich sprinteten hinterher und wenn wir uns nun die Führungsarbeit geteilt hätten, dann hätten wir uns gut absetzen können. Das kam aber nicht zustande und so waren wir wieder alle zusammen.

Also lief auch der vierte Sprint in der Gruppe und ich konnte mich an vierter Stelle platzieren. Je länger das Rennen dauerte, um so mehr war ich motiviert und meine Ausdauer kam mir nun auch zu Gute.

Den Schlußsprint begann ich an vierter Position liegend und ich wollte gerade am Feld vorbeiziehen, als Wolfgang und Linda ihren Sprint starteten. Das passte perfekt, ich konnte mich hinter die beiden klemmen, schnell durch die Kurve ziehen und einen der anderen noch überholen auf der Geraden durch pure Energie und Kraft. Am Schluß wurde es noch einmal richtig laut: Das Innenlager knarzte was das Zeug hielt und das Publikum feuerte mich begeistert an bei meinem Versuch den dritten Platz zu erobern. Dachte ich. Tatsache war allerdings, dass das Publikum Linda anfeuerte den Sprint zu gewinnen, was ihr auch gelang. Egal, es half. In der Addition wird es vermutlich der Vierte, mit ein wenig Glück der dritte Platz werden. Sehr schön.

Am Straßenrand lernte ich dann die Eltern von Schnippo kennen, die mir anboten mir etwas zu trinken zu besorgen. Das war wirklich sehr, sehr nett. Meine erste Frage an die beiden war:

„Sie sind die Eltern von Schnippo?“ Ich hätte sie überhaupt nie erkannt. Warum sind sie nicht tätowiert?“

Unbenannt

Schnippo (Ausschnitt)

Aber jetzt zum Rennen. Da war ein Feld mit etwa 20 bis 30 Fahrern, teilweise mit Lizenz. Es fahren auch einige RCBler mit wie eben Schnippo, Benjamin, Christian und viele andere die es noch nicht geschafft hatten Fünfzig zu werden.

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Das Tempo war hoch und während sich viele einfach darauf konzentrierten im Feld zu bleiben, setzten sich vorne drei Fahrer ab und arbeiteten einen deutlichen Vorsprung zum Feld heraus. Die holten dann quasi alle Punkte in den Sprints, bis auf die ersten beiden. Und am Ende holten die das Feld ein. Damit war das Rennen relativ schnell gegessen.
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Interessant ist es insbesondere die Gesichter zu sehen und sich darüber Gedanken zu machen, was im Kopf vorgehen mag – als Radrennfahrer muss man das können, damit man den nächsten „Move“ planen kann.

Gesichtsanalyse im Radsport

Gesichter 1

Links: „Muss das hier jetzt so schnell sein, echt.“ Rechts: „So lange der alte Sack da vor mir dran bleibt muss ich wohl auch.“

Gesichter 2

Links: „Ich bin voll der Kannibale!“ Rechts: „Und ich kotz Dir gleich auf das Radschloß.“

Gesichter 3

„Ich wünschte ich wäre 50 und könnte bei den Frauen mitfahren!“

Gesichter 4

„Ha ha ha, die klönen da beim Rennfahren!“

Kurz vor Dunkel ging es dann im Pulk aller Fahrer gemeinsam die 20 km zurück nach Bremen. Durch mein Innenlagerknarzen kam ich mit vielen gut ins Gespräch, ich sollte das wirklich nicht reparieren. Christian und ich nutzten die Gelegenheit zu einem „Ziwi“ (Bremisch für Zitrone-Weizen) im Haus am Walde, alle anderen wollten schnell nach Hause. Ein schöner Tag ging zu Ende.

Strava

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sterne und Sternchen: Bremen RTF

Seit 1871 organisiert der RSC-Rot Gold Bremen eine RTF, die bislang über verschiedene Distanzen durch Wilstedt führte. Als Hannes und ich gegen halb zehn zum Start am Unisport kamen, waren bereits die Sterne und Sternchen der Bremer Radsportszene versammelt und füllten mit Buntstiften (zahllose Kinder weinten derweil zuhause) ihre Anmeldeformulare aus.

Aber alles der Reihe nach: Hannes und ich hatten uns dieses Jahr entschieden wegen akutem Trainingsrückstand und der schlechten Wetteraussichten nur die 117 km in Angriff zu nehmen. Das ist mehr als 54 oder 72 km, aber auch deutlich weniger als 174 oder 217. Wobei für die lange Distanz ein Startgeld von 20 bzw. 28 Euro genommen wurde, was ich für eine RTF als relativ teuer empfinde. Einerseits. Ich kenne allerdings auch nicht die Hintergründe und an sich bin ich schon dankbar, dass es Vereine gibt die die Mühe und das Risiko auf sich nehmen eine RTF zu organisieren. RSC-Rot Gold, derzeit in einer Phase der Perestroika, hatte die Strecken neu gelegt, so dass ich gespannt war, wie wir nun dieses Jahr nach Wilstedt fahren würden.

Regen war ab 12 Uhr vorhergesagt und da wir ohnehin nur so mit 30 km/h durch die Ebene dümpelten wollten, nahm ich statt dem Canyon das relativ langsame Basso Fior di Loto aus der Garage. Beim Canyon macht das Innenlager nach der Tortur von Lüttich – Bastogne – Lüttich Geräusche wie ein Leopard II der durch die Gartenmöbelabteilung eines Baumarkts fährt. Das Lager passt zur Kurbel, die Kurbel kommt von FRM und die sind pleite. Da muss wohl etwas komplett neues dran, was in Zeiten, in denen die Evolution von Kurbeln leider in Richtung alter germanischer Streitäxte läuft nicht so einfach ist. Wer hätte gedacht, dass SRAM mit der Red 22 mal das vergleichsweise schönste Set auf dem Markt anbieten wird?

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Der Anblick der Starter beim Unisport war etwa so, als wenn man in einer sternenklaren Nacht auf einer Wiese liegt und nach oben in den Himmel schaut: Man sah die Sterne des (bremischen) Radsports wie Vladi, Stephan oder Caro, die Sternchen wie Silvia, Rita und Heike, die Sternschnuppen wie Mascha und die Asteroiden die geradewegs auf die Erde zurasen und drohen die Menschheit zu vernichten wie ….. (schon klar). Rechts tat sich ein schwarzes Loch auf in Form der Manta Squad. Hannes und stellten so etwas wie den Andromedanebel dar und zwar deshalb, weil ich am Abend vorher alles dafür getan hatte heute benebelt zu erscheinen.

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Hannes und ich (v.l.n.r.)

Schon am Start fing es an zu drisseln und ich zog meine Regenjacke an, die sich mittlerweile in ihre Lagen auflöste, nachdem da 1.000.000.000.000 mm Drucksäule in Lüttich aufgebracht wurden. Ich brauche eine neue, unbedingt. Ideen für eine leichte Jacke unter €100?

Es gab keinen gemeinsamen Start, sondern wir wurden mit preußischer Präzision von den Führungskräften des RSC-Rot Gold in Gruppen auf die Strecke gelassen. Ungeduldig scharrten wir die Hufe, aber Pickelhaube und Säbel in Rot und Gold machten unserem Übermut schnell ein Ende. „Wer keinen Startstempel hat bekomt keine Punkte!“ Punkt.

Und dann ging es auch schon los, Hannes und ich in einer tweilweise sehr schnellen Truppe, u.a. auch mit Björn und Thorsten. RTFs haben ja so ihre eigene Dynamik, und der hier fehlte es nicht daran: Bereits nach weniger als 400m hatte es die Gruppe an einer Ampel zerrissen. Auf dem Weg zum Kuhsiel konnten wir in der Ferne die Sterne sehen, während Hannes und ich so vor uns her fuhren und der Rest noch an der Ampel stand. Hannes erzählte mir gerade von der letzten, echten Kneipe Bremens, „Leichen-Elly“ als die schnelle Ampelgruppe uns von hinten überholte. Da klemmten wir uns natürlich dran, auch wenn wir relativ schnell feststellen mussten, dass die mit 40+ unterwegs waren und das nun weh tat.

Vor allem war die Gruppe extrem nervös: ständig wurde gebremst und beschleunigt und von links nach rechts gekreuzt. Da kam kein Rhythmus auf und teilweise war es sehr gefährlich. Einmal blockierte ich mein Hinterrad, einmal machte sich jemand hinter mir fast lang weil er von der Fahrbahn abkam, gegensteuerte und dann quer in die Gruppe fuhr. Die Gruppe fuhr in etwa wie Boris Johnson Rugby bzw. Fußball spielt.

An der ersten Kontrollstelle in Otterstedt nach 30 km bog jemand überraschend vor mir nach links ab und wieder konnte ich mich nur mit Mühe auf dem Rad halten. An sich war es mehr wie ein Rennen und weniger wie eine RTF.

Hannes und ich beschlossen und daher in eine andere Gruppe einzuklinken, aber da war weit und breit keine Alternative zu sehen. Wir fuhren dann erst einmal mit dieser Gruppe weiter und nach weiteren 4 km stellten wir fest, dass fast alle auf die 72 km Strecke abbogen und nur 3 oder 4 weiter 117 bzw. 174 km fahren wollten. Trotzdem war das eine schnelle Truppe wieder mit fast 40 km/h, aber zu klein und dadurch, dass wir zu oft vorne fahren mussten stiegen wir auch dort wieder aus. Wir waren dann zu dritt unterwegs, bis ein recht schneller Focus Fahrer zu uns stieß und wir dann gemeinsam ein gutes Tempo fanden, dass uns zur zweiten Kontrollstelle nach Hetzwege brachte. In der Gegend zwischen Ottersberg, Zeven, Scheeßel und Rotenburg bin ich bislang wenig unterwegs gewesen; die Straßen hier waren klein und gut ausgewählt und das machte nun auch wieder Spaß, zumal auch der Sprühregen aufgehört hatte.

In Hetzwege ist vermutlich eher weniger los so. Ich habe gerade einmal auf den Veranstaltungskalender 2017 der Gemeinde geschaut und zu den Höhepunkten des Jahres zählen Blutspenden, Altpapiersammeln und das Kaffeetrinken der Frauen. In Hetzwege taten wir uns zusammen mit etwa 10 Fahrern der SG Stern. Für die, die es nicht wissen, das ist die Betriebssportkampfgruppe des hiesigen Mercedeswerkes. Wir waren allerdings nicht mit der Rennrad- sondern mit der Schachabteilung unterwegs; das erkannte ich gleich, da einige von denen weiße, und andere schwarze Jerseys trugen. Es gab eine weiße Dame, einen weißen Turm mit Bart und jede Menge schwarzer Bauern.

Zuerst machte ich mir etwas Sorgen, dass wir uns als Renault- bzw. gar nicht Fahrer da in eine elitäre Gruppe reingeschmuggelt hatten und nicht so recht willkommen waren. Das war aber nur ein Vorurteil meinerseits, denn mit der Zeit wurde sich ganz nett unterhalten und ich wurde aufgeklärt, dass die schwarzen die Heim-, und die weißen die Auswärtstrikots sind. Und das die SG Stern mit 41.000 Mitgliedern einer der größten Sportvereine Deutschlands ist. Und dass jeder Standort seine eigene Farbe hat, erkennbar an den Streifen an der Hose. Die Farbe Bremens ist rot. Hat alles der Konzern festgelegt, man kann sich so richtig vorstellen wie in der Konzernzentrale die Schreibtische glühen und sich die Stabsabteilungen Gedanken zu machen was man noch so alles festlegen und standardisieren könnte. Vielleicht, dass alle auch ein Mercedes Rad fahren könnten?

Es ging jedenfalls gut voran und so ließen wir den dritten und letzten Verpflegungspunkt in Otterstedt aus, in der Folge kam es zu etwas Konfusion. Statt die letzten 33 km über Ottersberg, Sagehorn und Borgfeld voll zu machen, fuhren wir nur die 26 km der 55er Runde zurück auf etwa dem gleichen Weg, den wir gekommen waren, so dass wir nicht die vollen 114 km erreichten. Ich bin mir aber auch sicher, dass dieser Betrug dem Personal des RSC-Rot Gold aufgefallen wäre. Am Ende gab es noch den traditionellen Sprint über die Autobahnbrücke am Platzhirsch und dann waren wir auch schon am Ziel. Zeit für Kuchen, Kaffee, Fluppe und ein Selfie.

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Traumkörper.

Strava

Yep, das Wetter hatte gehalten und wir konnten uns nun endlich dem Ziel des ganzen Tages, nämlich dem Kuchenbuffet des Vereins zuwenden. Kai war da und auch Axel, Björn, Thomas, Benjamin und ein paar andere. Entspannt. Hannes konnte mir nun endlich die Geschichte von Leichen-Elly erzählen, die wir etwa 3 Stunden vorher abbrechen mussten, um in der Gruppe mit 40er Schnitt nach Fischerhude zu hecheln. Die Regenjacke hatte auch gehalten, das Wetter am Ende war ohnehin und unerwartet gut. Aus der Jacke quillten fiese gelbe Plastikschichten – so als wenn sich dort eine Familie Quallen versteckt hätte.

Ich kam rechtzeitig nach Hause bevor die Spiele der Bundesliga angepfiffen wurden und wachte wieder auf, als diese zu Ende waren. Zum Glück dauerte Wolfsburg gegen Gladbach etwas länger, denn das war das Spiel wegen eines Gewitters länger unterbrochen. Nächste Woche geht es weiter mit der RTF in Delmenhorst.

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Eingeordnet unter 2017, Bremen, Hannes, Mob

Pave Fiction: Zweier Konkurrenz.

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Lustiges einrollen für den „Roten Fuchs“ bei schönstem Frühlingswetter bisher in Bremen mit Hannes.

Schönstes Frühlingswetter bisher in Bremen; das ist etwa so wie mein ehemaliger Baukollege Dominik in China 1996 auf dem Land bemerkte, nachdem er sich am Straßenrand ein Eis gekauft hatte: „Hm, das ist wirklich lecker. Das beste Eis, dass ich je in China gegessen habe…..heute.“

Wohin soll es gehen bei blauem Himmel und Sonnenschein und zwei Stunden Zeit? „Sollen wir nach Wilstedt?“ Wir schauen uns kurz an: „Ha ha ha, der war gut, beinah‘ wäre ich darauf reingefallen.“ Das Blockland muss einfach voll sein, wir entscheiden uns für Umwege nach Vegesack, über die Weser mit der Fähre (was regelmässig den Strava Schnitt versaut) und dann zurück auf dem Weserschnellweg nach Strom. Der Wind kommt heute richtig stark aus dem Süden und so fassen wir den Plan einmal richtig auf der richtigen Wümmeseite über das Pave zu brettern und uns bei Strava unsterblich zu machen.

Das geht heute richtig gut und schnell. Auch das Wechseln klappt prima, aber leider ist auch diese Wümmeseite heute recht voll und ab und an müssen wir auf die Bremse treten. Ist der Asphalt gut, sind wir konstant mit 40 Sachen oder mehr unterwegs. Ca. 2 km vor dem Ende fährt Hannes vorne und ich überhole ihn, da ich meine ich könnte schneller fahren: „Fahr alleine weiter!“ ruft Hannes von hinten; „Bleib gefälligst an meinem Hinterrad!“ Das klappt auch gut und als wir an der Brücke ankommen müssen wir gleich nachsehen wie wir waren. Eigentlich hätten wir jetzt nach Hause fahren sollen, einen Kaffee machen und auf die Couch hauen sollen. Wir sind Zweite, nur 7 Sekunden hinter dem KOM. Boh, sind wir toll! Also fahren wir weiter nach Ritterhude und auf kleinen Wegen nach Stendorf, Habichthorst, Beckedorf, Aumund und schließlich Vegesack. Siegerehrung.

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Die Fähre nach Lemwerder ist gerade los und wir müssen 20 Minuten warten, das reicht für jeweils ein Hanuta und ein Foto von dem russischen Kriegsschiff, dass bei der Werft von Abeking und Rasmussen vertäut liegt.

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Warum bestellt sich jemand ein Schiff, das so aussieht, als wenn es dem Superschurken in einem James Bond Film gehört? Vielleicht weil jemand ein Superschurke ist oder sein will?

Auf dem Weserschnellweg geht es nun am Fluss entlang zurück Richtung Bremen. Hier finden wir heraus, warum wir bislang so schnell unterwegs waren: Heftiger Wind, teilweise kriechen wir mit 23 km/h in einer Einerreihe daher. Das dauert lange und so werden aus den ursprünglich avisierten zwei Stunden drei, und aus einem lustigen Rollen ein recht anstrengender Rückweg. Auf der anderen Weserseite nehmen wir den Weg an der Schlachte lang – keine gute Idee an einem Tag wo alle Bremer nach langen Monaten der Finsternis die erste Gelegenheit nutzen draußen zu sitzen oder zu flanieren.

65 km, fast ein KOM, jede Menge Spaß und Wind.
Strava

 

 

 

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