Vier Rennen grau: Karriere im Spätsommer.

Plötzlich, und so ganz ohne Grund, packte es mich im August mein Können auf den Jedermannrennen in der Umgebung nicht zu zeigen: Hamburg, Hannover, wieder Hamburg und Münster waren die Bühnen. Ein Vergleich.

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Die Rennen

Als erstes standen im August die Cyclassycs, also die Cyclassics in Hamburg auf dem Programm. Spricht man einen beliebigen Rennradfahrer auf dieses Rennen an, dann sagt der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit: „Da fahr‘ ich nicht, das ist mir zu gefährlich. Da sind zu viele Idioten dabei.“ Die Gefährlichkeit der Cyclassics ist ein beliebtes Themen auf RTFs, Manche RTF unterscheidet sich allerdings nicht wesentlich von den Cyclassics: Am Start rasen alle los wie die Blöden, es gibt eine Menge Stürze und ja, ein paar Irre sind auch oft dabei. Lange Jahre hatte ich mich von den Berichten davon abhalten lassen in Hamburg zu fahren, bis ich es dann 2016 doch gewagt habe. Vattenfall war als Sponsor abgesprungen und es drohte die letzte Cyclassics zu werden die meine Euroeyes jemals sehen würden. War dann aber doch nicht so. Danke, Euroeyes.

2018 gab es dann neue Strecken, ich fuhr die 100 km Runde und die war wirklich schlimm – die Veranstalter hatten sich durch Streckenführung und Personal die größte Mühe gegeben, alle Vorurteile der Cyclassics gegenüber in die Realität umzusetzen. Also entschied im mich dieses Jahr die 60er Runde zu fahren. Start und Ziel machen bei Jedermannrennen am meisten Spaß – der Rest ist RTFisch, finde ich.

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In Hannover, bei Proam war ich bislang noch nie gestartet. Hier gibt es zwei Runden, eine von 68 km Länge und eine mit 103 km und deutlich mehr Höhenmetern. Dank Yvett, Torsten, Rainer und Hannes von der SG Stern hatte ich die Möglichkeit im Team Van dort hin, und dann ohne Team Van auf dem Rad, dort zu fahren. Prima, mal wieder was neues. Außerdem fuhr ich auch zum ersten Mal mit Sebastian, er auf seinem neuen System Six.

Aber das härteste Rennen fand am 22. September in Hamburg statt. Ich hatte meiner Frau zum Geburtstag Karten für das Musical „Paramour“ des Cirque du Soleil geschenkt und ich wusste, dass es ein extrem harter Kampf gegen Müdigkeit, Langeweile und guten Geschmack werden würde.

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Ich mag keine Musicals, das hängt im wesentlich damit zusammen, dass ich es unlogisch finde, wenn Menschen im Gespräch miteinander auf einmal anfangen zu singen. Und dann aus allen Ecken Menschen kommen und um die beiden herumtanzen. Das ist eine sehr eigenartige Darstellung der Realität. Schlimmer als Musicals sind eigentlich nur indische Filme, da ist das meistens so dass Mann und Frau irgendwo romantisch im Park chillen….ihre Gesichter beginnen sich zu nähern, die Lippen öffnen sich, das Verlangen tropft gerade in langen Fäden von der Leinwand und Du denkst: „OK, Action Time Baby!“

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Endlich alleine, Baby !

Und genau in diesem Moment, Millisekunden und Nanometer von einem Kuss entfernt, beschleunigen beide Gesichter weg von einander, ein musikalisches Gewitter erbricht sich vom Himmel und die beiden fangen an zu tanzen und zu singen. Spätestens beim Refrain stellt sich dann heraus, das sich in den Büschen und Bäumen hinter ihnen jede Menge Komparsen versteckt hielten die nun alle rauskommen und mitmachen. Cut.

 

 

Nein, schlimmer als Musicals ist nur noch Pantonime…boh…ich bin einfach zu doof die zu verstehen, da setzt es bei mir aus. Wollte der Typ jetzt zeigen wie Hitler in den Teppich beißt, oder einfach nur zwei Hotdogs bestellen?  Für mich bleibt immer ein Rätsel worum es gerade geht.

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Boh was denn nun? Scheibenbremsen entlüften? Lenkerband wickeln?

Paramour hatte zwar keine Inder, aber jede Menge Pantonime.

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Zum Abschluss der Saison ging es dann am Tag der deutschen Einheit nach Münster zum Münsterland Giro. Das ist für mich immer das letzte Rennen der Saison und ich fahre da sehr gerne. Nachdem ich mich Jahre lang mit Jochen nach Münster aufgemacht hatte, bin ich dieses Jahr mit Martin zusammen gefahren.

Ich mag Münster, sowohl in den ungeraden Jahren, wo die Strecke nach Osten geht und eher flach ist, als auch in den ungeraden Jahren, wo man nach Westen rausfährt und sich über ein paar Hügel kämpfen muss. Münster gefällt mir als Ort einfach auch sehr gut und nach dem Rennen kann man sich noch am Schloßplatz aufhalten und das Profirennen schauen.

Der Start

Hamburg fuhr ich zum zweiten Mal zusammen mit Fabian; wir fahren seit 2011 jedes Jahr gemeinsam beim Velothon in Berlin, aber den gab es ja leider dieses Jahr nicht. Also Hamburg; wir starteten gemeinsam aus Block D oder so. Ich fuhr zum ersten Mal mit meinem neuen gelben Wilier Cento10Pro, eine extrem auffallende Angeberkarre, die in keinster Weise mein Leistungsniveau widerspiegelt.

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Das ist nicht der Lambo von Tim Wiese.

Es ging los und es war unglaublich lahm, so als wenn das Rennen erst einmal neutralisiert worden wäre und eine Schneeraupe vorne weg fährt. Wir chillten so mit 30 Sachen durch das Feld und überholten dennoch jede Menge Fahrer. Da wir aber doch etwas ambitioniert waren, machten wir uns dann daran mit mehr Stoff nach vorne zu fahren. Das ging gut, ich war meistens vorne und sprang von einer Gruppe zur anderen und Fabian hing an mir dran. Auf einem langen, geraden Stück war dann der Abstand zur nächsten Gruppe vor uns bereits sehr groß. Heroisch machte ich mich daran die Lücke zuzufahren, aber der Abstand war einfach zu groß und die Gruppe vor uns auch zu schnell. Zum Glück hatte unser Versuch noch ein paar andere Fahrer aus ihrer Lethargie gerissen und mit vereinten Kräften schafften wir es dann doch an die Gruppe anzuschließen. Das war unser Glück, denn diese Gruppe war mit 40+ km/h richtig gut drauf uns sorgte dafür, dass wir schnell unterwegs waren. Sonst wäre das wirklich öde geworden.

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In Hannover waren wir zwar im B Block, aber viel zu spät am Start, so dass wir uns recht weit hinten einordnen mussten. Natürlich ist man dann trotzdem noch kalt und kann an sich keine Leistung bringen. Das macht aber nichts, in dem Moment wo das Rennen los geht muss man sich nach vorne drängeln, bzw. nach vorne fahren bis man kotzt, sonst wird das alles nichts mit einer schnellen Truppe. Das habe ich dann auch versucht und es lief richtig gut. Nach 8 km hatte ich die Spitze des Feldes immer noch in Sichtweite. Aber irgendwann war ich dann unkonzentriert und/oder die Körner fehlten und nach einer Kurve musste ich abreißen lassen. Hinter mir war auch niemand mehr, der ernsthaft die Lücke zufahren würde. Ich war allein auf weiter Flur und wartete bis die nächste Gruppe mich überholen würde. Das passierte dann auch recht flott und ich sah wie Yvett an mir vorbeischoss. Kurz danach kamen auch die anderen.

Bei Paramour wurde ich zunächst mit einem Glas Latte Macchiato nicht in das Theater gelassen. Man kann war Getränke mitnehmen – aber nur in Bechern und nicht in Gläsern wurde ich aufgeklärt. Also kaufte ich so einen doofen Plastikbecher mit Paramour Aufdruck und schüttete meinen Latte Macchiato, den ich mir bestellt hatte um möglichst viel Koffein zu mir zu nehmen, hinein. Den Becher schenkte ich dann später meiner Tochter und machte ihr weiß, dass ich den extra für sie gekauft hätte.

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Mitten im Gruppetto

Neben uns am Start sassen so Schwaben und andere Reisende, die von Bussen aus der ganzen Republik nach Hamburg gefahren wurde, die blieben dann auch das ganze Rennen neben uns. Ist im Rennen ja immer so, ist man erst einmal in eine Gruppe gelandet kommt man da nie wieder raus. Bei dem Musical, ich kann mich daran nur schemenhaft erinnern, ging es um Frauen die alle als Männer verkleidet auf dem Schlachtfeld in Solferino herumirrten. Ach ne, das war ein Takarazuka Musical, das ich mir 2010 in Tokyo angesehen hatte und aus dem ich immer noch nicht wieder aufgewacht bin. Nein, es ging um Hollywood und einen großen Produzenten, seinen Star und ihren unbedeutenden Freund. Die ganze Stimmung, sowohl im Publikum, als auch auf der Bühnen war, wie Hannes das so schön ausdrückte: „OK, lass uns das mal hier unambitioniert zu Ende fahren.“

Zwei Wochen später in Münster war ich immer noch im Musical Schock, oder vielleicht auch immer noch nicht wieder aufgewacht. Ich war mit Martin runter gefahren, den ich aus dem Laden kannte, weil er auch mal ein Wilier gekauft hatte. Martin fährt auch Dienstags in unserer Trainingsgruppe mit und fällt dadurch auf, dass er immer sehr entspannt aussieht, nie aus dem Sattel steigt und trotzdem irgendwie schnell ist, was auf seine Vergangenheit als Profiruderer zurückzuführen ist. Wir fuhren mit seinem Wagen nach Münster und parkten im besten Parkhaus der Welt. Wir waren früh genug da und standen dann recht schnell in Block A. Wow, Block A, wie hatten wir das denn geschafft? Zum Glück war es auch noch trocken, so dass wir nicht zu sehr froren.

Startschuß! Wie immer gebe ich alles und versuche mich unter vollem Einsatz und voller Ambition nach vorne zu fahren. Zuerst klappt das auch ganz gut, die Strecke ist verwinkelt, viele Kurven, viel Bremsen und Beschleunigen. Aber nach drei Kilometern schon geht mir van der Poel/Yorkshire-mässig die Luft aus – was ist denn da los? Ich kann einfach keine Kraft auf das Pedal bringen. Auf einmal werde ich von ganzen Gruppen von hinten überholt und ich kann nichts dagegen machen, so ein Mist. Da fahren Leute an mir vorbei, die dürften eigentlich aufgrund ihrer Räder und ihres Aussehens nicht an mir vorbeifahren und sie machen es trotzdem. Es hilft nichts, ich reihe mich in eine Gruppe ein, kurz darauf kommt auch Martin von hinten in einer schnelleren Gruppe und ich hänge mich an sein Hinterrad. So springen wir wenigstens etwas nach vorne, aber schnell ist anders.

Der Rennverlauf

In Hamburg bei den Cyclassics lief es in der schnellen Gruppe sehr gut. Die Gruppe war im flachen schnell, aber nicht so schnell, als dass wir in Gefahr laufen würden hinten raus zu fallen. Zudem waren die Straßen breiter, die Sicherung besser, die Kurven weniger als bei der 100 km Strecke im letzten Jahr; es gab keine Stürze in unserem Feld und auch sonst lagen keine Radfahrer blutend Straßenrand und warteten auf den Sani. Nö, es machte richtig Spaß. Nach einer Schleife Richtung Westen ging es durch Wedel an die Elbe und jetzt wurde es auf dem Stück nach Blankenese auch ein wenig hügeliger.

Ich habe keine Angst vor Hügeln, im Gegensatz zu vielen anderen Fahrern aus Norddeutschland. Oft merke ich schon dass ein Hügel oder Anstieg kommt, wenn die ganze Truppe langsamer wird. Dann fahre ich nach vorne und beginne den Anstieg an der Spitze des Feldes. Ist der Anstieg länger falle ich dann zurück, denn leider bin ich einfach zu schwer, um da glatt hochzukommen. Aber das macht nichts, oben bin ich dann immer noch im Feld und kann weiter vom Windschatten profitieren. So lief das auch dieses Mal; dummerweise hatte Fabian einen Defekt und fiel zurück, aber ich war noch dabei. Ein paar Fahrer aus den Blocks vor uns hatte ich aber trotzdem überholt. Einer fuhr weit links und wollte mich einfach nicht vorbei lassen. Da fuhr ich dann neben ihn, stupste ihn kurz mit dem Ellbogen zur Seite und schon war ich vorbei. Alain Rapois, der beste Radfahrer mit dem ich je in meinem Leben gefahren bin, hatte mir mal gezeigt wie man das richtig macht und mittlerweile kann ich mich ganz gut durch ein Feld durchwursteln.

Hinter hier hörte ich nur etwas in der Größenordnung „EEEEEHHHH, bist Du BESCHEUUERRRTTT?“ – aber ich denke mir immer, so lang noch so viel Kraft zum schreien da ist, kann es ja nicht so schlimm gewesen sein und schreien ist ja auch Ausdruck von Frustration und Aufgabe – den sehr ich also nie wieder.  Wovor ich wirklich Angst habe ist, wenn ich gar nichts höre und dann, irgendwann später fährt jemand an mir vorbei und schlägt mir in die Fresse.

Interessanterweise wurde das Tempo nach dem Anstieg deutlich langsamer, so dass auch eigentlich abgehängte Fahrer wieder aufschließen konnten und die Gruppe noch relativ groß war, als wir uns dem Ziel näherten.

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In Hannover war ich jetzt mit allen Fahrern der SG Stern in einer Gruppe gelandet. Das Tempo war schnell, aber nicht richtig schnell. Nachdem es zunächst überwiegend flach war, kamen zwischen dem 25. und 45. km die Anstiege. Der erste war gleich der härteste. Aus einem Dorf heraus ging es über eine Rampe in den Wald und die Steigung war recht ordentlich. Wie immer war ich vorne rausgefahren, da das Peloton vor Angst mal wieder fast stehenblieb. Aber der Anstieg war recht lang und ich wurde mal wieder rechts und links überholt. Irgendwann fuhr auch Torsten rechts an mir vorbei, ich schaute rüber und sah seinen total verbissenen Gesichtsausdruck und musste lachen. Torsten, den ich bislang nur als total chilligen und entspannten Typ kennengelernt hatte biß sich gerade die Zunge ab vor lauter Ehrgeiz. Der Anblick brachte mich dann auf den Berg.

Ein paar Fahrer hatten wir auch hier verloren, aber die Gruppe war immer noch sehr groß und das Tempo gut. Nach einer Weile sahen wir vor uns eine andere Gruppe und man merkte richtig, wie nun gearbeitet wurde, diese einzuholen. Und als das geschehen war wurde das Tempo wieder langsamer. Es folgten ein paar fiese Abbiegungen und zum ersten Mal hörte ich hinter mir das Geräusch von Stürzen. So langsam kamen wir dann auch wieder in das Stadtgebiet von Hannover – ich hatte keine Ahnung wo das Rennen enden würde aber ich arbeitete mich schon mal langsam nach vorne.

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Bei Paramour war es deutlich weniger spannend. Ich war in einer Gruppe von vielleicht 1.000 Besuchern die alle nach vorne auf die Bühne starrten wo nichts nennenwertes passierte. Da wurde eine Geschichte erzählt, von der völlig klar war wie sie ausgehen würde (also etwa so klar wie meine Ergebnisse bei Radrennen) und die ich in einer Minute hätte zusammenfassen können. Damit das ganze aber auf zwei Stunden gedehnt werden konnte, wurde da viel gehüpft und gesprungen und noch mehr, genau, gesungen und getanzt. Ich versuchte das ganze unambitioniert zu ertragen und war dann wirklich froh, als es eine Pause gab und wir in die Verpflegungsstation durfen um ein Glas Rotwein zu kippen. Nur noch eine weitere Stunde.

In Münster war ich nun in einer Gruppe mit Martin. Diese Gruppe war echt nicht schnell, da würde also auch nichts gutes bei herauskommen. Ich hatte jetzt doch etwas mehr Power, aber aus der Gruppe würde ich nicht mehr herauskommen. Als uns eine schnellere Gruppe überholte hängte ich mich da ran, aber auch das brachte nicht viel. Irgendwie war es extrem langweilig, auch null Anstiege bei denen eine Selektion hätte stattfinden können. Zum Glück bin ich Münster ja schon oft gefahren, so dass ich wusste, wann ich mich im Feld nach vorne arbeiten musste, um einen guten Sprint zu fahren.

Ziel und Fazit

Also, ich machte mich auf den Weg nach vorne, wurde aber davon überrascht, dass die 60 km Strecke tatsächlich nur 57 km lang ist. Wenn ich da die Startgebühr durch die Streckenlänge teile und ausrechne, was ich da pro km bezahlt habe – ich hätte auch Taxi fahren können. Jedenfalls ging mir die Strecke aus.

Die Atmosphäre in Hamburg am Ziel ist immer eine gute. Ich haute volle Kanne rein und konnte den Sprint sogar so gut timen, dass die Beine quasi genau in dem Augenblick anfingen zu krampfen, als ich über den Zielstrich fuhr. Gerade mal bei Strava nachgesehen … 44 km/h über die letzten 800 m waren meine höchste Geschwindigkeit bislang und mit 1:05 min lag ich nur 20 Sekunden hinter Übermenschen wie Alexander Kristoff oder Sacha Modolo.

Mit anderen Worten: Ich fühlte mich total großartig. Aber auch nicht so gut, dass ich dachte, oh, da hättest Du auch die 100 km fahren können. Mal schauen….39,5 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, 259. von 3.630 Männern, 54. in der Altersklasse und – der Vergleich der am wichtigsten ist – bei den Frauen wäre ich mit dieser Leistung 8. geworden. Merke: Ein Rennen ist gut gelaufen, wenn man bei den Frauen in die Top Ten fährt.

Kurz danach kam auch Fabian ins Ziel. Wir quatschten noch etwas auf dem großen Platz, wo sich nach dem Rennen alle treffen und dann machten wir uns auf ins Karolinenviertel zu dem berühmten Cafe Panda. Was auch ganz großartig war.

Hamburg hatte mich so richtig angefixt für die weiteren Rennen der Saison.

In Hannover waren wir nun schon in der Stadt, fuhren an so einem See oder so vorbei und ich hatte keine Ahnung wie weit es noch sein würde. So langsam machte ich mich aber an die Spitze. Das Feld wurde nervöser und die Geschwindigkeit auch höher. Ich dachte schon, dass ich auf der Zielgeraden wäre, aber dann gab es noch mal eine Rechtskurve. Die führte in eine Straße, auf der ein Teil der Fahrbahn durch Hütchen etc. abgesperrt war, und zwar auf der Außenseite der Kurve. Ein Fahrer, ca 10 m vor mir, war zu schnell in die Kurve gefahren, fuhr zwischen zwei Absperrungen durch in den abgesperrten Bereich und bei dem Versuch wieder auf die Strecke zurück zukommen fuhr er in eine der Absperrungen. Dabei überschlug er sich, krachte auf den Asphalt und fing sehr,s ehr laut an zu wimmern. Der Polizeiwagen, der vor unserer Gruppe fuhr hatte das irgendwie mitbekommen und hielt mitten auf der Strecke an. Das führte dazu, dass einige Fahrer in den Wagen hineinfuhren und das ganze Feld fast zum stehen kam. Bis ich mich da vorbeigemogelt hatte, war die Spitze des Feldes bereits weg und der Sprint entschieden. Aber immerhin heil angekommen.

Wir waren alle im Feld geblieben und nach einer Weile kamen auch Yvett und Sebastian rein. Und auch Dennis und Lena, und viele andere die ich kannte. Jörn, vom RCB Cyclyng Racing Team hatte übrigens auch das Rennen gewonnen. Also, ein super Tag.

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Mal schauen….125. von 649 Männern, 15. in meiner Altersklasse (Senioren des 19. Jahrhunderts), 38.7 km/h Durchschnitt und …trarara….drittschnellste Frau ..sogar noch vor Yvett.

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Links, dieser chillige Typ. Meistens.

Insgesamt war das ein supertolles Rennen in einer sehr guten Besetzung, was echt Spaß gemacht hat.Ich war also total scharf auf Münster. Aber vorher musste ich noch mal nach Hamburg.

Die Pause war zu Ende und das hüpfen, springen, tanzen und singen ging weiter. Ich hätte ja gerne die Augen zugemacht und ein wenig gedöst, aber selbst das gelang mir nicht bei diesem Langstreckenrennen. David hatte mir mal von einem Artikel über Ultralangdistanzrennen (also etwa Race across America) erzählt von einem Fahrer, der durch Schlafmangel Halluzinationen auf dem Rad bekommt. So z,B. das irgendwelche schleimigen Ungeheuer hinter ihm her sind. Was ihn dann natürlich noch schneller macht. Ich hatte diese Ungeheuer vor mir, direkt auf der Bühne, aber es war leider keine Halluzination sondern einfach nur das, was viele Menschen in Deutschland als „Unterhaltung“ bezeichnen.

Boh, war ich froh, als alles vorbei war. Das war eines der härtesten Rennen meines Lebens. Danke, Hamburg.

In Münster kurvten wir nun in der Stadt auf das Ziel zu. Auch hier fuhr ich so weit es ging nach vorne, aber auch hier schien mir die Strecke auszugehen. Endlich hatte die Truppe ml ein wenig Zug. Und als ich dachte, das Ziel ist um die Ecke machte ich richtig Dampf. Oh je, das war es aber nicht, ich war zu nervös und viel zu früh losgesprintet. Vor mir war ach keiner schnell genug, an den ich mich hätte dranhängen können und so versuchte ich mich ins Ziel zu retten. Auf den letzten Metern wurde ich nach hinten durchgereicht und auch Martin konnte sich nicht zurückhalten und zog noch an mir vorbei. Wie gesagt, auf irgendeine lockere Art und Weise.

Fazit: Warum lief das soooo mies? Ich hatte so gar keine Power. Ein paar Tage später fand ich dann zumindest einen Grund heraus. Ich hatte die Sattelklemme bei meinem Rad nicht fest genug angezogen, so dass sich langsam der Sattel abgesenkt hatte, am Ende um ganze vier Zentimeter. Dadurch bekam ich dann auch nicht so richtig Druck auf das Pedal. Es wäre aber zu einfach, das nur daran festzumachen.

Mal schauen….. Platz 222 von 979 Männern, 49. in meiner Altersklasse, 37,2 km/h Durchschnitt und, ist schon klar, …. das wäre Platz 15 bei den Mädels gewesen.

Riesenfrust. Aber Martin und ich hatten noch Spaß in Münster, wo wir im Bad, bei Pizza und im Lazzaretti abhingen und dann schliesslich auch noch die Profis sahen.

Und damit war die Saison zu Ende.

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Jahr für Jahr stellt sich die Frage, ob das wirklich sinnvoll ist in meinem Alter noch an Rennen teilzunehmen. Ich kenne fast niemanden noch, der das tut, alle haben Angst vor Stürzen, Verletzungen und einem Leben im Pflegeheim. Zumal es ja auch keine Entwicklung mehr nach oben gibt. Auch mit viel Training ist kaum noch eine Verbesserung zum Vorjahr möglich. Einerseits.

Andererseits, macht es immer noch irgendwie Spaß, es gibt viel zu erzählen und zu schreiben und wenn man Rennräder verkaufen möchte, dann sollte man auch mit gutem Beispiel vorangehen und die Dinger auch fahren und ein wenig Ahnung haben. Hat ja leider fast sonst keiner in diesem Geschäft. Klar, in Bremen gibt es zwei Ex-Profis mit Läden, aber die fahren ja seit Jahren keine Rennen mehr. Und dann gib es einen guten Amateurfahrer, aber sonst?

Aber vielleicht ist es auch einfach nur gut, etwas erlebt zu haben.

Und darüber zu schreiben.

 

Strava Münster
Strava Hannover ProAm
Strava Hamburg Cyclassics

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German Folding Bike Open 2019.

Zusammen mit den OBKM Rennen bei Mercedes und einem Drittel des City Triathlons, ist die German Bike Folding Open das letzte Radrennen, das noch in Bremen stattfindet. War da dieses Jahr was für mich drin?

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Nein.

Denn wie oben im Foto zu sehen ist, nahmen außer mir noch andere Fahrer teil, unter anderem Leo und da hätte ich gleich zuhause bleiben können. Aber alles der Reihe nach, denn ein wenig länger kann dieser Post schon sein.

Zur Vorbereitung auf das bremische Leitrennen, hatten wir am Abend auf der Dachterasse des Ladens eine Party organisiert. Dort gab es nicht nur viel zu Essen und Alkohol zu trinken, sondern auch ein buntes Begleitprogramm mit vielen Preisen (gleichzeitig wurde dieses Programm auch genutzt, um etwas, was man im Business-English „slow moving stock“ nennt, drastisch zu reduzieren) und der Möglichkeit die neuen E-Scooter auf der Terasse auszuprobieren und mit viel Schwung und Alkohol unelegant und kopfüber über die Brüstung zu kippen.

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Mit freundlicher Unterstützung von Woom hatten wir einen Parcour aufgebaut an dem jeder seine Fahrtkünste auf einem Woom 3 zeigen konnte. Es wurde auch richtig spannend, Ronny und Attila kamen tatsächlich auf genau die gleiche Zeit und mussten ins Stechen. Dort setzt sich schließlich Ronny mit 1/100 Sekunde Vorsprung durch und bekam dafür eines unserer neuen Cyclyng Jerseys im Größe M. Wenn ihr auch eins haben wollt – Größe M entspricht normaler Konfektsgröße XXS. Bitte immer drei Nummern größer nehmen.

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Kurz, ich kam spät nach Hause und noch später aus dem Bett am nächsten Morgen. Und das Moulton musste auch noch in Schuss gebracht werden. Kurz und gut, ich tat mein möglichstes um hinterher genügend Gründe finden zu können, warum ich auch dieses Mal wieder völlig versagt habe. Das Schicksal meinte es jedoch gut mit mir, doch dazu später.

Was mir am besten an den GFBO gefällt ist, dass die Anfahrt von zuhause etwa 12 Minuten beträgt. Ich fuhr kurz vor 10 am Steintor lang zum Sielwall und wunderte mich wie viele Menschen da noch auf sind von der Nacht zuvor. Ach ja, gerade ist ja auch wieder La Strada in Bremen. Das Kulturprogramm in Bremen ist wirklich nicht das schlechteste – gerade das La Strada und die Breminale, zwei fast kostenlose Veranstaltungen sind Dinge die wir als Bremer irgendwie so als selbstverständlich hinnehmen weil wir die Jahr um Jahr bekommen. Sie sind es nicht.

Am Wall war die Hölle los. Es war nicht gerade so, dass Harms mal wieder brannte, aber es gab eine Menge Leute, die Geschäfte hatten offen und laute britische Musik erklang: „Help“ von den Beatles zum Beispiel und später auch die Titelmelodie von Miss Marple und Dampfhits wie „Highway to hell“ (britische ex-Sträflinge) „Paradise City“ (britische Kontrevolutionäre) und „Seven Nation Army“ (britische Autoverkäufer aus Detroit). Kurz – ich fühlte ich wie in Bradford 1980.

Ich war gerade mit der Rennvorbereitung fertig (eine Mentholzigarette), als Leo kam – das hatte ich ja schon Gerüchteweise gehört. Nachdem meine Chancen hier etwas gewinnen zu können nun quasi Null waren hätte ich auch gleich wieder nach Hause fahren können. Zumal ich ja eh keine Lust hatte. Aber wir machten uns dann auf die Einführungsrunde und dann auch an den Start.

Am Start wartete ich höflich, bis alle Bromptons vor mir ausgeklappt und startbereit waren, bevor ich mich auf den Weg machte. Das führte dazu, dass ich nicht ganz nach vorne kam, denn dort hatten sich bereits ein paar von den rot-weiß gestreiften Kölnern nach vorne abgesetzt. Aber immerhin bewegte ich mich so unter den ersten Zehn im Feld, wenn auch alleine. Leo, als Nachmelder mit der Nummer 102 ganz hinten gestartet war, überholte mich nach etwa einem Kilometer. Mit Kevin (oder Matthias?), dem Gewinner vom letzten Jahr im Schlepptau waren die beiden auch extrem schnell unterwegs so dass ich gar nicht darüber nachdachte mich daran zu hängen.

Ich muss sagen, ich war schon verdammt mies in Form und nach einer Runde hatte ich schon so gar keine Lust mehr. Aber dann konnte ich ein paar von den schnelleren Fahrern überholen und hing mich an einen der Kölner dran. Ich war zwar gefühlt etwas schneller, aber hinter dem konnte ich jede Menge Kraft für das Finale sparen. Prima, jetzt fühlte ich mich gut.

Das Rennen ist nämlich so organisiert, dass zunächst geschaut wird, wer innerhalb von 44 Minuten die meisten Runden fahren kann. Eine Runde ist etwa 2 km lang und da der Kurs ein wenig verwinkelt ist, sind 4 Minuten pro Runde nicht einfach. Die Fahrer mit den meisten Runden kommen in das Finale; da das dieses Jahr nur zwei waren, also Leo, Kevin und Matthias, mit 11 Runden, wurden auch die Fahrer mit 10 Runden und, bin nicht sicher, auch mit 9 Runden zugelassen.

Im Finale wird dann nur eine Runde gefahren, der Sieger ist dann….äh..der Sieger. Toll.

Also, ich dachte mir, jetzt schaue ich mal, dass ich hinter Köln bleibe und dann komme ich gut ausgeruht ins Finale. Wenn Köln zu langsam werden sollte, kann ich ja immer noch durchstarten. Jetzt fühlte ich mich auch wieder richtig gut und aggressiv. Schon in der dritten Runde überrundeten wir die ersten Fahrer. Im Rennen ist das Mist, weil das auf den Schotterwegen nicht ganz ungefährlich ist, aber der Veranstaltung tut so etwas natürlich sehr gut, wenn da Gorillas und Frauen in schwarz-weiß gepunkteten Seidenkleidern auf eigentlich unfahrbaren Rädern durch den Park kurven. Das hätte jetzt noch acht Runden mehr so gehen können und sollen, aber nein.

Genau, das bin ich hinter Köln und dann bin ich das wie ich rechts ranfahre. Zuerst dachte ich nur, dass sich meine Kette im Schaltwerk verklemmt hätte – doof aber nicht wirklich schlimm. Nach genauerer Untersuchung stellt sich dann heraus, dass das Schaltwerk keine Spannung mehr hat – die Schaltröllchen hängen in den Ritzeln, ein Weiterfahren ist fast nicht mehr möglich. Ach ja, Campagnolo, eine ewige Hass-Liebe. Nachdem ich letztes Jahr durch 2 platte Reifen ausgeschieden bin nun das. Langsam fahre ich zum Start zurück und treffe Lena.

Zusammen schauen wir uns nun das Rennen in Höhe des Ziels an. Viele lustige Gestalten sind dabei, nicht nur Gorillas und schwarz-gepunktete Rentnerinnen. Viele von denen sind sogenannte „Erlebnisfahrer“ – im Gegensatz zu „Ergebnisfahrern“ aber manche von den Erlebnissen sehen fertiger aus als die Ergebnisse. Vorne liefern sich Leo, Kevin und Matthias im Duett ein Duell um die Spitze. Mal ist Leo vorne, mal Kevin und Matthias. Auch nach 40 Minuten, als sie bereits zum gesamte Feld mindestens einmal überrundet haben, kämpfen sie noch und geben alles, als wenn es kein Finale geben würde.

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Leo auf seinem Klapprad. Sein Rennrad ist etwa aus der gleichen Epoche (Mesoproterozoikum).

Was übrigens genau das ist was Leo dachte, nämlich, dass er als erster hier nach 44 Minuten über den Strich fahren müsste um zu gewinnen. Hätte ich ihm auch vorher sagen können, dass das nicht so aus, mir wäre aber nie in den Sinn gekommen, dass Leo das nicht gewusst hätte. Jedenfalls sieht er am Ende ziemlich fertig aus – Kevin und Matthias allerdings auch.

Es dauert nicht lange, dann stellen sich die 11, 10 und 9 Runden Fahrer zum Finale auf, insgesamt sind es so etwa 10. Lena und ich fiebern am Straßenrand mit. Ich bin etwas größer als sie, so dass ich etwa 2/10 Sekunden früher mitbekommen, wie Leo führend auf die Zielgerade fährt. Der Rest ist geschlagen und kommt mehr oder minder in einem Block an. Gut gemacht – als Preis winken Karten für das GOP und eine Nacht im Steigenberger Hotel. Ach nicht schlecht.

Eigentlich will ich noch länger bleiben. Eigentlich will ich nie wieder nach Hause zurück. Denn zuhause wartet meine Tochter darauf, dass ich ihr Physik beibringe – Himmelskörpermechanik. Ich setzte mich in den kleinen Park bei mir um die Ecke und gebe mir ein Brit-pop Gegengift.

So. das läuft dann vermutlich gerade jetzt auch in Portugal im Radio.
Eine schöne Veranstaltung – auch weil da mal wieder etwas Publikum da war,  eine Menge Leute die ich konnte und der ein oder andere, den ich da kennengelernt habe.

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RTF Barrien. 2019. Warten auf Bumsfidel. Nein – Robert. Nicht.

Ich würde ja gerne etwas wahnsinnig geistreiches und lustiges über die RTF Barrien schreiben – habe ich aber schon. Mehrfach. Wer das lesen möchte kann gerne die Posts von 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018 nachsehen denn Barrien fahre ich jedes Jahr. Deshalb volle Konzentration auf die Höhepunkte 2019.

Barrien an sich

Über Barrien wird auf Wikipedia viel Wissenswertes berichtet. So wusste ich z.B. noch nicht, dass der Bahnhof Barrien 2010 seit 1972 nur noch ein Haltepunkt ist. Es geht also bergab dort, das sieht man auch sehr deutlich an den Fotos auf Wikepedia, die die Wahrzeichen der Stadt zeigen.

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Die Konditorei Hasselmann kennt jeder ambitionierte Rennradfahrer, da sie sich an der Ampel zu Beginn des Stravasegments am Krusenberg befindet. Dort geht es bergauf, und zwar ziemlich. Urnen werden hier nicht hergestellt, im Gegensatz zu Giesen.

Vorher

Ich hatte auf fb gelesen, dass sich einige Bremer um 7 an der Weserbank treffen wollten, dort wo wir viele Jahre auf Bumsfidel gewartet haben, um gemeinsam nach Barrien zu fahren. Ich bin also hin, war zu spät, doch erstaunlicherweise waren da noch vier.
„Barrien?“ fragte ich in meinem charmanten und angemessenen“Leben des Brians Römerslang

„Klar“ 
„Dann mal los“

Wir fuhren also so vor uns hin und waren ca. eine Viertelstunde unterwegs, als ich fragte. „Ich dachte ihr wolltet um 7 Uhr los, da hatte ich ja noch Glück, dass ihr da wart.“

„Nein, wir wollten um 7:15 Uhr los.“

Es stellte sich dann heraus, dass das gar nicht die fb Truppe war, sondern ein paar Leute von den Triapanthern Duisburg (Name wurde geändert um Unschuldige zu schützen). Die wollten sich zu viert treffen und als ich dann kam, dachten sie, ich wäre halt der Vierte. Kurz danach kam dann auch ein Anruf von Robert, dem vierten: „Seit ihr schon los?“ Ähm, ja, Ups.

Mittendrin

Diesmal fehlte es an Kondition und vielleicht war ich auch erkältet. Jedenfalls bin ich mit der schnellen Truppe raus und dann ein paar Mal aus Gruppen gefallen. Zwischendurch, als so gar nicht viel lief bin ich eine Weile mit Kai gefahren, das war sehr angenehm. Kai erkenne ich immer, denn jedesmal wenn ich mit ihm fahre hat er das gleiche Outfit an, auf dem relativ prominent der Name „Marcel Wüst“ steht. Marcel Wüst – das war Unterhaltung pur auf der letzten Bremen Challenge 2014.

Ich hatte die Videokamera montiert und diesmal machte der Wahoo echt Zicken. Ich war ja sehr lange ein Verfechter von Wahoo im ewigen Konkurrenzkampf gegen Garmin, aber der neue Roam ist nicht wirklich neu und der Elmnt nervt gerade – übrigens auch die Android App seit dem letzten Update. Also, Barrien in Bilder:

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Raus mit der ersten Gruppe. Irgendwie lief das prima und ich dachte: „Hey, ist das lahm dieses Jahr.“ Dieses Jahr hielt das Gefühl ca. 12 km an, dann kegelte es mich hinten raus. Wie jedes Jahr – ich sei denn ich verpenne den Start.

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Alleine, bzw. zu dritt wurden wir dann von einer weiteren Gruppe eingeholt. Prima – dachte ich, aber leider fuhren die fast alle beim ersten Kontrollpunkt schon raus. Danach ging es erst einmal wieder alleine weiter.

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Dann kam eine gute Truppe, die auch gute Tempo machte und an der ich mich wieder rankrallte. In der Ebene war das schon anspruchsvoll daran zu bleiben, beim klettern in Berxen und sonstwo fahre ich vorne raus.

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Berxen – der Höllenanstieg auf den Butterkuchenberg. Sticky Bottle.

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Am Bahnhof (oder Haltepunkt) in Bassum fehlte ein Schild, das uns den richtigen Weg weisen sollte. Kai und ich irren durch das schöne Bassum – dessen unbetreitbarer Höhepunkt die Palettenfabrik Bassum GmbH ist. OK, auch gesehen, Haken dran.

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War es dieses Jahr irgendwie länger? Am Ende hatte ich mehr als 123 km auf dem Tacho – ach ja, da war ja noch die Besichtigung der Palettenfabrik. 33er Schnitt war jetzt doch noch besser, als ich gedacht hatte, dafür dass ich das Ding an einem Stück gefahren bin und noch nicht in Form bin.

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Am Ende chillen auf dem Rasen. Ich bin jedesmal wieder beeindruckt, was so ein kleiner Dorfverein wie Barrien auf die Beine stellen kann. Ich mag dieses Foto von Markus (aka Enno), weil die Drift Ghost Videokamera seinen Körperbau so vorteilhaft ..äh…verzerrt?..darstellt?…ablichtet?

Auf Strava:

Nachher

Die 20 km nach Hause mit Rückenwind fahren sich recht entspannt. Ich habe die Kopfhörer auf und höre Dido solo und in Combo mit Youssou N’Dour.

Die bekannten Studioaufnahmen haben mir nicht genug Druck, aber mit dem betonten Bass bei White Flag und dem sehr guten Drummer bei 7 Seconds (und ohne Geigen) geht das richtig gut ab.

Schreibt der weltgrößte Sade Fan des Geteviertels.

Am nächsten Tag Kopfschmerzen und dicke, harte Waden. Ich wache mies gelaunt auf, da ich geträumt hatte, dass mir ausgerechnet Jörg Sudmann ins Hinterrad fuhr. Noch ein wenig Training und dann geht es weiter nächste Woche am Sonntag bei der German Folding Bike Open.

Danke an den TSV Barrien.

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OBKM 1. 2019. Mercedes Teststrecke Bremen.

Historisches geschah am 18. Mai in Bremen: Zum ersten Mal konnte ein Radrennen auf der Mercedes Teststrecke am Werk in Bremer Süden ausgerichtet werden. Wir waren sowohl als Laden, und auch als Teilnehmer präsent.

Daimler AG - Mercedes-Benz Kundencenter Bremen

Fairerweise will ich gleich zu Beginn erwähnen, dass bereits in den Neunziger Jahren der RSC Rot-Gold Bremen auf der gleichen Strecke mehrfach seine Vereinsmeisterschaften ausrichtete. Ob es sich um die 1990er oder die 1890er handelte weiß ich leider nicht. Und auch Solidarität Arsten wurde da bereits öfters auf dem Parkplatz gesichtet.

Ich liebe die von Bremer Vereinen ausgerichtete OBKM Rennserie alleine schon deswegen, weil alle Buchstaben der Abkürzung OBKM auch in meinem Namen vorkommen; schaufelt man das M nach vorne, sogar in der richtigen Reihenfolge. Außerdem habe ich da mal vor zwei Jahren zwei Rennen in meiner Altersklasse gewonnen und in der Jahresabrechnung den 3. Platz geholt – soviel Erfolg hatte ich noch nie sonstwo. Im Radsport, denn beim Schach machte ich mal den 2. Platz beim Schülertunier 1976. Gewonnen hatte damals Heiner Otten, das verzeihe ich dem bis heute nicht, weil der 1) auch noch älter war, 2) ein tolles Kleinkraftrad besaß und 3) aus aus eben diesen Gründen auch eine hübsche Freundin.

Egal, also das OBKM wird von den Bremern Vereinen RCB, RRG und RSC Vegesack ausgerichtet. Wen die Abkürzungen verwirren und wer sich fragt, warum Bremen mit seinen 27 Rennradfahrern ca. 41 Vereinen hat, der schaue für eine logische Erklärung kurz hier nach. Genauso gut kann man sich allerdings auch die Ergebnisse der bremischen Bürgschaftswahl von letztens ansehen.

Normalerweise sagt man ja am Ende eines Blogs immer Danke für dies und das, aber ich möchte das gerne mal am Anfang machen, weil ohne dass hier ein paar Menschen aktiv geworden wären, hätte es das alles nichts gegeben. Also Danke insbesondere an Uwe Burmester, der das fast alles alleine auf die Beine gestellt hat und immer schön realistisch nach vorne getrieben hat.

Nachher sagen dann immer einige wenige Danke, die Mehrzahl schweigt und einige wenige monieren dann dies und das: Das erste Rennen startete zu spät, der Puderzucker über dem Schokokuchen war nicht gleichmäßig verteilt und einer der Mercedes Mitarbeiter schaute immer so grimmig. Man sollte solche Dinge nicht organisieren, wenn man erwartet, dass andere Menschen dann dankbar sind – das passiert nämlich nicht. Man sollte diese Dinge organisieren, wenn man weiß, dass man das richtige tut, scheißegal was die anderen denken. Und meckern darf man nur, wenn man als Ehrpartner oder Kind zu dem Rennen geschleppt wird und eigentlich viel lieber Schuhe kaufen, Bier saufen mit den Kumpels oder Eiscreme schlecken würde. Die Erfahrung zeigt, bevor jemand Danke sagt, sagen fast alle: „Oh wie schade, warum machst Du das nicht mehr?“ wenn du mal mit den Sachen aufhörst.

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Oh Gott – schau Dir mal die Streusel-Normalverteilung an!

Ich dachte ich leiste auch meinen Beitrag zu dem Tag und bot an Reparaturen und Service am Streckenrand anzubieten. Da ich das das erste Mal machte dachte ich, nimm mal lieber einen Mechaniker mit, bevor da jemand mit einen Rad ankommt das ich technisch nicht reparieren kann, weil es nach 1998 gebaut wurde. Aber hey – ich kann supertoll und superschnell Mafac Mittelzugbremsen von 1976 ausrichten.

Außerdem zerbrach ich mir den Kopf, welches Werkzeug und welche Ersatzteile ich wohl mitnehmen sollte. Am Ende hatte ich quasi den ganzen Laden dabei – ich hätte glaube ich, auch eine mechanische Ultegra Schaltung an Ort und Stelle durch eine elektronische austauschen können. Und was passiert? Genau, nichts. Ich musste so ca. vier Mal Luft aufpumpen, eine Mavic Hinterradbremse ausrichten und das war es auch schon. Tatsächlich hat sich so gut wie niemand an unseren Stand getraut. Deshalb würde ich hier noch einmal gerne versichern, dass wir eigentlich ganz nette Menschen sind und vor allem größtenteils harmlos.

Es gab an diesem Tag drei Rennen, zunächst startete die Jugend. Sebastian meinte recht treffend, dass ein Jugendrennen eine recht sinnlose Veranstaltung ist, wenn alle Teilnehmer aus dem gleichen Verein kommen. Die kennen sich gut und wissen bereits am Start, wer das Rennen gewinnen wird. So war es dann auch – fast. Aber ein Jugendrennen sorgt natürlich auch für mehr Zuschauern in Form von Müttern und Geschwistern, was einer solchen Veranstaltung gut tut.

Anschließend startete das Jedermann Rennen. In den letzten Jahren war das Jedermannrennen das Rennen für Frauen jegwelchen Alters über 16 (?) und Menschen über 50, also das Rennen für alle die nicht schnell fahren können oder wollen. Also für mich. Diesmal gab es da keine Beschränkung, jeder konnte mitfahren, der keine Lust hatte sich im anschließenden Eliterennen voll zu verausgaben. Also ich.

Der Kurs ist ja zum Glück recht einfach gestrickt, so dass die Gefahr von Stürzen sehr gering ist. Das Rennen selbst ging über 20 Runden, jede vierte Runde wurde am Punkte gesprintet.

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Nach dem Start ging es in die wenigstens ein wenig technische Kurve, dann eine lange Gerade gegen den Wind, gefolgt von einer Steilkurve, die problemlos am unteren Rand mit voller Geschwindigkeit gefahren werden kann. Dann ging es auf die sehr lange Zielgerade bis man nach ca. 1,3 km einmal rum war. Kurz gesagt, eine reine Powerstrecke, die aber den Vorteil hat, dass man nicht abgelenkt von der eigenen Unfähigkeit Kurven fahren zu können, sich voll auf die Positionierung im Sprint konzentrieren kann.

Das Jedermannrennen startete mit 19 Teilnehmern, was vermutlich OBKM Rekord ist. Allerdings waren die Leistungen der Fahrer sehr unterschiedlich, so dass relativ schnell vier bis fünf aus dem Hauptfeld gefallen sind. Vorne drehte Christoph Kuske unbeeindruckt seine Runden, da er deutlich besser war als alle anderen zusammen auf der Strecke.

Ich hatte an meinem Rad eine Videokamera montiert um das Rennen aufzunehmen. Der Plan war, parallel Daten mit dem Wahoo zu sammeln, also Leistung, Herzfrequenz, Trittfrequenz, Geschwindigkeit, Nervlevel etc. um diese dann in das Video zu schneiden – aber so weit bin ich technisch noch nicht. Und der Wahoo war es auch nicht, da ich vergesse hatte ihn zu laden. Jasper V macht das alles auf Youtube sehr professionell und lehrreich, da lohnt es sich reinzuschauen. Hier mal ein Beispiel:

Für das Video benutze ich eine Ghost X Drift, auch ein Tip von Jasper. Mir ist völlig unverständlich, warum sich Menschen für viel Geld ein aerodynamisches Rennrad mit 80 mm Hochprofilfelgen kaufen, um wirklich das letzte Quentchen Leistung hemmungslos auf den Asphalt bringen so können:

Bildergebnis für trek madone red

Und dann eine Minute später diesen unförmigen, teuren Kasten namens GoPro an eben diesem Rad zu montieren:

Bildergebnis für go pro road racing bike

Das kostet mich doch locker 3,7 Watt bei 45 km/h! Die Ghost Drift X ist dagegen schön klein, aero, mit €180 auch vergleichsweise günstig und macht auch ausreichend gute Video.

Bildergebnis für ghost x drift bike

Im ersten Video können wir den Start des Rennens sehen. Ich stehe ziemlich weit hinten im Feld, da ich zu spät zum Start gekommen bin. Und hier kann man gleich sehen, wie Rennen gewonnen werden, und zwar durch schnelles Einklippen in das Pedal, Position in der Innenseite der Kurve  und beherzten Antritt. Also, nicht das ich gewonnen hätte, aber in der der ersten Kurve bin ich immerhin bereits in vierter Position.

Ich fahre fast immer Shimano SPD System an meinem Rennrad – zur Erinnerung, das ist das MTB System von Shimano – das Rennradsystem heißt SPD-SL. In MTB Pedale kann man beidseitig einklicken, in Rennradpedale (Shimano, Look, Time) nur einseitig. Dauert einfach zu lange. Außerdem ist es auch nicht-Pinguinen möglich nicht wie ein Pinguin mit MTB Schuhen zu laufen, während man mit Rennradschuhen immer so rumläuft, als wenn man gerade einen Schlaganfall hatte, den Gleichgewichtssinn verlor und droht nach vorne überzukippen. Und zu guterletzt, halten die stählernen MTB Cleats unter den Schuhen ewig. Die schraubt man einmal runter und eher gehen die Schuhe kaputt als die Dinger. Ein Radhändler der Austauschcleats dafür im Laden hat ist naiv. Die Plastikteile von Shimano SPD-SL und Look muss man aber dummerweise zwei Mal im Jahr tauschen, wegen Abnutzung und weil man wieder besseren Wissens mit denen rumgelaufen ist. Und wenn man mit einem abgenutzten Cleat fährt ist das wirklich gefährlich, wie ich leider auch einmal selber erfahren musste.

Es wird nun behauptet, dass man mit dem MTB System keinen guten Stand auf dem Pedal hat, dass man damit nicht genug Druck auf die Kurbel bekommt und, das ist das schönste, dass man damit die Kurbel nicht gut hochziehen kann. Das mag ja alles bei Profis richtig sein, aber für den Durchschnittsfahrer der schon ein paar Watt Leistung verliert, wenn es nur auf sein Rad steigt, spielt das alles keine Rolle.

Gerade das „Ziehen am Pedal“, also Druck beim runtertreten des Pedals und Ziehen beim Hochheben, gehört sowieso zu den ewigen Lügen im Radsport. Sowas machen nur Menschen (gut und lange) die bereits als Kind im Verein trainiert haben und richtig gute Rennrad fahren können. Das sind aber mit Abstand die wenigsten Menschen die ich kenne. Die meisten haben spät mit dem Rennradfahren angefangen und die Ziehen nicht. Ich mache das nie. Es se denn ich konzentriere mich unheimlich und schaffe 10 Umdrehungen Drücken und Ziehen und dann verliere ich wieder die Konzentration oder die Lust und Drücke nur noch.

Wo wir gerade dabei sind, die anderen ewigen Lügen des Radsports sind:

  • Aus der neu entwickelten Oberfläche der Carbonfelgen von (beliebige Marke hier einsetzen) ist die Bremsleistung im Trockenen und im Nassen nun endlich genauso wie bei Alufelgen.
  • Diese Regenjacke ist nicht nur absolut wasserdicht, sondern sie ist auch so atmungsaktiv, dass man nicht in ihr schwitzt.

Aber zurück zum Rennen. Ich hatte mir für den ersten Sprint direkt nach dem Start eine gute Position erkämpft.

Im nächsten Video kann man den ersten Sprint nach der 4. Runde sehen. Christoph liegt ohnehin weit vorne und es geht nun um die Plätze 2 bis 4.

Der blaue Fahrer fängt viel zu früh an in den Wind zu gehen und den Sprint anzuziehen. Mit mir hängen sich dann gleich vier Fahrer an ihn ran und es gelingt ihm nicht von uns weg zu kommen. Nach etwa 20 Sekunden geht einem der Verfolger die Luft aus und er gibt auf. Ein paar Sekunden später hat auch der blaue keine Luft mehr und ich kann an ihm vorbeiziehen, jetzt sind noch drei Fahrer vor mir und dummerweise hat der grüne auch eine Lücke aufreißen können.
Der Grüne sieht nun, dass der schwarze vor ihm den 2. Platz machen wird und gibt den Sprint auf. Wenn ich jetzt noch mehr Geschwindigkeit gehabt hätte UND direkt rechts vorbeigegangen wäre (man kann im Video gut das kurze Zucken nach links verfolgen) UND das Ziel noch mal 10 Meter weiter weg gewesen wäre, dann hätte ich ihn noch überholt. Da das aber viel zu viele UND und wäre sind, hat es nicht geklappt. Aber gut, als 4. habe ich schon einmal einen Punkt im Sack.

Ich würde jetzt gerne noch Videos von den weiteren Sprints posten. Aber beim nächsten hatte ich einfach noch nicht genug Luft und ging den gar nichts an. Nach der 12. Runde habe ich es noch einmal versucht, aber da war einfach die Kondition nicht da. Da dämmerte es mir auch, dass da nicht mehr viel zu holen sein wird und ich fuhr nach 12 von 20 Runden raus. Hätte an sich auch schon nach 4 Runden rausfahren können.

Alles in allem eine sehr gute Veranstaltung, die mit großer Wahrscheinlichkeit Ende September wiederholt werden wird – ich freue mich schon darauf.

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RTF Red.Fox 4.0 in B. Nieder-Sachsen.

Der 1. Mai ist nicht nur Tag der Arbeit, sondern auch Tag des roten Fuchses, einer launigen und frühen RTF in der Nähe von Hildesheim. Ich fahre da, meistens zusammen mit Hannes, fast jedes Jahr – es gibt eine Menge Hügel und die Länge ist zu Beginn der Saison genau richtig, um in Form zu kommen. An sich wollte ich dieses Jahr ja keinen Blogpost darüber schreiben. Stattdessen habe ich die ganze RTF auf Video aufgenommen: vier Stunden Spannung pur, wie damals mit meinen Eltern im Kino bei „Der längste Tag„. 

Wer aber doch lieber liest statt schaut:

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Start an der Turnhalle in Groß-Giesen

Giesen, ein verträumtes Dorf direkt hinter dem Kaliberg, dass schon längst eine Stadt wäre, wenn es nur ein weiteres „s“ hätte. Am 1. Mai eines jeden Jahres bleiben die Einwohner zuhause und verriegeln Fenster und Türen. Denn an diesem Tag erleben sie ihr persönliches Wacken, wenn mehr als 700 bedröhnte Radfahrer in Lycra und Merino in ihre beschauliche Welt einfallen. Da wir erst eine halbe Stunde vor dem Start ankamen, fiel es uns schwer einen Parkplatz zu finden. Großgiesen, eine der fünf Ortschaften, auf die sich die 5 Einwohner in etwa gleichmäßig verteilen war dichter als die Stephanibrücke in Bremen am Freitag um 15 Uhr. Wohin nur, wohin? Richtung Ahrbergen, Emmerke oder gar Siegfried? So verpassten wir den Start des Hauptfelds und Hannes und ich machten uns mit fünf minütiger Verspätung daran das Feld von hinten aufzurollen. So übrigens auch Leo und Björn vom RCB.

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Im Verkehrschaos von Großgiesen rollen Hannes und ich das Feld von hinten auf.

Wie alle Menschen habe ich auch meine Schattenseiten. Zum Beispiel macht es mir unheimlich viel Spaß auf dem Rad andere Radfahrer zu überholen. Wenn ich also ganz vorne im Feld starte kann ich an sich nur verlieren. Schnell zu fahren und dann von einer Gruppe zur anderen zu springen – das macht Spaß. Bei Jedermannrennen kommt es mir daher auch nicht auf die Platzierung an, sondern eben möglichst viele Teilnehmer zu überholen. Nach Möglichkeit starte ich daher aus Block M oder so.


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Impressionen aus Block M

Nachdem wir also mit vielen Körnern viele Plätze gut gemacht hatten kam an der ersten Bahnunterführung schon wieder ein Stau und die viele Arbeit war umsonst.

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Look, ein Stau!

Ein paar Minuten überholt uns Leo. Leo ist deutlich schneller als wir, also fahren wir in seinem Windschatten und hoffen darauf ganz weit nach vorne zu kommen. Anhand des Videos kann man recht gut verfolgen, wie lange wir das dann auch tatsächlich geschafft haben – genau 2:14 min bevor wir total entkräftet aufgeben.

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Ran an Leo !

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2:14 min später abreißen – kam uns vor wie 2 Stunden später.

Egal, wir waren in einer größeren Gruppe die mehr oder weniger unser Tempo fuhr und so langsam kamen wir in die ersten Berge. Nach dem 2. Anstieg kommt bereits die erste Verpflegung – und zwar die legendäre mit Lachsbrötchen und Sekt. Jedes Jahr vergesse ich ein paar Tupperware-Dosen mitzubringen und mir das gute Zeug für zuhause einzupacken. Andere wiederum scheinen nur für die erste Verpflegung gekommen zu sein. Da stehen Sie dann mit drei Kaviarcrackern in der Hand und Krümmeln im Bart und murmeln: „Hm, lecker, das ist ja schon die beste RTF hier in der Gegend“ untermalt von Kau- und Schmatzgeräuschen.

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Look: Impressionen von der 1. Verpflegung

Woher kommen nur diese ganzen Look Klamotten und Rädern? Look hat einmal sehr innovative Räder aus Carbon gebaut und dann ein Systempedal entwickelt, dass seiner Zeit sehr weit voraus war. Aber all das ist jetzt mehrere Jahrzehnte her und fühlt sich an, als wäre es in etwa zeitgleich mit Hardy Krüger,  Sissi und James Last gewesen. Heute sind die Räder von Look nur noch teuer und manche sehen komisch aus, Und Shimano eine Lizenz für das Pedal zu geben (die Dura Ace PD-7401 Pedale) war auch keine gute Idee. Egal, wir mussten weiter und hatten keine Zeit weiter zu looken.

Nach der Verpflegung kommt eine sehr schön, längere Abfahrt auf der wir uns hätten so richtig austoben können, wenn da nicht ein Auto vor uns runtergekrochen wäre. Wir erreichten zwar irre Schräglagen in den Kurven, die Bäume allerdings auch. Manchen Teilnehmern war da bereits alles egal und sie fuhren etwa 49 cm entfernt im Windschatten des Autos.

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Nach der Abfahrt fanden wir langsam wieder in einer Gruppe zusammen und waren so um die 5 Fahrer die gut Tempo machten. Einige machten da sogar sehr gut Tempo und als sich die Strecke teilte in die 78 km Runde nach rechts und die 113/152 nach links wussten wir auch warum: die machten nur 78 km. Fairerweise muss man natürlich auch sagen, dass wir ein paar Fahrer enttäuscht haben, als wir bei der 113/152 km Teilung den kürzeren zogen.  Wir fanden dann zum Glück ein paar neue Mitfahrer, u.a einen bei dem dort „Votec“ stand, wo normalerweise „Look“ zu stehen hat. Und dann fanden wir noch drei gelbe „www.von-fintel“ Fahrer von einem Radladen in Schneverdingen. Dieses www vor dem Namen ist ja sooooo Neunziger. Aber mit einen von dem gelben, der auch sehr nett waren sollten wir dann noch lange Fahren. Apropros gelb: Auch bei dieser RTF fuhr ein gelbes Torpedo mit. Am Berg hoch sind die Dinger ja unglaublich langsam und damit man sich darin nicht zu Tode schwitzt müssen dann alle Schoten geöffnet werden. Berg runter wiederum, hast Du gegen diese Wunderwerke der Aerodynamik keine Chance. Du fährst mit 45 Sachen den Berg runter und denkst an, sagen wir mal, Paula, Amy und Claire und zack werden jegwelche erotischen Gedanken von hinten torpediert.

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Links: www-von-Fintel.de; rechts: http://www.torpedo-von-hinten.com

Es ging rauf und runter und dann kam endlich mal wieder eine sehr schöne Abfahrt, die auf dem Video so aussieht, als wenn ich da quasi in horizontaler Lage durch die Kurve fahre.

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Die gelbe Linie rechts zeigt den Horizont des Rades an.

Nach etwas mehr klettern kamen wir dann zur nächsten Verpflegung, und zwar der, der die RTF ihren Namen gibt: dem roten Fuchs. Leider sind die Besitzer des Restaurants ein wenig fuchsig, um nicht zu schreiben knauserig und so ist die Verpflegung dort bei weitem nicht so gut wie bei der legendären ersten.

Ich habe keine Erinnerung was dann passiert ist, aber auf einmal gurken Hannes und ich alleine in der Gegend rum. Da frage ich mich immer, warum ich mich am Sonntag um 6 Uhr morgens aus dem Bett gequält habe, um pünktlich am Start zu sein und in de großen Gruppe mitzufahren, wenn wir dann doch wieder alleine unterwegs sind -da hätten wir ja auch gleich um 12 Uhr starten können.

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Look: Das Torpedo – mal wieder, Natürlich beim Berg hochfahren. Beim Berge runter fahren ist es schneller als das Licht und kann nicht fotographiert werden.

Kurz danach beginnt ein neuer Teil der Strecke aufgrund einer Sperrung der alten. An der Verpflegung können wir uns noch einmal sattessen, bevor es ganz, ganz hoch einen Berg geht.

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Beim Anstieg werden wir dann erstmalig von den schnellsten Fahrern aus der 155er Runde überholt. Das ist schon ziemlich beeindruckend. Leider. Viel plattes Land nun, viel Gegenwind aus der Gegend und keine richtig guten Gruppen – diese RTF kommt so langsam in den Frustmodi und wir kämpfen uns bis zur nächsten Verpflegung so durch. Das ist nun auch die letzte vor dem Ziel. Wir fahren in einer Fünfergruppe los, Hannes hat sich noch ein Gel eingeschmissen.  Wenn Hannes ein Gel nimmt, dann wird er zum Stanley Beamish des Radsports:

Jedenfalls war von da und nur noch Hannes vorne und machte ordentlich Druck – meistens flogen wir so mit 40 Sachen durch die Landschaft – tja und dann gab die Kamera dann doch mal ihren Geist auf, den knapp vier Stunden Laufzeit sind doch ein wenig viel für das Teil.

Jedenfalls schafften wir es in knapp 4 Stunden durch die RTF und in das Ziel. Das war deutlich als im Jahr davor – allerdings war das Wetter letztes Jahr auch echt fies mit viel Wind und das ganze weitaus weniger spaßig. Im Ziel traf ich zunächst Markus (also nicht Enno) und dann später auch noch Sylvia und Thomas. Leo war zu diesem Zeitpunkt schon geduscht, war wohl mindestens eine halbe Stunde schneller als wird. Und auch Maik, der vermutlich mal wieder mit dem Rad aus Bremen angereist war, war bereits seit einer Stunde fertig und wieder zurück mit dem Rad in Richtung Bremen. Wenn er nicht schon längst da war. Von dem sieht man ja nur einen Schatten (wenn so etwas liegen bleiben würde).

Nachdem da Wetter dieses Jahr bislang echt bescheiden ist war das ein guter Start in die Saison und eine gute Gewöhnung an die ersten Höhenmeter. Danke an Hannes wie immer.

PS

Dieser Post ist „Kevin“ gewidmet, der 2001 in Tokyo bei Schindler Elevator in meiner Abteilung PLM Praktikant für ca. 3 Wochen war. An sich war er nicht auffällig – weder ein besonders guter, noch ein besonders schlechter Praktikant. Doch, es gibt ein legendäres Gespräch zwischen ihm und Alfredo Ohmachi, einem Brasilianer mit japanischen Wurzeln auf japanisch:

„Guten Tag, darf ich mich vorstellen, mein Name ist „Kevin“ “
(klassische Anrede auf japanisch)

„Nice to meet you. My name is Alfredo.“
(Alfredo versucht nett zu sein und redet ihn auf Englisch an, das ist etwas ungewohnt für „Kevin“)

„Oh. Ihr Englisch ist wirklich sehr gut.“

(das ist das klassische Kompliment, das man Japanern macht, wenn sie z.B. „Hello“ sagen. Passt aber hier nicht, da Alfredo ja kein Japaner ist, der kein Englisch kann, sondern ein Brasilianer, der das eben sehr gut beherrscht. Als antwortet er sehr gewitzt:

„You should hear me speaking Portuguese!“

(Leider bekommt „Kevin“ das gar nicht mit. Er erwartet als Antwort dass was jeder Japaner sagt, wenn sein englisch gelobt wird, und zwar den Klassikern: „Nein, nein das ist gar nicht gut.“ Also sagt „Kevin“ dann, dass was man klassischerweise darauf antwortet:)

„Nichts ist entfernter von der Wahrheit!“

Wir anderen stehen um die beiden herum und machen uns fast in die Hose vor Lachen. Danke „Kevin“, für diesen unvergesslichen Moment der endlich einmal aufgeschrieben werden konnte.

 

Allerdings ist auch „Kevin’s“ Abgang legendär: Nach also etwa zwei Wochen steht er plötzlich auf, sagt etwas wie „es geht nicht“ und macht sich auf dem Weg zum Aufzug. Ein paar Mitarbeiter versuchen ihn noch aufzuhalten und mit ihm zu reden, aber er steigt in den Aufzug, schließt die Türen und wurde nie mehr gesehen.

PPS

Bei der Recherche zu so einem Post stößt man ja immer wieder auf Dinge die so unglaublich wichtig sind, dass ich sie dem Leser unmöglich vorenthalten kann. Wer also das nächste Jahr beim Roten Fuchs mitfahren möchte und noch nach einem passenden Geschenk für die Lieben zuhause sucht:

In Giesen sitzt das Unternehmen Völsing – einer der führenden Hersteller von Urnen in Europa (Quelle: Völsing). Auf deren Website gibt es einen sehr schicken Urnendesigner, den ich auch gleich mal selber ausprobiert habe:

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Ich dachte mir, ich bastele mal was, was davor warnt bedröhnt mit einem Scheißrad durch die Gegend zu fahren, weil das halt so enden kann, dass man sich plötzlich in dieser Urne wiederfindet.

Das Rennradsymbol ist original aus dem Designertool. Leider gibt es nur ein Rad (mit einer scharfen Sattelüberhöhung), während man sonst zwischen mindestens 30 Motorrad, Auto, Traktoren und Angler (!) Motiven auswählen kann. Großartig.

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Minus sieben Runden auf dem 3. Bremer Altbaukriterium.

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Wer sich in den letzten Tagen von seinem Smarttrainer und dem Zwift Bildschirm lösen konnte wird festgestellt haben, dass draußen vor der Tür mittlerweile ganz famose Frühlingswetter warten. Wir stehen kurz vor dem Beginn der Rennsaison und es wird nun Zeit sich die nötige Form bei kleineren Rennen anzutrainieren.

Nur noch sieben Tage bis zum ersten Frühjahrsklassiker Omloop Het Niewsblad, fünfzehn bis zum Start von Paris-Nice, 77 bis zum Giro d’Italia und gefühlte 365 bis die verdammte Saison wieder vorbei ist und ich in Ruhe und ohne Druck fahren kann. Nachdem Hannes und ich uns über den Winter so gar nicht richtig fit gehalten hatten (wie immer), nahmen wir nun die Gelegenheit war Rennerfahrung bei einem weniger bekannten Rennen zu sammeln, dem 3. Bremer Altbaukriterium.

Das Altbaukriterium wird durchgeführt von dem Weltverband Altbaukriterium der sich erstens in komplett österreichischer Hand zu befinden scheint und zweitens einen extrem langweiligen Musikgeschmack hat. Bei der Veranstaltung erklang stundenlang ein hous’isches Rauschen im Hintergrund, dass ich geistig nach Belieben an- und ausschalten konnte. Durchgeführt wurde das ganze im Universum in Bremen. Für diejenigen die nicht aus Bremen kommen: Das ist ein Wissenschaftsmuseum in der Nähe der Universität das in seiner Form an eine fliegende Untertasse nach einem Verkehrsunfall erinnert.

Universum-Bremen_Dauerausstellungsgebäude_Bildquelle_Universum-Bremen

Bei rot über die Ampel geflogen und dann im Teich gelandet.

An interaktiven Ausstellungsstücken sollen Kinder spielerisch an die Wunder der Naturwissenschaften herangeführt werden was oftmals dazu führt, dass sie nach Verlassen der Ausstellung den Wunsch haben soziale Arbeit zu studieren. Bei meinen Kindern hat’s jedenfalls nicht funktioniert: die eine verzweifelt gerade im Mathe Leistungskurs, der andere hat seit Wochen nicht mehr sein Zimmer verlassen. Keine Ahnung was der macht, Physik oder Chemie wird’s aber nicht sein. Das Universum ist der zweite Versuch Bremens in dieser Richtung; an den ersten, den Spacepark Bremen erinnert heute nur noch das Shoppingcenter Waterfront. Lustig, dass das gerade das Universum das Kriterium „Altbau“ erfüllt. Der Grund aber ist ein einfacher, seit einigen Monaten findet dort die Sonderausstellung „Bike-it“ statt.

Hannes und ich wollten die ganze Sache ohnehin nicht allzu ernst angehen, deshalb überlegten wir lange vorher (also etwa zwei Tage), wie wir die entscheidenden Fragen des Radsports angehen sollten:

  1. Auf welchen Rad sollen wir teilnehmen?
  2. Was sollen wir dazu passendes anziehen?

Hannes hatte sich ein sehr schickes altes Klapprad von einer Bekannten organisiert, eines der ersten Räder überhaupt mit Systemintegration. Heute macht das ja jeder Hersteller, also so Lenker-Vorbau Einheiten mit integrierter Kabelführung oder Steckachsen die exakt nur an ein Trek Domane von 2015 in rot passen und sonst an kein anderes Rad. Aber bei diesem Klapprad von ca. 1977 war bereits der Bremshebel an den Lenker geschweißt, so das keine schwere und aerodynamische Schelle zur Klemmung verwendet werden musste. Ich war sicher, dass Hannes mit diesem Rad ein gutes Ergebnis erzielen würde.

Mein Klapprad, das Renn-Moulton hatte ich kurzerhand an Joey für das Rennen verliehen, weil ich mehr oder minder zufällig in den Kurzzeitbesitz eines ebenfalls sehr schönen Klapprades gab. Eine bezaubernde Kundin im Laden, Sabine H. hatte ihre Gazelle zur Reparatur abgegeben. Im wesentlichen ging es darum ca. 1,6 kg Panzertape von dem Rad zu entfernen mit denen behelfsmässig ein Römer Kindersitz an dem Rad fixiert war. Irgendwie hatte ich fast erwartet, dass wir unter dem Panzertape weitere Kinder finden würden, die unbeabsichtigter Weise mit eingewickelt wurden, aber dem war nicht so. Als sie das Rad abholte brachte sie das Klapprad von ihrem Mann mit und bat mich, das wieder in Schuss zubringen; neben anderen Schäden wurden auch hier Schutzbleche und Gepäckträger im wesentlichen von Panzertape am Rad gehalten.

Klar„, sagte ich, „das machen wir. Wir haben ja nun etwas Erfahrung in der Entfernung von Panzertape. Aber kann ich mir das Rad auch für ein Rennen am Samstag ausleihen?“

„Ja, wenn Sie mir mit dem Preis entgegenkommen.“

„Deal.“

Ich fühlte mich wie Donald Trump nachdem er gerade Kim Jong Un die vollständige Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel, und ein Luxusappartment im Trump Tower New York angedreht hatte. Jetzt noch schnell einen Carbonsattel und den Wahoo Elmnt vorne am Lenker montiert und ab zum Universum. Die Fahrt dorthin dauerte gefühlte zwei Tage. Auch im 6. Gang war bei einer Trittfrequenz von 130 UPM eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 30 km/h zu erreichen. Wozu der 1. Gang dienen soll ist mir schleierhaft. Vermutlich kann man damit senkrecht Wände hochfahren mit einem Elephanten auf dem Gepäckträger.

Nun zum Aussehen: Wir befinden uns ja mitten in der Karnevalssaison, dass bekommt man in Bremen ja leider nicht so mit, aber als geborener Rheinländer fühle ich mich im Februar immer ein wenig Naturbeschwipst. Und Hannes hat auch lange genug in Köln gelebt, um vom Karnevalvirus infiziert worden zu sein. Also auffällige Kostüme. Hannes hatte noch eines von Popeye und ich konnte mir einen rosaroten Panther Anzug von meinem Sohn ausleihen. Den hatte er sich für die Mottowoche zum Abitur an seiner Schule vor drei Jahren gekauft und seitdem gammelte er unter seinem Bett rum. Also der Panther, nicht mein Sohn. Obwohl, da bin ich mir jetzt nicht sicher.

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Als wir ankamen war bereits die Radelite Bremens vor und im Universum versammelt: Björn, Leo, Lukas, Joey, Michael, Schmitty, Thorben, später stießen noch Sora, Andi, Tanja, Tobias und viele weitere dazu. Die anderen Rennteilnehmer sahen ebenfalls beinhart aus. Kurz und gut, es war die übliche Material- und Muskelschlacht wie bei jedem normalen Jedermannrennen. Das hatte ich nicht erwartet, ich dachte das wäre mehr so Spaß, Abenteuer…..und all‘ diese Dinge aber schnell wurde klar, dass hier einem nichts geschenkt wird und er Sieg schon gar nicht.

Es war auch mein erstes Altbaukriterium, daher hier eine kurze Einführung: In einem Altbau (Universum!) wird vom Weltverband ein Rundkurs abgesteckt der ein wenig technisch anspruchsvoll ist.  Zufällig auf der Strecke aufgestellte kleine Pelzpylone sorgen dafür, dass es technisch noch anspruchsvoller wird. Eine Runde ist etwa 30 – 40 Sekunden lang. Man muss nun innerhalb von 2 Minuten so viele Runden wie möglich fahren, wobei man die Runde zu ende fahren darf, die man innerhalb von zwei Minuten begonnen hatte. Für jedes Absteigen mit dem Fuss, Umfahren der Pylone etc. bekommt man von den gefahrenen Runden eine abgezogen. Das ganze wird zwei Mal gefahren, einmal mit und einmal gegen den Uhrzeigersinn oder umgekehrt. Es gewinnt derjenige, der die meisten Runden hat, bzw. bei gleicher Rundenzahl die niedrigere Zeit. Steht auch alles hier.

Ich hatte mich vorher schon einmal mit Michael unterhalten, der mir erzählte das es zwei Typen von Fahrern gibt: Die schnellen, die viele Runden und eine gute Zeit machen, aber eben auch ein paar Fehler; und die langsamen, die wenig Runden fahren aber auf jeden Fall Fehler vermeiden wollen. Ich wollte auf jeden Fall und wie immer zu den schnellen gehören.

Das klang alles nach einer sehr lustigen Veranstaltung die noch lustiger werden sollte, weil uns Hannes komplette Familie anfeuern würde. Allerdings war das ganze auch für meinen Geschmack etwas sehr langatmig und streng. Die Registrierung wurde mit k.u.k. mäßiger Gründlichkeit vorgenommen und dauerte endlos. Dann gab es eine offizielle Begehung des Rennkurses und erst dann begann das Rennen kurz vor acht Uhr wobei jeder Fahrer und auch erst einmal zwei Trainingsrunden drehen dufte. Bei 30 Fahrern konnte ich mir ausrechnen, dass ich wohl gegen Mitternacht aus dem Universum kommen würde – so lange war ich noch nie in einem Museum.

Es ging los und gleich die ersten Fahrer waren richtig gut. Da wurden Rundenzeiten so um die 32 Sekunden auf technisch ausgefeilten Rädern gefahren. Endlich kam ich mit der Startnummer 8 dran und drehte meine Trainingsrunden mit eingefaltetem Schwanz. Ich glaube in der Trainingsrunde hatte ich bereits alle verfügbaren Hütchen umgeworfen und mehrfach den Boden berührt. Egal, dann bin ich eben noch schneller! Ich lud die Strecke auf meinen Wahoo runter damit ich mich nicht verfahre und fuhr voll motiviert los.

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In der ersten Runde semmelte ich gleich mal ein Hütchen um und bei der schwierigen Passage am Start/Ziel kam ich gleich mit dem Fuß auf den Boden. Also noch schneller und noch brutaler!

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Hm, keine gute Idee, da blieben noch ein paar Hütchen auf der Strecke liegen.  Aber irgendwie machte es Spaß und da es ja ohnehin nichts für mich zu gewinnen gab fuhr ich einfach schnell und egal wie weiter.

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Nach der dritten Runde stieg ich kurz ab und blickte mich um. Aber kein Problem, ich war schnell genug für eine vierte Runde, die ich dann auch noch mit einer gehörigen Anzahl von Fehlern absolvierte. Vielleicht hätte ich nicht versuchen sollen Tanja, Laura und Alba mit einem Wheelie zu beeindrucken.

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Als ich durch das Ziel fuhr blieb erstaunlicherweise der Applaus aus. Ergebnis: 4 Runden gefahren, elf Fehler macht minus sieben Runden. Das brachte mich ziemlich weit nach hinten und dort sollte ich auch für den Rest des Abends bleiben. Mit Hannes, Joey und Leo hatten wir aber noch weitere Eisen im Feiern deren Ruhm dann hoffentlich und irgendwie auch auf mich aufstrahlen würde. Zunächst fuhr Leo mit Handy in der Hosentasche sehr souverän fünf Runden. So souverän, dass er das am Ende gleich noch einmal machen durfte.

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Dann fuhr Joey ebenfalls vier Runden bevor dann endlich Hannes randurfte.

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Hannes machte das auch ziemlich gut, jedenfalls deutlich besser als ich.

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Da wurde dann auch zurecht geklatscht. Als allerletzter fuhr Lukas so kurz vor zehn, er brachte es fehlerlos auf vier Runden.

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Ich glaube Lukas war der einzige, der an dem Abend mit Helm unterwegs war. Und damit waren alle im ersten Durchgang durch. Ein Klapprad brachte an diesem Abend nicht unbedingt Vorteile. Gut waren auch die Fahrer, die mit BMX Rädern angetreten waren und vor allem solche, die Radfahren können.

Und dann hatten wir ehrlich gesagt so gar keine Lust mehr uns da Rennen bis zum Schluss anzusehen. Zuschauer waren ohnehin schon viele gegangen, es sollten wegen der späten Zeit auch nur noch die zehn besten starten und da nur noch Lukas, Leo und Joey dabei aber nicht wir und ich war auch echt müde von dieser beinharten Veranstaltung.

Also ging ich nach Hause und weiß bis heute nicht, wer gewonnen hat. Ich tippe aber mal auf Leo.

Meine 4. Runde, ich haue zum 4. Mal das gleich Hütchen um, der Frust ist dem Streckenposten deutlich anzumerken.

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Danke an Hannes, Joey und Thorben für Fotos und Videos.

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Teneriffa. Festive 5.000 Höhenmeter.

Mach’s Dir einfach dieses Jahr, dachte ich mir, und fahr‘ nach Teneriffa wo Du prima Wetter hast, um die 500 Kilometer für die Festive 500 zu fahren. 6 Tage später war ich schlauer, müder und um viele, viele Höhenmeter reicher.

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Mein Festive 500 Programm fing am 24.12. um 10:00 Uhr bei herrlichem Wetter  im Cyclyng Laden an: Joey Punkt hatte zum Kirchenbesuch 4.0 eingeladen. Der Kirchenbesuch findet per se aus Gründen am 24.12. morgens statt – da will keiner zeigen wie schnell er wirklich sein kann, weil es die Familie später dann übel nimmt, wenn derjenige dann halb besinnungslos unterm Baum liegt und Weihnachten wie sein Leben kurz vor dem Tod schnell an ihm vorbei läuft. Wir fuhren durch das Blockland bis zur Moorlosen Kirche und dann wieder zurück, etwa 60 km. Also, das ist die offizielle Version. Ich bin drei Mal mitgefahren und Tatsache ist, dass wir nie bis zur Moorlosen Kirche fahren, sondern etwa hundert Meter an der Kirche vorbei bis zu diesem häßlichen Wendeplatz vor dem vergleichsweise schöneren Stahlwerk, dort ein Photo machen und dann umkehren.

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Vor dem Moorlosen Stahlwerk.

Joey organisiert den Kirchenbesuch im 4. Jahr, 2015 startete er mit sieben Mitfahrern, dieses Jahr kamen wir fast auf 40. Es war also ordentlich Stimmung im Laden als wir losfuhren und auch die ganze Zeit beim fahren. Es wird sich ungezwungen unterhalten, neue Bekanntschaften werden geknüpft oder wieder geknüpft und alles könnte so schön sein wenn, ja, wenn nicht gerade Weihnachten wäre.

Am nächsten Tag machte ich mich auf eine 60 km lange Runde in den Süden, die größtenteils harmlos verlief. Ich freute mich schon auf die sonnigen Tage auf Teneriffa, wusste aber auch, dass durch den An- und Abflugtag jeweils ein Tag für die Festive 500 verloren gehen würde: Statt in 8 Tagen müsste ich nun die 500 km in sechs Tagen fahren müssen. Aber nach zwei Tagen hatte ich bereits 140 km im Sack und die Sonne vor mir.

Viele wissen nicht, dass auf Teneriffa einige sehr berühmte Filme gedreht wurden, unter anderem „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer„, hätte ich mir diesen Film angesehen hätte ich auch gewusst, wie die Insel aussieht, nämlich so:

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Teneriffa. Serviervorschlag.

Wir hatten uns für ein Hotel im Süden bei Los Christianos entschieden, das ist ziemlich genau neben dem Epizentrum des Tourismus, also dort wo Horden von überwiegend Engländern, Skandinaviern und Holländern seit Jahrzehnten schlechte Eindrücke im Sand hinterlassen und quasi alles in Form von langweiligen Hotels, Restaurants, Bungalows und Shops zugebaut wurde. Im Gegensatz zu dem Norden von Teneriffa, wo ein „behutsamer Tourismus“ gepflegt wird, der dann ergo überwiegend von Deutschen besucht wird. Weil: Touristen sind ja immer die anderen, niemals wir.
Das ist natürlich Quatsch und wenn wir schon irgendwo hinfliegen, dann fliegen wir dahin wo wir möglichst wenig Schaden anrichten können und lassen die einheimische Bevölkerung in Ruhe. Und deshalb sind wir da, wo die anderen Touristen sind. Punkt (Nicht Joey).

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Das hat auch noch weitere Vorteile, da ich ja oft mit meiner Familie unterwegs bin; auf Teneriffa mit Frau und TZT (Teenyzickentochter): Die Familie kann shoppen in Läden die sie ohnehin auch aus Bremen kennt und freut sich wenn es zum Sangria-trinken ins Hard Rock Cafe geht.

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Am nächsten Tag holte ich mein Rad bei Bikepoint Teneriffa ab, einem Verleiher und Radgeschäft in Las Americanos. Nette, kompetente Menschen, die mir ein BMC Teenmachine SLR02 Modell 2018 mit Ultegra zur Verfügung gestellt haben. Prima, endlich mal wieder was von der Konkurrenz fahren! Und dann auch noch in grau/orange, genau meine Farben! Das war insgesamt kein schlechtes Rad, es erschien mir etwas schwer, da es mit schrottigen, aber stabilen Mavic Aksium Elite Laufrädern plus Rubino Reifen ausgestattet war, aber es lief stabil und machte keine Zicken. Insgesamt wirkt es sehr wuchtig – Oberrohr und Steuerrohr sind echte Klötze und nicht so schön filigran ausgeführt wie bei einem Wilier Cento1, oder einem Giant TCR. Aber was soll’s es brachte mich von A nach B, wobei B immer 500 mindestens Höhenmeter weiter oben lag.

Ich fuhr dann gleich los und machte mich auf den Weg zum Teide, dem mit 3.718 m höchten Berg Spainiens. Vor langer Zeit war ich schon einmal den Pico Veleta in der Nähe von Granada hochgefahren, dem mit 3.396 m vierthöchsten Berg Spaniens, ein sehr langer Anstieg und eine tolle Abfahrt. Das hatte ich gut verdaut und mir wieder höhere Ziele gesteckt.

Es ging also los und zunächst einmal müsste ich raus aus der Stadt. Eine recht steile Straße und belebte Straße führte mich unter der Autobahn durch nach La Camella. Von da aus wurde die Strasse etwas schmaler, der Verkehr deutlich weniger, aber es blieb weiterhin steil, bis ich ziemlich erschöpft nach Vilaflor kam. Ich schaffte es noch nicht einmal ganz in den Ort rein, sondern ergab mich gleich beim ersten Cafe am Ortseingang. Ich war jetzt fast zwei Stunden Rad gefahren und hatte gerade einmal 22 km Strecke zurückgelegt – andere Menschen aus meinem Bekanntenkreis schaffen so etwas zu Fuß. Und zudem war ich quasi aus dem Stand 1.340 Höhenmeter in einem Stück hoch. Willkommen auf Teneriffa. Da wurde mir klar, dass das mit der Festive 500 hier nicht wirklich etwas geben würde.

Wäre doch besser gewesen, wie jedes Jahr, nach Mallorca zu fahren. Im Gegensatz zu Malle waren hier wesentlich weniger Radfahrer unterwegs und die dies es waren grüssten überhaupt nicht. Neben mir im Cafe sass jemand mit einem Cube oder Focus e-Rennrad…..das machte es mir quasi unmöglich sich mit jemanden zu unterhalten, mit dem man keine gemeinsamen Themen finden wird.

Jedenfalls war es unmöglich weiter zum Teide zu fahren, zumal es dort oben auch deutlich kälter war als an der Küste und ich keine Weste etc. mitgebracht hatte. Also machte ich mich stattdessen auf den Weg runter nach Granadilla – eine tolle kurvige Straße mit wenig Verkehr und schönen Spitzkehren.

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Wow, das machte ja jetzt doch richtig Spaß. Auch das Stück an der Bergflanke lang nach San Miguel und letztendlich zurück nach La Camella machte wirklich Spaß. Abgesehen davon, dass ich fast frontal in ein entgegenkommendes Auto gefahren wäre (leider auch noch komplett meine Schuld). Es ging fast immer nur runter, aber nie zu steil und mit schöner Aussicht und wenig Verkehr – so sollte das sein. Und eine Stunden später waren auch 33 km mehr im Sack. Ich dachte, es wäre dann noch eine lustige Idee an der Küste lang Richtung Norden zu fahren. War es aber nicht und nach vier Stunden und 63 km war Schluss. Puh – das würde hier sehr anstrengend werden. Erster Tag auf Strava.

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Auf der besten Strecke im besten Jersey. NFCC 2008.

Am zweiten Tag hatte ich mich mit meiner Familie in Los Gigantes verabredet, etwa 30 km an der Küste lang Richtung Nordwesten. Prima, Küste, da würden es ja heute nicht so viele Höhenmeter werden. Ich fuhr durch die Lavafelder des Massentourismus an der Küste lang und bereits nach einigen Kilometern musste ich einen 200m Anstieg von der Küste zur Autobahn in Adeje durch langweiligen Brachland hinnehmen. Dann wurde die Straße sehr wellig aber schön an der Küste lang zu fahren, wenn da nicht der Verkehr mit vielen Reisebusen und Lastern gewesen wäre. Bis ich nach Los Gigantes kam, runter zum Hafen fuhr und erst einmal auf meine Familie wartete, bevor wir gemeinsam zu Mittag aßen.

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Superidee: Wintertraining direkt am Strand.

Meine Familie war mal wieder Stunden zu spät; würde man mich fragen, was ich im Urlaub gemacht habe, so wäre die Antwort: Radfahren und warten. Ich bin jetzt 26 Jahre verheiratet und von dieser Zeit habe ich gefühlt etwa ein Jahr auf meine Frau gewartet. Und noch einmal zwei Jahre auf unsere Tochter seitdem sie ein Teeny ist. Selbst einfache Aufgaben wie gemeinsam zum Rewe um die Ecke zum einkaufen zu gehen können sich zu stundenlangen Großabenteuern elbphilharmonischen Ausmasses entwickeln. Da muss erst einmal geduscht, geschminkt, epiliert und geföhnt werden, bevor die Auswahl der richtigen Bekleidung noch einmal genausoviel Zeit verbraucht. Vermutlich würde auch dies alles schnell geschehen können, wenn nicht das Smartphone beharrlich in der rechten Hand gehalten und bedient werden müsste. Das ist alles so schrecklich unkonzentriert und ineffizient, dass ich manchmal schäme so zu tun, als wenn ich das Gegenteil Studenten beibringen könnte.

Anstatt langweilig an der Küste zurückzufahren machte ich mich auf den Weg nach Santiago del Teide etwas weiter nördlich im Landesinnern nicht ahnend, das mich das wieder 1.000 Höhenmeter kosten würde. Ich kam ziemlich fertig auf dem Pass in Las Manchas an und von dort aus ging es dann aber auch nur noch runter bis zurück nach Adeje. Wo ich prompt die Abzweigung verpasste, wieder runter ans Meer fuhr und noch einmal diesen langweiligen 200m Anstieg fahren durfte. Am Ende des Tages wurden es mehr als 100 km und fast 2.200 Höhenmeter. Puh. Auf Strava. Noch zwei Tage und 180 km….das würde jetzt echt schwierig.

Am dritten Tag dachte ich an Konrad Adenauer und „Keine Experimente“. Ich wollte einmal an der Küste lang nach Osten Richtung Flughafen fahren. So richtig schön oder flach war das allerdings nicht. Also wieder ab in die Berge, dieses mal hoch nach Buzanada und nach Las Zocas. Zur Navigation benutzte ich übrigens meinen Wahoo ELMNT, der gibt einem eine ungefähre Idee wo man ist und wo man fahren könnte, aber die Kartenfunktion ist nicht gut genug um sich nur darauf verlassen zu können. Deshalb hatte ich noch eine dünne Touristenkarte in der Trikottasche, die ich ab und an zu Rate zog. In Las Zocas gab es eine Abzweigung auf eine kleinere Straße wieder hoch nach San Miguel, die ich spontan nahm und dann wieder eine kleine Straße nach Vilaflor. Als ich gerade so auf 1.000 Höhenmeter war ging mir echt die Puste aus und ich sah mich nach einer Gelegenheit um, um eine Pause zu machen. Ein Wegweiser führte mich auf einen Feldweg zu einem Aussichtspunkt.
Dachte ich. Tatsächlich fuhr ich auf einem schlechten Feldweg etwa 150 hm runter, kam wieder auf die Straße, die ich hochgefahren war und konnte mich da wieder hochquälen. Irgendwann machte ich dann einfach am Straßenrand Pause, aß einen Riegel, kam wieder zu Kräften, sah einen Rennradfahrer an mir vorbeifahren und machte mich auf den Weg der Verfolgung. Jemanden an mir vorbeiziehen zu sehen ist das beste Mittel wieder in Form zu kommen. Und so kam ich wieder hoch nach Vilaflor in „mein Cafe“. Die Fahnen flatterten dort lustig im Wind, der Kellner erkannte mich und brachte mir direkt einen Milchkaffee. Das ist alles sehr nett, brachte aber in 3 Stunden gerade einmal 35 km.

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Also fuhr ich meine Lieblingsstrecke wieder runter nach Granadilla. Jetzt wurde mir auch klar, warum ich nicht gegrüßt wurde: Ich hatte mir nicht standesgemäß die Beine rasiert und sah aus wie der letzte Anfänger.

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Haarige Spinnenanfängerbeine.

Anstatt langweilig wie zwei Tage zuvor nach San Miguel zu flitzen fuhr ich noch weiter runter zur Küste, verfuhr mich und landete am Flughafen. Mit der Experimentierfreudigkeit war es nun völlig vorbei und ich machte mich durch die langweilige Industrielandschaft an der Autobahn lang richtig Heimat. Weitere 80 km in den Beinen und noch einmal 2.000 Höhenmeter. Auf Strava.

Das ließ etwas mehr als 100 km für den letzten Tag. Schwierig, es brauchte einen guten Plan. Also machte ich mit meiner Familie aus, dass ich wieder hochfahren würde nach Vilaflor, dass wir uns dann dort irgendwo auf der Straße treffen würden und ich dann mit ihnen zusammen im Auto zum Teide fahre. Dann in einem Stück mit dem Rad runter, das könnte klappen.

Zum ersten Mal sah ich ein paar Radfahrer auf dem Weg vor mir; einer war extrem schnell und zog mit Kondensstreifen den Berg hoch, zwei andere waren eher langsam und einer hatte in etwa mein Tempo, ein Belgier. Ich schloss zu ihm auf, wir quatschten ein wenig, ich überholte ihn und ich dachte eigentlich dass ich nun deutlich schneller wäre. Bald würde ja meine Familie auch kommen und mich überholen. Irgendwann hielt ich kurz und machte ein paar Photos.

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Das „Rad lehnt gegen irgendetwas“ Photo nach Positivo Espresso Norm.

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Irgendein Photo.

Und siehe da, der Belgier hatte sich rangeschlichen und fuhr an mir vorbei. Da musste ich nun natürlich dranbleiben. Der war aber auch echt gut, im Gegensatz zu mir fuhr der sehr gleichmäßig den Berg hoch. Ich habe da ja eher den „Jedermannrennenansatz“: Erst alles geben und dann auf den letzten Zahn irgendwie das Ziel erreichen. Tat ich dann auch aber hinter ihm. Trotz kurzer Pause 5 Minuten schneller als beim ersten Versuch, allerdings sind 11,6 hm/min kein wirklich guter Wert. Und an sich wollte ich ja auch nicht bis zum Cafe hochfahren, sondern hatte gehofft, dass meine Familie mich einholt. Jetzt musste ich erst mal wieder im Cafe auf die warten. Und zwar drinnen, denn heute war es wolkig und die Temperatur lag bei strammen 8 Grad.

Nach einer halben Stunde waren sie endlich da, nicht besonders gut gelaunt, denn meiner Frau macht Autofahren in den Bergen nicht wirklich Spaß, zuerst ließ ich sie weiter in Richtung Teide fahren, aber nachdem wir mehrfach fast gestorben wären und meine Frau kurz vor dem Nervenzusammenbruch stand setzte ich mich dann doch ans Steuer (wir hatten vergessen mich als Fahrer bei der Autovermietung anzumelden, war also keine wirklich gute Alternative). In der ganzen Hektik hatte ich auch den ELMNT angelassen, so dass die Strecke im Auto aufgezeichnet wurde. Bedeutet, irgendjemand meldet das bei Strava (ich hatte vermutlich alle KOMs auf dieser Strecke) und die Aufzeichnung fliegt raus, so dass ich die Festive 500 sowieso nicht schaffe.

Auf dem Weg hoch zum Teide fuhren wir durch die Wolken, da oben war es deutlich sonniger und wärmer als unten und die Landschaft auch sehr beeindruckend.

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Insgesamt kommt an so auf etwa 2.200 Meter, aber leider ist es auch sehr wellig, nicht nur hoch, so dass zurückfahren nicht wirklich prickelnd werden würde. Und ich musste meine Familie wieder heil an die Küste bekommen. Also fuhren wir zurück bis nach Vilaflor, von wo aus sie alleine mit dem Auto zurückfuhren und ich setzte mich wieder auf das Rad und fuhr nun zum dritten Mal die Straße nach Granadilla runter. Diesmal war es echt kalt – zum Glück wurde es weiter unten wieder wärmer.

Insgesamt kratze ich an dem Tag irgendwie 75 km zusammen, siehe hier und hier auf Strava. Die Strava Geschichte ging übrigens so aus: Meine Aufzeichnung wurde gemeldet, ich bekam eine Nachricht von Strava und wurde gebeten, das „Autosegment“ aus der Gesamtstrecke zu entfernen. Das geht ähnlich wie das anlegen eines Segmentes. Der Rest, also von der Küste bis nach Vilaflor blieb zum Glück erhalten. Man, bin ich Strava dankbar, wenn so einfach 22 km und 1.350 Höhenmeter aus meinem Leben verschwunden wäre, was wäre wohl aus mir geworden?

Am nächsten Tag ging es zurück nach Deutschland, so dass es insgesamt nur 478 km wurden. Aber ehrlich: Das ist auch nicht schlimm – dafür hatte ich mehr Zeit mit der Familie und fühlte mich am Ende des Urlaubs gleich gut in Form.

In Bremen zurück war es kalt, nieselig und generell unerfreulich; zum Glück gibt es ja jetzt eine sehr schicke Wahoo KICKR Option mit Zwift im Laden, so dass ich mir um den Rest der Wintersaison keine Sorgen machen muss.

2018 kam ich so auf fast 11.000 km, was recht gut ist, da ich außer Teneriffa keinen Urlaub gemacht habe und auch an keinem größeren Event a la Transalp teilnahm. Lustigerweise kam ich am Ende am 26.600 Höhenmeter für das Jahr, von denen ich 7.525 hm oder 28% in diesen vier Tagen auf Teneriffa gefahren bin.

Fazit: Die Festive 500 in Bremen zu fahren wäre sicherlich einfacher gewesen. An Teneriffa bin ich gescheitert, aber es hat deutlich mehr Spaß gemacht.

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Tschüss, und danke für den Fisch.

Postskriptum:
Superwichtige Souvenirs aus Teneriffa:

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Dose Bier mit dem Bild des Berg Teide drauf. Den gibt es seit 1939.

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Dose Deo für SRAM Fanatiker.

 

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Rad. Armee. Fraktion.

Hannes machte mich letztens auf dieses unglaublich gestylte und recht günstige Jersey von Craft aufmerksam, dass wir uns dann gleich kaufen. Mussten.

1901 Craft RAF

Das gibt es oder gab es hier. Manchmal kommt man ja erst ziemlich spät auf Dinge, die so offensichtlich sind. Wie zum Beispiel, dass im Wort „heiraten“ , das Wort „raten“ enthalten ist – ein nicht ganz unwichtiger Hinweis für die Wahrscheinlichkeit den oder die richtige zu binden. Das Craft Jersey ist so gestaltet, dass der erste und letzte Buchstabe von vorne nur noch ansatzweise zu erkennen sind, so dass lediglich RAF in schwarz-rot übrig bleibt, dazu in einem geradezu klassischen Siebziger Fahndungs Aktenzeichen XY Design.

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Bildergebnis für rote armee fraktion steckbrief

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Ein echtes Muss, wenn man links-liberal in den Siebzigern und Achtzigern aufgewachsen ist. Ich muss gestehen, in meiner Jugend hatte ich eine Menge Sympathie für die RAF, vor allem deswegen weil meine Eltern, Lehrer und andere Autoritätspersonen die so doof fanden. In meinem Jugendzimmer hing sogar eines dieser Fahndungsplakate, ich hatte das Bild von Christian Klar ausgeschnitten und mein eigenes eingesetzt. Ja, so fühlten wir uns damals, wir Verfolgten des Systems BRD; also will sagen des wirthschaftlich-militärischen Komplexes, oder wie auch immer.

Heute, selber Autoritätsperson, Vater und Lehrer geworden, sehe ich das natürlich anders; gerade wenn ich ab und an die alten RAF Säcke in Interviews sehe und merke, was für unsympathische (und nun auch alte) Menschen das sind.

Trotzdem finde ich, dass uns die RAF einige sehr schöne Momente des Designs geschenkt hat. Danke an Craft für die Wiederbelebung.

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Colors of 2019: Teil 1: Cannondale

Als neuer und naiver Radhändler habe ich das große Glück im Sommer zu den privaten Messen der Hersteller fahren zu können, um mir die Räder für die nächste Saison anzusehen. Weil die Ausstellungen deutlich kleiner sind und oft auch Probefahrten möglich gemacht werden, macht das deutlich mehr Spaß als sich 2 Millionen schwarzer Räder in abstrusen Formen auf der Eurobike in Friedrichshafen anzusehen.

Dieses Jahr war ich bei Cannondale, Trek, Giant und Wilier, die wir nun seit ewigen Zeiten (also seitdem wir den Laden im März 1818, Verzeihung 2018 aufgemacht haben) in Bremen vertreiben. Dazu habe ich mir bei Trek auch die Diamant Räder angeschaut und zum Schluss noch einen Abstecher zu Derby Cycle (Focus, Cervelo, Santa Cruz, Gazelle) eingeschoben. Dieses Jahr interessierte mich weniger, was Räder so können, denn das hatte ich im letzten Jahr bereits schon ganz gut mitbekommen und so viele Innovationen hat es in der Zwischenzeit auch nicht gegeben. Nein, mich interessierte eher, was es so neues an Formen und Farben gibt.

Den Anfang macht Cannondale.

Cannondale stellte in Heidelberg aus, da war ich nicht mehr, seit ich 1984 als Punkrocker aus sofort verständlichen Gründen dieses Straßenschild abmontierte und bei mir zuhause an die Wand pappte. Seitdem hatte sich einiges getan offensichtlich, so war quasi die Landschaft hinter dem Hauptbahnhof in einem riesigen Loch verschwunden . Am Rande dieses Lochs hatte Cannondale seine Halle. Die meiste Zeit dort verbrachte ich mit dem Probefahren des System Six (das ist das neue Aerorad von Cannondale, also das Gegenstück zum Madone von Trek, dem Propel von Giant oder dem Cento1Air von Wilier). Das System Six ist, ehrlich gesagt, nicht mein Rad, aber das ist nicht weiter wichtig.

Cannondale hat ein grundsätzliches Designproblem bei seinen Rädern, und das ist, dass der Name Cannondale im Gegensatz zu Trek, Wilier, Giant, Cube, Focus, Basso oder Look sehr sehr lang ist und erst einmal auf einem Unterrohr untergebracht werden will.  Ungünstiger ist eigentlich nur Tommasini oder Schindelhauer. Und deshalb heißt ja auch Verbund Service und Fahrrad VSF und macht langweilige schwarze Räder mit roten Klingeln damit das nicht so auffällt.

Cannondale habe ich farblich seit jeher als sehr auffällig empfunden, immer sehr hart am aktuellen Neontrend kratzend – denke ich an Cannondale in der Nacht, dann träume ich von neongrünen Landschaften mit gelben Schriftzügen. Das war dieses Jahr nicht anders, aber es gab auch einige sehr schöne Ausnahmen von der Regel.

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Dieses Jahr war es bei den Herstellern sehr trendy, viele Räder mit Seilen von der Decke vor einer Wand abzuhängen. Bei Cannondale war z.B. dieses MTB für Mädels in Acid Strawberry zu sehen – kommt hier leider nicht so gut rüber wie in echt.

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Das CAADX Alu Cyclocross Bike in der Ultegra Variante im mutigen Purpur.

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Auf der Ausstellung gab es auch ein CAAD12 zu sehen, das ich sehr interessant fand. Das CAAD12 ist ja schon sehr leicht, teilweise leichter als so mancher Carbonrahmen im Laden, aber da Alu ja eher etwas für Einsteiger ist, wird er nur mit Shimano 105 oder Ultegra angeboten. Das ist bei der Konkurrenz – soweit ich den Überblick habe – nicht anders. Jetzt gibt es zusätzlich eine Dura Ace Variante mit Powermeter -sozusagen die Edelalu Variante.

Die hatte auch ein sehr schönes Muster am Oberrohr, gar nicht langweilig.

Fazit

Cannondale war dunkel oder neon, mit ein paar schönen Farbtupfern.

Ein Kommentar

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Rennzirkus 2018: HB. HH. HB. SHG. MS.

Fancy Cycling, 1901 Fahrrad-Stunt

Die zweite Jahreshälfte brachte eine Reihe interessanter Radsportereignisse an der ich teilnahmen musste. Meistens, weil ich das auch schon in den Jahren davor getan hatte.

Macht man nämlich nicht mehr, was man in den Jahren zuvor getan hat, dann wird man alt: Der Körper kann nicht mehr so wie früher und man fährt im Windschatten des Lebens und schreit „Kürzer!“. Außerdem, so finde ich, ich es auch ziemlich unglaubwürdig, wenn man als Radhändler keine Rennen, oder gar nicht mit dem Rad zur Arbeit fährt. Geht gar nicht. Deshalb bitte die volle Dröhnung:

HB: Bremen City Triathlon 

1808 City Triathlon

Das gleiche Team wie 2017. Die Narben am linken Knie auch von 2017.

Nach unserem guten Abscheiden im Jahr zuvor (2. Platz) taten sich Peggy-Marie, Francois und ich wieder zusammen um an der Triathlonstaffel teilzunehmen. Zum ersten Mal im Cyclyng Team Outfit. Leider gab es dieses Jahr keine Familienstaffelwertung, vielleicht weil letztes Jahr einige nicht wirkliche Familien teilgenommen hatten (rot-werd) und so mussten wir uns mehr oder minder chancenlos in der Mixedkategorie beweisen.

Es waren die üblichen Verdächtigen da und der übliche Haufen an High-tec Rädern. Ronny und ich hingen in der Wechselzone rum, als bereits die ersten Schwimmer aus dem Wasser kamen, einer, eine massive Seerobbe von ca 200 kg Lebendgewicht rief nur „Platz da! Mach‘ den Weg frei!“ bevor er sich in die Menge warf. Verrückt. Man ist nur froh, dass wie Menschen die da kommen nackt und barfuß sind und nicht Handgranaten und Machete mit sich führen. Aber bevor ich darüber nachdenken konnte rannte ich bereits mit dem Rad in der Hand zur Strecke.

Na ja, die Strecke: Bin ich nun zum 7. Mal beim Citytriathlon gefahren. Und vielleicht sogar auch so oder so ähnlich bei der Bremen Challenge und dem Velotörn. Das ist halt eine Triathlonstrecke, die technisch nicht besonders anspruchsvoll ist und bei der der Wind meistens auf dem letzten Streckenteil liegt.

Am Anfang überholte ich wie üblich die langsamen Radfahrer der schnelleren Schwimmer. Weit vor der Wendemarke an der Waterfront kommt mir Silke entgegen – wie jedes Jahr. Und wie jedes Jahr wird mir klar, dass ich sie wieder nicht einholen werde.

Dieses Jahr ist es relativ windstill, das tut gut denn dieses Jahr fehlt die Ausdauer. Die ersten 10 km oder so sind wieder irre hart, alles tut weh weil natürlich keine Zeit da war zum aufwärmen. Nach 15 km weiß ich, dass ich das Ding zuende fahren werde und von da an geht es. Es wird aber zunehmend schwieriger motiviert zu sein, denn erstens ist Silke auch nach der zweiten Wende vor mir und zweitens gibt es einfach fast keine Fahrer mehr in Sichtweite, auf die ich aufschliessen könnte. So ganz ohne Ziel ist es schwierig motiviert zu bleiben.

Ich komme rein, fertig, übergebe an Ronny und der läuft das Ding gut zu Ende. Peggy und ich begleiten ihn auf dem letzten Stück. Ergebnis: Platz 10 in 1:12:27 min von 24 Teams, etwas schneller als letztes Jahr (1:14:01), insbesondere weil Peggy beim schwimmen eine Menge rausholte.

Wäre ich so ca. im Jahre 2000 geboren und wüßte ich, was ich heute weiß, dann würde ich vermutlich Data Science studieren. Ich kann stundenlang am PC sitzen und Daten analysieren, am besten mit einem Cafe zur rechten, einer Flasche Rotwein zur linken und einer Kippe im Mundwinkel. Ich denke, ich wäre der Jean-Paul Belmondo der Data Science geworden.

Jean Paul Belmondo

Data Scientist

Also, weil das soviel Spaß macht, habe ich mir einmal meine Radfahrtzeiten seit 2012 beim City Triathlon angesehen:

  • 2012: 34:58 min
  • 2013: 34:10 min
  • 2014: 35:54 min
  • 2015: 34:15 min
  • 2016: 34:01 min
  • 2017: 34:08 min
  • 2018: 33:28 min

Messerscharf habe ich analysiert, dass meine Leistung dieses Jahr am besten war. Lag vermutlich am Wind, da kann man leider auch nichts beschönigen. Nächstes Jahr dann eben doch mit Triathlonrad, Zeitfahrhelm und im Einteiler.

Fazit:

  • Spaßfaktor : * * * * *
  • Sportliche Leistung: * *
  • Gab gute Stories: * * * *
  • Teamgeist: * * * * *

HH: Euro Eyes Cyclassics 2018

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Ein paar Tage später ging es dann nach Hamburg zu den Cyclassics. Obwohl dass ja das größte Jedermannrennen in Deutschland ist, findet es in Bremen selber kaum Resonanz. Ich hatte bei fb gefragt ob jemand in Hamburg fährt, aber letztendlich hatte sich nur Maik gemeldet. Und mit dem sass ich dann früh morgens im Metronom Regionalzug nach Hamburg. Natürlich waren auch noch ein paar andere Radler aus Bremen im Zug, aber die kannte ich alle nicht.

Maik ist, irgendwie, das bremische Gegenstück zu Lance Armstrong: Zunächst führt er ein ganz normales Leben und fährt ein wenig Rad. Dann hat er einen schweren Unfall und nachdem ihn die Ärzte wieder zusammengeflickt haben, fährt er nun Rad wie ein verrückter – und zwar ziemlich viel, ziemlich weit und dazu auch noch schnell. Keine Ahnung was bei den OPs schief gelaufen ist. Dieses Jahr ist er bereits mehr als 19.000 km gefahren, davon 777 km bei den 24 Stunden von Notdorf. Ich fragte ihn, ob er denn in den 24 Stunden mal Pause gemacht hätte?
„Klar, ich musste die Trinkflschen nachfüllen.“

Ich dachte eher an schlafen. Es war also klar, dass wir zusammen im Zug, aber nicht auf der Strecke unterwegs sein würden. Er fuhr sowieso die 160er und ich nur die 100er Runde. Beide Runden übrigens auf komplett neuen Strecken.

Bildergebnis für hamburg cyclassics 2018

Die Cyclassics haben allgemein ein schlechtes Image. Spricht man das Thema auf RTFs oder so an, dann heißt es: „Total gefährlich! Fahr da bloss nicht hin! Da fahren so viele Idioten mit und da gibt es soooo viele Stürze…ich kenne einen der ist heute querschnittsgelähmt / hat ein Bein verloren / blind / sabbert nur noch / hört Helene Fischer …  man suche sich das passende aus. Fand ich persönlich allerdings gar nicht, ich war einmal dabei 2016 und da waren die Fahrer OK obwohl ich aus dem letzten Block gestartet bin, die Strecke war super und die Streckenposten waren auch auf Zack. Ich habe nur einen Sturz gesehen, und das war der von Mattias Schmitt. Man zeige mir ein Rennen, wo er nicht stürzt.

Dieses Mal war ich relativ weit vorne, ich glaube Block D?  Und die Strecke war komplett neu. Die Blöcke waren relativ groß und obwohl es von Start weg mit durchschnittlich mehr als 40 km/hr für die nächsten zwei Stunden losging (Jedermannrennen halt, da darf man auf keinen Fall auf Energiereserven sitzenbleiben) blieb ein großer D Block von ca. 200 Fahrern mehr oder minder die ganze Zeit zusammen. Die Strecke war echt mies im Vergleich zu der alten: Es gab sehr viele Straßenverengungen, teilweise auch solche die durch eine Sperrung eines Teils der Fahrbahn künstlich erzwungen wurden. Einige Straßen waren auch extrem eng, die Ortdurchfahrten sehr kurvig  und die Streckenposten waren so gar nicht auf Zack. Dort wo eine gelbe Fahne geschwenkt und die Pfeife gepfiffen werden sollte, um auf eine Verkehrsinsel aufmerksam zu machen, stand einer mit seinem Handy und machte Fotos davon wie Teilnehmer auf die Insel krachten.

Quasi alle fünf Minuten gab es Stürze oder jemand lag am Straßenrand und hielt sich Arm, Schulter oder sonstwas und wartete auf Erste oder letzte Hilfe. Es war ein absolutes Gemetzel. An einer Verengung fuhr mir jemand ins Hinterrad, zum Glück nicht seitlich, sondern schön von hinten, so dass ich die Kontrolle nicht verlor. Mein Hintermann aber schon, ich sah noch wie er mit richtig Speed links auf dem Grasstreifen an mir vorbei sausste und sich dann auf die Fresse legte. Ständig wurde in der Gruppe scharf gebremst, das ganze war irre nervös. Ich hatte noch nicht einmal die Zeit einen Schluck aus der Flasche zu nehmen.

Nach 80 km kam ein Anstieg und da ich dummerweise ganz am Ende der Gruppe war, bei einer Verengung abbremste und es sowieso um die Ausdauer dieses Jahr nicht so gut bestellt ist, fiel ich hinten raus. Ich versucht noch einmal mit ein paar anderen im Sprint nach dem Anstieg mich hinten einzureihen, aber wie immer gelang es nicht. Und die anderen hatten auch keine Lust und waren noch lahmer als ich, so dass ich tatsächlich alleine weiterfuhr und wartete, bis mich die nächste Gruppe von hinten einholte. Das dauerte recht lange, und mit der fuhr ich dann zum Ziel. Irgendwie konnte ich dann noch im Spurt ganz nach vorne kommen und 109 km in 2:50:29 mit 38,2 km/hr Schnitt (inklusive Pinkelpause) ist ja auch nicht so schlecht. Dann kam der Krampf.

Vor einiger Zeit hatte ich einmal einen Post über den Niedergang der Jedermannrennen in Deutschland geschrieben. Im Kern geht es darum, dass sich außer Berlin, Hamburg und Frankfurt kein Rennen wirklich hat etablieren können mit Teilnehmerzahlen jenseits der 10.000, und dass Berlin und Hamburg seit Jahren sinkende Teilnehmerzahlen aufweisen. Dieses Jahr war das etwas anders, Hamburg hatte fast 1.000 Teilnehmer mehr als die knapp über 11.000 im Jahr davor. Aber das ist immer noch weit entfernt von den Zahlen vor 6, 7 Jahren.

Nächstes Jahr dann eher doch nicht. Irgendwie kann ich mich auch nicht darüber freuen, wenn ich z.B. hier als 780er über die Ziellinie komme. Klar, ich habe über 2.500 andere auf meiner Strecke hinter mich gelassen, aber da irgendwie vorne mitfahren zu können kann ich leider vergessen. Nach dem Rennen traf ich ein paar Bremer und auch Fabian, der aus Berlin gekommen war. Maik traf ich nicht, der war zwar vermutlich mit den 160 schneller fertig, als ich mit der 100er Runde, aber er rief mich nur an und meinte ich solle nicht auf ihn warten, er würde nicht mit dem Zug, sondern mit dem Rad zurück nach Bremen fahren.

Wenigstens telefonierten wir ein paar Tage später und er erzählte mir wie sehr er diese Entscheidung im Nachhinein bedauerte.

Fazit:

  • Spaßfaktor : * *
  • Sportliche Leistung: * * * *
  • Gab gute Stories: * * * *
  • Gore-faktor: * * * * * – jede Menge Blut

 

HB: Velotörn 2018

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Hahahaha.

Fand nicht statt, da es in der Zusammenarbeit des Veranstalters mit der Stadt Bremen haperte oder umgekehrt. Ist auch egal, es zählt das Ergebnis und da haben eigentlich alle verloren. In Bremen besteht so ein sehr merkwürdiger Zwang, Brücken mit Bauzäunen zu sichern, zunächst die Stephanibrücke und nun die Hochstrasse für den Velotörn. Dass ein paar Wochen später der ADFC eine Radveranstaltung über dieselbe Hochstrasse lenkte, ohne dass eine Sicherung erforderlich war machte die Sache nur unverständlicher.
Am Ende waren alle frustriert und ein paar Scheite mehr wurden uns Feuer geworden, wie doof Bremen denn ist. Das mag sein oder nicht, Tatsache ist nur, dass der Velotörn nicht stattfand und nur die Hoffnung auf das nächste Jahr bleibt.

Fazit:

  • Spaßfaktor : *
  • Sportliche Leistung: *
  • Gab gute Stories: *
  • Satirewert: * * * * *

 

SHG: RTF Lauenau

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Die Lauenau RTF fahre ich ebenfalls seit einigen Jahren, meistens zusammen mit Hannes. Aus verschiedenen Gründen ist dies meine Lieblings RTF und umso schöner dass sie dieses Jahr bei gutem Wetter an meinem Geburtstag stattfand.

Dieses mal ging es zu viert, mit Hannes, Silke und Andi nach Lauenau und dort trafen wir dann auf eine große Gruppe der Manta Squad, die sich mit uns gemeinsam auf die Strecke machte. Wir hatten uns dieses Mal für die etwas kürzere 120er Runde entschieden, da ich am Abend noch mit meiner Familie essen gehen wollte.

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Silke, Hannes und Andi am legendären Kieswerk

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Auf der Fähre über die Weser mit sportlich ähnlich versierten Mitstreitern

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Blauer Himmel in Lauenau

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Andi, leicht verwirrt nach dem Anstieg zur Schaum- und Paschenburg

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Bikkuri ! Hannes.

Alles in allem war das mal wieder eine großartige RTF die nur durch die Fahrt zurück mit dem Auto wieder getrübt wurde. Mit der Bahn ist es ja schon schlimm, aber mit dem Auto auch nicht viel besser wenn die Autobahn quasi zu ist. Zurück waren wir fast so lange unterwegs wie insgesamt auf der Strecke. Trotzdem, Lauenau ist super: Die Landschaft ist toll, die Strecke gut gewählt und die Stimmung prima. Das wird auch 2019 wieder eine Pflichtveranstaltung.

 

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Fazit:

  • Spaßfaktor : * * * * *
  • Sportliche Leistung: * * *
  • Gab gute Stories: * * * *
  • Teamgeist: * * * * *

MS: Münsterlandgiro 2018

Der Münsterlandgiro ist traditionell das letzte Rennen der Saison. Danach wird nur noch gechillt in die Winterpause gefahren. Dieses Mal ging es, wie auch im letzten, zusammen im Volvo von Jochen nach Münster. Dieser Volvo hat tatsächlich noch einen eingebauten Kassettenrekorder, nur dummerweise hatte ich schon wieder vergessen eine meiner Kassetten aus den Achtzigern mitzunehmen – zu schade, so gerne hätte ich Jochen von meinem exquisiten Musikgeschmack überzeugt.

Jochen hatte sich, unter Angabe einer illusorisch erscheinenden Fahrtzeitangabe in den A Block geschummelt, ich kam mit einer ähnlich optimistischen Angabe komischerweise nur in den B Block. Dort ging es dann von Anfang an richtig zur Sache. Es wurde wieder wie bescheuert losgefahren und ich musste leider dem Alter und der Müdigkeit Tribut zollen und fiel relativ schnell aus der B Spitzengruppe raus und das noch vor dem ersten Anstieg. Vor lauter Frust war ich kurz davor aufzugeben und mich mit Zigarette an den Straßenrand zu stellen, chillig zu rauchen und dann auf dem kürzesten Weg wieder zurück nach Münster zu fahren.

An dem anstieg holten uns die Spitzengruppe des C Blocks ein und so konnte ich dann in einer zweiten Gruppe von denen weiter mitfahren. Die Anstiege liefen an sich ziemlich gut, aber im flachen fehlte einfach die Power. So blieb ich dann erst einmal in dieser Gruppe die dann aber zunehmend auseinander fiel, nach 100 km waren wir dann noch 10 bis 15 Fahrer, die von zwei Oberlehrern zum kreiseln animiert wurde. Das klappte überhaupt nicht. Und dann machte ich einen ziemlich doofen Fahrfehler und landete auf dem Grünstreifen. Bis dich dann wieder auf dem Rad war, war die Gruppe weg und ich fuhr erst einmal alleine weiter. Eine weitere Gruppe fuhr an mir vorbei, die vor dummerweise zu schnell für mich. Dann kam eine die passte und die mich bis zum Ziel brachte.

Dort war ich erst einmal ziemlich fertig. Ich hatte ja wirklich alles gegeben, musste dann aber leider feststellen, dass ich mit ein paar Leuten ins Ziel kam die, wie soll ich es sagen, deutlich unsportlicher, älter oder beides waren. Vom Ergebnis (486. von 938 gesamt, 103. von 268 in der Altersklasse) her war ich noch nicht einmal im ersten Drittel aller Teilnehmer, das fand ich doch sehr frustrierend. Keine Ahnung woran es lag.

Trotzdem, irgendwie, aber nur dann wenn alles vorbei ist, hat es ja doch Spaß gemacht. Anschliessend schauten Jochen, Kian und ich uns noch das Profirennen an bevor es wieder nach Bremen ging.

Fazit:

  • Spaßfaktor : * * * * *
  • Sportliche Leistung: * * *
  • Gab gute Stories: * * *
  • Münster Faktor: * * * * *

Gesamtfazit der Saison: Ich bin dieses Jahr deutlich weniger RTFs gefahren, weil leider viele auf einen Samstag fielen wo ich nun jetzt nicht mehr teilnehmen kann. Delemenhorst, Bremen, der rote Fuchs, Adlerrunde und die eine oder andere nicht wirklich interessante fielen dem zum Opfer oder eliminierten sich selber. Die Radrennen waren OK, aber leider fiel der Arbeit auch die Teilnahme an der OBKM zum Opfer, bei der ich letztes Jahr in der Serie auch Dritter geworden war.

Trotzdem war es insgesamt, für die nächsten Jahre brauche ich aber mehr altersgerechte Hobbies wie Halma, Kanasta oder Scrabble.

1805 Überseestadt Regenbogen 1

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Sunset over the Overseatown (Genglish)

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