Tecklenburgrundfahrt. Nächster Halt: Hölle, mit ca. 30 Minuten Verspätung aufgrund eines vorher erlöschten Fegefeuers.

Viertausend Holländer kommen jedes Jahr mit ihren Rädern nach Ibbenbüren in der Nähe von Osnabrück, um dort jeden Hügel hochzufahren, den es im Umkreis von 10 km gibt. Viertausend Holländer, Silke, Andi und ich.
Achtung: dieser Post handelt aber in erster Linie von der Deutschen Bahn.

Die RTF

Die Tecklenburgrundfahrt wird organisiert vom Fietstoerclub CC’75 Nijverdal, etwa 100 km von Ibbenbüren entfernt auf der anderen Seite der Deutsch-holländischen Grenze. Es gibt drei strecken zur Auswahl: 100, 130 und 160 km und allen ist gemeinsam, dass sie eine ganze Anzahl von harten Rampen beinhalten, 27 Stück bei der 160erRunde, 23 bei der 130er Runde und immerhin noch 17 bei der 100er Runde. Für Holländer ist es attraktiv sich in den Bergen auszutoben, also kommen sie nach Ibbenbüren und nehmen uns unsere Hügel weg; ein Thema das Melanie Schmitz und ihre „Identiäre Bewegung“ bislang nicht aufgegriffen, bzw. hübsch in einem geklauten französischen Chanson verpackt hat. Wir wollen unsere Hügel wieder und ich wäre gerne bereit den Holländern dafür Melanie Schmitz zu überlassen.

Aus welchen Gründen auch immer veranstaltet zeitgleich der THC Westerkappeln seine RTF „Kreuz und Quer durch’s Tecklenburger Land“. Keine Ahnung, warum man nicht einfach mit 4.000 Holländern fährt, sondern sein eigenes, westerkappeliges Ding dreht. Muss an dem relativ sturen Schlag Menschen hier in Ostwestfalen liegen, oder wie Andi bemerkte: „Die Ostwestfalen sind die Westfalen unter den Westfalen.“ Jedenfalls kamen uns eine Menge Gruppen dieser RTF entgegen und kreuzten unsere Wege und die lila Pfeile sorgten ab und an für zusätzliche Irritation. Egal, als erstes mussten wir mal nach Ibbenbüren kommen.

Die Deutsche Bahn !

Wir trafen uns um kurz vor sieben am Bahnhof in Bremen; also Silke, Andi und ich. So waren wir auch letztens nach Ibbenbüren gefahren, aber diesmal gab es drei entscheidende Unterschiede:

  • The „Mysterious Single“ (MS) kam diesmal nicht.
  • Es war kein Discovolk am Bahnhof, dass den Weg nach Hause in die Vorstatdt suchte. Letztes Mal war da z.B. so ein Typ, der sich auf dem Bahnsteig die Herrenoberbekleidung vom Leib riss, wild auf eine Mülleimer einschlug und dann die Treppe runterstürmte. Genau das, was man morgens um sieben braucht.
  • Wir trafen so ein paar andere Radfahrer aus Bremen am Gleis und im Zug, die ihren eigenen Plan hatten.
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Nicht Enno Affenzahn (weil der hat ein Rose Rad).

Gleich war allerdings, dass der Zug mal wieder zur spät war, diesmal mehr als 20 Minuten. So war bereits zu Beginn die Hoffnung verflogen in Osnabrück den Anschluss zu bekommen. Das war nur ärgerlich, aber nicht weiter tragisch. Ich meine, was kann man schon von der DB erwarten?

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Deutsche Bahn Pizza

Vor ein paar Tagen erzählte mir ein guter, englischer Freund, David, der nun mit einer noch besseren deutschen Freundin verheiratet ist, folgende Geschichte aus seiner Jugend:

Als Teenager war er in den Siebzigern zusammen mit seinen Freunden nach London gefahren und Abends sassen sie dann zusammen in einer Pizzeria dort zum essen. Guter Laden, sie waren mächtig beeindruckt. Alle hatten Pizza bestellt und als der Kellner ihnen ihre Gerichte brachte, viel ihnen etwas merkwürdiges auf: Auf keiner der Pizzen war auch nur ein Hauch von Käse zu sehen.

Hm, das war komisch. War es vielleicht in London so, dass man hier Pizza ohne Käse aß? Ein neuer Trend? Was sollten Sie machen? Einfach die Pizza essen und so tun als wenn nichts gewesen wäre? Schließlich fasste sich David ein Herz, rief den Kellner und stammelte:

Sir, I am very sorry to ask you, but we noticed something somewhat peculiar with the dished we’ve odered. Not that we want to critize you or your excellent restaurant, it is just that …. well we thought, after thinking the issue carefully over, that perhaps something is missing …something like chesse, id you don’t mind pointing that out.“

Der Kellern antwortete darauf:
I am terribly sorry Sir, but we have ran out of cheese this evening. We hoped you wouldn’t notice.“

Ich finde das eine gute Geschichte, weil sie zeigt da Prinzip erklärt wie die DB mit den Wünschen ihrer Kunden umgehen. Die Kunden fragen sich dann häufig, was sie falsch gemacht haben, oder ob das normal ist was gerade passiert. Kommt ein Zug innerhalb von 10 Minuten der geplanten Zeit an, so halten wir das mittlerweile für eine tolle Leistung. Ist es aber nicht. Es ist schlicht und einfach Pizza ohne Käse.

Die RTF.

So hingen wir recht lange in Osnabrück rum und schafften es dann aber so kurz nach halb Zehn endlich in Ibbenbüren anzukommen und mit dem Rad zum Johanns-Kepler Gymnasium, dem großen Sohn der Stadt (äh, also der Stadt Weil am Rhein).  Dort wird gerade das neue RTF-Holländer Aufnahmegebäude neu gebaut, oder vielleicht ist es auch nur eine Erweiterung des Gymnasiums. Jedenfalls kann man da nur sagen: Bella Italia! Weil die Holländer ja gute Wasserbauingenieure sind, wurde die Flut der Rennradfahrer durch Gitterzäune wie die Fluten der Nordsee in die richtige Richtung kanalisiert. Nur wenige Minuten später waren wir angemeldet und konnten los fahren.

Wie überhaupt die Holländer sehr gut organisiert sind. Denn erstens war diese RTF sehr gut ausgeschildert (da kann sich Urania Delmenhorst was abschauen) mit leicht transparenten orangen (natürlich) Schildern mit schwarzen Pfeilen. Rechtzeitig vor jeder Abzweigung und dann unmittelbar danach, so dass man sich war in die richtige Richtung zu fahren. Und dann gab es an Überquerungen der Landstraßen fast überall Streckenposten die den Verkehr regulierten. Ok, die Verpflegung war…. ich sag mal so, man fährt ja nicht nach Holland zum essen (außer Pommes und beim Indonesier. Und die ganz Harten essen Frikandel aus dem Schließfach.

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Wir hatten es nicht so eilig, eine richtige Gruppe der wir uns hätten anschließen können gab es auch nicht und da 130 km mit 2.000 Höhenmetern angesagt waren wollten wir es auch nicht übertreiben. Schon der zweite Hügel, der Lärchenweg nach 11 km hatte es an sich, die Rampe war bis zu 25% steil, hätte Andi uns nicht vorgewarnt rechtzeitig auf das kleine Kettenblatt zu schalten, wäre wir da nicht hochgekommen. So sollte es den ganzen Tag weitergehen: Ein wenig abfahrt, oft auf einer breiteren Straße, manchmal aber quasi blind auf kleinen Waldwegen im Schattenspiel von Licht und Schatten; nach links oder rechts abbiegen und dann einen Hügel hoch, vielleicht ein bis zwei Km lang und 50 bis 150 m Höhenmeter hoch. Bei 23 Ansteigen kamen dann 2.000 Höhenmeter zusammen, gar nicht schlecht für soweit nördlich der Alpen.

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Das Tecklenburg Programm. Im Prinzip.

Und obwohl wir schon über eine Stunde unterwegs waren, sahen wir immer noch das Kraftwerk Ibbenbüren vor uns. Na ja, eigentlich sahen wir das den ganzen Tag, da diese RTF im Gegensatz zu, sagen wir mal Lüttich-Bastogne-Lüttich, nicht von A nach B und wieder zurück geht, sondern immer wieder Schleifen um A dreht (Kraftwerk) .

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A: Stolz steht es auf dem Hügel vor Ibbenbüren.

Dann sieht man A auf einmal nicht mehr. Dafür B und B ist der Fernmeldeturm Tecklenburg.

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B: Geometrischer Mittelpunkt unendlicher Schleifen

Also wieder Schleifen um B. Und zum Abschluss noch ein paar Schleifen um A, wie sich viel später herausstellen sollte. Bei dieser RTF hatte ich so gar nicht das Gefühl irgendwo hin zu fahren; etwa so wenig wie wenn man in einen Aufzug steigt wo man in der Regel ja auch im selben Gebäude bleibt.

Wir waren ja ziemlich weit hinten im Feld, da wir sehr spät gestartet waren (der DB geschuldet). Und wir dachten, wir hätten keine Chance mehr auf den Gesamtsieg. Tja, aber dann, wir fuhren gerade auf einer dicken neu gebauten Straße, sollten wir links abbiegen. Dort liefen einige Rennradler, was war da los? Also wir näher kamen wurde uns  die Sache klar: Ein ca. 20 Meter langes Teilstück aus knietiefem Schotter, unmöglich mit einem Rad zu fahren, dachten Silke und ich und stiegen von unseren Rädern ab. In diesem Moment stürmte etwas, dass so aussah wie eine Elchkuh die ihr Junges verloren hatte durch den Schotter: Es war Andi, der mit seinem Rad durch den Schotter pflügte. Die Steine spritzen hoch und sein Rad grub sich in die Materie ein, aber nichts konnte ihn stoppen. Ich glaube an dieser Stelle hat er das halbe Feld überholt, aber netterweise hat es auf uns beide gewartet. So langsam kamen wir Richtung Lotte, das durch den heiteren Roman „Weimar in Lotte“ von Thomas Mann (soweit man irgendetwas, was Thomas Mann geschrieben hat mit den Worten „heiter“ bezeichnen mag) berühmt wurde. Dort soll es auch einen ganz guten Fußballverein geben.

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Alle Anstiege waren nett ausgeschildert.

Kurz danach kam die erste Verpflegungsstation bei der fast alles bereits weggegessen war. Und so ging es weiter, Anstieg um Anstieg, Abfahrt um Abfahrt unter der heißen Sonne (Sommer war nun gerade angekommen) in der bekannt voll unschönen Landschaft.

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Sechs Anstiege später. Die Reihenfolge zählt umgekehrt, Anstieg 1 war der letzte. Oder vielleicht sind wir auch einfach falsch herum gefahren.

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Noch mehr voll unschöne Landschaft.

Nach 90 km oder so waren wir an der nächsten Rast, leider hatten wir uns doch einmal ziemlich verfahren und mussten ein ganzes stück wieder zurückfahren.

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Silke. In Schiedsrichterlaune. „Don’t mess around with me, boys.“

Dan waren wir 107 km weit gefahren. Keine Ahnung warum, aber ich kann das beweisen.

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Grünes Souvenir von LBL 273.

So langsam hörte es überhaupt nicht mehr auf. IMG_0881
Don’t look back in anger.

Auf einmal waren wir dann an der dritten Rast, die total schön an so einem voll unschönen See gelegen war. Das sah nach wieder hinfahren aus. ich wäre fast reingesprungen, ehrlich, ich musste mich total zurückhalten, um nicht den Jerome zu machen.
(Das ist ein alter Positivo-Espresso Running Gag: Jerome, einer der ersten Positivos, springt wirklich in jedes Wasserloch und in jeden Bach entlang des Weges, oft in voller Radbekleidung. Wie zum Beispiel hier am japanische Meer.

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Dann noch weitere 30 Kilometer und einige Anstiege. So langsam wurde es anstrengend. Aber nach insgesamt etwas mehr als sieben Stunden kamen wir im Ziel an.

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Strava

Insgesamt keine einfache RTF und irgendwie sind es statt 130 dann auch 144 km geworden. Durch das ständige Auf und Ab war es schwierig einen guten Rhythmus zu finden.

Die deutsche Bahn !!!!!!!

Jetzt nur noch ab nach Hause. Den Zug um 17:28 Uhr hatten wir leider verpasst, also legten wir uns erst auf die Wiese und fuhren dann um 18 Uhr zum Bahnhof, um den Zug um 18:28 nach Osnabrück zu nehmen.

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Ich lag auf der Wiese am Ziel und sah das.

Nicht gut, aber dann würden wir so gegen 20 Uhr zuhause sein. Drei Stunden hin, 2 1/2 Stunden zurück, vielleicht ein wenig zu viel Reisezeit für sieben Stunden radfahren? Na ja. Am Bahnhof war kein Zug. Der war 20 Minuten verspätet, erst einmal. Das hiess, dass wir wieder einmal in Osnabrück unseren Anschluss nicht bekommen würden, obwohl der auch verspätet war. So ein Mist. Wir waren nun wirklich müde, durstig und hungerig und wollten nur noch nach Hause. Der Zug kam dann endlich mit 30 Minuten Verspätung an. In Osnabrück hätten wir nun den Zug um 19:34 nehmen können, aber zum Glück war noch nicht einmal der um 18:34 losgefahren – wir hatten also Glück und rannten zu Gleis.

Also, ich stell mir das so vor; irgendwo da im Bahnhof Osnabrück sitzen die Götter der Deutschen Bahn, Regionus und Metrosysus und lachen sich über das Treiben der Bahnkunden tot.

Schau mal, Regionus, diese Menschen da unten glauben, Sie könnten durch Laufen noch einen Zug erreichen!“

„Ha, dummes, eingebildetes Menschenpack, schade dass der Zug ohnehin ausfällt, sonst könnten wir ihn vor der Nase wegfahren lassen … Legt euch nicht mit den Göttern der Bahn an – Menschen!“

Um 20:00 Uhr standen wir immer noch gleich. Der Zug um 19:34 hatte mehr als eine halbe Stunden Verspätung, aufgrund einer vorhergehenden Verspätung. Ich vermute, es war die halbe Stunde, die der Zug bereits am Morgen verspätet war als wir zum ersten Mal einstiegen.

Es ist zum heulen mit der Bahn. Ich will jetzt keine Litanei anstimmen, wie toll das im Vergleich in Japan ist (ist es auch), aber wenn man sich irgendwo verlässlich hinbewegen und pünktlich sein muss ist davon abzuraten die Bahn zu nehmen. Einmal nahm ich einen IC nach Duisburg extra zwei Stunden früher als ich da sein musste, nur damit ich nicht zu spät kommen würde. Und was passiert, der Zug ist pünktlich und ich bin am Montag morgen um 9 Uhr in Duisburg. Was macht man um diese Zeit in Duisburg? Ich fragte den Taxifahrer und er meinte nur lakonisch: „Soll ich Sie zum Puff fahren?

Ich glaube, dass viele sogenannte „Personenschäden“ durch frustrierte Bahnfahrer verursacht werden, die keine Lust mehr auf ein Leben wartend an der Bahnsteigkante haben und den nächsten, nahe liegenden Schritt tun. Oder vielleicht ist es auch umgekehrt, die Bahn rettet viele Leben. Man will sich das Leben nehmen, vor den Zug schmeissen, aber der verdammte ICE kommt einfach nicht. Und so langsam wie der Regio fährt, da kann man ja nicht sicher sein, dass es wirklich klappt. Also liegt man stundenlang auf den Gleisen, hat Zeit zum nachdenken und geht dann irgendwann doch wieder nach Hause. Wieder ein Leben gerettet.

Wir kamen dann kurz vor 21.30 Uhr in Bremen an. Total fertig. Ehrlich. Sieben Stunden Bahnfahrt für sieben Stunden Radfahrt. Ich glaube ich nehme das nächste Mal doch das Auto.

Danke Holland.

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Taipeh 2017.

Bilder von der Taipeh Cycle Show 2017, via Cycling Tips.

Komponentenlastig.

 

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Coffee Racer.

Ein Kommentar

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Advanced MTB Skills.

via Milano Fixed

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8bar. Crit 2016.

8bar. Interessante Räder.  Kleiner, guter Laden in Berlin. Eigener Aufbau für Christian hier.

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Vorher: In Paris. Nachher: Angekommen in Roubaix.

via Cycling.Art

Just how much a rider can endure in Paris-Roubaix? These images are unforgettable of just how brutal Hell is.

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Der schnellste Weg nach Roubaix ist über die Autobahn und nicht das Kopfsteinpflaster.

via Bicycling.com

French Police Pick up Paris-Roubaix Rider on the Highway

Of all the hard-luck ways to end a bike race, Italian sprinter Andrea Guardini might have found a new one

 

French Police Pick up Paris-Roubaix Rider on the Highway.
 
When Andrea Guardini crossed the start line of Sunday’s Paris Roubaix, the UAE team rider likely never imagined he would end the 257km classic in a police station—watching on a TV screen as Greg Van Avermaet took the win.Guardini dropped out of the race after the second feed station, with 68km to go, and tried to ride to meet his team at the finish. But the most direct route took the Italian sprinter onto the traffic-packed E23 motorway, where he was picked up by French authorities and brought back to the station in Villeneuve-d’Ascq.

A fan spotted him riding on the E23 and posted on Twitter that Guardini found the quickest way to Roubaix—the highway—so Guardini took to Facebook to explain his eventful day. Despite the outcome of his race, his emoji usage suggests he remained in fairly good spirits.

“Some videos and photos are starting to appear, so perhaps it better if I explain exactly what happened,” Guardini wrote on Facebook on Sunday night.

“I quit the race and when I got to the team car at the second feed. They told me to cut across from the race and ride to the finish. I took their word and would have quickly made it to Roubaix if I hadn’t found myself on the highway!

“Fortunately the Gendarmerie found me, loaded my bike in their car and took me to the local police station. I can only thank them for their help; they even let me watch the finish of the race with them. I was also able to contact my wife, who called the team so that a soigneur could come and collect me.”

“I’m sure the team will tease me about what happened for a long time but I want to make it clear that I wasn’t arrested, my criminal record is still intact and we even had a laugh about it,” he continued.

“Of course I was obliged to give the police a little present as a way of thanks and they now have my Paris-Roubaix race jersey.”

https://www.facebook.com/plugins/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fandreaflashguardini%2Fposts%2F1866210070313588&width=500

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RTF. Das Delmenhorst Syndrom.

Eine RTF bietet dem ambitionierten Hobbyrennradfahrer die Möglichkeit sich einmal über 20 km völlig auzupowern und an seine Leistungsgrenzen zu gehen. Am Anfang natürlich. Am Ende plaudert man dann entspannt in der Gruppe und rollt das Ding nach Hause.

Delmenhorst, hört man diesen Namen, woran denkt man dann? Als ich am Tag vorher meinem Sohn sagte, dass ich am nächsten Morgen an einer RTF in Delmenhorst teilnehme meint er nur: „Ich habe letztens eine Statistik über Mordraten in Deutschland gesehen. Das war so eine Karte in grün, gelb und rot. Delmenhorst war da tiefrot. Pass auf Dich auf.“ Das ist aber Fake-News, der Spiegel zeigt, dass man in Delmenhorst sicherer lebt als zum Beispiel in Bremen. Meinem Sohn werde ich nun empfehlen nachts auf die Discomeile in Delmenhorst zu gehen. Wenn es so etwas gibt. Ansonsten ist Delmenhorst ein beschauliches Städtchen. Eine Bildersuche mit Google ergab unter anderem die folgenden Treffer:

An der Inkoop-Baustelle an der Oldenburger Straße hat es am Mittwochnachmittag einen schweren Unfall gegeben. Foto: Andreas Nistler

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Ich denke diese Impressionen geben einen guten Überblick, was den Fremden in Delmenhorst erwartet, wenn es schon nicht Mord und Totschlag ist.

Die RTF in Delmenhorst, ausgerichtet von dem rührigen RSV Urania Delmenhorst (internationaler Partnerverein ist übrigens Plutonia Pyöngjang: Städte die sich gegenseitig an Schönheit überbieten), ist eine der schöneren in der Umgebung von Bremen. Dieses Jahr bin ich sie zum 5. oder 6. Mal mitgefahren. Sie hat ein paar große Vorteile:

  • Die Anreise aus Bremen ist kurz und mit dem Rad.
  • Sie führt sehr schnell aus Delmenhorst hinaus in die Geest.
  • Man kann sich auf der Strecke entscheiden, ob man 80, 120 oder 155 km fahren möchte.
  • Am Ende fährt man nur kurz wieder nach Delmenhorst rein.

Aber auch einen großen Nachteil, denn die RTF ist traditionsgemäß schlecht ausgeschildert. Ich bin da noch nie 80, 120 oder 155 km gefahren, sondern immer 90, 133 oder 180, je nachdem wie viel ich mich verfahren hatte.

Da ich ja dieses Jahr durch Lüttich-Bastogne-Lüttich sehr gut vorbereitet war, musste ich am Abend vorher etwas gegen meine gute Vorbereitung tun, damit ich im Feld nicht weiter auffalle. Zufällig war ich zu einer Party der Absolventen meiner Hochschule eingeladen. Nach Steaks und Würstchen, vielen kleinen Bierchen redete ich dort ziemlich viel Mist; vermutlich, denn so genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Den Weg nach Hause habe ich auf dem Rad im Regen zurückgelegt und auch daran habe ich kaum eine Erinnerung. Woran ich mich allerdings sehr gut erinnere ist, dass fünf Stunden später der Wecker klingelte und ich zunächst glaubte, dass Körper und Kopf voneinander getrennt worden wären, denn der eine tat nicht was der andere ihm befahl.

Zum Glück kam Hannes vorbei und wir radelten los um uns mit den anderen Bremern am Subway in der Pappelstrasse zur gemeinsamen Anfahrt nach Delmenhorst zu treffen. „Früher“ war da, wo heute das Subway haussiert, Radsport Schröder.

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Serviervorschlag

Traditionsgemäß wurde nun dort zunächst ein Kranz niedergelegt („Den Opfern des Radsportes“), traurige Lieder angestimmt („An einem Rädlein helle“; „Beim Schröder vor dem Tore“) und viel Mist geredet bevor unsere große Gruppe mit Trommeln und Pyro sich aufmachte Richtung Delmenhorst.

Angekommen entdeckten wir viele bekannte Gesichter, unter anderem auch den Jungen, den ich bereits beim letzten Mal kennengelernt hatte. Der verkaufte mir ein Salamibrötchen und eine Cola. Für €1,50 – das gibt es eben nur den den RTFs die vom Verein organisiert werden. Da waren auch wieder die Fahrer der SG Stern, denen wir bereits eine Woche früher bei der Bremer RTF hinterhergefahren waren. Da waren Karin und Torsten die ich eine Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte (nicht weil sie in Delmenhorst wohnen), Jan, Lars, und und und. Das konnte ja lustig werden.

Zunächst einmal stellten wir uns aber an den Start. Da wir bereits ziemlich spät waren, fanden wir nur einen Platz im Mittelfeld. Die Stimmung war prächtig, Rennradfahrer bis zum Horizont, teilweise hinter Hecken und sonstwo.

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Am Start. Vorne die üblichen Verdächtigen.

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Prächtige Stimmung am Start. Siehe Andi (ganz links)

Es ging gleich zackig los. Also wie immer, bereits nach 100 Metern waren die ersten Löcher gerissen. Hannes und ich wollten eigentlich wieder bei den Sternen mitfahren, aber die hatten wir bereits ganz zu Anfang verloren. Ich versuchte uns nach vorne zu fahren, aber der Gegenwind und der Schädel hatten etwas dagegen. Bereits nach ein paar Minuten brach ich total ein. Hannes übernahm dann die Führung, aber ich konnte nicht folgen, so wenig Kraft brachte ich auf die Strasse. Es war echt schlimm, ich war über-vorbereitet.

So langsam bildete sich dann doch ein Gruppe von vielleicht 20 – 30 Fahrern und wir saussten raus aus Delmenhorst, fast immer gegen den Wind und richtig schön anstrengend. Wir waren schnell, aber nicht extraschnell und trotzdem war es irrsinnig anstrengend für mich. Ab und an machte ich an der Spitze etwas Führungsarbeit, aber ich musste mich wirklich zurückhalten. Wäre ich ein Rad, ich hätte nun geknarzt.

Peinlicherweise hatte ich schon wieder Probleme mit dem Material. Ich hatte extra mein knarzendes Canyon zuhause gelassen und mich mit dem lahmeren Basso Fior di Loto begnügt. Das ist eins von zwei Rädern, die nicht mit SPD Klickpedalen, sondern mit SPD-SL Klickpedalen ausgerüstet ist. Da ich das recht selten benutze hatte ich mir keine Gedanken über die Schuhe gemacht, zu mal ich ohnehin zwei paar SIDI habe, eins sehr alt und eins alt. Aus Versehen zog ich aber das sehr alte Paar an und da waren die Cleats nicht mehr im besten Zustand. Mitten auf freier Strecke, als ich in den Wiegetritt ging, klickte ich aus dem Pedal aus, trat auf die Strasse und musste einige Verrenkungen machen um mich nicht flach zu legen.

An einem T-Stück zeigte der Pfeil des Ausrichters nach links, aber viele waren sich sicher, dass wir nach rechts abbiegen sollten. Chaos. Schließlich entschieden wir uns dem Garmin und den Ortskundigen zu vertrauen und fuhren rechts weiter, was sich als die richtige Entscheidung herausstellte. Viele andere, unter anderem der schnelle Trupp vor uns, hatte sich aber für die falsche Richtung entschieden und kam deshalb an der Verpflegungsstation nach uns an. Warum das so kam weiß kein Mensch. Es könnte ein Versehen des Ausrichters sein, oder vielleicht hatte jemand das Schild auch umgehängt, wer weiß das schon. Tatsache ist aber auch, dass diese kleinen roten Pfeile mit gelber Spitze sehr schwer zu sehen sind. Man erkennt den Pfeil, braucht aber noch einige Zeit um die Richtung festzustellen. Und teilweise waren die Pfeile sehr spät vor den Abzweigungen festgemacht, so dass es zu scharfen Bremsungen im Feld kam. Das könnte und das sollte besser werden.

Da wir eine der wenigen, schnellen Gruppen waren, die die richtige Abbiegeentscheidung getroffen hatten kamen wir dann auch als erste an der Station in Colnrade an. Die schnelle Gruppe kam vielleicht 5 Minuten später, hatte einen dicken Hals und fuhr fast geschlossen an der Station vorbei (Auf Strava kann man gut nachverfolgen, wie sie etwa 10 Minuten Zeit verloren haben). Nach ca. 45 km muss man ja auch nicht unbedingt eine Pause machen. Wir bildeten dann eine kleinere Gruppe von vielleicht 20 Fahrern und machten uns auf und hinterher auf die 120 km Schleife. Dabei waren auch Kai Pi und Balacz, ersteren kenne ich schon sehr lange, zweiteren seit letztem Samstag. Und auch Lars. Ich wollte nun mit meinem iphone ein paar coole Photos machen, aber alles was mir aus Versehen gelang war dieses hier.

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Wie man sehen kann, habe ich mein sehr schickes Positivo Espresso Outfit an.

Die Gruppe passte ganz gut zusammen. Wir sammelten unterwegs noch zwei Fahrer auf, die aus der schnellen Gruppe gefallen waren, unter anderem einen Fahrer von der SG Stern der so aussah wie der Sportler unten heißt.

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Nein, nicht Kevin. So kann man nicht aussehen.

Das Klima in der Gruppe wurde nun immer besser, etwas das aus der Psychologie als „Stockholm Syndrom“ bekannt ist, oder meinetwegen auch als Delmenhorst Syndrom. Irgendwie ist alles zu schnell und zu anstrengend, aber man weiß auch, dass wenn es noch viel anstrengender wird und länger dauert, wenn man aus der Gruppe herausfällt. Deshalb entwickelt man eine Hassliebe für die Tempobolzer vorne an der Spitze.

Der Norddeutsche an sich und der Langstreckenfahrer im besonderen gilt ja allgemein nicht so als sehr offen und gesprächig (vgl. Horst Delme: „Der Norddeutsche – Aufzucht, Hege und Pflege“) im Gegensatz zum Rheinländer, aber bei einer RTF merkt man doch sehr deutlich, wie sich die Atmosphäre in der Gruppe langsam ändert. Am Anfang ist es sehr still, keiner sagt etwas, alle schweigen oder hecheln, denn bei 45 km/h ist es für die meisten von uns auch schwierig Konversation zu machen. Doch mit der Zeit beginnen die ersten Smalltalks. Der eine oder andere murmelt: „frei“, wenn eine Straße gekreuzt wird, oder flüstert „rechts“ wenn nach rechts abgebogen werden soll. Nach ca. 100 km sagt auch mal jemand „Vorsicht“, wenn ein Mähdrescher in voller Breite entgegenkommt, oder eben ein Haufen Fußballfans aus Dresden. Am Ende ist die Stimmung dann bereits orgiastisch. Man steht virtuell auf den Tischen und schreit „FFFREEEEIIIIIIIIII“ oder „AUUUTOOOOO VONNN VOOOOORNE !!!!“ in einer nicht für möglich gehaltenen Lautstärke. Hier verliert der Nordeutsche alle Hemmungen und geht in der Gruppe auf.

Ich klippte versehentlich noch zwei Mal aus. Beim zweiten Mal war es in einer Kurve in Colnrade, ich war gerade im Wiegetritt und steuerte auf einen Bordstein zu. Zum Glück war der Winkel recht flach, ich knallte mit der Pedale dagegen, das Rad fuhr durch den Impuls nun vom Bordstein wieder weg und ich konnte wieder einklicken. Das war aber sehr knapp.

So kamen wir geschlossen zum zweiten Mal an den Verpflegungspunkt.  Nach einer kurzen Pause entscheiden Hannes, Kai, Balacz und zwei andere aus unserer Gruppe, dass wir die 155 km in Angriff nehmen wollten. Wir fuhren los, aber ich schaffte es nicht in mein rechtes Pedal einzuklicken. Der Cleat war jetzt total hinüber. Also zogen Hannes und ich die Konsequenzen und machten uns auf den Heimweg. Bislang war ja noch nicht wirklich etwas passiert, aber ich wollte unser Glück auch nicht strapazieren.

Hier hatten wir nun endlich Rückenwind und kamen auch zu zweit gut voran. So langsam hatte ich den Alkohol aus meinem Körper rausgeschwitzt und funktionierte wieder einigermaßen normal. Hannes und ich wechselten uns vorne ab, überholten die eine oder andere Gruppe bis wir an die Stadtgrenze von Delmenhorst kamen und dort von einer anderen Gruppe im Ortsschildsprint überholt wurden. Und dann war die RTF und somit 120 km auch wieder vorüber. Wir hatten uns nun wirklich Bratwurst, Ziwi, Kaffee und Kuchen verdient.

Strava

Das übliche Gequatsche danach, ich war froh das sich es geschafft hatte denn Körper und Material hatten heute eigentlich etwas dagegen. Und hey, da war ja auch der Typ von der Selfiebox, vom letzten Wochenende.

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Auf dem Jersey ist ein perfekter Kreis abgedruckt.

 

Jörg war da, später kam auch Silke rein und wir fuhren alle zusammen wieder zurück nach Bremen. Das Ende der Giro d’Italia Etappe habe ich noch so halb mitbekommen, die Bundesliga aber so gar nicht mehr. Macht nichts.

Hannes hingegen hatte anschließend mit seiner Familie noch „Die lange Nacht der Museen“ vor sich. Ich denke Sport und Kultur sollten in umgekehrter Reihenfolge abgefrühstückt werden.

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OBKM 2017. Rennen 2.

Die OBKM, oder Offene Bremer Kriteriumsmeisterschaft ist eine Serie von sechs Rennen auf einem 1 km langen Rundkurs die gemeinsam von Bremer Vereinen organisiert, dieses Jahr zum x-ten Mal stattfindet. Also eine Tradition. Was bedeutet es bei einem Kriterium teilzunehmen und wer kann das?

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(c) fast alle Tim Weber

Prolog

Ein Kriterium ist ein Rennen, dass auf einem Rundkurs ausgerichtet wird. Das hat den Vorteil, dass es für den Ausrichter einfacher zu organisieren ist, die Zuschauer mehr vom Rennen haben und die Strecke sicherer ist für die Fahrer. Der Unterschied zu einem Rundstreckenrennen ist dabei, dass nicht der Erste der am Ende über den Zielstrich fährt der Gewinner ist, sondern dass nach jeweils einer bestimmten Anzahl von Runden (meistens 5) Punkte vergeben werden, 5 für den Ersten, 3 für den Zweiten und jeweils 2 und 1 für den Dritten und Vierten. Beim Endspurt wird die doppelte Anzahl von Punkten vergeben. Wer in der Addition aller Punkte die meisten hat geht als Gewinner hervor, deshalb wird so etwas auch manchmal als Punkterennen bezeichnet.

Für den Ausrichter ist das ein wenig mehr Arbeit, denn er muss jeweils notieren wer auf den vorderen vier Plätzen landet, für die Zuschauer ist das wesentlich spannender, da im Abstand von 10 bis 15 Minuten immer wieder gesprintet wird und für die Teilnehmer ist das einfach sau-anstrengend – sowohl von der Kraft, als auch von der Konzentration auf die richtige Taktik.

Bei der OBKM kommt noch hinzu, dass es eine Serie von 6 Rennen ist, die auf dem Sachsenring in Heilshorn ausgetragen wird. Sachsenring, das klingt zunächst einmal toll, bis man sich bewusst wird, dass man am Arsch der Welt in einem Industriegebiet direkt gegenüber einer Produktion von Müllwagen fährt. Für die ersten zehn in jedem Rennen gibt es 12 bis 1 Punkte, dazu zusätzlich noch 5 Punkte für jede Teilnahme an einem Rennen. Wer am Ende der Serie die meisten Punkte hat ist Bremer Meister.

Das hat schwerwiegende Konsequenzen, denen man sich bewusst sein sollte, bevor man sich entscheidet teilzunehmen:

  • Man muss auf ein Holzpodest steigen.
  • Man bekommt einen Blumenstrauß, der zum Schutz gegen Chemtrails in Alufolie eingewickelt ist.
  • Die Tatsache, dass man Meister wurde, ist innerhalb von einem Tag nach der Siegerehrung keinem Menschen mehr auf dieser Welt in Erinnerung.

Trotz dieser eklatanten Nachteile finden sind jedes Jahr so etwa 50 Fahrer die in ihrer Sucht nach Gefahr, Abenteuer, Ruhm und Ehre so verzweifelt sind, dass sie in verschiedenen Klassen in drei Rennen pro Renntag teilnehmen:

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Jugendrennen. Das ist entweder der Erst- oder Zweitplatzierte. Bin nicht sicher. Fuhren aber auch nur zwei.

Zunächst startet das Jugendrennen (U11, U13, U15 gemeinsam) über 15 Runden. An dem Rennen nehmen jedes Jahr etwa 5 Jugendliche teil die überwiegend von der RRG Bremen kommen. Das ist nämlich der einzige Verein in Bremen der aktiv Nachwuchsarbeit betreibt.  Bei allen anderen Vereinen, wie dem RCB oder Rot-Gold besteht der Nachwuchs ja aus den Dreissigjährigen (auch bekannt als „Coole Kids“), bzw. den Fünfzigjährigen. Bei Rot-Gold lernt man vor allem eins: Kuchen backen für die RTF. Da ist der Verein auf einem Niveau, das niemals von einem andren bremischen Verein erreicht werden wird.

Danach folgt mein Rennen über 25 Runden, dass den latent Leistungsschwachen wie mir ermöglicht auch mal Punkte zu machen und was zu gewinnen: Neben den Fünfzigjährigen dürfen da auch Frauen und Pandas mitfahren. An der Serie nehmen weniger als 10 Fahrer in dieser Kategorie teil, was den Vorteil hat, dass ein Topergebnis garantiert ist. Ich sag nach dem Rennen immer zu meiner Frau „Ich bin Vierter“ geworden und verschweige die Anzahl von fünf oder sechs Teilnehmern.

Das dritte und letzte Rennen geht über 40 Runden und ist ein Jedermannrennen. Es ist mit Abstand das schnellste Rennen und offen für alle Teilnehmer. Ich könnte natürlich auch da mitfahren, aber ich bin doch nicht bescheuert. Erstens sind dann 20 bis 30 Fahrer im Feld, zweitens würde ich da nach 5 Runden hinten rausfallen und drittens lacht sich da vorne links im Bild Caro über das Tempo tot, während weiter rechts die bärtigen und tätowierten Probleme haben überhaupt im Bild zu bleiben. Ich habe lange dafür gearbeitet endlich über Fünfzig zu werden und diese Sonderrechte werde ich mir jetzt nicht mehr nehmen lassen.

Taktik

Strategy & Tactics Cycling Chess on Wheels

Im Gegensatz zu einer RTF oder einem Jedermannrennen a la Cyclassics oder Velothon das zu Beginn einer Veranstaltung entschieden wird (20 km volle Power, hoffen, dass man in der Spitzengruppe bleibt, danach nur noch gemütlich zu Ende fahren), muss man bei einem Kriterium schon etwas mehr nachdenken. Es gibt zwei grundsätzliche Strategien wie man Punkte einfahren kann:

  • In der Runde vor dem Punktesprint in der Gruppe fahren und dann aus der Gruppe heraus versuchen beim Sprint möglichst weit vorne zu landen.
  • Sich im Rennverlauf aus der Gruppe abzusetzen, alleine oder mit zwei oder drei Fahrern, und dann nicht mehr sprinten sondern einfach versuchen möglichst lange vor dem Feld zu bleiben.
    Das Absetzen macht zu einem frühen Zeitpunkt Sinn, da dann die Chance besteht möglichst viele Wertungen mitzunehmen; es hat die höchsten Chancen auf einen Erfolg wenn sich eine Gruppe bildet, die die Tempoarbeit unter sich aufteilt. Alleine ist es bei einem Tempo von ca 40 km/h schwierig lange vorne zu bleiben.

Wird bis kurz vor dem Zielstrich in der Gruppe gefahren, muss man sich zeitlich und örtlich gut positionieren, um den Sprint zu gewinnen. Also an welcher Position bin ich wo in der Gruppe und wann starte ich meinen Sprint?

Ganz vorne zu sein ist gut, da die Strecke dann kürzer ist, aber auch schlecht, weil man nicht sieht wer hinter einem antritt und zu spät startet. Auch gibt es hier keinen Windschatten.

Ganz hinten zu sein ist auch nicht schlecht, da man das gesamte Feld im Überblick hat und sieht wer anfängt zu beschleunigen. Allerdings reicht die Zeit oder Strecke oft nicht mehr aus dann ganz bis nach vorne zu fahren.

Sind Kurven im Spiel oder ist die Gruppe sehr groß, dann muss man auch noch darauf achten, dass man überhaupt die Möglichkeit hat aus der Gruppe herauszukommen und die Kurven mit Tempo durchfahren kann ohne abzubremsen.

Auf dem Sachsenring ist es so, dass die Zielgerade etwa 100m lang ist, davor ist die letzte Rechtskurve. Man muss den Sprint vor der Kurve anziehen, auf den letzten 100 Meter kann man noch mal fünf  Meter gut machen aber viel mehr ist da nicht drin. Schon gar nicht, wenn man nicht mit Tempo aus der Kurve kommt.

Das schreibe ich hier jetzt mit meinen Erfahrungen aus insgesamt vier Kriteriumrennen (drei in Bremen, eins in Japan) und sollte entsprechend gewürdigt werden. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass ich mit jedem Rennen ein besseres Gefühl für die richtige Position und den richtigen Zeitpunkt bekomme. Mit anderen Worten, man kann da viel lesen und sich Gedanken machen, lernen tut man das aber nur auf der Strecke.

Der Renntag

Super Wetter, 26 Grad, endlich. Ich wünschte, ich wäre stressfreier zum Rennen gefahren, aber zeitlich war es sehr knapp und daraus ergab sich eine Kette von Fehlern. Mein schnellstes Rad, das Canyon Positivo, leidet gerade an der Tretlagerknarzkrankheit. Menschen sprechen mich an auf der Strasse und sagen „Für das Rad brauchen Sie keine Klingel.“ Das ist etwas unangenehm, bietet aber die Chance viele neue Bekanntschaften zu schließen. Alle anderen Räder sind nicht schnell genug für Kriterienrennen. Also musste ich knarzend zum und dann anschliessend im Rennen fahren. Da hätte ich auch gleich beim Start zum sprinten mit dem Megaphon rufen können: „Ich leg‘ jetzt los!“ denn das knarzende Innenlager verrät alles.
Ach so, und dann dachte ich, dass eine Trinkflasche genug ist – haha, bei 26 Grad, was für eine doofe Idee; zum Glück haben mich die Eltern von Schnippo vor Ort versorgt.
Letztendlich war ich aber dann doch vor dem Start des Jugendrennens da und traf einige bekannte Gesichter am Start.

Da Jugendrennen mit zwei Fahrern, von denen der eine auch noch deutlich schneller ist als der andere, war naturgemäß eher langweilig.

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Linda beim warmtüddeln für das Senioren/Frauen/Pandarennen

Dann kam das extrem spannende Senioren/Frauen/Pandarennen; extrem spanned und extrem anstrengend, da ich da ja selber mitfuhr. Mir geht immer das Herz in die Hose wenn ich vor dem Start Gesichter sehe die ich nicht kenne, da ich befürchte dass die vielleicht in meinem Rennen mitfahren und eine gute Platzierung verhindern. Meine Sorge war aber unbegründet, es nahmen die gleichen 5 Fahrer teil, die auch beim ersten Lauf dabei waren: Linda, Wolfgang, Reiner, Kai und ich.

Senioren, Frauen und Pandas sind nett zu einander, d.h. wir fahren zügig um den Kurs (38er Schnitt), wechseln uns aber dabei vorne auch ab. Das war bei dem Rennen besonders wichtig, da es auf der Zielgeraden und kurz danach auch heftig Gegenwind gab.

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Beim ersten Sprint nach 5 Runden war ich relativ weit hinten, noch nicht warm und irgenwie auch verpennt. Ich merkte zu spät dass es los ging und fand mich sehr weit hinten, so dass ich gar nicht mehr den Aufwand trieb zu sprinten und Letzter wurde. Jetzt war es nur wichtig  das Loch wieder zuzufahren, dass sich nach dem Sprint aufgetan hatte, denn wenn die anderen jetzt Druck gemacht hätten wäre ich hinten rausgefallen und dann wäre es vorbei gewesen.

Beim zweite Sprint in der 10. Runde war ich weiter vorne, aber der Sprint startete sehr spät, so dass ich nicht die Strecke hatte weiter nach vorne zu kommen und auf dem vierten Platz landete. Da der 5. (Kai) aufgegeben und relativ weit hintern war, mussten wir beide uns dann anstrengen das Loch wieder zuzufahren.

Beim dritten Sprint landete ich wieder auf dem letzten Platz, da ich mich sehr schlecht innen hinten positioniert hatte. Dann fuhr Linda auf der Gegengerade schnell an und riss ein Loch von 20m auf; Wolfgang und ich sprinteten hinterher und wenn wir uns nun die Führungsarbeit geteilt hätten, dann hätten wir uns gut absetzen können. Das kam aber nicht zustande und so waren wir wieder alle zusammen.

Also lief auch der vierte Sprint in der Gruppe und ich konnte mich an vierter Stelle platzieren. Je länger das Rennen dauerte, um so mehr war ich motiviert und meine Ausdauer kam mir nun auch zu Gute.

Den Schlußsprint begann ich an vierter Position liegend und ich wollte gerade am Feld vorbeiziehen, als Wolfgang und Linda ihren Sprint starteten. Das passte perfekt, ich konnte mich hinter die beiden klemmen, schnell durch die Kurve ziehen und einen der anderen noch überholen auf der Geraden durch pure Energie und Kraft. Am Schluß wurde es noch einmal richtig laut: Das Innenlager knarzte was das Zeug hielt und das Publikum feuerte mich begeistert an bei meinem Versuch den dritten Platz zu erobern. Dachte ich. Tatsache war allerdings, dass das Publikum Linda anfeuerte den Sprint zu gewinnen, was ihr auch gelang. Egal, es half. In der Addition wird es vermutlich der Vierte, mit ein wenig Glück der dritte Platz werden. Sehr schön.

Am Straßenrand lernte ich dann die Eltern von Schnippo kennen, die mir anboten mir etwas zu trinken zu besorgen. Das war wirklich sehr, sehr nett. Meine erste Frage an die beiden war:

„Sie sind die Eltern von Schnippo?“ Ich hätte sie überhaupt nie erkannt. Warum sind sie nicht tätowiert?“

Unbenannt

Schnippo (Ausschnitt)

Aber jetzt zum Rennen. Da war ein Feld mit etwa 20 bis 30 Fahrern, teilweise mit Lizenz. Es fahren auch einige RCBler mit wie eben Schnippo, Benjamin, Christian und viele andere die es noch nicht geschafft hatten Fünfzig zu werden.

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Das Tempo war hoch und während sich viele einfach darauf konzentrierten im Feld zu bleiben, setzten sich vorne drei Fahrer ab und arbeiteten einen deutlichen Vorsprung zum Feld heraus. Die holten dann quasi alle Punkte in den Sprints, bis auf die ersten beiden. Und am Ende holten die das Feld ein. Damit war das Rennen relativ schnell gegessen.
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Interessant ist es insbesondere die Gesichter zu sehen und sich darüber Gedanken zu machen, was im Kopf vorgehen mag – als Radrennfahrer muss man das können, damit man den nächsten „Move“ planen kann.

Gesichtsanalyse im Radsport

Gesichter 1

Links: „Muss das hier jetzt so schnell sein, echt.“ Rechts: „So lange der alte Sack da vor mir dran bleibt muss ich wohl auch.“

Gesichter 2

Links: „Ich bin voll der Kannibale!“ Rechts: „Und ich kotz Dir gleich auf das Radschloß.“

Gesichter 3

„Ich wünschte ich wäre 50 und könnte bei den Frauen mitfahren!“

Gesichter 4

„Ha ha ha, die klönen da beim Rennfahren!“

Kurz vor Dunkel ging es dann im Pulk aller Fahrer gemeinsam die 20 km zurück nach Bremen. Durch mein Innenlagerknarzen kam ich mit vielen gut ins Gespräch, ich sollte das wirklich nicht reparieren. Christian und ich nutzten die Gelegenheit zu einem „Ziwi“ (Bremisch für Zitrone-Weizen) im Haus am Walde, alle anderen wollten schnell nach Hause. Ein schöner Tag ging zu Ende.

Strava

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tom Skujins. Get me back on the bike.

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