Stage 2, 3, 4 = 1 – 2 -3 Mark Cavendish

Nicht schlecht für so ’nen alten Mann von der Insel. Man muss aber auch sehen, dass die Konkurrenz vielleicht auch nicht ganz so stark ist, wenn Andre Greipel, ein anderer alter Mann der angekündigt hat 2022 in den Ruhestand zu gehen, hinter Cavendish mal Platzt 3 und mal Platz 5 belegt. Und der Quickstep Sprintzug ist halt ein guter.

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Ikonischer Moment

Was ist der perfekte Radsportmoment, der aus dem Jahr 2021 bleiben wird?

Wenn ich an 2020 denke, dann bleiben mir vor allem zwei Momente im Kopf hängen. Zunächst einmal das eigentlich unerklärlich schlechte Abschneiden von Primož Roglič bei der Tour de France im Zeitfahren der vorletzten Etappe. Ich würde einmal glauben, dass fast jeder der das hier liest weiß worum es geht: Roglič liegt am Start des vorletzten Tages in der Gesamtwertung vorne, muss nur noch ein gutes Einzelzeitfahren über 36 km gut fahren und wird dabei von  Tadej Pogačar deklassiert, der damit dann auch die Tour gewinnt.

Der Reiz dieses Photos ist in ihm zu erkennen, dass auch die besten Profis nur Menschen sind, ihre schlechten Tage haben und ganz schön fertig aussehen können. Eigentlich so wie ich, wenn ich mit dem Velothon oder den Cyclassics durch bin – damit kann ich mich identifizieren. Oder wie jemand bei „Besenwagen“ mal ungefähr sagte: „“Die Profis schwitzen und fluchen und leiden genau wie wir, nur die Werte sind höher.“

Der zweite ikonische Moment 2020 war dieser hier:

Weiß noch jeder wo das war und was da passiert ist? Julian Alaphilippe, gerade Weltmeister geworden, hat den Sieg beim verschobenen Frühjahrsklassiker Liege – Bastogne – Liege schon sicher, jubelt zu früh und wird kurz vor der Ziellinie noch von Primož Roglič abgefangen. Wir mögen dieses Photo und die Geschichte dahinter weil es irgendwie ja auch eine Kompensation für den sympathischen TdF Verlierer ist.

Während 2020 also auf verlieren, gewinnen, Leid und Neid fokusiert war, gibt es in bereits zu diesem recht frühen Zeitpunkt eigentlich schon zwei Bilder die schwer übertroffen werden können:

Dieses hier ist keine Überraschung. Der Radsport hat wieder echte Stars und ganz vorne steht das Mathieu van der Poel. Das Foto zeigt ihm am finalen Anstieg an der Via Santa Caterina in Siena. Pure Kraft und Dominanz im Superheldenstil.

Etwas mehr überraschend war dieses Jahr die Tour de Tourkmekistan, die wie jedes Jahr seit 2006 von Gurbanguly Berdimuhamedow gewonnen wurde. Der kann Sachen auf dem Rad, von denen können wir nur träumen und die UCI würde sie am liebsten verbieten.

Und die UCI verbietet den Supertuck … tztz…

Hier eine kurze Zusammenfassung der Tour: Also der absolute Star der Veranstaltung Rennradsuperheld Gurbanguly Berdimuhamedow wird von seinem 150 Mann starkem Team begrüßt. Andere Teams sind übrigens nicht zugelassen. Aus Fairnessgründen und weil die UCI ohnehin keine technischen Innovationen will, müssen alle Sportler mit den gleichen Baumarkt MTBs antreten. Bei 1:39 min Zielsprint, dieses Jahr ist es knapp, aber Gurbanguly Berdimuhamedow gewinnt mal wieder.

Tschüß Jungs.

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Ingrid

Letztens, als mir so wichtig Corona-mäßig langweilig war, fragte ich einen befreundeten Radhändler, welche Schaltungen er bei Rennrädern am meisten verkauft. Er hätte mir auch die einfache Antwort: „Shimano“ geben können, aber das ist ja so ein ganz Genauer.

Deshalb kramte und rechnete er in seinen Excel Tabellen und ein paar Stunden später hatte ich das genaue Ergebnis: Von 135 Rennrädern, die er 2020 verkauft hat waren 132 mit Shimano Schaltungen ausgestattet; zwei hatten eine SRAM (AXS) Schaltung und eins eine von Campagnolo. Das ist schön für Shimano, aber leider nicht gut für die Konsumenten, denn es fehlt die Vielfalt in Funktion und Design beim Kauf eines Rades. Ich lach mich immer kaputt, wenn bei Rennradtests alle Räder die gleiche Note für den Antrieb bekommen. Wäre ja auch ungewöhnlich wenn nicht, denn alle Räder sind z.B. mit einer Shimano Ultegra Schaltung ausgestattet. Andere Noten trotz gleichem Antrieb wären mal was lustiges.

Es ist heute extrem schwierig ein Rad von der Stange ohne Shimano Antrieb zu bekommen; die einzige Ausnahme ist die SRAM RED AXS und die SRAM FORCE Schaltung, die sich im Preissegment jenseits von € 4.500 etabliert hat. Die mechanischen SRAM Gruppen (Red, Force, Rival) sind komplett verschwunden und natürlich ebenso jegliche Spuren von Campagnolo. Es ist tragisch, dass in dem Moment wo wie erste großartige Campagnolo Erfindung, der Schnellspanner durch die Steckachse ersetzt wurde, auch der Rest der Marke im Nichts verschwindet. Jüngeren Kunden sagt der Name Campagnolo gar nichts und ältere Kunden wollen Campagnolo aber auf jeden Fall mechanisch und mit Felgenbremsen. Eine elektronische Campagnolo Gruppe mit Felgenbremsen ist quasi unverkäuflich, da diese weder den traditionellen, noch den modernen Kunden zufriedenstellen kann.

Vor zwei Jahren war ich mal bei Wilier in der Fabrik und fragte, wie oft denn dort Campagnolo Gruppen an Ihre Italo-Rennräder geschraubt werden. Ich weiß die Antwort nicht mehr, aber weniger als 5% mit Sicherheit. Die Regale waren voll mit Kartons mit blauen Shimano Logos und ganz hinten war ein armseliges Billy Regal mit ein paar Schachteln Campa. Ehrlich, ich kann mir nicht vorstellen wie die überleben wollen.

Trotzdem gibt es natürlich durchaus Alternativen zu den Antrieben von Shimano; Rotor zum Beispiel hat eine 13-fach hydraulisch aktuierte Schaltung auf den Markt gebracht und von FSA gibt es eine elektronische 11-fach Gruppe K Force WE. Gemeinsam ist beiden Gruppen, dass sie nicht als OEM (also in neuen Rädern) verbaut werden, im Vergleich zu Shimano teuer sind und nur in homöopathischen Dosen auf den Straßen zu sehen sind. Bleibt Microshift, die vernünftige Produkte zu vernünftigen Preisen auf den Markt bringen, aber leider nicht die Größe und finanziellen Ressourcen haben, sich als OEM oder Nachrüstprodukt in Europa zu etablieren.

Eigentlich sollte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich da eine Firma aus China oder Taiwan zeigen wird. Novatec oder Kinlin z.B. sind bereits relativ etabliert; viele Firmen in China arbeiten als Auftragsunternehmer für etablierte Komponentenhersteller. So wie z.B. Giant sich erst als guter OEM Hersteller Rahmengebaut hat, bevor sie dann mit Giant ihre eigene Marke erfolgreich im Markt etablierten. Warum soll das nicht auch bei Komponenten möglich sein?

Ein wichtiger Grund, warum es „heute“ schwieriger ist als „früher“ in den Markt zu kommen ist zunächst die Entwicklung von Komplettgruppen (also alle Komponenten von einem Hersteller aufeinander abgestimmt). Das ist umso wichtiger als die Technik an sich komplexer geworden ist und sich mehre Standards entwickelten, die nebeneinander existieren. 1977 hörte man entweder Disco oder Punk und hatte ein BSA Vierkant Innenlager. Heute wird Spotify abonniert und es gibt etwa 50 gängige Tretlagerstandards. Für eine SRAM RED AXS brauche ich eine spezielle SRAM Kette, ein Shimano 11-fach Ultegra Schaltwerk kann ich nicht mit einem 12-fach Sram Red Hebel schalten; eine SRAM 12-fach Kassette passt nicht auf einen Shimano Freilauf. Alle diese Dinge waren „früher“ größtenteils untereinander austauschbar.

Und weil Rennräder früher oftmals vom versierten Radhändler aufgebaut wurden, konnte der kombinieren, was er für die beste Kombination an einem Rennrad hielt: Cambio Rino Kurbel mit Huret Schaltwerk, Simplex Hebeln und Mafac Bremsen? Kein Problem. Eine Kette von DID oben drauf und dazu Kyokuto Pedale. Dieses Aufbauen findet heute zwar noch statt, aber in einem deutlich geringerem Ausmaß.

Zuguterletzt kommt dazu der Trend von Radherstellern zu „integrieren“. Nein, dass sind nicht diese Dinger aus dem Mathematikunterricht, also irgendwie das Gegenteil von „Ableitung“ sondern das ist eine verklärende Beschreibung dafür, dass an Rädern eines Herstellers oftmals nur noch bestimmte Komponenten des gleichen Herstellers verbaut werden können. Das sieht man z.B. sehr häufig bei Sattelstützen, teilweise bei Innenlagern und auch bei Lenker/Vorbaukombinationen. Im Prinzip ist es der Versuch von Herstellern den Aftermarket zu kontrollieren und die eigenen Teile zu hohen Preisen zu verkaufen.

Lustigerweise gibt es aber ab und zu kleine Firmen, die zum Beispiel in Italien auf den Spuren von Cambio Rino, Gipiemme, Galli oder Ofmega neue Komponenten herausbringen. Ein schönes Beispiel dafür ist INGRID.

Ich weiß nicht woran ihr denkt, wenn ihr Ingrid hört, aber ich denke an:

Ingrid macht Klimbim.
Ingrid macht Bum.
Ingrid macht Komponenen.

Ich weiß auch nicht, wer da in Italien auf den Namen Ingrid gekommen ist, aber wenn man erst einmal aufgehört hat sich tot zu lachen, dann ist die Idee … ganz lustig? Jedenfalls so ein wenig Ingrid am Rad wäre ja nicht schlecht. Ich möchte aber keinen Kevin-Umwerder oder Björn Naben. Niemals.

Zu wünschen ist, dass solche kleinen Hersteller wieder mehr Vielfalt in die Radwelt bringen und vielleicht auch, wie z.B. Box Components, mit ungewöhnlichen Ideen glänzen.

Damit die Welt, nach dem Stillstand der letzten Monate, wieder ein Stück interessanter wird.

Euer Elias
(Beliebtester Jungen Vorname 2020)

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Rennwochenende

Wow. Es ist erst Februar und doch gab es bereits eine Reihe von Straßenrennen an diesem Wochenende; unter anderem die ersten Rennen in Belgien und Holland.
Die UAE Tour endete gestern nach sieben Etappen. Das ist so eines von den Rennen, wo ich nicht sehen kann, ob da irgendwelche Beschränkungen im Zuschauen sind, weil da sowieso niemand bereit ist, sich die Füße in den Sand zu stehen. Ansonsten gibt es dort Straßen die breiter sind als Rennen lang. Die Straßenführung ist IMMER rechtwinklig zur Windrichtung, so dass man ständig in der Windkante im Echelon fahren muss.

David Dekker vom Team Jumbo ist sicherlich ein Name, den man sich merken muss und den wir in dieser Saison noch häufiger bei Sprintfinalen hören werden. Er kommt aus einer Radsportfamilie, sein Vater ist Erik Dekker, der bis 2006 für Rabobank fuhr.

Omloop Het Nieuwsblad – Oder „Omlett auf der Tageszeitung“ – ein belgisches Sprichwort das beschreibt, wie man sich lauter Aufregung beim Bierfrühstück bei den Frühjahrsklassikern bekleckert. Glaube ich. Man muss diese beiden Videos hintereinander sehen und dann fällt einen auf, dass das Quickstep Team in der Wüste aber auch hier mehr oder minder erfolgreich einen Sprintzug fährt. Das Können und Talent in diesem Team ist einfach unglaublich.

So, und wie ist das Rennen bei den Frauen gelaufen?

Tja, was soll ich da schreiben? Anna van der Breggen sollte eine Starterlaubnis für die Männer bekommen, da würde sie sicherlich ach erfolgreich teilnehmen können. Bei den Frauen droht es on der generellen holländischen Dominanz langweilig zu werden. Ich persönlich würde ja gerne Letia Paternoster, Puck Moonen oder Marianne Vos, die Patin unserer Toiletten, vorne sehen. Sonst bin ich auch bereit auf das Comeback von Liz Hatch zu warten.

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Fashion Design Jerseys

Ich fand schon immer die Jerseys der Pro-Teams hässlich. Da wurden zwangsweise Farben und Formen von zwei willkürlichen Sponsoren gemixt und dann noch jede Menge kleiner, unpassender Logos von Nebensponsoren drauf gepappt wo gerade noch Platz ist.

Es geht aber auch anderes. Vorgemacht hat es letztens Jahr EF Cyclyng bei der Giro d’italia. in Koperation mit Rapha und Palace. Hm, Rapha, auch eine Marke die ich eher selten lobend erwähne. Aber man muss ihn zu Gute halten, dass sie Schlichtheit und gedeckte Farben zurück in den Radsport gebracht haben.
Im Oktober letzten Jahres gab es einige interessante Berichte über Stijn Dossche, einen belgischen Designer der sich ausgedacht hat, wie Pro-Team Jerseys aussehen könnten, wenn sie von Fashion Brands gestylt würden. Das kann man sich schwer vorstellen? Nein, eigentlich nicht, hier einmal zwei besonders gelungene Entwürfe:#

Trek x Supreme … seit Wochen denke ich darüber nach mir diese Jerseys selber anfertigen zu lassen

Louis Vuitton: Jeder der einmal in Japan war wird die unglaubliche Signifikanz dieses Jersey einleuchten.

Aus seinem Instagram Account kann man noch viele andere sehr schöne und lustige Ideen bewundern.

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Rennen.

Irgendwie unglaublich, dass gerade irgendwo in Europa Radrennen stattfinden.

Mittlerweile habe ich mich so an diese endlos andauernde Corona Drögheit gewöhnt, dass ich mir fast gar nicht mehr vorstellen kann, wie es einmal war. Der Gedanke an das Gefühl wie es ist ein Rennen zu fahren, im Cafe zu sitzen, oder abends im Restaurant zu essen ist wie der Versuch sich an den Geruch von eins von drei Aftershaves zu erinnern, die man 2014 im Duty Free Shop in Dubai ausprobiert hat. Dazu dieser eigentlich sehr schöne und sehr kalte Winter, der mich jeden freien Tag mit dem eMTB durch die Schleichwege von Bremen fahren läßt.

Aber es gibt Rennen, natürlich. An erster Stelle die Cyclocross WM in Ooostende. Die war im wesentlichen ohne Besucher, aber mit etwas Kreativität kam man schon recht nahe an die Fahrer heran.

Aus dem Bidon Magazine

Klar. Belgier. In den beiden Pressluftflaschen ist vermutlich auch kein Sauerstoff, sondern Mayo und Ketchup.

In Südfrankreich hingegen ist das Wetter gut und so kommen auf einmal vor lauter Mangel Rennen in den Fokus, von denen man nur mal Ansatzsweise gehört hat, wie z.B. Étoile de Bessèges. Das ist zwar nur ein UCI Europe Tour Kategorie 2.1 Rennen, was in der Vergangenheit im wesentlichen französischen Fahrern die Gelegenheit bot sich in Siegerlisten einzutragen, aber dieses Jahr war es gut besetzt und hatte mit Tim Wellens auch einen coolen Sieger.

Die letzten beiden Etappen der Fünftägigen Rundfahrt wurden von dem, wie ich finde, coolsten Fahrer im Peloton gewonnen; die Rede ist von Filippo Ganna. Leider hatte ich seinen auftritt bei der Bahn WM in Berlin Anfang 2020 verpasst – konnte halt nur am Sonntag dorthin.

Philippo Ganna, mit Trackie dem Maskotchen der Bahn WM 2020

Das war gerade noch so vor Beginn der Corona Drögheit. Am letzten Tag hatte Trackie wohl frei, oder vielleicht wurde es auch von missgelaunten Berlinern erschlagen, jedenfalls habe ich das Ding nicht im Stadium gesehen. Etwas mehr „Berlin“ hätte dem Maskotchen auch gut getan. nicht nur diese markante fleischfarbene Trainingshose.

Jedenfalls schmückt Filippo Ganna seit Samstag unseren Toilettenvorraum.

Und nun läuft auch schon die Tour de la Provence.

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No no no Supertuck. No no no Aero.

Bildergebnis für chris froome super tuck

Falls es tatsächlich noch nicht jeder mitbekommen haben sollte: Als Teil eines umfassenden Katalogs an Maßnahmen, um die Sicherheit im Radsport zu erhöhen, hat die UCI den „Super tuck“ verboten. OK, zwei Fragen dann:

Warum kann ich mich bei allen Stürzen die ich in den letzten Jahren gesehen habe nicht daran erinnern, dass auch nur ein einziger von einem Supertuck fahrenden Sportler hingelegt wurde? Liegt’s echt an mir?

Warum jetzt? Chris Froome hat damit bereits 2016 die Tour de France gewonnen; wenn’s denn so gefährlich ist, warum braucht die UCI fünf Jahre um ein Verbot auszusprechen?

Egal, das ist eher ein Luxusproblem, aber bei der derzeitig langweiligen Nachrichtenlage ein heiß diskutiertes. Eine technisch lustige Antwort wären neu entwickelte Räder mit einem extrem nach hinten abfallenden Oberrohr und integriertem Dropperpost – das wäre dann mal wieder voll Aero.

Was mich zu dem zweiten Thema bringt, nämlich dem Tod des Aerorades. Ich hatte einen langen Artikel über die physikalischen Grundlagen des Rennradfahrens angefangen, erstens um das Thema selber zu verstehen und zweitens um dann nachzuwiesen, dass ein aerodynamisches Rad für den Normalfahrer Blödsinn ist.

Der Post wurde so langweilig und kompliziert, so dass ich dann irgendwann nicht mehr weitergeschrieben habe, aber hier in der Kürze die wichtigsten Ideen.

Die Idee „Aero“ zu werden ist keine neue, den Trend gab es schon einmal in den Achtzigern und führte zu bescheuerten Ideen wir über dem Oberrohr positionierte Rahmenschalthebel, innenverlegte Schaltzüge, Campagnolo Delta Bremsen und der Shimano AX Gruppe. Also die Gruppe, die beinah Shimano gekillt hätte, wenn Suntour nicht so schlafmützig reagiert hätte. Ja wenn. Letzte Woche habe ich mir mal angeschaut, was für Rennräder für 2020 im Laden verkauft haben: Insgesamt 135 Stück, von denen wie viele mit einer Shimano Schaltung ausgestattet waren? Einhundertzweiunddreissig. Die anderen drei waren eine Campa Chorus und zwei Sram AXS Force. Ist das langweilig. Ich habe ja nichts gegen Shimano und technisch sind die Schaltungen ja auch gut, aber es wäre schön, wenn da etwas mehr Vielfalt wäre, sagen wir mal durch Suntour, Gipiemme, Cambio Rino oder von mir aus auch Simplex und Huret, statt noch einer GRX Gruppe.

Nachdem der Aerotrend der Achtziger vorbei war ging es in den Jahren danach im wesentlichen darum ein möglichst leichtes Rad zu haben. Der heilige Gral lag darin, an seinem eigenen Rad ein Kampfgewicht von unterhalb 6,8 kg zu erreichen, dem sogenannten UCI Limit. Die UCI, also der Weltradsportverband, erlaubt seit dem Jahr 2000 nur noch mindestens 6,8 kg schwere Rennrädern die an (UCI) Wettkämpfen teilnehmen. Der Hintergrund war vermutlich ein „Wettrüsten“ von Teams und Herstellern, wie z.B. in der Formel Eins zu verhindern. Das hat gut geklappt, es klappt aber auch, wie man beim Triathlon sieht, auch ohne diese Beschränkungen gut. Leider hat das auch den technischen Fortschritt verhindert, was man daran sieht, dass viele technische Neuentwicklungen wie z.B. Scheibenbremsen, Tubeless Reifen, Einfachkettenblätter, 12-fach Schaltungen etc. heute zunächst aus dem MTB Sektor kommen.

Mit dem Aufkommen der Scheibenbremsen kam dann lustigerweise auch die Aero Idee wieder hoch. Obwohl da ja fast kein Zusammenhang besteht. Jedenfalls wogen in der Folge diesen Trends Rennräder für € 5.000 Euro auf einmal wieder 9 kg und keiner fand das irgendwie …ungewöhnlich?

Na ja, wir leben auch in komischen Zeiten. In den Siebtigern machte sich Douglas Adams in „Per Anhalter durch die Galaxis“ über das eine Drittel komplett unnötiger Berufe auf der Erde lustig. Und was finden wir da auf Platz zwei gleich hinter Marketingfachleuten: „Telefondesinfizierer“. Das wäre heute wieder denkbar.

Nach dem ganzen Aerohype bringt dann Specialized das Aethos auf den Markt.

Bildergebnis für specialized aethos

Da ist mal sicher ein gutes Rad und der USP ist: wiegt gerade mal 6,1 kg.
Aber mal ehrlich, das Ding sieht aus wie ein x beliebiges Carbonrad von 2010 mit Scheibenbremse. Nur so etwas bekamst Du vor 10 Jahren locker für € 5.000 ohne Dich besonders anzustrengen, während die Topversion des Aethos bei € 14.000 liegt.
Lustigerweise hat das Aethos auch kein Pressfit Innenlager, eine weitere technische Verfehlung unserer Zeit, sondern ein BSA Gewinde – etwas was sogar noch älter ist als ich.

RB Canyon Ultimate CF 9.0

Das hier ist ein Canyon Ultimate CF 9.0 aus dem Jahr 2010, so etwas besaß ich auch mal. Schönes Rad, hatte ich viel Spaß mit. Sieht im Prinzip auch nicht anders aus wie ein Specialized Aethos bis auf die Bremsen. Na ja, und die Laufräder mit Aluflanke, muss hat sein. Kostete damals etwa € 2.700. Mach vermutlich nicht weniger Spaß. Kauftip.

Jedanfalls die Konsequenz der Sache ist, dass die großen Hersteller ihr Portfolio ausmisten: Statt vier Produktlinien: Rennrad, Komfortrad, Aerorad und Gravelrad wird es in Zukunft nur noch drei geben, da bin ich sicher:

Das Rennrad für den schnellen und jungen Fahrer der alles vertragen kann a la Emonda, Helium oder Ultimate.

Das Rennrad für alte Säcke und Trekkingfahrer a la Domane, Fenix oder Synapse.

Das Gravelrad für diejenigen, die sich nicht entscheiden können was sie eigentlich wollen. Ich bin mal sehr gespannt, wie lange Räder wie das Ridley Noah oder das Trek Madone überleben werden.
Wetten werden gerne entgegen genommen.

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Fahren ein Holländer und ein Belgier am Strand Rad.

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Holländische Cyclocross (Welt)meisterschaften

Nachdem bereits gestern bei den Frauen Lucinda Brand verdientermaßen den Titel geholt hatte, war heute Mathieu „Mireille“ van der Poel bei den Männern erfolgreich. Ein Ergebnis, so vorhersehbar wie ein Heimspiel von Bayern München. Was gab es sonst so in Oostende zu sehen?

Holländerinnen am Strand

Mieses Wetter. Wie eigentlich immer in Holland und Belgien an der See. Keine Ahnung warum Menschen an die Nordsee fahren; die Chance die Sonne zu sehen sind zu jeder Zeit gering, dafür pustet einem der Wind von den Dünen, man muss endlos durch das Schlick wandern bis man mit den Knien im Wasser steht und außerdem Salzwasser schmeckt nicht. Es gibt nicht viele Arten von Cross Rennen; die einen sind Schlammrennen wie letztens in Dendermonde

oder wie die Holländer sagen: „Mega Blubber Power Race“. Die anderen sind Sandrennen, wie gestern und heute in Ostende. Der Hintergrund mit dem Meer und den schäumenden Wellen war perfekt.

Wie immer an der Spitze.

Bilder um Unterschriften zu schreiben, die klingel wie Titel von Francois Truffaut Filme: „Drei Mädchen aus Holland und die Liebe zum Meer“.

Also, zu den Ergebnissen: Bei den Männern 3 Holländer und 6 Belgier unter den ersten zehn. Tom Pidcock aus Großbritannien hättes fast noch auf das Podium geschafft, aber am Ende ging ihm die Luft aus-
Daran wird sich auch so schnell nichts ändern, wenn man sich die Ergebnisse bei den U23 Männern ansieht: Vier Holländer und fünf Belgier unter den ersten zehn.

Frauen? Holländische Totaldominanz. Fünf Holländerinnen unter den ersten sechs. Marianne Vos wurde 12., die hätte ich noch etwas besser erwartet. Sane Cant, immerhin Weltmeisterin 2019 wurde nur 8. Elisabeth Braudau, die hier erwähnt wird, weil sie die einzige deutsche Vertreterin war, kam auf Platz 9. Schön.

Ist es bei so einem Rennen eigentlich wichtig, was für ein Rad gefahren wird? Kaum vorstellbar, die meisten Rennen werden meiner Ansicht nach entweder durch Fahrfehler und Stürze der Konkurrenten, oder durch technische Defekte entschieden. Van Aert hatte heute in einem ungünstigen Moment einen platten Vorderreifen – das war’s dann für ihn. Die Markenverteilung bei den Top 10 Frauen und Männern ist so:

+ 4 mal Ridley
+ 3 mal Trek
+ 3 mal Stevens
+ 2 mal Specialized
+ 2 mal Canyon
und dann je ein Radon, Cube, Giant, Cannondale und Cervelo. Sind nur 19? Genau, Wout van Aert fährt ein Jumbo Visma gelabeltes Rad. Es ist kein Geheimnis, dass sich darunter ein Bianchi verbirgt – aber nicht mehr lange, denn das Team wechselt komplett zu Cervelo. Nur, Cervelo hat bislang kein Cyclocross Rad.

Kaum vorstellbar, dass Bianchi ein geiles Cyclocross Rad auf die Beine stellen kann. Wenn Wao van Aert damit de facto der zweitbeste Fahrer der Saison ist, dann kann das nicht an der türkisfarbenen Möhre liegen.

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Heute auf Netflix: Accomplice / Susi Q

Die Juwelen müssen im Müll des Massengeschmacks lange gesucht werden, aber sie sind da. Auf Netflix läuft seit dieser Woche Accomplice:

Und wenn es nicht unbedingt um Räder gehen muss, dann:

In meiner Teeny Glamrock Jugend war ich nicht wirklich Susi Quatro Fan, meine Bands waren Slade und T. Rex und wer Slade gut finde, durfte Sweet nicht mögen. Susi Quatro war irgendwo dazwischen, so etwa bei Roxy Music. Auf jeden Fall war das Cover ihrer ersten LP extrem gut gemacht:

Na ja, jede Menge Jahre später habe ich sie dann live auf den Sixdays in Bremen gesehen, das hätte ich mir vielleicht doch besser nicht angetan. An alte Freunde und alte Popgruppen ist es doch eher besser nur die Erinnerung zu behalten.

Lustigerweise musste Susi Quatro auf Betreiben Ihres japanischen Promoters Udo-San, der aussah wie der Abteilungsleiter Revision der Longterm Credit Bank of Japan, in Japan noch mal zum Schein Ihren Mann heiraten – genau wie ich! Und wer sehen will, wie Cherie Currie, Lita Ford, Joan Jett oder Wendy James damals und heute aussieht, der sollte sich das ansehen.

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