RTF. Das Delmenhorst Syndrom.

Eine RTF bietet dem ambitionierten Hobbyrennradfahrer die Möglichkeit sich einmal über 20 km völlig auzupowern und an seine Leistungsgrenzen zu gehen. Am Anfang natürlich. Am Ende plaudert man dann entspannt in der Gruppe und rollt das Ding nach Hause.

Delmenhorst, hört man diesen Namen, woran denkt man dann? Als ich am Tag vorher meinem Sohn sagte, dass ich am nächsten Morgen an einer RTF in Delmenhorst teilnehme meint er nur: „Ich habe letztens eine Statistik über Mordraten in Deutschland gesehen. Das war so eine Karte in grün, gelb und rot. Delmenhorst war da tiefrot. Pass auf Dich auf.“ Das ist aber Fake-News, der Spiegel zeigt, dass man in Delmenhorst sicherer lebt als zum Beispiel in Bremen. Meinem Sohn werde ich nun empfehlen nachts auf die Discomeile in Delmenhorst zu gehen. Wenn es so etwas gibt. Ansonsten ist Delmenhorst ein beschauliches Städtchen. Eine Bildersuche mit Google ergab unter anderem die folgenden Treffer:

An der Inkoop-Baustelle an der Oldenburger Straße hat es am Mittwochnachmittag einen schweren Unfall gegeben. Foto: Andreas Nistler

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Ich denke diese Impressionen geben einen guten Überblick, was den Fremden in Delmenhorst erwartet, wenn es schon nicht Mord und Totschlag ist.

Die RTF in Delmenhorst, ausgerichtet von dem rührigen RSV Urania Delmenhorst (internationaler Partnerverein ist übrigens Plutonia Pyöngjang: Städte die sich gegenseitig an Schönheit überbieten), ist eine der schöneren in der Umgebung von Bremen. Dieses Jahr bin ich sie zum 5. oder 6. Mal mitgefahren. Sie hat ein paar große Vorteile:

  • Die Anreise aus Bremen ist kurz und mit dem Rad.
  • Sie führt sehr schnell aus Delmenhorst hinaus in die Geest.
  • Man kann sich auf der Strecke entscheiden, ob man 80, 120 oder 155 km fahren möchte.
  • Am Ende fährt man nur kurz wieder nach Delmenhorst rein.

Aber auch einen großen Nachteil, denn die RTF ist traditionsgemäß schlecht ausgeschildert. Ich bin da noch nie 80, 120 oder 155 km gefahren, sondern immer 90, 133 oder 180, je nachdem wie viel ich mich verfahren hatte.

Da ich ja dieses Jahr durch Lüttich-Bastogne-Lüttich sehr gut vorbereitet war, musste ich am Abend vorher etwas gegen meine gute Vorbereitung tun, damit ich im Feld nicht weiter auffalle. Zufällig war ich zu einer Party der Absolventen meiner Hochschule eingeladen. Nach Steaks und Würstchen, vielen kleinen Bierchen redete ich dort ziemlich viel Mist; vermutlich, denn so genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Den Weg nach Hause habe ich auf dem Rad im Regen zurückgelegt und auch daran habe ich kaum eine Erinnerung. Woran ich mich allerdings sehr gut erinnere ist, dass fünf Stunden später der Wecker klingelte und ich zunächst glaubte, dass Körper und Kopf voneinander getrennt worden wären, denn der eine tat nicht was der andere ihm befahl.

Zum Glück kam Hannes vorbei und wir radelten los um uns mit den anderen Bremern am Subway in der Pappelstrasse zur gemeinsamen Anfahrt nach Delmenhorst zu treffen. „Früher“ war da, wo heute das Subway haussiert, Radsport Schröder.

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Serviervorschlag

Traditionsgemäß wurde nun dort zunächst ein Kranz niedergelegt („Den Opfern des Radsportes“), traurige Lieder angestimmt („An einem Rädlein helle“; „Beim Schröder vor dem Tore“) und viel Mist geredet bevor unsere große Gruppe mit Trommeln und Pyro sich aufmachte Richtung Delmenhorst.

Angekommen entdeckten wir viele bekannte Gesichter, unter anderem auch den Jungen, den ich bereits beim letzten Mal kennengelernt hatte. Der verkaufte mir ein Salamibrötchen und eine Cola. Für €1,50 – das gibt es eben nur den den RTFs die vom Verein organisiert werden. Da waren auch wieder die Fahrer der SG Stern, denen wir bereits eine Woche früher bei der Bremer RTF hinterhergefahren waren. Da waren Karin und Torsten die ich eine Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte (nicht weil sie in Delmenhorst wohnen), Jan, Lars, und und und. Das konnte ja lustig werden.

Zunächst einmal stellten wir uns aber an den Start. Da wir bereits ziemlich spät waren, fanden wir nur einen Platz im Mittelfeld. Die Stimmung war prächtig, Rennradfahrer bis zum Horizont, teilweise hinter Hecken und sonstwo.

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Am Start. Vorne die üblichen Verdächtigen.

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Prächtige Stimmung am Start. Siehe Andi (ganz links)

Es ging gleich zackig los. Also wie immer, bereits nach 100 Metern waren die ersten Löcher gerissen. Hannes und ich wollten eigentlich wieder bei den Sternen mitfahren, aber die hatten wir bereits ganz zu Anfang verloren. Ich versuchte uns nach vorne zu fahren, aber der Gegenwind und der Schädel hatten etwas dagegen. Bereits nach ein paar Minuten brach ich total ein. Hannes übernahm dann die Führung, aber ich konnte nicht folgen, so wenig Kraft brachte ich auf die Strasse. Es war echt schlimm, ich war über-vorbereitet.

So langsam bildete sich dann doch ein Gruppe von vielleicht 20 – 30 Fahrern und wir saussten raus aus Delmenhorst, fast immer gegen den Wind und richtig schön anstrengend. Wir waren schnell, aber nicht extraschnell und trotzdem war es irrsinnig anstrengend für mich. Ab und an machte ich an der Spitze etwas Führungsarbeit, aber ich musste mich wirklich zurückhalten. Wäre ich ein Rad, ich hätte nun geknarzt.

Peinlicherweise hatte ich schon wieder Probleme mit dem Material. Ich hatte extra mein knarzendes Canyon zuhause gelassen und mich mit dem lahmeren Basso Fior di Loto begnügt. Das ist eins von zwei Rädern, die nicht mit SPD Klickpedalen, sondern mit SPD-SL Klickpedalen ausgerüstet ist. Da ich das recht selten benutze hatte ich mir keine Gedanken über die Schuhe gemacht, zu mal ich ohnehin zwei paar SIDI habe, eins sehr alt und eins alt. Aus Versehen zog ich aber das sehr alte Paar an und da waren die Cleats nicht mehr im besten Zustand. Mitten auf freier Strecke, als ich in den Wiegetritt ging, klickte ich aus dem Pedal aus, trat auf die Strasse und musste einige Verrenkungen machen um mich nicht flach zu legen.

An einem T-Stück zeigte der Pfeil des Ausrichters nach links, aber viele waren sich sicher, dass wir nach rechts abbiegen sollten. Chaos. Schließlich entschieden wir uns dem Garmin und den Ortskundigen zu vertrauen und fuhren rechts weiter, was sich als die richtige Entscheidung herausstellte. Viele andere, unter anderem der schnelle Trupp vor uns, hatte sich aber für die falsche Richtung entschieden und kam deshalb an der Verpflegungsstation nach uns an. Warum das so kam weiß kein Mensch. Es könnte ein Versehen des Ausrichters sein, oder vielleicht hatte jemand das Schild auch umgehängt, wer weiß das schon. Tatsache ist aber auch, dass diese kleinen roten Pfeile mit gelber Spitze sehr schwer zu sehen sind. Man erkennt den Pfeil, braucht aber noch einige Zeit um die Richtung festzustellen. Und teilweise waren die Pfeile sehr spät vor den Abzweigungen festgemacht, so dass es zu scharfen Bremsungen im Feld kam. Das könnte und das sollte besser werden.

Da wir eine der wenigen, schnellen Gruppen waren, die die richtige Abbiegeentscheidung getroffen hatten kamen wir dann auch als erste an der Station in Colnrade an. Die schnelle Gruppe kam vielleicht 5 Minuten später, hatte einen dicken Hals und fuhr fast geschlossen an der Station vorbei (Auf Strava kann man gut nachverfolgen, wie sie etwa 10 Minuten Zeit verloren haben). Nach ca. 45 km muss man ja auch nicht unbedingt eine Pause machen. Wir bildeten dann eine kleinere Gruppe von vielleicht 20 Fahrern und machten uns auf und hinterher auf die 120 km Schleife. Dabei waren auch Kai Pi und Balacz, ersteren kenne ich schon sehr lange, zweiteren seit letztem Samstag. Und auch Lars. Ich wollte nun mit meinem iphone ein paar coole Photos machen, aber alles was mir aus Versehen gelang war dieses hier.

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Wie man sehen kann, habe ich mein sehr schickes Positivo Espresso Outfit an.

Die Gruppe passte ganz gut zusammen. Wir sammelten unterwegs noch zwei Fahrer auf, die aus der schnellen Gruppe gefallen waren, unter anderem einen Fahrer von der SG Stern der so aussah wie der Sportler unten heißt.

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Nein, nicht Kevin. So kann man nicht aussehen.

Das Klima in der Gruppe wurde nun immer besser, etwas das aus der Psychologie als „Stockholm Syndrom“ bekannt ist, oder meinetwegen auch als Delmenhorst Syndrom. Irgendwie ist alles zu schnell und zu anstrengend, aber man weiß auch, dass wenn es noch viel anstrengender wird und länger dauert, wenn man aus der Gruppe herausfällt. Deshalb entwickelt man eine Hassliebe für die Tempobolzer vorne an der Spitze.

Der Norddeutsche an sich und der Langstreckenfahrer im besonderen gilt ja allgemein nicht so als sehr offen und gesprächig (vgl. Horst Delme: „Der Norddeutsche – Aufzucht, Hege und Pflege“) im Gegensatz zum Rheinländer, aber bei einer RTF merkt man doch sehr deutlich, wie sich die Atmosphäre in der Gruppe langsam ändert. Am Anfang ist es sehr still, keiner sagt etwas, alle schweigen oder hecheln, denn bei 45 km/h ist es für die meisten von uns auch schwierig Konversation zu machen. Doch mit der Zeit beginnen die ersten Smalltalks. Der eine oder andere murmelt: „frei“, wenn eine Straße gekreuzt wird, oder flüstert „rechts“ wenn nach rechts abgebogen werden soll. Nach ca. 100 km sagt auch mal jemand „Vorsicht“, wenn ein Mähdrescher in voller Breite entgegenkommt, oder eben ein Haufen Fußballfans aus Dresden. Am Ende ist die Stimmung dann bereits orgiastisch. Man steht virtuell auf den Tischen und schreit „FFFREEEEIIIIIIIIII“ oder „AUUUTOOOOO VONNN VOOOOORNE !!!!“ in einer nicht für möglich gehaltenen Lautstärke. Hier verliert der Nordeutsche alle Hemmungen und geht in der Gruppe auf.

Ich klippte versehentlich noch zwei Mal aus. Beim zweiten Mal war es in einer Kurve in Colnrade, ich war gerade im Wiegetritt und steuerte auf einen Bordstein zu. Zum Glück war der Winkel recht flach, ich knallte mit der Pedale dagegen, das Rad fuhr durch den Impuls nun vom Bordstein wieder weg und ich konnte wieder einklicken. Das war aber sehr knapp.

So kamen wir geschlossen zum zweiten Mal an den Verpflegungspunkt.  Nach einer kurzen Pause entscheiden Hannes, Kai, Balacz und zwei andere aus unserer Gruppe, dass wir die 155 km in Angriff nehmen wollten. Wir fuhren los, aber ich schaffte es nicht in mein rechtes Pedal einzuklicken. Der Cleat war jetzt total hinüber. Also zogen Hannes und ich die Konsequenzen und machten uns auf den Heimweg. Bislang war ja noch nicht wirklich etwas passiert, aber ich wollte unser Glück auch nicht strapazieren.

Hier hatten wir nun endlich Rückenwind und kamen auch zu zweit gut voran. So langsam hatte ich den Alkohol aus meinem Körper rausgeschwitzt und funktionierte wieder einigermaßen normal. Hannes und ich wechselten uns vorne ab, überholten die eine oder andere Gruppe bis wir an die Stadtgrenze von Delmenhorst kamen und dort von einer anderen Gruppe im Ortsschildsprint überholt wurden. Und dann war die RTF und somit 120 km auch wieder vorüber. Wir hatten uns nun wirklich Bratwurst, Ziwi, Kaffee und Kuchen verdient.

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Das übliche Gequatsche danach, ich war froh das sich es geschafft hatte denn Körper und Material hatten heute eigentlich etwas dagegen. Und hey, da war ja auch der Typ von der Selfiebox, vom letzten Wochenende.

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Auf dem Jersey ist ein perfekter Kreis abgedruckt.

 

Jörg war da, später kam auch Silke rein und wir fuhren alle zusammen wieder zurück nach Bremen. Das Ende der Giro d’Italia Etappe habe ich noch so halb mitbekommen, die Bundesliga aber so gar nicht mehr. Macht nichts.

Hannes hingegen hatte anschließend mit seiner Familie noch „Die lange Nacht der Museen“ vor sich. Ich denke Sport und Kultur sollten in umgekehrter Reihenfolge abgefrühstückt werden.

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OBKM 2017. Rennen 2.

Die OBKM, oder Offene Bremer Kriteriumsmeisterschaft ist eine Serie von sechs Rennen auf einem 1 km langen Rundkurs die gemeinsam von Bremer Vereinen organisiert, dieses Jahr zum x-ten Mal stattfindet. Also eine Tradition. Was bedeutet es bei einem Kriterium teilzunehmen und wer kann das?

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(c) fast alle Tim Weber

Prolog

Ein Kriterium ist ein Rennen, dass auf einem Rundkurs ausgerichtet wird. Das hat den Vorteil, dass es für den Ausrichter einfacher zu organisieren ist, die Zuschauer mehr vom Rennen haben und die Strecke sicherer ist für die Fahrer. Der Unterschied zu einem Rundstreckenrennen ist dabei, dass nicht der Erste der am Ende über den Zielstrich fährt der Gewinner ist, sondern dass nach jeweils einer bestimmten Anzahl von Runden (meistens 5) Punkte vergeben werden, 5 für den Ersten, 3 für den Zweiten und jeweils 2 und 1 für den Dritten und Vierten. Beim Endspurt wird die doppelte Anzahl von Punkten vergeben. Wer in der Addition aller Punkte die meisten hat geht als Gewinner hervor, deshalb wird so etwas auch manchmal als Punkterennen bezeichnet.

Für den Ausrichter ist das ein wenig mehr Arbeit, denn er muss jeweils notieren wer auf den vorderen vier Plätzen landet, für die Zuschauer ist das wesentlich spannender, da im Abstand von 10 bis 15 Minuten immer wieder gesprintet wird und für die Teilnehmer ist das einfach sau-anstrengend – sowohl von der Kraft, als auch von der Konzentration auf die richtige Taktik.

Bei der OBKM kommt noch hinzu, dass es eine Serie von 6 Rennen ist, die auf dem Sachsenring in Heilshorn ausgetragen wird. Sachsenring, das klingt zunächst einmal toll, bis man sich bewusst wird, dass man am Arsch der Welt in einem Industriegebiet direkt gegenüber einer Produktion von Müllwagen fährt. Für die ersten zehn in jedem Rennen gibt es 12 bis 1 Punkte, dazu zusätzlich noch 5 Punkte für jede Teilnahme an einem Rennen. Wer am Ende der Serie die meisten Punkte hat ist Bremer Meister.

Das hat schwerwiegende Konsequenzen, denen man sich bewusst sein sollte, bevor man sich entscheidet teilzunehmen:

  • Man muss auf ein Holzpodest steigen.
  • Man bekommt einen Blumenstrauß, der zum Schutz gegen Chemtrails in Alufolie eingewickelt ist.
  • Die Tatsache, dass man Meister wurde, ist innerhalb von einem Tag nach der Siegerehrung keinem Menschen mehr auf dieser Welt in Erinnerung.

Trotz dieser eklatanten Nachteile finden sind jedes Jahr so etwa 50 Fahrer die in ihrer Sucht nach Gefahr, Abenteuer, Ruhm und Ehre so verzweifelt sind, dass sie in verschiedenen Klassen in drei Rennen pro Renntag teilnehmen:

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Jugendrennen. Das ist entweder der Erst- oder Zweitplatzierte. Bin nicht sicher. Fuhren aber auch nur zwei.

Zunächst startet das Jugendrennen (U11, U13, U15 gemeinsam) über 15 Runden. An dem Rennen nehmen jedes Jahr etwa 5 Jugendliche teil die überwiegend von der RRG Bremen kommen. Das ist nämlich der einzige Verein in Bremen der aktiv Nachwuchsarbeit betreibt.  Bei allen anderen Vereinen, wie dem RCB oder Rot-Gold besteht der Nachwuchs ja aus den Dreissigjährigen (auch bekannt als „Coole Kids“), bzw. den Fünfzigjährigen. Bei Rot-Gold lernt man vor allem eins: Kuchen backen für die RTF. Da ist der Verein auf einem Niveau, das niemals von einem andren bremischen Verein erreicht werden wird.

Danach folgt mein Rennen über 25 Runden, dass den latent Leistungsschwachen wie mir ermöglicht auch mal Punkte zu machen und was zu gewinnen: Neben den Fünfzigjährigen dürfen da auch Frauen und Pandas mitfahren. An der Serie nehmen weniger als 10 Fahrer in dieser Kategorie teil, was den Vorteil hat, dass ein Topergebnis garantiert ist. Ich sag nach dem Rennen immer zu meiner Frau „Ich bin Vierter“ geworden und verschweige die Anzahl von fünf oder sechs Teilnehmern.

Das dritte und letzte Rennen geht über 40 Runden und ist ein Jedermannrennen. Es ist mit Abstand das schnellste Rennen und offen für alle Teilnehmer. Ich könnte natürlich auch da mitfahren, aber ich bin doch nicht bescheuert. Erstens sind dann 20 bis 30 Fahrer im Feld, zweitens würde ich da nach 5 Runden hinten rausfallen und drittens lacht sich da vorne links im Bild Caro über das Tempo tot, während weiter rechts die bärtigen und tätowierten Probleme haben überhaupt im Bild zu bleiben. Ich habe lange dafür gearbeitet endlich über Fünfzig zu werden und diese Sonderrechte werde ich mir jetzt nicht mehr nehmen lassen.

Taktik

Strategy & Tactics Cycling Chess on Wheels

Im Gegensatz zu einer RTF oder einem Jedermannrennen a la Cyclassics oder Velothon das zu Beginn einer Veranstaltung entschieden wird (20 km volle Power, hoffen, dass man in der Spitzengruppe bleibt, danach nur noch gemütlich zu Ende fahren), muss man bei einem Kriterium schon etwas mehr nachdenken. Es gibt zwei grundsätzliche Strategien wie man Punkte einfahren kann:

  • In der Runde vor dem Punktesprint in der Gruppe fahren und dann aus der Gruppe heraus versuchen beim Sprint möglichst weit vorne zu landen.
  • Sich im Rennverlauf aus der Gruppe abzusetzen, alleine oder mit zwei oder drei Fahrern, und dann nicht mehr sprinten sondern einfach versuchen möglichst lange vor dem Feld zu bleiben.
    Das Absetzen macht zu einem frühen Zeitpunkt Sinn, da dann die Chance besteht möglichst viele Wertungen mitzunehmen; es hat die höchsten Chancen auf einen Erfolg wenn sich eine Gruppe bildet, die die Tempoarbeit unter sich aufteilt. Alleine ist es bei einem Tempo von ca 40 km/h schwierig lange vorne zu bleiben.

Wird bis kurz vor dem Zielstrich in der Gruppe gefahren, muss man sich zeitlich und örtlich gut positionieren, um den Sprint zu gewinnen. Also an welcher Position bin ich wo in der Gruppe und wann starte ich meinen Sprint?

Ganz vorne zu sein ist gut, da die Strecke dann kürzer ist, aber auch schlecht, weil man nicht sieht wer hinter einem antritt und zu spät startet. Auch gibt es hier keinen Windschatten.

Ganz hinten zu sein ist auch nicht schlecht, da man das gesamte Feld im Überblick hat und sieht wer anfängt zu beschleunigen. Allerdings reicht die Zeit oder Strecke oft nicht mehr aus dann ganz bis nach vorne zu fahren.

Sind Kurven im Spiel oder ist die Gruppe sehr groß, dann muss man auch noch darauf achten, dass man überhaupt die Möglichkeit hat aus der Gruppe herauszukommen und die Kurven mit Tempo durchfahren kann ohne abzubremsen.

Auf dem Sachsenring ist es so, dass die Zielgerade etwa 100m lang ist, davor ist die letzte Rechtskurve. Man muss den Sprint vor der Kurve anziehen, auf den letzten 100 Meter kann man noch mal fünf  Meter gut machen aber viel mehr ist da nicht drin. Schon gar nicht, wenn man nicht mit Tempo aus der Kurve kommt.

Das schreibe ich hier jetzt mit meinen Erfahrungen aus insgesamt vier Kriteriumrennen (drei in Bremen, eins in Japan) und sollte entsprechend gewürdigt werden. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass ich mit jedem Rennen ein besseres Gefühl für die richtige Position und den richtigen Zeitpunkt bekomme. Mit anderen Worten, man kann da viel lesen und sich Gedanken machen, lernen tut man das aber nur auf der Strecke.

Der Renntag

Super Wetter, 26 Grad, endlich. Ich wünschte, ich wäre stressfreier zum Rennen gefahren, aber zeitlich war es sehr knapp und daraus ergab sich eine Kette von Fehlern. Mein schnellstes Rad, das Canyon Positivo, leidet gerade an der Tretlagerknarzkrankheit. Menschen sprechen mich an auf der Strasse und sagen „Für das Rad brauchen Sie keine Klingel.“ Das ist etwas unangenehm, bietet aber die Chance viele neue Bekanntschaften zu schließen. Alle anderen Räder sind nicht schnell genug für Kriterienrennen. Also musste ich knarzend zum und dann anschliessend im Rennen fahren. Da hätte ich auch gleich beim Start zum sprinten mit dem Megaphon rufen können: „Ich leg‘ jetzt los!“ denn das knarzende Innenlager verrät alles.
Ach so, und dann dachte ich, dass eine Trinkflasche genug ist – haha, bei 26 Grad, was für eine doofe Idee; zum Glück haben mich die Eltern von Schnippo vor Ort versorgt.
Letztendlich war ich aber dann doch vor dem Start des Jugendrennens da und traf einige bekannte Gesichter am Start.

Da Jugendrennen mit zwei Fahrern, von denen der eine auch noch deutlich schneller ist als der andere, war naturgemäß eher langweilig.

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Linda beim warmtüddeln für das Senioren/Frauen/Pandarennen

Dann kam das extrem spannende Senioren/Frauen/Pandarennen; extrem spanned und extrem anstrengend, da ich da ja selber mitfuhr. Mir geht immer das Herz in die Hose wenn ich vor dem Start Gesichter sehe die ich nicht kenne, da ich befürchte dass die vielleicht in meinem Rennen mitfahren und eine gute Platzierung verhindern. Meine Sorge war aber unbegründet, es nahmen die gleichen 5 Fahrer teil, die auch beim ersten Lauf dabei waren: Linda, Wolfgang, Reiner, Kai und ich.

Senioren, Frauen und Pandas sind nett zu einander, d.h. wir fahren zügig um den Kurs (38er Schnitt), wechseln uns aber dabei vorne auch ab. Das war bei dem Rennen besonders wichtig, da es auf der Zielgeraden und kurz danach auch heftig Gegenwind gab.

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Beim ersten Sprint nach 5 Runden war ich relativ weit hinten, noch nicht warm und irgenwie auch verpennt. Ich merkte zu spät dass es los ging und fand mich sehr weit hinten, so dass ich gar nicht mehr den Aufwand trieb zu sprinten und Letzter wurde. Jetzt war es nur wichtig  das Loch wieder zuzufahren, dass sich nach dem Sprint aufgetan hatte, denn wenn die anderen jetzt Druck gemacht hätten wäre ich hinten rausgefallen und dann wäre es vorbei gewesen.

Beim zweite Sprint in der 10. Runde war ich weiter vorne, aber der Sprint startete sehr spät, so dass ich nicht die Strecke hatte weiter nach vorne zu kommen und auf dem vierten Platz landete. Da der 5. (Kai) aufgegeben und relativ weit hintern war, mussten wir beide uns dann anstrengen das Loch wieder zuzufahren.

Beim dritten Sprint landete ich wieder auf dem letzten Platz, da ich mich sehr schlecht innen hinten positioniert hatte. Dann fuhr Linda auf der Gegengerade schnell an und riss ein Loch von 20m auf; Wolfgang und ich sprinteten hinterher und wenn wir uns nun die Führungsarbeit geteilt hätten, dann hätten wir uns gut absetzen können. Das kam aber nicht zustande und so waren wir wieder alle zusammen.

Also lief auch der vierte Sprint in der Gruppe und ich konnte mich an vierter Stelle platzieren. Je länger das Rennen dauerte, um so mehr war ich motiviert und meine Ausdauer kam mir nun auch zu Gute.

Den Schlußsprint begann ich an vierter Position liegend und ich wollte gerade am Feld vorbeiziehen, als Wolfgang und Linda ihren Sprint starteten. Das passte perfekt, ich konnte mich hinter die beiden klemmen, schnell durch die Kurve ziehen und einen der anderen noch überholen auf der Geraden durch pure Energie und Kraft. Am Schluß wurde es noch einmal richtig laut: Das Innenlager knarzte was das Zeug hielt und das Publikum feuerte mich begeistert an bei meinem Versuch den dritten Platz zu erobern. Dachte ich. Tatsache war allerdings, dass das Publikum Linda anfeuerte den Sprint zu gewinnen, was ihr auch gelang. Egal, es half. In der Addition wird es vermutlich der Vierte, mit ein wenig Glück der dritte Platz werden. Sehr schön.

Am Straßenrand lernte ich dann die Eltern von Schnippo kennen, die mir anboten mir etwas zu trinken zu besorgen. Das war wirklich sehr, sehr nett. Meine erste Frage an die beiden war:

„Sie sind die Eltern von Schnippo?“ Ich hätte sie überhaupt nie erkannt. Warum sind sie nicht tätowiert?“

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Schnippo (Ausschnitt)

Aber jetzt zum Rennen. Da war ein Feld mit etwa 20 bis 30 Fahrern, teilweise mit Lizenz. Es fahren auch einige RCBler mit wie eben Schnippo, Benjamin, Christian und viele andere die es noch nicht geschafft hatten Fünfzig zu werden.

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Das Tempo war hoch und während sich viele einfach darauf konzentrierten im Feld zu bleiben, setzten sich vorne drei Fahrer ab und arbeiteten einen deutlichen Vorsprung zum Feld heraus. Die holten dann quasi alle Punkte in den Sprints, bis auf die ersten beiden. Und am Ende holten die das Feld ein. Damit war das Rennen relativ schnell gegessen.
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Interessant ist es insbesondere die Gesichter zu sehen und sich darüber Gedanken zu machen, was im Kopf vorgehen mag – als Radrennfahrer muss man das können, damit man den nächsten „Move“ planen kann.

Gesichtsanalyse im Radsport

Gesichter 1

Links: „Muss das hier jetzt so schnell sein, echt.“ Rechts: „So lange der alte Sack da vor mir dran bleibt muss ich wohl auch.“

Gesichter 2

Links: „Ich bin voll der Kannibale!“ Rechts: „Und ich kotz Dir gleich auf das Radschloß.“

Gesichter 3

„Ich wünschte ich wäre 50 und könnte bei den Frauen mitfahren!“

Gesichter 4

„Ha ha ha, die klönen da beim Rennfahren!“

Kurz vor Dunkel ging es dann im Pulk aller Fahrer gemeinsam die 20 km zurück nach Bremen. Durch mein Innenlagerknarzen kam ich mit vielen gut ins Gespräch, ich sollte das wirklich nicht reparieren. Christian und ich nutzten die Gelegenheit zu einem „Ziwi“ (Bremisch für Zitrone-Weizen) im Haus am Walde, alle anderen wollten schnell nach Hause. Ein schöner Tag ging zu Ende.

Strava

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tom Skujins. Get me back on the bike.

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Nick’s Berma

Nick ist der Sohn von Thomas und wünscht sich ein Rennrad. Mit Thomas saß ich mehrere Jahr im gleichen Büro und irgendwann war es soweit, dass Nick groß genug war, ich einen passenden Rahmen hatte und allgemein die Ansicht bestand, dass nun ein guter Zeitpunkt wäre.

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Es ist nicht einfach ein klassisches Rennrad für einen Jungen zu bauen, denn dem Jungen ist es egal, ob das Rad klassisch ist oder nicht. Schnell sollte es sein und gut aussehen, wobei „gut“ schwer zu beschreiben ist. Zum Glück gefiel Nick ein Giant TCR, das ich Thomas einmal ausgeliehen hatte, so dass ich mir nicht so viel Sorgen machen musste, das er eigentlich etwas grelles mit Scheibenbremsen aus dem Baumarkt haben wollte auf dem groß „Todesstern“ oder „Platz da!“ draufsteht.

Und ich machte mich daran nachzudenken, wie ich klassisches Rennrad gut aussehen kann, ohne dass teure, alte Komponenten verbaut werden müssen. Und was zudem auch etwas aushält und einfach repariert werden kann: Teile wie Reifen, Laufräder, Lenkerband oder Schaltwerk gehören zu den Dingen, die ich an den Rädern meiner Kinder ständig reparieren muss. Und so kam die komplette Shimano 600AX Ausstattung wieder in die Kiste.

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Von Alexander hatte ich diesen schönen kleinen Berma Rahmen bekommen, der wahrscheinlich einmal von einer Frau gefahren wurde. Nur 46 cm groß, komplett mit einer Campagnolo Gran Sport Gruppe ausgestattet, bis auf einige Teile die in seinem längeren Leben bereits ausgewechselt werden mussten und durch billige Teile ersetzt wurden. Da waren schlimme Saccon Bremshebel dran, aber auch eine Miche Kurbel mit 160 mm Kurbelarmlänge, schlanke 650A Schlauchreifenfelgen und ein schöner, schmaler Rennradlenker von 3ttt mit nach innen gebogenen Enden. Das habe ich, bis auf den Lenker und die Kurbel, alles abgebaut, denn es war entweder nicht schön, oder nicht praktisch. Vorne gab es einen Umwerfer der zwei Kettenblätter bediente, das eine mit 43 und das andere mit 42 Zähnen. Wer hatte sich so etwas ausgedacht und warum?

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Berma ist ein kleiner italienischer Rahmenbauer aus Padua; das Unternehmen wurde 1930 von Mario Bertocco (woraus sich Berma ableitet) gegründet und baute unter dem eigenen Namen, aber auch für andere Marken Rahmen. Das Logo zeigt die olympischen Ringe, was vermuten lässt, dass irgendwann einmal ein Sportler auf einem Berma Rahmen bei den olympischen Spielen erfolgreich war. Im Netz gibt es einige sehr schöne Exemplare zu sehen – was aber nicht verhindert hat, dass es das Unternehmen heute nicht mehr gibt.

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Erst einmal weg mit der ganzen Campa Gruppe und auch mit den Saccon Bremshebeln.

Stattdessen montierte ich Tektro Kinderbremshebel, die ich auch selber fahre. Diese haben den Vorteil, dass sie eine sehr große Auflagefläche haben, auch aus dem Unterlenker für kleine Hände zu greifen sind und nicht so massiv aussehen.

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Bei den Laufrädern entschied ich mich, vor allem aus Gründen der Stabilität,  für einen Satz MTB 26er mit reflektierenden Streifen, die jetzt hier so aussehen wie Aerofelgen. Dummerweise hatte das Hinterrad eine Einbaubreite von 135 mm (der Rahmen aber nur 126), so dass aufwändig eine neue Nabe eingespeicht werden musste. Darauf kamen sehr dünne Schwalbe Reifen die lustigerweise für Rollstühle gedacht sind. Ich hoffe einmal, dass die keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 10 km/h haben. Und dazu Schläuche mit Autoventilen, damit Nick sich an der Tankstelle bedienen kann.

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Bei der Schaltung habe ich mich für die gut greifbaren Modolo Schalthebel entschieden und zwar zwei, einer für rechts und einer für links, obwohl vorne kein Umwerfer montiert ist. Der geht nur kaputt und macht das Rad komplizierter als notwendig.

Und bei den Bremsen habe ich vorne (quasi wie immer) die Campa Super Veloce verbaut, die hinten aber leider zu kurz waren,s o dass dort eine neue schwarze Shimano Bremse ran musste.

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Der Rahmen selber hat bereits einige Kampfspuren. Andererseits hat er eine schöne, verchromte Gabel und Pantographien an der Krone und an den Sattelstreben. Der Zusammenhang zwischen Berma, Padua und einer Taube (?) ist mir nicht unbedingt klar. Da das Berma Logo rot ist, habe ich die Tauben entsprechend ausgelegt.

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Miche Kinderkurbel mit 144er Lochkreis und 43er Kettenblatt. Und natürlich mit einer andersfarbigen Kettenblattschraube (in Berma Rot) wie bei allen Rädern die ich gebaut habe.

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Microshift Mezzo Schaltwerk. Microshift wird hierzulande meiner Meinung nach unterbewertet, für einen kleinen, taiwanesischen Hersteller haben die sehr gute Produkte. Zum Beispiel sehr günstige STI Hebel für 7 und 8-fach Schaltungen, mit denen man sehr schöne klassische Räder umrüsten könnte – wenn der deutsche Importeur (Messingschläger) die Produkte auch nach hier bringen und einfach verfügbar machen würde.

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Erste Probefahrt heute zur Eisdiele Molino mit der Tochter.

„Oh, das fährt ja viel leichter, und schneller als mein Rad (ein Vicini MTB)!“

„Und kann auf meinen Rad jetzt auch freihändig fahren – das geht hier auch bestimmt … vielleicht doch nicht.“

„Kaufst Du mir ein Spaghettti Eis?“

 

 

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Sterne und Sternchen: Bremen RTF

Seit 1871 organisiert der RSC-Rot Gold Bremen eine RTF, die bislang über verschiedene Distanzen durch Wilstedt führte. Als Hannes und ich gegen halb zehn zum Start am Unisport kamen, waren bereits die Sterne und Sternchen der Bremer Radsportszene versammelt und füllten mit Buntstiften (zahllose Kinder weinten derweil zuhause) ihre Anmeldeformulare aus.

Aber alles der Reihe nach: Hannes und ich hatten uns dieses Jahr entschieden wegen akutem Trainingsrückstand und der schlechten Wetteraussichten nur die 117 km in Angriff zu nehmen. Das ist mehr als 54 oder 72 km, aber auch deutlich weniger als 174 oder 217. Wobei für die lange Distanz ein Startgeld von 20 bzw. 28 Euro genommen wurde, was ich für eine RTF als relativ teuer empfinde. Einerseits. Ich kenne allerdings auch nicht die Hintergründe und an sich bin ich schon dankbar, dass es Vereine gibt die die Mühe und das Risiko auf sich nehmen eine RTF zu organisieren. RSC-Rot Gold, derzeit in einer Phase der Perestroika, hatte die Strecken neu gelegt, so dass ich gespannt war, wie wir nun dieses Jahr nach Wilstedt fahren würden.

Regen war ab 12 Uhr vorhergesagt und da wir ohnehin nur so mit 30 km/h durch die Ebene dümpelten wollten, nahm ich statt dem Canyon das relativ langsame Basso Fior di Loto aus der Garage. Beim Canyon macht das Innenlager nach der Tortur von Lüttich – Bastogne – Lüttich Geräusche wie ein Leopard II der durch die Gartenmöbelabteilung eines Baumarkts fährt. Das Lager passt zur Kurbel, die Kurbel kommt von FRM und die sind pleite. Da muss wohl etwas komplett neues dran, was in Zeiten, in denen die Evolution von Kurbeln leider in Richtung alter germanischer Streitäxte läuft nicht so einfach ist. Wer hätte gedacht, dass SRAM mit der Red 22 mal das vergleichsweise schönste Set auf dem Markt anbieten wird?

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Der Anblick der Starter beim Unisport war etwa so, als wenn man in einer sternenklaren Nacht auf einer Wiese liegt und nach oben in den Himmel schaut: Man sah die Sterne des (bremischen) Radsports wie Vladi, Stephan oder Caro, die Sternchen wie Silvia, Rita und Heike, die Sternschnuppen wie Mascha und die Asteroiden die geradewegs auf die Erde zurasen und drohen die Menschheit zu vernichten wie ….. (schon klar). Rechts tat sich ein schwarzes Loch auf in Form der Manta Squad. Hannes und stellten so etwas wie den Andromedanebel dar und zwar deshalb, weil ich am Abend vorher alles dafür getan hatte heute benebelt zu erscheinen.

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Hannes und ich (v.l.n.r.)

Schon am Start fing es an zu drisseln und ich zog meine Regenjacke an, die sich mittlerweile in ihre Lagen auflöste, nachdem da 1.000.000.000.000 mm Drucksäule in Lüttich aufgebracht wurden. Ich brauche eine neue, unbedingt. Ideen für eine leichte Jacke unter €100?

Es gab keinen gemeinsamen Start, sondern wir wurden mit preußischer Präzision von den Führungskräften des RSC-Rot Gold in Gruppen auf die Strecke gelassen. Ungeduldig scharrten wir die Hufe, aber Pickelhaube und Säbel in Rot und Gold machten unserem Übermut schnell ein Ende. „Wer keinen Startstempel hat bekomt keine Punkte!“ Punkt.

Und dann ging es auch schon los, Hannes und ich in einer tweilweise sehr schnellen Truppe, u.a. auch mit Björn und Thorsten. RTFs haben ja so ihre eigene Dynamik, und der hier fehlte es nicht daran: Bereits nach weniger als 400m hatte es die Gruppe an einer Ampel zerrissen. Auf dem Weg zum Kuhsiel konnten wir in der Ferne die Sterne sehen, während Hannes und ich so vor uns her fuhren und der Rest noch an der Ampel stand. Hannes erzählte mir gerade von der letzten, echten Kneipe Bremens, „Leichen-Elly“ als die schnelle Ampelgruppe uns von hinten überholte. Da klemmten wir uns natürlich dran, auch wenn wir relativ schnell feststellen mussten, dass die mit 40+ unterwegs waren und das nun weh tat.

Vor allem war die Gruppe extrem nervös: ständig wurde gebremst und beschleunigt und von links nach rechts gekreuzt. Da kam kein Rhythmus auf und teilweise war es sehr gefährlich. Einmal blockierte ich mein Hinterrad, einmal machte sich jemand hinter mir fast lang weil er von der Fahrbahn abkam, gegensteuerte und dann quer in die Gruppe fuhr. Die Gruppe fuhr in etwa wie Boris Johnson Rugby bzw. Fußball spielt.

An der ersten Kontrollstelle in Otterstedt nach 30 km bog jemand überraschend vor mir nach links ab und wieder konnte ich mich nur mit Mühe auf dem Rad halten. An sich war es mehr wie ein Rennen und weniger wie eine RTF.

Hannes und ich beschlossen und daher in eine andere Gruppe einzuklinken, aber da war weit und breit keine Alternative zu sehen. Wir fuhren dann erst einmal mit dieser Gruppe weiter und nach weiteren 4 km stellten wir fest, dass fast alle auf die 72 km Strecke abbogen und nur 3 oder 4 weiter 117 bzw. 174 km fahren wollten. Trotzdem war das eine schnelle Truppe wieder mit fast 40 km/h, aber zu klein und dadurch, dass wir zu oft vorne fahren mussten stiegen wir auch dort wieder aus. Wir waren dann zu dritt unterwegs, bis ein recht schneller Focus Fahrer zu uns stieß und wir dann gemeinsam ein gutes Tempo fanden, dass uns zur zweiten Kontrollstelle nach Hetzwege brachte. In der Gegend zwischen Ottersberg, Zeven, Scheeßel und Rotenburg bin ich bislang wenig unterwegs gewesen; die Straßen hier waren klein und gut ausgewählt und das machte nun auch wieder Spaß, zumal auch der Sprühregen aufgehört hatte.

In Hetzwege ist vermutlich eher weniger los so. Ich habe gerade einmal auf den Veranstaltungskalender 2017 der Gemeinde geschaut und zu den Höhepunkten des Jahres zählen Blutspenden, Altpapiersammeln und das Kaffeetrinken der Frauen. In Hetzwege taten wir uns zusammen mit etwa 10 Fahrern der SG Stern. Für die, die es nicht wissen, das ist die Betriebssportkampfgruppe des hiesigen Mercedeswerkes. Wir waren allerdings nicht mit der Rennrad- sondern mit der Schachabteilung unterwegs; das erkannte ich gleich, da einige von denen weiße, und andere schwarze Jerseys trugen. Es gab eine weiße Dame, einen weißen Turm mit Bart und jede Menge schwarzer Bauern.

Zuerst machte ich mir etwas Sorgen, dass wir uns als Renault- bzw. gar nicht Fahrer da in eine elitäre Gruppe reingeschmuggelt hatten und nicht so recht willkommen waren. Das war aber nur ein Vorurteil meinerseits, denn mit der Zeit wurde sich ganz nett unterhalten und ich wurde aufgeklärt, dass die schwarzen die Heim-, und die weißen die Auswärtstrikots sind. Und das die SG Stern mit 41.000 Mitgliedern einer der größten Sportvereine Deutschlands ist. Und dass jeder Standort seine eigene Farbe hat, erkennbar an den Streifen an der Hose. Die Farbe Bremens ist rot. Hat alles der Konzern festgelegt, man kann sich so richtig vorstellen wie in der Konzernzentrale die Schreibtische glühen und sich die Stabsabteilungen Gedanken zu machen was man noch so alles festlegen und standardisieren könnte. Vielleicht, dass alle auch ein Mercedes Rad fahren könnten?

Es ging jedenfalls gut voran und so ließen wir den dritten und letzten Verpflegungspunkt in Otterstedt aus, in der Folge kam es zu etwas Konfusion. Statt die letzten 33 km über Ottersberg, Sagehorn und Borgfeld voll zu machen, fuhren wir nur die 26 km der 55er Runde zurück auf etwa dem gleichen Weg, den wir gekommen waren, so dass wir nicht die vollen 114 km erreichten. Ich bin mir aber auch sicher, dass dieser Betrug dem Personal des RSC-Rot Gold aufgefallen wäre. Am Ende gab es noch den traditionellen Sprint über die Autobahnbrücke am Platzhirsch und dann waren wir auch schon am Ziel. Zeit für Kuchen, Kaffee, Fluppe und ein Selfie.

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Traumkörper.

Strava

Yep, das Wetter hatte gehalten und wir konnten uns nun endlich dem Ziel des ganzen Tages, nämlich dem Kuchenbuffet des Vereins zuwenden. Kai war da und auch Axel, Björn, Thomas, Benjamin und ein paar andere. Entspannt. Hannes konnte mir nun endlich die Geschichte von Leichen-Elly erzählen, die wir etwa 3 Stunden vorher abbrechen mussten, um in der Gruppe mit 40er Schnitt nach Fischerhude zu hecheln. Die Regenjacke hatte auch gehalten, das Wetter am Ende war ohnehin und unerwartet gut. Aus der Jacke quillten fiese gelbe Plastikschichten – so als wenn sich dort eine Familie Quallen versteckt hätte.

Ich kam rechtzeitig nach Hause bevor die Spiele der Bundesliga angepfiffen wurden und wachte wieder auf, als diese zu Ende waren. Zum Glück dauerte Wolfsburg gegen Gladbach etwas länger, denn das war das Spiel wegen eines Gewitters länger unterbrochen. Nächste Woche geht es weiter mit der RTF in Delmenhorst.

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Stephanie. Again.

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Stephanie Clerckx

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Stephanie Clerckx

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Stephanie Clerckx und Tom Boonen

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Nicht Stephanie Clerckx.

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Eingeordnet unter 2017, Mädels mit Räder, Mob

New May Sales.

Laufräder und Felgen

Spinergy Rev X 700

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OK. Ich weiß. Wenn man die Dinger sieht dann gehen die Finger automatisch zur Tastatur und es wird „Suicide Wheels!“ kommentiert. Tatsächlich gibt es im Netz auch jede Menge Fotos und Beiträge wie die Räder versagt haben, allerdings beziehen sich diese ausschließlich auf die erste Version der Laufräder. Die hier angeboten Laufräder sind die zweite Version, die sicher ist. Das sieht man an der Seriennummer (die mit einer 2 anfängt), an den zusätzlichen Nieten zwischen Speiche und Felge und an den Lippen am Nabenflansch. Ich wiege über 90 kg, bin die gefahren und hatte keine Probleme mit denen, auch nicht mit flexen im Wiegetritt.

Für Shimano 10-fach Kassetten
Für Drahtreifen
Sehr guter Zustand, alle Aufkleber sind da und in einem guten Zustand. Keinerlei Beschädigungen an den Speichen oder sonstwo. Wirklich fast wie neu, auch die Bremsflanken sind kaum angebremst.

Mir fehlt derzeit das Projekt an das die Dinger passen würden, deshalb dürfen die gehen.
VHB €350

Ja, ich weiß, das ist teuer, aber der Satz ist perfekt.

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Außerdem verkaufe ich immer noch meinen Satz Topolino VX4.0, mehr Infos dazu hier.


Felgenpaket Wolber, Mavic plus

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Bestehend aus:

1 Drahtreifenfelge Wolber Super Champion Gentleman GTA 700 36L
geöst, poliert, guter Zustand, keine signifikanten Schläge

 

1 Drahtreifenfelge Mavic 700 36L
geöst, poliert, guter Zustand, keine signifikanten Schläge
Jemand hat das Ventilloch aufgebohrt.
Hat allerdings einen kleinen Riss an einer Öse, deswegen würde ich die nicht mehr fahren wollen. Nur zur Deko.

1 Felgenpaar Mosconi +? 650A für Schlauchreifen
Ja unglaublich, in 650A, diese Größe ist heute unheimlich schwer zu bekommen. Vermutlich gibt es da auch keine Reifen mehr für, ich kann aber noch ein Paar beilegen (keine Ahnung ob die noch OK sind). Etwas für richtige Nerds.

Alles zusammen für €20 plus Versandkosten €10. Verkauft.


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Polier

Innenlager

Campagnolo Record 1983 ITA 115mm Achsbreite

Also, das ist jetzt meine Vermutung, da an dem Rad von dem ich das Innenlager habe, alles 83er Super Record / Record war.

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Kennung 70 SS
Komplett vollständig mit Original Plastikhülse
Guter Zustand, kein Pitting

VHB €35 Verkauft.

Campagnolo Gran Sport ITA 115 mm Achsbreite

Gleichermassen vermutet.

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Kennung 70-SS, Flügel Logo
Komplett vollständig mit Original Plastikhülse (hat allerdings einen Riss)
Guter Zustand, kein Pitting

VHB €30 Verkauft.

Naben

Fratelli Brivio Hochflansch Vorderradnabe 36L

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Vermutlich aus den Fünfziger Jahren, guter Zustand
Mit Schraubachse, Einbaubreite 100 mm
Gesäubert, poliert und gefettet, läuft rund und weich

Von den Komponenten in meinem Keller diejenige, die am meisten meiner 15jährigen, pubertären Tochter (Zicki) ähnelt: Man freut sich, wie hübsch das geworden ist, aber die Zicken treiben einem zur Verzweiflung. Deshalb verkaufe ich das Ding jetzt, im Gegensatz zu meiner Tochter. Also:
Die Speichenlöcher sind gerade groß genug für 1,8 mm Gewinde Speichen. Die kann man problemlos kaufen z.B. von DT Swiss bei Bike24. Die Schraubachse ist an den Enden vermackt, weil ich versucht habe verschiedene Muttern zu montieren, aber keine hat gepasst. Da kann sich der neue Besitzer dran versuchen. Oder gleich eine neue Achse montieren.

VHB €36 Verkauft.

Vorderrad Nabe Campagnolo Nuovo Tipo (?)

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Flügel Logo
32L
Einbaubreite: 100 mm
Dreht perfekt
Guter äußerlicher Zustand
Mit Original Schnellspanner VHB €22

Vorderrad Nabe Miche Superfast

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36L
Einbaubreite: 100 mm
Neu gefettet und eingestellt, dreht trotzdem etwas rauh
Guter äußerlicher Zustand
Mit Original Schnellspanner VHB €14

Hinterrad Nabe Campagnolo Record 1034 36L

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36L
Einbaubreite: 126 mm
ITA Schraubkranzaufnahme
Neu gefettet und eingestellt, dreht gut
Guter äußerlicher Zustand, bis auf Speichenabdrücke Flansch rechts
Mit schwarzem Spannring in der Nabenmitte.
Mit Original Schnellspanner VHB €33 Verkauft.

Hinterrad Nabe Campagnolo Record 1034 32L

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32L
Einbaubreite: 126 mm
ITA Schraubkranzaufnahme
Dreht sehr gut
Befriedigender äußerlicher Zustand
Mit schwarzem Spannring in der Nabenmitte.
Mit Shimano Schnellspanner VHB €27

Schaltung und Bremse

Bremsen Shimano Ultegra BR-6700 Paar

Modernes Teufelszeug, dass hier an sich nichts zu suchen hat.

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Komplett, technisch einwandfrei, guter Zustand.
Die Bremsbeläge sind nicht neu, aber es ist noch ordentlich Gummi drauf.
Komplett, ohne Rädelscheibe und Inbusmutter.

VHB €30 Verkauft.

Campagnolo Gran Sport Umwerfer (Schelle) und Schaltwerk

Kein guter Zusatnd, ehrlich. Der Umwerfer ist rostig und die Gelenke sind nicht mehr beweglich. Aber das Teil ist wenigstens vollständig.

Der Umwerfer ist technisch in Ordnung und vollständig, aber hat auch eine ganze Menge Rost angesetzt.

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Nur zusammen für VHB €20 Verkauft.

Schalthebel Campagnolo (Keine Ahnung welche Gruppe …. 1013 Record?)

Gut erhalten und komplett, gesäubert.
Deckel oben angelaufen, rostig
VHB €18

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Sonstiges

Vorbau 3ttt Touriste

65 mm Vorbaulänge
Für 26 mm Klemmung
Velobase

Befriedigender Zustand, Technisch in Ordnung

VHB €8

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Sattelstütze 26,4 mm

Vielleicht auch 26,2 mm

Irgendwo umsonst dazu.

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Gierige Räder. Mai.

JULIET ELLIOT’S HARTLEY CYCLES RED HOOK CRIT TRACK BIKE

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via Hartley Cycles

DAVID’S RITCHEY LOGIC WITH ULTEGRA

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via The Radavist

 

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May. Girls with Bikes.

Faster than your girlfriend.
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via Milano Fixed and Milano Fixed

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via Tenspeed Hero

JacquiePhelan

via Milano Fixed

Spinergy Rev-X.

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Again: Milano Fixed

Gigi Hadid.

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Fleche Allemagne oder „Lass uns ein wenig Rad fahren*“

Auf der letzten RCB Mitgliederversammlung stellte Willi die Fleche Allemange – die Sternfahrt der Randonneure vor. Da standen dann min. 360 km in 24 Stunden auf dem Zettel und das Ziel war die Wartburg in Eisenach. Da meine längste Distanz 250 km betrug, waren 360 km verlockend – 440 km hatte ich allein schon einmal in 2 Tagen bewältigt. Eisenach lag auch schon einmal auf einer Urlaubsradtour entlang dem Werratal-Radweg an der Strecke. Wir hatten damals diesen Eisenach Schlenker aber ausgelassen. Zwei gute Gründe also um sofort zuzusagen.

Während der Six-Days trafen wir uns dann das erste Mal um die Tour zu besprechen – Willi, Thorsten und ich. Andreas konnte an dem Abend leider nicht. Willi – unser Planer – hatte sich schon mit der Streckenführung beschäftigt, sowie mit den selbst zu wählenden Kontrollstellen. Thorsten und ich hatte keine Einwände, Andreas konnte auch nicht „meckern“, also noch mal tief und unsere 6 Augen geschaut und das Ganze für machbar erklärt. Einige Tage vor dem Start trafen wir uns ein weiteres Mal und Willi gab uns unsere Startkarten usw. und besprachen noch die Klamottenfrage und wer was mitnimmt, damit nicht alles dreimal mitfährt.

Die Klamottenfrage war für mich schwer. Angesagt war trockenes Wetter, schon mal gut. Nachts waren 0°C vorhergesagt, etwas weniger schön. Ich entschloss mich dann, die Sachen zu nehmen, die ich morgens auf dem Weg zur Arbeit auch noch bei leichten Minusgraden trage. Im Rucksack packte ich dann noch ein Wechseltrikot, Helmlampe, Warnweste, Duschkrams usw. ein. Damit sollte es dann passen.

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Pünktlich um 9 Uhr trafen wir uns am Roland. Andreas musste wegen massiven Bandscheibenproblemen leider absagen. Um in die Wertung zu kommen, reichen aber drei Fahrer im Team – wobei uns die Wertung nicht wichtig war. Den Start haben wir und im Kaffeehaus Classico durch einen Stempel bestätigen lassen und schon ging es in Richtung Sudweyhe und weiter nach Sulingen, wo auch die erste Kontrollstation war.

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Bei Thorsten stellten sich ab Bad Nenndorf erste Probleme ein. Im Kaffee wollte der eigentlich leckere Kuchen nicht so wirklich bei ihm hinein (anderes dafür…). Nach ausgiebiger Pause fuhren wir weiter nach Nordstemmen, dort wollten wir Pasta essen. Leider hatte das Restaurant eine geschlossene Gesellschaft, den Kontrollnachweis per Stempel gab es aber trotzdem. Thorsten sah nicht mehr so gut aus, fuhr aber trotzdem weiter – wobei ich und wohl auch Willi sich so unsere Gedanken machten. Bei Kilometer 225 traf Thorsten die Entscheidung abzubrechen und ehrlich: er machte auch einen „Scheiß-Eindruck“ auf uns. Willi fragte noch ob wir alle abbrechen, aber ich wollte gern weiterfahren. Mit unserem Abbruch wäre Thorsten auch nicht geholfen und die Wertung war uns ja eh egal (Die Wertung gilt ab 3 Fahrern). Also sind wir einige Kilometer weiter gefahren und haben Thorsten am Bahnhof – mal eben in seinem Strava nachschauen – in Freden an der Leine abgesetzt. Alles OK, kurz verabschiedet und im Zweier-Team in Richtung Göttingen auf den Weg gemacht. Davor lag noch eine Kontrollstation in Kreiensen, ein Italienisches Restaurant. Lecker Pasta und für mich noch Bruschetta vorweg. Die längere Pause, war in Heiligenstadt geplant, also nicht lange aufhalten und weiter in die Dunkelheit. Ich hätte gern ein paar Bilder von der Dämmerung gemacht, die bei den klaren Himmel richtig schön war. Das Handy musste aber mit der Powerbank in der Oberrohrtaschen für eine Zeit kuscheln um wieder Saft zu haben.

Das Gelände wurde welliger und die Temperaturen gingen deutlich zurück – wobei kuschelig warm war es eh nie. Wir waren beide ausgestattet mit gutem Licht am Lenker und hatten beide Kurvenlicht vom Helm – eine sehr gute Entscheidung. Wenn es rauf ging wurde uns warm und runter kalt, hatte etwas von einer Kneippkur. Bei den schnelleren Abfahrten schaltete ich das Licht ein paar Stufen höher um besser Löcher im Aspalt zu sehen. Blöd ist nur, wenn die Reflektoren der Seitenpfosten vorn gen Himmel gehen. Willi, sagte nur: Scheiß Lampe. Dieses Geplänkel lockert solch eine Tour immer wieder auf. Einen schönen Spruch brachte Thorsten noch, den bringe ich bringe ich hier nicht. Willi und ich hatten aber Tränen in den Augen. Allein dafür, Danke Thorsten.

Übrigens sind 2000 Lumen bestens dafür geeignet, dem entgegenkommenden Verkehr kurz klar zu machen, dass er das Fernlicht ausmacht. Dafür reicht es aus, nur ganz kurz hoch zu schauen.

Nach einigem auf und ab erreichten wir die HEM Tankstelle in Heiligenstadt, natürlich nach einer kalten Abfahrt. Vielen Dank dem Mitarbeiter der Nachttankstelle, das er uns hineingelassen hat. Einige Becher Kaffee später wurde mir so etwas ähnliches wie warm. Willi schlief ein wenig im sitzen, ich versuchte es auch, gelang mir aber nicht wirklich. Ich vertrieb mir Zeit mit weiterem Kaffee und etwas Unterhaltung mit einem Taxifahrer. Der konnte überhaupt nicht begreifen, was wir da machten. Geht wohl mehrern so.

Um 5:30 herum, sollte es weiter gehen. Ich hatte mir das Wechseltrikot drüber gezogen und Willi kaufte einen Kicker. Die Seiten wurden etwas zerknüllt und unter das Trikot gelegt. Willi – als Zeitdortmunder – hatte u. a. die Schlagzeile „Dortmund bezwingt die Bayern“. Eine lohnende Investition, wie sich zeigen sollte.
Bei ca. 0°C ging es dann wieder raus auf die Strecke. Es war kalt, ging aber leicht hoch, leider absolut zu kurz um ansatzweise warm zu werden. Bei der Abfahrt empfanden wir beide es so kalt, dass wir Mühe hatten den Lenker zitterfrei zu halten. Aber wir wussten, es sollten noch gut 200 Höhenmeter folgen.
Diese kamen dann auch zum richtigen Zeitpunkt. Leichte konstante Steigung wärmte und dann endlich wieder. Es dämmerte und es war sehr leise, nur die Vögel zwitscherten munter drauf los. Iich empfand es als eine sehr friedliche und schöne Stimmung, dort so durch den Wald zu fahren. Bei Höhenmeter 481 war dann Schluss mit aufwärmen, es ging in Richtung Wanfried an der Werra. Es folgte eine Abfahrt von ca. 18 km länge mit 300 Höhenmeter Unterschied. Nicht zu vergessen, oben waren es Minus 1°C und unten Minus 5°C. Das Ganze bei einer Geschwindigkeit von im Mittel von ca. 30 km/h.

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Meine Wahl der Klamotten hätte besser sein können, aber die Jacke die optimal gewesen wäre, wäre tagsüber zu warm und hätte auch relativ viel Platz im Rucksack gebraucht. Ich weiß jetzt, was echte Kälte ist. (http://www.dingens.at/was_ist_echte_kaelte.html).

Unten an der Werra angekommen, dichter Nebel lag über dem Fluss und Raureif über all rings herum, kamen die ersten Sonnenstrahlen über die Hügel. Ich versuchte mich mit Wiegetritt wieder warm zu radeln, also Kette rechts. Bis Eisenach gab es dann noch einige kleiner Hügelchen. Ich bin diese Strecke nun schon 3 zuvor in anderer Richtung gefahren, mir war aber nicht bewusst, dass es von Wanfried nach Treffurt konstant bergab geht. Hoch wäre mir in dem Augenblick auch gern entgegen gekommen. Nun denn, in Treffurt lag unsere letzte Kontrollstelle, in einer sehr warmen Tankstelle. Hier trafen sich diverse Fleche Fahrer um ihren letzten Stempel zu bekommen und einen Kaffee zu trinken. Die Einheimischen die dort anwesend waren, guckten ziemlich komisch, dass es so viele bekloppte Mitmenschen gibt die so eine Distanz (bei uns laut GPS Track 385 km) mit dem Rad zurücklegen. Ich hatte den Eindruck, dass sie die Distanz noch nie mit dem Auto gefahren seien.
Egal, es ging nach dem Kaffee weiter Richtung Wartburg. Um ca. 8:30 konnte Willi unsere Startkarten mit den Kontrollstellen-Nachweisen ca. 40 HM vor der Burg abgeben und die „Challange“ war offiziell beendet.

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Meine Challenge aber nicht. Es galt noch zur Burg zu fahren, was wir aber ca. 50 Streckenmeter abbrechen mussten. Basaltkopfsteinpflaster und zu viele Entgegenkommende ließen einen Wiegetritt bei ca. 20-22% Steigung nicht zu. Wobei Willi und mir schon das Kopfsteinpflaster bei der Steigung schon zum Absteigen gereicht hätte, zum Mal das Ziel nur 50 m entfernt lag.
Entscheidend war, den Blick von der Burg zu genießen, mit dem einen oder anderen zu quatschen und uns gegenseitig die Hänge für diese für uns ungewöhnliche Tour zu reichen.

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Vielen Dank für die exelente Planung der Strecke von Willi und den den schönen Spruch nach jeder Pause „Lass uns ein wenig Rad fahren“. Gute Besserung wünsche ich Andreas mittel- bzw. langfristig und Thorsten kurzfristig.

Ebenso gilt der Dank den Audax Randonneuren, die einfach seit 25 Jahren Lust darauf haben, diese Art von Veranstaltungen zu organisieren und das ohne Vereinsstatus, als reines Ehrenamt.

Mein Fazit:

Distanz rund 400 km, Dauer rund 16 Stunden, ca. 2600 HM, min. Temperatur -5°C

Ich würde und werde die Tour bei Gelegenheit sofort wiederholen. Vorrausetzung ist eine gute Planung und gute Mitfahrer. Beides war hier mehr als erfüllt. Mein Dank geht an Willi und an Thorsten, die die Fahrt trotz der Kilometer „kurzweilig“ gestalteten. Keiner von uns hatte bisher mehr als 250 am Stück auf dem Zettel. Sicherlich kann man schneller ans Ziel kommen, das was aber nicht das Ziel. Das Ziel war gemeinsam anzukommen und das im vorgegebenem Zeitrahmen. Das Thorsten es nicht erreicht hat, tut mir leid, muss aber sagen, dass er zum richtigen Zeitpunkt Schluss gemacht hat. Mehr ging nicht. Willi und ich haben – so mein Eindruck – die Tour sauber und mit viel Spaß und „etwas müde“ beendet.

Ich hätte mich auch kurz fassen können mit: Es war einfach toll!!!

Es gibt nun verschiedene Ansätze zum Sport. Hier ging es um Teamgeist, um persönliche Grenzen einer Distanz zu überschreiten, sich gegenseitig zu unterstützen. Das ist es, was mich bei Fahrten mit anderen motiviert. Motivieren und motiviert zu werden. Ballern kann auch mal ganz nett sein, das ist aber nicht das Ziel dieser Veranstaltungen.

Da ich in diesem Jahr „nur“ die 300 km für mich erreichen wollte, was aber nun schon übererfüllt ist, werde ich die 300+ km nachholen. Damit das ohne Licht funktioniert wäre der Juni passend und dann ein wenig schneller. Die Strecke steht schon grob fest und ist unter meinen Spitznamen Sudi bei gpsies unter Nordrunde zu finden. (Oder 240 km, dann ab BHV mit dem Zug zurück). Ich werde versuche einen Samstag dafür zu finden und zu entsprechend zu posten. Ich würde mich dann über MitfahrerInnen freuen.

Unbedingt zu erwähnen sei noch, dass meine Frau am Sonntag „mal eben“ mit dem Trekking Rad nach Bremerhaven gefahren ist. Dort angekommen wollte sie eigentlich mit dem Zug zurück. Da was Wetter hier aber noch zu gut war, hat sie sich entschlossen zurück zu fahren. Es wurden dann 192 km: Chapaeu und großen Respekt dieser Einzelleistung.

Danke Michael, dass ich hier meine Eindrücke, der für mich tollen Tour, schildern durfte.

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