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Velotörn Bremen. Teil I: World of Fixedcraft.

Anstatt schon wieder ein recht normales Rennradrennen von 100km auf der sehr langweiligen Strecke in der Überssestadt in Bremen zu fahren, entschloss ich mich beim Velotörn am Fixie Rennen teilzunehmen. 30 Runden gegen den Wind, über Kopfsteinpflaster, haarscharf an Barrieren vorbei und das Ganze auf einem scheiß-unbequemen Rad.

Ich weiß auch nicht, warum ich mir das alles in meinem Alter noch antue. Ich könnte ja auch Samstags lange schlafen, ein Auto waschen und dabei Bundesliga im Radio hören, und dann im Garten grillen. Stattdessen mache ich mich am Samstag Morgen auf den Weg in die Überseestadt, um die Rennstrecke de Velotörns zu erkunden. Zum Glück zeigt sich Bremen an diesem Wochenende von seiner allerschönsten Seite.

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Bremen, wo die Weser wie ein richtiger Fluss aussieht (also fast so wie der Rhein)

Die Strecke führt auf der Konsul-M-Schmitt-Strasse die Weser runter, macht dann eine S-förmige Linkskurve über recht fieses Kopfsteinpflaster und läuft dann parallel über die Kaje am Hafenbecken in die entgegengesetzte Richtung. Es gibt dann wieder eine schnell durchfahrbare S-Kurve auf die Konsul-M-Schmitt-Strasse, dann ca.200 Meter Gerade zum sprinten, bevor es nach ca. 1,1 km wieder ins Ziel geht. Wäre dies eine Autorennstrecke, dann vielleicht Daytona im 18.Jahrhundert – wegen  dem Kopfsteinpflaster.

Ich habe Familie, einen Job und wenn ich mich mit dem Rad hinlege, dann dauert es eine Weile, bis wieder alles verheilt ist. Konsequenterweise hat mein Fixie Bremsen. Was aber bei diesem Rennen nicht erlaubt ist. Auch sind keine Kurbeln an nicht-Bahnrahmen mit einer Kurbelarmlänge von mehr als 165mm erlaubt. Überhaupt gibt es viele Regeln, was nicht dem kulturellen Anspruch des Rennens entspricht: „die jungen Wilden“; „Fixie-Subkultur“ etc. Es erinnert mich an eine Online-Anzeige von zwei sehr coolen Typen in Hamburg, die einen neuen Mitbewohner für ihre WG suchten. Zunächst einmal beschrieben sie sehr schön,wie locker und gechillt das Leben mit ihnen ist, um am Ende Interessenten zu bitten, Ihnen „ihr aktuelles Lieblingslied und ein polizeiliches Führungszeugnis“ zuzusenden.

Die richtige Antwort auf das Lieblingslied ist natürlich sehr simpel.

Jedenfalls hatte das zur Folge, dass ich mein japanisches Nagasawa Bahnrad reaktivieren musste, das nun seit 2 Jahren als Weihnachtsschmuckadapter an der Wohnzimmerwand verstaubt. Erst einmal andere Laufräder rein, damit wenigstens die teuren Mavic SSC überleben werden. Und dann kam ein anderer Lenker und Vorbau ran, denn dieser NJS Vorbau der an Keirin Bahnrädern quasi Standard ist bringt das Kinn knapp über die Höhe des Vorderrads. Ist man nicht rasiert, kann man nur noch maximal 20 mm Reifen montieren, sonst ist da einfach kein Platz mehr.

Wegen dem Kopfsteinpflaster hatte ich dann doch noch ein Lenkerband gewickelt, damit es ein wenig bequemer wird. Dafür opferte ich mein sehr schickes George Sorell Korkband, das ich 2011 zusammen mit David in Ravenna im Radladen Sambi gekauft hatte. So jetzt noch abnehmbare Bremsen dran, damit ich zum Rennen komme und los.

In der Überseestadt tummelte sich die Creme de la Creme des bremischen Radsportes. In  früheren Berichten habe ich immer jeden einzelnen mit Namen aufgeführt den ich kannte, heute ist das nicht mehr möglich (Sorry, Silke, Silvia, Caro, Linda, Jessica, Maren, Jörn, Andreas, Andi, Thomas, Jan, Philipp, Schnippo, Marc, Matthias, Christian, Benjamin, Tim, Harald, Didi…) Es ist ein sehr schönes Gefühl von vielen netten Menschen erkannt und gegrüßt zu werden und dazu zu gehören. Vor allem, nachdem ich vergleichsweise nach 12 Jahren Leben in Japan gerade einmal vier japanische Freunde hatte – die ich jeweils ein bis zweimal pro Jahr traf. Mit den Ausländern dort lief es wesentlich besser, das hatte nur den Nachteil, dass das japanische Haltbarkeitsdatum eines typischen Ausländers etwa drei Jahre ist – danach geht es wieder zurück in die Heimat oder in das nächste Land. Zum Gefühl der Zughörigkeit später mehr.

So standen wir also an der Rennstrecke und schauten uns das Rennen von Linda an.

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Die creme de la creme des bremischen Radsports

Linda war bei den Frauen zusammen mit den U17 Fahrern gestartet, insgesamt etwa 16 Fahrer. In den ersten Runden hielt sie sich gut im Hauptfeld, aber dann fuhren vorne 8 Fahrer das Feld zu Klump und büxten aus. Danach war sie ein wenig verloren und zu zweit oder zu dritt unterwegs und es wurde sehr anstrengend. Dementsprechend  schnell muss das Rennen gewesen sein, denn Linda ist wirklich nicht gerade langsam (das ist eine klassische Umschreibung von: „Linda ist deutlich schneller als ich.“ Von den acht blieben sieben vorne und gewannen nach 30 Runden das Rennen. Linda wurde Zweite bei den Frauen.

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Im übrigen konnte man hier wieder beobachten, dass bei großer Anstrengung nach dem Rennen die Birne rot anfängt zu glühen, und zwar nach der Formel: „Je jünger der Fahrer, desto roter die Birne.“ Ist mir bereits beim OBKM aufgefallen, wo der 70-jährige Zweite der Meisterschaft kalk-weiß war, geradezu Mumienhaft, während Linda (Kolibri) rot strahlte wie ein schmelzender Reaktorkern in Fukushima. Was aber immer noch nichts gegen Schnippo nach dem Rennen war, der rot strahlte wie ein tätowierter, russischer Mafia-Reaktor. Doch dazu später.

Darauf folgte das Derny Rennen. Ein paar Runden fährt der eine auf einem enthemmten e-Bike und der Andere hinterher, dann wurde gewechselt und es werden ein paar Runden umgekehrt gefahren. Am Start waren Schnippo und Philipp, sowie Marc und [vergessen].

Sportlich war das, na ja, aber sonst war es der Höhepunkt des Tages. Beim Wechsel mussten auch die Schuhe getauscht werden. Wir erwarteten am Streckenrand, irgendetwas in der Geschwindigkeit eines Triathlonwechsels. Stattdessen lief das ganze in erschreckender Zeitlupe ab. Schnippo und Philipp beim Wechsel zu beobachten war etwa so schnell und spannend wie die Ziehung der Lottozahlen im Fernsehn zu schauen. Und als dann  Schnippo auf dem e-Bike vor Philipp fuhr tat er das genau zwei Runden. Dann war es Philipp zu langweilig und er überholte Schnippo  auf der Zielgeraden. Denn das E-bike war nicht so richtig enthemmt – Philipp allerdings schon.

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Nachdem ich mich also gut amüsierte hatte war jetzt leider Schluss damit, denn nun musste ich auf die Strecke. Was ist bislang gesehen hatte, machte mir Angst. Da waren Fixiefahrer, die aussahen wie Simon Geschke und Frauen auf Fixies die….nun,  ebenfalls aussahen wie Simon Geschke. Andreas meinte treffend, dass das keine Radkuriere sind, sondern welche vom Radpaketdienst. Zack, vier Waschmaschinen unter den Arm und dann ab ausfahren zu den Kunden. Zum Glück gab es nur 19 davon. Und Philipp und Schnippo. Und mich. Alle fuhren auf Rahmen mit nach hinten offenen Ausfallenden; es gab viele Tätowierungen zu sehen, Piercings und Totenköpfe etc. auf den Jerseys. Da gehörte ich nun definitiv nicht rein. Erstens nicht von der Leistung, zweitens nicht vom Alter und dann auch wegen ein noch ein paar anderer offensichtlicher Mängel an Muskeln, Barthaar, Street Credibility und Geldknappheit. ich fühlte mich da sehr falsch. Wann hatte ich das letzte Mal dieses Gefühl? Vermutlich als ich 1990 versehentlich in einem heißen Quellenbad in Japan in die Damenumkleide ging, da dort keine Symbole, sondern chinesische Schriftzeichen an die Tür gemalt waren.

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Ich bin eben Rennradfahrer und fahre Radrennen. Bei so etwas habe ich keine Chance. Also nicht, dass ich sonst eine hätte. Meine Taktik war daher etwa wie die von Steven Bardbury  im Short Track bei den olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City: Hinten fahren und hoffen, das sich vorne alle auf die Fresse legen. Dann non-chalant vorbeiziehen. Nein -zu gemein, ich fuhr wieder mit meiner Standardtaktik: Versuche irgendwie zu überleben und nicht zu bescheuert auszusehen.

Aber da ich da schon einmal stand konnte ich ja ein paar Bilder machen und mitfahren.

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Und dann ging es auch schon los. Alle meine Sorgen waren umsonst, die erste Runde konnte ich echt gut mithalten! Leider stellte sich dann heraus, dass dies nur die neutralisierte Einführungsrunde war und wir am Start wieder stehen blieben. Trotzdem, eine gute Idee, um warm zu werden. Und zum Glück wurde das Rennen auch von 30 auf 20 Runden verkürzt.

Die zweite, also die nun eigentlich erste Runde, war schon deutlich schneller.  Am Anfang war es sehr nervös und ich machte mir da auch ein wenig Sorgen im Feld zu fahren, aber nach zwei Runden war ich da quasi draußen und in einer Dreiergruppe. Die Kurve mit Kopfsteinpflaster nahm irre viel Geschwindigkeit weg und es war extrem hart, dann wieder gegen den Wind zu beschleunigen. Nach 5 Runden hatte ich nur noch wenig Lust und überlegte aufzugeben. Das ist ja immer so, weil ich mich noch nicht warm gefahren habe und es dann am meisten weh tut -später wird es besser.

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Feuerwerk der Radkunst

Dann war ich mit einem der Mädels in dem Rennen zusammen. Ich wollte Sie animieren, dass wir auf die Gruppe der drei Männer vor uns auffahren. Sie sagte ja, ich machte Tempo, und als ich dann wechseln wollte blieb sie hinter mir. Für die nächsten drei Runden. Da ich alleine ohnehin nicht aufholen konnte wurde ich erst einmal wieder etwas langsamer.

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Lutscher !

In der S-Kurve zum Zielsprint drehte ich dann auf, als ich eine weitere, überrundete Fahrerin vor mir sah und setzte mich ab. An die hängte ich mich erst einmal dran und dann gab ich ihr Windschatten. Dann fuhr sie wieder vorne und erstaunlicherweise hatte sie noch gut Power und zog davon. Ehrlich gesagt lag das auch an der Technik, die fuhr die Kurven einfach viel besser als ich. Und als es dann in einer der beiden Kurven einen Sturz gab und ich langsamer wurde und die Richtung wechselte, war sie fast weg. Zwei der schnellen Fahrer waren zu schnell in die Kurve gegangen und matzten in die Barrieren.

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Erst überholen und vorweg …

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….und dann ein paar Runden später den Anschluss verlieren

Nach jeder Kurve musste ich erst einmal die Lücke wieder zu sprinten und das kostete viel Kraft. Aber jetzt war ich zumindest ganz gut dabei. Auch wenn die Spitzengruppe mich in der Zwischenzeit zwei Mal überrundet hatte. Dann sah ich kurz vor Ende Schnippo vor mir, den ich nun überrunden würde. Was er nicht wollte und ihm frische Power gab.

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Prima, mit Schnippo war das jetzt natürlich wieder viel besser und so kamen wir in die letzte Runde und dann auf die Zielgerade. Schnippo fragte mich:,“Wollen wir zusammen ins Ziel fahren, oder das ausfahren?“ „Ausfahren!“ Und so legte wir einen guten Spurt und Bike-throw zum Schluss hin. Nun hatte ich wirklich keine Lust mehr. Allerdings auch keine Bremsen, um zu stoppen.

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Strava

Am Ende wurde es ein 12.Platz von 23 Teilnehmern, von denen wiederum 17 ins Ziel kamen und sechs aufgaben (zwei glaube ich wegen Sturz). Hinter mir nur Frauen. Und Schnippo (Rennen drei). Vor mir eine Frau, und zwar die, deren Trikot so aus sah wie ein Mosaik-gefliestes Badezimmer auf den Bahamas.

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v.l.n.r : Das bahamische Badezimmer; gut getarnte Norddeutsche; meine Begleiterin für ein paar Runden am Start vor mir.

Das hat jetzt nix mit: Ich bin besser als Frauen oder so zu tun, sondern ist einfach meine Erfahrung in den typischen Platzierungen meiner Karriere: Zweitstärkste Frau.

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Hier sieht man noch einmal einen der gestürzten. Fiese Delle am Oberrohr des Standaert Rad.

Prima, ich hatte überlebt, ein Top-12 Finish und war fix und fertig.  Und neben mir glühte Schnippo. Eigentlich keine so gute Idee, denn er fährt morgen das 100 km Rennen beim Velotörn und ich die 150 km der RTF Lauenau. Und dann kam noch einer der schnellen Fixiefahrer und gab mir die Hand – eine Welle von Zusammenhalt wallte in mir auf.

Es ist übrigens keine gute Idee mit wenig gefahrenem, bzw. wenig  getestetem Gerät ins Rennen zu gehen. Der Vorbau fixierte den Lenker nicht gut und da ich fast auschließlich im Unterlenker fuhr, drückte ich im Verlauf des Rennens den Lenker nach vorne und oben. Das war am Ende sehr unbequem. Und sah auch echt scheiße aus.

Und ganz zum Schluss löste sich auch noch ein Kurbelarm vom Vierkanttretlager. Ich fuhr zu Matthias, aber der hatte auch kein passendes Werkzeug (8mm Inbus) dabei. Dafür aber Carolin Schiff, die ich fast übersehen hätte. Ich hatte Sie ja nur einmal im Rennen gesehen und war mir nicht sicher, ob sie es wirklich war. Die Beine schienen mir ein wenig dünn (vor allem nach dem was ich da im Fixie Rennen gesehen hatte), aber dann gab es auf dem Schienbein ein paar markante Narben und ich dachte ich frage sie mal, ob sie es ist. Bingo. Taktisch wollte ich nur beweisen, das ich netter bin, als dass was ich schreibe und wir unterhielten und über das, worüber sich erwachsene Menschen so unterhalten: Radrennen, Motorboote auf dem Gardasee, über die Unsinnigkeit in Bremen zu wohnen und so weiter.

Das waren ja für einen Tag mit so herrlichem Wetter recht wenig Kilometer, diese aber sehr intensiv. Insgesamt war die Veranstaltung gelungen, mit €20 auch nicht zu teuer und spaßig. Zum Glück habe im Rennen ich nicht geschmittet (Bremer Fachwort für „sich auf die Fresse legen“).

Allerdings ist da auch kein großer Unterschied zu den Bremen Challenge Veranstaltungen mit Streckenführung in der Überseestadt zu spüren. Aber trotzdem, danke für die Mühe der Organisation. Danke auch an Silke, Harald und Linda für die Fotos.

Wir sehen uns dann total platt beim RCB Montagstraining.

 

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2016年初詣. 2016 Hatsumode.

Manchmal, insbesondere wenn mich meine Kollegen wieder einmal völlig entgeistert anschauen, wünschte ich, ich hätte nach 12 Jahren Japan zunächst einmal an einem Integrationskurs teilgenommen bevor ich mit den Einheimischen hier in Kontakt kam. Ob gut oder schlecht, die eine oder andere Spur hat das ganze nämlich doch im Kopf hinterlassen.

Dazu gehört auch, dass ich zu Beginn des Jahres das dringende Gefühl habe, zwei Dinge sofort erledigen zu müssen: David zu schreiben, damit er mir das neue Japan Architect Jahrbuch in Tokyo „besorgt“; und noch viel wichtiger, zum nächsten Shinto-Schrein zu fahren und dort für Verkehrssicherheit zu beten.

Der erste Besuch im neuen Jahr im Schrein heisst auf japanisch „hatsumode“ und besteht aus zwei Zeichen. „Hatsu“ steht für „das erste Mal“ und „mode“ für „Besuch des Tempels oder Schreins“. Das letzte Zeichen braucht mal wirklich nur für dieses Wort, es mag noch die eine oder andere Anwendung geben, aber die sind selten. In den ersten Tagen des neuen Jahrs machen sich Millionen von Japanern auf, um die Schreine (Shintoisten) und Tempel (Buddhisten) zu besuchen und dort für anhaltendes Glück zu beten. Das ist nicht umsonst und in der Regel mit Geldspenden verbunden.

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Hatsumode. Da wird es schon mal enger.

Vor dem Schreingebäude sind zu diesem Zweck lange, verbitterte Kisten aufgestellt, in die man sein Geld wirft, kurz zum Gebt verweilt, in die Hände klatscht und sich verbeugt. Es gibt da verschiedene Versionen, doch das zu erklären führt hier zu weit. Man kann sich zudem verschiedene Amulette und Glücksbringer kaufen, für zuhause, das Auto oder die Schultasche, die je nach dem für bestimmtes Glück sorgen sollen: Gesundheit, Verkehrssicherheit, Erfolg in Schule, Studium oder Beruf und Liebe sind die gängigsten. An fast jedem meiner Räder ist ein Verkehrssicherheitsamulett (ein sogenanntes „O-Mamori“: お守り und tatsächlich fahre ich auch seit Jahr und Tag unfallfrei, ohne jetzt irgendwie auf Holz zu hauen. Die wirken demnach auch außerhalb von Japan, allerdings ist die Haltbarkeit streng auf ein Kalenderjahr begrenzt; nur durch einen erneuten Schreinbesuch können die wieder für ein Jahr aufgeladen werden.

Ganz harte, lassen sich ihr Auto oder das Motorrad bei der Gelegenheit auch gleich durch einen Priester purifizieren bzw. segnen. Dann kann gar nichts mehr schief gehen.

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Shintoistische Vollkaskoversicherung

Nachdem ich das Radfahren 2016 bislang zugunsten meines Hausfrauenkampfdrohnen Aerobichüpfundspringkurs, bzw. einer ausgedehnten Erkältung, bzw. Schnee und Eis in Bremen wegen vernächlässigt hatte, machte ich mich heute auf meinem nagelneuen No! 3Rensho auf den Weg zum nächsten Schrein. Ich hatte das Teil noch einmal umgebaut und einen 2 cm kürzeren Vorbau angebracht, weil ich mich zu langgestreckt auf dem Rad fühlte. Das brachte exakt nichts, so mein Eindruck nach der Fahrt heute. Ich hätte vermutlich doch die STI Griffe höher am Lenker ansetzen sollen, aber meine Kapazität an lustigem Lenkerband ab- und draufwickeln ist nun erst einmal erschöpft.

Kurz hinter dem Weserwehr traf ich Philipp, Schnippo und Sebastian, die von einer längeren Winterausfahrt nach Hause kamen. Kurz danach hatte ich meinen ersten Platten. Typisch, dachte ich mir, dass haste nun davon, dass Du immer noch nicht die shintoistische Vollkaskoverkehrssicherheitspolice abgeschlossen hast – jetzt wird es aber höchste Zeit.

Der nächste Schrein von Bremen aus gesehen, liegt etwas versteckt zwischen Ahausen und Riede. Es handelt sich dabei um einen Ableger des großen, berühmten und leider auch berüchtigten „Yasukuni Schrein“ im Herzen von Tokyo. Man erkennt das sofort an der Form des Tores (Torii), das vor dem Hauptschrein steht: Drei oder vier Rundhölzer, davon ein oder zwei horizontal, zwei vertikal, das ist typisch für den Yasukuni Schrein und seine Ableger.

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Eines der Tore vor dem Yasukuni Schrein in Tokyo.

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Yasukuni Annex Schrein, Ahausen

Um auf Nummer GAAAAANNNZZZ sicher zu gehen, hatte ich ein O-Mamori des Yasukuni Schreins an meinem Rad befestigt, man weiß ja nicht wie das so mit der Kompatibilität verschiedener Schreine ist. Nicht das mein Amulett auf Shinto-Windows läuft, das OS vom Yasukuni Schrein aber Apple OS X ist und ich dann prompt einen Unfall baue.

Nun musste ich noch meine Gebete sprechen.

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Mich vor dem Schrein verbeugen.

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Und nun sollte ich erst einmal wieder für ein Jahr sicher fahren können. Das wollte ich ansatzweise auch einmal ausprobieren und machte mich gegen den Wind nach Okel auf. Dort kam mir Thomas entgegen, der aber, wie ich später auf Strava sah, schon mehr als 120 km hinter sich hatte und die Welt um sich herum offensichtlich nicht mehr wahrnahm. Egal. Ich kämpfte mich hoch zum Golfkurs, fuhr noch ein Stückchen weiter Richtung Syke und machte mich dann mit Volldampf daran den Okel KOM zu brechen. Die Form ist aber einfach zu mies und das No! 3Rensho ist eben auch nicht so schnell wie das Canyon, auch wenn es 11 Gänge hat. „Right. These go to eleven. Well, it’s one faster, isn’t it?“ Nein leider nicht.

Zumindest war der Weg zurück nach Südweye dann erst einmal spassiger mit Rückenwind.

Und weit vor mir war ein anderer Rennradfahrer den ich unbedingt einholen wollte, was die nötige Motivation gab. Ich hatte es gerade geschafft und ihn in Südweye stehen gelassen, als ich merkte, das nun auch mein Vorderrad langsam Luft verlor. Geistig begrub ich alle Pläne und  machte mich auf Richtung Haus, denn ich hatte keinen Schlauch mehr dabei. Die letzten 15 km waren dann sehr nervig und sehr langsam, aber irgendwie schaffte ich es dann doch mit ein wenig Luft nach Hause, so dass ich nicht die ganze Zeit auf der Felge fahren musste.

Ich glaube da hatten ein paar Shinto-Gottheiten ihren Daumen auf dem Loch im Schlauch.

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Warten auf Bumsfidel. RTF Barrien.

„In Bremen an der Weser, Fleischergasse 8
da wohnt der Metzger Bumsfidel, der aus Kindern Hackfleisch macht
den Eltern gibt er’s wieder, wenn auch als Frikassee
auf diese Art und Weise, tut scheiden nicht so weh“

Mit diesem Reim versuchten mich meine Eltern in Kindertagen davon zu überzeugen, meine Suppe auszulöffeln, wenn sie mal wieder nicht so gut schmeckte. Bumsfidel, das war der Horror meiner Kindertage: omnipräsent wie Tritop, grauenhaft wie BZN und geheimnisvoll wie Idi Amin. Ich wurde erwachsen, dachte nicht mehr an Bumsfidel, bis an jenen schicksalhaften Sonntag im Juni 2015:

Markus und ich hetzten morgen uns halb sieben zur Bank an der Wehrstrasse, wo sich die bremischen Radfahrer zur Anfahrt nach Barrien trafen. Wir wurden herzlich begrüßt mit einem lautstarken: „moin, rhabarber, rhabarber, rharbarber, grummel, grummel“ begrüsst und wollten schon losfahren…..

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Sonntag Morgens um halb Sieben an der Wehrstrasse: Where the fuck is Bumsfidel?

….. als jemand auffiel, das Bumsfidel noch fehlte. Bumsfidel –  ein leichter Schauer rieselte über meinen Rücken und die noch behaarten Teile meiner Beine richteten sich leicht auf gegen den Nieselregen auf. Ein gelber Schatten am Horizont: „Da kommt Bumsfidel endlich!“

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Nein, es war nicht Bumsfidel. Bumsfidel kam nicht und so setzten wir uns in Bewegung Richung Barrien.

Die Barrien RTF heisst offiziell, zumindest auf der Referenzseite aller RTFs in Norddeutschland, Helmuts Fahrradseiten: „Quer durchs Hachetal„. Ich finde die Bezeichnung „Tal“ etwas irritierend, denn sie impliziert das Vorhandensein von Bergen oder wenigstens Hügeln um das Tal herum. Die Hügel müssen sich aber bereits vor langer Zeit  gen Süden verpisst haben. Oder meinte jemand damit die Berge an Butterkuchen, die das eigentliche Highlight dieser RTF sind?  Erste Fehleinschätzung.

Die zweite war, dass wir recht zügig nach Barrien unterwegs waren. Ich dachte, das wird eine gemütliche RTF die ich im 30/33er Schnitt abrolle. Mein Image war etwa so:


Also, locker rum fahren, ab und an ein Baguette aus den extralangen Trikottaschen ziehen und abbeissen, ’ne Fluppe zwischendurch rauchen und dann volles abtanzen im Technoclub in Barrien, um die überschüssige Energie loszuwerden.

Aber alleine die Anfahrt dorthin ließ bereits den Verdacht aufkommen, das es schnell werden könnte. Also erst einmal eine rauchen, wenn das schon bei der Fahrt nicht möglich ist und sich vorher gut verpflegen. Es ist ja schon unglaublich, was die Dorfvereine um Bremen herum (Goldenstedt, Visbeck, Barrien etc.) für so eine RTF an Kuchen und Broten zur Verfügung stellen. Ich bin versucht mit Rad und Kinderanhänger anzureisen, den Damen am Buffetstand zuzurufen: „Ich kaufe alles, stellen Sie es mir bitte in den Anhänger und schicken Sie mir eine Rechnung.“ und dann auf dem Marktplatz in Bremen zu verkaufen – ich könnte reich werden.

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Alles in den Anhänger bitte, aber zapp zapp!

Aber ich bin zum radeln gekommen und nicht um Geld zu machen. Also nehme ich ein Leberwurstbrötchen, einen Kaffee und mache mir eine Mentholfluppe an. Eins von den RCB Mädels starrt mich mit diesem Blick an, den ich nur zu gut kenne. Es ist der Blick, den mein Vater hatte, als ich ihm nach dem Abitur sagte, dass ich nun eine landwirtschaftliche Lehre anfangen würde und den Lehrvertrag bereits unterschrieben hatte; es ist der Blick, den mir meine Frau zuwarf, als ich ihr nebenbei sagte, dass ich zu meinem Geburtstag alle meine ex-Freundinnen eingeladen habe. Ich glaube die Idee des Blickes kommt ganz gut rüber.

Aber wie gesagt, ich bin zum radeln gekommen und wir stellen uns am Start auf. Und nach einer motivierenden Rede durch den Verein geht es los. Und wie immer bei einer RTF fährt man dann gleich 45 km/h ohne das richtig zu merken. Das Feld zieht sich schnell auseinander und Markus und ich sind recht weit vorne in einer Gruppe mit vielleicht 20 Fahrer. Es ist kaum jemand dabei den wir kennen, aber die Gruppe macht gutes Tempo und wir hängen dran, als wenn es um unser Leben geht. Das heisst, ich tu das, Markus macht das sehr souverän. Irgendwie fehlt mir heute die Power, das liegt a) an der Zigarette b) an dem Basso Stahlrad, das heute den Vorzug vor der Carbonmöhre bekommen hat und c) an der Angst vor Bumsfidel. Vermutlich. Vielleicht reichen in meinem Alter fast 6.000 km Training auch nicht mehr aus, um eine RTF schnell zu fahren, ich weiß es nicht.

Bei der ersten Kontrolle nach noch nicht einmal 30 km fahren wir durch. Wir sind jetzt nur noch zu siebt und das Tempo ist immer noch hoch. Irgendwo an einem Hügel nach 41 km müssen wir abreissen lassen, vier sind vorne weg, und wir drei sortieren uns neu. Bis wir dann unvermeidlich von einer größeren Gruppe überholt werden, in der sich die meisten schnellen Jungs vom RCB befinden: Philipp, Sebastian, Stefan, Benjamin, Tobias.. habe ich jemanden vergessen? Nein, Bumsfidel ist nicht dabei. Mit der Truppe geht es dann auch schnell, aber vor allem wesentlich gleichmäßiger weiter.

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An der nächsten Kontrolle, nach etwa 60 km halten wir und fassen Butterkuchen, wie es sich gehört. Die korrekte Form der Nahrungsaufnahme bei dieser RTF ist der sogenannte „Barrienburger“: Zwei Stücke Butterkuchen, mit der Zuckerseite nach innen, so dass man sich nicht die Finger verklebt und mittendrin eine halbe Banane.

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Der klassische Barrienburger

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Die Freunden der Nahrungsaufnahme bei einer RTF, wenn man Strava eingeschaltet hat.

Es geht flott weiter, aber in dieser Gruppe macht es mehr Spaß zu fahren. Gleichmässiger, vielleicht etwas langsamer, aber es ist kein Problem mitzukommen und die Geschwindigkeit ist trotzdem hoch. Ruckzuck geht es durch das von hohen Bergen rechts und links umrahmte Hachetal.

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Durch das Hachetal: Links die Hachspitze und der Mont ‚ach, rechts hinter den Bäumen das Hacher Joch.

Die nächste Kontrolle ist nach ca. 103 km, ein etwas ungewöhnlicher Standort bei 115 km Streckenlänge, aber bitte. Es gibt keinen Grund für diesen Ort, da ist nur ein Haus und zwei nette Damen stehen da und verteilen Butterkuchen, den man nun nicht mehr wirklich will. Der Körper sehnt sich nach Bratwurst, Mettbrötchen und Gulaschsuppe – Hauptsache salzig. Die letzten zehn Kilometer sind dann höllisch gefährlich, da ist teilweise viel Sand und Schlamm auf der Strasse vom Regen am Vortag – da hätte aber noch mal ordentlich gekehrt werden können. Egal, das Ziel ist um die Ecke und wir haben es geschafft. Dort treffe ich Eddie Spezial und seinen Sohn Harry Spezial, der gerade seine erste RTF überhaupt gefahren ist. Überhaupt sind irrsinnig viele nette Menschen da die ich kenne und ich muss an meine erste RTF in Bremen überhaupt denken (RSC Gold), da kannte ich wirklich niemanden.  Ds ist schon gut wie sich das entwickelt hat und ich sollte mir das nicht zerstören, in dem ich jetzt fiese Dinge hier auf dem Blog schreibe. Dazu gibt es allerdings auch keinen Anlass. Die Stuhrer sind bereits da, Silke und Olaf, Klapp-Rabe, Cobra, Thorsten, etwas später treffen auch Caro, Tanja und Silke ein. Überall gibt es etwas zu erzählen und zu hören.

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Doch leider muss ich auch schnell wieder nach Hause, das Grauen in Form von „Chemiearbeit der Tochter am nächsten Montag“ steht vor der Tür.

Zuhause lade ich meine Daten auf Strava hoch (mit neuem Namen, um meiner Mitgliedschaft im RCOB Rechnung zu tragen) und definiere bei dieser Gelegenheit ein neues Segment über die gesamte Länge der RTF. Das Ergebnis ist recht interessant: Wie erwartet bin ich etwa genauso schnell wie Benjamin, mit dem ich zusammen gestartet und ins Ziel gekommen bin und immer noch ’ne halbe Stunde langsamer als die Schnellsten.

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Und ich bin 40 Minuten schneller als Sebastian, mit dem ich ebenfalls gleichzeitig gestartet und ins Ziel gekommen bin? Wie hat der das denn geschafft? Und wieso daddelt Thorsten mit 26 km/h wie auf einem Hollandrad rum und belegt den letzten Platz in der Stravaliste?

Clipboard01 Ich glaube, das ist die elektronische Frikassee-rache von Bumsfidel.

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International Drug Trade

This is a post I wanted to write for quite a long time.  Moving from Tokyo to Bremen in 2010 was quite a shock. Obviously not for Tokyo, that could easily neglect the loss of one of its 30 Million Kanto Metropolia inhabitants and also not for Bremen as well, that couls easily acommodate one crazy half-foreigner. Riding a bike in Tokyo is s much different from riding a bike in Bremen, it is almost like beginning to cycle all over again: Bremites ride on the right (or wrong side) of the road, there are many cycle lanes as oppoed to Tokyo where there are very few, the Bremen landscape is empty of any noticeable hills whereas the weather there is empty of any sun except for the summer (Juli 15th to August 3rd). On the other hand, there are also some similiarities. The most important one: After five years in Bremen I found many nice people to ride with and there is a pletora of offers to ride together almost every day of the week. And much to my surprise I found out that the Columbian drug cartel has established itself along major cycling roads in the vicinity of Tokyo as well as in Bremen. One of the favourite roads out of Tokyo for the Positivo Espresso team is a small, asphalted road along the Northern slopes of lake Tsukui in the West of Tokyo. The road is almost the first pleasant road after the urban sprawl of the Hashimoto/Sagami area and allows to avoid heavy raffic on national road #413 when riding out to Miyagase lake or other popular destinations. This isn’t a very long road and it doesn’t offer spectacular climbs or vistas, although the view on lake Tsukui is beautiful and at the vey hand one passes over the lake on a suspension bridge. I have seen Japanese monkeys in the surrounding forrest once but this is rather an usual event, Nevertheless this road is full of Positivo Espresso stories, for example a rode there once with James and Ludwig on my Cervelo racing bike and rode back on a single speedy. But by far the most interesting feature is the villa of the Columbian druglord that is situated about half of the distance.

The Villa of the Columbian druglord at lake Tsukui.

This is a spectacular building that arrived in the completely surprised landscape one day, although the owner tried to compensate the ladnscape by planting some palm trees along the road. For those who haven’t been to Japan yet, this is neither a traditional nor a very modern Japanese building so the only conclusion possible is that this indeed must be the villa of a druglord. When I checked with Google streetview I found out much to my surprise that the building is blurred – which is quite common in Germany but very rare in Japan; another indication that something suspicious must be going on behind its terracotta walls. For years a land rover was parked in front of it, I always assumed that this was the car to make a quick escape as it never seems to have moved. I guess almost every blogpost on the Positivo Espresso and this blog that reports about a ride covering this road has mentioned the druglord’s villa. The location, style and related story of this place seemd to me so particular, that for a long time I thought that this must be special, not to be encountered anywhere else in the world. This was my opinion until entered Delmenhorst the other day. Delmenhorst, a rather unimportant small city to the West of Bremen, home to some very nice people, offers once a year a good touring event. The main point of this tour is, that it doesn’t bother to stay close to Delmenhost for a long time; it rather leads out straight to Colnrade with its beautiful forrests and network of small, sleepy roads. However, when one enters Delmenhorst coming from Bremen, one sees this at the entry to the city.

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Columbian Drugloard’s Villa in Delmenhorst

After gaining abundant international experience in Tokyo, the only conclusion I can draw is that this is another outpost of the Columbian drug cartel as a) the style of the building is strinkingly similar b) the incorporation into the landscape as inconspicuous as in Tokyo and c) the location is close to a mayor cycling road.

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In addition one can see four huge garage gates which are not connected to the plastered driveway but have lawn in front of them. This treacherous terrain can only be crossed by all terrain vehicles so I assume there are some Landrover escape cars parked in the garages. The precise location can be seen at GoogleMaps.

According to some local rumours, the villa is owned by a local industrial that became rich by producing wooden toys but one should rather not believe such ridiculous stories.

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Philipp after the Delmenhost RTF,before trying to buy drugs

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Jona(s) und die Wa(h)l.

Endlich einmal eine vernünftig terminierte Saisonabschlussfahrt. Erstens bei herrlichem Wetter und zweitens um 12:00 Uhr beginnend. Und drittens, wie sich später herausstellte, ersparte man sich dabei die sinnlose Beschäftigung mit dem Nordderby.

Diesmal habe ich genau geschaut: Ganze 25 Minuten dauerte es, von dem Zeitpunkt der Entscheidung sich jetzt auf das Rausfahren vorzubereiten bis zu dem Punkt wo ich auf dem Rad sass und losfuhr. Man braucht im Winter einfach Zeit um sich zu entschieden wie kalt oder warm es draußen ist und was genau man anziehen will. Dann noch Pulsgurt, Uhr, Überschuhe, Laufräder austauschen, Lampen anbauen, Räder aufpumpen, Bremsen neu einstellen, Brille putzen …. nicht zu vergessen der Prozess des Entscheidens welche Musik dazu am besten passt, besser Nada Surf, the Damned  oder Presidents of the USA? OK, 15 Minuten später:  Nada Surf.

Auf dem Weg zum Treffpunkt sehe ich mindestens drei andere Rennradfahrer und denke mir: „Wow, das wird wirkliche ine große Gruppe werden!“. Am Treffpunkt bin ich dann auch nicht enttäuscht, neben Andreas, Jan, Caro, Tobias, Torben, Tanja und Lars kamen dann leicht verspätet auch noch Philipp und  Jonas und ganz viele andere die ich teilweise von anderen Fahrten her kannte und teilweise eben noch nicht. Leicht verspätet ging es los und wir fuhren in gutem Tempo den Deich runter Richtung Weyhe. Aber nicht allzu lange.  Jonas fuhr gleich neben mir, plötzlich wird er langsamer und ich sehe, wie unter seinem linken Fuß der linke Kurbelarm klebt aber leider ohne jegwelche Verbindung zum Rad.  Ich weiß nicht was dann bei andren Menschen im Kopf vorgeht, aber ich denke dann immer zuerst: „Ist das eine neue Trainingsmethode?“ Es gibt so viele ungewöhnliche Dinge, man denke z.B. an die Power Cranks, quasi Kurbeln mit Freilauf die immer „mitgezogen“ werden müssen.

Aber Jonas trainiert nicht mit neuem Spielzeug. Jonas trainiert gerade ganz ernsthaft anzuhalten, auszuklippen und sich dabei nicht auf die Fresse zu legen.

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Irgendwie versuchen wir seine FSA Hollowtec-II Kurbel zu reparieren.

 

Dummerweise fehlt diese Schraube da oben rechts neben dem linken Kurbelarm, die muss irgendwo unterwegs verloren gegangen sein. Und den Kurbelarm nur so zu fixieren ist halt sehr riskioreich. Was tun? Alle waren nett udn Jonas hat sich schon mit seinem Schicksal abgefunden die Tour abzubrechen und nach Hause zu fahren. Ich biete ihm an, eines meiner Räder auszuleihen und die anderen dann in Bruchhausen-Vilsen zu treffen. Das ist eben der Vorteil, wenn man eine Garage mit einer ganzen Reihe von Rädern hat. Und natürlich jede Menge Laufrädern. Und Bremsbeläge, Schläuche und und und, also im Prinzip wenn Gragae und Wohnung aussehen wie ein schlecht sortierter Radladen, dann hat man Stress zuhause aber viel Spaß auf der Strasse. Also, Jonas und ich sprinte zu mir nach Hause während sich die Gruppe Richtung Bruchhausen -Vilsen bewegt.

Eine lustige Situation, welches Rad soll ich nun Jonas in die Hand geben? Jonas ist noch nie Fixie gefahren, also wie wäre es z.B. mit meinem Nagasawa Fixie ohne Bremsen das im Wohnzimmer hängt mit der Beründung, sorry, die andere habe ich alle ausgeliehen?

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Oder das Mountainbike meiner Tochter und der Begründung: „Sorry, das ist das einzige, was ich in Deiner Größe habe!“

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Nein, das alles sind nur theoretische Gedankenspiele und ich drücke Jonas das Moser Leader AX Evolution zwischen die Beine.

Damit machen wir uns nun auf den Weg die anderen einzuholen. Wir haben insgesamt fast 40 Minuten Zeit verloren und treten nun so richtig rein. Jonas muss als Strafe Führungsarbeit leisten, vor allem wenn es gegen den Wind geht und die Hügelchen hoch, also quasi immer. Ruckzuck sind wir in Südweyhe und biegen nach Okel ab. Rechts und links schwirren die kleinen Ortschaften vorbei, wir treten rein bis den Maximalpuls erreicht haben und  sind nur beseelt von einem Gedanken: „Wir wollen unser Stück Kuchen in Bruchhausen-Vilsen.“ Okel…Gödestorf, ab und zu mach ich mich nun auch vorne lang… Wachendorf…Süstedt…Ortsnamen wie Produkte von Busch und Müller…Uenzen… und dann sind wir etwas auspumpt in Bruchhausen-Vilsen.  Die anderen sind schon da und geben lügen ganz höflich, dass sie maximal fünf Minuten vor uns angekommen sind. Nun gibt es auch endlich Kuchen; da wir ein ganzer Haufen Leute sind, essen einige von uns drinnen und andere sitzen draußen auf den Bänken. Unsere Räder stehen vor dem Laden, es sind viele und sie fallen auf.

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Unsere Räder. Also, bis auf den „Steppenwolf“ in der Mitte.

 

Der Steppenwolf gehört nicht zu uns, dass ist ein Pusher. Der Kuchen ist lecker und der Kaffee auch und die Atmosphäre nun entspannt. Philipp behauptet, dass aus dem Wasserhahn in der Herrentoilette Vilsa herauskommt. Das kann ich nicht so richtig glauben und probiere das aus.

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Stimmt überhaupt nicht. Was aber auf jeden Fall stimmt ist, dass bei der Pissoirspülung Vilsa Sportschorle Apfel-Grapefrucht eingesetzt wird. Zumindest schmeckt das ganz genauso.

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Wer mir das nicht glaubt kann das ja einfach bei der nächsten Ausfahrt dorthin nachprüfen.

Irgendwie ist ein wenig Unruhe da wegen dem Nordderby und weil dem Tag auch so früh das Licht ausgeht. In der großen Gruppe dann mit Rückenwind Richtung Bremen zu fahren ist auch deutlich weniger anstregend als alleine mit Jonas unterwegs zu sein.

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Sieht nach Sommer aus, war’s aber nicht.

 

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Und Sprint nach vorne zum fotographieren

 

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Vorne machen die Jungs Tempo und hinten ….

 

Die Rückfahrt ist wirklich angenehm, ich unterhalte mich hier und dort, mache ein paar Fotos und eh man sich versieht sind wir schon wieder auf dem Deich. In der Zwischenzeit ist dichter Nebel aufgezogen, zumindest in meiner Kamera, die ich nur lose in die Rückseite der Windjacke gesteckt hatte.

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Caro verteilt letzte Ferrero Küßchen im dichten Nebel

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Aufstellen zum Gruppenbild. Gar nicht so einfach bei Sichtweite Null.

Als sich der Nebel verzieht, wir uns endlich alle aufgereiht haben und ein Passant überzeugt werden konnte von uns allen ein Foto zu machen, funktioniert das Smartphone nicht so richtig. Wen ich das Problem richtig verstanden habe, war dieses Smartphone von seiner Besitzerin auf automatische Genitalienerkennung eingestellt. Mit anderen Worten, erst wenn alle 20 Genitalien von allen Teilnehmern gleichzeitig lachen oder grinsen wird ein Foto ausgelöst. Wie man sich aber einfach vorstellen kann ist es recht schwierig die Genitalien von 20 Leuten die gerade von einer langen Radtour zurückkommen und ständig auf zu kleinen Rennradsätteln gequetscht wurden, zum grinsen zu bewegen. Erst nach dem die Kamera auf den Modus „Mach jetzt ein Foto ist doch scheißegal wie“ umgestellt wurde, klappte es.

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So, danach verliefen sich die Teilnehmer in alle Richtungen und Caro zeigte mir dann noch eine sehr schicke Abkürzung nach Hause. Guter Tag, der mich aus meiner Herbstlethargie gerissen hat. Danke an alle die dabei waren und hoffentlich bald wieder zur Saisonstartfahrt am nächsten Wochenende.

Ach so, also 25 Minuten Vorbereitung zum fahren geht ja gar nicht. Hannes und ich möchten dem ein Ende machen und laden schon einmal für den 1. Januar 2015  um 08:30 zur Katerausfahrt ein. Bei der Ausfahrt dürfen nur Bibshorts and Sandalen und keine anderen Kleidungsstücke getragen werden. Frauen ist es erlaubt zusätzlich eine Pelzstola ersatzweise eine Federboa zu tragen.

[Danke für die Fotos]

Strecke auf Strava

 

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Very last exit Wilstedt.

Ein mir bekannter, rennradfahrender Zahnarzt bat mich nach der Ausfahrt heute Abend so schnell wie möglich darüber zu berichten. Ich will dem Wunsch gerne, dem Tempo der Ausfahrt entsprechend, entsprechen.

Sonnengebräunte Waden, Aeroräder, wilde Jerseys, windzerzauste Friseuren, einige Frauen und jede Menge Anfänger – die Komposition der Gruppe die sich heute an Jacques Weindepot in Borgfeld traf ließ erahnen, dass es nicht gerade langsam heute zugehen würde. Eigentlich wollte ich nach der Arbeit, die ja schon anstrengend genug ist, nur etwas auf dem Rad chillen. Chillen heisst, in der Gruppe so mit 33 km/h durch die Gegend zu radeln, sich links und rechts ein wenig zu unterhalten und die Beine von der Seele baumeln lassen. Ich meine, dass ist meine schon sehr ambitionierte Vorstellung von chillen, die sich zum Beispiel von der meines Sohnes (Cola, Tüte Chips und nachts bis vier Ballerspiele am PC) erheblich unterscheidet. Daraus wurde aber nichts, denn schon auf dem Weg nach Fischerhude begaben wir uns in eine Phase des Hyperchillens. Wir machten irgendetwas zwischen 35 und 40 Sachen, in der ersten Linie dadurch motiviert, die hinter uns kichernden Mädchen (Silke und Sylvie) zum schweigen zu bringen. Nachdem wir das Tempo stetig in den Grundlagenausdauerbereich 7 steigerten gelang dies auch, führte aber auch zu einem hechelnden Gesamtkunstwerk.

Ich wünschte ich hätte mein Canyon dabei gehabt, denn das Basso ist doch einen Tick langsamer und vor allem zwei Ticks unkomfortabler. Dies ist eine gute Gelegenheit es einmal zu zeigen denn an Photos machen war heute gar nicht zu denken: Keine Zeit und bei dem Tempo und dem Abendlicht wären die Ergebnisse eher Rohrschachmässig geworden.

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Schönes Rad, Danke. Etwas zu langsam für diesen Abend, ich hätte gerne für die nächste Ausfahrt etwas mit ungehemmter Elektrounterstützung.

Das Tempo wird dann nach Buchholz nicht langsamer, und auch nicht nach Vorwerk, und schon gar nicht Wilstedt. Bei jedem Ortsschild wurde gesprintet und ich strengte mich zwar an, konnte aber nicht mal annähernd vorne mitfahren. Bis auf einmal, da setzte ich mich überraschend von der Gruppe an und rief: „Wer als erster auf dem Friedhof in Wilstedt landet!“. Den gewann ich mit klarem Vorsprung, was auch an dem altersmässigen Vorsprung liegt der uneinholbar ist.

Richtung Grasberg wurden wir auch nicht langsamer, und auch nicht bei Grasberg, in Dannenberg, oder wo wir sonst so vorbeikamen. Was ich aber wegen Dunkelheit und Bewußtseinsveränderungen nicht mehr richtig mitbekam. Ein letzter Sprint für das Ortsschild in Timmersloh. Alle sind fertig also unternehme ich nun einen Ausreißversuch. Das klappt auch ganz gut, ich komme wir vor wie der Wümmen-Jens Voigt. Die Luft geht mir langsam aus, aber ich rufe einfach „Shut Up Lungs!“ Das machen die auch und ich bekomme noch weniger Luft und werde dann eingeholt und so geht es zurück bis zum Weindepot.

Was für eine Verschwendung? Ich hatte meinen GPS Logger nicht dabei und nichts von diesen Heldentaten wurde aufgezeichnet. Ich bitte um die Zusendung von GPX Files, die ich dann unter meinem Account bei Strava hochladen kann. Ansonsten: Gute, starke Truppe heute, fühle mich bestens gerüstet für Münster am Freitag und Danke an alle die mitgefahren sind.

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Last Exit Brooklyn. Nein Schnepke.

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Ist man zu fröhlich oder zu optimistisch über den Lauf der Dinge, dann ist es eine gute Idee „Last Exit Brooklyn“ von Hubert Selby zu leben. Braucht man nur einen schönen Sonntag, so reicht auch Last Exit Schnepke.

Trotz oder gerade wegen guten Wetter musste ich am Samstag arbeiten. Ich stand mit einem Kollegen im Autohaus Weller an der Weser und versuchte angehende Studenten davon zu überzeugen ihr Glück an unserer Hochschule zu versuchen. „Kann man bei einen Zahnarzt werden?“ Nein, wir haben nur Wirtschaftsstudiengänge.“ „Finde ich auch gut.“.

Am Abend gab es dann positive Abwechslung als Andreas sein Neri Romolo 2×2 bei mir abholte. Wir machten eine kleine Testfahrt durch die verwinkelten Wege um den Riensberger Friedhof und dann zeigte ich Andreas die Nordwestpassage durch die Schrebergärten zwischen Riensberg und der Parkstrasse. Schön war es, ein laues Lüftchen wehte durch die angenehn temperarierte Abendluft und in einer Laune des Übermuts versprach ich ihm am nächsten Morgen mit der therafit Gruppe um 9:30 zu fahren. Am liebsten auf meinem neuen Basso.

Ich weiß nicht welche Therafit Gruppe das war, es war mein erstes Mal. Waren das Frauen Anfänger 30plus? Oder Bremer Katholiken Ü40? Egal mit welcher Gruppe ich unterwegs bin, es sind immer die gleichen Frauen dabei (Silke und Caroline), nie irgendwelche Anfänger und ich bin vermutlich der einzige (ehemalige) Katholik. Und schneller als dreißig ist es sowieso immer.

Silke kam in rosa, Caroline im kleinen schwarzen, Jan war da, Sebastian auch, Andreas stieß später zu uns und die anderen waren mir neu. Bernd Rennies führte die Gruppe an Richtung Süden. Richtung Süden heißt, dass man erst einmal wie gewohnt Richtung Platzhirsch fährt, denn alle Wege, auch die Richtung Süden, führen über die Autobahnbrücke dort und den Deich dahinter. Über Borgfeld und Oyten und Achim kreuzten wir dann die Weser Richtung Werder und Schwarme. Irgendwie war ich nicht gut drauf, ich hatte ein wenig Richtung Luft zu bekommen; und da obwohl vorne fast ausschließlich Bernd fuhr und ich mein Puls recht niedrig war.

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Zuerst hatte Silke einen Platten. Da sie ja selbst in der Lage ist diese Dinge zu regeln, brauchte Sie quasi keinen Betreuungsaufwand und meine Hilfe wurde an sich nur beim pumpen benötigt. Ein paar Kilometer später hatte Jan einen Platten. Statt sich darum zu kümmern das Ding zu flicken, rief es nur: „Wo ist der mob?“ (ich stand genau hinter ihm), denn er verlangte eine mindest ebenso gute mechanische Betreuung, wie ich sie zuvor Silke gewährt hatte. Jans recht neuer Conti 4000S Reifen war hinüber, ein fieser langer Riss quer zur Fahrtrichtung durch die Seitenwand durch den man auf den Schlauch sehen konnte. Nicht gut und so entschloß sich Jan alleine auf den Rückweg zu machen. Er sollte halt doch besser einen Schwalbe Ultremo ZX verwenden. Oder auch nicht.

Die Gruppe, wir waren jetzt noch zu dreizehnt, machte sich dann weiter nach Bruchhausen-Vilsen und von dort aus an der Bahnstrecke lang wieder Richtung Norden. Wir machten einige lustige Abstecher durch den Wald, endlich war es auch ein wenig wellig und das fahren machte so richtig Spaß. Sollte dies wirklich das letzte Mal dieses Jahr gewesen sein?

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Und so kamen wir sviel zu schnell zurück nach Syke, Weye und dann am Deich entlang zum Weserwehr. Dort liess sich die eine Gruppe im Cafe nieder, doch auf mich warteten noch ein paar Aufgaben zuhause. Ich hatte auch gesehen, dass Philipp heute seinen neuen Carbonrahmen ausführen wollte; also machte ich mich mit dem neuen Panasonic auf den Weg zum Haus am Walde um das Wunderteil zu sehen. Und als ich ankam wartete es auch bereits dort.

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Wunder Aero Stevens von Philipp links, Wunder Nicht-Aero Panasonic von mir rechts. Noch weiter rechts: Sich wundernder Rennradfahrer.

Prima, damit war mein Tagwerk getan. Ich denke aber es macht Sinn in Anbetracht des anhaltend guten Wetters am Montag noch einmal zu fahren, am Freitag in Münster dann sowieso, ganz egal wie das Wetter ist: Bei schönem Wetter mit dem Basso, beim schlechten nun mit dem Panasonic.

Strava von heute.

Danke an alle die mitgefahren sind.

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Fotos von der Weserrunde

Noch zwei Stück aus dem Ärmel: Auch als Fisch kann man die Weserrunde mitffahren. Da man dann naturgemäß den Sattel Richtung Lenker herunterglitscht, empfiehlt es sich die Sattelstellung entsprechend anzupassen.

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Heldenfoto zum zeigen und erzählen entsprechender Epen zehn Jahre später:

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RTFs im Testvergleich: Große Weserrunde vs. Lauenau

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Vorsicht, Beitrag enthält Weser.

An den letzten beiden Wochenende hatte ich das Vergnügen an zwei RTFs teilzunehmen. Doch welche ist unterm Strich besser gewesen? Große Weserrunde und RTF Lauenau im streng wissenschaftlich-analytischem Vergleich.

Die Auswahl der Vergleichskriterien für Produkte der Serviceindustrie ist ein komplexes Unterfangen über dass sich die Forschung bislang nicht einig ist. Diverse Forschungsergebnisse, beispielsweise Groeninger [2017], Oehm [1897] oder Matze [2020] bestätigen dies, auf eine einheitliche Definition von Mindestkritierien kann sich nicht festgelegt werden. In Anlehnung an Boertz/Döring [2014] die in jeder empirischen Arbeit erwähnt werden müssen, wird der gegebenen Komplexität durch eine angemessene Chaotik in Methodik und Durchführung Rechnung getragen. Zahlenmässige Angaben in Form von arabischen Zahlen wurden nach Dilbert [1999] ermittelt und bewertet.

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Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, wurde die Einführung an dieser Stelle beendet und mit dem Vergleich begonnen.

1. Anreise

Große Weserrunde

= große Anreise. Treffpunkt morgens um 4 Uhr am Bahnhof. Zumindest gibt mir dies die Gelegenheit meinen 14 jährigen Sohn zu treffen, der sich zum Zeitpunkt des Frühstückens auf einem Ausflug in die Küche begibt, um Nahrung für seine nächtlichen Onlineballerspieleskapaden zu beschaffen. Im Zug dann in einem Abteil mit dem was Bremer Clubs eben so Samstags Morgens um 4 Uhr ausgespuckt haben und nun auf dem Weg zurück in die Provinz ist. Neben uns sitzt ein Typ der den Abfallkorbdeckel öffnet um herreinzubrechen, ein angesichts getrübter Zielgenauigkeit hoffnungsloses Unterfangen. Tobias kann ihn gerade noch überreden die Toilette zu benutzen, wir hören ihn würgen und kotzten noch bevor sich die automatische Tür wieder schließt. Leider die Kamera nicht rechtzeitig zur Hand gehabt.

Da die Bahn von sechs bis neun einen Streik angekündigt hat zittern wir dann in der S-Bahn an jedem Bahnhof zwischen Wunstdorf und Bückeburg ob der Zug wieder anfährt oder eben nicht wieder. Doch Lokführer sind auch nicht doof, wer will denn schon am Samstag morgen in Haste drei Stunden rumsitzen, da haste nix von. S-Bahn fährt zum Glück weiter bis nach Bückeburg wie geplant. Von dort aus über einen ersten Berg nach Rinteln.  Im dunkeln konnten wir den zum Glück nicht sehen, wären sonst vermutlich wieder umgekehrt. Das Ausmaß unserer Leistung wird erst auf dem Rückweg erkennbar.

RTF Lauenau

Der Wecker klingelt um 6:45 Uhr. Dann wird klar dass es nicht der Wecker ist sondern ein Anruf von Hannes, der mich fragt wo zum Teufel ich denn bleibe, denn wir wollten mit seinem Wagen um 6:30 Uhr bei ihm losfahren. Anziehen und frühstücken wird ein wenig hektisch, aber dann fahren wir in Seelenruhe nach Lauenau wo wir 1 1/2 Stunden später bei guten Wetter ankommen. Nervend: Gang vom 80 Meter entfernten Parkplatz zur Anmeldestelle im Schwimmbad – das kostet ein paar Körner.

2. Begleitung

Große Weserrunde

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Mit Philipp, Jonas und Tobias im Zug. Gute Stimmung wie üblich. In Rinteln warten dann auch noch Jan und Sebastian auf uns; wir bekommen eine eigene Startzeit und radeln in unserer Gruppe los. Recht schnell wird klar, das ich der langsamste von allen bin, was dann dazu führt das sich relativ entspannt am Ende der Gruppe vor mich hingurken darf. Ein paar Mal, insbesondere an Anstiegen falle ich hinten raus, aber oben oder bei der Abfahrt warten alle immer nett auf mich, einpaar Mal zieht mich Tobias wieder an die Gruppe ran (Danke). Insgesamt klappt es aber sehr gut und der Leistungsunterschied ist auch nicht so signifikant. Ganz am Ende kneife ich dann vor der Route durch die Berge von Aetzen (Aerzen) und ziehe es vor mit den neu gewonnen Küs Freunden an der Weser und somit am Atomkraftwerk nach Rinteln zu fahren. Keine Nennung des Wortes Atomkraftwerk ohne einen Link zu S.Y.P.H.s Industriemädchen.

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RTF Lauenau

Allein auf weiter Flur mit Hannes, kein Bremer verirrte sich nach Lauenau – doch ganz am Ende sehen wir einen im Trikot vom RCB. Eigentlich sollten noch Eddie und seine Frau mitkommen, die aber in letzter Stunden absagen. Da wir viel zu spät für den Start gekommen sind fahren wir quasi die ganze Strecke alleine. Gestählt durch die große Weserrunde bin ich in Bestform. Hannes darf ab und an vorne im Flachen Führungsarbeit machen, aber auf den Anstiegen und Abfahrten gebe ich zur Abwechslung mal das Tempo vor.  Auch nicht schlecht. Irgendwann überholen wir eine Gruppe gelber Visbeker und ein Mädel hängt sich an uns ran, muss aber dann wieder auf ihre (lahmeren) Jungs warten. Sonst lernen wir leider niemanden neu kennen. Mit Hannes fahre ich aber sehr gerne, da wir das gleiche Maß an Anstrengung und an Nicht-Ernsthaftigkeit in unsere Touren legen.

3. Strecke

Große Weserrunde

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Die große Weserrunde ist nicht ausgeschildert und da ich immer noch nicht im Besitz eines Garmins bin, bin ich auf Gedeih und Verderb meinen Garminausgestatteten Freunden ausgeliefert. Nicht, dass dies ein Problem wäre und auch das Routing mit deren Garmins funktioniert ausgezeichnet. Ich würde mir ja auch gerne einen Garmin kaufen, finde aber, dass diese sich von der Nutzerfreundlichkeit irgendwo zwischen einem Commodore 64 und einem IBM386 mit MS DOS bewegen: XCOPY C:\Test\ A: . Und seitdem Bedienungsanleitungen länger als 20 Seiten sind und nicht mehr auf Papier gedruckt werden, lese ich diese ungern – kein Zeit dafür.

Ansonsten gibt es bei der Weserrunde über die Streckenführung nichts zu meckern. Ab und an werden doch arg kleine Wege und Abkürzungen benutzt, in Hameln fahren wir einmal über die Terasse eines Biergartens und verfahren uns gleich anschliessend. Es geht fast immer recht dicht an der Weser entlang bis auf zwei Abstecher in die Hügel, einmal auf der Hinfahrt nach Hannoverisch Münden und einmal auf der Rückfahrt von Polle nach Aerzen. Da gibt es denn eine alternative Strecke, die sich aber im nachhinein auch als länger herausstellt. Über 300 Kilometer kommen so einige Höhenmeter zusammen, bei so einer Distanz bin ich dann auch froh, dass es nicht zu viele wurden. 300km sind lang und länger als Lauenau. Das hat den Vorteil, dass man anschliessend viel zu erzählen hat. So lange Distanzen bin ich bislang selten gefahren; Tokyo-Itoigawa Rennen 2008, etwa 290 km in etwas mehr als 10 Stunden auf dem Rad und 12 Stunden insgesamt und mit vielen, vielen fiesen Höhenmetern und Ampeln. Yokohama – Hamamatsu 2010 ähnlich lang und hart. Aber seitdem ich zurück in Deutschland bin, bin ich nur selten mehr als 200 km an einem Stück gefahren. Jetzt gibt es wieder viel von Heldentaten zu berichten.

RTF Lauenau

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Quasi direkt nach dem Start geht es mit den Anstiegen los. Die Strecke ist gut ausgeschildert in den Farben des ausrichtenden Radklubs Victoria Lauenau. Bereits nach 50 km haben wir fast 800 Höhenmeter in den Beinen. Die erste Abfahrt ist auf einer sehr schicken und schnellen Landstrasse und endet etwas abrupt und gefährlich an einem T Stück ohne Vorwarnung. dann geht es wieder in kleinen Wegen weiter hoch. Teilweise sind die Steigungen recht giftig und es fällt mir schwer alles im großen Kettenblatt abzuarbeiten – aber zunächst geht es noch. Die Landschaft ist jedenfalls großartig, viele Hügel, Wälder, einzelne Bauernhöfe hier und da und das alles bei sehr gutem, sonnigen Wetter aber auch nicht zu heiß. Eine Gegend zum verlieben – man möchte noch einmal 20 sein und neu anfangen, am besten gleich in Tevenhausen. Obwohl heiraten, Kinder großziehen etc. sind größtenteils vollbracht und wenn ein Drehen zurück an der Uhr dies wieder nach sich ziehen würde dann vielleicht doch eher nicht. Bei Tevenhausen fahren wir einen Teil der Strecke zwei Mal. Dazu kommen ab und Radfahrer entgegen, vermutlich von der Marathontour. Das ist etwas irritierend aber wir lassen das nicht zu. Raus aus de Kalletal zurück an die Weser  setzen wir bei Großenwieden mit der Fähre über. Das ist originell und kann nicht jede RTF bieten. An der nächstgelegenen Verpflegungsstation klärt und ein älterer Herr mit noch älterer Team Telekom Mütze auf, dass wir nun die Auswahl zwischen zwei Strecken zurück nach Lauenau haben: Die flache Alternative, oder noch einmal den Berg hoch zur Schaumburg und weiter zur Paschenburg.

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Das wollen wir natürlich unbedingt, einmal das Palais Schaumburg sehen! Oder einmal Palais Schaumburg sehen? Die Steigung zieht noch einmal ordentlich an und bringt mich letztlich auf das kleine Kettenblatt. Danach eine super Abfahrt bis fast nach Lauenau rein. Streckenplanung also super, fast keine Bundesstrassen, viele Anstiege auf kleinen Strassen, viele Abfahrten auf geräumigen Alleen. Aber eben auch schon nach 150 km zu Ende.

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4. Verpflegung

Große Weserrunde

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Verpflegungsstationen etwa alle 50 km. Manchmal gibt es nur eine Cola und einen Stempel aber fast alle Lokationen sind großartig. Der Campingplatz Himmelspforte direkt hinter dem Regipswerk Bodenwerder wird mir auf ewig in Erinnerung bleiben: “Es ist verboten warmes Wasser von den Toiletten mitzunehmen”. Es ist vermutlich auch verboten kalt in die Becken zu pinkeln. Dicke Holländer in frottierten Bademanteln kommen wir aus den Waschräumen entgegen. Irgendjemand hat doch die Uhr zurückgestellt, oder?  In Holzminden eine Blockhaushütte namens „Hafenbar“. Ich denke an Ford Capri, Batida de Coco, Tritop und wilde Wodka Parties kurz hinter Tschernobyl mit Alwin und Peter. Dier Verpfelegung ist OK, das Mittagessen in Hannoversch Münden auch udn die einzige Gelegenheit mal mit ein paar anderen Leuten zu sprechen. Wir treffen zwei Zigarrenliegeradfahrer und unterhalten uns mit ihnen, der eine fährt ein Cabrio, der andere vollverkleidet. Ich stelle mir vor, wie sein Cabrio bei Regen vollläuft und nur noch der Kopf vom Kinn aufwärts aus dem Wasser in seiner Kiste hervorragt. Die übrigens auch nicht leicht ist: 36 kg wollen bewegt werden, vor allem den Berg hoch. Das Boothaus in Beverungen ist auch so eine Zeitkapsel. Wie hat das alles überlebt aus den Siebzigern?

Der letzte Rast in Polle ist der Hit: Wir sitzen auf einer Terasse auf einem Campingplatz an der Weser und bekommen Getränke, Kaffee und vor allem Erdbeerkuchen umsonst.Eigentlich wollen wir gar nicht mehr weiter und wünschten uns Torsten wäre mit seinem Eifelland Wohnwagen da. Am Ende dann auch noch Essen am Start. Alles wirklich gut organisiert.

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„Ein Salamibrötchen bitte“ „Das macht 50 Cent.“ Eigentlich möchte man ja dann sagen: „OK, geben Sie mir alle, ich verkaufe die am Montag vor der Uni für ’nen Euro“ aber wir sind fürs Radfahren und nicht für den Profit gekommen. An der ersten Station in Hemeringen nach ca. 30 km beisse ich in zwei leblose und labrige Waffeln bevor Hannes mir sagt, dass hier besonders das selbstgemacht Rosinenbrot zu empfehlen ist. Das ist wirklich gut. es gibt quasi alle 25 km eine Verpflegungsstation und so brauche ich nur einmal auf einen Riegel zurückzugreifen. Rosinenbrot gibt es überall. Bananen, Obst, Müsliriegel, nichts außergewöhnliches aber eben gut für eine RTF. Am Ende gibt es dann noch gegrillte Bratwurst und Kuchen. Der ist aber leider schon fast weg, da wir zwei Stunden nach der Meute gestartet sind und uns viel Zeit gelassen haben.

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5. Rückfahrt

Große Weserrunde

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Sebastian meinte, dass wir es locker im hellen wieder zurück nach Bremen schaffen. Schummerig wurde es allerdings schon auf der Rückfahrt nach Bückeburg. Die Bahn brachte uns dann einen weiteren, langen Aufenthalt in Wunstdorf ein, dummerweise war da dann auch schon lange das Shoppingcenter im Bahnhof geschlossen (bereits seit 14 Uhr!). So gegen 23 Uhr war ich zuhause, ein 19 Stunden Abenteuer.

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Nicht Herr Sato.

RTF Lauenau

Hannes fährt, wir quatschen und nach ca. 1 1/2 Stunden setzt er mich netterweise zu Hause bei mir ab.

Fazit

Beides lohnenswerte RTFs, dieses Jahr haben wir neben diesen beiden auch wieder die Adlerrunde, der rote Fuchs und die Delmenhorst RTF gefallen. Visbek war auch nicht schlecht und auch Barrien. Bramsche fand ich nicht so doll. Schade, dass nun alles vorbei ist bis zum nächsten Jahr – aber wenn das Wetter gut ist, dann fahre ich noch den Münsterland Giro. Welche war nun besser? Keine Ahnung.

Handlungsempfehlung

Die Untersuchungen machen klar, dass eine Beurteilung der Qualität von RTFs anhand von standardisierten Kriterien nur dann eine signifikante Aussage haben kann, wenn die Anzahl der untersuchten Objekte deutlich erhöht wird. Aufgrund dieses Untersuchungsergebnisses wird empfohlen weitere Analyse in kommende Forschungsvorhaben einzubetten um auf der Basis gesicherter statistischen Erhebungen Aussagen zu treffen, deren mittlere Standardabweichung einen gewissen Grad von Allgemeingültigkeit zulässt.

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Kein Zusammenhang. Schafft aber auch bestimmt 51,151 km in der Stunde.

Der Autor dankt seinen Mit-fahrern und -forschern.

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Gestern Nachmittag am Atomkraftwerk mit den Küs

IMGP0542Gestern war die „Große Weserrunde„, eine RTF über 300 km von Rinteln entlang der Weser nach Hannoversch-Münden und auf der andren Weserseite wieder zurück. Demnächst schreibe ich ein wenig mehr darüber. 

Nach etwa 240 km, am Campingplatz in Polle haben wir uns getrennt, ich bin mit den Küs die alternative Strecke entlang der Weser gefahren (länger aber weniger Höhenmeter) und die anderen haben die Strecke durch die Hügel über Aerzen zurück nach Rinteln genommen. Plötzlich tun sich die Wälder vor uns auf und geben den Blick frei auf das Atomkraftwerk Grohnde. 

As AKW Grohnde sieht aus wie ein AKW in Deutschland eben aussieht, aber eben nicht alle AKWs in der Welt: rund.

AKW Grohnde

Währenddessen zum Beispiel ein japanisches AKW  eher eckig ist:

Ich hatte dieses runde Element völlig vergessen, für mich war es wie eine Zeitreise in die Siebziger, als AKWs und NATO Aufrüstung die beherrschenden Themen der Zeit waren. Insofern war dieses AKW auch der Höhepunkt einer Radzeitreise in die Vergangenheit, denn auch die Campingplätze und Orte entlang der Weser an denen wir vorbei kamen und Rast machten sahen aus wie eine Miniaturwelt der Siebziger Jahre: 

Fast 300 km lang gab es, von dem AKW, einer Regipsfabrik direkt am Campingplatz Himmelspforte, der Porzellanmanufaktur Fürstenberg im Ort gleichen Namens und einem Gebäckhersteller namens „XOX“ (deren widerliche Kekse es bei alten Leuten in meinem Familienkreis zu Kaffee gab) keinerlei nennenswerte Industrie.

Das beste waren allerdings die zahlreichen Campingplätze mit angeschlossenen Ausflugslokalen die wir angefahren haben. Während heute fast jedes Restaurant oder Cafe „Country Club Quelkhorn“ oder „Wellness Terrasse Wilstedt“ etc. heißt, gab es dort kein einziges englisches Wort zu lesen, selbst die Verbotsschilder waren auf Deutsch und wiesen in der strengen Sprache der Fünfziger darauf hin was alles nicht erlaubt ist: „Es ist verboten warmes Wasser von den Toiletten mitzunehmen“. „Besuchen der Gäste des Campingplatzes nur gegen Gebühr“. Das ganze garniert mit aberwitzigen Fliesen, Möbeln aus der Wirtschaftswunderzeit, Gardinen wie aus „Madmen“ und Wimpeln und Pokalen mit dicken Staubschichten.

Ich fühlte mich auf einmal sehr jung. Nach dreihunter Kilometer war dieses Gefühl komplett verfolgen und ich fühlte mich nur noch sehr alt.

 

 

 

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