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Berlin Velothon 2017. Kann sein, dass scheiße wird.

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Man, war ich gespannt auf den Velothon dieses Jahr! Nicht auf das Rennen, daran habe ich schon sechs Mal teilgenommen. Aber allein die Frage, ob es mir gelingen würde rechtzeitig und mit Rad per Bahn anzureisen, war schon irre aufregend.

Achtung: Wem außer Rennradrennen nichts interessiert, fange nach 1637 Worten weiter bei „Staccato“ an zu lesen.
Sicherheitshalber rechnete ich noch einmal nach: Bei der Rückfahrt von der Tecklenburgrundfahrt nach Bremen brauchten wir letztens für etwa 144 km Strecke insgesamt fünf Stunden Zeit. Das ist etwa eine Stunde länger, als der schnellste Fahrer am Sonntag für die 180 km des Velothons benötigte. Mal sehen, die Deutsche Bahn käme mit so einer Leistung auf den 363. Platz von 505 Teilnehmern, direkt vor dem sympathischen Teilnehmer aus Samoa.

Das machte umgerechnet für die 398 km von meinem Haus zum Brandenburger Tor etwa 13:49 h. Und da die Entfernung ja wesentlich länger ist, ein IC benutzt werden muss und es in die Hauptstadt der bösen Bahn gehen sollte, kommt da noch ein Risikofaktor von 1:x drauf, eine riesige Standardabweichung und überhaupt: also meiner Schätzung nach sollte ich am Freitag um 14 Uhr in Bremen losfahren, damit ich pünktlich am Sonntag um 7:30 Uhr am Start stehen konnte ohne ein Risiko einzugehen.

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Overtüre: Kann sein, dass scheisse wird.

Und so stand ich an der Bahnsteigkante in Bremen, stieg in den Zug und kam pünktlich um 18:27 h in Berlin an. Also, sogar am gleichen Tag! So ein Mist, wer konnte denn mit so etwas rechnen? Ich hatte Decken, genügend Wasser, Trockenkekse für drei Tage, Malariatabletten, meine drei Lieblingsbücher und eine Kettensäge dabei, nichts davon wäre nötig gewesen.

Ja, manch einer mag hier lachen. Also wegen der Kettensäge, meine ich. Aber im Januar 2007, als sich der Orkan Kyrill formierte und Deutschland für 24 Stunden lahmlegte, da sass ich im letzten IC aus Magdeburg Richtung Hannover, als dieser etwa bei Helmstedt mitten in der schwarzen Nacht stehenblieb und sich nichts mehr tat. Nach ca. 30 Minuten machte der Zugführer endlich eine Durchsage und klärte die Fahrgäste darüber auf, dass Bäume auf der Strecke liegen, und nun die lokale Feuerwehr gerufen würde, um diese zu entfernen. Erstaunlich kurze Zeit später fuhr der Zug jedoch wieder, um dann nach 5 Minuten erneut zum Halten zu kommen. Darauf folgte die nächste Ansage des Zugführers:

„Wir bitten den Fahrgast mit der Kettensäge, noch einmal zur Spitze des Zuges zu kommen.“

Seitdem, habe ich zumindest immer ein Schweizer Messer dabei, wenn ich mit der Deutschen Bahn fahre.

Ich hätte nun mit meinen Freunden und Mark, einem Amerikaner, der nicht nur Architekturprofessor in Harvard ist und seit mehr als 25 Jahren Kathrin und Fabian, meine Gastgeber, kennt, sondern auch noch, wie wir erst kurz vorher herausfanden, mit David von Positivo Espresso in Tokyo zusammen ins College ging, in die Berliner Philharmonie gehen können um Strawinsky, Berlioz und Ravel zu hören. ich wollte die maximale Strapazenbelastung an einem Wochenende nicht unnötig erhöhen; schließlich sollte ich noch auf das Konzert der Fundamentals gehen und dann auch noch am Sonntag 60 km Radfahren. Da darf man kein Risiko eingehen.

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Fabian, Mark und ich. Nur David fehlt.

Fabian hatte dieses Jahr übrigens echt hart trainiert für den Velothon. Er ist extra nach Japan geflogen, um mit David zusammen die klassische Positivo Espresso Strecke am Tsukui See zu fahren.

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Architekturelles Preludio

Also verbrachte ich den Abend zuhause und nach einem guten Frühstück am nächsten morgen machten Fabian, Mark und ich uns auf unseren Rädern auf eine architektonische Kreuzfahrt durch Berlin. Ich weiß nicht mehr genau worum es ging, da ich ja nur Bauingenieur und kein Architekt bin, aber wir stoppten vor einem Haus und Fabian sagte: „Rate mal von wem das ist? Das ist ein spätes Werk von?“ Mark sagte dann ein paar Namen, die für mich klangen wie die Bandmitglieder von Electric Light Orchestra aber alle falsch waren und dann sagte Fabian „Peter Cook!“ Worauf beide dann anfingen zu stöhnen:
Nein, echt jetzt? Das ist doch nicht wahr!“ „Leider doch!“ „Sad. Loser. Very confused.

Peter cook

Sad. Loser. Very confused.

„Confused“ ist übrigens das Lieblingswort von Architekten, wenn es gilt schlechte Gebäude aus den Achtzigern abzustrafen. Ich sah da bestenfalls den Bauch eines Architektens. Dann kreuzten wir zu einem Gebäude von Zaha Hadid, weltbekannte Architektin, Mutter von Gigi und Bella Hadid und, seit neustem jetzt auch tot. Das hatte eine rostfreie Fassade. Gute Idee. Allerdings auch nur so lange, wie die Schrauben, mit denen die Fassadenplatten befestigt sind, ebenfalls aus rostfreiem Material bestehen. Also, denke ich mal so als Bauingenieur. Die Architekten freuten sich jedenfalls und riefen abwechselnd „Ah“, „Oh“ und „Pure Genius“

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Pure Genius Schrauben

Anschließend kreuzten wir zum Anhalter Bahnhof und dem neuen Park am Gleisdreick über den ich auch mit viel Sarkasmus nicht mehr sagen kann, als dass er wirklich sehr gelungen ist. Und so viel besser als den einzigen anderen Park in Berlin den ich kenne, und zwar den aus Görlitz.

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Trasse nach Görlitz

Dort gibt es einen roten Wohnblock von einem Berliner Architekten, Robert Neun. Verzweifelt versuchte ich ein Muster in der Fassade auszumachen. Sie sah aus wie ein großes Tetrisspiel, in dem alle Steine die gleiche rote Farbe haben und trotzdem nicht zusammenpassen. Neben mir wieder jede Menge Ahs und Ohs.

robert neun

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Dann durften wir endlich zur Rennanmeldung am Brandenburger Tor fahren, vorbei an der britischen Botschaft. Ich schlug vor, dass den Briten dieses Botschaftsgebäude nach vollzogenem Brexit entzogen werden sollte; sie könnten zum Beispiel die Gebäude mit der Botschaft von Mazedonien tauschen.

Wir wollten nur schnell ein paar technische Probleme beheben und mussten dazu zum Stadler Stand die uns wirklich sehr schnell, nett und effektiv halfen. Dann kurz zur Anmeldung, um die Startnummern einzusacken. Ich hatte ja 52 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit angegeben, um auf jeden Fall in Block A zu landen. Umso größer war meine Überraschung, als ich auf meine Startnummer schaute und dort „G“ stand. Das G steht nicht für „Ganz Vorne“ sondern für „Ganz hinten“, wie sich dann herausstellte der letzte aller Blöcke. Warum nur, warum? Jetzt durfte ich mich erst einmal schlecht gelaunt in die Schlange am Helpdesk einreihen. Nach einer halbe Stunde des Wartens wurde mir dann erklärt, dass ich mich zu spät angemeldet hätte und dass alle Teilnehmer, die die Deadline versäumt hätten in den Block G kommen würden (Der dann auch deutlich voller war, als die Blöcke davor.),

Plädoyer an die Eisenmänner

OK und also: Liebe Velothon-Macher. Ja, ich weiß, dass stand alles im Kleingedruckten auf der Website und ihr seit euch keiner Schuld bewusst, da ihr genau nach Vorschrift gehandelt habt. Und es ist ja auch klar, dass der Velothon eine kommerzielle Veranstaltung der IRONMAN Germany GmbH ist und damit Geld verdient werden muss. Deshalb müssen die Angestellten da auch keinen Kuchen backen und den für einen Euro verkaufen, so wie das die Dorfvereine bei einer RTF machen. Alles klar. Aber deswegen müsst ihr auch mehr Kritik vertragen, als ein Dorfverein bei dem alle freiwillig mitmachen und kein Geld verdient wird.
Ich zahle euch 90 € um 60 km Rad zu fahren, ihr bekommt von mir mehr Geld pro Kilometer als der öffentliche Nahverkehr, UBER und genauso viel wie ein Taxi in Berlin wenn es mehr als 7 km fährt. Und dafür, finde ich, kann ich auch einen gewissen Service verlangen. Zum Beispiel, dass ihr in der Lage sein solltet, wenn sich jemand drei Wochen vor dem Rennen angemeldet hat, ihm den gewünschten Startblock zu verpassen. Und wenn ich 52 km/h angebe, dann ist ja wohl klar, dass ich in den Startblock A möchte, oder muss ich erst Schall- oder Lichtgeschwindigkeit schreiben damit das klar wird?

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Gähnende Leere

Übrigens bin ich nicht der einzige, der euer Preis/Leistungsverhältnis nicht so toll findet. Ich habe gerade mal in den Ergebnislisten nachgeschaut, wie viele Teilnehmer dieses Mal auf der 60er, 120er und 180er Strecke insgesamt angetreten sind, und zwar etwa 7.600. Klingt ja erst einmal gut, aber letztes Jahr waren es noch über 9.000. Und 2012 sogar fast 12.000 Teilnehmer. Da läuft was falsch, wenn ihr innerhalb von fünf Jahren ein Drittel eurer Kunden verliert.

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Rennvorbereitung mit Kathrin.

Furioso

Ich befand mich in einem seltsamen Zustand aus Schock, Enttäuschung und Motivation. Ich war gut in Form, wollte ganz vorne mitschwimmen und das geht nun mal nur im A-Block und jetzt G??? Dafür war ich nach Berlin gekommen? Sollte ich nun trinken gehen, mein Leben beenden, oder jetzt erst recht „against all odds“ einfach durch nach vorne fahren? Oder, hatte ich ja auch schon gemacht, mich einfach in Block A stellen, um dann im nachhinein disqualifiziert zu werden? Oder Fabians Startblock A Startnummer nehmen und ihm eine Superzeit verpassen?

Aber nach einer Weile freundete ich mich mit der Idee aus Block G zu starten an. Ganz hinten zu starten hat nämlich einen großen Vorteil: Man kann jede Menge anderer Teilnehmer überholen. Block A ist eher wie eine RTF, die ersten 10 km voll ballern, aber spätestens am Anstieg des Spanndauer Damms haben sich dann die Gruppen gefunden und es ist nicht mehr möglich alleine von einer Gruppe in die nächst-vordere zu sprinten. Man fährt das Ding dann in seiner Gruppe zu Ende, am Schluss darf man noch ein wenig sprinten. Sad. Loser. Covfefe. Mit viel Glück kommt eine schnellere Gruppe von hinten vorbei, man hängt sich dran und fährt dann das Ding zu Ende, aber es ist relativ langweilig, da man nicht mehr gewinnen kann, sondern nur noch verlieren – nämlich wenn man aus der Gruppe herausfällt.

Aus Block G heraus ist das komplett anders, man kann quasi bis zum Ende andere Teilnehmer überholen. Ich möchte ja sogar behaupten, dass das Überholen das Beste am Rennen ist (und das schlechteste überholt zu werden), ganz egal wievielter man wird. Das weiß man ja erst nach dem Rennen. Aber das Gefühl, dass man im Rennen hunderte von anderen Menschen (die jünger sind, bessere Räder haben, besser aussehen oder irgendwie anders unfair sind) überholt hat, das baut sich beim Rennen auf und macht den Spaß bei der Sache aus.

Ich hatte meinen inneren Frieden gefunden.

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Nun ging es aber auch schon zum nächsten Höhepunkt in die Likörfabrik und Weinhandlung Leydicke in der Mansteinstrasse, dem Berghain der Ü50. Dort sollten „The Fundamentals“ zum Tanz aufspielen. Fabian spielt dort Bass und hält die Truppe zusammen mit Charly, dem Schlagzeuger auf Kurs. Der Rest schrammelt auf Gitarren und Keyboards oder singt. ich wünschte, ich würde in Berlin wohnen, könnte das mein Wohnzimmer nennen und mich jeden Abend hemmungslos amüsieren, ohne am nächsten Morgen Radfahren zu müssen.

Staccato

Wir fuhren von Fabians Büro, vorbei am Kumpelnest 3000, wo noch die letzten Kumpels mit der Flasche in der Hand standen, zum Start. Vorbei am A, B und C Block, dann um die Ecke, vorbei am D, E und größtenteils leeren F Block und kamen am letzten, dem G Block an. Obwohl wir sehr früh da waren, war der so voll, dass wir gar nicht in den Block herein konnten, sondern uns auf die Straße zwischen Block und dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas stellten.

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Dort mussten wir – Fabian, Anselm, Johannes und ich – dann ziemlich lange warten; der Plan war dass Block G um 7:50 Uhr auf die Reise geht, tatsächlich ging es dann erst um 8:05 h los. Das ist immer derselbe Mist, man steht lange im Block, bewegt sich kaum und ist nicht genug aufgewärmt, um nun gleich volle Power zu leisten. Das muss man aber, am ganz schnell aus dem Gedränge im Block wegzukommen und eine schnelle Gruppe zu erwischen. Obwohl, in Block G ist das nicht unbedingt nötig. Wie ich das bei Alain Raposo gelernt hatte drängelte ich mich bereits vor dem offiziellen Start so schnell wie möglich nach vorne, Fabian in meinem Schlepptau. An der neuen Nationalgalerie hatten wir dann schon ein gutes Tempo drauf, waren alle Grüppchen zu langsam und so ballerte ich immer schön weiter; neben Fabian hatten sich nun auch ein paar andere an mich rangeklemmt. Am Ernst-Reuter-Platz ging mir so langsam die Puste aus und ich kommandierte den Hamburger hinter mir nach vorne. Allerdings war auch der zu langsam, so dass ich auf dem Spandauer Damm wieder selber nach vorne ging. Normalerweise versuche ich das ja zu vermeiden, auch wenn wir das von Menschen die mich nicht kennen (Elise) Kritik einbringt. Aber es ist nun einmal so, dass ein Rennen bein Einzelzeitfahren ist und wenn man sich vorne alleine im Wind kaputt macht dankt einem das niemand später: „Hey, lass mal beim Sprint auf den MOB warten, der kommt gerade nicht mehr mit.

Doch dann kam eine Gruppe von zwei Berlinern Vereinsfahrern von hinten die ordentlich Tempo machten und ich klemmte mich an die ran; bei der Gelegenheit verlor ich vermutlich Fabian. Das war allerdings nicht so schlimm, denn er hatte schon einen neuen Berliner Freund, den Marco gefunden (dazu später mehr).
Wir waren nun ein Grüppchen von sechs bis acht Fahrern, definitiv schneller als alles was vor uns war und tauchten in den die Waldstraße am Wannsee ab.

Ich hatte recht viele Körner gelassen; über den ersten Hügel am Dachsberg kam ich noch gut, aber der Karlsberg war bereits deutlich schwieriger. Zum Glück habe ich in diesem Moment Alcides kennengelernt. Da wusste ich noch nicht, dass er Alcides heißt und gerade sein erstes Rennen fährt; für mich war das einfach ein Typ mit einem auffälligen roten Jersey, einem langen Bart und einer Tätowierung am Unterschenkel, der mich gerade mal wieder überholt hatte und richtig konnte.

Am Karlsberg fuhr ich vor ihm und mir ging die Puste aus „Hast Du noch Power?“ „Ja“ sagte Alcides, trat in die Pedale und fuhr so schnell vor, dass ich nicht dranbleiben konnte. Da aber auch vor ihm keine richtig schnellen Leute, und er auf sich allein gestellt war, holte ich ihn auf dem Konprinzessinnen Weg wieder ein, zusammen mit einem der Berliner Vereinsfahrer, einer Aspirinpille (Bayer Werksfahrer), einem MeckSeenPlatten und dem bunten Typen, der immer wieder freihändig fuhr.

Dort sah ich auch das erste Sturzopfer des Velothons am Straßenrand liegen, der RTW war bereits da und Streckenposten regelten den Durchfluss. Ich vermute einmal, dass dies wegen der Zeitmesspunkte passiert ist, ab und lagen abgedeckte Induktionsschleifen auf der Straße, um die Zwischenzeiten der Teilnehmer zu messen. Diese waren nicht oder nicht ausreichend ausgeschildert und wenn man ahnungslos über so ein Ding fährt und eine Hand an der Trinkflasche hat, dann kann es einem schon böse auf die Fresse werfen.

Drei, vier Fahrer wechselten sich nun vorne ab und wir machten gutes Tempo auf der Argentinischen Allee und der König-Luise-Strasse bis wir zum botanischen Garten kamen, wo Kathrin auf uns wartete.

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Mit Alcides beim Wechsel in der Führung am Botanischen Garten

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Vorne der Berliner Vereinsfahrer, dahinter Alcides und ich. Den Rest haben wir gerade überholt, bis auf den zweiten von hinten der kurz nach uns ins Ziel kam.

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Fabian mit Marco

Die Gruppe hielt weiter zusammen auf dem Steglitzer Damm und der Ringstraße und wir überholten Gruppe um Gruppe; an den Startnummern kann man ja sehen in welchem Block diese gestartet waren und wir hatten nun immer mehr in Block F und E eingegraben. Das hohe Tempo hatte allerdings zur Folge, dass immer mehr Fahrer auch aus unserer Gruppe herausfielen, so dass Alcides und ich quasi nur noch alleine vorne waren und Führungsarbeit leisteten. Nach dem Tempelhofer Flughafenparcour hatten wir es dann geschafft nur noch zu zweit zu sein. Schön, dass wir so stark waren, aber auch schön doof, dass wir nun alleine waren und auch noch gegen den Wind fahren mussten.

Die letzten 15 Kilometer durch Kreuzberg waren daher sehr anstrengend. Und zwar so anstrengend, dass ich überhaupt keine Chance hatte mir den Görlitzer Park anzusehen. Sowohl Alcides als auch ich waren ziemlich KO und das Tempo fiel teilweise auf 34 – 36 km/h; wir mussten jetzt schneller vorne wechseln, um das Tempo zu halten. Allerdings überholten wir nach wie vor jede Menge anderer Fahrer. Die Abzweigung für die 180er Farer habe ich gar nicht so richtig mitbekommen, und schon waren wir an der Siegessäule und bogen ein auf die Strasse des 17. Juni. Hier drehten einige langsamere Gruppen noch einmal das Tempo hoch, wir klemmten uns dahinter, spurteten 150 m vorher los und waren dann auch schon im Ziel.

Auf Strava. Schnitt etwa 39,5 km/h. Insgesamt Platz 301 von 3.756 angekommenen Teilnehmern und Platz 50 von 808 Teilnehmern in meinr Altersklasse (Panda Drei).

Ein sehr gutes Ergebnis, vor allem wenn ich daran denke, dass ich dieses Mal bestimmt ein Drittel der Strecke vorne gefahren bin.

Jetzt war es dann an der Zeit sich kennen zu lernen.

 

 

Da wir als Mini-team unheimlich gut zusammengearbeitet haben waren wir bester Laune, auch wenn wir durchaus unterschiedliche Vorstellung von der Schönheit von Männerbeinen haben.

Dann kam auch Fabian, aber ohne Marco. Marco war vor ihm gestürzt, Fabian konnte sehr plastisch schildern, wie sein Kopf mehrfach auf den Asphalt knallte, er nur ganz knapp nicht über ihn drüber fuhr und dann später, als er anhielt überall Blut war. Wir kennen Marco zwar nicht, aber von hier aus: Gute Besserung.

Später erwischt es übrigens auch noch Gregor, den Mann von Christine, der sich bei dem 120 km Rennen das Schlüsselbein brach.  So 30 km vor dem Ziel. Fuhr das dann aber doch zu Ende, mit 40er Schnitt. Was für ein Gemetzel dieses Jahr. Aber das ist eben Berlin, da geht es härter zur Sache als in Hamburg oder in Münster.

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Haus der Kulturen der Welt. Somewhat confused.

Wir sassen also am Haus der Kulturen rum, zusammen mit Johannes und Anselm. Der Vorletzte war jetzt echt müde.

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Auch für junge Menschen kann ein Radrennen sehr anstrengend sein.

Dazu kamen noch Christine und Kerstin (?). Fabian raunte mir öfters „Photo Gelegenheit!“ zu wenn jemand in bescheuerten Klamotten an uns vorbei lief oder mit einem zerbrochenen Laufrad in der Hand. Also so etwa wie da Mädel von der Post auf dem Bild weiter oben. Aber dieses Blog ist ja schon ein eher ästhetisches, daher habe ich dieses Mal auch Christine auf das Cover gesetzt.

und dann machten wir uns irgendwann auf, um wie immer im Udagawa gut zu essen. Das war aber leider zu, also ging nach einem Umweg durch die Dusche zu Frau Lüske.

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Und dann nahtlos weiter zum traditionellen Kaffetrinken im Garten. An dieser Stelle kann gar nicht genug betont werden, welch großartige Gastgeberin Kathrin ist. Nicht nur, dass Sie die ganze Familie in Schwung hält und sich ständig Gedanken darüber macht, was noch alles hier und da getan werden könnte, sie erträgt auch gleichmütig die Massen an Besuchern von Freunden und Verwandten die Tag für Tag, teilweise nur kurzfristig angemeldet, ihre Wohnung heimsuchen. Und dann kommt sie auch noch mit ins Leydicke! Und wofür das alles? Für eine Handvoll Tartuffos.

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Die dann auch noch in einem unbeobachteten Augenblick von der Verwandschaft weggefuttert werden.

Dann hieß es auch schon Abschied nehmen, Fabian brachte mich zum Bahnhof.

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Und die Bahn brachte mich dann, mit fünf Minuten Verspätung zurück nach Bremen.

Nichts ist sicher in dieser Welt, nicht, dass man heil aus einem Rennen in Berlin kommt, nicht das man pünktlich in Bremen mit der Bahn ankommt. Kann sein, dass scheisse wird.

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Velothon Berlin 2016: Teil 3. Nein, doch nicht.

An sich hatte ich vor, noch kurz ein paar Worte über die Zeit nach dem Rennen in Berlin, die Heimfahrt, und dann insbesondere über die Verleihung der Abiturzeugnisse an meinen Sohn zum exakten Zeitpunkt des EM Spiels Deutschland-Polen zu schreiben.

Die Schulleiterin hatte sich als verschenkter Kaktus verkleidet,

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ein finnischer Junge sang ein trauriges, finnisches Lied auf finnisch zu Klavier und Cello,

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und nach langem sitzen, zuhören und dem 1:0 für Deutschland wurden dann endlich die Abiturzeugnisse ausgeteilt. Der Kaktus las die Namen vor, die Abiturienten traten vor.

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Ich wünschte ich wäre jetzt nicht hier, sondern 1980 in Los Angeles bei einem Nina Hagen Konzert.

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Auf dem Pulli ist das chinesische Zeichen für „Doppeltes Glück“, den Saum säumt eine Kette von „langem Leben“.

Nicht dass ich Nina Hagen heute großartig finden würde. Aber 1979, als das erste Nina Hagen Album veröffentlicht wurde, da hat es mich umgehauen. Martin (später und heute noch EA80) hatte es auf Kassette aufgenommen und spielte es auf einem sehr bescheidenem, Walkman ähnlichem Gerät auf einem Medienseminar des WDR  in Königswinter ab. Danach bettelte ich meine Mutter um Geld an, damit ich es mir direkt am folgenden Monat kaufen konnte. Es gibt wenige Dinge in meinem Leben die ich so haben wollte, wie dieses Nina Hagen Album. Vielleicht SRM eTap, am besten noch in Kombination mit Scheibenbremsen?

Ich habe gerade die Möglichkeit für einen Freund einen alten Stahlrahmen mit der eTap aufzubauen, das ist toll. Danach sehen wir weiter, ob das auch etwas für mich ist. Oder vielleicht doch noch ein Stahlrad aus Japan; auf Cherubim werfe ich ja schon länger mehr als ein Auge.

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via Cycle EXIF

Sehr reizvoll finde ich auch, das LOW nun einen Straßenrahmen baut, nachdem sie sich bislang auf Bahn/Fixie konzentriert haben (Bicycle.com, bike rumor)


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Ja, all dies wollte ich schreiben und mache es jetzt nicht.

 

 

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Schneeeekoppeeee.

Die Schneekoppe ist mit über 1.600 Meter Höhe ein hoher Berg. Wegen dem deutschen Namen war ich lange Jahre (genauer gesagt, bis ich heute auf Google Maps nachschaute) der irrigen Ansicht, dass die Schneekoppe in Deutschland liegt (ebenso wie Venedig, Mailand und Moskau); vermutlich auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, da sie nicht 1968-1971 im Erdkundeunterricht der katholischen Grundschule Marktfeldstraße vorkam. 

Seit wenigen Minuten weiß ich nun, dass die Schneekoppe richtig Sněžka oder Śnieżka heisst, halb in Tschechien und halb in Polen liegt.  Vermutlich habe ich noch nie in meinem Leben „Schneekoppe“ gesagt, da ich aufgrund der Fernsehwerbung der Siebziger, nur in der Lage bin „Schneeekooopeee“ zu rufen.


Im Gymnasium der Siebziger war das eine normale Redensart. Wenn jemand von uns etwas nicht verstand und er uns fragend anschaute, so schauten wir ihn fragend zurück an und riefen „Scheeekopppe.“.

Schnitt.

8bar fahren die Schneeeekopppeee hoch, und zwar, weil sie recherchieren mussten, wo es nicht so weit weg von Berlin einen Berg gibt den sie hochfahren könnten. Vermutlich waren die beiden auf einer ähnlichen Grundschule wie ich. Und kamen trotzdem auf die Schneekoppe, die etwas über 300 km von der Hauptstadt entfernt liegt.Mit meinen geografischen Kenntnissen wäre ich zunächst auf den Teufelsberg in Berlin (wäre aber ein ziemlich kurzes Video geworden) gekommen und dann auf den Brocken im Harz, aber bitte. In Geo bin ich eben nicht gut.

Egal, sie fahren also die Schneekoppe hoch.Man sieht sie dabei, wie sie sich über ziemlich schlechtes Pave hochquälen, dazu Surfgitarren-Musik und es wird darüber philosophiert, dass man sich beim Bergfahren dann schon auf die schnelle Abfahrt freut. Prima, denke ich mir, dass sind bestimmt die Downhill verrückten, die jetzt den als Strasse getarnten Rockgarden MTB mässig runterbrettern werden.

Unbenannt

 

 

 

 

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Kühe in Fischerhude mit Walter Vorwerk

Diese Woche brachte mich nach Berlin, beruflich war es durchwachsen, kulturell spitze. 

Das erste Highlight bereits am Dienstag Abend: Turbo Kid im Z-inema der Z Bar.

Ich darf das hier posten, weil es sich ganz klar um einen Radfilm handelt, also einen klaren inhaltlichen Bezug zum Thema dieses Blogs aufweist. Was mich dazu bringt zu bitten, für diesen Blog als „Top Fahrrad Blog des Jahres 2015“ zu stimmen, falls noch nicht getan. Und zwar hier, ist als „cyclyng.com“ gelistet. OK, da kann man ja auch anderer Meinung sein – die meisten sind es aber nicht, denn derzeit liegt cyclyng.com auf dem zweiten Platz in der Zwischenwertung. Erstaunlich.

Berlin brachte mich auch auf die Idee (OK, es war die Idee von Steini) nächstes Jahr einmal komplett um Berlin entlang des Mauerwegs zu radeln. Der Mauerweg ist ca. 160 km lang und führt entlang des ehemaligen Verlaufes der Mauer. Nicht ganz, denn dort wo die Grenze durch die Havel lief, muss man ein wenig Umwege fahren. Aber 160 km an einem Tag, teilweise über Feldwege ist schon ein prima Unterfangen. Vor 1989 wäre das natürlich noch cooler gewesen, aber das war ich auch nicht so fit, also habe ich es gelassen.

Berlin brachte mich auch zu Yuji Kimura von Kimura Cycle Works und seinem Laden auf der Danziger Strasse. Yuji kümmert sich um die Restauration von alten Rädern, er hat gerade zwei Rahmen von mir, die er lackieren wird.  Sein Schwerpunkt (Touring) ist etwas anders als der meine, aber es gibt auch eine starke gemeinsame Linie bei Design und Farben. Hier ein schönes Beispiel seiner Arbeit.

garuda, SHIMANO aero 57

Damit war der Radrelevante Teil des Berlin Besuches auch schon vorbei. Von Dienstag bis Samstag gar nicht zu radeln, viel auf einem Kongress zu essen und in der Milchbar in Kreuzberg und sonstwo rumzuhängen und Rotwein zu trinken macht kurzfristig Spaß, hinterlässt aber auch deutliche Spuren bei Kondition und Fitness. Und dann noch Start-ups besuchen…. Nach meinen Besuchen dort (Bei Flix Mein Fernbus und iversity) habe ich eins über Start-Ups gelernt: Das ist im wesentlichen ein Marketingtrick, um jungen Menschen schlechte Arbeitsbedingungen zu verkaufen: 30 m2 Büro mit 24 Leuten drin? Miese Tische, miese Stühle, keine Headsets, überall Pizzakartons auf den Tischen? Mittagspause im Treppenhaus, auf den Stufen sitzend wieder Pizza? Cool, denn das ist doch ein Start-Up Baby! Ich finde ja vieles nicht an meiner Hochschule gut, aber ich bin dankbar für einen stabilen Stuhl, einen großen Schreibtisch und Thomas, der mit mir im Zimmer sitzt. Und dann noch Hardcore Kultur, bei der dann vor lauter Stehen die Beine echt weh tun, in Form eines Besuches der Gemäldegalerie.

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Botticelli, Der Frühling / Im Reich der Venus

Gemälde / Öl auf Leinwand (vor 1730) von Giovanni Antonio Canal (gen. Canaletto) [1697 - 1768] Bildmaß 46,7 x 90,9 cm Inventar-Nr.: 1653 Systematik: Geographie / Europa / Italien / Orte / Venedig / Kirchen

Giovanni Antonio Canal (gen. Canaletto) [1697 – 1768] Irgendso ’ne Kirche mit Maria im Namen in Venedig

Hing auch da rum, erinnerte mich aber eher an Kommunion, Abitur und Geburtstage und die Hände von Onkeln und Tante.

Nach so viel Kultur wachte ich total müde und verkatert heute mittag in Bremen auf. Ich wusste, wenn ich mich jetzt nicht gleich auf das Rad quäle, dann wird das ein schlechter Tag und eine Scheißwoche. Also raus Richtung Süden, der Himmel lachte blau und das Thermometer der Sparkasse zeigte 22 Grad an. Ich fuhr meine verlängerte Standardrunde über Riede, Dibbersen und Eißel weiter südlich nach Morsum und Intscheide. Dort holte mich die Kultur wieder ein in Form einer Kunstausstellung im örtlichen Hardware Laden.

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Installation Gruppenbild mit Dame, Walter Vorwerk zugeschrieben, 1993

Ich kann keinen Vorwerk Staubsauger sehen, ohne an die Geschichte von Kyra Küchler zu denken. Kyra ist die Schwester von Alwin Kuechler, einer der wirklich genialen Menschen die ich kenne. Alwin ist der Kameraman des neuen Steve Jobs Films, in den Achtzigern machte er eine Ausbildung zum Fotografen in Düsseldorf. Seine Schwester war hübsch, hatte einen französischen Mann und die dickste Brille, die ich bis dato gesehen hatte (das änderte sich dann im Studium). Und Alwin hatte einen Vorwerk Kobold Staubsauger, mit dem man als Mann, nach Aussage von Kyra, super prima onanieren konnte. Heute weiß ich, dass das stimmt. Nicht, weil ich das selber mal ausprobiert habe (diese Modelle von Vorwerk sind längst vergriffen und heute begehrte und teure Sammlerstücke), sondern weil es eine Dissertation zu dem Thema gibt, wie uns das Internet sagt. Im Prinzip ist das nämlich so, dass man sich schlimme Verletzungen zufügen kann, wenn man zu gierig mit dem Teil onaniert, denn nach 11 cm Rohrlänge kommt man in Berührung mit dem rotierenden Ventilator. Der Rest ist dann etwa so wie in Turbo Kid.

Ich mag diese Touren, die mich mindestens zwei Mal die Weser kreuzen lassen, heute am dem Wehr nach Daverden.

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Die Weser flußaufwärts, von Daverden aus.

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Das Maschinenhaus des Weserwehrs bei Daverden.

Über Daverden fuhr ich nach Posthausen. Ich weiß nicht, wie das in Posthausen passieren konnte, aber etwas ist ganz gewaltig passiert. Ich stelle mir das immer so vor: Ein idyllisches Dorf an einem Sommertag im Flachland Niedersachsens. Die Kühe grasen, in der Dorfbäckerei wird gebacken, beim Metzger wird Wurst verkauft und ein paar Bauern stehen auf dem Dorfplatz und schnacken. Plötzlich ein schrilles Pfeifen von oben, irritierte Blicke nach oben. Das Pfeifen und Dröhnen wird immer lauter und dann wird der ganze Himmel plötzlich dunkel, bevor etwas wie ein riesiger Meteorit mitten im Dorf einschlägt und fast alles an Häusern, Straßen, Gärten und Plätzen unter sich begräbt. So ungefähr muss sich das Einkaufszentrum Dodenhof dort angesiedelt haben.

Errichtet innerhalb von Sekunden: Dodenhof in Posthausen

Fährt man da von vorne ran, dann sieht das ja alles noch sehr schick aus, aber von hinten zeigt Dodenhof dem Rest des Dorfes seinen Arsch in Folge von übermässig hohen Betonwänden. Die wichtigste Kreuzung im Dorf ist direkt hinter der Passage von einem Teil zum anderen, die Strasse führt quasi wie durch einen Tunnel. Als kleinen Gimmick gibt es 100 Meter weiter in einem normalen Haus dann das einzige Dodenhof Geschäft, das nicht im Meteorit integriert ist: Männermode XXL.

Über Oyten und Sagehorn fuhr ich dann nach Fischerhude, wo ich beim Bäcker kurz etwas aß, mich dann aber aufmachte, um es noch vor Dunkelheit nach Bremen zu schaffen. Es war jetzt deutlich kühler geworden,so dass es einen umgekehrten Morgentau-effekt gab: Über die feuchten Wiese wabberten die Nebelschwaden und snur noch schememnhaft waren Kühe und Pferde zu erkennen.

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Szenen, wie aus Turbo Kid, den man unbedingt sehen sollte, falls der Trailer nicht schon überzeugend genug war. ICh denke, das wäre auch ein Fall für die Abteilung „Delikte am Menschen“.

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Super Tag, ein guter Start in die Woche. Bis Montag dann.

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Nein Mann, ich will noch nicht fahr’n: Berlin Velothon 2015

Tanzkurs mit den Studenten gefolgt von Gedächtnistraining am Samstag? Oder Velothon in Berlin fahren. An sich eine eher rhetorische Frage, es sei denn die Nase ist zu, die Glieder schmerzen und der Kopf dröhnt.

Trotzdem, alles egal, den Velothon bin ich jedes Jahr gefahren seitdem ich 2010 zurück nach Deutschland kam, (Ausnahme 2013), und es ist eine gute Gelegenheit wieder Kathrin und Fabian zu besuchen. Natürlich ist das alles viel zu teuer für 60 km Radfahren, aber es ist auch eines der wenigen traditionellen Ereignisse  in meinem Leben – auch wenn der Kilometer dann im Endeffekt fast 3 Euro kostet.

Da ich mich sehr kurzfristig entschlossen hatte komme ich in Startblock G – das ist ganz hinten und ganz spät. Man ist noch gar nicht gestartet, da kommen schon die schnellen Jungs und Mädel aus dem A Block vom Rennen zurück und drücken hinten, da sie ins Ziel wollen. Startblock G hat aber auch seine Vorteile: Man lernt quasi fast alle Teilnehmer am Velothon kennen – wenn man nur schnell genug nach vorne fährt, aber um die aus dem F, E und D Block zu überholen sollte es allemal reichen. Und das ist ja eigentlich der Sinn der Velothonteilnahme, oder? Die Strecke kann man ja auch so an jedem x-beliebigen Tag fahren, gerade der schöne Teil durch den Grunewald ist ja quasi Autofrei. Und gewinnen kann man da eh nichts, da ja seit vielen Jahren die Gruppe der Jedermänner eben aus Jedermann besteht: Hinz und Kunz, aber auch Amateure, Jugendfahrer, ex-Profis und andere Supersportler die einem schon beim Tempo in der Neutralisation abhängen könnten. Aber überholen, und zwar massenhaft und ständig – das ist das besondere am Velothon. Und aus Startblock G bekommt man da deutlich mehr für’s Geld.

Am Samstag holen wir die Startunterlagen in der City ab. Die City ist diesmal gelb-schwarz, halb Dortmund ist dort auf dem Weg in das Olympiastadium, während die Farben grün-weiß fast gar nicht zu sehen sind. Ich habe Mühe am Hinterrad von Fabian zu bleiben, die Nase läuft gelb-schwarz und es ist  anstrengend zu fahren. Wir radeln dann noch ein wenig im Grunewald, damit ich mir wieder merken kann wo und wie lang die Steigungen sind.

Am Abend dann Carboloading, wobei, bei 60 km am nächsten Tag ist das ja mehr „Loading“, also Gewichtszunahme, als dass es der Ausdauer dient.

2015 Velothon K2

Carboloading (Nudeln) nach dem Carboloading (Sushi)

Meine Frau macht mich innerhalb eines 15 Minütigen Telefongespräches zum Sushireisexperten. Sushis rollen kann ich nicht, also beschließen wir das ganze als Sushiparty (temaki sushi) zu verkaufen und jeder ist dafür verantwortlich, was er sich mit Seegrasblättern (nori) , Reis, Fisch und Gemüse selber gedreht hat.

Meine Kollegen in meinen ersten Job in Deutschland  fragten mich mal, als meine Frau mir Sushi als Mittagessen vorbereitet hatte, warum ich denn meinen Reis in Kohlepapier eingeschlagen hätte. Heute weiß keiner mehr was Kohlepapier ist, aber alle haben schon mal Sushi gegessen bei Dr. To in Neukölln.

Teilweise sind die Versuche aber auch sehr lustig. CvZ packt sich zunächst unglaublich viel auf sein  Nori, um dann nach Spezialwerkzeug zur exakten Kreisrunden Rollung zu fragen. Das ist etwa so, als wenn man versucht sich einen Joint mit den Blättern eines Gummibaums zu drehen. Das Endergebnis sieht dann auch so aus wie meine erste selbstgedrehte Zigarette bei der WDR Rocknacht mit Mothers Finest 1978.

Am Sonntag Morgen wache ich auf und sehe aus dem Wintergarten heraus einen strahlend blauen Himmel. Die letzten Sorgen, dass es wieder eine Regenschlacht wie letztes Jahr wird sind verflogen. Die Nase läuft zwar immer noch und heute trage ich ein geschenkt bekommenes Ketterer Jersey und Fabian eine Positivo Espresso Hose aber irgendwie geht es los und wir machen kurz Station in der Stadt im Loft.

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Das Loft und Blick auf das Gesims von Berlin.

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Am Start reihen wir uns dann ganz, ganz hinten ein, aber da wir früh da sind relativ an der Spitze des Startblock G; das ist gut, denn vor uns sind einige 120er Fahrer die sich auf 60 umgemeldet haben und nun auch von hinten starten müssen. An sich sollten die Startblöcke doch so verteilt sein, dass Teilnehmer, die etwa gleich schnell fahren in einem Block sind, mit den schnellen vorne und den nicht so schnellen hinten, damit sich das Ganze gut auf die Strecke verteilt. Ist aber nicht so. Gregor, der zum ersten Mal die 120 fährt ist in Startblock A gelandet und Tibor und Barbara, der wir noch am Abend vorher den Gepäckträger von ihrem Citybike geschraubt haben starten aus Block D. In Block G stehen die ganzen verpennten, aber sehr schnellen Nachmelde-Schlunze.

Verpennte Nachmeldeschlunze

Verpennte Nachmeldeschlunze

Kurze Strategiebesprechung. Die ersten beiden Male bin ich die 120er Runde mit vollen Einsatz gefahren, das lief beim ersten Mal gut, beim zweiten Mal nicht ganz so. Dann bin ich die 120er Mal auf dem Fixie gefahren und letztes Jahr die 60er im Regen mit dem Zeil heil anzukommen. Dieses Jahr beschliessen wir es ruhig angehen zu lassen und zusammen zu bleiben. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das klappen wird, der Vorsatz ist sicherlich ein guter, aber sobald mich jemand überholt, der irgendwie dicker oder unsportlicher aussieht als ich, oder MTB fährt drehe ich durch.

Nach dem Start hängen wir uns recht schnell an ein Pärchen dran, er in Cannondale giftgrün, sie mit einem riesigen Schriftzug „TIROL“ auf dem Hintern. Nach kurzer Zeit sieht es schon wie eine kleine Truppe aus, dabei sind die beiden weißen Malergesellen von MLB, der der auf dem Hintern „Hardbreaker“ stehen hat, einer mit Trek/NIsssan Jersey und zwei Mädels mit grauen Rollkragenpullis (In den Siebzigern hätte man das noch „Nicki!“ gerufen).

Die Tiroler bringen uns gut nach vorn, machen aber beim ersten Anstieg auf dem Spanndauer Damm schlapp. Die Gruppe zieht aber weiter und wir machen gutes Tempo,ohne uns aber zu verausgaben. Im Grunewald gibt es dann die einzige relevanten Ups und Downs. Ich wollte ja eigentlich nicht nach vorne, aber am Berg bin ich eindeutig schneller als der Rest und bei den Abfahrten dann auch ehrlich gesagt gerne mal etwa alleine. Im Graben liegt der erste Fahrer, später erfahren wir, dass Christine und Kongo-Bob dort erste Hilfe geleistet haben. Fabian habe ich in der Bergwelt des Grunewalds verloren. Das macht aber nichts, denn nach der Linkskurve, als es an die Avus langgeht nehme ich das Tempo wieder raus und warte auf ihn. Es tut ein wenig weh die schnellen Gruppen vorbeiziehen zu sehen, aber das ist nur ein temporärer Schmerz, etwas so, wie wenn man daran denkt wie gerade Nudelsuppe die Lieblingskrawatte runterläuft: Man weiß, es wird nicht wirklich etwas im Leben ändern, aber es tut weh – auch Jahre später noch wenn man daran denkt. Und zum Glück vergißt man diese Dinge zwischendurch.

Entlang die Avus finden Fabian und ich wieder zusammen. Zeit für eine Banane und Zeit Kathrin und Lucie am Wegesrand zuzuwinken.

2015 Velothon K1

Lange Jahre in Japan verändern das Reflexverhalten

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Viva La Banana!

Jetzt ist die Luft auch ein wenig raus. Noch 25 km bis ins Ziel, immer noch massenhaft Fahrer aus dem E Block zu überholen und richtige Herausforderungen in der Stadt gibt es nicht mehr. Die weißen Malergesellen sind weg, aber der Giftgrüne und Frau Tirol sind wieder da und auch die beiden Mädels, bei denen ich mir nicht sicher bin ob sie direkt aus dem Film „Jules et Jim“ von der Leinwand auf die Räder gesprungen sind, oder ihre Trikots bei Steve Jobs gekauft haben.

In der Gruppe gehe ich nach vorne und bei der Gelegenheit packt mich der Giftgrüne erst an und drohte mir dann Dresche an: „Ich stoß Dich einmal an, dann liegste auf der Fresse…“ In dem Moment habe ich einfach Riesenlust auf eine Prügelei. Da kann man mal sehen was der Radsport aus einem macht! Ich bin total friedlich, Zivi, Brillenträger….OK, eigentlich bin ich nicht friedlich sondern feige. Die letzte Schlägerei ist schon so lange her (ca 7 Jahre) , ich kann mich aber noch gut erinnern, wie ich in Shibuya einen japanischen Hilfs-Yakuza angerempelt hatte. Ich war mit Anna, unserem Aupair und ihrer Freundin aus Deutschland, die zu Besuch kam, unterwegs und ich hatte das noch nicht einmal richtig gemerkt. Der aber schon, kam hinter mir her gerannt und als er auf gleicher Höhe war holte er aus und schlug mir ohne Vorwarnung auf das Auge. Wir schlugen uns dann ein bisschen hin und her, aber es war ziemlich schnell klar, dass  das unentschieden enden würde, bzw. vermutlich würden wir beide verlieren, wenn die Polizei erst einmal gekommen wäre. Also gingen wir wieder unserer getrennten Wege. Annas Freundin bekam dadurch einen ziemlich falschen und schlechten Eindruck vom Leben in Japan – es würde mich wundern wenn sie jemals wieder kam.

Statt mich zu prügel schwor ich mir, dass ich vor dem durch’s Ziel fahre! Selten war ich so motiviert. Kurz vor Schluss geht es noch einmal eine sehr kurze Steigung hoch, gefolgt von einer Rechtskurve. Als ich mich oben umschaue ist keiner hinter mir und das schwarze Gummiaufblastor von Canyon, das den letzten Kilometer zum Ziel anzeigt in Sicht. Ich beschleunige und mache mich alleine auf den Weg ins Ziel (so Gilbert-mässig) , stelle aber dann fest, dass das keineswegs das 1 km, sondern das drei Kilometer Tor war. Ich bin mit über 40 Sachen unterwegs, Fabian habe ich verloren, muss jetzt durchhalten, damit der Giftgrüne mich nicht überholt.  Mist, so langsam geht mir die Puste aus. Aber da kommt die Siegessäule in Sicht und jetzt sind es noch so 500 bis 600 Meter. Zwei überholen mich noch, aber keiner von denen ist annähernd grün. Ziel geschafft, virtuelle Prügelei gewonnen. Weniger als eine Minute später kommt auch Fabian rein.

Langsam rollen wir zum Ende der Strecke, als ich hinter uns die Mädels in ihren grauen Nickis bemerke. Normalerweise spreche ich keine fremden Mädels an, das ist noch seltener als in eine Prügelei verwickelt zu werden: Als ich in Aachen studierte wohnte ich nahe der Einkaufszone am Hintereingang eines Woolworth Kaufhauses. Um in die Stadt zu kommen ging ich da häufig durch und dabei begegnete ich der wunderschönen Kassiererin, die in der Damenunterbekleidungsabteilung Dienst tat. Die wollte ich unbedingt einmal anquatschen und mit ihr ausgehen! Leider konnte ich mich dazu sehr lange Zeit absolut nicht durchringen. Und als ich endlich so viel Mut aufgebracht hatte es zu tun, hatte sie bereits bei Woolworth gekündigt, denn in der  Damenunterbekleidungsabteilung am Hinterausgang bei Woolworth in Aachen hält es keine wunderschöne Kassiererin lange aus. Da ich aber nun mal nach langem hin und her diesen Plan gefasst hatte, sprach ich einfach ihre Nachfolgerin an, was dann zu einer einfach voraussehbaren Katastrophe führte, die ich an dieser Stelle nicht beschreiben möchte, weil sie, wie die oben beschriebenen Gefühle beim Anblick der suppenverklebten Lieblingskrawatte, schmerzhaft, wenn auch temporär ist.

Andererseits hätte ich mich ja auch gerade fast geprügelt, also nahm ich all meinen Charme zusammen und fragte, ob ich ein Foto von ihnen machten dürfte, da mir ihr existenzialisticher Look so gut gefiel. Der hätte auch zu einem Radausflug von Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre und Albert Camus gepasst. Albert will immer mit seinem Rad gegen einen Baum fahren, Simone versucht ihn davon abzuhalten. Ich durfte:

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Fabian sprach dann auch mit ihnen und dabei kam heraus, dass sie ebenfalls aus Bremen kamen. Das ist sehr, sehr  cool.

Wir fuhren dann nach Hause, gingen lecker vietnamesische essen, und ich legte mich noch ein wenig in den Wintergarten zum dösen.

In der rosaroten Woolworthwelt

In der rosaroten Woolworthwelt

… bevor beim traditionellen Kaffee im Garten die Berlinparty 2015 zu ihrem Ende kam. Noch mal meinen dank an Kathrin und Fabian für ein traditionelles, und immer wieder neues und gutes Wochenende in Berlin.

Nein, Mann, ich will noch nicht gehn, ich will noch ein bisschen tanzen.

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Velothon 2015 Berlin

Existenzialismus.

Fotos erst, Story später.

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Bremen. (Magdeburg). Berlin. Bremen. Teil I: (Magdeburg) Berlin

Der Schäferhund eines Punkmädchens leckte mit die linke Hand ab, als ich ihr mit der rechten eine Zigarette gab.

Ein prosaisches Intro (Radsportinteressierte mögen bei „Das Rennen“ weiterlesen)

Magdeburg, so werde ich Dich diesmal in Erinnerung behalten. Ich war auf dem (Um)weg nach Berlin und hatte eine Stunde Aufenhalt in der Stadt. Meine Laune war auf dem Tiefpunkt, denn ich wusste, dass ich frühstens um zehn Uhr bei meinen Freunden ankommen würde. Gerade genug Zeit um etwas zu sprechen, etwas zu essen und dann kurz zu schlafen. Um morgens um 5:30 Uhr aufzustehen und zum Velothon zu fahren; der kündigte sich bereits als verregnet an.

Der Regionalexpress RE1 hatte bereits eine Verspätung aufgrund einer „vorhergehenden Verspätung“, wie die verquere Logik der Deutschen Bahn entschuldigend feststellte.  Einen Moment überlegte ich, ob ich in Magdeburg bleiben sollte. Ich könnte das Punkmädel heiraten, mir einen Schäferhund anschaffen und am Bahnhof rumlungern und Fremde nach Zigaretten fragen. Samstags dann ins Stadium und den 1. FC Magdeburg anfeuern. Nein, dann doch lieber Werder und in Berlin durch den Regen fahren.

Biederitz, Gerwisch, Möser was klingt wie eine Aufzählung ostdeutscher Schimpfworte sind die Namen von Stationen entlang der Linie RE1 an denen selten heute selten Menschen ein und aussteigen. Ich sass links, rechts ging jetzt die Sonne unter und ich schaute ihn mir quer durch den Zug an: Der Sonnenuntergang war spektakulär: dunkle, schmale Wolkenbänder im Wechsel mit roten Streifen Restsonne. Ich lächelte vor mich hin, ein Mädel dass zwischen mir und der Restsonne sass lächelte zurück.

Groß Kreutz, Golm, Potsdam, es ging nun so langsam nach Berlin herein. Berlin ist rauher als Bremen, bereits bei der Anfahrt bekommt man sukzessive einen Geschmack davon. Eine Familie steigt ein, Vater und Mutter je mit einer Flasche Bier in der Hand, die ca. 10 bis 12 jährigen Töchter noch nicht. Der Vater sagt zu ihnen. „Wenn der Schaffner kommt: Lauf!“

Berlin-Wahnsee. Raus aus dem RE, rein in die S-Bahn und dann wieder raus in West-Lichterfelde. Ich komme aus dem Zug und es regnet bereits, ein Vorgeschmack auf morgen. Kathrin, Fabian und die ganze Familie nehmen mich wie immer herzlich auf. Letztens Jahr bin ich nicht zum Velothon gefahren, so dass es nun zwei Jahre her ist, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben … oder war da irgendeine Konferenz auf Mallorca?

Es bleibt wirklich nur wenig, viel zu wenig Zeit und ich bin um Bett und schlafe gut. Am nächsten Morgen sind wir schnell fertig, fahren mit Auto und Rädern im Regen zur Lützowstrasse, dem Geheimtip zum parken für den Velothon und versuchen Herrn K anzurufen, den wir konspirativ vor der russischen Botschaft treffen wollen. Herr K will zum ersten Mal den Velothon mitfahren und übernachtet in der City in einem Hotel.

Später stellt sich heraus, dass neben Herrn K noch viele weitere Teilnehmer am Velothon im Hotel übernachtet haben. Am Morgen stehen sie in der Lobby und schauen aus dem Fenster. Schnell machen dramatische Nachrichten die Runde: Der Velothon soll vielleicht abgesagt werden, die Kopfsteinpflaster sind glatt wie Schmierseife, immer wieder ist es in der Vergangenheit zu schrecklichsten Stürzen im Regen gekommen und am besten sollte man dann auch nicht teilnehmen. Man unterschätze nie die Stimmung der Masse. Nach einiger Zeit kommt Herr K, wie viele andere zu der Erkenntnis, dass es besser ist jetzt erst einmal in Ruhe Kaffee zu trinken, lang aufgeschobene Emailkorrespondenz zu erledigen und dann nach Hause zu fahren. Oder nach Magdeburg um einen Schäferhund zu heiraten.

Das gibt uns noch eine Stunde Zeit im Auto mit Standheizung über unser Schicksal zu hadern. wir haben aber einfach nicht genug Masse und fahren durch den Regen zum Start. Als wir da ankommen bin zumindest ich schon total nass. Fabian hat zumindest Überzieher über den Radschuhen, so dass seine Füsse zunächst trocken bleiben.

Das Rennen (diesmal die 60km Runde)

Das ist meine dritte Teilnahme am Velothon nach 2010 (120 km flott mit dem Rennrad), 2011 (120 km mit Unfall) und 2012 (120km mit dem Fixie). Diesmal und nach der RTF am Vortage nur 60 km.

Ich war für Startblock G gemeldet, denn ich hatte mich sehr spät angemeldet und alle schludrigen Teilnehmer kommen eben in den letzten Startblock. Fabian war in Startblock B, was nicht bedeutet, dass es sich bereits 1984 angemeldet hat. Die Startblocks A bis F werden nach Vorjahresdurchschnittsgeschwindigkeit bzw. eigener Eigen- oder Selbstüberschätzung vergeben. Für Startblock B reicht im Regelfall die Angabe „Schallgeschwindigkeit“. Nun starten die Startblocks aber im Abstand von 3 bis 5 Minuten, in jedem Block sind etwa 1.000 Teilnehmer. Ich hatte nun gar keine Lust weitere 20 Minuten im Regen zu warten und so fuschte ich mich mit einem freundlichen Lächeln neben Fabian in den Block B, meine Startnummer war ohnehin unter der Regenjacke unsichtbar. Ich hätte auch ganz ohne Meldung fahren können. All dies würde dann vermutlich zu einer Disqualifikation führen, aber das war mir auch egal, ich kam ja nicht zum Gewinnen nach Berlin. da hätte ich wohl alleine kommen müssen.

Fabian und ich sprachen uns ab, dass wir das alles ruhig und, den Umständen entsprechend, locker angehen. Und als der Startschuss dann fiel fuhr ich auch locker mit dem B Block mit. dann allerdings wurde ich von hinten überholt. Und ich weiß nicht warum, aber ich mag das nicht. Das reizt mich, vor allem dann wenn es Menschen sind die weniger sportlich aussehen als ich oder mein Rad. Ich muss dann einfach mir und so hängte ich mich an den nächsten Zug dran. Und dann wieder an den nächsten und bald war ich schon wieder im gewohnten Velothon  Tempo. Das war aber diesmal etwas langsamer als sonst. Und alle fuhren sehr vorsichtig, das kannte ich so auch nicht vom Velothon. Ich vermute, dass dies auch etwa mit der Vorauswahl durch den regen zu tun hat: Die nicht so guten Fahrer bleiben ohnehin im Hotel, die besseren ließen sich durch das Wetter nicht abschrecken.

Später habe ich einmal den Müller und den Schmidt Test gemacht: Man gebe auf der Website des Velothons in den Ergebnislisten für 60km, „Müller“ ein: 61 Müller waren gemeldet, 24 davon sind nicht gestartet. Und bei den Schmidts? 49 gemeldet, 17 nicht gefahren. Also ich denke überschläglich kann man schon feststellen, dass ein Drittel der Teilnehmer des 60 km Rennens gar nicht am Start erschienen ist.

Und so kam ich ganz gut durch das Feld nach vorne, denn viele Müllers und Schmidts waren ja gar nicht da, um mir den Weg zu versperren. Und eigentlich machte es jetzt, wo man nicht mehr in der Kälte bibbern musste, auch Spaß. Berlins Strassen sind nicht die besten, teilweise hatte ich das Gefühl durch einen Fluß zu fahren auf deren Grund sich Walrösser oder Alfred hätte verstecken können, ohne dass man den Schnäuzer an der Oberfläche sieht. Das machte nun richtig Spaß, die Pfützen bremsten ein wenig das Tempo und rechts und links spritzte das Wasser.

Als wir in den Grünewald kamen waren wir immer noch eine recht große Gruppe von vielleicht 70 Fahrern. Nun kamen hie ein paar Anstiege und das führte dazu, dass immer mehr Fahrer hinten aus dem Feld rausfielen. Ich hatte wenig Mühe in der Gruppe zu bleiben und auch wenig Ambition daraus auszureissen. Die Gruppen vor uns waren einfach zu weit weg und wir überholten ohnehin schon die eine oder andere Truppe aus dem Startblock A der 3 Minuten vor uns gestartet war.

Es passierte dann herzlich wenig. Ein paar Positionskämpfe im Feld, sehr vorsichtiges Fahren in den Kurven und absolut keine Stürze. Der sicherste Velothon bislang. bald waren wir auch wieder in der Stadt Berlin und zwei Fahrer aus dem C Feld zogen an uns vorbei. Ich hängte mich an die dran und das brachte mich zur Spitze unserer Gruppe. Dort hingen die aber dann auch erst einmal fest und es ging nicht weiter, also machte ich keine Anstalten  da jetzt Führungsarbeit zu übernehmen. Zumal mir die RTF vom Vortag auch noch in den Knochen sass und ich das so langsam immer mehr spürte.

Einfahrt auf den Flughafen Tempelhof. Hier ist es immer windig, deshalb muss man besonders konzentriert fahren und darf nicht hinter der Gruppe bleiben. Das klappte sehr gut, aber die Gruppe zerriss es fast komplett, aus der ehemaligen Grünewaldgruppe von 70 Fahrern waren jetzt vielleicht noch zehn übrig, ein paar andere hatte sich dann noch beim überholen angeschlossen.

Noch ein wenig durch die Stadt und dann ging es schon auf die Zielgerade. Das man jetzt beim Velothon weder durch das Brandenburger startet, noch am Ende dort durchfährt ist schade. die Zielgrade ist trotzdem schön. Fast kein Publikum da, wie überhaupt diesmal am Straßenrand. Noch nicht einmal Peter Fox vor Bio Lüske.

Ich habe noch ein paar Energiereserven, hänge ich an die ran die nach vorne am Feld vorbei ziehen und 200 Meter vor dem Ziel ziehe ich den Endspurt an. Das klappt richtig gut und ich komme ganz vorne in unserem Feld an. Lohn der Mühe. Disqualifikation.

Aber: Dankeswerterweise gibt der Veranstalter trotzdem die Durchschnittsgeschwindigkeit an:36,33km/h. Damit kann man sich ja selber klassifizieren: Das hätte gereicht für Platz 164 der Gesamtwertung Männer oder  sogar zweiter Platz bei den Frauen. Cool, nächstes Jahr lass ich mir einen Bart wachsen und starte als Michi Wurst. Und in meiner Altersklasse wäre es sogar der 20. Platz geworden. Das ist schon cool so alt zu sein, wäre ich zwei Jahre jünger, wäre ich nur 53. in meiner Altersklasse geworden. Aber all dies ist ja nur theoretisch, denn ich wurde ja disqualifiziert.

Fabian kam ebenfalls gut durch und wir waren beide froh wieder im Auto zu sitzen und auf dem Weg zu einer Dusche und einem Bett zu sein. Danach haben wir dann, sehr zu unserem Erstauen erst einmal Monopoly gespielt, bevor wir beim Japaner essen gegangen sind und uns DANN hingelegt haben.

Einen Höhepunkt des Berlin Aufenthalts gab es dann nach dem Aufstehen, als wir bei der unvergleichlichen Christine (zweite von links, ganz rechts Kongo Bob) zum Kaffee eingeladen waren.

Abends kam dann auch wieder die Sonne raus. Berlin war wieder einmal Klasse, was insbesondere an Kathrin, Fabian und den Kindern lag. Danke für dieses Superwochenende und bis bald in Bremen, Mallorca, Hamburg oder Diemitz.

(to be continued)

PS Es gibt keine Bilder in diesem Post.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter 2014, Mob, Rennen

Es gibt nur ein Berlin.

Von Charge. Via Prolly.

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Eingeordnet unter 2012, Mob, Sex. Lies & Vids

Der Spiegel über den Velothon in Berlin

Berliner Velothon: Feiertag für Hobby-Radler

So sah der Spiegel den Velothon: Einmal wie ein Radprofi fühlen.

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Eingeordnet unter 2012, Mob, Rennen

Noch mehr Bilder aus Berlin.

Männer bei der Karboloading Vorbereitung

Look Mum, black hands!

Nervös kurz vor der Fahrt zum Rennen

Danke an Kathrin für die Photos.

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Eingeordnet unter 2012, Mob, Rennen