Archiv der Kategorie: Meine Räder

Doppeltes D.

Temperaturen um die Null und gar keine Sonne draußen sind nicht die Bedingungen, um auf dem Rad Spaß zu haben. Einerseits. Zwei neue Räder, die gefahren werden wollen sind die andere Seite.

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Für Thomas hatte ich in den letzten Monaten sehr aufwändig ein Daccordi Griffe aufgebaut, gleichzeitig war diese Woche ein erster Versuch eines Aufbaus meines De Rosa Carbon Rahmen aus China fertig geworden. Am Sonntag ergab sich dann endlich die Gelegenheit die beiden Renner auszufahren und miteinander zu vergleichen.

Foros des Daccordi hatte  ich in den einschlägigen sozialen Netzwerken hochgeladen und es gab sehr viel Resonanz. Grob gesagt, lässt sich das Feedback in zwei Gruppen einteilen. Die einen sagen, es geht gar nicht, einen alten, schönen Renner so modern zu verhuntzen, da muss alles Epochengerecht aufgebaut werden – alles andere ist Frevel. Ich sage dazu mal: „Revolutionäre machen Fehler und Konservative verhindern später, das diese korrigiert werden.Ich denke aber, wenn man ein Foto von dem Original Aufbau mit einem nachher vergleicht, dann ist das Ergebnis schon überzeugend.

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Vorher.

 

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Nachher.

Die andere Gruppe findet den Aufbau prinzipiell gut, findet aber einige Details die noch verbessert werden könnten, insbesondere den Vorbau und die Sattelstütze. Tatsächlich war es auch so, dass beide Teile, so wie jetzt verbaut, ursprünglich nicht vorgesehen waren. Der Vorbau sollte ein Factory Five Titan Vorbau werden, aber als ich das Ding in den Händen hielt fand ich das lebensgefährlich: Zwei Minischrauben sichern die Lenkerklemmung ab – da hätte ich keine Ruhe beim Fahren und kein Vertrauen.

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Idee : super! Ausführung: tödlich!

Also hatten wir uns dann kurzfristig für einen Ritchey Carbon Vorbau entschieden, vor allem wegen dem matten Carbon Finish, das gut zu den anderen Komponenten passt. Leider ist uns gar nicht so aufgefallen, wie klobig das Teil ist. Trotzdem, jetzt bleibt es erst einmal dran.

Wir hatten auch eine normale, kreisrunde Carbonsattelstütze von 3T; aber bei der war das Finish sehr glänzend und passte so gar nicht zum Rad. Also haben wir uns für die BLB Notorious entschieden, die uns beiden auch nach wie vor gut gefällt.

Nach den ganzen Fragen des Aussehens wollten wir heute sehen, ob sich das ganze auch gut fährt. Ich stand am HaW und wartete auf Thomas, da kam dann gleich der erste Schock: Thomas trug sein Rad auf mich zu. Da kann natürlich auch sehr viel Liebe sein, es stellte sich aber tatsächlich als Panne heraus: Der Schnellspanner hinten, da aus Alu oder Titan, Superminiteil, hat nicht genug Klemmkraft für eine horizontales Ausfallende, wie das eben so bei alten Stahlrahmen ist. Bei einem scharfen Antritt verkantete sich das Hinterrad. Also habe ich Thomas einen meiner altmodischen Schnellspanner gegeben, bei meinem modernen Rahmen war die Benutzung von seinem Schnellspanner ja kein Problem. Und dann ging es los, zunächst mit zwei anderen Fahrern, die sich auch am Haus am Walde getroffen hatten.

Es war kalt, und bei kaltem Wetter ist ja, wie allgemein bekannt, der Luftwiderstand deutlich höher und deswegen fuhren wir auch echt lahm. Natürlich habe ich wegen Erkältung auch drei Wochen nicht viel Radsport gemacht und ich war dann aber Dienstag und Samstag bei meinem Hüpf- und Tanzkurs und …warum auch immer .. ich hing ganz schön in den Seilen und wäre am liebsten gleich nach Hause.Wir hielten dann aber gut durch, nur war es bei Gegenwind extrem schwierig zu reden, ich verstand fast gar nichts, auch von den beiden neuen Fahrern und kam deswegen vielleicht auch etwas unhöflich herüber. Von denen haben wir uns getrennt, die wollten nach Wilstedt und wir sind weiter nach Fischerhude dann nach Sagehorn und dort haben wir die Räder getauscht.

Das hätte ich nicht tun sollen. Das Daccordi ist einfach so viel schneller als meine neue Carbonmöhre, das ist wirklich extrem. Fährt sich auch viel zickiger, reagiert schneller auf Lenkerbewegungen und lässt sich einfacher beschleunigen. Kommt man von einer Campa Schaltung, wo man richtig viel Kraft braucht, um die Schalthebel überhaupt in Bewegung zu versetzen, so ist das Schalten mit der eTap sehr ungewöhnlich. Das Feedback, ob man nun geschaltet hat oder nicht, kommt nicht von den Hebeln, da spürte ich fast gar nichts, sondern von dem einrastenden Ritzel am Hinterrad. daran konnte ich mich dann auch schnell gewöhnen.

Wir trafen Steen, der in Gegenrichtung an uns vorbei joggte, zusammen mit einem Hund der nur mit Mühe nachkam. dann fuhren wir über den Hodenberger Deich wieder zurück – insgesamt knapp unter 60 km. war froh wieder auf dem Rad zu sitzen, war genauso froh wieder zuhause zu sein.

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Fazit: Scheißegal, wie jemand das Daccordi vom Aussehen her findet, es ist schnell. Sehr schnell. Nach 60 km hatte ich mich auch an das De Rosa gewöhnt. Die Schaltung spinnt noch, die Lenkung ist etwas ungewöhnlich, das Teil ist lahm (nachdem ich auf dem Daccordi gesesssen hatte war das eben der Eindruck) aber sonst war alles gut. Das ist jetzt eine Frage der Detailarbeit das Rad auf einen guten Standard zu bringen.

De Rosa Superking RS 888 Blast Furnace

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So sieht das Dinge im Original aus. Tja, aber ich habe kein Original, sondern eine Kopie aus China (na ja, ist an sich keine Kopie, weil da auch nicht De Rosa draufsteht), die ich für unter €400 (Rahmen) erworben habe. Zum Vergleich, der Rahmen kostet neu bei DeRosa mehr als €3.000. Ich mag die Idee eines „Komfort De Rosa“, was das 888 angeblich sein soll, und ich mag dieses total verdrehte Unterrohr, was aber auch entsprechend lackiert sein muss, damit es gut heraus kommt.

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Für €400 kann man auch nicht so viel erwarten. Die Verarbeitung ist echt mies. Die Abdeckkappen, die benützt werden an den Stellen wo die Brems- bzw. Schalthüllen innen in den Rahmen laufen funktionieren nicht. Gleich weg mit dem Schrott, brauche ich nicht. Der Schaltzug zum Schaltwerk läuft durch die rechte Kettenstrebe. Nur passt der da nicht durch, vermutlich ist da beim Carbonsisieren etwas schief gegangen. Also habe ich ihn aus dem Unterrohr unter das Tretlager geführt und dann mit Kabelbindern fixiert. Sieht jetzt irgendwie interessant und wahnsinnig gewollte aus.

Das Grundkonzept des Designs war: Unten viel silber, oben viel schwarz und ein Farbklecks bitte. Der ist neongrün geworden. Campa 11 Athena Schaltwerk und Umwerfer passt gut zu den silber polierten H plus Son Archetype Felgen und Novatec Naben, die Campa Potenza Kurbel finde ich allerdings etwas schwächer in ihrer Silbrigkeit.

Dann gab es noch eine zweite Designidee, und zwar den Rahmen komplett unlackiert und rau zu lassen, wie ein Teil, dass gerade direkt aus dem Hochofen kommt und noch nicht behandelt wurde. Dieses Konzept  wird sehr gut durch die fehlenden Abdeckkappen unterstützt.

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Ups, wieso steht denn da De Rosa, lieber Chinamann?

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Rauhe Führung

Ich wollte heute noch nicht so viel über den Aufbau scheiben, dafür nehme ich mir ein anderes Mal mehr Zeit. Hier nur ein paar schnell Details: Vorne sind Campa Chorus 11 fach Griffe verbaut, weil die ja noch ein Durchschalten vom 1. in den 11. Gang erlauben, im Gegensatz zu Athena abwärts.Da Lenkerband ist von Supacaz und sehr angenehm, ebenso wie der 3T Ergonova Lener sehr bequem ist durch die breite Auflage. Der Spacerturm ist der Größe des Rahmens geschuldet, ich habe das erst einmal auf die Höhe von meinem alten Canyon Positivo gebracht, aber vielleicht korrigiere ich das wieder. Bremsen wie immer: Campa Super Veloce Modell 2014.img_0250

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Mein Rad. Nun endlich auch sichtbar.

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Demnächst mehr.

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De Rosa Giro d’Italia

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Nein, das ist nicht in Gallilea, sondern in Bremen Schwachhausen

Ich wollte schon immer ein De Rosa haben. So könnte ich diesen Post beginnen, aber das stimmt nicht. Zuerst wollte ich immer ein Olmo haben. Und dann ein Basso. Und in der letzten Zeit wollte ich ein De Rosa. Egal was, das Ergebnis ist immer das gleiche: zwei Olmos, zwei Bassos und jetzt zwei De Rosas.

Mittlerweile habe ich das blaue Olmo verkauft und das weiße Olmo steht bei meinen Eltern unbenutzt in der Garage. Das war ohnehin eher ein frühes Design-experiment, schwer vorstellbar, das sich heute noch einmal etwas ähnliches bauen würde. Meine beiden Bassos haben ich noch, das blaue Basso Fixie ist immer noch ein tolles Fixie und das Basso Fior di Loto jetzt wieder ein gutes Rennrad, nachdem ich einige Umbauten gemacht habe.

Über das De Rosa Giro d’Italia hatte ich bereits geschrieben. Ich habe den Rahmen jetzt erst einmal als Fixie aufgebaut – aber vielleicht baue ich das ganze dann doch zu einem vollwertigen Rennrad um, wenn mein China De Rosa nicht so doll ausfallen sollte. Mittlerweile sind alle Teile da, nur die Laufräder müssen noch gebaut werden, dafür habe ich ein paar ganz spezielle schone Naben (vorne: Fratelli Brivio, hinten Phil Wood) und Felgen (vorne: Mavic Module E, hinten: H+Son SL42 Kopie). Aber das soll einen ja nicht vom fahren abhalten, schließlich möchte ich wissen, wie sich das Ding fährt, also habe ich ein paar andere Laufräder  verbaut und bin losgefahren.

Der erste Eindruck ist … normal. Also normalerweise schreiben ja alle gerne hier an dieser Stelle wie toll und schnell ein neues Rad ist, aber hier liegt es eher an mir, dass ich nicht begeistert bin: Meine Form ist gerade suboptimal, oder besser gesagt subausreichend. Da kann auch das Rad nicht helfen, so dass ich gerade nicht so zufrieden bin. Heute 20 km auf dem Deich gingen gut, meisten so im Bereich 28 – 30 km/h; allerdings auch in Jeans und mit Plattformpedalen.

Ich mag diesen ergonomischen 3T Ergonova Lenker, weil sich die Hände wirklich sehr angenehm auf dem Oberlenker platzieren lassen. Und ich mag auch die sehr kleinen Tektro RL320 Bremsgriffe, die eigentlich für Kinderhände gedacht sind. Die bieten auf der Oberlenkerseite genug Auflage für die Hand, bzw. Anlage zum mitnehmen im Wiegetritt; und sind nicht so massiv wie die klassischen Tektrohebel.

Nicht so gut gelungen ist die Idee, den oberen Teil des Rades in Neongrün auszuführen. Das kommt im Prinzip von dem Rad, was Hannes und ich für Tanja gebaut haben. Also der Rahmen ist rot, die Decals weiß, die Komponenten silber und der Rest wird dann grün. Bei Tanjas Rad sieht das gut aus, aber obwohl ich mir extra noch einmal drei verschiedene grüne Bremshüllen gekauft habe, ist einfach keins der der Grüns (Lenkerband, Bremshüllen, Sattel) wie das andere. Der Fabric Sattel ist übrigen ein alter Charge Sattel, nur mit einer anderen Markenbezeichnung. Insgesamt also durchaus misslungen, da das Supacas Lenkerband allerdings auch super cas teuer ist, bleibt das jetzt erst einmal so.

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Kurzfristig wird dieses De Rosa mein Union Fixie ersetzen, mit dem ich über viele Jahre echt zufrieden war. Das sind Räder, keine Menschen, da darf man nach ein paar Jahren die Karten wieder neu mischen und aussortieren.

 

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Das De Rosa Double.

Seit einiger Zeit trage ich mich mit dem Gedanken mein Canyon Positivo Rennrad, sozusagen das Arbeitspferd in der Garage durch etwas neues zu ersetzen.

Das Canyon ist jetzt über fünf Jahre in Gebrauch und hat mehr als 40.000 km runter. Die Ultegra Schaltung an dem Rad ist sogar noch älter, die habe ich von meinem 2009er Cervelo S1 ab- und an das Canyon angebaut. Moralisch bin ich also voll im Recht, wenn ich nach etwas neuem verlange. Auch wenn es das beste Rad ist, das ich jemals besaß.

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Das beste Rad auf der besten Strasse jemals.

Ich möchte wieder einen Carbon Rahmen, da die so viel angenehmer zu fahren sind als mein beinhartes Cervelo.

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Das beinharte Cervelo.

Und am liebsten hätte ich auch Scheibenbremsen dran. Und was ich nicht möchte sind innenverlegte Züge, Pressfit Innenlager und häßliche Vierarm Shimano Kurbel. Gibt es so etwas? Nein, ist die schlichte Antwort. Canyon oder Rose wären vernünftige Entscheidungen, aber in beiden Fällen muss man sich für Kompletträder entscheiden und kann den Rahmen (Endurace im Falle von Canyon) nicht einzeln erwerben. Und damit bekommt man einen Haufen schlimmer Shimano Komponenten und noch schlimmere Laufräder geliefert. Und innenverlegte Züge, knarrzende Pressfit Innenlager und dazu schlimmste Vorbauintegrationen, auch dies im Falle von Canyon. Und dann sehen die Dinger auch nicht wirklich gut aus. Zum Lackierer müssten die auf jeden Fall noch mal. Also doch lieber etwas unvernünftiges kaufen. Dann aber richtig.

Ich denke ein De Rosa zu kaufen ist eine richtig unvernünftige Entscheidung. Ich würde einmal behaupten, an einem De Rosa funktioniert nichts besser als an einem Canyon, dafür kostet es aber drei Mal so viel. Außerdem passt da nur Campagnolo dran. Jedenfalls moralisch gesehen. Zwei De Rosa zu kaufen ist sehr unvernünftig. Also habe ich das gemacht.

Der erste De Rosa Rahmen, den ich mir zu gelegt habe, kommt aus China. Also, um genau zu sein, es ist gar kein De Rosa, sieht aber sehr ähnlich aus wie ein De Rosa Superking 888 (das ist ein italienisches Kürzel für Komfort Rennrad).

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In China bekommt man so etwas unlackiert. Dann schickt man es hier zum Lackierer seines Vertrauens und der macht etwas sehr, sehr schönes daraus. Das De Rosa hat ein schönes, horizontales Oberrohr und auf mein Verlangen bekomme ich das mit einer Aufnahme für ganz normale 68mm BSA Patroneninnenlager. Das sind die Innenlager meines Vertrauens: Halten ewig, knarrzen nicht und sind so steif wie ich das brauche. Warum jemand etwas anderes brauchen sollte habe ich nie verstanden.

OK, das De Rosa hat dummerweise innenverlegte Züge und auch keine Scheibenbremsen. Aber sonst sieht es so aus, wie ein Rennrad aussehen sollte. Das ist unvernünftig, aber wichtig.

Nun kommt es aber aus China und da gibt es diesen kleinen Japaner in meinem Kopf der mir sagt: „Hält das denn? Ist die Qualität OK? Machst Du da nicht einen riesigen Fehler?“. Linda, die zusammen mit ihrem Freund bereits sehr viel Erfahrung mit Importen aus China hat sagt: „Nein Michael, mach Dir keine Sorgen.“ Und irgendwie finde ich es paradox, dass wir unsere Handys, unser Kinderspielzeug, unsere Unterhaltungselektronik und fast alles was aus Plastik oder Metall gegossen oder gepresst wird aus China beziehen, aber uns schlimme Gedanken machen, wenn da kein deutscher, sondern eben der originale chinesische Markennamen drauf steht. Und das das nur ein Fünftel des italienischen Originalproduktes kostet verstärkt unsere Angst.

Eine meiner Studentinnen antwortete einmal in einer Prüfung auf die Frage, warum die Bundeswehr ihre Panzer nicht aus China bezieht (ich wollte hören, dass es strategische wichtige Produkte gibt, deren Ein- und Ausfuhr der Staat kontrolliert) mit „Qualitätsprobleme!“. Nice Try, aber ist das wirklich so, oder nur ein unbegründetes Vorurteil?

Nun bin ich, manchmal denke ich leider, Ingenieur. Wir Ingenieure bauen nicht einfach eine Brücke, machen die Stützen 30 cm dick und denken uns: „Na ja, das wird schon irgendwie halten. Es ist noch immer gut gegangen.“ Wir sind Pessimisten und machen die Stützen dann lieber einen Meter Fünfzig dick, denn ein Pessimist ist niemals enttäuscht. Und so entschloss ich mich spontan noch ein De Rosa zu kaufen. Und zwar ein rotes Giro d’Italia aus Stahl von einem guten Partner aus dem Rennradforum der sein Geld sonst hauptsächlich mit dem Verkauf alter Rennradbrillen verdiente (von den Dingern waren mal tausende im Umlauf). Die Gelegenheit ergab sich spontan, im Tausch gegen ein Paar goldener H plus Son TB14 Felgen die vermutlich an ein ebenso goldenes Colnago verbaut werden.img_0097

Das wird gerade bearbeitet und ein paar Teile werden einmal probeweise verbaut.

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Campaganolo Record Steuersatz. Die Pantos sind erst einmal ausgemalt, müssen aber noch bearbeitet werden.

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Columbus EL Oversize Rohre. Massives Unterrohr, massive Sitzstreben und Diamantförmige Kettenstrebe, alles in rot oder Chrom.

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Nach mehr Pantos, gepaart mit den legendären Campagnolo Super Veloce Bremsen.

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De Rosa Ausfallenden mit 6-fach Regina America Maiskolben.

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Sattel mit BLB Notorious Carbonstütze.

Der Aufbauplan für dieses Rosa ist ziemlich simpel:
Unterhalb des Oberrohrs muss alles rot, Chrom oder glitzerndes Silber sein. Silberne Campagnolo Bremsen, silbere Campa Athena Kurbel (später mehr dazu), silberne KMC Kette, silberne 11-fach Umwerfer und Schaltwerk. Tja, da bleibt ja dann leider nur noch der Griff zur Campagnolo Potenza Gruppe.

Und vor allem silberne Laufräder mit ganz niedrigen Felgen. Dafür habe ich mir die mit schönsten Naben überhaupt, Mavic 501 besorgt und diese mit Wolber Gentleman Felegen verbaut. Vorne hat das auch geklappt und sieht sehr gut aus. Der Versuch ein Hinterrad aus der Kombination 501 Mavic/Wolber zu bauen ist allerdings gründlich gescheitert.

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Zum Glück wurden im Rennrad News Forum, der Quelle von ca. 83% aller glücklichen Radgefühle an tristen Winterabenden in Bremen, ein Paar Mavic Module E Felgen angebaut die ich mir unter den Nagel reißen konnte. Die mussten erst poliert werden und waren bei weitem nicht so zickig wie die Wolber Felgen.

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Damit ist unten alles glitzernd.

Ich habe allerdings gerade ein Kurbelproblem. Hier die vorgesehene Kurbel, eine polierte Campagnolo Athena Kurbel die mit 10-fach Kettenblättern aufgebrezelt wird.

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Heute bin ich bei dem versuch gescheitert die Staubkappen abzuschrauben und zwar recht schnell. Der kleinste Durchmesser der Zapfen des Cyclus Stirnlochschlüssel den ich habe, ist mit 2,2 mm viel zu dick für die Löcher. Die kleinsten Zapfen, die ich im Netz finden konnte haben einen Durchmesser von 1,5 mm – reicht das um die Dinger abzubekommen? Und wie rum muss man die drehen? Da bräuchte ich mal Wissen vom hohen Campa Stuhl.

Oben wird alles weiß und neongrün – also die italienische Trikolore. Ja, ich könnte auch alles weiß machen, aber das ist ja so langweilig und so unpraktisch. Weißes Lenkerband macht keine Freude.

Soweit es geht. Vernünftig arbeitende Ergohebel von Campagnolo gibt es ja leider erst ab Chorus Stufe, und somit nur in Schwarz.  Aber weißer Lenker, weißer Ahead Vorbau, weiße Sattelstütze, weißer Sattel sollten kein Problem sein. Und dazu neongrünes Lenkerband von Supercaz und neongrüne Zughüllen zur grünen Abrundung der Flagge. Dann passt das.

Aha. und wer jetzt gut aufgepasst hat, hat gemerkt, das die Ergo Schaltung oben gar nicht mit den Laufrädern unten (6fach) zusammenpasst. Stimmt. Für diese Variante habe ich mir noch einen Satz silberne H Plus Son Archetype Felgen zugelegt und muss jetzt noch die passenden Naben in silber mit 11-fach Campagnolo Freilauf finden, was gar nicht so einfach ist.

Der Clou ist aber der folgende: Wenn das alles ein sehr schnelles und schönes De Rosa Giro d’Italia ergeben sollte, dann bleibt das so und das Canyon wird verkauft.Dann ist das De Rosa das Rad für alle Aufahrten und Rennen. Passt das aber nicht, wird das De Rosa mit dem Mavic Laufradsatz auf 6-fach umgebaut und dient dann für die Fahrt zur Arbeit bei Wind und Wetter.

Und dann kommen alle Komponenten an den De Rosa Superking 888 Rahmen. Sollte aber tatsächlich das Giro d’Italia richtig gut werden, dann baue ich den Superking Rahmen mit den alten Komponenten auf.

Das ist so wieso eine Idee die mir ausgezeichnet gefällt. Ich bin bei Facebook in einer Gruppe, die sich Neo Retro nennt und in der Menschen ihre Räder präsentieren die sie aus der Kombination von alter und neuer Technik gebaut haben. Typisches Beispiel?

Die Gruppe gefällt mir gut. Nicht weil mir jedes Rad dort gefällt, aber es gibt immer wieder eine Menge guter Anregungen. Das Neo-Retro Prinzip ist allerdings immer gleich: Der Rahmen ist Retro, die Anbauteile sind Neo. also dachte ich mir, mache ich das bei dem De Rosa Superking 888 Rahmen einmal genau umgekehrt: Der Rahmen ist Neo, die Anbauteile sind Retro.

Ich habe keine Ahnung, wie das alles ausgehen wird. Aber es erscheint mir alles so brilliant, so innovativ, so unvernünftig?

So wie wir Ingenieure halt sind.

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Umberto Dei Cross Evo

2013 kaufte ich mir ein wunderschönes Umberto Dei Rennrad und baute das mit einem Moustachelenker in Blau-Gold auf. Goldene TB14 Felgen etc. waren zu viel des Gutens und damit das Rad wieder fahrbar wurde, baute ich das ganze auf einfacherer Laufräder um. Trotzdem gab es wenig Gelegenheiten das Rad zu fahren, ihm fehlte einfach der korrekte Zweck.

In der Zwischenzeit hatte ich mein Hybrid MTB Bad Boy verkauft und wollte wieder ins Geländer. Bremen, das kommt vielleicht für viele jetzt sehr überraschend, ist sehr flach und  das macht es einfach zwischen vier Punkten A,B,C und, sagen wir mal P, 6 Straßen zu bauen. Im Gebirge geht das alles nicht ohne Tunnel, Brücken und ein staatlich subventioniertes Konjunkturprogramm wie in in Japan, aber hier kommt ein Bulldozer und dann wird schon der Teer heiß angerührt – fertig ist ein neuer Feldweg. Oder aber kein Teer – und dafür brauchte in ein Rad. Also habe ich das Umberto Dei für diesen Zweck umgebaut.

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Das alles hatte ich beschrieben und der erste Ausflug ins Teufelsmoor verlief sehr gut. Am Donnerstag bin ich mit Hannes zusammen Off-road nach Wilstedt damit gefahren. Es gab eine ganze Reihe von neuen Straßen die wir dabei entdeckt haben und gefahren sind und das in Gegenden in denen wir bereits seit Jahren fahren. Wir waren also nicht gerade Livingstone uns Stanley im Kongo.

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Kernstück des Umbaus ist ein neuer Nitto Riser Lenker mit Ezy Griffen, Modolo Sport Bremsen und einem Suntour Accushift Daumy zur Ansteuerung des Schaltwerks. Passt alles perfekt, aber ehrlich gesagt ist auch dieser Lenker auf längeren Fahrten nicht wirklich bequem.

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Vorne habe ich die vom Design her nicht passende Tektro gegen eine Shimano Golden Arrow ausgetauscht. Diese wird, das ist heute recht selten, auf der linken Seite mit dem Bremzug verbunden.

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Klar, wenn ich mir da Ergebnis heute ansehe, dann wirkt die erste Version wesentlich klassischer.

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Aber ein Rad das nicht gefahren wird und nur in der Garage steht bringt nichts. Das neue Umberto Cross Evo bringt da ganz neue Möglichkeiten. Demnächst hier.

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Teufelsmoor.

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Seit Jahren suche ich nach neuen Wegen um Bremen herum und seit Jahren weiß ich auch, dass ich dafür einen Crosser brauchen würde, habe aber keine Lust und kein Geld, um mir einen zu kaufen.

Und seitdem ich  letztem Sommer zum ersten Mal in Melchers Hütte war, wollte ich die Feldwege im Teufelsmoor erkunden und über diese schräge Brücke über die Hamme fahren, die mir bei einer Torfkahnfahrt auffiel.

In der letzten Woche habe ich mein Umberto Dei umgebaut. Das ist ein sehr schöner Rahmen mit einem Moustache Lenker, tollen goldenen Mafac Bremsen und noch schöneren goldenen H plus Son TB14 Felgen; abgerundet durch eine Regina Ora Kranz mit passender Regina Kette – Gold quasi überall. Das Rad gefällt vielen gut die es sehen; mir auch, nur leider muss ich es auch fahren und da liegt das Problem: Funktional ist das alles nicht so glücklich. Für kurze Strecken ist Umberto gut, aber bei längeren Strecken schmerzt die Haltung und die Handposition auf dem Lenker. Die Bremsen machen alles: Geräusche, glitzern, bewegen .. nur bremsen, das tun sie nicht. Und Rahmenschalthebel….na ja: STIs/Ergo und Dual Pivot Bremsen sind ja meiner Ansicht nach die herausragenden Innovationen der letzten 30 Jahre.

Ich hatte mir lange überlegt, wie ich das Rad umbauen sollte und langsam reifte die Idee daraus einen Semi-Crosser zu bauen. Den Moustache Lenker ersetzte ich durch einen schmalen Riser von Nitto der sehr stark nach Fixie-Szene aussieht. Einen breiten MTB Lenker wollte ich nicht. Nichts gegen MTBs und schon gar nichts gegen ihre Fahrer, aber MTB Fahrer sehen meiner Meinung nach auf MTBs so aus, wie weibliche, russische Gewichtsheberinnen wenn Sie gerade das Gewicht vom Boden nach oben reißen.

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Klassischer MTB Riser Lenker in typischer, epischer Breite.

Die Bremsen ersetzte ich durch Modolo Sport Hebel, da ich schon wieder Tektro FL-750 verbauen wollte die zugebenermaßen die schönsten Hebel der Welt sind. Und durch Tektro Bremsen mit langen Schenkeln die vom Aufbau von Hannes weißen CIÖCC übrig geblieben waren. Dazu hellblaue Esi Chunky Griffe, statt den Oury Griffen, die ich sonst oft benutze.

Den Laufradsatz tauschte ich aus gegen einen mit Dura Ace 7400 Naben, Mavic MA2 Felgen  und einer massigen 6-fach Uniglide Kassette 15/32. Zum Glück schafft das die Campa Nuovo Record Schaltung, wenn auch nur auf dem großen Kettenblatt. Aber das ist doch mal eine ansprechende Übersetzung für das Gelände. Auf die Felgen  wurden Challenge Strada Bianca Reifen gezogen. Massive Dinger 700 x 30C, aber mit einem schönen Diamantprofil, Naturflanke und halbwegs Straßentauglich aussehend.

Ich hatte noch einen Satz Suntour Accushift Daumis; von denen montierte ich den rechten an den Lenker um das Schaltwerk zu bedienen. Den linken Schalthebel für den Umwerfer ließ ich unten am Rahmen wo er hingehört, weil der ohnehin nicht benutzt wird. Ich hätte auch gleich Umwerfer und kleines Kettenblatt abmontieren können, aber meiner Erfahrung nach ist es gut einen Umwerfer montiert zu haben, einfach nur um die Kette vorne nicht abspringen zu lassen.

Am Donnerstag Abend nach dem Regen machte ich eine kurze Probefahrt. Passte in etwa. Heute dann die längere Ausfahrt ins Teufelsmoor.

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Melchers Brücke

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Melchers Hamme

Am Anfang fuhr ich auf bekannten Wegen. Umberto ist nicht wirklich schnell, aber es reicht, um nicht ungeduldig zu werden. Kurz vor Worpswede bog ich nach Norden ab und so langsam kam jetzt auch die Sonne raus. Es machte Spaß schnell zu fahren, neues zu sehen und unter dem Rad Sand und Kies knirschen zu hören. Das machte Lust nach mehr.

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OK, der Hummer hat doch die dickeren Reifen.

Wie schwierig das Gelände dort ist sieht man ja schon daran, was da sonst so rumfährt. Nicht. Denn ehrlich gesagt, hätte ich das alles auch mit einem Rennrad fahren können, Conti GP4000 Reifen halten so etwas aus.

Trotzdem, der Umberto Crosser könnte genau das richtige Rad für eine weitere geplante Tour sein: Die komplette Umrundung Westberlins auf dem 160km langen Berliner Mauerweg mit Fabian; und am besten auch gleich mit Steini.

Ich freue mich schon riesig, Fabian. Ich freue mich schon sehr, Steini. Ich hoffe das gibt diesen Spätsommer etwas, Fabian. Das machen wir doch im September, Steini?

Strava

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No 3Rensho

In diesem Winter, in vielen regnerischen und kalten Nächten, wo ich durch Erkältung und Verletzung an den heimischen Herd gefesselt war, machte ich etwas sehr un-ungewöhnliches: Ich baute ein Rad auf, das No! 3Rensho.

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Japanische Räder und Rahmen sind etwas tolles – vor allem dann, wenn man lange in Japan gelebt hat, die Gelegenheit verpasste etwas tolles zu kaufen und nach Deutschland mitzunehmen und nun hier sitzt und dem nachtrauert. Ich hätte ein Cherubim haben können, ein Kalavinka oder ein Quark, stattdessen kaufte ich mir zunächst ein Cannondale und dann später ein Cervelo Solist. Beides waren gute Räder, aber den Preis zahlte ich nachher, als ich mir für viel Geld zunächst einen Nagasawa Keirinrahmen besorgte, der heute eine Wand des Wohnzimmers beschmückt und dann später dazu noch einen Panasonic FCR37 Rahmen, mit dem ich einfach nicht glücklich wurde und der nun hoffentlich jemand anderes froh macht.

Letztendlich kam mir dann die Erkenntnis, dass ein Rahmen ja auch nur aus ein paar verlöteten Stahlrohren besteht, die dann lackiert und mit Aufklebern versehen wurden. Und gute Rahmen gibt es viele. Also nahm ich einfach einen guten Rahmen aus meinem Bestand, schickte ihn zu Yuji nach Berlin und ließ ihn pulverbeschichten. Das Ergebnis war wirklich toll, alles weitere kann man bei Interesse gleich hier nachlesen.

Da das ja kein echter 3Rensho Rahmen ist besteht auch nicht die innere Notwendigkeit diesen mit passenden Komponenten auszurüsten. Die Grenze zum Verbrechen ist bereits überschritten und nun ist alles möglich; oder wie David mal sagte: „I might as well be hung for a sheep as a lamb.“ Meine Idee war grundsätzlich das Ganze so auszurüsten, dass es wie ein modernes Rennrad schnell gefahren werden kann (wobei mir klar war, dass es eben nicht so schnell wie das Canyon Positivo wird), möglichst viel silbrig glänzende Teile hat und ein paar klassische Elemente. Ich wollte seit längerem eine Shimano 11 Gang Schaltung ausprobieren und hier hatte ich nun die Gelegenheit dafür.Außerdem sollte es nicht so teuer werden, dass man Angst haben muss es zu fahren. Ansonsten würde ich wieder das verbauen, was ich immer verbaue, denn es gibt nun doch eine menge Teile zu denen ich keine wirklichen Alternativen gefunden habe. Das Rad ist nun endlich fertig. Fertig? Nun ein Rad ist nie fertig, aber das No! 3Rensho soll mein Schlechtwetterrad werden und es fehlen noch die Testach Schutzbleche von Honjo dafür, die in Deutschland so unglaublich schwer zu beschaffen sind. Da muss ich weiter auf Yuji vertrauen.

Im Detail nun.

Schalten

Verbaut sind Bremsschaltgriffe, Umwerfer und Schaltwerk der aktuellen Shimano 105 5800 Gruppe in schwarz bzw. silber. Da ich die neuen Shimano Kurbeln als viel zu klobig empfinde, habe ich eine Campagnolo Athena Kompakt 50/34 mit Ultra Torque montiert – was natürlich mal wieder nicht ohne das immer verlangte Spezialwerkzeug bei Campagnolo geht.Dieses Mal war es ein langer, 10er Inbusschlüssel – wieder ein Teil mehr in der Werkzeugkiste was nie gebraucht wird (da liegen bereits 3,5 mm, 7 mm und 14 mm Inbusschlüssel die ebenfalls nur für Campa sind).Die Kette ist von KMC und hinten tut eine einfache Shimano 105er 11 Gang Kassette der Abstufung 12/28 Dienst.

Die Zugführung der Schaltung ist, Rahmenbedingt, komplett außen und da es sich um einen älteren Rahmen handelt, auch mittels angelöteten Führungen oberhalb des Tretlagers. Ungewöhnlich, aber es ist nicht so, als wenn die Reibung hier das Schaltverhalten  beeinflussen würde.

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Die 105er Hebel haben ja nun auch die Zugführung unter dem Lenkerband, ebenso übrigens wie die neue Tiagra – da ist preislich auch fast kein Unterschied mehr.

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Shimano 105 5800 Umwerfer mit langem Jahr auf Campagnolo Ultra Torque Athena Kurbel.

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Da kommt der 10er Imbus rein.

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Am Hinterrad ist alles komplett Shimano. Nein. Die Schalthülle ist von Campagnolo.

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Hier kann man das dann auch sehen.

Insgesamt ist die Schaltleistung sehr sehr gut. Es ist eine Menge Arbeit den Umwerfer vorne richtig eingestellt zu bekommen. Shimano arbeitet ja mit einer Schablone die man braucht, je nachdem wie der Schaltzug hebeln soll. Aber wie immer bei neuen Shimano Schaltungen ist das ganze sehr knackig, schaltet schnell und präzise und man barucht den Umwerfer nicht zu trimmen. Die Frage ist natürlich wie sich die Schaltung über Jahre verhält, aber so ist das erst einmal sehr gut gelungen. Ich wünschte das ganze sehe etwas besser aus. Die Shimano Schaltbremshebel sind mir immer noch zu klobig und immer wenn ich das Schaltwerk sehe denke ich an eine Vespa.

Lenken

Verbaut ist ein Nitto Mod. 55 Lenker, eben genau eine der Komponenten zu denen es keine Alternativen gibt. Die Form ist zeitlos schön klassisch, zusammen mit einem sehr kurzen Dia Compe Vorbau (80 mm) wirkt alles gut.

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Die Klemmung des Vorbaus hat eine Ausfräsung, dadurch wirkt das ganze noch einmal leichter. Das Lenkerband ist wie immer wenn es farblich möglich ist, Speed Ribbon von BBB, weil das einfach das Band ist, das sich am einfachsten wickeln lässt und später gut aussieht. Völlig unverzichtbar, ich frage ich warum Fizik oder Rose das nicht so gut hinbekommt. Ich habe den oberen Teil schwarz gewickelt, da dies der Teil ist der schnell verschmutzt und da macht schwarzes Lenkerband für ein Schlechtwetterrad sehr viel Sinn. Unten blau, das passt sehr gut zu dem blau des Rahmens. Im rahmen ist ein Tange Steuersatz verbaut. Das Rad ist sehr agil, fast schon zickig, das liegt vermutlich an der Geometrie des Rahmens (der ja auch „Criterium“ heisst). Ich habe jetzt nichts nachgemessen und das kann auch alles Einbildung sein. Jedenfalls reagiert das No! 3Rensho schneller und nervöser auf Lenkbewegungen als andere Räder von mir.

Bremsen

Campagnolo Veloce Bremsen. Beziehungsweise Super Veloce. Unverzichtbar und günstig. Leider seit das aktuelle 2016er Modell von Campagnolo nicht mehr so gut aus, wie die Version davor, weil es eine häßliche Ausfrasung hat die vermutlich etwas Gewicht sparen soll. Oder ist es der Vesuch von Campagnolo die Bremsen „Skeleton-like“ zu machen? Wann weiß es nicht, was die Ingenieure in Vizenca wieder dabei gedacht haben. Zumindest braucht man kein spezielles Werkzeug.

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Wie immer lassen sich die Capa Bremsen sehr feinfühlig dosieren und haben viel Power. Die Kombination mit Shimano hat den Nachteil, dass sich die Bremsen nicht entspannen lassen, aber das braucht man ohnehin nur sehr selten und mit ein wenig Druck bekommt man auch 25er Reifen raus- und wieder reingedrückt, wenn es unbedingt sein muss.

Rollen

Die Laufräder bestehen aus Shimano 105er Naben in schwarz – Novatec wären auch eine Alternative gewesen, aber klassische Kugellager, wie sie Shimano weiterhin verwendet, bieten unter dem Aspekt der Wartung viele Vorteile im Gegensatz zu Industrielagern die man selber nur schwer austauschen kann. Vorne und hinten links sind DT Swiss Revolution (d 1.6 mm) und hinten rechts DT Swiss Competition (d 1.8 mm) Speichen verbaut, auch das ist eine bewährste Kombination zusammen mit Messingunterlegscheiben in der Nabe und Messingnippel. Das gibt nach meiner Erfahrung sehr haltbare Laufräder, die etwas abkönnen und wenig nachzentriert werden müssen. Dazu Araya SA-730 Felgen mit 32 Loch, die ich schon lange einmal verbauen wollte. Die Felgen bieten viel bling bling, nachteilig ist jedoch, das sie, wie alle Aerofelgen, keine Ösen haben, was langfristig auf die Zentrigkeit Auswirkungen haben könnte. Darauf sind Challenge Strada Reifen 700x25C montiert, um wenigstens etwas Komfort zu haben. Ich mag Reifen mit Naturflanke und einem leicht gerifelten Profil. Sicher, Continental 4000 ist haltbarer, sieht aber sehr klobig aus.

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Bei den Laufrädern gibt es nichts zu mosern. Die Bremsflanken sind zwar nicht gerifelt sondern ganz glatt, aber nach ein paar Kilometern haben sie sich auch gut eingebremst. Hochprofilfelgen geben naturgemäß wenig nach, so dass Rahmen und Räder sehr steif sind, das macht sich bei Kopfsteinpflaster schon bemerkbar. Für die normale Aufahrt reicht das aber.

Kontaktpunkte

Neben dem Lenkerband, sind das der Sattel und die Pedalen. Ich stelle gerade alle meine Räder auf das Shimano SPD System um, nachdem ich sehr lange SPD SL und Look Keo gefahren bin. Für das reine fahren sind das, meiner Ansicht nach, alles gleichwertige System, aber für den Alltag ist das SPD am besten, denn man kann leicht ein- und ausklicken, mit den Schuhen richtig gehen und muss nicht alle drei Monate neue Cleats kaufen. Meine alten Schuhe haben noch die Originalcleats seit 1999. Hier jetzte nmal Shimano XT. Der Sattel ist ein blauer Selle San Marco Supercorsa auf einer silbernen DIXNA Stütze aus Japan. Der Supercorsa sieht gut aus, passt farblich zum Rahmen und die DIXNA Stütze lassts ich wunderbar leicht in der Neigung adjustieren. Wenn man sie erst einmal montiert hat, was eine Qual ist, da braucht man mindestens fünf Hände für.

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Hinten dran baumelt ein japanische „O-Mamori“ der für die nötige Sicherheit im Verkehr sorgt. Funktioniert bislang sehr gut. So gesehen ist das ganze bequem, aber nicht übermässig. Schwer vorstellbar damit mehr als 100 km zu fahren, was einerseits am Sattel, andererseits an den Laufrädern liegt. Und vermutlich habe ich die Schaltbremsgriffe etwas zu tief montiert, denn ich sitze zu gestreckt auf dem Rad und fasse unwillkürlich immer kurz an den Vorbau. Für die Stadt und kleinere Ausflüge reicht das aber alles.

Gallerie

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Insgesamt ist das ein gelungener Aufbau mit dem ich bereits einige Kilometer gefahren bin. Das No! 3Rensho ist vielleicht 5-10% langsamer als das Canyon Positivo, das reicht aber für die normalen Club Ausfahrten durchaus. Es war auch viel Glück dabei, dass der Rahmen so positiv ist, denn das weiß man ja nie wie sich das Teil als ganzes verhält, bevor alles zusammengeschraubt ist. Jetzt fehlen nur die Schutzbleche und dann kann das miese norddeutsche Wetter kommen. Und wo ist das schreibe fängt es prompt an draußen zu regnen.

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Die besten drei … was auch immer.

Bicyling.com veröffentlichte heute einen Beitrag über die 16 besten Rennradfilme aller Zeiten (die nicht „Breaking Away“ heissen- der ist wohl für alle Zeiten als #1 gesetzt). Die Liste enthält die üblichen Verdächtigen („A Sunday in Hell“) und ein wenig Kunst („Bicycle Thieves“).

Vor ein paar Tagen wurde ich von einem alten Freund aus Aachener Studienzeiten angefunkt. Er hatte auf fb die Liste der zwölf Musikalben veröffentlicht, die ihn am meisten beinflusst haben und dies auch weiterhin tun, dann zwölf Freunde, unter anderem auch mich, markiert mit der Bitte dies genauso zu machen und somit weitere zwölf Freunde uns so weiter. Ich mache so etwas selten (kein besonderer Grund), aber es war Wochenende, es regnete draußen, ich lag halb krank im Bett und meine Familie war komplett an verschiedenen Orten unterwegs. Also, warum nicht? In den nächsten Tagen sah ich dann, was meine Freunde musikalisch als wegweisend, wichtig und permanent für sich betrachteten. Die Ergebnisse waren sehr interessant.Nicht im Sinne von musikalisch interessant, da gab es relativ wenig neues zu entdecken, zudem stammten die meisten Alben ohnehin aus unserer Jugend in den Siebzigern und Achtzigern. Aber interessant unter dem Aspekt: „Wie stelle ich mich als musikalisch eloquent nach außen dar?

Facebook ist, vor allem, ein soziales Netzwerk irgendwo in der Permanenz zwischen Gespräch und Brief und ohne Übersicht der Adressaten. Was ich damit sagen will sind zwei Dinge: Wir wissen nicht genau wie lange, dass was wir kundtun auf facebook für andere einfach verfügbar ist, bevor es unter einem Haufen anderer Dinge begraben wird. Manchmal suche ich einen alten Beitrag über eine bestimmtes Montageproblem und kann ihn nicht mehr finden, manchmal eben doch. Die Beiträge in facebook sind nicht wie ein Stapel Briefe mit Schleife in einer Schublade, die wir immer wieder lesen können, sie sind aber auch nicht so vergänglich wie ein Gespräch das wir einmal geführt haben und an das wir uns nur noch dunkel erinnern können.

Stand heute habe ich 253 Freunde auf facebook. Schreibe ich dort etwas, so kann es jeder von denen lesen, auch wenn ich das nicht bewusst beabsichtigt habe. So möchte in gerne bei meinen Rad-facebook Freunden damit angeben, dass ich mal wieder ein neues Rad gekauft habe, vergesse aber, dass meine Frau mitliest, die diese Botschaft nach Möglichkeit nicht erreichen soll. Daher die Garage, genannt Area 51, direkt hinterm Haus. Vor Jahren einmal postete ich im Auto auf dem Weg zu meinen Eltern. „On the highway to hell„, es folgte prompt das leicht irritierte „Spinnst Du? meiner Schwester. Das führt dazu, dass wir tendenziell belanglose, nicht kontroverse Dinge posten die alle irgendwie zufriedenstellen und niemanden aufregen. Schwer vorstellbar, dass ich etwas lobendes über Atomkraft, Scientologen oder Lance Armstrong schreiben könnte.

Lance Armstrong im Atomkraftwerk der Scientologen

Beide Punkte üben dann einen Einfluss auf, wenn man die Liste seiner Lieblings LPs zusammenstellt. Statt darüber nachzudenken, was einem ein Album einmal bedeutet hat, ist es wichtiger eine möglichst belanglose aber beeindruckende Liste von LPs zu veröffentlichen, mit denen im wesentlichen der eigene exquisite Geschmack des Boheme der man immer geblieben ist, die gesamte musikalische Bandbreite und die immer währende Treue zu den Klassikern der Jugend- im Gegensatz zu dem ganzen modernen Schrott – dokumentiert wird. In der Hoffnung alle anderen mögen keinen Anstoß finden und das ganze möglichst schnell wieder vergessen.

In meiner eigenen Liste ist das übrigens,nachdem ich einmal tiefer darüber nachgedacht hatte, ganz genauso, wenn auch leicht verschiedene Motive eine Rolle spielten. Nachdem ich das Ganze ein paar Tage später noch einmal durchsah, fiel mir auf wie wichtig es mir war den Eindruck zu erwecken, erstens nicht den Touch der Modernen verloren zu haben (deshalb fanden The Sounds ihren Eintrag) und zweitens das leichte Kontroverse zu forcieren (The Beautiful South). Tatsache ist allerdings, dass ich keine Alben mehr höre, sondern nur noch einzelne Songs, gepickt aus dem Angebot von Spotify. Alben sind langweilig, haben schlechte Songs, die wahre Auswahl müsste eine Liste von selbst zusammengestellten Tapes oder Playlists sein. Ich sah das phantastische Video von Tony Visconti über die Entstehung von Heroes von David Bowie, hörte mir das Album dazu an und war entsetzt von Songs wie V2 Schneider und Neukölln.

V2 Nina aus Neukölln

Gerechterweise hätten Alben wie „Ball Pompös“ von Udo Lindenberg aufgezählt werden müssen, denn es war die erste LP die ich mir jemals gekauft habe (vielleicht war es auch „Band on the run“ von The Wings) . Die erste Nina Hagen Band LP ist allerdings mit vollem Recht auf dieser Liste. Nie in meinem Leben hatte ich den größeren Wunsch eine LP zu besitzen als diese. Ich war ’79 auf einem Beruffindungsseminar in der Nähe von Bonn, Martin Kircher von EA80 hatte einen Walkman mit dem Nina Hagen Tape dabei und es war um mich geschehen. Ginge es nicht um Alben, sondern um Songs, so hätte „Yours sincerely“ von The Colour Field dabei sein müssen. Aber es ist eben facebook und nicht ein Gespräch mit TZ im Büro.

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Genauso ist es mit Rennrädern. Was sind die drei besten Rädern, die ich je besessen habe? Nun, die etwas langweilige Wahrheit ist nun mal, dass das Canyon Positivo das beste Rad ist, was ich je gefahren bin.

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Canyon ist als Marke wirklich nicht super sexy, Carbon Positivo ist nun mal kein Stahl und das Ding ist nicht so individuell wie etwas von Speedvagen, aber alles in allem und unterm Strich: Mit dem Canyon Positivo fahre ich viel und habe immer Spaß. Klar könnte ich auch etwas anderes aus der Garage holen, aber ich greife immer wieder auf das Canyon Positivo zu. Und das wäre dann für mich die Definition von „das Beste“. Nicht das beste Rad für die Stadt, nicht, dass am besten aussehendste Rad, nicht das mit dem meisten Prestige. Das Canyon hat das, was ein Rad gut macht. Und dabei hat es noch nicht einmal eine Campa Schaltung (Multishift!) sondern nur eine olle Ultegra, die ich von meinem Cervelo Soloist ab und da dran gebaut habe.

Ich liebe Stahlräder und die Technologie der Achtziger und Neunziger – nicht weil sie gut oder am besten ist, sondern weil ich sie beherrsche und sie mir Spaß macht. Mit würde es keinen Spaß am PC zu sitzen und die Software der Shimano Di2 zu hacken, oder einen Garmin irgendwie….auch keine Ahnung, Technik der 2010er ist mir nicht mechanisch genug und ich mache mir dabei nicht die Hände dreckig.

Das „zweitbeste“ Rad.ist schwieriger. Ich denke, es ist mein Union Fixie, das ich fast täglich benutze und das nach vielen Iterationen und Versuchen nun endlich so geworden ist,das es passt: Reifen, Laufräder, Bremsen, Steuersatz, Vorbau, Lenker, Lenkerband, Züge, Hüllen, Tretlager, Kurbel, Pedale, Schutzbleche, Kette, Ritzel – alles mindestens einmal getauscht und nun passt alles zusammen. Nur Rahmen, Sattel und Zugklemmen waren immer die gleichen. Fast. Denn die Suche geht immer weiter, was geht noch?

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Die ewige Nummer Zwei: Union Fixie

Das Drittbeste Rad? Ich weiß es nicht. Ich weiß, dass ich ein paar Räder hatte, die mir nicht gefallen haben: ein blaues Olmo, das unglaublich lahm war, ein Faggin, das nicht wurde was es sollte, ein Moulton bei dem ich mir nicht sicher bin, was aus ihm wird. Nein, ein drittbestes Rad gibt es nicht.

Oder vielleicht wird es das Union Fixie, denn trotz aller Liebe zum Canyon, es wird alt und der Kauf eines neuen, wichtigen Rennrads steht dieses Jahr ins Haus. Mit dem nächsten Rad wird wieder alles besser.

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Union. Oder der Optimismus.

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„Was ist das – Optimismus?“, fragte Cacambo in Voltaire’s Candide, „Ach“, erwiderte Candide, „das ist der Wahnsinn, zu behaupten, dass alles gut sei, auch wenn es einem schlecht geht.“ Und so sind wir weiter optimistisch, dass an den Rädern die wir besitzen, immer noch ein wenig verbessert werden kann.

Im Winter 2011 kaufte ich mir einen hellblauen Union Sapporo Rahmen, um daraus ein Fixie zu bauen und zwar mein erstes. Fixies hatten mich vorher nie interessiert, ich hatte die üblichen Vorurteile: Warum auf 20 Gänge verzichten, wenn man sie so einfach haben kann? Warum durch die Kurve treten und sich gut langzumachen? Und was passiert wenn ich mal wieder vergesse, dass ich auf einem Fixie sitze und aufhöre zu treten? Und außerdem wollte ich Bremsen und das geht ja kulturtechnisch nicht an einem Fixie.

Vier Jahre später ist das Union Fixie das Rad, mit dem ich die meisten Fahrten mache. Und es gibt nun wirklich verdammt viel Auswahl in der Garage. Nein, nicht die meisten Kilometer, aber die meisten Fahrten: Morgens zur Arbeit, ab und an in die Stadt, zum Sport, zu Besuchen in Unternehmen und abends wieder nach Hause. Auf Bremsen habe ich nicht verzichtet, denn ich habe Familie und ansonsten mag ich die etwas andere Dynamik des Fahrens: Ich schaue weiter nach vorne, bremse weniger abrupt, lasse das Rad mehr rollen und laufen. Es ist ein Unterschied etwa wie zwischen Inglorious Bastards und Marie Antoinette. Beides sind gute Filme, der erste zappelt mehr, der zweite fließt so dahin.

2012 bin ich, etwas zu optimistisch mit dem Union die 210 km Strecke auf dem Bremer Marathon gefahren, aber auch das ging irgendwie: Nach 150 km habe ich zum einzigen und letzten Mal geschaltet, das Hinterrad umgedreht und bin im Freilauf zum Ziel gefahren.

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Bremen Marathon 2012

Wie alle meine Räder, die ich gerne und oft fahre behandele ich auch das Union Fixie nicht mit Samthandschuhen. Räder die ich fahre sollen auch so aussehen, als wenn sie gefahren werden. Es gibt geputzte Showräder in der Garage, es gibt super-sensible Vitrinenräder in der Garage meiner Eltern die ich nie fahre, aber mein Canyon und das Union gehören nicht dazu. Sie sind dazu da gefahren zu werden, da darf man nicht heulen, wenn am Rahmen mal wieder eine neue Schramme dazu kommt. Oder zu verzweifeln weil es angefangen hat zu regnen.  Ich kann auch nicht jedes Mal putzen, wenn sie dreckig sind. Da ich mit dem Rad auch in die Stadt fahre, darf es ohnehin nicht zu gut aussehen.

Aber: Sie müssen funktionieren und perfekt laufen, die Kette muss gut geölt sein, die Bremsen perfekt eingestellt sein, genau richtig viel Luft im Reifen vorhanden. Darauf achte ich. Und natürlich gibt es immer noch etwas zu verbessern, sowohl an der Funktion, als auch am Aussehen. Und es ist der Optimismus, der uns weiter antreibt immer noch mal wieder zu schrauben und zu versuchen etwas besser zu machen. Ich wäre sehr naiv, wenn ich schreiben würde, dass das Union Fixie, so wie es heute ist, endgültig fertig ist. Ich habe schon wieder zwei drei neue Ideen, die ich umsetzen möchte. Klar, das Rad ist perfekt, aber trotzdem. etwas geht noch. Nun ist es aber oft keine gute Idee etwas noch besser machen zu wollen, denn das führt sehr oft dazu, dass teure und seltene Komponenten verbaut werden, die das ganze zwar viel schöner, leichter oder von mir aus besser machen, aber leider, leider steigt somit auch der Angstpegel, das etwas kaputt geht. Zuguterletzt hat man dann ein superschönes Rad, mit dem man sich nicht mehr traut zu fahren. Ich habe zum Beispiel einen sehr schönen Satz Spinergy Rev X Räder, den ich etwa dreimal im Jahr aus der Laufradtasche nehme, anschaue, überlege was ich damit machen könnte, bevor ich kurz aufstöhne und die wieder in die Tüte stecke. Kurz und gut, es muss die Balance gewehrt werden zwischen schön und funktionell auf der einen, und Lust sich drauf zu setzen und einfach loszufahren durch Regen und Matsch auf der anderen Seite.

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Union 2011

Vor vier Jahren war mir noch nicht klar, wie viel Zeit schlechtes Wetter in Bremen verbringt. Schutzbleche fand ich äußerst uncool und das höchste der Gefühle waren SKS Raceblades, also Schutzbleche die man schnell abmontieren und aus dem Sichtfeld bringen konnte.Wichtiger war mir damals, warum verstehe ich auch nicht mehr, alles mal mit Campagnolo zu bestücken. Vielleicht dachte ich, dass das bei einem Fixie billiger wird, weil ich keine Schaltung brauche. Jedenfalls kamen da erst einmal Super Record Bremshebel, Gran Sport Bremsen und eine zeitlich nicht passende Centaur Kurbel ran. Das funktionierte gut. Weniger gut war die Idee mit Halben Haken von MKS zu fahren – diese sind total unveträglich mit meinen spitzen Joe Jackson Look Sharp! Schuhen. Der Gimondi Lenker von 3ttt mit Modolo Vorbau (mochte ich wegen der Ähnlichkeit des Logos mit Mosburger) war auch alöles andere als bequem, da die Biegung des Pberlenkers sehr früh nach unten beginnt. Und die Veloflex Reifen sehen zwar in Rot mit Naturflanke toll aus, waren aber schon nach wenigen Kilometern in der Stadt hinüber. Und so waren schon zwei Monate später rote Contis drauf – und die Haken weg. Und so war der erste Aufbau gut, aber eben nicht perfekt.

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Union 2012

Kurze Zeit später montierte ich dann die unpraktischen MKS Sylvan Pedalen, die man nur auf einer Seite fahren kann ab und montierte stattdessen ebenso unpraktische Shimano Pedale für das SPD System auf der einen, und normale Schuhe auf der anderen Seite.  Zu dem Nachteil der Unpraktischkeit kommt hier noch der Nachteil des schlechten Aussehens. Im selben Jahr hatte ich dann einen meiner wenigen Radunfälle als ich von einem abbiegenden Auto geschnitten wurde. Der Arsch! Da spielt es ja wohl auch keine Rolle, dass ich auf der falschen Strassenseite ohne Licht und leicht betrunken fuhr, etwas was in Japan ca. 80% aller Radfahrer permanent machen – und hab dabei noch nicht mal Videos auf meinem Handy geschaut. Jedenfalls erwischte es mich hart. Nein, nein, ich war körperlich ganz OK, aber von allen Teilen an dem Union wurde ausgerechnet und nur einer der beiden Super Record Bremshebel beschädigt. das mit Abstand teuerste Teil am ganzen Rad.

Ende 2012 bekam ich dann Lust auf was neues. Ich hatte mir bei Fyxomatosis in Australien ein 48er Kettenblatt für das Union bestellt, das wurde dann montiert mit einer Dura Ace Kurbel. Und mit MKS Stream wurden dann auch die Pedalen gefunden, die ich heute an fast allen Rädern mit Straßenschuhen fahre.

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Union Ende 2012

Von einer 52/17 auf eine 48/17 Übersetzung umzusteigen war etwas gewöhnungsbedürftig. Sehr gewöhnungsbedürftig war es auch für eine Shimano Kurbel auf ein ISO Campa Lager montiert zu werden, das ging alles gar nicht und kam alles wieder runter. Die Campa Kurbel kam wieder drauf und das hielt dann alles erst einmal bis 2014.

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Union 2014

Das Wetter in Bremen wurde auch nicht besser über die Jahre.Ich montierte einen besseren Satz Laufräder mit schicken, roten Novatec Naben auf die ich Panaracer Pasela 700x28c montiert hatte um dem Wetter Herr zu werden.  Die Gran Sport Bremsen wurden ersetzt durch eine moderne Dual Pivot Campa Athena vorne und eine Shimano 600 Arabesque hinten – die Bremse da muss dummerweise langschenklig sein. Alle Bremsen werden mit Muttern am Rahmen befestigt und brauchen daher lange Achsen, so dass ich die Athena umbauen musste. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Bremshüllen durch rot-transparente mit Flechtgewebe ersetzt.

Den Vorbau ersetzte ich ebenfalls durch einen viel schöneren von SR mit Ausfräsungen, die in den olympischen Farben ausgelegt sind, dazu kam ein wesentlich bequemerer Nitto Mod. 55 Lenker. Auf dem Foto kann man auch die Schutzbleche erkennen und wie mies die an sich sind.

Das Union fuhr und fuhr bis in das Jahr 2016, aber es gab wieder eine Menge Dinge mit denen ich unzufrieden war und die wieder geändert werden mussten.

DSCF2229 Heute fahre ich mit Honjo Testach Schutzblechen, das ist für Bremen ein Muss. Im Gegensatz zu den SKS Raceblades klappern die nicht, schieben sich nicht ständig an den Reifen ran und müssen korrigiert werden und schützen außerdem tatsächlich vor Spritzwasser, im Gegensatz zu dem SKS Zeuch. Zwischendurch hatte ich einmal einen Flaschnenhalter, eine Satteltasche und anderen Firlefanz drangebaut, all dies ist wieder weg bis auf Tacho, Klingel (ganz klein) und ein japanisches O.Mamori für Verkehrssischerheit ohne das es nun einmal wirklich nicht geht.

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Union 2016

Zwischendurch hatte ich als Reifen Schwalbe Lugano in Kombination mit Michelin Dynamic Classic montiert, jetzt habe ich einmal tiefer in den Beutel gegriffen, hoffentlich ohne die Balance zu zerstören und Challenge Criterium montiert. Das Gefühl nach den erste Ausfahrten ist wirklich gut, das ist zwar nur ein 23er Reifen, denn größeres schafft es zumindest vorne nicht unter die Schutzbleche, aber das Fahrtgefühl verändert sich deutlich zum mehr komfortablen im Vergleich zu den steiferen Michelin Reifen.
Als Lenkerband habe ich einmal das neue Rose Band verbaut. Das ist leider deutlich weniger schön als das BBB Race Ribbon, was ich am liebsten benutze und was sich ganz hervorragend wickeln lässt. Zuguterletzt habe ich eine Carbonkurbel montiert, damit ich wieder das 48er Kettenblatt fahren kann, diesmal in der Übersetzung 48/18. Das ist unendlich einfach zu treten, hat aber den Vorteil, dass man die Frequent gut erhöhen muss um vorwärts zu kommen, was sicherlich im Winter keine schlechte Idee ist.

Die Carbonkurbel kommt sicherlich wieder runter. Aber ansonsten ist das Rad jetzt erst einmal perfekt eingestellt und läuft ebenso. Aber natürlich ist das alles immer noch nicht gut genug. Die Sattelstütze ist ja doch ziemlich hässlich. Und die Übersetzung könnte auch auf 48/17 oder 48/16 geändert werden. Und der Schlauch mit dem langen Ventil vorne muss unbedingt gewechselt werden.

Aber sonst ist es fast perfeckt. Oder bin ich da jetzt zu optimistisch?

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2016年初詣. 2016 Hatsumode.

Manchmal, insbesondere wenn mich meine Kollegen wieder einmal völlig entgeistert anschauen, wünschte ich, ich hätte nach 12 Jahren Japan zunächst einmal an einem Integrationskurs teilgenommen bevor ich mit den Einheimischen hier in Kontakt kam. Ob gut oder schlecht, die eine oder andere Spur hat das ganze nämlich doch im Kopf hinterlassen.

Dazu gehört auch, dass ich zu Beginn des Jahres das dringende Gefühl habe, zwei Dinge sofort erledigen zu müssen: David zu schreiben, damit er mir das neue Japan Architect Jahrbuch in Tokyo „besorgt“; und noch viel wichtiger, zum nächsten Shinto-Schrein zu fahren und dort für Verkehrssicherheit zu beten.

Der erste Besuch im neuen Jahr im Schrein heisst auf japanisch „hatsumode“ und besteht aus zwei Zeichen. „Hatsu“ steht für „das erste Mal“ und „mode“ für „Besuch des Tempels oder Schreins“. Das letzte Zeichen braucht mal wirklich nur für dieses Wort, es mag noch die eine oder andere Anwendung geben, aber die sind selten. In den ersten Tagen des neuen Jahrs machen sich Millionen von Japanern auf, um die Schreine (Shintoisten) und Tempel (Buddhisten) zu besuchen und dort für anhaltendes Glück zu beten. Das ist nicht umsonst und in der Regel mit Geldspenden verbunden.

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Hatsumode. Da wird es schon mal enger.

Vor dem Schreingebäude sind zu diesem Zweck lange, verbitterte Kisten aufgestellt, in die man sein Geld wirft, kurz zum Gebt verweilt, in die Hände klatscht und sich verbeugt. Es gibt da verschiedene Versionen, doch das zu erklären führt hier zu weit. Man kann sich zudem verschiedene Amulette und Glücksbringer kaufen, für zuhause, das Auto oder die Schultasche, die je nach dem für bestimmtes Glück sorgen sollen: Gesundheit, Verkehrssicherheit, Erfolg in Schule, Studium oder Beruf und Liebe sind die gängigsten. An fast jedem meiner Räder ist ein Verkehrssicherheitsamulett (ein sogenanntes „O-Mamori“: お守り und tatsächlich fahre ich auch seit Jahr und Tag unfallfrei, ohne jetzt irgendwie auf Holz zu hauen. Die wirken demnach auch außerhalb von Japan, allerdings ist die Haltbarkeit streng auf ein Kalenderjahr begrenzt; nur durch einen erneuten Schreinbesuch können die wieder für ein Jahr aufgeladen werden.

Ganz harte, lassen sich ihr Auto oder das Motorrad bei der Gelegenheit auch gleich durch einen Priester purifizieren bzw. segnen. Dann kann gar nichts mehr schief gehen.

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Shintoistische Vollkaskoversicherung

Nachdem ich das Radfahren 2016 bislang zugunsten meines Hausfrauenkampfdrohnen Aerobichüpfundspringkurs, bzw. einer ausgedehnten Erkältung, bzw. Schnee und Eis in Bremen wegen vernächlässigt hatte, machte ich mich heute auf meinem nagelneuen No! 3Rensho auf den Weg zum nächsten Schrein. Ich hatte das Teil noch einmal umgebaut und einen 2 cm kürzeren Vorbau angebracht, weil ich mich zu langgestreckt auf dem Rad fühlte. Das brachte exakt nichts, so mein Eindruck nach der Fahrt heute. Ich hätte vermutlich doch die STI Griffe höher am Lenker ansetzen sollen, aber meine Kapazität an lustigem Lenkerband ab- und draufwickeln ist nun erst einmal erschöpft.

Kurz hinter dem Weserwehr traf ich Philipp, Schnippo und Sebastian, die von einer längeren Winterausfahrt nach Hause kamen. Kurz danach hatte ich meinen ersten Platten. Typisch, dachte ich mir, dass haste nun davon, dass Du immer noch nicht die shintoistische Vollkaskoverkehrssicherheitspolice abgeschlossen hast – jetzt wird es aber höchste Zeit.

Der nächste Schrein von Bremen aus gesehen, liegt etwas versteckt zwischen Ahausen und Riede. Es handelt sich dabei um einen Ableger des großen, berühmten und leider auch berüchtigten „Yasukuni Schrein“ im Herzen von Tokyo. Man erkennt das sofort an der Form des Tores (Torii), das vor dem Hauptschrein steht: Drei oder vier Rundhölzer, davon ein oder zwei horizontal, zwei vertikal, das ist typisch für den Yasukuni Schrein und seine Ableger.

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Eines der Tore vor dem Yasukuni Schrein in Tokyo.

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Yasukuni Annex Schrein, Ahausen

Um auf Nummer GAAAAANNNZZZ sicher zu gehen, hatte ich ein O-Mamori des Yasukuni Schreins an meinem Rad befestigt, man weiß ja nicht wie das so mit der Kompatibilität verschiedener Schreine ist. Nicht das mein Amulett auf Shinto-Windows läuft, das OS vom Yasukuni Schrein aber Apple OS X ist und ich dann prompt einen Unfall baue.

Nun musste ich noch meine Gebete sprechen.

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Mich vor dem Schrein verbeugen.

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Und nun sollte ich erst einmal wieder für ein Jahr sicher fahren können. Das wollte ich ansatzweise auch einmal ausprobieren und machte mich gegen den Wind nach Okel auf. Dort kam mir Thomas entgegen, der aber, wie ich später auf Strava sah, schon mehr als 120 km hinter sich hatte und die Welt um sich herum offensichtlich nicht mehr wahrnahm. Egal. Ich kämpfte mich hoch zum Golfkurs, fuhr noch ein Stückchen weiter Richtung Syke und machte mich dann mit Volldampf daran den Okel KOM zu brechen. Die Form ist aber einfach zu mies und das No! 3Rensho ist eben auch nicht so schnell wie das Canyon, auch wenn es 11 Gänge hat. „Right. These go to eleven. Well, it’s one faster, isn’t it?“ Nein leider nicht.

Zumindest war der Weg zurück nach Südweye dann erst einmal spassiger mit Rückenwind.

Und weit vor mir war ein anderer Rennradfahrer den ich unbedingt einholen wollte, was die nötige Motivation gab. Ich hatte es gerade geschafft und ihn in Südweye stehen gelassen, als ich merkte, das nun auch mein Vorderrad langsam Luft verlor. Geistig begrub ich alle Pläne und  machte mich auf Richtung Haus, denn ich hatte keinen Schlauch mehr dabei. Die letzten 15 km waren dann sehr nervig und sehr langsam, aber irgendwie schaffte ich es dann doch mit ein wenig Luft nach Hause, so dass ich nicht die ganze Zeit auf der Felge fahren musste.

Ich glaube da hatten ein paar Shinto-Gottheiten ihren Daumen auf dem Loch im Schlauch.

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NO! 3Rensho Preview

Neo-Retro: Ein 3Rensho Rahmen, der keiner ist, neon-blau neu pulverbeschichtet und aufgebaut im Kern mit einer Shimano 105 5800 11-fach Gruppe. Bis auf einige Teile von Campagnolo. Ein erster, kurzer Blick.

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Dominant blau und silber, letzteres vor allem durch die massiven Araya Hochprofil Aerofelgen (also was man vor einigen Jahren noch unter Hochprofilfelgen verstand, heute versteht man darunter ja Scheibenräder mit einem Loch in der Mitte) und die Campagnolo Athena Ultra Torque Kurbel.

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Mal wieder etwas  neues an der Lenkerbandfront. Diesmal eine blau/schwarze Kombo. Oben BBB Band, das sehr angenehm zu wickeln ist, unten das ficklige Fizik Microtex. Das aber farblich sehr gut zum Rahmen passt. Ich hatte auch gelbes Lenkerband unten ausprobiert, das sah aber nicht so gut aus wie die Lösung jetzt.

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Ein blauer Selle San Marco Concor Supercorsa Sattel, eigentlich einmal für ein Olmo San Remo gekauft. Dazu eine japanische Dixna Stütze, eine der schönsten, modernen Stützen überhaupt.

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Die Ästhethik des langen Hebels am 105er Umwerfer gefällt mir gut. Einbau und Justierung ist hingegen sehr aufwändig, dem 11-fachen schalten geschuldet. So hat die KMC 11-fach Kette zwar einen Missing Link – dieser ist aber nicht wiederbenutzbar nach eiinmaligem schliessen und öffnen. Neue Shimano Kurbeln kommen mir nicht an meine Räder. Diesmal dagegen Campagnolo Athena.

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Shimano 105 11-fach Kassette 12/28 und Umwerfer mit kurzem Käfig. Angesteuert von einer sehr schicken Campagnolo Bremshülle.

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Das „piece de resistance“ in Großaufnahme: Araya Felgen. Man beachte die beiden eloxierten Speichennippel rechts und links vom Ventil, die das finden des Ventillochs bei abgenommenen Reifen und Schlauch erleichtern. Ventilkappe von Conti, NOS. Heute werden die ja mit schwarzen Kappen geliefert. Bremsen? Campagnolo Veloce, die besten überhaupt. Nur leider sieht die 2016er Version nicht mehr ganz so elegant aus.

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Nitto New Pearl Vorbau mit Nitto Mod. 55 Lenker und Tange Steuersatz.

Fahrbericht folgt.

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