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Saisonauftakt: Teutoburgerwald Tocht – ein wahr gewordener RTF Pornotraum

Jedes Jahr, seit einigen, organisiert der Oldenzaalse Wieler Club, ein traditioneller, holländischer Radklub in der Nähe von Enschede, eine RTF mit kräftig Höhenmetern. Oldenzaal liegt zwar an der Grenze nach Deutschland, so dass man bei gutem Wetter von dort aus Hügel sehen kann, aber fahren kann man diese eben nur …. genau, in Ibbenbüren.

Die großen Anstiege in Holland hat bereits Rapha vor einigen Jahren auf den Punkt gebracht, dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen.

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Die Gegend um Ibbenbüren soll ja voll nicht schön sein, aber da wenigstens gutes Wetter angesagt war und es nun einmal die erste RTF des Jahres ist, machten wir uns sehr früh heute morgen auf den Weg zum Bahnhof. Wir, das waren Andi, der die Idee hatte, Silke, ich und „the mysterious single“, kurz MS. MS bat mich darauf zu verzichten seine Identität preiszugeben; an dieser Stelle sei nur gesagt, dass es sich um eine bekannte Radsportpersönlichkeit aus Bremen handelt. Der übrigens unglaubliche Geschichten erlebt hat. Die ich allerdings hier auch nicht preisgeben darf. Obwohl, also die mit der REWE Tüte …..  na egal, ich habe es halt nun einmal versprochen (bitte e-mail an mich).

Was zieht man an einem Tag an, der bei ca. 3 Grad im Nebel beginnt, und mit fast 20 Grad in Ibbenbüren vor dem Pommeswagen erst einmal endet? Am Bahnhof waren wir noch alle dick eingemummelt, hatten aber auch alle Rucksäcke dabei, um den Ballast am Start loszuwerden. Ich hatte mir im Vorfeld etwas Sorgen gemacht, wo ich denn meinen Rucksack während des Rennens lassen sollte, später hatte ich dann eine geniale Idee. Doch dazu später. Die Bahn nervte mal wieder. Bis Osnabrück war der Zug pünktlich und die Stimmung prima, aber unser Anschlusszug nach Ibbenbüren hatte eine Stunde Verspätung. Von Osnabrück bis Ibbenbüren sind es gerade mal 25 km, aber wenn man nicht weiß, wo man lang fahren muss ist das eben auch risikoreich. Zum Glück sind die Holländer, was den Beginn einer RTF angeht, doch ein wenig entspannter:

Wir kamen an, zogen uns fast nackt aus, denn mittlerweile waren die Temperaturen in zweistelligen Bereichen, zahlten die lächerlichen 8 € Startgeld und konnten uns gleich auf den Weg machen. Das war eben nicht die typisch norddeutsche RTF: Wenn, sagen wir mal in Delmenhorst, zwischen 8 und 9 gestartet wird, dann steht das gesamte Feld um 8 Uhr am Start und sprintet los, als wenn das Ziel gerade mal 250 Meter entfernt wäre. Kommt man im 9, kann man so eine RTF quasi komplett einsam, alleine und verlassen zurücklegen, man trifft höchstens ein paar aus dem Feld Herausgefallene und Pannenkünstler, die ihr Schicksal am Straßenrand lamentieren. Nicht so in Holland. Verzeihung, in Ibbenbüren: Hier ging immer noch ab und an ein Grüppchen auf Reisen und die Rezeption im großen weißen Zelt war auch noch offen. Überhaupt, die Holländer, da muss jetzt doch noch einiges zu gesagt werden. Zumal bei der RTF wirklich nur Holländer waren, außer uns Vieren und Maik.

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Holländer in Ibbenbüren

Jeder kennt die vielen Klischees, die wir über unsere Nachbarn im Westen im Kopf haben. Ein Klischee hat oft auch etwas wahres, man darf halt nur nicht jeden und jede in dieses Klischee pressen. So sieht man hier sehr schön die ausgeprägte Leidenschaft für das Camping: Ohne Wohnwagen oder Zelt fährt der Holländer nur ungern ins Ausland. So ein großes Zelt auf einem Hänger hinten am dieselnden Nissan auf der Autobahn macht auch echt etwas her und sorgt dafür, dass kein Autofahrer dahinter überholen kann. Sogar die Busse, mit denen die Holländer angereist kamen hatten Anhänger, da waren dann die ganzen Räder drin.

Wir fuhren aber erst einmal los. Silke, Andi und ich etwas gemütlicher, MS powerte gleich richtig rein und wir haben ihn bis zum Ziel nicht mehr gesehen. Nein, stimmt nicht, wir sahen ihn 5 Minuten später wieder, da er falsch abgebogen war. Was bei dieser RTF übrigens sehr schwierig war, denn an allen Überquerungen größerer Strassen standen Streckenposten – so einen Aufwand habe ich bislang noch nie, weder in Deutschland noch in Japan gesehen. In Deutschland machen sich die Vereine nicht den Aufwand; in Japan zwar schon, aber die Streckenposten stecken das Geld ein, legen sich auf die Wiese und schlafen erst einmal ein Ründchen bis das Geräusch eines Unfalls sie aufweckt. Also wenn überhaupt.

Es ging übrigens ganz schön auf und ab, insgesamt sollten es so etwa 1.200 Höhenmeter werden und genau deswegen waren wir ja auch gekommen. Im Prinzip führte die Strecke an der Flanke des Hügelrückens des Teutoburger Walds lang, immer mal ein Stück hoch, dann wieder runter. Die Aussicht war voll nicht schön.

 

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Keine Aussicht

 

Da waren schon einige fiese Steigungen dabei und gerade die ersten, wenn man noch nicht richtig aufgewärmt ist, tun richtig weh. Wir sind allerdings auch sehr diszipliniert und gleichmäßig gefahren, dieser Tatsache verdanke ich es, dass ich überhaupt jetzt noch am Computer sitzen und schreiben kann.

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Immer noch keine voll schöne Aussicht.

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So langsam wird es ja mit der schönen Aussicht.

Nach 55 km kamen wir nach Bad iBurg. Das hieß früher mal Bad Burg, hat sich aber im Zuge der Digitalisierung gerade umbenannt. Dort gab es die erste Verpflegungsstation. Ich wollte an den Stand springen und bereits für alle bestellen: „Een Frikandell spezial und.äh.tweee halve kip.“ da ich ja ganz gut der holländischen Sprache mächtig bin. Das kommt daher, weil ich in Mönchengladbach aufgewachsen bin, was gerade einmal 50 km von Venlo entfernt liegt. Wenn meine Eltern in den Siebzigern gut chinesisch essen gehen wollten, dann fuhren sie 50 km nach Venlo, denn in Gladbach gab es nur Erbsensuppe und Eintopf. Ich musste tatsächlich 17 Jahre alt werden, bevor ich meine erste Pizza gegessen habe, so international war Gladbach. Nicht ganz – wir hatten ziemlich viele Engländer von der Rheinarmee in der Stadt, die allerdings nur sehr wenige kulinarische Spuren hinterlassen haben. Wenn überhaupt welche. Und unser Fernseher hatte genau sechs Programme: ARD, ZDF, WDR und AVRO I und II aus Holland, sowie BFBS. Und so bin ich mit holländischem Fernsehn groß geworden,vor allem mit Top Pops, das war meine Lieblingssendung. Das war so eine Kombination aus „Disco“, „Beat Club“ und „Hitparade“ moderiert von einem unglaublich coolem Holländer namens  Ad Visser.

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Viele Holländer die heute mitgefahren sind sahen übrigens genau so aus, diese charmante Mischung aus David Cassidy, Atze Schröder und Charles Manson. Durch Top Pop hörte ich zum ersten Mal richtig gute Musik, Alice Cooper’s „School’s Out“ zum Beispiel hinterließ einen sehr starken Eindruck.  Und zwangsweise wurde ich zu einem intimen Kenner der holländischen Musikszene. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das wirklich eine gute Erfahrung war, aber Meilensteine der holländischen Popmusik die jeder kennen sollte sind auf jeden Fall:

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BZN – just an Illusion. Leider nein.

Und natürlich Hansje.

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Hansje war so ziemlich die Dura Ace der holländischen Popmusik. Aber zurück nach Ibbenbüren an den Verpflegunsgstand. Da gab es exakt: süssen Tee. Und sonst nichts. Wobei mir ein weiteres Klischee über Holländer einfällt: Sie sind geizig. Hans van Lier, einen holländischen Freund aus Japantagen fragte ich einmal, wie viel Taschengeld er seinem 12 jährigen Sohn gibt (ich wollte wissen wie viel ich meinem Sohn geben sollte) und er sagt: „I gave him 10 € an month, but he used it to buy sweets and toys and this nonsense, so I stopped giving him money.“

Nebenan gab es ein schickes Zelt mit Kuchen und Kaffee, aber dafür hätten wir bezahlen müssen. Und wir waren nun geizig und fuhren weiter. Die iBurg ist übrigens wirklich sehr schick.

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Silke vorweg, Andi hat Mühe mitzukommen.

Es ging weiter auf und ab. Da waren auch ein paar richtig gute Abfahrten bei, die bei dem schönen Wetter noch einmal extra Spaß machten, auch wenn die Gegend voll nicht schön war. Nachdem wir den Teutoburger Wald noch gefühlt fünf Mal zickzack überquert hatten kam wir nach 100 km und etwas schneller als erwartet zurück nach Ibbenbüren. Wir wollten ja ans ich 120 km fahren, aber irgendwo müssen wir eine Abzweigung verpasst haben und so kamen wir nach 100 km ins Ziel. Ein wenig später kam dann auch MS an, der es auf 125 km brachte.

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Dort am Ziel, wo ich mich fast noch einmal auf die Fresse legte bei dem Versuch eine Bodenschwelle zu ignorieren, hatte in cleverer deutscher Unternehmer einen Pommeswagen aufgestellt und gleich kulturell richtig equippt.

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Wir sind dann aber doch schnell nach Hause gefahren; so schnell wie es eben die Deutsche Bahn zuließ.
Fazit: Eine tolle Veranstaltung, wobei man sich durchaus fragen darf, ob es Sinn macht um 5:45 Uhr aufzustehen und nach 18 Uhr nach Hause zurückzukommen, um 100 km Rad zu fahren. Macht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,5 km/h – manche Menschen laufen das. Aber die Höhenmeter und die Holländer machen den Unterschied.

Und dann darf ich noch berichten, wie ich mein Rucksackaufbewahrungsproblem gelöst habe. Während alle anderen ihre Rucksäcke beim Veranstalter abgaben und dann auch wieder zurück bekamen, habe ich meinen in der Westfalenbahn nach Ibbenbüren liegen lassen. Genial oder? Da musste ich kein unnützes Gepäck rumschleppen und wenn alles gut läuft bekomme ich das Ding sogar in 8 bis 10 Tagen wieder. In Bielefeld.

Auf Strava

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Ein Kommentar

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Me & Andi Arbeit.

 

dscf3042Andi organisierte heute die jetzt vielleicht wirklich letzte schöne Tour des Sommers nach Bruchhausen-Vilsen. Viele kamen.

Also: Andi nervte mich diese Woche, weil er auf fb zwei Songs einer Gruppe gepostet hatte, an die ich zu Recht 25 Jahre nicht mehr gedacht hatte. „Me & the Heat“ – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Kirmestruppe, die am anderen Ende des musikalischen Spektrums auf Veranstaltungen wie „Magic Bike Rüdesheim“ rumdudelt. Nein, diese Hardcoretruppe bildender Künstler aus dem Bochum der Achtziger, die uns mit Songs wie „In another mood“ beschallten.

Es gab eine Zeit in den Achtzigern, da bin ich auf alle möglichen Konzerte gefahren, aber nachdem mir Martin von EA80, Me & the Heat vorspielte, habe ich auf deren Gig verzichtet. Wie überhaupt die ganze Kunstpunk/Industrial Ecke a la Trobbing Gristle, Mark Stewart & the Mafia, Swans, SPK, Cabaret Voltaire etc. für mich persönlich eine richtige Sackgasse war: Man fährt 100 Sachen und holt das letzte aus seinem alten VW Käfer raus, weil neben dir Blondie, und hinten auf den Rücksitzen die Undertones und die Specials sitzen. Dann biegt man mitgröllend und voller guter Stimmung um die Kurve und knallt gegen eine Wand von schlechter Laune, gebaut von Künstlern mit erhobenem Zeigefinger.

Leider war das Mitte der Achtziger gerade sehr trendy. Und da man fünf Jahre früher den Trend der Zeit erkannte und in den Punkrock VW Käfer stieg und dabei riesig viel Spaß hatte, war man jetzt gezwungen die Ohren offen zu halten auf der Ausschau nach dem nächsten, großen Ding. Konnte ja keiner wissen, dass es Rap und Hiphop werden sollte – wir dachten da eher an die einstürzenden Neubauten.

Jedenfalls dachte ich am Morgen an all die schwere „Kunscht“ und brachte mich in Schwung mit einigen Ohrwürmern. Also eigentlich nur einem, der mir aber nicht mehr aus dem Kopf geht. Vielleicht liegt es ja nur an meiner japanisch mutierten Genetik, aber ich kann nur warnen, wer ein paar Mal „One Night Carnival von Kishidan und Hamasaki Ayumi hört, bekommt das nicht mehr aus dem Kopf.

Visuell ist der Eindruck, den die Frisuren von Kishidan hinterlassen natürlich auch sehr verstörend.

Jedenfalls fuhr ich „Can you master, baby !!!!“ summend Richtung Erdbeerbrücke und Wehrstrasse, wo bereits eine große Truppe versammelt war. Aufgrund der Komposition der Gruppe war es relativ schnell klar, dass die vorher getroffene Ansage von Andi „Wir haben’s nicht so eilig“ relativ zu verstehen war. Langsam würde das jedenfalls nicht werden.

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Das Wetter war traumhaft, die Stimmung gut und wir fuhren die Höhenmeter ab, die der Bremer Süden so zu bieten hat. Legendäre Anstiege wie der Okeler Berg (20 Höhenmeter, die einem aber vorkommen wie 20.000), die Hölle von Falldorf, Alpe du Barbusch, Col de Berxen (bekannt aus dem Rennen Berxen-Berxen-Berxen), all dies lag heute auf unserer Strecke. Ich will gar nicht viel schreiben, war ohnehin unbeschreiblich gut, statt dessen ein paar Bilder.

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Da wir es ja nicht so eilig hatten, blieb die Gruppe gut zusammen, mit Ausnahme von jedem Ortsschild, jedem Anstieg und jeder Abfahrt. 

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Pause bei da Angelo in Bruchhausen-Vilsen

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Pistazie & Malaga

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Insgesamt war es eine gute Mischung von Tempo, Rücksicht und Ballern. Im Hinblick auf den Münsterland Giro, der nächstes Wochenende als letztes Rennen der Saison auf dem Plan steht, war das ein sehr gutes Training mit vielen Intervallen.

Es gab eine längere Pause bei „da Angelo“ in BV – das war gut, aber Melissa in Etelsen ist schon der beste Eisladen im Süden.

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Zurück an der Bank.

Auf den letzten Metern kurz vor Kühlschrank, Gin Tonic und Zigaretten reichte es dann noch für den KOM auf der Konrad Adenauer Allee.

Egal. Danke an Andi, für die Motivation am Sonntag noch einmal länger zu fahren und auch den letzten Zipfel Sommer auszunutzen. Und an die vielen netten Mitfahrer für gute und lustige Gespräche, Windschatten und Sticheln des Ehrgeizes.

Strava

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Velotörn Bremen. Teil I: World of Fixedcraft.

Anstatt schon wieder ein recht normales Rennradrennen von 100km auf der sehr langweiligen Strecke in der Überssestadt in Bremen zu fahren, entschloss ich mich beim Velotörn am Fixie Rennen teilzunehmen. 30 Runden gegen den Wind, über Kopfsteinpflaster, haarscharf an Barrieren vorbei und das Ganze auf einem scheiß-unbequemen Rad.

Ich weiß auch nicht, warum ich mir das alles in meinem Alter noch antue. Ich könnte ja auch Samstags lange schlafen, ein Auto waschen und dabei Bundesliga im Radio hören, und dann im Garten grillen. Stattdessen mache ich mich am Samstag Morgen auf den Weg in die Überseestadt, um die Rennstrecke de Velotörns zu erkunden. Zum Glück zeigt sich Bremen an diesem Wochenende von seiner allerschönsten Seite.

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Bremen, wo die Weser wie ein richtiger Fluss aussieht (also fast so wie der Rhein)

Die Strecke führt auf der Konsul-M-Schmitt-Strasse die Weser runter, macht dann eine S-förmige Linkskurve über recht fieses Kopfsteinpflaster und läuft dann parallel über die Kaje am Hafenbecken in die entgegengesetzte Richtung. Es gibt dann wieder eine schnell durchfahrbare S-Kurve auf die Konsul-M-Schmitt-Strasse, dann ca.200 Meter Gerade zum sprinten, bevor es nach ca. 1,1 km wieder ins Ziel geht. Wäre dies eine Autorennstrecke, dann vielleicht Daytona im 18.Jahrhundert – wegen  dem Kopfsteinpflaster.

Ich habe Familie, einen Job und wenn ich mich mit dem Rad hinlege, dann dauert es eine Weile, bis wieder alles verheilt ist. Konsequenterweise hat mein Fixie Bremsen. Was aber bei diesem Rennen nicht erlaubt ist. Auch sind keine Kurbeln an nicht-Bahnrahmen mit einer Kurbelarmlänge von mehr als 165mm erlaubt. Überhaupt gibt es viele Regeln, was nicht dem kulturellen Anspruch des Rennens entspricht: „die jungen Wilden“; „Fixie-Subkultur“ etc. Es erinnert mich an eine Online-Anzeige von zwei sehr coolen Typen in Hamburg, die einen neuen Mitbewohner für ihre WG suchten. Zunächst einmal beschrieben sie sehr schön,wie locker und gechillt das Leben mit ihnen ist, um am Ende Interessenten zu bitten, Ihnen „ihr aktuelles Lieblingslied und ein polizeiliches Führungszeugnis“ zuzusenden.

Die richtige Antwort auf das Lieblingslied ist natürlich sehr simpel.

Jedenfalls hatte das zur Folge, dass ich mein japanisches Nagasawa Bahnrad reaktivieren musste, das nun seit 2 Jahren als Weihnachtsschmuckadapter an der Wohnzimmerwand verstaubt. Erst einmal andere Laufräder rein, damit wenigstens die teuren Mavic SSC überleben werden. Und dann kam ein anderer Lenker und Vorbau ran, denn dieser NJS Vorbau der an Keirin Bahnrädern quasi Standard ist bringt das Kinn knapp über die Höhe des Vorderrads. Ist man nicht rasiert, kann man nur noch maximal 20 mm Reifen montieren, sonst ist da einfach kein Platz mehr.

Wegen dem Kopfsteinpflaster hatte ich dann doch noch ein Lenkerband gewickelt, damit es ein wenig bequemer wird. Dafür opferte ich mein sehr schickes George Sorell Korkband, das ich 2011 zusammen mit David in Ravenna im Radladen Sambi gekauft hatte. So jetzt noch abnehmbare Bremsen dran, damit ich zum Rennen komme und los.

In der Überseestadt tummelte sich die Creme de la Creme des bremischen Radsportes. In  früheren Berichten habe ich immer jeden einzelnen mit Namen aufgeführt den ich kannte, heute ist das nicht mehr möglich (Sorry, Silke, Silvia, Caro, Linda, Jessica, Maren, Jörn, Andreas, Andi, Thomas, Jan, Philipp, Schnippo, Marc, Matthias, Christian, Benjamin, Tim, Harald, Didi…) Es ist ein sehr schönes Gefühl von vielen netten Menschen erkannt und gegrüßt zu werden und dazu zu gehören. Vor allem, nachdem ich vergleichsweise nach 12 Jahren Leben in Japan gerade einmal vier japanische Freunde hatte – die ich jeweils ein bis zweimal pro Jahr traf. Mit den Ausländern dort lief es wesentlich besser, das hatte nur den Nachteil, dass das japanische Haltbarkeitsdatum eines typischen Ausländers etwa drei Jahre ist – danach geht es wieder zurück in die Heimat oder in das nächste Land. Zum Gefühl der Zughörigkeit später mehr.

So standen wir also an der Rennstrecke und schauten uns das Rennen von Linda an.

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Die creme de la creme des bremischen Radsports

Linda war bei den Frauen zusammen mit den U17 Fahrern gestartet, insgesamt etwa 16 Fahrer. In den ersten Runden hielt sie sich gut im Hauptfeld, aber dann fuhren vorne 8 Fahrer das Feld zu Klump und büxten aus. Danach war sie ein wenig verloren und zu zweit oder zu dritt unterwegs und es wurde sehr anstrengend. Dementsprechend  schnell muss das Rennen gewesen sein, denn Linda ist wirklich nicht gerade langsam (das ist eine klassische Umschreibung von: „Linda ist deutlich schneller als ich.“ Von den acht blieben sieben vorne und gewannen nach 30 Runden das Rennen. Linda wurde Zweite bei den Frauen.

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Im übrigen konnte man hier wieder beobachten, dass bei großer Anstrengung nach dem Rennen die Birne rot anfängt zu glühen, und zwar nach der Formel: „Je jünger der Fahrer, desto roter die Birne.“ Ist mir bereits beim OBKM aufgefallen, wo der 70-jährige Zweite der Meisterschaft kalk-weiß war, geradezu Mumienhaft, während Linda (Kolibri) rot strahlte wie ein schmelzender Reaktorkern in Fukushima. Was aber immer noch nichts gegen Schnippo nach dem Rennen war, der rot strahlte wie ein tätowierter, russischer Mafia-Reaktor. Doch dazu später.

Darauf folgte das Derny Rennen. Ein paar Runden fährt der eine auf einem enthemmten e-Bike und der Andere hinterher, dann wurde gewechselt und es werden ein paar Runden umgekehrt gefahren. Am Start waren Schnippo und Philipp, sowie Marc und [vergessen].

Sportlich war das, na ja, aber sonst war es der Höhepunkt des Tages. Beim Wechsel mussten auch die Schuhe getauscht werden. Wir erwarteten am Streckenrand, irgendetwas in der Geschwindigkeit eines Triathlonwechsels. Stattdessen lief das ganze in erschreckender Zeitlupe ab. Schnippo und Philipp beim Wechsel zu beobachten war etwa so schnell und spannend wie die Ziehung der Lottozahlen im Fernsehn zu schauen. Und als dann  Schnippo auf dem e-Bike vor Philipp fuhr tat er das genau zwei Runden. Dann war es Philipp zu langweilig und er überholte Schnippo  auf der Zielgeraden. Denn das E-bike war nicht so richtig enthemmt – Philipp allerdings schon.

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Nachdem ich mich also gut amüsierte hatte war jetzt leider Schluss damit, denn nun musste ich auf die Strecke. Was ist bislang gesehen hatte, machte mir Angst. Da waren Fixiefahrer, die aussahen wie Simon Geschke und Frauen auf Fixies die….nun,  ebenfalls aussahen wie Simon Geschke. Andreas meinte treffend, dass das keine Radkuriere sind, sondern welche vom Radpaketdienst. Zack, vier Waschmaschinen unter den Arm und dann ab ausfahren zu den Kunden. Zum Glück gab es nur 19 davon. Und Philipp und Schnippo. Und mich. Alle fuhren auf Rahmen mit nach hinten offenen Ausfallenden; es gab viele Tätowierungen zu sehen, Piercings und Totenköpfe etc. auf den Jerseys. Da gehörte ich nun definitiv nicht rein. Erstens nicht von der Leistung, zweitens nicht vom Alter und dann auch wegen ein noch ein paar anderer offensichtlicher Mängel an Muskeln, Barthaar, Street Credibility und Geldknappheit. ich fühlte mich da sehr falsch. Wann hatte ich das letzte Mal dieses Gefühl? Vermutlich als ich 1990 versehentlich in einem heißen Quellenbad in Japan in die Damenumkleide ging, da dort keine Symbole, sondern chinesische Schriftzeichen an die Tür gemalt waren.

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Ich bin eben Rennradfahrer und fahre Radrennen. Bei so etwas habe ich keine Chance. Also nicht, dass ich sonst eine hätte. Meine Taktik war daher etwa wie die von Steven Bardbury  im Short Track bei den olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City: Hinten fahren und hoffen, das sich vorne alle auf die Fresse legen. Dann non-chalant vorbeiziehen. Nein -zu gemein, ich fuhr wieder mit meiner Standardtaktik: Versuche irgendwie zu überleben und nicht zu bescheuert auszusehen.

Aber da ich da schon einmal stand konnte ich ja ein paar Bilder machen und mitfahren.

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Und dann ging es auch schon los. Alle meine Sorgen waren umsonst, die erste Runde konnte ich echt gut mithalten! Leider stellte sich dann heraus, dass dies nur die neutralisierte Einführungsrunde war und wir am Start wieder stehen blieben. Trotzdem, eine gute Idee, um warm zu werden. Und zum Glück wurde das Rennen auch von 30 auf 20 Runden verkürzt.

Die zweite, also die nun eigentlich erste Runde, war schon deutlich schneller.  Am Anfang war es sehr nervös und ich machte mir da auch ein wenig Sorgen im Feld zu fahren, aber nach zwei Runden war ich da quasi draußen und in einer Dreiergruppe. Die Kurve mit Kopfsteinpflaster nahm irre viel Geschwindigkeit weg und es war extrem hart, dann wieder gegen den Wind zu beschleunigen. Nach 5 Runden hatte ich nur noch wenig Lust und überlegte aufzugeben. Das ist ja immer so, weil ich mich noch nicht warm gefahren habe und es dann am meisten weh tut -später wird es besser.

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Feuerwerk der Radkunst

Dann war ich mit einem der Mädels in dem Rennen zusammen. Ich wollte Sie animieren, dass wir auf die Gruppe der drei Männer vor uns auffahren. Sie sagte ja, ich machte Tempo, und als ich dann wechseln wollte blieb sie hinter mir. Für die nächsten drei Runden. Da ich alleine ohnehin nicht aufholen konnte wurde ich erst einmal wieder etwas langsamer.

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Lutscher !

In der S-Kurve zum Zielsprint drehte ich dann auf, als ich eine weitere, überrundete Fahrerin vor mir sah und setzte mich ab. An die hängte ich mich erst einmal dran und dann gab ich ihr Windschatten. Dann fuhr sie wieder vorne und erstaunlicherweise hatte sie noch gut Power und zog davon. Ehrlich gesagt lag das auch an der Technik, die fuhr die Kurven einfach viel besser als ich. Und als es dann in einer der beiden Kurven einen Sturz gab und ich langsamer wurde und die Richtung wechselte, war sie fast weg. Zwei der schnellen Fahrer waren zu schnell in die Kurve gegangen und matzten in die Barrieren.

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Erst überholen und vorweg …

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….und dann ein paar Runden später den Anschluss verlieren

Nach jeder Kurve musste ich erst einmal die Lücke wieder zu sprinten und das kostete viel Kraft. Aber jetzt war ich zumindest ganz gut dabei. Auch wenn die Spitzengruppe mich in der Zwischenzeit zwei Mal überrundet hatte. Dann sah ich kurz vor Ende Schnippo vor mir, den ich nun überrunden würde. Was er nicht wollte und ihm frische Power gab.

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Prima, mit Schnippo war das jetzt natürlich wieder viel besser und so kamen wir in die letzte Runde und dann auf die Zielgerade. Schnippo fragte mich:,“Wollen wir zusammen ins Ziel fahren, oder das ausfahren?“ „Ausfahren!“ Und so legte wir einen guten Spurt und Bike-throw zum Schluss hin. Nun hatte ich wirklich keine Lust mehr. Allerdings auch keine Bremsen, um zu stoppen.

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Strava

Am Ende wurde es ein 12.Platz von 23 Teilnehmern, von denen wiederum 17 ins Ziel kamen und sechs aufgaben (zwei glaube ich wegen Sturz). Hinter mir nur Frauen. Und Schnippo (Rennen drei). Vor mir eine Frau, und zwar die, deren Trikot so aus sah wie ein Mosaik-gefliestes Badezimmer auf den Bahamas.

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v.l.n.r : Das bahamische Badezimmer; gut getarnte Norddeutsche; meine Begleiterin für ein paar Runden am Start vor mir.

Das hat jetzt nix mit: Ich bin besser als Frauen oder so zu tun, sondern ist einfach meine Erfahrung in den typischen Platzierungen meiner Karriere: Zweitstärkste Frau.

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Hier sieht man noch einmal einen der gestürzten. Fiese Delle am Oberrohr des Standaert Rad.

Prima, ich hatte überlebt, ein Top-12 Finish und war fix und fertig.  Und neben mir glühte Schnippo. Eigentlich keine so gute Idee, denn er fährt morgen das 100 km Rennen beim Velotörn und ich die 150 km der RTF Lauenau. Und dann kam noch einer der schnellen Fixiefahrer und gab mir die Hand – eine Welle von Zusammenhalt wallte in mir auf.

Es ist übrigens keine gute Idee mit wenig gefahrenem, bzw. wenig  getestetem Gerät ins Rennen zu gehen. Der Vorbau fixierte den Lenker nicht gut und da ich fast auschließlich im Unterlenker fuhr, drückte ich im Verlauf des Rennens den Lenker nach vorne und oben. Das war am Ende sehr unbequem. Und sah auch echt scheiße aus.

Und ganz zum Schluss löste sich auch noch ein Kurbelarm vom Vierkanttretlager. Ich fuhr zu Matthias, aber der hatte auch kein passendes Werkzeug (8mm Inbus) dabei. Dafür aber Carolin Schiff, die ich fast übersehen hätte. Ich hatte Sie ja nur einmal im Rennen gesehen und war mir nicht sicher, ob sie es wirklich war. Die Beine schienen mir ein wenig dünn (vor allem nach dem was ich da im Fixie Rennen gesehen hatte), aber dann gab es auf dem Schienbein ein paar markante Narben und ich dachte ich frage sie mal, ob sie es ist. Bingo. Taktisch wollte ich nur beweisen, das ich netter bin, als dass was ich schreibe und wir unterhielten und über das, worüber sich erwachsene Menschen so unterhalten: Radrennen, Motorboote auf dem Gardasee, über die Unsinnigkeit in Bremen zu wohnen und so weiter.

Das waren ja für einen Tag mit so herrlichem Wetter recht wenig Kilometer, diese aber sehr intensiv. Insgesamt war die Veranstaltung gelungen, mit €20 auch nicht zu teuer und spaßig. Zum Glück habe im Rennen ich nicht geschmittet (Bremer Fachwort für „sich auf die Fresse legen“).

Allerdings ist da auch kein großer Unterschied zu den Bremen Challenge Veranstaltungen mit Streckenführung in der Überseestadt zu spüren. Aber trotzdem, danke für die Mühe der Organisation. Danke auch an Silke, Harald und Linda für die Fotos.

Wir sehen uns dann total platt beim RCB Montagstraining.

 

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OBKM BKOM BOKM MOB K

OBKM ist die Abkürzung für „Offene Bremer Kriterium Meisterschaften“. Alle vier Buchstaben sind ebenfalls die Initialien meiner Vornamen und meines Nachnamens. Das nur so. Wichtiger: Heute fand der vierte Lauf in Heilshorn am Sachsenring statt.

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Den ersten Lauf hatte ich nicht mitbekommen, den zweiten vor einiger Zeit verpasst, weil ich bei der Arbeit sehr busy war. Den dritten Lauf vor zwei Wochen habe ich willentlich verpasst, denn das Wetter war echt mies. Aber heute war das Wetter großartig und im Büro war es extremst langweilig – es gab also leider keine Ausrede mehr nicht zum Rennen zu fahren.

Wie läuft so ein Kriterium- bzw. Punkterennen ab? Nun, zunächst es gibt einen technisch anspruchsvollen Rundkurs der in unserem Fall ein Viereck mit einem Umfang von 1,1 km war. Total flach, kaum Wind und die Kurven konnte man alle auch noch mit 40 Sachen durchtreten. Ein Kurs wie geschaffen für meine technischen Fähigkeiten. Der einzige Kurs auf der Welt der noch einfacher zu fahren ist dürfte Hitachi Naka sein; und da habe ich mal 2007 den sechsten Platz gemacht und bekam von einem japanischen  Busenwunder tolle Urkunden überreicht.

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Japanisches Busenwunder links, keine japanischen Busenwunder rechts davon.

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2007 in Japan kurz vor der Wiedervereinigung

Man fährt denSachsenringkurs in unserem Fall 25 Mal. Alle fünf Runden gibt es eine Punktewertung. Der erste Fahrer bekommt dann 5 Punkte, der zweite 3, der dritte 2 und der vierte einen Punkt; bei 25 Runden passiert das genau vier Mal. In der letzten Runde werden ebenfalls die besten vier Fahrer gewertet, allerdings gibt es dann die jeweils doppelte Punktzahl.

Meine bisherigen Erfolge in Punkterennen sind sehr, sehr bescheiden. 2008 war das erste Rennen der Saison in der JCRC Serie  (Japanese Cycle Racing Clubs Association) ein Punkterennen in Kawagoe und da machte ich den 30. Platz von 38 Fahrern. Und das letzte Rennen der Saison, NATS, war ebenfalls ein Punkterennen. An das Ergebnis kann ich mich nicht erinnern, es wird ähnlich gewesen sein. Ich bin zu schwer, um schnell zu beschleunigen und erreiche auch keine hohe Endgeschwindigkeit. Und meine Fahrtechnik ist auch nicht großartig, so dass ich nach Kurven oft Lücken zufahren muss, was wiederum Kraft kostet. Aber ich habe Ausdauer, bin zäh und ehrgeizig. Hoch motiviert und leistungsschwach fasst es zusammen.

Ich weiß nicht, warum diese Veranstaltung „Offene Bremer…“ heißt, denn Heilshorn liegt gefühlt in Norwegen. Ich musste erst mal 25 km mit dem Rad raus fahren. Als ich ankam, waren bereits 3/4 der Rennhasen vor Ort: Silke und Caro hatten sich als Streckenposten verdingt und Linda fuhr das Rennen mit. Organisiert wurde das ganze vom RSC Vegesack, der vor Ort mit professioneller Ausrüstung und Gerät vorgefahren kam.

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Voiture d’equipe

Kritisch muss ich hier allerdings anmerken, dass bereits zum Zeitpunkt des Startes die Lakritzdose verdammt leer war.

Ich fuhr noch ein paar Mal den Kurs ab. Von der letzten Kurve bis zum Ziel waren es etwa 180 Meter – zu kurz um den Sprint nach der Kurve anzuziehen für mich. Ich musste also auf der Geraden zuvor schauen, dass ich aktiv werde.

Das erste Rennen war dem jüngeren Nachwuchs vorbehalten: 15 Runden: ein Junge gegen ein Mädchen. Das Mädchen gewann die Frauenwertung, der Junge die der Männer, wenn ich das richtig behalten habe.

Ich quatschte gerade mit Linda über einkaufen in China und Mama-chari Grand Prix Rennen in Japan als wir auch schon an den Start mussten. Insgesamt waren wir acht Fahrer. Und ich wollte gerade den Faden der Unterhaltung mit Linda wieder aufgreifen, als der Rennleiter so beiläufig sagte: „Und los geht’s.“

Natürlich war ich kalt. Die anderen irgendwie nicht. Oder nicht so kalt wie ich. Jedenfalls ging es gleich ordentlich schnell los und ich dachte nur, hm, das wird gar nicht lustig heute. Ich hatte doch ziemlich Mühe dran zu bleiben und wurde nach hinten durchgereicht. Aber irgendwie ging es dann doch. Als die Glocke die 5. Runde einbimmelte wurde das Feld auf der Gegengerade langsamer. Ich hing so etwa in 4. Position und wartete darauf, dass jemand den Sprint anzieht hinter den ich mich klemmen konnte. Das passierte dann auch, aber es war keine gute Idee, denn da riss gleich eine riesige Lücke auf und ich kam erst als 5.und somit ohne Punkte ins Ziel.

Dann machte Frank Stephan (Name geändert), mit dem ich zwei Mal zusammen den Giro Dolomiti gefahren bin und mit dessen Familie ich in Eppan Abendessen war und der mich trotzdem nie grüßt, geschweige denn erkennt (das musste jetzt doch noch einmal gesagt werden) einen Ausreissversuch, als wir anderen gerade müde vom Sprinten waren. Eine clevere Idee, denn keiner von uns hatte Lust vorne Führungsarbeit zu machen und ihn einzuholen.  Nach drei Runden fuhr ich dann die Lücke zu ihm zu. In der letzten Runde wurde es wieder deutlich langsamer und als wir durch die vorletzte Kurve gefahren waren und so ca. 250 Meter vor dem Ziel zog ich kräftig an und links am Feld vorbei. Ich kam als erster aus der Kurve, sah aber auch die Schatten der anderen hinter mir. Dann flutschte mir der Gang raus, aber immerhin schaffte ich meinen ersten Punkt jemals auf dem vierten Platz. Es ging also doch.

In Runde 10 vor Schluss machte ich es ganz genau so noch einmal, zog aber den Sprint noch einmal 30 Meter früher an. Wieder kam ich als erster aus der Kurve und spurtete auf die Ziellinie zu und dieses Mal wurde ich nur noch von einem Fahrer überholt. Dabei hatte ich auch alles gegeben und als der nächste Ausreissversuch kam konnte ich nicht mehr parieren.

Runde 5 vor Schluss fuhr ich einen lustlosen Sprint. Am Ende versuchte ich es noch einmal halbherzig, aber da zwei Fahrer ohnehin bereits vorne weg waren machte das auch nur wenig Sinn. Aber immerhin, gesamt 4 Punkte. damit hätte ich nicht gerechnet.

Was habe ich daraus gelernt?

Nun in dieser Konstellation sind Kriteriumsrennen gut fahrbar. Die Teilnehmer waren alle technisch sicher und fuhren wenig aggressiv, ich hatte keine Angst da auf die Fresse fallen zu müssen. Je länger das Rennen dauerte umso mehr Kurven wurden auch bei höheren Geschwindigkeiten komplett durchgetreten. Oder anders ausgedrückt: das Rennen hätte ich auch auf einem Fixie ohne Bremsen fahren können.

Dadurch, dass das Feld auch wieder langsamer wird, kann wieder Anschluss gefunden werden, wenn man vorher rausgefallen war. Und hat somit immer wieder eine Chance am Sprinten teilzunehmen, was sehr motivierend ist. Ist eigentlich ein wenig ähnlich wie Intervalltraining und gut für die Tempohärte.

Übrigens, kurz nach dem Rennen konnte ich eine interessante Beobachtung bei den Teilnehmern machen: Je jünger der Fahrer, desto roter die Birne. Wolfgang „Tiger“ H., Baujahr 1943 war quasi kalkweiß, während Linda „Kolibri“ glühte wie fliessendes Lava.

Zuletzt und mit anderen Worten, ich hätte mal besser weniger Respekt davor gehabt. Insofern kann ich nur jedem empfehlen, der sich in etwa auf oder über meinem Niveau befindet (im Prinzip also 95% aller RCB Mitglieder, ach quatsch, der Menschheit!) da mitzufahren. im besonderen möchte ich das mal Thomas Voss ans Herz legen. Ich hätte schon viel früher damit anfangen sollen. Was Linda und ein paar andere getan hatten, denn es folgte die Siegerehrung für den Gesamtsieger der 4 Läufe. Und da fand sich Linda auf dem dritten Platz wieder.

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Es gab alkoholfreies Bier und Blumen.

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Gesamtsieger OBKM: Wolfgang H. (oder so), 2. Platz: Wolfgang H. (sind, glaube ich, Zwillinge.), 3. Platz: Linda Wolfgang

Ja, es hilft in Bremen ungemein, wenn man Wolfgang heißt. Übrigens genau wie mein Onkel, Wolfgang Adolf Krähe, geboren 1940. Mein Großvater erzählte ihm später, dass er seinen zweiten Vornamen von einem sehr entfernten Großonkel bekommen hat, der dann leider aber im Krieg verstarb. Im Prinzip ist das ja auch nichts anderes als der Kevin und Mandy Effekt heutiger Tage.

Danach fuhren dann die richtig guten Jungs. Und Carolin Schiff. Sie wird schon mal schnell übersehen. Das war ein sehr dichtes Feld mit ca. 30 Teilnehmern.

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Die richtig schnellen Jungs. Auf dem Foto ohne Carolin Schiff.

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Da gab es dann eine Dreiergruppe, die sich zunächst absetzte und dann das Feld überrundete. Sehr cool. Aber die Lakritzdose war leer, ich hatte Hunger, ich musste nach Hause. Bis zum nächsten Mal bzw. Jahr. I ‚ll be back.

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Ach so ja: Ich bin übrigens letzter geworden im 4. Lauf. Egal, ich war trotzdem zufrieden. Da nächste Mal versuche ich es mit dem Moulton TSR zu fahren, da könnte ich in Kurve und Beschleunigung einige Vorteile haben.

Ich hätte noch den Wunsch an die Organisatoren mich in der Gesamtwertung zu platzieren, damit meine drei Punkte aktenkundig werden.

Strava

Danke an die Organisatoren. Wir hätten nicht so viel Spaß im Leben, wenn es nicht Menschen gäbe, die uns das auf Kosten ihres eigenen Spaßes ermöglichen würden.

 

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Elb-Bremen Cyclassics 2016

Hamburg, das etwas größere Bremen an der Elbe, oder auch kurz das Elb-Bremen, wie es von seinen höflichen, toleranten, weltoffenen und verständnisvollen Bewohnern genannt wird, ist seit 1996 Schauplatz eines Radrennens, den Cyclassics. Dieses sollte dieses Jahr zum letzten Mal ausgetragen werden – Zeit also dabei zu sein.

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Ich bin leider nur sehr selten in Hamburg, da es ja leider so ist, dass diese Stadt absolut nichts hat, was Bremen nicht schon hätte. Hafen? Hat Bremen auch. Speicherstadt? Hat Bremen auch in Form der Überseestadt. Mittelmäßiger Fußballverein? Schlechtes Wetter?Schiefgegangene Bauprojekte a la Elbphilharmonie oder Spacepark? Reeperbahn? – Helenenstraße. St. Pauli? – das Viertel. Cyclassics? Bremen Challenge! Na gut, also irgendwie doch 1:0 für Hamburg.

Mitte dieses Jahres hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass der Rückzug von Vattenfall als Sponsor der Cyclassics das Ende der Veranstaltung, zumindest in Hamburg bedeuten würde. Zwar beteuerte der Veanstalter, dass es zwei ernsthafte Angebote anderer Städte für die Fortführung geben würde, aber wir wissen ja ziemlich genau, welche Städte heute so verzweifelt sind dies zu tun: Pjöngyang, Dubai oder Damaskus. Also meldete ich mich für die 100 km Strecke an, um wenigstens einmal in Hamburg dabei gewesen zu sein. Als dann bekannt wurde, dass ein neuer Sponsor EuroEyes, gefunden wurde und das Rennen in Hamburg bleibt, dachte ich erst einmal ich seh‘ nicht richtig. Und dann entschied ich mich doch teilzunehmen und nicht zu warten bis EuroEyes auch kein Interesse mehr hat.

Und so fand ich mich am Sonntag Morgen zusammen mit Silke um 6:30 Uhr im Zug nach Hamburg. Wenige Minute vorher war eine Sushiparty bei uns zu Hause zu Ende gegangen, die mein Sohn initiiert hatte. Er hatte in den letzten Monaten mitbekommen, dass „Willst Du noch ein Bier bei mir trinken?“ eine deutlich niedrigere Erfolgsquote bei Frauen seines Alters hat als „Kommst Du auch zu meiner Sushiparty?“ Und so haben wir in der letzten Zeit eine Sushiparty nach der anderen, was sehr lustig ist, wenn man meinen Sohn kennt: Der will nämlich nie mit uns Sushi essen gehen, weil er das nicht mag bis auf eine einzige Sorte (Ikura). Und an der Zubereitung von Essen zeigte er ebenfalls noch kein Interesse; also auch wenn er halber Japanern ist heißt das noch lange nicht, dass er Sushis zaubern kann.

Ich dachte, wenn jetzt Mädels zu uns nach Hause kommen, dann sorgen die auch dafür, dass nach der Party aufgeräumt wird, aber das war eine komplette Fehleinschätzung. Ich durfte mir erst einmal durch Reis-, Avakoda- und Lachsreste eine Schneise auf dem Frühstückstisch schlagen zwischen Pfützen aus Soyasosse und Schleifspuren aus Wasabi.

Der ganze Zug hingegen war im Bereich des Radwagens voll mit Bremern die nach Hamburg fuhren. Um diese Uhrzeit trifft man im Zug normalerweise ja nur Menschen die aus der Discomeile Bremens nach Hause auf das Dorf fahren wollen und dabei verzweifelt versuchen beim Kotzen den kleinen Tischabfalleimer zu treffen. Da war heute komplett anders.

In Hamburg angekommen sagten wir schnell „Tschüß“, denn Silke war mit ihren Rennhasen in Block E verabredet, während es mich als Erstteilnehmer in Block I verschlagen hatte. Dort traf ich Fabian, der mit dem Motorboot über die Kanäle Mitteldeutschlands nach Hamburg geschippert war. Das war sehr praktisch, denn er hatte sein Motorboot im Parkhaus am Hauptbahnhof geparkt und musste dann nur wenige Schritte zum Start laufen. Ich hatte Fabian seit dem Velothon in Berlin nicht mehr gesehen und wir hatten uns einiges zu erzählen, zumal wir im September zusammen mit Steini auch endlich Berlin entlang des Mauerweges umrunden wollen.

Dann ging es plötzlich los. Das ist ja immer so. Man steht im Startblock, quatscht, ist komplett kalt und plötzlich sieht man, wie die Massen vor einem in Schwung kommen. Und in Hamburg war schon eine sehr große Masse vor einem, vor allem aus Perspektive I.

Von Alain, einem Franzosen, den ich in Tokyo kannte, habe ich gelernt, wie man sich gut durch ein dichtes Feld von Fahrern zu Beginn eines Rennens nach vorne durcharbeiten kann. Alain konnte das extrem gut und ich kann es ein wenig; während wir also im Schritttempo durch die neutrale Zone auf den Start zuradelte hattet ich bereits ein Drittel des Startblockes hinter mich gelassen. Und auch danach ging es nicht gerade schnell weiter. Bislang war ich es von Rennen gewohnt, dass die ersten 10 Kilometer, unabhängig von der Länge des Rennens, mit 50 Km/h plus durchgeballert werden bis man nur noch nach Luft japst und keine Kraft mehr hat. Die restliche Distanz bis zum Ziel wird dann in RTF Manier in einer Gruppe abgewickelt. Hier war es aber nicht so, es ging relativ gemütlich raus aus Hamburg und ich sprang vorwärts von einer Gruppe zur anderen.

Dann kam ein sehr schneller Fahrer vorbei, ich erinnere mich nur noch daran, dass auf seiner Hose „Veganes Radfahren“ stand, was auch immer das bedeuten soll. Ich verstehe ja, dass man vegan essen kann, aber Radfahren? Klingt ähnlich wie rauchen „ohne Atomkraft“; oder  „bumsen für den Frieden“. Der zog mich an weiteren Gruppen vorbei, war aber letztendlich zu schnell für mich. Dann kamen drei blaue Dänen von hinten, an die ich mich wieder ransaugen konnte und mit denen nahm ich die Köhlbrandbrücke in Angriff.

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Die kommt leider bereits nach 10 km und ich war noch nicht richtig warm – das tat also richtig weh und am Ende krabbelte ich da mit weniger als 25 km/h hoch. Aber es ging.

Dann kamen die Berge. OK, also was Hamburg so an Bergen zu bieten hat, was sich auch nicht wesentlich von dem unterscheidet, was Bremen an Bergen zu bieten hat. Allerdings braucht man in Bremen für jede Steigung erstens eine Autobahn und zweitens eine Brücke darüber. In grenzenloser Überschätzung meiner Fähigkeiten nach dem Dolomitentraining und da ich irgendwo gelesen hatte, dass die Bergwertung nur 1,7 km lang ist, ging ich den ersten Berg sehr forsch an und setzte mich von meiner Gruppe ab. Drei Minuten, so dachte ich, halte ich das locker durch. Aber ich war erstens nicht so gut und zweitens war die Strecke deutlich länger als ich dachte, am Ende etwa 6 1/2 Minuten und so wurde ich von dem gesamten Feld wieder eingeholt als ich jämmerlich langsam die letzten Meter zusammenkratzte.

Aber jetzt hatte sich, mehr als 30 km im Rennen, endlich einmal eine vernünftige Truppe gefunden, die in etwa bis zum Schluss zusammenbleiben sollte. Dabei waren unter anderem:

+ Dänen, die nicht lügen und schnell fahren können
+ Zwei weitere Dänen vom Team „Heino“ [das ist dänisch und heißt „Heino“ auf deutsch, vermutlich]
+ Ein Fahrer mit einem türkisen Trikot, das aussah als wenn es eine schlecht gemachte „Biancchi“ Kopie aus Nordkorea gewesen wäre und der von einer Parfümerie aus Wedel gesponsort wurde. Auf seiner Hose stand hinten drauf „Ein Duft sagt mehr als 1000 Worte
+ Ein Riese mit DEMAG Trikot und einem Cervelo.
+ Eine blonde Frau im weißen Trikot „Changing Diabetes“

Jetzt ging es richtig schnell vorwärts und wir rollten das Feld von hinten auf. Bereits auf dem Weg nach draußen kämpfen wir uns durch das H und G Feld durch. Wir überholten größere Gruppen von denen und dabei musste man immer aufpassen, das man an der schnellen Truppe blieb und nicht aus versehen dort hängenblieb weil man aus Versehen am falschen Hinterrad kleben bleibt. Weil die Straßen teilweise recht eng und kurvig waren, wurde das Tempo beim Überholen etwas langsamer, so dass alle in der Gruppe Anschluss finden konnte. Irgendwo holte die Gruppe auch Christian ein, der ebenfalls aus I gestartet war.

Es ging relativ schnell nach Hamburg wieder rein, jetzt mit Rückenwind. Ich konnte mich weiterhin gut an dem Duft mit 1000 Worten orientieren, bis der dann nach einer Kurve und schneller Beschleunigung heraus fiel. Die Gruppe wurde zum Ende etwas kleiner.

Im Hafen war eine Straße zur Hälfte für den Verkehr frei, zur anderen Hälfte für das Radrennen mit Hütchen gesperrt. Diese konnte man aber fast nicht sehen und beinahe wäre ich gegen das erste gefahren. Silke sah später an der gleichen Stelle einen ziemlich schlimmen Sturz, der sie ebenfalls fast ausgeknockt hätte.

Und dann waren wir auch schon nahe des Ziels. Es gab ein paar aufblasbare Tore, aber wie viel Kilometer die bis zum Ziel anzeigen sollten war mir nicht klar. Ich fuhr zu früh an, am Ende ging mir ein wenig die Kraft aus, aber es reichte dann um mit Christian gemeinsam über die Ziellinie zu fahren. Ergebnis: Etwa 2:35 hr Fahrzeit, Top 600 in der 100 km Distanz, fast Top 100 in meiner Altersklasse (Betreute Senioren 3), fast 39er Schnitt. Kam mir etwas schneller vor, aber in den „Hamburger Bergen“ fährt man doch halt längere Strecken im 30er Bereich.

Strava

Mein Vergleich für Hamburg sind die beiden großen anderen deutschen Jedermannrennen, die ich gefahren bin: Berlin und Münster. Im Vergleich dazu sind wesentlich mehr Fahrer auf der Strecke, es gibt nicht diese langen Stücke komplett ohne Fahrer zum Ende des Rennens. Die Strecke ist auch wesentlich kurviger und hat mehr gefährliche Stellen wie Schienen, Verkehrsinseln oder scharfe Kurven, man muss die ganze Zeit sehr konzentriert fahren. Andererseits hatte ich erwartet nach den Berichten bislang, dass mehr gefährliche Fahrer auf der Strecke sind; aber bis auf einen Flachlenkerwichser, der es lustig fand bei den Hütchen der Straßenabtrennung Slalom zu fahren, war das Niveau gut.

Nach dem Rennen trafen sich die Bremer auf dem Platz wo es Paulaner gab.

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Junge, gut aussehende Hamburgerinnen in hanseatischen Kostümen verteilten die Getränke an die Teilnehmer. OK, 2:0 für Hamburg, die Frauen haben den größeren Charmefaktor.

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Oder vielleicht doch 1:1, wenn man sie mit den RCB Rennhasen vergleicht.

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vl.n.r.: Linda Hase, Silvia Rabbit, Silke Usagi und mein Name ist Hase, ist weiß von nichts.

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Immer mehr Bremer kamen und wir verloren uns in Unterhaltungen. Ich sprach recht lange mit Kai, der bald den Ötztaler Marathon fahren wird; Fabian, Kathrin und die Kinder kamen, später auch Jan und Caro und Friedel, nein Klaus.

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Die Fahrt zurück nach Bremen dauerte dann zu lange in einem zu vollen Zug.

Fazit: Hamburg ist zwar verdammt weit weg von Bremen, aber durchaus ab und an einen Abstecher wert. Danke an alle für Organisation, Unterstützung und Freundschaft.

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Giro Dolomiti Day 2: Le Déjeuner sur l’herbe

Die Ereignisse des Tages begannen damit, dass ich 10 km von zuhause aus feststellte, dass ich meine Wasserflaschen vergessen hatte, wieder zurückfuhr und dann wie ein Bescheuerter nach Bozen raste um rechtzeitig zum Start zu kommen. Unten am Start fiel mir ein, dass wir ja ohnehin durch meinen Ort, Wolkenstein fahren und ich mir all die Hektik hätte  sparen können.

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(c) ADP, glaube ich

Am Start erschien das Feld irgendwie kleiner als am ersten Tag an dem mehr als 500 Fahrer teilgenommen hatten. Da die allermeisten ihre Trikots gewechselt hatten und nicht wie die Winterthurer, sieben Sätze mit nach Bozen brachten, war es gar nicht so einfach die Bekanntschaften vom Vortag wieder zu entdecken. Dafür sah ich einige Fahrer aus dem letzten Jahr, die  nun endlich wieder die richtigen Jerseys anhatten. Ich sage nur: Pedali Bolognese.

Gut organisiert ging es im Verband raus aus Bozen entlang der Eisack auf der Landstrasse bis nach Blumau; dort begann der erste Anstieg des Tages Richtung Völs, Seis und Kastelruth. Das Feld zieht sich dann sehr lang; ich muss da immer aufpassen nicht gleich in den Rennmodus zu schalten und akzeptieren von Fahrern überholt zu werden die schwerer oder älter sind als ich, bzw. ein anderes Geschlecht haben. Das ist also genau umgekehrt wie ein RCB Montagstraining, bei dem jeder Versuch des Überholens direkt mit dem Sprintanzug bestraft wird.

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Ein langer, aber sehr angenehmer Anstieg der letztendlich bis auf das etwa 2.100 m hohe Grödner Joch führen sollte. Die Sonne schien und wir kamen an der Konditorei Andreas [OHZ] vorbei und dann durch St. Michael.

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Vor mir der Däne, der mich später zwang auf die Damentoilette zu gehen.

Gerade als ich den kleinen Anstieg an der Kirche St.Michael hochfuhr läuteten die Glocken zwei Mal und zeigten an, dass es halb Zehn sei. Ein gutes Omen für den Rest des Tages, das ich sicherlich noch brauchen würde.

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Vor uns die Kirche St.Michael.

Neben mir fuhr eine Gruppe von Russen, die teilweise in Fucking Radklamotten eingekleidet waren.

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Es gab auch fucking Socken die ein hübsches und schnelles russisches Mädchen anhatte, leider konnte ich das nicht richtig gut photographieren.

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Coole fucking Socken

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Noch einmal coole fucking Socken ganz links.

Der Russe davor, mit dem blauen Jersey war auch nicht schlecht: Er gehörte zum Team „Gazprom Colnago“; wäre dies ein Formel Eins Team, dann könnte die Entsprechung „Schalke Ferrari“ sein in blau-rot gestreiften Autos.

Ein weiteres Highlight des Tages war das Team „www.Flinker-Zahn.de“, dass trotz großspuriger Ankündigung von hinten keine eigene Website besitzt. Macht nichts, auf der Website der Dentalpraxis Dr. Straube erfährt man alles nötige. Übrigens waren das die Fahrerinnen, die am Vortag diese rosa Hosenträger Jerseys anhatten.

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Flinke Implantate von Dr. Straube

Wir sind ja alle durch unsere Berufe irgendwie geprägt, ich kann z.B. nicht in einen Aufzug steigen ohne zu prüfen wer den hergestellt hat und wo und ob der Notausgang in der Decke ist. Tja, dafür reichen fünf Jahre bei Schindler. Wenn ich mit den Zahnarzthelferinnen bei meinem extrem guten Zahnarzt (Dr. Pfannenstiel) spreche, dann bin ich immer leicht neurotisch, was sie wohl über mich denken mögen. Vielleicht: „Eigentlich ein netter Typ, aber die Fehlstellung mit Engstand unten drei ist ja so etwas von Achtziger!“ oder „Boh, der sieht nach drei Stunden Zahnreinigung wie im Steinbruch aus.“

Ich traf auch einen der „Ulmis“ aus dem letzten Jahr den ich prompt ansprach: „Hey, ich kenne Dich vom letzten Jahr, Du bist immer unseren Mädels hinterher gefahren!“ Gefolgt von einer halbherzigen Leugnung.

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Rechts ein Ulmi im neuen Trikot. Links das Uhrwerk: Fuhr die ganze Etappe im gleichen Tempo durch, manchmal vor, manchmal hinter mir. Hielt nie an.

Jedenfalls ich das immer ein gutes Zeichen, wenn ich Zeit habe Photos zu machen und mich umzuschauen, das sollte sich nämlich später ändern. Bis Wolkenstein waren es immerhin ca. 50 km und 1.500 hm hoch und so langsam begann der Magen zu knurren. Ich konnte mich aber motivieren in dem ich mir versprach im Supermarkt am Ort ein Stück Apfelstrudel zu kaufen. Am Ortseingang wartete meine Familie auf mich und schrie und winkte. Also fuhr ich schnell noch ein Stück die Strasse hoch und bog dann ab. Cola, Apfelstrudel und zur Sicherheit noch ein paar Powerbars und dann weiter die letzten Meter bis zur offiziellen Verpflegung. Die da nicht so doll ist: Kekse, Bananen, Linzer und ein paar geschmierte Butterbrote wenn man schnell da war.

Um 11 Uhr ging es weiter Richtung Grödner Joch. Diese Strecke war ich letzte Woche bereits gefahren und ich wusste, was auf mich zukommt. Ich war deutlich langsamer als in der letzten Woche, aber das war OK. Und so begann die Abfahrt nach Corvara so gegen 12 Uhr. Auf der Strasse war viel Verkehr, so dass man nicht so richtig aufdrehen konnte. Von nun an ging es 27 km und mehr als 1.000  Höhenmeter abwärts. Das fuhr sich zwar sehr geschmeidig, hatte aber auch den Nachteil, dass mir bewusst wurde, dass ich eine Menge davon wieder hochfahren muss. Es war so, wie John Oliver von This week tonight angenehme Dinge mit unangenehmen Beigeschmack beschrieb: „It’s like catching an icecream cone out of the air, because a child was hit by a car.

An einer Baustelle, bei der gerade ein Teil der Strasse neu asphaltiert wurde fuhren viele andere und ich elegant an den wartenden Autos auf der linken Seite vorbei, nur um ein paar Meter weiter festzustellen, dass wir alle eine Zentimeterdicke Teerschicht auf unseren Reifen haben die sich quasi nicht mehr entfernen liess. Der Teer war noch heiß und weich und tausende von kleinen Steinchen sammelten sich in ihm an wie Schokostreusel auf einem Zuckerdonut. Das war gar nicht gut und ich machte mir etwas Sorgen, dass sich die Steine irgendwann durch die Reifen arbeiten würden.

Zeit als auf Toilette zu gehen und einen Espresso zu trinken. Kurz vor St. Martin in Thurn fand ich eine nette Bar – nur die Toilette war voll mit anderen Radfahrern (BASF!) und Osterhus-Däne sagte: „Geh‘ döch auf dö Damentölette!“ „Echt?!“ „Öch klör!“ Na gut. dann hockte ich ein der paar mit ein paar Fahrern aus der Gegend und liess es mir gut gehen- es sollte das letzte mal an diesem Tag sein. Die anderen Bremer hatte ich, bis auf Marc, seit Wolkenstein nicht mehr gesehen.

Der Rennstart war nur 2 km entfernt. Von hier aus sollte es 14 km hochgehen bis zum Würzjoch: Zunächst einmal 5 km und 450 Höhenmeter bis es wieder 3 km runter ging und dann noch einmal 6 km hoch mit 550 Höhenmeter.

Am Anfang war ich gut motiviert und überholte erst einmal einen fucking Russen.

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Das fühlte sich schon mal fucking gut an. Lief eben gut die ersten fünf Kilometer, ich überholte eine Menge Fahrer und wurde auch einige Male überholt. Alles im grünen Bereich. Ich strengte mich an, aber auch nicht zu sehr. Ab und an einen Gang höher, in den Wiegetritt und weiter. In den Spitzkehren immer schön den kürzesten Weg genommen und mit viel Schwung raus. Hoch traf ich zunächst Dietmar und dann Matthias, denen ich ein wenig Schwung mitgab.  Dann kam die Abfahrt, die viel zu schnell vorbei war. Und danach wurde es richtig hart.

Es waren zwar nur noch 6 km und 550 hm bis zum Ziel aber das zog sich verdammt lange. Und einige Stücke waren ätzend steil. Und mir ging auch langsam die Energie aus. Eine echte Qual, ich zählte quasi jeden Meter den ich fuhr. Bloß nicht aufhören zu treten, bloß nicht absteigen. Selbst als ich das Ziel in der Ferne sah, motivierte mich das nicht besonders, ich war einfach nur froh als ich oben war. Am Ziel stellte ich dann fest, dass die gefahrene Zeit für mich gut war. Das war aber auch so mit das härteste, was ich bisher gefahren bin. Härter waren an sich nur noch der Mortirolo, der Stelvio etc. von der Transalp 2011 und quasi jedes Mal Wada Toge in Japan hochzufahren. Und mindestens zwei RCB Montagstrainings dieses Jahr.

Bloß schnell runter zur Verplegungsstelle, dazu musste man 3 km ins Tal fahren. Ich freute mich schon sehr, meine Erwartungshaltung sah etwa so aus:

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Mittagessen am Würzjoch 1863 (Edouard Manet)

Und Stimmungsmässig wie der gleichnamige Film von Jean Renoir.

Wie bitter wurde ich enttäuscht. Es fing an zu nieseln und das Essen war eine Mischung aus Kinderalptraumspinat, englisch zubereitetem Rindfleisch (mindestens 5 Stunden gekocht) und lustloser Pasta. Nur ein Teil der Sitze war unter Zelten und ich musste mich da irgendwo reinfriemmeln, gegen den erklärten Willen von zwei Winterthurern. Marc war bereits da, nachher kamen auch noch Andreas, Matthias und Dietmar.

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Mittagessen am Würzjoch 2015 (ADP)

Da das Wetter aber immer ungemütlicher wurde machte ich mich los auf den Weg nach unten. Zunächst einmal weitere 100 Höhenmeter hoch, während es um mich herum anfing zu blitzen und kurz danach zu donnern. Ich hatte zwar eine dünne Regenjacke dabei, die aber nicht viel nützte. Innerhalb kurzer Zeit waren nicht nur die Klamotten, sondern auch die Schuhe komplett nass und wir wurde kalt. Die Straße runter war in keinem guten Zustand und sehr schmal, für den Verkehr war sie ebenfalls nicht gesperrt, was die Fahrt nach unten sehr risikoreich machte.  Das einzig gute war, dass der Regen unten wärmer wurde.

Etwas nördlich von Klausen kamen wir wieder in das Eisacktal, von dort aus waren es noch etwa 40 km zurück nach Bozen. Zunächst fuhr ich auf der Schnellstraße, da ich aber in keiner Gruppe war und der Verkehr sehr dicht, nahm ich ab Kollmann den Radweg, den ich von letzter Woche her schon kannte. Das war wesentlich angenehmer. In Bozen angekommen regnete es erst einmal nicht, fing dann aber auch wieder an. Das reichte mir total für heute, ich setzte mich in das Auto und fuhr wieder zurück nach Wolkenstein.

Insgesamt ein zwiespältiger Tag, einerseits eine extreme Leistung, die zunächst auch Spaß machte, aber mehr als zwei Stunden im Regen ohne Organisation auf dem Rückweg waren alles andere als lustig. Da ich keine Wechselklamotten habe, alles nass war, wenig Lust zum Radfahren und Kazuko heute auch Geburtstag nicht zuletzt entschloss ich mich heute einen Ruhetag einzulegen.

Strava

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Giro Dolomiti Day 1: Mummy you’re not watching me

Drei Tage Höhentraining in Wolkenstein, zwei Tage absolutes Nichtstun, der Familie gegenüber als „Regenerationsphase“, bzw. „Stabilisationsmigration“ verkauft. Heute dann der Start des Giro Dolomiti mit einer Transferetappe.

Mit Transfer ist hier gemeint, dass nun langsam der Transfer von einen normalen Leben in eins, dass sich komplett dem Radfahren unterordnen muss, stattfindet. Es gibt keine Mahlzeiten mehr, sondern nur noch „Verpflegungspausen“ oder „Zeit für einen Riegel“; es gibt keine Freizeit und keinen Müßiggang mehr, sondern nur noch erschöpftes einschlummern gefolgt von hektischem Vorbereiten auf den nächsten Tag.

Ich machte mich um 6:30 Uhr auf den Weg von Wolkenstein in das 50 km entfernte Bozen; es war Sonntag und die Straßen leer. Um Zeit zu sparen frühstückte ich im Auto, sobald ich unten im Tal fuhr und hörte dazu Sade, TV Personalities und Natalie Imbruglia und noch schlimmer, Alvaro Soller [den wir als Kind von der Deutschen Schule in Yokohama kennen] , also die perfekte Mischung zwischen purer Freude und leichter Genervtheit, um wach zu bleiben. Dazu hatte ich das perfekte Gerät dabei, meinen ipod shuffle von 2005 mit unglaublichem 512 MB Speicher. Das ist übrigens das einzige Apple Geär, das ich besitze; nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil es sich so ergeben hat.

Parkplätze gab es genug an der Messe, ich parkte neben einem Bus in dem sich minderjährige Pfadfinder fertig für die Fahrt in die Berge machten. Am Start traf sich mehr oder weniger die Bremer Fahrer, es blieb gerade noch Zeit für ein Photo vor der grünen Wand und dann ging es schon auf die Strecke.

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(c) Andis Dolomiten Photo (ADP)

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Es war sehr nostalgisch einerseits, denn es gab viele Jerseys aus dem Vorjahr zu sehen – von den etwas mehr als 500 Startern waren ca. 532 vom RSC Niddatal in der markanten Ketchup/Senf Montur, dazu Winterthur, Pedali Bolognese, Hövelshof, Erkelenz und viele mehr – es gab einige Wiedersehen vom letzten Jahr – der Zwerg war wieder dabei, Rapunzel ebenso wie die rosa Socken aus Maschsee und den Rest habe ich wohl nicht erkannt, da er gerade das falsche Trikot anhatte. Und irgendwie war ich auch ein wenig traurig gestimmt, denn Silvia, Thomas, David und Jochen fehlten mir doch am Start.

Gewohnt gut organisiert wurden wir durch Bozen und dann auf die Landstraße an de Eisack in Richtung Brenner geführt. Diese war in beide Richtungen für uns gesperrt, es war noch etwas kühl am Morgen und das Tempo eigentlich gemütlich. Trotzdem kam es zu zwei Stürzen, beide Male in einem Tunnel; am ersten Tag kochen die Hormone halt noch ordentlich hoch, aber Körper, Alter und Natur tun im weiteren Verlauf das ihrige, um den Pegel auf Normalniveau zu bringen.

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So ging es die ersten 26 Kilometer langsam hoch durch das Tal bis nach Waidbrück, wo wir von der Hauptstraße abbogen und uns auf den Anstieg nach Barbian machten. Das waren die ersten 350 Höhenmeter des Giros, bei denen das Berggefühl aufkam. Ich passte auf, das ich da in meinem Tempo gleichmäßig hoch fuhr, denn ich wollte mich ja nicht vor der gestoppten Strecke verausgaben. Dabei unterhielt ich mich ein wenig mit Dietmar, der wie ich aus Mönchengladbach kommt. Na ja, eigentlich aus der Nähe von Mönchengladbach, aber zum Glück nicht aus Rheydt. wie überhaupt das Rheinland beim Giro immer gut vertreten ist: Erkelenz, Brühl und natürlich jede Menge Holländer.

Die übrigens nicht nach 31 km in Barbian begann, sondern etwa 3 bis 4 km später. Da gab es eine schöne, schmale Abfahrt, eine enge Kurve und dann war da auf einmal dieses Tor für den Beginn der Zeitnahme. Ups. Das ging mir aber zu schnell,  ich drehte um, fuhr den Hügel wieder ein Stück hoch und machte mich (geistig) fertig.

Dann los, den Hügel runter, mit Schwung durch die Zeitaufnahme und gleich gebremst von der Gravitation und einem Mini Stau. Vor mir rosa Socken aus Maschsee, das sollte für die nächsten Kilometer erst einmal mein Orientierungspunkt sein. Durch den Ministau wurde meine Übermotivation erst einmal gebremst und dann war es ohnehin erst einmal so steil, dass es an sich nur noch ums Überleben ging. Dann kam nach ca. 3 km eine kurze Abfahrt und ich war mir unsicher, ob dies nun bedeutete, dass wir doch das 14 km lange Original fahren würden, denn ich dachte dass das 9 km Stück komplett ohne Abfahrt wäre. Das machte mich nun doch etwas unsicher und ich hielt mich etwas mehr zurück für den Fall, dass ich doch noch länger fahren müsste. Irgendwo überholte mich Andi, was von ihm phototechnisch ausführlichst festgehalten wurde.

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(c) ADP

Kann auch sein, dass das alles vor dem Rennen war, aber so genau bekam ich das nicht mehr mit.

Es folgte eine weitere Abfahrt und das Schild „3 km bis zum Ziel“. Cool. Dann noch ein paar kurze Aufstiege und das Schild „1 km bis zum Ziel“. Noch eine Abfahrt und dann war es auch schon zu Ende. Andi stand bereits am Ziel mit der Kamera in der Hand.

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Silke im Ziel

Kurz hinter dem Ziel lag die Verpflegungsstelle, bei der es den üblichen dolomitischen Misch aus Keksen, Marmeladenkuchen und Bananen gab. Nachdem die harte Arbeit vorbei war, wurde die Stimmung auch deutlich entspannter.

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Hilde (c) ADP

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Silke van der Kitten  [CN] (c) ADP

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(c) ADP

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(c) ADP

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(c) ADP

Zeit also, sich einmal nach dem bestaussehenden Sportler des Tages umzuschauen. Schon auf der Fahrt hoch nach Barbian war mir „Die Mumie“ aufgefallen. Wie würde man so eine Hose bezeichnen: Dreiviertel-lang? Siebenachtel-lang? Hochwasserhose?

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Trikot des Tages: Die Mumie (2. von rechts)

Mal was anderes. Jedenfalls anders, als die vielen, vielen bunten ALE jerseys mit love bubbles, siehe Big Mistake von Natalie Imbruglia. Trikotdesign und Leistung haben übrigens nichts miteinander zu tun. Heute wurde ich von zwei älteren Frauen überholt, die Trikots anhatten, die ausssahen wie rosa Unterhemden und darüber blaue Hosenträger. Davon muss ich unbedingt noch ein Photo machen.

Nach der Pause musste noch ein wenig geklettert werden, bis wir schließlich durch Oberinn kamen,

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und dann begann auch schon die schöne,lange Abfahrt zurück nach Bozen. Der obere Teil war etwas kurviger und der untere Teil war nicht mehr sonderlich steil, aber schnell, schnell, schnell und durch jede Menge Tunnel.

Nach 79 km war alles vorbei und wir waren zurück an der Messe in Botschaft. Ich musste mich etwas beeilen, da meine Familie wieder etwas von mir haben wollte und machte mich relativ zügig auf den Weg zurück nach Wolkenstein.

Der Rest des Tages: Einschlummern bein anschauen der Tour de France, hektisches Vorbereiten auf den nächsten Tag. Nudeln en masse. Morgen die erste Königsetappe von sechs weiteren.

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RCB Montagsvelothon.

Mein Standardprogramm für das Wochenende sieht derzeit so aus: Am Freitag die sehr gemütliche BBC Runde, am Samstag Grundlagenausdauer- und Stabitraining und am Sonntag ist Ruhetag. Nur auf diese Art und Weise bin ich in der Lage beim RCB Training am Montag teilzunehmen.

Nachdem es die letzten drei Montage ausgiebig geregnet hatte, war heute mal wieder gutes Wetter und entsprechend viele Fahrer waren zum Treffpunkt nach Borgfeld gekommen. Während im Frühling Pollenflug Allergien verursacht, bekam ich heute fast eine Adrenalin oder Testoronallergie – die Ungeduld aller lag spürbar in der Luft: Es würde schnell, dreckig und brutal werden, auf jeden Fall in der Heizdüsengruppe.

Jede Menge bekannte und berüchtigte Gesichter. Ich habe leider keine Photos gemacht. Selbst wenn ich welche gemacht hätte, wären nur verschwommene Schatten erkennen zu gewesen, so schnell war das Tempo und so gesättigt die Luft mit Adrenalin. Aber ich habe heute eins im Web gefunden, das den nach der Geburt getrennten Zwillingsbruder von Stefan Schnippowski zeigt der heute auch dabei war.

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Uwe Schnippowski

Die Einsteiger sollten sich hinten auf dem Parkplatz sammeln, die Heizdüsen mitten auf der Strasse. Alle andere blieben stehen wo sie waren. Dann ging es los und innerhalb von 300 Metern waren wir zu Viert vorne und hatten die anderen bereits verloren. Wir waren eine recht große Truppe bei den Heizdüsen heute, vielleicht so um die 20 Fahrer, die dann wieder Anschluss fanden.

Das Tempo war…schnell. Als ich wieder zuhause war und auf meinen GPS Datenlogger schaute, zeigte dieser einen Schnitt von 35 km/h – inklusive der getrödelten An- und Abfahrt durch die Stadt. Und hatte ich den nicht auch an, als ich bei Rewe Riegel kaufen ging und verträumt an den Regalen vorbei schlenderte? Mir kam es so vor, als wenn wir überwiegend mit 40+ durch die Gegend gerast wären.

Quasi an jedem Ortsschild gab es einen Sprint, angefangen in Quelkhorn, und dann in Ottersberg, Ottersstedt, Otterswerk, Ottershorn, Ottersthal und sogar in Ottersfeld. Ich hielt mich taktisch zurück, da ich nicht wusste, ob ich nicht doch irgendwann einmal herausfallen würde. Aber als wir fast wieder zurück und ich noch gut in Schuss war, dachte ich mir, ich könnte ja auch einmal ein paar sinnlose Attacken fahren. Also begann ich Ortsschilder anzutäuschen.

„Los, da vorne ist Quelkhude“ murmelte ich, beschleunigte wie ein Blöder und musste feststellen, dass sich eine ganze Truppe hinter wir dranhielt, die alle den Sprint nach Quelkhude, respektive Borgstedt oder Dogrepel für sich gewinnen wollten. Man, waren die gut. Ich nahm wieder Tempo raus und schaute mir die Sache von hinten an. Vorne wurde es ja auch wieder langsamer, wenn nach exzessivem Sprinten kein Ortschild in Sicht kam.

Wir waren also irre schnell zurück. Noch weit vor dem Sonnenuntergang.

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Borgstedter Deich Richtung Hühnersiel

Da gab es dann endlich mal die Gelegenheit etwas zu reden, denn beim Fahren war daran nicht zu denken. Das war definitiv härter und schneller, als der Velothon in Berlin vor zwei Wochen. Zum Glück konnte ich den als Vorbereitung für das Montagstraining mitnehmen.

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Nach dem Training war ich ziemlich müde. Da aber diese Woche kein Body Attack stattfindet, da die Trainerin in Urlaub ist und zudem mal wieder mieses Wetter nach Bremen zieht, fuhr ich noch ein wenig an Wümme und kleiner Wümme lang, um mir die Füsse zu vertreten und noch ein paar Kilometer zu sammeln. Denn in 2 Wochen bin ich wieder in den Dolomiten, das könnte dann tatsächlich etwas härter werden, als ein RCB Montagstraining. Auch wenn man sich das noch nicht vorstellen kann.

Strava

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Warten auf Bumsfidel. Quatsch, Schnippo! Nein, Silke!

„Ich wusste nicht mehr, ob ich wachte oder schlief,
die Augen verquollen von tausend Tränen,
auch wenn sie doch endlich einen Sinn bekämen.“
(HH Milch, „Fräulein Meier“, 1984)

Ich quälte mich morgens ganz früh aus dem Bett, fühlte mich lyrisch und machte mich auf den Weg in die Küche.Das war gar nicht so einfach, denn seitdem mein Sohn Abitur hat, hängt er mit seinen Kumpels im Esszimmer rum und zockt Nächtelang online „League of Legends“. Und so kämpfte ich mich durch leere Pizzapackungen, vorbei an Bierkästen und leeren Energiedrinkdosen zum Toaster durch. Man, hatte ich so überhaupt keine Lust!

Aber ich hatte ja dooferweise auf fb gepostet, dass ich alle heute nach Barrien zur RTF leiten würde. Meine Laune wurde auch nicht besser als ich, vorbei an Gummibärchentüten, Chipspackungen und Kartoffelsalatdosen die Strasse erreichte. Graue Wolken überall, vor allem am Himmel über einem, was schlecht ist, denn von da aus fällt vertikal der Regen auf einen runter, zunächst noch in tröpfelnder Form. Dabei hatte ich mich extra schick gemacht für dieses Event und mein TSV Barrien Vereinstrikot von 1991 angezogen.

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Die klassische Mondrian-Version, heute in diesen Farben (stehen auf der Verbotsliste der Genfer Konvention) und Mustern (Gegenstand der START Abrüstungsverhandlungen zwischen Russland und den USA) fast nicht mehr zu bekommen.

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Warten auf Bumsfidel- denkt man.

Zum Glück warteten schon die ersten Mitfahrer auf mich am Treffpunkt Bank Wehrstrasse.: Klaus, nein Friedel, nein doch Klaus, Benjamin, Caro, Silvia, Jörg, Christian und er kamen auch immer mehr, jetzt fehlte an sich nur noch Bumsfidel, auf den wir ja bereits letztes Jahr vergeblich gewartet hatten.  Allmählich wurde die Stimmung aggressiv: „Wo ist denn dieser Bumsfidel schon wieder?“ „Alle sind da – und wer fehlt – der Bumsfidel natürlich!“ Ich ließ die Stimmung erst einmal köcheln, denn ich war der einzige der wusste, dass Bumsfidel gar nicht kommen würde. Das hatten wir nicht so abgemacht, um alte Traditionen zu wahren, sondern Bumsfidel wollte mit der BBC (Big Black Cog) Gruppe erst um 8:30 in Barrien sein und später losfahren. Da ich den ganzen Tag heute keinen einzigen BBCler gesehen habe, gehe ich davon aus, dass Bumsfidel heute Abend um 20:30 Uhr meinte, wenn die Strassen leer sind und Deutschland gegen die Ukraine bei der EM spielt.

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Na dann warten wir doch auf Schnippo!

Schnippo, bürgerlicher Name Stephan-Cevin Graf zu Schnippowitsch, sollte uns nach Barrien führen, da er der einzige mit Ortskenntnis des Bremer Süden ist. Auf den mussten wir nun warten. Unglücklicherweise fährt Schnippo, im Gegensatz zu vielen Anderen von uns, nicht nur Rad sondern geht einer weitgehend ungeregelten Arbeit, und einem überhaupt nicht geregelten Lebensstil nach. Nachdem wir also ausreichend gewartet hatten sagte jemand, das Schnippo nicht kommt, was schlecht ist, denn Barrien liegt ja nicht gerade um die Ecke und ist im Prinzip nur auf Feldwegen zu erreichen.

Also, auf wen sollen wir nun warten? Silke! Denn jemand berichtete, dass Silke munter und fröhlich „Legat. Illegal. Scheißegal“ von Slime vor sich hinflötend am Straßenrand saß und versucht mit Andi zusammen einen Platten zu reparieren. Als die beiden dann endlich kamen ging es endlich auf Richtung RTF. Und zwar für ca. 4 km, bevor der zweite Platten Silke stoppte. Tobi führte die Gruppe weiter nach Barrien, während ich umkehrte um Silke und Andi nach Barrien zu fahren. Andi war nirgendwo zu sehen und Silke fuhr in die falsche Richtung – nämlich nach Hause. Ich konnte sie nicht überzeugen ihr schlechtes Kharma herauszufordern und mit nach Barrien zu kommen und musste mich so alleine auf den Weg machen. Fazit: Alles organisiert und dann doch alleine gefahren.

In Barrien waren schon jede Menge Leute, allerdings wegen dem schlechten Wetter auch deutlich weniger als in den letzten Jahren. Obwohl in Barrien ist an sich immer schlechtes Wetter. Fremde Frauen lächelten mich an – war es wegen meinem TSV Barrien Trikot? Nein, es war Corinna, die mich anstarrte, die ich 5 Minuten nicht erkannte, bevor endlich der Groschen fiel. Es gab Kuchen und Kaffee, belegte Brote und wie immer hatte der Verein, d.h. seine Mitglieder und davon vermutlich überwiegend die weiblichen, großartiges an der Kuchen- und Brötchenfront geleistet. Es ist wirklich irre, was so die Dorfvereine zustande kriege. Würde ich, zum Beispiel einer Gruppe von Studenten die Aufgabe geben so etwas zu organisieren, so kämen sie mit einer Flasche Cola an und hätten sich heillos zerstritten.

Gespräche rechts und links. Das hat sich schon sehr geändert im Vergleich zu vor sechs Jahren als ich aus dem Ausland nach Bremen kam und keinen Menschen kannte. Norddeutsche sind ja nicht für ihre Offenheit bekannt; sprach ich damals einen ein, dann sagte er mir. „Hau ab, ich kenn‘ schon einen anderen Menschen!“ und machte ein Gesicht wie Thorsten. Heute ist das komplett anders. Auch und gerade wegen dem cyclyng Blog werde ich mit Respekt behandelt was mir fürchterlich peinlich ist. Manchmal werde ich sogar nach meiner Meinung zu radtechnischen Dingen befragt was noch peinlicher ist, da ich dann so tun muss, als wenn ich davon Ahnung hätte, wobei mein eigentliches Fachgebiet ja die Optimierung von Festigkeits- und Wärmedämmungseigenschaften von Hochlochziegeln ist – aber dazu stellt natürlich nie jemand eine Frage! Zudem wird angenommen, dass ich bestimmte Dinge mache, weil sie einen Sinn haben, wo ich doch einfach nur zu doof bin. Beispiel von heute:

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Lasierte Beine.

Diese braunen Flecken sind nicht etwa Desinfektions- oder andere Wundermittel, um meine Leistung zu verbessern, sondern Lasur. Warum Lasur? Hatte ich meine japanische Frau um eine Rasur meiner Beine gebeten und sie hatte das nicht mißverstanden wegen akuter R/L Schwäche? Nein. Das mit dem R/L ist übrigens wirklich schwierig. Kazuko sagt auch immer „Früchtling“ und „Früchtlingsunterkunft und ich denke an eine Scheune in der sich Orangen und Mangos vor dem Regen schützen. Fairerweise muss man natürlich auch sagen,dass es uns auch schwer fällt in der japanischen Aussprache zwischen „つ“, “す“ und „ず“ zu unterscheiden. Oder zwischen „紅葉“ und “工場“, fast identische Aussprache, das eine heißt aber „gelbe und rote Blätter im Herbst, die die Herzen der Menschen berühren in ihrer Pracht“ und das andere „Fabrik“.

Also, warum Lasur? Weil ich zusammen mit meinem Sohn den Gartenzaun gestrichen habe und wir uns beide total versaut haben. Ich quatschte sehr viel und verpasste prompt den Start.

Zum Glück kam gleich hinter mir eine Gruppe mit Steen, Thorsten und anderen Wiegetrittlern und wir machten uns daran das Feld von hinten aufzurollen. Thorsten machte sehr viel Führungsarbeit vorne und ich beteiligte mich auch aus Dankbarkeit sporadisch. Wir überholten eine Reihe von Gruppen, aber irgendwann ist auch einmal Schluss damit. Das Tempo war aber immer noch gut hoch im 35-40 Bereich und so kamen wir dann bereits nach 30 km oder so an die erste Verpflegungsstation. Wo dann alle bis auf einen und mich rausfuhren, um den legendären Butterkuchen zu tanken, nachdem diese RTF benannt ist. Ich fuhr einfach durch, zusammen mit dem Lotto Typen, der mir aber etwas zu schnell war. Stattdessen fand ich zwei weitere Mitfahrer, von denen der eine ein wunderschönes Basso Fiore di Loto hatte. Ich musste relativ viel vorne fahren, um das Tempo hoch zu halten. Da änderte sich, als Andi mit einer Gruppe von 5-6 Fahrer kam und wir uns teilweise daran hängten. Teilweise, denn die fiesen kleinen Anstiege sorgten dafür, dass hinten noch einige rausfielen. So ging es dann in gutem Tempo weiter zur zweiten Verpflegungsstation die ich ebenfalls ausließ. Diesmal musste ich ganz alleine weiterfahren und verirrte mich prompt. Zum Glück fand ich eine Strasse, auf der ein Paar Gruppen fuhren und hängte mich dran. Und zum Glück waren das auch Gruppen auf der 113er Runde.

Diese Gruppe war nun richtig flott und wir fuhren quasi ständig im 40er Bereich. Besonders fies waren die Abzweigungen – an jeder wurde arg schnell beschleunigt und ich musste mich mit 45 Sachen richtig reinhängen, um nicht den Anschluss zu verlieren. So langsam merkte ich, dass mir der Saft ausging und irgendwann würde ich wohl aus de Truppe rausfallen. aber da kam auch schon die dritte und letzte Station und die ganze Gruppe blieb stehen um zu essen. Ich war auch total überrascht wie viele Fahrer da standen, nach dem Tempo bislang hatte ich geglaubt ganz vorne zu sein. Auch hier fuhr ich durch und wurde dann relativ schnell von einer weiteren Gruppe eingeholt die etwas langsamer unterwegs war. Unter anderem waren da auch Fahrer aus Bruchhausen-Vilsen und Nienburg dabei.

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr auf der Autobahn fahrt und vor euch wird eine LKW-Zugmaschine abgeschleppt? Also so, dass die Fahrerkabine nach hinten zeigt und man das Gefühl hat, da kommt einem ein LKW auf der falschen Spur entgegen und gleich kracht man zusammen? Dieses Gefühl hab heute das Mädel vor mir, durch die Kombination aus geflochtenen Zöpfen und Brille.

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Zugmaschine

Hey, und wie man einen Helm richtig rum aufsetzt, darüber kann man durchaus in Bremen auch geteilter Meinung sein. Ich fühlte mich die ganze Zeit peinlich angestarrt und versuchte nicht auf die Banane zu gucken. Insgesamt war das aber eine gute Truppe, die mich schnell ins Ziel brachte.

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Norddeutschland

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Schau mir in die Augen…

Insgesamt bin ich heute auf 114 km fast einen 36er Schnitt gefahren, und habe in mehr als drei Stunden gerade mal 2 Minuten Pause gemacht. Also eine gute Vorbereitung für den Velothon in Berlin am nächsten Wochenende. Und ich war echt froh, als es vorbei war und ich wieder chillen und quatschen konnte.

DSCF2573 Das ist ja nach den RTFen immer viel zu kurz, weil alle gleich wieder zurück nach Bremen wollen. Und  da alleine zurückzufahren ja so gar keinen Spaß macht, schloss ich mich einer Gruppe mit Andi, Andres, Caro, Tanja, Tobi und einigen anderen an. Kurz vor 13:000 Uhr war ich wieder zuhause, mein Bett und seine Freunde lagen jetzt gerade mal im Bett.

Zu einem perfekten Wettkampf gehört unbedingt im Anschluss noch einmal richtig Stabi Training zu machen, um den Körper perfekt auszubalancieren. Hier empfiehlt es sich mit Gewichten und Partnern zu arbeiten, notfalls tut es auch ein etwas älteres und schwereres Handy.

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Vor dem Stabi Training

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Nach dem Stabi Training

Danke an Caro für die Assistenz beim Stabi Training. Nach dem Stabi Training fühlte ich mich auch wieder so richtig frisch. Den Tag anschließend verbrachte ich aber dann doch erst einmal im Bett und dann auf der Couch – und jetzt denke ich so ganz langsam an Fußball.

Danke an alle die heute mitgefahren sind und auf die wir warten oder nicht warten mussten. Und an den TSV Barrien für die gute RTF und den vielen Kuchen etc., auch wenn ich kein einziges Jersey heute von dem Verein gesehen habe.

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LVZTRCB 2016: Kreuz und quer durch Tenever und Wilstedt

Die erste RTF der Saison wurde von meinem Verein ausgerichtet: die Landesverbandszielfahrt des Radsportclub Bremen, kurz LVZTRCB – das musste in der Überschrift so abgekürzt werden, denn eine Blogsoft die in den USA entwickelt wurde kann mit der Länge deutscher Worte, wie z.B. „Benzinwolkenvaterbeschämung“ nicht umgehen.

Als Startpunkt wurde ein berüchtigtes Jugendhaus auf dem Gelände der Gesamtschule Ost in Tenever ausgewählt; als ich dort mit Mark und Dr. Rad aus Weimar um 9 Uhr morgens ankam hing bereits das übliche Gesocks vor dem Eingang rum: Rose Räder, Shimano Schaltungen, Rapha Kleidung und gefakte Carbonräder aus China, schlimm, schlimm was die Jugend heute so treibt. Dealer befüllten Benzinkanister in denen nun Drogen transportiert wurden, vermutlich Methylalkohol oder sonstiges Teufelszeug und mit denen die umliegenden Dörfer wie Wilstedt und Seslingen versorgt wurden. Obwohl es noch so früh war, rauchten bereits die ersten Fahrer in der glühenden Sonne; mindestens 32  Grad im Schatten waren es da schon. Also, das hätte man zumindest denken können, wenn man sah, wie viele Mitfahrer in kurz-kurz angetreten waren. OK, also an sich nur einige. Hm, wenn ich noch einmal darüber nachdenke, lief dort eigentlich nur Matt Schmitt in kurz-kurz rum, alle anderen in Jacke und Schals.

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Boys and Girls in the Tenever Hood

Von drinnen dröhte aggressive Musik von Haftbefehl die uns auf die bevorstehende Landesverbandszielfahrt des Radsportclub Bremen scharf machen sollte:

Denn ich rolle mit mei’m Besten
Denn ich rolle mit mei’m Besten
Denn ich rolle mit mei’m Besten
Ich und er sind jede Zeit bereit für Action

Ich bin high und ich rolle tief
Ich bin high und ich rolle tief
Ich bin high und ich rolle tief
Ich bin high und ich rolle tief

Der Sozialarbeiter drinnen machte Zicken und wollte  nicht die Landesverbandszielfahrtskarten des  Radsportclub Bremen rausrücken, so dass wir ihm zunächst eines auf die Fresse drohten und dann acht Euro abdrückten. Überhaupt: drinnen! – doch dazu später.

Draußen war mittlerweile die gesamte RCB Szene Bremens versammelt, viele bekannte Gesichter, Jörg zum Beispiel hatte ich lange nicht mehr gesehen, mit Andreas länger nicht gesprochen, Thomas, Philipp, Stefan, Silvia, Didi – das ist mittlerweile ganz anders, als auf meiner allerersten RTF in Bremen 2010. Ehrlich gesagt war es auch nicht viel anders als eine RCB Montagsausfahrt, deren Startpunkt ja mittlerweile auf den Dorfkrug in Borgfeld verlegt wurde, da die Kundschaft von Jacques Weindepot, wo wir uns bislang trafen, auch keine Lust mehr hat sich durch schwitzige hundert Körper zu winden, um ’ne gute Flasche Rose zu kaufen. So ein Gemenge ist eine gute Gelegenheit ein paar Fachgespräche zu führen. Andreas vermutete, dass die Lager in den Naben seines Rades kaputt sind, da er beim fahren öfters das Gefühl hat, „als würde mich jemand von hinten festhalten“, dieses Gefühl ist mir, vor allem nach der Winterpause ebenfalls gut bekannt und hat dummerweise leider gar nichts mit den Lagern zu tun.

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Sebasatian hat seine Igelhaare mit einem Stirnbandunterm  Helm gesichert, da ist quasi wie eine Sprungfeder, die jeden Moment damit droht den Helm zu durchstossen.  Dann, wir waren gerade so nett am quatschen und irgenwie hatte ich mich schon mit dem Gedanken angefreundet jetzt gleich nach Hause zu fahren und auf der Couch zu pennen,trat Schröder nach vorne und begann zu organisieren. Neben Schröder stand ein blonder Junge und Silke vorne und alle hielten Schilder mit 120+ (Schröder) 75+ (Junge) und Silke (50+) hoch – da analog zu den Schildern auch eine signifikante Änderung der Körpergröße von Schröder in Richtung Silke erkennbar war, glaubte ich zunächst, dass wir nun nach Körpergröße sortiert würden; also mit Schröder kommt alles was zwischen 2,20m und 1,75m ist, mit dem Jungen zwischen 1,75m und 1,50m und bei Silke alles war unter einem Meter fünfzig durchkommt.

Es handelte sich aber doch um die Streckenlängen. Die 120er Gruppe war zunächst relativ groß, aber nun wurde jede Gruppe noch einmal in „ambitioniert“ und „gechillt“ aufgeteilt. In der ambitionierten 120er Gruppe bleiben dann noch so ca. 25 Fahrer. Ich stellte mich auch mit dazu, denn erstens ist dazustellen relativ einfach und cool (im Gegensatz zu mitfahren) und zweitens war es ohnehin mein Plan mit der schnellen Truppe rauszufahren, irgendwo eine längere Pause zu machen und zu warten bis die gechillten kommen und mit denen dann gemeinsam den Rückweg zu vergeigen.

Ich hätte gerne mal die ambitionierte 50er Truppe gesehen. Schnitt 35 km/h, nach 1 1/2 Stunden wieder zurück  – da kann man mit dem Tag noch etwas anfangen.

Los ging’s dann auch schon.Mit Rückenwind und hohem Tempo. Meistens war es allerdings auszuhalten, schwierig wurde es erst einmal  nur dann, wenn der Wind von der Seite kam. Es ist an sich ja kein Problem 40 km/h in der Gruppe zu fahren, wenn der Wind von hinten kommt, man in der Mitte fährt, die Leute kennt und sich auf die verlassen kann und die Hosen vor einem nicht komplett durchgescheuert sind. dann kann mana uch ein wenig quatschen, so wie Thomas und ich das gemacht haben. Das Problem fängt an, wenn die Gruppe immer noch 40 km/h einen leichten Hügel mit heftigem Seitenwind hochfährt. Das kostet Körner und kann man halt nicht so häufig mitmachen. So war ich ganz froh, dass wir relativ zackig in Wilstedt waren. Was keine Überraschung ist, denn in den Regelungen des Deutschen Radsportbundes heisst es eindeutig über das Ziel einer Landesverbandszielfahrt: „Wird eine Landesverbandszielfahrt in Norddeutschland durchgeführt, so muss eines ihrer Ziele Wilstedt sein.„. Überhaupt, ich kann mich auch gar nicht erinnern, dass ich jemals von Bremen aus irgendwo hingefahren wäre und dabei nicht durch Wilstedt gekommen wäre. Wilstedt ist wie das Schloß von Franz Kafka,nur umgekehrt.

Auf der langen Straße an den Windkrafträdern vorbei Richtung Wilstedt musste ich dann auch in die Führungsarbeit gehen. Neben mir eine graue Heißdüse. Wir fahren den letzten Hügel zum Ortsschild hoch. Hier wird bei der Montagsausfahrt immer gesprintet. Der ist  neben wird immer schneller, will nicht sprinten, aber definitiv als erster am Ortsschild sein. das geht natürlich gar nicht, ich halte mit und ziehe dann ganz fies an – schwierig ist es dabei das Ganze so aussehen zu lassen, als wenn das ganz locker und unbeabsichtigt wäre – dieser Ortsschildsprint geht an mich. Danach ist dann auch schon die erste Pause am MTV Wilstedt (letztens 3:4 rausgeflogen nach 1:1 Hinspiel gegen Liverstedt im Kreisligapokal).

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Links mit Helm der Ortschildsprinter in Wilstedt. Unter dem Tisch verdächtiger Kanister.

In Wilstedt hätte ich nun in den Zirkus Eldorado (Motto: erfolg ist kein Zufall!“) der Familie Thiel (Deswegen sind wir auch in Wilstedt!) gehen können, aber die Pause ist nur kurz und am Kreisel kreisen bereits die Ungeduldigen. Weiter geht es mit 35 bis 40 und mir wird langsam klar, dass das mit mir nicht ewig so weitergehen wird. Zwischen Kirchtimke und Rhadereistedt (Immer noch Partyalarm in der Zeltdisco am 8.April) falle ich raus. Philipp und ein weiterer wollen mich noch schieben, aber da geht nicht mehr viel und bis zur nächsten Pause in Selsingen ist es noch weit und so mache ich mich alleine auf den Weg. Die Gruppe ist auch ganz schön klein geworden, in Wilstedt sind da schon eine menge ausgestiegen.

Das klappt ganz gut, nur habe ich von der Strecke dummerweise so gar keine Ahnung und muss mich anhand der Landesverbandszielfahrtswertungskarte orientieren. Das bedingt eine menge Pausen, denn nun kommen die ganzen „Stedts“ und ich kann einfach nicht behalten, in welcher Reihenfolge die abgefahren werden sollen: Rockstedt, Granstedt, Glinstedt, Hanstedt, Hepstedt, Tarmstedt, bis der Weg wieder zurück nach Wilsedt führt.

Wofür steht eigentlich dieses „Stedt„? Stadt kann das ja wohl nicht heißen, den diese gottverlassenen Flecken im Norden weisen ja keine signifikanten Einwohnerzahlen auf. Am besten gefällt mir da noch Rockstedt (ursprünglich „Rockstedty“), denn erstens hat es ein cooles Wappen,

Wappen von Rockstedt: von lauter Musik aufgescheuchter Vogel irgendwo im Grünen

 und zweitens wurde der Ort auch von No Doubt besungen.

Prompt verpasse ich den Verpflegungspunkt in Selsingen und dann geht es auch schon voll gegen den Wind zurück. Hm, das ist nun echt hart. Ich fahre so mit 20 bis 25 km/h und trotzdem habe ich einen Puls von 140 bis 150. Das ist nicht so anders als bei Mat Haymann, als er dieses Jahr Paris-Roubaix gewann, nur dass er mit diesem Puls und der etwa gleichen Trittfrequenz im Durchschnitt 44 km/h über Kopfsteinpflaster fährt.

Ja, jetzt wird es wirklich langsam und mühsam. Und verdammt, die chillige 120er Gruppe will einfach nicht kommen. In Glinstedt finde ich endlich einen weiteren Radfahrer, der sich mit mir duelliert. Fies schleicht er von rechts auf dem Radweg heran und überholt mich. Ich ziehe an, aber er bleibt dran, setzt noch einmal zum überholen an, bis ich ihn kurz vor Tarmstedt aus den Augen verliere. Ich sollte noch erwähnen, dass der nicht bei der Landesverbandszielfahrt mitfuhr und auf einem Trekingrad mit zwei Packtaschen sass.

In Wilstedt mache ich mir gar nicht die Mühe auf dem Rückweg beim Verpflegungspunkt zu halten. Immer weiter gegen den Wind, bloss nicht nachdenken was ich hier mache und den Tag kann ich vermutlich auch tutto completto abhaken wenn ich erst einmal wieder zuhause bin. Wenn.

Es folgt das altbekannte Stück durch Buchholz nach Quelkhorn und Sagehorn, immer noch sehr langsam aber man kennt die Straßen und Abzweigungen und weiß wie weit es bis nach Hause ist. Es sind relativ viele Autos auf der Straße und es wird aggressiv gefahren und gehupt. Plötzlich quietschen Bremsen und  Reifen auf , ich drehe mich um und sehe, dass knapp zwei Meter hinter mir ein alter Benz zum stehen kommt. Das war sehr knapp. Ein Busfahrer hupt, zeigt mir den Vogel und schneidet mich, ich bin froh, als ich ab Sagehorn wieder über Nebenwege fahre.

Ankunft in Tennever am Jugendheim.Thomas ist natürlich schon da, er hat bis zum Schluß in der schnellen Gruppe mithalten können. Ich dachte ich bin der letzte der eintrudelt, aber dann kommt plötzlich Schnippo und ein Teil der schnellen Truppe rein.Er hatte Pech mit seinem Rad heute, es gab viele und lange Pausen. Und als mein Würstchen schon lange fertig ist, kommen auch die gechillten 120er rein.

Ich denke ich werde diese Saison ein Problem haben. Für die gechillten bin ich einfach zu schnell. Das merke ich ja auch bei den regelmässigen RCB und BBC Runden, das ist ganz nett aber nicht wirklich fordernd. Es macht Spaß zu quatschen, aber so richtig weiter bringt mich das nicht. Einerseits. Für die schnellen bin ich allerdings zu langsam, da kann ich so 40 km mithalten, aber dann geht mir die Puste aus. Klar, über den Verlauf der Saison werde ich besser, schneller und ausdauernder werden, die aber auch.

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Baum in voller Blütenpracht

Ich sollte unbedingt noch etwas anderes machen, nachdem ich ja jetzt erst einmal „Body Attack“ Verbot habe. Auf  der Rückfahrt kommt mir die Idee: erst in die erste Etage und dann auf in das Erdgeschoss.

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Zum Ende hin hänge ich noch ein wenig im Jugendheim rum. Es gibt ein paar schicke Photowände aus der Geschichte, so erfahren wir, dass hier irgendwelche Jugendliche den dritten Platz beim Fußballtunier „Rote Socke“ 2003 gemach haben, organisiert vermutlich von der KPD/ML. Es gibt eine Zusammenstellung mit Schnappschüssen der „Mädchenrunde“ und ich hoffe und bete, dass das Jugendheim in dem ich mich früher aufgehalten habe, Haus Zoar in Mönchengladbach nicht etwas ähnliches besitzt. Und dann heisst es  Tschüss sagen.

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Das fällt nicht so schwer, denn erstens schreit die Couch zuhause nach mir und zweitens wird am Montag Abend ja ohnehin wieder gerast wie blöde. Oder eben gechillt.

Strava

Landesverbandszielfahrten, wie viele andere angenehme Dinge im Leben sind nicht einfach da sondern entstehen, weil sich ein paar nette Menschen aufraffen und das ganze organisieren, wobei sie vermutlich dabei dann den wenigsten Spaß haben. Das ist im Prinzip wie Parties zuhause machen, wenn die Eltern weg sind: Da werden auch Jugendliche schnell zu Spiessern im Angesicht der drohenden Zerstörung. Mein Dank an die Leute vom RCB die heute ihren Beitrag geleistet haben. Insbesondere für die Erfindung des Wortes Landesverbandszielfahrt.

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