Archiv der Kategorie: Hannes

Blockokalyse Now.

Seit einiger Zeit ist es nun eine feststehende Tradition, dass Hannes und ich uns morgens treffen und eine Runde im Blockland vor der Arbeit drehen. Um exakt zu sein, machen wir das seit letzter Woche, also seitdem Sommerzeit und Frühling in Bremen begonnen haben.

Uns kann auch nicht abschrecken, dass es morgens gerade mal drei, vier Grad warm ist, denn die Schönheit des Blocklandes kommt nur dann zur Geltung, wenn es frei von Menschen, aber voll mit allerlei Wildgetier ist.

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Jede Menge wilde Tiere sind morgens im Blockland unterwegs. Wenn man genau hinsieht, sieht man im Fleet einen Schwarm Killerkaulquappen Richtung Bremen kraulen.

Heute war die Stimmung mal wieder so richtig Blockalypse Now und mutig fuhren wir mitten in das Herz der Finsternis.

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Die nebelige Morgenstimmung wurde unterstützt durch die alltäglich Apokalypsen und Veränderungen, die insbesondere im Zusammenhang pubertierender Kinder zwischen uns ausgetauscht wurden: Schulverweis der Tochter, drohende Exmatrikulation des Sohnes von der Hochschule, überraschend katholische Austauschschülerin aus Frankreich … das ganze Spektrum des Purgatoriums des Lebens. Dann wieder ein Fasan der von links über die Straße läuft. Bringt das nun Glück oder Pech für den Rest des Tages?

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Wimmernd an der Wümme.

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Die Qualität guten Journalismus lässt sich bereits an den Alliterationen in den Artikelüberschriften messen. Gewinnt Hendrik Hering (das ist ein Name und keine Alliteration) von der SPD die Wahl in in Rheinland-Pfalz, so kann er laut Presse von sich behaupten: „Mainz bleibt meins“. Soviel zur Überschrift.

Noch 25 Tage bis Lüttich. Oder Bastogne, oder irgendwo mittendrin und die Form ist noch nicht einmal in Dortmund. Zum Glück war das Wochenende ein schönes mit vielen Touren und die ersten Gegenmaßnahmen wurden bereits ergriffen: Gestern noch vier Tage Malle gebucht und letzte Woche mit Hannes zum heutigen Frühtraining im Blockland verabredet. Jetzt, wo die Tage wieder länger werden und es Abends auch länger hell bleibt, macht es Sinn sich morgens früh zu treffen und vor der Arbeit ein wenig zu rollen. Zumal das Wetter ja auch großartig ist.

Ich kam um Viertel nach Acht aus dem Haus, ungewohnt früh für mich, schaute auf das Thermometer und kehrte gleich wieder um, um mir erst einmal ein weiteres langes Unterhemd und die dicke Assos-Jacke anzuziehen. Es war gerade mal drei Grad warm, ich konnte meinen Atem sehen und an Kopf und Nacken war es schön kalt. Kaum zu glauben, dass ich mir acht Stunden später im Büro den Pullover vom Körper reißen würde. Ich hatte bereits kalte Hände und Füsse, als ich 8 Minuten später bei Hannes an der Tür stand. Zum Glück war er noch nicht fertig, was mir die Gelegenheit gab mich bei Tanja und ihm aufzuwärmen. Aber dann ging es los. Über dem Blockland wabberte der Bodennebel.

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Dazu passte die Schlagzeile im Weserkurier, das ein Wolf in Borgfeld ein Reh gerissen hat. Es war fast so, als könnte man die Rudel in der Ferne heulen hören. In wenigen Momenten würden sie aus dem Bodennebel hervortreten, riesige Tiere mit neon-gelbem Fell und strahlend grünen Augen, geflohen aus der Sperrzone rundum Tschernobyl und auf der Suche nach menschlichem Rennradfahrerfleisch mit viel Muskulatur.  Die Kombination von Kälte, wenig Schlaf und Blockland kann einen schon ganz gut in den Wahnsinn treiben.

Aber so langsam wurde es wärmer und es stellte sich so etwas wie Frühlingsromantik ein.

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Caspar David Friedrich: Der Styx bei Borghfeldt (1824)

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Der kleine Styx.

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Vermutlich war heute wirklich jeder, der es irgendwie konnte und es mit Arbeit und Familie vereinbaren durfte draußen auf dem Rennrad. Aber wir waren so ziemlich die ersten, froren und radelten vor uns hin parlierend einmal die Wümme runter bis zur Brücke und dann auf der anderen Seite, dem Blockland Roubaix, wieder hoch.

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Dabei kamen wir auch an dem alten Pumpenhaus vorbei, 1884 erbaut, von dem ich letztens schon einmal geschrieben hatte.

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Es ist immer sehr entspannend mit Hannes zu radeln; wir haben keinen Druck dem anderen zu zeigen wer gerade wie gut in Form ist und es gibt immer jede Menge Themen die es zu besprechen gilt in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung steht. Meistens beginnen wir mit etwas wichtigem, heute war es das leidige Thema Töchter und Söhne in der Pubertät, bevor wir meistens fast zwanghaft bei Radrelevanten Themen landen, um dann, heute etwas ungewöhnlich, bei Staubsaugern zu enden. Nicht dass wir uns irgendwie für saubermachen interessieren würden, aber bei einem Rennradrahmen mit innenverlegten Zügen kann man, wenn man es geschickt und mit einem Bindfaden anstellt, den Bindfaden oben einfädeln und mit Hilfe eines Staubsaugerns unten absaugen. An den Bindfaden kommt dann der Zug der durch den Rahmen geführt werden muss und man spart sich die endlose Frickelei und das Stochern auf der Suche nach dem Ausgang.

Ich fürchte radsportlich war das heute morgen keine Meisterleistung, aber der Start in einen sehr schönen Tag.

Strava

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CIÖCC Update.

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Hannes und ich hatten gemeinsam in den letzten Wochen einen CIÖCC Rahmen aufgebaut. Das Resultat war ein ansehliches Reiserad mit Schutzblechen, Nabendynamo und Lampe, dass nicht unbedingt schnell, aber geradeaus fährt. Es fehlte nur noch ein Gepäckträger.

Bis der perfekte Gepäckträger gefunden ist, wird es noch etwas dauern, denn der muss erst noch gebaut werden in Kooperation mit dem letzten Gepäckträgerbauer Bremens. Bis dahin muss es zunächst ein Tubus Fly tun, denn die ersten, längeren Ausfahrten stehen im Juli an.

Den Tubus Fly wird oben an dem Bolzen der Hinterradbremse befestigt, ist so etwas nicht vorhanden oder geht dies an anderen Gründen nicht, so gibt es Adapter für eine Seitenbefestigung an den Sitzstreben. Während der Gepäckträger selber in verschiedenen Finishes angeboten wird, gibt es den Adapter nur in schwarz. Das ist, angesichts der Mühe, die das CIÖCC erfahren hat, absolut unbefriedigend.

Zum Glück gibt es die „Metaller“, die nun eine sehr schöne und elegante Lösung dafür gezaubert haben.

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Die Hilfe der Metaller werden wir bei unserem nächsten gemeinsamen Projekt, einem alten MTB, das im Hinterhof einer sozialen Einrichtung in Bremen gefunden wurde, bestimmt wieder brauchen. Ich wünschte, es gäbe dort auch „Lackierer“.

 

 

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CIÖCC. Hannes.

Heute kam erst einmal ein langer Aufbau für und mit Hannes zum Abschluss. Na ja, so richtig werden die Dinger ja nie fertig ehrlich gesagt. Aber sein CIÖCC ist nun fahrbar, funktioniert fast perfekt und kann seiner Rolle als Pendel/Touren/Regenrad gerecht werden.

Mit Hannes schraube ich gerne zusammen, weil er ebenso wie ich sehr detailverliebt und überlegt ist und uns gemeinsam beim schrauben immer wieder gute, neue Ideen kommen. Außerdem stehen hinter Hannes seine „Metaller“, also Menschen an seinem Arbeitsplatz, die uns zur Hilfe eilen können – wie auch hier bei diesem CIÖCC.

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Wir wollten zusammen etwas bauen, was sich ähnlich schnell wie ein Rennrad, sich bei jedem Wetter und bei Tag und bei Nacht fahren lässt und mit dem man auch einmal länger auf Tour gehen könnte. Im Prinzip also sehr ähnlich wie mein Panasonic FRC37 von 2014, das ich mittlerweile wieder auseinander genommen und größtenteils verkauft habe. Einige Teile von dem Panasonic finden sich nun an dem CIÖCCwieder.

Den Rahmen habe ich mehr oder minder bei Ebay UK zufällig erstanden als ich einen (wie ich fand) sehr niedrigen Preisvorschlag bei einem Verkäufer einreichte und der wohl doch zu hoch war – zum Glück mochte Hannes den Rahmen auf Anhieb.

Auch das Vorderrad kommt nicht von ungefähr – das hatten Hannes und ich letzten Winter aufgebaut mit einem Shutter Precision Nabendynamo und einer Mavic Open Pro Felge. Eigentlich sollte es in seinem Rennrad Dienst tun, aber fest verbaut im CIÖCC passt es zusammen mit der festmontierten B&M Lampe viel besser.

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Shutter Precision Nabendynamo – die bessere Alternative zu SON und Shimano

Für Touren ist der Velo Orange Randonneur Lenker gut geeignet. Wir haben lange gemessen und eingestellt, aber jetzt sind wir relativ sicher, dass die Fahrposition nun eine bequeme ist.

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Campagnolo Ergopower Athena 8-fach Hebel – sehr hoch montiert macht die Position entspannter.

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Der Antrieb ist übrigens überwiegend Campagnolo. Athena 8-fach Ergos, Athena Umwerfer, Athena Compact Power Torque 11-fach Kurbel 172,5mm 50/34Z, Campagnolo Record RD-31RE Umwerfer und dazu eine 8-fach Kassette 13-28.

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Die 14er Inbusschraube ist nur deswegen so groß auf der hinteren Seite, damit man durch die Kurbelachse schauen kann.

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Ganz schwach steht auf dem Schaltwerk Campagnolo geschrieben, das kann man nur leider auf dem Foto nicht mehr sehen.

Bei den Bremsen mussten wir überraschenderweise auf sehr, sehr lange Tektros ausweichen, selbst die sehr langen passten nicht.

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Tektro Bremse hinten – und die Sattelstütze wird getauscht.

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Tektro Bremse vorne. Kürzeres Schenkelmass notwenig, aber immer noch zu lang.

Schutzbleche anzubringen ist eine wahnsinnige Frickelei – eigentlich immer. Und wenn man die Dinger dann dran hat, dann haben die ja nur eine Funktion wenn es regnet, sonst hängen die einfach nur im Rahmen rum. Irgendwie unbefriedigend. Beim CIÖCC hätten wir das auch nicht gut hinbekommen, wenn uns nicht die Metaller mit einer Lasche geholfen hätten.

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Lasche rechts, links 14er Inbusschraube.

Ist es ein guter Aufbau geworden? Wird er seine Funktion erfüllen? Das müssen Hannes und sein CIÖCC jetzt erst einmal über einen längeren Zeitraum selber herausfinden.

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Donnerstag. Freitag. Samstag. Sonntag.

Samstag.

Ich wollte ja eigentlich nicht mehr Radfahren und hatte mir bereits einen schicken Motorroller zugelegt. Leider war der nun erst einmal in der Werkstatt und wurde zu einem Fixieroller umgebaut: Bremsen weg, Getriebe weg und Spielkarten auf die Felgen geklebt.

Und zudem hatte ich noch keine neuen Rollerfreunde, also entschloss ich mich schwerzen Herzens am Samstag mal wieder Rad zu fahren mit der BBC Runde. Das war doch eigentlich ganz nett, die Strecke war sehr gut ausgewählt und führte mehrheitlich über Straßen die ich bislang wenig oder noch gar nicht gefahren war, das Tempo war sehr moderat, so dass ich ziemlich viel gequatscht habe, mit Freunden, aber auch mit neuen Mitfahrern. Ich schätze so Gelegenheiten ja sehr. Benjamin zog ab und zu Sprints an und so konnte ich mich an der einen oder anderen Stelle gut verausgaben. Leider fehlt heute die Zeit viel darüber zu schreiben, deshalb nur ein paar Bilder und ein paar kurze Beschreibungen.

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Irgendwo, irgendwann mit irgendwem (aber nicht Erdogan).

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Erzwungene Pause, da wir zu fünft vorne weggesprintet waren.

Die Pausen bei dieser Tour waren etwas sporadisch unerklärbar. Nach ca. 45 km machten wir mitten im nirgendwo die erste Pause, es gab kein Eis, keinen Kuchen – nichts. Die zweite war dann erzwungen. Es gab aber auch nichts.

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Hier starten Benjamin, Bo und ich gleich zu unserem Ortsausgangssprint: Härtester Gang rein und stehender Start. Definitiv unter 30 km/h.

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BBC Granden.

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Die zweite Pause: Vor dem Nagelstudio von Tim in Adolfsdorf.

Sprintvideo von Bo. Strava der Strecke von Benjamin

Sonntag

Musste heute dummerweise arbeiten, denn ich war offensichtlich in der Woche vorher zu faul: Na gut da fehlte ja auch der Montag. Um 13:30 Uhr traf ich mich im Hannes, es war bitterkalt. Sibirische Winde fegten durch die Fischerhuder Steppe und wir hatten Mühe alle unsere Glieder warm zu halten. Ab und zu überholten wir ein Räumfahrzeug der Sagehorner Verkehrsbetriebe und überall waren bereits Warnschilder aufgestellt.

Ich sag‘ noch zu Hannes: „Mensch pass auf, hier ist ’ne Glatteiswarnung!„, aber da war es schon zu spät, unkontrolliert rutschten wir beide weg und kamen auf der Strasse zu liegen. Zum Glück war nichts passiert. Bis wir ein paar Passanten fragen konnten ein Photo zu machen hatte es bereits wieder angefangen zu tauen.

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Scheisswetter heute!

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Free Tibet of Glatteis now!

Hannes zupfte sich sein Free Tibet zurecht, ich setzte meine Coco Chanel Mütze wieder fesch auf und weiter ging es. Ohne schöne Unterbrechung der etwas monotonen Arbeit- mein Dank an Hannes.

Insgesamt an vier Tagen ca. 270 km – der Dynamo läuft wieder.

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Drei Farben. Schwarz.

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Das ist nicht der vierte Teil der Spielfilm Triologie des polnischen Regisseurs Kieslowski, der je einen Film zu den Farben, Blau, Weiß und Rot gedreht hat. Das ist die Geschichte eines italienischen Rennrads für Tanja, das zwar „Neri“ (schwarz) heißt, aber strahlend rot ist.

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Vor dem Kolumbarium schaut die gestrenge Göttin des Radbaus kritisch auf das ihr dargebrachte Opfer.

Tanja ist die Frau von Hannes, mit dem ich gerne und oft radfahre. Hannes hat mich mitgenommen nach Lauenau, auf den roten Fuchs und dieses Jahr auf die RTF nach Northeim, ein nasses Erlebnis der ganz besonderen Art. Im Laufe des Herbsts kam die Idee auf, ein Rad für Tanja zu bauen. Wie so oft fängt der Aufbau mit dem passenden Rahmen an, wobei wir hier etwas in Größe 48 suchten, gar nicht so einfach etwas zu finden. Hannes machte verschiedene Vorschläge, die ich mehr oder minder brüsk ablehnte, was mir natürlich leid tut. Es ist von großen Nachteil, wenn man sich viel mit Rädern beschäftigt, weil man dann zwangsläufig sehr, sehr wählerisch wird. So erscheint es mir heute grotesk, eine Dreifachkurbel an eines meiner Räder zu schrauben, während ich noch vor fünf Jahren aus Freunde über die zusätzlichen 10 Gänge vermutlich in die Luft gesprungen wäre. Oder einen französischen Rahmen zu kaufen, an dem jedes Gewinde dem falschen (nämlich dem richtigen, dem metrischen) Maßstab huldigt. Jedenfalls gab es immer einen wichtigen Grund, warum Hannes Vorschläge nicht akzeptabel waren, was ihn wohl so weit zur Verzeweiflung getrieben hat, dass er, als mir bei dem Angebot eines Neri Rahmens nur ein „ist schön, aber zu teuer“ herauskam, er innerhalb von Sekunden die Sofortkauf Option bei Ebay wählte und das Teil wenige Tage später bei ihm zu Hause war.

Hannes und Tanja luden mich zu sich nach Hause ein, wo ich das gute Stück wertschätzen sollte. Es sah aber auch prinzipiell lecker aus, nur ein wenig ungepflegt. Also verdonnerten wir Tanja, um auch die emotionale Bindung zu ihrem neuen Rad zu stärken, den Rahmen ordentlich zu waschen und zu schruben und dann mit Politur auf Hochglanz zu bringen. Danach sah der Rahmen dann wirklich lecker aus und ich hatte ein wirklich schlechtes Gewissen, doch dazu später.

Das ist das zweite Neri Rad an dem ich baue, das erste, einen sehr schönen blauen Rahmen , habe ich vor ca. einem Jahr für Andreas aka Umberto zusammengesteckt.

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Guido “Romolo” Neri war ein italienischer Rennradfahrer, der zwischen 1959 und 1970 in verschiedenen Pro-teams fuhr und immerhin am Giro d’Italia, der Tour de France und anderen großen Rennen siner Zeit teilnahm. Nach dem Ende seiner Karriere eröffnete er 1979 einen Radladen in seiner Heimatstadt Cesena (Emilia Romagna), Cicli Neri existiert noch heute. Eigene Rahmen wurden hier nicht hergestellt, aber da die Region reich ist an vielen bekannten und weniger berühmten Rahmenbauern, wurden dort Rahmen ein- und unter dem Namen Neri verkauft. Im Netz findet man ab und an noch ein paar Bilder, aber selbst bei Pedal Room ist derzeit nur ein einziges Neri zu finden.

Der Plan für Tanjas Rad war, eine komplette Shimano 9-fach Gruppe, die ich von dem Faggin Rad von Cobra abgebaut hatte, als es zum Single Speed umgebaut wurden, an Tanjas Rad zu verbauen, inklusive der Laufräder. Leider gab es aber an diesem Rad zumindest eine Komponente, die nie wieder verbaut werden sollte, uns zwar eine äußerst unschöne moderne Stronglight Kurbel mit ISIS Aufnahme. Also musste noch ein wenig Geld in die Hand genommen werden, um eine neue Shimano Ultegra 6500 Kurbel zu kaufen – eine Kurbel die ich wirklich sehr, sehr schön und schlicht finde. Das letzte was Shimano Kurbelmässig noch schönes gebaut hat.

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Shimano Ultegra 6500 Kurbel mit Cobra Stronglight Kettenblättern

Die 9-fach Gruppe besteht aus einem Mix von Shimano 105er Teilen (Schaltwerk, Umwerfer, Kassette) und Tiagra STI Schalt/Bremshebel mit Wäscheleinen. Dazu gibt es Bremsen von Promax (bei denen man sofort nach Erhalt das Logo wegradieren muss, damit diese legal an Neoklassikern verbaut werden dürfen) und simple aber stabileLaufräder von Shimano. das Piece de la resistance ist ein Dura Ace Schnellspanner, so dass wirklich alle ernsthaften Shimano Gruppen an diesem Rad mindestens einmal vertreten sind.

Nachdem die Funktion geklärt war, machten wir uns an das Design. Neben der Hauptfarbe Rot des Rahmens, waren die meisten Komponenten eine Kombination aus Silber und Schwarz und die Decals Weiß – wie sollte also der Rest werden. Wir drei waren uns einig, das die einfachste Lösung, nämlich Lenker, Lenkerband und Zughüllen entweder weiß oder schwarz zu machen strikt abzulehnen sei. Schwarz war einfach zu einfach und weiß zu unpraktisch, auch wenn das den besten ersten Eindruck hinterlassen hätte. Rot, das wusste ich aus, geht Erfahrung, geht auch gar nicht an einem roten Rad, da man keine Chance hat die exakte Farbbnuance zu treffen.

Wie schon gesagt, ich hatte ein schlechtes Gewissen und deshalb schlug ich vor, einmal ein paar farbige Lenkerbänder etc. zu kaufen, so dass wir diese an das Rad halten und uns dann entscheiden, wenn wir das gesamte Bild vor Augen haben. Also kaufte ich dunkelblau,hellblau, Dunkelgrün und hellgrünes Lenkerband samt den zugehörigen Bremshüllen und den entsprechenden Zughüllen. Danach war mein Keller wieder komplett voll mit Zeug. Aber es ist noch nicht einmal möglich diese relativ simplen Farben gut auseinander abgestimmt zu kaufen. Das dunkelgrüne Lenkerband von BBB hat exakt die gleiche Farbe wie das apfelgrüne von Fizik. Das schränkte dann die Möglichkeiten etwas ein. Und noch tagelang, wenn ich in den Keller ging, hatte ich etwa das folgende Bild vor Augen.

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Mein Keller vor dem Zusammenbau

Nur noch mit mehr Farben.

Eines Abends trafen Hannes und ich mich bei mir im Keller und legte farblich Hand da den Neri Rahmen an. Wir hielten Lenkerband und Zughüllen an den Rahmen und Hannes machte jeweils ein Photo und schickte es an Tanja, dies es dann per What’s app kommentierte. Das klingt jetzt sehr kompliziert und aufwändig und ich bin froh, dass ich von den beiden nicht gezwungen wurde das Lenkerband auch noch zu wickeln und die Züge komplett zu verlegen. Aber im Grunde war die Entscheidung schon vorher klar, denn Tanja hatte schon die prima Idee geäußert die Farben der italienischen Trikolore nachzuempfinden: Grün, weiß und rot; letzteres bereits durch den Rahmen ausreichend vertreten.

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Bitte die Bilder ansehen und dazu diese Musik hören. Ciao, Italia.

Angeblich soll ja auch mal kurz nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland bei einem Besuch eines deutschen Politikers im Ausland das folgende gespielt worden sein, weil das Gastland fälschlicherweise annahm, dass dies eben die neue deutsche Nationalhymne sei. Auf Wiedersehen, BRD.

An dem Abend haben Hannes und ich dann das ganze Rad fertig zusammengebaut.

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Wie immer brauchte da viel mehr Zeit als gedacht, so dass Hannes erst sehr spät nach Hause kam. Er parkte das Neri Rad im Schlafzimmer, so dass es Tanja nach dem Aufwachen direkt als erstes ins Auge fiel. Ich wünschte meine Frau würde das auch tun, mit den Rädern die sie für mich baut. OK, wenn ich so drüber nachdenke, würde ich mich schon über ein gemachtes Frühstück ziemlich freuen.

Hier noch ein paar Eindrücke:

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Das ganze Rad muss jetzt noch auf Komfort getunt werden, damit es auch oft und gerne gefahren werden kann. Die ersten Ausfahrten sind bereits gemacht, und jetzt wird gefrickelt bis es passt.

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Saisonabschlußdunkelbeleuchtungstestfahrt.

Letzte Woche hatten Hannes und ich ein Vorderrad mit Nabendynamo für ihn gebastelt. Heute wurde es im Dunkeln getestet.

Eigentlich hatte ich das Versprechen auf einen Test schon lange vergessen und verdrängt bei dem Sauwetter draußen. Ich saß lethargisch in der Bude rum und dachte darüber nach, was ich heute alles auf keinen Fall tun sollte. Ein Sonntag, der ein Samstag war. Dann rief Hannes an und rief mich aus meinem Koma. Innerhalb einer halben Stunden zog ich mich um, machte das Panasonic fertig und kurz nach Sechs stand ich bei ihm vor der Haustür. An meinem Panasonic wird für das Licht durch eine Kombination von einem Shutter Precision SV8 Nabendynamo und einer AXA Luxx 70 Plus Steady Lampe gesorgt. Hannes an den gleichen Nabendynamo in der Kombination mit der AXA Luxx 70 Steady Auto Lampe. Es würde also spannend werden, wer von uns den helleren Lichtkegel besitzt. Ich wollte daher pfuschen und meine B&M Akku Lampe Ixon IQ Speed zusäzlich montieren, stellte aber dann fest, dass der Akku noch im Keller lag.

Wie jeder weiß, sind die meisten Busch und Müller Produkte sehr gut und schneiden bei Tests sehr weit vorne ab. Es wäre aber auch schön, wenn man die Namen dieser Produkte irgendwie aussprechen und behalten könnte. Checkt man z.B. bei Bike24 nach Busch und Müller Lampen, bekommt man 139 (!)= verschiedene Produkte angeboten (wenn das hier in drei Tagen gelesen wird vermutlich schon wieder zehn mehr). Was bitte ist denn der Unterschied zwischen:

Busch + Müller Lumotec IQ2 Eyc N Plus LED Frontleuchte 160RNDI

und

Busch + Müller Lumotec IQ2 Eyc T Senso LED Frontleuchte 160RTSNDI ?

Genau, zwei Buchstaben (TS), die sich ganz am Ende des Namens in einer Abkürzung verstecken. Die Recherche, welche Lampe auf einen passt ist damit wahnsinnig aufwändig – das kommt davon, wenn man keine vernünftige Marketing Abteilung hat und die Produkte nach den Entwicklungsprojektnamen benennt, die Ingenieure Ihnen gegeben haben. Produktnamen wie WLAN Passwörter.

Warum heißen die Lampen nicht Dura Ace, Ultegra, 105 …..? Oder umgekehrt, wenn Busch und Müller Schaltungen herstellen würde, dann hieß ein 10-fach Zahnkranz bei denen vermutlich:

Busch + Müller Schalttec IQ Evo Hyper Plus 11121315171921232528 RNDITSHK2L Senso

Nicht zuletzt aus diesem Grunde habe ich dann irgendwann aufgegeben und mir eine AXA Lampe gekauft.

Trotz Busch und Müller fuhren Hannes und ich dann irgwndwann los. Da uns unsere Frauen für bescheuert erklärt hatten bei dem Wetter und im Dunkeln zu fahren, wollten wir es kurz und wenig knackig halten. Also rauf auf den Deich. Heute war Randgruppenkohlfahrtstag. Zuerst begegneten wir kurz hinter dem Lehster Deich einer Gruppe ausländischer Kohkfahrer, dann anschliessend auf der Rückfahrt einer reinen Frauenkohlfahrt. Als wir von hinten auf gleicher Höhe sie zurollten riefen sie: „Auto, Auto“ was uns mächtig stolz auf unsere Beleuchtung machte. Vermutlich hatte da aber auch der Alkohol seine Hand im Spiel.

Ruckzuck waren wir am Ende des Deichs und machten ein paar schicke Photos von uns.

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Hannes Sohn suchte derzeit verzweifelt zuhause nach seinem Leibchen für das Fußballspiel morgen.

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Hannes Rad mit schicker Campagnolo G3 (vorne) und G2(hinten) Reflektorenspeichung.

 

Auf der Ritterhuder Brücke gelang mir noch ein unglaubliches Kunstphoto. Meine Kunstlehrer und -lehrerinnen, Frau Hesse (abgedreht, hysterisch), Herr L’Hoest (oft betrunken), und Herr Würfel (landete in der Psychiatrie) wären stolz auf mich gewesen.

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Der Kuß des Mondes (Fluxus Version)

 

Und dann ging es zurück über die noch dunklere, andere Wümme Seite. Recht langsam, so dass wir uns gut unterhalten konnten. Aber einmal hatten wir doch richtig Angst, als wir von einem Motorrädchen der „Vespa Hass Gruppe Vahr Süd“ überholt wurden. Sonst alles friedlich (bis auf einen Hund der auf uns losging) und wir beneideten die Menschen, die in der Schleuse und anderen Gaststätten in der Wärme sassen und Bier tranken. Um eine möglichst gute Sicht auf die Strasse zu haben, fuhren wir nebeneinander, Hannes leuchtete den Nahbereich aus und ich in die Ferne. Das was ausreichend.

Deshalb möchte ich auch zum Fazit des Lampenvergleichstest kommen:

Die AXA Luxx 70 Plus Steady Lampe kostet 64€. Ich habe sie gekauft.

Die AXA Luxx 70 Steady Auto Lampe kostet 40€. Hannes hat sie sich gekauft.

Beide sind exakt gleich hell. Es gibt da absolut null Unterschied, es sei denn, ich fahre langsamer als 6 km/hr, dann gibt es bei meiner Lampe eine Nahfeldausleuchtung. Mit anderen Worten, wenn ich das Rad schiebe, dann ist meine Lampe besser.

Fazit: Hannes ist schlauer als ich.

Zu meiner Rettung möchte ich aber noch erwähnen, dass meine Lampe zusätzlich über einen USB Anschluß verfügt, den ich noch nie benutzt habe. Hannes Lampe hat keinen USB Anschlu, aber Hannes hat einen Garmin der so etwas brauchen könnte.

Fazit: Theoretisch bin ich schlauer.

Schöne und schön kalte 40 km heute, Danke an Hannes.

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Ach so und mit dieser Tour dann in diesem Jahr (wobei das Jahr am 24.12.2013 mit der Festive 500 begann:

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