Archiv der Kategorie: Touren

Alle Touren an denen Freunde der Cyclitis teilnehmen.

Wimmernd an der Wümme.

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Die Qualität guten Journalismus lässt sich bereits an den Alliterationen in den Artikelüberschriften messen. Gewinnt Hendrik Hering (das ist ein Name und keine Alliteration) von der SPD die Wahl in in Rheinland-Pfalz, so kann er laut Presse von sich behaupten: „Mainz bleibt meins“. Soviel zur Überschrift.

Noch 25 Tage bis Lüttich. Oder Bastogne, oder irgendwo mittendrin und die Form ist noch nicht einmal in Dortmund. Zum Glück war das Wochenende ein schönes mit vielen Touren und die ersten Gegenmaßnahmen wurden bereits ergriffen: Gestern noch vier Tage Malle gebucht und letzte Woche mit Hannes zum heutigen Frühtraining im Blockland verabredet. Jetzt, wo die Tage wieder länger werden und es Abends auch länger hell bleibt, macht es Sinn sich morgens früh zu treffen und vor der Arbeit ein wenig zu rollen. Zumal das Wetter ja auch großartig ist.

Ich kam um Viertel nach Acht aus dem Haus, ungewohnt früh für mich, schaute auf das Thermometer und kehrte gleich wieder um, um mir erst einmal ein weiteres langes Unterhemd und die dicke Assos-Jacke anzuziehen. Es war gerade mal drei Grad warm, ich konnte meinen Atem sehen und an Kopf und Nacken war es schön kalt. Kaum zu glauben, dass ich mir acht Stunden später im Büro den Pullover vom Körper reißen würde. Ich hatte bereits kalte Hände und Füsse, als ich 8 Minuten später bei Hannes an der Tür stand. Zum Glück war er noch nicht fertig, was mir die Gelegenheit gab mich bei Tanja und ihm aufzuwärmen. Aber dann ging es los. Über dem Blockland wabberte der Bodennebel.

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Dazu passte die Schlagzeile im Weserkurier, das ein Wolf in Borgfeld ein Reh gerissen hat. Es war fast so, als könnte man die Rudel in der Ferne heulen hören. In wenigen Momenten würden sie aus dem Bodennebel hervortreten, riesige Tiere mit neon-gelbem Fell und strahlend grünen Augen, geflohen aus der Sperrzone rundum Tschernobyl und auf der Suche nach menschlichem Rennradfahrerfleisch mit viel Muskulatur.  Die Kombination von Kälte, wenig Schlaf und Blockland kann einen schon ganz gut in den Wahnsinn treiben.

Aber so langsam wurde es wärmer und es stellte sich so etwas wie Frühlingsromantik ein.

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Caspar David Friedrich: Der Styx bei Borghfeldt (1824)

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Der kleine Styx.

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Vermutlich war heute wirklich jeder, der es irgendwie konnte und es mit Arbeit und Familie vereinbaren durfte draußen auf dem Rennrad. Aber wir waren so ziemlich die ersten, froren und radelten vor uns hin parlierend einmal die Wümme runter bis zur Brücke und dann auf der anderen Seite, dem Blockland Roubaix, wieder hoch.

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Dabei kamen wir auch an dem alten Pumpenhaus vorbei, 1884 erbaut, von dem ich letztens schon einmal geschrieben hatte.

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Es ist immer sehr entspannend mit Hannes zu radeln; wir haben keinen Druck dem anderen zu zeigen wer gerade wie gut in Form ist und es gibt immer jede Menge Themen die es zu besprechen gilt in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung steht. Meistens beginnen wir mit etwas wichtigem, heute war es das leidige Thema Töchter und Söhne in der Pubertät, bevor wir meistens fast zwanghaft bei Radrelevanten Themen landen, um dann, heute etwas ungewöhnlich, bei Staubsaugern zu enden. Nicht dass wir uns irgendwie für saubermachen interessieren würden, aber bei einem Rennradrahmen mit innenverlegten Zügen kann man, wenn man es geschickt und mit einem Bindfaden anstellt, den Bindfaden oben einfädeln und mit Hilfe eines Staubsaugerns unten absaugen. An den Bindfaden kommt dann der Zug der durch den Rahmen geführt werden muss und man spart sich die endlose Frickelei und das Stochern auf der Suche nach dem Ausgang.

Ich fürchte radsportlich war das heute morgen keine Meisterleistung, aber der Start in einen sehr schönen Tag.

Strava

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Am Pumpwerk.

IMG_0321Die rechte Seite der Wümme zwischen Borgfeld und Burg ist die richtige Seite der Wümme.

Das ist so etwa wie mit Bremen; Bremen ist rechts der Weser, links ist die Neustadt und angeblich, so behaupten das viele, gehört das nicht wirklich zu Bremen, ebenso wie Bremen Nord. Man hat sogar ein Krankenhaus, um seine Leistung ins rechte Licht zu rücken, „Klinikum links der Weser“ benannt.
Das ist natürlich Unsinn, aber die rechte Seite der Wümme ist leer, kaum Rennradfahrer, wenige Spaziergänger, wenige Autos. Das hängt damit zusammen, dass bis vor ein, zwei Jahren der Belag dort so mies war, das ein Strava Segment noch heute den Namen „Blockland-Roubaix“ trägt. Seitdem wurde dort asphaltiert und es gibt nur noch wenige holprige Stücke. IMG_0328

An dem Pumpwerk bin ich schon oft vorbeigefahren ohne jemals zu halten. Heute, nicht auf der Suche nach Geschwindigkeit, sondern nach Ruhe und Wärme zum ersten Mal dort eine Pause gemacht. Industriekultur.

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Pimavera a Bremio. BLBLB.

Bereits in wenigen Wochen startet die Elite des bremischen Radsports (und ich) bei der Jedermann Version von Lüttich – Bastogne – Lüttich. Ich finde es im Prinzip ja prima, den Höhepunkt der Saison bereits in den April zu legen und danach nur noch chillig durch die Gegend zu gurken bis der Winter kommt, aber: 

Die Form lässt doch deutlich zu wünschen übrig. Zur Zeit sieht es danach aus, als würde ich vielleicht 150 km dort fahren bis zur nächsten Pommesbude und dann darauf hoffen und warten, dass mich irgendjemand irgendwann abholt. Aber jetzt wird alles anders, denn in der Trainingsgruppe Bremen- Lüttich – Bastogne – Lüttich – Bremen (BLBLB) haben wir nun mit einer gemeinsamen und intensiven Vorbereitung begonnen.

Letztes Wochenende bin ich am Samstag alleine gefahren; am Sonntag wollten wir an sich gemeinsam raus., konnten uns aber nicht einigen, unter anderem auch deswegen, weil ich gerne die Sternfahrt in die Saison, einen Klassiker des bremischen Gesellschaftslebens, mitfahren wollte. Das war auch gut.

Dieses Wochenende bin ich am Samstag wieder alleine gefahren und heute wollten wir uns treffen, egal bei welchem Wetter, und gemeinsam ein paar Kilometer abspulen. Natürlich hat bei diesem Frühlingswetter in Bremen keiner Lust. Also sass ich den ganzen Morgen vor meinem Handy und wartete darauf, dass endlich jemand absagte. Ich vermute allen anderen ging es genauso. Zuerst verlor Andi die Nerven und schrieb eine total lahme Entschuldigung von einem Crosser der zusammengebaut werden wollte. Dann gab Jochen auf und schrieb, dass er später fahren würde. Sicher. Jetzt hätte ich eigentlich auch aufgeben können, der Härteste war ich ja jetzt sowieso,  aber ich bin brav zum Treffpunkt gefahren und habe eine 50 km Runde im Regen abgespult. Nicht auf dem Rennrad, sondern auf dem Umberto mit Schutzblechen und gut eingemümmelt in Regenklamotten. Ja, es ist Frühling in Bremen geworden:

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Frühling in Bremen: Von oben der Regen, von unten die Kroküsse ….

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…. und Hyazinthen. Bald ist Pfingsten!

So richtig Spaß macht das fahren im Regen nicht, aber es ist gut zu wissen, dass man das notfalls eben auch kann. Ich blieb halbwegs trocken, kroch gegen den Wind mit 20 km/hr und dachte, dass das alles noch viel schlimmer sein könnte. So wie 2007 auf Sadogashima, wo ich mit Stephen, Ryoko und anderen eine 210 km RTF mitgefahren bin – komplett im Regen. Ein Highlight war es jedes Mal, wenn vor einem ein Tunnel auftauchte und damit die Hoffnung ein paar Sekunden trocken zu bleiben.

Insgesamt kann also nur konstantiert werden, dass die Vorbereitung auf BLBLB exakt nach Plan läuft. Ich könnte eigentlich mal eine Trainingspause machen. Vielleicht bis Ende April.

Strava

Musikalische Würdigung der heutigen Radrunde:

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RCB Montagstraining am Sonntag

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„Ok, wie viel Kilometer fahren wir eigentlich bei Lüttich-Bastogne-Lüttich?“
„Na ja, die lange Strecke, etwa 270 km.“
„Ach so, und wie viel Höhenmeter sind da drin.“
“ So 4.500 etwa.“ erwiderte Jochen nonchalant. Ich hatte Jochen vorher natürlich gesagt, dass ich die lange Strecke fahren wollte, ohne zu wissen, was „lang“ genau bedeutet. Aber wer hätte da auch schon „kurz“ geantwortet. Zeit also das Training zu beginnen.

An sich sollte das kein Problem sein, ich bin schon öfters größere Distanzen als 270 km gefahren, zum Beispiel bei Tokyo-Itoigawa 2008 oder bei der großen Weserrunde letztes Jahr. Ich bin vielleicht auch schon einmal 4.500 Höhenmeter gefahren,obwohl ich mich nicht genau erinnern kann, eine Etappe bei der Transalp 2011 über das Stilfser Joch muss jedenfalls verdammt nah dran gewesen sein. Dachte ich, denn als ich nachsah waren es nur 3.700 Meter. Die Kombination von beiden ist jedenfalls etwas neues. Jochen meinte, er wäre das vor ein paar Jahren in 10 Stunden gefahren. Hm. Das Problem hier ist eher, dass das Rennen bereits am 22. April stattfindet und bis dahin ist nur noch wenig Zeit die Form zu suchen und dann auch zu finden.

Das Trainingsjahr fing, wie immer zu Weihnachten, eigentlich gut an mit der Festive 500, aber danach bin ich dann nur noch wenig gefahren, so dass ich nun gerade einmal 1.600 km au dem Buckel habe, das meiste davon bei der Festive 500 (570 km) und der Rest mehr oder minder pendeln plus drei, vier kleinere Ausfahrten. Viel zu wenig um selbstbewusst nach Belgien zu fahren.

Nachdem ich heute den Bürokram erledigt hatte, Muckels Rad, das an einer rätselhaften Umwerferkrankheit leidet, zu ihm nach Hause gefahren hatte und mir die teenyhafte Unfreundlichkeit meiner Tochter schwer auf die Nerven ging, verließ ich das Haus, und stellte fest dass während drinnen immer noch die Eiszeit der Pubertät andauerte, draußen der Frühling begonnen hatte. Ich hatte zwei große Aufgaben: Einmal wollte ich die klassische RCB Montagsrunde von Lilienthal nach Ottersberg und Wilstedt fahren und dies auf meinem neuen De Rosa Rad tun, das leider noch eine ganze Menge Kinderkrankheiten aufweist.

Aber zunächst einmal ging es gut los. Ich hatte Rückenwind, der Himmel war blau, die Felder etwas grün – wenn sie nicht gerade unter Wasser waren – und die ersten Vögel trällerten ihre Lieder in den Bäumen entlang der Straße. Bis nach Fischerhude rein konnte ich flott fahren und da es so gut lief, dachte ich, ich könnte mich ja auch ein wenig anstrengen und versuchte konstant über 30 km/hr auf dem Hügel nach Quälhorn zu sprinten. Auch das klappte und mein Selbstbewußtsein nahm wieder zu. Es hatte eben doch etwas gutes mit den Kampfdrohnen im Body Attack Kurz zu konkurrieren und neben den Beinen auch Rücken, Schulter und Arme über den Winter in Form zu halten. Mit Rückenwind ging es dann nach Ottersberg, weiter nach Otterstedt und als ich in Vorwerk ankam, sah ich diesen hübschen alten Benz, der dort vor einem Bauernhof geparkt war.

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Ich vermute den Wagen steht da schon etwas länger. Mir ist der allerdings nie aufgefallen, denn wenn ich diese Straße fahre, dann nur mit der ganz schnellen Truppe des RCB Montagstrainings, und da kämpfe ich jedesmal mit Tunnelblick ums Überleben und kann nicht nach rechts und links schauen. Wenn man mich bislang fragen würde, was es auf der Strecke zu sehen gäbe, ich könnte es nicht sagen, nur, am Ende, weit hinter Vorwerk ist eine Abzweigung nach Wilstedt, da muss man abbiegen sonst kommt man nach Zeven und alles wird noch viel, viel schlimmer.

Das De Rosa fuhr besser als ich erwartet hatte, vor allem der 3T Ergonova Lenker sorgt dafür, dass die Hände nicht so schnell taub werden. Und ganz so lahm wie beim ersten Mal ist das Rad auch nicht. Einerseits. Andererseits lässt sich die Schaltung nicht richtig einstellen und ein paar Gänge sind komplett unbrauchbar, da die Kette immer wieder zwischen zwei Ritzeln am Hinterrad springt. Und wenn ich aufhöre zu treten passieren fürchterliche Dinge, die ich allerdings nur hören und nicht sehen kann: Es scheint, als wenn der Freilauf erst einmal blockiert, die Kette das Schaltwerk nach hinten reißt, dann der Freilauf wieder läuft, dann wieder blockiert. Kurz es empfahl sich heute am besten mit dem Treten gar nicht aufzuhören. Toll, ich habe nun ein Fixie Rennrad mit 11 Gang Campa Schaltung. Und damit soll ich nach Belgien?

In Wilstedt musste ich erst einmal Pause machen, mein Magen knurrte und ich fuhr voll auf meinen Fettreserven und hatte keine Power mehr. In Wilstedt gibt es, wenn die Eisdiele nicht auf hat, nur einen guten Platz Rast zu machen und das ist die Tankstelle. Die ist legendär.

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Wilstedt. Sieht im Prinzip aus wie Saigon in den Siebzigern.

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Vor langer Zeit haben wir dort mal ein paar Fotos gemacht; d.h. wir haben mit viel Aufwand und sehr viel Detailtreue ein sehr bekanntes historisches Foto nachgestellt. Dieses Foto war nicht nur eine treffende Kritik an der fehlenden Nachhaltigkeit deutscher Mobilität, sondern auch eine Warnung vor dem Wiederaufflammen des amerikanischen Imperialismus. Ich behaupte mal, wir haben bereits so gegen 2012 vorausgeahnt, was seit dem 20. Januar auf Amerika, und somit leider auch die Welt, zugekommen ist. Und damit haben wir uns auch ein paar Feinde gemacht.

Nein, hier kommt jetzt kein Video aus Holland, Deutschland, Morda oder sonstwo. Das überrascht niemanden mehr, der einen Teil des Internets besitzt. Dazu eine, wie ich finde sehr lustige Geschichte: Letztens rief mich mein Bürokollege, mit dem ich nun fast sieben Jahre zusammenarbeite und sagte: „Schau mal, ich habe da eine komische Mail bekommen, da bietet mir so ein Prinz aus Nigeria $ 5 Millionen an, wenn ich ihm helfe sein Vermögen aus dem Land zu bekommen – die ist doch nicht echt, oder?“ Zunächst einmal wusste ich nicht, wie ich antworten sollte. Wo hat denn mein Kollege sein E-Mail Postfach aufgestellt, dass der jetzt zum ersten Mal in seinem Leben so eine Mail bekommt – kurz hinter Wilstedt? Ich kriege dieses Zeug massig und zwar schon seit Jahren. Wie vermutlich auch jeder andere hier. Aber es zeigt, dass wir mit den Geschichten und Geschichtchen, die wir aus dem Internet abgreifen, ganz schön auf die Nase fallen können. Wir sehen da etwas zum ersten Mal, finden das lustig und erzählen anderen davon. Die denken sich (was, jetzt erst?) hören höflich zu und langweilen sich zu Tode. Der Klassiker in der Welt des Rennradfahrens sind vermutlich die Schauff Trophee Lancome Räder, über die sich jeder kaputt lacht, wenn er die zum ersten Mal sieht.

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Ha, ha, ha, hast Du das schon gesehen?

Hier wird gerade mal wieder darüber gelächelt. Das habe ich auch mal gemacht, aber hey, das ist nun lang her. Das zeigt übrigens deutlich die Verschiedenheit der Innovationsstärke von Rennrad-und Kosmetikindustrie. Das Rad gibt es bereits seit langem nicht mehr zu kaufen, das Parfüm hingegen schon – wenn auch nur in Restbeständen.Vermutlich aus Nigeria.

Für mich ging es weiter nach Huxfeld, durch die Schweizberger Heide (das ist die Heidberger Schweiz in umgekehrter Richtung gefahren) und dann durch Timmensloh wieder nach Borgfeld. Jetzt mit einem fiesen Gegenwind und auch schon deutlich langsamer. Aber obwohl ich nun fast nichts mehr an Energie zum verbrennen hatte, fuhr ich noch den Deich lang bis zum Dammsiel und dann die kleine Wümme entlang zum Tierheim und zum Haus am Walde. Echt langsam, aber das Wetter war so gut und Lüttich schon so nahe.

Auf Strava.

Am Ende wurden es fast 90 km, über den Schnitt lacht sich die RCB Montagsmannschaft wohl gerade tot… womit ist der denn gefahren, mit einem Trophee Lancome?

Egal, Lüttich kann kommen. Denke ich mal, seitdem ich wieder zu Hause bin.

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Doppeltes D.

Temperaturen um die Null und gar keine Sonne draußen sind nicht die Bedingungen, um auf dem Rad Spaß zu haben. Einerseits. Zwei neue Räder, die gefahren werden wollen sind die andere Seite.

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Für Thomas hatte ich in den letzten Monaten sehr aufwändig ein Daccordi Griffe aufgebaut, gleichzeitig war diese Woche ein erster Versuch eines Aufbaus meines De Rosa Carbon Rahmen aus China fertig geworden. Am Sonntag ergab sich dann endlich die Gelegenheit die beiden Renner auszufahren und miteinander zu vergleichen.

Foros des Daccordi hatte  ich in den einschlägigen sozialen Netzwerken hochgeladen und es gab sehr viel Resonanz. Grob gesagt, lässt sich das Feedback in zwei Gruppen einteilen. Die einen sagen, es geht gar nicht, einen alten, schönen Renner so modern zu verhuntzen, da muss alles Epochengerecht aufgebaut werden – alles andere ist Frevel. Ich sage dazu mal: „Revolutionäre machen Fehler und Konservative verhindern später, das diese korrigiert werden.Ich denke aber, wenn man ein Foto von dem Original Aufbau mit einem nachher vergleicht, dann ist das Ergebnis schon überzeugend.

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Vorher.

 

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Nachher.

Die andere Gruppe findet den Aufbau prinzipiell gut, findet aber einige Details die noch verbessert werden könnten, insbesondere den Vorbau und die Sattelstütze. Tatsächlich war es auch so, dass beide Teile, so wie jetzt verbaut, ursprünglich nicht vorgesehen waren. Der Vorbau sollte ein Factory Five Titan Vorbau werden, aber als ich das Ding in den Händen hielt fand ich das lebensgefährlich: Zwei Minischrauben sichern die Lenkerklemmung ab – da hätte ich keine Ruhe beim Fahren und kein Vertrauen.

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Idee : super! Ausführung: tödlich!

Also hatten wir uns dann kurzfristig für einen Ritchey Carbon Vorbau entschieden, vor allem wegen dem matten Carbon Finish, das gut zu den anderen Komponenten passt. Leider ist uns gar nicht so aufgefallen, wie klobig das Teil ist. Trotzdem, jetzt bleibt es erst einmal dran.

Wir hatten auch eine normale, kreisrunde Carbonsattelstütze von 3T; aber bei der war das Finish sehr glänzend und passte so gar nicht zum Rad. Also haben wir uns für die BLB Notorious entschieden, die uns beiden auch nach wie vor gut gefällt.

Nach den ganzen Fragen des Aussehens wollten wir heute sehen, ob sich das ganze auch gut fährt. Ich stand am HaW und wartete auf Thomas, da kam dann gleich der erste Schock: Thomas trug sein Rad auf mich zu. Da kann natürlich auch sehr viel Liebe sein, es stellte sich aber tatsächlich als Panne heraus: Der Schnellspanner hinten, da aus Alu oder Titan, Superminiteil, hat nicht genug Klemmkraft für eine horizontales Ausfallende, wie das eben so bei alten Stahlrahmen ist. Bei einem scharfen Antritt verkantete sich das Hinterrad. Also habe ich Thomas einen meiner altmodischen Schnellspanner gegeben, bei meinem modernen Rahmen war die Benutzung von seinem Schnellspanner ja kein Problem. Und dann ging es los, zunächst mit zwei anderen Fahrern, die sich auch am Haus am Walde getroffen hatten.

Es war kalt, und bei kaltem Wetter ist ja, wie allgemein bekannt, der Luftwiderstand deutlich höher und deswegen fuhren wir auch echt lahm. Natürlich habe ich wegen Erkältung auch drei Wochen nicht viel Radsport gemacht und ich war dann aber Dienstag und Samstag bei meinem Hüpf- und Tanzkurs und …warum auch immer .. ich hing ganz schön in den Seilen und wäre am liebsten gleich nach Hause.Wir hielten dann aber gut durch, nur war es bei Gegenwind extrem schwierig zu reden, ich verstand fast gar nichts, auch von den beiden neuen Fahrern und kam deswegen vielleicht auch etwas unhöflich herüber. Von denen haben wir uns getrennt, die wollten nach Wilstedt und wir sind weiter nach Fischerhude dann nach Sagehorn und dort haben wir die Räder getauscht.

Das hätte ich nicht tun sollen. Das Daccordi ist einfach so viel schneller als meine neue Carbonmöhre, das ist wirklich extrem. Fährt sich auch viel zickiger, reagiert schneller auf Lenkerbewegungen und lässt sich einfacher beschleunigen. Kommt man von einer Campa Schaltung, wo man richtig viel Kraft braucht, um die Schalthebel überhaupt in Bewegung zu versetzen, so ist das Schalten mit der eTap sehr ungewöhnlich. Das Feedback, ob man nun geschaltet hat oder nicht, kommt nicht von den Hebeln, da spürte ich fast gar nichts, sondern von dem einrastenden Ritzel am Hinterrad. daran konnte ich mich dann auch schnell gewöhnen.

Wir trafen Steen, der in Gegenrichtung an uns vorbei joggte, zusammen mit einem Hund der nur mit Mühe nachkam. dann fuhren wir über den Hodenberger Deich wieder zurück – insgesamt knapp unter 60 km. war froh wieder auf dem Rad zu sitzen, war genauso froh wieder zuhause zu sein.

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Fazit: Scheißegal, wie jemand das Daccordi vom Aussehen her findet, es ist schnell. Sehr schnell. Nach 60 km hatte ich mich auch an das De Rosa gewöhnt. Die Schaltung spinnt noch, die Lenkung ist etwas ungewöhnlich, das Teil ist lahm (nachdem ich auf dem Daccordi gesesssen hatte war das eben der Eindruck) aber sonst war alles gut. Das ist jetzt eine Frage der Detailarbeit das Rad auf einen guten Standard zu bringen.

De Rosa Superking RS 888 Blast Furnace

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So sieht das Dinge im Original aus. Tja, aber ich habe kein Original, sondern eine Kopie aus China (na ja, ist an sich keine Kopie, weil da auch nicht De Rosa draufsteht), die ich für unter €400 (Rahmen) erworben habe. Zum Vergleich, der Rahmen kostet neu bei DeRosa mehr als €3.000. Ich mag die Idee eines „Komfort De Rosa“, was das 888 angeblich sein soll, und ich mag dieses total verdrehte Unterrohr, was aber auch entsprechend lackiert sein muss, damit es gut heraus kommt.

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Für €400 kann man auch nicht so viel erwarten. Die Verarbeitung ist echt mies. Die Abdeckkappen, die benützt werden an den Stellen wo die Brems- bzw. Schalthüllen innen in den Rahmen laufen funktionieren nicht. Gleich weg mit dem Schrott, brauche ich nicht. Der Schaltzug zum Schaltwerk läuft durch die rechte Kettenstrebe. Nur passt der da nicht durch, vermutlich ist da beim Carbonsisieren etwas schief gegangen. Also habe ich ihn aus dem Unterrohr unter das Tretlager geführt und dann mit Kabelbindern fixiert. Sieht jetzt irgendwie interessant und wahnsinnig gewollte aus.

Das Grundkonzept des Designs war: Unten viel silber, oben viel schwarz und ein Farbklecks bitte. Der ist neongrün geworden. Campa 11 Athena Schaltwerk und Umwerfer passt gut zu den silber polierten H plus Son Archetype Felgen und Novatec Naben, die Campa Potenza Kurbel finde ich allerdings etwas schwächer in ihrer Silbrigkeit.

Dann gab es noch eine zweite Designidee, und zwar den Rahmen komplett unlackiert und rau zu lassen, wie ein Teil, dass gerade direkt aus dem Hochofen kommt und noch nicht behandelt wurde. Dieses Konzept  wird sehr gut durch die fehlenden Abdeckkappen unterstützt.

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Ups, wieso steht denn da De Rosa, lieber Chinamann?

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Rauhe Führung

Ich wollte heute noch nicht so viel über den Aufbau scheiben, dafür nehme ich mir ein anderes Mal mehr Zeit. Hier nur ein paar schnell Details: Vorne sind Campa Chorus 11 fach Griffe verbaut, weil die ja noch ein Durchschalten vom 1. in den 11. Gang erlauben, im Gegensatz zu Athena abwärts.Da Lenkerband ist von Supacaz und sehr angenehm, ebenso wie der 3T Ergonova Lener sehr bequem ist durch die breite Auflage. Der Spacerturm ist der Größe des Rahmens geschuldet, ich habe das erst einmal auf die Höhe von meinem alten Canyon Positivo gebracht, aber vielleicht korrigiere ich das wieder. Bremsen wie immer: Campa Super Veloce Modell 2014.img_0250

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Mein Rad. Nun endlich auch sichtbar.

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Demnächst mehr.

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Festive 500. Tag 5. Tag 6. Heute keine Erotik!

Die Familienfeierlichkeiten um Jahresende stehen unmittelbar bevor. Aus diesem Grund heute nur ein paar Fotos von der Festive 500.

Am Tag 5 haben Hannes und ich uns aufgemacht zur humorlosen Kirche und sind dann weiter nach die Wildnis am Stahlwerk und am Sportsee Grambke zur Waterfront gefahren.

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Dort gibt es den Imbiss am Grambker See, der hungrigen Leistungssportlern und LKW Fahrern üppige Mahlzeiten zur Verfügung stellt. Betrieben wird der Imbiss übrigens von dem Neffen des Bseistzers des Kiosks „Zur gelben Gefahr“, dem traditionellen Radsporttreff Bremens. Dieser Imbiss hat es geschafft den typischen Geruch deutscher Imbisse der frühen Achtziger zu emulieren. Vermutlich deshalb, weil er NOS Pommes dieser Jahrgänge verwendet.

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Gleich nebenan kann man sich dann auch nach Sport und Imbiß massieren lassen,

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Hannes kannte sehr coole Wege durch Walle und Findorf sie wir zurück gefahren sind.

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Hannes CIÖCC hat Schutzbleche und so sah er nach der Tour aus wie aus dem Ei gepellt. Mein Rad hat keine.

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Strava

Heute dann die letzten Kilometer gefahren, um die 50 voll zu kriegen.Keine Experimente, deshalb die klassische Südrunde gewählt. Bereits nach 3 Kilometer hatte ich wieder einen Platten.Nach dem Horror mit den Challenge Reifen am ersten Tag habe ich mich dann entschlossen nach Hause zu fahren und gleich ein anderes Rad zu nehmen, es stehen ja genug in der Garage.

Es war nebelig und kalt, aber nicht wirklich windig. Zum Abschluss bin ich noch 2 Runden auf dem Le Stra Kriteriumkurs gefahren.

Strava

Festive 500? Haken hinter.

2016? Haken hinter.

Wie kann man dieses Jahr besser abschließen als mit einem Selfie? Haken hinter.

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Festive 500. Tag 4. Runter. Rauf.

Ich war gerade gut im Fluss, also dachte ich mir, dass ich mir einen davon aussuche und den Tag lang hoch und runter fahre. Die Wümme? Die Lessum? Die Hunte? Nein, die Weser.

Ich wollte endlich wissen, warum so viel Menschen Bremen als das „Weserflorenz“ bezeichnen. Das muss an der Weser liegen, denn mit Florenz verbinde ich (neben Andrea und Claudia  Florenz aus der Tanzschule Türk-Brinkmann, 1978) in erster Linie eine irre Hitze und lange Schlangen vor den Museen. Keins der beiden ist definitiv in Bremen der Fall: Focke Museum, Weserburg, Paula Modersohn Museum, Universum .. selten verirren sich reine menschliche Seelen in diese Hallen. Kalt ist es sowieso, bis auf diese eine Woche im August, die wir hier Sommer nennen.

Ich fuhr zunächst am Bürgerpark lang zum Tierheim und dann an der kleinen Wümme lang bis zur großen am Dammsiel. Dort machte ich einen Schlenker nach links und radelte weiter in Richtung Wasserhorst und Burg. Über Nacht war es kälter geworden, aber auch vor allem weniger windig. Ich kämpfte mich weiter durch Lessum nach Vegesack bis ich an die Fähre nach Lemwerder kam. Ich schätze das Konzept während einer Tour die Weserseiten zu wechseln doch sehr und schlotterte im kalten Wind, als die Fähre sich auf den Weg zum weit entfernten anderen Ufer machte, das gerade noch so im Nebel erkennbar war.

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Auf der Fähre in der Mitte der Weser

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Weseraufwärts von Vegesack / Lemwerder

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Weserabwärts die Lürssen Werft

Auf der anderen, falschen Seite der Weser liegt Abeking & Rasmussen, die andere große Werft die Bremen erhalten blieben ist. Beide haben in etwa dasselbe Programm: Megayachten für die Reichen und Mächtigen dieser Welt, die damit privat über die sieben Weltmeere kreuzen und Kriegsmarineschiffe, bis etwa zur Größe einer Fregatte, die die reichen und Mächtigen dieser Welt über die sieben Weltmeere kreuzen lassen.

Zwischen Abeking, aber nach vor Rasmussen – nein Carbon Rotec ist nun der Eingang zu dem Radschnellweg entlang der Weser versteckt. Man muss etwas aufpassen um ihn zu finden, aber für die ganz doofen wurde dort ein Aussichtsturm gebaut und da steigt man einfach hoch, wenn man den Überblick behalten will.

Der Radschnellweg ist große Klasse: Schöner, glatter Asphalt bis nach Bremen-Strom und dazu in der Regel Rückenwind. Wenn nicht zu viele Hundebesitzer dort langgehen, kann man richtig gutes Tempo machen. Auf der anderern Weserseite kann man dann gut das Stahlwerk sehen.

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Dies ist ein Teil des Gesamtkunstwerkes „Weserflorenz“. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass hier in wenigen Jahren nicht mehr produziert werden wird. Das Stahlwerk wird sich einreihen in die Promenade der Industrieruinen, angefangen von der mittlerweile beseitigten AG Weser Werft, über die Kelloggs Produktion bis hin zu Firmen von denen ich nichts oder noch nichts weiß. Der Niedergang Kelloggs ist übrigens den Pringels geschuldet: Kellogg übernahm die Marke 2012 von Proctor & Gamble und macht damit heute mehr Umsatz in Europa als mit Corn Flakes. Das weniges, was noch morgens in Europa zu Frühstück gegessen wird, kann heute in einem einem einzigen Werk in Spanien produziert werden. Und die Chips kommen, wie sollte es anders sein, aus Belgien.

Dieses Industrieruinen Phänomen ist eins, was wir in Deutschland bereits aus dem Ruhrgebiet kennen, aber noch viel prägnanter in Japan ist. Eine der beachtlichsten Ruinen ist die Insel Gunkanjima (Schlachtschiffinsel, eigentlich Hashima),in der Nähe von Nagasaki, Dort wurde bis 1974 unterirdisch Kohle abgebaut. Auf der kleinen Insel (etwa 6 ha) wohnten zeitweise über 5.000 Menschen, entsprechend viel Beton und Stahl wurde hier verbaut.

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Gunkanjima

1974 wurde die Insel relativ schnell geräumt; dabei wurden viele, auch persönliche Gegenstände zurückgelassen. Seitdem „verwildert“ sie und ist neuerdings das Ziel von Touristenfahrten.

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In Japan gibt es hunderte dieser verlassenen Minen, Brücken, Fabriken, Vergnügungsparks, Schulen, Hotels und Wohnsiedlungen die langsam wieder von der Natur eingenommen werden. Sogar in der Fabrik von KTM in der ich gearbeitet hatte, gab es zwei alte, verlassene Wohnheime in die ich ab und einmal gestiegen bin. Diese Plätze haben ihren ganz eigenen, gruseligen Charme und es sind bereits einige Bücher über die geschrieben worden, wie z.B. „Abandoned Japan

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(c)  http://haikyo.org/red-factory/

Prima, das wir so etwas dann auch bald in Bremen haben werden.

Durch Seehausen, das GVZ und an dem Tchibo Lager vorbei erreichte ich dann Rablinghausen und kurz darauf war ich fast mitten in der Stadt an der Brücke, die keinen Namen hat und Am Brill anfängt.Lustig, das eine der richtigsten Brücken Bremens namenlos ist, während die andere wichtige Brücke „Karl-Carstens-Brücke“, nicht so genannt wird, sondern nur als Erdbeerbrücke bekannt ist.

Ich fuhr weiter am St.Pauli Damm und dann weiter auf dem Weserdeich und dann auf dem Hebenhausener Deich.Lief prima heute. So gut, dass ich noch eine Extrarunde drehte am Wielftsee und erst dann nach Hause fuhr. Wieder 77 km im Sack. Ich wusste, ich werde es schaffen.

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Eingeordnet unter 2010, 2016, Bremen, Mob, Touren

Festive 500. Tag 3. We hoped, you wouldn’t notice.

Es ist unmöglich 500 km in acht Tagen in Bremen zu fahren. Ohne nach Wilstedt zu kommen. Zumindest trifft man in 80% aller Fälle jemanden auf dem Weg in das Radsportmekka Norddeutschlands.

Was bisher geschah: Festive  500 Tag 1. Festive 500 Tag 2.

Interessant das es noch immer Radsportmekka heisst und nicht etwa Radsportvatikan oder Radsportberlin. Trotzdem Zeit es umzubennen, in das „Radsportwilstedt“, also demnach

Wilstedt ist das Wilstedt des Radsports ! 

Ich war früh auf dem Rad und fuhr in Richtung Kuhsiel, um dann bei Hannes vorbeizufahren; mal sehen, ob er Lust hatte ein paar Kilometer mit mir zu machen. Hatte er schon, ging aber nicht und so machte ich mich auf ganz konventionelle Art auf, nach Lilienthal und von dort aus durch Timmersloh, Heidberg und Grasdorf nach Wilstedt zu fahren. Ich hatte guten Rückenwind, als mir kurz vor Wilstedt eine Truppe undynamisch aussehender Rennradfahrer entgegenkamen, während ich im Höchsttempo dahin flog. Dabei erkannte ich Philipp, der mit seiner Mannschaft gegen den Wind kämpfte. Das würde mir auch wieder im Laufe des Tages bevorstehen – also besser nicht daran denken.

Mensch, ich könnte ja auch zu Hause bleiben, mir eine Nikolasmütze aufsetzen und auf der Rolle sinnlos durch das Wohnzimmer fahren. Oder noch besser, das gemeinsam mit vielen anderen Menschen machen und so tun, als wenn das ein Rockkonzert, oder eine spirituelle Erleuchtung wäre.

Oder noch besser, ich fliege in die Wärme, z.B. nach Saigon und nehme da an einem Draft Race (Fixierennen) teil.

Mal eine kurze Frage, gibt es in Saigon eigentlich so etwas wie eine Erdatmospäre? Also so ein Gemisch aus Stickstoff, Sauerstoff, CO2 und so das man atmen kann und, leider, etwas das einem beim fahren so etwas wie Luftwiderstand bietet? Die fahren da hinten nämlich Rennen, als wenn es keinen Luftwiderstand geben würde – ein Draft Rennen ist das jedenfalls auf keinen Fall, dazu müsste man irgendwie hintereinander fahren und nicht wie in einer Gauss’schen Glockenkurve standardverteilt über die gesamte Länge des Kurses.

Bei mir ging es weiter Richtung Bülstedt, Vorwerk und Ottersberg. natürlich fühlte ich mich, mit dem Wind im Rücken wieder großartig und dachte das würde nun ewig so weiter gehen. OK, also dann weiter Richtung Posthausen (wo das Dodenhof UFO wieder voll besetzt war) und von dort aus nach Achim/Uezen und über die Weser. Nach 80 km machte ich meine erste Pause. Cool, 80 km im Sack, was sollte da noch groß passieren?

Na klar, jetzt ging es gegen den Wind ca. 20 km zurück Richtung Bremen. Und das Wort Wind trifft es diesmal nun wirklich nicht, das war schon eher ein Taifun wie ich das seit der Noto Tour 2007 nicht mehr erlebt hatte. Damals kam ein Taifun aus Richtung der Philippinen auf Japan zu UND ich hatte am Vortrag Geburtstag und wir hatten bis tief in die Nacht getrunken und gefeiert. Am nächsten Morgen, nach vielleicht zwei, drei Stunden Schlaf fühlte ich mich zunächst großartig.Klar, ich war ja auch noch vollbetrunken. Fuhr schnell, riskant und hatte meinen Spaß.

Doch dann ging es gegen den Wind und mir ging gang, ganz schnell Puste, Selbstvertrauen und Alkohol aus. Am Ende lagen wir nur noch irgendwo in der Gegend herum.

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Hier liegt David, halb betrunken. Jerome erbrach sind ein paar Stunden später in der Toilette eines Supermarktes. Dann fuhren wir alle nach Hause.

Manchmal glauben wir, wir können Dinge einfach ignorieren und dann finden sie nicht statt oder haben nie stattgefunden. So, wie das ich mich jetzt gegen den Sturm nach Hause kämpfen musste. Dazu folgende Geschichte von David aus seiner Jugend:

Als Teenager war er in den Siebzigern zusammen mit seinen Freunden nach London gefahren und Abends sassen sie dann zusammen in einer Pizzeria, um dort zum essen. Guter Laden, sie waren mächtig beeindruckt. Alle hatten Pizza bestellt und als der Kellner ihnen ihre Gerichte brachte, fiel ihnen etwas merkwürdiges auf: Auf keiner der Pizzen war auch nur ein Hauch von Käse zu sehen.

Hm, das war komisch. War es vielleicht in London so, dass man hier Pizza ohne Käse aß? Ein neuer Trend? Was sollten Sie machen? Einfach die Pizza essen und so tun als wenn nichts gewesen wäre? Schließlich fasste sich David ein Herz, rief den Kellner und stammelte:

„Sir, I am very sorry to ask you, but we noticed something somewhat peculiar with the dishes we’ve odered. Not that we want to critize you or your excellent restaurant, it is just that …. well we thought, after thinking the issue carefully over, that perhaps something is missing …something like chesse, if you don’t mind pointing that out.“

Der Kellner antwortete darauf: „I am terribly sorry Sir, but we have ran out of cheese this evening. We hoped you wouldn’t notice.“

Irgendwie hoffte ich jetzt auch, das ich gar nicht bemerken würde, wie ich jetzt nach Hause fuhr. So war es aber überhaupt nicht, sondern echt brutal. Teilweise fuhr ich mit 12 km/h die Straße lang, strengte mich aber für 40 an. Das machte so gar keinen Spaß und ich war froh als ich in Ahausen war. Froh, und so kaputt, dass ich vor der Garage, vor der ich schon immer mal ein Foto machen wollte, ein Foto machte. Das ist das Haus, wo sie eine Giraffe halb verbuddelt haben.

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Das No! 3Rensho machte sich dieses Jahr wirklich gut. Die ShimanoSchaltung fängt aber an zu mucken, wenn sie dreckig wird. Sensibles 11-fach Zeug halt.

Und dann schleppte ich mich die letzten Kilometer Richtung Weserwehr.

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Und dann noch ein paar Kilometer nach Haue. Dusche. Couch. Fertig.

Strava

So jetzt noch die Auslösung des Rätsels von gestern. Die Frage war, aus welchem Film dieses (abgewandelte) Zitat stammt:

„Diese Maschinen drehen die Zahnräder, die die Erde in alle Himmelsrichtungen bewegen und ihr Balance und Harmonie geben.“

Zur Wahl standen, symbolisiert durch Bilder, Film Ah! „Der Mann, der die Frauen liebte“ und Film Bäh! „Rambo III“. Richtig ist natürlich Ah! und gewonnen hat der Tobi! Herzlichen Glückwunsch.

Das Zitat lautet im Original: „Die Beine der Frauen sind die Zirkel, die den Erdball in allen Himmelsrichtungen ausmessen und ihm sein Gleichgewicht und seine Harmonie geben.“ und ist aus diesem großartigen Film den ich immer wieder schaue mit der schönsten Frau der Welt, Brigitte Fossey.

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Tobi äußerte sein Bedauern, dass das Zitat nicht aus RAMBO III ist. Den Film habe ich übrigens bei seiner Premiere 1988 im Kino in Aachen zusammen mit Dirk vom „Holy War“ Fanzine aus HH gesehen und anschließend waren wir so betrunken, dass wir eine Pappfigur mit Silvester Stallone vor dem Kino klauten und damit martialische Fotos vor der Frauenkneipe „Schwarze Spinne“ in meiner Straße machten. Die Frage die sich mir stellte war, gibt es überhaupt Zitate in Rambo III. Ich meine, viel geredet wird da ja nicht.

Aber eins habe ich dann doch gefunden:

Col. Trautman: [after barely escaping the explosion of a fuel bomb dropped by a helicopter] That was close John. How are you?

John Rambo: Well done.

In diesem Sinne.man muss Silvester Stallone aber zu gute halten, dass er Regie bei diesem Film geführt hat.

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Festive 500. Tag 2. Ab in den Süden!

Eine sehr gute Idee, wenn man nicht so große Lust hat auf das Rad zu steigen, ist es im Wetterbericht die Windrichtung zu prüfen und dann mit dem Wind möglichst lange und weit rauszufahren. Das macht richtig Spaß, man denkt sich: „Boh, bin ich toll in Form“ und ratzfatz purzeln die Kilometer.

Was bisher geschah.
Natürlich weiß man im selben Moment auch, dass man das alles gegen den Wind wieder zurückfahren muss. Aber der Anschein guter Form und ignoranter Optimismus lassen dies erst einmal als „kleineres Problem“ erscheinen. Und am Ende muss man einfach zurückfahren, weil man keine Wahl mehr hat. Aber die Wahl aus dem Haus zu gehen oder zu bleiben hat man im Gegensatz dazu leider immer.

Am 1. Weihnachtstag war es so richtig windig, ein typischer bremischer Nordwestwind mit vielen Böen. Zum Glück war es trocken und auch relativ warm, so dass ausnahmsweise sogar zwei von drei bremischen Wetterbedingungen nicht erfüllt waren. Normalerweise heißt es nämlich hier:

Cold. Windy. Rainy. Pick two.

Ich machte mich auf der falschen Weserseite auf Richtung Süden. Auf dem Weg nach Hörden brach zum ersten Mal seit Tage wieder die Sonne durch die Wolken.

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On the road to Hörden I dream of the west (Yip! Yip Coyote!)

Es war wie ein Zeichen des Himmels: Wenn Sonnenstrahlen so zu sehen sind, dann denke ich nicht daran, dass sie auf die Erde fallen, sondern, dass sie von der Erde saugen – ähnlich wie die „Beamer“ in Raumschiff Enterprise. Ein paar Tage später war dann klar, wer da gerade weggesaugt wurde: Prinzessin Leia. Oder war es vielleicht doch Aghakhan Abdullayew, der berühmte Volkssänger aus Aserbeijan?

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Mann mit Hut vor Bild von Mann mit Hut

Vermutlich kennt die in der Radwelt ohnehin niemand. Wikipedia beschert uns dafür eine Liste von allen Radtoten Profis seit 1894, angefangen mit Pierre Froget, über Tony Simpson bis hin zu den 7 (sieben!) Profis die es 2016 erwischte. Dieses Jahr wurde ordentlich gesaugt.

Ich fuhr derweil weiter nach Barrien und mit einem guten Rückenwind den Krusenberg hoch (neuer PR), boh war ich gut in Form! Ich hätte nun nach Okel fahren können, hatte aber keine Lust auf Großstadt – in die Straßenschluchten dort zwischen den Hochhäusern von Banken und Versicherungen fällt ja auch keine richtige Sonne. Trotzdem:

Und sowieso: Geil ist okel!

Stattdessen fuhr ich rechts rum Richtung Syke, durch den Wald runter und gleich wieder hoch Richtung Osterholz. Bremer und Niedersachsen wissen Bescheid. Alle anderen lesen hier bitte: „Fuhr von A nach B und dann nach C.“ Das reicht zum Verständnis.

Auf der Straße Richtung Gödestorf kam mir die erste Rennradtruppe des Tages entgegen. Das ist so ein klassischer Begegnungspunkt, dort trifft man immer jemanden. Nachher bei Strava Flyby wurde mir klar, dass Jochen und Friedel (also der echte Friedel, nicht den, den ich immer Friedel nenne weil ich nicht weiß wie er heißt…..wie heißt der noch mal Silvia?) mir da gerade entgegenkamen. Aber da ich gerade so dynamisch mit viel Rückenwind unterwegs war, konnte ich die nur wie einen Schatten in meinen Augenwinkeln wahrnehmen, als die Truppe gegen den Wind einen Hügel hochkroch. Boh, war ich schnell!

Und so ging es flott weiter nach Bruchhausen-Vilsen, dem südlichsten Punkt der heutigen Ausfahrt und der Heimat vieler voller Flaschen (in München hingegen, sind die Flaschen leer, aber die Verbalakrobatik besser).

10. März 1998. Endlich Durchbruch in der deutschen Grammatik gelungen.

Jetzt, Richtung Schwarme wurde es schon ein wenig anstrengender. Aber hey, der Himmel war blau, ich war super in Form und was sollte schon passieren?  Richtung Blender und Intschde wurde es bereits deutlich anstrengender und somit langsamer. Wie üblich überquerte ich die Weser bei Daverden am Wasserkraftwerk, das ist wirklich meine Lieblingsstelle. einmal, weil man die Weser dort zwei Mal überqueren darf – zunächst die echte und dann den Kanal der daneben gebuddelt wurde – aber vor allem weil man durch halb transparente Fensterscheiben einen Blick auf die grün-getüchnte komplizierte Mechanik erhaschen kann, die den ganzen Mechanismus am laufen hält.

„Diese Maschinen drehen die Zahnräder, die die Erde in alle Himmelsrichtungen bewegen und ihr Balance und Harmonie geben.“

Wer zuerst weiß, aus welchem Film dieses Zitat ursprünglich ist, bevor es von mir redaktionell verändert wurde, soll reich aus meinem Keller beschenkt werden. Ehrlich.

Kleiner Hinweis, eines der beiden folgenden Bilder ist aus dem gesuchten Film, A oder B?

Ah!

Bäh!

Auf der richtigen Weserseite fuhr ich nun die Weser runter Richtung Achim. Es ist aber keineswegs so, dass „runter“ in diesem Zusammenhang irgendetwas wie eine Abfahrt indiziert. Flüsse fließen dummerweise schon bei ein paar Promillen Gefälle. Aus Erfahrung wusste ich auch, dass der Wind hier immer besonders heftig ist. Das Land ist komplett frei, es gibt keinen Schutz und teilweise quälte ich mich mit 12, 13 km/h weiter. Boh, was war das ätzend! Aber zumindest war es trocken. Und hinterm Deich ist die Welt auch größtenteils in Ordnung.

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Da auf dem offenen Feld zu fahren machte wenig Sinn, und so nahm ich die Landstraße nach Cluvenhagen und Etelsen. Dort machte ich nach 75 km die erste Pause und zwar bei meinem Lieblings Eiscafe Melisa. Toll – das war zu, wieso das denn? Kaum wird’s hier ein paar Grad kälter sind die Italiener schon wieder weg nach Palermo und Bilbao!

Nun gut, gegen den Wind Richtung Achim zu fahren war jetzt extrem anstrengend, ich kroch irgendwie mit 18-20 km/h vor mich hin und es dauerte endlos. In Achim fing es dann prompt auch noch an zu regnen, was die obige bremische Wetterweisheit bestätigt. Ich fuhr kurz an eine Bushalte, zog die Regenjacke an und in dem Moment wusste ich, dass ich die Festive 500 dieses Jahr auf jeden Fall zu Ende fahren würde. Ich war nun so weit, dass es mir ganz egal war wieder draußen im Regen zu fahren. Ich glaube, so etwas nennt man eine gelungene Saisonvorbereitung, denn die Saison in Bremen startet im Januar und dann ist es kalt und nass UND windig bis es April wird.

Ätzende 10 km weiter durch Mahndorf und Arbergen folgten, bevor ich dann nach 101 km endlich wieder zuhause war. Der Festive 500 Aufnäher lag nun in Reichweite.

Übrigens, die Dinger werden immer kleiner habe ich gerade im Seite an Seite Vergleich festgestellt. 2016 gibt es vermutlich nur noch etwas in Briefmarkengröße.

Auf Strava

Morgen dann: Festive 500. Tage 3. Es gibt keinen Weg der nicht nach Wilstedt führt.

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Festive 500. Tag 1. Wind am Ende des Windschattens.

Im Radio lief schon wieder Last Christmas. Das musste wohl daran liegen, dass George Michael heute gestorben war. Zum Glück lebte Conny Kramer noch, sonst würde ich mir den ganzen Tag „Am Tag, als Juliane Werding starb“ anhören müssen.

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Conny Kramer

Ich besitze das erste Wham! Album, Fantastic!, habe das aber seit Jahrzehnten nicht mehr gehört. Georg Michael’s Beitrag zur Geschichte „meiner“ Popmusik ist unbedeutend und für das wenige was er geleistet hat, wurde er whamtastisch für bezahlt. Das er auch unter diesen Voraussetzungen kein glückliches Leben führen konnte ist nicht mein Problem. In den Achtzigern hätte ich übrigens nie geglaubt, dass er schwul sein könnte. Das gleiche gilt übrigens auch für Gerhard, besser bekannt als Marc Almond.

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Gerhard (FDA)

Wobei der wirklich phantastische Popsongs geschrieben hat. Besonders die 12 Inch Version von „Say hello – wave goodbye“ wird mich ein Leben lang begleiten. Das wird allerdings nicht der Song, der auf meiner Beerdigung gespielt wird, der steht bereits seit Jahren fest: „From under the covers“ gespielt von EA80, vorausgesetzt irgendeiner von diesen Nicht-Sportlern schafft es mich zu überleben.

OK. Jetzt wurde es aber Zeit die fröhliche Stube zu verlassen und sich mit wirklich harten Dingen auseinanderzusetzen: Zeit draußen im Wind zu sterben, oder wie das sonst so heißt: „Rad zu fahren“.

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Was tut man nicht alles für so einen Fetzen Stoff oder ein Stück Metall. Andere sprengten Panzer in die Luft oder ließen sich ins Bein schießen und bekamen dafür ein EK II. Heute muss man zwischen Weihnachten und Neujahr 500 km mit dem Rad zurücklegen und Rapha schickt einem dafür einen schicken Aufnäher. Das ist meine vierte Festive 500, beim ersten Mal bekam ich keinen aufnäher weil ich die Strecken nicht aufzeichnen konnte und manuelle Einträge in Strava auf Vertrauensbasis nicht akzeptiert wurden. Die Aufnäher vom letzten und vorletzten Mal liegen in einer schale auf meinem Schreibtisch und seit zwei Jahren überlege ich, was ich damit machen könnte. vielleicht kommt mir eine gute Idee, wenn ein dritter hinzukommt.

Also, ich brauchte diesen Aufnäher unbedingt, hatte aber einen ganz miesen Start, da ich am 24. 12. nicht gefahren bin. Denn an diesem Tag hatte ich ich entscheiden an dem Hüpf & Springkurs im Sportklub teilzunehmen. Leider hatte der Klub zu und so fuhr ich frustriert nach Hause und packte Geschenke für die Lieben ein. Noch besser wäre der Plan gewesen, die aufgezeichneten Kilometer aus Mallorca (wo ich eine Woche vor Weihnachten war) irgendwie mit einem neuen Datum zu versehen und in das System einzuspielen. Doch dazu fehlen mir nicht nur die technischen Fähigkeiten, sondern auch die Kilometer aus Mallorca. In einer Woche dort bin ich nicht einmal 200 km gefahren, was an dem Dauerregen vor Ort lag. Nächstes Jahr: Gran Canaria. Oder gleich Australien.

Und so sah das Wetter wirklich sehr bescheiden aus, als ich vor die Tür trat, aber es hilft ja nichts. Die Strasse war nass und nach wenigen Kilometern sah mein No! 3rensho (sprich: „Noh. San Renschoo“ obwohl eigentlich noch gar nicht viel gefahren aus wie Sau. Schönes Rad übrigens. Ich bin das fast ein Jahr nur selten gefahren da es etwas unbequem war. dann habe ich aber die Bremshebel umgebaut und jetzt geht es auch für längere Strecken, auch wenn der Selle San Marco Concor Sattel nicht wirklich bequem ist. Hingegen ist die 11-fach Shimano 105 Schaltung Zucker! Hinten schaltet die präzise und fast ohne die Hebel zu betätigen – könnte glatt elektrisch sein. Wie die vorne schaltet? Keine Ahnung, in Bremen schalte ich aus Prinzip nicht vorne, Ausnahme: Hohes C in Vegesack und Hünenberg in Uesen. Nachteilig ist diese Shimano Unart, dass man jeweils nur einen Gang runterschalten (im Sinne von großem Ritzel auf kleines Ritzel) kann. Das hat Campagnolo ja bereits seit langem im Griff, auch wenn sie dies ihren Kunden heutzutage leider (und völlig unverständlicherweise) nur in den Gruppen Chorus und besser ermöglichen.

Es ging am Bürgerpark vorbei zur kleinen Wümme und von dort aus weiter zum Dammsiel. Wegen dem doofen Wind war ich alles andere als schnell. Das änderte sich dann als ich an der anderen (richtigen!) Wümmeseite Richtung Lilienthal fuhr und dann links abbog, um über St.Jürgen den Weg nach Worpswede zu nehmen. Jetzt kam der Wind von hinten und das animierte mich dazu, meinen persönlichen Rekord auf Timeworp! zu attackieren. Da versuche ich bereits seit Jahren meine Bestzeit zu verbessern, aber das mein GPS Gerät nur in 5 Sekunden Intervallen aufzeichnet, muss ich mindestens 5 Sekunden schneller sein als das beste Mal, sonst gibt das nur wieder die alte Zeit von 1:20 min (die ich bereits drei Mal gefahren bin). Ich strengte mich also richtig an, aber zum Ende hin ging meinen Puddingbeinen so richtig der Puddingsaft aus und ich schleppte mich gerade mit dem letzten verbliebenen Schwung über den Hügel. Es reichte aber trotzdem.

Das wusste ich aber nicht, sonst hätte mich das sicherlich aufgeheitert. So fuhr ich weiter über Umbeck und Schlußdorf (großartiger Name für ein eher mittelmäßiges Dörfchen) nach Tarmstedt. Ich fühlte mich gut, wollte auf keinen Fall nach Wilstedt und fuhr geradeaus weiter Richtung Kirchtimke und bog bei Schnakenmühlen Richtung Bülstedt ab.

Dort bleib ich auf der Straße Richtung Ottersberg, sollte aber nicht mehr besonders weit kommen denn kurz vor Vorwerk merkte ich, dass ich fast keinen Luftdruck mehr im Hinterrad hatte – ein schleichender Platten. Nicht schlimm, kurz Schlauch tauschen, ich hatte ohnehin zwei dabei, aber nur einen Druckpatrone und dann weiter. Die hoffentlich letzte Panne des Jahres. Ich aß erst einmal eine Banane und machte mich dann an die Reparatur.

Es entwickelte sich ein epischer Kampf Mann gegen Reifen. Zum Glück hatte ich die besten Reifenheber der Welt dabei, gerade aus England gekommen.

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Natürlich von Campa. Funktionieren phantastisch und ich habe absolut keine Ahnung, warum das rechte Ende so geformt ist wie es ist. Tut weh in der Handfläche und soll uns wohl daran erinnern, dass nichts in der Welt umsonst ist.

Also, die eine Seite des Reifens hatte ich schnell runter. Ich kam aber nicht an den Schlauch dran, den konnte ich einfach nicht aus dem Reifen ziehen. Ich versuchte es bestimmt mit Gewalt eine Viertelstunde lang und brach mir die Fingernägel ab aber es ging einfach nicht. dann nahm ich einfach den ganzen Reifen samt Schlauch von der Felge runter. Jetzt wollte ich den Schlauch aus dem Reifen ziehen, aber selbst das kostete jede Menge Kraft, so als ob der Schlauch eine geheimnisvolle, feste Verbindung mit dem Reifen eingegangen wäre zu einem Schlauchreifen. Vielleicht ist das auch tatsächlich so, denn die Challenge Strada Reifen heißen ja auch „Open Tubulars“.

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Da kostete alles irre viel Zeit und langsam wurde es schon wieder dunkel. Als ich den Reifen aufpumpte vergaß ich prompt Handschuhe anzuziehen, als ich aus der kartusche Luft in den Reifen ließ. Im Sommer ist das kein Problem, aber im Winter wird das Ding dabei irre kalt – so kalt, dass die Haut an der Kartusche kleben bleibt und mit Gewalt abgerissen werden musste.

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Letzte Panne des Jahres in Vorwerk „Ortsmitte“.

Ich fuhr dann die klassische RCB Montagsrunde umgekehrt weiter nach Ottersberg und dann nach Quelkhorn, Fischerhude und Borgfeld. Dabei merkte ich, dass ich wohl kaum auf die angepeilten 100 km kommen würde. Also weiter im Sprühregen an der Wümme lang bis zum Dammsiel und an der kleinen Wümme wieder zurück nach Hause.

Insgesamt waren es dann 110 km und ich war völlig nass, aber an mir triefte vor Wasser, die Socken waren vermutlich fünfmal so schwer wie trocken. Erst einmal in die Badewannen, chillen und richtig gute Musik von heute hören. Das ganze noch vier Mal und dann ist Schluss.

Strava

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