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Alle Touren an denen Freunde der Cyclitis teilnehmen.

Tecklenburgrundfahrt. Nächster Halt: Hölle, mit ca. 30 Minuten Verspätung aufgrund eines vorher erlöschten Fegefeuers.

Viertausend Holländer kommen jedes Jahr mit ihren Rädern nach Ibbenbüren in der Nähe von Osnabrück, um dort jeden Hügel hochzufahren, den es im Umkreis von 10 km gibt. Viertausend Holländer, Silke, Andi und ich.
Achtung: dieser Post handelt aber in erster Linie von der Deutschen Bahn.

Die RTF

Die Tecklenburgrundfahrt wird organisiert vom Fietstoerclub CC’75 Nijverdal, etwa 100 km von Ibbenbüren entfernt auf der anderen Seite der Deutsch-holländischen Grenze. Es gibt drei strecken zur Auswahl: 100, 130 und 160 km und allen ist gemeinsam, dass sie eine ganze Anzahl von harten Rampen beinhalten, 27 Stück bei der 160erRunde, 23 bei der 130er Runde und immerhin noch 17 bei der 100er Runde. Für Holländer ist es attraktiv sich in den Bergen auszutoben, also kommen sie nach Ibbenbüren und nehmen uns unsere Hügel weg; ein Thema das Melanie Schmitz und ihre „Identiäre Bewegung“ bislang nicht aufgegriffen, bzw. hübsch in einem geklauten französischen Chanson verpackt hat. Wir wollen unsere Hügel wieder und ich wäre gerne bereit den Holländern dafür Melanie Schmitz zu überlassen.

Aus welchen Gründen auch immer veranstaltet zeitgleich der THC Westerkappeln seine RTF „Kreuz und Quer durch’s Tecklenburger Land“. Keine Ahnung, warum man nicht einfach mit 4.000 Holländern fährt, sondern sein eigenes, westerkappeliges Ding dreht. Muss an dem relativ sturen Schlag Menschen hier in Ostwestfalen liegen, oder wie Andi bemerkte: „Die Ostwestfalen sind die Westfalen unter den Westfalen.“ Jedenfalls kamen uns eine Menge Gruppen dieser RTF entgegen und kreuzten unsere Wege und die lila Pfeile sorgten ab und an für zusätzliche Irritation. Egal, als erstes mussten wir mal nach Ibbenbüren kommen.

Die Deutsche Bahn !

Wir trafen uns um kurz vor sieben am Bahnhof in Bremen; also Silke, Andi und ich. So waren wir auch letztens nach Ibbenbüren gefahren, aber diesmal gab es drei entscheidende Unterschiede:

  • The „Mysterious Single“ (MS) kam diesmal nicht.
  • Es war kein Discovolk am Bahnhof, dass den Weg nach Hause in die Vorstatdt suchte. Letztes Mal war da z.B. so ein Typ, der sich auf dem Bahnsteig die Herrenoberbekleidung vom Leib riss, wild auf eine Mülleimer einschlug und dann die Treppe runterstürmte. Genau das, was man morgens um sieben braucht.
  • Wir trafen so ein paar andere Radfahrer aus Bremen am Gleis und im Zug, die ihren eigenen Plan hatten.
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Nicht Enno Affenzahn (weil der hat ein Rose Rad).

Gleich war allerdings, dass der Zug mal wieder zur spät war, diesmal mehr als 20 Minuten. So war bereits zu Beginn die Hoffnung verflogen in Osnabrück den Anschluss zu bekommen. Das war nur ärgerlich, aber nicht weiter tragisch. Ich meine, was kann man schon von der DB erwarten?

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Deutsche Bahn Pizza

Vor ein paar Tagen erzählte mir ein guter, englischer Freund, David, der nun mit einer noch besseren deutschen Freundin verheiratet ist, folgende Geschichte aus seiner Jugend:

Als Teenager war er in den Siebzigern zusammen mit seinen Freunden nach London gefahren und Abends sassen sie dann zusammen in einer Pizzeria dort zum essen. Guter Laden, sie waren mächtig beeindruckt. Alle hatten Pizza bestellt und als der Kellner ihnen ihre Gerichte brachte, viel ihnen etwas merkwürdiges auf: Auf keiner der Pizzen war auch nur ein Hauch von Käse zu sehen.

Hm, das war komisch. War es vielleicht in London so, dass man hier Pizza ohne Käse aß? Ein neuer Trend? Was sollten Sie machen? Einfach die Pizza essen und so tun als wenn nichts gewesen wäre? Schließlich fasste sich David ein Herz, rief den Kellner und stammelte:

Sir, I am very sorry to ask you, but we noticed something somewhat peculiar with the dished we’ve odered. Not that we want to critize you or your excellent restaurant, it is just that …. well we thought, after thinking the issue carefully over, that perhaps something is missing …something like chesse, id you don’t mind pointing that out.“

Der Kellern antwortete darauf:
I am terribly sorry Sir, but we have ran out of cheese this evening. We hoped you wouldn’t notice.“

Ich finde das eine gute Geschichte, weil sie zeigt da Prinzip erklärt wie die DB mit den Wünschen ihrer Kunden umgehen. Die Kunden fragen sich dann häufig, was sie falsch gemacht haben, oder ob das normal ist was gerade passiert. Kommt ein Zug innerhalb von 10 Minuten der geplanten Zeit an, so halten wir das mittlerweile für eine tolle Leistung. Ist es aber nicht. Es ist schlicht und einfach Pizza ohne Käse.

Die RTF.

So hingen wir recht lange in Osnabrück rum und schafften es dann aber so kurz nach halb Zehn endlich in Ibbenbüren anzukommen und mit dem Rad zum Johanns-Kepler Gymnasium, dem großen Sohn der Stadt (äh, also der Stadt Weil am Rhein).  Dort wird gerade das neue RTF-Holländer Aufnahmegebäude neu gebaut, oder vielleicht ist es auch nur eine Erweiterung des Gymnasiums. Jedenfalls kann man da nur sagen: Bella Italia! Weil die Holländer ja gute Wasserbauingenieure sind, wurde die Flut der Rennradfahrer durch Gitterzäune wie die Fluten der Nordsee in die richtige Richtung kanalisiert. Nur wenige Minuten später waren wir angemeldet und konnten los fahren.

Wie überhaupt die Holländer sehr gut organisiert sind. Denn erstens war diese RTF sehr gut ausgeschildert (da kann sich Urania Delmenhorst was abschauen) mit leicht transparenten orangen (natürlich) Schildern mit schwarzen Pfeilen. Rechtzeitig vor jeder Abzweigung und dann unmittelbar danach, so dass man sich war in die richtige Richtung zu fahren. Und dann gab es an Überquerungen der Landstraßen fast überall Streckenposten die den Verkehr regulierten. Ok, die Verpflegung war…. ich sag mal so, man fährt ja nicht nach Holland zum essen (außer Pommes und beim Indonesier. Und die ganz Harten essen Frikandel aus dem Schließfach.

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Wir hatten es nicht so eilig, eine richtige Gruppe der wir uns hätten anschließen können gab es auch nicht und da 130 km mit 2.000 Höhenmetern angesagt waren wollten wir es auch nicht übertreiben. Schon der zweite Hügel, der Lärchenweg nach 11 km hatte es an sich, die Rampe war bis zu 25% steil, hätte Andi uns nicht vorgewarnt rechtzeitig auf das kleine Kettenblatt zu schalten, wäre wir da nicht hochgekommen. So sollte es den ganzen Tag weitergehen: Ein wenig abfahrt, oft auf einer breiteren Straße, manchmal aber quasi blind auf kleinen Waldwegen im Schattenspiel von Licht und Schatten; nach links oder rechts abbiegen und dann einen Hügel hoch, vielleicht ein bis zwei Km lang und 50 bis 150 m Höhenmeter hoch. Bei 23 Ansteigen kamen dann 2.000 Höhenmeter zusammen, gar nicht schlecht für soweit nördlich der Alpen.

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Das Tecklenburg Programm. Im Prinzip.

Und obwohl wir schon über eine Stunde unterwegs waren, sahen wir immer noch das Kraftwerk Ibbenbüren vor uns. Na ja, eigentlich sahen wir das den ganzen Tag, da diese RTF im Gegensatz zu, sagen wir mal Lüttich-Bastogne-Lüttich, nicht von A nach B und wieder zurück geht, sondern immer wieder Schleifen um A dreht (Kraftwerk) .

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A: Stolz steht es auf dem Hügel vor Ibbenbüren.

Dann sieht man A auf einmal nicht mehr. Dafür B und B ist der Fernmeldeturm Tecklenburg.

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B: Geometrischer Mittelpunkt unendlicher Schleifen

Also wieder Schleifen um B. Und zum Abschluss noch ein paar Schleifen um A, wie sich viel später herausstellen sollte. Bei dieser RTF hatte ich so gar nicht das Gefühl irgendwo hin zu fahren; etwa so wenig wie wenn man in einen Aufzug steigt wo man in der Regel ja auch im selben Gebäude bleibt.

Wir waren ja ziemlich weit hinten im Feld, da wir sehr spät gestartet waren (der DB geschuldet). Und wir dachten, wir hätten keine Chance mehr auf den Gesamtsieg. Tja, aber dann, wir fuhren gerade auf einer dicken neu gebauten Straße, sollten wir links abbiegen. Dort liefen einige Rennradler, was war da los? Also wir näher kamen wurde uns  die Sache klar: Ein ca. 20 Meter langes Teilstück aus knietiefem Schotter, unmöglich mit einem Rad zu fahren, dachten Silke und ich und stiegen von unseren Rädern ab. In diesem Moment stürmte etwas, dass so aussah wie eine Elchkuh die ihr Junges verloren hatte durch den Schotter: Es war Andi, der mit seinem Rad durch den Schotter pflügte. Die Steine spritzen hoch und sein Rad grub sich in die Materie ein, aber nichts konnte ihn stoppen. Ich glaube an dieser Stelle hat er das halbe Feld überholt, aber netterweise hat es auf uns beide gewartet. So langsam kamen wir Richtung Lotte, das durch den heiteren Roman „Weimar in Lotte“ von Thomas Mann (soweit man irgendetwas, was Thomas Mann geschrieben hat mit den Worten „heiter“ bezeichnen mag) berühmt wurde. Dort soll es auch einen ganz guten Fußballverein geben.

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Alle Anstiege waren nett ausgeschildert.

Kurz danach kam die erste Verpflegungsstation bei der fast alles bereits weggegessen war. Und so ging es weiter, Anstieg um Anstieg, Abfahrt um Abfahrt unter der heißen Sonne (Sommer war nun gerade angekommen) in der bekannt voll unschönen Landschaft.

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Sechs Anstiege später. Die Reihenfolge zählt umgekehrt, Anstieg 1 war der letzte. Oder vielleicht sind wir auch einfach falsch herum gefahren.

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Noch mehr voll unschöne Landschaft.

Nach 90 km oder so waren wir an der nächsten Rast, leider hatten wir uns doch einmal ziemlich verfahren und mussten ein ganzes stück wieder zurückfahren.

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Silke. In Schiedsrichterlaune. „Don’t mess around with me, boys.“

Dan waren wir 107 km weit gefahren. Keine Ahnung warum, aber ich kann das beweisen.

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Grünes Souvenir von LBL 273.

So langsam hörte es überhaupt nicht mehr auf. IMG_0881
Don’t look back in anger.

Auf einmal waren wir dann an der dritten Rast, die total schön an so einem voll unschönen See gelegen war. Das sah nach wieder hinfahren aus. ich wäre fast reingesprungen, ehrlich, ich musste mich total zurückhalten, um nicht den Jerome zu machen.
(Das ist ein alter Positivo-Espresso Running Gag: Jerome, einer der ersten Positivos, springt wirklich in jedes Wasserloch und in jeden Bach entlang des Weges, oft in voller Radbekleidung. Wie zum Beispiel hier am japanische Meer.

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Dann noch weitere 30 Kilometer und einige Anstiege. So langsam wurde es anstrengend. Aber nach insgesamt etwas mehr als sieben Stunden kamen wir im Ziel an.

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Strava

Insgesamt keine einfache RTF und irgendwie sind es statt 130 dann auch 144 km geworden. Durch das ständige Auf und Ab war es schwierig einen guten Rhythmus zu finden.

Die deutsche Bahn !!!!!!!

Jetzt nur noch ab nach Hause. Den Zug um 17:28 Uhr hatten wir leider verpasst, also legten wir uns erst auf die Wiese und fuhren dann um 18 Uhr zum Bahnhof, um den Zug um 18:28 nach Osnabrück zu nehmen.

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Ich lag auf der Wiese am Ziel und sah das.

Nicht gut, aber dann würden wir so gegen 20 Uhr zuhause sein. Drei Stunden hin, 2 1/2 Stunden zurück, vielleicht ein wenig zu viel Reisezeit für sieben Stunden radfahren? Na ja. Am Bahnhof war kein Zug. Der war 20 Minuten verspätet, erst einmal. Das hiess, dass wir wieder einmal in Osnabrück unseren Anschluss nicht bekommen würden, obwohl der auch verspätet war. So ein Mist. Wir waren nun wirklich müde, durstig und hungerig und wollten nur noch nach Hause. Der Zug kam dann endlich mit 30 Minuten Verspätung an. In Osnabrück hätten wir nun den Zug um 19:34 nehmen können, aber zum Glück war noch nicht einmal der um 18:34 losgefahren – wir hatten also Glück und rannten zu Gleis.

Also, ich stell mir das so vor; irgendwo da im Bahnhof Osnabrück sitzen die Götter der Deutschen Bahn, Regionus und Metrosysus und lachen sich über das Treiben der Bahnkunden tot.

Schau mal, Regionus, diese Menschen da unten glauben, Sie könnten durch Laufen noch einen Zug erreichen!“

„Ha, dummes, eingebildetes Menschenpack, schade dass der Zug ohnehin ausfällt, sonst könnten wir ihn vor der Nase wegfahren lassen … Legt euch nicht mit den Göttern der Bahn an – Menschen!“

Um 20:00 Uhr standen wir immer noch gleich. Der Zug um 19:34 hatte mehr als eine halbe Stunden Verspätung, aufgrund einer vorhergehenden Verspätung. Ich vermute, es war die halbe Stunde, die der Zug bereits am Morgen verspätet war als wir zum ersten Mal einstiegen.

Es ist zum heulen mit der Bahn. Ich will jetzt keine Litanei anstimmen, wie toll das im Vergleich in Japan ist (ist es auch), aber wenn man sich irgendwo verlässlich hinbewegen und pünktlich sein muss ist davon abzuraten die Bahn zu nehmen. Einmal nahm ich einen IC nach Duisburg extra zwei Stunden früher als ich da sein musste, nur damit ich nicht zu spät kommen würde. Und was passiert, der Zug ist pünktlich und ich bin am Montag morgen um 9 Uhr in Duisburg. Was macht man um diese Zeit in Duisburg? Ich fragte den Taxifahrer und er meinte nur lakonisch: „Soll ich Sie zum Puff fahren?

Ich glaube, dass viele sogenannte „Personenschäden“ durch frustrierte Bahnfahrer verursacht werden, die keine Lust mehr auf ein Leben wartend an der Bahnsteigkante haben und den nächsten, nahe liegenden Schritt tun. Oder vielleicht ist es auch umgekehrt, die Bahn rettet viele Leben. Man will sich das Leben nehmen, vor den Zug schmeissen, aber der verdammte ICE kommt einfach nicht. Und so langsam wie der Regio fährt, da kann man ja nicht sicher sein, dass es wirklich klappt. Also liegt man stundenlang auf den Gleisen, hat Zeit zum nachdenken und geht dann irgendwann doch wieder nach Hause. Wieder ein Leben gerettet.

Wir kamen dann kurz vor 21.30 Uhr in Bremen an. Total fertig. Ehrlich. Sieben Stunden Bahnfahrt für sieben Stunden Radfahrt. Ich glaube ich nehme das nächste Mal doch das Auto.

Danke Holland.

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RTF. Das Delmenhorst Syndrom.

Eine RTF bietet dem ambitionierten Hobbyrennradfahrer die Möglichkeit sich einmal über 20 km völlig auzupowern und an seine Leistungsgrenzen zu gehen. Am Anfang natürlich. Am Ende plaudert man dann entspannt in der Gruppe und rollt das Ding nach Hause.

Delmenhorst, hört man diesen Namen, woran denkt man dann? Als ich am Tag vorher meinem Sohn sagte, dass ich am nächsten Morgen an einer RTF in Delmenhorst teilnehme meint er nur: „Ich habe letztens eine Statistik über Mordraten in Deutschland gesehen. Das war so eine Karte in grün, gelb und rot. Delmenhorst war da tiefrot. Pass auf Dich auf.“ Das ist aber Fake-News, der Spiegel zeigt, dass man in Delmenhorst sicherer lebt als zum Beispiel in Bremen. Meinem Sohn werde ich nun empfehlen nachts auf die Discomeile in Delmenhorst zu gehen. Wenn es so etwas gibt. Ansonsten ist Delmenhorst ein beschauliches Städtchen. Eine Bildersuche mit Google ergab unter anderem die folgenden Treffer:

An der Inkoop-Baustelle an der Oldenburger Straße hat es am Mittwochnachmittag einen schweren Unfall gegeben. Foto: Andreas Nistler

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Ich denke diese Impressionen geben einen guten Überblick, was den Fremden in Delmenhorst erwartet, wenn es schon nicht Mord und Totschlag ist.

Die RTF in Delmenhorst, ausgerichtet von dem rührigen RSV Urania Delmenhorst (internationaler Partnerverein ist übrigens Plutonia Pyöngjang: Städte die sich gegenseitig an Schönheit überbieten), ist eine der schöneren in der Umgebung von Bremen. Dieses Jahr bin ich sie zum 5. oder 6. Mal mitgefahren. Sie hat ein paar große Vorteile:

  • Die Anreise aus Bremen ist kurz und mit dem Rad.
  • Sie führt sehr schnell aus Delmenhorst hinaus in die Geest.
  • Man kann sich auf der Strecke entscheiden, ob man 80, 120 oder 155 km fahren möchte.
  • Am Ende fährt man nur kurz wieder nach Delmenhorst rein.

Aber auch einen großen Nachteil, denn die RTF ist traditionsgemäß schlecht ausgeschildert. Ich bin da noch nie 80, 120 oder 155 km gefahren, sondern immer 90, 133 oder 180, je nachdem wie viel ich mich verfahren hatte.

Da ich ja dieses Jahr durch Lüttich-Bastogne-Lüttich sehr gut vorbereitet war, musste ich am Abend vorher etwas gegen meine gute Vorbereitung tun, damit ich im Feld nicht weiter auffalle. Zufällig war ich zu einer Party der Absolventen meiner Hochschule eingeladen. Nach Steaks und Würstchen, vielen kleinen Bierchen redete ich dort ziemlich viel Mist; vermutlich, denn so genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Den Weg nach Hause habe ich auf dem Rad im Regen zurückgelegt und auch daran habe ich kaum eine Erinnerung. Woran ich mich allerdings sehr gut erinnere ist, dass fünf Stunden später der Wecker klingelte und ich zunächst glaubte, dass Körper und Kopf voneinander getrennt worden wären, denn der eine tat nicht was der andere ihm befahl.

Zum Glück kam Hannes vorbei und wir radelten los um uns mit den anderen Bremern am Subway in der Pappelstrasse zur gemeinsamen Anfahrt nach Delmenhorst zu treffen. „Früher“ war da, wo heute das Subway haussiert, Radsport Schröder.

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Serviervorschlag

Traditionsgemäß wurde nun dort zunächst ein Kranz niedergelegt („Den Opfern des Radsportes“), traurige Lieder angestimmt („An einem Rädlein helle“; „Beim Schröder vor dem Tore“) und viel Mist geredet bevor unsere große Gruppe mit Trommeln und Pyro sich aufmachte Richtung Delmenhorst.

Angekommen entdeckten wir viele bekannte Gesichter, unter anderem auch den Jungen, den ich bereits beim letzten Mal kennengelernt hatte. Der verkaufte mir ein Salamibrötchen und eine Cola. Für €1,50 – das gibt es eben nur den den RTFs die vom Verein organisiert werden. Da waren auch wieder die Fahrer der SG Stern, denen wir bereits eine Woche früher bei der Bremer RTF hinterhergefahren waren. Da waren Karin und Torsten die ich eine Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte (nicht weil sie in Delmenhorst wohnen), Jan, Lars, und und und. Das konnte ja lustig werden.

Zunächst einmal stellten wir uns aber an den Start. Da wir bereits ziemlich spät waren, fanden wir nur einen Platz im Mittelfeld. Die Stimmung war prächtig, Rennradfahrer bis zum Horizont, teilweise hinter Hecken und sonstwo.

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Am Start. Vorne die üblichen Verdächtigen.

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Prächtige Stimmung am Start. Siehe Andi (ganz links)

Es ging gleich zackig los. Also wie immer, bereits nach 100 Metern waren die ersten Löcher gerissen. Hannes und ich wollten eigentlich wieder bei den Sternen mitfahren, aber die hatten wir bereits ganz zu Anfang verloren. Ich versuchte uns nach vorne zu fahren, aber der Gegenwind und der Schädel hatten etwas dagegen. Bereits nach ein paar Minuten brach ich total ein. Hannes übernahm dann die Führung, aber ich konnte nicht folgen, so wenig Kraft brachte ich auf die Strasse. Es war echt schlimm, ich war über-vorbereitet.

So langsam bildete sich dann doch ein Gruppe von vielleicht 20 – 30 Fahrern und wir saussten raus aus Delmenhorst, fast immer gegen den Wind und richtig schön anstrengend. Wir waren schnell, aber nicht extraschnell und trotzdem war es irrsinnig anstrengend für mich. Ab und an machte ich an der Spitze etwas Führungsarbeit, aber ich musste mich wirklich zurückhalten. Wäre ich ein Rad, ich hätte nun geknarzt.

Peinlicherweise hatte ich schon wieder Probleme mit dem Material. Ich hatte extra mein knarzendes Canyon zuhause gelassen und mich mit dem lahmeren Basso Fior di Loto begnügt. Das ist eins von zwei Rädern, die nicht mit SPD Klickpedalen, sondern mit SPD-SL Klickpedalen ausgerüstet ist. Da ich das recht selten benutze hatte ich mir keine Gedanken über die Schuhe gemacht, zu mal ich ohnehin zwei paar SIDI habe, eins sehr alt und eins alt. Aus Versehen zog ich aber das sehr alte Paar an und da waren die Cleats nicht mehr im besten Zustand. Mitten auf freier Strecke, als ich in den Wiegetritt ging, klickte ich aus dem Pedal aus, trat auf die Strasse und musste einige Verrenkungen machen um mich nicht flach zu legen.

An einem T-Stück zeigte der Pfeil des Ausrichters nach links, aber viele waren sich sicher, dass wir nach rechts abbiegen sollten. Chaos. Schließlich entschieden wir uns dem Garmin und den Ortskundigen zu vertrauen und fuhren rechts weiter, was sich als die richtige Entscheidung herausstellte. Viele andere, unter anderem der schnelle Trupp vor uns, hatte sich aber für die falsche Richtung entschieden und kam deshalb an der Verpflegungsstation nach uns an. Warum das so kam weiß kein Mensch. Es könnte ein Versehen des Ausrichters sein, oder vielleicht hatte jemand das Schild auch umgehängt, wer weiß das schon. Tatsache ist aber auch, dass diese kleinen roten Pfeile mit gelber Spitze sehr schwer zu sehen sind. Man erkennt den Pfeil, braucht aber noch einige Zeit um die Richtung festzustellen. Und teilweise waren die Pfeile sehr spät vor den Abzweigungen festgemacht, so dass es zu scharfen Bremsungen im Feld kam. Das könnte und das sollte besser werden.

Da wir eine der wenigen, schnellen Gruppen waren, die die richtige Abbiegeentscheidung getroffen hatten kamen wir dann auch als erste an der Station in Colnrade an. Die schnelle Gruppe kam vielleicht 5 Minuten später, hatte einen dicken Hals und fuhr fast geschlossen an der Station vorbei (Auf Strava kann man gut nachverfolgen, wie sie etwa 10 Minuten Zeit verloren haben). Nach ca. 45 km muss man ja auch nicht unbedingt eine Pause machen. Wir bildeten dann eine kleinere Gruppe von vielleicht 20 Fahrern und machten uns auf und hinterher auf die 120 km Schleife. Dabei waren auch Kai Pi und Balacz, ersteren kenne ich schon sehr lange, zweiteren seit letztem Samstag. Und auch Lars. Ich wollte nun mit meinem iphone ein paar coole Photos machen, aber alles was mir aus Versehen gelang war dieses hier.

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Wie man sehen kann, habe ich mein sehr schickes Positivo Espresso Outfit an.

Die Gruppe passte ganz gut zusammen. Wir sammelten unterwegs noch zwei Fahrer auf, die aus der schnellen Gruppe gefallen waren, unter anderem einen Fahrer von der SG Stern der so aussah wie der Sportler unten heißt.

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Nein, nicht Kevin. So kann man nicht aussehen.

Das Klima in der Gruppe wurde nun immer besser, etwas das aus der Psychologie als „Stockholm Syndrom“ bekannt ist, oder meinetwegen auch als Delmenhorst Syndrom. Irgendwie ist alles zu schnell und zu anstrengend, aber man weiß auch, dass wenn es noch viel anstrengender wird und länger dauert, wenn man aus der Gruppe herausfällt. Deshalb entwickelt man eine Hassliebe für die Tempobolzer vorne an der Spitze.

Der Norddeutsche an sich und der Langstreckenfahrer im besonderen gilt ja allgemein nicht so als sehr offen und gesprächig (vgl. Horst Delme: „Der Norddeutsche – Aufzucht, Hege und Pflege“) im Gegensatz zum Rheinländer, aber bei einer RTF merkt man doch sehr deutlich, wie sich die Atmosphäre in der Gruppe langsam ändert. Am Anfang ist es sehr still, keiner sagt etwas, alle schweigen oder hecheln, denn bei 45 km/h ist es für die meisten von uns auch schwierig Konversation zu machen. Doch mit der Zeit beginnen die ersten Smalltalks. Der eine oder andere murmelt: „frei“, wenn eine Straße gekreuzt wird, oder flüstert „rechts“ wenn nach rechts abgebogen werden soll. Nach ca. 100 km sagt auch mal jemand „Vorsicht“, wenn ein Mähdrescher in voller Breite entgegenkommt, oder eben ein Haufen Fußballfans aus Dresden. Am Ende ist die Stimmung dann bereits orgiastisch. Man steht virtuell auf den Tischen und schreit „FFFREEEEIIIIIIIIII“ oder „AUUUTOOOOO VONNN VOOOOORNE !!!!“ in einer nicht für möglich gehaltenen Lautstärke. Hier verliert der Nordeutsche alle Hemmungen und geht in der Gruppe auf.

Ich klippte versehentlich noch zwei Mal aus. Beim zweiten Mal war es in einer Kurve in Colnrade, ich war gerade im Wiegetritt und steuerte auf einen Bordstein zu. Zum Glück war der Winkel recht flach, ich knallte mit der Pedale dagegen, das Rad fuhr durch den Impuls nun vom Bordstein wieder weg und ich konnte wieder einklicken. Das war aber sehr knapp.

So kamen wir geschlossen zum zweiten Mal an den Verpflegungspunkt.  Nach einer kurzen Pause entscheiden Hannes, Kai, Balacz und zwei andere aus unserer Gruppe, dass wir die 155 km in Angriff nehmen wollten. Wir fuhren los, aber ich schaffte es nicht in mein rechtes Pedal einzuklicken. Der Cleat war jetzt total hinüber. Also zogen Hannes und ich die Konsequenzen und machten uns auf den Heimweg. Bislang war ja noch nicht wirklich etwas passiert, aber ich wollte unser Glück auch nicht strapazieren.

Hier hatten wir nun endlich Rückenwind und kamen auch zu zweit gut voran. So langsam hatte ich den Alkohol aus meinem Körper rausgeschwitzt und funktionierte wieder einigermaßen normal. Hannes und ich wechselten uns vorne ab, überholten die eine oder andere Gruppe bis wir an die Stadtgrenze von Delmenhorst kamen und dort von einer anderen Gruppe im Ortsschildsprint überholt wurden. Und dann war die RTF und somit 120 km auch wieder vorüber. Wir hatten uns nun wirklich Bratwurst, Ziwi, Kaffee und Kuchen verdient.

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Das übliche Gequatsche danach, ich war froh das sich es geschafft hatte denn Körper und Material hatten heute eigentlich etwas dagegen. Und hey, da war ja auch der Typ von der Selfiebox, vom letzten Wochenende.

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Auf dem Jersey ist ein perfekter Kreis abgedruckt.

 

Jörg war da, später kam auch Silke rein und wir fuhren alle zusammen wieder zurück nach Bremen. Das Ende der Giro d’Italia Etappe habe ich noch so halb mitbekommen, die Bundesliga aber so gar nicht mehr. Macht nichts.

Hannes hingegen hatte anschließend mit seiner Familie noch „Die lange Nacht der Museen“ vor sich. Ich denke Sport und Kultur sollten in umgekehrter Reihenfolge abgefrühstückt werden.

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Pave Fiction: Zweier Konkurrenz.

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Lustiges einrollen für den „Roten Fuchs“ bei schönstem Frühlingswetter bisher in Bremen mit Hannes.

Schönstes Frühlingswetter bisher in Bremen; das ist etwa so wie mein ehemaliger Baukollege Dominik in China 1996 auf dem Land bemerkte, nachdem er sich am Straßenrand ein Eis gekauft hatte: „Hm, das ist wirklich lecker. Das beste Eis, dass ich je in China gegessen habe…..heute.“

Wohin soll es gehen bei blauem Himmel und Sonnenschein und zwei Stunden Zeit? „Sollen wir nach Wilstedt?“ Wir schauen uns kurz an: „Ha ha ha, der war gut, beinah‘ wäre ich darauf reingefallen.“ Das Blockland muss einfach voll sein, wir entscheiden uns für Umwege nach Vegesack, über die Weser mit der Fähre (was regelmässig den Strava Schnitt versaut) und dann zurück auf dem Weserschnellweg nach Strom. Der Wind kommt heute richtig stark aus dem Süden und so fassen wir den Plan einmal richtig auf der richtigen Wümmeseite über das Pave zu brettern und uns bei Strava unsterblich zu machen.

Das geht heute richtig gut und schnell. Auch das Wechseln klappt prima, aber leider ist auch diese Wümmeseite heute recht voll und ab und an müssen wir auf die Bremse treten. Ist der Asphalt gut, sind wir konstant mit 40 Sachen oder mehr unterwegs. Ca. 2 km vor dem Ende fährt Hannes vorne und ich überhole ihn, da ich meine ich könnte schneller fahren: „Fahr alleine weiter!“ ruft Hannes von hinten; „Bleib gefälligst an meinem Hinterrad!“ Das klappt auch gut und als wir an der Brücke ankommen müssen wir gleich nachsehen wie wir waren. Eigentlich hätten wir jetzt nach Hause fahren sollen, einen Kaffee machen und auf die Couch hauen sollen. Wir sind Zweite, nur 7 Sekunden hinter dem KOM. Boh, sind wir toll! Also fahren wir weiter nach Ritterhude und auf kleinen Wegen nach Stendorf, Habichthorst, Beckedorf, Aumund und schließlich Vegesack. Siegerehrung.

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Die Fähre nach Lemwerder ist gerade los und wir müssen 20 Minuten warten, das reicht für jeweils ein Hanuta und ein Foto von dem russischen Kriegsschiff, dass bei der Werft von Abeking und Rasmussen vertäut liegt.

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Warum bestellt sich jemand ein Schiff, das so aussieht, als wenn es dem Superschurken in einem James Bond Film gehört? Vielleicht weil jemand ein Superschurke ist oder sein will?

Auf dem Weserschnellweg geht es nun am Fluss entlang zurück Richtung Bremen. Hier finden wir heraus, warum wir bislang so schnell unterwegs waren: Heftiger Wind, teilweise kriechen wir mit 23 km/h in einer Einerreihe daher. Das dauert lange und so werden aus den ursprünglich avisierten zwei Stunden drei, und aus einem lustigen Rollen ein recht anstrengender Rückweg. Auf der anderen Weserseite nehmen wir den Weg an der Schlachte lang – keine gute Idee an einem Tag wo alle Bremer nach langen Monaten der Finsternis die erste Gelegenheit nutzen draußen zu sitzen oder zu flanieren.

65 km, fast ein KOM, jede Menge Spaß und Wind.
Strava

 

 

 

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Eingeordnet unter 2017, Bremen, Hannes, Mob, Touren

BPBLBLB Training Camp. Letzter Tag.

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Der letzte Tag – leider nur ein halber denn um 15:30 Uhr musste ich bereits am Flughafen sein. Ich fuhr mit meinem Mokka raus nach Felanitx, parkte und machte mich mit dem Rad hoch nach San Salvador. 6 km hoch, 6 km runter und fast 400 Höhenmeter. Dieser Anstieg ist länger, härter, unbekannter und weniger befahren als der etwa 30 km entfernte berühmte Anstieg zur Cura di Randa.

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Mit dem Mokka dann weiter nach Randa – hier wollte ich mich mit den anderen Positivos treffen. Bis sie mich anriefen und mir sagten, dass sie bereits oben Kaffee trinken. OK, dann mal los, schnell hoch. 5,5 km hoch, 5,5 km runter, 325 Höhenmeter. Insgesamt 23 km gefahren und dabei 725 Hm zurückgelegt – dass ist Höheneffizient.

Ein letzter gemeinsamer Kaffee, dann runter. Ich bleibe hinter Byron, der in einem früheren Leben Motorradrennfahrer war und der schnellste (sicherste) Abfahrer ist, den ich kenne.

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Flughafen. Ankunft in Bremen. Kälteschock. Heute Nacht soll es bis zu minus zwei Grad werden.

 

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BPBLBLB Training Camp. Die Klassiker an Tag 2 und 3.

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Gestern ging es mit der erweiterten Positivo Espresso Mannschaft hoch zum Kloster Lluc von Caimari aus und dann runter und hoch nach bzw. von Sa Calobra. 

Wir waren am Morgen noch zu sechst, Stephen, Ayleen, Juliane, David, John und ich und fuhren langsam raus auf dem Radschnellweg von Port Pollenca nach Campanet und Selva. Davids Time Pedale brachen und er und Juliane machten sich wieder auf den Weg nach Hause. Schlecht. Gut ist allerdings, dass es wieder einen Beitrag auf dem Positivo Espresso Blog zum Thema „Cycling gear we broke“ geben wird. Passierte kurz nachdem wir die Schweine gesehen hatten, das soll doch eigentlich Glück bringen, vor allem am Ostersonntag. Also weiter zu viert.

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David J Gedächtnisphoto an dem Schlagloch des Todes in Selva. Hier wurde mal ein Lighweight Hinterrad vernichtet.

Ayleen scheuchten wir von Caimari den Berg hoch bis zur Tankstelle. Keine schlechte Leistung für jemanden, der an sich nicht Rennrad fährt; das hätte ich vermutlich in meiner prä-Rennradphase (1981-1990) nicht geschafft. War auch gut, dass Sie das mit uns gefahren ist, den Clarence zerrte seine ihm neu angetraute Frau Magda 80 km und 800 Höhenmeter über die Insel und steht nun, wir wissen nichts genaues, kurz vor der Scheidung. Mal sehen ob die beiden heute Abend zusammen auftauchen. Es ist nicht so einfach mit dem Rennradfahren, den Frauen und der Kombination von beidem. Forschung in den Grundlagen bringt heutzutage mehr und mehr Wahrheit ans Licht.

Also waren wir nur noch zu zweit, John und ich.  Wir waren noch nie zusammen gefahren und zwischen uns gab es noch kein Verständnis, wer der schnellere von uns beiden ist. Geht gar nicht. Also gab ich vorne das Tempo vor und fuhr vom Viadukt rauf zum Pass nach Sa Calobra so schnell wie ich nur konnte. Das wurde dann auf Strava auch meine neue persönliche Bestzeit, aber John konnte ich nicht von meinem Hinterrad abschütteln. Hm, Mist, das würde nun anstrengend werden.IMG_20170416_140637

Aber erst einmal ging es runter. Runter nach Sa Colobra ist langweilig. Es geht nicht richtig schnell runter, da ist viel zu viel Verkehr und außerdem dauert es auch viel zu lange. Lange genug, dass man sich ständig fragt: „Ah ja, und da muss ich nun wieder hoch?“

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Unten schnell ein Cafe und dann gleich wieder hoch. John düst vorne weg und ich sehe schon, dass ich keine Chance habe sein Tempo mitzugehen. Also esse ich erst einmal mein superfettiges Foie Gras Butterbrot auf dem Weg nach oben. Ohne Druck fährt es sich ganz angenehm da hoch. Natürlich gibt es immer wieder Fahrer die einen überholen, oder man sieht in der Ferne jemanden, den man einholen möchte, aber alles in allem übertreibe ich es nicht und bin etwa 5 Minuten hinter John am Kreisel.

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Es war an sich ganz entspannt.

 

Wir düsen dann zurück nach Lluc und nehmen die schnelle Straße von dort runter nach Pollenca. Das ist wirklich schnell, wir kommen in einen Rausch und schwupps sind wir 118 km später wieder zuhause.

Strava

Heute, am Ostermontag ist der letzte Tag von John, bevor er wieder nach London fliegt. David, Stephen, John und ich treffen uns in Port Pollenca und wollen noch einmal gemeinsam zum Cap Formentor fahren. Die Hackordnung ist vom Start an klar, denn es geht ziemlich direkt den Berg hoch: John und David vorne weg, ich dahinter, dann weiter dahinter Stephen. So kommen wir dann auch am Leuchtturm an im besten Wetter, dass ich bis heute dort erlebt habe. Es ist wie Sommer in Bremen, oder Frühling in Reykjavik. Cafe. Wieder zurück, ich bin ganz ordentlich schnell und ziehe eine Truppe hinter mir den Berg hoch – das ist gut, denn das gibt Selbstvertrauen für Liege-Bastogne-Liege.

Wir trennen uns in Port Pollenca. Stephen bleibt oben auf dem Berg, John muss zum Flughafen, David muss sich um die „Queen of the Mountain“, aka Juliane kümmern die heute Geburtstag hat und ich will noch ein paar Kilometer fahren. Zunächst aber hole ich mir bei LIDL etwas zu essen und setze mich an den Strand.

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Sommer

Übrhaupt ist die Insel so grün. Sogar in den Bächen fließt Wasser – das habe ich hier noch nie gesehen – bis auf diese Scheissregenwoche in Dezember, die ich mir letztes Jahr für meinen Malle Urlaub ausgesucht hatte.

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Ich fahre nach Petra, weil ich dort im Cafe vorgestern meine Wasserflasche habe stehen lassen. In fließendem spanisch mache ich der Kellnerin mein Anliegen klar. Die Worte fließen nur so aus mir raus, ergeben aber keinen Sinn und offensichtlich scheint sie sich an mich auch nicht erinnern zu können. Da dürfte ich meinen Charme völlig überschätzt habe. Ich gebe auf, letztendlich ist es nur eine Wasserflasche und ich kaufe mir halt ne neue und nehmen keinen Spanisch-Intensivkurs.

Zum Abschluss geht es noch einmal hoch zur Kirche Bonanny, dem höchsten Punkt heute.

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Bike leaning against almost nothing.

Zurück wird es dann richtig schnell. Ein älterer Fahrer mit Zeitfahraufsatz überholt mich, ich hänge mich dran, kein Problem. Wir fahren konstant 40 – 50 Sachen und kommen schnell nach Can Picafort und dann nach Hause. Mehr als 400 km in drei Tagen – das ist genug Selbstvertrauen getankt.
Strava

Morgen dann noch einmal ausrollen und dann in den gelb-blauen IKEA Flieger nach Bremen.

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BPBLBLB Training Camp. Prolog und erste Etappe.

Nächstes Wochenende ist bereits der Saisonhöhepunkt für 2017 angesagt: Das Jedermannrennen Lüttich-Bastogne-Lüttich. Das ist einerseits gut, der Saisonhöhepunkt bereits im April, da kann ich dann anschließend bis Dezember die Beine baumeln lassen. Andererseits wäre es auch ganz gut ein wenig vorher zu trainieren.

Wir haben ja in Bremen eine Trainngsgruppe, die Bremen-Lüttich-Bastogne-Lüttich-Bremen Trainingsgruppe (kurz: BLBLB) mit der wir nun genau dreimal gefahren sind. Da musste unbedingt noch mehr Training her, also habe ich mich kurz entschlossen in den blau-gelben Flieger nach Mallorca gesetzt und hier das Bremen-Palma-Bremen-Lüttich-Bastogne-Lüttich-Bremen (kurz BPBLBLB) gestartet. Am Freitag startete der Prolog mit einem Zeitfahren rund um die Kirche von Alcudia. Leider habe ich davon keine Bilder gemacht, aber wir hier kann man die Fahrer mit ihren sehr schicken Zeitfahrhelmen auf dem Weg zum Start sehen.

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Team Sky

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Team FdJ im typischen Blau/weiß

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Bora Hans Grohe. Weiß nicht, wer von denen Sagan ist.

Irgendwie erinnert mich das ja in einem anderen Zusammenhang, der mir aber jetzt nicht einfällt, an Dinge die man mit REWE Einkaufstüten machen könnte. Na egal.

Heute dann die erste Etappe. Ich wollte es ruhig angehen lassen und vor allem Kilometer fressen und nicht so viele Höhenmeter. es sind dann 167 km und fast 1.600 Höhnemeter geworden, was erstens so nicht beabsichtigt war und zweitens extrem bescheuert ist, denn die zweite Etappe mit den Japanern/Londonern geht morgen nach Sa Calobra. Und wieder zurück den Berg hoch.

Aber wie das so auf Mallorca ist: Ich fuhr diese kleine Strasse von Port Pollenica Richtung Campanet und Selva, die ich schon so oft gefahren bin. Und da waren jede Menge Rennradfahrer unterwegs und dann muss man die natürlich alle überholen, ist ja klar, und schwups hat man neue Bestzeiten. Obwohl man ja eigentlich langsam und konzentriert fahren sollte. Und zum ersten Mal hoch nach Orient von der anderen Seite, da soll ja auch keine schlechte Zeit auf Strava stehen. Oben waren übrigens ein paar Bremer die ich nicht kannte, kennt die jemand? Oder sind das nur Fake-Bremer?

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Echte Bremer oder Fake-Bremer?

Zwei hatten so Bruschetta-Advocado farbene Trikots von SV Bremen von 1910 an, dieser Verein ist mir so gar nicht bekannt. Könnte aber auch eine Untergruppe vom RSC Gold Bremen sein – altersmäßig würde das auf jeden Fall passen. Eine weitere Fahrerin, in weiß, ist offensichtlich von Bremen 1866, wie man auf dem Trikot lesen kann.

Und dann dachte ich Sineu, Petra, Manacor, das ist alles so gar nicht weit weg oder? Und auch egal, wenn Du erst einmal auf der Küstenstraße bei Arta bist, dann kannst Du richtig nach Hause bomben. Ja, da wäre alles so schön gewesen, wenn das alles ein wenig kürzer gewesen wäre. Und ich nicht meine Wasserflasche beim Stop in Petra hätte stehen lassen.

Einerseits. Andererseits lief es ganz gut. Sind am Tag vor Sa Calobra so richtig kaputt zu fahren ist trotzdem bescheuert.

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Saisonauftakt: Teutoburgerwald Tocht – ein wahr gewordener RTF Pornotraum

Jedes Jahr, seit einigen, organisiert der Oldenzaalse Wieler Club, ein traditioneller, holländischer Radklub in der Nähe von Enschede, eine RTF mit kräftig Höhenmetern. Oldenzaal liegt zwar an der Grenze nach Deutschland, so dass man bei gutem Wetter von dort aus Hügel sehen kann, aber fahren kann man diese eben nur …. genau, in Ibbenbüren.

Die großen Anstiege in Holland hat bereits Rapha vor einigen Jahren auf den Punkt gebracht, dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen.

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Die Gegend um Ibbenbüren soll ja voll nicht schön sein, aber da wenigstens gutes Wetter angesagt war und es nun einmal die erste RTF des Jahres ist, machten wir uns sehr früh heute morgen auf den Weg zum Bahnhof. Wir, das waren Andi, der die Idee hatte, Silke, ich und „the mysterious single“, kurz MS. MS bat mich darauf zu verzichten seine Identität preiszugeben; an dieser Stelle sei nur gesagt, dass es sich um eine bekannte Radsportpersönlichkeit aus Bremen handelt. Der übrigens unglaubliche Geschichten erlebt hat. Die ich allerdings hier auch nicht preisgeben darf. Obwohl, also die mit der REWE Tüte …..  na egal, ich habe es halt nun einmal versprochen (bitte e-mail an mich).

Was zieht man an einem Tag an, der bei ca. 3 Grad im Nebel beginnt, und mit fast 20 Grad in Ibbenbüren vor dem Pommeswagen erst einmal endet? Am Bahnhof waren wir noch alle dick eingemummelt, hatten aber auch alle Rucksäcke dabei, um den Ballast am Start loszuwerden. Ich hatte mir im Vorfeld etwas Sorgen gemacht, wo ich denn meinen Rucksack während des Rennens lassen sollte, später hatte ich dann eine geniale Idee. Doch dazu später. Die Bahn nervte mal wieder. Bis Osnabrück war der Zug pünktlich und die Stimmung prima, aber unser Anschlusszug nach Ibbenbüren hatte eine Stunde Verspätung. Von Osnabrück bis Ibbenbüren sind es gerade mal 25 km, aber wenn man nicht weiß, wo man lang fahren muss ist das eben auch risikoreich. Zum Glück sind die Holländer, was den Beginn einer RTF angeht, doch ein wenig entspannter:

Wir kamen an, zogen uns fast nackt aus, denn mittlerweile waren die Temperaturen in zweistelligen Bereichen, zahlten die lächerlichen 8 € Startgeld und konnten uns gleich auf den Weg machen. Das war eben nicht die typisch norddeutsche RTF: Wenn, sagen wir mal in Delmenhorst, zwischen 8 und 9 gestartet wird, dann steht das gesamte Feld um 8 Uhr am Start und sprintet los, als wenn das Ziel gerade mal 250 Meter entfernt wäre. Kommt man im 9, kann man so eine RTF quasi komplett einsam, alleine und verlassen zurücklegen, man trifft höchstens ein paar aus dem Feld Herausgefallene und Pannenkünstler, die ihr Schicksal am Straßenrand lamentieren. Nicht so in Holland. Verzeihung, in Ibbenbüren: Hier ging immer noch ab und an ein Grüppchen auf Reisen und die Rezeption im großen weißen Zelt war auch noch offen. Überhaupt, die Holländer, da muss jetzt doch noch einiges zu gesagt werden. Zumal bei der RTF wirklich nur Holländer waren, außer uns Vieren und Maik.

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Holländer in Ibbenbüren

Jeder kennt die vielen Klischees, die wir über unsere Nachbarn im Westen im Kopf haben. Ein Klischee hat oft auch etwas wahres, man darf halt nur nicht jeden und jede in dieses Klischee pressen. So sieht man hier sehr schön die ausgeprägte Leidenschaft für das Camping: Ohne Wohnwagen oder Zelt fährt der Holländer nur ungern ins Ausland. So ein großes Zelt auf einem Hänger hinten am dieselnden Nissan auf der Autobahn macht auch echt etwas her und sorgt dafür, dass kein Autofahrer dahinter überholen kann. Sogar die Busse, mit denen die Holländer angereist kamen hatten Anhänger, da waren dann die ganzen Räder drin.

Wir fuhren aber erst einmal los. Silke, Andi und ich etwas gemütlicher, MS powerte gleich richtig rein und wir haben ihn bis zum Ziel nicht mehr gesehen. Nein, stimmt nicht, wir sahen ihn 5 Minuten später wieder, da er falsch abgebogen war. Was bei dieser RTF übrigens sehr schwierig war, denn an allen Überquerungen größerer Strassen standen Streckenposten – so einen Aufwand habe ich bislang noch nie, weder in Deutschland noch in Japan gesehen. In Deutschland machen sich die Vereine nicht den Aufwand; in Japan zwar schon, aber die Streckenposten stecken das Geld ein, legen sich auf die Wiese und schlafen erst einmal ein Ründchen bis das Geräusch eines Unfalls sie aufweckt. Also wenn überhaupt.

Es ging übrigens ganz schön auf und ab, insgesamt sollten es so etwa 1.200 Höhenmeter werden und genau deswegen waren wir ja auch gekommen. Im Prinzip führte die Strecke an der Flanke des Hügelrückens des Teutoburger Walds lang, immer mal ein Stück hoch, dann wieder runter. Die Aussicht war voll nicht schön.

 

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Keine Aussicht

 

Da waren schon einige fiese Steigungen dabei und gerade die ersten, wenn man noch nicht richtig aufgewärmt ist, tun richtig weh. Wir sind allerdings auch sehr diszipliniert und gleichmäßig gefahren, dieser Tatsache verdanke ich es, dass ich überhaupt jetzt noch am Computer sitzen und schreiben kann.

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Immer noch keine voll schöne Aussicht.

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So langsam wird es ja mit der schönen Aussicht.

Nach 55 km kamen wir nach Bad iBurg. Das hieß früher mal Bad Burg, hat sich aber im Zuge der Digitalisierung gerade umbenannt. Dort gab es die erste Verpflegungsstation. Ich wollte an den Stand springen und bereits für alle bestellen: „Een Frikandell spezial und.äh.tweee halve kip.“ da ich ja ganz gut der holländischen Sprache mächtig bin. Das kommt daher, weil ich in Mönchengladbach aufgewachsen bin, was gerade einmal 50 km von Venlo entfernt liegt. Wenn meine Eltern in den Siebzigern gut chinesisch essen gehen wollten, dann fuhren sie 50 km nach Venlo, denn in Gladbach gab es nur Erbsensuppe und Eintopf. Ich musste tatsächlich 17 Jahre alt werden, bevor ich meine erste Pizza gegessen habe, so international war Gladbach. Nicht ganz – wir hatten ziemlich viele Engländer von der Rheinarmee in der Stadt, die allerdings nur sehr wenige kulinarische Spuren hinterlassen haben. Wenn überhaupt welche. Und unser Fernseher hatte genau sechs Programme: ARD, ZDF, WDR und AVRO I und II aus Holland, sowie BFBS. Und so bin ich mit holländischem Fernsehn groß geworden,vor allem mit Top Pops, das war meine Lieblingssendung. Das war so eine Kombination aus „Disco“, „Beat Club“ und „Hitparade“ moderiert von einem unglaublich coolem Holländer namens  Ad Visser.

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Viele Holländer die heute mitgefahren sind sahen übrigens genau so aus, diese charmante Mischung aus David Cassidy, Atze Schröder und Charles Manson. Durch Top Pop hörte ich zum ersten Mal richtig gute Musik, Alice Cooper’s „School’s Out“ zum Beispiel hinterließ einen sehr starken Eindruck.  Und zwangsweise wurde ich zu einem intimen Kenner der holländischen Musikszene. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das wirklich eine gute Erfahrung war, aber Meilensteine der holländischen Popmusik die jeder kennen sollte sind auf jeden Fall:

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Long Tall Earnie and the Shakers

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Pussycat

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BZN – just an Illusion. Leider nein.

Und natürlich Hansje.

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Hansje war so ziemlich die Dura Ace der holländischen Popmusik. Aber zurück nach Ibbenbüren an den Verpflegunsgstand. Da gab es exakt: süssen Tee. Und sonst nichts. Wobei mir ein weiteres Klischee über Holländer einfällt: Sie sind geizig. Hans van Lier, einen holländischen Freund aus Japantagen fragte ich einmal, wie viel Taschengeld er seinem 12 jährigen Sohn gibt (ich wollte wissen wie viel ich meinem Sohn geben sollte) und er sagt: „I gave him 10 € an month, but he used it to buy sweets and toys and this nonsense, so I stopped giving him money.“

Nebenan gab es ein schickes Zelt mit Kuchen und Kaffee, aber dafür hätten wir bezahlen müssen. Und wir waren nun geizig und fuhren weiter. Die iBurg ist übrigens wirklich sehr schick.

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Silke vorweg, Andi hat Mühe mitzukommen.

Es ging weiter auf und ab. Da waren auch ein paar richtig gute Abfahrten bei, die bei dem schönen Wetter noch einmal extra Spaß machten, auch wenn die Gegend voll nicht schön war. Nachdem wir den Teutoburger Wald noch gefühlt fünf Mal zickzack überquert hatten kam wir nach 100 km und etwas schneller als erwartet zurück nach Ibbenbüren. Wir wollten ja ans ich 120 km fahren, aber irgendwo müssen wir eine Abzweigung verpasst haben und so kamen wir nach 100 km ins Ziel. Ein wenig später kam dann auch MS an, der es auf 125 km brachte.

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Dort am Ziel, wo ich mich fast noch einmal auf die Fresse legte bei dem Versuch eine Bodenschwelle zu ignorieren, hatte in cleverer deutscher Unternehmer einen Pommeswagen aufgestellt und gleich kulturell richtig equippt.

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Wir sind dann aber doch schnell nach Hause gefahren; so schnell wie es eben die Deutsche Bahn zuließ.
Fazit: Eine tolle Veranstaltung, wobei man sich durchaus fragen darf, ob es Sinn macht um 5:45 Uhr aufzustehen und nach 18 Uhr nach Hause zurückzukommen, um 100 km Rad zu fahren. Macht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,5 km/h – manche Menschen laufen das. Aber die Höhenmeter und die Holländer machen den Unterschied.

Und dann darf ich noch berichten, wie ich mein Rucksackaufbewahrungsproblem gelöst habe. Während alle anderen ihre Rucksäcke beim Veranstalter abgaben und dann auch wieder zurück bekamen, habe ich meinen in der Westfalenbahn nach Ibbenbüren liegen lassen. Genial oder? Da musste ich kein unnützes Gepäck rumschleppen und wenn alles gut läuft bekomme ich das Ding sogar in 8 bis 10 Tagen wieder. In Bielefeld.

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Wimmernd an der Wümme.

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Die Qualität guten Journalismus lässt sich bereits an den Alliterationen in den Artikelüberschriften messen. Gewinnt Hendrik Hering (das ist ein Name und keine Alliteration) von der SPD die Wahl in in Rheinland-Pfalz, so kann er laut Presse von sich behaupten: „Mainz bleibt meins“. Soviel zur Überschrift.

Noch 25 Tage bis Lüttich. Oder Bastogne, oder irgendwo mittendrin und die Form ist noch nicht einmal in Dortmund. Zum Glück war das Wochenende ein schönes mit vielen Touren und die ersten Gegenmaßnahmen wurden bereits ergriffen: Gestern noch vier Tage Malle gebucht und letzte Woche mit Hannes zum heutigen Frühtraining im Blockland verabredet. Jetzt, wo die Tage wieder länger werden und es Abends auch länger hell bleibt, macht es Sinn sich morgens früh zu treffen und vor der Arbeit ein wenig zu rollen. Zumal das Wetter ja auch großartig ist.

Ich kam um Viertel nach Acht aus dem Haus, ungewohnt früh für mich, schaute auf das Thermometer und kehrte gleich wieder um, um mir erst einmal ein weiteres langes Unterhemd und die dicke Assos-Jacke anzuziehen. Es war gerade mal drei Grad warm, ich konnte meinen Atem sehen und an Kopf und Nacken war es schön kalt. Kaum zu glauben, dass ich mir acht Stunden später im Büro den Pullover vom Körper reißen würde. Ich hatte bereits kalte Hände und Füsse, als ich 8 Minuten später bei Hannes an der Tür stand. Zum Glück war er noch nicht fertig, was mir die Gelegenheit gab mich bei Tanja und ihm aufzuwärmen. Aber dann ging es los. Über dem Blockland wabberte der Bodennebel.

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Dazu passte die Schlagzeile im Weserkurier, das ein Wolf in Borgfeld ein Reh gerissen hat. Es war fast so, als könnte man die Rudel in der Ferne heulen hören. In wenigen Momenten würden sie aus dem Bodennebel hervortreten, riesige Tiere mit neon-gelbem Fell und strahlend grünen Augen, geflohen aus der Sperrzone rundum Tschernobyl und auf der Suche nach menschlichem Rennradfahrerfleisch mit viel Muskulatur.  Die Kombination von Kälte, wenig Schlaf und Blockland kann einen schon ganz gut in den Wahnsinn treiben.

Aber so langsam wurde es wärmer und es stellte sich so etwas wie Frühlingsromantik ein.

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Caspar David Friedrich: Der Styx bei Borghfeldt (1824)

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Der kleine Styx.

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Vermutlich war heute wirklich jeder, der es irgendwie konnte und es mit Arbeit und Familie vereinbaren durfte draußen auf dem Rennrad. Aber wir waren so ziemlich die ersten, froren und radelten vor uns hin parlierend einmal die Wümme runter bis zur Brücke und dann auf der anderen Seite, dem Blockland Roubaix, wieder hoch.

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Dabei kamen wir auch an dem alten Pumpenhaus vorbei, 1884 erbaut, von dem ich letztens schon einmal geschrieben hatte.

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Es ist immer sehr entspannend mit Hannes zu radeln; wir haben keinen Druck dem anderen zu zeigen wer gerade wie gut in Form ist und es gibt immer jede Menge Themen die es zu besprechen gilt in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung steht. Meistens beginnen wir mit etwas wichtigem, heute war es das leidige Thema Töchter und Söhne in der Pubertät, bevor wir meistens fast zwanghaft bei Radrelevanten Themen landen, um dann, heute etwas ungewöhnlich, bei Staubsaugern zu enden. Nicht dass wir uns irgendwie für saubermachen interessieren würden, aber bei einem Rennradrahmen mit innenverlegten Zügen kann man, wenn man es geschickt und mit einem Bindfaden anstellt, den Bindfaden oben einfädeln und mit Hilfe eines Staubsaugerns unten absaugen. An den Bindfaden kommt dann der Zug der durch den Rahmen geführt werden muss und man spart sich die endlose Frickelei und das Stochern auf der Suche nach dem Ausgang.

Ich fürchte radsportlich war das heute morgen keine Meisterleistung, aber der Start in einen sehr schönen Tag.

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Am Pumpwerk.

IMG_0321Die rechte Seite der Wümme zwischen Borgfeld und Burg ist die richtige Seite der Wümme.

Das ist so etwa wie mit Bremen; Bremen ist rechts der Weser, links ist die Neustadt und angeblich, so behaupten das viele, gehört das nicht wirklich zu Bremen, ebenso wie Bremen Nord. Man hat sogar ein Krankenhaus, um seine Leistung ins rechte Licht zu rücken, „Klinikum links der Weser“ benannt.
Das ist natürlich Unsinn, aber die rechte Seite der Wümme ist leer, kaum Rennradfahrer, wenige Spaziergänger, wenige Autos. Das hängt damit zusammen, dass bis vor ein, zwei Jahren der Belag dort so mies war, das ein Strava Segment noch heute den Namen „Blockland-Roubaix“ trägt. Seitdem wurde dort asphaltiert und es gibt nur noch wenige holprige Stücke. IMG_0328

An dem Pumpwerk bin ich schon oft vorbeigefahren ohne jemals zu halten. Heute, nicht auf der Suche nach Geschwindigkeit, sondern nach Ruhe und Wärme zum ersten Mal dort eine Pause gemacht. Industriekultur.

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Pimavera a Bremio. BLBLB.

Bereits in wenigen Wochen startet die Elite des bremischen Radsports (und ich) bei der Jedermann Version von Lüttich – Bastogne – Lüttich. Ich finde es im Prinzip ja prima, den Höhepunkt der Saison bereits in den April zu legen und danach nur noch chillig durch die Gegend zu gurken bis der Winter kommt, aber: 

Die Form lässt doch deutlich zu wünschen übrig. Zur Zeit sieht es danach aus, als würde ich vielleicht 150 km dort fahren bis zur nächsten Pommesbude und dann darauf hoffen und warten, dass mich irgendjemand irgendwann abholt. Aber jetzt wird alles anders, denn in der Trainingsgruppe Bremen- Lüttich – Bastogne – Lüttich – Bremen (BLBLB) haben wir nun mit einer gemeinsamen und intensiven Vorbereitung begonnen.

Letztes Wochenende bin ich am Samstag alleine gefahren; am Sonntag wollten wir an sich gemeinsam raus., konnten uns aber nicht einigen, unter anderem auch deswegen, weil ich gerne die Sternfahrt in die Saison, einen Klassiker des bremischen Gesellschaftslebens, mitfahren wollte. Das war auch gut.

Dieses Wochenende bin ich am Samstag wieder alleine gefahren und heute wollten wir uns treffen, egal bei welchem Wetter, und gemeinsam ein paar Kilometer abspulen. Natürlich hat bei diesem Frühlingswetter in Bremen keiner Lust. Also sass ich den ganzen Morgen vor meinem Handy und wartete darauf, dass endlich jemand absagte. Ich vermute allen anderen ging es genauso. Zuerst verlor Andi die Nerven und schrieb eine total lahme Entschuldigung von einem Crosser der zusammengebaut werden wollte. Dann gab Jochen auf und schrieb, dass er später fahren würde. Sicher. Jetzt hätte ich eigentlich auch aufgeben können, der Härteste war ich ja jetzt sowieso,  aber ich bin brav zum Treffpunkt gefahren und habe eine 50 km Runde im Regen abgespult. Nicht auf dem Rennrad, sondern auf dem Umberto mit Schutzblechen und gut eingemümmelt in Regenklamotten. Ja, es ist Frühling in Bremen geworden:

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Frühling in Bremen: Von oben der Regen, von unten die Kroküsse ….

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…. und Hyazinthen. Bald ist Pfingsten!

So richtig Spaß macht das fahren im Regen nicht, aber es ist gut zu wissen, dass man das notfalls eben auch kann. Ich blieb halbwegs trocken, kroch gegen den Wind mit 20 km/hr und dachte, dass das alles noch viel schlimmer sein könnte. So wie 2007 auf Sadogashima, wo ich mit Stephen, Ryoko und anderen eine 210 km RTF mitgefahren bin – komplett im Regen. Ein Highlight war es jedes Mal, wenn vor einem ein Tunnel auftauchte und damit die Hoffnung ein paar Sekunden trocken zu bleiben.

Insgesamt kann also nur konstantiert werden, dass die Vorbereitung auf BLBLB exakt nach Plan läuft. Ich könnte eigentlich mal eine Trainingspause machen. Vielleicht bis Ende April.

Strava

Musikalische Würdigung der heutigen Radrunde:

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