Schlagwort-Archive: RTF

Velotörn Bremen. Teil II: World of Lauenau.

Von allen RTFs in Norddeutschlands die ich bislang gefahren bin, ist mir die in Lauenau die herzallerliebste: Jede Menge Hügel und Wellen, schnelle Abfahrten, ein großartiger Blick in die Landschaft und das alles extrem gut von Victoria Lauenau seit 1921 organisiert. Kommt noch das gute Wetter wie dieses Jahr dazu möchte man fast 150 km lang nur weinen vor Freunde. Deswegen bin ich am Sonntag nach Lauenau gefahren, anstatt am Velotörn Rennen in Bremen teilzunehmen.

dscf2991

Leider gab es auch einen Wehmutstropfen, oder wie mein Opa zu sagen pflegte, „einen Wehrmachtstropfen“: Kein einziger Bremer war dieses Jahr mitgekommen; die meisten fuhren beim Velotörn, der Rest war irgendwo unterwegs oder schaute sich in Augsburg die Puppenkisten an, während Augsburg in Bremendie Puppen tanzen ließ.

Die beste aller Frauen hatte nichts dagegen, dass ich unser Auto am Sonntag fuhr und so machte ich mich gegen kurz vor sieben auf den Weg: Die A7 zeigte sich um diese Zeit von ihrer schönsten Seite: komplett leer und fast ohne Baustellen, so dass ich durch wildes Rasen bereits um acht am Mineralbad in Lauenau ankam. Anmelden, fertig machen und als ich so hochschaue sehe ich einen blau-weißen Zug von Hamelern losziehen. Ich schwang mich auf das Rad, aktivierte die sehr müden Beine und raste hinterher, in der Hoffnung möglichst lange an denen dranzubleiben. Von dem Fixierennen am Vortag beim Velotörn war ich immer noch sehr müde, das merkte ich dann den ganzen Tag.

dscf2993

Müde Beine

Die Tatsache, dass ich die Gruppe recht schnell eingeholt hatte, hätte mir gleich zu denken geben sollen: Die fuhren wirklich sehr gemütlich, vor allem am Berg. Ein Mädel mit langen, roten Haaren zu einem Zopf gebunden, pedalierte sehr unsicher und der Anführer der Hameler, ein älterer, graumelierter Herr, schob sie ab und an die Hügel hoch. Nach 9 km beschloss ich mich in Antendorf abzusetzen und zu versuchen in einen neue Gruppe zu fahren. Im Nachhinein war das eine gute Idee: Wie ich später hörte, gab es einen Sturz in der Gruppe, wobei man da immer einfach schreiben kann, dass man hofft es sei nichts passiert und froh ist, dass man nicht dabei war.

Ich überholte in der Folge den einen und den anderen Einzelfahrer und grüßte immer nett mit „Moin“. Resonanz? Fast keine. Wer am Sonntag um Neun bei einer RTF alleine unterwegs ist, der will auch alleine bleiben. Keiner hatte Interesse daran viele Einzelfahrer zu einer Gruppe zusammenzufahren. In Langenfeld, auf dem letzten Hügel östlich der Weser, begann die schnelle Abfahrt nach Hessisch Oldendorf, dem ersten richtigen Highlight. Am Ende muss man nur wissen, dass die Abfahrt sehr abrupt an einer T-Mündung endet, sonst landet man da in den Büschen.

Immer noch keine Gruppe in Sicht. Beim ersten Verpflegungspunkt nach ca. 25 km hatte ich so gar keine Lust anzuhalten – das war mir noch viel zu früh und so fuhr ich einfach weiter. Jetzt wurde ich auch zum ersten Mal von zwei Fahrern überholt, der eine mit Lightweight Laufrädern –  am Berg waren sie schnell, in der Ebene wieder langsamer; dann hing ich aber wieder dran. Dummerweise war kurz danach der zweite Verpflegungspunkt in Volksen nach 51 km erreicht.

Hier gab es nicht nur etwas zu essen und zu trinken, es standen dort auch einige schöne Räder rum, so ein altes Chesini in den Farben der italienischen Trikolore und ein Che, eine kleine und relativ unbekannte Rahmenmanufaktur aus dem Kuba der Sechziger.

dscf2990

Früher hingen diese Che Logos ja recht häufig in den Wohnzimmern dieser Welt über Flokati Teppichen und selbst lackierten Hartholztischen. Ich habe auch so eins in meiner Sammlung.

MINOLTA DIGITAL CAMERA

Ms. Che

Von Volksen aus fuhr ich dann zusammen mit dem Lightweightfahrer (ich nenne ihn mal Racer Z). weiter. Der war gut in Form, wir unterhielten und nett und kamen trotzdem gut voran. In der Abfahrt hinter Laßbruch bekamen wir auch richtig gut Geschwindigkeit drauf, die wir dann auf dem flacheren Stück gut halten konnten. Das machte jetzt richtig Spaß und zwar so viel, dass wir die Kontrolle in Thevenhausen verpassten. Allerdings war nach 20 km bereits wieder Schluss: Wir hatten gerade Anschluss an eine größere Gruppe gefunden, als die an der Streckenteilung (rechts 118, links 148 und 225 km) fast komplett nach rechts abbog.

Das gefiel Racer Z wohl recht gut, denn er rief mir zu: „Ich fahr die 120er!“. Ich nicht. Also fuhr ich mit den einzigen beiden anderen Fahrern, die links abgebogen waren weiter. Das war ein sehr schmächtiger und leichter Typ, der vermutlich am Berg alles konnte und sein bärtiger Freund in Rapha Austattung mit Trek Rad. Als die mir am Berg zu langsam waren zog ich vorbei in Richtung Osterhagen.

dscf2995

Langsam hoch nach Osterhagen.

Oben wartete ich dann wieder auf sie, denn so ganz alleine machte das wenig Spaß. Wir bleiben dann zusammen, bis wir zum zweiten Mal den Kontrollpunkt in Thevenhausen anliefen. Ich bin ja bereits einmal 2014 zusammen mit Hannes die RTF Lauenau gefahren und wir hatten damals eine längere Pause in Thevenhausen eingelegt. Ich kann daher wohl behaupten, dass ich erstens Thevenhausen ganz gut kenne (also besser als 90% aller Deutschen) und zweitens, dass sich in den letzten beiden Jahren nichts in der Metzgerei Goksch getan hat – sogar die Auslagen sind noch dieselben (und nicht die gleichen).

dscf2997

Gocksch in Thevenhausen

Die Verpflegung ist nicht so gut wie am legendären, ersten Verpflegungspunkt der RTF „Roter Fuchs“, an dem Lachsschnittchen und Sekt gereicht werden, aber es reicht und alle sind nett und man kommt ins Gespräch.

dscf2998

Ganz links meine beiden Begleiter am Kontrollpunkt in Thevenhausen

Ich wäre ja gerne in einer Gruppe gefahren, aber der Betrieb am Kontrollpunkt war sehr mau. Und Schmächtig & Rapha waren mir nicht schnell genug. Also machte ich mich alleine auf den Weg und bog in Langenholzhausen auf die Trasse Richtung Ziel ab so wie eine Runde vor mir die 118er Truppe. Man fährt über den „Felsenkeller“ den Kirchberg hoch nach Varenholz und dann eine wunderschöne Abfahrt runter nach Stemmen.

Der Asphalt schien brandneu, das Spätsommersonnenlicht brach gefiltert durch die Bäume hier und da stärker durch als Anderswo, ein paar Blätter fielen im Rand zu Boden und es war so still, man hätte Atombomben fallen hören können. Es gab einen Augenblick, wo es so schön war, dass dieser „Ich mach jetzt alles anders in meinem Leben“ Gedanke aufpoppte. Ich kenne den ganz gut, weiß dass es Quatsch ist, sagen wir mal nicht mehr zu arbeiten und nur noch radzufahren; sich scheiden zu lassen und eine der Studentinnen zu ehelichen; oder Carbonfasertechnik an der Uni zu studieren, aber einen Moment darf man sich der Illusion hingeben, dass wieder alles möglich ist.

Ich fuhr weiter allein im Prinzip parallel zur Weser weiter in Richtung Hohenrode und träumte vor mich hin. Ganz schlechte Idee bei einer RTF, denn beim träumen verpasst man häufig die Ausschilderung und somit die eine oder andere Abzweigung. Nicht so bei der RTF Lauenau, hier ist die Beschilderung vorbildlich, die Schilder selber farblich markant und jedes Mal wenn man sich fragt „Bin ich hier noch richtig?“ – taucht unmittelbar danach ein rot-gelb-blauer Pfeil am Straßenrad auf.

dscf2996

Jetzt war ich ja schön schnell bis zur Weser gefahren, als ich dort ankam war jedoch die Fähre gerade auf der anderen Seite und wartete auf Kunden. Ich wollte schnell rüber und weiter und ärgerte mich ein wenig. Ich meine die Weser ist ja an dieser Stelle nicht breit wie die Wolga und die Fähre nicht ein Tragflächenboot, dass über die Wellen hüpft. Also machte ich das, was mir vernünftig erscheint in einer solchen Situation von  a) warten und b) ärgern, und zwar eine Zigarette zu rauchen. Als ich da so stand kamen auch Schmächtig&Rapha rein. Und dann auch die Fähre und setzte uns über, mittlerweile waren wir zu fünft.

dscf2999

Hightec Weserfähre mit Smartkasse

dscf3001

Im Hintergrund der Kontrollpunkt auf der westlichen Weserseite

Dabei waren Rapha&Schmächtig, der Gelb-blaue aus Altwarmbüchen (AWB), einer mit einem Ötztaljersey von 2008 und ich, heute komplett in Q36,.5. ich fragte mich dann die ganze Zeit, ob „Altwarmbüchen“ der Name eines Ortes, oder ein Lebensmotto ist: „Alt, warm und büchen“ – also etwa wie „Männlich, verrückt und Medizinstudent“ oder „Jung, wild und schmittig“. Wiki sagt es ist ein Ort in Niedersachsen, schade eigentlich.

dscf3004

Jung und wild, oder alt und warm?

Wir blieben zusammen, bis kurz nach Welsede der Anstieg zur Schaum- bzw. Paschenburg begann. Gleich zu Beginn setzte sich AWB ab, während Ötzi, Schmächtig und ich in eienr Gruppe zusammenblieben. Rapha blieb hinten. AWB war bald außer Sicht und auch Ötzi machte ordentlich Druck während Schmächtig dann verlangsamte um auf Rapha zu warten. ich war als Dritter oben an der Paschenburg, aber in der Ebene hatte ich dann sehr schnell Ötzi eingeholt, der nicht mitziehen konnte oder wollte. Und ein paar Minuten später hatte ich auch AWB eingefangen und wir fuhren zusammen die Abfahrt runter. Da machte wieder ehr viel Spaß und eh wir uns versahen waren wir in Pohle. Hier ging AWB nach vorne und brachte uns die letzten Meter nach Lauenau, bevor er dann, geradezu klassisch verkündete: „Ich fahr‘ hier weiter geradeaus – Tschüss!“ Es war genauso wie mit Racer Y bei der Weserrunde am Wochenende zuvor – diese RTF Fahrer sind doch arge Eigenbrötler.

An der Einfahrt zum Mineralbad standen zwei leicht beschädigte Autos, es gab Gerüchte, dass ein jüngerer Bremer Fahrer etwas riskant unterwegs gewesen wäre und dabei mehrere Unfälle verursacht habe. Man weiß nichts genaues.

Insgesamt bin ich die 148 km in 5:52 hr gefahren und habe dabei 24 Minuten gestanden. Die Hälfte davon vermutlich an der Weserfähre.

Strava

dscf3005

Im Mineralbad bekam ich das Pfand für meine Startnummer wieder und war nun voll  in der Stimmung diese €5 voll auf den Kopf zu hauen. Bei RTFs bekommt man ja für wenig Geld sehr viel Kuchen, Kaffee und Grillwürstchen und so war es auch hier. Und um 14:30 Uhr konnte ich mich bereits wieder auf den Weg nach Hause machen.

So fuhr ich die A7 von Hannover hoch in Richtung Bremen , als mir zum x-ten Mal ein Schild „Gedenkstätte Bergen-Belsen“ ins Auge fiel. Ich wollte da schon immer mal hin und da ich in der Abfahrt letztens ohnehin mein Leben komplett zu ändern andachte,  dachte ich, dass dies doch ein guter, erster Schritt wäre.  Dieses Schild ist eine Mogelpackung, denn kommt man am Ende der Ausfahrt an steht dort eine wichtige, zweite Information: „30 km“. Aber 30 km mehr kann ja nicht der Grund sein nicht sein Leben zu ändern.

Die Gedenkstätte ist genau das, von den Bauten des Konzentrationslagern ist nichts mehr übrig. Stattdessen gibt es Gedenksteine hier und dort, einen Wald mit Lichtungen und Birken und ein Museum mit viel Sichtbeton und Glas, so Tadao-Ando mässig.

Die Dokumentation ist gut, das Konzept Standard, etwa so wie beim Denkmal der ermordeten Juden Europas in Berlin. Ich dachte ich wüsste schon recht viel über Bergen-Belsen, insbesondere hatte ich vor einige Jahren Videos über die Befreiung des KZs durch die britische Armee gesehen. Es gab noch so viel interessante Dinge, die ich nicht gewusst hatte; z.B. dass dies erst ein Baulager für den Ausbau eines Truppenuübunsgplatzer und dann ein Kriegsgefangenenlager für russische Soldaten war und erst 1943 dann ein Teil zum KZ wurde. Und dass es nach dem Ende des Krieges zum Rückführungslager von in erster Linie Polen und Juden in ihre Heimat, wurde.

Der Gedanke, der mich am meisten umtrieb war, dass es ist aus heutiger Perspektive nicht zu begreifen, warum in einem KZ ein großer bürokratischer und organisatorischer Aufwand getrieben wird, um Häftlinge zu photographieren, zu impfen, ihre Personalien aufzunehmen und in Arbeitskolonnen zu organisieren, wenn das einzelne Menschenleben dort nichts wert ist und willkürlich beendet werden kann.

Auch heute gibt es noch einen großen Truppenübungsplatz ganz in der Nähe. Man verbindet die Begriffe Krieg-Militär-Nazi-KZ doch in einer historischen Kette miteinander und ich empfinde es als unglücklich, dass nun direkt neben einer KZ Gedenkstätte Krieg gespielt oder geübt wird. Jedenfalls brachte mich der Weg über die Panzerringstrasse relativ schnell nach Hause.

Zuhause angekommen, ergab sich folgender Dialog zwischen meiner Frau und mir:

„Du kommst aber spät nach Hause!“
„Entschuldigung, ich war noch im Konzentrationslager.“
„Und, hattest Du Spaß?“

Na ja, ging so. Im Gegensatz zu der RTF Lauenau, deren Organisatoren hier noch einmal überschwänglich gedankt sein.In den letzten vier Wochen hatte ich nun über 1.600 km zurückgelegt. Am Sonntag war ich noch ganz OK, aber am Montag war ich dann einfach nur noch platt und hatte keine Lust zu gar nichts mehr.

Noch nicht einmal zum bloggen, was wirklich selten ist.

Damit ist die Saison auch fast zu Ende – Mitte September bereits mehr als 10.000 km von den geplanten 12.000 zurückgelegt, zum Abschluss den Münsterlandgiro mitnehmen und im Dezember noch einmal mit dem Sohn nach Malle. Und Punkt.

4 Kommentare

Eingeordnet unter 2016, Mob, Touren

Im Weserlabyrinth 2016.

DSCF2960

Die Weser, mythischer Urfluss Norddeutschlands, gespeist aus rein deutschen Wässern, zieht sich von seiner, äh, Quelle, in Hannoversch Münden durch die Tiefebene nach Bremen und fließt, unter Umgehung von Hamburg in die Nordsee. Seit 2010 kann man bei der RTF „Große Weserrunde“ auf der östlichen Seite von Rinteln etwa 150 km weit zur, äh, Quelle, fahren und auf der westlichen Seite wieder zurück.

Ich hatte das 2014 einmal gemacht, zusammen mit Philipp, Tobias, Jan, Jonas und Sebastian. Genauso hätte ich das gerne dieses Jahr wiederholt; aber zwei von uns Sechsen fahren gerade nicht viel Rad und bei zwei weiteren funktionierte die Organisation über Facebook nicht. So lange man am Sonntag 60 km von zuhause aus in die Gegend fährt, gibt es eine realistische Chance über fb Mitfahrer zu finden, aber selbst da –

„Können wir nicht eine halbe Stunde früher fahren?“
„Der Schnitt von 29,3 km/h ist mir zu hoch, dachte an 29,1.“
„Übermorgen wäre besser.“ 
„Wie wär’s mit schwimmen stattdessen?“
„Weiß jemand wo ich weiße Hoodys für meine 88er Campagnolo Chorus Bremshebel herbekomme?“


ist es schwierig alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. Wenn es darum geht Auto, Zug, Unterkunft etc. für eine 300 km Tour zu organisieren ist es fast unmöglich. Es deutete sich am Donnerstag letzter Woche ab, dass ich mich vermutlich alleine auf den Weg machen musste und das tat ich dann auch direkt nach der Arbeit.

Von mir zuhause in Bremen bis nach Rinteln sind es ziemlich genau 125 km. Das könnte ich an sich locker fahren, aber nicht wenn ich am nächsten Tag auf die 300 km Strecke muss.
Letztens bin ich eine Dienstreise nach Hamburg mit dem Rad gefahren, das waren auch genau 125 km und dafür habe ich 5 Stunden gebraucht. Das hätte auch schneller gehen können, wenn ich die Strecke gekannt hätte, aber so musste ich immer wieder absteigen und auf meine ausgedruckten Karten schauen. Und in gruseligen Gegenden wie Hamburg Neugraben brauchte ich viel Zeit um meinen Besitz im Auge zu gehalten und zu verteidigen.

Also mit der Bahn. Damit habe ich 3 1/2 Stunden gebraucht, gar nicht einmal so viel schneller wie mit dem Rad und kam gegen 20 Uhr in Rinteln an. Rinteln ist recht schmuck und hat ein Freibad in der Stadtmitte an der Weser. Leider wurde die Universität Rinteln bereits 1810 geschlossen, junge Menschen habe ich entsprechend wenig gesehen. Ich fuhr vom Bahnhof in die Stadt und kam an „Kuddels Grillbude“, „Döner Klaus“ und anderen Kultur-Establishments vorbei. Die Versuchung das Nachtleben zu genießen hielt sich also in Grenzen und so konnte der Wecker am nächsten Morgen um 5:15 hr  klingeln.

Als ich aufwachte und aus dem Fenster schaute, stellte ich etwas überraschendes fest:

So etwa sah es aus.

Manchmal begreift man ja logisch Dinge, verkennt aber deren Konsequenzen. So ist mir zum Beispiel völlig klar, dass „Sommerzeit“ nicht bedeutet, dass die Sonne eine Stunde länger scheint, sondern genauso lang, nur eben in versetztem Zeitraum. Allerdings, dass es morgens dann eine Stunde später hell wird, daran habe ich nie gedacht. Das liegt daran, dass ich um 5 Uhr morgens nicht denke, sondern schlafe.

Jedenfalls hatte ich kein Licht dabei als ich zum Start fuhr und mir bereits die ersten Gruppen der 300er Fahrer entgegen kamen. Alle mit Supernoven an den Rädern und teilweise an den Helmen, fuhren die Richtung Weser, während ich möglichst unauffällig auf dem Fußweg vorbei schlich.

Die Weserrunde wird in Gruppen von ca. 10 Fahrern alle 2 Minuten gestartet. Ich melde mich an, bekam meine Startzeit 5:58 hr für die letzte 300er Gruppe und aß noch ein paar Brötchen. Dann verhandelte ich über das Depot meines Gepäcks, und bis ich dann am Start war war es 6 und ich pfuschte mich  in die erste 250er Gruppe rein. Nun hätte ich ja schön schnell fahren müssen, um ein paar 300er einzuholen, aber ich musste erst einmal in der Gruppe bleiben, damit ich überhaupt etwas sah. Denn: Kein Licht. Und außerdem ist diese RTF so gar nicht beschildert. Ohne Garmin oder Karte läuft da nichts. Klar, irgendwie geht es immer die Weser lang Richtung Süden, aber der Weg ist nicht gerade selbsterklärend. Und so hatte ich am Ende 320 km auf dem Tacho, weil ich die sehr seltene 320er Streckenvariation gefahren bin mit kurzen Ausflügen in Sackgassen, Schotterwege und andere Labyrinthe. Das ist keine RTF, sondern eigentlich eine Landesverbandzielfahrt.

Viele andere hatten das gleiche Problem. Und fluchten auf ihren Garmin, da der die Strecke nicht fand, oder wieder abgestürzt war, oder ihm am Ende der Saft ausging. Ich habe gerade noch einmal meinen Bericht von 2014 gelesen. Im Prinzip das gleiche Problem. Die Benutzung eines Garmins ist immer noch mit extrem vielen Risiken verbunden, warum ist das nicht so einfach wie bei einem Tomtom im Auto? Warum braucht man immer noch eine dreijährige Ausbildung zur IT-Fachkraft, um so ein Ding bedienen zu können? Ich hätte ja schon ganz gerne eins, die Aussicht bei MS-DOS wieder anfangen zu müssen schreckt mich ab. Ich fahre Rad weil ich eben nicht noch mehr Zeit am PC etc. verbringen will um den Garmin einzustellen oder ein Update auf die Di2 zu spielen.

Also blieb ich erst einmal in der Gruppe, die allerdings mit 28 bis 30 so vor sich hin kroch. Ich konnte aber nicht weg, denn: Kein Licht, kein Garmin. Das war  jetzt ganz anders, als 2014. Da hatten wir eine Reihe gut programmierter Garmins und schneller Jungs, so dass wir gut Strecke machten. Zum Glück ist wenigstens die Sonne nicht von Garmin Ingenieuren programmiert worden und langsam wurde es hell.

Eine schnellere Gruppe überholte uns und ich schloss mich dieser an. Das machte einige etwas riskante Rennmanöver erforderlich, sehr zum Unwillen einiger Frauen im Feld die gleich anfingen rumzuzicken, als ich sie schmitt-mäßig rechts überholte. Das brachte aber alles nichts, denn nach 2 km hatte jemand in der Gruppe einen Platten, die anderen warteten und ich kam wieder zurück in meine alte Gruppe. Mit der fuhr ich zusammen bis zum ersten Kontrollpunkt an diesem Campingplatz hinter der Gipsfabrik in Bodenwerder, die durch ein Zeitloch samt holländischen Campinggästen, aus dem Siebzigern gefallen ist.

Die Pause machte ich kurz, und ging dann mit einer schnelleren, kleineren Gruppe raus.

DSCF2958

Keiner hatte einen funktionierenden Garmin, aber einer, der rot-blaue, erzählte, dass er aus der Gegend kam und sich auskennen würde. Das stimmte so halb.Ich sag jetzt mal nicht, welche Hälfte. Wir blieben zusammen bis zum nächsten Kontrollpunkt in Holzminden an der Hafenbar.

DSCF2959

Und auch darüber hinaus, wobei sich in Holzminden ein weiterer Fahrer zu uns gesellte, der mir allerdings nicht seinen Namen verriet. Da er im weiteren Verlauf relevant wird, nenne ich ihn einmal Racer Y. Das ging jetzt gut vorwärts, bis nach Bad Karlshafen. Dort wollten Racer Y und ich an der Weser lang fahren und merkten nicht, wie die beiden anderen die richtige Straße nahmen. Unser Weserweg wurde immer enger und schmaler. wir überholten eine Gruppe von Rentnerradlern  und dann gab es eine Linkskurve, der Weg führte durch einen ca. 1,5 m hohen Tunnel unter der stillgelegten Bahn dann war da nur noch Schotter. Also zurück, vorbei an den Omas, zurück auf die richtige Straße. Und als wir nach einer Viertelstunde etwa wieder gut Strecke machten, wer tauchte da vor uns auf der Straße auf: Die Rentnerradler! Wären wir nämlich nur 50 m weiter den Schotterweg gegangen, so hätten wir auch die Hauptstraße erreicht.

Es gab noch ein paar weitere Schleifen, aber jetzt lief es, die Strecke war recht klar und Racer Y und ich machten ordentlich Tempo.So kamen wir nach Hemeln.

Hemeln, das wissen nicht viele, unterscheidet sich nicht großartig von Hameln. Im Namen nur ein Buchstabe und die Stadt hat sogar ihr eigenes Märchen, „Der Rettichfänger von Hemeln.“ Leider ist dieses Märchen sehr, sehr langweilig, denn wie man sich einfach vorstellen kann, ist es wesentlich aufregender Ratten zu fangen und die Stadt von dieser Plage zu befreien, als Rettiche, die eigentlich nur willenlos auf dem Feld rumliegen. Und so kommt es, dass Hameln heute berühmt ist und Hemeln niemand kennt. Außer natürlich Rettichfreunden.

Um Viertel vor 12 erreichten wir den Verpflegungspunkt am THW in Hanoversch Münden, der Hälfte der Strecke. Das Essen war von bekannter Güte und zugeschnitten auf Katastrophenopfer, deren Besitz gerade in Flammen aufging oder die Weser hinunter gespült wurde. Ich unterhielt mich mit Racer Y über die RTFs, die wir bislang so gefahren sind. Er: Ötztaler, ich: Transalp. Racer Y war übrigens ein guter Fahrer, sehr gleichmässig, schlank und drahtig und schnell am Berg. Unser Gespräch kam auf die Cyclassics, von denen er nur schlechtes gehört hatte. Es ist irgendwie lustig, diese RTF-kulturelle Voreingenommenheit gegen Rennen immer wieder zu hören: Keiner ist je mitgefahren, aber alle haben schon einmal von anderen gehört wie schlimm solche Rennen sind und welche Honks da mitfahren, das ist auch bereits anderen aufgefallen. Das ist ähnlich wie diese Geschichten über den Freund der von einer Spinne gebissen wurde, dann schwoll der Arm dick an und als der Arzt das aufschnitt, krabbelten ganz viele kleine Spinnen aus der Wunde. Habe ich bestimmt zehn Mal gehört von zehn verschiedenen Freunden, die alle schwörten, dass es jemandem passiert ist den sie kennen. Auf englisch nennt man so etwas „urban legend“.

DSCF2961

„Boh, die Cyclassics, da fahr ich nicht mit, ich bin ja nicht lebensmüde..:“

Dann kamen auch unsere beiden anderen Mitfahrer an, der eine erwischte mich auf der Toilette, schaute mich vorwurfsvoll an und meinte, ich wäre ja wohl nicht die korrekte Strecke gefahren. Er hatte so diesen Blick drauf, wie mein Vater, als ich ihm 1981 beichten musste, dass ich im Supermarkt beim klauen erwischt wurde. In diesem Moment hatte ich als RTF Fahrer in seinen Augen  versagt.

DSCF2962

Katastrophengeräte des THW

Wir machten uns dann zu zweit auf den Rückweg nach Rinteln auf der westlichen Weserseite. Das ging sehr gut, wir fuhren im 32-35 km/h Bereich, wechselten uns vorne ab und überholten die eine oder andere Gruppe. Da wir keinen Plan hatten, wie wir zurückfahren mussten blieben wir im wesentlichen auf der Bundesstrasse. Plötzlich wurden wir von einem deutschen U-Boot torpediert! Ich ahnte nichts böses, aber das Torpedo schoss um Haaresbreite links an mir vorbei. Als ich genauer hinsah, bemerkte ich, dass das kein Torpedo, sondern dieses Liegerad vom THW war. Es hätte aber auch ein Pokemon sein können. Oder sich bewegender Strassenbelag. Mein Gott, die Dinger sind schnell und geräuschlos. Am Berg holten wir es immer ein, in der Abfahrt schoss es an uns vorbei.

DSCF2963

Unterwegs mit Racer Y. Den dicken Rhein-Energie Fahrer vor uns haben wir gleich darauf abgehängt.

Die westliche Seite ist weniger schön, aber deutlich einfacher zu fahren. In Gieselwerder machten wir uns nicht die Mühe den Verpflegungspunkt zu suchen und fuhren die ersten 60 km durch bis nach Höxter, wo wir an einem Netto Pause machten.

DSCF2964

Kosumosu blühte bereits am Strassenrand

DSCF2965

 

Teilweise fuhren wir auf den Radwegen und wir hielten an allen roten Ampeln. So langsam ging mir dann die Luft aus; wir waren bereits 200 km unterwegs, hatten noch mindestens 110 vor uns und Racer Y fuhr jetzt deutlich mehr vorne als ich. 200 km ist für mich so eine Grenze, darunter macht es Spaß, darüber an sich nicht.

DSCF2966DSCF2967DSCF2968

Nachdem es jetzt definitiv nicht mehr dunkel war, fiel mir auf, dass ich noch etwas anderes komplett vergessen hatte: Sonnencreme. Daran ist natürlich dieser völlig bescheuerte Sommer Schuld. Ich hoffte, dass meine Haut das irgendwie abkönnen würde und lag damit auch nicht falsch.

In Polle verpassten wir die nächste Verpflegungsstation und damit vermutlich auch den leckeren Kuchen. Und in Hehlen stellten wir dann fest, dass wir die Abzweigung in die Berge verpasst hatten. Das war doof, denn die sogenannte „Alternativstrecke“ an der Weser ist ziemlich schlimm und außerdem auch länger als der Weg durch die Hügel.

Also versuchten wir irgendwie mit Racer Y’s Iphone herauszubekommen, wie wir wieder auf die Strecke kommen würden und bogen dann in Hehlen ab, um uns auf den Anstieg zu machen.

Auf einmal bekam ich einen Klaps auf den Hintern und erschrak total – Racer Y war wieder da :D. Ich hätte nicht gedacht, dass ich ihn nochmal sehe, bis ich ins Ziel komme. Jetzt ging es zu zweit weiter. Ich stöhnte bei jeder kleinen Steigung und ärgerte mich wahnsinnig, dass mir schon wieder etwas wehtat. Aber wenigstens hatten wir keinen Gegenwind mehr – das war schon mal was….

Racer Y versuchte glaube ich 2 Mal mit mir zu sprechen – Ich war aber schon in einem „Zustand“ in dem ich keine Lust mehr hatte zu sprechen. Ich sah nicht mehr viel von der Strecke. Ich konzentrierte mich nur noch auf die Hinterräder und den Popo von Racer Y.“

Ich habe das aus einem anderen Blog, äh, übernommen, weil mir jetzt auch nichts besseres zu schreiben einfällt.

DSCF2969

Oben auf dem Hügel war es aber Klasse. Wir thronten über dem Wesertal und unten dampfte das Atomkraftwerk Grohnde lustig vor sich hin. Das ist das zweite AKW an dem wir vorbeikamen, auf der anderen Weserseite befindet sich das bereits abgeschaltete AKW Würgassen. Ich hatte das des Namens (Würg Assen) immer in Baden-Würgenberg vermutet – auch dies ein Vorurteil.

Jedenfalls finde ich das AKW Grohnde richtig schick, denn mit seinem runden Kuppelbau und den beiden Kühltürmen sieht es aus wie ein klassisches, deutsches AKW meiner Jugend (und da denke ich automatisch an SYPH). Man wächst auf, sieht ein AKW und denkt: „Aha, so sieht also ein AKW aus!“. Oder Krankenhäuser: Krankenhäuser haben gefälligst so auszusehen, wie das Bethesda, das Maria Hilf, oder das Franziskushaus in Mönchengladbach. Oder ein Bahnhof muss irgendwie so eine klassische Front haben. Dann kam ich nach Japan. Dort sahen AKWs dann so ganz anders aus.

Richtig in Deutschland

Komplett falsch in Japan

Ich meine, das hätte ebenso gut eine Schuhfabrik sein können, oder ein Hochregallager für Tchibo. Und die japanischen Krankenhäuser?

Richtig. Alt und dann Anbau.

Falsch.Komplett falsch.

Sahen irgendwie aus wie Bürogebäude. Oder nehmen wir eine Uni – die Unis sahen auch aus wie Bürogebäude, teilweise auch die Hotels. Und sogar Bahnhöfe sahen aus wie Bürogebäude.

Japanische Uni (Meiji, Tokyo)

Japanisches Hotel (Washington, Tokyo)

JR Central Towers.jpg

Japanischer Bahnhof (Nagoya)

Mit anderen Worten, quasi jedes moderne, große Gebäude in Japan sah aus wie eine post-moderne Kiste mit ein paar angeflanschten anthroposophischen Rundungen. Man weiß ja heute, wo das alles herkommt: Aus Aachen, genauer gesagt von einem Aachener, Mies van der Rohe.

War im Bauhaus (ich meine jetzt nicht einen dieser Baumärkte) und emigrierte dann in die Staaten, wo ihm die Amerikaner zu Füßen lagen und er in der Folge eine postmoderne Schachtel nach der anderen hinsetzte: International Style (Lustigerweise interntional style. Diesen Begriff gab es in Japan schon im 19. Jahrhundert, für Häuser, die nicht im japanischen Stil gebaut wurden. Was Basil Hall Chamberlain in „Things Japanese“ 1890 zu der Bemerkung veranlasste: „It is called international style, because it is foreign to any national style.“)  . Setzte sich dann auch in Tokyo durch, oder vielleicht auch gerade, da man da nicht viel falsch machen kann, was gut ist für jeden extrem risiko-aversen Japaner. Das kann man alles im Detail bei Tom Wolfe: „From Bauhaus to our house“ nachlesen. Ganz ehrlich, das ist eines der besten Bücher aller Zeiten. Wirklich und ehrlich.

Seagram Building, Chicago 1958: Die allererste postmoderne Schachtel. Von Mies van der Rohe.

Und das schreibe ich jetzt nicht, weil ich mich als Bauingenieur über Architekten lustig machen will. Jetzt sollte ich deshalb an dieser Stelle, aber noch etwas gutes zum Ausgleich über die Architektur in Japan schreiben. Nachdem ich ja nun den Eindruck hinterlassen habe, dass alle Gebäude in Japan in etwa gleich aussehen (was in etwa stimmt), muss ich aber auch zugeben, dass es daneben in Japan die  irrwitzigsten modernen Gebäude überhaupt gibt.

Dies hier, ein sehr bekanntes Beispiel, ist keineswegs ein AKW, sondern das Gebäude von Fuji Television (etwa RTL aus japanisch).

Und das war hier einmal eine Bierhalle von Asahi Bier.

Und dieses tolle Kindermodengeschäft war so etwa 500 Meter von meiner Wohnung entfernt. Aber zurück nach Aerzen, wo wir in der Zwischenzeit angekommen waren.

Aerzen – nicht ganz so verrückt wie Tokyo.

DSCF2971DSCF2972

Hier ging es jetzt hoch und runter und so langsam dem Ziel entgegen. Und endlich hatten wir die Stadtgrenze von Rinteln erreicht.

Prima, jetzt endlich chillen, ein bißchen mit Racer Y über die Großartigkeit des gemeinsam Erlebten quatschen und dann ab in den Zug nach Hause. Wir fuhren die Einfallstrasse nach Rinteln rein und als wie links abbiegen mussten zum Start, da rief mir Racer Y zu, der vor mir fuhr: „Ich fahr weiter geradeaus zum Auto, Tschüss.“ Das war’s. Ich habe ihn nie wieder gesehen.

Jetzt könnte ich hier ja aufhören, aber so sind halt eine Menge RTF Fahrer – nicht besonders extrovertiert, bzw. an anderen Menschen interessiert. Er erinnerte mich an Klaus aus dem Bauingenieurstudium. Nun muss man wissen, dass die Bauingenieure sowie recht freudlose Gesellen sind. In den sieben Jahren in Aachen im Studium habe ich nur einen kennen gerlernt der lustig und kreativ war, Christian (wie der Entführte). Also im Prinzip sonst alle RTF tauglich. Jedenfalls nach einer Vorlesung gingen wir gemeinsam wieder Richtung Stadt und ich erzählte gerade den lustigsten Witz, den ich je gehört hatte. Ehrlich. Und ich war gerade bei der Pointe angekommen und schrie fast: „Und dann, dann sagt die Frau zum Arzt..“ Ich machte eine rhetorische Pause, und in dem Moment sagte Klaus: „Ich muss noch in die Mensa, Tschüss und bis morgen.“ Und weg war er.

Zugfahrt zurück? Lang. Müde. Dicke Beine. Diverse Stellen taten weh, von denen ich noch nicht einmal wusste, dass es dort Stellen gibt. Von Hannover bis Bremen sitze ich in einem Wagon mit ca. 20 jüngeren Punks. Deren Gequatsche ist ziemlich unerträglich, die Jungs sind besoffen und die Mädels sehen echt hässlich und fett aus. Sie machen die nicht- lustigsten Witze der Welt und ich bin zu müde um mir das Rad zu schnappen und durch den Zug zu gehen. Ich halte das tatsächlich die ganzen 90 Minuten zurück aus. Am Ende kocht das AAAdrenalin und ich habe seit langer Zeit mal wieder Lust auf eine Prügelei. Hm, die letzte liegt auch schon wieder fast zehn Jahre zurück. Doch davon ein anderes Mal.

5 Kommentare

Eingeordnet unter 2016, Touren

RTF Northeim. Ein schwarzes Regenloch. Deutschland.

Na, auch am Samstag in Northeim auf der RTF gefahren? Dann habe ich Dich gesehen!

Die Erklärung folgt später. Warum sollte man auch aus Bremen auf eine mehr als 200 km weit entfernte RTF fahren, wenn die Regenwahrscheinlichkeit 85% beträgt, man dafür morgen um 4:50 hr aufstehen muss, nachdem man am Abend vorher mit seinen Studenten den Abschluss ihres Studiums gefeiert hat? Alles gute Gründe, die dafür sprechen das alles sein zu lassen – es sei denn die eigene Frau, wie so oft, drängt dazu: „Komm‘ jetzt, Du hast noch nicht genug Höhenmetern in den Beinen und Du willst in einem Monat in die Alpen. Ich will nicht, dass Du Dich dort blamierst und Leute komisch über unsere Familie reden!„. Nicht nur meine Frau baute da Druck auf, sondern auch die wohlmeinenden besseren Hälften von Hannes und Eddie (nach eigenen Angaben) und so fanden wir drei uns morgens im fünf im leichten Nieselregen vor meiner Garage ein und machten uns auf den Weg nach Northeim.

Northeim, wie der Name schon vermuten lässt, liegt nicht im Norden, denn sonst würde es ja „d“ geschrieben. Eigentlich liegt es nirgendwo, nirgendwo wo ich jemals war, oder nur in der Nähe war. Ein Teil Deutschlands, der sich bislang völlig meiner Wahrnehmung entzogen hat. Noch nicht einmal in der Grundschule, wo ich Flüsse, Gebirgszüge und Landschaften von der Etsch bis an den Belt bis zum Erbrechen lernen musste, kamen Northeim oder Solling vor. Solling, das war für mich ein Segelboot und Northeim eine Stadt für Legasteniker.

Tatsächlich liegt Northeim aber nur 2 Stunden Autofahrt von der glitzernden Metropole Bremen entfernt, verbunden durch eine leere Autobahn, getrennt durch  ein dickes schwarzes Regenloch, das sich von Nieseln zu kontinuierlichem Niederschlag auf der Hinfahrt entwickelt. „Wisch, wisch, wisch – KAWUNG!“ machen die Scheibenwischer, weil sich der rechte über die rechte Seite des Fensters hinaus bewegen will und heftigst gegen den Fensterrahmen anschlägt. Ein typischer Konstruktionsfehler eines Ford Galaxy, der seit drei Jahren auch nicht mit Direktimport von Spezialgestänge aus Fernost behoben werden kann – oder eben genau dadurch entstanden ist.

Der Start ist in Northeim an einer Schule, am Parkplatz gibt es noch jede Menge freie Plätze und innen drin noch jede Menge belegte Brötchen, hübsch drapiert auf einem Tisch; gemütliche Sitzecken, zwischen hübsch dekorierten Heizkörpern laden zum verweilen ein. Draußen regnet es weiter, da ist das die weitaus bessere Alternative.

IMGP1325

Raum- und Zeit-trennende Heizkörper

IMGP1326

Morgens am Start. Ein irres Gewimmel von Menschen.

Um 8 Uhr ist der Start für den 210 km Radmarathon, wenn ich mich nicht verzählt habe, machen sich acht Fahrer auf den Weg. Mir tut der ausrichtende Verein etwas leid, der vermutlich mehr als doppelt so viel Freiwillige aufgeboten hat, um die RTF durchzuführen. Es hat aber nicht jeder so ehrgeizige Frauen wie wir.

Zwischen den Raum- und Zeit-trennenden Heizkörpern treffen wir einen älteren Fahrer aus Erfurt, der mit dem rad gekommen ist, knappe 150 km. Welche Strecke der denn fährt? Gar keine, gleich geht es wieder zurück nach Erfurt. Verstanden habe ich das nicht.

Kurz vor halb neun versammeln sich die Starter unter dem Vordach am Haupteingang. Insgesamt zähle ich etwas mehr als zwanzig, die meisten aus der Umgebung, bis nach Hannover. Wir haben mit ziemlicher Sicherheit die weiteste Anreise hinter uns.

IMGP1328

Es kann gleich losgehen, so richtig aus will aber keiner.

Ein Repräsentant des Vereins hält eine anfeuernde Rede, die aber auch aufgrund des Regens und da er keine Lust hat da draußen nass zu werden, sehr kurz ausfällt: „Gute Fahrt! Und los jetzt!“.

Dann zieht das Feld ab durch den Regen. Selten war ich so lange in der Spitzengruppe einer RTF, gemütlich fahren wir so mit 30, 32 durch Northeim und bleiben erst einmal zusammen. Nach etwa 5 km sind die Schuhe und die Socken nass, dann auch Hose, Jersey und alles was sonst so an mir dran ist. Was nicht durch den Regen nass wird, erledigt der Schweiß unter der Regenjacke. Vielleicht sollte ich mir doch einmal so eine Castelli Gabba zulegen – aber mir fehlt einfac der Glaube, dass das wirklich etwas nützt. Genauso wie der Glaube an Überschuhe – ob man nach 5 oder 10 km die Socken nass hat macht keinen Unterschied bei 150 km Strecke.

Bei den erste Anstiegen zerreist es dann schon das Feld. Wir bleiben in einer acht Mann starken Gruppe. Ach so, ja eine einzige Frau am Start. Will wohl auch in die Alpen und wurde von ihrem Mann hierher getrieben. Bei den ersten Abfahrten schlägt der Regen bei höherer Geschwindigkeit unbarmherzig ins Gesicht. Oder vielleicht war es auch kein Regen, sondern Kieselsteine aus der Rückentasche von Hannes, die er immer dann schmeißt, wenn er droht zurückzufallen.

An der ersten Kontrolle nach 30 km haben wir uns an das Wetter gewöhnt, wir fahren gleich wieder weiter und bleiben in unserer Gruppe zusammen. Bei der zweiten Kontrolle, hinter den Höfen hat es langsam aufgehört zu regnen, mit viel Phantasie kann man im Westen ein Aufklaren erkennen.

IMGP1330

Hannes und Eddie vorne, aufklarendes Wetter hinten.

IMGP1329

Dummerweise ist das auch der Teilungspunkt für die 115er Strecke (rechts) und die 150/210er Strecke links, und so wird unsere Gruppe etwas kleiner. Einerseits. Andererseits können wir aber auch ein paar andere aufsammeln. Von nun an bleiben wir fast alles bis fast bis zum Ende zusammen: Hannes, Eddie, Deutschland (Alle nennen ihn Deutschland, weil auf seiner Hose groß Deutschland steht), Rolf, Rolfs Freund, ein rote und ein Blauer. Oder, wo ich so drüber nachdenke war der blaue rot, bis er seine Regenjacke auszog. Ich unterhalte mich mit ihm und den anderen; alle sind aus der Gegend, kennen sich super aus und sich irritiert über meine Frage, ob das hier bereits Zonenrandgebiet ist. Es beginnt der Anstieg von Dassel in den Solling. Ich fahre vorneweg mit Deutschland und wie unterhalten uns über dies und das.  Rolf mag das gar nicht, Rolf möchte vorne fahren, ist aber am Berg langsamer als in der Ebene oder Abfahrt und überholt uns mal wieder. Das macht er ständig, auch in den Kurven rechts und das macht mich ein wenig nervös. Rolf hat ein gutes Kharma.

anigif

Oben auf dem Solling warte ich auf Hannes und Eddie und wir fahren zu dritt flott den anderen hinterher auf der langen Abfahrt.nach Bodenfelde an der Weser. das macht nun richtig Spaß, die Strasse ist fast gerade und wenig technisch, es hat größtenteils aufgehört zu regnen und wir ziehen mit 40 plus unsere Runden.

Die nächste Kontrolle ist direkt vor einem Continentalwerk vor dem Anstieg auf den Totenberg.

IMGP1337

Noch mehr Regen. Gerade genug Zelt.

IMGP1338

Hier bleiben wir relativ lange, denn ein fieser Schauer kommt nieder und wir drängeln uns unter dem Zelt zusammen. Eigentlich ganz gut, dass nicht mehr fahren, denn da wäre es sau eng geworden. Also der Regen wieder abflacht machen wir uns wieder auf den Weg, zu uns ist in der Zwischenzeit noch Old Silverbeard gestossen.

Den verlieren wir aber fast wieder gleich auf dem nächsten Anstieg. Der sieht gar nicht so schlimm aus, aber nach mehr als 100 km durch den regen ist auch ein wenig Kraft weg, und die vielen Wellen täuschen immer mal wieder das Ende vor, dass aber noch nicht da ist, eine weitere Abfahrt, ein weitere Welle. Oben angekommen ziehe ich mir die Regenjacke aus und warte auf die anderen. Rolf fährt schnell durch, aber wo ist Deutschland? Ich warte auf Deutschland, der eine Minute später oben ist und ziehe Deutschland wieder an die Gruppe ran.

Das nützt aber alles nichts. Deutschland sieht ziemlich schlecht aus und fällt wieder raus. Old Silverbeard ist schon lange weg. Es regnet nicht mehr und langsam trocknet auch die Strasse.

IMGP1339

Rolf war’s mal wieder zu langsam und zieht davon.

IMGP1341

Vorne der Rote, der eigentlich blau war.

Das letzte Stück der RTF ist nicht wirklich schön – viel breite Bundesstraße mit Verkehr, das hätte der Veranstalter auch besser planen können – aber wir sind ja dankbar, dass wir überhaupt fahren dürfen.  Eine letzte Kontrolle nach 140 km. Rolf hat einen Platten. Sage ich ja: schlechtes Kharma. Oder vielleicht liegt es auch daran, dass er einen Schwalbe Ultremo fährt und trotzdem vor einer Continental Fabrik Pause gemacht hat. „Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort..“ sagte mein Opa dazu, und heute vermute ich, dass es mit „… große niemals“ weitergeht.

Noch 14 km. Die Streckenführung überrascht noch einmal mit einem Abstecher auf einem Feldweg.

IMGP1345

Rolf mal wieder vorne. Der Rote jetzt blau.

Geschafft. Ziel. Kein Mensch da, vielleicht drei, vier Fahrer und die gleiche Anzahl von Menschen vom Veranstalter, Cicli Northeim. Würstchen mit Kartofelsalat. Eine Cola. Duschen. Erstaunlicherweise sind wir trotz des schlechten Wetters gut brau geworden:

IMGP1346 IMGP1347

Als wir am Auto stehen trudeln Deutschland und Old Silverbeard ein. Deutschland bekommt von Old Silverbeard  eins auf den Deckel, sie hätten ja auch zusammen fahren können. Das tun mir dann, und zwar nach Hause.

Abgesehen davon, dass es (von Sonntag aus betrachtet) viel Spaß gemacht hat, es war auch ein wirklich notwendiges Training für die kommenden Abenteuer und neben Hannes und Eddie möchte ich besonders unseren Frauen danken die mit viel Verständnis, aber auch dem nötigen Druck, uns immer wieder auf den richtigen Weg führen. Dieser Weg sollte uns, damit wir auch wirklich in den Alpen bestehen können, in den nächsten Tagen noch einmal in den Harz führen, dies als kleiner Hinweis an unsere Frauen. Aber vermutlich kommen die ja selber drauf.

Strava

2 Kommentare

Eingeordnet unter 2015, Mob, Touren

Warten auf Bumsfidel. RTF Barrien.

„In Bremen an der Weser, Fleischergasse 8
da wohnt der Metzger Bumsfidel, der aus Kindern Hackfleisch macht
den Eltern gibt er’s wieder, wenn auch als Frikassee
auf diese Art und Weise, tut scheiden nicht so weh“

Mit diesem Reim versuchten mich meine Eltern in Kindertagen davon zu überzeugen, meine Suppe auszulöffeln, wenn sie mal wieder nicht so gut schmeckte. Bumsfidel, das war der Horror meiner Kindertage: omnipräsent wie Tritop, grauenhaft wie BZN und geheimnisvoll wie Idi Amin. Ich wurde erwachsen, dachte nicht mehr an Bumsfidel, bis an jenen schicksalhaften Sonntag im Juni 2015:

Markus und ich hetzten morgen uns halb sieben zur Bank an der Wehrstrasse, wo sich die bremischen Radfahrer zur Anfahrt nach Barrien trafen. Wir wurden herzlich begrüßt mit einem lautstarken: „moin, rhabarber, rhabarber, rharbarber, grummel, grummel“ begrüsst und wollten schon losfahren…..

IMGP1263

Sonntag Morgens um halb Sieben an der Wehrstrasse: Where the fuck is Bumsfidel?

….. als jemand auffiel, das Bumsfidel noch fehlte. Bumsfidel –  ein leichter Schauer rieselte über meinen Rücken und die noch behaarten Teile meiner Beine richteten sich leicht auf gegen den Nieselregen auf. Ein gelber Schatten am Horizont: „Da kommt Bumsfidel endlich!“

IMGP1264

Nein, es war nicht Bumsfidel. Bumsfidel kam nicht und so setzten wir uns in Bewegung Richung Barrien.

Die Barrien RTF heisst offiziell, zumindest auf der Referenzseite aller RTFs in Norddeutschland, Helmuts Fahrradseiten: „Quer durchs Hachetal„. Ich finde die Bezeichnung „Tal“ etwas irritierend, denn sie impliziert das Vorhandensein von Bergen oder wenigstens Hügeln um das Tal herum. Die Hügel müssen sich aber bereits vor langer Zeit  gen Süden verpisst haben. Oder meinte jemand damit die Berge an Butterkuchen, die das eigentliche Highlight dieser RTF sind?  Erste Fehleinschätzung.

Die zweite war, dass wir recht zügig nach Barrien unterwegs waren. Ich dachte, das wird eine gemütliche RTF die ich im 30/33er Schnitt abrolle. Mein Image war etwa so:


Also, locker rum fahren, ab und an ein Baguette aus den extralangen Trikottaschen ziehen und abbeissen, ’ne Fluppe zwischendurch rauchen und dann volles abtanzen im Technoclub in Barrien, um die überschüssige Energie loszuwerden.

Aber alleine die Anfahrt dorthin ließ bereits den Verdacht aufkommen, das es schnell werden könnte. Also erst einmal eine rauchen, wenn das schon bei der Fahrt nicht möglich ist und sich vorher gut verpflegen. Es ist ja schon unglaublich, was die Dorfvereine um Bremen herum (Goldenstedt, Visbeck, Barrien etc.) für so eine RTF an Kuchen und Broten zur Verfügung stellen. Ich bin versucht mit Rad und Kinderanhänger anzureisen, den Damen am Buffetstand zuzurufen: „Ich kaufe alles, stellen Sie es mir bitte in den Anhänger und schicken Sie mir eine Rechnung.“ und dann auf dem Marktplatz in Bremen zu verkaufen – ich könnte reich werden.

IMGP1265

Alles in den Anhänger bitte, aber zapp zapp!

Aber ich bin zum radeln gekommen und nicht um Geld zu machen. Also nehme ich ein Leberwurstbrötchen, einen Kaffee und mache mir eine Mentholfluppe an. Eins von den RCB Mädels starrt mich mit diesem Blick an, den ich nur zu gut kenne. Es ist der Blick, den mein Vater hatte, als ich ihm nach dem Abitur sagte, dass ich nun eine landwirtschaftliche Lehre anfangen würde und den Lehrvertrag bereits unterschrieben hatte; es ist der Blick, den mir meine Frau zuwarf, als ich ihr nebenbei sagte, dass ich zu meinem Geburtstag alle meine ex-Freundinnen eingeladen habe. Ich glaube die Idee des Blickes kommt ganz gut rüber.

Aber wie gesagt, ich bin zum radeln gekommen und wir stellen uns am Start auf. Und nach einer motivierenden Rede durch den Verein geht es los. Und wie immer bei einer RTF fährt man dann gleich 45 km/h ohne das richtig zu merken. Das Feld zieht sich schnell auseinander und Markus und ich sind recht weit vorne in einer Gruppe mit vielleicht 20 Fahrer. Es ist kaum jemand dabei den wir kennen, aber die Gruppe macht gutes Tempo und wir hängen dran, als wenn es um unser Leben geht. Das heisst, ich tu das, Markus macht das sehr souverän. Irgendwie fehlt mir heute die Power, das liegt a) an der Zigarette b) an dem Basso Stahlrad, das heute den Vorzug vor der Carbonmöhre bekommen hat und c) an der Angst vor Bumsfidel. Vermutlich. Vielleicht reichen in meinem Alter fast 6.000 km Training auch nicht mehr aus, um eine RTF schnell zu fahren, ich weiß es nicht.

Bei der ersten Kontrolle nach noch nicht einmal 30 km fahren wir durch. Wir sind jetzt nur noch zu siebt und das Tempo ist immer noch hoch. Irgendwo an einem Hügel nach 41 km müssen wir abreissen lassen, vier sind vorne weg, und wir drei sortieren uns neu. Bis wir dann unvermeidlich von einer größeren Gruppe überholt werden, in der sich die meisten schnellen Jungs vom RCB befinden: Philipp, Sebastian, Stefan, Benjamin, Tobias.. habe ich jemanden vergessen? Nein, Bumsfidel ist nicht dabei. Mit der Truppe geht es dann auch schnell, aber vor allem wesentlich gleichmäßiger weiter.

IMGP1271

IMGP1272

An der nächsten Kontrolle, nach etwa 60 km halten wir und fassen Butterkuchen, wie es sich gehört. Die korrekte Form der Nahrungsaufnahme bei dieser RTF ist der sogenannte „Barrienburger“: Zwei Stücke Butterkuchen, mit der Zuckerseite nach innen, so dass man sich nicht die Finger verklebt und mittendrin eine halbe Banane.

IMGP1266

Der klassische Barrienburger

IMGP1270

Die Freunden der Nahrungsaufnahme bei einer RTF, wenn man Strava eingeschaltet hat.

Es geht flott weiter, aber in dieser Gruppe macht es mehr Spaß zu fahren. Gleichmässiger, vielleicht etwas langsamer, aber es ist kein Problem mitzukommen und die Geschwindigkeit ist trotzdem hoch. Ruckzuck geht es durch das von hohen Bergen rechts und links umrahmte Hachetal.

IMGP1273

Durch das Hachetal: Links die Hachspitze und der Mont ‚ach, rechts hinter den Bäumen das Hacher Joch.

Die nächste Kontrolle ist nach ca. 103 km, ein etwas ungewöhnlicher Standort bei 115 km Streckenlänge, aber bitte. Es gibt keinen Grund für diesen Ort, da ist nur ein Haus und zwei nette Damen stehen da und verteilen Butterkuchen, den man nun nicht mehr wirklich will. Der Körper sehnt sich nach Bratwurst, Mettbrötchen und Gulaschsuppe – Hauptsache salzig. Die letzten zehn Kilometer sind dann höllisch gefährlich, da ist teilweise viel Sand und Schlamm auf der Strasse vom Regen am Vortag – da hätte aber noch mal ordentlich gekehrt werden können. Egal, das Ziel ist um die Ecke und wir haben es geschafft. Dort treffe ich Eddie Spezial und seinen Sohn Harry Spezial, der gerade seine erste RTF überhaupt gefahren ist. Überhaupt sind irrsinnig viele nette Menschen da die ich kenne und ich muss an meine erste RTF in Bremen überhaupt denken (RSC Gold), da kannte ich wirklich niemanden.  Ds ist schon gut wie sich das entwickelt hat und ich sollte mir das nicht zerstören, in dem ich jetzt fiese Dinge hier auf dem Blog schreibe. Dazu gibt es allerdings auch keinen Anlass. Die Stuhrer sind bereits da, Silke und Olaf, Klapp-Rabe, Cobra, Thorsten, etwas später treffen auch Caro, Tanja und Silke ein. Überall gibt es etwas zu erzählen und zu hören.

IMGP1274

IMGP1275

Doch leider muss ich auch schnell wieder nach Hause, das Grauen in Form von „Chemiearbeit der Tochter am nächsten Montag“ steht vor der Tür.

Zuhause lade ich meine Daten auf Strava hoch (mit neuem Namen, um meiner Mitgliedschaft im RCOB Rechnung zu tragen) und definiere bei dieser Gelegenheit ein neues Segment über die gesamte Länge der RTF. Das Ergebnis ist recht interessant: Wie erwartet bin ich etwa genauso schnell wie Benjamin, mit dem ich zusammen gestartet und ins Ziel gekommen bin und immer noch ’ne halbe Stunde langsamer als die Schnellsten.

Clipboard02

Und ich bin 40 Minuten schneller als Sebastian, mit dem ich ebenfalls gleichzeitig gestartet und ins Ziel gekommen bin? Wie hat der das denn geschafft? Und wieso daddelt Thorsten mit 26 km/h wie auf einem Hollandrad rum und belegt den letzten Platz in der Stravaliste?

Clipboard01 Ich glaube, das ist die elektronische Frikassee-rache von Bumsfidel.

2 Kommentare

Eingeordnet unter 2015, Blitzrad, Bremen, Caro, Mob, Olli, Silke, Touren

RTF Goldenstedt. Preview.

Nach etwa 150 km erreichte ich den TRATS der RTF an der Marienschule in Goldenstedt. Torsten, Silvia und ich standen an um einen relativ hässlichen Rundstehtisch aus Plastik, auf den ich meine Cola gestellt hatte und mein Blick fiel auf eine Plakette, die in der Mitte des Tisches angebracht war: „Zur Erinnerung an eine schöne Zeit: Irmgard Möller, Schulleiterin 2004 bis 2008.“ So eine Plakette hätte ich später auch gerne einmal an meiner Hochschule, vielleicht angebracht an einen Schwamm oder einen Overhead Projektor.

IMGP1220

Am Start, im Startblock G ganz hinten mit Anne, Thorsten und Sebastian.

IMGP1223

Impressionen aus Goldenstedt: Platz der deutschen Einheit, es spielen dort gerade die Blue Men auf. Im Hintergrund das Rathaus.

IMGP1224

Im Ziel (TRATS) an der Marienschule.

IMGP1225

Endlich im TRATS! Mit Sebastian, Silvia, Tosten und Thorsten.

IMGP1221 IMGP1222 IMGP1226

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2015, Bremen, Mob, Touren

RTFs im Testvergleich: Große Weserrunde vs. Lauenau

1409 RTF Lauenau h

Vorsicht, Beitrag enthält Weser.

An den letzten beiden Wochenende hatte ich das Vergnügen an zwei RTFs teilzunehmen. Doch welche ist unterm Strich besser gewesen? Große Weserrunde und RTF Lauenau im streng wissenschaftlich-analytischem Vergleich.

Die Auswahl der Vergleichskriterien für Produkte der Serviceindustrie ist ein komplexes Unterfangen über dass sich die Forschung bislang nicht einig ist. Diverse Forschungsergebnisse, beispielsweise Groeninger [2017], Oehm [1897] oder Matze [2020] bestätigen dies, auf eine einheitliche Definition von Mindestkritierien kann sich nicht festgelegt werden. In Anlehnung an Boertz/Döring [2014] die in jeder empirischen Arbeit erwähnt werden müssen, wird der gegebenen Komplexität durch eine angemessene Chaotik in Methodik und Durchführung Rechnung getragen. Zahlenmässige Angaben in Form von arabischen Zahlen wurden nach Dilbert [1999] ermittelt und bewertet.

5652.strip

Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, wurde die Einführung an dieser Stelle beendet und mit dem Vergleich begonnen.

1. Anreise

Große Weserrunde

= große Anreise. Treffpunkt morgens um 4 Uhr am Bahnhof. Zumindest gibt mir dies die Gelegenheit meinen 14 jährigen Sohn zu treffen, der sich zum Zeitpunkt des Frühstückens auf einem Ausflug in die Küche begibt, um Nahrung für seine nächtlichen Onlineballerspieleskapaden zu beschaffen. Im Zug dann in einem Abteil mit dem was Bremer Clubs eben so Samstags Morgens um 4 Uhr ausgespuckt haben und nun auf dem Weg zurück in die Provinz ist. Neben uns sitzt ein Typ der den Abfallkorbdeckel öffnet um herreinzubrechen, ein angesichts getrübter Zielgenauigkeit hoffnungsloses Unterfangen. Tobias kann ihn gerade noch überreden die Toilette zu benutzen, wir hören ihn würgen und kotzten noch bevor sich die automatische Tür wieder schließt. Leider die Kamera nicht rechtzeitig zur Hand gehabt.

Da die Bahn von sechs bis neun einen Streik angekündigt hat zittern wir dann in der S-Bahn an jedem Bahnhof zwischen Wunstdorf und Bückeburg ob der Zug wieder anfährt oder eben nicht wieder. Doch Lokführer sind auch nicht doof, wer will denn schon am Samstag morgen in Haste drei Stunden rumsitzen, da haste nix von. S-Bahn fährt zum Glück weiter bis nach Bückeburg wie geplant. Von dort aus über einen ersten Berg nach Rinteln.  Im dunkeln konnten wir den zum Glück nicht sehen, wären sonst vermutlich wieder umgekehrt. Das Ausmaß unserer Leistung wird erst auf dem Rückweg erkennbar.

RTF Lauenau

Der Wecker klingelt um 6:45 Uhr. Dann wird klar dass es nicht der Wecker ist sondern ein Anruf von Hannes, der mich fragt wo zum Teufel ich denn bleibe, denn wir wollten mit seinem Wagen um 6:30 Uhr bei ihm losfahren. Anziehen und frühstücken wird ein wenig hektisch, aber dann fahren wir in Seelenruhe nach Lauenau wo wir 1 1/2 Stunden später bei guten Wetter ankommen. Nervend: Gang vom 80 Meter entfernten Parkplatz zur Anmeldestelle im Schwimmbad – das kostet ein paar Körner.

2. Begleitung

Große Weserrunde

10589790_10204789067714407_2071511822_n

10685200_10204789067514402_631266585_n

Mit Philipp, Jonas und Tobias im Zug. Gute Stimmung wie üblich. In Rinteln warten dann auch noch Jan und Sebastian auf uns; wir bekommen eine eigene Startzeit und radeln in unserer Gruppe los. Recht schnell wird klar, das ich der langsamste von allen bin, was dann dazu führt das sich relativ entspannt am Ende der Gruppe vor mich hingurken darf. Ein paar Mal, insbesondere an Anstiegen falle ich hinten raus, aber oben oder bei der Abfahrt warten alle immer nett auf mich, einpaar Mal zieht mich Tobias wieder an die Gruppe ran (Danke). Insgesamt klappt es aber sehr gut und der Leistungsunterschied ist auch nicht so signifikant. Ganz am Ende kneife ich dann vor der Route durch die Berge von Aetzen (Aerzen) und ziehe es vor mit den neu gewonnen Küs Freunden an der Weser und somit am Atomkraftwerk nach Rinteln zu fahren. Keine Nennung des Wortes Atomkraftwerk ohne einen Link zu S.Y.P.H.s Industriemädchen.

1409 RTF Lauenau 3

RTF Lauenau

Allein auf weiter Flur mit Hannes, kein Bremer verirrte sich nach Lauenau – doch ganz am Ende sehen wir einen im Trikot vom RCB. Eigentlich sollten noch Eddie und seine Frau mitkommen, die aber in letzter Stunden absagen. Da wir viel zu spät für den Start gekommen sind fahren wir quasi die ganze Strecke alleine. Gestählt durch die große Weserrunde bin ich in Bestform. Hannes darf ab und an vorne im Flachen Führungsarbeit machen, aber auf den Anstiegen und Abfahrten gebe ich zur Abwechslung mal das Tempo vor.  Auch nicht schlecht. Irgendwann überholen wir eine Gruppe gelber Visbeker und ein Mädel hängt sich an uns ran, muss aber dann wieder auf ihre (lahmeren) Jungs warten. Sonst lernen wir leider niemanden neu kennen. Mit Hannes fahre ich aber sehr gerne, da wir das gleiche Maß an Anstrengung und an Nicht-Ernsthaftigkeit in unsere Touren legen.

3. Strecke

Große Weserrunde

IMGP0535 IMGP0536 IMGP0537

Die große Weserrunde ist nicht ausgeschildert und da ich immer noch nicht im Besitz eines Garmins bin, bin ich auf Gedeih und Verderb meinen Garminausgestatteten Freunden ausgeliefert. Nicht, dass dies ein Problem wäre und auch das Routing mit deren Garmins funktioniert ausgezeichnet. Ich würde mir ja auch gerne einen Garmin kaufen, finde aber, dass diese sich von der Nutzerfreundlichkeit irgendwo zwischen einem Commodore 64 und einem IBM386 mit MS DOS bewegen: XCOPY C:\Test\ A: . Und seitdem Bedienungsanleitungen länger als 20 Seiten sind und nicht mehr auf Papier gedruckt werden, lese ich diese ungern – kein Zeit dafür.

Ansonsten gibt es bei der Weserrunde über die Streckenführung nichts zu meckern. Ab und an werden doch arg kleine Wege und Abkürzungen benutzt, in Hameln fahren wir einmal über die Terasse eines Biergartens und verfahren uns gleich anschliessend. Es geht fast immer recht dicht an der Weser entlang bis auf zwei Abstecher in die Hügel, einmal auf der Hinfahrt nach Hannoverisch Münden und einmal auf der Rückfahrt von Polle nach Aerzen. Da gibt es denn eine alternative Strecke, die sich aber im nachhinein auch als länger herausstellt. Über 300 Kilometer kommen so einige Höhenmeter zusammen, bei so einer Distanz bin ich dann auch froh, dass es nicht zu viele wurden. 300km sind lang und länger als Lauenau. Das hat den Vorteil, dass man anschliessend viel zu erzählen hat. So lange Distanzen bin ich bislang selten gefahren; Tokyo-Itoigawa Rennen 2008, etwa 290 km in etwas mehr als 10 Stunden auf dem Rad und 12 Stunden insgesamt und mit vielen, vielen fiesen Höhenmetern und Ampeln. Yokohama – Hamamatsu 2010 ähnlich lang und hart. Aber seitdem ich zurück in Deutschland bin, bin ich nur selten mehr als 200 km an einem Stück gefahren. Jetzt gibt es wieder viel von Heldentaten zu berichten.

RTF Lauenau

1409 RTF Lauenau i

Quasi direkt nach dem Start geht es mit den Anstiegen los. Die Strecke ist gut ausgeschildert in den Farben des ausrichtenden Radklubs Victoria Lauenau. Bereits nach 50 km haben wir fast 800 Höhenmeter in den Beinen. Die erste Abfahrt ist auf einer sehr schicken und schnellen Landstrasse und endet etwas abrupt und gefährlich an einem T Stück ohne Vorwarnung. dann geht es wieder in kleinen Wegen weiter hoch. Teilweise sind die Steigungen recht giftig und es fällt mir schwer alles im großen Kettenblatt abzuarbeiten – aber zunächst geht es noch. Die Landschaft ist jedenfalls großartig, viele Hügel, Wälder, einzelne Bauernhöfe hier und da und das alles bei sehr gutem, sonnigen Wetter aber auch nicht zu heiß. Eine Gegend zum verlieben – man möchte noch einmal 20 sein und neu anfangen, am besten gleich in Tevenhausen. Obwohl heiraten, Kinder großziehen etc. sind größtenteils vollbracht und wenn ein Drehen zurück an der Uhr dies wieder nach sich ziehen würde dann vielleicht doch eher nicht. Bei Tevenhausen fahren wir einen Teil der Strecke zwei Mal. Dazu kommen ab und Radfahrer entgegen, vermutlich von der Marathontour. Das ist etwas irritierend aber wir lassen das nicht zu. Raus aus de Kalletal zurück an die Weser  setzen wir bei Großenwieden mit der Fähre über. Das ist originell und kann nicht jede RTF bieten. An der nächstgelegenen Verpflegungsstation klärt und ein älterer Herr mit noch älterer Team Telekom Mütze auf, dass wir nun die Auswahl zwischen zwei Strecken zurück nach Lauenau haben: Die flache Alternative, oder noch einmal den Berg hoch zur Schaumburg und weiter zur Paschenburg.

1409 RTF Lauenau l

Das wollen wir natürlich unbedingt, einmal das Palais Schaumburg sehen! Oder einmal Palais Schaumburg sehen? Die Steigung zieht noch einmal ordentlich an und bringt mich letztlich auf das kleine Kettenblatt. Danach eine super Abfahrt bis fast nach Lauenau rein. Streckenplanung also super, fast keine Bundesstrassen, viele Anstiege auf kleinen Strassen, viele Abfahrten auf geräumigen Alleen. Aber eben auch schon nach 150 km zu Ende.

1409 RTF Lauenau b 1409 RTF Lauenau c

4. Verpflegung

Große Weserrunde

IMGP0533

Verpflegungsstationen etwa alle 50 km. Manchmal gibt es nur eine Cola und einen Stempel aber fast alle Lokationen sind großartig. Der Campingplatz Himmelspforte direkt hinter dem Regipswerk Bodenwerder wird mir auf ewig in Erinnerung bleiben: “Es ist verboten warmes Wasser von den Toiletten mitzunehmen”. Es ist vermutlich auch verboten kalt in die Becken zu pinkeln. Dicke Holländer in frottierten Bademanteln kommen wir aus den Waschräumen entgegen. Irgendjemand hat doch die Uhr zurückgestellt, oder?  In Holzminden eine Blockhaushütte namens „Hafenbar“. Ich denke an Ford Capri, Batida de Coco, Tritop und wilde Wodka Parties kurz hinter Tschernobyl mit Alwin und Peter. Dier Verpfelegung ist OK, das Mittagessen in Hannoversch Münden auch udn die einzige Gelegenheit mal mit ein paar anderen Leuten zu sprechen. Wir treffen zwei Zigarrenliegeradfahrer und unterhalten uns mit ihnen, der eine fährt ein Cabrio, der andere vollverkleidet. Ich stelle mir vor, wie sein Cabrio bei Regen vollläuft und nur noch der Kopf vom Kinn aufwärts aus dem Wasser in seiner Kiste hervorragt. Die übrigens auch nicht leicht ist: 36 kg wollen bewegt werden, vor allem den Berg hoch. Das Boothaus in Beverungen ist auch so eine Zeitkapsel. Wie hat das alles überlebt aus den Siebzigern?

Der letzte Rast in Polle ist der Hit: Wir sitzen auf einer Terasse auf einem Campingplatz an der Weser und bekommen Getränke, Kaffee und vor allem Erdbeerkuchen umsonst.Eigentlich wollen wir gar nicht mehr weiter und wünschten uns Torsten wäre mit seinem Eifelland Wohnwagen da. Am Ende dann auch noch Essen am Start. Alles wirklich gut organisiert.

RTF Lauenau

„Ein Salamibrötchen bitte“ „Das macht 50 Cent.“ Eigentlich möchte man ja dann sagen: „OK, geben Sie mir alle, ich verkaufe die am Montag vor der Uni für ’nen Euro“ aber wir sind fürs Radfahren und nicht für den Profit gekommen. An der ersten Station in Hemeringen nach ca. 30 km beisse ich in zwei leblose und labrige Waffeln bevor Hannes mir sagt, dass hier besonders das selbstgemacht Rosinenbrot zu empfehlen ist. Das ist wirklich gut. es gibt quasi alle 25 km eine Verpflegungsstation und so brauche ich nur einmal auf einen Riegel zurückzugreifen. Rosinenbrot gibt es überall. Bananen, Obst, Müsliriegel, nichts außergewöhnliches aber eben gut für eine RTF. Am Ende gibt es dann noch gegrillte Bratwurst und Kuchen. Der ist aber leider schon fast weg, da wir zwei Stunden nach der Meute gestartet sind und uns viel Zeit gelassen haben.

1409 RTF Lauenau 5 1409 RTF Lauenau 6

5. Rückfahrt

Große Weserrunde

Jpeg

Sebastian meinte, dass wir es locker im hellen wieder zurück nach Bremen schaffen. Schummerig wurde es allerdings schon auf der Rückfahrt nach Bückeburg. Die Bahn brachte uns dann einen weiteren, langen Aufenthalt in Wunstdorf ein, dummerweise war da dann auch schon lange das Shoppingcenter im Bahnhof geschlossen (bereits seit 14 Uhr!). So gegen 23 Uhr war ich zuhause, ein 19 Stunden Abenteuer.

tt151

Nicht Herr Sato.

RTF Lauenau

Hannes fährt, wir quatschen und nach ca. 1 1/2 Stunden setzt er mich netterweise zu Hause bei mir ab.

Fazit

Beides lohnenswerte RTFs, dieses Jahr haben wir neben diesen beiden auch wieder die Adlerrunde, der rote Fuchs und die Delmenhorst RTF gefallen. Visbek war auch nicht schlecht und auch Barrien. Bramsche fand ich nicht so doll. Schade, dass nun alles vorbei ist bis zum nächsten Jahr – aber wenn das Wetter gut ist, dann fahre ich noch den Münsterland Giro. Welche war nun besser? Keine Ahnung.

Handlungsempfehlung

Die Untersuchungen machen klar, dass eine Beurteilung der Qualität von RTFs anhand von standardisierten Kriterien nur dann eine signifikante Aussage haben kann, wenn die Anzahl der untersuchten Objekte deutlich erhöht wird. Aufgrund dieses Untersuchungsergebnisses wird empfohlen weitere Analyse in kommende Forschungsvorhaben einzubetten um auf der Basis gesicherter statistischen Erhebungen Aussagen zu treffen, deren mittlere Standardabweichung einen gewissen Grad von Allgemeingültigkeit zulässt.

Clipboard01

Kein Zusammenhang. Schafft aber auch bestimmt 51,151 km in der Stunde.

Der Autor dankt seinen Mit-fahrern und -forschern.

EoL

IMGP0544

2 Kommentare

Eingeordnet unter Blitzrad, Bremen, Mob, Rennen

Der Haken von Bert in Bramsche

Noch eine RTF: Am Samstag, also noch vorder Butterkuchen RTF in Barrien, die Tuchmacher RTF in Bramsche.

Bramschel, gab es nicht mal einen toten Ministerpräsidenten der so hiess? Bramsche liegt ebenfalls so unglücklich zwischen Osnabrück und Bremen, dass die Bahn Reisende über Oldenburg leitet. Optional steht auch die Benutzung der NWB offen, allerdings fährt diese in einem riesigen Halbkreis durch das Loch zwischen Osnabrück und Bremen und braucht fast 2 Stunden. Da ist es günstig, dass der Startpunkt der Bramscher RTF etwa 300m vom Hauptbahnhof der Stadt entfernt ist.

Trotz dem und trotz einer Startzeit von 9 Uhr muss ich dann doch den Zug nach Osnabrück um 7:07 nehmen. Umsteigen in Osnabrück und dann zurück Richtung Norden nach Bramsche geht am schnellsten. Ich bin um Viertel vor Neun da, hole mir eine Startnummer und stelle mich direkt an den Start.

1406 RTF Bramsche 1

Dieser ist an einer Hauptschule. Schön, dass es so etwas noch gibt. In Bremen heißt das Oberschule und hat meiner Ansicht nach konzeptionell die Ausrichtung Real-, Haupt- und Gymnasialschüler auf ein Niveau zu bekommen, das fernab jeglicher Schulform ist. Ich schreibe das nicht aus Ahnungslosigkeit, sondern weil ich einen Sohn habe der zwei Jahre lang eine Oberschule besuchte. Also, wenn denn einmal Unterricht geboten wurde und die Klassenräume in einem Zustand waren, der dies erlaubte. Oder wie es einer meiner Studenten einmal sagte, der ebenfalls in Bremen zur Schule gegangen war und vor den Ruinen einer Jugendherberge in Damme stand: „Boh, das sieht ja aus wie eine Schule!“ Daran erkennt man den Bremer. Die schlimmsten Schäden an der Hauptschule in Bramsche habe ich daher auch photographiert:

1406 RTF Bramsche 6

Diesmal eine Neuigkeit: Es fahren nicht nur Räder mit 10 bis 22 Gängen und evtl. auch Single Speed oder Fixies am Start sondern auch Räder mit absolut keinen Gängen. Nicht mal einer Kurbel oder einer Kette.

1406 RTF Bramsche 2

Und natürlich auch ohne Hinterradbremse. Aber Rolf Vector Wheels gehalten von zwei stählernen Armen. Am Start bin ich eine Weile hinter dem Rollerfahrer hinterher gefahren und konnte mich davon überzeugen, dass dies keine unbedingt gute Art der Fortbewegung ist. Vor allem für die, die hinter dem fahren, denn per se wird das Ding ja nach dem Anschubsen erst einmal langsamer, bevor der Fahrer dann weit mit dem linken Bein ausholt und dann, wenn man fast aufgefahren ist, bekommt man den Schuh fast in das Vorderrad geknallt. Als die Straße so breit wurde, dass ich vorbei konnte habe ich das gemacht und das Teil nie mehr wieder gesehen.

Ich musste auch vorbei, denn ich wollte in die Spitzengruppe. Und da war ich dann auch ganz schnell, vor mir fuhren vielleicht noch zehn Teilnehmer. es war aber auch ziemlich flott, jenseits der Vierzig. Bis der erste Hügel nach etwa 5 Minuten kam, ich rausfiel und dann erst einmal allein auf weiter Flur war, bis die nächste Gruppe kam. Mit der fuhr ich erst einmal weiter, bis wieder ein ganz fieser Berg kam und ich auch da rausfiel. Ich wollte schon absteigen, mich mit dem rechten Fuß auf die linken Pedale stellen und mit dem linken abstossen, da dies die einzige Möglichkeit schien, dass mich niemand mehr vor Angst überholen würde.

Das ging aber nicht, weil mir nun so langsam klar wurde, dass mein Hinterrad einen schleichenden Platten hatte. In einer der ersten Kurven in der neuen Gruppe hätte es mich fast rausgehauen, da plötzlich das Hinterrad anfing zu eiern. Und in der nächsten Kurve war es dann passiert. Also nicht mir, aber ein anderer Teilnehmer lag auf dem Boden da ihm zuerst ein Auto die Vorfahrt beim abbiegen genommen hatte und dann weitergefahren war. „Ist alles OK?“ fragte ich, „Alles bestens!“ war die Antwort, so wie es das ungeschriebene Gesetz des Radsports vorschreibt. So lange man noch den Mund aufmachen kann, die Zähne noch an der richtigen Stelle sind und ein verständlicher Satz gesprochen werden kann ist immer alles bestens, auch wenn Arme und Beine meterweit entfernt vom Körper sind.

Es war auch alles bestens, der Verunglückte holte auf ich auf, er war schnell weil komplett auf Adrenalin und zwar so stark, dass es ihm auch egal war, dass sein Hinterrad eine Acht hatte, ich weil ich langsam war und mit dem platten Reifen nichts riskieren wollte. Und so kamen wir an die erste Verpflegungs-Station nach 60 km. Schnell weiter. Am nächsten fiesen Berg, und davon gibt es einige, trägt der Verunglückte sein Rad hoch.  Das Adrenalin ist alle, der Schmerz noch da und die Acht im Hinterrad auch. Jetzt macht sie sich bemerkbar.

Ich bin vor dem Feld los, das ich wieder eingeholt habe, aber dann verfahre ich mich. Diese RTF ist wirklich schlecht ausgeschildert, mehrmals erlebe ich heute, dass die ganze Gruppe in die falsche Richtung zieht bevor der hintere Teil erkennt, dass man woanders lang muss. Vor mir eine Gestalt die ich kenne, endlich die erste überhaupt, denn bei dieser RTF sind gar keine bekannten Gesichter. Es ist Bert aus Visbek, einer von 9.921 Fischbachern und ich kenne ihn seit der RTF in Delmenhorst. Na ja, kennen ist ein wenig übertrieben. Ich habe ein Foto von ihm in Delmenhorst gemacht, da er mir mit seiner Ganzkörpertätowierung schon aufgefallen war. Ich dachte er kommt aus der Stadt. Egal, jetzt freuen wir uns zusammen fahren zu können. Bert ist etwas langsamer als ich, meist zumindest, und so fahre ich vor ihm her. Das hat auch noch einen anderen Grund. Bert fährt mit geschlossenen Zähnen und fast offenem Mund. Und wenn ich mich umsehe und schaue, ob er noch hinter mir ist, dann sehe ich einen Augenblick etwas, dass mich sehr stark an etwas erinnert:

Alien_by_Giger_sw_ESK_2066

Also, mit Zeitfahrhelm wäre es echt perfekt. Jedenfalls treibt mich das unglaublich an, ist ja auch keine Kunst schnell zu fahren, wenn man denkt, dass ein Alien hinter einem her jagt. Nachdem ich jetzt so viele gemeine Dinge über Bert geschrieben habe und dann konsequenterweise bei der RTF in Visbek im Juli erschlagen werde, möchte ich aber doch noch anmerken, dass Bert erstens sehr nett ist und zweitens ich auch sehr froh war da nicht alleine bei dieser schlechten Ausschilderung durch die Hügel fahren zu müssen.

1406 RTF Bramsche 3

Bert aus Visbek, ausnahmsweise von hinten.

Dritte Kontrollstelle, diesmal bei „Performance Sales International“, abgekürzt, P.S.I., das klingt geheimnisvoll und ich hätte nun geglaubt, dass ich nun dort fehlende Leistung einkaufen könnte. Weit gefehlt, da gibt es nur Pferde. Und halbe Bananen und Müsliriegel.

1406 RTF Bramsche 4

1406 RTF Bramsche 5

Nur noch 30 Kilometer bis zum Ziel. Ich fahre wieder in einer Gruppe, aber es ist etwas chaotisch. Ich weiß nicht die genaue Bezeichnung für das was die Gruppe praktiziert, aber ich denke „Gröpelinger Kreisel“ würde es ganz gut beschreiben. Wer die meisten Muckis hat kämpfts ich nach vorne und bleibt da, bis er nicht mehr kann.

Teilweise geht es wieder über Schnellstraßen, die Strecke ist nicht wirklich gut gewählt. Zwar gibt es jede Menge einsame Hügelstrecken, dazwischen aber immer wieder Passagen durch Dörfer und auf Bundesstraßen mit recht viel Verkehr. Uns es ist heiß, wirklich sehr heiß.

Nach 156 km bin ich im Ziel, dafür habe ich inkl. der Pausen etwa 5:06 hr benötigt. Flott gefahren, wirklich immer alles gegeben, im Gröpeliner Kreisel die Muckis spielen lassen. Eigentlich unvernünftig, denn am nächsten Tag wollte ich noch in Barrien fahren.

Duschen, umziehen, schnell zum Aldi Cola und Kekse für die lange Rückfahrt mit der NWB kaufen. Bei Aldi sind die Bramscher recht barsch. Egal, nur ab nach Hause.

1406 RTF Bramsche 7

Der Bramscher Bahnhof bleibt heute geschlossen, weil eine Vandalismus Veranstaltung abgehalten wird.

Fazit: Leistung = Performance OK, Strecke hügelig und nett bis auf die Bundesstraßen, Bohmte auf der anderen Seite der Autobahn ist trotzdem besser. Auschilderung bescheiden, Duschen prima, alleine = langweilig. Danke an Bert.

3 Kommentare

Eingeordnet unter 2014, Mob, Touren

Alles was man über Delmenhorst wissen muss. Und Angst hat zu fragen.

1405 RTF Delmenhorst 1

„Und hier“, so klären mich meine beiden Begleiter aus Delmenhorst auf, „hat man vor ein paar Wochen eine Leiche im Bach gefunden.“ Einige hundert Meter weiter gibt es eins von drei Hochhäusern in der Stadt; und von diesem ist  vor kurzem jemand gesprungen ist. Vorher gab es noch einen Häuserblock mit abgebranntem Dachstuhl, alle dort lebenden Familien mussten evakuiert werden. Willkommen in Delmenhorst.

Ganz so schlimm ist es dann doch nicht, wie man im Stadtführer über Delmenhorst nachlesen kann. Kein Vergleich zu Emden … oder gar Wilhelmshaven.

So wundert es nicht, dass die RTF Delmenhorst direkt und schnell aus der Stadt führt. Diesem Umstand ist es dann auch zu verdanken, dass diese RTF eine der schönsten Strecken überhaupt hat und eine recht clevere Streckenführung; also schnell raus aus dem Stadtgebiet bevor die Gangs die Räder unterm Sattel wegklauen bis nach Colnrade zum einzigen Verpflegungspunkt und von dort aus entweder gleich zurück in die Favelas der norddeutschen Tiefebene  (80 km) oder aber eine weitere Schleife drehen (120 km), oder noch eine weitere und andere Schleife um den Verpflegungspunkt fahren (155 km). So kann man ganz entspannt losfahren und sich beim fahren überlegen, welche Strecke man zurücklegen möchte. Das ist gut, insbesondere dann wenn für den nachmittag Regen angesagt ist.

Zusammen mit Tobi(Live) bin ich bislang nur einmal die RTF Delmenhorst gefahren, das war 2012. Damals fuhren wie die sehr seltene 138 km Strecke, die es offiziell an sich nicht gibt. Im wesentlichen handelt es sich dabei um die 120 km Strecke die man dann durch verfahren geschickt um 18 km verlängern kann.

Für eine RTF muss natürlich gut trainiert werden, damit der Körper die Belastung von 80 oder 155 km Fahrt gut durchsteht. Am besten fängt man damit nicht zu früh an, denn dann ist die Motivation zum trainieren bereits lange vor der RTF aufgebraucht und man kommt letztendlich ohne Power zum Start. Ich denke ein guter Trainingsbeginn ist etwa drei Tage vorher, da kann so ein Mißgeschick nicht passieren. Und so machte ich mich drei Tage vorher nach der Arbeit mehr oder minder in Arbeitsklamotten auf die Fahrt durch das Blockland. Ich kam an der Straße nach Ritterhude an, machte ein paar Photos von meinem Basso Fixie und mir und wollte gerade rechtswümmig zurückfahren, als eine ganze Truppe von Rennradfahrern von Ritterhude kommend auf den Deich einbog. „Prima“, dachte ich, „trainiert hast Du ohnehin schon mehr als genug, da hängst du dich jetzt dran und lässt dich nach Hause ziehen.“ Ich machte also mächtig Dampf und als ich dann dran war fragte mich gleich einer aus der Gruppe: „Kommst Du mit?“ „Klar“, antwortete ich, das waren ja nette Leute. Dieser Eindruck korrigierte sich aber schnell und auf der nach unten offenen Norddeutschen Nettigkeitsskala wurde in den folgenden Minuten eine „minus drei“ abgelesen.

Ach so, ich dachte Du gehörst zu uns und kommst bei dem Tempo nicht mit.“
Nö, das Tempo ist schon OK
„Kannst gerne mit uns mitfahren.“
„Prima, Danke“

Einige Sekunden später.

„Du hast keinen Helm. Du kannst nicht bei uns mitfahren. Das sind die Regeln im Verein. Fahr raus.“
„Von welchem Verein seit ihr?“
„Von therafit. Fahr jetzt raus.“
„OK, Tschüss.“

Na ja, ich hatte halt keinen Helm, weil ich direkt von der Arbeit kam. Und Helm mit weißem Hemd und Krawatte sieht soooooooo 1990 aus. Also ich finde das schon OK mich dann aus der Gruppe rauszuschmeißen. Nun war aber die allgemeine Erwartung an mich, dass ich mich zurückfallen lasse und brav hinter denen herfahre, bevor die Therafitgruppe dann irgendwann am Horizont vor mir verschwindet. Das wiederum fand ich eine sehr doofe Idee. Ich ließ mich zurückfallen um aus der Lücke in der Gruppe rauszukommen, dann stieg ich in die Fixieeisen und trat so gut wie ich konnte mit meinen spitzen Lederschuhen in die Pedale bis ich an dem gesamten Feld vorbeigezogen war. Mit Hemd und Krawatte wäre das noch cooler gewesen, aber mit Poloshirt war das sicherlich auch sehr eindrucksvoll.

Nun fuhr ich mit 35 km/h und gefühlter 120er Trittfrequenz etwa 20 Meter vor dem Feld her. Das war nun wirklich lustig. Also für etwa 35 Sekunden. Dann merkte ich, dass die Therafittruppe auch fast einen 35er Schnitt fuhr und drauf und dran war mich wieder einzuholen. Mit anderen Worten: Die hatten Blut gerochen, denn eigentlich war das ja, wie sich später herausstellte, nicht die 30+, sondern die langsamere 25+ Gruppe von Therafit. Das ging ja nun gar nicht. Ich musste also nun richtig reinhauen, alles geben und mich aus Coolnessgründen auf keinen Fall umschauen. Und dann hoffen, dass irgendjemand in der Gruppe „Langsamer!“ schreit, weil er nicht mehr mitkommt. Mann, war das anstrengend, so hatte ich mir trainieren an sich nicht vorgestellt. Mit konstant hohem Tempo ging es dann an der Wümme lang bis zum Kuhsiel. Dort ging mir nun endgültig die Puste aus uns so fuhr ich geradeaus weiter, in der Hoffnung dass die Truppe rechts Richtung Platzhirsch abbiegen würde. Was sie denn auch tat. Lässig lehnte ich an dem Geländer, nahm eine Schluck Wasser aus der Flasche und blickte ihnen nach.

Damit war das Delmenhorst Training beendet.

Am RTF Tag selber hatte ich Sportverbot von meinem Zahnarzt. Am Tag vorher hatte er mir zwei Backenzähne gezogen und dafür eine Packung Paracetamol in die Hand gedrückt.

„Und die nächsten drei Tage kein Sport.“
„Was ist mit Radfahren?“ 
„Na ja, schon OK, aber nicht Rennrad auf Zeit nach Wilhelmshaven!“

Wilhelmshaven? Emden? Bin ich lebensmüde, in diese Brutstätten des Verbrechens (siehe oben) wollte ich auf keinen Fall. Ich interpretierte die Aussage des Arztes so, dass nach Norden auf Zeit nicht OK ist, nach Süden aber schon. Und so kam ich am Morgen doch noch rechtzeitig nach einem Platten zum Treffpunkt an der Pappelstraße/Langemarckstrasse. Insgesamt, so hörte ich nachher, hatten sich 38 Teilnehmer aus Bremen dort getroffen, darunter auch einige die ich kannte. Philipp war da, sowie Jonas, Tobias, Torben, Silke und und und. Auf der Fahrt nach Delmenhorst hatte ich Zeit mich mit Silke zu unterhalten und gemeinsam bestaunten wir die Hazienda des kolumbianischen Drogenbarons, die er sich vor einiger Zeit an den Grenzen der Stadt Delmenhorst errichten ließ. Schlimm, wie sich das Verbrechen in der Stadt auch architektonisch manifestiert! Ich vermute übrigens, dass es sich um denselben Drogenbaron handelt, der auch in Japan am Rande des Tsukui Sees eine Villa mit Landrover besitzt.

Als wir an der Schule in Delmenhorst ankamen, waren bereits eine Menge Leute da, insgesamt sollen es über 300 Teilnehmer gewesen sein – Rekord für diese RTF. Jörg war da, wollte aber nicht fahren, Andreas, Karin, Torsten und und und.

CIMG9961

Andreas, wie man ihn kennt und mag.

CIMG9966

 

Jörg und ich und ein halber Kaffee. Die andere Hälfte hatte ich bereits einem Mädel…äh..geschenkt. 

Schnell war die Zeit um und ich hatte gerade noch Zeit einem Mädel meinen Kaffee auf die weißen Bibshorts zu schütten. Zum Glück sehe ich zu alt aus, als wenn das als Anmache gedeutet werden könnte. Diesmal wollten wir kein Erinnerungsphoto machen und so mogelte ich mich recht weit nach vorne am Start, um mit der ganz schnellen Truppe fahren zu können. Sicher wollten die mich mitnehmen, denn ich hatte ja nun einen Helm (Hallo Willi!).

1405 RTF Delmenhorst 2

Genau, so weit vorne war ich! Beste Platzierung dieses Jahr. Aber nur beim Start.

Und dan ging es auch schon los, nachdem der Mann mit der roten Fahne durch das Feld ging und die Gruppe neutralisierte, was immer das heißt.

1405 RTF Delmenhorst 3

Die ersten drei Kilometer fuhr ein Rennleitungswagen vorweg. Prima, da kann man ja locker warm werden, dachte ich mir. Allerdings fuhr dieser Wagen dann wohl mit 50 Sachen vorweg, so das sich Schwierigkeiten hatte in der Truppe zu bleiben. Nach etwa 5 km gab ich dann auf, ließ mich zurückfallen und war nun erst einmal allein zwischen Feldern. Aber zum Glück raus aus der Stadt! Ich holte einige andere Rausgefallene ein, aber die waren nun noch langsamer als ich und so war ich wieder alleine. Zum Glück kam dann die nächste große Gruppe, angeführt von Philipp, Jonas, Torben und Tobias von hinten und ich konnte mich dort einreihen. So fuhren wir einige Kilometer, bis Tobias dann seinen ersten Platten hatte. Es war nicht sein letzter heute: Drei Stück! Etwas asozial, aber vielleicht auch geprägt von den Eindrücken Delmenhorsts fuhr ich mit der Gruppe weiter, da waren jetzt vielleicht 20 Fahrer drinnen, unter anderem auch ein paar Triatathleten mit Lenkerausfsätzen und  hohen Zipp Felgen. Dabei waren auch die Armstrong Brüder, Lance, Neil und Louis, die nun eine Fabrik für Bodenbeläge aufgemacht haben. Die Trikots sahen aus wie aus Bodenbelägen gemacht und eigentlich sollte es Unternehmen heute doch klar sein, welche Bedeutung es hat, wenn Sie einen Kreis um das A in ihrem Firmennamen machen, auch wenn das sooooooo 1980 ist. Aber fahren konnten die.

Die Disziplin insgesamt in der Truppe war etwas locker und so klappte es nicht so gut mit den Wechseln vorne. Eigentlich war ich ganz froh, als wir dann am Verpflegungspunkt in Colnrade ankamen und sich die Truppe auflöste. Einige fuhren sowieso gleich durch, andere machten lange Pause und ich hängte mich an das Hinterrad des Erstbesten der wieder das Weite suchte. Der fuhr auch gut schnell. Es war trotzdem ein Fehler, denn er fuhr nur schnell die 80er Runde. An der Abzweigung zur 120er Schleife fuhr er geradeaus und ich alleine weiter. Aber zum Glück schlossen gleich zwei Triathleten zu mir auf, einer vom RCB. Mit den beiden ging es dann weiter. Machen die Triathleten die Führungsarbeit auf ebener Strecke geht es echt schnell, am Berg und auf Pflaster musste ich dann übernehmen. Gesprächig waren die auch nicht, aber es ging doch gut und schnell durch die Felder.

Bis es plötzlich zisch machte und mein Hinterreifen platt war. Ich hatte insofern Glück, als dass ich gerade Führungsarbeit machte. Einer der beiden Anderen fragte mich dann „Alles OK?“ und ich fragte „Hast Du einen Schlauch?“, weil ich meinen bereits auf der Anfahrt verbraucht hatte. Ich konnte ihm aus dem Gesicht ablesen, dass er erstens, einen Schlauch hatte und zweitens so gar keine Lust ihn mir zu geben, aber der Ehrenkodex der Radfahrer lässt einem da recht wenig Wahl. Zumal ich ihm auch 10 Euro für seinen Schlauch gab und ihm wünschte, dass er keinen Platten haben möge als er wieder losfuhr.

Ich traf dann zwei lustige Typen die auf Tourenrädern unterwegs waren und mir ihre Pumpe borgten. Noch besser, als ich wieder anfuhr gaben Sie mir Windschatten UND stoppten durch ihre bescheuerte Fahrtweise eine andere Truppe, so dass ich mich an die dranhängen konnte. Auf diese Art und Weise kam ich dann zum zweiten Mal zum Verpflegungspunkt.

Die beiden Triathleten waren schon weg, aber auch sonst war noch viel Männlichkeit vorhanden.

1405 RTF Delmenhorst 4

 Ich vermute mal, dass das irgendwas mit dem Hells Angels Logo Verbot zu tun hat.

Also fuhr ich wieder alleine los auf die letzte 155er Schleife. Das Wetter war ja immer noch gut zum Glück, kein Regen in Sicht. Alleine war ich nun recht langsam, aber bald holten mich ein Südschwede (siehe Startphoto) , ein Vegesacker und ein weiterer Teilnehmer ein und so fuhren wir zu viert weiter. Und so kamen wir zum letzten Mal an den Kontrollpunkt. Ich machte mich wieder auf den Weg, aber schon bald holten mich ein Südschwede (siehe Startphoto) , ein Vegesacker und ein weiterer Teilnehmer ein und so fuhren wir zu viert weiter. Kennen wir schon. Und täglich grüsst das Murmeltier.

1405 RTF Delmenhorst 5

Wie man sieht, alleine auf der 155er Schleife.

Aber nicht nur das, etwa 20 km vor dem Ende der RTF fing es nun richtig an zu schütten. Endlich, ich konnte mich einfach nicht an den Gedanken gewöhnen, dass ich mal eine RTF trocken fahren sollte nach den Erfahrungen beim Roten Fuchs und beim Velothon dieses Jahr. Ich wurde also richtig nass. Und während der Südschwede, der Vegesacker und noch einer erst einmal Unterschlupf an einer Lebkuchenhütte im Wald nahe der Stadtgrenze von Delmenhorst suchten, fuhr ich einfach weiter, über die Panzerstrasse bis in Delmenhorst wieder die Sonne schien und ich am Zielpunkt angekommen war. Eine sehr schöne RTF und mit An- und Abfahrt fast 195 km lang.

Am Ziel waren noch Torsten, Karin und Andreas; ich holte mir ein Brot und etwas zu trinken und wir hingen dort locker ab.

CIMG9972

CIMG9976

Später kam auch noch die Truppe um Philipp, die wohl dieses Mal die Seiche am Hinterrad kleben hatten.

CIMG9978

CIMG9981

Tolle RTF wirklich. Ich kam sogar noch getrocknet und trocken nach Hause und am Abend fing es dann wie verrückt an zu regnen. Zum Glück sass ich zu diesem Zeitpunkt wieder in Bremen, der sichersten Stadt im Universum jenseits von Betageuze.

Danke an alle die da waren. Photos werden noch nachgeliefert. Hier ist ein repräsentative Auswahl von offiziellen Photos. Wenn die Benutzung nicht OK ist bitte ich um Nachricht.

IMGP1568

IMGP1625

IMGP1699

IMGP1856

IMGP1999

 Die Jäger hetzen die Beute.

IMGP2239

IMGP2269

IMGP2301

Hat so einen Feldmarschallmäßigen Schritt, ist mir gleich aufgefallen.

IMGP2306

IMGP2359

Bananen teilen – habe ich als Teenie auch gemacht. Banana Split. Obwohl Ahoi Brause ist besser. Aber soooo 1970.

IMGP2382

IMGP2393

IMGP2399

IMGP2423

Super: Aero in der Boxengasse – da wird keine Sekunde verschenkt!

IMGP2427

IMGP2524

IMGP2529

Äh, nicht zu verwechseln mit den Armstrongs, die haben auch ein umkreistes „A“.

IMGP2562

IMGP2632

IMGP2676

IMGP2687

IMGP2688

IMGP2689

IMGP2690

2 Kommentare

Eingeordnet unter 2014, Blitzrad, Bremen, Karin, Mob, Touren

Bremen. (Magdeburg). Berlin. Bremen. Teil I: Bremen (Magdeburg)

Dies ist kein Bericht über ein ca. 750 km langes Randonneurrennen.

Bremen an einem  Samstagmorgen. Das Wetter ist so la la gut und das alljährliche Heimatrennen des RSC Rot-Alt-Gold steht da: Die Bremer RTF bzw. der Bremer Radmarathon. Heute ist meine dritte Teilnahme nach 2010 (Marathon mit dem Cervelo und Streckenrekord von 261 km), 2011 (Marathon, Bemerkungslos) und 2012 (Marathon mit dem Fixie). Was war 2013? Irgendwie konnte ich da nicht. Aber dieses Jahr wollte ich unbedingt wieder fahren.

Da ich am Nachmittag mit dem Zug weiter nach Berlin wollte hatte ich mich entschieden nur die 120km Strecke in Angriff zu nehmen und zusätzlich mit den Marathonfahrern bereits um 9 Uhr zu starten, während der Rest des Feldes erst ab 10:00 Uhr auf die Piste ging. Deutsche RTFs sind prima, hinfahren, anmelden, Startnummer, Sicherheitsnadeln die mit Sicherheit aus dem 20. Jahrhundert stammen in Empfang nehmen und raus an den Start. Kein Risiko von hohen Startgebühren gepaart mit schlechtem Wetter.

Es waren einige Teilnehmer da, aber nach meinem Gefühl auch nicht mehr als 2012. Einige hatten sich für die ganz lange Distanz angemeldet: Bremen – Quaanaaq – Bremen. Jedenfalls waren deren Räder so ausgerüstet.

1405 RTF Bremen Rad

Da war’s noch nebelig. Da dieses Rad allerdings mit Bodenradar und Funkleitsystem ausgerüstet ist, kann man damit auch bei völliger Dunkelheit und ohne Brille mit 145 m/h durch Gröpelingen fahren.
Eigentlich nur dann und so.

Am Start traf ich Don Seba der auch recht gut trainiert aussah. Dies so erklärte er mir hatte vor allem mit dem Umstand des Wechsel des Arbeitsplatzes (im Einzelhandel), aber nicht des Arbeitsortes (Gröpelingen)zu tun hat. Und dann stieß, zu meiner großen Freunde auch noch Kaipi zu uns. Wir waren jetzt ein echt starkes Quartett! Eine Sache gab mir allerdings doch zu denken: Kaipi hatte die Startnummer 444! Vier wird im japanischen „shi“ ausgesprochen (四) und somit die selbe Aussprache wie „shi“ (ist ja klar), was aber leider nun einmal sterben (死) bedeutet. Dreimal vier wäre dann nich 12 sondern entsprechend „tausend Tode sterben“. Von solchen Teilnehmern sollte man sich eigentlich fernhalten. Ich hoffe Kaipi hat es auch überlebt, denn seit Samstag hatte ich keine Kontakt mehr zu ihm.

Bei der Anmeldung war das Minarett der großen bremischen Akademikermoschee Bremia Sophia am Start noch in Nebel getauscht; beim Start hob sich nun schon die Spitze gegen den grauen Himmel an und außen krabbelte wie ein kleines Insekt der studentische Mitarbeiter an einem alten Tau hoch, um die Gläubigen des Technologieparkes zum Morgensabbatical zu rufen.

1405 RTF Bremen Start

Wie gesagt, das Minarett (links oben) war noch nicht ganz sichtbar. Don Seba (ebenfalls links, aber bunter) schon.

Und schon ging es los. Kaipi war übrigens mit einem Freund da, den ich bislang auch jedes Mal beim Radmarathon getroffen hatte. Wir fangen dann immer in der Mitte der RTF an zu reden und dann stellen wir (bislang dreimal) fest, dass wir beiden lange in Japan gearbeitet haben. Ich als Manager, er im Zoo glaube ich. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, wo man mit so einem Schnauzer sonst arbeiten könnte.

Kaipi’s Freund aus Peterswerder (durch Statisten nachgestellt).

Egal auch, wir treffen uns ja bestimmt 2014 wieder (und vermutlich bekomme ich dann eins auf die Schnauze).

Kaipi erzählte mir noch am Start, dass er bald zum Urlaub nach Barcelona fliegt, dann drei Wochen in und um die Pyrenäen fährt und dann vielleicht auch noch, wo er eh dabei ist, dann gleich zurück nach Bremen. Während wir uns so unterhielten, wurde der Start freigegeben und es ging in recht gemütlichem Tempo Richtung Platzhirsch, dem ersten Etappenziel. Hier konnte aussteigen und sich ausruhen, wer nun überfordert war. Nach dem Platzhirsch beginnt sofort eine extrem fiese Steigung die kein Mensch in normalem Tempo hochfahren kann. Und als wir oben auf dem Scheitel waren sahen wir, dass sich das Feld bereits recht lang auseinandergezogen hatte. Kaipi und ich beschlossen von unserer Gruppe auf die nächste aufzuschliessen. Ein weiterer Fahrer hatte die gleiche Idee und preschte voran, wir hinterher. Die Distanz war allerdings recht lang und unser unvermittelter Helfer war auch schneller ausgepowert als eine Silvesterrakte vom Baumarkt. Zum Glück sprang dann gleich Kaipi als zweiter ein, der etwa eine Ausdauer hat wie Voyager One. Mit seiner Hilfe schafften wir es fast bis auf die Gruppe (wir heisst nun nur noch Kaipi und ich) und das letzte Stück musste ich noch ziehen. Es half aber, das wir da schon am Kuhsiel waren und in die Kurve mussten – ich hatte aber auch richtig Körner gelassen.

Nun ging es weiter auf dem Deich und irgendwann kommt man dann zur Kreuzung mit der Borgfelder Heerstrasse. die Ampel ist dort immer auf Rot. Man wartet dann an der Strasse und bekommt relativ mißlaunig mit, dass nun von hinten die stehengelassene Gruppe wieder aufschliesst und der ganze vorherige Aufwand umsonst war. Diesmal aber nicht, wir kamen recht schnell rüber und so ging es nun weiter Richtung Wilstedt ud Zeven. Wir waren eine gute Truppe, vielleicht ca. 30 Fahrer, wechselten uns an der Spitze ab und machten so 35 – 40 km/h Tempo. Beim ersten Verpflegungspunkt in Neubühlstedt nach ca 35 km fuhren einige durch, aber wir pausierten kurz und waren immer noch genug für ein schnelles Tempo. In meiner Strategie für den Tag hatte ich allerdings nicht bedacht, dass meine 120 km Runde bereits nach 45 km von der Marathonstrecke abzweigt. Ich rief noch mal „Kaipi“, der hörte nichts und dann bog ich ab. Die nächsten Kilometer waren von Einsamkeit geprägt. Kein anderer Fahrer war auf meiner Strecke und ich machte mich so im 30er Tempo auf den langen Weg nach Hause. So ein Mist, daran hatte ich bei meiner Vorbereitung einfach nicht gedacht.

Dazu kam, dass die nächste Kontrollstelle in Hetzwege nach ca 90 km noch gar nicht besetzt war, da ich ja mit gutem Tempo eine Stunde vor dem eigentlichen 120er Rundenstart losgefahren war. Ich ging so langsam auf dem Zahnfleisch und die letzte Verpflegung war nun auch weg.

Kurz danach kamen die Strecken der 81er und der 120er Runde zusammen. So schnell, dass ich die 39 zusätzlichen Kilometer innerhalb einer Stunde zurückgelegt hätte, war ich nun auch nicht und so fan dich mich auf einmal vor einer größeren Gruppe mit TCB Trikots wieder. da ich mich noch gut fühlte, fuhr ich vor der Truppe bis zum nächsten Kontrollpunkt in Otterstedt vor. Eine Taktik die ich ein paar Tage später wiederholen sollte und die a) wahnsinnig motivierend und b) wahnsinnig anstrengend ist.

1405 RTF Bremen Stop 1

In Ottersberg traf ich dann Niels, Harald, Gerhard und diese beiden Mädels die ich auch immer sehe … wow, das fand ich nun richtig gut. das ist eben das schöne an dem Heimatrennen, man sieht so viele bekannte Gesichter. aber auch nur dann wenn man sozusagen Urbremer ist. dafür reichen übrigens vier Jahre. In Hamburg braucht man sogar fünf!

Nun wollten wir ja eigentlich gemeinsam zum Ziel radeln; ich fuhr an der Spitze mit Gerhard und Jan? und auf einmal waren wir nur noch zu dritt. Die beiden wollten auf die anderen warten, ich wollte zum Zug nach Berlin und so setze ich mich ab bis ich nach Borgfeld reinkam. Dann überholte mich Harald von hinten mit 40 Sachen und forderte mich auf mich an ihn zu hängen. Das habe ich dann auch gemacht, bis ich ihn an der besagten Ampel an de Borgfelder Heerstrasse in eine Konversation verwickeln konnte und wir nun dem Ziel entgegentuckelten. Harald erzählte mir von seinem Krankenhausaufenthalt auf Malle – nicht so schön. Um ihn aufzuheitern erzählte ich von einem Bewerber an unserer Hochschule, der auf meine Frage, in welchen Ländern der Welt er schon war u.a. antwortete:

„Auf Spanien!“

„Auf welchem Spanien waren Sie denn?“ 

„Ich war schon auf beiden Spanien: Mallorca und Ibizza!“

Und dann waren wir auch schon im Ziel, 122 km in etwa 3:45 h ist ja auch ganz OK, vor allem wenn mehr als die Hälfte davon solo war. Und so hatte ich ein wenig Zeit mich hinzusetzen und zu quatschen und Harald ein Stück Kuchen zu kaufen, damit er wieder bessere Laune bekam und sich des Lebens freute. Zum dank machte er dieses Photo von mir, das aussieht, als wenn ich schlechte Laune hätte und nicht er!

1405 RTF Bremen mob

Am Ziel waren wieder ein ganzer Haufen Leute die ich kannte, u.a. Hannes mit Freund Eddi (der könnte übrigens der Zwillingsbruder sein von meinem Studienfreund Ekki). Na ja, vielleicht wie ich Ekki in Erinnerung habe, bevor er geo-thermisch wurde. Bernd, mit dem ich bis 2011 bei RCB gefahren bin war auch da. Die Marathonfahrer waren da noch auf der Strecke, das sollte noch mindestens eineinhalb Stunden dauern bevor die eintrafen.

Hannes ist der Schwarm aller Frauen, da er seine Startnummer nicht mit Sicherheitsnadeln an seinem Trikot befestigt, sondern mit kleinen, runden Magneten von denen einer unter dem Trikot und einer außen über Startnummer und Trikot platziert wird. Das erregt garantiert die Aufmerksamkeit des weiblichen Geschlechts und führt mit an Langweiligkeit grenzender Sicherheit dazu, dass man von Blondinen mittleren Alters angesprochen wird.

Wir konnten aber nun nicht länger warten. Ab nach Hause, duschen Zeuch packen und auf dem Rad zum Bahnhof. Ich wollte um 20:00 Uhr bei meinen Freunden in Berlin sein, früh ins Bett geben und dann morgen ausgeruht beim Velothon starten. Mieses Wetter hatte sich ohnehin in der Zwischenzeit angekündigt, aber anders als bei einer RTF hatte ich bereits eine Menge Geld in Form von Startgebühren und Zugkosten vorab bezahlt.

Zunächst stand ist auf dem falschen Bahnssteig, denn mein IC nach Hannover wurde kurzfristig auf einen anderen verlegt. Der IC kam sogar pünktlich, fuhr aber dann mit 20 Minuten Verspätung los. Das bedeutet sofort, das ich meinen Anschluss in Hannover nicht bekommen würde; nach meinem IC fuhren nur noch ICEs von Hannover nach Berlin an diesem Tag. Was tun? „Bleiben Sie einfach sitzen und fahren Sie nach Magdeburg.“ sagte die Schaffnerin, und nehmen Sie dann einen Regionalzug nach Berlin.

Und so kam ich um 19:12 in Magdeburg an. Der Regionalzug nach Berlin, d.h. eigentlich nach Frankfurt an der Oder, war gerade weg (19:08) da der IC immer noch zu spät war und ich musste eine Stunde in Magdeburg auf den nächsten Zug warten. In Magdeburg, Zunächst einmal wurde ich auf Zigaretten angeschnorrt. Dann kam der Regionalzug noch einmal zehn Minuten später.

Das ist aber auch immer noch alles besser als mein letzter Besuch in Magdeburg. Das war am 18. Januar 2007, als ich eine Vorlesung an der Uni Magdeburg mit dem Orkan Kyrill teilte. Ich kam gerade noch mit dem letzten IC aus Magdeburg raus bevor der Zugverkehr eingestellt wurde. Mitten in de Dunkelheit, irgendwo bei Helmstedt blieb der Zug dann stehen. Da war es schon klar, dass er ohnehin nur bis Braunschweig fahren würde und nicht weiter bis nach Hannover.

Es passierte das, was immer passiert wenn Züge der DB unvermittelt anhalten:

Nichts.

Nach einer halben Stunde gab es dann endlich eine Durchsage:

„Durch den Orkan sind Bäume auf die Strecke gefallen. Wir warten nun auf die Feuerwehr, damit diese enternt werden.“

Danach wieder:

Nichts.

Allerdings begann sich nach relativ kurzer Zeit der Zug wieder zu bewegen. Um dann abrupt wieder anzuhalten.

Erneute Durchsage:

„Wir bitten den Reisenden mit der Motorsäge noch einmal zur Spitze des Zuges zu kommen.“

Und so schaffte ich es an diesem Tag, dank dem Reisenden mit der Motorsäge noch nach Braunschweig. Aber jetzt sass ich erst einmal in Magddeburg (to be continued).

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2014, Bremen, Kaipi, Mob, Rennen, Uncategorized

RTF Roter Fuchs: No dogs allowed

Wir waren also nun in der Ortschaft Flecken Greene im voll erschlossenen Neubaugebiet.

spielstrasse-blau1„No dogs allowed.“ (Tom Hanks ab etwa 08:58)

Und machten uns weiter auf den Weg, denn wir hatten noch gut 100km vor uns. Zusammen mit Racer X bildeten Hannes und ich eine richtig gute Truppe. Racer X mit Cervelo und Zeitfahraufbau zog uns überwiegend durch die flachen Stücke, von denen es leider viel zu wenige gab. An der nächsten Steigung zum Wenzer Berg zog es uns davon und wir dachten, dass dies das Ende unserer Freundschaft mit Racer X wäre. Aber er wartete bei der Abfahrt auf uns. Dann ging es, unvergesslich durch Grünenplan, eine Ortschaft die ich mir aus verschiedenen Gründen gemerkt habe. Die Streckenführung führte uns zunächst über wenig sinnvolle und im Kreis führende Steigungen und Abfahrten die sich im wesentlichen auf und um das Gelände der Firma Schott konzentrierten. DAS erfuhr sich in etwa wie eine Werksbesichtigung. Trotz aller Umwege, wir verbrachten viel zu wenig Zeit in Grünental. Wer hätte z.B. gewußt, dass hier einst Ludwig Ruhe eine Tierhandlung unterhielt, die sich zur größten Kanarienvogelhandelsfirma der Welt entwickelte (1993 dann pleite durch den Markteintrii von Tamagotchis)? Ich denke, wir in Deutschland können stolz auf unsere leistungs- und konkurrenzfähige Industrie sein, auf die Pioniere der früher Wirtschaftsjahre und dass was wir erschaffen haben, auch wenn es dann Grünental heisst.

Dem Labyrinth Grünenplans entkommen hatte ich die Gelegenheit hatte mich beim Anstieg auf den roten Fuchs abzusetzen. Oben am Kontrollpunkt machten wir eine längere Pause und füllten unsere leeren Batterien mit Bananen, Rosinenbutterstullen und Multivitaminsaft auf, den Lachsbrötchen waren hier weit und breit nicht zu sehen. Der rote Fuchs ist tatsächlich eine Waldgaststätte von der jede Menge Wanderer ihre Wanderung beginnen oder enden oder gleich sein lassen, um dort Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen.

1404 Roter Fuchs 18

Lachs und Fuchs

Ganz am Anfang hatte ich einen anderen Fahrer in einem wahnsinnig häßlichem Outfit überholt. Nach dem ersten Kontrollpunkt passierten wir den wieder. Dachte ich, denn ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass es zwei Menschen auf der Welt gibt, sie sich so etwas antun. Mein Glaube an die Menschheit ist aber nun wirklich naiv. Hier stand nun eine ganze Truppe von diesen Blut/Eiter oder Ketchup/Senf Fahrern aus Obernkirchen: Weltbekannt durch seinen Sandsteinabbau; das weiße Haus in Washington ist zum größten Teil mit Oberkirchener Sandstein erbaut wurden. Hätte es en Oberkirchener Modedesigner entworfen hätte es vermutlich eine rot-gelbe Fassade.

1404 Roter Fuchs 04

I have nothing to offer but blood, sweat and tears (Winston Churchill, 1940)

Wir waren aber wegen dem Wetter doch recht nervös und machten uns auf den Weg zusammen mit einer anderen Gruppe von Triathleten. Einige hatten normale Rennräder, andere fuhren Zeitfahrräder mit hohen Carbonfelgen und Lenkeraufsätzen und dritte hatten wiederum orange Kompressionssocken an, die bis nach Giesen und Grünenplan strahlten. Mit dieser Gruppe zusammen fuhren wir etwa bis Bisperode, wo siich alle bis auf Racer X von Hannes und mir an einem Anstieg absetzten, um dann kurz danach und vor dem nächsten Kontrollpunkt eine Abzweigung zu verpassen, so dass wir dann doch vor ihnen an der Verpflegung waren. Wieder keine Lachsbrötchen.

Es waren jetzt nur noch 22 km bis zum nächsten Kontrollpunkt und wir fuhren jetzt wieder zu dritt auf eine ziemlich fiese Regenwand zu. Zwar achte die Strecke zweimal den Versuch vor der Regenfront nach rechts abzubiegen, aber es begann nun immer stärker zu tröpfeln und als wir schliesslich, Schieber überholend, am letzten Kontrollpunkt angekommen waren, begann es aus allen Eimern zu giessen bis nach Giesen. Es war nun klar, dass wir völlig durchnässt am Ziel ankommen würden.

Es ist nicht gerade hilfreich, wenn man dann an der Verpflegungsstation, aus einem Vorbaudach an einem Einfamilienhaus bestehend, das Essen unter, die Getränke weit vor dem Dach, steht und neben einem erzählt jemand davon, dass er nun aufhört und sein Rad in den großen weissen VW Transporter packt und zurück nach Giesen fährt. Unwillkürlich denkt man, wow, in diesem riesigen Transporter ist doch bestimmt ne Menge Platz, da passen doch locker das Rad von Hannes, Racer X und mir rein und .. tschüss Wetter, Sayonara Regen. Einerseits, anderseits mag es ja jeder denken, wenn man aber durch die Freundschaft in einer knallharten Männertruppe  (Racer X, Hannes und ich) gebunden ist, dann mag es auch keiner aussprechen. Und so setzten wir uns wortlos und ohne Murren wieder auf die Räder und fuhren die recht unerfreulichen letzten 22 km zurück nach Giesen. Ich hatte zwar Schutzbleche am Rad montiert, da der Regen aber von überall kam brachte das Recht weg. Richtig gut war das nur für die, die in meinem Windschatten fuhren. Am letzten Anstieg packte Hannes noch das ganz große Kettenblatt aus und Racer X ging die Batterie aus. Er hing nun in den Seilen wie die Zink Kohle Konkurrenz des Duracell Hasen. Ich hing irgendwo dazwischen. Dan kamen wir gemeinsam in Giesen an, den Moment hat Karin großartig im Foto festgehalten.

1404 Roter Fuchs 10

Ankunft nass in Giesen

Und natürlich ist das wie jedes Mal: Die letzten Kilometer waren wirklich nicht spassig, aber wenn alles vorbei ist, ist alles toll und aufregend gewesen und man denkt nicht mehr an die Schmerzen. Ich habe aber am Samstag insofern weiter gedacht, als ich den Brooks Cambium C17 Sattel von meinem Rennrad abmontierte – das Teil ist über längere Distanzen einfach zu schmerzhaft, ich brauche etwas mit Loch in der Mitte.

1404 Roter Fuchs 08

War was?

1404 Roter Fuchs 09

Während Hannes und ich tief durchnässt und völlig aus der Facon ankommen, sieht Jonas mal wieder aus wie frisch von der Maniküre.

Die Zugfahrt zurück war wie immer lustig und ein wenig zu lang. Aber gearde noch lang genug um zwischen Sarstedt und Hannover komplett die Kleidung zu wechseln.

1404 Roter Fuchs 05

Willi, immer noch ohne Helm

1404 Roter Fuchs 06

Partyvolk

Neben allgemeinen renn- und radtechnischen Fragen, bietet die entspannte und unverkrampfte Atmospähre einer Zugfahrt die Möglichkeit auch einmal richtig interessante Fragen zu diskutieren, wie z.B. ob sich die anthroposophische Lehre Rudolf Steiners grundlegend verändert hätte, wenn es zur Zeit ihrer Entstehung bereits Masernimpfungen gegeben hätte. Die Bahn tut auch das ihrige dazu um die Zeit für solche Diskussionen bereitzustellen. Beide Züge waren verspätet, der letzte wegen eines Türdefekts, den die 54 jährige Schaffnerin und ihre 52 jährige Azubine vergeblich unter Kontrolle zu bekommen versuchten.

Epilog

Zwei Tage später wollten wir eigentlich in den Harz fahren, wenn ich mich richtig entsinne. Tobias, der sich listenreich durch eine Verletzung der Teilnahme entzog hatte eine Strecke vorgeschlagen (die er ja nun nicht mehr fahren musste) über 33 km und 45.400 Höhenmeter. Das gab dann den Ausschlag, dass ich nach und nach alle von der Idee verabschiedeten unter der Angabe verschiedener fadenscheiniger Gründe (Noch weiche Knie vom roten Fuchs, Minus Ein Grad auf dem Brocken zu kalt etc.). Nur ich musste dass nicht tun, denn es waren ja bereits alle draußen, was mir die Peinlichkeit eines Grundsuchens ersparte. Ich war dann aber doch ganz froh an dem bewussten Tag alternativ die Garage aufräumen zu dürfen.

Schön war’s und ich freu‘ mich auf das nächste Mal. Danke an alle Bremer und an Racer X, dessen Namen wir immer noch nicht kennen.

 

9 Kommentare

Eingeordnet unter 2014, Blitzrad, Bremen, Mob, Touren