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RTF Lauenau. 2017.

Gemeinsam mit 2014 und 2016 war 2017 die RFT Lauenau nicht nur die beste RTF in Lauenau, sondern auch die beste RFT 2017 überhaupt. Ein Loblied auf Lauenau, nach eigenen Angaben, „Heimat der Sitzmöbel.“

In Lauenau sitzt das Unternehmen Casala. Nie gehört? Aber vielleicht gefühlt, denn auf Produkten von Casala durften viele von uns vier Jahre lang sitzen.

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Hier sass einmal Thorsten Legat – auf „Kasalla“ Schulmöbeln.

Morgens um halb Neun ist von Kasalla in Lauenau noch wenig zu spüren. Träge dümpelt das Mineralwasser im Mineralwasserbad vor sich und wartet auch die ersten Besucher. Genau drei kamen am Sonntag, wie uns einer der Organisatoren später verriet, deutlich mehr um an der RTF von Victoria Lauenau teilzunehmen.

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Es ist kalt und wir sind mit einer ganzen Gruppe von Bremern da. Also nicht die, die ich gefragt hatte, mit Ausnahme von Hannes und Stefan, sondern die, die wir im Laufe des Tages kennenlernten: Ein RTFler, der mich von der Butterkuchenfahrt kannte und drei weitere die, nach eigenen Angaben, entweder auf dem Wümmedeich, oder in den Alpen fahren. Doch das wissen wir alles erst nachher. Jetzt müssen wir drei erst einmal bei 7 Grad losfahren; es ist kalt und wir haben noch 150 km und 2.000 Höhenmeter vor uns.

Obwohl wir mit die letzten sind, die an den Start gehen, überholen wir schnell auf der Landstraße raus ein paar andere Fahrer die noch kurz vor uns gestartet sind. Keiner ist schnell genug, oder hat Lust mit uns zu fahren, bis auf Racer X aus Wedemark. Wir wissen bis heute noch nicht, wie Racer X im richtigen Leben heißt, aber bei uns ist es mittlerweile eine alte Tradition alle unbekannten Mitglieder in einer Radgruppe als Racer X zu bezeichnen.  Ein Name, der übrigens von Tom Hanks ( ab 0:57 min) erdacht wurde.

Jedenfalls blieb Racer X an uns kleben und so wurde aus einer Dreier-, eine Vierergruppe mit der wir uns in den ersten Hügeln richtig gut warm fahren konnten. Direkt am zweiten Hügel, ich war eigentlich vorne und wollte das Tempo angeben, ging mir so richtig die Luft aus. Ich brachte einfach keine Kraft auf die Pedale und fuhr langsam und dann auch noch am Limit. Alle überholten mich und ich fiel einige zehn Meter hinter unsere Gruppe zurück. Das war ungewohnt und bitter – woran lag es bloß? Nicht genug zum Frühstück gegessen? Eine Erkältung im Anmarsch? Ein Fluch der auf diesem Hügel liegt und alle trifft, die mehr als zehn Jahre in Japan lebten? Wir werden es niemals wissen, aber es kratzte deutlich an meinem Selbstbewusstsein. Und so machten wir zum ersten Mal überhaupt bei dieser RTF am ersten Kontrollpunkt in Hemeringen Pause und tankten leckere Schmalzstullen.

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Hemeringener Schmalzstullen

Dann ging es schon besser. Nach 57 km kamen wir zu dem nächsten Verpflegungspunkt in Friederichshöhe, an dem wir prompt vorbei fuhren. Eigentlich hatten wir uns abgesprochen, dass wir dort nicht halten wollten. Und 50 Meter vor uns fuhren die rot-weißen, die wir nun zum zweiten Mal einholen wollten. Tatsache ist aber leider auch, dass die Strecke dort nicht einfach geradeaus weiter geht, sondern man am Kontrollpunkt links abbiegen muss. Da wir aber weiter geradeaus fuhren, hatten wir uns nun auf die sehr seltene, aber auch schöne 155 km Runde begeben. Ebenso wie die Rot-weißen. Also zurück zum Kontrollpunkt und weitere Schmalzstullen.

Dort klagten uns die Organisatoren ihr Leid: Immer weniger Helfer sind bereit eine RTF zu organisieren, einige RTFs sind bereits komplett eingestellt worden oder finden nur noch im zweijährigen Rhythmus statt, die Adlerrunde im Harz soll 2018 komplett ausfallen. Und nachher am Ziel erzählte man uns, dass weniger als 300 Teilnehmer 2018 dabei waren, „wir hatten schon einmal über 450„.

Das kann eigentlich nicht wirklich verwundern, wenn man einmal schaut wer und was bei einer RTF mitfährt: Da ist fast niemand dabei, der unter 40 Jahren alt ist, und vielleicht liegt es auch daran, dass ich dieses Jahr so viele neue Räder geschaut habe, da fahren ja fast nur Alu Räder die zehn Jahre plus auf dem Buckel haben! Und genauso sieht es natürlich auch bei den Helfern aus, bloß, dass die noch einmal 20 Jahre älter sind. Nicht als die Räder, sondern als die Teilnehmer.

Das ist alles schade und beklagenswert, oder man macht etwas dagegen. So wie der RCB, dem es 2017 ja gelungen ist, seine eigene RFT in Bremen erstmalig erfolgreich durchzuführen.

Zurück zur Strecke: Nun kamen wieder ein paar fiese Anstiege, zum Glück war ich nun auch deutlich besser drauf. Gerade rechtzeitig, um die schönsten Passagen dieser RTF zu geniessen.

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Lieblich geschwungene Hügel so weit das Auge blicken kann.

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Hannes bei der Abfahrt

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Hannes, nach dem Anstieg.

Ich mag diesen Teil besonders gerne, weil sich kurze Anstiege auf wenig befahrenen Straßen mit schnellen Abfahrten und schönem Blick auf die hügelige Landschaft abwechseln. Wie gerne würde ich in so einer Gegend leben und fahren, allerdings sollte so etwas wie Bremen doch auch gleich um die Ecke sein.

Stefan meinte zu recht, dass die Gegend doch sehr abgelegen ist und man sich fragen muss, wer da in zehn, zwanzig Jahren überhaupt noch wohnen wird. Sehr deutlich wurde das in Thevenhausen, am nächsten Kontrollpunkt. Hier ist ein Foto der örtlichen Metzgerei, aufgenommen im letzten Jahr bei der RTF.

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Metzgerei Goksch in Thevenhausen, 2016

Und hier Goksch noch einmal 2017:

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Metzgerei Goksch, Thevenhausen 2017

Will sagen: Wirklich viel passiert da in Thevenhausen nicht. In Japan, wo ich lange gelebt habe, ist dieses Problem noch deutlich ausgeprägter, da die Bevölkerung im Vergleich zu Deutschland dort früher angefangen hat schneller zu altern. In einigen Regionen gibt es Dörfer die komplett aufgegeben wurden, Dörfer in denen die Schulen seit Jahren verrammelt sind und nur noch Menschen über 60 Jahre wohnen und Kleinstädte in denen die Hälfte der Geschäfte verrammelt ist.

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Kabira, Ishigaki. Aufgegebene Schule.

Gegenüber der Metzgerei Goksch in Thevenhausen ist der Kontrolpunkt der RTF. Da steht ein Haus. Hm, dachte ich immer, also so ein normales Haus, da wohnt irgend jemand drin, der mit der RTF irgendwie zu tun hat. Nö, auch hier wohnt niemand mehr, aber die Toilette funktioniert noch. Hier riecht es nach Moder im Teppich und Schimmel auf Tapete. An den Wänden hängen Relikte der Vergangenheit.

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Wir machten uns dann auf die zweite Runde um das Kalletal, die die zusätzlichen 30 km der 150er Runde im Vergleich zur 120er bringt. Wieder durch diese tolle Landschaft.

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Nach dem zweiten Stop in Thevenhausen folgt eine „Transferpassage“ über Varenhold, Möllenbeck und Exten nach Großwieden zur Fähre über die Weser. Diesen Teil finde ich nicht so prickelnd. Es geht durch so ein Gewerbegebiet, wo ich schon einmal den Abzweig nach links verpasst hatte. Aber er war aber aus psychologischer Sicht recht interessant, da zum ersten Mal vor uns eine rote Ampel auftauchte. Fährt man in einer Gruppe mit Fahrern zum ersten Mal, sind ja die Regeln, was das anhalten bzw. überfahren von roten Ampeln angeht, noch nicht etabliert. An sich müsste man ja anhalten, aber Tatsache ist ja auch, dass man auch gerne mal drüber fährt. Aber wie werden die Anderen darauf reagieren? Gibt es dann gleich einen Rüffel, wird man aus der Gruppe ausgeschlossen, oder handelt man sich, wie letztes beim Silbersee Triathlon, eine „disziplinarische Maßnahme“ ein wegen „Verdacht auf Missachtung einer roten Ampel“.

Racer X war vorne und schaut sich mit schlechtem Gewissen um. „Los, weiter!“ schallt es von hinten.

Die Weserfähre in Großwieden ist ein weiterer Höhepunkt dieser RTF. Zum Glück liegt der Kontrollpunkt nun seit einigen Jahren auf der Seite, auf der man auf die Fähre warten muss, so dass sich warten, essen und trinken miteinander kombinieren lassen. Die Kontrollstation ist in eine „Schutzhütte“ integriert. Die brauchten wir auch, denn es fing nun heftig an zu regnen.

Als Bauingenieur muss ich hier mal sagen, dass diese „Schutzhütte“ echt mies ist. Sie besteht aus drei Wänden, die aus Garben (also Drahtkörbe mit Steinen gefüllt) gefertigt sind und einer offenen Seite nach vorne. Darüber spannen sich Stahlträger, die ein Glasdach halten. Das ist alles sehr aufwändig und teuer und 50% der überdachten Fläche besteht aus diesen dicken Wänden, die ja, im Gegensatz zu den Menschen dort, keine Überdachung brauchen. Wir waren zu viert, plus drei Personen am Kontrollpunkt und ein Hund und wir passten so gerade unter das Dach. Mein Prof hätte die Hände über den Kopf zusammengeschlagen und mal wieder etwas schlechtes über Architekten gemurmelt.

Im strömenden Regen setzten wir dann über die Weser, die Überdachung der Fähre bot einen vergleichsweisen guten Schutz.

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Weserfähre bei Großwieden

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Stefan, Racer X, Hannes und ich (v.r.n.l)

Zehn Minuten später waren wir bis auf die Socken nass. Zum Glück ging es jetzt auch auf die Schaumburg, so dass wir wenigstens warm blieben. Ich fuhr vorne weg, das Selbstbewusstsein war immer noch nicht ganz wiederhergestellt und die anderen hinterher. Hier ging gar nichts mehr im Wiegetritt, denn die Straße war nass und glitschig und verlangte einiges an Konzentration. Und ist man dann endlich an der Schaumburg, geht es noch ein ganzes Stück weiter, das hatte ich komplett vergessen.

Auf der anderen Seite geht es dann schnell runter. Dieses Jahr nicht ganz so schnell, weil die Straßen nasse waren, aber erstaunlicherweise hörte der Regen auch wieder auf und der Asphalt wurde trocken. Es war so, als wenn die Wolken an der Schaumburg hängen geblieben wären. Alles war gut, wir waren nass, aber jetzt konnten wir schnell ins Ziel fahren.

Dachte ich. Denn dann fing es wieder an richtig zu regnen. Heftig. Racer X fuhr neben mir und ich sagte zu ihm „Jetzt fehlt nur noch ein wenig Hagel.“ Und prompt fing es ein paar Minuten später an zu hageln. In so einem Wetter bin ich auch noch nicht gefahren. Ich ersparte mir einen Kommentar a la „Wenn es jetzt noch zu blitzen und zu donnern anfangen würde…“ denn ich wollte lebend nach Hause.

Und so kamen wir endlich am Ziel, dem Mineralbad wieder an. Racer X zog es gleich nach Hause, Hannes und ich duschten erst einmal und dann bestellten wir erst einmal Würstchen und quatschten was. Am Kuchenbuffet war das Blech mit Mohnkuchen schon komplett weg, Zetschgen ebenfalls, nur noch Apfel/Rosinen und „Streusel Melba“ war noch da, was etwas über die Beliebtheit der verschiedenen Kuchensorten aussagte. Ich bin ja auch der totale Mohnkuchen Typ, machmal stehe ich sogar nachts auf und hole mir den, genau wie Ulricke Jockiel sich die Yogurette holte.

Danke an Hannes, Stefan, Racer X und den Viktoria Lauenau für diese denkwürdige RTF.

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Ein Kommentar

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50 grey shades of Ostfriesland. RTF Leer.

FiftyShadesOfGreyBereits beim Aufstehen sorgte das Geräusch von Regen für schlechte Laune und der Himmel hatte in etwa die Farbe von #919191. Wenig später in der Neustadt, wo langsam die Samstagabend Parties ausliefen, war es zumindest #787878. Egal, für den Großraum Leer sollte es recht gut aussehen und so machten sich Silke, Andi und ich auf den Weg. 

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Der Himmel über der Neustadt am Sonntag Morgen.

Wir fuhren zur Fehn-Routen RTF in Leer; für mich war es das erste Mal. Olli meinte, dass diese eine sehr schnell RTF sei. Und da ich eher selten in Ostfriesland bin, mal eine neue RTF fahren wollte und neugierige auf ostfriesische Feen war, dachte ich OK, da musste mal hin. Als wir ankamen sah es so aus und es fing relativ schnell an zu nieseln. Ich denke, dass ist da normal, kein Mensch würde das dort als Regen bezeichnen.

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Über Leer sah das ganze schon viel besser aus.

Ich war überrascht wie viele Bremer den Weg nach Leer gefunden hatten, ich hatte das in den sieben Jahren in Bremen noch nie geschafft. Ein Student bei mir hatte bei seiner eidesstattlichen Erklärung der Bachelorarbeit mal  bei Ort (und Datum) geschrieben „Leer“; das hatte ich dick rot angestrichen und daneben geschrieben, er soll das nicht leer lassen, sondern gefälligst eine Stadt oder sein Dorf angeben.

Aber das ist tatsächlich eine Stadt oder grauem Himmel. Ein paar RCBler waren da, BBCler, einige Rot-Goldene, eine Truppe mit Olli aus Stuhr und dann die üblichen Gestalten aus den Nachbardörfern, die man immer wieder trifft und von denen ich immer noch nicht weiß wie sie heißen. Denen geht es umgekehrt mit mir wohl genauso.

Wir hatten nicht viel Zeit denn pünktlich um 10 ging es los. Zusammen mit Andi machte ich mich auf an die Spitze des Feldes zu fahren. Das klappte gut und das Tempo war RTF gerecht hoch, trotz Nieselregen und vielen kleinen Feldwegen, auf denen wir fuhren.

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Allerdings war das auch sehr furchteinflössend. Ich musste extrem konzentriert fahren, da das Feld recht unruhig war und immer wieder steil abgebogen wurde in neue Feldwege. Das war wie Intervalltraining: Rollen im Feld, dann bremsen, abbiegen, sprinten um die Lücken zuzufahren….in den Kurven fühlte ich mich auch nicht besonders sicher, vor allem dann, wenn das Geräusch von Split unter Reifen zu hören war. 80% meiner Energie brauchte ich, um zu treten, die restlichen 50% um meine Angst zu bekämpfen. IMG_1023

In diesem Zustand irgendetwas von der Schönheit der Landschaft wahrzunehmen war nicht möglich, ganz zu schweigen davon irgendwelche Feen zu sehen, die am Waldesrand standen. Zum Glück ging es nach einer Weile dann eher auf Landstraßen weiter. Das nahmen einige zum Anlass noch einmal zu beschleunigen und vorne weg zu fahren, Andi und ich blieben im Feld, auch wenn wir jetzt auf nasser Straße den Seich von den Hinterrädern unserer Vordermänner ins Gesicht bekamen.

Die Situation war so angespannt, dass ich den ersten Kontrollpunkt nach ca. 35 km verpasst. Nach weiteren 20 km und einem Feldweg voller breiter und tiefer Pfützen war es dann soweit: Ich wollte vorne eine Lücke zusprinten, schaffte dies aber nicht und dann hatte ich keine Kraft mehr im Feld zu bleiben und fiel hinten alleine raus. Vor mir fuhren Torsten, Matthias und ein Mädel mit einem POC Typen auf die ich aufschließen wollte – aber auch dafür langte die Kraft nicht und der Wind kam dazu auch noch recht fies. Also fuhr ich erst einmal alleine weiter.

Ich holte dann einen anderen Fahrer ein, der mit einem platten Hinterrad fuhr und lieh ihm eine CO2 Kartusche. Nett von mir, denn nun fuhr ich ohne weiter, aber ich kannte ja genug Fahrer die hinter mir waren und mir dann hätten helfen können. Nicht so nett finde ich dann, wenn derjenige (oranges Müssing) am Ziel nicht auf mich wartet und mir Geld für eine neue Kartusche gibt. Nicht wegen dem Geld, aber einfach um danke zu sagen, denn der wäre ja sonst entweder 50 km mit plattem Reifen unterwegs gewesen oder hätte die RTF abkürzen müssen oder einen anderen Doofen finden müssen.

Egal. Nach einer Abzweigung standen Matthias und Thorsten am Straßenrad, die waren wohl auch dem Tempo erlegen und warteten auf die nächste Gruppe. Ich sagte, komm‘ lass uns zu dritt fahren und das passte dann auch ganz gut, obwohl wir nun ziemlich lahm unterwegs waren. Aber es brachte uns zum nächsten Kontrollpunkt.

Als wir dort Pause machten am eine weitere Gruppe mit Bellinis und Andi rein. Zu zehnt oder so fuhren wir dann weiter, wobei Andi und ein gewisser grauhaariger Hermann aus Papenburg vorne im Wind fuhren und brutal Tempo machten. Hermann verschliss neben sich einen Fahrer nach dem anderen.

Als wir wieder so auf einem total verlassenen Feldweg mit 35 km/h gegen den Wind an-eierten und ich die Schönheit der ostfriesischen Landschaft bewunderte (Grauer Himmel, links grüne Wiesen mit schwarz.weiß gefleckten Kühen, recht grüne Wiesen mit schwarz.weiß gefleckten Kühen und das alle Kilometerlang) passierte es:

Ich fuhr in der Gruppe in zweiter Position hinter Hermann und hörte nur noch das Krachen hinter mir. Als ich mich umdrehte und zurückfuhr lag Matthias in Seitenlage mitten auf der Straße und ein anderer Fahrer sass im Gras daneben. Thorsten war etwa auf gleicher Höhe und meinte, dass es Matthias den Lenker bei einer Bodenwelle aus der Hand geschlagen hatte und der daraufhin gefallen wäre. Dabei riss er seinen Nebenmann um und Thorsten, der hinter ihm fuhr konnte gerade noch ausweichen und vorbeifahren.

Während der andere Fahrer da im Gras sass und sein Schicksal und demoliertes Rad bedauerte, sah es für Matthias gar nicht gut aus. Er lag regungslos auf der Straße, unter seinem Helm eine große Blutlache. Schwer abzuschätzen, woher die nun genau kam. So langsam kam er wieder zu sich und wir drehten ihn auf den Rücken. Dann zogen wir ihm erst einmal den Helm aus und die Handschuhe. Ja, soll man ja an sich nicht machen, aber das das ganze Ding voll mit Blut war, ich machte mir auch ein wenig Sorgen was wohl darunter zu finden wäre. Ich sag mal, zum Glück war da nichts am Schädel, sondern die gesamte rechte Gesichtshälfte hatte ein paar Wunden und das rechte Auge war gut zugeschwollen. Von dem Fall war die Brille kaputt gegangen und hatte sich ins Gesicht gebohrt. Ehrlich gesagt beruhigte mich das ein wenig.

In der Zwischenzeit hatte Hermann Notarzt und Krankenwagen gerufen. Hermann wusste sogar den Namen von dem Feldweg wo wir waren, ich hatte so überhaupt keine Ahnung. Das beste was ich dem Notarzt hätte sagen können wäre gewesen „Fahren Sie zum Start der RTF und dann immer den Pfeilen der 117 km Strecke lang, nach 60 km oder so finden sie uns dann!“ Das hätte aber verdammt lang gedauert.

Matthias fragte bestimmt drei Mal, ob er gestürzt sei? Und wo es ihm überall weh tut. Er war ganz klar unter Schock und desorientiert, vermutlich von einer Gehirnerschütterung. Ich fragte Andi nach seiner Regenjacke und zusammen mit meiner deckten wir ihn erst einmal etwa zu, denn so richtig warm war es ja auch nicht.

Krankenwagen und Notarzt waren sehr schnell da, das dauerte keine zehn Minuten. Das waren Profis, die kannten ihr Geschäft. Sie fragten Matthias was heute für ein Tag wäre: „Sonntag“. Das war schon mal gut. Und welches Jahr? Keine Antwort. Und welche Jahreszeit? „Frühjahr!“ Klar, von der Stimmung her schon, aber in Ostfriesland nennt man das Sommer. Ein erster Check ergab jetzt nichts gebrochenes oder so, also wurde Matthias auf die Bahre verfrachtet, in den Krankenwagen gebracht und dann in ein Krankenhaus in Leer gefahren. Linda vom RSV Leer kam und packte sein Rad ein. Das sah übrigens deutlich besser als Matthias aus.

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So schlimm das alles aussah, ich fand dass Matthias da noch sehr viel Glück gehabt hatte. Klar, das halbe Gesicht war im Eimer und Knie und Hände waren, aber sonst funktionierte ja erst einmal alles. Bis auf den Schädel, aber das würde sich schon wieder geben.

Entsprechend gedrückt war die Stimmung.

In so einem Moment überlegt sich natürlich jeder erst einmal, dass es einen auch selber hätte treffen können. Und wie scheiße das ist, bis das alles wieder verheilt ist und man wieder vernünftig Sport machen kann. Und was die Frau und die Kinder dazu sagen werden und wie sie dann in der Tür stehen und zittern, wenn man selber mit dem Rad wegfährt. Das ist etwas egoistisch, weil einen selber hat es ja nun einmal nicht erwischt und man sollte daran denken, wie scheisse das für den anderen ist. Aber das ist dann nur der zweite Gedanke.

Als wir dann weiterfuhren, stand als allen die Angst im Gesicht geschrieben. Bei jeder Unebenheit auf der Strasse wurde geschrieen „Bodenwelle!“ oder „Schienen“ oder „Schotter!“, auf einmal erschien die ostfriesische Umwelt so Angsteinflössend  und aggressiv.

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Angst.

Mich erinnerte das an Führerscheinverlängerung in Japan. Alle fünf Jahre oder so muss man in Japan zur Verkehrserziehung wenn man seinen Führerschein verlängern lassen will. Insgesamt ist das relativ langweilig, aber auch irgendwie bizarr und interessant. Teil des Programms ist es sich einen Verkehrspädagogischen Film anzusehen, meiner hiess: „Mörder ohne Absicht„.

Die Geschichte ist etwa so, dass ein Mann mit seinen Betriebskollegen in einer Kneipe feiert und schon was getrunken hat. Dann ruft sein Chef an und bittet ihn eine Klimaanlage bei einem Kunden zu reparieren. Er will natürlich nicht, aber da er ja ein guter japanischer Arbeitnehmer ist lässt er sich doch bequatschen und fährt los.

Schnitt. Ein kleines Mädchen mit Großmutter, beide im Kimono laufen fröhlich vergnügt auf dem Rückweg vom Jahrmarkt an einer Straße lang. Ist schon klar was jetzt passiert, die Details spar ich mir, aber im Film wird einem da absolut nichts erspart: Kind tot, Oma im Krankenhaus.

Jetzt beginnt das Drama aber erst richtig. Der Mann verliert seinen Job und als er zu der Familie des Kindes geht, um sich zu entschuldigen wird er nur angeschrien „Geben sie uns unser Kind zurück!“ Dann muss er ins Gefängnis. Seine Familie muss ihr schönes, westliches Haus verkaufen und wohnt dann in einer fiesen, alten japanischen Hütte direkt an der Bahnstrecke. Die Mutter hat einen harten und schlecht bezahlten Job auf einer Baustelle, der Sohn nimmt Drogen, die Tochter geht nicht mehr zur Schule und ist zickig. Eines Tages sagt die Mutter nur: „Ich bin so müde!“ und man sieht wie Sie auf die Bahnschranke zu geht;  quietschende Zugbremsen, dann wieder jede Menge Details.

In der letzten Szene des Filmes sieht man dann wie der Mann, aus dem Gefängnis entlassen, im Regen auf den Stufen vor dem Eingang des Hauses des Kindes sitzt, an die Tür trommelt und schreit: „Verzeiht mir! Verzeiht mir!“ Die Kamera schwenkt dann weg von ihm zu einer Straße mit viel Autoverkehr.  Die unausgesprochene Botschaft zum Schluss ist: „Siehst Du, da fährst Du gerade in Deinem Auto, aber schon morgen könntest Du an diese Tür hämmern und um Verzeihung bitten.

Von den ca. anderen 30 Japanern, die mit mir den Film gesehen haben, war etwa die eine Hälfte am pennen und die andere am flennen. „Ist schon etwas übertrieben“, dachte ich mir und setzte mich dann in mein Auto um ca. 10 km nach Hause zu fahren.

Für diese 10 km habe ich wohl so 2 Stunden gebraucht. Ich war so unter Schock, ich konnte einfach nicht schnell fahren. Überall, so schien es mir, lauerten die Gefahren und wenn ich nur ein klein wenig unaufmerksam wäre, dann wäre es mit meinem Leben, dem meiner Frau und meiner Kinder zu Ende. Ich bin noch nie in meinem Leben so vorsichtig und mit so viel Angst Auto gefahren.

Allerdings war das am nächsten Tag auch schon wieder vorbei und ich raste wieder durch Tokyo.

Bei dieser Gelegenheit lernte ich auch Thomas aus Aachen und seine Kollegen von der SiG kennen und wir fahren dann in einer kleinen Truppe unter Anleitung von Reiner weiter an die dritte Kontrolle und dann in Richtung Ziel.

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Ich fragte Reiner: „Weisst Du wo das Borromäus Krankenhaus in Leer ist?“ Und er sagte: „Keine Ahnung, ich bin nicht aus Leer sondern aus Westerstede.“ Was ja von Leer mal definitiv weniger entfernt ist als Köln von Düsseldorf oder Hamburg von Bremen. Geistig scheinen da aber riesige Lücken zu klaffen, ich denke ich bin da in ein riesiges ostfriesisches Fettnäpfchen getreten. Dann fragte ich ihn (er war ja Mitveranstalter der RTF): „Warum heisst die RTF eigentlich Fehntour?“ „Keine Ahnung!“.

Später bekam ich dann aber raus, dass Fehn keine Feen sind, sondern Dörfer da in der Gegend wie Elisabethfehn, Idafehn oder Rhabarberfehn. Die Namen sind da sowieso ganz lustig, klingen alle wie Rip-offs aus Bremen und umzu.

Oder wie chinesische Elektronikgeräte zweifelhafter Herkunft. 1994, als ich in China auf dem Land einen sehr schicken damm bauen durfte (also ich und 30.000 Chinesen), da kaufen wir in der nächsten Stadt Fernseher, Staubsauger etc. für unsere Hütte. So hatten wir einen Fernseher, nicht von Sony, sondern von Tony. Und unser Kühlschrank war von International Panasonic (was ja deutlich besser ist als National Panasonic). Meine Frau hatte übrigens Hautcreme von „Oil of Olaf„.

Wir kamen so durch einen Ort, der hiess „Potshausen“ – das war bestimmt eine Kopie von Posthausen in der Nähe von Bremen. Bestimmt gibt es in Potshausen auch ein Dodnehof Einkaufzentrum. Und dann kam das beste: Wir kamen an eine handbetriebene Fähre und wollten dort über den Fluss setzen.

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Und ich fragte Rainer, wie der Fluss da hieß. Und der wusste tatsächlich die Antwort, obwohl dieser Fluss durch Leer und nicht durch Westerende fließt. Es war die… jetzt haltet euch mal alle fest…die Jümme! Ha, ha, was ist das denn? Ist das eine schlechte Kopie der Wümme, der was?

Am Ende und nach ca. 117 km sassen wir etwas bedrückt am Ziel herum. Jörg, Thorsten und Tesla begnügten sich mit einer Cola und kleinen Häppchen, während Jessica zehn Waffeln vor sich liegen hatte, die ihr angeblich von Harald aufgedrängt worden waren.

Hm. Kein schöner Sonntag, alles in allem.

An dieser Stelle alles Gute an Matthias, der hoffentlich in der Zwischenzeit das Krankenhaus wieder verlassen durfte, damit es bleibt wie wo es hingehört: leer.

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Tecklenburgrundfahrt. Nächster Halt: Hölle, mit ca. 30 Minuten Verspätung aufgrund eines vorher erlöschten Fegefeuers.

Viertausend Holländer kommen jedes Jahr mit ihren Rädern nach Ibbenbüren in der Nähe von Osnabrück, um dort jeden Hügel hochzufahren, den es im Umkreis von 10 km gibt. Viertausend Holländer, Silke, Andi und ich.
Achtung: dieser Post handelt aber in erster Linie von der Deutschen Bahn.

Die RTF

Die Tecklenburgrundfahrt wird organisiert vom Fietstoerclub CC’75 Nijverdal, etwa 100 km von Ibbenbüren entfernt auf der anderen Seite der Deutsch-holländischen Grenze. Es gibt drei strecken zur Auswahl: 100, 130 und 160 km und allen ist gemeinsam, dass sie eine ganze Anzahl von harten Rampen beinhalten, 27 Stück bei der 160erRunde, 23 bei der 130er Runde und immerhin noch 17 bei der 100er Runde. Für Holländer ist es attraktiv sich in den Bergen auszutoben, also kommen sie nach Ibbenbüren und nehmen uns unsere Hügel weg; ein Thema das Melanie Schmitz und ihre „Identiäre Bewegung“ bislang nicht aufgegriffen, bzw. hübsch in einem geklauten französischen Chanson verpackt hat. Wir wollen unsere Hügel wieder und ich wäre gerne bereit den Holländern dafür Melanie Schmitz zu überlassen.

Aus welchen Gründen auch immer veranstaltet zeitgleich der THC Westerkappeln seine RTF „Kreuz und Quer durch’s Tecklenburger Land“. Keine Ahnung, warum man nicht einfach mit 4.000 Holländern fährt, sondern sein eigenes, westerkappeliges Ding dreht. Muss an dem relativ sturen Schlag Menschen hier in Ostwestfalen liegen, oder wie Andi bemerkte: „Die Ostwestfalen sind die Westfalen unter den Westfalen.“ Jedenfalls kamen uns eine Menge Gruppen dieser RTF entgegen und kreuzten unsere Wege und die lila Pfeile sorgten ab und an für zusätzliche Irritation. Egal, als erstes mussten wir mal nach Ibbenbüren kommen.

Die Deutsche Bahn !

Wir trafen uns um kurz vor sieben am Bahnhof in Bremen; also Silke, Andi und ich. So waren wir auch letztens nach Ibbenbüren gefahren, aber diesmal gab es drei entscheidende Unterschiede:

  • The „Mysterious Single“ (MS) kam diesmal nicht.
  • Es war kein Discovolk am Bahnhof, dass den Weg nach Hause in die Vorstatdt suchte. Letztes Mal war da z.B. so ein Typ, der sich auf dem Bahnsteig die Herrenoberbekleidung vom Leib riss, wild auf eine Mülleimer einschlug und dann die Treppe runterstürmte. Genau das, was man morgens um sieben braucht.
  • Wir trafen so ein paar andere Radfahrer aus Bremen am Gleis und im Zug, die ihren eigenen Plan hatten.
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Nicht Enno Affenzahn (weil der hat ein Rose Rad).

Gleich war allerdings, dass der Zug mal wieder zur spät war, diesmal mehr als 20 Minuten. So war bereits zu Beginn die Hoffnung verflogen in Osnabrück den Anschluss zu bekommen. Das war nur ärgerlich, aber nicht weiter tragisch. Ich meine, was kann man schon von der DB erwarten?

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Deutsche Bahn Pizza

Vor ein paar Tagen erzählte mir ein guter, englischer Freund, David, der nun mit einer noch besseren deutschen Freundin verheiratet ist, folgende Geschichte aus seiner Jugend:

Als Teenager war er in den Siebzigern zusammen mit seinen Freunden nach London gefahren und Abends sassen sie dann zusammen in einer Pizzeria dort zum essen. Guter Laden, sie waren mächtig beeindruckt. Alle hatten Pizza bestellt und als der Kellner ihnen ihre Gerichte brachte, viel ihnen etwas merkwürdiges auf: Auf keiner der Pizzen war auch nur ein Hauch von Käse zu sehen.

Hm, das war komisch. War es vielleicht in London so, dass man hier Pizza ohne Käse aß? Ein neuer Trend? Was sollten Sie machen? Einfach die Pizza essen und so tun als wenn nichts gewesen wäre? Schließlich fasste sich David ein Herz, rief den Kellner und stammelte:

Sir, I am very sorry to ask you, but we noticed something somewhat peculiar with the dished we’ve odered. Not that we want to critize you or your excellent restaurant, it is just that …. well we thought, after thinking the issue carefully over, that perhaps something is missing …something like chesse, id you don’t mind pointing that out.“

Der Kellern antwortete darauf:
I am terribly sorry Sir, but we have ran out of cheese this evening. We hoped you wouldn’t notice.“

Ich finde das eine gute Geschichte, weil sie zeigt da Prinzip erklärt wie die DB mit den Wünschen ihrer Kunden umgehen. Die Kunden fragen sich dann häufig, was sie falsch gemacht haben, oder ob das normal ist was gerade passiert. Kommt ein Zug innerhalb von 10 Minuten der geplanten Zeit an, so halten wir das mittlerweile für eine tolle Leistung. Ist es aber nicht. Es ist schlicht und einfach Pizza ohne Käse.

Die RTF.

So hingen wir recht lange in Osnabrück rum und schafften es dann aber so kurz nach halb Zehn endlich in Ibbenbüren anzukommen und mit dem Rad zum Johanns-Kepler Gymnasium, dem großen Sohn der Stadt (äh, also der Stadt Weil am Rhein).  Dort wird gerade das neue RTF-Holländer Aufnahmegebäude neu gebaut, oder vielleicht ist es auch nur eine Erweiterung des Gymnasiums. Jedenfalls kann man da nur sagen: Bella Italia! Weil die Holländer ja gute Wasserbauingenieure sind, wurde die Flut der Rennradfahrer durch Gitterzäune wie die Fluten der Nordsee in die richtige Richtung kanalisiert. Nur wenige Minuten später waren wir angemeldet und konnten los fahren.

Wie überhaupt die Holländer sehr gut organisiert sind. Denn erstens war diese RTF sehr gut ausgeschildert (da kann sich Urania Delmenhorst was abschauen) mit leicht transparenten orangen (natürlich) Schildern mit schwarzen Pfeilen. Rechtzeitig vor jeder Abzweigung und dann unmittelbar danach, so dass man sich war in die richtige Richtung zu fahren. Und dann gab es an Überquerungen der Landstraßen fast überall Streckenposten die den Verkehr regulierten. Ok, die Verpflegung war…. ich sag mal so, man fährt ja nicht nach Holland zum essen (außer Pommes und beim Indonesier. Und die ganz Harten essen Frikandel aus dem Schließfach.

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Wir hatten es nicht so eilig, eine richtige Gruppe der wir uns hätten anschließen können gab es auch nicht und da 130 km mit 2.000 Höhenmetern angesagt waren wollten wir es auch nicht übertreiben. Schon der zweite Hügel, der Lärchenweg nach 11 km hatte es an sich, die Rampe war bis zu 25% steil, hätte Andi uns nicht vorgewarnt rechtzeitig auf das kleine Kettenblatt zu schalten, wäre wir da nicht hochgekommen. So sollte es den ganzen Tag weitergehen: Ein wenig abfahrt, oft auf einer breiteren Straße, manchmal aber quasi blind auf kleinen Waldwegen im Schattenspiel von Licht und Schatten; nach links oder rechts abbiegen und dann einen Hügel hoch, vielleicht ein bis zwei Km lang und 50 bis 150 m Höhenmeter hoch. Bei 23 Ansteigen kamen dann 2.000 Höhenmeter zusammen, gar nicht schlecht für soweit nördlich der Alpen.

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Das Tecklenburg Programm. Im Prinzip.

Und obwohl wir schon über eine Stunde unterwegs waren, sahen wir immer noch das Kraftwerk Ibbenbüren vor uns. Na ja, eigentlich sahen wir das den ganzen Tag, da diese RTF im Gegensatz zu, sagen wir mal Lüttich-Bastogne-Lüttich, nicht von A nach B und wieder zurück geht, sondern immer wieder Schleifen um A dreht (Kraftwerk) .

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A: Stolz steht es auf dem Hügel vor Ibbenbüren.

Dann sieht man A auf einmal nicht mehr. Dafür B und B ist der Fernmeldeturm Tecklenburg.

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B: Geometrischer Mittelpunkt unendlicher Schleifen

Also wieder Schleifen um B. Und zum Abschluss noch ein paar Schleifen um A, wie sich viel später herausstellen sollte. Bei dieser RTF hatte ich so gar nicht das Gefühl irgendwo hin zu fahren; etwa so wenig wie wenn man in einen Aufzug steigt wo man in der Regel ja auch im selben Gebäude bleibt.

Wir waren ja ziemlich weit hinten im Feld, da wir sehr spät gestartet waren (der DB geschuldet). Und wir dachten, wir hätten keine Chance mehr auf den Gesamtsieg. Tja, aber dann, wir fuhren gerade auf einer dicken neu gebauten Straße, sollten wir links abbiegen. Dort liefen einige Rennradler, was war da los? Also wir näher kamen wurde uns  die Sache klar: Ein ca. 20 Meter langes Teilstück aus knietiefem Schotter, unmöglich mit einem Rad zu fahren, dachten Silke und ich und stiegen von unseren Rädern ab. In diesem Moment stürmte etwas, dass so aussah wie eine Elchkuh die ihr Junges verloren hatte durch den Schotter: Es war Andi, der mit seinem Rad durch den Schotter pflügte. Die Steine spritzen hoch und sein Rad grub sich in die Materie ein, aber nichts konnte ihn stoppen. Ich glaube an dieser Stelle hat er das halbe Feld überholt, aber netterweise hat es auf uns beide gewartet. So langsam kamen wir Richtung Lotte, das durch den heiteren Roman „Weimar in Lotte“ von Thomas Mann (soweit man irgendetwas, was Thomas Mann geschrieben hat mit den Worten „heiter“ bezeichnen mag) berühmt wurde. Dort soll es auch einen ganz guten Fußballverein geben.

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Alle Anstiege waren nett ausgeschildert.

Kurz danach kam die erste Verpflegungsstation bei der fast alles bereits weggegessen war. Und so ging es weiter, Anstieg um Anstieg, Abfahrt um Abfahrt unter der heißen Sonne (Sommer war nun gerade angekommen) in der bekannt voll unschönen Landschaft.

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Sechs Anstiege später. Die Reihenfolge zählt umgekehrt, Anstieg 1 war der letzte. Oder vielleicht sind wir auch einfach falsch herum gefahren.

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Noch mehr voll unschöne Landschaft.

Nach 90 km oder so waren wir an der nächsten Rast, leider hatten wir uns doch einmal ziemlich verfahren und mussten ein ganzes stück wieder zurückfahren.

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Silke. In Schiedsrichterlaune. „Don’t mess around with me, boys.“

Dan waren wir 107 km weit gefahren. Keine Ahnung warum, aber ich kann das beweisen.

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Grünes Souvenir von LBL 273.

So langsam hörte es überhaupt nicht mehr auf. IMG_0881
Don’t look back in anger.

Auf einmal waren wir dann an der dritten Rast, die total schön an so einem voll unschönen See gelegen war. Das sah nach wieder hinfahren aus. ich wäre fast reingesprungen, ehrlich, ich musste mich total zurückhalten, um nicht den Jerome zu machen.
(Das ist ein alter Positivo-Espresso Running Gag: Jerome, einer der ersten Positivos, springt wirklich in jedes Wasserloch und in jeden Bach entlang des Weges, oft in voller Radbekleidung. Wie zum Beispiel hier am japanische Meer.

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Dann noch weitere 30 Kilometer und einige Anstiege. So langsam wurde es anstrengend. Aber nach insgesamt etwas mehr als sieben Stunden kamen wir im Ziel an.

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Strava

Insgesamt keine einfache RTF und irgendwie sind es statt 130 dann auch 144 km geworden. Durch das ständige Auf und Ab war es schwierig einen guten Rhythmus zu finden.

Die deutsche Bahn !!!!!!!

Jetzt nur noch ab nach Hause. Den Zug um 17:28 Uhr hatten wir leider verpasst, also legten wir uns erst auf die Wiese und fuhren dann um 18 Uhr zum Bahnhof, um den Zug um 18:28 nach Osnabrück zu nehmen.

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Ich lag auf der Wiese am Ziel und sah das.

Nicht gut, aber dann würden wir so gegen 20 Uhr zuhause sein. Drei Stunden hin, 2 1/2 Stunden zurück, vielleicht ein wenig zu viel Reisezeit für sieben Stunden radfahren? Na ja. Am Bahnhof war kein Zug. Der war 20 Minuten verspätet, erst einmal. Das hiess, dass wir wieder einmal in Osnabrück unseren Anschluss nicht bekommen würden, obwohl der auch verspätet war. So ein Mist. Wir waren nun wirklich müde, durstig und hungerig und wollten nur noch nach Hause. Der Zug kam dann endlich mit 30 Minuten Verspätung an. In Osnabrück hätten wir nun den Zug um 19:34 nehmen können, aber zum Glück war noch nicht einmal der um 18:34 losgefahren – wir hatten also Glück und rannten zu Gleis.

Also, ich stell mir das so vor; irgendwo da im Bahnhof Osnabrück sitzen die Götter der Deutschen Bahn, Regionus und Metrosysus und lachen sich über das Treiben der Bahnkunden tot.

Schau mal, Regionus, diese Menschen da unten glauben, Sie könnten durch Laufen noch einen Zug erreichen!“

„Ha, dummes, eingebildetes Menschenpack, schade dass der Zug ohnehin ausfällt, sonst könnten wir ihn vor der Nase wegfahren lassen … Legt euch nicht mit den Göttern der Bahn an – Menschen!“

Um 20:00 Uhr standen wir immer noch gleich. Der Zug um 19:34 hatte mehr als eine halbe Stunden Verspätung, aufgrund einer vorhergehenden Verspätung. Ich vermute, es war die halbe Stunde, die der Zug bereits am Morgen verspätet war als wir zum ersten Mal einstiegen.

Es ist zum heulen mit der Bahn. Ich will jetzt keine Litanei anstimmen, wie toll das im Vergleich in Japan ist (ist es auch), aber wenn man sich irgendwo verlässlich hinbewegen und pünktlich sein muss ist davon abzuraten die Bahn zu nehmen. Einmal nahm ich einen IC nach Duisburg extra zwei Stunden früher als ich da sein musste, nur damit ich nicht zu spät kommen würde. Und was passiert, der Zug ist pünktlich und ich bin am Montag morgen um 9 Uhr in Duisburg. Was macht man um diese Zeit in Duisburg? Ich fragte den Taxifahrer und er meinte nur lakonisch: „Soll ich Sie zum Puff fahren?

Ich glaube, dass viele sogenannte „Personenschäden“ durch frustrierte Bahnfahrer verursacht werden, die keine Lust mehr auf ein Leben wartend an der Bahnsteigkante haben und den nächsten, nahe liegenden Schritt tun. Oder vielleicht ist es auch umgekehrt, die Bahn rettet viele Leben. Man will sich das Leben nehmen, vor den Zug schmeissen, aber der verdammte ICE kommt einfach nicht. Und so langsam wie der Regio fährt, da kann man ja nicht sicher sein, dass es wirklich klappt. Also liegt man stundenlang auf den Gleisen, hat Zeit zum nachdenken und geht dann irgendwann doch wieder nach Hause. Wieder ein Leben gerettet.

Wir kamen dann kurz vor 21.30 Uhr in Bremen an. Total fertig. Ehrlich. Sieben Stunden Bahnfahrt für sieben Stunden Radfahrt. Ich glaube ich nehme das nächste Mal doch das Auto.

Danke Holland.

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Sterne und Sternchen: Bremen RTF

Seit 1871 organisiert der RSC-Rot Gold Bremen eine RTF, die bislang über verschiedene Distanzen durch Wilstedt führte. Als Hannes und ich gegen halb zehn zum Start am Unisport kamen, waren bereits die Sterne und Sternchen der Bremer Radsportszene versammelt und füllten mit Buntstiften (zahllose Kinder weinten derweil zuhause) ihre Anmeldeformulare aus.

Aber alles der Reihe nach: Hannes und ich hatten uns dieses Jahr entschieden wegen akutem Trainingsrückstand und der schlechten Wetteraussichten nur die 117 km in Angriff zu nehmen. Das ist mehr als 54 oder 72 km, aber auch deutlich weniger als 174 oder 217. Wobei für die lange Distanz ein Startgeld von 20 bzw. 28 Euro genommen wurde, was ich für eine RTF als relativ teuer empfinde. Einerseits. Ich kenne allerdings auch nicht die Hintergründe und an sich bin ich schon dankbar, dass es Vereine gibt die die Mühe und das Risiko auf sich nehmen eine RTF zu organisieren. RSC-Rot Gold, derzeit in einer Phase der Perestroika, hatte die Strecken neu gelegt, so dass ich gespannt war, wie wir nun dieses Jahr nach Wilstedt fahren würden.

Regen war ab 12 Uhr vorhergesagt und da wir ohnehin nur so mit 30 km/h durch die Ebene dümpelten wollten, nahm ich statt dem Canyon das relativ langsame Basso Fior di Loto aus der Garage. Beim Canyon macht das Innenlager nach der Tortur von Lüttich – Bastogne – Lüttich Geräusche wie ein Leopard II der durch die Gartenmöbelabteilung eines Baumarkts fährt. Das Lager passt zur Kurbel, die Kurbel kommt von FRM und die sind pleite. Da muss wohl etwas komplett neues dran, was in Zeiten, in denen die Evolution von Kurbeln leider in Richtung alter germanischer Streitäxte läuft nicht so einfach ist. Wer hätte gedacht, dass SRAM mit der Red 22 mal das vergleichsweise schönste Set auf dem Markt anbieten wird?

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Der Anblick der Starter beim Unisport war etwa so, als wenn man in einer sternenklaren Nacht auf einer Wiese liegt und nach oben in den Himmel schaut: Man sah die Sterne des (bremischen) Radsports wie Vladi, Stephan oder Caro, die Sternchen wie Silvia, Rita und Heike, die Sternschnuppen wie Mascha und die Asteroiden die geradewegs auf die Erde zurasen und drohen die Menschheit zu vernichten wie ….. (schon klar). Rechts tat sich ein schwarzes Loch auf in Form der Manta Squad. Hannes und stellten so etwas wie den Andromedanebel dar und zwar deshalb, weil ich am Abend vorher alles dafür getan hatte heute benebelt zu erscheinen.

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Hannes und ich (v.l.n.r.)

Schon am Start fing es an zu drisseln und ich zog meine Regenjacke an, die sich mittlerweile in ihre Lagen auflöste, nachdem da 1.000.000.000.000 mm Drucksäule in Lüttich aufgebracht wurden. Ich brauche eine neue, unbedingt. Ideen für eine leichte Jacke unter €100?

Es gab keinen gemeinsamen Start, sondern wir wurden mit preußischer Präzision von den Führungskräften des RSC-Rot Gold in Gruppen auf die Strecke gelassen. Ungeduldig scharrten wir die Hufe, aber Pickelhaube und Säbel in Rot und Gold machten unserem Übermut schnell ein Ende. „Wer keinen Startstempel hat bekomt keine Punkte!“ Punkt.

Und dann ging es auch schon los, Hannes und ich in einer tweilweise sehr schnellen Truppe, u.a. auch mit Björn und Thorsten. RTFs haben ja so ihre eigene Dynamik, und der hier fehlte es nicht daran: Bereits nach weniger als 400m hatte es die Gruppe an einer Ampel zerrissen. Auf dem Weg zum Kuhsiel konnten wir in der Ferne die Sterne sehen, während Hannes und ich so vor uns her fuhren und der Rest noch an der Ampel stand. Hannes erzählte mir gerade von der letzten, echten Kneipe Bremens, „Leichen-Elly“ als die schnelle Ampelgruppe uns von hinten überholte. Da klemmten wir uns natürlich dran, auch wenn wir relativ schnell feststellen mussten, dass die mit 40+ unterwegs waren und das nun weh tat.

Vor allem war die Gruppe extrem nervös: ständig wurde gebremst und beschleunigt und von links nach rechts gekreuzt. Da kam kein Rhythmus auf und teilweise war es sehr gefährlich. Einmal blockierte ich mein Hinterrad, einmal machte sich jemand hinter mir fast lang weil er von der Fahrbahn abkam, gegensteuerte und dann quer in die Gruppe fuhr. Die Gruppe fuhr in etwa wie Boris Johnson Rugby bzw. Fußball spielt.

An der ersten Kontrollstelle in Otterstedt nach 30 km bog jemand überraschend vor mir nach links ab und wieder konnte ich mich nur mit Mühe auf dem Rad halten. An sich war es mehr wie ein Rennen und weniger wie eine RTF.

Hannes und ich beschlossen und daher in eine andere Gruppe einzuklinken, aber da war weit und breit keine Alternative zu sehen. Wir fuhren dann erst einmal mit dieser Gruppe weiter und nach weiteren 4 km stellten wir fest, dass fast alle auf die 72 km Strecke abbogen und nur 3 oder 4 weiter 117 bzw. 174 km fahren wollten. Trotzdem war das eine schnelle Truppe wieder mit fast 40 km/h, aber zu klein und dadurch, dass wir zu oft vorne fahren mussten stiegen wir auch dort wieder aus. Wir waren dann zu dritt unterwegs, bis ein recht schneller Focus Fahrer zu uns stieß und wir dann gemeinsam ein gutes Tempo fanden, dass uns zur zweiten Kontrollstelle nach Hetzwege brachte. In der Gegend zwischen Ottersberg, Zeven, Scheeßel und Rotenburg bin ich bislang wenig unterwegs gewesen; die Straßen hier waren klein und gut ausgewählt und das machte nun auch wieder Spaß, zumal auch der Sprühregen aufgehört hatte.

In Hetzwege ist vermutlich eher weniger los so. Ich habe gerade einmal auf den Veranstaltungskalender 2017 der Gemeinde geschaut und zu den Höhepunkten des Jahres zählen Blutspenden, Altpapiersammeln und das Kaffeetrinken der Frauen. In Hetzwege taten wir uns zusammen mit etwa 10 Fahrern der SG Stern. Für die, die es nicht wissen, das ist die Betriebssportkampfgruppe des hiesigen Mercedeswerkes. Wir waren allerdings nicht mit der Rennrad- sondern mit der Schachabteilung unterwegs; das erkannte ich gleich, da einige von denen weiße, und andere schwarze Jerseys trugen. Es gab eine weiße Dame, einen weißen Turm mit Bart und jede Menge schwarzer Bauern.

Zuerst machte ich mir etwas Sorgen, dass wir uns als Renault- bzw. gar nicht Fahrer da in eine elitäre Gruppe reingeschmuggelt hatten und nicht so recht willkommen waren. Das war aber nur ein Vorurteil meinerseits, denn mit der Zeit wurde sich ganz nett unterhalten und ich wurde aufgeklärt, dass die schwarzen die Heim-, und die weißen die Auswärtstrikots sind. Und das die SG Stern mit 41.000 Mitgliedern einer der größten Sportvereine Deutschlands ist. Und dass jeder Standort seine eigene Farbe hat, erkennbar an den Streifen an der Hose. Die Farbe Bremens ist rot. Hat alles der Konzern festgelegt, man kann sich so richtig vorstellen wie in der Konzernzentrale die Schreibtische glühen und sich die Stabsabteilungen Gedanken zu machen was man noch so alles festlegen und standardisieren könnte. Vielleicht, dass alle auch ein Mercedes Rad fahren könnten?

Es ging jedenfalls gut voran und so ließen wir den dritten und letzten Verpflegungspunkt in Otterstedt aus, in der Folge kam es zu etwas Konfusion. Statt die letzten 33 km über Ottersberg, Sagehorn und Borgfeld voll zu machen, fuhren wir nur die 26 km der 55er Runde zurück auf etwa dem gleichen Weg, den wir gekommen waren, so dass wir nicht die vollen 114 km erreichten. Ich bin mir aber auch sicher, dass dieser Betrug dem Personal des RSC-Rot Gold aufgefallen wäre. Am Ende gab es noch den traditionellen Sprint über die Autobahnbrücke am Platzhirsch und dann waren wir auch schon am Ziel. Zeit für Kuchen, Kaffee, Fluppe und ein Selfie.

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Traumkörper.

Strava

Yep, das Wetter hatte gehalten und wir konnten uns nun endlich dem Ziel des ganzen Tages, nämlich dem Kuchenbuffet des Vereins zuwenden. Kai war da und auch Axel, Björn, Thomas, Benjamin und ein paar andere. Entspannt. Hannes konnte mir nun endlich die Geschichte von Leichen-Elly erzählen, die wir etwa 3 Stunden vorher abbrechen mussten, um in der Gruppe mit 40er Schnitt nach Fischerhude zu hecheln. Die Regenjacke hatte auch gehalten, das Wetter am Ende war ohnehin und unerwartet gut. Aus der Jacke quillten fiese gelbe Plastikschichten – so als wenn sich dort eine Familie Quallen versteckt hätte.

Ich kam rechtzeitig nach Hause bevor die Spiele der Bundesliga angepfiffen wurden und wachte wieder auf, als diese zu Ende waren. Zum Glück dauerte Wolfsburg gegen Gladbach etwas länger, denn das war das Spiel wegen eines Gewitters länger unterbrochen. Nächste Woche geht es weiter mit der RTF in Delmenhorst.

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Velotörn Bremen. Teil II: World of Lauenau.

Von allen RTFs in Norddeutschlands die ich bislang gefahren bin, ist mir die in Lauenau die herzallerliebste: Jede Menge Hügel und Wellen, schnelle Abfahrten, ein großartiger Blick in die Landschaft und das alles extrem gut von Victoria Lauenau seit 1921 organisiert. Kommt noch das gute Wetter wie dieses Jahr dazu möchte man fast 150 km lang nur weinen vor Freunde. Deswegen bin ich am Sonntag nach Lauenau gefahren, anstatt am Velotörn Rennen in Bremen teilzunehmen.

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Leider gab es auch einen Wehmutstropfen, oder wie mein Opa zu sagen pflegte, „einen Wehrmachtstropfen“: Kein einziger Bremer war dieses Jahr mitgekommen; die meisten fuhren beim Velotörn, der Rest war irgendwo unterwegs oder schaute sich in Augsburg die Puppenkisten an, während Augsburg in Bremendie Puppen tanzen ließ.

Die beste aller Frauen hatte nichts dagegen, dass ich unser Auto am Sonntag fuhr und so machte ich mich gegen kurz vor sieben auf den Weg: Die A7 zeigte sich um diese Zeit von ihrer schönsten Seite: komplett leer und fast ohne Baustellen, so dass ich durch wildes Rasen bereits um acht am Mineralbad in Lauenau ankam. Anmelden, fertig machen und als ich so hochschaue sehe ich einen blau-weißen Zug von Hamelern losziehen. Ich schwang mich auf das Rad, aktivierte die sehr müden Beine und raste hinterher, in der Hoffnung möglichst lange an denen dranzubleiben. Von dem Fixierennen am Vortag beim Velotörn war ich immer noch sehr müde, das merkte ich dann den ganzen Tag.

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Müde Beine

Die Tatsache, dass ich die Gruppe recht schnell eingeholt hatte, hätte mir gleich zu denken geben sollen: Die fuhren wirklich sehr gemütlich, vor allem am Berg. Ein Mädel mit langen, roten Haaren zu einem Zopf gebunden, pedalierte sehr unsicher und der Anführer der Hameler, ein älterer, graumelierter Herr, schob sie ab und an die Hügel hoch. Nach 9 km beschloss ich mich in Antendorf abzusetzen und zu versuchen in einen neue Gruppe zu fahren. Im Nachhinein war das eine gute Idee: Wie ich später hörte, gab es einen Sturz in der Gruppe, wobei man da immer einfach schreiben kann, dass man hofft es sei nichts passiert und froh ist, dass man nicht dabei war.

Ich überholte in der Folge den einen und den anderen Einzelfahrer und grüßte immer nett mit „Moin“. Resonanz? Fast keine. Wer am Sonntag um Neun bei einer RTF alleine unterwegs ist, der will auch alleine bleiben. Keiner hatte Interesse daran viele Einzelfahrer zu einer Gruppe zusammenzufahren. In Langenfeld, auf dem letzten Hügel östlich der Weser, begann die schnelle Abfahrt nach Hessisch Oldendorf, dem ersten richtigen Highlight. Am Ende muss man nur wissen, dass die Abfahrt sehr abrupt an einer T-Mündung endet, sonst landet man da in den Büschen.

Immer noch keine Gruppe in Sicht. Beim ersten Verpflegungspunkt nach ca. 25 km hatte ich so gar keine Lust anzuhalten – das war mir noch viel zu früh und so fuhr ich einfach weiter. Jetzt wurde ich auch zum ersten Mal von zwei Fahrern überholt, der eine mit Lightweight Laufrädern –  am Berg waren sie schnell, in der Ebene wieder langsamer; dann hing ich aber wieder dran. Dummerweise war kurz danach der zweite Verpflegungspunkt in Volksen nach 51 km erreicht.

Hier gab es nicht nur etwas zu essen und zu trinken, es standen dort auch einige schöne Räder rum, so ein altes Chesini in den Farben der italienischen Trikolore und ein Che, eine kleine und relativ unbekannte Rahmenmanufaktur aus dem Kuba der Sechziger.

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Früher hingen diese Che Logos ja recht häufig in den Wohnzimmern dieser Welt über Flokati Teppichen und selbst lackierten Hartholztischen. Ich habe auch so eins in meiner Sammlung.

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Ms. Che

Von Volksen aus fuhr ich dann zusammen mit dem Lightweightfahrer (ich nenne ihn mal Racer Z). weiter. Der war gut in Form, wir unterhielten und nett und kamen trotzdem gut voran. In der Abfahrt hinter Laßbruch bekamen wir auch richtig gut Geschwindigkeit drauf, die wir dann auf dem flacheren Stück gut halten konnten. Das machte jetzt richtig Spaß und zwar so viel, dass wir die Kontrolle in Thevenhausen verpassten. Allerdings war nach 20 km bereits wieder Schluss: Wir hatten gerade Anschluss an eine größere Gruppe gefunden, als die an der Streckenteilung (rechts 118, links 148 und 225 km) fast komplett nach rechts abbog.

Das gefiel Racer Z wohl recht gut, denn er rief mir zu: „Ich fahr die 120er!“. Ich nicht. Also fuhr ich mit den einzigen beiden anderen Fahrern, die links abgebogen waren weiter. Das war ein sehr schmächtiger und leichter Typ, der vermutlich am Berg alles konnte und sein bärtiger Freund in Rapha Austattung mit Trek Rad. Als die mir am Berg zu langsam waren zog ich vorbei in Richtung Osterhagen.

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Langsam hoch nach Osterhagen.

Oben wartete ich dann wieder auf sie, denn so ganz alleine machte das wenig Spaß. Wir bleiben dann zusammen, bis wir zum zweiten Mal den Kontrollpunkt in Thevenhausen anliefen. Ich bin ja bereits einmal 2014 zusammen mit Hannes die RTF Lauenau gefahren und wir hatten damals eine längere Pause in Thevenhausen eingelegt. Ich kann daher wohl behaupten, dass ich erstens Thevenhausen ganz gut kenne (also besser als 90% aller Deutschen) und zweitens, dass sich in den letzten beiden Jahren nichts in der Metzgerei Goksch getan hat – sogar die Auslagen sind noch dieselben (und nicht die gleichen).

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Gocksch in Thevenhausen

Die Verpflegung ist nicht so gut wie am legendären, ersten Verpflegungspunkt der RTF „Roter Fuchs“, an dem Lachsschnittchen und Sekt gereicht werden, aber es reicht und alle sind nett und man kommt ins Gespräch.

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Ganz links meine beiden Begleiter am Kontrollpunkt in Thevenhausen

Ich wäre ja gerne in einer Gruppe gefahren, aber der Betrieb am Kontrollpunkt war sehr mau. Und Schmächtig & Rapha waren mir nicht schnell genug. Also machte ich mich alleine auf den Weg und bog in Langenholzhausen auf die Trasse Richtung Ziel ab so wie eine Runde vor mir die 118er Truppe. Man fährt über den „Felsenkeller“ den Kirchberg hoch nach Varenholz und dann eine wunderschöne Abfahrt runter nach Stemmen.

Der Asphalt schien brandneu, das Spätsommersonnenlicht brach gefiltert durch die Bäume hier und da stärker durch als Anderswo, ein paar Blätter fielen im Rand zu Boden und es war so still, man hätte Atombomben fallen hören können. Es gab einen Augenblick, wo es so schön war, dass dieser „Ich mach jetzt alles anders in meinem Leben“ Gedanke aufpoppte. Ich kenne den ganz gut, weiß dass es Quatsch ist, sagen wir mal nicht mehr zu arbeiten und nur noch radzufahren; sich scheiden zu lassen und eine der Studentinnen zu ehelichen; oder Carbonfasertechnik an der Uni zu studieren, aber einen Moment darf man sich der Illusion hingeben, dass wieder alles möglich ist.

Ich fuhr weiter allein im Prinzip parallel zur Weser weiter in Richtung Hohenrode und träumte vor mich hin. Ganz schlechte Idee bei einer RTF, denn beim träumen verpasst man häufig die Ausschilderung und somit die eine oder andere Abzweigung. Nicht so bei der RTF Lauenau, hier ist die Beschilderung vorbildlich, die Schilder selber farblich markant und jedes Mal wenn man sich fragt „Bin ich hier noch richtig?“ – taucht unmittelbar danach ein rot-gelb-blauer Pfeil am Straßenrad auf.

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Jetzt war ich ja schön schnell bis zur Weser gefahren, als ich dort ankam war jedoch die Fähre gerade auf der anderen Seite und wartete auf Kunden. Ich wollte schnell rüber und weiter und ärgerte mich ein wenig. Ich meine die Weser ist ja an dieser Stelle nicht breit wie die Wolga und die Fähre nicht ein Tragflächenboot, dass über die Wellen hüpft. Also machte ich das, was mir vernünftig erscheint in einer solchen Situation von  a) warten und b) ärgern, und zwar eine Zigarette zu rauchen. Als ich da so stand kamen auch Schmächtig&Rapha rein. Und dann auch die Fähre und setzte uns über, mittlerweile waren wir zu fünft.

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Hightec Weserfähre mit Smartkasse

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Im Hintergrund der Kontrollpunkt auf der westlichen Weserseite

Dabei waren Rapha&Schmächtig, der Gelb-blaue aus Altwarmbüchen (AWB), einer mit einem Ötztaljersey von 2008 und ich, heute komplett in Q36,.5. ich fragte mich dann die ganze Zeit, ob „Altwarmbüchen“ der Name eines Ortes, oder ein Lebensmotto ist: „Alt, warm und büchen“ – also etwa wie „Männlich, verrückt und Medizinstudent“ oder „Jung, wild und schmittig“. Wiki sagt es ist ein Ort in Niedersachsen, schade eigentlich.

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Jung und wild, oder alt und warm?

Wir blieben zusammen, bis kurz nach Welsede der Anstieg zur Schaum- bzw. Paschenburg begann. Gleich zu Beginn setzte sich AWB ab, während Ötzi, Schmächtig und ich in eienr Gruppe zusammenblieben. Rapha blieb hinten. AWB war bald außer Sicht und auch Ötzi machte ordentlich Druck während Schmächtig dann verlangsamte um auf Rapha zu warten. ich war als Dritter oben an der Paschenburg, aber in der Ebene hatte ich dann sehr schnell Ötzi eingeholt, der nicht mitziehen konnte oder wollte. Und ein paar Minuten später hatte ich auch AWB eingefangen und wir fuhren zusammen die Abfahrt runter. Da machte wieder ehr viel Spaß und eh wir uns versahen waren wir in Pohle. Hier ging AWB nach vorne und brachte uns die letzten Meter nach Lauenau, bevor er dann, geradezu klassisch verkündete: „Ich fahr‘ hier weiter geradeaus – Tschüss!“ Es war genauso wie mit Racer Y bei der Weserrunde am Wochenende zuvor – diese RTF Fahrer sind doch arge Eigenbrötler.

An der Einfahrt zum Mineralbad standen zwei leicht beschädigte Autos, es gab Gerüchte, dass ein jüngerer Bremer Fahrer etwas riskant unterwegs gewesen wäre und dabei mehrere Unfälle verursacht habe. Man weiß nichts genaues.

Insgesamt bin ich die 148 km in 5:52 hr gefahren und habe dabei 24 Minuten gestanden. Die Hälfte davon vermutlich an der Weserfähre.

Strava

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Im Mineralbad bekam ich das Pfand für meine Startnummer wieder und war nun voll  in der Stimmung diese €5 voll auf den Kopf zu hauen. Bei RTFs bekommt man ja für wenig Geld sehr viel Kuchen, Kaffee und Grillwürstchen und so war es auch hier. Und um 14:30 Uhr konnte ich mich bereits wieder auf den Weg nach Hause machen.

So fuhr ich die A7 von Hannover hoch in Richtung Bremen , als mir zum x-ten Mal ein Schild „Gedenkstätte Bergen-Belsen“ ins Auge fiel. Ich wollte da schon immer mal hin und da ich in der Abfahrt letztens ohnehin mein Leben komplett zu ändern andachte,  dachte ich, dass dies doch ein guter, erster Schritt wäre.  Dieses Schild ist eine Mogelpackung, denn kommt man am Ende der Ausfahrt an steht dort eine wichtige, zweite Information: „30 km“. Aber 30 km mehr kann ja nicht der Grund sein nicht sein Leben zu ändern.

Die Gedenkstätte ist genau das, von den Bauten des Konzentrationslagern ist nichts mehr übrig. Stattdessen gibt es Gedenksteine hier und dort, einen Wald mit Lichtungen und Birken und ein Museum mit viel Sichtbeton und Glas, so Tadao-Ando mässig.

Die Dokumentation ist gut, das Konzept Standard, etwa so wie beim Denkmal der ermordeten Juden Europas in Berlin. Ich dachte ich wüsste schon recht viel über Bergen-Belsen, insbesondere hatte ich vor einige Jahren Videos über die Befreiung des KZs durch die britische Armee gesehen. Es gab noch so viel interessante Dinge, die ich nicht gewusst hatte; z.B. dass dies erst ein Baulager für den Ausbau eines Truppenuübunsgplatzer und dann ein Kriegsgefangenenlager für russische Soldaten war und erst 1943 dann ein Teil zum KZ wurde. Und dass es nach dem Ende des Krieges zum Rückführungslager von in erster Linie Polen und Juden in ihre Heimat, wurde.

Der Gedanke, der mich am meisten umtrieb war, dass es ist aus heutiger Perspektive nicht zu begreifen, warum in einem KZ ein großer bürokratischer und organisatorischer Aufwand getrieben wird, um Häftlinge zu photographieren, zu impfen, ihre Personalien aufzunehmen und in Arbeitskolonnen zu organisieren, wenn das einzelne Menschenleben dort nichts wert ist und willkürlich beendet werden kann.

Auch heute gibt es noch einen großen Truppenübungsplatz ganz in der Nähe. Man verbindet die Begriffe Krieg-Militär-Nazi-KZ doch in einer historischen Kette miteinander und ich empfinde es als unglücklich, dass nun direkt neben einer KZ Gedenkstätte Krieg gespielt oder geübt wird. Jedenfalls brachte mich der Weg über die Panzerringstrasse relativ schnell nach Hause.

Zuhause angekommen, ergab sich folgender Dialog zwischen meiner Frau und mir:

„Du kommst aber spät nach Hause!“
„Entschuldigung, ich war noch im Konzentrationslager.“
„Und, hattest Du Spaß?“

Na ja, ging so. Im Gegensatz zu der RTF Lauenau, deren Organisatoren hier noch einmal überschwänglich gedankt sein.In den letzten vier Wochen hatte ich nun über 1.600 km zurückgelegt. Am Sonntag war ich noch ganz OK, aber am Montag war ich dann einfach nur noch platt und hatte keine Lust zu gar nichts mehr.

Noch nicht einmal zum bloggen, was wirklich selten ist.

Damit ist die Saison auch fast zu Ende – Mitte September bereits mehr als 10.000 km von den geplanten 12.000 zurückgelegt, zum Abschluss den Münsterlandgiro mitnehmen und im Dezember noch einmal mit dem Sohn nach Malle. Und Punkt.

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Im Weserlabyrinth 2016.

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Die Weser, mythischer Urfluss Norddeutschlands, gespeist aus rein deutschen Wässern, zieht sich von seiner, äh, Quelle, in Hannoversch Münden durch die Tiefebene nach Bremen und fließt, unter Umgehung von Hamburg in die Nordsee. Seit 2010 kann man bei der RTF „Große Weserrunde“ auf der östlichen Seite von Rinteln etwa 150 km weit zur, äh, Quelle, fahren und auf der westlichen Seite wieder zurück.

Ich hatte das 2014 einmal gemacht, zusammen mit Philipp, Tobias, Jan, Jonas und Sebastian. Genauso hätte ich das gerne dieses Jahr wiederholt; aber zwei von uns Sechsen fahren gerade nicht viel Rad und bei zwei weiteren funktionierte die Organisation über Facebook nicht. So lange man am Sonntag 60 km von zuhause aus in die Gegend fährt, gibt es eine realistische Chance über fb Mitfahrer zu finden, aber selbst da –

„Können wir nicht eine halbe Stunde früher fahren?“
„Der Schnitt von 29,3 km/h ist mir zu hoch, dachte an 29,1.“
„Übermorgen wäre besser.“ 
„Wie wär’s mit schwimmen stattdessen?“
„Weiß jemand wo ich weiße Hoodys für meine 88er Campagnolo Chorus Bremshebel herbekomme?“


ist es schwierig alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. Wenn es darum geht Auto, Zug, Unterkunft etc. für eine 300 km Tour zu organisieren ist es fast unmöglich. Es deutete sich am Donnerstag letzter Woche ab, dass ich mich vermutlich alleine auf den Weg machen musste und das tat ich dann auch direkt nach der Arbeit.

Von mir zuhause in Bremen bis nach Rinteln sind es ziemlich genau 125 km. Das könnte ich an sich locker fahren, aber nicht wenn ich am nächsten Tag auf die 300 km Strecke muss.
Letztens bin ich eine Dienstreise nach Hamburg mit dem Rad gefahren, das waren auch genau 125 km und dafür habe ich 5 Stunden gebraucht. Das hätte auch schneller gehen können, wenn ich die Strecke gekannt hätte, aber so musste ich immer wieder absteigen und auf meine ausgedruckten Karten schauen. Und in gruseligen Gegenden wie Hamburg Neugraben brauchte ich viel Zeit um meinen Besitz im Auge zu gehalten und zu verteidigen.

Also mit der Bahn. Damit habe ich 3 1/2 Stunden gebraucht, gar nicht einmal so viel schneller wie mit dem Rad und kam gegen 20 Uhr in Rinteln an. Rinteln ist recht schmuck und hat ein Freibad in der Stadtmitte an der Weser. Leider wurde die Universität Rinteln bereits 1810 geschlossen, junge Menschen habe ich entsprechend wenig gesehen. Ich fuhr vom Bahnhof in die Stadt und kam an „Kuddels Grillbude“, „Döner Klaus“ und anderen Kultur-Establishments vorbei. Die Versuchung das Nachtleben zu genießen hielt sich also in Grenzen und so konnte der Wecker am nächsten Morgen um 5:15 hr  klingeln.

Als ich aufwachte und aus dem Fenster schaute, stellte ich etwas überraschendes fest:

So etwa sah es aus.

Manchmal begreift man ja logisch Dinge, verkennt aber deren Konsequenzen. So ist mir zum Beispiel völlig klar, dass „Sommerzeit“ nicht bedeutet, dass die Sonne eine Stunde länger scheint, sondern genauso lang, nur eben in versetztem Zeitraum. Allerdings, dass es morgens dann eine Stunde später hell wird, daran habe ich nie gedacht. Das liegt daran, dass ich um 5 Uhr morgens nicht denke, sondern schlafe.

Jedenfalls hatte ich kein Licht dabei als ich zum Start fuhr und mir bereits die ersten Gruppen der 300er Fahrer entgegen kamen. Alle mit Supernoven an den Rädern und teilweise an den Helmen, fuhren die Richtung Weser, während ich möglichst unauffällig auf dem Fußweg vorbei schlich.

Die Weserrunde wird in Gruppen von ca. 10 Fahrern alle 2 Minuten gestartet. Ich melde mich an, bekam meine Startzeit 5:58 hr für die letzte 300er Gruppe und aß noch ein paar Brötchen. Dann verhandelte ich über das Depot meines Gepäcks, und bis ich dann am Start war war es 6 und ich pfuschte mich  in die erste 250er Gruppe rein. Nun hätte ich ja schön schnell fahren müssen, um ein paar 300er einzuholen, aber ich musste erst einmal in der Gruppe bleiben, damit ich überhaupt etwas sah. Denn: Kein Licht. Und außerdem ist diese RTF so gar nicht beschildert. Ohne Garmin oder Karte läuft da nichts. Klar, irgendwie geht es immer die Weser lang Richtung Süden, aber der Weg ist nicht gerade selbsterklärend. Und so hatte ich am Ende 320 km auf dem Tacho, weil ich die sehr seltene 320er Streckenvariation gefahren bin mit kurzen Ausflügen in Sackgassen, Schotterwege und andere Labyrinthe. Das ist keine RTF, sondern eigentlich eine Landesverbandzielfahrt.

Viele andere hatten das gleiche Problem. Und fluchten auf ihren Garmin, da der die Strecke nicht fand, oder wieder abgestürzt war, oder ihm am Ende der Saft ausging. Ich habe gerade noch einmal meinen Bericht von 2014 gelesen. Im Prinzip das gleiche Problem. Die Benutzung eines Garmins ist immer noch mit extrem vielen Risiken verbunden, warum ist das nicht so einfach wie bei einem Tomtom im Auto? Warum braucht man immer noch eine dreijährige Ausbildung zur IT-Fachkraft, um so ein Ding bedienen zu können? Ich hätte ja schon ganz gerne eins, die Aussicht bei MS-DOS wieder anfangen zu müssen schreckt mich ab. Ich fahre Rad weil ich eben nicht noch mehr Zeit am PC etc. verbringen will um den Garmin einzustellen oder ein Update auf die Di2 zu spielen.

Also blieb ich erst einmal in der Gruppe, die allerdings mit 28 bis 30 so vor sich hin kroch. Ich konnte aber nicht weg, denn: Kein Licht, kein Garmin. Das war  jetzt ganz anders, als 2014. Da hatten wir eine Reihe gut programmierter Garmins und schneller Jungs, so dass wir gut Strecke machten. Zum Glück ist wenigstens die Sonne nicht von Garmin Ingenieuren programmiert worden und langsam wurde es hell.

Eine schnellere Gruppe überholte uns und ich schloss mich dieser an. Das machte einige etwas riskante Rennmanöver erforderlich, sehr zum Unwillen einiger Frauen im Feld die gleich anfingen rumzuzicken, als ich sie schmitt-mäßig rechts überholte. Das brachte aber alles nichts, denn nach 2 km hatte jemand in der Gruppe einen Platten, die anderen warteten und ich kam wieder zurück in meine alte Gruppe. Mit der fuhr ich zusammen bis zum ersten Kontrollpunkt an diesem Campingplatz hinter der Gipsfabrik in Bodenwerder, die durch ein Zeitloch samt holländischen Campinggästen, aus dem Siebzigern gefallen ist.

Die Pause machte ich kurz, und ging dann mit einer schnelleren, kleineren Gruppe raus.

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Keiner hatte einen funktionierenden Garmin, aber einer, der rot-blaue, erzählte, dass er aus der Gegend kam und sich auskennen würde. Das stimmte so halb.Ich sag jetzt mal nicht, welche Hälfte. Wir blieben zusammen bis zum nächsten Kontrollpunkt in Holzminden an der Hafenbar.

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Und auch darüber hinaus, wobei sich in Holzminden ein weiterer Fahrer zu uns gesellte, der mir allerdings nicht seinen Namen verriet. Da er im weiteren Verlauf relevant wird, nenne ich ihn einmal Racer Y. Das ging jetzt gut vorwärts, bis nach Bad Karlshafen. Dort wollten Racer Y und ich an der Weser lang fahren und merkten nicht, wie die beiden anderen die richtige Straße nahmen. Unser Weserweg wurde immer enger und schmaler. wir überholten eine Gruppe von Rentnerradlern  und dann gab es eine Linkskurve, der Weg führte durch einen ca. 1,5 m hohen Tunnel unter der stillgelegten Bahn dann war da nur noch Schotter. Also zurück, vorbei an den Omas, zurück auf die richtige Straße. Und als wir nach einer Viertelstunde etwa wieder gut Strecke machten, wer tauchte da vor uns auf der Straße auf: Die Rentnerradler! Wären wir nämlich nur 50 m weiter den Schotterweg gegangen, so hätten wir auch die Hauptstraße erreicht.

Es gab noch ein paar weitere Schleifen, aber jetzt lief es, die Strecke war recht klar und Racer Y und ich machten ordentlich Tempo.So kamen wir nach Hemeln.

Hemeln, das wissen nicht viele, unterscheidet sich nicht großartig von Hameln. Im Namen nur ein Buchstabe und die Stadt hat sogar ihr eigenes Märchen, „Der Rettichfänger von Hemeln.“ Leider ist dieses Märchen sehr, sehr langweilig, denn wie man sich einfach vorstellen kann, ist es wesentlich aufregender Ratten zu fangen und die Stadt von dieser Plage zu befreien, als Rettiche, die eigentlich nur willenlos auf dem Feld rumliegen. Und so kommt es, dass Hameln heute berühmt ist und Hemeln niemand kennt. Außer natürlich Rettichfreunden.

Um Viertel vor 12 erreichten wir den Verpflegungspunkt am THW in Hanoversch Münden, der Hälfte der Strecke. Das Essen war von bekannter Güte und zugeschnitten auf Katastrophenopfer, deren Besitz gerade in Flammen aufging oder die Weser hinunter gespült wurde. Ich unterhielt mich mit Racer Y über die RTFs, die wir bislang so gefahren sind. Er: Ötztaler, ich: Transalp. Racer Y war übrigens ein guter Fahrer, sehr gleichmässig, schlank und drahtig und schnell am Berg. Unser Gespräch kam auf die Cyclassics, von denen er nur schlechtes gehört hatte. Es ist irgendwie lustig, diese RTF-kulturelle Voreingenommenheit gegen Rennen immer wieder zu hören: Keiner ist je mitgefahren, aber alle haben schon einmal von anderen gehört wie schlimm solche Rennen sind und welche Honks da mitfahren, das ist auch bereits anderen aufgefallen. Das ist ähnlich wie diese Geschichten über den Freund der von einer Spinne gebissen wurde, dann schwoll der Arm dick an und als der Arzt das aufschnitt, krabbelten ganz viele kleine Spinnen aus der Wunde. Habe ich bestimmt zehn Mal gehört von zehn verschiedenen Freunden, die alle schwörten, dass es jemandem passiert ist den sie kennen. Auf englisch nennt man so etwas „urban legend“.

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„Boh, die Cyclassics, da fahr ich nicht mit, ich bin ja nicht lebensmüde..:“

Dann kamen auch unsere beiden anderen Mitfahrer an, der eine erwischte mich auf der Toilette, schaute mich vorwurfsvoll an und meinte, ich wäre ja wohl nicht die korrekte Strecke gefahren. Er hatte so diesen Blick drauf, wie mein Vater, als ich ihm 1981 beichten musste, dass ich im Supermarkt beim klauen erwischt wurde. In diesem Moment hatte ich als RTF Fahrer in seinen Augen  versagt.

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Katastrophengeräte des THW

Wir machten uns dann zu zweit auf den Rückweg nach Rinteln auf der westlichen Weserseite. Das ging sehr gut, wir fuhren im 32-35 km/h Bereich, wechselten uns vorne ab und überholten die eine oder andere Gruppe. Da wir keinen Plan hatten, wie wir zurückfahren mussten blieben wir im wesentlichen auf der Bundesstrasse. Plötzlich wurden wir von einem deutschen U-Boot torpediert! Ich ahnte nichts böses, aber das Torpedo schoss um Haaresbreite links an mir vorbei. Als ich genauer hinsah, bemerkte ich, dass das kein Torpedo, sondern dieses Liegerad vom THW war. Es hätte aber auch ein Pokemon sein können. Oder sich bewegender Strassenbelag. Mein Gott, die Dinger sind schnell und geräuschlos. Am Berg holten wir es immer ein, in der Abfahrt schoss es an uns vorbei.

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Unterwegs mit Racer Y. Den dicken Rhein-Energie Fahrer vor uns haben wir gleich darauf abgehängt.

Die westliche Seite ist weniger schön, aber deutlich einfacher zu fahren. In Gieselwerder machten wir uns nicht die Mühe den Verpflegungspunkt zu suchen und fuhren die ersten 60 km durch bis nach Höxter, wo wir an einem Netto Pause machten.

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Kosumosu blühte bereits am Strassenrand

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Teilweise fuhren wir auf den Radwegen und wir hielten an allen roten Ampeln. So langsam ging mir dann die Luft aus; wir waren bereits 200 km unterwegs, hatten noch mindestens 110 vor uns und Racer Y fuhr jetzt deutlich mehr vorne als ich. 200 km ist für mich so eine Grenze, darunter macht es Spaß, darüber an sich nicht.

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Nachdem es jetzt definitiv nicht mehr dunkel war, fiel mir auf, dass ich noch etwas anderes komplett vergessen hatte: Sonnencreme. Daran ist natürlich dieser völlig bescheuerte Sommer Schuld. Ich hoffte, dass meine Haut das irgendwie abkönnen würde und lag damit auch nicht falsch.

In Polle verpassten wir die nächste Verpflegungsstation und damit vermutlich auch den leckeren Kuchen. Und in Hehlen stellten wir dann fest, dass wir die Abzweigung in die Berge verpasst hatten. Das war doof, denn die sogenannte „Alternativstrecke“ an der Weser ist ziemlich schlimm und außerdem auch länger als der Weg durch die Hügel.

Also versuchten wir irgendwie mit Racer Y’s Iphone herauszubekommen, wie wir wieder auf die Strecke kommen würden und bogen dann in Hehlen ab, um uns auf den Anstieg zu machen.

Auf einmal bekam ich einen Klaps auf den Hintern und erschrak total – Racer Y war wieder da :D. Ich hätte nicht gedacht, dass ich ihn nochmal sehe, bis ich ins Ziel komme. Jetzt ging es zu zweit weiter. Ich stöhnte bei jeder kleinen Steigung und ärgerte mich wahnsinnig, dass mir schon wieder etwas wehtat. Aber wenigstens hatten wir keinen Gegenwind mehr – das war schon mal was….

Racer Y versuchte glaube ich 2 Mal mit mir zu sprechen – Ich war aber schon in einem „Zustand“ in dem ich keine Lust mehr hatte zu sprechen. Ich sah nicht mehr viel von der Strecke. Ich konzentrierte mich nur noch auf die Hinterräder und den Popo von Racer Y.“

Ich habe das aus einem anderen Blog, äh, übernommen, weil mir jetzt auch nichts besseres zu schreiben einfällt.

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Oben auf dem Hügel war es aber Klasse. Wir thronten über dem Wesertal und unten dampfte das Atomkraftwerk Grohnde lustig vor sich hin. Das ist das zweite AKW an dem wir vorbeikamen, auf der anderen Weserseite befindet sich das bereits abgeschaltete AKW Würgassen. Ich hatte das des Namens (Würg Assen) immer in Baden-Würgenberg vermutet – auch dies ein Vorurteil.

Jedenfalls finde ich das AKW Grohnde richtig schick, denn mit seinem runden Kuppelbau und den beiden Kühltürmen sieht es aus wie ein klassisches, deutsches AKW meiner Jugend (und da denke ich automatisch an SYPH). Man wächst auf, sieht ein AKW und denkt: „Aha, so sieht also ein AKW aus!“. Oder Krankenhäuser: Krankenhäuser haben gefälligst so auszusehen, wie das Bethesda, das Maria Hilf, oder das Franziskushaus in Mönchengladbach. Oder ein Bahnhof muss irgendwie so eine klassische Front haben. Dann kam ich nach Japan. Dort sahen AKWs dann so ganz anders aus.

Richtig in Deutschland

Komplett falsch in Japan

Ich meine, das hätte ebenso gut eine Schuhfabrik sein können, oder ein Hochregallager für Tchibo. Und die japanischen Krankenhäuser?

Richtig. Alt und dann Anbau.

Falsch.Komplett falsch.

Sahen irgendwie aus wie Bürogebäude. Oder nehmen wir eine Uni – die Unis sahen auch aus wie Bürogebäude, teilweise auch die Hotels. Und sogar Bahnhöfe sahen aus wie Bürogebäude.

Japanische Uni (Meiji, Tokyo)

Japanisches Hotel (Washington, Tokyo)

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Japanischer Bahnhof (Nagoya)

Mit anderen Worten, quasi jedes moderne, große Gebäude in Japan sah aus wie eine post-moderne Kiste mit ein paar angeflanschten anthroposophischen Rundungen. Man weiß ja heute, wo das alles herkommt: Aus Aachen, genauer gesagt von einem Aachener, Mies van der Rohe.

War im Bauhaus (ich meine jetzt nicht einen dieser Baumärkte) und emigrierte dann in die Staaten, wo ihm die Amerikaner zu Füßen lagen und er in der Folge eine postmoderne Schachtel nach der anderen hinsetzte: International Style (Lustigerweise interntional style. Diesen Begriff gab es in Japan schon im 19. Jahrhundert, für Häuser, die nicht im japanischen Stil gebaut wurden. Was Basil Hall Chamberlain in „Things Japanese“ 1890 zu der Bemerkung veranlasste: „It is called international style, because it is foreign to any national style.“)  . Setzte sich dann auch in Tokyo durch, oder vielleicht auch gerade, da man da nicht viel falsch machen kann, was gut ist für jeden extrem risiko-aversen Japaner. Das kann man alles im Detail bei Tom Wolfe: „From Bauhaus to our house“ nachlesen. Ganz ehrlich, das ist eines der besten Bücher aller Zeiten. Wirklich und ehrlich.

Seagram Building, Chicago 1958: Die allererste postmoderne Schachtel. Von Mies van der Rohe.

Und das schreibe ich jetzt nicht, weil ich mich als Bauingenieur über Architekten lustig machen will. Jetzt sollte ich deshalb an dieser Stelle, aber noch etwas gutes zum Ausgleich über die Architektur in Japan schreiben. Nachdem ich ja nun den Eindruck hinterlassen habe, dass alle Gebäude in Japan in etwa gleich aussehen (was in etwa stimmt), muss ich aber auch zugeben, dass es daneben in Japan die  irrwitzigsten modernen Gebäude überhaupt gibt.

Dies hier, ein sehr bekanntes Beispiel, ist keineswegs ein AKW, sondern das Gebäude von Fuji Television (etwa RTL aus japanisch).

Und das war hier einmal eine Bierhalle von Asahi Bier.

Und dieses tolle Kindermodengeschäft war so etwa 500 Meter von meiner Wohnung entfernt. Aber zurück nach Aerzen, wo wir in der Zwischenzeit angekommen waren.

Aerzen – nicht ganz so verrückt wie Tokyo.

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Hier ging es jetzt hoch und runter und so langsam dem Ziel entgegen. Und endlich hatten wir die Stadtgrenze von Rinteln erreicht.

Prima, jetzt endlich chillen, ein bißchen mit Racer Y über die Großartigkeit des gemeinsam Erlebten quatschen und dann ab in den Zug nach Hause. Wir fuhren die Einfallstrasse nach Rinteln rein und als wie links abbiegen mussten zum Start, da rief mir Racer Y zu, der vor mir fuhr: „Ich fahr weiter geradeaus zum Auto, Tschüss.“ Das war’s. Ich habe ihn nie wieder gesehen.

Jetzt könnte ich hier ja aufhören, aber so sind halt eine Menge RTF Fahrer – nicht besonders extrovertiert, bzw. an anderen Menschen interessiert. Er erinnerte mich an Klaus aus dem Bauingenieurstudium. Nun muss man wissen, dass die Bauingenieure sowie recht freudlose Gesellen sind. In den sieben Jahren in Aachen im Studium habe ich nur einen kennen gerlernt der lustig und kreativ war, Christian (wie der Entführte). Also im Prinzip sonst alle RTF tauglich. Jedenfalls nach einer Vorlesung gingen wir gemeinsam wieder Richtung Stadt und ich erzählte gerade den lustigsten Witz, den ich je gehört hatte. Ehrlich. Und ich war gerade bei der Pointe angekommen und schrie fast: „Und dann, dann sagt die Frau zum Arzt..“ Ich machte eine rhetorische Pause, und in dem Moment sagte Klaus: „Ich muss noch in die Mensa, Tschüss und bis morgen.“ Und weg war er.

Zugfahrt zurück? Lang. Müde. Dicke Beine. Diverse Stellen taten weh, von denen ich noch nicht einmal wusste, dass es dort Stellen gibt. Von Hannover bis Bremen sitze ich in einem Wagon mit ca. 20 jüngeren Punks. Deren Gequatsche ist ziemlich unerträglich, die Jungs sind besoffen und die Mädels sehen echt hässlich und fett aus. Sie machen die nicht- lustigsten Witze der Welt und ich bin zu müde um mir das Rad zu schnappen und durch den Zug zu gehen. Ich halte das tatsächlich die ganzen 90 Minuten zurück aus. Am Ende kocht das AAAdrenalin und ich habe seit langer Zeit mal wieder Lust auf eine Prügelei. Hm, die letzte liegt auch schon wieder fast zehn Jahre zurück. Doch davon ein anderes Mal.

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RTF Northeim. Ein schwarzes Regenloch. Deutschland.

Na, auch am Samstag in Northeim auf der RTF gefahren? Dann habe ich Dich gesehen!

Die Erklärung folgt später. Warum sollte man auch aus Bremen auf eine mehr als 200 km weit entfernte RTF fahren, wenn die Regenwahrscheinlichkeit 85% beträgt, man dafür morgen um 4:50 hr aufstehen muss, nachdem man am Abend vorher mit seinen Studenten den Abschluss ihres Studiums gefeiert hat? Alles gute Gründe, die dafür sprechen das alles sein zu lassen – es sei denn die eigene Frau, wie so oft, drängt dazu: „Komm‘ jetzt, Du hast noch nicht genug Höhenmetern in den Beinen und Du willst in einem Monat in die Alpen. Ich will nicht, dass Du Dich dort blamierst und Leute komisch über unsere Familie reden!„. Nicht nur meine Frau baute da Druck auf, sondern auch die wohlmeinenden besseren Hälften von Hannes und Eddie (nach eigenen Angaben) und so fanden wir drei uns morgens im fünf im leichten Nieselregen vor meiner Garage ein und machten uns auf den Weg nach Northeim.

Northeim, wie der Name schon vermuten lässt, liegt nicht im Norden, denn sonst würde es ja „d“ geschrieben. Eigentlich liegt es nirgendwo, nirgendwo wo ich jemals war, oder nur in der Nähe war. Ein Teil Deutschlands, der sich bislang völlig meiner Wahrnehmung entzogen hat. Noch nicht einmal in der Grundschule, wo ich Flüsse, Gebirgszüge und Landschaften von der Etsch bis an den Belt bis zum Erbrechen lernen musste, kamen Northeim oder Solling vor. Solling, das war für mich ein Segelboot und Northeim eine Stadt für Legasteniker.

Tatsächlich liegt Northeim aber nur 2 Stunden Autofahrt von der glitzernden Metropole Bremen entfernt, verbunden durch eine leere Autobahn, getrennt durch  ein dickes schwarzes Regenloch, das sich von Nieseln zu kontinuierlichem Niederschlag auf der Hinfahrt entwickelt. „Wisch, wisch, wisch – KAWUNG!“ machen die Scheibenwischer, weil sich der rechte über die rechte Seite des Fensters hinaus bewegen will und heftigst gegen den Fensterrahmen anschlägt. Ein typischer Konstruktionsfehler eines Ford Galaxy, der seit drei Jahren auch nicht mit Direktimport von Spezialgestänge aus Fernost behoben werden kann – oder eben genau dadurch entstanden ist.

Der Start ist in Northeim an einer Schule, am Parkplatz gibt es noch jede Menge freie Plätze und innen drin noch jede Menge belegte Brötchen, hübsch drapiert auf einem Tisch; gemütliche Sitzecken, zwischen hübsch dekorierten Heizkörpern laden zum verweilen ein. Draußen regnet es weiter, da ist das die weitaus bessere Alternative.

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Raum- und Zeit-trennende Heizkörper

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Morgens am Start. Ein irres Gewimmel von Menschen.

Um 8 Uhr ist der Start für den 210 km Radmarathon, wenn ich mich nicht verzählt habe, machen sich acht Fahrer auf den Weg. Mir tut der ausrichtende Verein etwas leid, der vermutlich mehr als doppelt so viel Freiwillige aufgeboten hat, um die RTF durchzuführen. Es hat aber nicht jeder so ehrgeizige Frauen wie wir.

Zwischen den Raum- und Zeit-trennenden Heizkörpern treffen wir einen älteren Fahrer aus Erfurt, der mit dem rad gekommen ist, knappe 150 km. Welche Strecke der denn fährt? Gar keine, gleich geht es wieder zurück nach Erfurt. Verstanden habe ich das nicht.

Kurz vor halb neun versammeln sich die Starter unter dem Vordach am Haupteingang. Insgesamt zähle ich etwas mehr als zwanzig, die meisten aus der Umgebung, bis nach Hannover. Wir haben mit ziemlicher Sicherheit die weiteste Anreise hinter uns.

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Es kann gleich losgehen, so richtig aus will aber keiner.

Ein Repräsentant des Vereins hält eine anfeuernde Rede, die aber auch aufgrund des Regens und da er keine Lust hat da draußen nass zu werden, sehr kurz ausfällt: „Gute Fahrt! Und los jetzt!“.

Dann zieht das Feld ab durch den Regen. Selten war ich so lange in der Spitzengruppe einer RTF, gemütlich fahren wir so mit 30, 32 durch Northeim und bleiben erst einmal zusammen. Nach etwa 5 km sind die Schuhe und die Socken nass, dann auch Hose, Jersey und alles was sonst so an mir dran ist. Was nicht durch den Regen nass wird, erledigt der Schweiß unter der Regenjacke. Vielleicht sollte ich mir doch einmal so eine Castelli Gabba zulegen – aber mir fehlt einfac der Glaube, dass das wirklich etwas nützt. Genauso wie der Glaube an Überschuhe – ob man nach 5 oder 10 km die Socken nass hat macht keinen Unterschied bei 150 km Strecke.

Bei den erste Anstiegen zerreist es dann schon das Feld. Wir bleiben in einer acht Mann starken Gruppe. Ach so, ja eine einzige Frau am Start. Will wohl auch in die Alpen und wurde von ihrem Mann hierher getrieben. Bei den ersten Abfahrten schlägt der Regen bei höherer Geschwindigkeit unbarmherzig ins Gesicht. Oder vielleicht war es auch kein Regen, sondern Kieselsteine aus der Rückentasche von Hannes, die er immer dann schmeißt, wenn er droht zurückzufallen.

An der ersten Kontrolle nach 30 km haben wir uns an das Wetter gewöhnt, wir fahren gleich wieder weiter und bleiben in unserer Gruppe zusammen. Bei der zweiten Kontrolle, hinter den Höfen hat es langsam aufgehört zu regnen, mit viel Phantasie kann man im Westen ein Aufklaren erkennen.

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Hannes und Eddie vorne, aufklarendes Wetter hinten.

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Dummerweise ist das auch der Teilungspunkt für die 115er Strecke (rechts) und die 150/210er Strecke links, und so wird unsere Gruppe etwas kleiner. Einerseits. Andererseits können wir aber auch ein paar andere aufsammeln. Von nun an bleiben wir fast alles bis fast bis zum Ende zusammen: Hannes, Eddie, Deutschland (Alle nennen ihn Deutschland, weil auf seiner Hose groß Deutschland steht), Rolf, Rolfs Freund, ein rote und ein Blauer. Oder, wo ich so drüber nachdenke war der blaue rot, bis er seine Regenjacke auszog. Ich unterhalte mich mit ihm und den anderen; alle sind aus der Gegend, kennen sich super aus und sich irritiert über meine Frage, ob das hier bereits Zonenrandgebiet ist. Es beginnt der Anstieg von Dassel in den Solling. Ich fahre vorneweg mit Deutschland und wie unterhalten uns über dies und das.  Rolf mag das gar nicht, Rolf möchte vorne fahren, ist aber am Berg langsamer als in der Ebene oder Abfahrt und überholt uns mal wieder. Das macht er ständig, auch in den Kurven rechts und das macht mich ein wenig nervös. Rolf hat ein gutes Kharma.

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Oben auf dem Solling warte ich auf Hannes und Eddie und wir fahren zu dritt flott den anderen hinterher auf der langen Abfahrt.nach Bodenfelde an der Weser. das macht nun richtig Spaß, die Strasse ist fast gerade und wenig technisch, es hat größtenteils aufgehört zu regnen und wir ziehen mit 40 plus unsere Runden.

Die nächste Kontrolle ist direkt vor einem Continentalwerk vor dem Anstieg auf den Totenberg.

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Noch mehr Regen. Gerade genug Zelt.

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Hier bleiben wir relativ lange, denn ein fieser Schauer kommt nieder und wir drängeln uns unter dem Zelt zusammen. Eigentlich ganz gut, dass nicht mehr fahren, denn da wäre es sau eng geworden. Also der Regen wieder abflacht machen wir uns wieder auf den Weg, zu uns ist in der Zwischenzeit noch Old Silverbeard gestossen.

Den verlieren wir aber fast wieder gleich auf dem nächsten Anstieg. Der sieht gar nicht so schlimm aus, aber nach mehr als 100 km durch den regen ist auch ein wenig Kraft weg, und die vielen Wellen täuschen immer mal wieder das Ende vor, dass aber noch nicht da ist, eine weitere Abfahrt, ein weitere Welle. Oben angekommen ziehe ich mir die Regenjacke aus und warte auf die anderen. Rolf fährt schnell durch, aber wo ist Deutschland? Ich warte auf Deutschland, der eine Minute später oben ist und ziehe Deutschland wieder an die Gruppe ran.

Das nützt aber alles nichts. Deutschland sieht ziemlich schlecht aus und fällt wieder raus. Old Silverbeard ist schon lange weg. Es regnet nicht mehr und langsam trocknet auch die Strasse.

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Rolf war’s mal wieder zu langsam und zieht davon.

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Vorne der Rote, der eigentlich blau war.

Das letzte Stück der RTF ist nicht wirklich schön – viel breite Bundesstraße mit Verkehr, das hätte der Veranstalter auch besser planen können – aber wir sind ja dankbar, dass wir überhaupt fahren dürfen.  Eine letzte Kontrolle nach 140 km. Rolf hat einen Platten. Sage ich ja: schlechtes Kharma. Oder vielleicht liegt es auch daran, dass er einen Schwalbe Ultremo fährt und trotzdem vor einer Continental Fabrik Pause gemacht hat. „Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort..“ sagte mein Opa dazu, und heute vermute ich, dass es mit „… große niemals“ weitergeht.

Noch 14 km. Die Streckenführung überrascht noch einmal mit einem Abstecher auf einem Feldweg.

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Rolf mal wieder vorne. Der Rote jetzt blau.

Geschafft. Ziel. Kein Mensch da, vielleicht drei, vier Fahrer und die gleiche Anzahl von Menschen vom Veranstalter, Cicli Northeim. Würstchen mit Kartofelsalat. Eine Cola. Duschen. Erstaunlicherweise sind wir trotz des schlechten Wetters gut brau geworden:

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Als wir am Auto stehen trudeln Deutschland und Old Silverbeard ein. Deutschland bekommt von Old Silverbeard  eins auf den Deckel, sie hätten ja auch zusammen fahren können. Das tun mir dann, und zwar nach Hause.

Abgesehen davon, dass es (von Sonntag aus betrachtet) viel Spaß gemacht hat, es war auch ein wirklich notwendiges Training für die kommenden Abenteuer und neben Hannes und Eddie möchte ich besonders unseren Frauen danken die mit viel Verständnis, aber auch dem nötigen Druck, uns immer wieder auf den richtigen Weg führen. Dieser Weg sollte uns, damit wir auch wirklich in den Alpen bestehen können, in den nächsten Tagen noch einmal in den Harz führen, dies als kleiner Hinweis an unsere Frauen. Aber vermutlich kommen die ja selber drauf.

Strava

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Warten auf Bumsfidel. RTF Barrien.

„In Bremen an der Weser, Fleischergasse 8
da wohnt der Metzger Bumsfidel, der aus Kindern Hackfleisch macht
den Eltern gibt er’s wieder, wenn auch als Frikassee
auf diese Art und Weise, tut scheiden nicht so weh“

Mit diesem Reim versuchten mich meine Eltern in Kindertagen davon zu überzeugen, meine Suppe auszulöffeln, wenn sie mal wieder nicht so gut schmeckte. Bumsfidel, das war der Horror meiner Kindertage: omnipräsent wie Tritop, grauenhaft wie BZN und geheimnisvoll wie Idi Amin. Ich wurde erwachsen, dachte nicht mehr an Bumsfidel, bis an jenen schicksalhaften Sonntag im Juni 2015:

Markus und ich hetzten morgen uns halb sieben zur Bank an der Wehrstrasse, wo sich die bremischen Radfahrer zur Anfahrt nach Barrien trafen. Wir wurden herzlich begrüßt mit einem lautstarken: „moin, rhabarber, rhabarber, rharbarber, grummel, grummel“ begrüsst und wollten schon losfahren…..

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Sonntag Morgens um halb Sieben an der Wehrstrasse: Where the fuck is Bumsfidel?

….. als jemand auffiel, das Bumsfidel noch fehlte. Bumsfidel –  ein leichter Schauer rieselte über meinen Rücken und die noch behaarten Teile meiner Beine richteten sich leicht auf gegen den Nieselregen auf. Ein gelber Schatten am Horizont: „Da kommt Bumsfidel endlich!“

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Nein, es war nicht Bumsfidel. Bumsfidel kam nicht und so setzten wir uns in Bewegung Richung Barrien.

Die Barrien RTF heisst offiziell, zumindest auf der Referenzseite aller RTFs in Norddeutschland, Helmuts Fahrradseiten: „Quer durchs Hachetal„. Ich finde die Bezeichnung „Tal“ etwas irritierend, denn sie impliziert das Vorhandensein von Bergen oder wenigstens Hügeln um das Tal herum. Die Hügel müssen sich aber bereits vor langer Zeit  gen Süden verpisst haben. Oder meinte jemand damit die Berge an Butterkuchen, die das eigentliche Highlight dieser RTF sind?  Erste Fehleinschätzung.

Die zweite war, dass wir recht zügig nach Barrien unterwegs waren. Ich dachte, das wird eine gemütliche RTF die ich im 30/33er Schnitt abrolle. Mein Image war etwa so:


Also, locker rum fahren, ab und an ein Baguette aus den extralangen Trikottaschen ziehen und abbeissen, ’ne Fluppe zwischendurch rauchen und dann volles abtanzen im Technoclub in Barrien, um die überschüssige Energie loszuwerden.

Aber alleine die Anfahrt dorthin ließ bereits den Verdacht aufkommen, das es schnell werden könnte. Also erst einmal eine rauchen, wenn das schon bei der Fahrt nicht möglich ist und sich vorher gut verpflegen. Es ist ja schon unglaublich, was die Dorfvereine um Bremen herum (Goldenstedt, Visbeck, Barrien etc.) für so eine RTF an Kuchen und Broten zur Verfügung stellen. Ich bin versucht mit Rad und Kinderanhänger anzureisen, den Damen am Buffetstand zuzurufen: „Ich kaufe alles, stellen Sie es mir bitte in den Anhänger und schicken Sie mir eine Rechnung.“ und dann auf dem Marktplatz in Bremen zu verkaufen – ich könnte reich werden.

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Alles in den Anhänger bitte, aber zapp zapp!

Aber ich bin zum radeln gekommen und nicht um Geld zu machen. Also nehme ich ein Leberwurstbrötchen, einen Kaffee und mache mir eine Mentholfluppe an. Eins von den RCB Mädels starrt mich mit diesem Blick an, den ich nur zu gut kenne. Es ist der Blick, den mein Vater hatte, als ich ihm nach dem Abitur sagte, dass ich nun eine landwirtschaftliche Lehre anfangen würde und den Lehrvertrag bereits unterschrieben hatte; es ist der Blick, den mir meine Frau zuwarf, als ich ihr nebenbei sagte, dass ich zu meinem Geburtstag alle meine ex-Freundinnen eingeladen habe. Ich glaube die Idee des Blickes kommt ganz gut rüber.

Aber wie gesagt, ich bin zum radeln gekommen und wir stellen uns am Start auf. Und nach einer motivierenden Rede durch den Verein geht es los. Und wie immer bei einer RTF fährt man dann gleich 45 km/h ohne das richtig zu merken. Das Feld zieht sich schnell auseinander und Markus und ich sind recht weit vorne in einer Gruppe mit vielleicht 20 Fahrer. Es ist kaum jemand dabei den wir kennen, aber die Gruppe macht gutes Tempo und wir hängen dran, als wenn es um unser Leben geht. Das heisst, ich tu das, Markus macht das sehr souverän. Irgendwie fehlt mir heute die Power, das liegt a) an der Zigarette b) an dem Basso Stahlrad, das heute den Vorzug vor der Carbonmöhre bekommen hat und c) an der Angst vor Bumsfidel. Vermutlich. Vielleicht reichen in meinem Alter fast 6.000 km Training auch nicht mehr aus, um eine RTF schnell zu fahren, ich weiß es nicht.

Bei der ersten Kontrolle nach noch nicht einmal 30 km fahren wir durch. Wir sind jetzt nur noch zu siebt und das Tempo ist immer noch hoch. Irgendwo an einem Hügel nach 41 km müssen wir abreissen lassen, vier sind vorne weg, und wir drei sortieren uns neu. Bis wir dann unvermeidlich von einer größeren Gruppe überholt werden, in der sich die meisten schnellen Jungs vom RCB befinden: Philipp, Sebastian, Stefan, Benjamin, Tobias.. habe ich jemanden vergessen? Nein, Bumsfidel ist nicht dabei. Mit der Truppe geht es dann auch schnell, aber vor allem wesentlich gleichmäßiger weiter.

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An der nächsten Kontrolle, nach etwa 60 km halten wir und fassen Butterkuchen, wie es sich gehört. Die korrekte Form der Nahrungsaufnahme bei dieser RTF ist der sogenannte „Barrienburger“: Zwei Stücke Butterkuchen, mit der Zuckerseite nach innen, so dass man sich nicht die Finger verklebt und mittendrin eine halbe Banane.

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Der klassische Barrienburger

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Die Freunden der Nahrungsaufnahme bei einer RTF, wenn man Strava eingeschaltet hat.

Es geht flott weiter, aber in dieser Gruppe macht es mehr Spaß zu fahren. Gleichmässiger, vielleicht etwas langsamer, aber es ist kein Problem mitzukommen und die Geschwindigkeit ist trotzdem hoch. Ruckzuck geht es durch das von hohen Bergen rechts und links umrahmte Hachetal.

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Durch das Hachetal: Links die Hachspitze und der Mont ‚ach, rechts hinter den Bäumen das Hacher Joch.

Die nächste Kontrolle ist nach ca. 103 km, ein etwas ungewöhnlicher Standort bei 115 km Streckenlänge, aber bitte. Es gibt keinen Grund für diesen Ort, da ist nur ein Haus und zwei nette Damen stehen da und verteilen Butterkuchen, den man nun nicht mehr wirklich will. Der Körper sehnt sich nach Bratwurst, Mettbrötchen und Gulaschsuppe – Hauptsache salzig. Die letzten zehn Kilometer sind dann höllisch gefährlich, da ist teilweise viel Sand und Schlamm auf der Strasse vom Regen am Vortag – da hätte aber noch mal ordentlich gekehrt werden können. Egal, das Ziel ist um die Ecke und wir haben es geschafft. Dort treffe ich Eddie Spezial und seinen Sohn Harry Spezial, der gerade seine erste RTF überhaupt gefahren ist. Überhaupt sind irrsinnig viele nette Menschen da die ich kenne und ich muss an meine erste RTF in Bremen überhaupt denken (RSC Gold), da kannte ich wirklich niemanden.  Ds ist schon gut wie sich das entwickelt hat und ich sollte mir das nicht zerstören, in dem ich jetzt fiese Dinge hier auf dem Blog schreibe. Dazu gibt es allerdings auch keinen Anlass. Die Stuhrer sind bereits da, Silke und Olaf, Klapp-Rabe, Cobra, Thorsten, etwas später treffen auch Caro, Tanja und Silke ein. Überall gibt es etwas zu erzählen und zu hören.

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Doch leider muss ich auch schnell wieder nach Hause, das Grauen in Form von „Chemiearbeit der Tochter am nächsten Montag“ steht vor der Tür.

Zuhause lade ich meine Daten auf Strava hoch (mit neuem Namen, um meiner Mitgliedschaft im RCOB Rechnung zu tragen) und definiere bei dieser Gelegenheit ein neues Segment über die gesamte Länge der RTF. Das Ergebnis ist recht interessant: Wie erwartet bin ich etwa genauso schnell wie Benjamin, mit dem ich zusammen gestartet und ins Ziel gekommen bin und immer noch ’ne halbe Stunde langsamer als die Schnellsten.

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Und ich bin 40 Minuten schneller als Sebastian, mit dem ich ebenfalls gleichzeitig gestartet und ins Ziel gekommen bin? Wie hat der das denn geschafft? Und wieso daddelt Thorsten mit 26 km/h wie auf einem Hollandrad rum und belegt den letzten Platz in der Stravaliste?

Clipboard01 Ich glaube, das ist die elektronische Frikassee-rache von Bumsfidel.

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RTF Goldenstedt. Preview.

Nach etwa 150 km erreichte ich den TRATS der RTF an der Marienschule in Goldenstedt. Torsten, Silvia und ich standen an um einen relativ hässlichen Rundstehtisch aus Plastik, auf den ich meine Cola gestellt hatte und mein Blick fiel auf eine Plakette, die in der Mitte des Tisches angebracht war: „Zur Erinnerung an eine schöne Zeit: Irmgard Möller, Schulleiterin 2004 bis 2008.“ So eine Plakette hätte ich später auch gerne einmal an meiner Hochschule, vielleicht angebracht an einen Schwamm oder einen Overhead Projektor.

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Am Start, im Startblock G ganz hinten mit Anne, Thorsten und Sebastian.

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Impressionen aus Goldenstedt: Platz der deutschen Einheit, es spielen dort gerade die Blue Men auf. Im Hintergrund das Rathaus.

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Im Ziel (TRATS) an der Marienschule.

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Endlich im TRATS! Mit Sebastian, Silvia, Tosten und Thorsten.

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RTFs im Testvergleich: Große Weserrunde vs. Lauenau

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Vorsicht, Beitrag enthält Weser.

An den letzten beiden Wochenende hatte ich das Vergnügen an zwei RTFs teilzunehmen. Doch welche ist unterm Strich besser gewesen? Große Weserrunde und RTF Lauenau im streng wissenschaftlich-analytischem Vergleich.

Die Auswahl der Vergleichskriterien für Produkte der Serviceindustrie ist ein komplexes Unterfangen über dass sich die Forschung bislang nicht einig ist. Diverse Forschungsergebnisse, beispielsweise Groeninger [2017], Oehm [1897] oder Matze [2020] bestätigen dies, auf eine einheitliche Definition von Mindestkritierien kann sich nicht festgelegt werden. In Anlehnung an Boertz/Döring [2014] die in jeder empirischen Arbeit erwähnt werden müssen, wird der gegebenen Komplexität durch eine angemessene Chaotik in Methodik und Durchführung Rechnung getragen. Zahlenmässige Angaben in Form von arabischen Zahlen wurden nach Dilbert [1999] ermittelt und bewertet.

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Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, wurde die Einführung an dieser Stelle beendet und mit dem Vergleich begonnen.

1. Anreise

Große Weserrunde

= große Anreise. Treffpunkt morgens um 4 Uhr am Bahnhof. Zumindest gibt mir dies die Gelegenheit meinen 14 jährigen Sohn zu treffen, der sich zum Zeitpunkt des Frühstückens auf einem Ausflug in die Küche begibt, um Nahrung für seine nächtlichen Onlineballerspieleskapaden zu beschaffen. Im Zug dann in einem Abteil mit dem was Bremer Clubs eben so Samstags Morgens um 4 Uhr ausgespuckt haben und nun auf dem Weg zurück in die Provinz ist. Neben uns sitzt ein Typ der den Abfallkorbdeckel öffnet um herreinzubrechen, ein angesichts getrübter Zielgenauigkeit hoffnungsloses Unterfangen. Tobias kann ihn gerade noch überreden die Toilette zu benutzen, wir hören ihn würgen und kotzten noch bevor sich die automatische Tür wieder schließt. Leider die Kamera nicht rechtzeitig zur Hand gehabt.

Da die Bahn von sechs bis neun einen Streik angekündigt hat zittern wir dann in der S-Bahn an jedem Bahnhof zwischen Wunstdorf und Bückeburg ob der Zug wieder anfährt oder eben nicht wieder. Doch Lokführer sind auch nicht doof, wer will denn schon am Samstag morgen in Haste drei Stunden rumsitzen, da haste nix von. S-Bahn fährt zum Glück weiter bis nach Bückeburg wie geplant. Von dort aus über einen ersten Berg nach Rinteln.  Im dunkeln konnten wir den zum Glück nicht sehen, wären sonst vermutlich wieder umgekehrt. Das Ausmaß unserer Leistung wird erst auf dem Rückweg erkennbar.

RTF Lauenau

Der Wecker klingelt um 6:45 Uhr. Dann wird klar dass es nicht der Wecker ist sondern ein Anruf von Hannes, der mich fragt wo zum Teufel ich denn bleibe, denn wir wollten mit seinem Wagen um 6:30 Uhr bei ihm losfahren. Anziehen und frühstücken wird ein wenig hektisch, aber dann fahren wir in Seelenruhe nach Lauenau wo wir 1 1/2 Stunden später bei guten Wetter ankommen. Nervend: Gang vom 80 Meter entfernten Parkplatz zur Anmeldestelle im Schwimmbad – das kostet ein paar Körner.

2. Begleitung

Große Weserrunde

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Mit Philipp, Jonas und Tobias im Zug. Gute Stimmung wie üblich. In Rinteln warten dann auch noch Jan und Sebastian auf uns; wir bekommen eine eigene Startzeit und radeln in unserer Gruppe los. Recht schnell wird klar, das ich der langsamste von allen bin, was dann dazu führt das sich relativ entspannt am Ende der Gruppe vor mich hingurken darf. Ein paar Mal, insbesondere an Anstiegen falle ich hinten raus, aber oben oder bei der Abfahrt warten alle immer nett auf mich, einpaar Mal zieht mich Tobias wieder an die Gruppe ran (Danke). Insgesamt klappt es aber sehr gut und der Leistungsunterschied ist auch nicht so signifikant. Ganz am Ende kneife ich dann vor der Route durch die Berge von Aetzen (Aerzen) und ziehe es vor mit den neu gewonnen Küs Freunden an der Weser und somit am Atomkraftwerk nach Rinteln zu fahren. Keine Nennung des Wortes Atomkraftwerk ohne einen Link zu S.Y.P.H.s Industriemädchen.

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RTF Lauenau

Allein auf weiter Flur mit Hannes, kein Bremer verirrte sich nach Lauenau – doch ganz am Ende sehen wir einen im Trikot vom RCB. Eigentlich sollten noch Eddie und seine Frau mitkommen, die aber in letzter Stunden absagen. Da wir viel zu spät für den Start gekommen sind fahren wir quasi die ganze Strecke alleine. Gestählt durch die große Weserrunde bin ich in Bestform. Hannes darf ab und an vorne im Flachen Führungsarbeit machen, aber auf den Anstiegen und Abfahrten gebe ich zur Abwechslung mal das Tempo vor.  Auch nicht schlecht. Irgendwann überholen wir eine Gruppe gelber Visbeker und ein Mädel hängt sich an uns ran, muss aber dann wieder auf ihre (lahmeren) Jungs warten. Sonst lernen wir leider niemanden neu kennen. Mit Hannes fahre ich aber sehr gerne, da wir das gleiche Maß an Anstrengung und an Nicht-Ernsthaftigkeit in unsere Touren legen.

3. Strecke

Große Weserrunde

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Die große Weserrunde ist nicht ausgeschildert und da ich immer noch nicht im Besitz eines Garmins bin, bin ich auf Gedeih und Verderb meinen Garminausgestatteten Freunden ausgeliefert. Nicht, dass dies ein Problem wäre und auch das Routing mit deren Garmins funktioniert ausgezeichnet. Ich würde mir ja auch gerne einen Garmin kaufen, finde aber, dass diese sich von der Nutzerfreundlichkeit irgendwo zwischen einem Commodore 64 und einem IBM386 mit MS DOS bewegen: XCOPY C:\Test\ A: . Und seitdem Bedienungsanleitungen länger als 20 Seiten sind und nicht mehr auf Papier gedruckt werden, lese ich diese ungern – kein Zeit dafür.

Ansonsten gibt es bei der Weserrunde über die Streckenführung nichts zu meckern. Ab und an werden doch arg kleine Wege und Abkürzungen benutzt, in Hameln fahren wir einmal über die Terasse eines Biergartens und verfahren uns gleich anschliessend. Es geht fast immer recht dicht an der Weser entlang bis auf zwei Abstecher in die Hügel, einmal auf der Hinfahrt nach Hannoverisch Münden und einmal auf der Rückfahrt von Polle nach Aerzen. Da gibt es denn eine alternative Strecke, die sich aber im nachhinein auch als länger herausstellt. Über 300 Kilometer kommen so einige Höhenmeter zusammen, bei so einer Distanz bin ich dann auch froh, dass es nicht zu viele wurden. 300km sind lang und länger als Lauenau. Das hat den Vorteil, dass man anschliessend viel zu erzählen hat. So lange Distanzen bin ich bislang selten gefahren; Tokyo-Itoigawa Rennen 2008, etwa 290 km in etwas mehr als 10 Stunden auf dem Rad und 12 Stunden insgesamt und mit vielen, vielen fiesen Höhenmetern und Ampeln. Yokohama – Hamamatsu 2010 ähnlich lang und hart. Aber seitdem ich zurück in Deutschland bin, bin ich nur selten mehr als 200 km an einem Stück gefahren. Jetzt gibt es wieder viel von Heldentaten zu berichten.

RTF Lauenau

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Quasi direkt nach dem Start geht es mit den Anstiegen los. Die Strecke ist gut ausgeschildert in den Farben des ausrichtenden Radklubs Victoria Lauenau. Bereits nach 50 km haben wir fast 800 Höhenmeter in den Beinen. Die erste Abfahrt ist auf einer sehr schicken und schnellen Landstrasse und endet etwas abrupt und gefährlich an einem T Stück ohne Vorwarnung. dann geht es wieder in kleinen Wegen weiter hoch. Teilweise sind die Steigungen recht giftig und es fällt mir schwer alles im großen Kettenblatt abzuarbeiten – aber zunächst geht es noch. Die Landschaft ist jedenfalls großartig, viele Hügel, Wälder, einzelne Bauernhöfe hier und da und das alles bei sehr gutem, sonnigen Wetter aber auch nicht zu heiß. Eine Gegend zum verlieben – man möchte noch einmal 20 sein und neu anfangen, am besten gleich in Tevenhausen. Obwohl heiraten, Kinder großziehen etc. sind größtenteils vollbracht und wenn ein Drehen zurück an der Uhr dies wieder nach sich ziehen würde dann vielleicht doch eher nicht. Bei Tevenhausen fahren wir einen Teil der Strecke zwei Mal. Dazu kommen ab und Radfahrer entgegen, vermutlich von der Marathontour. Das ist etwas irritierend aber wir lassen das nicht zu. Raus aus de Kalletal zurück an die Weser  setzen wir bei Großenwieden mit der Fähre über. Das ist originell und kann nicht jede RTF bieten. An der nächstgelegenen Verpflegungsstation klärt und ein älterer Herr mit noch älterer Team Telekom Mütze auf, dass wir nun die Auswahl zwischen zwei Strecken zurück nach Lauenau haben: Die flache Alternative, oder noch einmal den Berg hoch zur Schaumburg und weiter zur Paschenburg.

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Das wollen wir natürlich unbedingt, einmal das Palais Schaumburg sehen! Oder einmal Palais Schaumburg sehen? Die Steigung zieht noch einmal ordentlich an und bringt mich letztlich auf das kleine Kettenblatt. Danach eine super Abfahrt bis fast nach Lauenau rein. Streckenplanung also super, fast keine Bundesstrassen, viele Anstiege auf kleinen Strassen, viele Abfahrten auf geräumigen Alleen. Aber eben auch schon nach 150 km zu Ende.

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4. Verpflegung

Große Weserrunde

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Verpflegungsstationen etwa alle 50 km. Manchmal gibt es nur eine Cola und einen Stempel aber fast alle Lokationen sind großartig. Der Campingplatz Himmelspforte direkt hinter dem Regipswerk Bodenwerder wird mir auf ewig in Erinnerung bleiben: “Es ist verboten warmes Wasser von den Toiletten mitzunehmen”. Es ist vermutlich auch verboten kalt in die Becken zu pinkeln. Dicke Holländer in frottierten Bademanteln kommen wir aus den Waschräumen entgegen. Irgendjemand hat doch die Uhr zurückgestellt, oder?  In Holzminden eine Blockhaushütte namens „Hafenbar“. Ich denke an Ford Capri, Batida de Coco, Tritop und wilde Wodka Parties kurz hinter Tschernobyl mit Alwin und Peter. Dier Verpfelegung ist OK, das Mittagessen in Hannoversch Münden auch udn die einzige Gelegenheit mal mit ein paar anderen Leuten zu sprechen. Wir treffen zwei Zigarrenliegeradfahrer und unterhalten uns mit ihnen, der eine fährt ein Cabrio, der andere vollverkleidet. Ich stelle mir vor, wie sein Cabrio bei Regen vollläuft und nur noch der Kopf vom Kinn aufwärts aus dem Wasser in seiner Kiste hervorragt. Die übrigens auch nicht leicht ist: 36 kg wollen bewegt werden, vor allem den Berg hoch. Das Boothaus in Beverungen ist auch so eine Zeitkapsel. Wie hat das alles überlebt aus den Siebzigern?

Der letzte Rast in Polle ist der Hit: Wir sitzen auf einer Terasse auf einem Campingplatz an der Weser und bekommen Getränke, Kaffee und vor allem Erdbeerkuchen umsonst.Eigentlich wollen wir gar nicht mehr weiter und wünschten uns Torsten wäre mit seinem Eifelland Wohnwagen da. Am Ende dann auch noch Essen am Start. Alles wirklich gut organisiert.

RTF Lauenau

„Ein Salamibrötchen bitte“ „Das macht 50 Cent.“ Eigentlich möchte man ja dann sagen: „OK, geben Sie mir alle, ich verkaufe die am Montag vor der Uni für ’nen Euro“ aber wir sind fürs Radfahren und nicht für den Profit gekommen. An der ersten Station in Hemeringen nach ca. 30 km beisse ich in zwei leblose und labrige Waffeln bevor Hannes mir sagt, dass hier besonders das selbstgemacht Rosinenbrot zu empfehlen ist. Das ist wirklich gut. es gibt quasi alle 25 km eine Verpflegungsstation und so brauche ich nur einmal auf einen Riegel zurückzugreifen. Rosinenbrot gibt es überall. Bananen, Obst, Müsliriegel, nichts außergewöhnliches aber eben gut für eine RTF. Am Ende gibt es dann noch gegrillte Bratwurst und Kuchen. Der ist aber leider schon fast weg, da wir zwei Stunden nach der Meute gestartet sind und uns viel Zeit gelassen haben.

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5. Rückfahrt

Große Weserrunde

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Sebastian meinte, dass wir es locker im hellen wieder zurück nach Bremen schaffen. Schummerig wurde es allerdings schon auf der Rückfahrt nach Bückeburg. Die Bahn brachte uns dann einen weiteren, langen Aufenthalt in Wunstdorf ein, dummerweise war da dann auch schon lange das Shoppingcenter im Bahnhof geschlossen (bereits seit 14 Uhr!). So gegen 23 Uhr war ich zuhause, ein 19 Stunden Abenteuer.

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Nicht Herr Sato.

RTF Lauenau

Hannes fährt, wir quatschen und nach ca. 1 1/2 Stunden setzt er mich netterweise zu Hause bei mir ab.

Fazit

Beides lohnenswerte RTFs, dieses Jahr haben wir neben diesen beiden auch wieder die Adlerrunde, der rote Fuchs und die Delmenhorst RTF gefallen. Visbek war auch nicht schlecht und auch Barrien. Bramsche fand ich nicht so doll. Schade, dass nun alles vorbei ist bis zum nächsten Jahr – aber wenn das Wetter gut ist, dann fahre ich noch den Münsterland Giro. Welche war nun besser? Keine Ahnung.

Handlungsempfehlung

Die Untersuchungen machen klar, dass eine Beurteilung der Qualität von RTFs anhand von standardisierten Kriterien nur dann eine signifikante Aussage haben kann, wenn die Anzahl der untersuchten Objekte deutlich erhöht wird. Aufgrund dieses Untersuchungsergebnisses wird empfohlen weitere Analyse in kommende Forschungsvorhaben einzubetten um auf der Basis gesicherter statistischen Erhebungen Aussagen zu treffen, deren mittlere Standardabweichung einen gewissen Grad von Allgemeingültigkeit zulässt.

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Kein Zusammenhang. Schafft aber auch bestimmt 51,151 km in der Stunde.

Der Autor dankt seinen Mit-fahrern und -forschern.

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