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RTF Red.Fox 4.0 in B. Nieder-Sachsen.

Der 1. Mai ist nicht nur Tag der Arbeit, sondern auch Tag des roten Fuchses, einer launigen und frühen RTF in der Nähe von Hildesheim. Ich fahre da, meistens zusammen mit Hannes, fast jedes Jahr – es gibt eine Menge Hügel und die Länge ist zu Beginn der Saison genau richtig, um in Form zu kommen. An sich wollte ich dieses Jahr ja keinen Blogpost darüber schreiben. Stattdessen habe ich die ganze RTF auf Video aufgenommen: vier Stunden Spannung pur, wie damals mit meinen Eltern im Kino bei „Der längste Tag„. 

Wer aber doch lieber liest statt schaut:

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Start an der Turnhalle in Groß-Giesen

Giesen, ein verträumtes Dorf direkt hinter dem Kaliberg, dass schon längst eine Stadt wäre, wenn es nur ein weiteres „s“ hätte. Am 1. Mai eines jeden Jahres bleiben die Einwohner zuhause und verriegeln Fenster und Türen. Denn an diesem Tag erleben sie ihr persönliches Wacken, wenn mehr als 700 bedröhnte Radfahrer in Lycra und Merino in ihre beschauliche Welt einfallen. Da wir erst eine halbe Stunde vor dem Start ankamen, fiel es uns schwer einen Parkplatz zu finden. Großgiesen, eine der fünf Ortschaften, auf die sich die 5 Einwohner in etwa gleichmäßig verteilen war dichter als die Stephanibrücke in Bremen am Freitag um 15 Uhr. Wohin nur, wohin? Richtung Ahrbergen, Emmerke oder gar Siegfried? So verpassten wir den Start des Hauptfelds und Hannes und ich machten uns mit fünf minütiger Verspätung daran das Feld von hinten aufzurollen. So übrigens auch Leo und Björn vom RCB.

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Im Verkehrschaos von Großgiesen rollen Hannes und ich das Feld von hinten auf.

Wie alle Menschen habe ich auch meine Schattenseiten. Zum Beispiel macht es mir unheimlich viel Spaß auf dem Rad andere Radfahrer zu überholen. Wenn ich also ganz vorne im Feld starte kann ich an sich nur verlieren. Schnell zu fahren und dann von einer Gruppe zur anderen zu springen – das macht Spaß. Bei Jedermannrennen kommt es mir daher auch nicht auf die Platzierung an, sondern eben möglichst viele Teilnehmer zu überholen. Nach Möglichkeit starte ich daher aus Block M oder so.


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Impressionen aus Block M

Nachdem wir also mit vielen Körnern viele Plätze gut gemacht hatten kam an der ersten Bahnunterführung schon wieder ein Stau und die viele Arbeit war umsonst.

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Look, ein Stau!

Ein paar Minuten überholt uns Leo. Leo ist deutlich schneller als wir, also fahren wir in seinem Windschatten und hoffen darauf ganz weit nach vorne zu kommen. Anhand des Videos kann man recht gut verfolgen, wie lange wir das dann auch tatsächlich geschafft haben – genau 2:14 min bevor wir total entkräftet aufgeben.

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Ran an Leo !

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2:14 min später abreißen – kam uns vor wie 2 Stunden später.

Egal, wir waren in einer größeren Gruppe die mehr oder weniger unser Tempo fuhr und so langsam kamen wir in die ersten Berge. Nach dem 2. Anstieg kommt bereits die erste Verpflegung – und zwar die legendäre mit Lachsbrötchen und Sekt. Jedes Jahr vergesse ich ein paar Tupperware-Dosen mitzubringen und mir das gute Zeug für zuhause einzupacken. Andere wiederum scheinen nur für die erste Verpflegung gekommen zu sein. Da stehen Sie dann mit drei Kaviarcrackern in der Hand und Krümmeln im Bart und murmeln: „Hm, lecker, das ist ja schon die beste RTF hier in der Gegend“ untermalt von Kau- und Schmatzgeräuschen.

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Look: Impressionen von der 1. Verpflegung

Woher kommen nur diese ganzen Look Klamotten und Rädern? Look hat einmal sehr innovative Räder aus Carbon gebaut und dann ein Systempedal entwickelt, dass seiner Zeit sehr weit voraus war. Aber all das ist jetzt mehrere Jahrzehnte her und fühlt sich an, als wäre es in etwa zeitgleich mit Hardy Krüger,  Sissi und James Last gewesen. Heute sind die Räder von Look nur noch teuer und manche sehen komisch aus, Und Shimano eine Lizenz für das Pedal zu geben (die Dura Ace PD-7401 Pedale) war auch keine gute Idee. Egal, wir mussten weiter und hatten keine Zeit weiter zu looken.

Nach der Verpflegung kommt eine sehr schön, längere Abfahrt auf der wir uns hätten so richtig austoben können, wenn da nicht ein Auto vor uns runtergekrochen wäre. Wir erreichten zwar irre Schräglagen in den Kurven, die Bäume allerdings auch. Manchen Teilnehmern war da bereits alles egal und sie fuhren etwa 49 cm entfernt im Windschatten des Autos.

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Nach der Abfahrt fanden wir langsam wieder in einer Gruppe zusammen und waren so um die 5 Fahrer die gut Tempo machten. Einige machten da sogar sehr gut Tempo und als sich die Strecke teilte in die 78 km Runde nach rechts und die 113/152 nach links wussten wir auch warum: die machten nur 78 km. Fairerweise muss man natürlich auch sagen, dass wir ein paar Fahrer enttäuscht haben, als wir bei der 113/152 km Teilung den kürzeren zogen.  Wir fanden dann zum Glück ein paar neue Mitfahrer, u.a einen bei dem dort „Votec“ stand, wo normalerweise „Look“ zu stehen hat. Und dann fanden wir noch drei gelbe „www.von-fintel“ Fahrer von einem Radladen in Schneverdingen. Dieses www vor dem Namen ist ja sooooo Neunziger. Aber mit einen von dem gelben, der auch sehr nett waren sollten wir dann noch lange Fahren. Apropros gelb: Auch bei dieser RTF fuhr ein gelbes Torpedo mit. Am Berg hoch sind die Dinger ja unglaublich langsam und damit man sich darin nicht zu Tode schwitzt müssen dann alle Schoten geöffnet werden. Berg runter wiederum, hast Du gegen diese Wunderwerke der Aerodynamik keine Chance. Du fährst mit 45 Sachen den Berg runter und denkst an, sagen wir mal, Paula, Amy und Claire und zack werden jegwelche erotischen Gedanken von hinten torpediert.

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Links: www-von-Fintel.de; rechts: http://www.torpedo-von-hinten.com

Es ging rauf und runter und dann kam endlich mal wieder eine sehr schöne Abfahrt, die auf dem Video so aussieht, als wenn ich da quasi in horizontaler Lage durch die Kurve fahre.

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Die gelbe Linie rechts zeigt den Horizont des Rades an.

Nach etwas mehr klettern kamen wir dann zur nächsten Verpflegung, und zwar der, der die RTF ihren Namen gibt: dem roten Fuchs. Leider sind die Besitzer des Restaurants ein wenig fuchsig, um nicht zu schreiben knauserig und so ist die Verpflegung dort bei weitem nicht so gut wie bei der legendären ersten.

Ich habe keine Erinnerung was dann passiert ist, aber auf einmal gurken Hannes und ich alleine in der Gegend rum. Da frage ich mich immer, warum ich mich am Sonntag um 6 Uhr morgens aus dem Bett gequält habe, um pünktlich am Start zu sein und in de großen Gruppe mitzufahren, wenn wir dann doch wieder alleine unterwegs sind -da hätten wir ja auch gleich um 12 Uhr starten können.

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Look: Das Torpedo – mal wieder, Natürlich beim Berg hochfahren. Beim Berge runter fahren ist es schneller als das Licht und kann nicht fotographiert werden.

Kurz danach beginnt ein neuer Teil der Strecke aufgrund einer Sperrung der alten. An der Verpflegung können wir uns noch einmal sattessen, bevor es ganz, ganz hoch einen Berg geht.

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Beim Anstieg werden wir dann erstmalig von den schnellsten Fahrern aus der 155er Runde überholt. Das ist schon ziemlich beeindruckend. Leider. Viel plattes Land nun, viel Gegenwind aus der Gegend und keine richtig guten Gruppen – diese RTF kommt so langsam in den Frustmodi und wir kämpfen uns bis zur nächsten Verpflegung so durch. Das ist nun auch die letzte vor dem Ziel. Wir fahren in einer Fünfergruppe los, Hannes hat sich noch ein Gel eingeschmissen.  Wenn Hannes ein Gel nimmt, dann wird er zum Stanley Beamish des Radsports:

Jedenfalls war von da und nur noch Hannes vorne und machte ordentlich Druck – meistens flogen wir so mit 40 Sachen durch die Landschaft – tja und dann gab die Kamera dann doch mal ihren Geist auf, den knapp vier Stunden Laufzeit sind doch ein wenig viel für das Teil.

Jedenfalls schafften wir es in knapp 4 Stunden durch die RTF und in das Ziel. Das war deutlich als im Jahr davor – allerdings war das Wetter letztes Jahr auch echt fies mit viel Wind und das ganze weitaus weniger spaßig. Im Ziel traf ich zunächst Markus (also nicht Enno) und dann später auch noch Sylvia und Thomas. Leo war zu diesem Zeitpunkt schon geduscht, war wohl mindestens eine halbe Stunde schneller als wird. Und auch Maik, der vermutlich mal wieder mit dem Rad aus Bremen angereist war, war bereits seit einer Stunde fertig und wieder zurück mit dem Rad in Richtung Bremen. Wenn er nicht schon längst da war. Von dem sieht man ja nur einen Schatten (wenn so etwas liegen bleiben würde).

Nachdem da Wetter dieses Jahr bislang echt bescheiden ist war das ein guter Start in die Saison und eine gute Gewöhnung an die ersten Höhenmeter. Danke an Hannes wie immer.

PS

Dieser Post ist „Kevin“ gewidmet, der 2001 in Tokyo bei Schindler Elevator in meiner Abteilung PLM Praktikant für ca. 3 Wochen war. An sich war er nicht auffällig – weder ein besonders guter, noch ein besonders schlechter Praktikant. Doch, es gibt ein legendäres Gespräch zwischen ihm und Alfredo Ohmachi, einem Brasilianer mit japanischen Wurzeln auf japanisch:

„Guten Tag, darf ich mich vorstellen, mein Name ist „Kevin“ “
(klassische Anrede auf japanisch)

„Nice to meet you. My name is Alfredo.“
(Alfredo versucht nett zu sein und redet ihn auf Englisch an, das ist etwas ungewohnt für „Kevin“)

„Oh. Ihr Englisch ist wirklich sehr gut.“

(das ist das klassische Kompliment, das man Japanern macht, wenn sie z.B. „Hello“ sagen. Passt aber hier nicht, da Alfredo ja kein Japaner ist, der kein Englisch kann, sondern ein Brasilianer, der das eben sehr gut beherrscht. Als antwortet er sehr gewitzt:

„You should hear me speaking Portuguese!“

(Leider bekommt „Kevin“ das gar nicht mit. Er erwartet als Antwort dass was jeder Japaner sagt, wenn sein englisch gelobt wird, und zwar den Klassikern: „Nein, nein das ist gar nicht gut.“ Also sagt „Kevin“ dann, dass was man klassischerweise darauf antwortet:)

„Nichts ist entfernter von der Wahrheit!“

Wir anderen stehen um die beiden herum und machen uns fast in die Hose vor Lachen. Danke „Kevin“, für diesen unvergesslichen Moment der endlich einmal aufgeschrieben werden konnte.

 

Allerdings ist auch „Kevin’s“ Abgang legendär: Nach also etwa zwei Wochen steht er plötzlich auf, sagt etwas wie „es geht nicht“ und macht sich auf dem Weg zum Aufzug. Ein paar Mitarbeiter versuchen ihn noch aufzuhalten und mit ihm zu reden, aber er steigt in den Aufzug, schließt die Türen und wurde nie mehr gesehen.

PPS

Bei der Recherche zu so einem Post stößt man ja immer wieder auf Dinge die so unglaublich wichtig sind, dass ich sie dem Leser unmöglich vorenthalten kann. Wer also das nächste Jahr beim Roten Fuchs mitfahren möchte und noch nach einem passenden Geschenk für die Lieben zuhause sucht:

In Giesen sitzt das Unternehmen Völsing – einer der führenden Hersteller von Urnen in Europa (Quelle: Völsing). Auf deren Website gibt es einen sehr schicken Urnendesigner, den ich auch gleich mal selber ausprobiert habe:

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Ich dachte mir, ich bastele mal was, was davor warnt bedröhnt mit einem Scheißrad durch die Gegend zu fahren, weil das halt so enden kann, dass man sich plötzlich in dieser Urne wiederfindet.

Das Rennradsymbol ist original aus dem Designertool. Leider gibt es nur ein Rad (mit einer scharfen Sattelüberhöhung), während man sonst zwischen mindestens 30 Motorrad, Auto, Traktoren und Angler (!) Motiven auswählen kann. Großartig.

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RTF Roter Fuchs: No dogs allowed

Wir waren also nun in der Ortschaft Flecken Greene im voll erschlossenen Neubaugebiet.

spielstrasse-blau1„No dogs allowed.“ (Tom Hanks ab etwa 08:58)

Und machten uns weiter auf den Weg, denn wir hatten noch gut 100km vor uns. Zusammen mit Racer X bildeten Hannes und ich eine richtig gute Truppe. Racer X mit Cervelo und Zeitfahraufbau zog uns überwiegend durch die flachen Stücke, von denen es leider viel zu wenige gab. An der nächsten Steigung zum Wenzer Berg zog es uns davon und wir dachten, dass dies das Ende unserer Freundschaft mit Racer X wäre. Aber er wartete bei der Abfahrt auf uns. Dann ging es, unvergesslich durch Grünenplan, eine Ortschaft die ich mir aus verschiedenen Gründen gemerkt habe. Die Streckenführung führte uns zunächst über wenig sinnvolle und im Kreis führende Steigungen und Abfahrten die sich im wesentlichen auf und um das Gelände der Firma Schott konzentrierten. DAS erfuhr sich in etwa wie eine Werksbesichtigung. Trotz aller Umwege, wir verbrachten viel zu wenig Zeit in Grünental. Wer hätte z.B. gewußt, dass hier einst Ludwig Ruhe eine Tierhandlung unterhielt, die sich zur größten Kanarienvogelhandelsfirma der Welt entwickelte (1993 dann pleite durch den Markteintrii von Tamagotchis)? Ich denke, wir in Deutschland können stolz auf unsere leistungs- und konkurrenzfähige Industrie sein, auf die Pioniere der früher Wirtschaftsjahre und dass was wir erschaffen haben, auch wenn es dann Grünental heisst.

Dem Labyrinth Grünenplans entkommen hatte ich die Gelegenheit hatte mich beim Anstieg auf den roten Fuchs abzusetzen. Oben am Kontrollpunkt machten wir eine längere Pause und füllten unsere leeren Batterien mit Bananen, Rosinenbutterstullen und Multivitaminsaft auf, den Lachsbrötchen waren hier weit und breit nicht zu sehen. Der rote Fuchs ist tatsächlich eine Waldgaststätte von der jede Menge Wanderer ihre Wanderung beginnen oder enden oder gleich sein lassen, um dort Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen.

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Lachs und Fuchs

Ganz am Anfang hatte ich einen anderen Fahrer in einem wahnsinnig häßlichem Outfit überholt. Nach dem ersten Kontrollpunkt passierten wir den wieder. Dachte ich, denn ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass es zwei Menschen auf der Welt gibt, sie sich so etwas antun. Mein Glaube an die Menschheit ist aber nun wirklich naiv. Hier stand nun eine ganze Truppe von diesen Blut/Eiter oder Ketchup/Senf Fahrern aus Obernkirchen: Weltbekannt durch seinen Sandsteinabbau; das weiße Haus in Washington ist zum größten Teil mit Oberkirchener Sandstein erbaut wurden. Hätte es en Oberkirchener Modedesigner entworfen hätte es vermutlich eine rot-gelbe Fassade.

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I have nothing to offer but blood, sweat and tears (Winston Churchill, 1940)

Wir waren aber wegen dem Wetter doch recht nervös und machten uns auf den Weg zusammen mit einer anderen Gruppe von Triathleten. Einige hatten normale Rennräder, andere fuhren Zeitfahrräder mit hohen Carbonfelgen und Lenkeraufsätzen und dritte hatten wiederum orange Kompressionssocken an, die bis nach Giesen und Grünenplan strahlten. Mit dieser Gruppe zusammen fuhren wir etwa bis Bisperode, wo siich alle bis auf Racer X von Hannes und mir an einem Anstieg absetzten, um dann kurz danach und vor dem nächsten Kontrollpunkt eine Abzweigung zu verpassen, so dass wir dann doch vor ihnen an der Verpflegung waren. Wieder keine Lachsbrötchen.

Es waren jetzt nur noch 22 km bis zum nächsten Kontrollpunkt und wir fuhren jetzt wieder zu dritt auf eine ziemlich fiese Regenwand zu. Zwar achte die Strecke zweimal den Versuch vor der Regenfront nach rechts abzubiegen, aber es begann nun immer stärker zu tröpfeln und als wir schliesslich, Schieber überholend, am letzten Kontrollpunkt angekommen waren, begann es aus allen Eimern zu giessen bis nach Giesen. Es war nun klar, dass wir völlig durchnässt am Ziel ankommen würden.

Es ist nicht gerade hilfreich, wenn man dann an der Verpflegungsstation, aus einem Vorbaudach an einem Einfamilienhaus bestehend, das Essen unter, die Getränke weit vor dem Dach, steht und neben einem erzählt jemand davon, dass er nun aufhört und sein Rad in den großen weissen VW Transporter packt und zurück nach Giesen fährt. Unwillkürlich denkt man, wow, in diesem riesigen Transporter ist doch bestimmt ne Menge Platz, da passen doch locker das Rad von Hannes, Racer X und mir rein und .. tschüss Wetter, Sayonara Regen. Einerseits, anderseits mag es ja jeder denken, wenn man aber durch die Freundschaft in einer knallharten Männertruppe  (Racer X, Hannes und ich) gebunden ist, dann mag es auch keiner aussprechen. Und so setzten wir uns wortlos und ohne Murren wieder auf die Räder und fuhren die recht unerfreulichen letzten 22 km zurück nach Giesen. Ich hatte zwar Schutzbleche am Rad montiert, da der Regen aber von überall kam brachte das Recht weg. Richtig gut war das nur für die, die in meinem Windschatten fuhren. Am letzten Anstieg packte Hannes noch das ganz große Kettenblatt aus und Racer X ging die Batterie aus. Er hing nun in den Seilen wie die Zink Kohle Konkurrenz des Duracell Hasen. Ich hing irgendwo dazwischen. Dan kamen wir gemeinsam in Giesen an, den Moment hat Karin großartig im Foto festgehalten.

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Ankunft nass in Giesen

Und natürlich ist das wie jedes Mal: Die letzten Kilometer waren wirklich nicht spassig, aber wenn alles vorbei ist, ist alles toll und aufregend gewesen und man denkt nicht mehr an die Schmerzen. Ich habe aber am Samstag insofern weiter gedacht, als ich den Brooks Cambium C17 Sattel von meinem Rennrad abmontierte – das Teil ist über längere Distanzen einfach zu schmerzhaft, ich brauche etwas mit Loch in der Mitte.

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War was?

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Während Hannes und ich tief durchnässt und völlig aus der Facon ankommen, sieht Jonas mal wieder aus wie frisch von der Maniküre.

Die Zugfahrt zurück war wie immer lustig und ein wenig zu lang. Aber gearde noch lang genug um zwischen Sarstedt und Hannover komplett die Kleidung zu wechseln.

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Willi, immer noch ohne Helm

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Partyvolk

Neben allgemeinen renn- und radtechnischen Fragen, bietet die entspannte und unverkrampfte Atmospähre einer Zugfahrt die Möglichkeit auch einmal richtig interessante Fragen zu diskutieren, wie z.B. ob sich die anthroposophische Lehre Rudolf Steiners grundlegend verändert hätte, wenn es zur Zeit ihrer Entstehung bereits Masernimpfungen gegeben hätte. Die Bahn tut auch das ihrige dazu um die Zeit für solche Diskussionen bereitzustellen. Beide Züge waren verspätet, der letzte wegen eines Türdefekts, den die 54 jährige Schaffnerin und ihre 52 jährige Azubine vergeblich unter Kontrolle zu bekommen versuchten.

Epilog

Zwei Tage später wollten wir eigentlich in den Harz fahren, wenn ich mich richtig entsinne. Tobias, der sich listenreich durch eine Verletzung der Teilnahme entzog hatte eine Strecke vorgeschlagen (die er ja nun nicht mehr fahren musste) über 33 km und 45.400 Höhenmeter. Das gab dann den Ausschlag, dass ich nach und nach alle von der Idee verabschiedeten unter der Angabe verschiedener fadenscheiniger Gründe (Noch weiche Knie vom roten Fuchs, Minus Ein Grad auf dem Brocken zu kalt etc.). Nur ich musste dass nicht tun, denn es waren ja bereits alle draußen, was mir die Peinlichkeit eines Grundsuchens ersparte. Ich war dann aber doch ganz froh an dem bewussten Tag alternativ die Garage aufräumen zu dürfen.

Schön war’s und ich freu‘ mich auf das nächste Mal. Danke an alle Bremer und an Racer X, dessen Namen wir immer noch nicht kennen.

 

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