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Alle Rennen an denen Freunde der Cyclitis teilnehmen.

OBKM 2017. Rennen 2.

Die OBKM, oder Offene Bremer Kriteriumsmeisterschaft ist eine Serie von sechs Rennen auf einem 1 km langen Rundkurs die gemeinsam von Bremer Vereinen organisiert, dieses Jahr zum x-ten Mal stattfindet. Also eine Tradition. Was bedeutet es bei einem Kriterium teilzunehmen und wer kann das?

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(c) fast alle Tim Weber

Prolog

Ein Kriterium ist ein Rennen, dass auf einem Rundkurs ausgerichtet wird. Das hat den Vorteil, dass es für den Ausrichter einfacher zu organisieren ist, die Zuschauer mehr vom Rennen haben und die Strecke sicherer ist für die Fahrer. Der Unterschied zu einem Rundstreckenrennen ist dabei, dass nicht der Erste der am Ende über den Zielstrich fährt der Gewinner ist, sondern dass nach jeweils einer bestimmten Anzahl von Runden (meistens 5) Punkte vergeben werden, 5 für den Ersten, 3 für den Zweiten und jeweils 2 und 1 für den Dritten und Vierten. Beim Endspurt wird die doppelte Anzahl von Punkten vergeben. Wer in der Addition aller Punkte die meisten hat geht als Gewinner hervor, deshalb wird so etwas auch manchmal als Punkterennen bezeichnet.

Für den Ausrichter ist das ein wenig mehr Arbeit, denn er muss jeweils notieren wer auf den vorderen vier Plätzen landet, für die Zuschauer ist das wesentlich spannender, da im Abstand von 10 bis 15 Minuten immer wieder gesprintet wird und für die Teilnehmer ist das einfach sau-anstrengend – sowohl von der Kraft, als auch von der Konzentration auf die richtige Taktik.

Bei der OBKM kommt noch hinzu, dass es eine Serie von 6 Rennen ist, die auf dem Sachsenring in Heilshorn ausgetragen wird. Sachsenring, das klingt zunächst einmal toll, bis man sich bewusst wird, dass man am Arsch der Welt in einem Industriegebiet direkt gegenüber einer Produktion von Müllwagen fährt. Für die ersten zehn in jedem Rennen gibt es 12 bis 1 Punkte, dazu zusätzlich noch 5 Punkte für jede Teilnahme an einem Rennen. Wer am Ende der Serie die meisten Punkte hat ist Bremer Meister.

Das hat schwerwiegende Konsequenzen, denen man sich bewusst sein sollte, bevor man sich entscheidet teilzunehmen:

  • Man muss auf ein Holzpodest steigen.
  • Man bekommt einen Blumenstrauß, der zum Schutz gegen Chemtrails in Alufolie eingewickelt ist.
  • Die Tatsache, dass man Meister wurde, ist innerhalb von einem Tag nach der Siegerehrung keinem Menschen mehr auf dieser Welt in Erinnerung.

Trotz dieser eklatanten Nachteile finden sind jedes Jahr so etwa 50 Fahrer die in ihrer Sucht nach Gefahr, Abenteuer, Ruhm und Ehre so verzweifelt sind, dass sie in verschiedenen Klassen in drei Rennen pro Renntag teilnehmen:

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Jugendrennen. Das ist entweder der Erst- oder Zweitplatzierte. Bin nicht sicher. Fuhren aber auch nur zwei.

Zunächst startet das Jugendrennen (U11, U13, U15 gemeinsam) über 15 Runden. An dem Rennen nehmen jedes Jahr etwa 5 Jugendliche teil die überwiegend von der RRG Bremen kommen. Das ist nämlich der einzige Verein in Bremen der aktiv Nachwuchsarbeit betreibt.  Bei allen anderen Vereinen, wie dem RCB oder Rot-Gold besteht der Nachwuchs ja aus den Dreissigjährigen (auch bekannt als „Coole Kids“), bzw. den Fünfzigjährigen. Bei Rot-Gold lernt man vor allem eins: Kuchen backen für die RTF. Da ist der Verein auf einem Niveau, das niemals von einem andren bremischen Verein erreicht werden wird.

Danach folgt mein Rennen über 25 Runden, dass den latent Leistungsschwachen wie mir ermöglicht auch mal Punkte zu machen und was zu gewinnen: Neben den Fünfzigjährigen dürfen da auch Frauen und Pandas mitfahren. An der Serie nehmen weniger als 10 Fahrer in dieser Kategorie teil, was den Vorteil hat, dass ein Topergebnis garantiert ist. Ich sag nach dem Rennen immer zu meiner Frau „Ich bin Vierter“ geworden und verschweige die Anzahl von fünf oder sechs Teilnehmern.

Das dritte und letzte Rennen geht über 40 Runden und ist ein Jedermannrennen. Es ist mit Abstand das schnellste Rennen und offen für alle Teilnehmer. Ich könnte natürlich auch da mitfahren, aber ich bin doch nicht bescheuert. Erstens sind dann 20 bis 30 Fahrer im Feld, zweitens würde ich da nach 5 Runden hinten rausfallen und drittens lacht sich da vorne links im Bild Caro über das Tempo tot, während weiter rechts die bärtigen und tätowierten Probleme haben überhaupt im Bild zu bleiben. Ich habe lange dafür gearbeitet endlich über Fünfzig zu werden und diese Sonderrechte werde ich mir jetzt nicht mehr nehmen lassen.

Taktik

Strategy & Tactics Cycling Chess on Wheels

Im Gegensatz zu einer RTF oder einem Jedermannrennen a la Cyclassics oder Velothon das zu Beginn einer Veranstaltung entschieden wird (20 km volle Power, hoffen, dass man in der Spitzengruppe bleibt, danach nur noch gemütlich zu Ende fahren), muss man bei einem Kriterium schon etwas mehr nachdenken. Es gibt zwei grundsätzliche Strategien wie man Punkte einfahren kann:

  • In der Runde vor dem Punktesprint in der Gruppe fahren und dann aus der Gruppe heraus versuchen beim Sprint möglichst weit vorne zu landen.
  • Sich im Rennverlauf aus der Gruppe abzusetzen, alleine oder mit zwei oder drei Fahrern, und dann nicht mehr sprinten sondern einfach versuchen möglichst lange vor dem Feld zu bleiben.
    Das Absetzen macht zu einem frühen Zeitpunkt Sinn, da dann die Chance besteht möglichst viele Wertungen mitzunehmen; es hat die höchsten Chancen auf einen Erfolg wenn sich eine Gruppe bildet, die die Tempoarbeit unter sich aufteilt. Alleine ist es bei einem Tempo von ca 40 km/h schwierig lange vorne zu bleiben.

Wird bis kurz vor dem Zielstrich in der Gruppe gefahren, muss man sich zeitlich und örtlich gut positionieren, um den Sprint zu gewinnen. Also an welcher Position bin ich wo in der Gruppe und wann starte ich meinen Sprint?

Ganz vorne zu sein ist gut, da die Strecke dann kürzer ist, aber auch schlecht, weil man nicht sieht wer hinter einem antritt und zu spät startet. Auch gibt es hier keinen Windschatten.

Ganz hinten zu sein ist auch nicht schlecht, da man das gesamte Feld im Überblick hat und sieht wer anfängt zu beschleunigen. Allerdings reicht die Zeit oder Strecke oft nicht mehr aus dann ganz bis nach vorne zu fahren.

Sind Kurven im Spiel oder ist die Gruppe sehr groß, dann muss man auch noch darauf achten, dass man überhaupt die Möglichkeit hat aus der Gruppe herauszukommen und die Kurven mit Tempo durchfahren kann ohne abzubremsen.

Auf dem Sachsenring ist es so, dass die Zielgerade etwa 100m lang ist, davor ist die letzte Rechtskurve. Man muss den Sprint vor der Kurve anziehen, auf den letzten 100 Meter kann man noch mal fünf  Meter gut machen aber viel mehr ist da nicht drin. Schon gar nicht, wenn man nicht mit Tempo aus der Kurve kommt.

Das schreibe ich hier jetzt mit meinen Erfahrungen aus insgesamt vier Kriteriumrennen (drei in Bremen, eins in Japan) und sollte entsprechend gewürdigt werden. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass ich mit jedem Rennen ein besseres Gefühl für die richtige Position und den richtigen Zeitpunkt bekomme. Mit anderen Worten, man kann da viel lesen und sich Gedanken machen, lernen tut man das aber nur auf der Strecke.

Der Renntag

Super Wetter, 26 Grad, endlich. Ich wünschte, ich wäre stressfreier zum Rennen gefahren, aber zeitlich war es sehr knapp und daraus ergab sich eine Kette von Fehlern. Mein schnellstes Rad, das Canyon Positivo, leidet gerade an der Tretlagerknarzkrankheit. Menschen sprechen mich an auf der Strasse und sagen „Für das Rad brauchen Sie keine Klingel.“ Das ist etwas unangenehm, bietet aber die Chance viele neue Bekanntschaften zu schließen. Alle anderen Räder sind nicht schnell genug für Kriterienrennen. Also musste ich knarzend zum und dann anschliessend im Rennen fahren. Da hätte ich auch gleich beim Start zum sprinten mit dem Megaphon rufen können: „Ich leg‘ jetzt los!“ denn das knarzende Innenlager verrät alles.
Ach so, und dann dachte ich, dass eine Trinkflasche genug ist – haha, bei 26 Grad, was für eine doofe Idee; zum Glück haben mich die Eltern von Schnippo vor Ort versorgt.
Letztendlich war ich aber dann doch vor dem Start des Jugendrennens da und traf einige bekannte Gesichter am Start.

Da Jugendrennen mit zwei Fahrern, von denen der eine auch noch deutlich schneller ist als der andere, war naturgemäß eher langweilig.

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Linda beim warmtüddeln für das Senioren/Frauen/Pandarennen

Dann kam das extrem spannende Senioren/Frauen/Pandarennen; extrem spanned und extrem anstrengend, da ich da ja selber mitfuhr. Mir geht immer das Herz in die Hose wenn ich vor dem Start Gesichter sehe die ich nicht kenne, da ich befürchte dass die vielleicht in meinem Rennen mitfahren und eine gute Platzierung verhindern. Meine Sorge war aber unbegründet, es nahmen die gleichen 5 Fahrer teil, die auch beim ersten Lauf dabei waren: Linda, Wolfgang, Reiner, Kai und ich.

Senioren, Frauen und Pandas sind nett zu einander, d.h. wir fahren zügig um den Kurs (38er Schnitt), wechseln uns aber dabei vorne auch ab. Das war bei dem Rennen besonders wichtig, da es auf der Zielgeraden und kurz danach auch heftig Gegenwind gab.

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Beim ersten Sprint nach 5 Runden war ich relativ weit hinten, noch nicht warm und irgenwie auch verpennt. Ich merkte zu spät dass es los ging und fand mich sehr weit hinten, so dass ich gar nicht mehr den Aufwand trieb zu sprinten und Letzter wurde. Jetzt war es nur wichtig  das Loch wieder zuzufahren, dass sich nach dem Sprint aufgetan hatte, denn wenn die anderen jetzt Druck gemacht hätten wäre ich hinten rausgefallen und dann wäre es vorbei gewesen.

Beim zweite Sprint in der 10. Runde war ich weiter vorne, aber der Sprint startete sehr spät, so dass ich nicht die Strecke hatte weiter nach vorne zu kommen und auf dem vierten Platz landete. Da der 5. (Kai) aufgegeben und relativ weit hintern war, mussten wir beide uns dann anstrengen das Loch wieder zuzufahren.

Beim dritten Sprint landete ich wieder auf dem letzten Platz, da ich mich sehr schlecht innen hinten positioniert hatte. Dann fuhr Linda auf der Gegengerade schnell an und riss ein Loch von 20m auf; Wolfgang und ich sprinteten hinterher und wenn wir uns nun die Führungsarbeit geteilt hätten, dann hätten wir uns gut absetzen können. Das kam aber nicht zustande und so waren wir wieder alle zusammen.

Also lief auch der vierte Sprint in der Gruppe und ich konnte mich an vierter Stelle platzieren. Je länger das Rennen dauerte, um so mehr war ich motiviert und meine Ausdauer kam mir nun auch zu Gute.

Den Schlußsprint begann ich an vierter Position liegend und ich wollte gerade am Feld vorbeiziehen, als Wolfgang und Linda ihren Sprint starteten. Das passte perfekt, ich konnte mich hinter die beiden klemmen, schnell durch die Kurve ziehen und einen der anderen noch überholen auf der Geraden durch pure Energie und Kraft. Am Schluß wurde es noch einmal richtig laut: Das Innenlager knarzte was das Zeug hielt und das Publikum feuerte mich begeistert an bei meinem Versuch den dritten Platz zu erobern. Dachte ich. Tatsache war allerdings, dass das Publikum Linda anfeuerte den Sprint zu gewinnen, was ihr auch gelang. Egal, es half. In der Addition wird es vermutlich der Vierte, mit ein wenig Glück der dritte Platz werden. Sehr schön.

Am Straßenrand lernte ich dann die Eltern von Schnippo kennen, die mir anboten mir etwas zu trinken zu besorgen. Das war wirklich sehr, sehr nett. Meine erste Frage an die beiden war:

„Sie sind die Eltern von Schnippo?“ Ich hätte sie überhaupt nie erkannt. Warum sind sie nicht tätowiert?“

Unbenannt

Schnippo (Ausschnitt)

Aber jetzt zum Rennen. Da war ein Feld mit etwa 20 bis 30 Fahrern, teilweise mit Lizenz. Es fahren auch einige RCBler mit wie eben Schnippo, Benjamin, Christian und viele andere die es noch nicht geschafft hatten Fünfzig zu werden.

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Das Tempo war hoch und während sich viele einfach darauf konzentrierten im Feld zu bleiben, setzten sich vorne drei Fahrer ab und arbeiteten einen deutlichen Vorsprung zum Feld heraus. Die holten dann quasi alle Punkte in den Sprints, bis auf die ersten beiden. Und am Ende holten die das Feld ein. Damit war das Rennen relativ schnell gegessen.
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Interessant ist es insbesondere die Gesichter zu sehen und sich darüber Gedanken zu machen, was im Kopf vorgehen mag – als Radrennfahrer muss man das können, damit man den nächsten „Move“ planen kann.

Gesichtsanalyse im Radsport

Gesichter 1

Links: „Muss das hier jetzt so schnell sein, echt.“ Rechts: „So lange der alte Sack da vor mir dran bleibt muss ich wohl auch.“

Gesichter 2

Links: „Ich bin voll der Kannibale!“ Rechts: „Und ich kotz Dir gleich auf das Radschloß.“

Gesichter 3

„Ich wünschte ich wäre 50 und könnte bei den Frauen mitfahren!“

Gesichter 4

„Ha ha ha, die klönen da beim Rennfahren!“

Kurz vor Dunkel ging es dann im Pulk aller Fahrer gemeinsam die 20 km zurück nach Bremen. Durch mein Innenlagerknarzen kam ich mit vielen gut ins Gespräch, ich sollte das wirklich nicht reparieren. Christian und ich nutzten die Gelegenheit zu einem „Ziwi“ (Bremisch für Zitrone-Weizen) im Haus am Walde, alle anderen wollten schnell nach Hause. Ein schöner Tag ging zu Ende.

Strava

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Lüttich – Bastogne – Lüttich 2017: Pommes lügen nicht.

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Es gibt nur wenige Dinge im Leben, die so eklatant verschieden sind, wie die Gefühle, die man nach einer Radfahrt von 273 km am Abend danach hat und die Gefühle, die man am Abend nach einer Radfahrt von 273 km zwei Abende danach hat. 

Umsomehr, als die Teilnahme an Lüttich-Bastogne-Lüttich den Saisonhöhepunkt dieses Jahr darstellt. Das er so früh im Jahr kam ist umso erfreulicher, denn nach langen Tagen des Trainings (2 Mal in Bremen, 5 Mal auf Mallorca) kann ich nun endlich die Beine hochlegen, und das Jahr langsam ausklingen lassen. OK, es warten noch diverse RTFs und das eine oder andere Rennen, aber das fühlt sich eher so an wie noch ein Espresso, nachdem man gerade eine große Pizza gegessen hat.

Jochen hatte mich im Januar angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, dieses Jahr zusammen mit ihm, Silke und Andi LBL zu fahren. „Klar„, sagte ich, ohne lange darüber nachzudenken, denn in Belgien war ich schon lange nicht mehr und was sollte schon groß passieren? „Die kurze oder die lange Distanz?“ „Die lange natürlich.“ Das die lange Distanz 273 km lang war, die kurze 157 km und dass es noch eine sehr kurze Distanz von 75 km gab wusste ich da noch nicht. Die 75 km wurden sowie überhaupt nicht erwähnt. Je näher die Tour kam, umso mehr Bammel bekam ich vor der Aufgabe, die ich mir so unnötigerweise selbst gestellt hatte. Richtig trainiert wurde erst 4 Wochen vorher, dabei nur zwei Mal mit den Bremern, bis der Druck so groß wurde, dass ich mich kurzentschlossen nach Mallorca abseilte um wenigstens ein paar Kilometer in die Beine zu bekommen. Danach fühlte ich mich aber auch sehr OK. Eher trügerisch, wie sich später herausstellen würde. Zum Glück ging es den anderen nicht besser.

Lüttich – Bastogne – Lüttich ist das älteste noch ausgetragene Eintagesrennen im Radsport, daher auch sein Spitzname „La Doyenne“ („Die Älteste“). Wegen seiner Länge und wegen eines Profils, dass sich prinzipiell auch zum surfen eignen würde, gilt es auch als eines der schwersten Radrennen der Welt. Zeit das also endlich in Angriff zu nehmen.

Und so sassen wir am Freitag Morgen zu viert eng aneinander gekauert zwischen Rennrädern, Luftpumpen, Packtaschen und Tupperware im Volvo von Jochen und machten uns auf den Weg nach Belgien. Dieser Weg führt, wenn auch nicht zwangsweise, direkt über meine Heimatstadt Mönchengladbach und durch meine Studentenstadt Bremen, zwei Orte deren Besuch ich tunlichst vermeide. Wenn es aber darum geht deren Schönheit und Charme anzupreisen, dann hält mich nichts zurück. Auch wenn man von Gladbach von der Autobahn nichts weiter sieht als das Klärwerk in Neuwerk  und Aachen sowieso rechts liegengelassen wird. Dann kamen wir nach Belgien und sofort änderte sich die Stimmung: Landschaften, Städte und Dörfer verspritzten diesen typischen französischen Esprit und Charme, untermauert durch gelegentlich gehisste Landesfahnen an Orten die eher selten von Menschen besucht werden.

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Wir hatten uns einquartiert im Hotel Club Midi in Dison, etwa 20 km vom Start entfernt. Das Hotel ist nicht ganz so dunkel, wie es uns deren Website glauben machen will; es verfügt zudem über drei überdachte Tennisplätze an deren Rückseite fast unmittelbar die Gästezimmer liegen. Zum Glück wurde nicht Tennis gespielt, stattdessen liefen die Vorbereitung zur Messe „Salon Feminine“ auf Hochtouren und Händler aus der Umgebung hatten auf dem Filz der Plätze alles aufgebaut, was belgische Frauen begehren: Schmuck, Kosmetika, Bücher, Sportnahrung, esoterische Wandteppiche und, ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, aber es fällt wohl unter den Oberbegriff „Bekleidung“. Ohne Tennis und vor allem ohne tropikanische Zumba Disco ab 21 Uhr am Freitag, die zwar angekündigt auf einem Plakat war, aber laut Website im Juli 2014 eingestellt wurde, war das Laden eigentlich ganz angenehm. Das was nicht so angenehm war konnte in einer Vielfalt belgischer Biere ertränkt werden.

Übrigens waren wir nicht die einzigen Gäste dort, die Gästeliste ist lang und illuster. Dr. Feelgood hat dort schon übernachtet und auch diese Band, die mir aus Teenytagen immer noch im Ohr ist:

Wie an Kopfbedeckung, Brille und Sprachartikulation unschwer zu erkennen ist, handelt es sich hier um Belgier. Sogar Guns&Roses haben dort schon gepennt! Das haben die nur auf ihrer Website aus Versehen falsch geschrieben: „Roses, de Guns & Roses“ .

Wir machten uns auf den Weg nach Lüttich, um uns zu registrieren und die Stadt zu erkunden. Das Leben ist billig in Lüttich, für 20 Cents hätten wir bis zum Montag um 8 Uhr früh parken können. Wir haben das aber doch nicht gemacht, da eine weitere Übernachtung mehr Geld gekostet hätte, als durch parken zu sparen gewesen wäre. Tja, und dann war da noch Lüttich, aber dazu später.

Die Registrierung war sehr unaufgeregt. Es gab keine langen Schlangen, alles ging fix, es gab auch keine großartigen Stände mit Dingen die man noch unbedingt braucht (und wenn, dann hätten wir uns ja auch auf dem Salon Feminine eindecken können), es gab fast nichts zu kaufen, keine Pommes, fast kein Bier. Nur eine großartige Parade des Mavic Services.

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Immer noch am rätseln, was hier gemeint ist: Vermutlich es ist zu einfach ein Auto links zu überholen, wenn man einen Verbrennungsmotor am Rad hat, mehr Spaß ist jedoch dabei es aus eigener Kraft zu schaffen?

Ab ich die Stadt. Die begrüßt einen von der Autobahn her erst einmal mit Tanklager und Industriegebieten, bevor man durch Häuserreihen, deren Baulücken gar nicht, oder sehr unorginell durch Siebzigerbeton aufgefüllt wurden, in die Innenstadt kommt.

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Nur weil das stabil dran steht, heißt dies nicht automatisch, dass das auch stabil ist.

Nein, Lüttich konnte uns auf den ersten Blick nicht mit seinem Charme begeistern. Es erinnerte mich stark an eine Mischung aus Eisenhüttenstadt, so wie Tom Hanks es einmal beschrieben hat und Detroit. Ich war zwar noch nie in Detroit, aber alles, was ich jemals über Detroit gesehen habe, wurde vermutlich in Lüttich gedreht. Eigentlich könnte das alles ganz nett sein, es gibt durchaus schöne Häuser, Cafes, einen Gemüseladen der aussah, als wenn Toulouse-Lautrec dort schon Auberginen gekauft hätte, aber es fehlt an Geld und Menschen. Während in den Erdgeschossen noch Geschäfte und Cafes betrieben wurden, war spätestens nach dem 2. Obergeschoss Schluss: Offene Fenster, leere Höhlen, alte Gardinen ohne Goldkante. Ich dachte zunächst, dass die Stadt sich über die Jahre, ähnlich wie Detroit, entvölkert hat aber Wiki belehrte mich eines besseren.

Wir fanden eine nette Pizzeria, aßen gut zu Abend, tranken dann anschließend noch Kaffee in einem Cafe auf dem Marktplatz bevor wir vorbei an Tennisplatz und Salon Feminine zu Bett gingen.

Denn um 5:40 klingelte bereits der Wecker, um Freunde und Optimismus zu verbreiten hatte ich dieses hier als Weckton eingestellt. Ein letzter Gruß, bevor wir irgendwo in den Ardennen verschwinden. Uns weckte noch etwas anderes: Das Geräusch von leichtem Regen, etwas was man so gar nicht hören wollte, was aber auch nicht unerwartet kam. Der Wetterbericht (also, fast alle, denn wir hatten sie wirklich alle angeschaut auf der Suche nach einer guten Nachricht) hatte Regen erst für 9 Uhr angekündigt. Das konnte ja wenig heiter und wolkig werden.

Ich hatte zwar mehr Radkleidung mit, als meine Tochter T-Shirts im Kleiderschrank hat, aber bei 5 – 11 Grad, Regen, später aber nicht, war es wirklich schwierig die richtige Auswahl zu treffen. Ich entschied mich dann für ein langes, warmes Unterhemd, ein leichtes langärmliges Jersey und eine Hardshell Regensjacke. Letzteres von Rose, vor zehn Jahren für €30 gekauft, wirklich nichts besonders. Es war aber keine schlechte Wahl, nur einmal machte ich den Fehler als ich dachte es wird wärmer und ich die Regenjacke auszog. Die nächste Abfahrt zeigte mir schnell, dass das keine gute Idee ist. So schnell, wie sich Anstiege und Abfahrten in den Ardennen abwechseln kann man die Kleidung gar nicht wechseln.  Doof war nur, dass die Regenjacke gar keine Außentaschen hatte und ich so beim Fahren nicht an die Riegel ran kam. Das sollte sich noch rächen.

Jede Menge Bremer am Start (und ein Nienburger). Die meisten auf der mittleren Distanz und die, die die längere fuhren waren schon unterwegs.

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Silvia wählte übrigens eine interessante Streckenvariante: Für die mittlere Distanz von 157 km angemeldet, fuhr Sie nicht Lüttich-Bastogne-Lüttich, sondern Lüttich-Bastogne, Bastogne-Lüttich. Also erst irrtümlich die lange Strecke nach Bastogne und dann den exakt gleichen Weg zurück. Macht 200 km plus.

Wie bei der Registrierung war auch hier alles sehr unaufgeregt. Irgendwann fuhren Andi, Jochen und ich an den Start … ja wo genau war denn der Start, denn es gab nichts was darauf hinwies, keine Linie, kein aufblasbarer Triumphbogen, keine Menschenmassen die dort ungeduldig auf den Schuss der Pistole warteten? Wir fuhren einfach los und waren schon mitten im Verkehr, denn die Strecke ist auch in Lüttich und auch morgens um 6:30 Uhr an einem Samstag nicht abgesperrt. Andi hatten wir gleich verloren, und so machten Jochen und ich uns auf den Weg hinaus aus dem Maastal von Lüttich. Der erste Anstieg ging bereits über 200 Höhenmeter, nach ein paar Wellen dann noch einmal 350 Hm hoch, aber hey, wir waren noch frisch im Feld und irgendwie und fälschlich voller Optimismus. Dieser Optimismus verführte uns auch dazu die erste Verpflegungsstation nach 43 km rechts liegen zu lassen und weiter zu fahren. Nach ca. 50 km trennte sich die Strecke und die Langstreckenfahrer waren unter sich. So ging es eigentlich ganz gut weiter, Welle um Welle, aber nach 90 km merkte ich, dass mir die Energie ausging. Normalerweise habe ich keine Probleme 100 km am Stück zu fahren, ohne viel zu essen und zu trinken, aber die Kälte und der Regen sogen geradezu die Kalorien aus meinem Körper bis nichts mehr vorhanden war außer Rotz und Wasser. Und die Rotze habe ich an diesem Tag auch noch literweise durch die Nase verschwinden sehen.

Jochen und ich hielten an, damit ich einen Riegel auspacken konnte, eine endlose Tortur und die erste Minikrise. Die Handschuhe waren feucht und ließen sich nicht ausziehen, ich kam nicht an das Jersey ran und musste den Reissverschluss ganz öffnen – so ein Powerbar ist auch kein Meisterwerk des Leichtöffnens – die Verpackung hat jemand erfunden, der auch die Glasflasche für Ketchup entworfen hat. Das dauerte alles endlos, aber brachte mich zumindest nach Bastogne.

Alternativ hätten wir auch die Möglichkeit gehabt die Strecke unerlaubt abzukürzen, zum Beispiel quer rüber bei Manhay nach Osten, aber so fertig waren wir auch noch nicht.

 

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Jochen offiziell.

Bastogne begrüßt einen mit altem Kriegsgerät und entsprechenden Monumenten: „Wo ist die nächste Verpflegungsstation?“ „Aha ja, an der Kaserne vorbei bis zum Sherman Panzer, dann geradeaus zum Kreisverkehr mit dem Panther und dann gleich links beim amerikanischen Soldatenfriedhof.“ An der Station selber gab es Bananen, Müsliriegel, Weingummi, Waffeln; ehrlich gesagt mir war es egal, einfach alles gleichzeitig in den Mund rein, kauen und dann schnell runter bevor es kalt wird. Achtung: Isst man Bananen mit Waffeln und Weingummi gleichzeitig, bleiben die Weingummis irgendwo hintern rechts im Mund übrig und schmecken nach Bananen. In dem Moment, wo ich aufhörte zu treten setzte das große Frösteln sehr schnell ein. Da das Rennen ja Lüttich-Bastogne-Lüttich heißt, könnte man annehmen, das die Hälfte der Strecke und der Höhenmeter in Bastogne geschafft sind. Das ist ein großer Irrtum; gerade einmal 103 der 273 km sind in Bastogne absolviert, fast alle brutalen Anstiege stehen noch bevor und es ist gerade ein Drittel der Gesamtzeit verstrichen. Daher müsste das Rennen korrekterweise Lüttich – Bastogne – noch mehr Ardennen – Lüttich heißen, um den Fokus richtig zu verstehen, denn der war nun definitiv eben noch mehr Ardennen. Und auch noch mehr Regen und richtig guter Gegenwind.

Das ging quasi nach Bastogne los und die Fahrbahn wurde nun richtig nass; so langsam begann ich mir Sorgen zu machen, dass die Socken nun nass, und dies auch bis zum Ende des Rennens bleiben werden. Diese Sorgen waren schnell vergessen. Nicht weil das Wetter besser wurde, sondern weil wir in Hoffalize kurzerhand links von der Hauptstrasse abbogen und plötzlich vor einer Wand standen, dem Côte de Saint-Roch 1,0 km; 116 Hm) dem ersten richtigen Helling der Strecke. Helling ist ein belgisches Wort aus dem 14. Jahrhundert, das einen scheiß-steilen Hügel beschreibt, an dem der Karren mit Kuhmist samt Esel umkippt, wenn versucht wird ihn hochzufahren. Hellinge sind nie Teil der Hauptstraße, sondern verstecken sich immer rechts oder links der Marginalen um die Ecke, so dass einem der Riegel im Mund steckenbleibt wenn man final sieht, auf welche Wand man da gerade zufährt. Oder geradezu fährt.

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Mein erster Helling.

 

Ich wurde auf diesem ersten Helling zunächst von einem mir persönlich bekannten Vereinskollegen aus Bremen überholt, bis ich diesen wieder einholte, als sich dieser entschied den Weg nach oben zu Fuß fortzusetzen. In diesem Moment, und zwar nur in diesem, war ich so relaxt wie Frankie goes to Hollywood. Jochen der ohnehin deutlich schneller als ich war, war bereits voraus und kurz darauf erreichten wir die nächste Verpflegungsstelle, die nun ungefähr die Hälfte der Distanz markierte und in der deutschen Enklave Belgiens liegt – dort wo die Orte Steinbach heißen. Orginell. Auf der wallonischen Seite heißen sie „Froideville“. Andi war bereits da, ihm war kalt und weg war er.

35 km stand der Côte de Pont auf dem Programm, der etwa vergleichbar mit dem ersten Helling war. Trotzdem dauerte es für mich nun länger hier hochzufahren, da ich deutlic weniger Kraft in den Beinen hatte. Das was zu Beginn des Tages noch so spielend gelang, wurde nun zu einer extrem kraftraubenden Angelegenheit. Jochen, der mit Leistungsmessung fuhr meinte ebenfalls, dass er nun halb so viel Watt treten würde wie am morgen, sich aber körperlich am Anschlag befindet. Nur ganz wenige Kilometer später folgte dann der Côte de Bellevaux, der etwas einfacher zu fahren ist. Und kurz darauf ist zum Glück auch wieder ein Verpflegungspunkt in Malmedy, den man nun auch ganz dringend braucht. Neben dem Verpflegungspunkt befand sich die Friterie Chantal.

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Drei Tage später kann ich mich kaum noch an die Details erinnern, ich war so darauf konzentriert zu fahren, ich habe wenig Erinnerung an das, was um mich herum vorging. Bis zum nächsten und letzten Verpflegungspunkt in Sprimont, waren nun noch weitere 4 Hellinge angesagt:  Der Côte de la Ferme Libert mit bis zu 20% Steigung und den ich teilweise in Schlangenlinien hochgefahren bin, der Col du Rosier, der nicht wirklich steil ist, aber zu diesem Zeitpunkt eben mit 3,8 km sehr lang; der Col du Maquisard, den ich irgendwie so mitnahm und dann der berühmteste überhaupt, der Côte de La Redoute mit bis zu 22% Steigung. Das ist ganz schön gemein nach so viel Strecke. Aber irgendwie habe ich es geschafft alle Anstiege hoch zu kommen, ohne abzusteigen, auch wenn meine Geschwindigkeit teilweise bis auf 6 km/h abfiel. Ich habe keine Erinnerung auf auch eine Ahnung, wie ich das geschafft habe.

In Sprimont wurde der Mund noch einmal richtig voll mit Weingummi etc. genommen und alle beiden Wasserflaschen mit ISO Plörre gefüllt. Da muss wohl auch Magnesium drin gewesen sein und was weiß ich noch was; jedenfalls hatte ich im Rennen und auch in den Tagen danach keinerlei Krämpfe in den Beinen. Das Zeug ist gut, hat aber auch sehr unvorhersehbare Auswirkungen auf meine Verdauung. Nein, eigentlich sehr vorhersehbare Auswirkungen auf meine Verdauung.  Die Aussicht auf ein Dixieklo am Ziel ließ mich noch einmal eine ganze Ecke schneller fahren.

Von Sprimont waren es noch 39 km ins Ziel. Noch zwei Hellinge waren laut Programm zu absolvieren und jetzt war klar, dass ich es schaffen würde anzukommen und weniger als 2 Stunden dafür sollten auch reichen. Der Rest ist denn nur noch durchhalten und sich irgendwie ins Ziel quälen. 10 km später schwankt am Côte de la Roche-aux-Faucons noch einmal diese Gewissheit. Das Ding ist zwar nur 1,3 km lang, was aber eben zu diesem Zeitpunkt so lang wie 13 km erscheint. Kommt man aber oben an, muss man feststellen, dass man noch einmal einen weiteren Kilometer hoch in eine andere Richtung zieht. Ich fühlte mich wie betrogen.

Bei dem Versuch eine rote Ampel zu umfahren und weil ich im Hinterkopf keine Augen habe, übersah ich den Polizeiwagen direkt hinter mir. Der hupte zunächst (was ich als Aufforderung interpretierte mich zu beeilen), doch als die Sirenen anfingen zu heulen wusste ich, dass ich in der Klemme bin. Es blieb zwar bei einer mündlichen Verwarnung auf französisch, aber von nun an musste ich nicht nur schnell fahren, sondern mich auch peinlich genau an die Straßenverkehrsordnung halten.

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Silke offiziell.

Nach 258 km etwa waren wir wieder an der Maas und in einem hässlichen Teil von Lüttich gelandet. Nicht, dass die anderen Teile so besonders viel schöner gewesen wären, aber nach 258 km ist eben auch wenig Platz für Optimismus. Wir überquerten die Maas und hätten jetzt am Fluss lang Richtung Messehallen, also dem Ziel radeln können. Das war dem Veranstalter aber zu einfach:  Der Côte de Saint-Nicolas, also der Nikolaushügel, zieht sich Serpentine per Serpentine durch eine Industrieruinengegend und eine langweilige Hochhaussiedlung hoch bis auf die Hauptstrasse nach Ans. Und diese sieht man dann in ihrer ganzen Pracht wie die ebenfalls schräg nach oben verläuft über eine sehr lange Distanz. Da fühlt man sich noch einmal richtig beschissen und fragt sich: Warum wollen die mir hier unbedingt ihre Stadt zeigen? Wär’s nicht besser Start und Ziel sowieso außerhalb zu machen, denn die Dörfer der Ardennen haben durchaus Charme?

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Anstieg nach Saint-Nicolas. Ne, war nur ein Spaß, das ist wirklich Detroit.

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Das ist eine sehr positive Darstellung von Saint Nicolas.

Nein, man muss hier hoch fahren, weil das der letzte Anstieg ist, den die Profis im Rennen fahren; denn das Renen endet nicht in Lüttich sondern in Ans. Oben auf dem Hügel biegen die Pros nach links ab in die Rue des Francais und kommen 200 m weiter neben dem Carrefour Supermarkt durch das Ziel. Alle anderen, nämlich die Nicht-Profis, müssen sich dann weiter 8 nutzlose Kilometer durch Lüttich quälen, bevor sie die Messehallen und deren Dixie-Klos erreichen. Es war geschafft, fast 275 km lagen hinter Jochen und mir und die Stimmung war indifferent.

Strava.

Andi war da, Silke war auch schon länger zurück, auch sie hatte die mittlere Distanz gestanden. Schnippo kam kurz danach ins Ziel, die weiteren Bremer haben wir seitdem nicht mehr gesehen. Es gab keine Pommes am Ziel – eine mittlere Katastrophe! Ich fragte mich, warum ich verdammt noch Mal all diese Mühe auf mich genommen hatte, wenn am Ende nicht die verdammte Belohnung da sein würde. Also schnell weg nach Dison, unserer neuen belgischen Heimat und auf die Suche nach der ersten Pommesbude. Keine Ahnung wo, wir halten an einer Tankstelle und Jochen meint ich soll einmal gerade rüber hüpfen und fragen, wo die nächste Pommesbude ist. Rüberhüpfen? Angesichts meiner körperlichen Verfassung wäre „rüber schleppen“ das passende Wort gewesen. Und dann fragte ich in meinem Schulfranzösisch von 1979, das seitdem durch diverse Schichten von japanisch und chinesisch überlagert wurde, wo denn im Ort eine Pommesbude sei. Dönerbuden gab’s da jede Menge, aber wo bitte ist eine Friterie (nach Möglichkeit mit dem Namen Chantal)? Ja, sagte der Tankwart, da kenne er eine, da gäbe es auch leckeres Pita Döner…Abgelehnt!… Ehrlich gesagt hatte ich nicht genau verstanden was er sagte, denn ich kann weitaus besser französisch parlieren als verstehen, aber tatsächlich führte uns der Weg zum Fritten Snack, wo wir erst einmal jede Menge Frites moyenne (französisch: heißt auf Deutsch XXXL) mit Mayo und den anderen tausend Dingen die sich Belgier so auf Pommes tun, bestellten. Lecker. Pommes lügen nicht. Das sollte eben auch nur ein kleiner Snack werden, richtig essen wollten wir im Hotel.

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Die Pommes Moyenne danach

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Ich kann mich aber nur noch erinnern, dass wir im Hotel ein paar Bier bestellten, einen Blick auf den Salon Feminine wagten und dann in den Sofas an der Bar schon einpennten, neben mir Andi. Ein letztes „hüpfen“ in die Zimmer, dann war der Tag vorbei.

Und so machen es die Profis

Am nächsten Morgen wollten wir herausfinden, wie gut denn die Profis sind. Um das Ergebnis vorwegzunehmen, wofür wir 11 1/2 Stunden reine Fahrtzeit brauchten, benötigt ein Profi wie A. Valverde lediglich 6 1/2 Stunden und selbst der lahmste Lutscher 2016 (Simon Yates als 153.) kam nur 16 Minuten später an. Und 47 Fahrer haben aufgegegebn, darunter auch Japans Hoffnung Fumiyuki Beppu von Trek-Segrafredo.

Und, zwei Dinge müssen hie auch einmal klar gestellt werden: Statt den 274 km, die wir gefahren sind, mussten die Profis nur ca. 256 km fahren – und das auch noch bei schönstem Wetter dieses Jahr, Im Gegensatz zum Tag davor. Von daher ist es nur fair anzunehmen, dass etwa 4 der 5 Stunden Zeitunterschied zwischen Valverde und mir auf die kürzere Strecke und das bessere Wetter zurückzuführen sind und dass der tatsächliche Leistungsunterschied zwischen uns nur für eine weitere Stunde Verspätung verantwortlich ist. Mit Simon Yates bin ich quasi fast leistungsgleich.,

Wir fuhren zunächst zum Côte de Saint-Roch in der Nähe von Bastogne. Das ist ein guter Platz ein Radrennen zu schauen, denn der Anstieg beginnt in einem kleinen Dorf, das eine Friterie sein eigen nennt („Autre Chose“) und einen Kinderspielplatz inklusive deutschem Kampfpanzer aufzubieten hat.

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Friterie Autre chose im Ort

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Typisch belgischer Kinderspielplatz

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Kein klassisches Rennen ohne klassisches Polizeikäppi.

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Der Anstieg mit einem Tribut an Michelle Scarponi.

Der Anstieg ist rechts und links von Häuserzeilen gesäumt. Wir waren zu früh, da die Profis mal wieder auf der Strecke trödelten,  aber eine Ausreissergruppe von 8 Fahrern hatte 13 Minuten Vorsprung auf das Feld herausgearbeitet und sollte nun bald kommen. Die Stimmung war auch hier sehr unaufgeregt. Ich hätte gedacht, dass unheimlich viele Menschen dort stehen, es schwer ist überhaupt einen Blick auf das Rennen zu ergattern, das Fahnen geschwungen werden und das Bier in Strömen fließt – nein, die Stimmung war gut aber ruhig, bis dann ein Raunen durch die Menge ging und die Ausreißer an uns vorbei die Steigung hochfuhren. Sieben von acht Fahrern machten das sehr mühelos und schnell, nur einer hatte eine etwas verbissene Miene und drohte aus dem Feld zu fallen. Eine Weile später folgte das Feld.

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Auch hier lockere Mienen, sehr gutes Tempo und es überraschend mich immer wieder zu sehen in welcher Dichte so ein Feld fahren kann. Will sagen, wie nah die alle zusammen fahren ohne zusammen zu stoßen.  Ist eigentlich wie das Boyle-Mariott Gesetz p x V = const.; also je größer der Druck im Feld ist, umso kleiner wird das Volumen. Jochen meinte, einen Profi muss dieser Abzweig von der Hauptstraße auf den Helling auch sehr überraschend gekommen sein, denn ein Riegel ragte noch aus seinem Mund.

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Es folgte die Kolonne der Teamwagen, die Ambulanz, ein Abschleppwagen, die Polizei und der Besenwagen. Wir nahmen das Auto und fuhren nun Côte de La Redoute, etwa 35 km vor Ende des Pro Rennens und dort wo gestern schon die Wohnwagen an der Strecke parkten und richtig Stimmung war: Na ja, also um es wirklich ganz genau zu schreiben, eine Gruppe belgischer Männer trank dort Bier, sang und hatte Pimmels mit Kreide auf die Straße gemalt. Wir kamen dort an und liefen den Hügel hoch, um einen guten Platz zum sehen zu finden. Ich war überrascht wie steil es dort war und ich konnte mich beim besten Willen nicht daran erinnern, wie ich dort hochgefahren sein könnte. Das Hochgehen war schon irre anstregend.

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1.000 m vor dem Ziel am Cote de la Redoute.

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Teamwagen nach dem Hauptfeld.

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Es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis die Ausreißergruppe, die nun auf 5 oder 6 Fahrer zusammengeschmolzen war und nur noch 5 Minuten Vorsprung auf den Peloton hatte vorbeikommen sollte. Zeit sich ins Gras zu legen und die Augen zu schließen, um dann anschließend die Mannschaft mit dem „Underpant Man“ vom Giro d’Italia zu unterhalten.

Die Ausreißer sahen hier bereits etwa angestrengter aus, aber das ist alles kein Vergleich zu dem Anblick den wir am Vortag abgegeben haben müssen. Und im Peloton erkannte ich A. Valverde, den späteren Sieger, der aussah als wenn er auf einer BBC Runde am Freitag nach Fischerhude fahren würde. Dahinter wieder Teamwagen, Ambulanz, Abschleppwagen und Besenwagen, dazwischen einige versprengte Fahrer. Als wir uns auf der Straße auf den Weg nach unten machten kamen uns erstaunlicherweise noch einige Fahrer entgegen, die sich durch die Massen nach oben kämpfen mussten. Unter anderem Simon Yates.

Lächerliche 6 Stunden später waren wir wieder zurück in Bremen.

Fazit (5 Abende Später)

Es ist auf der einen Seite eine interessante Erfahrung einmal die Strecke eines Profirennens zu fahren. Man bekommt ein gutes Gefühl dafür, wie hart es für einen Profi sein muss und natürlich ist es auch interessant sich einmal von Leistung und Zeit mit den Pros zu vergleichen. Es ist andererseits aber vielleicht keine zu gute Idee, dass im April in Belgien in den Ardennen über 273 km zu tun, denn das macht teilweise wirklich wenig Spaß. Zu diesem Zeitpunkt sind sind die Vögel in den den Ardennen noch mit dem Arsch an den Zweigen festgefroren und die Frittenfelder liegen brach im Regen während der Belgier an sich zuhause bleibt und nur ab und an mit einem Glas Bier in de Hand an der Kirche vorbeischaut. Auch fünf Abende später denke ich noch „cool, dass Du das geschafft hast“, aber der Gedanke an eine Wiederholung liegt mir immer noch fern. Gestern Abend z.B. bin ich das OBKM Rennen in Bremen in meiner Altersklasse (7 Teilnehmer, einer davon verloren gegangen, ein Mädel noch zu jung und nicht schnell genug) und habe vermutlich einen hervorragenden 5. Platz herausgefahren, ja vielleicht sogar den 4., wer weiß). 21 km zum Start, 25 km fahren, dann wieder zurück. Sehr anstrengend im rennen, aber auch sehr wenig aufwendig. Irgendwie gut (nur sehr, sehr kalt). Oder ein paar Wochen vor LBL waren Silke, Andi und ich in Holland (Ibbenbüren) auf einer RTF. Relativ kurze Anreise, sehr schöne Strecke, Sonne, am Abend wieder zurück – das hat echt Spaß gemacht.

Aber natürlich kommt es am Ende besser raus zu schreiben: „Hey, ich bin dieses Jahr LBL 2017 (mit 7.000 Belgiern, Italienern, Engländern) gefahren!“ Als „Hey, ich war im April mit 400 Holländern in Ibbenbüren“.

Pommes lügen eben nicht.

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MOBKM. Le Stra.

Ein Highlight dieser Saison war es an einem Rennen der offenen Bremer Kriteriummeisterschaft (OBKM) auf dem „Sachsenring“ in Bremen (irgendwie) teilzunehmen. Der RCB wird die OBKM Serie im nächsten Jahr ausrichten, wenn möglich auf einem Kurs an der Uni auf dem bereits fleißig geübt wird. 

Hier eine prima Idee für einen zweiten Kurs um Abwechslung in die Sache zu bringen.

Was haben Otto Hahn, Lise Meitner, Konrad Zuse und Hildegard von Bingen gemeinsam? Richtig, das waren alles Kernhysiker. Bis auf Konrad Zuse, der Bill Gates der Vierziger und Hildegard von Bingen, die leider bereits 1178 verstarb. Aber ich bin ziemlich sicher, dass die auch Kernphysikerin geworden wäre, ja hätte sie doch nur ein wenig länger gelebt. Abgesehen von dieser Gemeinsamkeit, bilden diese vier Straßen die nach diesen, äh, Kernphysikern benannt sind, den OBKM 2017 Kurs an der Uni.

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Kein Zufall, dass Straßen im Universitätseinflussbereich nicht einfach Lindenstraße oder Helenenstraße heißen, sondern das nur Akademiker als Namensgeber in Frage kommen. Und dann auch noch genau 2 Männer und 2 Frauen, das sieht sehr nach Bremen aus.

OK, prima. schöner Kurs. Aber irgendwie auch ein wenig langweilig: Vier Kurven, zwei lange und zwei kurze Geraden, die Gegend selber ist auch nicht so prickelnd, irgendetwas fehlt doch da noch. Zum Beispiel Berge. Und Spitzkehren. Und so habe ich mich heute aufgemacht, einen zweiten Kurs zu finden, der noch mehr Spaß und Abenteuer bringen könnte.

Nur wenige Kilometer weiter östlich wurde ich dann auf französischem Staatsgebiet fündig; dort wo sich der gallische Supermarkt „Le Stra“ befindet.

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Ja, ich weiß. Kein vernünftiger Mensch würde da während der Geschäftszeiten von Le Stra Radfahren wollen – und das Ding hat quasi immer auf. Der Parkplatz von Le Stra ist bekanntermaßen der gefährlichste Platz in ganz Bremen, Kinder würde ich da auf keinen Fall alleine hin lassen. Zudem ist der Parkplatz dort der Beweis, das gute Manieren im Verkehr nichts mit Alter, Bildung oder Wohlstand zu tun haben: Omis auf Rollatoren mit Baguettes in der Hand verschaffen sich rücksichtslos ihren Weg und kreuzen, ohne nach links oder rechts zu sehen die Fahrbahnen. Yuppis und Dinks schießen wahlweise in Porsche Cayenne oder C Klassen aus dem Dunkeln des Parkhauses hervor. Kurz, die Chancen in der Bronx zu überleben sind besser als vor Le Stra.

Bis auf Sonntags.

Da ist das Ding nämlich, dem deutschen Ladenschlußgesetz sei Dank, zu. Also bin ich heute mal hin und habe einen möglichen Kurs abgefahren, und zwar den MOB Kriteriumsmeisterschaftskurs 2017, oder MOBKM 2017.

Start

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Der Startbereich ist ähnlich einer Startbahn auf einem Flughafen schick schwarz-weiß gestreift, im Hintergrund ist die Auffahrt auf den Col d’Horn im Abendlicht zu erkennen. Durch die gelben Poller wird das Publikum am Betreten des Kurses gehindert. Hat man einen Brief dabei, kann man diesen gleich links abgeben.

Auffahrt zum Col d’Horn

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Links das Warnschild: 2.500 Prozent Steigung! Ein brutales Ding, so ziemlich die fieseste Steigung die Bremen zu bieten hat. Fährt man nicht zu schnell hoch segelt man über das Gelände gleich weiter Richtung Horner Kirche bzw. Friedhof wenn man Pech hat.

Horner Hochebene

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Nach der Spitzkehre ahnt man in etwa wie hoch man bereits gekommen ist.Rechterhand befindet sich die Einfahrt in die rasante Abfahrt die unter Einheimischen als der

Hamsterschwanz 

bekannt ist.

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Versagen hier die Bremsen knallt man entweder sofort gegen ein Auto oder Sekundenbruchteile später gegen die Straßenbahn. Also besser gut bremsen und am Ende die 180 Grad Kurve nehmen um in den

Le Stra Tunnel of Love

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zu fahren. Eine schöne, lange gerade bei der man besser sitzen bleiben sollte, um mit dem Kopf nicht gegen einen der zahlreichen Stahlträger zu knallen. Und hier kann man schon mal Spitzengeschwindigkeit von über 30 km/h erreichen, bevor man wieder brutal abbremsen muss auf recht glitschigen Glibbersteinen.

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Jetzt geht es in umgekehrter Richtung wieder zur Horner Kirche. Auch hier: Spitzengeschwindigkeiten! Konsequent wird hier, wie auch an allen anderen Wochentagen, gegen die durch Pfeile indizierte Richtung gefahren. Zebrastreifen sind ohnehin nur dekorative Beiwerke.

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Und nach einer weiteren, rechten Spitzkehre geht es in umgekehrte Richtung zurück zum Start.

Ich bin heute einmal 10 Runden auf dem Kurs gefahren und ich kann nur sagen: Irre anstrengend! Vielleicht wegen der ca. 30 Höhenmeter die ich erklommen habe, oder wegen der irren Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 20 km/h. Oder vielleicht auch weil ich ständig beschleunigen und bremsen musste und mir die Angst im Rücken sass? egal, nach 10 Runden und 19:15 min war ich total fertig. Auf Strava sieht das dann so aus:

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Sieht man ja da häufiger, dass Rennradfahrer auf Strava Tiere oder Buchstaben in die Landschaft malen. Hier kann man ja dann auch sehr deutlich „mob“ lesen.

OK, dann bin ich durch den Sprühregen zum OBKM Kurs 2017 gefahren, um den direkten Vergleich zu haben. War eh ein mieser Tag, ich war schon total nass, obwohl ich ja zehn Mal durch den Tunnel of Love gefahren war. Auf dem OBKM Kurs wurd eich dann richtig nass. Das fahren ist auch ganz anders, eher so mediativ. Man versucht so in den 30 km/h+ Bereich zu kommen und dort zu bleiben. Wären diese Kurse Songs, dann wäre der OBKM Kurs dieser hier:

Und der MOBKM Kurs dieser hier:

Und gefährlicher als an einem Wochentag zu Lestra zu fahren ist das auch nicht.

Mehr demnächst.

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Münsterland Giro 2016. 70 km.

Der Münsterland Giro ist das letzte wichtige Ereignis der Saison. Nach über 11.000 km dieses Jahr kann die Form auch nicht mehr besser werden; ein letztes Mal ballern an der Leistungsgrenze, bevor Wetter, Spaß und Vernunft den meisten Radaktivitäten des Jahres ein Ende setzen.

Die Saison ist quasi zu Ende, und am Ziel wird abgerechnet: Mit der Saison, mit dem Rad, dem Verein …..

oder mit dem Leben an sich:


Es ist gar nicht so einfach Bremer für den Münsterland Giro zu motivieren. Und noch schwieriger ist es überhaupt rechtzeitig nach Münster zu kommen, denn die Bahn empfiehlt einem in der Quintessenz, dass man doch bitte bereits am Vortag anreisen möge, wenn man so gegen 7:30 Uhr dort sein möchte. Zum Glück konnte ich meiner Frau unsere französische Familienkutsche aus dem Ärmel leiern und Matthias überzeugen, mit mir um 5:45 Uhr loszufahren.

Und so standen wir um diese Zeit im dunklen, kalten und leicht nassem Bremen auf der Straße und packten unsere Räder ein. Die letzten Wochen in Bremen waren ja geprägt von diesem bremischen Weltuntergangswetter, will sagen, der Himmel war fast immer blau, kein Tropfen Regen über Wochen und die Temperatur angenehm warm; es gab einfach keinen Grund nicht nicht Rad zu fahren. Einfach total komisch, aber damit ist es nun ja endgültig vorbei. Bremen hat uns wieder im Griff und die herbstübliche Mischung aus grauem Himmel und Dauertröpfeln täuscht wieder Normalität vor.

Am Tag der deutschen Einheit morgens ist die A1 leer, und in weniger als zwei Stunden waren wir im Parkhaus in Münster. Das ist ein phantastisches Parkhaus, das so auch in Bremen stehen sollte, denn es verfügt über tolle lange Rampen in die Höhe, auf denen man auch gut ein Bergkriterium fahren könnte. Wir holten die Unterlagen und bekamen unsere Starterbeutel.

Warum bekommt man die eigentlich? Warum denkt jeder Veranstalter eines größeren Jedermann-Radrennens, dass ein Starterbeutel ein unverzichtbarer Bestandteil seiner Service-Leistung ist? Nachdem es nun in Supermärkten keine Plastiktüten mehr gibt, hat man diese Sinnlosigkeit bei Radrennen  bislang nicht in den Griff bekommen.

Ich finde die Beutel selber und noch mehr ihren Inhalt unnötig. Die Beutel schmeiße ich direkt zuhause weg, den Inhalt schaue ich mir noch mal an, bevor der größtenteils in die Papiertonne geht. Riegel? OK, aber nicht unbedingt nötig. Trinkflasche? Ich habe ohnehin eine Menge davon und auch von wesentlich besserer Qualität. Die, die man bei solchen Rennen bekommt nutze ich, wenn überhaupt zum Blumen gießen.Shampoo? Nein Danke. Hautcreme? Nein.

Als in den frühen Neunziger Jahren in China mit den Flugzeugen von China Southern Airlines unterwegs war, bekam man am Ende eines Fluges auch immer ein paar Goodies. An sich war ich schon froh, dass diese Propellerflugzeuge , die endlos lange im Tiefflug auf einen der Militärflughäfen zusteuerten, überhaupt heil ankamen. Diejenigen Passagier die diese unerträgliche Nervenanspannung überlebten, bekamen beim Ausstieg etwas von den Stewardessen in die Hand gedrückt: Ein Set Spielkarten, ein Hosengürtel (mit dem ich mir bestenfalls den Oberarm zum Blutabnehmen hätte abbinden können, oder eine Krawatte waren dabei die besseren Ideen. Einmal bekam ich ein Paar schwarze Nylondamenstrümpfe. Die habe ich jahrelang zum putzen meiner Schuhe verwendet.

Was ich sagen will: Das hatte alles einen tieferen Sinn, der mir vielleicht entgangen ist. Der Starterbeutel ist einfach sinnlos.

Und was wir allerdings hätten gebrauchen können wäre ein Kabelbinder mehr gewesen. Der Aufwand Kabelbinder und Sicherheitsnadeln abzuzählen und in die Papierumschläge zu tun muss doch enorm sein. Deshalb hier mal ein Vorschlag, wie ich mir das wünschen würde:

  • Man drücke jedem Fahrer bei der Anmeldung einen Transponder, eine Startnummer für das Trikot und eine für das Rad in die Hand.
  • Auf einem Tisch steht eine große Kiste mit Sicherheitsnadeln und eine mit Kabelbindern. Man nehme daraus nach Bedarf.
  • Von den Sponsoren gibt es Tüten, falls jemand welche brauchen sollte.
  • Und wenn es sein muss, können dann auch noch Prospekte von den Sponsoren ausgelegt werden.

Wir fuhren zum Start und hatten gerade noch einmal 5 bis 10 Minuten Zeit bevor es los ging. Ich kam überhaupt nicht dazu meine Windjacke auszuziehen, denn es war wirklich ungemütlich kalt.

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Am Start: Lang-lang dominiert.

Matthias hatte sich nachgemeldet und war in Block E gelandet. Ich konnte ihn überzeugen, dass es eine viel bessere Idee ist aus meinem, nämlich Block A zu starten und wie immer gelang es uns problemlos uns da gemeinsam rein zu mogeln. Vorne zu starten hat den großen Vorteil, dass, sollte man aus einer Gruppe herausfallen, man in der Regel von einer schnellen Gruppe von hinten überholt wird, der man sich wieder anschließen kann. In Block E kann man Glück haben, wenn man in die Gruppe der schnellen Fahrer gerät, die verpennt haben sich rechtzeitig anzumelden (alle Nachmelder kommen in diesen Block). Ist das nicht der Fall, daddelt man langsam durch die Gegend und stellt sich im Laufe des „Rennens“ hundertmal die Frage was man hier eigentlich macht und warum an so früh aufgestanden ist.

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Frisch über den Zaun

Uns war kalt, wir waren wie immer in Münster kein Stück aufgewärmt, als der Startschuss fiel und wir uns auf den Weg machten. Seit zwei Jahren fahre ich auf meinem Rennrad Shimano SPD Pedale (also MTB Pedale) die den großen Vorteil haben, dass man sehr schnell einklicken kann, so dass ich beim Start bereits eine Menge Fahrer vor mir überhole. Der andere große Vorteil dieses Systems ist, um es mit den Worten meines Sohnes auszudrücken, man sieht nicht voll schwul aus, wenn man abseits des Rades auf MTB Schuhen herumläuft.

Wie üblich versuchte ich also so schnell wie möglich nach vorne zu kommen, denn solche Jedermannrennen werden ja quasi auf den ersten drei bis fünf Kilometern entschieden. Deshalb ist es meiner Meinung nach ja auch total unsinnig sich für längere Strecken anzumelden, da das Schema immer das gleiche ist:

70 km: 3-5 km ballern;   60 km RTF-mäßig in der Gruppe fahren, 5 km nervös ins Ziel.
110 km: 3-5 km ballern; 100 km RTF-mäßig in der Gruppe fahren, 5 km nervös ins Ziel.
140 km: 3-5 km ballern; 130 km RTF-mäßig in der Gruppe fahren, 5 km nervös ins Ziel.

Entsprechend schnell war das Tempo zu Beginn. Ich blieb so weit links wie möglich und überholte Fahrer um Fahrer bis das Feld so weit auseinander gerissen war, dass der Abstand zu einer der vorderen Gruppe zu groß wurde, um den Sprung dorthin alleine zu machen. Aber immerhin, war ich ziemlich weit nach vorne gekommen und das Tempo wurde auch nicht langsamer. Jetzt ging es darum in der Gruppe zu bleiben und bei einem Tempo von 40+ immer wieder die Lücken zuzufahren. Das klappte gut, aber ich wollte mich auch nicht so verausgaben, dass ich bei den Steigungen die bald kommen würden keine Power mehr hätte.

Die ersten leichten Rampen kamen nach 12 bis 16 km und wurden sehr langsam gefahren, da gab es keine Probleme aus der Gruppe zu fallen. Nach 17 km kommt dann diese Steigung, die auf Strava Baumberg heißt und beim Rennen hier jedes mal die Gruppen selektiert. So auch dieses Mal. Allerdings bin ich dieses Jahr am Berg ganz gut in Form, den Dolomiten sei Dank und wurde zwar zunächst nach hinten durchgereicht, aber eben auch nicht so weit, dass ich ganz herausgefallen wäre. Und als ich oben war, hatte ich noch genug Power jetzt nicht rollen zu lassen, sondern noch einmal richtig Gas zu geben und in der Gruppe zu bleiben. Puh, wenn das so weiter gehen würde, war irgendwann der Zeitraum abzusehen, an dem ich rausfallen würde, weil die Reserven nicht mehr reichen.

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Hallo Silvia.

Dann passierten zwei eigenartige Dinge: Erstens wurde es extrem nebelig. Da war schon so eine Tendenz zum Nebel am ganzen Morgen, aber jetzt wurde es richtig nebelig und ich konnte vor mir kaum noch etwas sehen. Die anderen Fahrer schien das nicht zu beeindrucken, aber ich wurde sehr unsicher und bremste häufig und unnötig. Es dauerte recht lange um einmal probeweise über die Rennradbrille zu schielen und festzustellen, dass da gar kein Nebel, sondern nur meine Brille sehr beschlagen war. Ich musste die dann erst einmal abnehmen, und fuhr mit meinen Minus Zweitausend Dioptrien (links und rechts jeweils tausend) erst einmal ein wenig weniger blind durch die Landschaft. Gut war das aber nicht. Das zweite, was passierte war, dass das Feld jetzt wesentlich langsamer fuhr. Die Luft war komplett raus und es ging im RTF Tempo durch Wiesen und Wälder. Zuerst ist man ja durchaus dankbar, aber dann könnte möchte man ja doch ein Rennen fahren und an die Grenzen gehen und nicht so einfach nur rumfahren. Dafür stehe ich nicht morgens um 5 im Herbst auf und fahre 180 km nach Münster. Und schon gar nicht möchte man von hinten von einer weiteren Gruppe eingeholt werden.

Genau das passierte dann auch, denn nach einer Weile kam die schnelle Gruppe aus dem B Block von hinten an und überholte uns. Also, wieder Gas geben, in die Gruppe rein, die Lücke mehr gefühlt als gesehen.

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Leider tobte sich dann auch diese Gruppe schnell wieder aus. Den nächsten Anstieg Weissenburg (Strava) habe ich fast nicht wahrgenommen, ebenso die nächste Rampe rauf nach Horstmar (Strava). Das Feld war hier durchaus unterschiedlich schnell oben, aber letztendlich wurden die Lücken im Feld auch wieder zugefahren, so dass wir nach 43 km immer noch eine recht große Gruppe von vielleicht 100 Fahrern hatten.

In dem Feld war nun endgültig die Luft raus und es wurde nun sehr gemütlich gefahren. Strava gibt mir da einen Schnitt von über 40 km, aber das täuscht denn die Straße zurück nach Münster ist schnurgerade und es gibt einige sehr schnelle Abfahrten. Die ganze Nervösität war weg, es wurde gequatscht und ich hatte die Möglichkeit ein paar Fotos zu schießen. Höhepunkt: ein unverpackter Müsliriegel fällt aus einer Tasche genau in die Speichen eines Vorderrades. Müssliflocken umhüllen sofort das Feld.

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Zurück auf der Radautobahn nach Münster

Matthias meinte nach dem Rennen, dass er die zweite Hälfte des Rennens als sehr langweilig empfand und er sich noch ein paar Steigungen gewünscht hätte, die das Feld weiter selektieren. Klar, das hätte ich mir auch gewünscht – aber eben erst auch nach dem Rennen.

Jetzt galt es eigentlich nur noch in der großen Gruppe nach vorne zu kommen, bevor das Feld so nervös wird, dass alle nur noch links überholen wollen und da kein Platz mehr ist. Nach meiner Erfahrung ist das so ab dem 60. km hier der Fall, also machte ich mich gleich bei km 50 auf. Das klappte sehr gut und bei der Einfahrt nach Münster war ich unter den ersten 20. Ich wusste allerdings auch nicht wie lange das Rennen genau war und wie viel Kilometer es noch bis zum Ziel sein sollten. Dummerweise gab es da keine Ausschilderung oder ich habe die nicht gesehen.

Auf den letzten beiden Kilometern war das Feld auch sehr nervös und man bekommt sehr genau mit wer erfahren ist und sicher fährt und welche Dangerfreaks das eben nicht sind. Vor mir fuhr jemand in einem Highroad Jersey, der mir schon vorher aufgefallen war, weil es ständig links und rechts ausscherte.

In der letzten Kurve vom York Ring in die Grevener Strasse, fuhr ich hinter ihm außen in die Kurve. Ihn treibt es raus, er kommt gegen den Bordstein, fällt aber zum Glück nicht hin.  Kurz danach verbreitert sich die Straße und die Parkbuchten dort sind mit Hütchen abgesperrt. Er knallt gegen die ersten Hütchen, kippt die um und die rollen nun auf die Straße . Ich kann gerade noch so ausweichen, verliere aber jeden Schwung. Ein ganzer Haufen Fahrer zieht an mir vorbei und mir geht die Strecke aus. Ich ziehe noch mal richtig an, überhole noch den einen und den anderen, aber der vordere Teil der Gruppe ist weg.

Video von Kai, Danke dafür. Man sieht gut wie der Highroad Fahrer aus der Kurve an den Bordstein gedrängt wird bei etwa 2:00.

Ziel.

Schloßplatz. Alkoholfreies Weißbier morgens um halb elf. An sich nicht mein Fall, heute schon. Chip abgeben. Auf dem Tisch dort liegt ein Buch, Titel „Delirium“.

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Weißbierwetter.

Kurze Zeit später kommt Matthias rein. Der Zeitunterschied ist nicht groß; am Anfang, so sagt er, hat er nicht genug auf die Tube gedrückt und war deshalb in einer langsameren Gruppe. Tja, schreibe ich ja, dass diese Rennen zu Beginn entscheiden werden.

Aber da er mit seiner E-Block Nummer in den A/B Gruppen gefahren ist, bekommt er jede Menge Respekt: „Wow, hast Du Dich von ganz hinten nach vorne durchgekämpft?“ „Hm, aber jetzt gehen mir so langsam die Körner aus.“

Vor ihm, kurz vor dem Ziel hat es eine Gruppe mit 30 Fahrern umgelegt. In Schmerz und Agonie versuchten einige noch ihr Rad mit dem Sensor über die Ziellinie zu schieben, bevor sie ihr Leben aushauchten. Anderen ist es nicht so gut ergangen, wie z.B. diesem Fahrer:

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Ok, der ist zwar so fit, dass er nach dem Rennen ein Bier trinken kann. Andererseits scheint er ja im Rennen Probleme mit der Sitzposition gehabt zu haben.

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Sieht man genau hin, stellt man fest, dass er vorsorglich einen Ersatzsattel in einem sehr speziell konstruierten Sattelhalter mit sich führte.

Dann kommen auch Jessica und Harald rein. Auf Jochen, der die 110 in der Genießergruppe gefahren ist warten wir, er kommt und kommt nicht (weil Genießer). Wir machen uns dann auf und düsen schnell nach Bremen, wo wir um halb drei ankommen und noch den halben Feiertag vor uns haben.

Als ich dann um sechs Uhr aufwache ist wieder ein Viertel Feiertag vorbei.

Danke für diesen schönen Saisonabschluss, besonders an Matthias und Jochen.

Strava

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Velotörn Bremen. Teil I: World of Fixedcraft.

Anstatt schon wieder ein recht normales Rennradrennen von 100km auf der sehr langweiligen Strecke in der Überssestadt in Bremen zu fahren, entschloss ich mich beim Velotörn am Fixie Rennen teilzunehmen. 30 Runden gegen den Wind, über Kopfsteinpflaster, haarscharf an Barrieren vorbei und das Ganze auf einem scheiß-unbequemen Rad.

Ich weiß auch nicht, warum ich mir das alles in meinem Alter noch antue. Ich könnte ja auch Samstags lange schlafen, ein Auto waschen und dabei Bundesliga im Radio hören, und dann im Garten grillen. Stattdessen mache ich mich am Samstag Morgen auf den Weg in die Überseestadt, um die Rennstrecke de Velotörns zu erkunden. Zum Glück zeigt sich Bremen an diesem Wochenende von seiner allerschönsten Seite.

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Bremen, wo die Weser wie ein richtiger Fluss aussieht (also fast so wie der Rhein)

Die Strecke führt auf der Konsul-M-Schmitt-Strasse die Weser runter, macht dann eine S-förmige Linkskurve über recht fieses Kopfsteinpflaster und läuft dann parallel über die Kaje am Hafenbecken in die entgegengesetzte Richtung. Es gibt dann wieder eine schnell durchfahrbare S-Kurve auf die Konsul-M-Schmitt-Strasse, dann ca.200 Meter Gerade zum sprinten, bevor es nach ca. 1,1 km wieder ins Ziel geht. Wäre dies eine Autorennstrecke, dann vielleicht Daytona im 18.Jahrhundert – wegen  dem Kopfsteinpflaster.

Ich habe Familie, einen Job und wenn ich mich mit dem Rad hinlege, dann dauert es eine Weile, bis wieder alles verheilt ist. Konsequenterweise hat mein Fixie Bremsen. Was aber bei diesem Rennen nicht erlaubt ist. Auch sind keine Kurbeln an nicht-Bahnrahmen mit einer Kurbelarmlänge von mehr als 165mm erlaubt. Überhaupt gibt es viele Regeln, was nicht dem kulturellen Anspruch des Rennens entspricht: „die jungen Wilden“; „Fixie-Subkultur“ etc. Es erinnert mich an eine Online-Anzeige von zwei sehr coolen Typen in Hamburg, die einen neuen Mitbewohner für ihre WG suchten. Zunächst einmal beschrieben sie sehr schön,wie locker und gechillt das Leben mit ihnen ist, um am Ende Interessenten zu bitten, Ihnen „ihr aktuelles Lieblingslied und ein polizeiliches Führungszeugnis“ zuzusenden.

Die richtige Antwort auf das Lieblingslied ist natürlich sehr simpel.

Jedenfalls hatte das zur Folge, dass ich mein japanisches Nagasawa Bahnrad reaktivieren musste, das nun seit 2 Jahren als Weihnachtsschmuckadapter an der Wohnzimmerwand verstaubt. Erst einmal andere Laufräder rein, damit wenigstens die teuren Mavic SSC überleben werden. Und dann kam ein anderer Lenker und Vorbau ran, denn dieser NJS Vorbau der an Keirin Bahnrädern quasi Standard ist bringt das Kinn knapp über die Höhe des Vorderrads. Ist man nicht rasiert, kann man nur noch maximal 20 mm Reifen montieren, sonst ist da einfach kein Platz mehr.

Wegen dem Kopfsteinpflaster hatte ich dann doch noch ein Lenkerband gewickelt, damit es ein wenig bequemer wird. Dafür opferte ich mein sehr schickes George Sorell Korkband, das ich 2011 zusammen mit David in Ravenna im Radladen Sambi gekauft hatte. So jetzt noch abnehmbare Bremsen dran, damit ich zum Rennen komme und los.

In der Überseestadt tummelte sich die Creme de la Creme des bremischen Radsportes. In  früheren Berichten habe ich immer jeden einzelnen mit Namen aufgeführt den ich kannte, heute ist das nicht mehr möglich (Sorry, Silke, Silvia, Caro, Linda, Jessica, Maren, Jörn, Andreas, Andi, Thomas, Jan, Philipp, Schnippo, Marc, Matthias, Christian, Benjamin, Tim, Harald, Didi…) Es ist ein sehr schönes Gefühl von vielen netten Menschen erkannt und gegrüßt zu werden und dazu zu gehören. Vor allem, nachdem ich vergleichsweise nach 12 Jahren Leben in Japan gerade einmal vier japanische Freunde hatte – die ich jeweils ein bis zweimal pro Jahr traf. Mit den Ausländern dort lief es wesentlich besser, das hatte nur den Nachteil, dass das japanische Haltbarkeitsdatum eines typischen Ausländers etwa drei Jahre ist – danach geht es wieder zurück in die Heimat oder in das nächste Land. Zum Gefühl der Zughörigkeit später mehr.

So standen wir also an der Rennstrecke und schauten uns das Rennen von Linda an.

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Die creme de la creme des bremischen Radsports

Linda war bei den Frauen zusammen mit den U17 Fahrern gestartet, insgesamt etwa 16 Fahrer. In den ersten Runden hielt sie sich gut im Hauptfeld, aber dann fuhren vorne 8 Fahrer das Feld zu Klump und büxten aus. Danach war sie ein wenig verloren und zu zweit oder zu dritt unterwegs und es wurde sehr anstrengend. Dementsprechend  schnell muss das Rennen gewesen sein, denn Linda ist wirklich nicht gerade langsam (das ist eine klassische Umschreibung von: „Linda ist deutlich schneller als ich.“ Von den acht blieben sieben vorne und gewannen nach 30 Runden das Rennen. Linda wurde Zweite bei den Frauen.

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Im übrigen konnte man hier wieder beobachten, dass bei großer Anstrengung nach dem Rennen die Birne rot anfängt zu glühen, und zwar nach der Formel: „Je jünger der Fahrer, desto roter die Birne.“ Ist mir bereits beim OBKM aufgefallen, wo der 70-jährige Zweite der Meisterschaft kalk-weiß war, geradezu Mumienhaft, während Linda (Kolibri) rot strahlte wie ein schmelzender Reaktorkern in Fukushima. Was aber immer noch nichts gegen Schnippo nach dem Rennen war, der rot strahlte wie ein tätowierter, russischer Mafia-Reaktor. Doch dazu später.

Darauf folgte das Derny Rennen. Ein paar Runden fährt der eine auf einem enthemmten e-Bike und der Andere hinterher, dann wurde gewechselt und es werden ein paar Runden umgekehrt gefahren. Am Start waren Schnippo und Philipp, sowie Marc und [vergessen].

Sportlich war das, na ja, aber sonst war es der Höhepunkt des Tages. Beim Wechsel mussten auch die Schuhe getauscht werden. Wir erwarteten am Streckenrand, irgendetwas in der Geschwindigkeit eines Triathlonwechsels. Stattdessen lief das ganze in erschreckender Zeitlupe ab. Schnippo und Philipp beim Wechsel zu beobachten war etwa so schnell und spannend wie die Ziehung der Lottozahlen im Fernsehn zu schauen. Und als dann  Schnippo auf dem e-Bike vor Philipp fuhr tat er das genau zwei Runden. Dann war es Philipp zu langweilig und er überholte Schnippo  auf der Zielgeraden. Denn das E-bike war nicht so richtig enthemmt – Philipp allerdings schon.

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Nachdem ich mich also gut amüsierte hatte war jetzt leider Schluss damit, denn nun musste ich auf die Strecke. Was ist bislang gesehen hatte, machte mir Angst. Da waren Fixiefahrer, die aussahen wie Simon Geschke und Frauen auf Fixies die….nun,  ebenfalls aussahen wie Simon Geschke. Andreas meinte treffend, dass das keine Radkuriere sind, sondern welche vom Radpaketdienst. Zack, vier Waschmaschinen unter den Arm und dann ab ausfahren zu den Kunden. Zum Glück gab es nur 19 davon. Und Philipp und Schnippo. Und mich. Alle fuhren auf Rahmen mit nach hinten offenen Ausfallenden; es gab viele Tätowierungen zu sehen, Piercings und Totenköpfe etc. auf den Jerseys. Da gehörte ich nun definitiv nicht rein. Erstens nicht von der Leistung, zweitens nicht vom Alter und dann auch wegen ein noch ein paar anderer offensichtlicher Mängel an Muskeln, Barthaar, Street Credibility und Geldknappheit. ich fühlte mich da sehr falsch. Wann hatte ich das letzte Mal dieses Gefühl? Vermutlich als ich 1990 versehentlich in einem heißen Quellenbad in Japan in die Damenumkleide ging, da dort keine Symbole, sondern chinesische Schriftzeichen an die Tür gemalt waren.

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Ich bin eben Rennradfahrer und fahre Radrennen. Bei so etwas habe ich keine Chance. Also nicht, dass ich sonst eine hätte. Meine Taktik war daher etwa wie die von Steven Bardbury  im Short Track bei den olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City: Hinten fahren und hoffen, das sich vorne alle auf die Fresse legen. Dann non-chalant vorbeiziehen. Nein -zu gemein, ich fuhr wieder mit meiner Standardtaktik: Versuche irgendwie zu überleben und nicht zu bescheuert auszusehen.

Aber da ich da schon einmal stand konnte ich ja ein paar Bilder machen und mitfahren.

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Und dann ging es auch schon los. Alle meine Sorgen waren umsonst, die erste Runde konnte ich echt gut mithalten! Leider stellte sich dann heraus, dass dies nur die neutralisierte Einführungsrunde war und wir am Start wieder stehen blieben. Trotzdem, eine gute Idee, um warm zu werden. Und zum Glück wurde das Rennen auch von 30 auf 20 Runden verkürzt.

Die zweite, also die nun eigentlich erste Runde, war schon deutlich schneller.  Am Anfang war es sehr nervös und ich machte mir da auch ein wenig Sorgen im Feld zu fahren, aber nach zwei Runden war ich da quasi draußen und in einer Dreiergruppe. Die Kurve mit Kopfsteinpflaster nahm irre viel Geschwindigkeit weg und es war extrem hart, dann wieder gegen den Wind zu beschleunigen. Nach 5 Runden hatte ich nur noch wenig Lust und überlegte aufzugeben. Das ist ja immer so, weil ich mich noch nicht warm gefahren habe und es dann am meisten weh tut -später wird es besser.

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Feuerwerk der Radkunst

Dann war ich mit einem der Mädels in dem Rennen zusammen. Ich wollte Sie animieren, dass wir auf die Gruppe der drei Männer vor uns auffahren. Sie sagte ja, ich machte Tempo, und als ich dann wechseln wollte blieb sie hinter mir. Für die nächsten drei Runden. Da ich alleine ohnehin nicht aufholen konnte wurde ich erst einmal wieder etwas langsamer.

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Lutscher !

In der S-Kurve zum Zielsprint drehte ich dann auf, als ich eine weitere, überrundete Fahrerin vor mir sah und setzte mich ab. An die hängte ich mich erst einmal dran und dann gab ich ihr Windschatten. Dann fuhr sie wieder vorne und erstaunlicherweise hatte sie noch gut Power und zog davon. Ehrlich gesagt lag das auch an der Technik, die fuhr die Kurven einfach viel besser als ich. Und als es dann in einer der beiden Kurven einen Sturz gab und ich langsamer wurde und die Richtung wechselte, war sie fast weg. Zwei der schnellen Fahrer waren zu schnell in die Kurve gegangen und matzten in die Barrieren.

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Erst überholen und vorweg …

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….und dann ein paar Runden später den Anschluss verlieren

Nach jeder Kurve musste ich erst einmal die Lücke wieder zu sprinten und das kostete viel Kraft. Aber jetzt war ich zumindest ganz gut dabei. Auch wenn die Spitzengruppe mich in der Zwischenzeit zwei Mal überrundet hatte. Dann sah ich kurz vor Ende Schnippo vor mir, den ich nun überrunden würde. Was er nicht wollte und ihm frische Power gab.

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Prima, mit Schnippo war das jetzt natürlich wieder viel besser und so kamen wir in die letzte Runde und dann auf die Zielgerade. Schnippo fragte mich:,“Wollen wir zusammen ins Ziel fahren, oder das ausfahren?“ „Ausfahren!“ Und so legte wir einen guten Spurt und Bike-throw zum Schluss hin. Nun hatte ich wirklich keine Lust mehr. Allerdings auch keine Bremsen, um zu stoppen.

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Strava

Am Ende wurde es ein 12.Platz von 23 Teilnehmern, von denen wiederum 17 ins Ziel kamen und sechs aufgaben (zwei glaube ich wegen Sturz). Hinter mir nur Frauen. Und Schnippo (Rennen drei). Vor mir eine Frau, und zwar die, deren Trikot so aus sah wie ein Mosaik-gefliestes Badezimmer auf den Bahamas.

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v.l.n.r : Das bahamische Badezimmer; gut getarnte Norddeutsche; meine Begleiterin für ein paar Runden am Start vor mir.

Das hat jetzt nix mit: Ich bin besser als Frauen oder so zu tun, sondern ist einfach meine Erfahrung in den typischen Platzierungen meiner Karriere: Zweitstärkste Frau.

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Hier sieht man noch einmal einen der gestürzten. Fiese Delle am Oberrohr des Standaert Rad.

Prima, ich hatte überlebt, ein Top-12 Finish und war fix und fertig.  Und neben mir glühte Schnippo. Eigentlich keine so gute Idee, denn er fährt morgen das 100 km Rennen beim Velotörn und ich die 150 km der RTF Lauenau. Und dann kam noch einer der schnellen Fixiefahrer und gab mir die Hand – eine Welle von Zusammenhalt wallte in mir auf.

Es ist übrigens keine gute Idee mit wenig gefahrenem, bzw. wenig  getestetem Gerät ins Rennen zu gehen. Der Vorbau fixierte den Lenker nicht gut und da ich fast auschließlich im Unterlenker fuhr, drückte ich im Verlauf des Rennens den Lenker nach vorne und oben. Das war am Ende sehr unbequem. Und sah auch echt scheiße aus.

Und ganz zum Schluss löste sich auch noch ein Kurbelarm vom Vierkanttretlager. Ich fuhr zu Matthias, aber der hatte auch kein passendes Werkzeug (8mm Inbus) dabei. Dafür aber Carolin Schiff, die ich fast übersehen hätte. Ich hatte Sie ja nur einmal im Rennen gesehen und war mir nicht sicher, ob sie es wirklich war. Die Beine schienen mir ein wenig dünn (vor allem nach dem was ich da im Fixie Rennen gesehen hatte), aber dann gab es auf dem Schienbein ein paar markante Narben und ich dachte ich frage sie mal, ob sie es ist. Bingo. Taktisch wollte ich nur beweisen, das ich netter bin, als dass was ich schreibe und wir unterhielten und über das, worüber sich erwachsene Menschen so unterhalten: Radrennen, Motorboote auf dem Gardasee, über die Unsinnigkeit in Bremen zu wohnen und so weiter.

Das waren ja für einen Tag mit so herrlichem Wetter recht wenig Kilometer, diese aber sehr intensiv. Insgesamt war die Veranstaltung gelungen, mit €20 auch nicht zu teuer und spaßig. Zum Glück habe im Rennen ich nicht geschmittet (Bremer Fachwort für „sich auf die Fresse legen“).

Allerdings ist da auch kein großer Unterschied zu den Bremen Challenge Veranstaltungen mit Streckenführung in der Überseestadt zu spüren. Aber trotzdem, danke für die Mühe der Organisation. Danke auch an Silke, Harald und Linda für die Fotos.

Wir sehen uns dann total platt beim RCB Montagstraining.

 

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OBKM BKOM BOKM MOB K

OBKM ist die Abkürzung für „Offene Bremer Kriterium Meisterschaften“. Alle vier Buchstaben sind ebenfalls die Initialien meiner Vornamen und meines Nachnamens. Das nur so. Wichtiger: Heute fand der vierte Lauf in Heilshorn am Sachsenring statt.

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Den ersten Lauf hatte ich nicht mitbekommen, den zweiten vor einiger Zeit verpasst, weil ich bei der Arbeit sehr busy war. Den dritten Lauf vor zwei Wochen habe ich willentlich verpasst, denn das Wetter war echt mies. Aber heute war das Wetter großartig und im Büro war es extremst langweilig – es gab also leider keine Ausrede mehr nicht zum Rennen zu fahren.

Wie läuft so ein Kriterium- bzw. Punkterennen ab? Nun, zunächst es gibt einen technisch anspruchsvollen Rundkurs der in unserem Fall ein Viereck mit einem Umfang von 1,1 km war. Total flach, kaum Wind und die Kurven konnte man alle auch noch mit 40 Sachen durchtreten. Ein Kurs wie geschaffen für meine technischen Fähigkeiten. Der einzige Kurs auf der Welt der noch einfacher zu fahren ist dürfte Hitachi Naka sein; und da habe ich mal 2007 den sechsten Platz gemacht und bekam von einem japanischen  Busenwunder tolle Urkunden überreicht.

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Japanisches Busenwunder links, keine japanischen Busenwunder rechts davon.

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2007 in Japan kurz vor der Wiedervereinigung

Man fährt denSachsenringkurs in unserem Fall 25 Mal. Alle fünf Runden gibt es eine Punktewertung. Der erste Fahrer bekommt dann 5 Punkte, der zweite 3, der dritte 2 und der vierte einen Punkt; bei 25 Runden passiert das genau vier Mal. In der letzten Runde werden ebenfalls die besten vier Fahrer gewertet, allerdings gibt es dann die jeweils doppelte Punktzahl.

Meine bisherigen Erfolge in Punkterennen sind sehr, sehr bescheiden. 2008 war das erste Rennen der Saison in der JCRC Serie  (Japanese Cycle Racing Clubs Association) ein Punkterennen in Kawagoe und da machte ich den 30. Platz von 38 Fahrern. Und das letzte Rennen der Saison, NATS, war ebenfalls ein Punkterennen. An das Ergebnis kann ich mich nicht erinnern, es wird ähnlich gewesen sein. Ich bin zu schwer, um schnell zu beschleunigen und erreiche auch keine hohe Endgeschwindigkeit. Und meine Fahrtechnik ist auch nicht großartig, so dass ich nach Kurven oft Lücken zufahren muss, was wiederum Kraft kostet. Aber ich habe Ausdauer, bin zäh und ehrgeizig. Hoch motiviert und leistungsschwach fasst es zusammen.

Ich weiß nicht, warum diese Veranstaltung „Offene Bremer…“ heißt, denn Heilshorn liegt gefühlt in Norwegen. Ich musste erst mal 25 km mit dem Rad raus fahren. Als ich ankam, waren bereits 3/4 der Rennhasen vor Ort: Silke und Caro hatten sich als Streckenposten verdingt und Linda fuhr das Rennen mit. Organisiert wurde das ganze vom RSC Vegesack, der vor Ort mit professioneller Ausrüstung und Gerät vorgefahren kam.

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Voiture d’equipe

Kritisch muss ich hier allerdings anmerken, dass bereits zum Zeitpunkt des Startes die Lakritzdose verdammt leer war.

Ich fuhr noch ein paar Mal den Kurs ab. Von der letzten Kurve bis zum Ziel waren es etwa 180 Meter – zu kurz um den Sprint nach der Kurve anzuziehen für mich. Ich musste also auf der Geraden zuvor schauen, dass ich aktiv werde.

Das erste Rennen war dem jüngeren Nachwuchs vorbehalten: 15 Runden: ein Junge gegen ein Mädchen. Das Mädchen gewann die Frauenwertung, der Junge die der Männer, wenn ich das richtig behalten habe.

Ich quatschte gerade mit Linda über einkaufen in China und Mama-chari Grand Prix Rennen in Japan als wir auch schon an den Start mussten. Insgesamt waren wir acht Fahrer. Und ich wollte gerade den Faden der Unterhaltung mit Linda wieder aufgreifen, als der Rennleiter so beiläufig sagte: „Und los geht’s.“

Natürlich war ich kalt. Die anderen irgendwie nicht. Oder nicht so kalt wie ich. Jedenfalls ging es gleich ordentlich schnell los und ich dachte nur, hm, das wird gar nicht lustig heute. Ich hatte doch ziemlich Mühe dran zu bleiben und wurde nach hinten durchgereicht. Aber irgendwie ging es dann doch. Als die Glocke die 5. Runde einbimmelte wurde das Feld auf der Gegengerade langsamer. Ich hing so etwa in 4. Position und wartete darauf, dass jemand den Sprint anzieht hinter den ich mich klemmen konnte. Das passierte dann auch, aber es war keine gute Idee, denn da riss gleich eine riesige Lücke auf und ich kam erst als 5.und somit ohne Punkte ins Ziel.

Dann machte Frank Stephan (Name geändert), mit dem ich zwei Mal zusammen den Giro Dolomiti gefahren bin und mit dessen Familie ich in Eppan Abendessen war und der mich trotzdem nie grüßt, geschweige denn erkennt (das musste jetzt doch noch einmal gesagt werden) einen Ausreissversuch, als wir anderen gerade müde vom Sprinten waren. Eine clevere Idee, denn keiner von uns hatte Lust vorne Führungsarbeit zu machen und ihn einzuholen.  Nach drei Runden fuhr ich dann die Lücke zu ihm zu. In der letzten Runde wurde es wieder deutlich langsamer und als wir durch die vorletzte Kurve gefahren waren und so ca. 250 Meter vor dem Ziel zog ich kräftig an und links am Feld vorbei. Ich kam als erster aus der Kurve, sah aber auch die Schatten der anderen hinter mir. Dann flutschte mir der Gang raus, aber immerhin schaffte ich meinen ersten Punkt jemals auf dem vierten Platz. Es ging also doch.

In Runde 10 vor Schluss machte ich es ganz genau so noch einmal, zog aber den Sprint noch einmal 30 Meter früher an. Wieder kam ich als erster aus der Kurve und spurtete auf die Ziellinie zu und dieses Mal wurde ich nur noch von einem Fahrer überholt. Dabei hatte ich auch alles gegeben und als der nächste Ausreissversuch kam konnte ich nicht mehr parieren.

Runde 5 vor Schluss fuhr ich einen lustlosen Sprint. Am Ende versuchte ich es noch einmal halbherzig, aber da zwei Fahrer ohnehin bereits vorne weg waren machte das auch nur wenig Sinn. Aber immerhin, gesamt 4 Punkte. damit hätte ich nicht gerechnet.

Was habe ich daraus gelernt?

Nun in dieser Konstellation sind Kriteriumsrennen gut fahrbar. Die Teilnehmer waren alle technisch sicher und fuhren wenig aggressiv, ich hatte keine Angst da auf die Fresse fallen zu müssen. Je länger das Rennen dauerte umso mehr Kurven wurden auch bei höheren Geschwindigkeiten komplett durchgetreten. Oder anders ausgedrückt: das Rennen hätte ich auch auf einem Fixie ohne Bremsen fahren können.

Dadurch, dass das Feld auch wieder langsamer wird, kann wieder Anschluss gefunden werden, wenn man vorher rausgefallen war. Und hat somit immer wieder eine Chance am Sprinten teilzunehmen, was sehr motivierend ist. Ist eigentlich ein wenig ähnlich wie Intervalltraining und gut für die Tempohärte.

Übrigens, kurz nach dem Rennen konnte ich eine interessante Beobachtung bei den Teilnehmern machen: Je jünger der Fahrer, desto roter die Birne. Wolfgang „Tiger“ H., Baujahr 1943 war quasi kalkweiß, während Linda „Kolibri“ glühte wie fliessendes Lava.

Zuletzt und mit anderen Worten, ich hätte mal besser weniger Respekt davor gehabt. Insofern kann ich nur jedem empfehlen, der sich in etwa auf oder über meinem Niveau befindet (im Prinzip also 95% aller RCB Mitglieder, ach quatsch, der Menschheit!) da mitzufahren. im besonderen möchte ich das mal Thomas Voss ans Herz legen. Ich hätte schon viel früher damit anfangen sollen. Was Linda und ein paar andere getan hatten, denn es folgte die Siegerehrung für den Gesamtsieger der 4 Läufe. Und da fand sich Linda auf dem dritten Platz wieder.

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Es gab alkoholfreies Bier und Blumen.

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Gesamtsieger OBKM: Wolfgang H. (oder so), 2. Platz: Wolfgang H. (sind, glaube ich, Zwillinge.), 3. Platz: Linda Wolfgang

Ja, es hilft in Bremen ungemein, wenn man Wolfgang heißt. Übrigens genau wie mein Onkel, Wolfgang Adolf Krähe, geboren 1940. Mein Großvater erzählte ihm später, dass er seinen zweiten Vornamen von einem sehr entfernten Großonkel bekommen hat, der dann leider aber im Krieg verstarb. Im Prinzip ist das ja auch nichts anderes als der Kevin und Mandy Effekt heutiger Tage.

Danach fuhren dann die richtig guten Jungs. Und Carolin Schiff. Sie wird schon mal schnell übersehen. Das war ein sehr dichtes Feld mit ca. 30 Teilnehmern.

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Die richtig schnellen Jungs. Auf dem Foto ohne Carolin Schiff.

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Da gab es dann eine Dreiergruppe, die sich zunächst absetzte und dann das Feld überrundete. Sehr cool. Aber die Lakritzdose war leer, ich hatte Hunger, ich musste nach Hause. Bis zum nächsten Mal bzw. Jahr. I ‚ll be back.

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Ach so ja: Ich bin übrigens letzter geworden im 4. Lauf. Egal, ich war trotzdem zufrieden. Da nächste Mal versuche ich es mit dem Moulton TSR zu fahren, da könnte ich in Kurve und Beschleunigung einige Vorteile haben.

Ich hätte noch den Wunsch an die Organisatoren mich in der Gesamtwertung zu platzieren, damit meine drei Punkte aktenkundig werden.

Strava

Danke an die Organisatoren. Wir hätten nicht so viel Spaß im Leben, wenn es nicht Menschen gäbe, die uns das auf Kosten ihres eigenen Spaßes ermöglichen würden.

 

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Elb-Bremen Cyclassics 2016

Hamburg, das etwas größere Bremen an der Elbe, oder auch kurz das Elb-Bremen, wie es von seinen höflichen, toleranten, weltoffenen und verständnisvollen Bewohnern genannt wird, ist seit 1996 Schauplatz eines Radrennens, den Cyclassics. Dieses sollte dieses Jahr zum letzten Mal ausgetragen werden – Zeit also dabei zu sein.

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Ich bin leider nur sehr selten in Hamburg, da es ja leider so ist, dass diese Stadt absolut nichts hat, was Bremen nicht schon hätte. Hafen? Hat Bremen auch. Speicherstadt? Hat Bremen auch in Form der Überseestadt. Mittelmäßiger Fußballverein? Schlechtes Wetter?Schiefgegangene Bauprojekte a la Elbphilharmonie oder Spacepark? Reeperbahn? – Helenenstraße. St. Pauli? – das Viertel. Cyclassics? Bremen Challenge! Na gut, also irgendwie doch 1:0 für Hamburg.

Mitte dieses Jahres hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass der Rückzug von Vattenfall als Sponsor der Cyclassics das Ende der Veranstaltung, zumindest in Hamburg bedeuten würde. Zwar beteuerte der Veanstalter, dass es zwei ernsthafte Angebote anderer Städte für die Fortführung geben würde, aber wir wissen ja ziemlich genau, welche Städte heute so verzweifelt sind dies zu tun: Pjöngyang, Dubai oder Damaskus. Also meldete ich mich für die 100 km Strecke an, um wenigstens einmal in Hamburg dabei gewesen zu sein. Als dann bekannt wurde, dass ein neuer Sponsor EuroEyes, gefunden wurde und das Rennen in Hamburg bleibt, dachte ich erst einmal ich seh‘ nicht richtig. Und dann entschied ich mich doch teilzunehmen und nicht zu warten bis EuroEyes auch kein Interesse mehr hat.

Und so fand ich mich am Sonntag Morgen zusammen mit Silke um 6:30 Uhr im Zug nach Hamburg. Wenige Minute vorher war eine Sushiparty bei uns zu Hause zu Ende gegangen, die mein Sohn initiiert hatte. Er hatte in den letzten Monaten mitbekommen, dass „Willst Du noch ein Bier bei mir trinken?“ eine deutlich niedrigere Erfolgsquote bei Frauen seines Alters hat als „Kommst Du auch zu meiner Sushiparty?“ Und so haben wir in der letzten Zeit eine Sushiparty nach der anderen, was sehr lustig ist, wenn man meinen Sohn kennt: Der will nämlich nie mit uns Sushi essen gehen, weil er das nicht mag bis auf eine einzige Sorte (Ikura). Und an der Zubereitung von Essen zeigte er ebenfalls noch kein Interesse; also auch wenn er halber Japanern ist heißt das noch lange nicht, dass er Sushis zaubern kann.

Ich dachte, wenn jetzt Mädels zu uns nach Hause kommen, dann sorgen die auch dafür, dass nach der Party aufgeräumt wird, aber das war eine komplette Fehleinschätzung. Ich durfte mir erst einmal durch Reis-, Avakoda- und Lachsreste eine Schneise auf dem Frühstückstisch schlagen zwischen Pfützen aus Soyasosse und Schleifspuren aus Wasabi.

Der ganze Zug hingegen war im Bereich des Radwagens voll mit Bremern die nach Hamburg fuhren. Um diese Uhrzeit trifft man im Zug normalerweise ja nur Menschen die aus der Discomeile Bremens nach Hause auf das Dorf fahren wollen und dabei verzweifelt versuchen beim Kotzen den kleinen Tischabfalleimer zu treffen. Da war heute komplett anders.

In Hamburg angekommen sagten wir schnell „Tschüß“, denn Silke war mit ihren Rennhasen in Block E verabredet, während es mich als Erstteilnehmer in Block I verschlagen hatte. Dort traf ich Fabian, der mit dem Motorboot über die Kanäle Mitteldeutschlands nach Hamburg geschippert war. Das war sehr praktisch, denn er hatte sein Motorboot im Parkhaus am Hauptbahnhof geparkt und musste dann nur wenige Schritte zum Start laufen. Ich hatte Fabian seit dem Velothon in Berlin nicht mehr gesehen und wir hatten uns einiges zu erzählen, zumal wir im September zusammen mit Steini auch endlich Berlin entlang des Mauerweges umrunden wollen.

Dann ging es plötzlich los. Das ist ja immer so. Man steht im Startblock, quatscht, ist komplett kalt und plötzlich sieht man, wie die Massen vor einem in Schwung kommen. Und in Hamburg war schon eine sehr große Masse vor einem, vor allem aus Perspektive I.

Von Alain, einem Franzosen, den ich in Tokyo kannte, habe ich gelernt, wie man sich gut durch ein dichtes Feld von Fahrern zu Beginn eines Rennens nach vorne durcharbeiten kann. Alain konnte das extrem gut und ich kann es ein wenig; während wir also im Schritttempo durch die neutrale Zone auf den Start zuradelte hattet ich bereits ein Drittel des Startblockes hinter mich gelassen. Und auch danach ging es nicht gerade schnell weiter. Bislang war ich es von Rennen gewohnt, dass die ersten 10 Kilometer, unabhängig von der Länge des Rennens, mit 50 Km/h plus durchgeballert werden bis man nur noch nach Luft japst und keine Kraft mehr hat. Die restliche Distanz bis zum Ziel wird dann in RTF Manier in einer Gruppe abgewickelt. Hier war es aber nicht so, es ging relativ gemütlich raus aus Hamburg und ich sprang vorwärts von einer Gruppe zur anderen.

Dann kam ein sehr schneller Fahrer vorbei, ich erinnere mich nur noch daran, dass auf seiner Hose „Veganes Radfahren“ stand, was auch immer das bedeuten soll. Ich verstehe ja, dass man vegan essen kann, aber Radfahren? Klingt ähnlich wie rauchen „ohne Atomkraft“; oder  „bumsen für den Frieden“. Der zog mich an weiteren Gruppen vorbei, war aber letztendlich zu schnell für mich. Dann kamen drei blaue Dänen von hinten, an die ich mich wieder ransaugen konnte und mit denen nahm ich die Köhlbrandbrücke in Angriff.

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Die kommt leider bereits nach 10 km und ich war noch nicht richtig warm – das tat also richtig weh und am Ende krabbelte ich da mit weniger als 25 km/h hoch. Aber es ging.

Dann kamen die Berge. OK, also was Hamburg so an Bergen zu bieten hat, was sich auch nicht wesentlich von dem unterscheidet, was Bremen an Bergen zu bieten hat. Allerdings braucht man in Bremen für jede Steigung erstens eine Autobahn und zweitens eine Brücke darüber. In grenzenloser Überschätzung meiner Fähigkeiten nach dem Dolomitentraining und da ich irgendwo gelesen hatte, dass die Bergwertung nur 1,7 km lang ist, ging ich den ersten Berg sehr forsch an und setzte mich von meiner Gruppe ab. Drei Minuten, so dachte ich, halte ich das locker durch. Aber ich war erstens nicht so gut und zweitens war die Strecke deutlich länger als ich dachte, am Ende etwa 6 1/2 Minuten und so wurde ich von dem gesamten Feld wieder eingeholt als ich jämmerlich langsam die letzten Meter zusammenkratzte.

Aber jetzt hatte sich, mehr als 30 km im Rennen, endlich einmal eine vernünftige Truppe gefunden, die in etwa bis zum Schluss zusammenbleiben sollte. Dabei waren unter anderem:

+ Dänen, die nicht lügen und schnell fahren können
+ Zwei weitere Dänen vom Team „Heino“ [das ist dänisch und heißt „Heino“ auf deutsch, vermutlich]
+ Ein Fahrer mit einem türkisen Trikot, das aussah als wenn es eine schlecht gemachte „Biancchi“ Kopie aus Nordkorea gewesen wäre und der von einer Parfümerie aus Wedel gesponsort wurde. Auf seiner Hose stand hinten drauf „Ein Duft sagt mehr als 1000 Worte
+ Ein Riese mit DEMAG Trikot und einem Cervelo.
+ Eine blonde Frau im weißen Trikot „Changing Diabetes“

Jetzt ging es richtig schnell vorwärts und wir rollten das Feld von hinten auf. Bereits auf dem Weg nach draußen kämpfen wir uns durch das H und G Feld durch. Wir überholten größere Gruppen von denen und dabei musste man immer aufpassen, das man an der schnellen Truppe blieb und nicht aus versehen dort hängenblieb weil man aus Versehen am falschen Hinterrad kleben bleibt. Weil die Straßen teilweise recht eng und kurvig waren, wurde das Tempo beim Überholen etwas langsamer, so dass alle in der Gruppe Anschluss finden konnte. Irgendwo holte die Gruppe auch Christian ein, der ebenfalls aus I gestartet war.

Es ging relativ schnell nach Hamburg wieder rein, jetzt mit Rückenwind. Ich konnte mich weiterhin gut an dem Duft mit 1000 Worten orientieren, bis der dann nach einer Kurve und schneller Beschleunigung heraus fiel. Die Gruppe wurde zum Ende etwas kleiner.

Im Hafen war eine Straße zur Hälfte für den Verkehr frei, zur anderen Hälfte für das Radrennen mit Hütchen gesperrt. Diese konnte man aber fast nicht sehen und beinahe wäre ich gegen das erste gefahren. Silke sah später an der gleichen Stelle einen ziemlich schlimmen Sturz, der sie ebenfalls fast ausgeknockt hätte.

Und dann waren wir auch schon nahe des Ziels. Es gab ein paar aufblasbare Tore, aber wie viel Kilometer die bis zum Ziel anzeigen sollten war mir nicht klar. Ich fuhr zu früh an, am Ende ging mir ein wenig die Kraft aus, aber es reichte dann um mit Christian gemeinsam über die Ziellinie zu fahren. Ergebnis: Etwa 2:35 hr Fahrzeit, Top 600 in der 100 km Distanz, fast Top 100 in meiner Altersklasse (Betreute Senioren 3), fast 39er Schnitt. Kam mir etwas schneller vor, aber in den „Hamburger Bergen“ fährt man doch halt längere Strecken im 30er Bereich.

Strava

Mein Vergleich für Hamburg sind die beiden großen anderen deutschen Jedermannrennen, die ich gefahren bin: Berlin und Münster. Im Vergleich dazu sind wesentlich mehr Fahrer auf der Strecke, es gibt nicht diese langen Stücke komplett ohne Fahrer zum Ende des Rennens. Die Strecke ist auch wesentlich kurviger und hat mehr gefährliche Stellen wie Schienen, Verkehrsinseln oder scharfe Kurven, man muss die ganze Zeit sehr konzentriert fahren. Andererseits hatte ich erwartet nach den Berichten bislang, dass mehr gefährliche Fahrer auf der Strecke sind; aber bis auf einen Flachlenkerwichser, der es lustig fand bei den Hütchen der Straßenabtrennung Slalom zu fahren, war das Niveau gut.

Nach dem Rennen trafen sich die Bremer auf dem Platz wo es Paulaner gab.

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Junge, gut aussehende Hamburgerinnen in hanseatischen Kostümen verteilten die Getränke an die Teilnehmer. OK, 2:0 für Hamburg, die Frauen haben den größeren Charmefaktor.

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Oder vielleicht doch 1:1, wenn man sie mit den RCB Rennhasen vergleicht.

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vl.n.r.: Linda Hase, Silvia Rabbit, Silke Usagi und mein Name ist Hase, ist weiß von nichts.

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Immer mehr Bremer kamen und wir verloren uns in Unterhaltungen. Ich sprach recht lange mit Kai, der bald den Ötztaler Marathon fahren wird; Fabian, Kathrin und die Kinder kamen, später auch Jan und Caro und Friedel, nein Klaus.

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Die Fahrt zurück nach Bremen dauerte dann zu lange in einem zu vollen Zug.

Fazit: Hamburg ist zwar verdammt weit weg von Bremen, aber durchaus ab und an einen Abstecher wert. Danke an alle für Organisation, Unterstützung und Freundschaft.

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Bremen City Triathlon: Lärmschutzzone Jericho. Teil II.

Der erste Teil des Berichtes über den City Triathlon endete an einem entscheidenden Wendepunkt des Rennens: Ich stand in der Wechselzone und quatschte mit Didi.

 

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Plötzlich sah ich etwas, das aussah wie der weiße Hai nur komplett in schwarz auf mich zukommen? „Wieso“, fragte ich mich, können Haie eigentlich auf dem Land laufen?“ Eine blöde Frage, denn Hollywood hat diese ja bereits ausreichend beantwortet. Kurzform: Es geht, die können ja auch fliegen. ES war aber gar kein schwarzer Hai mit blonden Haaren, es war Isabel, die Schwimmerin des Professorenteams, die mit als eine der ersten wieder aus dem Wasser war. Ich habe das gerade noch einmal bei den offiziellen Ergebnissen nachgeschaut, es war tatsächlich die drittschnellste Zeit aller Staffelschwimmer. Das brachte mich arg in die Bredouille, denn erstens war meine Läuferin nicht da, um den Transponder zu wechseln und zweitens durften wir ja auch aus moralischen Gründen nicht vor dem studentischem Team liegen.

Egal. Da die Wechselzone dieses Jahr wieder deutlich näher an der Radstrecke lag als beim Quatrathlon letztes Jahr (Schwimmen-Laufen-Radfahren-Laufen), war ich ohne Muskelkrämpfe auf dem Rad. Ich übersah die gelbe Linie für das Aufsteigen und stieg auf das Rad. Hinter mir gab es riesig Lärm und einen Moment dachte ich, dass ich disqualifziert worden wäre. Kurzes schlechtes Gefühl. Das wurde aber dann gleich besser, als ich das Team der zweitschnellsten Schwimmerin noch vor der ersten Kurve überholte. Da lagen wir dann auf dem ersten Platz der Mixed-Staffeln, aber das wusste ich nicht.

Es ging nun die Nordstraße hoch gegen den Wind. Das machte sehr wenig Spaß und noch weniger Tempo. Ich fuhr mit 40 km/h an, merkte aber, dass ich das Tempo nicht halten konnte, auch deswegen, weil ich noch überhaupt nicht warm war. Das tut sehr weh und kurz danach wurde ich dann von den Zeitmaschinen und Philipp überholt. Zu allem Überfluss fiel auch noch der Tacho aus, so dass ich gar keine Ahnung mehr hatte wie gut oder schlecht ich war – dementsprechend demotiviert kam ich am Wendepunkt an der Waterfront an.

Nun ging es mit dem Wind zurück auf der Nordstrasse. Das macht natürlich Spaß und sofort steigt die Motivation wieder das Ding anständig zu Ende zu fahren. Ein großer Haufen RCBler hatte sich an der Ecke Überseetor/Nordstrasse versammelt und feuerte uns an – da motivierte noch mehr. Und so ging ich recht guter Dinge in die zweite Runde. Ich wurde nun auf der Nordstrasse auch von dem TCB Radfahrer überholt und ganz am Ende noch von einem weiteren. Leider gab es auf der ganzen Strecke keinen „Hasen“ vor mir den ich jagen konnte. Ich war also sehr unsicher, was meine Zeit anging, als ich vom Rennen zurück in die Wechselzone kam und erst einmal vorsichtig kollabierte. Etwas, was die Jungs vom SG Stern gar nicht lustig fanden, denn während ich da noch auf dem Boden lag und nach Luft rang wurde ich angesprochen, ob ich nicht irgendwo anders kollabieren könnte, denn „andere wollen hier auch noch fahren.“ Im Endeffekt stellte sich heraus, dass ich mit 34:01 min die beste Zeit jemals hier gefahren war. Zusammenzubrechen war also voll gerechtfertigt.

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(c) Tim: Philipp

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(c) Tim: Philipp

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(c) Tim: Silvia

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(c) Tim: Silvia

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(c) Tim: Didi Aerowunder

Wir gingen nun zum Ziel, um zu schauen, wie sich das Rennen weiter entwickeln würde. Philipp hatte für das Studententeam einen kleinen Vorsprung gegenüber dem starken TCB Team herausgefahren, der musste aber nun von Janek bis ins Ziel gehalten werden.  Die Professoren lagen OK im Rennen und die Frauen ebenfalls. Bei letzteren war es ja ehrlich gesagt das heimliche Ziel vor den Mädels von Islamic State International Tri’s (ISI Tri’S) zu liegen die letztes Jahr den 3. Platz gemacht hatten – das sollte also reichen für das Podium.

Janek lief gut, schneller als im Vorjahr, aber es reichte nicht: Der TCB Läufer holte bis zum Ziel  etwas mehr als 20 Sekunden Vorsprung heraus machte wie im vergangenen Jahr den ersten Platz, wir den zweiten.

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Weit und breit niemand hinter Janek, doch einer vor ihm.

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Dann kam auch schon relativ kurz hinterher Sina vom Professorenteam ins Ziel. Sie bog um die letzte Ecke, ihr Gesicht von Leiden und Schmerzen schwer durchpflügt. Die Studis und ich begannen zu schreien. „Lauf Sina, lauf!“ was vielleicht etwas irreführend war, denn auf den letzten 20 Meter kann man nicht mehr 4 Minuten Rückstand auf das Podium einholen. Sina begann die Rufe zu wahrzunehmen und langsam, wirklich extrem langsam, kam von ganz unten aus den Tiefen des Schmerzzentrums ein Lächeln hervor, dass sich bis zum Ziel zu einem sehr breites Grinsen entwickelte.

Melanie und ich kletterten über die Absperrung in den alkoholfreien Paulaner VIP Bereich und gratulierten allen und tranken unser Weizen. Wenig später kam auch Anika (also nicht Annika) hinzu.

Fazit: 2. Platz wie im letzten Jahr für das Studententeam. Wäre Isabel (schwarzer Hai) für das Team gestartet hätten sie problemlos gewonnen, aber wir wussten ja dummerweise nicht, wie gut der schwarze Hai ist.

14011971_1069687523117725_1199549411_n 5. Platz für das Professorenteam, so gut waren wir auch lange nicht mehr. Ohne Isabel wären wir vermutlich auf dem 8. Platz gelandet, was auch keine Schande gewesen wäre.

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Studenten der HIWL, Annika (also nicht Anika) leider schon auf dem Weg nach Hause.

7. Platz für das Frauenteam. Da hätte ich mehr erwartet, aber ein Vergleich der Ergebnisse von 2015 und 2016 zeigt, dass die Konkurrenz einfach viel stärker geworden ist. Mit der Zeit von diesem Jahr wären wir im letzten Jahr locker 3. geworden. ISI, dritte im letzten Jahr waren dieses Jahr auch nur 6. Also an sich auch ein gutes Ergebnis.

Dann fing es dummerweise an zu regnen und das Event bröselte auseinander, viele fuhren nach Hause; Philipp, Janek und ich warteten noch auf die Siegerehrung. Das heisst, sie warteten auf das Podium zu kommen und ich darauf ihnen gleich danach den Pokal abnehmen zu dürfen, denn der verbleibt im Besitz der Hochschule.

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Auch wenn es nun das fünfte Mal war, es hat immer noch Spaß gemacht und ich denke allen Andren ging es genauso. Sicher, man kann immer noch einmal grübeln, was alles hätte besser laufen können – vorher wie im Rennen. Aber es gibt ja auch immer noch ein nächstes Jahr. Bis dahin.

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(c): Tim

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Bremen City Triathlon: Golgata Waterfront. Teil I.

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Bremen City Triathlon – obwohl mit schwimmen und laufen gekoppelt ist es doch eines der vier wichtigsten Radsportereignisse in Bremen. Die anderen drei sind das Velotörn Rennen im September (der Nachfolger der Bremen Challenge), die RTFs vom RSC Gold und RCB und jedes Montagstraining vom RCB. Dieses Mal waren wir mit zwei Mixed- und einer Frauenstaffelam Start.

Ich hatte das ganze Jahr für dieses Ereignis trainiert, mehr als 8.500 km in den Beinen. Im Juli war ich sogar extra 2 Wochen in die Dolomiten gefahren, um mich bei einem Höhentraining optimal für den Triathlon vorzubereiten. Und das alles nur, um ganz sicher hinter einem unseren anderen Teams zu landen. Denn das wichtigste am City Triathlon ist, dass das professorale Gurkenteam meiner Hochschule aus verschiedenen Fachbereichen (Mixed Pickels) immer hinter dem Studierendenteam liegt. Nur wenn das der Fall ist, ist der Hochschulfrieden gesichert. Die Studierenden freuen sich und wenn man ihnen dann mal wieder eine schlechte Klausurnote verpassen muss, dann können sich die Studis immer noch auf die Schulter klopfen und sagen: „Tja, aber sportlich sind wir nicht solche Gurken wie unsre Profs.“ Damit dies auch garantiert gelingt verpflichten wir Jahr für Jahr Söldner für das Studierendenteam (völlig Fremde wie Philipp oder Absolventen wie Janek), denn leider ist es so, dass wir nicht drei sportlich gute Menschen aus den Reihen der Studierenden zusammenbekommen.

Bei den Profs ist es übrigens noch schlimmer. Da bin ich seit Jahren der Einzige und wir müssen uns ebenfalls mit studentischen Söldnern verstärken.

Die Studierenden schneiden dann Jahr für Jahr gut ab. 2012, 13 und 14 machten Sie den ersten Platz, 2015 den zweiten, die Erwartungen sind also recht hoch. Und dieses Jahr hatten wir ein ebenfalls punktuell verstärktes Frauenteam am Start; und auch dort sahen wir gute Chancen auf dem Podium zu landen. Die Professoren verlieren immer – 2012 machten wir noch einen guten 4. Platz und verpassten das Podium knapp, seitdem nur noch zweistellige Ergebnisse. Egal, die Hoffnung stirbt zuletzt an der Golgata Waterfront.

Ich melde unsere Teams im Juni an, allerdings gab es dann doch noch einige Veränderungen. Miki Berenyi konnte nicht schwimmen, doch Isabel, eine Freundin von Annika sprang ein. Linda konnte nicht Radfahren, doch Melanie sprang ein und so hatten wir das Professoren- und Frauenteam zusammen. Beim Studententeam vertrauten wir auf die erfahrenen Philipp und Janek, die das ja nun jahrelang machen und Annika, die letztes Jahr im Prof Team so schnell schwamm. Anika (nicht zu verwechseln im Annika) und Sina liefen dann für die Frauen bzw. die Professoren.

Wichtig ist es mit gutem Material Rad zu fahren. Als ich früher unvorbereitet mit dem Rennrad teilgenommen habe, wurde ich ab und an von Zeitfahrrädern überholt, etwa so wie ich auf dem Weg zur Arbeit an einer alten Frau mit Rollator vorbeifahre. So etwas passiert mir heute nicht mehr, da ich a) die beiden Flaschenhalter von meinem Rennrad abmontiere, b) die Satteltasche abmache und c) ein schickes Hochprofil Vorderrad aus Carbon benutze. Eigentlich müsste ich jetzt auch noch die Bremsbeläge austauschen, aber dazu habe ich keine Lust und ich bremse ja eh nicht.Wenn ich mit diesem Rad nun fahre werde ich ab und an von Zeitfahrrädern überholt, etwa so wie ich auf dem Weg zur Arbeit an einer mittelalten Frau mit Rollator vorbeifahre.

Zweirad Stadler Bremen - Hansator

Eine gigantische Säge aus den Tiefen des Weltalls bedroht die Menschheit in der Überseestadt.

Ich kam in der Überseestadt an, diesem innerstädtischen Juwel Bremens in dem nun ein Stadler UFO aus Independence Day Resurgence gelandet ist und fing an ein paar Runden auf dem Rad zu drehen. Der Wind kam Richtung Nordwest und war nicht zu schwach: Das hieß am Anfang die Nordstrasse gegen den Wind rausfahren und am Ende der Runde mit Rückenwind die Konsul-Smidt -Strasse ins Ziel- das konnte also interessant werden und genau umgekehrt wie in den Jahren zuvor.

Am Treffpunkt wartete bereits Philipp. Außer ihm war quasi die gesamte Elite des Bremer Radsports versammelt: Andreas OHZ, Cobra Cabana, es war fast so wie im VIP Zelt von Käfer auf dem Oktoberfest – nur ohne Gina Lisa Lohfink und Lothar Matthäus.

Melanie kam und ich stellte sie ihrem neuen Rad vor, dass ich von einer unbekannt bleiben wollender gute Fee ausgeliehen bekommen hatte. Ich dachte ich tu der guten Fee dann auch einen Gefallen und säubere Kette, Schaltwerk und Kettenblatt ihres Rades am Vorabend. Danach lief gar nichts mehr. Mal sehen….die Kette war extrem gelängt, hätte quasi schon zu den olympischen Spielen, aber in London ausgetauscht werden sollen. Da die Ritzeln vorne und hinten aber mit Dreck zugeklebt waren, lief das alles irgendwie. War der Dreck erst einmal weg lief gar nichts mehr. Mist. Neue Kette drauf. Hatte aber nur eine 9-fach – die rutschte durch bei starker Belastung. Musste also irgendwie gehen, war aber nicht optimal. Mit der gewohnten studentischen Verspätung kamen die Studenten. Wir hatten nur noch wenig Zeit und gingen gleich in die Wechselzone und machten uns bereit. Die Schwimmerin machten sich auf zum Becken und ich quatschte ein wenig mit Didi der gleich neben uns wechseln sollte.

Dann ging es gleich Schlag auf Schlag. Doch das ist eine weitere Geschichte und die folgt morgen.

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Giro Dolomiti: Day 7: Admiral Schneider Wiesen

Der letzte Tag des Giro Dolomiti hatte für alle die noch auf ihre Räder steigen konnten eine brutale Überraschung bereit: Bei hochsommerlichen Temperaturen hoch von Steinmannwald zu den Schneiderwiesen – dort wo die Südtiroler Apfelstrudel geerntet werden.

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„Der Aufstieg ist 10,7 km lang und weist einen Höhenunterschied von über 1000 m auf, mit einer durchschnittlichen Neigung von ungefähr 10 % . Der Aufstieg geht durch meist waldiges Gelände, ohne Rast bis zu der Abzweigung nach Kohlern. Von hier ab ist die letzte Strecke (1,5 km) weniger anstrengend. Die Strasse ist gut asphaltiert aber eng. Beschwerlich sind die erste Kehren, die zu dem Ort Seit führen.“

So der Veranstalter. OK, dazu einige Anmerkungen: Der Anstieg geht ohne Rast bis zum Ziel, es sei denn man gibt vorher auf. Und die ersten 6 km bis Seit sind super anstrengend, das stimmt. Und die nächsten 4 km sind dann marginal weniger als super anstrengend. Wenn man das noch irgendwie fühlen kann. Und die letzten 1,5 km sind nur deswegen nicht so anstregend, weil davon 200 Meter relativ flach sind. Eine korrekte Beschreibung wäre daher:

„Der Aufstieg ist 10,7 km lang und weist einen Höhenunterschied von über 1000 m auf, mit einer durchschnittlichen Neigung von ungefähr 10 % . Der Aufstieg geht durch meist waldiges Gelände, ohne Rast bis zum Ende über gut asphaltierte aber enge Strassen. Beschwerlich sind alle Kehren, die zum Ziel führen.“

Der Start war bereits um 7:30 Uhr angesetzt – das war mir zu früh und so machte ich mich um 7 Uhr mit dem Rad von Wolkenstein auf den Weg Richtung Bozen. Das war das erste Mal überhaupt aber meine Familie brauchte das Auto am letzten Tag, da hatte ich keine Wahl und machte mich bei 10 Grad auf den Weg nach unten. Aber: Hui machte das Spaß und ging das schnell ohne Verkehr; für die Strecke bis runter zum Kreisverkehr nach Waidbrück von 22,6 km brauchte ich gerade einmal 27 Minuten.

Für die restlichen 28 km bis zur Messe in Bozen, entlang der Eisack auf dem schönen Radweg war dann noch einmal eine Stunde fällig, so dass ich ziemlich genau eine Stunde nach dem Start am Start war. Statt den regulären Kurs gegen den Uhrzeiger über Eppan, Kaltern und Auer nach Steinmannwald zu fahren, fuhr ich einfach mit dem Uhrzeiger über St. Jakob nach Steinmannwald, wo ich ziemlich pünktlich gegen 9 Uhr ankam, kurz vor dem Feld. Ich fuhr die brutale Steigung vor dem Rennen hoch und wartete auf die anderen Bremer. Kurz danach kam Silke rein, direkt neben der „fucking perfect“ Russin, heute beide in Ale Klamotten gekleidet.

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Ale les filles!

Nachdem auch Andreas und Marc vorbei fuhren machte ich mich startklar. Ich hatte ja dieses Jahr bereits einmal versucht auf die Schneiderwiese hochzufahren und war daran gescheitert, also ließ ich es ruhig angehen. Bei den extremen Rampen gerade im Anfang heißt aber ruhig auch nichts anderes als: überleben. Ich wurde von ziemlich vielen Fahrern überholt, unter anderem wieder von dem Zwerg. Das macht der Zwerg auch extra, er startet extra spät und zieht dann am Feld vorbei, um dadurch zu demostrieren, dass Zwerge halt doch die besseren Bergfahrer sind. Was dummerweise auch stimmt. Ich überholte aber auch ein paar Fahrer, nach einer Weile kennt man ja doch viele GEsichter aus dem Feld: Die lila Waldner Girls, die heute rosa Hosenträger tragende flinken Zähne, der Typ mit dem Bambusrad und dem Kokosnuss Helm, wieder einmal die fucking perfect Russin und sogar den „Planet Extreme: Russia“ Russen. Weiter oben ging mir aber zunehmend die Puste aus und ich wurde wieder von fast allen genannten eingeholt. Stefan Franke zog zum n-ten Mal beim Giro an mir vorbei, zuzm n-ten Mal rief ich „Hallo Stefan!“, und zum n+1ten Male wurde ich ignoriert. Ich weiß nicht woran es liegt, aber Stefan Franke ignoriert mich mit einer Penetranz die an Leidenschaft grenzt. Kennt hier jemand Stefan Franke? Werdet ihr auch ignoriert? Kann bitte jemand Stefan einmal ein Foto von mir zeigen und ihm einbleuen: „Beim nächsten Mal freundlich grüßen!“?

Irgendwie kam ich hoch, aber großartig war das nicht. Ich wusste das es am Ende vor dem Ziel noch einmal ein flaches Stück gibt und haute da halbherzig rein – am Ende war ich etwa 4 Minuten langsamer als im letzten Jahr. Aber da war diese Etappe ja auch die erste des Giros und wir hatten noch Saft und Power.

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Der toughe Russe vom extremen Planeten Russland.

Oben sind dann schnell alle Qualen vergessen und zwar genau in dem Moment, wo man das Apfelstrudelbuffet sieht.

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Großartig – man muss nur schnell genug oben sein, um auch ein Stück zu bekommen. Bermen war heute ohnehin etwas mau vertreten: Silke, Andreas, Matthias, Elena, Marc, Peter und ich hatten uns auf den Weg nach oben gemacht; Sahni und Henning waren nur die Runde um den See mitgefahren und Dietmar habe ich gar nicht gesichtet.Was war eigentlich aus den beiden Delme Cyclern geworden, die hatte ich schon ganz lange nicht mehr gesehen.

Die Abfahrt ging besser und schneller als gedacht. Das war die letzte Chance noch einmal schnell zu fahren und ich überholte auf dem Weg nach unten mehr als hundert. Ich wurde auch ein paar Mal überholt und ein, zwei Mal böse geschnitten- das hätte am letzten Tag noch schlecht ausgehen können. Aber das Glück, was mir bereits seit vielen Jahren hold ist, hielt auch an diesem Tag vorerst an.

Schnell waren wir zurück an der Messe und verabschiedeten uns. Insgesamt war es ein sehr schöner, aber auch sehr anstrengender Giro. Fast zwei Wochen in den Dolomiten zu sein war gut und weniger stressig als die schnelle An- und Rückfahrt im letzten Jahr. Da war aber auch das Gemeinschaftsgefühl größer, was im wesentlich daran lag, dass ich mit meiner Familie 50 km von Bozen entfernt war – da ist es eben aufwändig viel zusammen zu machen.

Wir haben nicht herausgefunden, ob dies nun der letzte Giro war oder nicht – letztes Jahr gab es ja diese Gerüchte. Ist aber auch egal. Das waren jetzt zwei Giros für mich und das reicht auch. Ein viertes Mal den Stelvio hoch? Warum?

Es gibt noch so viele andere schöne Berge und Landschaften auf dieser Welt. Frankreich, Kalifornien, Spanien….mal sehen was das nächste Jahr bringen wird.

Strava

 

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