Archiv der Kategorie: Rennen

Alle Rennen an denen Freunde der Cyclitis teilnehmen.

German Folding Bike Open 2019.

Zusammen mit den OBKM Rennen bei Mercedes und einem Drittel des City Triathlons, ist die German Bike Folding Open das letzte Radrennen, das noch in Bremen stattfindet. War da dieses Jahr was für mich drin?

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Nein.

Denn wie oben im Foto zu sehen ist, nahmen außer mir noch andere Fahrer teil, unter anderem Leo und da hätte ich gleich zuhause bleiben können. Aber alles der Reihe nach, denn ein wenig länger kann dieser Post schon sein.

Zur Vorbereitung auf das bremische Leitrennen, hatten wir am Abend auf der Dachterasse des Ladens eine Party organisiert. Dort gab es nicht nur viel zu Essen und Alkohol zu trinken, sondern auch ein buntes Begleitprogramm mit vielen Preisen (gleichzeitig wurde dieses Programm auch genutzt, um etwas, was man im Business-English „slow moving stock“ nennt, drastisch zu reduzieren) und der Möglichkeit die neuen E-Scooter auf der Terasse auszuprobieren und mit viel Schwung und Alkohol unelegant und kopfüber über die Brüstung zu kippen.

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Mit freundlicher Unterstützung von Woom hatten wir einen Parcour aufgebaut an dem jeder seine Fahrtkünste auf einem Woom 3 zeigen konnte. Es wurde auch richtig spannend, Ronny und Attila kamen tatsächlich auf genau die gleiche Zeit und mussten ins Stechen. Dort setzt sich schließlich Ronny mit 1/100 Sekunde Vorsprung durch und bekam dafür eines unserer neuen Cyclyng Jerseys im Größe M. Wenn ihr auch eins haben wollt – Größe M entspricht normaler Konfektsgröße XXS. Bitte immer drei Nummern größer nehmen.

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Kurz, ich kam spät nach Hause und noch später aus dem Bett am nächsten Morgen. Und das Moulton musste auch noch in Schuss gebracht werden. Kurz und gut, ich tat mein möglichstes um hinterher genügend Gründe finden zu können, warum ich auch dieses Mal wieder völlig versagt habe. Das Schicksal meinte es jedoch gut mit mir, doch dazu später.

Was mir am besten an den GFBO gefällt ist, dass die Anfahrt von zuhause etwa 12 Minuten beträgt. Ich fuhr kurz vor 10 am Steintor lang zum Sielwall und wunderte mich wie viele Menschen da noch auf sind von der Nacht zuvor. Ach ja, gerade ist ja auch wieder La Strada in Bremen. Das Kulturprogramm in Bremen ist wirklich nicht das schlechteste – gerade das La Strada und die Breminale, zwei fast kostenlose Veranstaltungen sind Dinge die wir als Bremer irgendwie so als selbstverständlich hinnehmen weil wir die Jahr um Jahr bekommen. Sie sind es nicht.

Am Wall war die Hölle los. Es war nicht gerade so, dass Harms mal wieder brannte, aber es gab eine Menge Leute, die Geschäfte hatten offen und laute britische Musik erklang: „Help“ von den Beatles zum Beispiel und später auch die Titelmelodie von Miss Marple und Dampfhits wie „Highway to hell“ (britische ex-Sträflinge) „Paradise City“ (britische Kontrevolutionäre) und „Seven Nation Army“ (britische Autoverkäufer aus Detroit). Kurz – ich fühlte ich wie in Bradford 1980.

Ich war gerade mit der Rennvorbereitung fertig (eine Mentholzigarette), als Leo kam – das hatte ich ja schon Gerüchteweise gehört. Nachdem meine Chancen hier etwas gewinnen zu können nun quasi Null waren hätte ich auch gleich wieder nach Hause fahren können. Zumal ich ja eh keine Lust hatte. Aber wir machten uns dann auf die Einführungsrunde und dann auch an den Start.

Am Start wartete ich höflich, bis alle Bromptons vor mir ausgeklappt und startbereit waren, bevor ich mich auf den Weg machte. Das führte dazu, dass ich nicht ganz nach vorne kam, denn dort hatten sich bereits ein paar von den rot-weiß gestreiften Kölnern nach vorne abgesetzt. Aber immerhin bewegte ich mich so unter den ersten Zehn im Feld, wenn auch alleine. Leo, als Nachmelder mit der Nummer 102 ganz hinten gestartet war, überholte mich nach etwa einem Kilometer. Mit Kevin (oder Matthias?), dem Gewinner vom letzten Jahr im Schlepptau waren die beiden auch extrem schnell unterwegs so dass ich gar nicht darüber nachdachte mich daran zu hängen.

Ich muss sagen, ich war schon verdammt mies in Form und nach einer Runde hatte ich schon so gar keine Lust mehr. Aber dann konnte ich ein paar von den schnelleren Fahrern überholen und hing mich an einen der Kölner dran. Ich war zwar gefühlt etwas schneller, aber hinter dem konnte ich jede Menge Kraft für das Finale sparen. Prima, jetzt fühlte ich mich gut.

Das Rennen ist nämlich so organisiert, dass zunächst geschaut wird, wer innerhalb von 44 Minuten die meisten Runden fahren kann. Eine Runde ist etwa 2 km lang und da der Kurs ein wenig verwinkelt ist, sind 4 Minuten pro Runde nicht einfach. Die Fahrer mit den meisten Runden kommen in das Finale; da das dieses Jahr nur zwei waren, also Leo, Kevin und Matthias, mit 11 Runden, wurden auch die Fahrer mit 10 Runden und, bin nicht sicher, auch mit 9 Runden zugelassen.

Im Finale wird dann nur eine Runde gefahren, der Sieger ist dann….äh..der Sieger. Toll.

Also, ich dachte mir, jetzt schaue ich mal, dass ich hinter Köln bleibe und dann komme ich gut ausgeruht ins Finale. Wenn Köln zu langsam werden sollte, kann ich ja immer noch durchstarten. Jetzt fühlte ich mich auch wieder richtig gut und aggressiv. Schon in der dritten Runde überrundeten wir die ersten Fahrer. Im Rennen ist das Mist, weil das auf den Schotterwegen nicht ganz ungefährlich ist, aber der Veranstaltung tut so etwas natürlich sehr gut, wenn da Gorillas und Frauen in schwarz-weiß gepunkteten Seidenkleidern auf eigentlich unfahrbaren Rädern durch den Park kurven. Das hätte jetzt noch acht Runden mehr so gehen können und sollen, aber nein.

Genau, das bin ich hinter Köln und dann bin ich das wie ich rechts ranfahre. Zuerst dachte ich nur, dass sich meine Kette im Schaltwerk verklemmt hätte – doof aber nicht wirklich schlimm. Nach genauerer Untersuchung stellt sich dann heraus, dass das Schaltwerk keine Spannung mehr hat – die Schaltröllchen hängen in den Ritzeln, ein Weiterfahren ist fast nicht mehr möglich. Ach ja, Campagnolo, eine ewige Hass-Liebe. Nachdem ich letztes Jahr durch 2 platte Reifen ausgeschieden bin nun das. Langsam fahre ich zum Start zurück und treffe Lena.

Zusammen schauen wir uns nun das Rennen in Höhe des Ziels an. Viele lustige Gestalten sind dabei, nicht nur Gorillas und schwarz-gepunktete Rentnerinnen. Viele von denen sind sogenannte „Erlebnisfahrer“ – im Gegensatz zu „Ergebnisfahrern“ aber manche von den Erlebnissen sehen fertiger aus als die Ergebnisse. Vorne liefern sich Leo, Kevin und Matthias im Duett ein Duell um die Spitze. Mal ist Leo vorne, mal Kevin und Matthias. Auch nach 40 Minuten, als sie bereits zum gesamte Feld mindestens einmal überrundet haben, kämpfen sie noch und geben alles, als wenn es kein Finale geben würde.

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Leo auf seinem Klapprad. Sein Rennrad ist etwa aus der gleichen Epoche (Mesoproterozoikum).

Was übrigens genau das ist was Leo dachte, nämlich, dass er als erster hier nach 44 Minuten über den Strich fahren müsste um zu gewinnen. Hätte ich ihm auch vorher sagen können, dass das nicht so aus, mir wäre aber nie in den Sinn gekommen, dass Leo das nicht gewusst hätte. Jedenfalls sieht er am Ende ziemlich fertig aus – Kevin und Matthias allerdings auch.

Es dauert nicht lange, dann stellen sich die 11, 10 und 9 Runden Fahrer zum Finale auf, insgesamt sind es so etwa 10. Lena und ich fiebern am Straßenrand mit. Ich bin etwas größer als sie, so dass ich etwa 2/10 Sekunden früher mitbekommen, wie Leo führend auf die Zielgerade fährt. Der Rest ist geschlagen und kommt mehr oder minder in einem Block an. Gut gemacht – als Preis winken Karten für das GOP und eine Nacht im Steigenberger Hotel. Ach nicht schlecht.

Eigentlich will ich noch länger bleiben. Eigentlich will ich nie wieder nach Hause zurück. Denn zuhause wartet meine Tochter darauf, dass ich ihr Physik beibringe – Himmelskörpermechanik. Ich setzte mich in den kleinen Park bei mir um die Ecke und gebe mir ein Brit-pop Gegengift.

So. das läuft dann vermutlich gerade jetzt auch in Portugal im Radio.
Eine schöne Veranstaltung – auch weil da mal wieder etwas Publikum da war,  eine Menge Leute die ich konnte und der ein oder andere, den ich da kennengelernt habe.

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RTF Barrien. 2019. Warten auf Bumsfidel. Nein – Robert. Nicht.

Ich würde ja gerne etwas wahnsinnig geistreiches und lustiges über die RTF Barrien schreiben – habe ich aber schon. Mehrfach. Wer das lesen möchte kann gerne die Posts von 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018 nachsehen denn Barrien fahre ich jedes Jahr. Deshalb volle Konzentration auf die Höhepunkte 2019.

Barrien an sich

Über Barrien wird auf Wikipedia viel Wissenswertes berichtet. So wusste ich z.B. noch nicht, dass der Bahnhof Barrien 2010 seit 1972 nur noch ein Haltepunkt ist. Es geht also bergab dort, das sieht man auch sehr deutlich an den Fotos auf Wikepedia, die die Wahrzeichen der Stadt zeigen.

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Die Konditorei Hasselmann kennt jeder ambitionierte Rennradfahrer, da sie sich an der Ampel zu Beginn des Stravasegments am Krusenberg befindet. Dort geht es bergauf, und zwar ziemlich. Urnen werden hier nicht hergestellt, im Gegensatz zu Giesen.

Vorher

Ich hatte auf fb gelesen, dass sich einige Bremer um 7 an der Weserbank treffen wollten, dort wo wir viele Jahre auf Bumsfidel gewartet haben, um gemeinsam nach Barrien zu fahren. Ich bin also hin, war zu spät, doch erstaunlicherweise waren da noch vier.
„Barrien?“ fragte ich in meinem charmanten und angemessenen“Leben des Brians Römerslang

„Klar“ 
„Dann mal los“

Wir fuhren also so vor uns hin und waren ca. eine Viertelstunde unterwegs, als ich fragte. „Ich dachte ihr wolltet um 7 Uhr los, da hatte ich ja noch Glück, dass ihr da wart.“

„Nein, wir wollten um 7:15 Uhr los.“

Es stellte sich dann heraus, dass das gar nicht die fb Truppe war, sondern ein paar Leute von den Triapanthern Duisburg (Name wurde geändert um Unschuldige zu schützen). Die wollten sich zu viert treffen und als ich dann kam, dachten sie, ich wäre halt der Vierte. Kurz danach kam dann auch ein Anruf von Robert, dem vierten: „Seit ihr schon los?“ Ähm, ja, Ups.

Mittendrin

Diesmal fehlte es an Kondition und vielleicht war ich auch erkältet. Jedenfalls bin ich mit der schnellen Truppe raus und dann ein paar Mal aus Gruppen gefallen. Zwischendurch, als so gar nicht viel lief bin ich eine Weile mit Kai gefahren, das war sehr angenehm. Kai erkenne ich immer, denn jedesmal wenn ich mit ihm fahre hat er das gleiche Outfit an, auf dem relativ prominent der Name „Marcel Wüst“ steht. Marcel Wüst – das war Unterhaltung pur auf der letzten Bremen Challenge 2014.

Ich hatte die Videokamera montiert und diesmal machte der Wahoo echt Zicken. Ich war ja sehr lange ein Verfechter von Wahoo im ewigen Konkurrenzkampf gegen Garmin, aber der neue Roam ist nicht wirklich neu und der Elmnt nervt gerade – übrigens auch die Android App seit dem letzten Update. Also, Barrien in Bilder:

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Raus mit der ersten Gruppe. Irgendwie lief das prima und ich dachte: „Hey, ist das lahm dieses Jahr.“ Dieses Jahr hielt das Gefühl ca. 12 km an, dann kegelte es mich hinten raus. Wie jedes Jahr – ich sei denn ich verpenne den Start.

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Alleine, bzw. zu dritt wurden wir dann von einer weiteren Gruppe eingeholt. Prima – dachte ich, aber leider fuhren die fast alle beim ersten Kontrollpunkt schon raus. Danach ging es erst einmal wieder alleine weiter.

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Dann kam eine gute Truppe, die auch gute Tempo machte und an der ich mich wieder rankrallte. In der Ebene war das schon anspruchsvoll daran zu bleiben, beim klettern in Berxen und sonstwo fahre ich vorne raus.

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Berxen – der Höllenanstieg auf den Butterkuchenberg. Sticky Bottle.

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Am Bahnhof (oder Haltepunkt) in Bassum fehlte ein Schild, das uns den richtigen Weg weisen sollte. Kai und ich irren durch das schöne Bassum – dessen unbetreitbarer Höhepunkt die Palettenfabrik Bassum GmbH ist. OK, auch gesehen, Haken dran.

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War es dieses Jahr irgendwie länger? Am Ende hatte ich mehr als 123 km auf dem Tacho – ach ja, da war ja noch die Besichtigung der Palettenfabrik. 33er Schnitt war jetzt doch noch besser, als ich gedacht hatte, dafür dass ich das Ding an einem Stück gefahren bin und noch nicht in Form bin.

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Am Ende chillen auf dem Rasen. Ich bin jedesmal wieder beeindruckt, was so ein kleiner Dorfverein wie Barrien auf die Beine stellen kann. Ich mag dieses Foto von Markus (aka Enno), weil die Drift Ghost Videokamera seinen Körperbau so vorteilhaft ..äh…verzerrt?..darstellt?…ablichtet?

Auf Strava:

Nachher

Die 20 km nach Hause mit Rückenwind fahren sich recht entspannt. Ich habe die Kopfhörer auf und höre Dido solo und in Combo mit Youssou N’Dour.

Die bekannten Studioaufnahmen haben mir nicht genug Druck, aber mit dem betonten Bass bei White Flag und dem sehr guten Drummer bei 7 Seconds (und ohne Geigen) geht das richtig gut ab.

Schreibt der weltgrößte Sade Fan des Geteviertels.

Am nächsten Tag Kopfschmerzen und dicke, harte Waden. Ich wache mies gelaunt auf, da ich geträumt hatte, dass mir ausgerechnet Jörg Sudmann ins Hinterrad fuhr. Noch ein wenig Training und dann geht es weiter nächste Woche am Sonntag bei der German Folding Bike Open.

Danke an den TSV Barrien.

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OBKM 1. 2019. Mercedes Teststrecke Bremen.

Historisches geschah am 18. Mai in Bremen: Zum ersten Mal konnte ein Radrennen auf der Mercedes Teststrecke am Werk in Bremer Süden ausgerichtet werden. Wir waren sowohl als Laden, und auch als Teilnehmer präsent.

Daimler AG - Mercedes-Benz Kundencenter Bremen

Fairerweise will ich gleich zu Beginn erwähnen, dass bereits in den Neunziger Jahren der RSC Rot-Gold Bremen auf der gleichen Strecke mehrfach seine Vereinsmeisterschaften ausrichtete. Ob es sich um die 1990er oder die 1890er handelte weiß ich leider nicht. Und auch Solidarität Arsten wurde da bereits öfters auf dem Parkplatz gesichtet.

Ich liebe die von Bremer Vereinen ausgerichtete OBKM Rennserie alleine schon deswegen, weil alle Buchstaben der Abkürzung OBKM auch in meinem Namen vorkommen; schaufelt man das M nach vorne, sogar in der richtigen Reihenfolge. Außerdem habe ich da mal vor zwei Jahren zwei Rennen in meiner Altersklasse gewonnen und in der Jahresabrechnung den 3. Platz geholt – soviel Erfolg hatte ich noch nie sonstwo. Im Radsport, denn beim Schach machte ich mal den 2. Platz beim Schülertunier 1976. Gewonnen hatte damals Heiner Otten, das verzeihe ich dem bis heute nicht, weil der 1) auch noch älter war, 2) ein tolles Kleinkraftrad besaß und 3) aus aus eben diesen Gründen auch eine hübsche Freundin.

Egal, also das OBKM wird von den Bremern Vereinen RCB, RRG und RSC Vegesack ausgerichtet. Wen die Abkürzungen verwirren und wer sich fragt, warum Bremen mit seinen 27 Rennradfahrern ca. 41 Vereinen hat, der schaue für eine logische Erklärung kurz hier nach. Genauso gut kann man sich allerdings auch die Ergebnisse der bremischen Bürgschaftswahl von letztens ansehen.

Normalerweise sagt man ja am Ende eines Blogs immer Danke für dies und das, aber ich möchte das gerne mal am Anfang machen, weil ohne dass hier ein paar Menschen aktiv geworden wären, hätte es das alles nichts gegeben. Also Danke insbesondere an Uwe Burmester, der das fast alles alleine auf die Beine gestellt hat und immer schön realistisch nach vorne getrieben hat.

Nachher sagen dann immer einige wenige Danke, die Mehrzahl schweigt und einige wenige monieren dann dies und das: Das erste Rennen startete zu spät, der Puderzucker über dem Schokokuchen war nicht gleichmäßig verteilt und einer der Mercedes Mitarbeiter schaute immer so grimmig. Man sollte solche Dinge nicht organisieren, wenn man erwartet, dass andere Menschen dann dankbar sind – das passiert nämlich nicht. Man sollte diese Dinge organisieren, wenn man weiß, dass man das richtige tut, scheißegal was die anderen denken. Und meckern darf man nur, wenn man als Ehrpartner oder Kind zu dem Rennen geschleppt wird und eigentlich viel lieber Schuhe kaufen, Bier saufen mit den Kumpels oder Eiscreme schlecken würde. Die Erfahrung zeigt, bevor jemand Danke sagt, sagen fast alle: „Oh wie schade, warum machst Du das nicht mehr?“ wenn du mal mit den Sachen aufhörst.

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Oh Gott – schau Dir mal die Streusel-Normalverteilung an!

Ich dachte ich leiste auch meinen Beitrag zu dem Tag und bot an Reparaturen und Service am Streckenrand anzubieten. Da ich das das erste Mal machte dachte ich, nimm mal lieber einen Mechaniker mit, bevor da jemand mit einen Rad ankommt das ich technisch nicht reparieren kann, weil es nach 1998 gebaut wurde. Aber hey – ich kann supertoll und superschnell Mafac Mittelzugbremsen von 1976 ausrichten.

Außerdem zerbrach ich mir den Kopf, welches Werkzeug und welche Ersatzteile ich wohl mitnehmen sollte. Am Ende hatte ich quasi den ganzen Laden dabei – ich hätte glaube ich, auch eine mechanische Ultegra Schaltung an Ort und Stelle durch eine elektronische austauschen können. Und was passiert? Genau, nichts. Ich musste so ca. vier Mal Luft aufpumpen, eine Mavic Hinterradbremse ausrichten und das war es auch schon. Tatsächlich hat sich so gut wie niemand an unseren Stand getraut. Deshalb würde ich hier noch einmal gerne versichern, dass wir eigentlich ganz nette Menschen sind und vor allem größtenteils harmlos.

Es gab an diesem Tag drei Rennen, zunächst startete die Jugend. Sebastian meinte recht treffend, dass ein Jugendrennen eine recht sinnlose Veranstaltung ist, wenn alle Teilnehmer aus dem gleichen Verein kommen. Die kennen sich gut und wissen bereits am Start, wer das Rennen gewinnen wird. So war es dann auch – fast. Aber ein Jugendrennen sorgt natürlich auch für mehr Zuschauern in Form von Müttern und Geschwistern, was einer solchen Veranstaltung gut tut.

Anschließend startete das Jedermann Rennen. In den letzten Jahren war das Jedermannrennen das Rennen für Frauen jegwelchen Alters über 16 (?) und Menschen über 50, also das Rennen für alle die nicht schnell fahren können oder wollen. Also für mich. Diesmal gab es da keine Beschränkung, jeder konnte mitfahren, der keine Lust hatte sich im anschließenden Eliterennen voll zu verausgaben. Also ich.

Der Kurs ist ja zum Glück recht einfach gestrickt, so dass die Gefahr von Stürzen sehr gering ist. Das Rennen selbst ging über 20 Runden, jede vierte Runde wurde am Punkte gesprintet.

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Nach dem Start ging es in die wenigstens ein wenig technische Kurve, dann eine lange Gerade gegen den Wind, gefolgt von einer Steilkurve, die problemlos am unteren Rand mit voller Geschwindigkeit gefahren werden kann. Dann ging es auf die sehr lange Zielgerade bis man nach ca. 1,3 km einmal rum war. Kurz gesagt, eine reine Powerstrecke, die aber den Vorteil hat, dass man nicht abgelenkt von der eigenen Unfähigkeit Kurven fahren zu können, sich voll auf die Positionierung im Sprint konzentrieren kann.

Das Jedermannrennen startete mit 19 Teilnehmern, was vermutlich OBKM Rekord ist. Allerdings waren die Leistungen der Fahrer sehr unterschiedlich, so dass relativ schnell vier bis fünf aus dem Hauptfeld gefallen sind. Vorne drehte Christoph Kuske unbeeindruckt seine Runden, da er deutlich besser war als alle anderen zusammen auf der Strecke.

Ich hatte an meinem Rad eine Videokamera montiert um das Rennen aufzunehmen. Der Plan war, parallel Daten mit dem Wahoo zu sammeln, also Leistung, Herzfrequenz, Trittfrequenz, Geschwindigkeit, Nervlevel etc. um diese dann in das Video zu schneiden – aber so weit bin ich technisch noch nicht. Und der Wahoo war es auch nicht, da ich vergesse hatte ihn zu laden. Jasper V macht das alles auf Youtube sehr professionell und lehrreich, da lohnt es sich reinzuschauen. Hier mal ein Beispiel:

Für das Video benutze ich eine Ghost X Drift, auch ein Tip von Jasper. Mir ist völlig unverständlich, warum sich Menschen für viel Geld ein aerodynamisches Rennrad mit 80 mm Hochprofilfelgen kaufen, um wirklich das letzte Quentchen Leistung hemmungslos auf den Asphalt bringen so können:

Bildergebnis für trek madone red

Und dann eine Minute später diesen unförmigen, teuren Kasten namens GoPro an eben diesem Rad zu montieren:

Bildergebnis für go pro road racing bike

Das kostet mich doch locker 3,7 Watt bei 45 km/h! Die Ghost Drift X ist dagegen schön klein, aero, mit €180 auch vergleichsweise günstig und macht auch ausreichend gute Video.

Bildergebnis für ghost x drift bike

Im ersten Video können wir den Start des Rennens sehen. Ich stehe ziemlich weit hinten im Feld, da ich zu spät zum Start gekommen bin. Und hier kann man gleich sehen, wie Rennen gewonnen werden, und zwar durch schnelles Einklippen in das Pedal, Position in der Innenseite der Kurve  und beherzten Antritt. Also, nicht das ich gewonnen hätte, aber in der der ersten Kurve bin ich immerhin bereits in vierter Position.

Ich fahre fast immer Shimano SPD System an meinem Rennrad – zur Erinnerung, das ist das MTB System von Shimano – das Rennradsystem heißt SPD-SL. In MTB Pedale kann man beidseitig einklicken, in Rennradpedale (Shimano, Look, Time) nur einseitig. Dauert einfach zu lange. Außerdem ist es auch nicht-Pinguinen möglich nicht wie ein Pinguin mit MTB Schuhen zu laufen, während man mit Rennradschuhen immer so rumläuft, als wenn man gerade einen Schlaganfall hatte, den Gleichgewichtssinn verlor und droht nach vorne überzukippen. Und zu guterletzt, halten die stählernen MTB Cleats unter den Schuhen ewig. Die schraubt man einmal runter und eher gehen die Schuhe kaputt als die Dinger. Ein Radhändler der Austauschcleats dafür im Laden hat ist naiv. Die Plastikteile von Shimano SPD-SL und Look muss man aber dummerweise zwei Mal im Jahr tauschen, wegen Abnutzung und weil man wieder besseren Wissens mit denen rumgelaufen ist. Und wenn man mit einem abgenutzten Cleat fährt ist das wirklich gefährlich, wie ich leider auch einmal selber erfahren musste.

Es wird nun behauptet, dass man mit dem MTB System keinen guten Stand auf dem Pedal hat, dass man damit nicht genug Druck auf die Kurbel bekommt und, das ist das schönste, dass man damit die Kurbel nicht gut hochziehen kann. Das mag ja alles bei Profis richtig sein, aber für den Durchschnittsfahrer der schon ein paar Watt Leistung verliert, wenn es nur auf sein Rad steigt, spielt das alles keine Rolle.

Gerade das „Ziehen am Pedal“, also Druck beim runtertreten des Pedals und Ziehen beim Hochheben, gehört sowieso zu den ewigen Lügen im Radsport. Sowas machen nur Menschen (gut und lange) die bereits als Kind im Verein trainiert haben und richtig gute Rennrad fahren können. Das sind aber mit Abstand die wenigsten Menschen die ich kenne. Die meisten haben spät mit dem Rennradfahren angefangen und die Ziehen nicht. Ich mache das nie. Es se denn ich konzentriere mich unheimlich und schaffe 10 Umdrehungen Drücken und Ziehen und dann verliere ich wieder die Konzentration oder die Lust und Drücke nur noch.

Wo wir gerade dabei sind, die anderen ewigen Lügen des Radsports sind:

  • Aus der neu entwickelten Oberfläche der Carbonfelgen von (beliebige Marke hier einsetzen) ist die Bremsleistung im Trockenen und im Nassen nun endlich genauso wie bei Alufelgen.
  • Diese Regenjacke ist nicht nur absolut wasserdicht, sondern sie ist auch so atmungsaktiv, dass man nicht in ihr schwitzt.

Aber zurück zum Rennen. Ich hatte mir für den ersten Sprint direkt nach dem Start eine gute Position erkämpft.

Im nächsten Video kann man den ersten Sprint nach der 4. Runde sehen. Christoph liegt ohnehin weit vorne und es geht nun um die Plätze 2 bis 4.

Der blaue Fahrer fängt viel zu früh an in den Wind zu gehen und den Sprint anzuziehen. Mit mir hängen sich dann gleich vier Fahrer an ihn ran und es gelingt ihm nicht von uns weg zu kommen. Nach etwa 20 Sekunden geht einem der Verfolger die Luft aus und er gibt auf. Ein paar Sekunden später hat auch der blaue keine Luft mehr und ich kann an ihm vorbeiziehen, jetzt sind noch drei Fahrer vor mir und dummerweise hat der grüne auch eine Lücke aufreißen können.
Der Grüne sieht nun, dass der schwarze vor ihm den 2. Platz machen wird und gibt den Sprint auf. Wenn ich jetzt noch mehr Geschwindigkeit gehabt hätte UND direkt rechts vorbeigegangen wäre (man kann im Video gut das kurze Zucken nach links verfolgen) UND das Ziel noch mal 10 Meter weiter weg gewesen wäre, dann hätte ich ihn noch überholt. Da das aber viel zu viele UND und wäre sind, hat es nicht geklappt. Aber gut, als 4. habe ich schon einmal einen Punkt im Sack.

Ich würde jetzt gerne noch Videos von den weiteren Sprints posten. Aber beim nächsten hatte ich einfach noch nicht genug Luft und ging den gar nichts an. Nach der 12. Runde habe ich es noch einmal versucht, aber da war einfach die Kondition nicht da. Da dämmerte es mir auch, dass da nicht mehr viel zu holen sein wird und ich fuhr nach 12 von 20 Runden raus. Hätte an sich auch schon nach 4 Runden rausfahren können.

Alles in allem eine sehr gute Veranstaltung, die mit großer Wahrscheinlichkeit Ende September wiederholt werden wird – ich freue mich schon darauf.

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RTF Red.Fox 4.0 in B. Nieder-Sachsen.

Der 1. Mai ist nicht nur Tag der Arbeit, sondern auch Tag des roten Fuchses, einer launigen und frühen RTF in der Nähe von Hildesheim. Ich fahre da, meistens zusammen mit Hannes, fast jedes Jahr – es gibt eine Menge Hügel und die Länge ist zu Beginn der Saison genau richtig, um in Form zu kommen. An sich wollte ich dieses Jahr ja keinen Blogpost darüber schreiben. Stattdessen habe ich die ganze RTF auf Video aufgenommen: vier Stunden Spannung pur, wie damals mit meinen Eltern im Kino bei „Der längste Tag„. 

Wer aber doch lieber liest statt schaut:

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Start an der Turnhalle in Groß-Giesen

Giesen, ein verträumtes Dorf direkt hinter dem Kaliberg, dass schon längst eine Stadt wäre, wenn es nur ein weiteres „s“ hätte. Am 1. Mai eines jeden Jahres bleiben die Einwohner zuhause und verriegeln Fenster und Türen. Denn an diesem Tag erleben sie ihr persönliches Wacken, wenn mehr als 700 bedröhnte Radfahrer in Lycra und Merino in ihre beschauliche Welt einfallen. Da wir erst eine halbe Stunde vor dem Start ankamen, fiel es uns schwer einen Parkplatz zu finden. Großgiesen, eine der fünf Ortschaften, auf die sich die 5 Einwohner in etwa gleichmäßig verteilen war dichter als die Stephanibrücke in Bremen am Freitag um 15 Uhr. Wohin nur, wohin? Richtung Ahrbergen, Emmerke oder gar Siegfried? So verpassten wir den Start des Hauptfelds und Hannes und ich machten uns mit fünf minütiger Verspätung daran das Feld von hinten aufzurollen. So übrigens auch Leo und Björn vom RCB.

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Im Verkehrschaos von Großgiesen rollen Hannes und ich das Feld von hinten auf.

Wie alle Menschen habe ich auch meine Schattenseiten. Zum Beispiel macht es mir unheimlich viel Spaß auf dem Rad andere Radfahrer zu überholen. Wenn ich also ganz vorne im Feld starte kann ich an sich nur verlieren. Schnell zu fahren und dann von einer Gruppe zur anderen zu springen – das macht Spaß. Bei Jedermannrennen kommt es mir daher auch nicht auf die Platzierung an, sondern eben möglichst viele Teilnehmer zu überholen. Nach Möglichkeit starte ich daher aus Block M oder so.


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Impressionen aus Block M

Nachdem wir also mit vielen Körnern viele Plätze gut gemacht hatten kam an der ersten Bahnunterführung schon wieder ein Stau und die viele Arbeit war umsonst.

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Look, ein Stau!

Ein paar Minuten überholt uns Leo. Leo ist deutlich schneller als wir, also fahren wir in seinem Windschatten und hoffen darauf ganz weit nach vorne zu kommen. Anhand des Videos kann man recht gut verfolgen, wie lange wir das dann auch tatsächlich geschafft haben – genau 2:14 min bevor wir total entkräftet aufgeben.

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Ran an Leo !

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2:14 min später abreißen – kam uns vor wie 2 Stunden später.

Egal, wir waren in einer größeren Gruppe die mehr oder weniger unser Tempo fuhr und so langsam kamen wir in die ersten Berge. Nach dem 2. Anstieg kommt bereits die erste Verpflegung – und zwar die legendäre mit Lachsbrötchen und Sekt. Jedes Jahr vergesse ich ein paar Tupperware-Dosen mitzubringen und mir das gute Zeug für zuhause einzupacken. Andere wiederum scheinen nur für die erste Verpflegung gekommen zu sein. Da stehen Sie dann mit drei Kaviarcrackern in der Hand und Krümmeln im Bart und murmeln: „Hm, lecker, das ist ja schon die beste RTF hier in der Gegend“ untermalt von Kau- und Schmatzgeräuschen.

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Look: Impressionen von der 1. Verpflegung

Woher kommen nur diese ganzen Look Klamotten und Rädern? Look hat einmal sehr innovative Räder aus Carbon gebaut und dann ein Systempedal entwickelt, dass seiner Zeit sehr weit voraus war. Aber all das ist jetzt mehrere Jahrzehnte her und fühlt sich an, als wäre es in etwa zeitgleich mit Hardy Krüger,  Sissi und James Last gewesen. Heute sind die Räder von Look nur noch teuer und manche sehen komisch aus, Und Shimano eine Lizenz für das Pedal zu geben (die Dura Ace PD-7401 Pedale) war auch keine gute Idee. Egal, wir mussten weiter und hatten keine Zeit weiter zu looken.

Nach der Verpflegung kommt eine sehr schön, längere Abfahrt auf der wir uns hätten so richtig austoben können, wenn da nicht ein Auto vor uns runtergekrochen wäre. Wir erreichten zwar irre Schräglagen in den Kurven, die Bäume allerdings auch. Manchen Teilnehmern war da bereits alles egal und sie fuhren etwa 49 cm entfernt im Windschatten des Autos.

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Nach der Abfahrt fanden wir langsam wieder in einer Gruppe zusammen und waren so um die 5 Fahrer die gut Tempo machten. Einige machten da sogar sehr gut Tempo und als sich die Strecke teilte in die 78 km Runde nach rechts und die 113/152 nach links wussten wir auch warum: die machten nur 78 km. Fairerweise muss man natürlich auch sagen, dass wir ein paar Fahrer enttäuscht haben, als wir bei der 113/152 km Teilung den kürzeren zogen.  Wir fanden dann zum Glück ein paar neue Mitfahrer, u.a einen bei dem dort „Votec“ stand, wo normalerweise „Look“ zu stehen hat. Und dann fanden wir noch drei gelbe „www.von-fintel“ Fahrer von einem Radladen in Schneverdingen. Dieses www vor dem Namen ist ja sooooo Neunziger. Aber mit einen von dem gelben, der auch sehr nett waren sollten wir dann noch lange Fahren. Apropros gelb: Auch bei dieser RTF fuhr ein gelbes Torpedo mit. Am Berg hoch sind die Dinger ja unglaublich langsam und damit man sich darin nicht zu Tode schwitzt müssen dann alle Schoten geöffnet werden. Berg runter wiederum, hast Du gegen diese Wunderwerke der Aerodynamik keine Chance. Du fährst mit 45 Sachen den Berg runter und denkst an, sagen wir mal, Paula, Amy und Claire und zack werden jegwelche erotischen Gedanken von hinten torpediert.

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Links: www-von-Fintel.de; rechts: http://www.torpedo-von-hinten.com

Es ging rauf und runter und dann kam endlich mal wieder eine sehr schöne Abfahrt, die auf dem Video so aussieht, als wenn ich da quasi in horizontaler Lage durch die Kurve fahre.

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Die gelbe Linie rechts zeigt den Horizont des Rades an.

Nach etwas mehr klettern kamen wir dann zur nächsten Verpflegung, und zwar der, der die RTF ihren Namen gibt: dem roten Fuchs. Leider sind die Besitzer des Restaurants ein wenig fuchsig, um nicht zu schreiben knauserig und so ist die Verpflegung dort bei weitem nicht so gut wie bei der legendären ersten.

Ich habe keine Erinnerung was dann passiert ist, aber auf einmal gurken Hannes und ich alleine in der Gegend rum. Da frage ich mich immer, warum ich mich am Sonntag um 6 Uhr morgens aus dem Bett gequält habe, um pünktlich am Start zu sein und in de großen Gruppe mitzufahren, wenn wir dann doch wieder alleine unterwegs sind -da hätten wir ja auch gleich um 12 Uhr starten können.

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Look: Das Torpedo – mal wieder, Natürlich beim Berg hochfahren. Beim Berge runter fahren ist es schneller als das Licht und kann nicht fotographiert werden.

Kurz danach beginnt ein neuer Teil der Strecke aufgrund einer Sperrung der alten. An der Verpflegung können wir uns noch einmal sattessen, bevor es ganz, ganz hoch einen Berg geht.

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Beim Anstieg werden wir dann erstmalig von den schnellsten Fahrern aus der 155er Runde überholt. Das ist schon ziemlich beeindruckend. Leider. Viel plattes Land nun, viel Gegenwind aus der Gegend und keine richtig guten Gruppen – diese RTF kommt so langsam in den Frustmodi und wir kämpfen uns bis zur nächsten Verpflegung so durch. Das ist nun auch die letzte vor dem Ziel. Wir fahren in einer Fünfergruppe los, Hannes hat sich noch ein Gel eingeschmissen.  Wenn Hannes ein Gel nimmt, dann wird er zum Stanley Beamish des Radsports:

Jedenfalls war von da und nur noch Hannes vorne und machte ordentlich Druck – meistens flogen wir so mit 40 Sachen durch die Landschaft – tja und dann gab die Kamera dann doch mal ihren Geist auf, den knapp vier Stunden Laufzeit sind doch ein wenig viel für das Teil.

Jedenfalls schafften wir es in knapp 4 Stunden durch die RTF und in das Ziel. Das war deutlich als im Jahr davor – allerdings war das Wetter letztes Jahr auch echt fies mit viel Wind und das ganze weitaus weniger spaßig. Im Ziel traf ich zunächst Markus (also nicht Enno) und dann später auch noch Sylvia und Thomas. Leo war zu diesem Zeitpunkt schon geduscht, war wohl mindestens eine halbe Stunde schneller als wird. Und auch Maik, der vermutlich mal wieder mit dem Rad aus Bremen angereist war, war bereits seit einer Stunde fertig und wieder zurück mit dem Rad in Richtung Bremen. Wenn er nicht schon längst da war. Von dem sieht man ja nur einen Schatten (wenn so etwas liegen bleiben würde).

Nachdem da Wetter dieses Jahr bislang echt bescheiden ist war das ein guter Start in die Saison und eine gute Gewöhnung an die ersten Höhenmeter. Danke an Hannes wie immer.

PS

Dieser Post ist „Kevin“ gewidmet, der 2001 in Tokyo bei Schindler Elevator in meiner Abteilung PLM Praktikant für ca. 3 Wochen war. An sich war er nicht auffällig – weder ein besonders guter, noch ein besonders schlechter Praktikant. Doch, es gibt ein legendäres Gespräch zwischen ihm und Alfredo Ohmachi, einem Brasilianer mit japanischen Wurzeln auf japanisch:

„Guten Tag, darf ich mich vorstellen, mein Name ist „Kevin“ “
(klassische Anrede auf japanisch)

„Nice to meet you. My name is Alfredo.“
(Alfredo versucht nett zu sein und redet ihn auf Englisch an, das ist etwas ungewohnt für „Kevin“)

„Oh. Ihr Englisch ist wirklich sehr gut.“

(das ist das klassische Kompliment, das man Japanern macht, wenn sie z.B. „Hello“ sagen. Passt aber hier nicht, da Alfredo ja kein Japaner ist, der kein Englisch kann, sondern ein Brasilianer, der das eben sehr gut beherrscht. Als antwortet er sehr gewitzt:

„You should hear me speaking Portuguese!“

(Leider bekommt „Kevin“ das gar nicht mit. Er erwartet als Antwort dass was jeder Japaner sagt, wenn sein englisch gelobt wird, und zwar den Klassikern: „Nein, nein das ist gar nicht gut.“ Also sagt „Kevin“ dann, dass was man klassischerweise darauf antwortet:)

„Nichts ist entfernter von der Wahrheit!“

Wir anderen stehen um die beiden herum und machen uns fast in die Hose vor Lachen. Danke „Kevin“, für diesen unvergesslichen Moment der endlich einmal aufgeschrieben werden konnte.

 

Allerdings ist auch „Kevin’s“ Abgang legendär: Nach also etwa zwei Wochen steht er plötzlich auf, sagt etwas wie „es geht nicht“ und macht sich auf dem Weg zum Aufzug. Ein paar Mitarbeiter versuchen ihn noch aufzuhalten und mit ihm zu reden, aber er steigt in den Aufzug, schließt die Türen und wurde nie mehr gesehen.

PPS

Bei der Recherche zu so einem Post stößt man ja immer wieder auf Dinge die so unglaublich wichtig sind, dass ich sie dem Leser unmöglich vorenthalten kann. Wer also das nächste Jahr beim Roten Fuchs mitfahren möchte und noch nach einem passenden Geschenk für die Lieben zuhause sucht:

In Giesen sitzt das Unternehmen Völsing – einer der führenden Hersteller von Urnen in Europa (Quelle: Völsing). Auf deren Website gibt es einen sehr schicken Urnendesigner, den ich auch gleich mal selber ausprobiert habe:

Screenshot 2019-05-09 23.04.15

Ich dachte mir, ich bastele mal was, was davor warnt bedröhnt mit einem Scheißrad durch die Gegend zu fahren, weil das halt so enden kann, dass man sich plötzlich in dieser Urne wiederfindet.

Das Rennradsymbol ist original aus dem Designertool. Leider gibt es nur ein Rad (mit einer scharfen Sattelüberhöhung), während man sonst zwischen mindestens 30 Motorrad, Auto, Traktoren und Angler (!) Motiven auswählen kann. Großartig.

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German Folding Bike Open 2018. Bremen.

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In Bremen finden jedes Jahr drei für Radfahrer interessante Wettkämpfe statt: Der Velotörn, ein Rennradrennen, der Citytriathlon, bei dem man in der Staffel das Rad fahren kann und die German Folding Bike Open. Letzteres verspricht am meisten Spaß.

Nachdem es einige Gerüchte gab, dass der Velotörn dieses Jahr nicht stattfinden wird, scheint nun alles in trockenen Trikots zu sein und die neue Strecke kann sich auch sehen lassen – sie beinhaltet wie die frühere Bremen Challenge einen Abschnitt über die Hochstrasse und den Remberti-Ring. Ich habe mir mal die Mühe gemacht die Strecke auf Strava zu einer Route zu basteln, da die Beschreibung auf der Velotörn Website eben nur eine schriftliche Beschreibung ist. Prima, gut dass das Rennen wieder stattfindet.

Der Citytriathlon hat sich als feste Veranstaltung etabliert. Seit 2011 bin ich in verschiedenen Staffelteams dort gefahren und auch mehr oder minder erfolgreich. Auf dem Blog hier gibt es dazu jede Menge Berichte.

Bei der GFBO bin ich allerdings noch nie gestartet. Es gab sie zunächst als Brompton National Championship (2014,15) und nun zum dritten Mal offen für alle Klappradfahrer. Ich habe zwar ein sehr schickes Faltrad, ein selbst gebautes Moulton TSR9 mit einem riesigen 61er Kettenblatt vorne (War übrigens auch ein riesiges Geldgrab), aber den Termin habe ich immer verpasst. Als ich am Mittwoch so vor lauter Langeweile im Internet blätterte wurde ich darauf aufmerksam, dass schon vier Tage später der Wettkampf ist. Da ich ohnehin dachte, dass die Veranstaltung längst ausverkauft ist melde ich mich Spaßeshalber an … und bekam gleich am nächsten Tag die Zusage. So ein Mist, damit hatte ich nicht gerechnet.

Also musste ich erst einmal das Moulton klar machen, wozu ich nun so gar keine Lust hatte. Also ließ ich alles so wie es war. Auch die sehr anfälligen, sehr dünnen Schwalbe Ultremo Reifen da ich keine Lust hatte die dickeren Kojaks zu montieren. Und die Schaltung stellte ich dann 15 Minuten vor dem Start auf einer Parkbank ein.

Tja, und dann musste ich ja auch noch trainieren. Als ich mich das erste Mal nach langer Zeit auf das Moulton setzte knallte ich fast den Bordstein runter und hätte mich um ein Haar hingelegt. Aber mit der Zeit (also am Donnerstag, Freitag und Samstag) klappte es immer besser auf den Ausfahrten in der Umgebung.

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Nein. Das ist nicht der Schattenmann.

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Da das ja mein erster Ausflug in die Klappradszene war, stellten sich mir drei entscheidende Fragen:

  • Darf ich ohne Bart überhaupt starten?
  • Wie ehrgeizig soll ich die Sache angehen – oder falle ich da negativ auf als Spassbremse wenn ich zu ehrgeizig bin? Und davon abhängig:
  • Was ziehe ich bloß an?

Ich ging auf Nummer sicher: Vollbart und schickes Haiwaiihemd auf der einen, aber eine gute Radhose und Klickpedale auf der anderen Seite. So machte ich mich auf den Weg zum Wall.

Dort war es schon recht voll und eine lustige Meute versammelt. Insgesamt war die Stimmung deutlich besser als bei einem klassischen Rennradrennen, oder einer nordeutschen RTF – im Ehrgeiz der Teilnehmer gibt es ja da keinen Unterschied und jeder Mitfahrer den man nicht persönlich seit 10 Jahren kennt wird als unfairer Konkurrent eingeschätzt. Also unfair heißt: Könnte unfairerweise schneller sein.

Ich wurde gleich angesprochen und viele Zuschauer und Fahrer bewunderten das Moulton – von denen nicht zu viele da waren. Die meisten Teilnehmer fuhren Bromptons, einige Dahon, Tern oder Riese und Müller. Und sehr sehr viele aufgemotzte alte Klappräder, teilweise mit Carbonfelgen, Dura Ace Kurbeln und Zeitfahrlenkern. Einige fuhren auch Klappräder mit 26 Zollrädern, was eigentlich unfair finde (könnten schneller sein als ich).

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3 Moultonfahrer und vier Moultons: Dreimal TSR und ein altes, weißes aus den Siebzigern

Es waren eine Menge Leute da die ich kannte, Axel und Karsten aus der Klappradszene, aber auch Lena, Harald, Didi + Fräulein Didi, Niels, Mikele und andere die ich mehr mit „Rennrädern“ in Verbindung bringe. Die Teilnehmer ließen sich in drei Gruppen aufteilen, lustigerweise sehr ähnlich zu der Situation an einer Hochschule:

  • Eine unfaire Gruppe von ca. 10 bis 20 Fahrern mit dicken Waden, schnellen Kisten und jahrelanger Klappraderfahrung, die das Rennen unter sich ausmachen würden.
  • Eine faire Gruppe schick herausgeputzter Herrschaften, überwiegend auf Bromptons die nur für den Spaß gekommen waren.
  • Ich.
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Einige der unfairen Teilnehmer

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Die Kölner mit Anhang fand ich am geilsten.

Ich stand am Start und wurde so langsam nervös. Zum Glück gab es eine Kennenlernrunde, bei der wir alle gemeinsam gefahren sind. Der Kurs beginnt am Wall, etwa auf der Höhe von Harms und wird im Uhrzeigersinn gefahren. Herdentor und Contrascarpe sind noch asphaltiert, aber dann geht es in die Parkanlagen auf Erdwegen bis zum Theater, beim Wagenfeld vorbei und in einer Rechtskurve wieder auf den Wall, insgesamt etwa 2,1 km. Ich machte mir echt Sorgen, dass ich mich auf dem Schotter hinlegen würde.

Insgesamt gab es 44 Minuten Zeit, wer innerhalb dieser Zeit die meisten Runden gefahren war kam in das „Play Off“, bei dem nur noch eine Runde gefahren wurde, um den Sieger zu ermitteln. Ich dachte, dass ich 10 Runden schaffen könnte. Wichtig war ja einfach nur sich nicht überrunden zu lassen.

Wie gesagt, ich stand nervös am Start und dann fällt es mir schwer mit anderen Menschen zu sprechen. Ich will einfach nur mit meiner Aufregung alleine gelassen werden. Leider gab es unsägliche Musik (We will rock you; Black Betty….) und dazu unsägliche Ansprachen und Race Infos. Es war genauso schlimm wie bei der Bremen Challenge 2014, als wir über eine Stunde im Startblock standen und mit Anekdoten aus dem Leben von Marcel Wüst unterhalten wurden. Boh, danach wusste ich echt alles über den Typ. Lustigerweise war damals und heute der Veranstalter derselbe.

Dann ging es los. Ich hatte einen Platz relativ weit vorne und kam schnell weg. Aber wer gedacht hätte, dass hier Ehrgeiz und Leistung keine Rolle spielt lag falsch. Vom Start weg setzte sich gleich eine gute Gruppe mit vier Fahrern ab, ich dahinter und hinter mir nix. Die vier arbeiteten gut zusammen, so dass ich alleine die Lücke nicht schließen konnte. Erste Runde in 4:04 min – das passte aber. Die zweite Runde bin ich wieder ganz alleine gefahren und das kostete wirklich Körner – aber immerhin auch in 4:11 min. In der dritten Runde kamen von hinten zwei schnelle Fahrer – der blaue Reiter hatte sich aus der schnellen Gruppe herausfallen lassen und führte nun den Herrn im Smoking heran. Dieser Gruppe schloss ich mich an. Aber leider nur für kurze Zeit, denn dann merkte ich, das mein Vorderrad platt war.
Raus aus dem Feld, Pause an der Parkbank. Schlauch und CO2 Kartusche dabei, aber keine Reifenheber, so ein Mist. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich wieder einsatzbereit war. Für die Runde brauchte in dann über 12 Minuten und das Playoff konnte ich mir abschminken.  Ich wollte aber trotzdem eine gute Leistung zeigen und hämmerte wieder rein. Eigentlich fühlte ich mich auch ganz zufrieden, dass ich als Rennradfahrer nicht die Klappradhierarchie störe.

Die nächste Runde war ich dann wieder alleine unterwegs in 4:35 min. Das Tempo konnte ich dann alleine auch in den folgenden Runden halten, die ich in 4:18 min und 4:25 min (Runde 6) absolvierte. Mittlerweile waren 33:35 min verstricken, also etwas mehr als 10 Minuten Rennzeit vorhanden. Da waren also noch maximal zwei Runden drin, was mich auf 8 Runden gesamt gebracht hätte – definitiv zu wenig für die Playoffs.

Die Entscheidung alles oder nichts zu geben wurde mir dann aber auch in der siebten Runden abgenommen, als diesmal der Hinterreifen platt wurde. Ich hätte mal doch die Reifen wechseln sollen, das hätte mir eine Menge Frust gespart.

Also rollte ich auf der platten Felge ins Ziel und gab auf. Da das aber mein erstes Rennen war und mich an sich gut geschlagen hatte, Spaß hatte und eine Menge netter Menschen um mich herum waren, hatte ich nicht das Gefühl einer Niederlage.

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Spaß mit Bart in hellblauen Socken.

Ne, ich fühlte mich ziemlich prima und schaute mir dann das Playoff an, für das sich neun Teilnehmer qualifiziert hatten unter anderem Axel, Karsten, der Herr in dem Smoking, der blaue Reiter, der Herr mit dem Brusttoupet, einer der Kölnern, einer der so aussah wie direkt aus Clockwork Orange (na ja es ging ja auch um britische Kultur hier) und der superschnelle der dann auch gewann.

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Der Superschnelle. Der Gewinner kurz vor dem Ziel, meilenweit vor dem Rest der Fahrer.

Prima. Ein sehr schönes Ereignis, da könnte ich mir vorstellen auch nächstes Jahr wieder zu fahren. Mit besseren Reifen, weniger Ehrgeiz und mehr Bart.

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Beine testen in Berlin. Velothon 2018.

Mit dem Alter kommen die Gewohnheiten. Unmöglich, einen Tag nicht unter der Dusche zu beginnen, keine Zigarette nach dem Mittagessen zu rauchen, oder im Mai/Juni nicht zum Velothon nach Berlin zu fahren.

Delta Berlin 2018

Gewohnheiten sind nichts schlechtes sondern geben dem Leben Gefüge und Struktur. Vorausgesetzt, die Struktur ergibt dann auch etwas schönes und sinnvolles wie dieses Gebäude hier;

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Takanawa, Tokyo: Fire Station

und nicht etwas völlig sinnloses wie dieses:

 

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„very confused“

was lustigerweise in de Nähe von Berlin steht. Deshalb ist es schon eine gute Idee Gewohnheiten zu überdenken und sich die Frage zu stellen, ob man etwas macht, weil es wirklich gut ist, oder nur, weil es einem das nachdenken erspart, was man sonst noch machen könnte.

Der Velothon in Berlin wurde als Jedermannrennen erstmals 2008 ausgetragen; seit 2010 bin ich dort jedes Jahr gefahren mit einer Ausnahme. Zunächst die 120er Strecke, später dann die 60er. Einmal mit dem Cervelo, einmal mit meinem Union Fixie und sonst immer mit dem Canyon Positivo; dann dieses Jahr auf dem neuen Giant TCR. Immer zusammen mit Fabian. Für mich gibt es da nichts zu gewinnen, auch nicht annäherungsweise. Trotzdem mag ich das Rennen, weil es durch geschichtlich relevante Gegenden führt und am Wannsee auch ein paar Hügel hat. Noch mehr mag ich es allerdings mit Kathrin, Fabian und ihrer Familie zusammen zu sein. Als ich meiner Tochter erzählte, dass ich auch dieses Jahr wieder dort hinfahre fragte Sie mich: „Ist das die Familie, bei der du zu den Kindern so viel netter bist als zu deinen eigenen?“ Mag sein; ich komme da erstens ganz auf den eigenen Vater, und zweitens hängt’s natürlich auch stark von der pubertär geprägten Laune der eigenen Kinder ab, wie ich so zu denen bin.

Ich reise immer gerne nach Berlin, in begeistert was es da so alles gibt und ab und an bin ich dann auch soweit zu glauben, dass ich da ganz gut hinpassen würde. Vielleicht brauchen die ja da auch einen Radladen mit Cafe, wo die Menschen nett zu den Kunden sind – obwohl ich ja den Eindruck habe, das Nettigkeit von Fremden in Berlin den Beigeschmack von Heuchelei hat.

Mit 13 schenkte mir mein Onkel Horst ein Rennrad von Motobecane. Also ich glaubte, dass es ein Rennrad war, aber heute würde man so etwas bestenfalls Sportrad nennen, denn es hatte Schutzbleche, Beleuchtung mit Dynamo und diese gebogenen Griffe an den Bremshebeln mit denen man auch kurz greifend am Oberlenker bremsen konnte (ab und werden die auch „Suicide Levers“ genannt). In Mönchengladbach gab es damals nur die Auswahl zwischen einem Motobecane, einem Peugeot und einem Raleigh. Peugeots hatten die anderen und die Raleighs sahen scheisse aus. Das Rad habe ich dann lange gefahren, auch noch als Student in Aachen, bis mir einmal bei einer Abfahrt auf dem Weg zur Uni der Vorbau direkt über dem Steuerrohr abscherte und ich mich wunderte, warum denn Lenker nicht mehr mit Rad verbunden war. Diese Wunderphase dauerte nur kurz an, denn dann lag ich auch schon erstens auf der Fresse, zweitens mitten auf der Strasse und dritten kurz vor einem mit quietschenden Bremsen zum stehen kommenden Bus.

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Motobecane Sportrad. Heute kann man so etwas als Gravelbike verkaufen.

Damit ging ich dann zu einem Radsportladen in Aachen, der ersten Adresse am Platze. „Ne, können wir nicht reparieren.“ War die Antwort. Da ich ja Student und links war, also gerne und lange diskutierte bohrte ich nach. Sichtlich genervt bekam ich dann zu hören: „Also pass mal auf. Stell Dir vor es gibt ein Formel Eins Rennen und wir stehen an der Box und warten darauf, dass einer unserer Rennwagen zum nachtanken kommt. Und dann plötzlich fährt da jemand mit seinem Traktor vor und möchte, das wir den reparieren. Da geht ja auch nicht. Und jetzt verpiss Dich.“

Heute habe ich einen halben Radladen und mache das hoffentlich besser. Und die Räder die ich fahre sind auch besser als das Sportrad von Motobecane.

Fabian und ich hatten am Samstag nur kurz Zeit um uns die Beine zu vertreten, Carboloading zu betreiben (immens wichtig für 60 km Strecke!) und dann die Rennstrategie zu besprechen. Radrennen, so ist ja allgemein bekannt, werden im Team gewonnen und Fabian und ich sind ein echt gutes Team. In den vergangenen Jahren hatten wir schon alles versucht: Schnell loszufahren und uns an eine schnelle Gruppe zu hängen bis zum Ziel; ganz schnell loszufahren aus dem letzten Startblock; uns irgendwie alleine durchzuschlagen; uns zusammen durchzuschlagen, es mal mit einem Fixie zu versuchen oder einfach nur die ganze Zeit irgendwie schnell zu fahren.
Diesmal starteten wir wieder aus dem letzten Block. Das ist super, denn da kann man extrem viele andere Radfahrer überholen im Laufe von 60 km und ab und an gibt es dort auch strake Fahrer, die sich zu einer Gruppe zusammentun und nach vorne wollen. Diese Fahrer sind stark und verpeilt, denn sonst hätten sie sich ja früher angemeldet und würden nicht in den den letzten Block strafversetzt. Man erkennt die immer daran, dass die keinen Namen auf der Startnummer haben.
Fabian und ich wollten zusammenbleiben so lang es geht, uns aber am Ende des Spandauer Damms wieder treffen. Am Wannsee wollte ich dann wieder alleine abhauen, so dass wir uns dann wieder auf der langen Geraden, dem Kronprinzessinnenweg wieder treffen und das Rennen in Ruhe zu Ende fahren. Super Strategie, würde ich mal sagen.

Am nächsten Morgen machten wir uns von Fabians Büro auf den Weg an den Start, direkt an dem Eisenmann/Juden Denkmal. Wir kommen dann immer am Kumpelnest 3000 (für die, die es nicht kennen, das ist das ehemalige Kumpelnest 2000!) vorbei, wo das Nachtleben auch morgens um sieben noch lange nicht vorbei ist. Und jedes Mal wollen wir da ein Foto von uns machen. Also wir gehen diesmal hin und zum Glück stehen auch zwei Gäste direkt vor dem Kumpelnest die wir fragen können, ob sie ein Foto von uns machen. Als wir uns die aber genauer anschauen, nehmen wir von der Idee wieder Abstand. Das waren zwei extrem tätowierte Kanten, die nur noch teilweise ansprechbar sind, und Fremde als eher störend empfinden. Hätten wir denen unsere Handys in die Hand gedrückt mit der Bitte Fotos zu machen, hätten sie die sicherlich gerne genommen. Um uns dann zuzurufen: „Danke für die Handys. Und nun verpisst euch. Oder sollen wir auch noch eure Räder klauen?“ Also keine Fotos. Ich habe aber nach dem Rennen noch ein Foto gemacht, als die Typen endlich weg waren.

 

Am Start landeten wir in Block G. Das ist ungewöhnlich, weil sonst der letzte Block immer der H war, also Zeit einmal die Teilnehmerzahlen der letzten drei Jahre im 60 km Rennen zu prüfen:

  • 2018: etwa 3.700 Teilnehmer
  • 2017: 4.520 Teilnehmer
  • 2016: 5.045 Teilnehmer

Über die Gründe mag man spekulieren (Datum, Wetter, Entwicklung im Radsport, Gewohnheiten) aber die Teilnehmerzahlen gehen immer weiter zurück. In guten Jahren waren auf der 60 km Strecke mal fast 6.000 Teilnehmer unterwegs. Schade, weniger Teilnehmer, die man überholen kann.

Es geht los und ich hänge mich an zwei starke Jungs ohne Namen auf den Startnummern und Fabian hängt sich an mich. Ich lasse es ungewöhnlich langsam angehen, Fabian überholt mich in der Neutralisation noch auf der Ebertstrasse. Das stachelt meinen Ehrgeiz an und ich geb ein wenig mehr Gas. Wir sind aber so weit hinten gestartet, dass es keine schnelle Gruppe gibt, an die wir uns hängen können. Nach einigen Kilometern kommt eine Straßenverengung und wir müssen uns da langsam durchkämpfen. Ich nicht, denn ich springe auf den Fußgängerweg und fahre links vorbei, Fabian bleibt hängen. Das Feld ist hier schon weit auseinander gerissen und ich stehe nun ganz alleine im Wind. Alles was vor mir fährt ist zu langsam und von hinten hängt sich auch niemand länger an mich dran. Den Spandauer Damm muss ich auch alleine in Angriff nehmen. Das geht auch gut, kostet aber jede Menge Körner. Nachdem de Anstieg vorbei ist kommt endlich eine schnelle Gruppe von hinten und ich hänge mich ran.

An der Teltower Strasse sollte ich mich eigentlich aus der Gruppe herausfallen lassen, langsam treten bis Fabian kommt und dann gemeinsam mit ihm fahren. Ich bin aber so froh ein schnelles Feld gefunden zu haben, so dass ich erst einmal in der Gruppe bleibe. Es geht jetzt zum Wannsee und in das hügelige Terrain. In den Hügeln bin ich normalerweise gut. Dieses Jahr aber nicht – zu viele Körner am Spandauer Damm gelassen, zu wenig trainiert, dieses Jahr noch nicht in den Bergen gewesen, oder eine Kombination von allem – ich falle aus der Gruppe raus. Schade, damit ist dann auch der Ehrgeiz weg hier eine gute Zeit zu erreichen. Ich gebe aber trotzdem noch viel und lass mich nicht von anderen überholen bis wir links abbiegen und auf die lange Gerade kommen. Hier nehme ich Tempo raus, fahre mit 20 km/h auf der rechten Seite und warte auf Fabian.
Es dauert eine Weile, aber Fabian kommt auch in einer schnellen Gruppe. Er hat mich nicht gesehen, ich ihn erst, als er bereits vorbei ist und so muss ich beschleunigen wie ein Blöder und dann im TT Stil an die Gruppe heranfahren. Puh, das hat noch mal geklappt. Eine gute und schnelle Gruppe, nicht zu groß. Nun müsste Kathrin doch irgendwo stehen und winken? Ich mache gerade vorne Führungsarbeit und verpasse sie.

 

 

 

Puh, in dieser Gruppe muss ich echt viel Führungsarbeit machen, so hatte ich mir das ja nicht vorgestellt. In der Gruppe sind zwar vielleicht 15 Fahrer, darunter Fatty, einer mit einem Wilier Trikot, einer mit ’nem MTB (!) und zwei Satanisten, jedenfalls haben die so Jerseys mit „Cycyling“ und einem Fünfzackigem Stern in rot/schwarz darauf, aber von denen arbeiten nur vier oder fünf vorne, der Rest lutscht. Fatty macht absolut nichts. Am meisten legt sich der MTB Fahrer ins Zeug.

Für Fabian ist die Gruppe zu schnell, wie ich nach kurzer Zeit bemerke. Ich will jetzt aber mit denen ins Ziel  und strenge mich an. Es läuft gut und wir kommen bei Tempelhof rein. Der Wind kommt nun von vorne und ich stehe voll drin. Zum Glück geht es jetzt tendentiel wieder mehr Richtung Westen. An der Siegessäule beginnt die lange Zielgerade und ich schaue, dass ich nach vorne und nach links komme, aber nicht im Wind steht. Der Sprint geht los und neben mir ist Fatty. Das geht gar nicht, erst die ganze Zeit lutschen und dann mir die Platzierung wegnehmen! Ich strenge mich richtig an und komme 10 cm vor Fatty über die Ziellinie. 483. Platz, gerade noch vor Fatty. Tagesziel erreicht. War gar nicht so übel auch von der Zeit, obwohl ich ja auf Fabian gewartet hatte. Aber wenn ich nicht gewartet hätte und alleine weiter gefahren wäre, dann hätte mich die gleich schnelle Gruppe auch irgendwann eingeholt und ich wäre ebenfalls mit denen ins Ziel gekommen. Insgesamt bin ich zu zufrieden. Es ist noch nicht mal zehn Uhr morgens und alles was an diesem Tag gemacht werden müsste ist bereits getan.

Wir hängen am Ziel rum und treffen Bekannte von Fabian. Christine ist ja leider dieses Jahr nicht mitgefahren. Dafür gibt es einen Wirtschaftsprof aus Pforzheim und einen, dessen Name ich vergessen habe, der aber die Knie nicht mehr beugen konnte vor lauter Schmerzen. Zeit nun sinnvolle Dinge zu tun.

Irgendwie haben Fabian und ich noch Lust ein wenig zu radeln und machen uns auf den Weg zu ihm. Wir basteln dabei bereits an der Strategie für das nächste Jahr. Die naheliegende Idee kommt uns, als wir diese Dockless Leihräder in vielen verschiedenen Farben, die ja nun wirklich überall in Berlin rumliegen, sehen. Nächstes Jahr fahren wir auf diesen Leihrädern. Super Idee!

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Es gibt wie immer Kuchen im Garten. Wir versuchen uns an der Herstellung von Tofu und dann mache ich mich auf den langen Weg zurück nach Bremen.

In Bremen hat übrigens Limebike seine Räder in der Stadt verteilt:

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Prima, ein paar später als ich am Bahnhof ankomme und zum Laden in der Überseestadt muss probiere ich die mal aus. Innerhalb von 20 Sekunden auf so einem Rad wird mir klar, dass das mit Berlin nächstes Jahr gar keine gute Idee ist. Die haben zwar drei Gänge, aber die ersten beiden sind glaube ich Freiläufe. Der 3. bewegt das Rad …irgendwie. Auch in Aeroposition (Hände weg vom Lenker und direkt links und rechts in den Korb krallen) komme ich schnell vorwärts und werde mühelos von Hinz und Kunz überholt. Mit denen brauchen wir mindestens drei Stunden für 60 km.
Fabian, we need to talk.

 

 

 

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Zieleinlauf Münsterland Giro 125 km.

Münster Ziel 125

Aus dem WDR Video, etwa ab 40:00 min. Ich komme in einem großen Feld rein, bin ganz rechts aber links der doppelten weißen Linie im rot-weißen Wiegetritt Jersey. Fühlte sich fahrerisch dynamischer an, als es auf dem Video aussieht.

Es sind vielleicht etwa 10 Fahrer vor mir in dieser Gruppe, und ein ziemlicher Haufen dahinter.

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Münsterland Giro: 55 km. Münsterland RTF: 70 km.

Zum Saisonabschluss 2017 hatte der Münsterland Giro dieses Jahr einiges zu bieten: Gutes Wetter, steifen Wind, gute Organisation, viele nette Leute und dazu sogar 55 km Rennen auf einer 125 km Strecke. 

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Dieses Jahr war meine vierte Teilnahme beim Münsterlandgiro nach 2012, 2014 und 2016; und meine erste auf der Strecke raus nach Osten. Im Gegensatz zu der Strecke nach Westen Richtung Stadtlohn, gibt es gar keine Steigungen – wenn man mal von etwa vier Brücken über Autobahnen, Kanäle oder Eisenbahnstrecken absieht. Ich hatte mich für die 125 km angemeldet und zwar, weil ich lieber länger fahren, als früh aufstehen wollte: Das 65 km Rennen startete bereits um 7:45 hr, das 95 km Rennen eine Stunde später und das 125er eben noch einmal eine Stunde später. Viel besser, wenn man an dem Tag aus Bremen kommt: Man kann länger schlafen, fährt in Münster im warmen los und nicht im kalten Frühnebel, der sich besitzergreifend im Herbst über Westfalen ausbreitet.

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Aha, ein Radrennen.

Bei der Anmeldung gab ich wie immer ein Schnitt von 45 km oder mehr ein, um in Startblock A zu landen. Nicht, dass ich das auch nur annähernd fahren könnte, genau übrigens wie viele andere die man dann dort im Block trifft. Den Veranstaltern ist das aber nun auch bereits aufgefallen und so musste man nachweisen, dass man bereits in Münster eben jenen Schnitt gefahren ist, oder einen Schnitt von unter 38 km/h einhacken, was ich dann auch tat, und zwar genau 37,999999999999999999998 km/h. Das brachte mich dann in Block C. Mist, ich hätte doch noch ein paar Neuner hinzufügen sollen. OK, das war’s dann wohl. Mit den ganzen anderen laffen Pfeifen, die gerade mal 38 km/h angeben, würde ich da nie eine gute Platzierung, geschweige denn eine gute Zeit erreichen. Nicht dass ich da jemals 38 km/h gefahren wäre. Aber bitte.

Diesmal war ich mit Jochen unterwegs, dessen Sohn Kian für das Bike Market Team bei den Amateuren mitfährt. Wir kamen in Münster an und fuhren in dieses wundervolle Parkhaus direkt an der Mensa, in dem man im Winter die ganze Zeit überdacht Anstiege trainieren könnte.

Ähnliches Foto

Das schönste Parkhaus der westlichen Hemissphäre.

Während Jochen zu Kian unterwegs war, machte ich mich auf dem Weg zum Start, der relativ weit weg von der Mensa ist und natürlich hatte ich keine Ahnung wie ich da hinkommen könnte. Da kam eine charmante Lehramtsstudentin aus Münster entlang und zeigte mir den Weg. Sie hatte sogar in Bremen studiert (tolle Uni!, bemerkte ich), kannte das Viertel (mein Wohnzimmer!) und fand die Weser toll (schönster Fluss Deutschlands!). Toll was man so alles sagte, wenn die Chemikalien gerade das Hirn beköcheln. Denn jetzt, ein paar Tage später muss ich den Tatsachen ins Auge sehen und feststellen, dass ich mit der Uni nichts zu tun habe, im Viertel zum letzten Mal war als unser Auto aufgebrochen wurde und die Weser? Wenn man mal in Düsseldorf am Rhein gelebt hat, weiß man was ein Fluss ist.

Am Start dann endlich ein paar Bremer: Marc, Marc, Matthias und Melwig? Den Namen habe ich vergessen, aber aus Prinzip fangen ja alle Namen des Bremer Mannes mit M an.

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Bremer Ms

Da standen wir im Startblock C, dem Block der laffen Pfeifen während die schnellen Hasen und schlauen Füchse in den Blocks A und B vor uns warteten.

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Vor uns die schnellen Hasen und cleveren Füchse.

In jedem der vier Blöcke, die in 2 Minuten Abständen gestartet wurden, waren etwa 300 Teilnehmern, insgesamt sind etwa 1.100 gestartet. Block A und B gingen auf die Reise und unser Block rückte schließlich vor in Startposition. Das ist der Moment, in dem ein Jedermannrennen vorentschieden wird (also wenn man in Block A ist, sonst ist sowieso alles egal): wenn man jetzt nicht schnell in die Pedale einklickt, die Ellenbogen rausfährt und versucht, soweit wie möglich nach vorne zu kommen, kann man quasi gleich mit den Trödlern RTF fahren. Das klappte diesmal recht gut, weil ich das ja oft zusammen mit dem großartigen Alain Raposo in Japan trainiert hatte. Auf die anderen Bremer Ms hatte ich bestimmt bereits 20 Plätze vor dem Start gut gemacht.

Dann startete unser Block und im Gegensatz zum letzten Rennen, dem Velotörn in Bremen riss mir weder die Kette, noch die Geduld. Das ist der zweite Moment in dem ein Jedermannrennen vorentschieden wird: Jetzt muss man schauen, dass man unter den ersten 20-30 Fahrern bleibt, die Spitzengruppe im Auge behält und alle Attacken mitfährt, um ja nicht vorne herauszufallen. Das kostet ziemlich Kraft und Überwindung, weil der Körper ja noch ganz kalt ist. Aber man wird letztendlich dadurch belohnt, dass in der Regel nach 20 – 30 km das Tempo langsamer wird und letztendlich alles schneller vorbei ist, als wenn man mit den laffen Pfeifen ins Ziel trödelt. Für die ist es, unterm Strich, anstrengender. Auch das klappte diesmal sehr sehr gut. Auf dem Foto sieht man gut, wie ich mich da mit einer größeren Gruppe absetzen kann.

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Attacken im Block C Feld

Ab und zu taten sich Lücken auf und die habe ich dann mit Hilfe von anderen wieder zugefahren, um dann festzustellen, dass die Gruppe vorne ohnehin wieder langsamer wurde und das alles gar nicht nötig gewesen wäre. Aber man weiß eben nie und im großen und ganzen fühlte ich mich super in Form und konnte verschwenderisch mit meiner Kraft umgehen. Nach 20 Minuten holten wir bereits eine große Gruppe von Fahrern aus dem B Block ein, unter anderem mit Marc. Ich rief „Hey Marc“ Und Marc sah mich an, rief: „Hey Mob!“ verließ seinen Block und fuhr mit unserer schnellen Gruppe weiter.

Bislang waren die Straßen schön gerade und der Wind zum größten Teil in unserem Rücken. Das änderte sich, als wir nach 25 km in Sendenhorst ankamen: Die Strecke führte hier kurvenreich durch den Ort und wie das so ist bei Kurven: Das ganze Feld beschleunigt nach den Kurven, da tun sich Lücken auf und so langsam liess bei vielen auch Kraft und Willen nach, so dass sich das Feld verkleinert. Das ist einerseits gut, weil die Konkurrenz im Ziel weniger wird, andererseits auch schlecht, weil es weniger Fahrer gibt, die vorne Führungsarbeit machen.

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Durch das kurvige Sendenhorst – das Feld wird kleiner.

Es lief weiter super für mich, ehrlich, ich fühlte mich in der Form meines Lebens. Ich sparte meine Kräfte in dem ich mich klug aus dem Wind hielt, fuhr alle Attacken mit, machte teilweise vorne selber Tempo und irgendwann holten wir eine weitere Gruppe von B Fahrern ein. Am Straßenrand waren relativ viele Fahrer mit Materialschäden und ab und an sah man Gestürzte und Krankenwagen, vielleicht etwas mehr als gewohnt. Auch im Feld gab es deutlich mehr Berührungen zwischen den Fahrern, als das sonst der Fall ist. Im Nachhinein schreibe ich das dem starken Seitenwind zu, der den Fahrer im Wind langsam ins Feld treibt. Dadurch wurde es immer mal wieder unruhig im Feld und die üblichen giftigen Kommentare fielen.

Nach 42 km ging es hart gegen den Wind Richtung Westen. Ich fuhr neben einem anderen und der eröffnet die Konversation mit den Worten
„Jetzt könnte auch endlich mal die Sonne rauskommen.“
Ich wollte gerade antworten, als sich direkt vor mir das halbe Feld hinlegt. Schreie, das Geräusch von Karbon, Alu und Lycra auf Asphalt. Der Sturz ist in der Mitte des Feldes und breitet sich wie eine Welle rasch weiter nach links und rechts aus. Jetzt bloß nicht bremsen, sondern so schnell wie möglich nach links kommen, um vor den Stürzenden am linken Rand der Strasse vorbeizuziehen. Das klappte auch, aber vorne ist eine größere Gruppe weg.

Jetzt machte es keinen Sinn schnell zu fahren, weil ich die alleine ohnehin nicht einhole. Ein paar andere Versprengte versuchten das und scheiterten. Ich wartete bis die nächste Gruppe von hinten kommt und schließe mich ihr an. Wenigstens Zeit einen Riegel zu essen hatte ich.

In der neuen Gruppe geht es ebenfalls zügig weiter. Bis dann einer hinter mir ruft
Nas dojqansduwd ias asdzj!“
Was?
Dlasd Reinasdka ist puasd!!!
„Wasssss????!??“
Ich lasse mich zurückfallen.
„Dein Reifen ist platt!!!“

Stimmt. Mist. Nach 55 Kilometern fahre ich rechts aus dem Feld raus. Glück im Unglück, links neben mir hält der Servicewagen vom Velodrome Münster. Der hintere Reifen hat einen ziemlich langen Schnitt. Wir wechseln den Schlauch und wie ich in Japan gelernt habe, würde ich nun einen 1.000 Yen Schein unter den Mantel schieben, damit das ganze länger hält. Habe ich aber nicht, so einen Mist! Und mit 10 Euro Scheinen funktioniert das sicher nicht.

In der Zwischenzeit fahren weitere Gruppen vorbei. Für mich ist das Rennen hier und jetzt zu Ende. Nachdem ich wieder fahrtüchtig bin, schließe ich mich einer anderen Gruppe an. Die ist relativ langsam und ich rolle mit.

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Toll. Jetzt war’s ne RTF.

Das Tempo ist jetzt bei etwa 35 km/h und nicht besonders fordernd. Das liegt auch daran, dass die Gruppe zwar relativ groß ist, aber keiner vorne Tempoarbeit machen möchte. Ein paar Mal gehe ich nach vorne, gerade bei den Anstiegen, aber keiner zieht nach. Das ist jetzt kein Rennen mehr, sondern eine RTF.

Ab und zu fahre ich neben einem Mädel mit einer extrem hohen Trittfrequenz. Hier ein Video von ihr:

In Ostbevern kommen wir an einer Bühne vorbei – doch die große Zumba Schau ist leider auch bereits zu Ende, sonst wäre ich da glatt noch mal stehen geblieben. Mann O Mann. Oder Frau O Frau. Whatever.

Das war’s dann auch, das Rennen zieht sich, bis die Felder von städtischer Bebauung abgelöst werden und wir wieder nach Münster kommen. Jetzt bitte wenigstens einen guten Sprint und vorne im Feld reinkommen. Die Gruppe wird etwas schneller und hektischer aber es gelingt mir doch so unter die ersten zehn zu kommen. Noch 500 Meter bis zum Ziel, noch 300, ich beschleunige noch mal und beiße mich vorne fest. Die Straße ist relativ eng und ab und an muss ich Tempo rausnehmen.

Ich überhole links einige Fahrer und werde aber auch von einigen anderen niedergespurtet. Es klappt trotzdem gut und nach etwa 3:21 hr bin ich im Ziel. Eine richtig gute Zeit und ein richtig guter Schnitt (37,8 km/h) ist das nicht; ja wenn der Reifen gehalten hätte…. Aber letztendlich ist es auch egal. Platz 609 von 1.062 angekommenen Teilnehmern.
Strava

Hätte ich mich zum Beispiel bei Marc gehalten, der zwei Minuten vor mir gestartet war, wäre ich das Rennen etwa in 3:12 zu Ende gefahren, was mich so etwa auf Platz 350 gebracht hätte. OK, das ist auch nicht doll. Irgendwie spiegelt das Ergebnis nicht wieder, wie gut ich mich in dem Rennen gefühlt habe. Oder vielleicht ist es umgekehrt, ich habe mich so gut gefühlt, weil ich mich nicht so dolle angestrengt habe, also dieses Ergebnis.

Ich treffe Jochen auf dem Schloßplatz und wir trinken ein Erdinger. Matthias kommt rein und später auch Dietmar vom RCB, den ich seit den Dolomiten nicht mehr gesehen habe. Die sportliche und modisch-sportliche Elite Westfalens hat sich hier versammelt.

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Jochen erzählte, dass er eine Gruppe gesehen hat, die schwer gegen den Wind kämpfte, weil sie sich genauso hintereinander aufgereiht hatten, dass wirklich jeder im Wind stand, Man stelle sich vor, der Wind käme von vorne rechts.

Bildergebnis für windkante fahren

Später treffen wir auch Kian, essen Pommes und Currywurst und gehen uns das Profirennen anschauen, als mir der Kolibri über den Weg fliegt.

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Wir finden dazu einen schönen Platz am Kopfsteinpflaster, direkt vor einem Hospital in der Innenstadt von Münster.

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Die Profis fliegen vorbei. Einer wirft dabei seine Flasche gegen das Absperrgitter und es macht kräftig „bumm“. Hui sind die schnell! Was der Unterschied zwischen einem Profi und mir ist weiß ich ja spätestens seit Lüttich-Bastogne-Lüttich. Wir sprinten dann Richtung Zielbereich um das Finale zu erleben. So richtig sehen wir nicht was los ist und dann muss wehr lange gewartet werden, bis das Ergebnis verkündet wird denn vier Fahrer (Sam Bennett, Phil Bauhaus, Andre Greipel und Marce Kittel) sind gleichauf im Ziel. Sam Bennett gewinnt im Foto Finish.

Insgesamt ein sehr cooler Tag mit Jochen und auch das erste Mal seit langer Zeit, dass ich in der Dunkelheit los, und in der Dunkelheit wieder zurück nach Hause gekommen bin. Die Saison ist nun definitiv zu Ende, 11.000 km sind im Sack und Münster markierte den Abschluss, so wie in Japan das Rennen in Saiko im November immer das letzte der Saison war. Jetzt gibt es keine Ziele mehr in dieser Saison und es wird nur noch zum Spaß gefahren.

Ich hoffe, ich kann mich daran gewöhnen.

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OBKM. Erster. Dritter. Zehntausend.

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Auch dieses Jahr veranstaltete die Schicksalsgemeinschaft Bremer Radsportvereine wieder die offenen Bremer Kriteriumsmeisterschaften (OBKM), eine Serie von 6 Rennen im Sommer, ausgetragen auf dem Sachsenring in Heilshorn. Am Mittwoch fand der letzte Lauf statt.

Sachsenring – das klingt nach Benzingeruch und Motorschmiere und so gar nicht nach der Produktion von Faun Müllfahrzeugen. Tatsächlich ist der Sachsenring lediglich eine Strasse in Form eines Rechtecks um ein Gewerbegebiet jenseits der A27, irgendwo 25 km von zuhause. Durch diverse völlig übertriebene Blogposts, ergänzt durch begeisternde Erzählungen konnte ich Hannes überzeugen, mich zum letzten OBKM der Saison zu begleiten. Es gab auch etwas zu feiern: Der dritte Gesamtplatz in diesem Jahr war mir eigentlich sicher, ich musste nur noch teilnehmen und ankommen. Trotzdem war ich so nervös wie lange nicht mehr.

Meine Nervösität kühlte langsam auf dem Weg zum Rennen ab. Das lag an dem Regengebiet in das wir geraten waren und das uns innerhalb kürzester Zeit bis auf die Socken nass machte. Prima, dachte ich, so richtig Lust hast Du ja eh nicht und auf nasser Strasse werden sie uns ja wohl nicht fahren lassen, das wird vermutlich gleich abgesagt. Wie mit einer Heckenschere geschnitten hörte der Regen exakt am Sachsenring auf. Die Strasse dort war komplett trocken geblieben und alle die mit dem Auto gekommen waren (alle außer uns, de facto) standen gutgelaunt an der Strecke und warteten darauf, dass es los geht. Fast schon schade.

Zunächst einmal fuhren die Bratzen unter sechszehn Jahren. Uns wurde dabei zwischenzeitlich in durchnässter Kleidung richtig kalt; dann kamen wir endlich dran, die Männer über 50 und die Frauen über 16 in einem Rennen. Diesmal ging es nur über 16 Runden wegen der nahenden Dunkelheit. In Runde 12, 8 und 4 wurde jeweils um Punkte gesprintet, die Punkte beim Schlußsprint zählen dann noch doppelt hinzu. Ich stand am Start, zusammen mit den anderen fünf Teilnehmern denn leider fehlten ein paar bekannte Gesichter wie Linda, Wolfgang, und Rainer. Also, ich stand am Start und hatte gerade begonnen einen Riegel zu essen. Ich dachte, es gäbe nun wie immer eine langatmige Erklärung der Rennleitung, aber weil alle etwas nervös waren – die Dunkelheit nahte – ging es, zack, gleich los.

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Hier nach kauend. Links schon die Attacke.

Einer der Fahrer (in blau) versuchte sich bereits nach den ersten hundert Metern abzusetzen, so dass ich all meine Kraft aus der Kaumuskulatur in die Beine fliessen liess, um die Lücke zuzufahren. Das doofe Resultat davon war, dass ich nun einen rund gelutschten Klumpen Riegel im Mund hatte, der mich daran hinderte richtig zu atmen. Bis fast zum Ende von Runde zwei dauerte es, bis ich das Ding endlich kleingelutscht hatte – das kostete richtig Körner. Und jetzt begann ja auch schon der Sprint um die Punkte.

Keiner wollte den Sprint anziehen, also machte ich das dann selber von der Innenseite aus, etwa 40 Meter vor der letzten Kurve. Das ist der ideale Punkt bei dem es meine Ausdauer gerade noch erlaubt volle Power bis zum Zielstrich zu geben. Ich legte los und kam als Erster ins Ziel. Eine Glocke wurde geläutet.

Das ist die Glocke die läutet, wenn man in die letzte Runde vor dem Sprint geht.

Also musste ich jetzt meinen Sprint als „Ausreissversuch“ tarnen, damit ich nicht völlig blöd dastand – ich machte weiter hohes Tempo und mir gelang es auch die Gruppe auseinander zu reisen, aber die starken drei Fahrer waren nach wie vor dabei.

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Die Ausreisser

Als die dann den Sprint anzogen konnte ich nur noch reagieren – aber die Lücke hatte sich bereits aufgetan und ich wusste, dass ich maximal Dritter werden würde. Genau bis zu dem Moment als Andrzej in der letzten Kurve stürtze, dabei zentrifugal nach außen schliderte und Kai praktischerweise bremsen und stürzen musste. So kam ich unverdient als Erster ins Ziel.

Marc schloss danach zu mir auf und die folgenden Runden fuhren wir in mässigem Tempo gemeinsam. Wir überundeten Laura, die sich uns anschloss und später Lena, die dies nicht tat.

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Nach einer Weile und kurz vor Schluss hatten sich auch Andrzej und Kai von ihrem Sturz erholt. Schlimmes war zum Glück nicht passiert. Zu fünft fuhren wir so in die letzte Runde, die Kai locker vor mir und Marc gewann. Und damit war das letzte Rennen vorbei; ich hatte mal wieder gewonnen! Na ja, es war das zweite Mal hier und diesmal auch wirklich nicht fair. Das war allerdings auch völlig egal, denn an den Gesamtplatzierungen änderte dies nichts.

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Zieleinlauf. Kai vor mir und Marc.

Wegen der nahenden Dunkelheit kam es dann gleich zur Siegerehrung auf dem ehrwürdigen Podest des Bremer Radsportverbandes, das praktischerweise mitten in riesigen Verdauungsabfallprodukten größerer Tiere stand. Darauf standen schon die ganz großen der Radwelt. Also wie z.B….öh…ist ja auch egal. Ich war übrigens erst einmal alleine dort, Kai hatte sich irgendwohin verdrückt, um seine Wunden zu versorgen und Wolfgang, der die Serie schon nach dem 5. Lauf gewonnen hatte, fuhr mit den schnellen Jungs im letzten Rennen das zeitgleich stattfand.

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Es gab eine „Bronze“ Medaille und zwei Gels. Wahre Arbeit, wahrer Lohn.

 

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Zufällig sah ich Kai kurz danach und auf meine Intervention hin, wurde die Ehrung dann fortgesetzt. Auch Wolfgang, der gerade mit dem feld vorbeifuhr, wurde zugerufen er möge doch mal Pause machen und kommen, um sich auf das Treppchen zu stellen.

Kai bekam nun seine Silbermedaille und eine mir unbekannte Anzahl von Gels.

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Wir waren gerade fertig, als Wolfgang anhielt und nun auch auf das Treppchen wollte. Doch wie gesagt, da war ja schon alles vorbei, also schickten wir ihn wieder zurück ins Rennen, wo er nun dem Feld hinterherfahren konnte.

Die OBKM dieses Jahr war wirklich eine sehr gute Veranstaltung, immer bei guten Wetter und ich konnte viel über Positionierung und das richtige Sprinten mitnehmen. Ich kann die Teilnahme nur jedem empfehlen. Vorausgesetzt man ist über 50 oder weiblich, denn sonst muss man bei der schnellen Truppe im 30er Feld fahren, wo man nichts lernen kann, außer wie bitter es ist hinten aus dem Feld zu fallen, oder sich auf die Fresse zu legen. Na ja, unter Schmerzen lernt es sich ja auch am besten.

Ich denke für Hannes war es auch interessant, mit welcher Präzision die Rennleitung so ein Rennen duchführt und die Ergebnisse nachhält.

„Wie viel Runden sind jetzt schon um? Kommt jetzt der Sprint?“

„Ich seh nichts, ich hab die falsche Brille auf?“

„Hast Du Dir die Reihenfolge gemerkt im Ziel ?“ „Ich? Ich dachte Du machst das?“

Aber an sich ist das auch egal, denn mit Wolfgang hat der stärkste Fahrer gewonnen. Kai und ich sind etwa gleich stark, aber Kai hat eben an allen sechs Läufen teilgenommen  und ich nur an fünf. Alle anderen sechs Teilnehmer waren halt mal nur maximal vier Mal dabei.

Für 2018 wäre zu wünschen, dass es etwas mehr Variation der Strecken gibt, sechs mal in Heilshorn ist schon ein wenig langweilig und vor allem zu weit weg. Es gab ja bereits für dieses Jahr die Idee, in der Nähe der Uni zu fahren, nur waren die Auflagen der Stadt nicht erfüllbar und zudem hat der Kurs direkt hinter dem Start auch eine sehr ungünstige Kurve. Vielleicht hat hier jemand eine Idee für einen guten, ca 1 km langen Rundkurs?

Zwei Tage später machte ich die 10.000 km auf meinem Rad dieses Jahr voll. Ich war mir nicht sicher, ob ich das dieses Jahr wieder im September schaffen würde, denn außer an Lüttich-Bastogne-Lüttich hatte ich an keinem großen Ereignis teilgenommen. Vielleicht war das auch gut so, denn nachdem so etwas vorbei ist, bricht dann regelmässig die Leistung ein und man fragt sich, ob es überhaupt nach Sinn macht Rad zu fahren.

So ist es aber nun einfach die letzten 2.000 km bis Weihnachten zu fahren und somit, wie in den letzten Jahren auf 12.000 km im Jahr zu kommen. Das Velotörn Rennen fahre ich noch, die wunderschöne RTF Lauenau am Wochenende danach und zum Saisonabschluss den Münsterland Giro.

Und dann nur noch zum Spass.

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Velotörn Bremen 2017. 151. Platz

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Am Himmel öffnete sich kurz vor neun ein blaues Fenster, das erste seit Tagen, und erlaubte eine trockene und relativ windfreie Durchführung der 2. Auflage des Velotörn Rennens in Bremen. Ansonsten ging aber viel schief.

Als Mitglied des Wiegetritt Werkteams; wenn auch in der schwächeren Gruppe mit Olaf, Thorsten, Micha und Steen, konnte ich kostenlos an dem 55 km Rennen am Morgen teilnehmen und was nichts kostet ist ja bekannerweise auch nichts. Ich merkte das schon auf der Hinfahrt, wo ich mich abmühen musste noch rechtzeitig zur Akkreditierung zu kommen, aber irgendwie auch ein wenig lustlos und unmotiviert war. Kaum hat man mal was richtig gutes geschafft (Dritter in der Jahreswertung der offenen bremischen Kriteriumsmeisterschaften, später einmal mehr), lehnt man sich sofort auf den geernteten mickrigen Lorbeeren aus.

In den Tagen vor dem Rennen gab es im Laden ein paar Diskussionen, wie wir denn da taktisch fahren sollten. Unter anderem wurde gesagt, dass wir gejagt werden würden, da wir ja in der Teamwertung die Titelverteidiger wären. Ich denke mal, das dürfte so ziemlich jeder bis auf uns vergessen haben; aber wir halten natürlich noch die weiterhin mickrigen Lorbeeren über unseren Köpfe und rufen: „Seht her, schaut uns an, wie großartig wird sind.“ Dann wurde die Taktik bekanntgegeben: Am Start schnell losfahren, in die schnelle Gruppe ganz nach vorne kommen und dort bleiben, und dann im Sprint am Ende schnell an allen anderen vorbei.

Das ist eine sehr gute Taktik, die aber dummerweise drei Mal das Wort „schnell“ beinhaltet und die meisten von uns, mich eingeschlossen, können das nur ein oder maximal zwei Mal. Zum Glück waren im 2. Werksteam mit Leo, Jan und Lisa drei gute Fahrer die das schon für uns reisen würden. Eine pragmatischere Taktik ist einfach nur auf dem Rad zu bleiben und ins Ziel zu kommen. Die Planänderung von visionär auf pragmatisch erfolgt dann meistens während der ersten 500 Meter des Rennens.

Sehr gut gelang es uns dann aber im Startbereich ganz vorne zu positionieren, bei etwa 225 Teilnehmern. Das ist extrem wichtig, denn so ein Jedermann Rennen wird quasi am Start entschieden. Aus dem Mittelfeld kommt man nie nach vorne, irgendwann und sehr schnell reisst eine Lücke und das war es dann.

 

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Am Start war die Stimmung gut, neben uns standen die Jungs vom RCB und vor uns konnten aufgrund der Präsenz von Bernd Rennies noch ein paar Sixdays Mädels rein die ich dann im weiteren Verlauf nicht mehr gesehen habe.

Man steht dann immer so am Start eine halbe Stunde und wird kalt, während der Ansager versucht die Zeit zu überbrücken. Bei der letzten Bremen Challenge, 2014 war das ganz besonders schlimm, als wir fast zwei Stunden im Block sassen und Marcel Wüst Geschichten aus seinem Leben zum Besten gab. Diesmal war nicht Marcel Wüst, sondern C. Zeyfang, Leiterin des Sportamtes Bremen der Ehrengast und wurde vom Ansager zu allerlei Nichtigkeiten interviewt. Der Ansager stellte eine Frage, hielt das Mikro zu Frau Zeyfang und knipste es vermutlich auch in diesem Moment aus. Jedenfalls habe ich nichts gehört, immer nur den Ansager. Ich glaube, der hörte sich einfach nur gerne selber reden und konnte es nicht ertragen wenn andere Menschen etwas sagten. Ich bezweifle auch, dass das irgendjemandem außer mir auch nur aufgefallen ist, denn am Start sind alle nervös und haben kein Ohr für Frau Zeyfang.

Runterzählen bis zehn und los ging. Ich fuhr heute auf meinem „De Rosa“, da mein Canyon Positivo erste Zerfallserscheinungen nach sechs Jahren zeigt. Das De Rosa ist ein kleines Sensibelchen, vor allem die Schaltung. Und so wunderte es mich gar nicht, dass direkt beim Start auch schon die fürchterlichsten Geräusche von Kurbel und Schaltwerk kamen. Und ich so gar keine Power auf die Strasse brachte. Dann waren die Geräusche auf einmal weg – prima. Leider war auch meine Kette nicht mehr am Rad.

Also, abgestiegen, zurück, Kette gefunden auf der Strasse. Da hatte es sauber einen Nietstift rausgezogen. Schrott nun. Zurück zum Start bei Stadler am Zelt: Ein netter Mechaniker baute mir schnell eine neue Kette an das Rad, fluchte über die Schaltung und brachte mich wieder in Schwung. Das alles für lau.

Jetzt war ich wieder auf der Strecke und hatte die ganz für mich. Ich war mit Sicherheit auch Letzter, mindstens zehn Minuten hinter dem Vorletzten. Äh, wie war noch mal die Taktik? Ah ja, in die schnelle Gruppe rein und da drin bleiben.

Prima, denn als ich auf der Nordstrasse so lustlos vor mich hinfuhr kam schon die schnelle Gruppe in der 2. Runde von hinten an. Ich nahm Tempo auf und hing mich an die ran. Alles richtig gemacht. In der schnellen Gruppe waren auch Leo und Jan mit etwa 15 weiteren Fahrern, der Rest der Wiegetrittfahrer hatte erwartungsgemäß nicht den Sprung nach vorne geschafft. Die schnelle Truppe war verdammt schnell und ich hatte Mühe dort dranzu bleiben. Sie brachte mich aber über die volle erste Runde (die 2. Runde an sich) und dann auch noch weiter bis zum Ende der Nordstrasse. Ich hätte ja noch ein wenig länger drin bleiben können, aber weitere drei Runden häte ich auch auf keinen Fall durchgehalten und so liess ich mich rausfallen und fuhr wieder alleine weiter. Von hinten kam erst einmal nichts.

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Die Streckenführung war dieses Mal doch sehr unklar. So unklar, dass die Spitzengruppe in der ersten Runde sogar von den Führungsfahrzeugen falsch geführt wurde udn wenn man alleine fährt hat man teilweise so gar keine Ahnung wo es lang gehen könnte und fährt entsprechend vorsichtig. Es war quasi wie eine schlechte ausgeschilderte RTF.

Irgendwann einmal kam die zweite Gruppe von hinten, angeführt von Christian vom RCB. In dieser Gruppe waren von Wiegetritt auch Lisa, Steen und Thorsten und vom RCB neben Christian auch Matthias sowie ca 40 weitere Fahrer. Diese Gruppe war deutlich langsamer und ich fuhr die nächsten Runden mit denen durch. Dabei überundeten wir auch die erste Fahrer, so dass ich mich langsam aber sicher vom letzten Platz löste. Prima.

Schnell war die nicht, da konnte ich gut drinnebleiben und nochd ie Kräfte schonen für das große Finale. Ach ja, und für die Extrarunde die ich ja wohl hauptsächlich alleine fahren würde. Immer wenn es mit denm Wind ging fuhr ich weiter in der Gruppe nach vorne und bei gegenwind versteckte ich mich schön im Feld. Ich fühlte mich jetzt richtig gut und fuhr zu Christian in der Spitze  auf und sagte: „Hey. ich fahr Dich auf der Zielgeraden an!“ Undf dann ging ich in die Führung, damit Christian da mal endlich raus konnte, denn der fuhr fast nur vorne im Feld.  Christian sagte noch:“OK, fahr dann links raus, so dass ich rechts an Dir vorbei komme.“ Gebongt. So etwa 2 km vor dem Ziel fing ich an mich links unter den ersten zehn zu positionieren, um den Sprint gut anfahren zu können. Auf dem letzten Stück, wo es eine leichte Steigung gibt vor der Zielgeraden war ich fast ganz vorne, als die erste sinnfreieAttacke kam. Ich musste dann nach vorne, um das Loch für das Feld wieder zuzufahren. Dann kam die zweite Attacke von einem sehr starken Fahrer der RG Uni Hamburg die ich auch noch einigermassen kontern konnte, aber dann war die Luft raus. Ich fuhr weit links in die Gerade, spurte so halbherzig ins Ziel und machte mich, im Gegensatz zu allen anderen, auf eine weitere Runde.

Zumindest kannte ich jetzt den Kurs und würde mich nicht mehr verfahren. Ich überholte noch ein paar Gruppen, insgesamt 73 Fahrer und landete am Ende auf dem 151. Platz. 29,8 km/h ist auch keine schlechte Zeit, da die ja auch einen komplette Kettenwechsel und viel zeit alleine auf der Strecke inkludiert. Also nichts lief nach Plan aber am Ende war ich doch ganz zufrieden.

In der Teamwertung holte Wiegetritt den 1. und 3. und der RCB den 2. Platz. Es gibt dann noch eine PaveTeamwertung, bei der mein Team den ersten Platz holte, aber ich habe keine Ahnung worum es dabei geht.

Am Ende standen wir so rum und wollten uns unterhalten. Das ging aber leider fast gar nicht, weil eine Gruppe von Exilbrasilianern aus Wildeshausen Ihr Sambafeuerwerk abbrannte. Ich weiß nicht wer die engagiert hat, aber da war fast noch schlimmer als der einsame Saxophonspieler, der in der Regel bei Kunstaustellung tutend improvisierend durch die Räume spaziert.

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Samba do Wildos Hauso

Wir warteten auf die Siegerehrung, denn an sich waren wir ziemlich sicher, dass wir weit vorne landen würden. Der Ansager war unglaublich peinlich. Ein Mädel war dritte geworden und er fragte sie, was ihr an dem Rennen besonders gefallen hätte. Erwartungsgemäß sagte sie „das Kopfsteinpflaster“. (Diemsal konnte man sogar eine Antwort hören). Weil ja ein unheimlicher Hype um dieses Pflaster gemacht wird, was mich im Prinzip ja nur daran hindert schnell zu fahren. Und dann sagte er: „Du magst es also hart und dreckig, hehehhehe.“ Oh Mann, ich dachte ich schaue gerade eine Folge von Jerks.

Dann kam die Teamwertung. Wir mussten also nun auf das Podest. Taten wir aber nicht. Stattdessen standen da so total unsportliche Typen auf dem Podest die wir im Rennen nie gesehen hatten. Da hatte aber jemand einen dicken Fehler gemacht. Risen Aufregung bei uns, doch zum Glück hatten wir mit Olaf einen Anwalt dabei. „Los Olaf, mach was!“ Einstweilige Verfügung – oder wenigstens Wiederholungs des Rennens.“

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Olaf war ganz bei uns. Wenn es sei gemusst hätte, er hätte auch eine Wiederholung des 2. Weltkrieges erwirkt (Stalin war gedopt und Rosevelt hätte nicht ausgewechselt werden dürfen!). Und dann bekamen wir noch unsere Siegerehrung während bereits das 100 km Rennen lief und einer der großen und umstrittenen des Radsportes ein sehr versöhnliches letztes Rennen fuhr.

Was ich mir dann nicht mehr angesehen habe denn ich hatte nun Lust auf Pommes, Currywurst und zuhause. So jetzt noch die RTF Lauenau am nächsten Wochenende (sehr empfehlenswert), Anfang Oktober der Münsterland Giro mit 120 km und dann noch ein paar Tage Mallorca oder so und dann ist die Saison 2017 wieder vorbei.

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Noch ein paar Worte zum Velotörn:

Ich bin wirklich dankbar, dass jemand es in die Hand nimmt ein größeres Rennen in Bremen zu organisieren. Es gibt da noch jede Menge Verbesserunsgpotential:
Erstens war die Streckenführung nicht wirklich gut. Ich meine ist ja schön, das Bremen so arm ist und kein Geld hat seine Infrastruktur zu erhalten, aber Kopfsteinpflaster finde ich nicht unbedingt wichtig. Das ist kein Merkmal einer guten Strecke. Die Bremen Challenge hatte eine gute Strecke in den letzten Ausgaben über den Flyover am Hauptbahnhof und mit Schmackes durch den Rembertikreisel. Der Velotörn nutzt im Prinzip eine sehr ähnliche Strecke wie der City Triathlon und die bin ich nun so oft gefahren, dass ich in der Mitte ein Ortsschild mit „Wilstedt“ erwarte. Von den Strecken in Hamburg oder Berlin im Vergleich will ich gar nicht reden.

Die Organisation der Strecke war dieses Jahr nicht gut. Es gab sehr enge und gefährliche Passagen, teilweise waren da noch kurz nach Kurven geparkte Autos auf der Strecke und es fehlte einfach an Ausschilderung und Streckenposten. Ehrlich. Das muss besser werden.

Ach so: Und bitte weniger Ansagen und noch weniger Samba.

Bis zum nächsten Jahr.

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