Archiv der Kategorie: Rennen

Alle Rennen an denen Freunde der Cyclitis teilnehmen.

MOBKM. Le Stra.

Ein Highlight dieser Saison war es an einem Rennen der offenen Bremer Kriteriummeisterschaft (OBKM) auf dem „Sachsenring“ in Bremen (irgendwie) teilzunehmen. Der RCB wird die OBKM Serie im nächsten Jahr ausrichten, wenn möglich auf einem Kurs an der Uni auf dem bereits fleißig geübt wird. 

Hier eine prima Idee für einen zweiten Kurs um Abwechslung in die Sache zu bringen.

Was haben Otto Hahn, Lise Meitner, Konrad Zuse und Hildegard von Bingen gemeinsam? Richtig, das waren alles Kernhysiker. Bis auf Konrad Zuse, der Bill Gates der Vierziger und Hildegard von Bingen, die leider bereits 1178 verstarb. Aber ich bin ziemlich sicher, dass die auch Kernphysikerin geworden wäre, ja hätte sie doch nur ein wenig länger gelebt. Abgesehen von dieser Gemeinsamkeit, bilden diese vier Straßen die nach diesen, äh, Kernphysikern benannt sind, den OBKM 2017 Kurs an der Uni.

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Kein Zufall, dass Straßen im Universitätseinflussbereich nicht einfach Lindenstraße oder Helenenstraße heißen, sondern das nur Akademiker als Namensgeber in Frage kommen. Und dann auch noch genau 2 Männer und 2 Frauen, das sieht sehr nach Bremen aus.

OK, prima. schöner Kurs. Aber irgendwie auch ein wenig langweilig: Vier Kurven, zwei lange und zwei kurze Geraden, die Gegend selber ist auch nicht so prickelnd, irgendetwas fehlt doch da noch. Zum Beispiel Berge. Und Spitzkehren. Und so habe ich mich heute aufgemacht, einen zweiten Kurs zu finden, der noch mehr Spaß und Abenteuer bringen könnte.

Nur wenige Kilometer weiter östlich wurde ich dann auf französischem Staatsgebiet fündig; dort wo sich der gallische Supermarkt „Le Stra“ befindet.

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Ja, ich weiß. Kein vernünftiger Mensch würde da während der Geschäftszeiten von Le Stra Radfahren wollen – und das Ding hat quasi immer auf. Der Parkplatz von Le Stra ist bekanntermaßen der gefährlichste Platz in ganz Bremen, Kinder würde ich da auf keinen Fall alleine hin lassen. Zudem ist der Parkplatz dort der Beweis, das gute Manieren im Verkehr nichts mit Alter, Bildung oder Wohlstand zu tun haben: Omis auf Rollatoren mit Baguettes in der Hand verschaffen sich rücksichtslos ihren Weg und kreuzen, ohne nach links oder rechts zu sehen die Fahrbahnen. Yuppis und Dinks schießen wahlweise in Porsche Cayenne oder C Klassen aus dem Dunkeln des Parkhauses hervor. Kurz, die Chancen in der Bronx zu überleben sind besser als vor Le Stra.

Bis auf Sonntags.

Da ist das Ding nämlich, dem deutschen Ladenschlußgesetz sei Dank, zu. Also bin ich heute mal hin und habe einen möglichen Kurs abgefahren, und zwar den MOB Kriteriumsmeisterschaftskurs 2017, oder MOBKM 2017.

Start

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Der Startbereich ist ähnlich einer Startbahn auf einem Flughafen schick schwarz-weiß gestreift, im Hintergrund ist die Auffahrt auf den Col d’Horn im Abendlicht zu erkennen. Durch die gelben Poller wird das Publikum am Betreten des Kurses gehindert. Hat man einen Brief dabei, kann man diesen gleich links abgeben.

Auffahrt zum Col d’Horn

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Links das Warnschild: 2.500 Prozent Steigung! Ein brutales Ding, so ziemlich die fieseste Steigung die Bremen zu bieten hat. Fährt man nicht zu schnell hoch segelt man über das Gelände gleich weiter Richtung Horner Kirche bzw. Friedhof wenn man Pech hat.

Horner Hochebene

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Nach der Spitzkehre ahnt man in etwa wie hoch man bereits gekommen ist.Rechterhand befindet sich die Einfahrt in die rasante Abfahrt die unter Einheimischen als der

Hamsterschwanz 

bekannt ist.

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Versagen hier die Bremsen knallt man entweder sofort gegen ein Auto oder Sekundenbruchteile später gegen die Straßenbahn. Also besser gut bremsen und am Ende die 180 Grad Kurve nehmen um in den

Le Stra Tunnel of Love

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zu fahren. Eine schöne, lange gerade bei der man besser sitzen bleiben sollte, um mit dem Kopf nicht gegen einen der zahlreichen Stahlträger zu knallen. Und hier kann man schon mal Spitzengeschwindigkeit von über 30 km/h erreichen, bevor man wieder brutal abbremsen muss auf recht glitschigen Glibbersteinen.

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Jetzt geht es in umgekehrter Richtung wieder zur Horner Kirche. Auch hier: Spitzengeschwindigkeiten! Konsequent wird hier, wie auch an allen anderen Wochentagen, gegen die durch Pfeile indizierte Richtung gefahren. Zebrastreifen sind ohnehin nur dekorative Beiwerke.

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Und nach einer weiteren, rechten Spitzkehre geht es in umgekehrte Richtung zurück zum Start.

Ich bin heute einmal 10 Runden auf dem Kurs gefahren und ich kann nur sagen: Irre anstrengend! Vielleicht wegen der ca. 30 Höhenmeter die ich erklommen habe, oder wegen der irren Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 20 km/h. Oder vielleicht auch weil ich ständig beschleunigen und bremsen musste und mir die Angst im Rücken sass? egal, nach 10 Runden und 19:15 min war ich total fertig. Auf Strava sieht das dann so aus:

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Sieht man ja da häufiger, dass Rennradfahrer auf Strava Tiere oder Buchstaben in die Landschaft malen. Hier kann man ja dann auch sehr deutlich „mob“ lesen.

OK, dann bin ich durch den Sprühregen zum OBKM Kurs 2017 gefahren, um den direkten Vergleich zu haben. War eh ein mieser Tag, ich war schon total nass, obwohl ich ja zehn Mal durch den Tunnel of Love gefahren war. Auf dem OBKM Kurs wurd eich dann richtig nass. Das fahren ist auch ganz anders, eher so mediativ. Man versucht so in den 30 km/h+ Bereich zu kommen und dort zu bleiben. Wären diese Kurse Songs, dann wäre der OBKM Kurs dieser hier:

Und der MOBKM Kurs dieser hier:

Und gefährlicher als an einem Wochentag zu Lestra zu fahren ist das auch nicht.

Mehr demnächst.

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Münsterland Giro 2016. 70 km.

Der Münsterland Giro ist das letzte wichtige Ereignis der Saison. Nach über 11.000 km dieses Jahr kann die Form auch nicht mehr besser werden; ein letztes Mal ballern an der Leistungsgrenze, bevor Wetter, Spaß und Vernunft den meisten Radaktivitäten des Jahres ein Ende setzen.

Die Saison ist quasi zu Ende, und am Ziel wird abgerechnet: Mit der Saison, mit dem Rad, dem Verein …..

oder mit dem Leben an sich:


Es ist gar nicht so einfach Bremer für den Münsterland Giro zu motivieren. Und noch schwieriger ist es überhaupt rechtzeitig nach Münster zu kommen, denn die Bahn empfiehlt einem in der Quintessenz, dass man doch bitte bereits am Vortag anreisen möge, wenn man so gegen 7:30 Uhr dort sein möchte. Zum Glück konnte ich meiner Frau unsere französische Familienkutsche aus dem Ärmel leiern und Matthias überzeugen, mit mir um 5:45 Uhr loszufahren.

Und so standen wir um diese Zeit im dunklen, kalten und leicht nassem Bremen auf der Straße und packten unsere Räder ein. Die letzten Wochen in Bremen waren ja geprägt von diesem bremischen Weltuntergangswetter, will sagen, der Himmel war fast immer blau, kein Tropfen Regen über Wochen und die Temperatur angenehm warm; es gab einfach keinen Grund nicht nicht Rad zu fahren. Einfach total komisch, aber damit ist es nun ja endgültig vorbei. Bremen hat uns wieder im Griff und die herbstübliche Mischung aus grauem Himmel und Dauertröpfeln täuscht wieder Normalität vor.

Am Tag der deutschen Einheit morgens ist die A1 leer, und in weniger als zwei Stunden waren wir im Parkhaus in Münster. Das ist ein phantastisches Parkhaus, das so auch in Bremen stehen sollte, denn es verfügt über tolle lange Rampen in die Höhe, auf denen man auch gut ein Bergkriterium fahren könnte. Wir holten die Unterlagen und bekamen unsere Starterbeutel.

Warum bekommt man die eigentlich? Warum denkt jeder Veranstalter eines größeren Jedermann-Radrennens, dass ein Starterbeutel ein unverzichtbarer Bestandteil seiner Service-Leistung ist? Nachdem es nun in Supermärkten keine Plastiktüten mehr gibt, hat man diese Sinnlosigkeit bei Radrennen  bislang nicht in den Griff bekommen.

Ich finde die Beutel selber und noch mehr ihren Inhalt unnötig. Die Beutel schmeiße ich direkt zuhause weg, den Inhalt schaue ich mir noch mal an, bevor der größtenteils in die Papiertonne geht. Riegel? OK, aber nicht unbedingt nötig. Trinkflasche? Ich habe ohnehin eine Menge davon und auch von wesentlich besserer Qualität. Die, die man bei solchen Rennen bekommt nutze ich, wenn überhaupt zum Blumen gießen.Shampoo? Nein Danke. Hautcreme? Nein.

Als in den frühen Neunziger Jahren in China mit den Flugzeugen von China Southern Airlines unterwegs war, bekam man am Ende eines Fluges auch immer ein paar Goodies. An sich war ich schon froh, dass diese Propellerflugzeuge , die endlos lange im Tiefflug auf einen der Militärflughäfen zusteuerten, überhaupt heil ankamen. Diejenigen Passagier die diese unerträgliche Nervenanspannung überlebten, bekamen beim Ausstieg etwas von den Stewardessen in die Hand gedrückt: Ein Set Spielkarten, ein Hosengürtel (mit dem ich mir bestenfalls den Oberarm zum Blutabnehmen hätte abbinden können, oder eine Krawatte waren dabei die besseren Ideen. Einmal bekam ich ein Paar schwarze Nylondamenstrümpfe. Die habe ich jahrelang zum putzen meiner Schuhe verwendet.

Was ich sagen will: Das hatte alles einen tieferen Sinn, der mir vielleicht entgangen ist. Der Starterbeutel ist einfach sinnlos.

Und was wir allerdings hätten gebrauchen können wäre ein Kabelbinder mehr gewesen. Der Aufwand Kabelbinder und Sicherheitsnadeln abzuzählen und in die Papierumschläge zu tun muss doch enorm sein. Deshalb hier mal ein Vorschlag, wie ich mir das wünschen würde:

  • Man drücke jedem Fahrer bei der Anmeldung einen Transponder, eine Startnummer für das Trikot und eine für das Rad in die Hand.
  • Auf einem Tisch steht eine große Kiste mit Sicherheitsnadeln und eine mit Kabelbindern. Man nehme daraus nach Bedarf.
  • Von den Sponsoren gibt es Tüten, falls jemand welche brauchen sollte.
  • Und wenn es sein muss, können dann auch noch Prospekte von den Sponsoren ausgelegt werden.

Wir fuhren zum Start und hatten gerade noch einmal 5 bis 10 Minuten Zeit bevor es los ging. Ich kam überhaupt nicht dazu meine Windjacke auszuziehen, denn es war wirklich ungemütlich kalt.

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Am Start: Lang-lang dominiert.

Matthias hatte sich nachgemeldet und war in Block E gelandet. Ich konnte ihn überzeugen, dass es eine viel bessere Idee ist aus meinem, nämlich Block A zu starten und wie immer gelang es uns problemlos uns da gemeinsam rein zu mogeln. Vorne zu starten hat den großen Vorteil, dass, sollte man aus einer Gruppe herausfallen, man in der Regel von einer schnellen Gruppe von hinten überholt wird, der man sich wieder anschließen kann. In Block E kann man Glück haben, wenn man in die Gruppe der schnellen Fahrer gerät, die verpennt haben sich rechtzeitig anzumelden (alle Nachmelder kommen in diesen Block). Ist das nicht der Fall, daddelt man langsam durch die Gegend und stellt sich im Laufe des „Rennens“ hundertmal die Frage was man hier eigentlich macht und warum an so früh aufgestanden ist.

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Frisch über den Zaun

Uns war kalt, wir waren wie immer in Münster kein Stück aufgewärmt, als der Startschuss fiel und wir uns auf den Weg machten. Seit zwei Jahren fahre ich auf meinem Rennrad Shimano SPD Pedale (also MTB Pedale) die den großen Vorteil haben, dass man sehr schnell einklicken kann, so dass ich beim Start bereits eine Menge Fahrer vor mir überhole. Der andere große Vorteil dieses Systems ist, um es mit den Worten meines Sohnes auszudrücken, man sieht nicht voll schwul aus, wenn man abseits des Rades auf MTB Schuhen herumläuft.

Wie üblich versuchte ich also so schnell wie möglich nach vorne zu kommen, denn solche Jedermannrennen werden ja quasi auf den ersten drei bis fünf Kilometern entschieden. Deshalb ist es meiner Meinung nach ja auch total unsinnig sich für längere Strecken anzumelden, da das Schema immer das gleiche ist:

70 km: 3-5 km ballern;   60 km RTF-mäßig in der Gruppe fahren, 5 km nervös ins Ziel.
110 km: 3-5 km ballern; 100 km RTF-mäßig in der Gruppe fahren, 5 km nervös ins Ziel.
140 km: 3-5 km ballern; 130 km RTF-mäßig in der Gruppe fahren, 5 km nervös ins Ziel.

Entsprechend schnell war das Tempo zu Beginn. Ich blieb so weit links wie möglich und überholte Fahrer um Fahrer bis das Feld so weit auseinander gerissen war, dass der Abstand zu einer der vorderen Gruppe zu groß wurde, um den Sprung dorthin alleine zu machen. Aber immerhin, war ich ziemlich weit nach vorne gekommen und das Tempo wurde auch nicht langsamer. Jetzt ging es darum in der Gruppe zu bleiben und bei einem Tempo von 40+ immer wieder die Lücken zuzufahren. Das klappte gut, aber ich wollte mich auch nicht so verausgaben, dass ich bei den Steigungen die bald kommen würden keine Power mehr hätte.

Die ersten leichten Rampen kamen nach 12 bis 16 km und wurden sehr langsam gefahren, da gab es keine Probleme aus der Gruppe zu fallen. Nach 17 km kommt dann diese Steigung, die auf Strava Baumberg heißt und beim Rennen hier jedes mal die Gruppen selektiert. So auch dieses Mal. Allerdings bin ich dieses Jahr am Berg ganz gut in Form, den Dolomiten sei Dank und wurde zwar zunächst nach hinten durchgereicht, aber eben auch nicht so weit, dass ich ganz herausgefallen wäre. Und als ich oben war, hatte ich noch genug Power jetzt nicht rollen zu lassen, sondern noch einmal richtig Gas zu geben und in der Gruppe zu bleiben. Puh, wenn das so weiter gehen würde, war irgendwann der Zeitraum abzusehen, an dem ich rausfallen würde, weil die Reserven nicht mehr reichen.

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Hallo Silvia.

Dann passierten zwei eigenartige Dinge: Erstens wurde es extrem nebelig. Da war schon so eine Tendenz zum Nebel am ganzen Morgen, aber jetzt wurde es richtig nebelig und ich konnte vor mir kaum noch etwas sehen. Die anderen Fahrer schien das nicht zu beeindrucken, aber ich wurde sehr unsicher und bremste häufig und unnötig. Es dauerte recht lange um einmal probeweise über die Rennradbrille zu schielen und festzustellen, dass da gar kein Nebel, sondern nur meine Brille sehr beschlagen war. Ich musste die dann erst einmal abnehmen, und fuhr mit meinen Minus Zweitausend Dioptrien (links und rechts jeweils tausend) erst einmal ein wenig weniger blind durch die Landschaft. Gut war das aber nicht. Das zweite, was passierte war, dass das Feld jetzt wesentlich langsamer fuhr. Die Luft war komplett raus und es ging im RTF Tempo durch Wiesen und Wälder. Zuerst ist man ja durchaus dankbar, aber dann könnte möchte man ja doch ein Rennen fahren und an die Grenzen gehen und nicht so einfach nur rumfahren. Dafür stehe ich nicht morgens um 5 im Herbst auf und fahre 180 km nach Münster. Und schon gar nicht möchte man von hinten von einer weiteren Gruppe eingeholt werden.

Genau das passierte dann auch, denn nach einer Weile kam die schnelle Gruppe aus dem B Block von hinten an und überholte uns. Also, wieder Gas geben, in die Gruppe rein, die Lücke mehr gefühlt als gesehen.

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Leider tobte sich dann auch diese Gruppe schnell wieder aus. Den nächsten Anstieg Weissenburg (Strava) habe ich fast nicht wahrgenommen, ebenso die nächste Rampe rauf nach Horstmar (Strava). Das Feld war hier durchaus unterschiedlich schnell oben, aber letztendlich wurden die Lücken im Feld auch wieder zugefahren, so dass wir nach 43 km immer noch eine recht große Gruppe von vielleicht 100 Fahrern hatten.

In dem Feld war nun endgültig die Luft raus und es wurde nun sehr gemütlich gefahren. Strava gibt mir da einen Schnitt von über 40 km, aber das täuscht denn die Straße zurück nach Münster ist schnurgerade und es gibt einige sehr schnelle Abfahrten. Die ganze Nervösität war weg, es wurde gequatscht und ich hatte die Möglichkeit ein paar Fotos zu schießen. Höhepunkt: ein unverpackter Müsliriegel fällt aus einer Tasche genau in die Speichen eines Vorderrades. Müssliflocken umhüllen sofort das Feld.

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Zurück auf der Radautobahn nach Münster

Matthias meinte nach dem Rennen, dass er die zweite Hälfte des Rennens als sehr langweilig empfand und er sich noch ein paar Steigungen gewünscht hätte, die das Feld weiter selektieren. Klar, das hätte ich mir auch gewünscht – aber eben erst auch nach dem Rennen.

Jetzt galt es eigentlich nur noch in der großen Gruppe nach vorne zu kommen, bevor das Feld so nervös wird, dass alle nur noch links überholen wollen und da kein Platz mehr ist. Nach meiner Erfahrung ist das so ab dem 60. km hier der Fall, also machte ich mich gleich bei km 50 auf. Das klappte sehr gut und bei der Einfahrt nach Münster war ich unter den ersten 20. Ich wusste allerdings auch nicht wie lange das Rennen genau war und wie viel Kilometer es noch bis zum Ziel sein sollten. Dummerweise gab es da keine Ausschilderung oder ich habe die nicht gesehen.

Auf den letzten beiden Kilometern war das Feld auch sehr nervös und man bekommt sehr genau mit wer erfahren ist und sicher fährt und welche Dangerfreaks das eben nicht sind. Vor mir fuhr jemand in einem Highroad Jersey, der mir schon vorher aufgefallen war, weil es ständig links und rechts ausscherte.

In der letzten Kurve vom York Ring in die Grevener Strasse, fuhr ich hinter ihm außen in die Kurve. Ihn treibt es raus, er kommt gegen den Bordstein, fällt aber zum Glück nicht hin.  Kurz danach verbreitert sich die Straße und die Parkbuchten dort sind mit Hütchen abgesperrt. Er knallt gegen die ersten Hütchen, kippt die um und die rollen nun auf die Straße . Ich kann gerade noch so ausweichen, verliere aber jeden Schwung. Ein ganzer Haufen Fahrer zieht an mir vorbei und mir geht die Strecke aus. Ich ziehe noch mal richtig an, überhole noch den einen und den anderen, aber der vordere Teil der Gruppe ist weg.

Video von Kai, Danke dafür. Man sieht gut wie der Highroad Fahrer aus der Kurve an den Bordstein gedrängt wird bei etwa 2:00.

Ziel.

Schloßplatz. Alkoholfreies Weißbier morgens um halb elf. An sich nicht mein Fall, heute schon. Chip abgeben. Auf dem Tisch dort liegt ein Buch, Titel „Delirium“.

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Weißbierwetter.

Kurze Zeit später kommt Matthias rein. Der Zeitunterschied ist nicht groß; am Anfang, so sagt er, hat er nicht genug auf die Tube gedrückt und war deshalb in einer langsameren Gruppe. Tja, schreibe ich ja, dass diese Rennen zu Beginn entscheiden werden.

Aber da er mit seiner E-Block Nummer in den A/B Gruppen gefahren ist, bekommt er jede Menge Respekt: „Wow, hast Du Dich von ganz hinten nach vorne durchgekämpft?“ „Hm, aber jetzt gehen mir so langsam die Körner aus.“

Vor ihm, kurz vor dem Ziel hat es eine Gruppe mit 30 Fahrern umgelegt. In Schmerz und Agonie versuchten einige noch ihr Rad mit dem Sensor über die Ziellinie zu schieben, bevor sie ihr Leben aushauchten. Anderen ist es nicht so gut ergangen, wie z.B. diesem Fahrer:

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Ok, der ist zwar so fit, dass er nach dem Rennen ein Bier trinken kann. Andererseits scheint er ja im Rennen Probleme mit der Sitzposition gehabt zu haben.

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Sieht man genau hin, stellt man fest, dass er vorsorglich einen Ersatzsattel in einem sehr speziell konstruierten Sattelhalter mit sich führte.

Dann kommen auch Jessica und Harald rein. Auf Jochen, der die 110 in der Genießergruppe gefahren ist warten wir, er kommt und kommt nicht (weil Genießer). Wir machen uns dann auf und düsen schnell nach Bremen, wo wir um halb drei ankommen und noch den halben Feiertag vor uns haben.

Als ich dann um sechs Uhr aufwache ist wieder ein Viertel Feiertag vorbei.

Danke für diesen schönen Saisonabschluss, besonders an Matthias und Jochen.

Strava

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Eingeordnet unter 2016, Mob, Rennen

Velotörn Bremen. Teil I: World of Fixedcraft.

Anstatt schon wieder ein recht normales Rennradrennen von 100km auf der sehr langweiligen Strecke in der Überssestadt in Bremen zu fahren, entschloss ich mich beim Velotörn am Fixie Rennen teilzunehmen. 30 Runden gegen den Wind, über Kopfsteinpflaster, haarscharf an Barrieren vorbei und das Ganze auf einem scheiß-unbequemen Rad.

Ich weiß auch nicht, warum ich mir das alles in meinem Alter noch antue. Ich könnte ja auch Samstags lange schlafen, ein Auto waschen und dabei Bundesliga im Radio hören, und dann im Garten grillen. Stattdessen mache ich mich am Samstag Morgen auf den Weg in die Überseestadt, um die Rennstrecke de Velotörns zu erkunden. Zum Glück zeigt sich Bremen an diesem Wochenende von seiner allerschönsten Seite.

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Bremen, wo die Weser wie ein richtiger Fluss aussieht (also fast so wie der Rhein)

Die Strecke führt auf der Konsul-M-Schmitt-Strasse die Weser runter, macht dann eine S-förmige Linkskurve über recht fieses Kopfsteinpflaster und läuft dann parallel über die Kaje am Hafenbecken in die entgegengesetzte Richtung. Es gibt dann wieder eine schnell durchfahrbare S-Kurve auf die Konsul-M-Schmitt-Strasse, dann ca.200 Meter Gerade zum sprinten, bevor es nach ca. 1,1 km wieder ins Ziel geht. Wäre dies eine Autorennstrecke, dann vielleicht Daytona im 18.Jahrhundert – wegen  dem Kopfsteinpflaster.

Ich habe Familie, einen Job und wenn ich mich mit dem Rad hinlege, dann dauert es eine Weile, bis wieder alles verheilt ist. Konsequenterweise hat mein Fixie Bremsen. Was aber bei diesem Rennen nicht erlaubt ist. Auch sind keine Kurbeln an nicht-Bahnrahmen mit einer Kurbelarmlänge von mehr als 165mm erlaubt. Überhaupt gibt es viele Regeln, was nicht dem kulturellen Anspruch des Rennens entspricht: „die jungen Wilden“; „Fixie-Subkultur“ etc. Es erinnert mich an eine Online-Anzeige von zwei sehr coolen Typen in Hamburg, die einen neuen Mitbewohner für ihre WG suchten. Zunächst einmal beschrieben sie sehr schön,wie locker und gechillt das Leben mit ihnen ist, um am Ende Interessenten zu bitten, Ihnen „ihr aktuelles Lieblingslied und ein polizeiliches Führungszeugnis“ zuzusenden.

Die richtige Antwort auf das Lieblingslied ist natürlich sehr simpel.

Jedenfalls hatte das zur Folge, dass ich mein japanisches Nagasawa Bahnrad reaktivieren musste, das nun seit 2 Jahren als Weihnachtsschmuckadapter an der Wohnzimmerwand verstaubt. Erst einmal andere Laufräder rein, damit wenigstens die teuren Mavic SSC überleben werden. Und dann kam ein anderer Lenker und Vorbau ran, denn dieser NJS Vorbau der an Keirin Bahnrädern quasi Standard ist bringt das Kinn knapp über die Höhe des Vorderrads. Ist man nicht rasiert, kann man nur noch maximal 20 mm Reifen montieren, sonst ist da einfach kein Platz mehr.

Wegen dem Kopfsteinpflaster hatte ich dann doch noch ein Lenkerband gewickelt, damit es ein wenig bequemer wird. Dafür opferte ich mein sehr schickes George Sorell Korkband, das ich 2011 zusammen mit David in Ravenna im Radladen Sambi gekauft hatte. So jetzt noch abnehmbare Bremsen dran, damit ich zum Rennen komme und los.

In der Überseestadt tummelte sich die Creme de la Creme des bremischen Radsportes. In  früheren Berichten habe ich immer jeden einzelnen mit Namen aufgeführt den ich kannte, heute ist das nicht mehr möglich (Sorry, Silke, Silvia, Caro, Linda, Jessica, Maren, Jörn, Andreas, Andi, Thomas, Jan, Philipp, Schnippo, Marc, Matthias, Christian, Benjamin, Tim, Harald, Didi…) Es ist ein sehr schönes Gefühl von vielen netten Menschen erkannt und gegrüßt zu werden und dazu zu gehören. Vor allem, nachdem ich vergleichsweise nach 12 Jahren Leben in Japan gerade einmal vier japanische Freunde hatte – die ich jeweils ein bis zweimal pro Jahr traf. Mit den Ausländern dort lief es wesentlich besser, das hatte nur den Nachteil, dass das japanische Haltbarkeitsdatum eines typischen Ausländers etwa drei Jahre ist – danach geht es wieder zurück in die Heimat oder in das nächste Land. Zum Gefühl der Zughörigkeit später mehr.

So standen wir also an der Rennstrecke und schauten uns das Rennen von Linda an.

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Die creme de la creme des bremischen Radsports

Linda war bei den Frauen zusammen mit den U17 Fahrern gestartet, insgesamt etwa 16 Fahrer. In den ersten Runden hielt sie sich gut im Hauptfeld, aber dann fuhren vorne 8 Fahrer das Feld zu Klump und büxten aus. Danach war sie ein wenig verloren und zu zweit oder zu dritt unterwegs und es wurde sehr anstrengend. Dementsprechend  schnell muss das Rennen gewesen sein, denn Linda ist wirklich nicht gerade langsam (das ist eine klassische Umschreibung von: „Linda ist deutlich schneller als ich.“ Von den acht blieben sieben vorne und gewannen nach 30 Runden das Rennen. Linda wurde Zweite bei den Frauen.

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Im übrigen konnte man hier wieder beobachten, dass bei großer Anstrengung nach dem Rennen die Birne rot anfängt zu glühen, und zwar nach der Formel: „Je jünger der Fahrer, desto roter die Birne.“ Ist mir bereits beim OBKM aufgefallen, wo der 70-jährige Zweite der Meisterschaft kalk-weiß war, geradezu Mumienhaft, während Linda (Kolibri) rot strahlte wie ein schmelzender Reaktorkern in Fukushima. Was aber immer noch nichts gegen Schnippo nach dem Rennen war, der rot strahlte wie ein tätowierter, russischer Mafia-Reaktor. Doch dazu später.

Darauf folgte das Derny Rennen. Ein paar Runden fährt der eine auf einem enthemmten e-Bike und der Andere hinterher, dann wurde gewechselt und es werden ein paar Runden umgekehrt gefahren. Am Start waren Schnippo und Philipp, sowie Marc und [vergessen].

Sportlich war das, na ja, aber sonst war es der Höhepunkt des Tages. Beim Wechsel mussten auch die Schuhe getauscht werden. Wir erwarteten am Streckenrand, irgendetwas in der Geschwindigkeit eines Triathlonwechsels. Stattdessen lief das ganze in erschreckender Zeitlupe ab. Schnippo und Philipp beim Wechsel zu beobachten war etwa so schnell und spannend wie die Ziehung der Lottozahlen im Fernsehn zu schauen. Und als dann  Schnippo auf dem e-Bike vor Philipp fuhr tat er das genau zwei Runden. Dann war es Philipp zu langweilig und er überholte Schnippo  auf der Zielgeraden. Denn das E-bike war nicht so richtig enthemmt – Philipp allerdings schon.

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Nachdem ich mich also gut amüsierte hatte war jetzt leider Schluss damit, denn nun musste ich auf die Strecke. Was ist bislang gesehen hatte, machte mir Angst. Da waren Fixiefahrer, die aussahen wie Simon Geschke und Frauen auf Fixies die….nun,  ebenfalls aussahen wie Simon Geschke. Andreas meinte treffend, dass das keine Radkuriere sind, sondern welche vom Radpaketdienst. Zack, vier Waschmaschinen unter den Arm und dann ab ausfahren zu den Kunden. Zum Glück gab es nur 19 davon. Und Philipp und Schnippo. Und mich. Alle fuhren auf Rahmen mit nach hinten offenen Ausfallenden; es gab viele Tätowierungen zu sehen, Piercings und Totenköpfe etc. auf den Jerseys. Da gehörte ich nun definitiv nicht rein. Erstens nicht von der Leistung, zweitens nicht vom Alter und dann auch wegen ein noch ein paar anderer offensichtlicher Mängel an Muskeln, Barthaar, Street Credibility und Geldknappheit. ich fühlte mich da sehr falsch. Wann hatte ich das letzte Mal dieses Gefühl? Vermutlich als ich 1990 versehentlich in einem heißen Quellenbad in Japan in die Damenumkleide ging, da dort keine Symbole, sondern chinesische Schriftzeichen an die Tür gemalt waren.

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Ich bin eben Rennradfahrer und fahre Radrennen. Bei so etwas habe ich keine Chance. Also nicht, dass ich sonst eine hätte. Meine Taktik war daher etwa wie die von Steven Bardbury  im Short Track bei den olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City: Hinten fahren und hoffen, das sich vorne alle auf die Fresse legen. Dann non-chalant vorbeiziehen. Nein -zu gemein, ich fuhr wieder mit meiner Standardtaktik: Versuche irgendwie zu überleben und nicht zu bescheuert auszusehen.

Aber da ich da schon einmal stand konnte ich ja ein paar Bilder machen und mitfahren.

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Und dann ging es auch schon los. Alle meine Sorgen waren umsonst, die erste Runde konnte ich echt gut mithalten! Leider stellte sich dann heraus, dass dies nur die neutralisierte Einführungsrunde war und wir am Start wieder stehen blieben. Trotzdem, eine gute Idee, um warm zu werden. Und zum Glück wurde das Rennen auch von 30 auf 20 Runden verkürzt.

Die zweite, also die nun eigentlich erste Runde, war schon deutlich schneller.  Am Anfang war es sehr nervös und ich machte mir da auch ein wenig Sorgen im Feld zu fahren, aber nach zwei Runden war ich da quasi draußen und in einer Dreiergruppe. Die Kurve mit Kopfsteinpflaster nahm irre viel Geschwindigkeit weg und es war extrem hart, dann wieder gegen den Wind zu beschleunigen. Nach 5 Runden hatte ich nur noch wenig Lust und überlegte aufzugeben. Das ist ja immer so, weil ich mich noch nicht warm gefahren habe und es dann am meisten weh tut -später wird es besser.

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Feuerwerk der Radkunst

Dann war ich mit einem der Mädels in dem Rennen zusammen. Ich wollte Sie animieren, dass wir auf die Gruppe der drei Männer vor uns auffahren. Sie sagte ja, ich machte Tempo, und als ich dann wechseln wollte blieb sie hinter mir. Für die nächsten drei Runden. Da ich alleine ohnehin nicht aufholen konnte wurde ich erst einmal wieder etwas langsamer.

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Lutscher !

In der S-Kurve zum Zielsprint drehte ich dann auf, als ich eine weitere, überrundete Fahrerin vor mir sah und setzte mich ab. An die hängte ich mich erst einmal dran und dann gab ich ihr Windschatten. Dann fuhr sie wieder vorne und erstaunlicherweise hatte sie noch gut Power und zog davon. Ehrlich gesagt lag das auch an der Technik, die fuhr die Kurven einfach viel besser als ich. Und als es dann in einer der beiden Kurven einen Sturz gab und ich langsamer wurde und die Richtung wechselte, war sie fast weg. Zwei der schnellen Fahrer waren zu schnell in die Kurve gegangen und matzten in die Barrieren.

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Erst überholen und vorweg …

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….und dann ein paar Runden später den Anschluss verlieren

Nach jeder Kurve musste ich erst einmal die Lücke wieder zu sprinten und das kostete viel Kraft. Aber jetzt war ich zumindest ganz gut dabei. Auch wenn die Spitzengruppe mich in der Zwischenzeit zwei Mal überrundet hatte. Dann sah ich kurz vor Ende Schnippo vor mir, den ich nun überrunden würde. Was er nicht wollte und ihm frische Power gab.

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Prima, mit Schnippo war das jetzt natürlich wieder viel besser und so kamen wir in die letzte Runde und dann auf die Zielgerade. Schnippo fragte mich:,“Wollen wir zusammen ins Ziel fahren, oder das ausfahren?“ „Ausfahren!“ Und so legte wir einen guten Spurt und Bike-throw zum Schluss hin. Nun hatte ich wirklich keine Lust mehr. Allerdings auch keine Bremsen, um zu stoppen.

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Strava

Am Ende wurde es ein 12.Platz von 23 Teilnehmern, von denen wiederum 17 ins Ziel kamen und sechs aufgaben (zwei glaube ich wegen Sturz). Hinter mir nur Frauen. Und Schnippo (Rennen drei). Vor mir eine Frau, und zwar die, deren Trikot so aus sah wie ein Mosaik-gefliestes Badezimmer auf den Bahamas.

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v.l.n.r : Das bahamische Badezimmer; gut getarnte Norddeutsche; meine Begleiterin für ein paar Runden am Start vor mir.

Das hat jetzt nix mit: Ich bin besser als Frauen oder so zu tun, sondern ist einfach meine Erfahrung in den typischen Platzierungen meiner Karriere: Zweitstärkste Frau.

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Hier sieht man noch einmal einen der gestürzten. Fiese Delle am Oberrohr des Standaert Rad.

Prima, ich hatte überlebt, ein Top-12 Finish und war fix und fertig.  Und neben mir glühte Schnippo. Eigentlich keine so gute Idee, denn er fährt morgen das 100 km Rennen beim Velotörn und ich die 150 km der RTF Lauenau. Und dann kam noch einer der schnellen Fixiefahrer und gab mir die Hand – eine Welle von Zusammenhalt wallte in mir auf.

Es ist übrigens keine gute Idee mit wenig gefahrenem, bzw. wenig  getestetem Gerät ins Rennen zu gehen. Der Vorbau fixierte den Lenker nicht gut und da ich fast auschließlich im Unterlenker fuhr, drückte ich im Verlauf des Rennens den Lenker nach vorne und oben. Das war am Ende sehr unbequem. Und sah auch echt scheiße aus.

Und ganz zum Schluss löste sich auch noch ein Kurbelarm vom Vierkanttretlager. Ich fuhr zu Matthias, aber der hatte auch kein passendes Werkzeug (8mm Inbus) dabei. Dafür aber Carolin Schiff, die ich fast übersehen hätte. Ich hatte Sie ja nur einmal im Rennen gesehen und war mir nicht sicher, ob sie es wirklich war. Die Beine schienen mir ein wenig dünn (vor allem nach dem was ich da im Fixie Rennen gesehen hatte), aber dann gab es auf dem Schienbein ein paar markante Narben und ich dachte ich frage sie mal, ob sie es ist. Bingo. Taktisch wollte ich nur beweisen, das ich netter bin, als dass was ich schreibe und wir unterhielten und über das, worüber sich erwachsene Menschen so unterhalten: Radrennen, Motorboote auf dem Gardasee, über die Unsinnigkeit in Bremen zu wohnen und so weiter.

Das waren ja für einen Tag mit so herrlichem Wetter recht wenig Kilometer, diese aber sehr intensiv. Insgesamt war die Veranstaltung gelungen, mit €20 auch nicht zu teuer und spaßig. Zum Glück habe im Rennen ich nicht geschmittet (Bremer Fachwort für „sich auf die Fresse legen“).

Allerdings ist da auch kein großer Unterschied zu den Bremen Challenge Veranstaltungen mit Streckenführung in der Überseestadt zu spüren. Aber trotzdem, danke für die Mühe der Organisation. Danke auch an Silke, Harald und Linda für die Fotos.

Wir sehen uns dann total platt beim RCB Montagstraining.

 

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OBKM BKOM BOKM MOB K

OBKM ist die Abkürzung für „Offene Bremer Kriterium Meisterschaften“. Alle vier Buchstaben sind ebenfalls die Initialien meiner Vornamen und meines Nachnamens. Das nur so. Wichtiger: Heute fand der vierte Lauf in Heilshorn am Sachsenring statt.

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Den ersten Lauf hatte ich nicht mitbekommen, den zweiten vor einiger Zeit verpasst, weil ich bei der Arbeit sehr busy war. Den dritten Lauf vor zwei Wochen habe ich willentlich verpasst, denn das Wetter war echt mies. Aber heute war das Wetter großartig und im Büro war es extremst langweilig – es gab also leider keine Ausrede mehr nicht zum Rennen zu fahren.

Wie läuft so ein Kriterium- bzw. Punkterennen ab? Nun, zunächst es gibt einen technisch anspruchsvollen Rundkurs der in unserem Fall ein Viereck mit einem Umfang von 1,1 km war. Total flach, kaum Wind und die Kurven konnte man alle auch noch mit 40 Sachen durchtreten. Ein Kurs wie geschaffen für meine technischen Fähigkeiten. Der einzige Kurs auf der Welt der noch einfacher zu fahren ist dürfte Hitachi Naka sein; und da habe ich mal 2007 den sechsten Platz gemacht und bekam von einem japanischen  Busenwunder tolle Urkunden überreicht.

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Japanisches Busenwunder links, keine japanischen Busenwunder rechts davon.

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2007 in Japan kurz vor der Wiedervereinigung

Man fährt denSachsenringkurs in unserem Fall 25 Mal. Alle fünf Runden gibt es eine Punktewertung. Der erste Fahrer bekommt dann 5 Punkte, der zweite 3, der dritte 2 und der vierte einen Punkt; bei 25 Runden passiert das genau vier Mal. In der letzten Runde werden ebenfalls die besten vier Fahrer gewertet, allerdings gibt es dann die jeweils doppelte Punktzahl.

Meine bisherigen Erfolge in Punkterennen sind sehr, sehr bescheiden. 2008 war das erste Rennen der Saison in der JCRC Serie  (Japanese Cycle Racing Clubs Association) ein Punkterennen in Kawagoe und da machte ich den 30. Platz von 38 Fahrern. Und das letzte Rennen der Saison, NATS, war ebenfalls ein Punkterennen. An das Ergebnis kann ich mich nicht erinnern, es wird ähnlich gewesen sein. Ich bin zu schwer, um schnell zu beschleunigen und erreiche auch keine hohe Endgeschwindigkeit. Und meine Fahrtechnik ist auch nicht großartig, so dass ich nach Kurven oft Lücken zufahren muss, was wiederum Kraft kostet. Aber ich habe Ausdauer, bin zäh und ehrgeizig. Hoch motiviert und leistungsschwach fasst es zusammen.

Ich weiß nicht, warum diese Veranstaltung „Offene Bremer…“ heißt, denn Heilshorn liegt gefühlt in Norwegen. Ich musste erst mal 25 km mit dem Rad raus fahren. Als ich ankam, waren bereits 3/4 der Rennhasen vor Ort: Silke und Caro hatten sich als Streckenposten verdingt und Linda fuhr das Rennen mit. Organisiert wurde das ganze vom RSC Vegesack, der vor Ort mit professioneller Ausrüstung und Gerät vorgefahren kam.

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Voiture d’equipe

Kritisch muss ich hier allerdings anmerken, dass bereits zum Zeitpunkt des Startes die Lakritzdose verdammt leer war.

Ich fuhr noch ein paar Mal den Kurs ab. Von der letzten Kurve bis zum Ziel waren es etwa 180 Meter – zu kurz um den Sprint nach der Kurve anzuziehen für mich. Ich musste also auf der Geraden zuvor schauen, dass ich aktiv werde.

Das erste Rennen war dem jüngeren Nachwuchs vorbehalten: 15 Runden: ein Junge gegen ein Mädchen. Das Mädchen gewann die Frauenwertung, der Junge die der Männer, wenn ich das richtig behalten habe.

Ich quatschte gerade mit Linda über einkaufen in China und Mama-chari Grand Prix Rennen in Japan als wir auch schon an den Start mussten. Insgesamt waren wir acht Fahrer. Und ich wollte gerade den Faden der Unterhaltung mit Linda wieder aufgreifen, als der Rennleiter so beiläufig sagte: „Und los geht’s.“

Natürlich war ich kalt. Die anderen irgendwie nicht. Oder nicht so kalt wie ich. Jedenfalls ging es gleich ordentlich schnell los und ich dachte nur, hm, das wird gar nicht lustig heute. Ich hatte doch ziemlich Mühe dran zu bleiben und wurde nach hinten durchgereicht. Aber irgendwie ging es dann doch. Als die Glocke die 5. Runde einbimmelte wurde das Feld auf der Gegengerade langsamer. Ich hing so etwa in 4. Position und wartete darauf, dass jemand den Sprint anzieht hinter den ich mich klemmen konnte. Das passierte dann auch, aber es war keine gute Idee, denn da riss gleich eine riesige Lücke auf und ich kam erst als 5.und somit ohne Punkte ins Ziel.

Dann machte Frank Stephan (Name geändert), mit dem ich zwei Mal zusammen den Giro Dolomiti gefahren bin und mit dessen Familie ich in Eppan Abendessen war und der mich trotzdem nie grüßt, geschweige denn erkennt (das musste jetzt doch noch einmal gesagt werden) einen Ausreissversuch, als wir anderen gerade müde vom Sprinten waren. Eine clevere Idee, denn keiner von uns hatte Lust vorne Führungsarbeit zu machen und ihn einzuholen.  Nach drei Runden fuhr ich dann die Lücke zu ihm zu. In der letzten Runde wurde es wieder deutlich langsamer und als wir durch die vorletzte Kurve gefahren waren und so ca. 250 Meter vor dem Ziel zog ich kräftig an und links am Feld vorbei. Ich kam als erster aus der Kurve, sah aber auch die Schatten der anderen hinter mir. Dann flutschte mir der Gang raus, aber immerhin schaffte ich meinen ersten Punkt jemals auf dem vierten Platz. Es ging also doch.

In Runde 10 vor Schluss machte ich es ganz genau so noch einmal, zog aber den Sprint noch einmal 30 Meter früher an. Wieder kam ich als erster aus der Kurve und spurtete auf die Ziellinie zu und dieses Mal wurde ich nur noch von einem Fahrer überholt. Dabei hatte ich auch alles gegeben und als der nächste Ausreissversuch kam konnte ich nicht mehr parieren.

Runde 5 vor Schluss fuhr ich einen lustlosen Sprint. Am Ende versuchte ich es noch einmal halbherzig, aber da zwei Fahrer ohnehin bereits vorne weg waren machte das auch nur wenig Sinn. Aber immerhin, gesamt 4 Punkte. damit hätte ich nicht gerechnet.

Was habe ich daraus gelernt?

Nun in dieser Konstellation sind Kriteriumsrennen gut fahrbar. Die Teilnehmer waren alle technisch sicher und fuhren wenig aggressiv, ich hatte keine Angst da auf die Fresse fallen zu müssen. Je länger das Rennen dauerte umso mehr Kurven wurden auch bei höheren Geschwindigkeiten komplett durchgetreten. Oder anders ausgedrückt: das Rennen hätte ich auch auf einem Fixie ohne Bremsen fahren können.

Dadurch, dass das Feld auch wieder langsamer wird, kann wieder Anschluss gefunden werden, wenn man vorher rausgefallen war. Und hat somit immer wieder eine Chance am Sprinten teilzunehmen, was sehr motivierend ist. Ist eigentlich ein wenig ähnlich wie Intervalltraining und gut für die Tempohärte.

Übrigens, kurz nach dem Rennen konnte ich eine interessante Beobachtung bei den Teilnehmern machen: Je jünger der Fahrer, desto roter die Birne. Wolfgang „Tiger“ H., Baujahr 1943 war quasi kalkweiß, während Linda „Kolibri“ glühte wie fliessendes Lava.

Zuletzt und mit anderen Worten, ich hätte mal besser weniger Respekt davor gehabt. Insofern kann ich nur jedem empfehlen, der sich in etwa auf oder über meinem Niveau befindet (im Prinzip also 95% aller RCB Mitglieder, ach quatsch, der Menschheit!) da mitzufahren. im besonderen möchte ich das mal Thomas Voss ans Herz legen. Ich hätte schon viel früher damit anfangen sollen. Was Linda und ein paar andere getan hatten, denn es folgte die Siegerehrung für den Gesamtsieger der 4 Läufe. Und da fand sich Linda auf dem dritten Platz wieder.

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Es gab alkoholfreies Bier und Blumen.

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Gesamtsieger OBKM: Wolfgang H. (oder so), 2. Platz: Wolfgang H. (sind, glaube ich, Zwillinge.), 3. Platz: Linda Wolfgang

Ja, es hilft in Bremen ungemein, wenn man Wolfgang heißt. Übrigens genau wie mein Onkel, Wolfgang Adolf Krähe, geboren 1940. Mein Großvater erzählte ihm später, dass er seinen zweiten Vornamen von einem sehr entfernten Großonkel bekommen hat, der dann leider aber im Krieg verstarb. Im Prinzip ist das ja auch nichts anderes als der Kevin und Mandy Effekt heutiger Tage.

Danach fuhren dann die richtig guten Jungs. Und Carolin Schiff. Sie wird schon mal schnell übersehen. Das war ein sehr dichtes Feld mit ca. 30 Teilnehmern.

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Die richtig schnellen Jungs. Auf dem Foto ohne Carolin Schiff.

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Da gab es dann eine Dreiergruppe, die sich zunächst absetzte und dann das Feld überrundete. Sehr cool. Aber die Lakritzdose war leer, ich hatte Hunger, ich musste nach Hause. Bis zum nächsten Mal bzw. Jahr. I ‚ll be back.

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Ach so ja: Ich bin übrigens letzter geworden im 4. Lauf. Egal, ich war trotzdem zufrieden. Da nächste Mal versuche ich es mit dem Moulton TSR zu fahren, da könnte ich in Kurve und Beschleunigung einige Vorteile haben.

Ich hätte noch den Wunsch an die Organisatoren mich in der Gesamtwertung zu platzieren, damit meine drei Punkte aktenkundig werden.

Strava

Danke an die Organisatoren. Wir hätten nicht so viel Spaß im Leben, wenn es nicht Menschen gäbe, die uns das auf Kosten ihres eigenen Spaßes ermöglichen würden.

 

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Elb-Bremen Cyclassics 2016

Hamburg, das etwas größere Bremen an der Elbe, oder auch kurz das Elb-Bremen, wie es von seinen höflichen, toleranten, weltoffenen und verständnisvollen Bewohnern genannt wird, ist seit 1996 Schauplatz eines Radrennens, den Cyclassics. Dieses sollte dieses Jahr zum letzten Mal ausgetragen werden – Zeit also dabei zu sein.

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Ich bin leider nur sehr selten in Hamburg, da es ja leider so ist, dass diese Stadt absolut nichts hat, was Bremen nicht schon hätte. Hafen? Hat Bremen auch. Speicherstadt? Hat Bremen auch in Form der Überseestadt. Mittelmäßiger Fußballverein? Schlechtes Wetter?Schiefgegangene Bauprojekte a la Elbphilharmonie oder Spacepark? Reeperbahn? – Helenenstraße. St. Pauli? – das Viertel. Cyclassics? Bremen Challenge! Na gut, also irgendwie doch 1:0 für Hamburg.

Mitte dieses Jahres hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass der Rückzug von Vattenfall als Sponsor der Cyclassics das Ende der Veranstaltung, zumindest in Hamburg bedeuten würde. Zwar beteuerte der Veanstalter, dass es zwei ernsthafte Angebote anderer Städte für die Fortführung geben würde, aber wir wissen ja ziemlich genau, welche Städte heute so verzweifelt sind dies zu tun: Pjöngyang, Dubai oder Damaskus. Also meldete ich mich für die 100 km Strecke an, um wenigstens einmal in Hamburg dabei gewesen zu sein. Als dann bekannt wurde, dass ein neuer Sponsor EuroEyes, gefunden wurde und das Rennen in Hamburg bleibt, dachte ich erst einmal ich seh‘ nicht richtig. Und dann entschied ich mich doch teilzunehmen und nicht zu warten bis EuroEyes auch kein Interesse mehr hat.

Und so fand ich mich am Sonntag Morgen zusammen mit Silke um 6:30 Uhr im Zug nach Hamburg. Wenige Minute vorher war eine Sushiparty bei uns zu Hause zu Ende gegangen, die mein Sohn initiiert hatte. Er hatte in den letzten Monaten mitbekommen, dass „Willst Du noch ein Bier bei mir trinken?“ eine deutlich niedrigere Erfolgsquote bei Frauen seines Alters hat als „Kommst Du auch zu meiner Sushiparty?“ Und so haben wir in der letzten Zeit eine Sushiparty nach der anderen, was sehr lustig ist, wenn man meinen Sohn kennt: Der will nämlich nie mit uns Sushi essen gehen, weil er das nicht mag bis auf eine einzige Sorte (Ikura). Und an der Zubereitung von Essen zeigte er ebenfalls noch kein Interesse; also auch wenn er halber Japanern ist heißt das noch lange nicht, dass er Sushis zaubern kann.

Ich dachte, wenn jetzt Mädels zu uns nach Hause kommen, dann sorgen die auch dafür, dass nach der Party aufgeräumt wird, aber das war eine komplette Fehleinschätzung. Ich durfte mir erst einmal durch Reis-, Avakoda- und Lachsreste eine Schneise auf dem Frühstückstisch schlagen zwischen Pfützen aus Soyasosse und Schleifspuren aus Wasabi.

Der ganze Zug hingegen war im Bereich des Radwagens voll mit Bremern die nach Hamburg fuhren. Um diese Uhrzeit trifft man im Zug normalerweise ja nur Menschen die aus der Discomeile Bremens nach Hause auf das Dorf fahren wollen und dabei verzweifelt versuchen beim Kotzen den kleinen Tischabfalleimer zu treffen. Da war heute komplett anders.

In Hamburg angekommen sagten wir schnell „Tschüß“, denn Silke war mit ihren Rennhasen in Block E verabredet, während es mich als Erstteilnehmer in Block I verschlagen hatte. Dort traf ich Fabian, der mit dem Motorboot über die Kanäle Mitteldeutschlands nach Hamburg geschippert war. Das war sehr praktisch, denn er hatte sein Motorboot im Parkhaus am Hauptbahnhof geparkt und musste dann nur wenige Schritte zum Start laufen. Ich hatte Fabian seit dem Velothon in Berlin nicht mehr gesehen und wir hatten uns einiges zu erzählen, zumal wir im September zusammen mit Steini auch endlich Berlin entlang des Mauerweges umrunden wollen.

Dann ging es plötzlich los. Das ist ja immer so. Man steht im Startblock, quatscht, ist komplett kalt und plötzlich sieht man, wie die Massen vor einem in Schwung kommen. Und in Hamburg war schon eine sehr große Masse vor einem, vor allem aus Perspektive I.

Von Alain, einem Franzosen, den ich in Tokyo kannte, habe ich gelernt, wie man sich gut durch ein dichtes Feld von Fahrern zu Beginn eines Rennens nach vorne durcharbeiten kann. Alain konnte das extrem gut und ich kann es ein wenig; während wir also im Schritttempo durch die neutrale Zone auf den Start zuradelte hattet ich bereits ein Drittel des Startblockes hinter mich gelassen. Und auch danach ging es nicht gerade schnell weiter. Bislang war ich es von Rennen gewohnt, dass die ersten 10 Kilometer, unabhängig von der Länge des Rennens, mit 50 Km/h plus durchgeballert werden bis man nur noch nach Luft japst und keine Kraft mehr hat. Die restliche Distanz bis zum Ziel wird dann in RTF Manier in einer Gruppe abgewickelt. Hier war es aber nicht so, es ging relativ gemütlich raus aus Hamburg und ich sprang vorwärts von einer Gruppe zur anderen.

Dann kam ein sehr schneller Fahrer vorbei, ich erinnere mich nur noch daran, dass auf seiner Hose „Veganes Radfahren“ stand, was auch immer das bedeuten soll. Ich verstehe ja, dass man vegan essen kann, aber Radfahren? Klingt ähnlich wie rauchen „ohne Atomkraft“; oder  „bumsen für den Frieden“. Der zog mich an weiteren Gruppen vorbei, war aber letztendlich zu schnell für mich. Dann kamen drei blaue Dänen von hinten, an die ich mich wieder ransaugen konnte und mit denen nahm ich die Köhlbrandbrücke in Angriff.

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Die kommt leider bereits nach 10 km und ich war noch nicht richtig warm – das tat also richtig weh und am Ende krabbelte ich da mit weniger als 25 km/h hoch. Aber es ging.

Dann kamen die Berge. OK, also was Hamburg so an Bergen zu bieten hat, was sich auch nicht wesentlich von dem unterscheidet, was Bremen an Bergen zu bieten hat. Allerdings braucht man in Bremen für jede Steigung erstens eine Autobahn und zweitens eine Brücke darüber. In grenzenloser Überschätzung meiner Fähigkeiten nach dem Dolomitentraining und da ich irgendwo gelesen hatte, dass die Bergwertung nur 1,7 km lang ist, ging ich den ersten Berg sehr forsch an und setzte mich von meiner Gruppe ab. Drei Minuten, so dachte ich, halte ich das locker durch. Aber ich war erstens nicht so gut und zweitens war die Strecke deutlich länger als ich dachte, am Ende etwa 6 1/2 Minuten und so wurde ich von dem gesamten Feld wieder eingeholt als ich jämmerlich langsam die letzten Meter zusammenkratzte.

Aber jetzt hatte sich, mehr als 30 km im Rennen, endlich einmal eine vernünftige Truppe gefunden, die in etwa bis zum Schluss zusammenbleiben sollte. Dabei waren unter anderem:

+ Dänen, die nicht lügen und schnell fahren können
+ Zwei weitere Dänen vom Team „Heino“ [das ist dänisch und heißt „Heino“ auf deutsch, vermutlich]
+ Ein Fahrer mit einem türkisen Trikot, das aussah als wenn es eine schlecht gemachte „Biancchi“ Kopie aus Nordkorea gewesen wäre und der von einer Parfümerie aus Wedel gesponsort wurde. Auf seiner Hose stand hinten drauf „Ein Duft sagt mehr als 1000 Worte
+ Ein Riese mit DEMAG Trikot und einem Cervelo.
+ Eine blonde Frau im weißen Trikot „Changing Diabetes“

Jetzt ging es richtig schnell vorwärts und wir rollten das Feld von hinten auf. Bereits auf dem Weg nach draußen kämpfen wir uns durch das H und G Feld durch. Wir überholten größere Gruppen von denen und dabei musste man immer aufpassen, das man an der schnellen Truppe blieb und nicht aus versehen dort hängenblieb weil man aus Versehen am falschen Hinterrad kleben bleibt. Weil die Straßen teilweise recht eng und kurvig waren, wurde das Tempo beim Überholen etwas langsamer, so dass alle in der Gruppe Anschluss finden konnte. Irgendwo holte die Gruppe auch Christian ein, der ebenfalls aus I gestartet war.

Es ging relativ schnell nach Hamburg wieder rein, jetzt mit Rückenwind. Ich konnte mich weiterhin gut an dem Duft mit 1000 Worten orientieren, bis der dann nach einer Kurve und schneller Beschleunigung heraus fiel. Die Gruppe wurde zum Ende etwas kleiner.

Im Hafen war eine Straße zur Hälfte für den Verkehr frei, zur anderen Hälfte für das Radrennen mit Hütchen gesperrt. Diese konnte man aber fast nicht sehen und beinahe wäre ich gegen das erste gefahren. Silke sah später an der gleichen Stelle einen ziemlich schlimmen Sturz, der sie ebenfalls fast ausgeknockt hätte.

Und dann waren wir auch schon nahe des Ziels. Es gab ein paar aufblasbare Tore, aber wie viel Kilometer die bis zum Ziel anzeigen sollten war mir nicht klar. Ich fuhr zu früh an, am Ende ging mir ein wenig die Kraft aus, aber es reichte dann um mit Christian gemeinsam über die Ziellinie zu fahren. Ergebnis: Etwa 2:35 hr Fahrzeit, Top 600 in der 100 km Distanz, fast Top 100 in meiner Altersklasse (Betreute Senioren 3), fast 39er Schnitt. Kam mir etwas schneller vor, aber in den „Hamburger Bergen“ fährt man doch halt längere Strecken im 30er Bereich.

Strava

Mein Vergleich für Hamburg sind die beiden großen anderen deutschen Jedermannrennen, die ich gefahren bin: Berlin und Münster. Im Vergleich dazu sind wesentlich mehr Fahrer auf der Strecke, es gibt nicht diese langen Stücke komplett ohne Fahrer zum Ende des Rennens. Die Strecke ist auch wesentlich kurviger und hat mehr gefährliche Stellen wie Schienen, Verkehrsinseln oder scharfe Kurven, man muss die ganze Zeit sehr konzentriert fahren. Andererseits hatte ich erwartet nach den Berichten bislang, dass mehr gefährliche Fahrer auf der Strecke sind; aber bis auf einen Flachlenkerwichser, der es lustig fand bei den Hütchen der Straßenabtrennung Slalom zu fahren, war das Niveau gut.

Nach dem Rennen trafen sich die Bremer auf dem Platz wo es Paulaner gab.

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Junge, gut aussehende Hamburgerinnen in hanseatischen Kostümen verteilten die Getränke an die Teilnehmer. OK, 2:0 für Hamburg, die Frauen haben den größeren Charmefaktor.

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Oder vielleicht doch 1:1, wenn man sie mit den RCB Rennhasen vergleicht.

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vl.n.r.: Linda Hase, Silvia Rabbit, Silke Usagi und mein Name ist Hase, ist weiß von nichts.

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Immer mehr Bremer kamen und wir verloren uns in Unterhaltungen. Ich sprach recht lange mit Kai, der bald den Ötztaler Marathon fahren wird; Fabian, Kathrin und die Kinder kamen, später auch Jan und Caro und Friedel, nein Klaus.

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Die Fahrt zurück nach Bremen dauerte dann zu lange in einem zu vollen Zug.

Fazit: Hamburg ist zwar verdammt weit weg von Bremen, aber durchaus ab und an einen Abstecher wert. Danke an alle für Organisation, Unterstützung und Freundschaft.

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Bremen City Triathlon: Lärmschutzzone Jericho. Teil II.

Der erste Teil des Berichtes über den City Triathlon endete an einem entscheidenden Wendepunkt des Rennens: Ich stand in der Wechselzone und quatschte mit Didi.

 

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Plötzlich sah ich etwas, das aussah wie der weiße Hai nur komplett in schwarz auf mich zukommen? „Wieso“, fragte ich mich, können Haie eigentlich auf dem Land laufen?“ Eine blöde Frage, denn Hollywood hat diese ja bereits ausreichend beantwortet. Kurzform: Es geht, die können ja auch fliegen. ES war aber gar kein schwarzer Hai mit blonden Haaren, es war Isabel, die Schwimmerin des Professorenteams, die mit als eine der ersten wieder aus dem Wasser war. Ich habe das gerade noch einmal bei den offiziellen Ergebnissen nachgeschaut, es war tatsächlich die drittschnellste Zeit aller Staffelschwimmer. Das brachte mich arg in die Bredouille, denn erstens war meine Läuferin nicht da, um den Transponder zu wechseln und zweitens durften wir ja auch aus moralischen Gründen nicht vor dem studentischem Team liegen.

Egal. Da die Wechselzone dieses Jahr wieder deutlich näher an der Radstrecke lag als beim Quatrathlon letztes Jahr (Schwimmen-Laufen-Radfahren-Laufen), war ich ohne Muskelkrämpfe auf dem Rad. Ich übersah die gelbe Linie für das Aufsteigen und stieg auf das Rad. Hinter mir gab es riesig Lärm und einen Moment dachte ich, dass ich disqualifziert worden wäre. Kurzes schlechtes Gefühl. Das wurde aber dann gleich besser, als ich das Team der zweitschnellsten Schwimmerin noch vor der ersten Kurve überholte. Da lagen wir dann auf dem ersten Platz der Mixed-Staffeln, aber das wusste ich nicht.

Es ging nun die Nordstraße hoch gegen den Wind. Das machte sehr wenig Spaß und noch weniger Tempo. Ich fuhr mit 40 km/h an, merkte aber, dass ich das Tempo nicht halten konnte, auch deswegen, weil ich noch überhaupt nicht warm war. Das tut sehr weh und kurz danach wurde ich dann von den Zeitmaschinen und Philipp überholt. Zu allem Überfluss fiel auch noch der Tacho aus, so dass ich gar keine Ahnung mehr hatte wie gut oder schlecht ich war – dementsprechend demotiviert kam ich am Wendepunkt an der Waterfront an.

Nun ging es mit dem Wind zurück auf der Nordstrasse. Das macht natürlich Spaß und sofort steigt die Motivation wieder das Ding anständig zu Ende zu fahren. Ein großer Haufen RCBler hatte sich an der Ecke Überseetor/Nordstrasse versammelt und feuerte uns an – da motivierte noch mehr. Und so ging ich recht guter Dinge in die zweite Runde. Ich wurde nun auf der Nordstrasse auch von dem TCB Radfahrer überholt und ganz am Ende noch von einem weiteren. Leider gab es auf der ganzen Strecke keinen „Hasen“ vor mir den ich jagen konnte. Ich war also sehr unsicher, was meine Zeit anging, als ich vom Rennen zurück in die Wechselzone kam und erst einmal vorsichtig kollabierte. Etwas, was die Jungs vom SG Stern gar nicht lustig fanden, denn während ich da noch auf dem Boden lag und nach Luft rang wurde ich angesprochen, ob ich nicht irgendwo anders kollabieren könnte, denn „andere wollen hier auch noch fahren.“ Im Endeffekt stellte sich heraus, dass ich mit 34:01 min die beste Zeit jemals hier gefahren war. Zusammenzubrechen war also voll gerechtfertigt.

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(c) Tim: Philipp

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(c) Tim: Philipp

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(c) Tim: Silvia

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(c) Tim: Silvia

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(c) Tim: Didi Aerowunder

Wir gingen nun zum Ziel, um zu schauen, wie sich das Rennen weiter entwickeln würde. Philipp hatte für das Studententeam einen kleinen Vorsprung gegenüber dem starken TCB Team herausgefahren, der musste aber nun von Janek bis ins Ziel gehalten werden.  Die Professoren lagen OK im Rennen und die Frauen ebenfalls. Bei letzteren war es ja ehrlich gesagt das heimliche Ziel vor den Mädels von Islamic State International Tri’s (ISI Tri’S) zu liegen die letztes Jahr den 3. Platz gemacht hatten – das sollte also reichen für das Podium.

Janek lief gut, schneller als im Vorjahr, aber es reichte nicht: Der TCB Läufer holte bis zum Ziel  etwas mehr als 20 Sekunden Vorsprung heraus machte wie im vergangenen Jahr den ersten Platz, wir den zweiten.

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Weit und breit niemand hinter Janek, doch einer vor ihm.

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Dann kam auch schon relativ kurz hinterher Sina vom Professorenteam ins Ziel. Sie bog um die letzte Ecke, ihr Gesicht von Leiden und Schmerzen schwer durchpflügt. Die Studis und ich begannen zu schreien. „Lauf Sina, lauf!“ was vielleicht etwas irreführend war, denn auf den letzten 20 Meter kann man nicht mehr 4 Minuten Rückstand auf das Podium einholen. Sina begann die Rufe zu wahrzunehmen und langsam, wirklich extrem langsam, kam von ganz unten aus den Tiefen des Schmerzzentrums ein Lächeln hervor, dass sich bis zum Ziel zu einem sehr breites Grinsen entwickelte.

Melanie und ich kletterten über die Absperrung in den alkoholfreien Paulaner VIP Bereich und gratulierten allen und tranken unser Weizen. Wenig später kam auch Anika (also nicht Annika) hinzu.

Fazit: 2. Platz wie im letzten Jahr für das Studententeam. Wäre Isabel (schwarzer Hai) für das Team gestartet hätten sie problemlos gewonnen, aber wir wussten ja dummerweise nicht, wie gut der schwarze Hai ist.

14011971_1069687523117725_1199549411_n 5. Platz für das Professorenteam, so gut waren wir auch lange nicht mehr. Ohne Isabel wären wir vermutlich auf dem 8. Platz gelandet, was auch keine Schande gewesen wäre.

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Studenten der HIWL, Annika (also nicht Anika) leider schon auf dem Weg nach Hause.

7. Platz für das Frauenteam. Da hätte ich mehr erwartet, aber ein Vergleich der Ergebnisse von 2015 und 2016 zeigt, dass die Konkurrenz einfach viel stärker geworden ist. Mit der Zeit von diesem Jahr wären wir im letzten Jahr locker 3. geworden. ISI, dritte im letzten Jahr waren dieses Jahr auch nur 6. Also an sich auch ein gutes Ergebnis.

Dann fing es dummerweise an zu regnen und das Event bröselte auseinander, viele fuhren nach Hause; Philipp, Janek und ich warteten noch auf die Siegerehrung. Das heisst, sie warteten auf das Podium zu kommen und ich darauf ihnen gleich danach den Pokal abnehmen zu dürfen, denn der verbleibt im Besitz der Hochschule.

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Auch wenn es nun das fünfte Mal war, es hat immer noch Spaß gemacht und ich denke allen Andren ging es genauso. Sicher, man kann immer noch einmal grübeln, was alles hätte besser laufen können – vorher wie im Rennen. Aber es gibt ja auch immer noch ein nächstes Jahr. Bis dahin.

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(c): Tim

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Bremen City Triathlon: Golgata Waterfront. Teil I.

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Bremen City Triathlon – obwohl mit schwimmen und laufen gekoppelt ist es doch eines der vier wichtigsten Radsportereignisse in Bremen. Die anderen drei sind das Velotörn Rennen im September (der Nachfolger der Bremen Challenge), die RTFs vom RSC Gold und RCB und jedes Montagstraining vom RCB. Dieses Mal waren wir mit zwei Mixed- und einer Frauenstaffelam Start.

Ich hatte das ganze Jahr für dieses Ereignis trainiert, mehr als 8.500 km in den Beinen. Im Juli war ich sogar extra 2 Wochen in die Dolomiten gefahren, um mich bei einem Höhentraining optimal für den Triathlon vorzubereiten. Und das alles nur, um ganz sicher hinter einem unseren anderen Teams zu landen. Denn das wichtigste am City Triathlon ist, dass das professorale Gurkenteam meiner Hochschule aus verschiedenen Fachbereichen (Mixed Pickels) immer hinter dem Studierendenteam liegt. Nur wenn das der Fall ist, ist der Hochschulfrieden gesichert. Die Studierenden freuen sich und wenn man ihnen dann mal wieder eine schlechte Klausurnote verpassen muss, dann können sich die Studis immer noch auf die Schulter klopfen und sagen: „Tja, aber sportlich sind wir nicht solche Gurken wie unsre Profs.“ Damit dies auch garantiert gelingt verpflichten wir Jahr für Jahr Söldner für das Studierendenteam (völlig Fremde wie Philipp oder Absolventen wie Janek), denn leider ist es so, dass wir nicht drei sportlich gute Menschen aus den Reihen der Studierenden zusammenbekommen.

Bei den Profs ist es übrigens noch schlimmer. Da bin ich seit Jahren der Einzige und wir müssen uns ebenfalls mit studentischen Söldnern verstärken.

Die Studierenden schneiden dann Jahr für Jahr gut ab. 2012, 13 und 14 machten Sie den ersten Platz, 2015 den zweiten, die Erwartungen sind also recht hoch. Und dieses Jahr hatten wir ein ebenfalls punktuell verstärktes Frauenteam am Start; und auch dort sahen wir gute Chancen auf dem Podium zu landen. Die Professoren verlieren immer – 2012 machten wir noch einen guten 4. Platz und verpassten das Podium knapp, seitdem nur noch zweistellige Ergebnisse. Egal, die Hoffnung stirbt zuletzt an der Golgata Waterfront.

Ich melde unsere Teams im Juni an, allerdings gab es dann doch noch einige Veränderungen. Miki Berenyi konnte nicht schwimmen, doch Isabel, eine Freundin von Annika sprang ein. Linda konnte nicht Radfahren, doch Melanie sprang ein und so hatten wir das Professoren- und Frauenteam zusammen. Beim Studententeam vertrauten wir auf die erfahrenen Philipp und Janek, die das ja nun jahrelang machen und Annika, die letztes Jahr im Prof Team so schnell schwamm. Anika (nicht zu verwechseln im Annika) und Sina liefen dann für die Frauen bzw. die Professoren.

Wichtig ist es mit gutem Material Rad zu fahren. Als ich früher unvorbereitet mit dem Rennrad teilgenommen habe, wurde ich ab und an von Zeitfahrrädern überholt, etwa so wie ich auf dem Weg zur Arbeit an einer alten Frau mit Rollator vorbeifahre. So etwas passiert mir heute nicht mehr, da ich a) die beiden Flaschenhalter von meinem Rennrad abmontiere, b) die Satteltasche abmache und c) ein schickes Hochprofil Vorderrad aus Carbon benutze. Eigentlich müsste ich jetzt auch noch die Bremsbeläge austauschen, aber dazu habe ich keine Lust und ich bremse ja eh nicht.Wenn ich mit diesem Rad nun fahre werde ich ab und an von Zeitfahrrädern überholt, etwa so wie ich auf dem Weg zur Arbeit an einer mittelalten Frau mit Rollator vorbeifahre.

Zweirad Stadler Bremen - Hansator

Eine gigantische Säge aus den Tiefen des Weltalls bedroht die Menschheit in der Überseestadt.

Ich kam in der Überseestadt an, diesem innerstädtischen Juwel Bremens in dem nun ein Stadler UFO aus Independence Day Resurgence gelandet ist und fing an ein paar Runden auf dem Rad zu drehen. Der Wind kam Richtung Nordwest und war nicht zu schwach: Das hieß am Anfang die Nordstrasse gegen den Wind rausfahren und am Ende der Runde mit Rückenwind die Konsul-Smidt -Strasse ins Ziel- das konnte also interessant werden und genau umgekehrt wie in den Jahren zuvor.

Am Treffpunkt wartete bereits Philipp. Außer ihm war quasi die gesamte Elite des Bremer Radsports versammelt: Andreas OHZ, Cobra Cabana, es war fast so wie im VIP Zelt von Käfer auf dem Oktoberfest – nur ohne Gina Lisa Lohfink und Lothar Matthäus.

Melanie kam und ich stellte sie ihrem neuen Rad vor, dass ich von einer unbekannt bleiben wollender gute Fee ausgeliehen bekommen hatte. Ich dachte ich tu der guten Fee dann auch einen Gefallen und säubere Kette, Schaltwerk und Kettenblatt ihres Rades am Vorabend. Danach lief gar nichts mehr. Mal sehen….die Kette war extrem gelängt, hätte quasi schon zu den olympischen Spielen, aber in London ausgetauscht werden sollen. Da die Ritzeln vorne und hinten aber mit Dreck zugeklebt waren, lief das alles irgendwie. War der Dreck erst einmal weg lief gar nichts mehr. Mist. Neue Kette drauf. Hatte aber nur eine 9-fach – die rutschte durch bei starker Belastung. Musste also irgendwie gehen, war aber nicht optimal. Mit der gewohnten studentischen Verspätung kamen die Studenten. Wir hatten nur noch wenig Zeit und gingen gleich in die Wechselzone und machten uns bereit. Die Schwimmerin machten sich auf zum Becken und ich quatschte ein wenig mit Didi der gleich neben uns wechseln sollte.

Dann ging es gleich Schlag auf Schlag. Doch das ist eine weitere Geschichte und die folgt morgen.

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Giro Dolomiti: Day 7: Admiral Schneider Wiesen

Der letzte Tag des Giro Dolomiti hatte für alle die noch auf ihre Räder steigen konnten eine brutale Überraschung bereit: Bei hochsommerlichen Temperaturen hoch von Steinmannwald zu den Schneiderwiesen – dort wo die Südtiroler Apfelstrudel geerntet werden.

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„Der Aufstieg ist 10,7 km lang und weist einen Höhenunterschied von über 1000 m auf, mit einer durchschnittlichen Neigung von ungefähr 10 % . Der Aufstieg geht durch meist waldiges Gelände, ohne Rast bis zu der Abzweigung nach Kohlern. Von hier ab ist die letzte Strecke (1,5 km) weniger anstrengend. Die Strasse ist gut asphaltiert aber eng. Beschwerlich sind die erste Kehren, die zu dem Ort Seit führen.“

So der Veranstalter. OK, dazu einige Anmerkungen: Der Anstieg geht ohne Rast bis zum Ziel, es sei denn man gibt vorher auf. Und die ersten 6 km bis Seit sind super anstrengend, das stimmt. Und die nächsten 4 km sind dann marginal weniger als super anstrengend. Wenn man das noch irgendwie fühlen kann. Und die letzten 1,5 km sind nur deswegen nicht so anstregend, weil davon 200 Meter relativ flach sind. Eine korrekte Beschreibung wäre daher:

„Der Aufstieg ist 10,7 km lang und weist einen Höhenunterschied von über 1000 m auf, mit einer durchschnittlichen Neigung von ungefähr 10 % . Der Aufstieg geht durch meist waldiges Gelände, ohne Rast bis zum Ende über gut asphaltierte aber enge Strassen. Beschwerlich sind alle Kehren, die zum Ziel führen.“

Der Start war bereits um 7:30 Uhr angesetzt – das war mir zu früh und so machte ich mich um 7 Uhr mit dem Rad von Wolkenstein auf den Weg Richtung Bozen. Das war das erste Mal überhaupt aber meine Familie brauchte das Auto am letzten Tag, da hatte ich keine Wahl und machte mich bei 10 Grad auf den Weg nach unten. Aber: Hui machte das Spaß und ging das schnell ohne Verkehr; für die Strecke bis runter zum Kreisverkehr nach Waidbrück von 22,6 km brauchte ich gerade einmal 27 Minuten.

Für die restlichen 28 km bis zur Messe in Bozen, entlang der Eisack auf dem schönen Radweg war dann noch einmal eine Stunde fällig, so dass ich ziemlich genau eine Stunde nach dem Start am Start war. Statt den regulären Kurs gegen den Uhrzeiger über Eppan, Kaltern und Auer nach Steinmannwald zu fahren, fuhr ich einfach mit dem Uhrzeiger über St. Jakob nach Steinmannwald, wo ich ziemlich pünktlich gegen 9 Uhr ankam, kurz vor dem Feld. Ich fuhr die brutale Steigung vor dem Rennen hoch und wartete auf die anderen Bremer. Kurz danach kam Silke rein, direkt neben der „fucking perfect“ Russin, heute beide in Ale Klamotten gekleidet.

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Ale les filles!

Nachdem auch Andreas und Marc vorbei fuhren machte ich mich startklar. Ich hatte ja dieses Jahr bereits einmal versucht auf die Schneiderwiese hochzufahren und war daran gescheitert, also ließ ich es ruhig angehen. Bei den extremen Rampen gerade im Anfang heißt aber ruhig auch nichts anderes als: überleben. Ich wurde von ziemlich vielen Fahrern überholt, unter anderem wieder von dem Zwerg. Das macht der Zwerg auch extra, er startet extra spät und zieht dann am Feld vorbei, um dadurch zu demostrieren, dass Zwerge halt doch die besseren Bergfahrer sind. Was dummerweise auch stimmt. Ich überholte aber auch ein paar Fahrer, nach einer Weile kennt man ja doch viele GEsichter aus dem Feld: Die lila Waldner Girls, die heute rosa Hosenträger tragende flinken Zähne, der Typ mit dem Bambusrad und dem Kokosnuss Helm, wieder einmal die fucking perfect Russin und sogar den „Planet Extreme: Russia“ Russen. Weiter oben ging mir aber zunehmend die Puste aus und ich wurde wieder von fast allen genannten eingeholt. Stefan Franke zog zum n-ten Mal beim Giro an mir vorbei, zuzm n-ten Mal rief ich „Hallo Stefan!“, und zum n+1ten Male wurde ich ignoriert. Ich weiß nicht woran es liegt, aber Stefan Franke ignoriert mich mit einer Penetranz die an Leidenschaft grenzt. Kennt hier jemand Stefan Franke? Werdet ihr auch ignoriert? Kann bitte jemand Stefan einmal ein Foto von mir zeigen und ihm einbleuen: „Beim nächsten Mal freundlich grüßen!“?

Irgendwie kam ich hoch, aber großartig war das nicht. Ich wusste das es am Ende vor dem Ziel noch einmal ein flaches Stück gibt und haute da halbherzig rein – am Ende war ich etwa 4 Minuten langsamer als im letzten Jahr. Aber da war diese Etappe ja auch die erste des Giros und wir hatten noch Saft und Power.

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Der toughe Russe vom extremen Planeten Russland.

Oben sind dann schnell alle Qualen vergessen und zwar genau in dem Moment, wo man das Apfelstrudelbuffet sieht.

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Großartig – man muss nur schnell genug oben sein, um auch ein Stück zu bekommen. Bermen war heute ohnehin etwas mau vertreten: Silke, Andreas, Matthias, Elena, Marc, Peter und ich hatten uns auf den Weg nach oben gemacht; Sahni und Henning waren nur die Runde um den See mitgefahren und Dietmar habe ich gar nicht gesichtet.Was war eigentlich aus den beiden Delme Cyclern geworden, die hatte ich schon ganz lange nicht mehr gesehen.

Die Abfahrt ging besser und schneller als gedacht. Das war die letzte Chance noch einmal schnell zu fahren und ich überholte auf dem Weg nach unten mehr als hundert. Ich wurde auch ein paar Mal überholt und ein, zwei Mal böse geschnitten- das hätte am letzten Tag noch schlecht ausgehen können. Aber das Glück, was mir bereits seit vielen Jahren hold ist, hielt auch an diesem Tag vorerst an.

Schnell waren wir zurück an der Messe und verabschiedeten uns. Insgesamt war es ein sehr schöner, aber auch sehr anstrengender Giro. Fast zwei Wochen in den Dolomiten zu sein war gut und weniger stressig als die schnelle An- und Rückfahrt im letzten Jahr. Da war aber auch das Gemeinschaftsgefühl größer, was im wesentlich daran lag, dass ich mit meiner Familie 50 km von Bozen entfernt war – da ist es eben aufwändig viel zusammen zu machen.

Wir haben nicht herausgefunden, ob dies nun der letzte Giro war oder nicht – letztes Jahr gab es ja diese Gerüchte. Ist aber auch egal. Das waren jetzt zwei Giros für mich und das reicht auch. Ein viertes Mal den Stelvio hoch? Warum?

Es gibt noch so viele andere schöne Berge und Landschaften auf dieser Welt. Frankreich, Kalifornien, Spanien….mal sehen was das nächste Jahr bringen wird.

Strava

 

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Giro Dolomiti: Day 4, 5 und 6: Uppers and Downers

Ein schnelles und kurzes Update über die letzten drei Tage des Giro Dolomiti, bevor es morgen den letzten Renntag und dann nach Hause geht.

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Die Jubiläumsetappe zum 40. Giro, sonst hat man am vierten Tag einen Ruhetag, aber nein, zur Feier des Jubiläums durften wir mal wieder fahren. Aus Bozen raus, dann durch einen endlos langen Tunnel schön gemütlich hoch bis nach Stenk. Dort begann der Rennanstieg, 5,7 km, man hätte mich vorher lachen hören sollen. Ich hätte doch genauer den Hinweis des Veranstalters lesen sollen: Was die gestoppte Strecke betrifft, handelt es sich um ein Aufstieg von 5,8 km, der verschiedene Neigungen (bis zu 18%) aufweist und deshalb eine intensive, obwohl kurze, Mühe fordert.“

Die ersten 500 Meter habe ich versucht eine gute Zeit rauszuschlagen, danach ging es auf den langen, steilen Rampen nur noch um das Überleben. Ich bin vor der Gruppe wieder runter nach Bozen gefahren, die richtige Entscheidung. Schön Abfahrt, teilweise mit über 70 km/h runtergeknallt im Verkehr und dann ganz vorne in der Essensschlange an der Messe.

Strava

Dann der negative Höhepunkt des Giros: Ein italienisches Popduo spielt auf zum Essen. Andreas meinte Tracy Chapman erkannt zu haben, für mich klang das alles wie „Das Fleisch“ von „Der Plan„. Man nenne mir einen guten italienischen Rock- oder Popsong. Wenn überhaupt, dann klappt das nur mit französischer Hilfe: Dalida und Alain Delon.

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Der große Sohn des Grödner Tals.

Anschliessend shoppen bei Luigi und Q36.5,

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Jersey short sleeve L1 Pinstripe

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Base Layer 2 short sleeve

Plus ein paar andere Sachen aus der Dottore Serie, die erst nächstes Jahr auf den Markt kommen wird. Das Jersey bewährte sich heute, der Base Layer fühlt sich an, als wenn ich von meiner Frau umarmt werde (vor 25 Jahren).

Dann gemeinsames großes Essen im Hotel in Steinmannwald, leider musste ich schnell wieder los, da ich in Sulden übernachtete, 16 km vom Start der Stelvio Etappe in Prad entfernt. Ich dachte Sulden wäre zwischen Bozen und Prad – da hätte ich besser einmal auf die Karte geschaut. Ich musste erst den Stelvio hochfahren bis nach Trafoi und dann noch einmal eine fiese Bergstrasse 10 km weit rein nach Sulden. Dort hört die Welt erst einmal auf, bis die Schweiz kommt.

Day 5: Stelvio

Das dritte Mal hoch auf den Stelvio nach dem Transalp Disaster 2011 und letztem Jahr. Na ja, bei der Transalp ging es auch in Naturns los und dann mussten wir noch weiter bis nach Bormio- das war eben auch ein sehr harter Tag auf dem mich Muckel gerettet hat.

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25 km hoch, über 1.800 Höhenmeter. Nicht besonders steil aber lang, wenn einem da die Energie ausgeht ist erst einmal eine längere Pause fällig. Unten bin ich forsch, aber nicht zu forsch reingefahren, bis Trafoi funktionierte das gut. Dann kommt man aus dem Wald, sieht die Serpentinen und wo man hoch muss und wird automatisch langsamer. Am Ende zählt man quasi jeden Meter. Man denkte: „Oh cool, nur noch 10 km bis zum Ziel, das ist ja wie von Lilienthal nach Hause!“ Vergisst aber dabei, dass man da gerade mit 9 km hochkriecht und 10 km eben noch über eine Stunde Fahrzeit bedeuten. Insgesamt 6 Minuten schneller als im letzten Jahr, so etwa 2:12 hr. Davon 5 Minuten auf den letzten 10 Kilometern rausgehauen, dort gab es auch einige spannende Duelle mit anderen Fahrern.

Oben war es erwartungsgemäß kalt, also schnell wieder runter über den Umbrailpass. Anschliessend zum traditionalen Kaffeetrinken und Strudelessen nach Naturns zum Gedenken an David Litt. Immer noch der gleiche, unfreundliche Kellner: „Cafe Latte? Das haben wir nicht, wir sind hier in Italien, möchten Sie einen Latte Machiatto?“ „Ja, einen Latte Machiatto bitte, entschuldigen Sie vielmals.“

Strava

 

Day 6: Nigerpass und Val San Nicolo

 

Endlich wieder eine Kamera dabei. Start an der Messe mit fucking perfect Socken des russischen Teams.
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Langsam raus, dann wieder auf der Ostseite von Bozen hoch in die Hügel. Heute zwei Rennanstiege, der erste 7,3 km mit 618 hm. Wie gemacht für mich, ein paar steile Rampen, aber auch ein paar flache Stücke zum ausruhen und beschleunigen. Von Anfang bis Ende Druck auf dem Pedal, das sollte eine gute Zeit ergeben haben (Nachher stellte ich fest, dass ich damit 310er oder so von 500 plus Teilnehmern wurde – ich könnte schwören, dass ich so 300 Fahrer überholt habe, aber bitte).

Oben Pause, dann schnell weiter.

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Dietmar oben

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Matthias auch oben.

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Landschaftlich heute auf den ersten 70 km die schönste Etappe.

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Dann der zweite Rennanstieg, ich bin nicht so motiviert und fahre langsam rein, werde oft überholt. OK, die sind alle jünger und dünner als ich. Aber dann kommen einige Fahrer die ich kenne und von denen ich weiß, das sie schwächer sind als ich und mich überholen. Das geht nicht. Also haue ich rein. Irgendwie 380er geworden. Whatever. Übrigens eine typische Giro Etappe, weg von der Hauptstrasse ins absolute Nichts, dann wieder zurück die gleich Strecke nach unten.

Oben entscheiden Matthias, Dietmar, Marc und ich, dass wir nicht essen und gleich runterfahren wollen, denn in der Gruppe mit Führungsfahrzeug über fast 80 km macht das keinen Spaß.

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Rheinische und norddeutsche Naturburschen

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Wir machen gutes Tempo Richtung Ziel. Es gibt zwar Gegenwind und richtig runter geht es auch nicht lange Zeit. Marc zieht vorne über lange Strecken wie zuhause zwischen Fischerhude und Borgfeld. Wir überholen eine andere Gruppe und kommen dann in einen Tunnel, es geht leicht aufwärts. Ich gehe nach vorne denn weder Marc noch Matthias wollen und mache Tempo. Leider zu viel. Ich höre zwar, dass jemand hinter mir ist, aber eben auch nur einer, ein Holländer aus den Dutch Mountains. Mit ihm fahre ich die Strecke zu Ende bis nach Bozen. wir wechseln uns vorne ab und sind so gegen 14:30 Uhr wieder zurück.

Auf dem Parkplatz vor der Messe gibt es einen supertollen Imbiß in dem ich nun meinen Spaß habe.

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Pommes und Currywurst Fortuna.

Strava

Insgesamt ein schöner Tag mit einer nicht sooo anstrengenden Etappe – also im Vergleich zu so manchem anderen. Morgen werden die Schneiderwiesen noch einmal knallig hart.

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Giro Dolomiti Day 2: Le Déjeuner sur l’herbe

Die Ereignisse des Tages begannen damit, dass ich 10 km von zuhause aus feststellte, dass ich meine Wasserflaschen vergessen hatte, wieder zurückfuhr und dann wie ein Bescheuerter nach Bozen raste um rechtzeitig zum Start zu kommen. Unten am Start fiel mir ein, dass wir ja ohnehin durch meinen Ort, Wolkenstein fahren und ich mir all die Hektik hätte  sparen können.

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(c) ADP, glaube ich

Am Start erschien das Feld irgendwie kleiner als am ersten Tag an dem mehr als 500 Fahrer teilgenommen hatten. Da die allermeisten ihre Trikots gewechselt hatten und nicht wie die Winterthurer, sieben Sätze mit nach Bozen brachten, war es gar nicht so einfach die Bekanntschaften vom Vortag wieder zu entdecken. Dafür sah ich einige Fahrer aus dem letzten Jahr, die  nun endlich wieder die richtigen Jerseys anhatten. Ich sage nur: Pedali Bolognese.

Gut organisiert ging es im Verband raus aus Bozen entlang der Eisack auf der Landstrasse bis nach Blumau; dort begann der erste Anstieg des Tages Richtung Völs, Seis und Kastelruth. Das Feld zieht sich dann sehr lang; ich muss da immer aufpassen nicht gleich in den Rennmodus zu schalten und akzeptieren von Fahrern überholt zu werden die schwerer oder älter sind als ich, bzw. ein anderes Geschlecht haben. Das ist also genau umgekehrt wie ein RCB Montagstraining, bei dem jeder Versuch des Überholens direkt mit dem Sprintanzug bestraft wird.

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Ein langer, aber sehr angenehmer Anstieg der letztendlich bis auf das etwa 2.100 m hohe Grödner Joch führen sollte. Die Sonne schien und wir kamen an der Konditorei Andreas [OHZ] vorbei und dann durch St. Michael.

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Vor mir der Däne, der mich später zwang auf die Damentoilette zu gehen.

Gerade als ich den kleinen Anstieg an der Kirche St.Michael hochfuhr läuteten die Glocken zwei Mal und zeigten an, dass es halb Zehn sei. Ein gutes Omen für den Rest des Tages, das ich sicherlich noch brauchen würde.

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Vor uns die Kirche St.Michael.

Neben mir fuhr eine Gruppe von Russen, die teilweise in Fucking Radklamotten eingekleidet waren.

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Es gab auch fucking Socken die ein hübsches und schnelles russisches Mädchen anhatte, leider konnte ich das nicht richtig gut photographieren.

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Coole fucking Socken

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Noch einmal coole fucking Socken ganz links.

Der Russe davor, mit dem blauen Jersey war auch nicht schlecht: Er gehörte zum Team „Gazprom Colnago“; wäre dies ein Formel Eins Team, dann könnte die Entsprechung „Schalke Ferrari“ sein in blau-rot gestreiften Autos.

Ein weiteres Highlight des Tages war das Team „www.Flinker-Zahn.de“, dass trotz großspuriger Ankündigung von hinten keine eigene Website besitzt. Macht nichts, auf der Website der Dentalpraxis Dr. Straube erfährt man alles nötige. Übrigens waren das die Fahrerinnen, die am Vortag diese rosa Hosenträger Jerseys anhatten.

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Flinke Implantate von Dr. Straube

Wir sind ja alle durch unsere Berufe irgendwie geprägt, ich kann z.B. nicht in einen Aufzug steigen ohne zu prüfen wer den hergestellt hat und wo und ob der Notausgang in der Decke ist. Tja, dafür reichen fünf Jahre bei Schindler. Wenn ich mit den Zahnarzthelferinnen bei meinem extrem guten Zahnarzt (Dr. Pfannenstiel) spreche, dann bin ich immer leicht neurotisch, was sie wohl über mich denken mögen. Vielleicht: „Eigentlich ein netter Typ, aber die Fehlstellung mit Engstand unten drei ist ja so etwas von Achtziger!“ oder „Boh, der sieht nach drei Stunden Zahnreinigung wie im Steinbruch aus.“

Ich traf auch einen der „Ulmis“ aus dem letzten Jahr den ich prompt ansprach: „Hey, ich kenne Dich vom letzten Jahr, Du bist immer unseren Mädels hinterher gefahren!“ Gefolgt von einer halbherzigen Leugnung.

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Rechts ein Ulmi im neuen Trikot. Links das Uhrwerk: Fuhr die ganze Etappe im gleichen Tempo durch, manchmal vor, manchmal hinter mir. Hielt nie an.

Jedenfalls ich das immer ein gutes Zeichen, wenn ich Zeit habe Photos zu machen und mich umzuschauen, das sollte sich nämlich später ändern. Bis Wolkenstein waren es immerhin ca. 50 km und 1.500 hm hoch und so langsam begann der Magen zu knurren. Ich konnte mich aber motivieren in dem ich mir versprach im Supermarkt am Ort ein Stück Apfelstrudel zu kaufen. Am Ortseingang wartete meine Familie auf mich und schrie und winkte. Also fuhr ich schnell noch ein Stück die Strasse hoch und bog dann ab. Cola, Apfelstrudel und zur Sicherheit noch ein paar Powerbars und dann weiter die letzten Meter bis zur offiziellen Verpflegung. Die da nicht so doll ist: Kekse, Bananen, Linzer und ein paar geschmierte Butterbrote wenn man schnell da war.

Um 11 Uhr ging es weiter Richtung Grödner Joch. Diese Strecke war ich letzte Woche bereits gefahren und ich wusste, was auf mich zukommt. Ich war deutlich langsamer als in der letzten Woche, aber das war OK. Und so begann die Abfahrt nach Corvara so gegen 12 Uhr. Auf der Strasse war viel Verkehr, so dass man nicht so richtig aufdrehen konnte. Von nun an ging es 27 km und mehr als 1.000  Höhenmeter abwärts. Das fuhr sich zwar sehr geschmeidig, hatte aber auch den Nachteil, dass mir bewusst wurde, dass ich eine Menge davon wieder hochfahren muss. Es war so, wie John Oliver von This week tonight angenehme Dinge mit unangenehmen Beigeschmack beschrieb: „It’s like catching an icecream cone out of the air, because a child was hit by a car.

An einer Baustelle, bei der gerade ein Teil der Strasse neu asphaltiert wurde fuhren viele andere und ich elegant an den wartenden Autos auf der linken Seite vorbei, nur um ein paar Meter weiter festzustellen, dass wir alle eine Zentimeterdicke Teerschicht auf unseren Reifen haben die sich quasi nicht mehr entfernen liess. Der Teer war noch heiß und weich und tausende von kleinen Steinchen sammelten sich in ihm an wie Schokostreusel auf einem Zuckerdonut. Das war gar nicht gut und ich machte mir etwas Sorgen, dass sich die Steine irgendwann durch die Reifen arbeiten würden.

Zeit als auf Toilette zu gehen und einen Espresso zu trinken. Kurz vor St. Martin in Thurn fand ich eine nette Bar – nur die Toilette war voll mit anderen Radfahrern (BASF!) und Osterhus-Däne sagte: „Geh‘ döch auf dö Damentölette!“ „Echt?!“ „Öch klör!“ Na gut. dann hockte ich ein der paar mit ein paar Fahrern aus der Gegend und liess es mir gut gehen- es sollte das letzte mal an diesem Tag sein. Die anderen Bremer hatte ich, bis auf Marc, seit Wolkenstein nicht mehr gesehen.

Der Rennstart war nur 2 km entfernt. Von hier aus sollte es 14 km hochgehen bis zum Würzjoch: Zunächst einmal 5 km und 450 Höhenmeter bis es wieder 3 km runter ging und dann noch einmal 6 km hoch mit 550 Höhenmeter.

Am Anfang war ich gut motiviert und überholte erst einmal einen fucking Russen.

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Das fühlte sich schon mal fucking gut an. Lief eben gut die ersten fünf Kilometer, ich überholte eine Menge Fahrer und wurde auch einige Male überholt. Alles im grünen Bereich. Ich strengte mich an, aber auch nicht zu sehr. Ab und an einen Gang höher, in den Wiegetritt und weiter. In den Spitzkehren immer schön den kürzesten Weg genommen und mit viel Schwung raus. Hoch traf ich zunächst Dietmar und dann Matthias, denen ich ein wenig Schwung mitgab.  Dann kam die Abfahrt, die viel zu schnell vorbei war. Und danach wurde es richtig hart.

Es waren zwar nur noch 6 km und 550 hm bis zum Ziel aber das zog sich verdammt lange. Und einige Stücke waren ätzend steil. Und mir ging auch langsam die Energie aus. Eine echte Qual, ich zählte quasi jeden Meter den ich fuhr. Bloß nicht aufhören zu treten, bloß nicht absteigen. Selbst als ich das Ziel in der Ferne sah, motivierte mich das nicht besonders, ich war einfach nur froh als ich oben war. Am Ziel stellte ich dann fest, dass die gefahrene Zeit für mich gut war. Das war aber auch so mit das härteste, was ich bisher gefahren bin. Härter waren an sich nur noch der Mortirolo, der Stelvio etc. von der Transalp 2011 und quasi jedes Mal Wada Toge in Japan hochzufahren. Und mindestens zwei RCB Montagstrainings dieses Jahr.

Bloß schnell runter zur Verplegungsstelle, dazu musste man 3 km ins Tal fahren. Ich freute mich schon sehr, meine Erwartungshaltung sah etwa so aus:

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Mittagessen am Würzjoch 1863 (Edouard Manet)

Und Stimmungsmässig wie der gleichnamige Film von Jean Renoir.

Wie bitter wurde ich enttäuscht. Es fing an zu nieseln und das Essen war eine Mischung aus Kinderalptraumspinat, englisch zubereitetem Rindfleisch (mindestens 5 Stunden gekocht) und lustloser Pasta. Nur ein Teil der Sitze war unter Zelten und ich musste mich da irgendwo reinfriemmeln, gegen den erklärten Willen von zwei Winterthurern. Marc war bereits da, nachher kamen auch noch Andreas, Matthias und Dietmar.

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Mittagessen am Würzjoch 2015 (ADP)

Da das Wetter aber immer ungemütlicher wurde machte ich mich los auf den Weg nach unten. Zunächst einmal weitere 100 Höhenmeter hoch, während es um mich herum anfing zu blitzen und kurz danach zu donnern. Ich hatte zwar eine dünne Regenjacke dabei, die aber nicht viel nützte. Innerhalb kurzer Zeit waren nicht nur die Klamotten, sondern auch die Schuhe komplett nass und wir wurde kalt. Die Straße runter war in keinem guten Zustand und sehr schmal, für den Verkehr war sie ebenfalls nicht gesperrt, was die Fahrt nach unten sehr risikoreich machte.  Das einzig gute war, dass der Regen unten wärmer wurde.

Etwas nördlich von Klausen kamen wir wieder in das Eisacktal, von dort aus waren es noch etwa 40 km zurück nach Bozen. Zunächst fuhr ich auf der Schnellstraße, da ich aber in keiner Gruppe war und der Verkehr sehr dicht, nahm ich ab Kollmann den Radweg, den ich von letzter Woche her schon kannte. Das war wesentlich angenehmer. In Bozen angekommen regnete es erst einmal nicht, fing dann aber auch wieder an. Das reichte mir total für heute, ich setzte mich in das Auto und fuhr wieder zurück nach Wolkenstein.

Insgesamt ein zwiespältiger Tag, einerseits eine extreme Leistung, die zunächst auch Spaß machte, aber mehr als zwei Stunden im Regen ohne Organisation auf dem Rückweg waren alles andere als lustig. Da ich keine Wechselklamotten habe, alles nass war, wenig Lust zum Radfahren und Kazuko heute auch Geburtstag nicht zuletzt entschloss ich mich heute einen Ruhetag einzulegen.

Strava

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