Archiv der Kategorie: Rennen

Alle Rennen an denen Freunde der Cyclitis teilnehmen.

German Folding Bike Open 2018. Bremen.

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In Bremen finden jedes Jahr drei für Radfahrer interessante Wettkämpfe statt: Der Velotörn, ein Rennradrennen, der Citytriathlon, bei dem man in der Staffel das Rad fahren kann und die German Folding Bike Open. Letzteres verspricht am meisten Spaß.

Nachdem es einige Gerüchte gab, dass der Velotörn dieses Jahr nicht stattfinden wird, scheint nun alles in trockenen Trikots zu sein und die neue Strecke kann sich auch sehen lassen – sie beinhaltet wie die frühere Bremen Challenge einen Abschnitt über die Hochstrasse und den Remberti-Ring. Ich habe mir mal die Mühe gemacht die Strecke auf Strava zu einer Route zu basteln, da die Beschreibung auf der Velotörn Website eben nur eine schriftliche Beschreibung ist. Prima, gut dass das Rennen wieder stattfindet.

Der Citytriathlon hat sich als feste Veranstaltung etabliert. Seit 2011 bin ich in verschiedenen Staffelteams dort gefahren und auch mehr oder minder erfolgreich. Auf dem Blog hier gibt es dazu jede Menge Berichte.

Bei der GFBO bin ich allerdings noch nie gestartet. Es gab sie zunächst als Brompton National Championship (2014,15) und nun zum dritten Mal offen für alle Klappradfahrer. Ich habe zwar ein sehr schickes Faltrad, ein selbst gebautes Moulton TSR9 mit einem riesigen 61er Kettenblatt vorne (War übrigens auch ein riesiges Geldgrab), aber den Termin habe ich immer verpasst. Als ich am Mittwoch so vor lauter Langeweile im Internet blätterte wurde ich darauf aufmerksam, dass schon vier Tage später der Wettkampf ist. Da ich ohnehin dachte, dass die Veranstaltung längst ausverkauft ist melde ich mich Spaßeshalber an … und bekam gleich am nächsten Tag die Zusage. So ein Mist, damit hatte ich nicht gerechnet.

Also musste ich erst einmal das Moulton klar machen, wozu ich nun so gar keine Lust hatte. Also ließ ich alles so wie es war. Auch die sehr anfälligen, sehr dünnen Schwalbe Ultremo Reifen da ich keine Lust hatte die dickeren Kojaks zu montieren. Und die Schaltung stellte ich dann 15 Minuten vor dem Start auf einer Parkbank ein.

Tja, und dann musste ich ja auch noch trainieren. Als ich mich das erste Mal nach langer Zeit auf das Moulton setzte knallte ich fast den Bordstein runter und hätte mich um ein Haar hingelegt. Aber mit der Zeit (also am Donnerstag, Freitag und Samstag) klappte es immer besser auf den Ausfahrten in der Umgebung.

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Nein. Das ist nicht der Schattenmann.

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Da das ja mein erster Ausflug in die Klappradszene war, stellten sich mir drei entscheidende Fragen:

  • Darf ich ohne Bart überhaupt starten?
  • Wie ehrgeizig soll ich die Sache angehen – oder falle ich da negativ auf als Spassbremse wenn ich zu ehrgeizig bin? Und davon abhängig:
  • Was ziehe ich bloß an?

Ich ging auf Nummer sicher: Vollbart und schickes Haiwaiihemd auf der einen, aber eine gute Radhose und Klickpedale auf der anderen Seite. So machte ich mich auf den Weg zum Wall.

Dort war es schon recht voll und eine lustige Meute versammelt. Insgesamt war die Stimmung deutlich besser als bei einem klassischen Rennradrennen, oder einer nordeutschen RTF – im Ehrgeiz der Teilnehmer gibt es ja da keinen Unterschied und jeder Mitfahrer den man nicht persönlich seit 10 Jahren kennt wird als unfairer Konkurrent eingeschätzt. Also unfair heißt: Könnte unfairerweise schneller sein.

Ich wurde gleich angesprochen und viele Zuschauer und Fahrer bewunderten das Moulton – von denen nicht zu viele da waren. Die meisten Teilnehmer fuhren Bromptons, einige Dahon, Tern oder Riese und Müller. Und sehr sehr viele aufgemotzte alte Klappräder, teilweise mit Carbonfelgen, Dura Ace Kurbeln und Zeitfahrlenkern. Einige fuhren auch Klappräder mit 26 Zollrädern, was eigentlich unfair finde (könnten schneller sein als ich).

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3 Moultonfahrer und vier Moultons: Dreimal TSR und ein altes, weißes aus den Siebzigern

Es waren eine Menge Leute da die ich kannte, Axel und Karsten aus der Klappradszene, aber auch Lena, Harald, Didi + Fräulein Didi, Niels, Mikele und andere die ich mehr mit „Rennrädern“ in Verbindung bringe. Die Teilnehmer ließen sich in drei Gruppen aufteilen, lustigerweise sehr ähnlich zu der Situation an einer Hochschule:

  • Eine unfaire Gruppe von ca. 10 bis 20 Fahrern mit dicken Waden, schnellen Kisten und jahrelanger Klappraderfahrung, die das Rennen unter sich ausmachen würden.
  • Eine faire Gruppe schick herausgeputzter Herrschaften, überwiegend auf Bromptons die nur für den Spaß gekommen waren.
  • Ich.
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Einige der unfairen Teilnehmer

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Die Kölner mit Anhang fand ich am geilsten.

Ich stand am Start und wurde so langsam nervös. Zum Glück gab es eine Kennenlernrunde, bei der wir alle gemeinsam gefahren sind. Der Kurs beginnt am Wall, etwa auf der Höhe von Harms und wird im Uhrzeigersinn gefahren. Herdentor und Contrascarpe sind noch asphaltiert, aber dann geht es in die Parkanlagen auf Erdwegen bis zum Theater, beim Wagenfeld vorbei und in einer Rechtskurve wieder auf den Wall, insgesamt etwa 2,1 km. Ich machte mir echt Sorgen, dass ich mich auf dem Schotter hinlegen würde.

Insgesamt gab es 44 Minuten Zeit, wer innerhalb dieser Zeit die meisten Runden gefahren war kam in das „Play Off“, bei dem nur noch eine Runde gefahren wurde, um den Sieger zu ermitteln. Ich dachte, dass ich 10 Runden schaffen könnte. Wichtig war ja einfach nur sich nicht überrunden zu lassen.

Wie gesagt, ich stand nervös am Start und dann fällt es mir schwer mit anderen Menschen zu sprechen. Ich will einfach nur mit meiner Aufregung alleine gelassen werden. Leider gab es unsägliche Musik (We will rock you; Black Betty….) und dazu unsägliche Ansprachen und Race Infos. Es war genauso schlimm wie bei der Bremen Challenge 2014, als wir über eine Stunde im Startblock standen und mit Anekdoten aus dem Leben von Marcel Wüst unterhalten wurden. Boh, danach wusste ich echt alles über den Typ. Lustigerweise war damals und heute der Veranstalter derselbe.

Dann ging es los. Ich hatte einen Platz relativ weit vorne und kam schnell weg. Aber wer gedacht hätte, dass hier Ehrgeiz und Leistung keine Rolle spielt lag falsch. Vom Start weg setzte sich gleich eine gute Gruppe mit vier Fahrern ab, ich dahinter und hinter mir nix. Die vier arbeiteten gut zusammen, so dass ich alleine die Lücke nicht schließen konnte. Erste Runde in 4:04 min – das passte aber. Die zweite Runde bin ich wieder ganz alleine gefahren und das kostete wirklich Körner – aber immerhin auch in 4:11 min. In der dritten Runde kamen von hinten zwei schnelle Fahrer – der blaue Reiter hatte sich aus der schnellen Gruppe herausfallen lassen und führte nun den Herrn im Smoking heran. Dieser Gruppe schloss ich mich an. Aber leider nur für kurze Zeit, denn dann merkte ich, das mein Vorderrad platt war.
Raus aus dem Feld, Pause an der Parkbank. Schlauch und CO2 Kartusche dabei, aber keine Reifenheber, so ein Mist. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich wieder einsatzbereit war. Für die Runde brauchte in dann über 12 Minuten und das Playoff konnte ich mir abschminken.  Ich wollte aber trotzdem eine gute Leistung zeigen und hämmerte wieder rein. Eigentlich fühlte ich mich auch ganz zufrieden, dass ich als Rennradfahrer nicht die Klappradhierarchie störe.

Die nächste Runde war ich dann wieder alleine unterwegs in 4:35 min. Das Tempo konnte ich dann alleine auch in den folgenden Runden halten, die ich in 4:18 min und 4:25 min (Runde 6) absolvierte. Mittlerweile waren 33:35 min verstricken, also etwas mehr als 10 Minuten Rennzeit vorhanden. Da waren also noch maximal zwei Runden drin, was mich auf 8 Runden gesamt gebracht hätte – definitiv zu wenig für die Playoffs.

Die Entscheidung alles oder nichts zu geben wurde mir dann aber auch in der siebten Runden abgenommen, als diesmal der Hinterreifen platt wurde. Ich hätte mal doch die Reifen wechseln sollen, das hätte mir eine Menge Frust gespart.

Also rollte ich auf der platten Felge ins Ziel und gab auf. Da das aber mein erstes Rennen war und mich an sich gut geschlagen hatte, Spaß hatte und eine Menge netter Menschen um mich herum waren, hatte ich nicht das Gefühl einer Niederlage.

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Spaß mit Bart in hellblauen Socken.

Ne, ich fühlte mich ziemlich prima und schaute mir dann das Playoff an, für das sich neun Teilnehmer qualifiziert hatten unter anderem Axel, Karsten, der Herr in dem Smoking, der blaue Reiter, der Herr mit dem Brusttoupet, einer der Kölnern, einer der so aussah wie direkt aus Clockwork Orange (na ja es ging ja auch um britische Kultur hier) und der superschnelle der dann auch gewann.

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Der Superschnelle. Der Gewinner kurz vor dem Ziel, meilenweit vor dem Rest der Fahrer.

Prima. Ein sehr schönes Ereignis, da könnte ich mir vorstellen auch nächstes Jahr wieder zu fahren. Mit besseren Reifen, weniger Ehrgeiz und mehr Bart.

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Beine testen in Berlin. Velothon 2018.

Mit dem Alter kommen die Gewohnheiten. Unmöglich, einen Tag nicht unter der Dusche zu beginnen, keine Zigarette nach dem Mittagessen zu rauchen, oder im Mai/Juni nicht zum Velothon nach Berlin zu fahren.

Delta Berlin 2018

Gewohnheiten sind nichts schlechtes sondern geben dem Leben Gefüge und Struktur. Vorausgesetzt, die Struktur ergibt dann auch etwas schönes und sinnvolles wie dieses Gebäude hier;

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Takanawa, Tokyo: Fire Station

und nicht etwas völlig sinnloses wie dieses:

 

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„very confused“

was lustigerweise in de Nähe von Berlin steht. Deshalb ist es schon eine gute Idee Gewohnheiten zu überdenken und sich die Frage zu stellen, ob man etwas macht, weil es wirklich gut ist, oder nur, weil es einem das nachdenken erspart, was man sonst noch machen könnte.

Der Velothon in Berlin wurde als Jedermannrennen erstmals 2008 ausgetragen; seit 2010 bin ich dort jedes Jahr gefahren mit einer Ausnahme. Zunächst die 120er Strecke, später dann die 60er. Einmal mit dem Cervelo, einmal mit meinem Union Fixie und sonst immer mit dem Canyon Positivo; dann dieses Jahr auf dem neuen Giant TCR. Immer zusammen mit Fabian. Für mich gibt es da nichts zu gewinnen, auch nicht annäherungsweise. Trotzdem mag ich das Rennen, weil es durch geschichtlich relevante Gegenden führt und am Wannsee auch ein paar Hügel hat. Noch mehr mag ich es allerdings mit Kathrin, Fabian und ihrer Familie zusammen zu sein. Als ich meiner Tochter erzählte, dass ich auch dieses Jahr wieder dort hinfahre fragte Sie mich: „Ist das die Familie, bei der du zu den Kindern so viel netter bist als zu deinen eigenen?“ Mag sein; ich komme da erstens ganz auf den eigenen Vater, und zweitens hängt’s natürlich auch stark von der pubertär geprägten Laune der eigenen Kinder ab, wie ich so zu denen bin.

Ich reise immer gerne nach Berlin, in begeistert was es da so alles gibt und ab und an bin ich dann auch soweit zu glauben, dass ich da ganz gut hinpassen würde. Vielleicht brauchen die ja da auch einen Radladen mit Cafe, wo die Menschen nett zu den Kunden sind – obwohl ich ja den Eindruck habe, das Nettigkeit von Fremden in Berlin den Beigeschmack von Heuchelei hat.

Mit 13 schenkte mir mein Onkel Horst ein Rennrad von Motobecane. Also ich glaubte, dass es ein Rennrad war, aber heute würde man so etwas bestenfalls Sportrad nennen, denn es hatte Schutzbleche, Beleuchtung mit Dynamo und diese gebogenen Griffe an den Bremshebeln mit denen man auch kurz greifend am Oberlenker bremsen konnte (ab und werden die auch „Suicide Levers“ genannt). In Mönchengladbach gab es damals nur die Auswahl zwischen einem Motobecane, einem Peugeot und einem Raleigh. Peugeots hatten die anderen und die Raleighs sahen scheisse aus. Das Rad habe ich dann lange gefahren, auch noch als Student in Aachen, bis mir einmal bei einer Abfahrt auf dem Weg zur Uni der Vorbau direkt über dem Steuerrohr abscherte und ich mich wunderte, warum denn Lenker nicht mehr mit Rad verbunden war. Diese Wunderphase dauerte nur kurz an, denn dann lag ich auch schon erstens auf der Fresse, zweitens mitten auf der Strasse und dritten kurz vor einem mit quietschenden Bremsen zum stehen kommenden Bus.

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Motobecane Sportrad. Heute kann man so etwas als Gravelbike verkaufen.

Damit ging ich dann zu einem Radsportladen in Aachen, der ersten Adresse am Platze. „Ne, können wir nicht reparieren.“ War die Antwort. Da ich ja Student und links war, also gerne und lange diskutierte bohrte ich nach. Sichtlich genervt bekam ich dann zu hören: „Also pass mal auf. Stell Dir vor es gibt ein Formel Eins Rennen und wir stehen an der Box und warten darauf, dass einer unserer Rennwagen zum nachtanken kommt. Und dann plötzlich fährt da jemand mit seinem Traktor vor und möchte, das wir den reparieren. Da geht ja auch nicht. Und jetzt verpiss Dich.“

Heute habe ich einen halben Radladen und mache das hoffentlich besser. Und die Räder die ich fahre sind auch besser als das Sportrad von Motobecane.

Fabian und ich hatten am Samstag nur kurz Zeit um uns die Beine zu vertreten, Carboloading zu betreiben (immens wichtig für 60 km Strecke!) und dann die Rennstrategie zu besprechen. Radrennen, so ist ja allgemein bekannt, werden im Team gewonnen und Fabian und ich sind ein echt gutes Team. In den vergangenen Jahren hatten wir schon alles versucht: Schnell loszufahren und uns an eine schnelle Gruppe zu hängen bis zum Ziel; ganz schnell loszufahren aus dem letzten Startblock; uns irgendwie alleine durchzuschlagen; uns zusammen durchzuschlagen, es mal mit einem Fixie zu versuchen oder einfach nur die ganze Zeit irgendwie schnell zu fahren.
Diesmal starteten wir wieder aus dem letzten Block. Das ist super, denn da kann man extrem viele andere Radfahrer überholen im Laufe von 60 km und ab und an gibt es dort auch strake Fahrer, die sich zu einer Gruppe zusammentun und nach vorne wollen. Diese Fahrer sind stark und verpeilt, denn sonst hätten sie sich ja früher angemeldet und würden nicht in den den letzten Block strafversetzt. Man erkennt die immer daran, dass die keinen Namen auf der Startnummer haben.
Fabian und ich wollten zusammenbleiben so lang es geht, uns aber am Ende des Spandauer Damms wieder treffen. Am Wannsee wollte ich dann wieder alleine abhauen, so dass wir uns dann wieder auf der langen Geraden, dem Kronprinzessinnenweg wieder treffen und das Rennen in Ruhe zu Ende fahren. Super Strategie, würde ich mal sagen.

Am nächsten Morgen machten wir uns von Fabians Büro auf den Weg an den Start, direkt an dem Eisenmann/Juden Denkmal. Wir kommen dann immer am Kumpelnest 3000 (für die, die es nicht kennen, das ist das ehemalige Kumpelnest 2000!) vorbei, wo das Nachtleben auch morgens um sieben noch lange nicht vorbei ist. Und jedes Mal wollen wir da ein Foto von uns machen. Also wir gehen diesmal hin und zum Glück stehen auch zwei Gäste direkt vor dem Kumpelnest die wir fragen können, ob sie ein Foto von uns machen. Als wir uns die aber genauer anschauen, nehmen wir von der Idee wieder Abstand. Das waren zwei extrem tätowierte Kanten, die nur noch teilweise ansprechbar sind, und Fremde als eher störend empfinden. Hätten wir denen unsere Handys in die Hand gedrückt mit der Bitte Fotos zu machen, hätten sie die sicherlich gerne genommen. Um uns dann zuzurufen: „Danke für die Handys. Und nun verpisst euch. Oder sollen wir auch noch eure Räder klauen?“ Also keine Fotos. Ich habe aber nach dem Rennen noch ein Foto gemacht, als die Typen endlich weg waren.

 

Am Start landeten wir in Block G. Das ist ungewöhnlich, weil sonst der letzte Block immer der H war, also Zeit einmal die Teilnehmerzahlen der letzten drei Jahre im 60 km Rennen zu prüfen:

  • 2018: etwa 3.700 Teilnehmer
  • 2017: 4.520 Teilnehmer
  • 2016: 5.045 Teilnehmer

Über die Gründe mag man spekulieren (Datum, Wetter, Entwicklung im Radsport, Gewohnheiten) aber die Teilnehmerzahlen gehen immer weiter zurück. In guten Jahren waren auf der 60 km Strecke mal fast 6.000 Teilnehmer unterwegs. Schade, weniger Teilnehmer, die man überholen kann.

Es geht los und ich hänge mich an zwei starke Jungs ohne Namen auf den Startnummern und Fabian hängt sich an mich. Ich lasse es ungewöhnlich langsam angehen, Fabian überholt mich in der Neutralisation noch auf der Ebertstrasse. Das stachelt meinen Ehrgeiz an und ich geb ein wenig mehr Gas. Wir sind aber so weit hinten gestartet, dass es keine schnelle Gruppe gibt, an die wir uns hängen können. Nach einigen Kilometern kommt eine Straßenverengung und wir müssen uns da langsam durchkämpfen. Ich nicht, denn ich springe auf den Fußgängerweg und fahre links vorbei, Fabian bleibt hängen. Das Feld ist hier schon weit auseinander gerissen und ich stehe nun ganz alleine im Wind. Alles was vor mir fährt ist zu langsam und von hinten hängt sich auch niemand länger an mich dran. Den Spandauer Damm muss ich auch alleine in Angriff nehmen. Das geht auch gut, kostet aber jede Menge Körner. Nachdem de Anstieg vorbei ist kommt endlich eine schnelle Gruppe von hinten und ich hänge mich ran.

An der Teltower Strasse sollte ich mich eigentlich aus der Gruppe herausfallen lassen, langsam treten bis Fabian kommt und dann gemeinsam mit ihm fahren. Ich bin aber so froh ein schnelles Feld gefunden zu haben, so dass ich erst einmal in der Gruppe bleibe. Es geht jetzt zum Wannsee und in das hügelige Terrain. In den Hügeln bin ich normalerweise gut. Dieses Jahr aber nicht – zu viele Körner am Spandauer Damm gelassen, zu wenig trainiert, dieses Jahr noch nicht in den Bergen gewesen, oder eine Kombination von allem – ich falle aus der Gruppe raus. Schade, damit ist dann auch der Ehrgeiz weg hier eine gute Zeit zu erreichen. Ich gebe aber trotzdem noch viel und lass mich nicht von anderen überholen bis wir links abbiegen und auf die lange Gerade kommen. Hier nehme ich Tempo raus, fahre mit 20 km/h auf der rechten Seite und warte auf Fabian.
Es dauert eine Weile, aber Fabian kommt auch in einer schnellen Gruppe. Er hat mich nicht gesehen, ich ihn erst, als er bereits vorbei ist und so muss ich beschleunigen wie ein Blöder und dann im TT Stil an die Gruppe heranfahren. Puh, das hat noch mal geklappt. Eine gute und schnelle Gruppe, nicht zu groß. Nun müsste Kathrin doch irgendwo stehen und winken? Ich mache gerade vorne Führungsarbeit und verpasse sie.

 

 

 

Puh, in dieser Gruppe muss ich echt viel Führungsarbeit machen, so hatte ich mir das ja nicht vorgestellt. In der Gruppe sind zwar vielleicht 15 Fahrer, darunter Fatty, einer mit einem Wilier Trikot, einer mit ’nem MTB (!) und zwei Satanisten, jedenfalls haben die so Jerseys mit „Cycyling“ und einem Fünfzackigem Stern in rot/schwarz darauf, aber von denen arbeiten nur vier oder fünf vorne, der Rest lutscht. Fatty macht absolut nichts. Am meisten legt sich der MTB Fahrer ins Zeug.

Für Fabian ist die Gruppe zu schnell, wie ich nach kurzer Zeit bemerke. Ich will jetzt aber mit denen ins Ziel  und strenge mich an. Es läuft gut und wir kommen bei Tempelhof rein. Der Wind kommt nun von vorne und ich stehe voll drin. Zum Glück geht es jetzt tendentiel wieder mehr Richtung Westen. An der Siegessäule beginnt die lange Zielgerade und ich schaue, dass ich nach vorne und nach links komme, aber nicht im Wind steht. Der Sprint geht los und neben mir ist Fatty. Das geht gar nicht, erst die ganze Zeit lutschen und dann mir die Platzierung wegnehmen! Ich strenge mich richtig an und komme 10 cm vor Fatty über die Ziellinie. 483. Platz, gerade noch vor Fatty. Tagesziel erreicht. War gar nicht so übel auch von der Zeit, obwohl ich ja auf Fabian gewartet hatte. Aber wenn ich nicht gewartet hätte und alleine weiter gefahren wäre, dann hätte mich die gleich schnelle Gruppe auch irgendwann eingeholt und ich wäre ebenfalls mit denen ins Ziel gekommen. Insgesamt bin ich zu zufrieden. Es ist noch nicht mal zehn Uhr morgens und alles was an diesem Tag gemacht werden müsste ist bereits getan.

Wir hängen am Ziel rum und treffen Bekannte von Fabian. Christine ist ja leider dieses Jahr nicht mitgefahren. Dafür gibt es einen Wirtschaftsprof aus Pforzheim und einen, dessen Name ich vergessen habe, der aber die Knie nicht mehr beugen konnte vor lauter Schmerzen. Zeit nun sinnvolle Dinge zu tun.

Irgendwie haben Fabian und ich noch Lust ein wenig zu radeln und machen uns auf den Weg zu ihm. Wir basteln dabei bereits an der Strategie für das nächste Jahr. Die naheliegende Idee kommt uns, als wir diese Dockless Leihräder in vielen verschiedenen Farben, die ja nun wirklich überall in Berlin rumliegen, sehen. Nächstes Jahr fahren wir auf diesen Leihrädern. Super Idee!

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Es gibt wie immer Kuchen im Garten. Wir versuchen uns an der Herstellung von Tofu und dann mache ich mich auf den langen Weg zurück nach Bremen.

In Bremen hat übrigens Limebike seine Räder in der Stadt verteilt:

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Prima, ein paar später als ich am Bahnhof ankomme und zum Laden in der Überseestadt muss probiere ich die mal aus. Innerhalb von 20 Sekunden auf so einem Rad wird mir klar, dass das mit Berlin nächstes Jahr gar keine gute Idee ist. Die haben zwar drei Gänge, aber die ersten beiden sind glaube ich Freiläufe. Der 3. bewegt das Rad …irgendwie. Auch in Aeroposition (Hände weg vom Lenker und direkt links und rechts in den Korb krallen) komme ich schnell vorwärts und werde mühelos von Hinz und Kunz überholt. Mit denen brauchen wir mindestens drei Stunden für 60 km.
Fabian, we need to talk.

 

 

 

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Zieleinlauf Münsterland Giro 125 km.

Münster Ziel 125

Aus dem WDR Video, etwa ab 40:00 min. Ich komme in einem großen Feld rein, bin ganz rechts aber links der doppelten weißen Linie im rot-weißen Wiegetritt Jersey. Fühlte sich fahrerisch dynamischer an, als es auf dem Video aussieht.

Es sind vielleicht etwa 10 Fahrer vor mir in dieser Gruppe, und ein ziemlicher Haufen dahinter.

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Münsterland Giro: 55 km. Münsterland RTF: 70 km.

Zum Saisonabschluss 2017 hatte der Münsterland Giro dieses Jahr einiges zu bieten: Gutes Wetter, steifen Wind, gute Organisation, viele nette Leute und dazu sogar 55 km Rennen auf einer 125 km Strecke. 

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Dieses Jahr war meine vierte Teilnahme beim Münsterlandgiro nach 2012, 2014 und 2016; und meine erste auf der Strecke raus nach Osten. Im Gegensatz zu der Strecke nach Westen Richtung Stadtlohn, gibt es gar keine Steigungen – wenn man mal von etwa vier Brücken über Autobahnen, Kanäle oder Eisenbahnstrecken absieht. Ich hatte mich für die 125 km angemeldet und zwar, weil ich lieber länger fahren, als früh aufstehen wollte: Das 65 km Rennen startete bereits um 7:45 hr, das 95 km Rennen eine Stunde später und das 125er eben noch einmal eine Stunde später. Viel besser, wenn man an dem Tag aus Bremen kommt: Man kann länger schlafen, fährt in Münster im warmen los und nicht im kalten Frühnebel, der sich besitzergreifend im Herbst über Westfalen ausbreitet.

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Aha, ein Radrennen.

Bei der Anmeldung gab ich wie immer ein Schnitt von 45 km oder mehr ein, um in Startblock A zu landen. Nicht, dass ich das auch nur annähernd fahren könnte, genau übrigens wie viele andere die man dann dort im Block trifft. Den Veranstaltern ist das aber nun auch bereits aufgefallen und so musste man nachweisen, dass man bereits in Münster eben jenen Schnitt gefahren ist, oder einen Schnitt von unter 38 km/h einhacken, was ich dann auch tat, und zwar genau 37,999999999999999999998 km/h. Das brachte mich dann in Block C. Mist, ich hätte doch noch ein paar Neuner hinzufügen sollen. OK, das war’s dann wohl. Mit den ganzen anderen laffen Pfeifen, die gerade mal 38 km/h angeben, würde ich da nie eine gute Platzierung, geschweige denn eine gute Zeit erreichen. Nicht dass ich da jemals 38 km/h gefahren wäre. Aber bitte.

Diesmal war ich mit Jochen unterwegs, dessen Sohn Kian für das Bike Market Team bei den Amateuren mitfährt. Wir kamen in Münster an und fuhren in dieses wundervolle Parkhaus direkt an der Mensa, in dem man im Winter die ganze Zeit überdacht Anstiege trainieren könnte.

Ähnliches Foto

Das schönste Parkhaus der westlichen Hemissphäre.

Während Jochen zu Kian unterwegs war, machte ich mich auf dem Weg zum Start, der relativ weit weg von der Mensa ist und natürlich hatte ich keine Ahnung wie ich da hinkommen könnte. Da kam eine charmante Lehramtsstudentin aus Münster entlang und zeigte mir den Weg. Sie hatte sogar in Bremen studiert (tolle Uni!, bemerkte ich), kannte das Viertel (mein Wohnzimmer!) und fand die Weser toll (schönster Fluss Deutschlands!). Toll was man so alles sagte, wenn die Chemikalien gerade das Hirn beköcheln. Denn jetzt, ein paar Tage später muss ich den Tatsachen ins Auge sehen und feststellen, dass ich mit der Uni nichts zu tun habe, im Viertel zum letzten Mal war als unser Auto aufgebrochen wurde und die Weser? Wenn man mal in Düsseldorf am Rhein gelebt hat, weiß man was ein Fluss ist.

Am Start dann endlich ein paar Bremer: Marc, Marc, Matthias und Melwig? Den Namen habe ich vergessen, aber aus Prinzip fangen ja alle Namen des Bremer Mannes mit M an.

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Bremer Ms

Da standen wir im Startblock C, dem Block der laffen Pfeifen während die schnellen Hasen und schlauen Füchse in den Blocks A und B vor uns warteten.

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Vor uns die schnellen Hasen und cleveren Füchse.

In jedem der vier Blöcke, die in 2 Minuten Abständen gestartet wurden, waren etwa 300 Teilnehmern, insgesamt sind etwa 1.100 gestartet. Block A und B gingen auf die Reise und unser Block rückte schließlich vor in Startposition. Das ist der Moment, in dem ein Jedermannrennen vorentschieden wird (also wenn man in Block A ist, sonst ist sowieso alles egal): wenn man jetzt nicht schnell in die Pedale einklickt, die Ellenbogen rausfährt und versucht, soweit wie möglich nach vorne zu kommen, kann man quasi gleich mit den Trödlern RTF fahren. Das klappte diesmal recht gut, weil ich das ja oft zusammen mit dem großartigen Alain Raposo in Japan trainiert hatte. Auf die anderen Bremer Ms hatte ich bestimmt bereits 20 Plätze vor dem Start gut gemacht.

Dann startete unser Block und im Gegensatz zum letzten Rennen, dem Velotörn in Bremen riss mir weder die Kette, noch die Geduld. Das ist der zweite Moment in dem ein Jedermannrennen vorentschieden wird: Jetzt muss man schauen, dass man unter den ersten 20-30 Fahrern bleibt, die Spitzengruppe im Auge behält und alle Attacken mitfährt, um ja nicht vorne herauszufallen. Das kostet ziemlich Kraft und Überwindung, weil der Körper ja noch ganz kalt ist. Aber man wird letztendlich dadurch belohnt, dass in der Regel nach 20 – 30 km das Tempo langsamer wird und letztendlich alles schneller vorbei ist, als wenn man mit den laffen Pfeifen ins Ziel trödelt. Für die ist es, unterm Strich, anstrengender. Auch das klappte diesmal sehr sehr gut. Auf dem Foto sieht man gut, wie ich mich da mit einer größeren Gruppe absetzen kann.

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Attacken im Block C Feld

Ab und zu taten sich Lücken auf und die habe ich dann mit Hilfe von anderen wieder zugefahren, um dann festzustellen, dass die Gruppe vorne ohnehin wieder langsamer wurde und das alles gar nicht nötig gewesen wäre. Aber man weiß eben nie und im großen und ganzen fühlte ich mich super in Form und konnte verschwenderisch mit meiner Kraft umgehen. Nach 20 Minuten holten wir bereits eine große Gruppe von Fahrern aus dem B Block ein, unter anderem mit Marc. Ich rief „Hey Marc“ Und Marc sah mich an, rief: „Hey Mob!“ verließ seinen Block und fuhr mit unserer schnellen Gruppe weiter.

Bislang waren die Straßen schön gerade und der Wind zum größten Teil in unserem Rücken. Das änderte sich, als wir nach 25 km in Sendenhorst ankamen: Die Strecke führte hier kurvenreich durch den Ort und wie das so ist bei Kurven: Das ganze Feld beschleunigt nach den Kurven, da tun sich Lücken auf und so langsam liess bei vielen auch Kraft und Willen nach, so dass sich das Feld verkleinert. Das ist einerseits gut, weil die Konkurrenz im Ziel weniger wird, andererseits auch schlecht, weil es weniger Fahrer gibt, die vorne Führungsarbeit machen.

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Durch das kurvige Sendenhorst – das Feld wird kleiner.

Es lief weiter super für mich, ehrlich, ich fühlte mich in der Form meines Lebens. Ich sparte meine Kräfte in dem ich mich klug aus dem Wind hielt, fuhr alle Attacken mit, machte teilweise vorne selber Tempo und irgendwann holten wir eine weitere Gruppe von B Fahrern ein. Am Straßenrand waren relativ viele Fahrer mit Materialschäden und ab und an sah man Gestürzte und Krankenwagen, vielleicht etwas mehr als gewohnt. Auch im Feld gab es deutlich mehr Berührungen zwischen den Fahrern, als das sonst der Fall ist. Im Nachhinein schreibe ich das dem starken Seitenwind zu, der den Fahrer im Wind langsam ins Feld treibt. Dadurch wurde es immer mal wieder unruhig im Feld und die üblichen giftigen Kommentare fielen.

Nach 42 km ging es hart gegen den Wind Richtung Westen. Ich fuhr neben einem anderen und der eröffnet die Konversation mit den Worten
„Jetzt könnte auch endlich mal die Sonne rauskommen.“
Ich wollte gerade antworten, als sich direkt vor mir das halbe Feld hinlegt. Schreie, das Geräusch von Karbon, Alu und Lycra auf Asphalt. Der Sturz ist in der Mitte des Feldes und breitet sich wie eine Welle rasch weiter nach links und rechts aus. Jetzt bloß nicht bremsen, sondern so schnell wie möglich nach links kommen, um vor den Stürzenden am linken Rand der Strasse vorbeizuziehen. Das klappte auch, aber vorne ist eine größere Gruppe weg.

Jetzt machte es keinen Sinn schnell zu fahren, weil ich die alleine ohnehin nicht einhole. Ein paar andere Versprengte versuchten das und scheiterten. Ich wartete bis die nächste Gruppe von hinten kommt und schließe mich ihr an. Wenigstens Zeit einen Riegel zu essen hatte ich.

In der neuen Gruppe geht es ebenfalls zügig weiter. Bis dann einer hinter mir ruft
Nas dojqansduwd ias asdzj!“
Was?
Dlasd Reinasdka ist puasd!!!
„Wasssss????!??“
Ich lasse mich zurückfallen.
„Dein Reifen ist platt!!!“

Stimmt. Mist. Nach 55 Kilometern fahre ich rechts aus dem Feld raus. Glück im Unglück, links neben mir hält der Servicewagen vom Velodrome Münster. Der hintere Reifen hat einen ziemlich langen Schnitt. Wir wechseln den Schlauch und wie ich in Japan gelernt habe, würde ich nun einen 1.000 Yen Schein unter den Mantel schieben, damit das ganze länger hält. Habe ich aber nicht, so einen Mist! Und mit 10 Euro Scheinen funktioniert das sicher nicht.

In der Zwischenzeit fahren weitere Gruppen vorbei. Für mich ist das Rennen hier und jetzt zu Ende. Nachdem ich wieder fahrtüchtig bin, schließe ich mich einer anderen Gruppe an. Die ist relativ langsam und ich rolle mit.

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Toll. Jetzt war’s ne RTF.

Das Tempo ist jetzt bei etwa 35 km/h und nicht besonders fordernd. Das liegt auch daran, dass die Gruppe zwar relativ groß ist, aber keiner vorne Tempoarbeit machen möchte. Ein paar Mal gehe ich nach vorne, gerade bei den Anstiegen, aber keiner zieht nach. Das ist jetzt kein Rennen mehr, sondern eine RTF.

Ab und zu fahre ich neben einem Mädel mit einer extrem hohen Trittfrequenz. Hier ein Video von ihr:

In Ostbevern kommen wir an einer Bühne vorbei – doch die große Zumba Schau ist leider auch bereits zu Ende, sonst wäre ich da glatt noch mal stehen geblieben. Mann O Mann. Oder Frau O Frau. Whatever.

Das war’s dann auch, das Rennen zieht sich, bis die Felder von städtischer Bebauung abgelöst werden und wir wieder nach Münster kommen. Jetzt bitte wenigstens einen guten Sprint und vorne im Feld reinkommen. Die Gruppe wird etwas schneller und hektischer aber es gelingt mir doch so unter die ersten zehn zu kommen. Noch 500 Meter bis zum Ziel, noch 300, ich beschleunige noch mal und beiße mich vorne fest. Die Straße ist relativ eng und ab und an muss ich Tempo rausnehmen.

Ich überhole links einige Fahrer und werde aber auch von einigen anderen niedergespurtet. Es klappt trotzdem gut und nach etwa 3:21 hr bin ich im Ziel. Eine richtig gute Zeit und ein richtig guter Schnitt (37,8 km/h) ist das nicht; ja wenn der Reifen gehalten hätte…. Aber letztendlich ist es auch egal. Platz 609 von 1.062 angekommenen Teilnehmern.
Strava

Hätte ich mich zum Beispiel bei Marc gehalten, der zwei Minuten vor mir gestartet war, wäre ich das Rennen etwa in 3:12 zu Ende gefahren, was mich so etwa auf Platz 350 gebracht hätte. OK, das ist auch nicht doll. Irgendwie spiegelt das Ergebnis nicht wieder, wie gut ich mich in dem Rennen gefühlt habe. Oder vielleicht ist es umgekehrt, ich habe mich so gut gefühlt, weil ich mich nicht so dolle angestrengt habe, also dieses Ergebnis.

Ich treffe Jochen auf dem Schloßplatz und wir trinken ein Erdinger. Matthias kommt rein und später auch Dietmar vom RCB, den ich seit den Dolomiten nicht mehr gesehen habe. Die sportliche und modisch-sportliche Elite Westfalens hat sich hier versammelt.

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Jochen erzählte, dass er eine Gruppe gesehen hat, die schwer gegen den Wind kämpfte, weil sie sich genauso hintereinander aufgereiht hatten, dass wirklich jeder im Wind stand, Man stelle sich vor, der Wind käme von vorne rechts.

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Später treffen wir auch Kian, essen Pommes und Currywurst und gehen uns das Profirennen anschauen, als mir der Kolibri über den Weg fliegt.

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Wir finden dazu einen schönen Platz am Kopfsteinpflaster, direkt vor einem Hospital in der Innenstadt von Münster.

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Die Profis fliegen vorbei. Einer wirft dabei seine Flasche gegen das Absperrgitter und es macht kräftig „bumm“. Hui sind die schnell! Was der Unterschied zwischen einem Profi und mir ist weiß ich ja spätestens seit Lüttich-Bastogne-Lüttich. Wir sprinten dann Richtung Zielbereich um das Finale zu erleben. So richtig sehen wir nicht was los ist und dann muss wehr lange gewartet werden, bis das Ergebnis verkündet wird denn vier Fahrer (Sam Bennett, Phil Bauhaus, Andre Greipel und Marce Kittel) sind gleichauf im Ziel. Sam Bennett gewinnt im Foto Finish.

Insgesamt ein sehr cooler Tag mit Jochen und auch das erste Mal seit langer Zeit, dass ich in der Dunkelheit los, und in der Dunkelheit wieder zurück nach Hause gekommen bin. Die Saison ist nun definitiv zu Ende, 11.000 km sind im Sack und Münster markierte den Abschluss, so wie in Japan das Rennen in Saiko im November immer das letzte der Saison war. Jetzt gibt es keine Ziele mehr in dieser Saison und es wird nur noch zum Spaß gefahren.

Ich hoffe, ich kann mich daran gewöhnen.

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OBKM. Erster. Dritter. Zehntausend.

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Auch dieses Jahr veranstaltete die Schicksalsgemeinschaft Bremer Radsportvereine wieder die offenen Bremer Kriteriumsmeisterschaften (OBKM), eine Serie von 6 Rennen im Sommer, ausgetragen auf dem Sachsenring in Heilshorn. Am Mittwoch fand der letzte Lauf statt.

Sachsenring – das klingt nach Benzingeruch und Motorschmiere und so gar nicht nach der Produktion von Faun Müllfahrzeugen. Tatsächlich ist der Sachsenring lediglich eine Strasse in Form eines Rechtecks um ein Gewerbegebiet jenseits der A27, irgendwo 25 km von zuhause. Durch diverse völlig übertriebene Blogposts, ergänzt durch begeisternde Erzählungen konnte ich Hannes überzeugen, mich zum letzten OBKM der Saison zu begleiten. Es gab auch etwas zu feiern: Der dritte Gesamtplatz in diesem Jahr war mir eigentlich sicher, ich musste nur noch teilnehmen und ankommen. Trotzdem war ich so nervös wie lange nicht mehr.

Meine Nervösität kühlte langsam auf dem Weg zum Rennen ab. Das lag an dem Regengebiet in das wir geraten waren und das uns innerhalb kürzester Zeit bis auf die Socken nass machte. Prima, dachte ich, so richtig Lust hast Du ja eh nicht und auf nasser Strasse werden sie uns ja wohl nicht fahren lassen, das wird vermutlich gleich abgesagt. Wie mit einer Heckenschere geschnitten hörte der Regen exakt am Sachsenring auf. Die Strasse dort war komplett trocken geblieben und alle die mit dem Auto gekommen waren (alle außer uns, de facto) standen gutgelaunt an der Strecke und warteten darauf, dass es los geht. Fast schon schade.

Zunächst einmal fuhren die Bratzen unter sechszehn Jahren. Uns wurde dabei zwischenzeitlich in durchnässter Kleidung richtig kalt; dann kamen wir endlich dran, die Männer über 50 und die Frauen über 16 in einem Rennen. Diesmal ging es nur über 16 Runden wegen der nahenden Dunkelheit. In Runde 12, 8 und 4 wurde jeweils um Punkte gesprintet, die Punkte beim Schlußsprint zählen dann noch doppelt hinzu. Ich stand am Start, zusammen mit den anderen fünf Teilnehmern denn leider fehlten ein paar bekannte Gesichter wie Linda, Wolfgang, und Rainer. Also, ich stand am Start und hatte gerade begonnen einen Riegel zu essen. Ich dachte, es gäbe nun wie immer eine langatmige Erklärung der Rennleitung, aber weil alle etwas nervös waren – die Dunkelheit nahte – ging es, zack, gleich los.

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Hier nach kauend. Links schon die Attacke.

Einer der Fahrer (in blau) versuchte sich bereits nach den ersten hundert Metern abzusetzen, so dass ich all meine Kraft aus der Kaumuskulatur in die Beine fliessen liess, um die Lücke zuzufahren. Das doofe Resultat davon war, dass ich nun einen rund gelutschten Klumpen Riegel im Mund hatte, der mich daran hinderte richtig zu atmen. Bis fast zum Ende von Runde zwei dauerte es, bis ich das Ding endlich kleingelutscht hatte – das kostete richtig Körner. Und jetzt begann ja auch schon der Sprint um die Punkte.

Keiner wollte den Sprint anziehen, also machte ich das dann selber von der Innenseite aus, etwa 40 Meter vor der letzten Kurve. Das ist der ideale Punkt bei dem es meine Ausdauer gerade noch erlaubt volle Power bis zum Zielstrich zu geben. Ich legte los und kam als Erster ins Ziel. Eine Glocke wurde geläutet.

Das ist die Glocke die läutet, wenn man in die letzte Runde vor dem Sprint geht.

Also musste ich jetzt meinen Sprint als „Ausreissversuch“ tarnen, damit ich nicht völlig blöd dastand – ich machte weiter hohes Tempo und mir gelang es auch die Gruppe auseinander zu reisen, aber die starken drei Fahrer waren nach wie vor dabei.

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Die Ausreisser

Als die dann den Sprint anzogen konnte ich nur noch reagieren – aber die Lücke hatte sich bereits aufgetan und ich wusste, dass ich maximal Dritter werden würde. Genau bis zu dem Moment als Andrzej in der letzten Kurve stürtze, dabei zentrifugal nach außen schliderte und Kai praktischerweise bremsen und stürzen musste. So kam ich unverdient als Erster ins Ziel.

Marc schloss danach zu mir auf und die folgenden Runden fuhren wir in mässigem Tempo gemeinsam. Wir überundeten Laura, die sich uns anschloss und später Lena, die dies nicht tat.

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Nach einer Weile und kurz vor Schluss hatten sich auch Andrzej und Kai von ihrem Sturz erholt. Schlimmes war zum Glück nicht passiert. Zu fünft fuhren wir so in die letzte Runde, die Kai locker vor mir und Marc gewann. Und damit war das letzte Rennen vorbei; ich hatte mal wieder gewonnen! Na ja, es war das zweite Mal hier und diesmal auch wirklich nicht fair. Das war allerdings auch völlig egal, denn an den Gesamtplatzierungen änderte dies nichts.

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Zieleinlauf. Kai vor mir und Marc.

Wegen der nahenden Dunkelheit kam es dann gleich zur Siegerehrung auf dem ehrwürdigen Podest des Bremer Radsportverbandes, das praktischerweise mitten in riesigen Verdauungsabfallprodukten größerer Tiere stand. Darauf standen schon die ganz großen der Radwelt. Also wie z.B….öh…ist ja auch egal. Ich war übrigens erst einmal alleine dort, Kai hatte sich irgendwohin verdrückt, um seine Wunden zu versorgen und Wolfgang, der die Serie schon nach dem 5. Lauf gewonnen hatte, fuhr mit den schnellen Jungs im letzten Rennen das zeitgleich stattfand.

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Es gab eine „Bronze“ Medaille und zwei Gels. Wahre Arbeit, wahrer Lohn.

 

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Zufällig sah ich Kai kurz danach und auf meine Intervention hin, wurde die Ehrung dann fortgesetzt. Auch Wolfgang, der gerade mit dem feld vorbeifuhr, wurde zugerufen er möge doch mal Pause machen und kommen, um sich auf das Treppchen zu stellen.

Kai bekam nun seine Silbermedaille und eine mir unbekannte Anzahl von Gels.

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Wir waren gerade fertig, als Wolfgang anhielt und nun auch auf das Treppchen wollte. Doch wie gesagt, da war ja schon alles vorbei, also schickten wir ihn wieder zurück ins Rennen, wo er nun dem Feld hinterherfahren konnte.

Die OBKM dieses Jahr war wirklich eine sehr gute Veranstaltung, immer bei guten Wetter und ich konnte viel über Positionierung und das richtige Sprinten mitnehmen. Ich kann die Teilnahme nur jedem empfehlen. Vorausgesetzt man ist über 50 oder weiblich, denn sonst muss man bei der schnellen Truppe im 30er Feld fahren, wo man nichts lernen kann, außer wie bitter es ist hinten aus dem Feld zu fallen, oder sich auf die Fresse zu legen. Na ja, unter Schmerzen lernt es sich ja auch am besten.

Ich denke für Hannes war es auch interessant, mit welcher Präzision die Rennleitung so ein Rennen duchführt und die Ergebnisse nachhält.

„Wie viel Runden sind jetzt schon um? Kommt jetzt der Sprint?“

„Ich seh nichts, ich hab die falsche Brille auf?“

„Hast Du Dir die Reihenfolge gemerkt im Ziel ?“ „Ich? Ich dachte Du machst das?“

Aber an sich ist das auch egal, denn mit Wolfgang hat der stärkste Fahrer gewonnen. Kai und ich sind etwa gleich stark, aber Kai hat eben an allen sechs Läufen teilgenommen  und ich nur an fünf. Alle anderen sechs Teilnehmer waren halt mal nur maximal vier Mal dabei.

Für 2018 wäre zu wünschen, dass es etwas mehr Variation der Strecken gibt, sechs mal in Heilshorn ist schon ein wenig langweilig und vor allem zu weit weg. Es gab ja bereits für dieses Jahr die Idee, in der Nähe der Uni zu fahren, nur waren die Auflagen der Stadt nicht erfüllbar und zudem hat der Kurs direkt hinter dem Start auch eine sehr ungünstige Kurve. Vielleicht hat hier jemand eine Idee für einen guten, ca 1 km langen Rundkurs?

Zwei Tage später machte ich die 10.000 km auf meinem Rad dieses Jahr voll. Ich war mir nicht sicher, ob ich das dieses Jahr wieder im September schaffen würde, denn außer an Lüttich-Bastogne-Lüttich hatte ich an keinem großen Ereignis teilgenommen. Vielleicht war das auch gut so, denn nachdem so etwas vorbei ist, bricht dann regelmässig die Leistung ein und man fragt sich, ob es überhaupt nach Sinn macht Rad zu fahren.

So ist es aber nun einfach die letzten 2.000 km bis Weihnachten zu fahren und somit, wie in den letzten Jahren auf 12.000 km im Jahr zu kommen. Das Velotörn Rennen fahre ich noch, die wunderschöne RTF Lauenau am Wochenende danach und zum Saisonabschluss den Münsterland Giro.

Und dann nur noch zum Spass.

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Velotörn Bremen 2017. 151. Platz

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Am Himmel öffnete sich kurz vor neun ein blaues Fenster, das erste seit Tagen, und erlaubte eine trockene und relativ windfreie Durchführung der 2. Auflage des Velotörn Rennens in Bremen. Ansonsten ging aber viel schief.

Als Mitglied des Wiegetritt Werkteams; wenn auch in der schwächeren Gruppe mit Olaf, Thorsten, Micha und Steen, konnte ich kostenlos an dem 55 km Rennen am Morgen teilnehmen und was nichts kostet ist ja bekannerweise auch nichts. Ich merkte das schon auf der Hinfahrt, wo ich mich abmühen musste noch rechtzeitig zur Akkreditierung zu kommen, aber irgendwie auch ein wenig lustlos und unmotiviert war. Kaum hat man mal was richtig gutes geschafft (Dritter in der Jahreswertung der offenen bremischen Kriteriumsmeisterschaften, später einmal mehr), lehnt man sich sofort auf den geernteten mickrigen Lorbeeren aus.

In den Tagen vor dem Rennen gab es im Laden ein paar Diskussionen, wie wir denn da taktisch fahren sollten. Unter anderem wurde gesagt, dass wir gejagt werden würden, da wir ja in der Teamwertung die Titelverteidiger wären. Ich denke mal, das dürfte so ziemlich jeder bis auf uns vergessen haben; aber wir halten natürlich noch die weiterhin mickrigen Lorbeeren über unseren Köpfe und rufen: „Seht her, schaut uns an, wie großartig wird sind.“ Dann wurde die Taktik bekanntgegeben: Am Start schnell losfahren, in die schnelle Gruppe ganz nach vorne kommen und dort bleiben, und dann im Sprint am Ende schnell an allen anderen vorbei.

Das ist eine sehr gute Taktik, die aber dummerweise drei Mal das Wort „schnell“ beinhaltet und die meisten von uns, mich eingeschlossen, können das nur ein oder maximal zwei Mal. Zum Glück waren im 2. Werksteam mit Leo, Jan und Lisa drei gute Fahrer die das schon für uns reisen würden. Eine pragmatischere Taktik ist einfach nur auf dem Rad zu bleiben und ins Ziel zu kommen. Die Planänderung von visionär auf pragmatisch erfolgt dann meistens während der ersten 500 Meter des Rennens.

Sehr gut gelang es uns dann aber im Startbereich ganz vorne zu positionieren, bei etwa 225 Teilnehmern. Das ist extrem wichtig, denn so ein Jedermann Rennen wird quasi am Start entschieden. Aus dem Mittelfeld kommt man nie nach vorne, irgendwann und sehr schnell reisst eine Lücke und das war es dann.

 

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Am Start war die Stimmung gut, neben uns standen die Jungs vom RCB und vor uns konnten aufgrund der Präsenz von Bernd Rennies noch ein paar Sixdays Mädels rein die ich dann im weiteren Verlauf nicht mehr gesehen habe.

Man steht dann immer so am Start eine halbe Stunde und wird kalt, während der Ansager versucht die Zeit zu überbrücken. Bei der letzten Bremen Challenge, 2014 war das ganz besonders schlimm, als wir fast zwei Stunden im Block sassen und Marcel Wüst Geschichten aus seinem Leben zum Besten gab. Diesmal war nicht Marcel Wüst, sondern C. Zeyfang, Leiterin des Sportamtes Bremen der Ehrengast und wurde vom Ansager zu allerlei Nichtigkeiten interviewt. Der Ansager stellte eine Frage, hielt das Mikro zu Frau Zeyfang und knipste es vermutlich auch in diesem Moment aus. Jedenfalls habe ich nichts gehört, immer nur den Ansager. Ich glaube, der hörte sich einfach nur gerne selber reden und konnte es nicht ertragen wenn andere Menschen etwas sagten. Ich bezweifle auch, dass das irgendjemandem außer mir auch nur aufgefallen ist, denn am Start sind alle nervös und haben kein Ohr für Frau Zeyfang.

Runterzählen bis zehn und los ging. Ich fuhr heute auf meinem „De Rosa“, da mein Canyon Positivo erste Zerfallserscheinungen nach sechs Jahren zeigt. Das De Rosa ist ein kleines Sensibelchen, vor allem die Schaltung. Und so wunderte es mich gar nicht, dass direkt beim Start auch schon die fürchterlichsten Geräusche von Kurbel und Schaltwerk kamen. Und ich so gar keine Power auf die Strasse brachte. Dann waren die Geräusche auf einmal weg – prima. Leider war auch meine Kette nicht mehr am Rad.

Also, abgestiegen, zurück, Kette gefunden auf der Strasse. Da hatte es sauber einen Nietstift rausgezogen. Schrott nun. Zurück zum Start bei Stadler am Zelt: Ein netter Mechaniker baute mir schnell eine neue Kette an das Rad, fluchte über die Schaltung und brachte mich wieder in Schwung. Das alles für lau.

Jetzt war ich wieder auf der Strecke und hatte die ganz für mich. Ich war mit Sicherheit auch Letzter, mindstens zehn Minuten hinter dem Vorletzten. Äh, wie war noch mal die Taktik? Ah ja, in die schnelle Gruppe rein und da drin bleiben.

Prima, denn als ich auf der Nordstrasse so lustlos vor mich hinfuhr kam schon die schnelle Gruppe in der 2. Runde von hinten an. Ich nahm Tempo auf und hing mich an die ran. Alles richtig gemacht. In der schnellen Gruppe waren auch Leo und Jan mit etwa 15 weiteren Fahrern, der Rest der Wiegetrittfahrer hatte erwartungsgemäß nicht den Sprung nach vorne geschafft. Die schnelle Truppe war verdammt schnell und ich hatte Mühe dort dranzu bleiben. Sie brachte mich aber über die volle erste Runde (die 2. Runde an sich) und dann auch noch weiter bis zum Ende der Nordstrasse. Ich hätte ja noch ein wenig länger drin bleiben können, aber weitere drei Runden häte ich auch auf keinen Fall durchgehalten und so liess ich mich rausfallen und fuhr wieder alleine weiter. Von hinten kam erst einmal nichts.

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Die Streckenführung war dieses Mal doch sehr unklar. So unklar, dass die Spitzengruppe in der ersten Runde sogar von den Führungsfahrzeugen falsch geführt wurde udn wenn man alleine fährt hat man teilweise so gar keine Ahnung wo es lang gehen könnte und fährt entsprechend vorsichtig. Es war quasi wie eine schlechte ausgeschilderte RTF.

Irgendwann einmal kam die zweite Gruppe von hinten, angeführt von Christian vom RCB. In dieser Gruppe waren von Wiegetritt auch Lisa, Steen und Thorsten und vom RCB neben Christian auch Matthias sowie ca 40 weitere Fahrer. Diese Gruppe war deutlich langsamer und ich fuhr die nächsten Runden mit denen durch. Dabei überundeten wir auch die erste Fahrer, so dass ich mich langsam aber sicher vom letzten Platz löste. Prima.

Schnell war die nicht, da konnte ich gut drinnebleiben und nochd ie Kräfte schonen für das große Finale. Ach ja, und für die Extrarunde die ich ja wohl hauptsächlich alleine fahren würde. Immer wenn es mit denm Wind ging fuhr ich weiter in der Gruppe nach vorne und bei gegenwind versteckte ich mich schön im Feld. Ich fühlte mich jetzt richtig gut und fuhr zu Christian in der Spitze  auf und sagte: „Hey. ich fahr Dich auf der Zielgeraden an!“ Undf dann ging ich in die Führung, damit Christian da mal endlich raus konnte, denn der fuhr fast nur vorne im Feld.  Christian sagte noch:“OK, fahr dann links raus, so dass ich rechts an Dir vorbei komme.“ Gebongt. So etwa 2 km vor dem Ziel fing ich an mich links unter den ersten zehn zu positionieren, um den Sprint gut anfahren zu können. Auf dem letzten Stück, wo es eine leichte Steigung gibt vor der Zielgeraden war ich fast ganz vorne, als die erste sinnfreieAttacke kam. Ich musste dann nach vorne, um das Loch für das Feld wieder zuzufahren. Dann kam die zweite Attacke von einem sehr starken Fahrer der RG Uni Hamburg die ich auch noch einigermassen kontern konnte, aber dann war die Luft raus. Ich fuhr weit links in die Gerade, spurte so halbherzig ins Ziel und machte mich, im Gegensatz zu allen anderen, auf eine weitere Runde.

Zumindest kannte ich jetzt den Kurs und würde mich nicht mehr verfahren. Ich überholte noch ein paar Gruppen, insgesamt 73 Fahrer und landete am Ende auf dem 151. Platz. 29,8 km/h ist auch keine schlechte Zeit, da die ja auch einen komplette Kettenwechsel und viel zeit alleine auf der Strecke inkludiert. Also nichts lief nach Plan aber am Ende war ich doch ganz zufrieden.

In der Teamwertung holte Wiegetritt den 1. und 3. und der RCB den 2. Platz. Es gibt dann noch eine PaveTeamwertung, bei der mein Team den ersten Platz holte, aber ich habe keine Ahnung worum es dabei geht.

Am Ende standen wir so rum und wollten uns unterhalten. Das ging aber leider fast gar nicht, weil eine Gruppe von Exilbrasilianern aus Wildeshausen Ihr Sambafeuerwerk abbrannte. Ich weiß nicht wer die engagiert hat, aber da war fast noch schlimmer als der einsame Saxophonspieler, der in der Regel bei Kunstaustellung tutend improvisierend durch die Räume spaziert.

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Samba do Wildos Hauso

Wir warteten auf die Siegerehrung, denn an sich waren wir ziemlich sicher, dass wir weit vorne landen würden. Der Ansager war unglaublich peinlich. Ein Mädel war dritte geworden und er fragte sie, was ihr an dem Rennen besonders gefallen hätte. Erwartungsgemäß sagte sie „das Kopfsteinpflaster“. (Diemsal konnte man sogar eine Antwort hören). Weil ja ein unheimlicher Hype um dieses Pflaster gemacht wird, was mich im Prinzip ja nur daran hindert schnell zu fahren. Und dann sagte er: „Du magst es also hart und dreckig, hehehhehe.“ Oh Mann, ich dachte ich schaue gerade eine Folge von Jerks.

Dann kam die Teamwertung. Wir mussten also nun auf das Podest. Taten wir aber nicht. Stattdessen standen da so total unsportliche Typen auf dem Podest die wir im Rennen nie gesehen hatten. Da hatte aber jemand einen dicken Fehler gemacht. Risen Aufregung bei uns, doch zum Glück hatten wir mit Olaf einen Anwalt dabei. „Los Olaf, mach was!“ Einstweilige Verfügung – oder wenigstens Wiederholungs des Rennens.“

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Olaf war ganz bei uns. Wenn es sei gemusst hätte, er hätte auch eine Wiederholung des 2. Weltkrieges erwirkt (Stalin war gedopt und Rosevelt hätte nicht ausgewechselt werden dürfen!). Und dann bekamen wir noch unsere Siegerehrung während bereits das 100 km Rennen lief und einer der großen und umstrittenen des Radsportes ein sehr versöhnliches letztes Rennen fuhr.

Was ich mir dann nicht mehr angesehen habe denn ich hatte nun Lust auf Pommes, Currywurst und zuhause. So jetzt noch die RTF Lauenau am nächsten Wochenende (sehr empfehlenswert), Anfang Oktober der Münsterland Giro mit 120 km und dann noch ein paar Tage Mallorca oder so und dann ist die Saison 2017 wieder vorbei.

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Noch ein paar Worte zum Velotörn:

Ich bin wirklich dankbar, dass jemand es in die Hand nimmt ein größeres Rennen in Bremen zu organisieren. Es gibt da noch jede Menge Verbesserunsgpotential:
Erstens war die Streckenführung nicht wirklich gut. Ich meine ist ja schön, das Bremen so arm ist und kein Geld hat seine Infrastruktur zu erhalten, aber Kopfsteinpflaster finde ich nicht unbedingt wichtig. Das ist kein Merkmal einer guten Strecke. Die Bremen Challenge hatte eine gute Strecke in den letzten Ausgaben über den Flyover am Hauptbahnhof und mit Schmackes durch den Rembertikreisel. Der Velotörn nutzt im Prinzip eine sehr ähnliche Strecke wie der City Triathlon und die bin ich nun so oft gefahren, dass ich in der Mitte ein Ortsschild mit „Wilstedt“ erwarte. Von den Strecken in Hamburg oder Berlin im Vergleich will ich gar nicht reden.

Die Organisation der Strecke war dieses Jahr nicht gut. Es gab sehr enge und gefährliche Passagen, teilweise waren da noch kurz nach Kurven geparkte Autos auf der Strecke und es fehlte einfach an Ausschilderung und Streckenposten. Ehrlich. Das muss besser werden.

Ach so: Und bitte weniger Ansagen und noch weniger Samba.

Bis zum nächsten Jahr.

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City Triathlon Bremen. Familienstaffel: 2. Platz.

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Team Schädlich Unchained: Peggy-Marie; Michael Max-Taro und Ronni Francois (v.l.n.r.)

„It’s cold as hell out these mornings, and you know what the man said, the coldest winter I ever spent was the summer I spent in San Francisco.“

Dieses Zitat wird gewöhnlich Mark Twain zugeschrieben und kommt so in dem Film 48 hours von 1982 mit Eddie Murphy und Nick Nolte vor. Mein kältester Winter, abgesehen von dem Winter 1994/95 in einem ungeheizten Gästehaus bei dem auch noch für eine Woche der Strom ausgefallen war auf dem Land, gottvergessen irgendwo in China (genau hier) , ist definitiv der Sommer 2017 in Bremen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals in den letzten sieben Jahren beim City Triathlon so gefroren hätte, wie heute.

Zunächst war es ja wenigstens noch trocken, als ich um halb zehn in der Überseestadt ankam und begann unser Team zu organisieren. Nachdem wir in den letzten sechs Jahren immer den ersten (vier Mal) oder zumindest den zweiten Platz in der Mixed Staffel mit einem Team der Hochschule gewonnen hatten, waren unsere Ambitionen dieses Jahr deutlich niedriger. Mit dem Hochschulteam war das auch so eine Sache: Als Schwimmerin hatten wir fast immer eine Söldnerin rekrutiert, Philipp, erfolgreicher Studienabbrecher an einer anderen Hochschule (aka Blitzrad, Lulle, Lühmann) übernahm den Radteil und lediglich Janek war wirklich Student, bis er dann graduierte und trotzdem weiter lief.

Die Organisation taten uns dann aber einen Gefallen und eröffneten einen neuen Staffelwettbewerb dieses Jahr und zwar die sogenannte Familienstaffel. Ich bin nicht ganz sicher wie in diesem Zusammenhang „Familie“ interpretiert werden muss, denn in der offiziellen Ausschreibung gab es keine Regelung dazu, aber unserer Meinung nach musste jedes Mitglied der Staffel eine Familie haben und das war definitiv der Fall. Falls wir gefragt würden einigten wir uns zunächst auf die offizielle Sprachregelung, dass ich der erste Mann von Peggy-Marie (Namen wurden leicht geändert um Unschuldige zu schützen) sei und Ronni der zweite.

Peggy-Maria, die das Schwimmen übernahm war mächtig nervös. Ich wollte ihr einen Neoprenanzug organisieren, den mir dann Schnippo netterweise lieh. Zunächst war ich überrascht, dass der Anzug nicht tätowiert war, im Gegensatz zu Schnippo und dann kannte mein Erstaunen keine Grenzen mehr als ich feststellte, dass Peggy so viel mehr Volumen aufweist wie Schnippo. Sie passte zwar in den Anzug, aber das Ding war so gespannt, das jede Bewegung unmöglich wurde. Wäre sie damit in die Weser gesprungen, sie wäre schnurstracks auf den Grund gesunken und hätte dort ausharren müssen, bis sie wieder jemand an die Oberfläche zieht. Zum Glück fand sich dann noch ein Ärmelloser Neoprenanzug für sie.

Ronni-Francois war, wie es typisch für einen Franzosen ist, natürlich wieder die Ruhe selbst. Seit Juli bin ich ja sozusagen unter Vertrag im Werksteam von Wiegetritt; weshalb ich nun erstens umsonst Teamkleidung bekommen habe, und zweitens erstaunlich oft gegrüsst, oder aber ignoriert werde. Ich mag die alten Trikots von Wiegetritt im blau-roten Design sehr gerne, weil man die wirklich auf einen Kilometer Entfernung erkennen kann. Das gibt anderen Menschen genügend Vorwarnzeit mich entweder zu grüßen oder aber zu ignorieren.

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Werksfahrer Wiegtritt (c) Andi Arbeit

Selbstverständlich war heute wieder die gesamte Elite des Rad- und Triathlonsports in Bremen entweder am Start oder wenigstens anwesend. Silvia, Silke und Ina waren wieder als Frauenstaffel dabei, Thomas, Björn und Andres starteten in der Männerstaffel, Tobi und Matthias waren mit ihren Firma unterwegs und daneben sah ich auch noch Jessica, Harald, Marc, Maren, Tim, Schnippo, Bernd, Hans-Peter, Andi, Fr. Holzberger, Elena und dieses kleine Mädchen, dessen Name mir jetzt partout nicht einfallen will. Nicht dabei war diese Frau von Urania Delmenhorst, die letztens bei der Ankunft in der Wechselzone beim Silberseetriathlon erschöpft zusammenbrach und so etwas wie spontane Wehen oder einen sehr überraschenden Orgasmus entwickelte. Während ich so überrascht war, dass ich das fotographieren vergaß, stellte ich heute fest, dass es ja doch ein Foto von ihr in den Untiefen des Netzes gibt:

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Die Wechselzone des Staffeltriathlons war heute mal wieder entlang der Kaimauer rechts des Hafenbeckens angeordnet. So ist der Weg für den Schwimmer vom Ausstieg aus dem Wasser zum Wechselplatz relativ kurz, der Radfahrer muss aber sehr lange entlang der Promenade laufen, bevor er sich endlich auf sein Rad schwingen und losfahren darf. Mit normalen Rennradschuhen geht das gar nicht gut; so das ich bereits am MTB Schuhe umgerüstet hatte mit denen man besser rennen kann. 2015 war das noch extremer, da war ich nach dem Laufen bereits so fertig, dass ich gar nicht mehr Radfahren wollte.

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In der Wechselzone mit Thomas.

Dann ging es auch schon los. Peggy-Maria war bereits im Wasser und Ronni Francois und ich warteten auf sie in der Wechselzone. Der erste Schwimmer kam bereits nach weniger als acht Minuten aus dem Wasser und so langsam füllte sich die Wechselzone. Es gab das übliche Chaos und Geschreie denn der eine oder andere steht ja da immer irgendwie im Weg um. Wir hatten uns ganz am Ende der Zone platziert, etwa drei Meter von dem eigentlich Radplatz entfernt. Peggy kam an, schaute auf den Platz und sah uns nicht, obwohl wie wie blöd „Peggy – hier!“ schrien. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht, diese Mischung aus Erschöpfung und Verzweiflung war schon etwas ganz besonderes. Ich denke in diesem Moment war sie kurz davor sich irgendein Rad zu schnappen und alleine weiter zu fahren, wenn sie bereits alle Männer im Stich gelassen hatten.

Dann ging es für mich los und mittlerweile hatte es erst angefangen zu nieseln und dann zu regnen. Ich lief mit dem Rad die Kaimauer überholte den ersten Fahrer, der mit Rennradschuhen vor mir los gelaufen war. Dabei schaute ich auf meinen Tacho: 16 km/hr – hm, das würde dann auf Strava den Schnitt ordentlich drücken. Der Sprung auf das Rad klappte auch gut und noch vor der Einbiegung auf die Nordstrasse überholte ich die nächsten beiden Fahrer und legte los gegen den Wind und gegen den Regen. Es war ziemlich anstrengend so etwa 36 km/h zu fahren und das über 3,5 km bis zum Wendepunkt zu halten. Auf der Gegengerade kamen wir bereits die Spitzenfahrer entgegen, die den Wendepunkt umrundet hatten. Etwa einen Kilometer vor dem Wendepunkt sah ich Silke auf der Gegengerade, die also etwa 2 km Vorsprung hatte, das würde ich also schwerlich aufholen können. Auch Thomas und Tobi waren vor mir.

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Silke beisst. (c) Andi Arbeit

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Tobi beisst nicht. Bei dem sieht das irgendwie immer nach Spaß aus. So sad.

In die andere Richtung lief es mit etwas Rückenwind dann deutlich schneller mit 40 km/h. Trotz des Regens und der nassen Fahrbahn war ich deutlich zuversichtlicher in den Kurven als viele andere, da kommt einem die Erfahrung aus den Bergen und den OBKMs dieser Welt zugute. In der zweiten Runde wurde ich dann deutlich langsamer auf der Nordstrasse und teilweise ging die Geschwindigkeit trotz Griff in den Unterlenker und Blick auf den Boden auf 33 km/h zurück. Tobi und Thomas sah ich immer noch auf der Gegengerade, d.h. ich hatte nicht so viel Zeit auf die beiden verloren. Und Silke hatte ich auch einen Kilometer abgenommen und dabei noch sechs andere Fahrer überholt. Ich wurde einmal von einem sehr pro-ausgerüsteteten Fahrer stehengelassen, aber  war es dann auch. Beim zweiten Mal am Wendepunkt kam der vor mir fahrende zum Sturz. Nasse Fahrbahn und vorne zu stark bremsen ist immer ganz schlecht. Ich fragte ob alles OK wäre, und als es das war fuhr ich weiter. Vor mir überholte ich noch einen weiteren Fahrer aber dann war die Lücke bis zu den nächsten so groß, dass ich nur noch versuchte möglichst viel Power zu geben, um eine gute Zeit zu erreichen.

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Full Power. Am Rahmen kann man noch prima die Gülle von der letzten Tour mit Hannes sehen. (c) Andi Arbeit

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Thomas liegt auf der AGA Skala (Angestrengter Gesichtsausdrucks Skala) so etwa zwischen Tobi und mir in der Mitte (c) Andi Arbeit

Mein Gefühl sagte mir, dass ich ganz gut gefahren war, aber auch nicht gerad überragend schnell, wozu das Wetter auch etwas beigetragen hatte. Ich ging in die Streckenteilung, bog nach rechts ob, dann wieder nach links um auf der Rampe runter in die Wechselzone zu fahren und da passierte es.

Ich machte etwas was man neuerdings in Bremen als einen „Leichten Balitzky“ bezeichnet. Das heißt ich fuhr über eine Haufen willkürlich angeordneter, gelber Speedbumper die ich nicht gesehen hatte und bei dieser Gelegenheit riss es mir den Lenker aus der Hand. Das Rad neigte sich nach links, ich knallte mit dem Oberschenkel auf den Boden und schilderte ein paar Meter vorwärts, zum Glück Richtung Ziel.

In diesem Momenten ist na ja so mit selbstproduzierten Drogen vollgepumpt, dass man nur noch denkt: „Hoffentlich läuft das Rad noch“ und dann drauf springt und weiter fährt. Ich hatte vielleicht so 30 Sekunden Zeit verloren, aber immerhin konnte ich noch treten,das Rad rollte noch und ich kam endlich in der Wechselzone.

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Zum Glück war dem Rad nichts passiert.

Ronni lief los und ich betrachtete erst einmal meine Verletzungen: Knie, Ellbogen und Oberschenkel waren lädiert, der Schnitt im Knie war relativ tief, so dass ich mich entschied erst einmal zum Verbandsplatz zu gehen.

Die Leute dort waren sehr nett, aber der Verband den sie da angelegt hatten …. überall tropfte das Blut raus und lief am Bein runter, ich sah aus wie eine Mischung aus Boris Karloff und einer Mumie – also etwa wie Boris Becker.

「blutige mumie」の画像検索結果

Nach dem Rennen.

Ich war komplett nass, fror und blutete. In Momenten wie diesen bin ich ganz froh, dass meine Familie da war und sich ein wenig um mich kümmerte. Also zog ich mich schnell um und ging dann zum Ziel um Ronni einlaufen zu sehen. Das tat er dann auch recht zackig, insgesamt waren wir etwa 1:14 h unterwegs gewesen und das sollte zum zweiten Platz in der Familienstaffel reichen.

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Team Schädlich unchained: Jetzt neu mit Profi-Verband

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Siegerehrung Familienstaffel

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Silke, Silvia und Ina auf dem 3. Platz in der Frauenstaffel (c) Andi Arbeit

Ein gutes Team und ein gutes Ergebnis – Danke an Peggy-Maria und Ronni Francois, das ihr mitgemacht habt.

Ergebnisse

Strava

Bis zum Sommer 2017.

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Silbersee Triathlon. Mixed Staffel. 2. Platz.

„Es war um die Mittagszeit eines sehr heißen Junitags, als der »Dogfish«, einer der größten Passagier- und Güterdampfer des Arkansas, mit seinen mächtigen Schaufelrädern die Fluten des Stromes peitschte. Er hatte am frühen Morgen Little Rock verlassen und sollte nun bald Lewisburg erreichen, um dort anzulegen, falls neue Passagiere oder Güter aufzunehmen seien.“

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Das sind die ersten Zeilen des Romans „Der Schatz im Silbersee“ von Karl May, den ich nie ganz gelesen habe. Ich besaß aber eine gleichnamige LP auf dem legendären Europa Label, die ich mir gerne mit meinem Freund Christoph anhörte, bevor wir draußen im Garten die wichtigsten Passagen mit unseren Schwestern nachspielten. Der Roman wurde 1891 geschrieben, die Kindheit ist lange vorbei und so klingelte an einem Sonntag Morgen 2017 um kurz vor sieben der Wecker und ich fuhr, ohnehin zu spät zum Silbersee in Stuhr wo ich mich, ohne lange nachzudenken angemeldet hatte, als Ina mich fragte ob ich denn wollte.

Nachdenken ist nicht schlecht. Denn erstens hatte ich die frühe Startzeit nicht mitbekommen und zweitens war mir auch nicht klar, dass von mir ein 40 km langes Zeitfahren verlangt wurde. Bislang war ich immer 20 km gefahren. Andererseits war das alles auch OK, weil in unserer Klasse ohnehin nur sechs Teams angemeldet waren und irgendwie geht es ja immer. Und ich hatte ja auch prima vorher mit Hannes trainiert.

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Ja, von Bremen sind wir bis nach Berlin gefahren.

Ich kam viel zu spät am Silbersee an, den ich zunächst nicht erkannte, weil er keineswegs silber ist, sondern diese organische Färbung hat mit der man nicht gerne in Berührung kommt. Ich schummelte mich irgendwie mit meinem rheinischen Charme in die Wechselzone und wartete auf Ina, die alles organisiert hatte und schwimmen wollte und Axel, der unsere Staffel als Läufer komplementierte.

Wie bist Du in die Wechselzone gekommen? Das geht doch gar nicht ohne Papiere?“ Mit dieser Frage wurde ich als erstes von meinem Team konfrontiert. Das ging an sich ganz einfach, ich ließ meinen rheinischen Charme spielen und mogelte mich durch. Dabei half mir meine Auslandserfahrung, denn in Japan geht an sich alles, wenn man sich nur doof genug stellt und Ausländer ist. In Deutschland, so finde ich, sehen wir diese Dinge zu eng, vieles ist so einfach möglich, man muss es nur einfach machen und darf nicht so lange darüber nachdenken.

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In der Wechselzone

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Das Cyclyng Team: Axel, Ina und ich.

Wir starten in der Mixed Staffel, insgesamt waren dort sechs Team gemeldet, so dass unsere Chancen auf’s Treppchen zu kommen rein mathematisch 50:50, oder wie Reiner Calmund einmal sagte, 60:60 standen. Also schauten wir uns zunächst einmal an, welche Räder unsere Konkurrenz fuhr und ob wir irgendwelche von denen identifizieren konnten. Interessanterweise fuhren bei zwei Teams die Frauen Rad, während die Männer schwammen und liefen; eine von den Frauen sah auch ganz fit aus und stellte eine echte Gefahr dar. Das war die blonde hier unten im Photo.

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Meine direkte Konkurrentin vom Team aus OHZ. Sollte sich als die stärkste im Feld herausstellen.

Dann gab es noch eine weitere fitte Frau aus Clausthal-Zellerfeld und ein paar schicke Räder mit Zeitfahraufsatz, aber in meinem rheinischen Übermut statuierte ich erst einmal „Die hau ich alle weg.“

Ina startete als Schwimmerin und kam dann auch gleich als zweite überhaupt von allen Staffelschwimmerin in die Wechselzone. Ich schnappte mir den Transponder, hetzte über die Wiese zum Rad und machte mich auf den Weg raus in die Geest. Bereits auf dem kleinen Weg raus überholte ich die ersten Einzelstarter, vor allem deswegen, weil ich mit meinen Shimano SPD MTB Cleats viel schneller laufen und einclicken kann, als Fahrer mit normalen Rennradpedalsystemen. Aber jetzt ging es erst einmal voll gegen den Wind und ich machte mir Sorgen, dass ich die angestrebten 1:10 hr für die 40 km schaffen würde, denn ich kroch teilweise mit 32 km/h durch die Landschaft. Das war irre anstrengend und ich hatte noch mehr als 30 km vor mir.

Zumal so ein Triathlon ja total unentspannt ist, sowohl von den Teilnehmern her, als auch von den Kampfrichtern die überall herumlaufen und Disziplinarische Maßnahmen verteilen.

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Alles Verbrecher in Verdacht des Windschattenfahrens

Ich schaute also sehr, dass wenn ich andere überholte, dass ich schön Abstand hielt und auch erst lange nach dem überholen wieder rechts einscherte, was mir dann wiederum einen Anschiss von den Kampfrichtern einbrachte, ich solle doch nicht so lange links fahren. Puh, die meinten es ja wirklich ernst hier.

Zwischen Ristedt und Gessel gab es einen langgezogenen Anstieg und ich verlor noch einmal Fahrt. Einerseits. Andererseits war das auch ein Problem für viele Triathleten die eher brettflache Strecken gewöhnt sind und noch deutlich langsamer waren als ich. Ehrlich gesagt finde ich ja, dass viele von denen keine besonders gute Technik auf dem Rad haben. Letztens in Österreich wurden mir ja meine Grenzen aufgezeigt, als ich auf einem 8.000€ Cannondale Super Six Hi Mod Evo Rad hinter einem MTB Fahrer auf einem Rennrad fuhr – der nahme locker driftend eine Kurve mit Schotter, während ich mich ebenso locker in die Büsche verabschiedete. Aber hier war im Vergleich richtig gut, ich fuhr die Anstiege hoch so schnell wie es ging, bei den Abfahrten konnte ich richtig Speed machen und in den Kurven konnte ich mit einer guten Linie und schnellem Beschleunigen in der Kurve immer richtig Zeit aufholen. Allerdings war ich in Gessel dann auch richtig kaputt. Für die ersten 10 km hatte ich 17:27 min gebraucht; für die zweiten bis zum Wendepunkt 17:22 min, aber jetzt sollte noch der lange Anstieg zurück kommen und ich war wirklich kaputt.

Zum Wendepunkt führt eine lange gerade Straße die man auch wieder zurückfährt. Ca. 1 km nach dem Wendepunkt sah ich die erste Frau einer Mixedstaffel in Richtung Wendepunkt fahren. Ich wusste also dass ich 2 km Vorsprung also mehr als 3 min hatte und das musste ich jetzt unbedingt bis zum Ziel verteidigen. Dummerweise ging es jetzt einen langen Anstieg hoch nach Leerßen und teilweise fuhr ich da mit 20 bis 25 km/h hoch, das würde also vermutlich weder war mit einer guten Zeit noch mit einer Führung werden.

Als ich oben war, ging es aber nun sehr flott weiter, denn nun hatte ich den Wind im Rücken und konnte quasi kontinuierlich mit 40 km/h fahren, so dass ich für die nächsten 10 km nur 17:09 min brauchte. Das könnte also doch etwas werden. Da das Ziel ja nun recht nahe war mobilisierte ich die letzten Kräfte und viel schneller als ich gedacht hätte kam ich wieder am Silbersee an. Für die nächsten 9 km brauchte ich dann auch nur 14:42 min und dann ging mir die Strecke aus.

In der Wechselzone knallte neben mir eine Triathletin vom Rad bei dem Versuch abzusteigen. Zu diesem Zeitpunkt merkt man aber vor lauter Adrenalin nichts mehr und würde auch noch mit dem eigenen separierten Bein unterm Arm zum Wechselpunkt laufen. Dort kam ich als erster Fahrer einer Mixedstaffel an, Axel lief los und ich knallte auf den Boden. Die starke Fahrerin kam drei Minuten später an und die nächste dann noch einmal zwei Minuten danach. Die Art und Weise wie die Frauen zusammenbrachen war schon spektakulär.

Das war aber noch gar nichts gegen das was kommen sollte: Kurz danach kam eine Fahrerin mit Trikot von Urania Delmenhorst ins Ziel, schmiss sich keuchend und zuckend auf den Boden und erlebt etwas, was aussah wie ein phänomenaler Orgasmus, oder aber eine sehr, sehr schwierige Geburt. Ich hätte gerne davon Photos gemacht, muss aber gestehen, dass ich sie in diesem Moment nur fassungslos angestarrt habe.

Dann kam ein Mädel von einer Frauenstaffel rein und schrie extrem laut „Scheisse ich hab’s verkackt!“ Was war geschehen? Ein Kampfrichter hatte ihr 2 Minuten verpasst, wegen „Verdacht auf Windschattenfahren“. Boh, war die sauer, was ja gar nicht angebracht ist, denn in diesem Wettbewerb waren ohnehin nur zwei Staffeln angetreten, so dass ein Platz auf dem Podium garantiert war. Aber die konnte sich gar nicht zurückhalten oder einkriegen.

Bei der Fahrerin der Mixed Staffel die als dritte ins Ziel kam, stellte ich die Frage, ob die einen guten Läufer haben, der uns noch einholen könnte und die meinte nur: „Keine Ahnung, ich kenn‘ den Typen nicht.“ Und dann gab es noch obendrauf: „Dich hätte ich auch noch eingeholt, wenn der Honk mich nicht falsch eingewiesen hätte.“ Was war denn hier passiert? Irgendwie falsch abgebogen und musste dann wieder zurück.

Tatsächlich ist es auch so, dass ich der langsamste von den drei starken Teams war, allerdings liegen zwischen dem ersten Team und mir auch nur 16 Sekunden. Und die kam fast 5 Minuten nach mir ins Ziel, nie im Leben hätte die das geschafft. Aber wie gesagt, das war hier auch alles andere als entspannt.

Ina und ich gingen also erst einmal zur Laufstrecke und schauten Axel zu. Die Strecke über 10 km musste in drei Runden zurückgelegt werden, bereits nach der ersten hatte der Läufer des guten Teams Axel eingeholt, so dass nun klar war, dass wir auf den zweiten Platz landen würden. Axel war untröstlich: „Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! “ schrie er noch stundenlang auf dem Gelände am Silbersee herum.

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Nein, das tat er nicht, weil Axel nämlich ein sehr entspannter Typ ist. Er hat dann glaube ich auch noch „The Getz“ eingeholt, ein bekannter amerikanischer Profi-Wrestler.

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Axel bei der Jagd auf „The Getz“

Und als ich so an der Laufstrecke stand und darauf wartete, dass Axel seine nächste Runde absolvierte, fiel mir auf einmal auf, dass neben mir das perfekte, entspannte Mädchen stand.

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Nur falls sich das wirklich jemand fragen sollte: Rechts natürlich.

Für einen Moment vergaß ich Axel.

Menschen, die kurz vor dem Tod stehen, aber dann durch wundersame Weise wieder zurückkehren, berichten ja schon mal darüber, dass in einem einzigen Augenblick ihr ganzes Leben an ihnen vorbeizieht. Als ich das perfekte Mädchen sah, zog hingegen meine Zukunft in einem einigen Augenblick an mir vorbei: Das perfekte Mädchen mit „Na, so alleine hier? Ich auch“ ansprechen, schnelle Scheidung, die zickigen Kinder ins Heim stecken, gemeinsam nach Neuseeland abhauen (Hallo Holger!) und am Abend am Strand gemeinsam: „Somewhere over the rainbow“ singen.

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Leider dauerte meine Zukunft auch eben nur einen Augenblick und dann war ich wieder zurück in diesem Leben. Zweiter Platz, in jeglicher Hinsicht.

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Danke an Axel und Ina aus unserem Cyclyng Team für Organisation, entspannte Stimmung und gute Leistung. Wir sehen uns wieder auf dem City Triathlon in Bremen nächste Woche.

Ergebnisse Gesamt

Ergebnis Mixed Staffel

Strava

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OBKM Rennen Vier. Platz Eins.

Während irgendwo in Frankreich sich die Profis die Lunge aus dem Leib fahren und deutsche Hoffnungen eben diese gerade begraben, fand in Bremen der 4. Lauf der Offenen Bremer Kriteriumsmeisterschaft teil, bei dem sich junge Talente auf die Tor vorbereiten können.

Mit der deutschen Hoffnung meine ich Emanuel Buchmann, der aus unerfindlichen Gründen bei der ARD als Tour-Favorit gehandelt wird und vermutlich selber am meisten erstaunt ist, dass er regelmäßig nach dem Rennen interviewt wird.

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Yeah – und auf zum Sachsenring!

Mit jungen Talenten meine ich die vier Fahrer, die sich gestern auf dem legendären Sachsenring in Heilshorn einfanden, um wie jeden Monat im Sommer unter sich den besten und härtesten Seniorenfahrer (bzw. die härteste Frau) im fairen Kampf herauszufinden. Doch alles in der Reihe nach.

Ich fahre ja echt gerne Rad – aber nie die ersten zehn Kilometer. Bis ich mich umgezogen habe, auf die Kiste geschwungen und dann vor mich hin eiere, das kostet jedesmal so viel Willen und Durchhaltevermögen – vor allem nach einem langen Tag an der Hochschule, wo man so ziemlich das Gegenteil von Radfahren macht. Und zwar versucht Studis Spaß und Abenteuer am Hedging von Fremdwährungsrisiken beizubringen. „Im Gegensatz zum Surrealismus der Grundmetapher. Bäh, der Tod ist noch zu gut für sie.“

Ich war spät dran und von Westen zogen zudem auch noch Unwetter Richtung Bremen. Letztens, am 22. Juni gab es ja die selbe Situation als ich gerade Frau und Tochter zum Flughafen nach Hamburg fuhr, damit sie die Sommerferien in Japan verbringen konnten. Meine Frau hörte die Nachrichten im Auto und meinte „Fahr schneller, da ist bereits ein Hurricane in Scheeßel„. Ja, ja, und da im Norden brennen bereits die Deiche.

Am Haus am Walde traf ist Thomas V2 auf dem falschen Rad, aber ich musste mich beeilen, um noch rechtzeitig zu kommen. Und ich kam wirklich auf den letzten Drücker. Tim und Caro hatten sich heute heimlich zu einem Date in Zivil verabredet; zuerst habe ich die beiden nicht erkannt da sie sich extra auffällig in neon-gelb und rot verkleidet hatten. Aber dann sah ich das Canondäl Mars Hi Mod Schrott Evo Six Rad von Caro, auch kurz „Schrotti“ genannt.

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A girl and her machine – Schrotti.

Ein Rad das immer noch bei weitem nicht so alt ist, wie die Teilnehmer die heute im Rennen fuhren. Leider sollte das auch das einzige Bild bleiben, was ich an diesem Tag machte, ich muss mich also aus dem reichhaltigen Fundus des www bedienen, um die Eindrücke einigermaßen korrekt wiederzugeben.

Am Start waren heute die üblichen Verdächtigen die immer fahren: Wolfgang, der im Regelfall gewinnt; Kai, mit dem ich immer um Platz vier kämpfe; Marc, der … äh … mitfährt und ich.

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Start: Kai, Wolfgang, Marc und ich (v.l.n.r.)

Wegen des bevorstehenden Regens wurde das Rennen von 25 auf 20 Runden verkürzt. Aber es gab die gleiche Anzahl von Punktwertungen, nämlich fünf, also alle vier Runden.

Da vorne im Wind nicht mehr so oft gewechselt wird war klar, dass das Tempo heute ein wenig langsamer werden würde, zumal das Wetter auch recht drückend war. Wolfgang versuchte es bei der ersten Sprintwertung erfolgreich mit einem Ausreißversuch auf der Gegengerade. Ich versuchte hinterher zu powern, kam aber nicht mehr in seinen Windschatten. Kai jedoch kam in meinem und überholte mich kurz vor dem Ziel, also nur ein dritter Platz. Marc habe ich seitdem nicht mehr gesehen – bis zum Ende des Rennens, also ging es zu dritt weiter, was noch einmal anstrengender werden sollte.

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Der erste Print (also so in etwa)

Die Erholungsphasen sind ja dann auch kürzer, da wir ja nur vier Runden zwischen den Sprints hatten und ja auch noch dazu oft Führungsarbeit machen mussten. So kamen wir relativ langsam auf die Gegengerade in der letzten Runde und ich befand mich vorne, was immer eine ungünstige Position ist, da man von dort nicht sehen kann, ob einer der Hintermänner den Sprint anzieht. Ich entschloss mich relativ früh den Sprint selber zu beginnen, um nicht überrascht zu werden. Das klappte auch gut, ich kam als erster durch die Kurve auf die Zielgerade und konnte meinen Vorsprung bis zur Linie halten.

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2. Sprint, gefühlt etwa so.

Im sechsten Punkterennen, an denen ich bislang teilgenommen habe, war das das erste Mal, dass ich einen Sprint gewonnen hatte. Es war auch da erste Mal in 22 Sprints, dass ich Wolfgang schlagen konnte. Das lief also heute ganz gut.

Natürlich klappt da nicht immer. Beim dritten Sprint war ich auf der Gegengerade relativ lange vorne und machte innen auf. In der Kurve zogen Kai und Wolfgang an mir vorbei und ich war zu langsam, um an ihnen dranzubleiben. Zwar machte ich auf der Zielgeraden noch jede Menge Meter gut und am Ende war es knapp, aber es blieb wieder nur der dritte Platz.

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Der dritte Sprint: Knapp für alle.

So langsam wurde es eng. Es blieben jetzt noch zwei Sprints, der vorletzte in der Runde 16 und der letzte, der doppelt gewertet wird, in der 20. und letzten Runde. Zumindest hatte ich jetzt jede Menge Selbstvertrauen, da ich wusste, dass ich jeden schlagen konnte.

Ich habe keine Erinnerung mehr, was da genau passiert ist, aber es gelang mir den vierten Sprint wieder zu gewinnen. Das sah jetzt sehr gut aus, wenn ich den letzten Sprint auch noch für mich entscheiden könnte, dann hätte ich auch das Rennen gewonnen.

Mittlerweile fuhren wir echt langsam. Während das Durchschnittstempo sonst so zwischen 38 und 40 km/h liegt, waren wir jetzt bei 35 oder so. In der letzten Runde zog Wolfgang ähnlich wie in der ersten Runde den Sprint sehr früh auf der Gegengerade an, vielleicht 350 Meter vor dem Ziel. Ich war aber vorne, konnte relativ schnell reagieren und mir gelang es mich an ihn zu hängen, während Kai hinter mir erst einmal abreißen lassen musste. Durch die letzte Kurve kam ich auch sehr gut und konnte früh anfangen wieder zu treten so dass ich nicht viel Geschwindigkeit verlor und auf den letzten Meter dann Wolfgang überholen konnte. Wieder Erster. Nicht schlecht. Gesamt Erster. Noch besser.

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Zielfoto des Rennens – letzter Sprint mit Händen und Füssen

Irgendwie auch ungewöhnlich, denn in der letzten Zeit bin ich eher weniger Rad gefahren und fühlte mich nicht besonders fit. Aber um das mal hirstorisch richtig einzuordnen: Das war das erste Mal überhaupt in meiner Rennsportkarriere, dass ich ein Rennen gewonnen hatte. OK, da waren auch nur vier Teilnehmer, einerseits. Aber andererseits hat das auch fast 12 Jahre gedauert. Das erste Radrennen an dem ich jemals teilnahm war der Bike-Navi Grand Prix in Ashigara, Japan im November 2005.  Wie man auf dem nächsten Foto erkennen kann, war ich schon damals der Profi, der ich all die Jahre geblieben bin.

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Meine unglaubliche Leistungsstärke brachte die zuschauenden Frauen am Streckenrand fast um ihren Verstand.

Ich hatte nicht so viel Ahnung von Rennen und ich hatte auch gar keine Ahnung, dass das keine gute Idee ist ohne Peloton alleine in der Gegend rumzueiern. Letzter bin ich da zwar nicht geworden, aber großartig war es sicher auch nicht. Ich kaufte mir dann ein neues Rad (das macht man immer so, wenn es nicht klappt) und drei Jahre später war ich japanischer Meister in der D Klasse des JCRC (Japan Racing Cycling Club Association).

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Das klingt toll, aber ich glaube meine beste Platzierung in einem Rennen war da vielleicht ein 10. Platz. Die Meisterschaft schafft man vor allem durch viele Rennteilnahmen, nicht unbedingt nur durch gute Platzierungen.

Und in Deutschland kann man ja bei den Jedermannrennen nichts gewinnen. Beim Velothon in Berlin wurde ich einmal 21. in meiner Altersklasse (das war dieser Velothon der total verregnet war vor drei, vier Jahren) und das fand ich super. Dieses Jahr war ich 51. Gähn. Erster werden ist halt doch besser.

Nach uns starteten dann direkt die „Jedermänner“. Dieses Renn ist auch wegen der großen Teilnehmerzahl und deren Leistungsstärke deutlich schneller als unser Seniorending. Wie gesagt, es drohten Unwetter und ich machte mich auf den Weg, um schnell nach Hause zu kommen. Dort erzählte ich dann jedem in meiner Familie von meinem ersten Platz. So Opamässig – am Ende waren alle etwas genervt, aber ich war irgendwie … glücklich.

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Berlin Velothon 2017. Kann sein, dass scheiße wird.

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Man, war ich gespannt auf den Velothon dieses Jahr! Nicht auf das Rennen, daran habe ich schon sechs Mal teilgenommen. Aber allein die Frage, ob es mir gelingen würde rechtzeitig und mit Rad per Bahn anzureisen, war schon irre aufregend.

Achtung: Wem außer Rennradrennen nichts interessiert, fange nach 1637 Worten weiter bei „Staccato“ an zu lesen.
Sicherheitshalber rechnete ich noch einmal nach: Bei der Rückfahrt von der Tecklenburgrundfahrt nach Bremen brauchten wir letztens für etwa 144 km Strecke insgesamt fünf Stunden Zeit. Das ist etwa eine Stunde länger, als der schnellste Fahrer am Sonntag für die 180 km des Velothons benötigte. Mal sehen, die Deutsche Bahn käme mit so einer Leistung auf den 363. Platz von 505 Teilnehmern, direkt vor dem sympathischen Teilnehmer aus Samoa.

Das machte umgerechnet für die 398 km von meinem Haus zum Brandenburger Tor etwa 13:49 h. Und da die Entfernung ja wesentlich länger ist, ein IC benutzt werden muss und es in die Hauptstadt der bösen Bahn gehen sollte, kommt da noch ein Risikofaktor von 1:x drauf, eine riesige Standardabweichung und überhaupt: also meiner Schätzung nach sollte ich am Freitag um 14 Uhr in Bremen losfahren, damit ich pünktlich am Sonntag um 7:30 Uhr am Start stehen konnte ohne ein Risiko einzugehen.

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Overtüre: Kann sein, dass scheisse wird.

Und so stand ich an der Bahnsteigkante in Bremen, stieg in den Zug und kam pünktlich um 18:27 h in Berlin an. Also, sogar am gleichen Tag! So ein Mist, wer konnte denn mit so etwas rechnen? Ich hatte Decken, genügend Wasser, Trockenkekse für drei Tage, Malariatabletten, meine drei Lieblingsbücher und eine Kettensäge dabei, nichts davon wäre nötig gewesen.

Ja, manch einer mag hier lachen. Also wegen der Kettensäge, meine ich. Aber im Januar 2007, als sich der Orkan Kyrill formierte und Deutschland für 24 Stunden lahmlegte, da sass ich im letzten IC aus Magdeburg Richtung Hannover, als dieser etwa bei Helmstedt mitten in der schwarzen Nacht stehenblieb und sich nichts mehr tat. Nach ca. 30 Minuten machte der Zugführer endlich eine Durchsage und klärte die Fahrgäste darüber auf, dass Bäume auf der Strecke liegen, und nun die lokale Feuerwehr gerufen würde, um diese zu entfernen. Erstaunlich kurze Zeit später fuhr der Zug jedoch wieder, um dann nach 5 Minuten erneut zum Halten zu kommen. Darauf folgte die nächste Ansage des Zugführers:

„Wir bitten den Fahrgast mit der Kettensäge, noch einmal zur Spitze des Zuges zu kommen.“

Seitdem, habe ich zumindest immer ein Schweizer Messer dabei, wenn ich mit der Deutschen Bahn fahre.

Ich hätte nun mit meinen Freunden und Mark, einem Amerikaner, der nicht nur Architekturprofessor in Harvard ist und seit mehr als 25 Jahren Kathrin und Fabian, meine Gastgeber, kennt, sondern auch noch, wie wir erst kurz vorher herausfanden, mit David von Positivo Espresso in Tokyo zusammen ins College ging, in die Berliner Philharmonie gehen können um Strawinsky, Berlioz und Ravel zu hören. ich wollte die maximale Strapazenbelastung an einem Wochenende nicht unnötig erhöhen; schließlich sollte ich noch auf das Konzert der Fundamentals gehen und dann auch noch am Sonntag 60 km Radfahren. Da darf man kein Risiko eingehen.

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Fabian, Mark und ich. Nur David fehlt.

Fabian hatte dieses Jahr übrigens echt hart trainiert für den Velothon. Er ist extra nach Japan geflogen, um mit David zusammen die klassische Positivo Espresso Strecke am Tsukui See zu fahren.

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Architekturelles Preludio

Also verbrachte ich den Abend zuhause und nach einem guten Frühstück am nächsten morgen machten Fabian, Mark und ich uns auf unseren Rädern auf eine architektonische Kreuzfahrt durch Berlin. Ich weiß nicht mehr genau worum es ging, da ich ja nur Bauingenieur und kein Architekt bin, aber wir stoppten vor einem Haus und Fabian sagte: „Rate mal von wem das ist? Das ist ein spätes Werk von?“ Mark sagte dann ein paar Namen, die für mich klangen wie die Bandmitglieder von Electric Light Orchestra aber alle falsch waren und dann sagte Fabian „Peter Cook!“ Worauf beide dann anfingen zu stöhnen:
Nein, echt jetzt? Das ist doch nicht wahr!“ „Leider doch!“ „Sad. Loser. Very confused.

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Sad. Loser. Very confused.

„Confused“ ist übrigens das Lieblingswort von Architekten, wenn es gilt schlechte Gebäude aus den Achtzigern abzustrafen. Ich sah da bestenfalls den Bauch eines Architektens. Dann kreuzten wir zu einem Gebäude von Zaha Hadid, weltbekannte Architektin, Mutter von Gigi und Bella Hadid und, seit neustem jetzt auch tot. Das hatte eine rostfreie Fassade. Gute Idee. Allerdings auch nur so lange, wie die Schrauben, mit denen die Fassadenplatten befestigt sind, ebenfalls aus rostfreiem Material bestehen. Also, denke ich mal so als Bauingenieur. Die Architekten freuten sich jedenfalls und riefen abwechselnd „Ah“, „Oh“ und „Pure Genius“

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Pure Genius Schrauben

Anschließend kreuzten wir zum Anhalter Bahnhof und dem neuen Park am Gleisdreick über den ich auch mit viel Sarkasmus nicht mehr sagen kann, als dass er wirklich sehr gelungen ist. Und so viel besser als den einzigen anderen Park in Berlin den ich kenne, und zwar den aus Görlitz.

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Trasse nach Görlitz

Dort gibt es einen roten Wohnblock von einem Berliner Architekten, Robert Neun. Verzweifelt versuchte ich ein Muster in der Fassade auszumachen. Sie sah aus wie ein großes Tetrisspiel, in dem alle Steine die gleiche rote Farbe haben und trotzdem nicht zusammenpassen. Neben mir wieder jede Menge Ahs und Ohs.

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Dann durften wir endlich zur Rennanmeldung am Brandenburger Tor fahren, vorbei an der britischen Botschaft. Ich schlug vor, dass den Briten dieses Botschaftsgebäude nach vollzogenem Brexit entzogen werden sollte; sie könnten zum Beispiel die Gebäude mit der Botschaft von Mazedonien tauschen.

Wir wollten nur schnell ein paar technische Probleme beheben und mussten dazu zum Stadler Stand die uns wirklich sehr schnell, nett und effektiv halfen. Dann kurz zur Anmeldung, um die Startnummern einzusacken. Ich hatte ja 52 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit angegeben, um auf jeden Fall in Block A zu landen. Umso größer war meine Überraschung, als ich auf meine Startnummer schaute und dort „G“ stand. Das G steht nicht für „Ganz Vorne“ sondern für „Ganz hinten“, wie sich dann herausstellte der letzte aller Blöcke. Warum nur, warum? Jetzt durfte ich mich erst einmal schlecht gelaunt in die Schlange am Helpdesk einreihen. Nach einer halbe Stunde des Wartens wurde mir dann erklärt, dass ich mich zu spät angemeldet hätte und dass alle Teilnehmer, die die Deadline versäumt hätten in den Block G kommen würden (Der dann auch deutlich voller war, als die Blöcke davor.),

Plädoyer an die Eisenmänner

OK und also: Liebe Velothon-Macher. Ja, ich weiß, dass stand alles im Kleingedruckten auf der Website und ihr seit euch keiner Schuld bewusst, da ihr genau nach Vorschrift gehandelt habt. Und es ist ja auch klar, dass der Velothon eine kommerzielle Veranstaltung der IRONMAN Germany GmbH ist und damit Geld verdient werden muss. Deshalb müssen die Angestellten da auch keinen Kuchen backen und den für einen Euro verkaufen, so wie das die Dorfvereine bei einer RTF machen. Alles klar. Aber deswegen müsst ihr auch mehr Kritik vertragen, als ein Dorfverein bei dem alle freiwillig mitmachen und kein Geld verdient wird.
Ich zahle euch 90 € um 60 km Rad zu fahren, ihr bekommt von mir mehr Geld pro Kilometer als der öffentliche Nahverkehr, UBER und genauso viel wie ein Taxi in Berlin wenn es mehr als 7 km fährt. Und dafür, finde ich, kann ich auch einen gewissen Service verlangen. Zum Beispiel, dass ihr in der Lage sein solltet, wenn sich jemand drei Wochen vor dem Rennen angemeldet hat, ihm den gewünschten Startblock zu verpassen. Und wenn ich 52 km/h angebe, dann ist ja wohl klar, dass ich in den Startblock A möchte, oder muss ich erst Schall- oder Lichtgeschwindigkeit schreiben damit das klar wird?

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Gähnende Leere

Übrigens bin ich nicht der einzige, der euer Preis/Leistungsverhältnis nicht so toll findet. Ich habe gerade mal in den Ergebnislisten nachgeschaut, wie viele Teilnehmer dieses Mal auf der 60er, 120er und 180er Strecke insgesamt angetreten sind, und zwar etwa 7.600. Klingt ja erst einmal gut, aber letztes Jahr waren es noch über 9.000. Und 2012 sogar fast 12.000 Teilnehmer. Da läuft was falsch, wenn ihr innerhalb von fünf Jahren ein Drittel eurer Kunden verliert.

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Rennvorbereitung mit Kathrin.

Furioso

Ich befand mich in einem seltsamen Zustand aus Schock, Enttäuschung und Motivation. Ich war gut in Form, wollte ganz vorne mitschwimmen und das geht nun mal nur im A-Block und jetzt G??? Dafür war ich nach Berlin gekommen? Sollte ich nun trinken gehen, mein Leben beenden, oder jetzt erst recht „against all odds“ einfach durch nach vorne fahren? Oder, hatte ich ja auch schon gemacht, mich einfach in Block A stellen, um dann im nachhinein disqualifiziert zu werden? Oder Fabians Startblock A Startnummer nehmen und ihm eine Superzeit verpassen?

Aber nach einer Weile freundete ich mich mit der Idee aus Block G zu starten an. Ganz hinten zu starten hat nämlich einen großen Vorteil: Man kann jede Menge anderer Teilnehmer überholen. Block A ist eher wie eine RTF, die ersten 10 km voll ballern, aber spätestens am Anstieg des Spanndauer Damms haben sich dann die Gruppen gefunden und es ist nicht mehr möglich alleine von einer Gruppe in die nächst-vordere zu sprinten. Man fährt das Ding dann in seiner Gruppe zu Ende, am Schluss darf man noch ein wenig sprinten. Sad. Loser. Covfefe. Mit viel Glück kommt eine schnellere Gruppe von hinten vorbei, man hängt sich dran und fährt dann das Ding zu Ende, aber es ist relativ langweilig, da man nicht mehr gewinnen kann, sondern nur noch verlieren – nämlich wenn man aus der Gruppe herausfällt.

Aus Block G heraus ist das komplett anders, man kann quasi bis zum Ende andere Teilnehmer überholen. Ich möchte ja sogar behaupten, dass das Überholen das Beste am Rennen ist (und das schlechteste überholt zu werden), ganz egal wievielter man wird. Das weiß man ja erst nach dem Rennen. Aber das Gefühl, dass man im Rennen hunderte von anderen Menschen (die jünger sind, bessere Räder haben, besser aussehen oder irgendwie anders unfair sind) überholt hat, das baut sich beim Rennen auf und macht den Spaß bei der Sache aus.

Ich hatte meinen inneren Frieden gefunden.

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Nun ging es aber auch schon zum nächsten Höhepunkt in die Likörfabrik und Weinhandlung Leydicke in der Mansteinstrasse, dem Berghain der Ü50. Dort sollten „The Fundamentals“ zum Tanz aufspielen. Fabian spielt dort Bass und hält die Truppe zusammen mit Charly, dem Schlagzeuger auf Kurs. Der Rest schrammelt auf Gitarren und Keyboards oder singt. ich wünschte, ich würde in Berlin wohnen, könnte das mein Wohnzimmer nennen und mich jeden Abend hemmungslos amüsieren, ohne am nächsten Morgen Radfahren zu müssen.

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Wir fuhren von Fabians Büro, vorbei am Kumpelnest 3000, wo noch die letzten Kumpels mit der Flasche in der Hand standen, zum Start. Vorbei am A, B und C Block, dann um die Ecke, vorbei am D, E und größtenteils leeren F Block und kamen am letzten, dem G Block an. Obwohl wir sehr früh da waren, war der so voll, dass wir gar nicht in den Block herein konnten, sondern uns auf die Straße zwischen Block und dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas stellten.

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Dort mussten wir – Fabian, Anselm, Johannes und ich – dann ziemlich lange warten; der Plan war dass Block G um 7:50 Uhr auf die Reise geht, tatsächlich ging es dann erst um 8:05 h los. Das ist immer derselbe Mist, man steht lange im Block, bewegt sich kaum und ist nicht genug aufgewärmt, um nun gleich volle Power zu leisten. Das muss man aber, am ganz schnell aus dem Gedränge im Block wegzukommen und eine schnelle Gruppe zu erwischen. Obwohl, in Block G ist das nicht unbedingt nötig. Wie ich das bei Alain Raposo gelernt hatte drängelte ich mich bereits vor dem offiziellen Start so schnell wie möglich nach vorne, Fabian in meinem Schlepptau. An der neuen Nationalgalerie hatten wir dann schon ein gutes Tempo drauf, waren alle Grüppchen zu langsam und so ballerte ich immer schön weiter; neben Fabian hatten sich nun auch ein paar andere an mich rangeklemmt. Am Ernst-Reuter-Platz ging mir so langsam die Puste aus und ich kommandierte den Hamburger hinter mir nach vorne. Allerdings war auch der zu langsam, so dass ich auf dem Spandauer Damm wieder selber nach vorne ging. Normalerweise versuche ich das ja zu vermeiden, auch wenn wir das von Menschen die mich nicht kennen (Elise) Kritik einbringt. Aber es ist nun einmal so, dass ein Rennen bein Einzelzeitfahren ist und wenn man sich vorne alleine im Wind kaputt macht dankt einem das niemand später: „Hey, lass mal beim Sprint auf den MOB warten, der kommt gerade nicht mehr mit.

Doch dann kam eine Gruppe von zwei Berlinern Vereinsfahrern von hinten die ordentlich Tempo machten und ich klemmte mich an die ran; bei der Gelegenheit verlor ich vermutlich Fabian. Das war allerdings nicht so schlimm, denn er hatte schon einen neuen Berliner Freund, den Marco gefunden (dazu später mehr).
Wir waren nun ein Grüppchen von sechs bis acht Fahrern, definitiv schneller als alles was vor uns war und tauchten in den die Waldstraße am Wannsee ab.

Ich hatte recht viele Körner gelassen; über den ersten Hügel am Dachsberg kam ich noch gut, aber der Karlsberg war bereits deutlich schwieriger. Zum Glück habe ich in diesem Moment Alcides kennengelernt. Da wusste ich noch nicht, dass er Alcides heißt und gerade sein erstes Rennen fährt; für mich war das einfach ein Typ mit einem auffälligen roten Jersey, einem langen Bart und einer Tätowierung am Unterschenkel, der mich gerade mal wieder überholt hatte und richtig konnte.

Am Karlsberg fuhr ich vor ihm und mir ging die Puste aus „Hast Du noch Power?“ „Ja“ sagte Alcides, trat in die Pedale und fuhr so schnell vor, dass ich nicht dranbleiben konnte. Da aber auch vor ihm keine richtig schnellen Leute, und er auf sich allein gestellt war, holte ich ihn auf dem Konprinzessinnen Weg wieder ein, zusammen mit einem der Berliner Vereinsfahrer, einer Aspirinpille (Bayer Werksfahrer), einem MeckSeenPlatten und dem bunten Typen, der immer wieder freihändig fuhr.

Dort sah ich auch das erste Sturzopfer des Velothons am Straßenrand liegen, der RTW war bereits da und Streckenposten regelten den Durchfluss. Ich vermute einmal, dass dies wegen der Zeitmesspunkte passiert ist, ab und lagen abgedeckte Induktionsschleifen auf der Straße, um die Zwischenzeiten der Teilnehmer zu messen. Diese waren nicht oder nicht ausreichend ausgeschildert und wenn man ahnungslos über so ein Ding fährt und eine Hand an der Trinkflasche hat, dann kann es einem schon böse auf die Fresse werfen.

Drei, vier Fahrer wechselten sich nun vorne ab und wir machten gutes Tempo auf der Argentinischen Allee und der König-Luise-Strasse bis wir zum botanischen Garten kamen, wo Kathrin auf uns wartete.

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Mit Alcides beim Wechsel in der Führung am Botanischen Garten

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Vorne der Berliner Vereinsfahrer, dahinter Alcides und ich. Den Rest haben wir gerade überholt, bis auf den zweiten von hinten der kurz nach uns ins Ziel kam.

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Fabian mit Marco

Die Gruppe hielt weiter zusammen auf dem Steglitzer Damm und der Ringstraße und wir überholten Gruppe um Gruppe; an den Startnummern kann man ja sehen in welchem Block diese gestartet waren und wir hatten nun immer mehr in Block F und E eingegraben. Das hohe Tempo hatte allerdings zur Folge, dass immer mehr Fahrer auch aus unserer Gruppe herausfielen, so dass Alcides und ich quasi nur noch alleine vorne waren und Führungsarbeit leisteten. Nach dem Tempelhofer Flughafenparcour hatten wir es dann geschafft nur noch zu zweit zu sein. Schön, dass wir so stark waren, aber auch schön doof, dass wir nun alleine waren und auch noch gegen den Wind fahren mussten.

Die letzten 15 Kilometer durch Kreuzberg waren daher sehr anstrengend. Und zwar so anstrengend, dass ich überhaupt keine Chance hatte mir den Görlitzer Park anzusehen. Sowohl Alcides als auch ich waren ziemlich KO und das Tempo fiel teilweise auf 34 – 36 km/h; wir mussten jetzt schneller vorne wechseln, um das Tempo zu halten. Allerdings überholten wir nach wie vor jede Menge anderer Fahrer. Die Abzweigung für die 180er Farer habe ich gar nicht so richtig mitbekommen, und schon waren wir an der Siegessäule und bogen ein auf die Strasse des 17. Juni. Hier drehten einige langsamere Gruppen noch einmal das Tempo hoch, wir klemmten uns dahinter, spurteten 150 m vorher los und waren dann auch schon im Ziel.

Auf Strava. Schnitt etwa 39,5 km/h. Insgesamt Platz 301 von 3.756 angekommenen Teilnehmern und Platz 50 von 808 Teilnehmern in meinr Altersklasse (Panda Drei).

Ein sehr gutes Ergebnis, vor allem wenn ich daran denke, dass ich dieses Mal bestimmt ein Drittel der Strecke vorne gefahren bin.

Jetzt war es dann an der Zeit sich kennen zu lernen.

 

 

Da wir als Mini-team unheimlich gut zusammengearbeitet haben waren wir bester Laune, auch wenn wir durchaus unterschiedliche Vorstellung von der Schönheit von Männerbeinen haben.

Dann kam auch Fabian, aber ohne Marco. Marco war vor ihm gestürzt, Fabian konnte sehr plastisch schildern, wie sein Kopf mehrfach auf den Asphalt knallte, er nur ganz knapp nicht über ihn drüber fuhr und dann später, als er anhielt überall Blut war. Wir kennen Marco zwar nicht, aber von hier aus: Gute Besserung.

Später erwischt es übrigens auch noch Gregor, den Mann von Christine, der sich bei dem 120 km Rennen das Schlüsselbein brach.  So 30 km vor dem Ziel. Fuhr das dann aber doch zu Ende, mit 40er Schnitt. Was für ein Gemetzel dieses Jahr. Aber das ist eben Berlin, da geht es härter zur Sache als in Hamburg oder in Münster.

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Haus der Kulturen der Welt. Somewhat confused.

Wir sassen also am Haus der Kulturen rum, zusammen mit Johannes und Anselm. Der Vorletzte war jetzt echt müde.

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Auch für junge Menschen kann ein Radrennen sehr anstrengend sein.

Dazu kamen noch Christine und Kerstin (?). Fabian raunte mir öfters „Photo Gelegenheit!“ zu wenn jemand in bescheuerten Klamotten an uns vorbei lief oder mit einem zerbrochenen Laufrad in der Hand. Also so etwa wie da Mädel von der Post auf dem Bild weiter oben. Aber dieses Blog ist ja schon ein eher ästhetisches, daher habe ich dieses Mal auch Christine auf das Cover gesetzt.

und dann machten wir uns irgendwann auf, um wie immer im Udagawa gut zu essen. Das war aber leider zu, also ging nach einem Umweg durch die Dusche zu Frau Lüske.

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Und dann nahtlos weiter zum traditionellen Kaffetrinken im Garten. An dieser Stelle kann gar nicht genug betont werden, welch großartige Gastgeberin Kathrin ist. Nicht nur, dass Sie die ganze Familie in Schwung hält und sich ständig Gedanken darüber macht, was noch alles hier und da getan werden könnte, sie erträgt auch gleichmütig die Massen an Besuchern von Freunden und Verwandten die Tag für Tag, teilweise nur kurzfristig angemeldet, ihre Wohnung heimsuchen. Und dann kommt sie auch noch mit ins Leydicke! Und wofür das alles? Für eine Handvoll Tartuffos.

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Die dann auch noch in einem unbeobachteten Augenblick von der Verwandschaft weggefuttert werden.

Dann hieß es auch schon Abschied nehmen, Fabian brachte mich zum Bahnhof.

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Und die Bahn brachte mich dann, mit fünf Minuten Verspätung zurück nach Bremen.

Nichts ist sicher in dieser Welt, nicht, dass man heil aus einem Rennen in Berlin kommt, nicht das man pünktlich in Bremen mit der Bahn ankommt. Kann sein, dass scheisse wird.

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