Schlagwort-Archive: Münsterland Giro

Zieleinlauf Münsterland Giro 125 km.

Münster Ziel 125

Aus dem WDR Video, etwa ab 40:00 min. Ich komme in einem großen Feld rein, bin ganz rechts aber links der doppelten weißen Linie im rot-weißen Wiegetritt Jersey. Fühlte sich fahrerisch dynamischer an, als es auf dem Video aussieht.

Es sind vielleicht etwa 10 Fahrer vor mir in dieser Gruppe, und ein ziemlicher Haufen dahinter.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2017, Mob, Rennen

Münsterland Giro: 55 km. Münsterland RTF: 70 km.

Zum Saisonabschluss 2017 hatte der Münsterland Giro dieses Jahr einiges zu bieten: Gutes Wetter, steifen Wind, gute Organisation, viele nette Leute und dazu sogar 55 km Rennen auf einer 125 km Strecke. 

20171003_093105

Dieses Jahr war meine vierte Teilnahme beim Münsterlandgiro nach 2012, 2014 und 2016; und meine erste auf der Strecke raus nach Osten. Im Gegensatz zu der Strecke nach Westen Richtung Stadtlohn, gibt es gar keine Steigungen – wenn man mal von etwa vier Brücken über Autobahnen, Kanäle oder Eisenbahnstrecken absieht. Ich hatte mich für die 125 km angemeldet und zwar, weil ich lieber länger fahren, als früh aufstehen wollte: Das 65 km Rennen startete bereits um 7:45 hr, das 95 km Rennen eine Stunde später und das 125er eben noch einmal eine Stunde später. Viel besser, wenn man an dem Tag aus Bremen kommt: Man kann länger schlafen, fährt in Münster im warmen los und nicht im kalten Frühnebel, der sich besitzergreifend im Herbst über Westfalen ausbreitet.

20171003_093018

Aha, ein Radrennen.

Bei der Anmeldung gab ich wie immer ein Schnitt von 45 km oder mehr ein, um in Startblock A zu landen. Nicht, dass ich das auch nur annähernd fahren könnte, genau übrigens wie viele andere die man dann dort im Block trifft. Den Veranstaltern ist das aber nun auch bereits aufgefallen und so musste man nachweisen, dass man bereits in Münster eben jenen Schnitt gefahren ist, oder einen Schnitt von unter 38 km/h einhacken, was ich dann auch tat, und zwar genau 37,999999999999999999998 km/h. Das brachte mich dann in Block C. Mist, ich hätte doch noch ein paar Neuner hinzufügen sollen. OK, das war’s dann wohl. Mit den ganzen anderen laffen Pfeifen, die gerade mal 38 km/h angeben, würde ich da nie eine gute Platzierung, geschweige denn eine gute Zeit erreichen. Nicht dass ich da jemals 38 km/h gefahren wäre. Aber bitte.

Diesmal war ich mit Jochen unterwegs, dessen Sohn Kian für das Bike Market Team bei den Amateuren mitfährt. Wir kamen in Münster an und fuhren in dieses wundervolle Parkhaus direkt an der Mensa, in dem man im Winter die ganze Zeit überdacht Anstiege trainieren könnte.

Ähnliches Foto

Das schönste Parkhaus der westlichen Hemissphäre.

Während Jochen zu Kian unterwegs war, machte ich mich auf dem Weg zum Start, der relativ weit weg von der Mensa ist und natürlich hatte ich keine Ahnung wie ich da hinkommen könnte. Da kam eine charmante Lehramtsstudentin aus Münster entlang und zeigte mir den Weg. Sie hatte sogar in Bremen studiert (tolle Uni!, bemerkte ich), kannte das Viertel (mein Wohnzimmer!) und fand die Weser toll (schönster Fluss Deutschlands!). Toll was man so alles sagte, wenn die Chemikalien gerade das Hirn beköcheln. Denn jetzt, ein paar Tage später muss ich den Tatsachen ins Auge sehen und feststellen, dass ich mit der Uni nichts zu tun habe, im Viertel zum letzten Mal war als unser Auto aufgebrochen wurde und die Weser? Wenn man mal in Düsseldorf am Rhein gelebt hat, weiß man was ein Fluss ist.

Am Start dann endlich ein paar Bremer: Marc, Marc, Matthias und Melwig? Den Namen habe ich vergessen, aber aus Prinzip fangen ja alle Namen des Bremer Mannes mit M an.

20171003_093615

Bremer Ms

Da standen wir im Startblock C, dem Block der laffen Pfeifen während die schnellen Hasen und schlauen Füchse in den Blocks A und B vor uns warteten.

20171003_093633

Vor uns die schnellen Hasen und cleveren Füchse.

In jedem der vier Blöcke, die in 2 Minuten Abständen gestartet wurden, waren etwa 300 Teilnehmern, insgesamt sind etwa 1.100 gestartet. Block A und B gingen auf die Reise und unser Block rückte schließlich vor in Startposition. Das ist der Moment, in dem ein Jedermannrennen vorentschieden wird (also wenn man in Block A ist, sonst ist sowieso alles egal): wenn man jetzt nicht schnell in die Pedale einklickt, die Ellenbogen rausfährt und versucht, soweit wie möglich nach vorne zu kommen, kann man quasi gleich mit den Trödlern RTF fahren. Das klappte diesmal recht gut, weil ich das ja oft zusammen mit dem großartigen Alain Raposo in Japan trainiert hatte. Auf die anderen Bremer Ms hatte ich bestimmt bereits 20 Plätze vor dem Start gut gemacht.

Dann startete unser Block und im Gegensatz zum letzten Rennen, dem Velotörn in Bremen riss mir weder die Kette, noch die Geduld. Das ist der zweite Moment in dem ein Jedermannrennen vorentschieden wird: Jetzt muss man schauen, dass man unter den ersten 20-30 Fahrern bleibt, die Spitzengruppe im Auge behält und alle Attacken mitfährt, um ja nicht vorne herauszufallen. Das kostet ziemlich Kraft und Überwindung, weil der Körper ja noch ganz kalt ist. Aber man wird letztendlich dadurch belohnt, dass in der Regel nach 20 – 30 km das Tempo langsamer wird und letztendlich alles schneller vorbei ist, als wenn man mit den laffen Pfeifen ins Ziel trödelt. Für die ist es, unterm Strich, anstrengender. Auch das klappte diesmal sehr sehr gut. Auf dem Foto sieht man gut, wie ich mich da mit einer größeren Gruppe absetzen kann.

20171003_153543

Attacken im Block C Feld

Ab und zu taten sich Lücken auf und die habe ich dann mit Hilfe von anderen wieder zugefahren, um dann festzustellen, dass die Gruppe vorne ohnehin wieder langsamer wurde und das alles gar nicht nötig gewesen wäre. Aber man weiß eben nie und im großen und ganzen fühlte ich mich super in Form und konnte verschwenderisch mit meiner Kraft umgehen. Nach 20 Minuten holten wir bereits eine große Gruppe von Fahrern aus dem B Block ein, unter anderem mit Marc. Ich rief „Hey Marc“ Und Marc sah mich an, rief: „Hey Mob!“ verließ seinen Block und fuhr mit unserer schnellen Gruppe weiter.

Bislang waren die Straßen schön gerade und der Wind zum größten Teil in unserem Rücken. Das änderte sich, als wir nach 25 km in Sendenhorst ankamen: Die Strecke führte hier kurvenreich durch den Ort und wie das so ist bei Kurven: Das ganze Feld beschleunigt nach den Kurven, da tun sich Lücken auf und so langsam liess bei vielen auch Kraft und Willen nach, so dass sich das Feld verkleinert. Das ist einerseits gut, weil die Konkurrenz im Ziel weniger wird, andererseits auch schlecht, weil es weniger Fahrer gibt, die vorne Führungsarbeit machen.

20171003_153540

Durch das kurvige Sendenhorst – das Feld wird kleiner.

Es lief weiter super für mich, ehrlich, ich fühlte mich in der Form meines Lebens. Ich sparte meine Kräfte in dem ich mich klug aus dem Wind hielt, fuhr alle Attacken mit, machte teilweise vorne selber Tempo und irgendwann holten wir eine weitere Gruppe von B Fahrern ein. Am Straßenrand waren relativ viele Fahrer mit Materialschäden und ab und an sah man Gestürzte und Krankenwagen, vielleicht etwas mehr als gewohnt. Auch im Feld gab es deutlich mehr Berührungen zwischen den Fahrern, als das sonst der Fall ist. Im Nachhinein schreibe ich das dem starken Seitenwind zu, der den Fahrer im Wind langsam ins Feld treibt. Dadurch wurde es immer mal wieder unruhig im Feld und die üblichen giftigen Kommentare fielen.

Nach 42 km ging es hart gegen den Wind Richtung Westen. Ich fuhr neben einem anderen und der eröffnet die Konversation mit den Worten
„Jetzt könnte auch endlich mal die Sonne rauskommen.“
Ich wollte gerade antworten, als sich direkt vor mir das halbe Feld hinlegt. Schreie, das Geräusch von Karbon, Alu und Lycra auf Asphalt. Der Sturz ist in der Mitte des Feldes und breitet sich wie eine Welle rasch weiter nach links und rechts aus. Jetzt bloß nicht bremsen, sondern so schnell wie möglich nach links kommen, um vor den Stürzenden am linken Rand der Strasse vorbeizuziehen. Das klappte auch, aber vorne ist eine größere Gruppe weg.

Jetzt machte es keinen Sinn schnell zu fahren, weil ich die alleine ohnehin nicht einhole. Ein paar andere Versprengte versuchten das und scheiterten. Ich wartete bis die nächste Gruppe von hinten kommt und schließe mich ihr an. Wenigstens Zeit einen Riegel zu essen hatte ich.

In der neuen Gruppe geht es ebenfalls zügig weiter. Bis dann einer hinter mir ruft
Nas dojqansduwd ias asdzj!“
Was?
Dlasd Reinasdka ist puasd!!!
„Wasssss????!??“
Ich lasse mich zurückfallen.
„Dein Reifen ist platt!!!“

Stimmt. Mist. Nach 55 Kilometern fahre ich rechts aus dem Feld raus. Glück im Unglück, links neben mir hält der Servicewagen vom Velodrome Münster. Der hintere Reifen hat einen ziemlich langen Schnitt. Wir wechseln den Schlauch und wie ich in Japan gelernt habe, würde ich nun einen 1.000 Yen Schein unter den Mantel schieben, damit das ganze länger hält. Habe ich aber nicht, so einen Mist! Und mit 10 Euro Scheinen funktioniert das sicher nicht.

In der Zwischenzeit fahren weitere Gruppen vorbei. Für mich ist das Rennen hier und jetzt zu Ende. Nachdem ich wieder fahrtüchtig bin, schließe ich mich einer anderen Gruppe an. Die ist relativ langsam und ich rolle mit.

20171003_153545

Toll. Jetzt war’s ne RTF.

Das Tempo ist jetzt bei etwa 35 km/h und nicht besonders fordernd. Das liegt auch daran, dass die Gruppe zwar relativ groß ist, aber keiner vorne Tempoarbeit machen möchte. Ein paar Mal gehe ich nach vorne, gerade bei den Anstiegen, aber keiner zieht nach. Das ist jetzt kein Rennen mehr, sondern eine RTF.

Ab und zu fahre ich neben einem Mädel mit einer extrem hohen Trittfrequenz. Hier ein Video von ihr:

In Ostbevern kommen wir an einer Bühne vorbei – doch die große Zumba Schau ist leider auch bereits zu Ende, sonst wäre ich da glatt noch mal stehen geblieben. Mann O Mann. Oder Frau O Frau. Whatever.

Das war’s dann auch, das Rennen zieht sich, bis die Felder von städtischer Bebauung abgelöst werden und wir wieder nach Münster kommen. Jetzt bitte wenigstens einen guten Sprint und vorne im Feld reinkommen. Die Gruppe wird etwas schneller und hektischer aber es gelingt mir doch so unter die ersten zehn zu kommen. Noch 500 Meter bis zum Ziel, noch 300, ich beschleunige noch mal und beiße mich vorne fest. Die Straße ist relativ eng und ab und an muss ich Tempo rausnehmen.

Ich überhole links einige Fahrer und werde aber auch von einigen anderen niedergespurtet. Es klappt trotzdem gut und nach etwa 3:21 hr bin ich im Ziel. Eine richtig gute Zeit und ein richtig guter Schnitt (37,8 km/h) ist das nicht; ja wenn der Reifen gehalten hätte…. Aber letztendlich ist es auch egal. Platz 609 von 1.062 angekommenen Teilnehmern.
Strava

Hätte ich mich zum Beispiel bei Marc gehalten, der zwei Minuten vor mir gestartet war, wäre ich das Rennen etwa in 3:12 zu Ende gefahren, was mich so etwa auf Platz 350 gebracht hätte. OK, das ist auch nicht doll. Irgendwie spiegelt das Ergebnis nicht wieder, wie gut ich mich in dem Rennen gefühlt habe. Oder vielleicht ist es umgekehrt, ich habe mich so gut gefühlt, weil ich mich nicht so dolle angestrengt habe, also dieses Ergebnis.

Ich treffe Jochen auf dem Schloßplatz und wir trinken ein Erdinger. Matthias kommt rein und später auch Dietmar vom RCB, den ich seit den Dolomiten nicht mehr gesehen habe. Die sportliche und modisch-sportliche Elite Westfalens hat sich hier versammelt.

20171003_134207

Jochen erzählte, dass er eine Gruppe gesehen hat, die schwer gegen den Wind kämpfte, weil sie sich genauso hintereinander aufgereiht hatten, dass wirklich jeder im Wind stand, Man stelle sich vor, der Wind käme von vorne rechts.

Bildergebnis für windkante fahren

Später treffen wir auch Kian, essen Pommes und Currywurst und gehen uns das Profirennen anschauen, als mir der Kolibri über den Weg fliegt.

20171003_153746

Wir finden dazu einen schönen Platz am Kopfsteinpflaster, direkt vor einem Hospital in der Innenstadt von Münster.

20171003_155928

Die Profis fliegen vorbei. Einer wirft dabei seine Flasche gegen das Absperrgitter und es macht kräftig „bumm“. Hui sind die schnell! Was der Unterschied zwischen einem Profi und mir ist weiß ich ja spätestens seit Lüttich-Bastogne-Lüttich. Wir sprinten dann Richtung Zielbereich um das Finale zu erleben. So richtig sehen wir nicht was los ist und dann muss wehr lange gewartet werden, bis das Ergebnis verkündet wird denn vier Fahrer (Sam Bennett, Phil Bauhaus, Andre Greipel und Marce Kittel) sind gleichauf im Ziel. Sam Bennett gewinnt im Foto Finish.

Insgesamt ein sehr cooler Tag mit Jochen und auch das erste Mal seit langer Zeit, dass ich in der Dunkelheit los, und in der Dunkelheit wieder zurück nach Hause gekommen bin. Die Saison ist nun definitiv zu Ende, 11.000 km sind im Sack und Münster markierte den Abschluss, so wie in Japan das Rennen in Saiko im November immer das letzte der Saison war. Jetzt gibt es keine Ziele mehr in dieser Saison und es wird nur noch zum Spaß gefahren.

Ich hoffe, ich kann mich daran gewöhnen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2017, Mob, Rennen

Münsterland Giro 2016. 70 km.

Der Münsterland Giro ist das letzte wichtige Ereignis der Saison. Nach über 11.000 km dieses Jahr kann die Form auch nicht mehr besser werden; ein letztes Mal ballern an der Leistungsgrenze, bevor Wetter, Spaß und Vernunft den meisten Radaktivitäten des Jahres ein Ende setzen.

Die Saison ist quasi zu Ende, und am Ziel wird abgerechnet: Mit der Saison, mit dem Rad, dem Verein …..

oder mit dem Leben an sich:


Es ist gar nicht so einfach Bremer für den Münsterland Giro zu motivieren. Und noch schwieriger ist es überhaupt rechtzeitig nach Münster zu kommen, denn die Bahn empfiehlt einem in der Quintessenz, dass man doch bitte bereits am Vortag anreisen möge, wenn man so gegen 7:30 Uhr dort sein möchte. Zum Glück konnte ich meiner Frau unsere französische Familienkutsche aus dem Ärmel leiern und Matthias überzeugen, mit mir um 5:45 Uhr loszufahren.

Und so standen wir um diese Zeit im dunklen, kalten und leicht nassem Bremen auf der Straße und packten unsere Räder ein. Die letzten Wochen in Bremen waren ja geprägt von diesem bremischen Weltuntergangswetter, will sagen, der Himmel war fast immer blau, kein Tropfen Regen über Wochen und die Temperatur angenehm warm; es gab einfach keinen Grund nicht nicht Rad zu fahren. Einfach total komisch, aber damit ist es nun ja endgültig vorbei. Bremen hat uns wieder im Griff und die herbstübliche Mischung aus grauem Himmel und Dauertröpfeln täuscht wieder Normalität vor.

Am Tag der deutschen Einheit morgens ist die A1 leer, und in weniger als zwei Stunden waren wir im Parkhaus in Münster. Das ist ein phantastisches Parkhaus, das so auch in Bremen stehen sollte, denn es verfügt über tolle lange Rampen in die Höhe, auf denen man auch gut ein Bergkriterium fahren könnte. Wir holten die Unterlagen und bekamen unsere Starterbeutel.

Warum bekommt man die eigentlich? Warum denkt jeder Veranstalter eines größeren Jedermann-Radrennens, dass ein Starterbeutel ein unverzichtbarer Bestandteil seiner Service-Leistung ist? Nachdem es nun in Supermärkten keine Plastiktüten mehr gibt, hat man diese Sinnlosigkeit bei Radrennen  bislang nicht in den Griff bekommen.

Ich finde die Beutel selber und noch mehr ihren Inhalt unnötig. Die Beutel schmeiße ich direkt zuhause weg, den Inhalt schaue ich mir noch mal an, bevor der größtenteils in die Papiertonne geht. Riegel? OK, aber nicht unbedingt nötig. Trinkflasche? Ich habe ohnehin eine Menge davon und auch von wesentlich besserer Qualität. Die, die man bei solchen Rennen bekommt nutze ich, wenn überhaupt zum Blumen gießen.Shampoo? Nein Danke. Hautcreme? Nein.

Als in den frühen Neunziger Jahren in China mit den Flugzeugen von China Southern Airlines unterwegs war, bekam man am Ende eines Fluges auch immer ein paar Goodies. An sich war ich schon froh, dass diese Propellerflugzeuge , die endlos lange im Tiefflug auf einen der Militärflughäfen zusteuerten, überhaupt heil ankamen. Diejenigen Passagier die diese unerträgliche Nervenanspannung überlebten, bekamen beim Ausstieg etwas von den Stewardessen in die Hand gedrückt: Ein Set Spielkarten, ein Hosengürtel (mit dem ich mir bestenfalls den Oberarm zum Blutabnehmen hätte abbinden können, oder eine Krawatte waren dabei die besseren Ideen. Einmal bekam ich ein Paar schwarze Nylondamenstrümpfe. Die habe ich jahrelang zum putzen meiner Schuhe verwendet.

Was ich sagen will: Das hatte alles einen tieferen Sinn, der mir vielleicht entgangen ist. Der Starterbeutel ist einfach sinnlos.

Und was wir allerdings hätten gebrauchen können wäre ein Kabelbinder mehr gewesen. Der Aufwand Kabelbinder und Sicherheitsnadeln abzuzählen und in die Papierumschläge zu tun muss doch enorm sein. Deshalb hier mal ein Vorschlag, wie ich mir das wünschen würde:

  • Man drücke jedem Fahrer bei der Anmeldung einen Transponder, eine Startnummer für das Trikot und eine für das Rad in die Hand.
  • Auf einem Tisch steht eine große Kiste mit Sicherheitsnadeln und eine mit Kabelbindern. Man nehme daraus nach Bedarf.
  • Von den Sponsoren gibt es Tüten, falls jemand welche brauchen sollte.
  • Und wenn es sein muss, können dann auch noch Prospekte von den Sponsoren ausgelegt werden.

Wir fuhren zum Start und hatten gerade noch einmal 5 bis 10 Minuten Zeit bevor es los ging. Ich kam überhaupt nicht dazu meine Windjacke auszuziehen, denn es war wirklich ungemütlich kalt.

dscf3064

Am Start: Lang-lang dominiert.

Matthias hatte sich nachgemeldet und war in Block E gelandet. Ich konnte ihn überzeugen, dass es eine viel bessere Idee ist aus meinem, nämlich Block A zu starten und wie immer gelang es uns problemlos uns da gemeinsam rein zu mogeln. Vorne zu starten hat den großen Vorteil, dass, sollte man aus einer Gruppe herausfallen, man in der Regel von einer schnellen Gruppe von hinten überholt wird, der man sich wieder anschließen kann. In Block E kann man Glück haben, wenn man in die Gruppe der schnellen Fahrer gerät, die verpennt haben sich rechtzeitig anzumelden (alle Nachmelder kommen in diesen Block). Ist das nicht der Fall, daddelt man langsam durch die Gegend und stellt sich im Laufe des „Rennens“ hundertmal die Frage was man hier eigentlich macht und warum an so früh aufgestanden ist.

dscf3065

Frisch über den Zaun

Uns war kalt, wir waren wie immer in Münster kein Stück aufgewärmt, als der Startschuss fiel und wir uns auf den Weg machten. Seit zwei Jahren fahre ich auf meinem Rennrad Shimano SPD Pedale (also MTB Pedale) die den großen Vorteil haben, dass man sehr schnell einklicken kann, so dass ich beim Start bereits eine Menge Fahrer vor mir überhole. Der andere große Vorteil dieses Systems ist, um es mit den Worten meines Sohnes auszudrücken, man sieht nicht voll schwul aus, wenn man abseits des Rades auf MTB Schuhen herumläuft.

Wie üblich versuchte ich also so schnell wie möglich nach vorne zu kommen, denn solche Jedermannrennen werden ja quasi auf den ersten drei bis fünf Kilometern entschieden. Deshalb ist es meiner Meinung nach ja auch total unsinnig sich für längere Strecken anzumelden, da das Schema immer das gleiche ist:

70 km: 3-5 km ballern;   60 km RTF-mäßig in der Gruppe fahren, 5 km nervös ins Ziel.
110 km: 3-5 km ballern; 100 km RTF-mäßig in der Gruppe fahren, 5 km nervös ins Ziel.
140 km: 3-5 km ballern; 130 km RTF-mäßig in der Gruppe fahren, 5 km nervös ins Ziel.

Entsprechend schnell war das Tempo zu Beginn. Ich blieb so weit links wie möglich und überholte Fahrer um Fahrer bis das Feld so weit auseinander gerissen war, dass der Abstand zu einer der vorderen Gruppe zu groß wurde, um den Sprung dorthin alleine zu machen. Aber immerhin, war ich ziemlich weit nach vorne gekommen und das Tempo wurde auch nicht langsamer. Jetzt ging es darum in der Gruppe zu bleiben und bei einem Tempo von 40+ immer wieder die Lücken zuzufahren. Das klappte gut, aber ich wollte mich auch nicht so verausgaben, dass ich bei den Steigungen die bald kommen würden keine Power mehr hätte.

Die ersten leichten Rampen kamen nach 12 bis 16 km und wurden sehr langsam gefahren, da gab es keine Probleme aus der Gruppe zu fallen. Nach 17 km kommt dann diese Steigung, die auf Strava Baumberg heißt und beim Rennen hier jedes mal die Gruppen selektiert. So auch dieses Mal. Allerdings bin ich dieses Jahr am Berg ganz gut in Form, den Dolomiten sei Dank und wurde zwar zunächst nach hinten durchgereicht, aber eben auch nicht so weit, dass ich ganz herausgefallen wäre. Und als ich oben war, hatte ich noch genug Power jetzt nicht rollen zu lassen, sondern noch einmal richtig Gas zu geben und in der Gruppe zu bleiben. Puh, wenn das so weiter gehen würde, war irgendwann der Zeitraum abzusehen, an dem ich rausfallen würde, weil die Reserven nicht mehr reichen.

dscf3066

Hallo Silvia.

Dann passierten zwei eigenartige Dinge: Erstens wurde es extrem nebelig. Da war schon so eine Tendenz zum Nebel am ganzen Morgen, aber jetzt wurde es richtig nebelig und ich konnte vor mir kaum noch etwas sehen. Die anderen Fahrer schien das nicht zu beeindrucken, aber ich wurde sehr unsicher und bremste häufig und unnötig. Es dauerte recht lange um einmal probeweise über die Rennradbrille zu schielen und festzustellen, dass da gar kein Nebel, sondern nur meine Brille sehr beschlagen war. Ich musste die dann erst einmal abnehmen, und fuhr mit meinen Minus Zweitausend Dioptrien (links und rechts jeweils tausend) erst einmal ein wenig weniger blind durch die Landschaft. Gut war das aber nicht. Das zweite, was passierte war, dass das Feld jetzt wesentlich langsamer fuhr. Die Luft war komplett raus und es ging im RTF Tempo durch Wiesen und Wälder. Zuerst ist man ja durchaus dankbar, aber dann könnte möchte man ja doch ein Rennen fahren und an die Grenzen gehen und nicht so einfach nur rumfahren. Dafür stehe ich nicht morgens um 5 im Herbst auf und fahre 180 km nach Münster. Und schon gar nicht möchte man von hinten von einer weiteren Gruppe eingeholt werden.

Genau das passierte dann auch, denn nach einer Weile kam die schnelle Gruppe aus dem B Block von hinten an und überholte uns. Also, wieder Gas geben, in die Gruppe rein, die Lücke mehr gefühlt als gesehen.

dscf3068

Leider tobte sich dann auch diese Gruppe schnell wieder aus. Den nächsten Anstieg Weissenburg (Strava) habe ich fast nicht wahrgenommen, ebenso die nächste Rampe rauf nach Horstmar (Strava). Das Feld war hier durchaus unterschiedlich schnell oben, aber letztendlich wurden die Lücken im Feld auch wieder zugefahren, so dass wir nach 43 km immer noch eine recht große Gruppe von vielleicht 100 Fahrern hatten.

In dem Feld war nun endgültig die Luft raus und es wurde nun sehr gemütlich gefahren. Strava gibt mir da einen Schnitt von über 40 km, aber das täuscht denn die Straße zurück nach Münster ist schnurgerade und es gibt einige sehr schnelle Abfahrten. Die ganze Nervösität war weg, es wurde gequatscht und ich hatte die Möglichkeit ein paar Fotos zu schießen. Höhepunkt: ein unverpackter Müsliriegel fällt aus einer Tasche genau in die Speichen eines Vorderrades. Müssliflocken umhüllen sofort das Feld.

dscf3067

Zurück auf der Radautobahn nach Münster

Matthias meinte nach dem Rennen, dass er die zweite Hälfte des Rennens als sehr langweilig empfand und er sich noch ein paar Steigungen gewünscht hätte, die das Feld weiter selektieren. Klar, das hätte ich mir auch gewünscht – aber eben erst auch nach dem Rennen.

Jetzt galt es eigentlich nur noch in der großen Gruppe nach vorne zu kommen, bevor das Feld so nervös wird, dass alle nur noch links überholen wollen und da kein Platz mehr ist. Nach meiner Erfahrung ist das so ab dem 60. km hier der Fall, also machte ich mich gleich bei km 50 auf. Das klappte sehr gut und bei der Einfahrt nach Münster war ich unter den ersten 20. Ich wusste allerdings auch nicht wie lange das Rennen genau war und wie viel Kilometer es noch bis zum Ziel sein sollten. Dummerweise gab es da keine Ausschilderung oder ich habe die nicht gesehen.

Auf den letzten beiden Kilometern war das Feld auch sehr nervös und man bekommt sehr genau mit wer erfahren ist und sicher fährt und welche Dangerfreaks das eben nicht sind. Vor mir fuhr jemand in einem Highroad Jersey, der mir schon vorher aufgefallen war, weil es ständig links und rechts ausscherte.

In der letzten Kurve vom York Ring in die Grevener Strasse, fuhr ich hinter ihm außen in die Kurve. Ihn treibt es raus, er kommt gegen den Bordstein, fällt aber zum Glück nicht hin.  Kurz danach verbreitert sich die Straße und die Parkbuchten dort sind mit Hütchen abgesperrt. Er knallt gegen die ersten Hütchen, kippt die um und die rollen nun auf die Straße . Ich kann gerade noch so ausweichen, verliere aber jeden Schwung. Ein ganzer Haufen Fahrer zieht an mir vorbei und mir geht die Strecke aus. Ich ziehe noch mal richtig an, überhole noch den einen und den anderen, aber der vordere Teil der Gruppe ist weg.

Video von Kai, Danke dafür. Man sieht gut wie der Highroad Fahrer aus der Kurve an den Bordstein gedrängt wird bei etwa 2:00.

Ziel.

Schloßplatz. Alkoholfreies Weißbier morgens um halb elf. An sich nicht mein Fall, heute schon. Chip abgeben. Auf dem Tisch dort liegt ein Buch, Titel „Delirium“.

dscf3070

Weißbierwetter.

Kurze Zeit später kommt Matthias rein. Der Zeitunterschied ist nicht groß; am Anfang, so sagt er, hat er nicht genug auf die Tube gedrückt und war deshalb in einer langsameren Gruppe. Tja, schreibe ich ja, dass diese Rennen zu Beginn entscheiden werden.

Aber da er mit seiner E-Block Nummer in den A/B Gruppen gefahren ist, bekommt er jede Menge Respekt: „Wow, hast Du Dich von ganz hinten nach vorne durchgekämpft?“ „Hm, aber jetzt gehen mir so langsam die Körner aus.“

Vor ihm, kurz vor dem Ziel hat es eine Gruppe mit 30 Fahrern umgelegt. In Schmerz und Agonie versuchten einige noch ihr Rad mit dem Sensor über die Ziellinie zu schieben, bevor sie ihr Leben aushauchten. Anderen ist es nicht so gut ergangen, wie z.B. diesem Fahrer:

dscf3071

Ok, der ist zwar so fit, dass er nach dem Rennen ein Bier trinken kann. Andererseits scheint er ja im Rennen Probleme mit der Sitzposition gehabt zu haben.

dscf3072

Sieht man genau hin, stellt man fest, dass er vorsorglich einen Ersatzsattel in einem sehr speziell konstruierten Sattelhalter mit sich führte.

Dann kommen auch Jessica und Harald rein. Auf Jochen, der die 110 in der Genießergruppe gefahren ist warten wir, er kommt und kommt nicht (weil Genießer). Wir machen uns dann auf und düsen schnell nach Bremen, wo wir um halb drei ankommen und noch den halben Feiertag vor uns haben.

Als ich dann um sechs Uhr aufwache ist wieder ein Viertel Feiertag vorbei.

Danke für diesen schönen Saisonabschluss, besonders an Matthias und Jochen.

Strava

6 Kommentare

Eingeordnet unter 2016, Mob, Rennen

Münsterland Giro 2014

2012 war der Münsterlandgiro eine stressige, nasse und gruselige Erfahrung. Heute war es ganz anders: Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen Pro- und Jedermannrennen: Prorennen enden mit einem Sprint, Jedermannrennen beginnen damit.

Der Wetterbericht war hervorragend – bis zu 23 Grad. Trotzdem wäre es natürlich noch besser, das Rennen am Tag der deutschen Einheit durchzuführen, und zwar dem Tag vor der Einheit: dem 17. Juni. Einerseits. Andererseits ist Münster ein guter und würdiger Abschluss für die Radsaison, das Rennen ist lang, hat ein paar Höhenmeter je nach Kurs und zum Abschluß sollte man so gut trainiert sein, dass es sehr schnell wird.

Auch dieses Jahr ging es erst einmal mit Ärger los: Waren es 2012 noch ein Selbstmord, der den Bahnverkehr für fast zwei Stunden still legte, Jörgs platzende Reifen und Regen, so machte mir dieses Jahr der Car Sharing Service einen Strich durch die Rechnung bereits am Vortage anzureisen und in Greven zu übernachten. Stattdessen klingelte der Wecker um Viertel vor Sechs und ich machte mich auf nach Münster. Die Strassen waren frei, zunächst war es noch dunkel und dann zog Bodennebel auf aber man konnte schon erahnen, dass es ein wunderschöner Tag werden würde – bis zu dem Moment wo ich in mein Marzipancroissant biss und feststellte, dass mir der Tankwart eins mit Nutella verkauft hatte. Das Leben zeigte sich von seiner Schokoladenseite.

Nach 1 1/2 Stunden Fahrt war ich in Münster und machte mich zur Startnummernausgabe. Hier ist lobend zu erwähnen, dass man dort zunächst wirklich nur die wichtigen Dinge bekommt (Transpoder, Nummer, Kabelbinder, Sicherheitsnadeln) und sich die ganzen unwichtigen Dinge woanders und freiwillig abholen muss. Ich empfinde es als störend Skigutscheine für Südtirol, Plazenta Hautcremepröbchen für Radfahrer und unförmige Wasserflaschen mit mir rumschleppen zu müssen wenn ich eigentlich nur radfahren will.

Noch ein wenig rauf und runter die Strasse um wach und warm zu werden und dann reihte ich mich in den Startblock B ein. Der A Block war gut gefüllt, die Verteilung findet in der Regel nach eigener Geschwindigkeitsangabe statt: Gibt man Licht- oder Schallgeschwindigkeit oder irgendetwas jenseits der Sechzig Stundenkilometer an landet man im Block an, alles über 30 in Block B und alles darunter wird wahllos auf Block C und D verteilt, auch Angaben von 38Grad Celsius oder „To infinity and beyond“ werden prinzipiell in Block A plaziert.

DSCN4853

Der B Block. Wer da noch Ärmlinge an hatte sollte dies später bereuen.

Ich hatte 36 km/h angegeben (letztendlich sollten es 38.8 werden) zog die Windjacke aus und machte mich warm. Im Gegensatz zur Bremen Challenge, einer der größten Zwangsunterhaltungsshows diesen Jahres, wo mehrere hundert Starter über eine Stunde unterhalten wurden, ging es hier planmäßig um 9 Uhr mit dem Start von Block A los, eine Minute später dann auch mit Block B. Da ich relativ weit hinten im Block stand, machte ich mich auf den Weg nach vorne und nutzte jede Möglichkeit zum überholen aus. Weil die Umgebung aber quasi genauso schnell in Bewegung ist wie einer selber, bekommt man das irgendwie nicht so mit; man denkt man daddelt mit 30 km/h durch die Gegend und schaut auf den Tacho und liest 44 km/h. Der Drang nach vorne klappte heute sehr gut. Nach ca. 20 Minuten des Hechels war ich ganz vorne mit dabei, es sei denn es gab noch eine schnellere B Truppe die sich vorne abgesetzt hatte. Da das ja ein Renne und keine Trainingsausfahrt mit Freunden ist, vermied ich es aber tunlichst mich in den Wind zu stellen.

Nach 18 km kam die erste Steigung. Die war nicht zu lang und es gelang mir in der Gruppe zu bleiben. So Gruppen sind ja riesige Maschinen, die Ausschuss produzieren der hinten rausfällt. Nach 22 km kam der erste „richtige“ Berg mit 100m Höhendifferenz und hier trennte sich das Pils vom Weizen. Dummerweise war ich bei den Pilsen dabei, aber auch nicht so richtig, ich war eher ein weiziges Pils, denn aus der Gruppe fiel ich nicht heraus, aber in der erste war ich nun auch nicht mehr dabei. Bis auf zwei, drei andere war ich alleine auf der Strasse und ich lies es ruhiger angehen, um mich von der nächsten großen Gruppe einholen zu lassen. Schliesslich hatten wir etwa 10 Fahrer zusammen und versuchten auf die Gruppe vor uns aufzuschliessen, was aber mißlang. Da waren halt auch ein paar dabei die von hinten nach vorne sprinteten Führungsarbeit machten und denen dann das Licht aus ging. Ich beteiligte mich an der Arbeit, aber es nutze alles nichts. Die Gruppe war auch zu klein um richtiges Tempo zu machen. Nach etwa 50 km, kurz vor Coesfeld, wurden wir von dem B Hauptfeld wieder eingeholt. Das war un eine sehr große Gruppe mit mehr als hundert Fahrern und die sollte auch bis zu den Schöppinger Bergen bei km 115 so zusammenbleiben. Ab und an holten wir ein paar A Fahrer ein, denen entweder Licht oder Schall ausgegangen war aber sonst passierte nicht viel. Das Tempo war immer noch fix, jetzt im flachen wieder jenseits der 40, taktisch lief es hervorragend und es gab zum Glück keine Anfänger und Selbstmörder im Feld bislang. Dann schlug mir jemand auf den Hintern. Mädels mögen so etwas ja nicht aus dem Hinterhalt, ich schon, vor allem bei Tempo 40. Marcus war auch im B Block gestartet, ich hatte ihn am Start aber gar nicht gesehen und hatte uns mit der Haupttruppe eingeholt.

DSCN4860

Marcus – kurz nach dem einholen

Es begann ein Abschnitt der sehr flach war und das Tempo ging etwas runter. Wie auf Kommando packten Hände an Trinkflaschen und Riegel wurden aus Trikottaschen gezogen. Nachdem ich das erledigt hatte holte ich meine Kamera raus und machte ein paar Fotos vom Feld. Dabei musste ich daran denken, dass ich am Montag bei der Ausfahrt, einer ursprünglich als lockere Ausfahrt nach der Arbeit geplanten kurzen Runde, absolut und überhaupt keine Zeit hatte Fotos zu machen. Wenn ich nur daran gedacht hätte, die Kamera aus der Tasche zu holen, hätte mich dieser Moment der Unkonzentriertheit bereits hoffnungslos hinter die Gruppe zurückfallen lassen. Das war also wesentlich härter als der Giro hier.

DSCN4854

Vor mir,

DSCN4855

…hinter mir,

DSCN4856

… mit mir.

Hart an diesem Giro waren vor allem die Ortsdurchfahrten. Die Organisatoren geben sich große Mühe die Gefahrenstellen zu kennzeichnen und abzuschranken, aber das fahren durch die Stadt ist trotzdem gefährlich und es ist ja nicht so als wenn das unbedingt nötig wäre. Die Begeisterung der lokalen Bevölkerung hält sich doch stark in Grenzen. Zwar ist ab und Kirmes und Männer von Schützenvereinen ziehen durch die Strassen – aber können die das denn nicht auch am 17. Juni machen?

Trotzdem merkte ich aber auch, dass es langsam anstrengender wurde. Meine Taktik ist im allgemeinen recht unkonzentriert in der Gruppe zu fahren; dadurch tun sich vor mir schon mal Lücken auf und andere Fahrer schieben sich dort rein. Dadurch falle ich nach hinten. Hinten fahren ist aber nicht gut, denn erstens ist das Risiko des baghängt zu werden groß und zweitens ist das wie in einem Stau, hinten fährt man hektischer wennn dich die Geschwindigkeit vorne verändert. das ist also anstrengender.  Und dann, wenn ich meine ich bin weit genug zurückgefallen, spurte ich an der Seite wieder nach vorne. So langsam merkte ich, dass die Spurts mir schwerer fallen. Ich wollte mich auch nicht komplett verausgaben, die ja wusste, dass noch die Schöppinger Berge kommen. Und da waren die dann auch nach 112 km. Sofort zerfiel die Gruppe in die ihre Einzelteile. Ganz vorne konnte ich nicht mithalten, aber irgendwie gelang es mir doch relativ weit vorne zu bleiben. Ich vermute einmal, dass es Marcus da erwischt hat, und dass er hinten raus fiel. Ich dachte zunächst, dass sich nun vorne eine größere Gruppe abgesetzt hätte, aber zum Glück konnten wir die wieder einholen. Insgesamt war die Gruppe aber deutlich kleiner geworden.

Da wir jetzt näher ans Ziel kamen, wurde die Truppe auch hektischer. Es gab fast zwei, drei Stürze vor mir. Und obwohl wie auf einer relativ breiten Strasse unterwegs waren, zog es immer mehr Fahrer nach links so dass es schwieriger wurde nach vorne zu kommen. Ich blieb so in der Mitte und etwa 10 km vor dem Ziel versuchte ich mich nach vorne zu arbeiten, was aber sehr schwierig war. Jedenfalls hatte ich noch genug Power für einen Schlusssprint und das wollte ich nutzen. In Münster sind die Strassen dann relativ eng. Erstaunlich, denn im Zielbereich ist dies ja auch der Kurs der Profis, das häte ich mir durchaus breiter vorgestellt. Ein letzter Einsatz, Sprint und dann war es vorbei. So ganz unfroh war ich nicht, dass die Arbeit des Tages nun geleistet war (so dachte ich jedenfalls).

Zuhause vergleich ich dann die Zeit mit 2012. Damals 3:45 h, diesmal 3:41, kam mir ja doch schneller vor. Dann wurde mir auch klar warum, 2012 war die Strecke nur 129 km lang, diesmal 143. Das erhöhte dann den Zufriedenheitsgrad ungemein. 348ter von 672 Fahrern insgesamt, 56ter von 132 Fahrern in meiner Altersklasse. Alles sehr erfreuliche Ergebnisse.

Jetzt also erst einmal ein Weizen.

DSCN4863

Paulaner Himmel

Ich hatte mich mit Marcus hier zum trinken verabredet, aber der kam einfach nicht. Eine gute Gelegenheit ein paar Fotos zu machen, insbesondere von coolen Clubtrikots, Münster Schloßplatz ist da ja so etwas wie der Radlaufsteg der Welt

DSCN4861

Yep babe – it’s a mathai world … whatever

DSCN4862

Dazu fällt mir nur dies ein: https://www.youtube.com/watch?v=prwDgGYFTxc Am Haarschnitt muss aber noch gearbeitet werden.

DSCN4864

Fräulein Lenzen – habe ich bestimmt heute 20 Mal überholt und umgekehrt.

DSCN4865

Red Dot Design Award heute: Martin Schultewolte’s Sanitäres Racingteam und Rotz Racing – total unsanitär.

DSCN4866

Das Trikot sieht farblich so aus wie eine Stützstrumpfhose aus dem Altersheim, das Mädel aber konnte fahren. Hat mich bestimmt 20 Mal überholt. Und Umgekehrt.

So, dann kamen aber auch schon die Profis.

DSCN4867 DSCN4868

Die Fahrt nach Hause dauerte dann geschlagene drei Stunden. Manchmal dachte ich, wenn ich jetzt mit dem Rad nach Hause gefahren wäre im Tempo des Giros hätte es auch nicht länger gedauert.

Insgesamt war es ein super Tag. Ich habe mir das mal auf Strava angeschaut. Jeder KOM und die darauf folgenden dreihundert besten Ergebnisse wurden heute gefahren, alles was vorher war quasi ausradiert. So , morgen noch ein bisschen fahren und dann werden die Beine erst mal hochgelegt.

2 Kommentare

Eingeordnet unter 2014, Mob, Rennen

Münster 2013

Jos van Emden, Münsterland Giro 2013

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2013, Mob, Racing

The Munsters

The Munsters – eine sehr lustige Serie aus den Sechzigern über eine Familie von Monstern. Leider konnte ich die nicht sehen, da ich erstens viel zu klein war, zweitens meine Monsterfamilie damals keinen Fernseher besass und wir drittens nicht in den USA wohnten.

Münster – ein beschauliches Städtchen in Westfalen. Es gibt Labyrinthe von Straßen, viele Radwege, eine Uni und einmal im Jahr den Münsterland Giro. Leider bin ich dort mitgefahren, denn erstens bin ich nun erwachsen genug, zweitens hatte ich mich angemeldet und drittens brachte mich die Deutsche Bahn nach Münster. Was nicht selbstverständlich ist.

Ich wachte um 4:40 Uhr morgens auf, da mein Zug von Bremen nach Münster um 5:40 Uhr losfuhr. Planmäßig wäre ich dann um 7 Uhr in Münster gewesen. Nicht unbedingt notwendig, aber später fuhr nur noch ein ICE und da hatte man mich schon einmal mit einem eingepackten Rad herausgeschmissen. Also war ich früh am Bahnhof und stellte zu meiner Freude fest, dass die wichtigen Geschäfte dort (die Bäckereien) auch an einem Feiertag so früh bereits offen sind. Mein EC Zug wartete schon, outete sich aber als Ersatzzug. Dadurch hatte ich keine Reservierung aber das war dann auch egal – Hauptsache es gab ein Radabteil. Dort waren auch schon zwei andere Teilnehmer, Stefan aus HH und Ingo aus HB, die ich aber erst besser kennenlernen sollte, als uns die Deutsche Bahn die Gelegenheit dazu gab.

Wir fuhren also los und hielten an den unnötigen Bahnhöfen dieser Welt in der Dunkelheit des Morgens. Dann hielten wir in Bohmte, das ist etwa 10 km nördlich von Osnabrück. Wir bleiben stehen und wurden schließlich informiert, dass ein „Personenunfall“ in Osnabrück stattgefunden hatte, der unsere Weiterfahrt erst einmal auf unbestimmte Zeit verzögern würde. „Personenunfall“ ist Bahncode für Selbstmord. Selbstmord begeht man im Herbst bei Nieselregen in der Provinz in Osnabrück im Industriegebiet und am Tag der Einheit wenn man aus der ehemaligen sogenannten „DDR“ kommt. Oder wenn man mal wieder von der Deutschen Bahn durch massive Verspätungen enttäuscht wird. Man springt dann in der Regel vor den nächsten Zug, schafft zusätzliche Verspätungen und damit wiederum mehr Selbstmorde – ein teuflischer Kreis.

Warum allerdings ein einzelner Selbstmord den ganzen Bahnbetrieb auf Stunden aufhält verstehe ich nicht. Ich war lange in Japan, einem Land mit einer der höchsten Suizidraten der Welt – nach einigen der ehemaligen Sowjetstaaten und den notorisch schlecht gelaunten Ungarn. Ab und an war ich am Rande Zeuge von Selbstmorden, aber das ging immer relativ fix weiter und das in einem sehr viel engmaschigerem und beanspruchtem Transportsystem.

Das ist nicht die einzige Panne, die ich mit der DB in den letzten Jahren hatte, hier meine Top Drei:

  1. Erinnert sich noch jemand an den Orkan Kyrill in Januar 2007?  Ich hatte die großartige Idee an diesem Tag an der Uni Magdeburg einen Vortrag über die Entwicklung der japanischen Gewerkschaftsbewegung nach dem 2. Weltkrieg zu halten. Die Studis bleiben in weiser Voraussicht angesichts des Unterhaltunsgwertes des Vortrages und des drohenden Unwetters zuhause. Ich fuhr mit dem letzten IC der Magdeburg verließ Richtung Hannover, von dort aus wollte ich weiter nach Herford. Kurz vor Helmstedt bleibt der IC mitten in der Dunkelheit stehen, keine Ansage nichts. Im Geiste erwartete ich schon, dass die deutsche Wiedervereinigung am Nachmittag rückgängig gemacht wurde und wir nun warten müssen bis die Grenzbefestigungen wieder aufgebaut werden. Schließlich kommt die Durchsage, dass durch den starken Sturm Bäume auf der Strecke liegen und nun erst die Feuerwehr kommen muss um diese zu entfernen.
    Nach einer halben Stunde fährt der Zug weiter und hält dann abrupt wieder. Eine weitere Durchsage: „Wir möchten den Reisenden mit der Motorsäge noch einmal bitten, an den Anfang des Zuges zu kommen.“ Man muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen wenn man die DB zum Reisen wählt.
  2. Ich will nur im Sept. 2010 von Bremen nach Hamburg auf einen Kongress. Nichts besonderes, 1 1/2 Stunden Zeit mit dem regionalen Zug. Kurz vor Harburg bleibt der Zug auf offener Strecke liegen. Nichts passiert, keine Durchsagen, alle warten. Nach etwa 90 Minuten: „Die Oberleitung ist beschädigt und wir können nicht weiterfahren. Ein Ersatzzug wird kommen und wir bitten dann alle Passgiere umzusteigen.“ Eine weitere halbe Stunden späte: „Der Ersatzzug hat leider einen Defekt, bitte laufen Sie auf den Schienen zurück zum nächsten Bahnübergang, dort werden Sie von Bussen abgeholt und zum nächsten Bahnhof gefahren.“ Natürlich sind dann auch keine Busse da. Ich laufe mit ein paar anderen nicht Schicksalsergebenen zur nächsten ÖNV Bushaltestelle und nehme den Bus nach Hamburg Harburg. Mehr als fünf Stunden später nach meiner Abfahrt in Bremen bin ich endlich in HH.
  3. Ich fahre nach Stuttgart um eine Studentin von mir in ihrem Unternehmen zu besuchen. Der IC wird erst durch verspätete vorhergehende Züge verspätet, dann sind Kinder auf der Fahrbahn, dann ist ein Stellwerk abgebrannt und dann wird die Strecke komplett gewechselt und dann ist in Frankfurt Schluss. Komme mehr als vier Stunden zu spät zu meinem Termin.

Fazit: Hast Du viel Zeit dann nimm die Bahn sonst besser nicht.

Egal, wir standen also in Bohmte rum und unterhielten uns. Langsam wurde es mit der Zeit eng. Und die Durchsage, dass der Zug 90 bis 120 Minuten Verspätung hätte beruhigte uns nicht wirklich. Zwei Stunden Verspätung bedeutet Ankunft in Münster um 9 Uhr bei einem Rennstart um 9:10 Uhr – das geht gar nicht mehr.

Stefan und ich beschliessen auszusteigen und ein Taxi von Bohmte nach Münster zu nehmen. Mit unseren Rädern rasen wir auf dem Grasbewachsenen Bahnsteig von Bohmte entlang auf dem seit Menschengedenken kein Reisender mehr freiwillig seinen Fuß gesetzt hat. „Oh, steigen Sie ruhig wieder ein, wir fahren jetzt weiter!“. Prima, also wieder zurück zum Radabteil fahren und dann weiter nach Münster. Ich rufe Jörg an, der bereits mit dem Auto da ist (smart choice) und bitte ihn die Startunterlagen für uns abzuholen. Er kümmert sich darum und will mit dem Zeug am Auto im Parkhaus warten.

Um 8:38 kommen wir endlich in Münster an. Wir schwingen uns auf die Räder und machen uns auf die Suche nach dem Parkhaus. Irgendwie finden wir es auch recht schnell, aber zum Glück hat auch Jörg auf uns gewartet und fängt uns vor dem Parkhaus ein. Wir schaffen es so etwa fünf Minuten vor dem Start in den Block zu kommen. Ich bin in Block C und starte von GAAANZ HINTEN. Den Block D gibt es gar nicht, ich vermute wegen dem schlechten Wetter ist der 130er Kurs ohnehin nicht komplett ausverkauft. Als der Tag der deutschen Einheit noch am 17. Juni war, war das Wetter in Münster tendenziell auch sicherlich besser, aber bitte. Jörg und Stefan sind im Block B. Wir sind alle ziemlich nass, etwas gestresst und haben noch einen Atemzug Resthektik in uns. Das Rennen kann beginnen.

(Fortsetzung folgt).

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2012, Mob, Rennen

Souvenir aus Münster

 

Gestern fand der Münsterland Giro statt, Jörg und ich hatten uns für die 130 km angemeldet. Ich hoffe ich werde ich den nächsten Tagen etwas mehr Zeit haben, um darüber zu schreiben. Hier schon einmal ein Teaser:

Die Deutsche Bahn ist nicht in der Lage in einer Stunden und zwanzig Minuten nach Plan von Bremen nach Münster zu fahren. Man sollte denken, dass man auch Verspätungen der Bahn in Kauf nehmen kann, wenn man mehr als 2 Stunden vor dem Rennstart in Münster eintrifft. Nein. Besser am Vortag fahren. Oder vielleicht eine Woche später,damit man wenigstens nächstes Jahr pünktlich kommt. Oder gleich zu Fuß gehen.

Meine Brille ist recht dreckig geworden. Ich sah auch nicht besser aus. Zum Glück wurde diesmal und anders als bei der Bremen Challenge das Wetter besser je länger das Rennen dauerte. Trotzdem, zusammen mit dem Wind war es doch eines der härteren Rennen, die ich gefahren bin.

Im Zug habe ich Stefan aus HH kennengelernt. Die deutsche Bahn gibt einem reichlich Gelegenheit seine Mitreisenden kennenzulernen, vor allem wenn man 90 Minuten in Bohmte am Bahnhof hält. Stefan fuhr auch die 130km, hatte zwei Platten von denen einer konventionell von einem zufällig anwesenden Anwohner an der Rennstrecke mit einem Flicken repariert wurde und war trotzdem mehr als eine Minute schneller im Ziel als ich. OK, wenn es er eine Minute nach mir im Ziel gewesen wäre, dann hätte man die Minute auf den Platten schieben können. Aber so….

OK, er war halt zwei Minuten schneller als ich, so what ????

Jörg hatte ebenfalls einen Platten und wurde dann gehindert am 130km Rennen teilzunehmen. So musste er die 60 km fahren, die eine halbe Stunde später starteten.

Genug gemotzt. Die erfreulichen Dinge später Mal.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2012, Mob, Rennen