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German Folding Bike Open 2018. Bremen.

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In Bremen finden jedes Jahr drei für Radfahrer interessante Wettkämpfe statt: Der Velotörn, ein Rennradrennen, der Citytriathlon, bei dem man in der Staffel das Rad fahren kann und die German Folding Bike Open. Letzteres verspricht am meisten Spaß.

Nachdem es einige Gerüchte gab, dass der Velotörn dieses Jahr nicht stattfinden wird, scheint nun alles in trockenen Trikots zu sein und die neue Strecke kann sich auch sehen lassen – sie beinhaltet wie die frühere Bremen Challenge einen Abschnitt über die Hochstrasse und den Remberti-Ring. Ich habe mir mal die Mühe gemacht die Strecke auf Strava zu einer Route zu basteln, da die Beschreibung auf der Velotörn Website eben nur eine schriftliche Beschreibung ist. Prima, gut dass das Rennen wieder stattfindet.

Der Citytriathlon hat sich als feste Veranstaltung etabliert. Seit 2011 bin ich in verschiedenen Staffelteams dort gefahren und auch mehr oder minder erfolgreich. Auf dem Blog hier gibt es dazu jede Menge Berichte.

Bei der GFBO bin ich allerdings noch nie gestartet. Es gab sie zunächst als Brompton National Championship (2014,15) und nun zum dritten Mal offen für alle Klappradfahrer. Ich habe zwar ein sehr schickes Faltrad, ein selbst gebautes Moulton TSR9 mit einem riesigen 61er Kettenblatt vorne (War übrigens auch ein riesiges Geldgrab), aber den Termin habe ich immer verpasst. Als ich am Mittwoch so vor lauter Langeweile im Internet blätterte wurde ich darauf aufmerksam, dass schon vier Tage später der Wettkampf ist. Da ich ohnehin dachte, dass die Veranstaltung längst ausverkauft ist melde ich mich Spaßeshalber an … und bekam gleich am nächsten Tag die Zusage. So ein Mist, damit hatte ich nicht gerechnet.

Also musste ich erst einmal das Moulton klar machen, wozu ich nun so gar keine Lust hatte. Also ließ ich alles so wie es war. Auch die sehr anfälligen, sehr dünnen Schwalbe Ultremo Reifen da ich keine Lust hatte die dickeren Kojaks zu montieren. Und die Schaltung stellte ich dann 15 Minuten vor dem Start auf einer Parkbank ein.

Tja, und dann musste ich ja auch noch trainieren. Als ich mich das erste Mal nach langer Zeit auf das Moulton setzte knallte ich fast den Bordstein runter und hätte mich um ein Haar hingelegt. Aber mit der Zeit (also am Donnerstag, Freitag und Samstag) klappte es immer besser auf den Ausfahrten in der Umgebung.

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Nein. Das ist nicht der Schattenmann.

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Da das ja mein erster Ausflug in die Klappradszene war, stellten sich mir drei entscheidende Fragen:

  • Darf ich ohne Bart überhaupt starten?
  • Wie ehrgeizig soll ich die Sache angehen – oder falle ich da negativ auf als Spassbremse wenn ich zu ehrgeizig bin? Und davon abhängig:
  • Was ziehe ich bloß an?

Ich ging auf Nummer sicher: Vollbart und schickes Haiwaiihemd auf der einen, aber eine gute Radhose und Klickpedale auf der anderen Seite. So machte ich mich auf den Weg zum Wall.

Dort war es schon recht voll und eine lustige Meute versammelt. Insgesamt war die Stimmung deutlich besser als bei einem klassischen Rennradrennen, oder einer nordeutschen RTF – im Ehrgeiz der Teilnehmer gibt es ja da keinen Unterschied und jeder Mitfahrer den man nicht persönlich seit 10 Jahren kennt wird als unfairer Konkurrent eingeschätzt. Also unfair heißt: Könnte unfairerweise schneller sein.

Ich wurde gleich angesprochen und viele Zuschauer und Fahrer bewunderten das Moulton – von denen nicht zu viele da waren. Die meisten Teilnehmer fuhren Bromptons, einige Dahon, Tern oder Riese und Müller. Und sehr sehr viele aufgemotzte alte Klappräder, teilweise mit Carbonfelgen, Dura Ace Kurbeln und Zeitfahrlenkern. Einige fuhren auch Klappräder mit 26 Zollrädern, was eigentlich unfair finde (könnten schneller sein als ich).

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3 Moultonfahrer und vier Moultons: Dreimal TSR und ein altes, weißes aus den Siebzigern

Es waren eine Menge Leute da die ich kannte, Axel und Karsten aus der Klappradszene, aber auch Lena, Harald, Didi + Fräulein Didi, Niels, Mikele und andere die ich mehr mit „Rennrädern“ in Verbindung bringe. Die Teilnehmer ließen sich in drei Gruppen aufteilen, lustigerweise sehr ähnlich zu der Situation an einer Hochschule:

  • Eine unfaire Gruppe von ca. 10 bis 20 Fahrern mit dicken Waden, schnellen Kisten und jahrelanger Klappraderfahrung, die das Rennen unter sich ausmachen würden.
  • Eine faire Gruppe schick herausgeputzter Herrschaften, überwiegend auf Bromptons die nur für den Spaß gekommen waren.
  • Ich.
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Einige der unfairen Teilnehmer

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Die Kölner mit Anhang fand ich am geilsten.

Ich stand am Start und wurde so langsam nervös. Zum Glück gab es eine Kennenlernrunde, bei der wir alle gemeinsam gefahren sind. Der Kurs beginnt am Wall, etwa auf der Höhe von Harms und wird im Uhrzeigersinn gefahren. Herdentor und Contrascarpe sind noch asphaltiert, aber dann geht es in die Parkanlagen auf Erdwegen bis zum Theater, beim Wagenfeld vorbei und in einer Rechtskurve wieder auf den Wall, insgesamt etwa 2,1 km. Ich machte mir echt Sorgen, dass ich mich auf dem Schotter hinlegen würde.

Insgesamt gab es 44 Minuten Zeit, wer innerhalb dieser Zeit die meisten Runden gefahren war kam in das „Play Off“, bei dem nur noch eine Runde gefahren wurde, um den Sieger zu ermitteln. Ich dachte, dass ich 10 Runden schaffen könnte. Wichtig war ja einfach nur sich nicht überrunden zu lassen.

Wie gesagt, ich stand nervös am Start und dann fällt es mir schwer mit anderen Menschen zu sprechen. Ich will einfach nur mit meiner Aufregung alleine gelassen werden. Leider gab es unsägliche Musik (We will rock you; Black Betty….) und dazu unsägliche Ansprachen und Race Infos. Es war genauso schlimm wie bei der Bremen Challenge 2014, als wir über eine Stunde im Startblock standen und mit Anekdoten aus dem Leben von Marcel Wüst unterhalten wurden. Boh, danach wusste ich echt alles über den Typ. Lustigerweise war damals und heute der Veranstalter derselbe.

Dann ging es los. Ich hatte einen Platz relativ weit vorne und kam schnell weg. Aber wer gedacht hätte, dass hier Ehrgeiz und Leistung keine Rolle spielt lag falsch. Vom Start weg setzte sich gleich eine gute Gruppe mit vier Fahrern ab, ich dahinter und hinter mir nix. Die vier arbeiteten gut zusammen, so dass ich alleine die Lücke nicht schließen konnte. Erste Runde in 4:04 min – das passte aber. Die zweite Runde bin ich wieder ganz alleine gefahren und das kostete wirklich Körner – aber immerhin auch in 4:11 min. In der dritten Runde kamen von hinten zwei schnelle Fahrer – der blaue Reiter hatte sich aus der schnellen Gruppe herausfallen lassen und führte nun den Herrn im Smoking heran. Dieser Gruppe schloss ich mich an. Aber leider nur für kurze Zeit, denn dann merkte ich, das mein Vorderrad platt war.
Raus aus dem Feld, Pause an der Parkbank. Schlauch und CO2 Kartusche dabei, aber keine Reifenheber, so ein Mist. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich wieder einsatzbereit war. Für die Runde brauchte in dann über 12 Minuten und das Playoff konnte ich mir abschminken.  Ich wollte aber trotzdem eine gute Leistung zeigen und hämmerte wieder rein. Eigentlich fühlte ich mich auch ganz zufrieden, dass ich als Rennradfahrer nicht die Klappradhierarchie störe.

Die nächste Runde war ich dann wieder alleine unterwegs in 4:35 min. Das Tempo konnte ich dann alleine auch in den folgenden Runden halten, die ich in 4:18 min und 4:25 min (Runde 6) absolvierte. Mittlerweile waren 33:35 min verstricken, also etwas mehr als 10 Minuten Rennzeit vorhanden. Da waren also noch maximal zwei Runden drin, was mich auf 8 Runden gesamt gebracht hätte – definitiv zu wenig für die Playoffs.

Die Entscheidung alles oder nichts zu geben wurde mir dann aber auch in der siebten Runden abgenommen, als diesmal der Hinterreifen platt wurde. Ich hätte mal doch die Reifen wechseln sollen, das hätte mir eine Menge Frust gespart.

Also rollte ich auf der platten Felge ins Ziel und gab auf. Da das aber mein erstes Rennen war und mich an sich gut geschlagen hatte, Spaß hatte und eine Menge netter Menschen um mich herum waren, hatte ich nicht das Gefühl einer Niederlage.

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Spaß mit Bart in hellblauen Socken.

Ne, ich fühlte mich ziemlich prima und schaute mir dann das Playoff an, für das sich neun Teilnehmer qualifiziert hatten unter anderem Axel, Karsten, der Herr in dem Smoking, der blaue Reiter, der Herr mit dem Brusttoupet, einer der Kölnern, einer der so aussah wie direkt aus Clockwork Orange (na ja es ging ja auch um britische Kultur hier) und der superschnelle der dann auch gewann.

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Der Superschnelle. Der Gewinner kurz vor dem Ziel, meilenweit vor dem Rest der Fahrer.

Prima. Ein sehr schönes Ereignis, da könnte ich mir vorstellen auch nächstes Jahr wieder zu fahren. Mit besseren Reifen, weniger Ehrgeiz und mehr Bart.

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The sun never sets on planet cool.

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(c) Jendrik und Hannah

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RTF Barrien 2018. It never rains in Northern Niedersachsen.

Erstens: Man schaue auf den Screenshot der Wettervorhersage unten. 
Zweitens: Man errate, zu welchem Zeitpunkt die RTF Barrien stattfand.

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Genau. Start um Sonntag um 8 Uhr. Das erlaubt einem trocken dorthin zu kommen, um dann im Regen zu starten, im Regen die RTF zu fahren und dann im Regen nach Hause zu kommen.

Aber alles der Reihe nach. Die Wetterprognosen am Vortag ließen bereits nichts gutes erahnen. Immerhin fand ich eine, die eine Regenwahrscheinlichkeit von 51% voraussagte. Das heißt die Chancen, das es regnet standen nicht 50:50, bzw. 40:40, wie Lothar Matthäus das ganze einmal dramatischer formulierte, sondern etwas schlechter. Also Funktionsunterhemd an (als wenn ein normales Unterhemd keinerlei Funktion hätte, aber bitte), Windjacke in die Jerseytaschen gesteckt, zwei Trinkflaschen voll und ab morgens um 6:30 Uhr zum Treffpunkt an der Erdbeerbrücke. Auf dem Weg dorthin ging ich im Kopf kurz die Popgeschichte zum Thema Regen durch.

und natürlich

OK, ich gebe zu, dass einen Teil dieser Aufgabe nun Google für mich erledigt hat.

An der Brücke warteten bereits überwiegend optimistische Mantas. Der Grad des Optimismus zeigte sich an der Wahl der Kleidung (Einteiler oder Zweiteiler), bzw. an dem Vorhandensein einer Regenjacke (niemand). In etwas mehr als einer Dreiviertelstunde und 20 km waren wir dann am Start in Barrien, gerade noch rechtzeitig um nicht nass zu werden. Am Start war eine Bombenstimmung. Nicht.

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Bombenstimmung vor dem Start

Es waren deutlich weniger Fahrer da als in den Jahren zuvor, die deutlich mehr unter dem Vordach hingen und unschlüssig vor sich hin starten: Fahren, oder nicht fahren? Das ist sehr schade für den ausrichtenden Verein; gerade in Barrien wird sich immer besonders viel Mühe gegeben eine gute Veranstaltung zu organisieren und massenweise Kuchen heranzuschaffen.

Da waren bestimmt eine Menge zuhause geblieben und es fehlten viele bekannte Gesichter. Während einige Fahrer sich vernünftigerweise wieder in ihr Auto setzten und nach Hause rollten, hatten wir diese Alternative ja nicht, denn wir hätten ja auch durch den Regen fahren müssen. Also kann man auch gleich die RTF fahren, zumal es am Horizont so aussah, als wenn es gleich aufklaren würde (man musste allerdings sehr genau hinsehen). Und irgendwie passt das schon und überhaupt, jetzt war man schon mal da usw. Es ist jedes Mal exakt dasselbe.

Ich schätze einmal, dass um 8 Uhr am Start so etwa 100 bis 120 Fahrer standen als es los ging. Wie bei RTFs in Norddeutschland üblich wurden die Blocks A bis H alle gleichzeitig gestartet und es ging gleich im Sprinttempo los.  Vorne fuhren Achim und Mantas gleich von dannen; während ich ein wenig Mühe hatte an Schröder und Tanja in der zweiten Gruppe dranzubleiben. So bildete sich dann nach kurzer Zeit eine Gruppe von 16 Fahrern die überwiegend die ganze Zeit zusammenblieb. Vorne zog Maschine Schröder, dahinter Tanja, dahinter ich und in der zweiten Reihe links davon gab es vorne tatsächlich auch ein paar Wechsel.

Die ersten 40 km der RTF sind relativ bekanntes Gebiet bis nach Bruchhausen-Vilsen. Es gibt ein paar schöne Anstiege, ein paar schnelle Abfahrten und sonst das übliche was Niedersachsen zu bieten hat: Grüne Wiesen und grauer Himmel. In Berxen ging ich am Anstieg nach vorne, weil ich meine Bergqualitäten unter Beweis stellen wollte. Ich gab alles, nur am oben festzustellen, dass ich alleine war und wartete dann auch die anderen. So einen Blödsinn machte ich dann auch nicht wieder.
Die erste Verpflegungsstation hatten wir übersprungen, an der zweiten machten wir Halt, weil sich hier auch die Strecke teilte in die 75 und 112 km Varianten. Kurz vor der Station hatte es noch einmal richtig geregnet und ich konnte fast nichts mehr durch die Brille sehen.
Jemand rief: „Wer fährt die 75 km?“ Das ist außergewöhnlich mutig, etwa so, als wenn man auf eine Party geht und ein T-Shirt trägt:

„Ich bin ein pädophiler Scientologe.
Ach ja, und ich finde Atomkraft toll.“

Trotzdem rief ich „Ich“, denn sonst stehen da alle lange rum, bevor sie sich als 75 km Weicheier outen. Und mit Schröder und Tanja bekamen wir dann eine ganz ordentliche 8er Truppe zusammen mit der wir das Ding zu Ende fuhren. Am Ende im Regen sah ich fast nichts mehr, einige der Abfahrten waren wirklich grenzwertig. Aber immerhin war in 2:16 hr alles vorbei mit einem passablen 33er Schnitt ohne sich zu sehr zu verausgeben. Ja, ich weiß, 33 km pro Stunde. Das reicht noch nicht einmal für eine der schnelleren Gruppen beim RCB bzw. Nicht-RCB Montagstreff. So etwas fährt Maik über 330 km am Vortag bei den „Burning Roads“, um dann heute noch einmal 200km plus nachzulegen. Das ist auf der nach oben offenen Maik-Scala maximal eine 0,5.

Zurück am Start war immer noch nichts los. Normalerweise tummelt sich da die Dorfjugend und ehemalige Dorfjugend am Bierzelt, aber wir waren froh uns schnell wieder auf den Heimweg zu machen. Ich hatte immer noch meine beiden vollen Wasserflaschen dabei – nicht einmal was getrunken. Hätte ich mir genausogut direkt am Start in die Bekleidung kippen können – gleiche Effekt.

Zuhause angekommen, meinte meine Frau (die beste von allen) nur zu mir, ich sollte plus aufpassen, dass kein Wasser auf den Boden tropft. In meiner liebevoll ironischen Art antwortete ich, dass das ungefähr so sinnlos ist wie der Besatzung der Enola Gay von Hiroshima aus zuzurufen: „Hey. Macht hier bloss nicht so viel kaputt.“ Leider ist Ironie im allgemeinen und meine Art des Humors im besonderen nichts, was Japaner auch nur annähernd verstehen können. Glaubt mir, da habe ich 25 Jahre (verheiratet) bzw. 14 Jahre (Leben in Tokyo) Erfahrung mit.

Aber ich kann’s einfach nicht lassen. Genau wie diese bescheuerten RTFs im Regen zu fahren.

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Anthony Bourdain

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I bought his book „Kitchen Confidential“ in September 2002  either at an airport or at a bookshop in Tokyo. I liked the coverphoto, a weird mix of styles – Hippies from the Seventies to Butchers from Fin de Siecle.

I read the book, I liked it. Although in the end it reads rather thin. I liked to guy. Later I found out that what Anthony Bourdain has become really famous for was reporting for CNN about travelling and cooking the world. Like Charlet Duboc doing similar things about fashion for Vice TV. Although enjoying good food and dressing smartly, looking at food or fashon respectively on my computer screen does not rank high on my priority list.

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So sad to hear that he dies.
Similiar sentiments at Red Kite Prayer.

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Rohloff oder Pinion?

Ein sehr schöner Beitrag vom tout-terrain Blog den ich hier 1:1, bis auf alle Fotos kopiere. Das spiegelt auch sehr gut die Ideen und Anforderungen der Technikbegeisterten Kundschaft in Radläden diese Welt wieder.

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April 1, 2018 – Gundelfingen, Germany — After combing through endless emails in their customer support inbox from riders asking whether they should choose a Rohloff Speedhub or a Pinion gearbox for their next tout terrain bike, the R&D team at the German bicycle manufacturer along with Cinq innovations have built a prototype bicycle that contains the shockingly simple answer to this modern-day paradox. “Why choose one or the other when you can have both?” asks project manager Damian Bradley as he downloads the speed and cadence data from the modified City model bike in their facility’s test lab. The bike uses two prototype ‚double‘ Cinq Shift:R units, a Pinion C1.12 gearbox, Rohloff 500/14 Speedhub and a Gates Carbon Drive system with 118-tooth CDX belt and 50T by 24T front and rear sprocket combination. “This gives you a 3000% gear range and 168 gear combinations,” explained Bradley, noting that while not all of the gear combinations are likely to be unique, the number sounds really impressive.

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The tout terrain team calculated that with a steady cadence of 90 rpm, the bike will progress from under 4.9km/h in the lowest gear to 124.1km/h in the highest combination. “Suffice to say that this should appease everyone from loaded bikepackers to land-speed record chasers,” Bradley mused. When pressed about whether this bike will might actually come to market, he was noncommittal. “I am sure there are a host of technical reasons why this is a really bad idea, but right now the biggest thing holding us back is what to name it.”

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Hintern testen in Koblenz. Ergon.

Bildergebnis für weird bicycle saddleSeitdem ich mich beim Bloggen kürzer trete, bekomme ich deutlich mehr positive Kommentare. Vielleicht sollte ich ganz aufhören und werde dann für den Literaturnobelpreis 2020 nominiert.

Zum ersten Mal überhaupt wurde ich angefragt, ob ich nicht Interesse hätte an einem Produkttest teilzunehmen gegen Übernahme der Reisekosten nach Koblenz. Hm, meine Seele für eine Nacht in Koblenz und einen Sattel verkaufen? Na klar! Das war das bisher mit Abstand attraktivste Angebot und wer weiß ob da jemals überhaupt jemals etwas besseres kommen wird.

Also machte ich mich an einem Donnerstag mit der Deutschen Bahn auf nach Koblenz.

Wen das verständlicherweise nicht interessiert, der möge da unten weiterlesen.

Die Deutsche Bahn hatte mal wieder Schwierigkeiten in der Zusammenstellung der Zugreihenfolge. Für alle die das nicht kennen sollten: In einem Personenzug der Deutschen Bahn sind die Waggons nicht etwa von 1 bis 10 von vorne bis hinten nummeriert, sondern irgendwie von 21 bis 29 oder einer anderen beliebigen Zahlengruppe die vorne oder hinten beginnen kann.  Das ist ein hausgemachtes Problem, denn in Japan ist das ganz simpel: Ein Shinkansenzug ist immer von 1 bis 15 nummeriert, vorne beginnend.

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In den Shinkansenbahnhöfen in Japan gibt es auf dem Bahnsteig angezeichnete Einstiegsmarkierung mit Nummern für die Wagons, so dass man sich rechtzeitig dort hinstellen kann, oder sich ggf. in die Schlange dort einreiht. Der Zug hält da nämlich sehr präzise, ich würde mal sagen +/- 50 cm.

In Deutschland hingegen gibt es diese Zonen A bis E (ich vermute A ist die amerikanische, und E die sowjetische Zone) die in darüber informieren sollen, wo ein Wagen in etwa stehen könnte; dazu muss man sich aber zunächst einmal auf dem Bahnsteig am „Wagenstandsanzeiger“ orientieren und dann darauf hoffen, dass der Zug auch korrekt gereiht ist. Kurz, da ich ja auch noch in der Raucherzone rauchen muss bin ich auf so einem Bahnsteig deutlich mehr in Bewegung als bei einem typischen Tag im Büro. Soweit so gut.

Manchmal kommt die Bahn auf die Idee Waggons kurzfristig umzubenennen. Kein Problem, dazu verfügt sie über einen Stapel innovativer Ideen wie dieser hier:

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So eine IC Einfahrt im Bahnhof gleicht dann in etwa dem Auszug der Israeliten aus Ägypten, während die Ägypter gerade aus Israel zurückkommen und sich alle in der Mitte des roten Meeres treffen.

Natürlich wäre es auch zu einfach, wie z.B. in einem Flugzeug die Sitze in einem Wagen mit fortlaufenden Nummern für die Reihen beginnend mit 1, und Buchstaben für die Plätze zu benennen, so dass Reihe 1 immer vorne ist. Das ist aber nicht so – angeblich orientiert sich die Nummerierung an Abteilen – und so steigen etwa die Hälfte der Passagiere auf der falschen Seite ein und müssen durch den ganzen Waggon gehen, während Ihnen die andere Hälfte aus der anderen Richtung entgegen kommt. Das was gerade auf dem Bahnsteig passierte wird nun im kleinen, Waggon für Waggon  wiederholt.

Ich würde gerne einmal einen Post bei dem ich mit der DB unterwegs war ohne 500 Worte über die DB beginnen, aber es geht leider nicht.

Da unten

In Koblenz war ich nicht mehr seit 1978, als ich zusammen mit meinen Freunden Christoph und Wolfgang von Koblenz bis nach Bernkastel-Kues gewandert bin. Ich erinnere mich nur noch an ganz wenige Dinge, unter anderem, dass ich den ersten Brain-Freeze meines Lebens im McDonald beim schlürfen eines Vanille Milkshakes hatte, und dass ich das erste Rutles Album irgendwo in einem kleinen Plattenladen kaufte und dann in einer Plastiktüte eine Woche lang an der Mosel herumschleppte. Es hat sich trotzdem gelohnt.

Koblenz hatte sich in den letzten vierzig Jahren nicht wesentlich verändert. War so mein erster Eindruck. Da ja dort am Deutschen Eck die Mosel in den Rhein fließt, ergibt sich ein ziemlich komplexes Problem, und zwar, auf welcher Seite muss man in Koblenz leben, um auf der richtigen Seite zu sein? In Köln (links), Düsseldorf (rechts) und Bremen (rechts) ist das klar, denn dort teilt der Rhein bzw. die Weser die Stadt in zwei Hälften die unterschiedlicher nicht sein könnten. Aber ist es nun in Koblenz cooler rechts vom Rhein zu leben, oder links vom Rhein und rechts von der Mosel, oder links vom Rhein und links von der Mosel? Das ist ein Problem, an dem Städte zerbrechen können.

Ergon ist links/links, könnte also nicht linker sein.

Das Unternehmen liegt einerseits in so etwas wie einem Technologiepark in der Nähe der Uni und andererseits, nur durch einen großen, häßlichen Schotterparkplatz getrennt, etwa 300m vom Stattstrand an der Mosel entfernt. Den gab es 1978 noch nicht. Technologiezentren bestehen in der Regel aus neuen, rechteckigen Gebäuden an deren Fassade Firmennamen geschrieben stehen, die fast immer nach dem Muster „CryptoScan“ gestrickt sind. Eine Bäckerei würde hier zum Beispiel mindestens „BäckeRei“, „BaKery“ oder noch wahrscheinlicher „BunSys“ heißen. Ergon heisst einfach nur Ergon und kommt erstens neongrün und zweitens Ying/Yang Symbolmässig rüber.

Ergon Bike Ergonomics

Ich war einer der ersten da, – bis auf die Vertreter von BASF die mich netterweise eingeladen hatten,  es sollten ja noch eine Menge Journalisten aus der Fachpresse kommen und ich wurde erst mal informiert, was mich so erwarten würde. Also Vorträge, dann ein Rundgang durch das Unternehmen, Radtour mit Sattel zum testen und dann Abendessen in einer alten Mühle an der Mosel. Definitiv interessanter als ein typischer freier Tag in Bremen (lange schlafen, Mathe mit Tochter üben, Rechnungen sortieren gefolgt von schlechtem Gewissen nichts sinnvolles getan zu haben).

So langsam kam die Fachpresse. Neben mir war Caro eingeladen, die als MTB Travel Girl bloggt und Videos auf YouTube veröffentlicht. Eine echte Influencerin also im Gegensatz zu der Fach/Fake Presse. Erstaunlich wie viele Journalisten kommen, wenn ein Sattel vorgestellt wird. Irgendwann meinte jemand, dass in Deutschland rund 1.000 verschiedene Fahrradsättelmodelle angeboten werden, da kann das Interesse an einem weiteren doch nicht so hoch sein. Ist es aber.

Jire, die an einer Hochschule in Berlin angehende Journalisten unterrichtet hatte mich bereits gewarnt: Journalisten sollten ja eigentlich gute Zuhörer sein, damit sie viel aufnehmen und dann darüber berichten können. Dem ist aber nicht so, Journalisten erzählen liebend gerne und zwar stundenlang. Das hatte zur Folge, dass ich an diesem Tag eine Menge netter Menschen von Ergon und BASF kennenlernte und so gut wie keinen Journalisten. Macht auch nichts. Zuhören war ohnehin angesagt, denn es gab jetzt erst einmal Vorträge zum Thema, dem Ergon Sattel ST Core Prime Men/Women.

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Sattel. Schwarz. Für Männer.

Zunächst erzählte Franc Arnold von Ergon, Sättel und der Entwicklung genau diesen Sattels. Das grundsätzliche Konzept gab es bereits einige Jahre, es fehlte aber das geeignete Material, um dieses Konzept in ein Produkt umzusetzen. Das wurde dann zusammen mit BASF „gefunden“: „Infinergy“ ein Material das in etwa wie Styropor aussieht, sich aber ganz anders verhält. Das Material wird zum Beispiel auch bei den Adidas Boost Schuhen benutzt. Tatsächlich wird ja heute nichts mehr neues erfunden, sondern nur noch altes mit altem zu neuem kombiniert.

Ich sitze ja nie in einem Vortrag und höre mir interessehalber an was da erzählt wird. Stattdessen sitze ich da und bewerte einen Vortrag. Das ist eine dumme Angewohnheit, die sich eingeschlichen hat, nachdem ich hunderte von Studenten habe vortragen sehen. Ich mache mir dann Notizen was mir gut gefallen hat und was weniger. Manchmal muss ich mich zurückhalten aufzuspringen und zu sagen: „Danke, reicht die 20 Minuten sind vorbei“. Aber hier nicht. Das lag daran, dass Franc Arnold ganz sympathisch und logisch rüberkam und die Materie gut erklären konnte – ich spare mir hier trotzdem die Einzelheiten. Jedenfalls dachte ich ab und an „Ach, mit dem würde ich auch ganz gerne mal zusammenarbeiten.“

Trotzdem gab es aber auch ein paar Umgereimheiten. Wenn man sich den Sattel von hinten ansieht, woran denkt man dann zuerst?
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Denkt man dann „Wow cool, sieht aus wie ein Adidas Boost Schuh?“ Oder eher: „Wieso ist der Sattel denn noch in der Styroporverpackung?“ Also ich und auch einige andere im Raum fanden den Bezug zu Styropor doch sehr nahe liegend. Franc Arnold hörte dies jedoch zum ersten Mal, obwohl das Unternehmen eine umfangreiche Zielgruppenbefragung durchgeführt hatte. Und das hat denen echt keiner gesagt? Ehrlich?

Das die Ergon Produkte ja oft über den Fachhandel verkauft werden, wäre es auch gut gewesen einmal Fachhändler um ihren Beitrag zu bitten. Denn die Ergonprodukte verkaufen sich ja nicht über den Preis im Internet, sondern weil ein vertrauensvoller Mensch in einem Fachgeschäft einem Kunden erklärt, warum er genau dieses Teil braucht, auch wenn das erst einmal mehr Geld kostet. Damit dieser verrauensvolle Mensch das tun kann muss er selber auch Vertrauen haben, dass er das richtige tut. Der Job von Ergon ist es in dieser Beziehung also Ideen in Köpfe zu bekommen, etwas was man gemeinhin auch „Marketing“ nennt. Im Gegensatz zu „Verkaufen“, wo es im wesentlichen darum geht Geld in die Hand zu bekommen.

Als Fachhändler bin ich der Meinung, dass die Farbe Weiß an einem Rad, mit Ausnahme von Rahmen, Lenker, Vorbau und Zughüllen nichts zu suchen hat – und zwar je weniger, je näher das Weiße in Richtung Boden und Reifen kommt. Das wird nämlich sehr, sehr schnell dreckig und eklig. Klar – ein weisses Lenkerband sieht neu superklasse aus. Aber eben nur neu. Weisse Ketten, weiße Komponenten (Shimano Sante!), weiße Sättel – bitte nicht.

Als Radsport-Händler, wenn ich mal so sagen darf, empfinde ich ja lustigerweise Ergonomie und Radsport als Gegensätze. Bei Radsport muss man leiden und HTFU. Ergonomische Produkte zu benutzen ist da irgendwie … pfuschen. Ich denke, das ist ein echtes Marketingproblem.

Egal. Es folgten drei weitere Vorträge, einer von BASF, einer von einem Ergonomen und einer von einem Urologen. Davon habe ich nicht mehr allzu viel behalten, bis auf den Satz „Man muss sich das einmal vorstellen, jede Kugel ist ein Mikrokosmos“ in Bezug auf das Infinergy Material. Manchmal drehen die Pferde einfach durch.

Dann gab es eine Führung durch die Büros. Das war nicht uninteressant, denn wir konnten wirklich alles sehen und uns wurde alles erklärt – insgesamt war das eine sehr offene Atmosphäre, das kenne ich von anderen Unternehmen auch deutlich anders. Bei Block Transformatoren in Verden zum Beispiel, die ja wirklich nichts besonderes machen, muss man zum Beispiel beim Empfang direkt die Handys abgeben.

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Zusammen mit der Fachpresse bei Ergon Coypright: MTB Travel Girl.

Wie immer schaute ich mir alles ganz genau an, insbesondere die Sofagruppe. Es sah alles sehr ordentlich bei Ergon aus, ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass hier kreativ gearbeitet wird. Und auf Nachfrage war es dann auch nicht so, die Mitarbeiter mussten die Tage vorher das Büro aufräumen.

Dann ging es endlich auf die Radtour entlang der Mosel. Auf unseren Trekkingmöhren waren die Ergonsättel montiert und los ging es links/links an der Mosel entlang in Richtung Süden. Also die Fachpresse und wir Influencer fuhren Trekkingmöhren, während die Ergon Mitarbeiter coole Eigenbauten hatten. Zuerst tat mir der Sattel weh, aber nach einer Weile bemerkte ich ihn gar nicht mehr, was immer ein gutes Zeichen ist. Aber ich bin auch nicht sooo pingelig mit Sätteln – von allen die ich jemals gefahren bin hatte ich nur bei zweien das Gefühl gefoltert zu werden: Der San Marco Rolls und noch schlimmer, der San Marco Regal. Ich habe allerdinsg auch noch nie so extreme Dinge wie einen Cinelli Unicantor oder einen SMP ausprobiert.

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Wir fuhren dann zu einer alten Mühle an der Mosel (Thomas Höreth) um dort zu essen. Die Mühle selbst ist aus dem 11. Jahrhundert, der Besitzer erzählte uns ein wenig davon. Ich amüsierte mich gut, auch wenn ich auf dem Video von Caro wieder nur missmutig in die Gegend starre.

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Die Laune blieb erst einmal in der gelben Tasche. Copyright MTB Travel Girl.

Mensch die mich kennen, sehen mir allerdings an, dass ich gerade komplett am ausflippen bin und kurz vor einem Orgasmus stehe.

Der offizielle Teil war nun zu Ende. Ich sass an einem Tisch mit vielen Menschen von Egon und unterhielt mich gut – lustigerweise über eines meiner Lieblingsthemen: Shimano 600AX Bremsen. Na ja, egal, nach Mitternacht war ich dann endlich im Hotel und im Bett. Schöner Tag, Danke an Marius Rummel von BASF der mich entgegen aller Routinen eingeladen hatte.

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Beine testen in Berlin. Velothon 2018.

Mit dem Alter kommen die Gewohnheiten. Unmöglich, einen Tag nicht unter der Dusche zu beginnen, keine Zigarette nach dem Mittagessen zu rauchen, oder im Mai/Juni nicht zum Velothon nach Berlin zu fahren.

Delta Berlin 2018

Gewohnheiten sind nichts schlechtes sondern geben dem Leben Gefüge und Struktur. Vorausgesetzt, die Struktur ergibt dann auch etwas schönes und sinnvolles wie dieses Gebäude hier;

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Takanawa, Tokyo: Fire Station

und nicht etwas völlig sinnloses wie dieses:

 

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„very confused“

was lustigerweise in de Nähe von Berlin steht. Deshalb ist es schon eine gute Idee Gewohnheiten zu überdenken und sich die Frage zu stellen, ob man etwas macht, weil es wirklich gut ist, oder nur, weil es einem das nachdenken erspart, was man sonst noch machen könnte.

Der Velothon in Berlin wurde als Jedermannrennen erstmals 2008 ausgetragen; seit 2010 bin ich dort jedes Jahr gefahren mit einer Ausnahme. Zunächst die 120er Strecke, später dann die 60er. Einmal mit dem Cervelo, einmal mit meinem Union Fixie und sonst immer mit dem Canyon Positivo; dann dieses Jahr auf dem neuen Giant TCR. Immer zusammen mit Fabian. Für mich gibt es da nichts zu gewinnen, auch nicht annäherungsweise. Trotzdem mag ich das Rennen, weil es durch geschichtlich relevante Gegenden führt und am Wannsee auch ein paar Hügel hat. Noch mehr mag ich es allerdings mit Kathrin, Fabian und ihrer Familie zusammen zu sein. Als ich meiner Tochter erzählte, dass ich auch dieses Jahr wieder dort hinfahre fragte Sie mich: „Ist das die Familie, bei der du zu den Kindern so viel netter bist als zu deinen eigenen?“ Mag sein; ich komme da erstens ganz auf den eigenen Vater, und zweitens hängt’s natürlich auch stark von der pubertär geprägten Laune der eigenen Kinder ab, wie ich so zu denen bin.

Ich reise immer gerne nach Berlin, in begeistert was es da so alles gibt und ab und an bin ich dann auch soweit zu glauben, dass ich da ganz gut hinpassen würde. Vielleicht brauchen die ja da auch einen Radladen mit Cafe, wo die Menschen nett zu den Kunden sind – obwohl ich ja den Eindruck habe, das Nettigkeit von Fremden in Berlin den Beigeschmack von Heuchelei hat.

Mit 13 schenkte mir mein Onkel Horst ein Rennrad von Motobecane. Also ich glaubte, dass es ein Rennrad war, aber heute würde man so etwas bestenfalls Sportrad nennen, denn es hatte Schutzbleche, Beleuchtung mit Dynamo und diese gebogenen Griffe an den Bremshebeln mit denen man auch kurz greifend am Oberlenker bremsen konnte (ab und werden die auch „Suicide Levers“ genannt). In Mönchengladbach gab es damals nur die Auswahl zwischen einem Motobecane, einem Peugeot und einem Raleigh. Peugeots hatten die anderen und die Raleighs sahen scheisse aus. Das Rad habe ich dann lange gefahren, auch noch als Student in Aachen, bis mir einmal bei einer Abfahrt auf dem Weg zur Uni der Vorbau direkt über dem Steuerrohr abscherte und ich mich wunderte, warum denn Lenker nicht mehr mit Rad verbunden war. Diese Wunderphase dauerte nur kurz an, denn dann lag ich auch schon erstens auf der Fresse, zweitens mitten auf der Strasse und dritten kurz vor einem mit quietschenden Bremsen zum stehen kommenden Bus.

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Motobecane Sportrad. Heute kann man so etwas als Gravelbike verkaufen.

Damit ging ich dann zu einem Radsportladen in Aachen, der ersten Adresse am Platze. „Ne, können wir nicht reparieren.“ War die Antwort. Da ich ja Student und links war, also gerne und lange diskutierte bohrte ich nach. Sichtlich genervt bekam ich dann zu hören: „Also pass mal auf. Stell Dir vor es gibt ein Formel Eins Rennen und wir stehen an der Box und warten darauf, dass einer unserer Rennwagen zum nachtanken kommt. Und dann plötzlich fährt da jemand mit seinem Traktor vor und möchte, das wir den reparieren. Da geht ja auch nicht. Und jetzt verpiss Dich.“

Heute habe ich einen halben Radladen und mache das hoffentlich besser. Und die Räder die ich fahre sind auch besser als das Sportrad von Motobecane.

Fabian und ich hatten am Samstag nur kurz Zeit um uns die Beine zu vertreten, Carboloading zu betreiben (immens wichtig für 60 km Strecke!) und dann die Rennstrategie zu besprechen. Radrennen, so ist ja allgemein bekannt, werden im Team gewonnen und Fabian und ich sind ein echt gutes Team. In den vergangenen Jahren hatten wir schon alles versucht: Schnell loszufahren und uns an eine schnelle Gruppe zu hängen bis zum Ziel; ganz schnell loszufahren aus dem letzten Startblock; uns irgendwie alleine durchzuschlagen; uns zusammen durchzuschlagen, es mal mit einem Fixie zu versuchen oder einfach nur die ganze Zeit irgendwie schnell zu fahren.
Diesmal starteten wir wieder aus dem letzten Block. Das ist super, denn da kann man extrem viele andere Radfahrer überholen im Laufe von 60 km und ab und an gibt es dort auch strake Fahrer, die sich zu einer Gruppe zusammentun und nach vorne wollen. Diese Fahrer sind stark und verpeilt, denn sonst hätten sie sich ja früher angemeldet und würden nicht in den den letzten Block strafversetzt. Man erkennt die immer daran, dass die keinen Namen auf der Startnummer haben.
Fabian und ich wollten zusammenbleiben so lang es geht, uns aber am Ende des Spandauer Damms wieder treffen. Am Wannsee wollte ich dann wieder alleine abhauen, so dass wir uns dann wieder auf der langen Geraden, dem Kronprinzessinnenweg wieder treffen und das Rennen in Ruhe zu Ende fahren. Super Strategie, würde ich mal sagen.

Am nächsten Morgen machten wir uns von Fabians Büro auf den Weg an den Start, direkt an dem Eisenmann/Juden Denkmal. Wir kommen dann immer am Kumpelnest 3000 (für die, die es nicht kennen, das ist das ehemalige Kumpelnest 2000!) vorbei, wo das Nachtleben auch morgens um sieben noch lange nicht vorbei ist. Und jedes Mal wollen wir da ein Foto von uns machen. Also wir gehen diesmal hin und zum Glück stehen auch zwei Gäste direkt vor dem Kumpelnest die wir fragen können, ob sie ein Foto von uns machen. Als wir uns die aber genauer anschauen, nehmen wir von der Idee wieder Abstand. Das waren zwei extrem tätowierte Kanten, die nur noch teilweise ansprechbar sind, und Fremde als eher störend empfinden. Hätten wir denen unsere Handys in die Hand gedrückt mit der Bitte Fotos zu machen, hätten sie die sicherlich gerne genommen. Um uns dann zuzurufen: „Danke für die Handys. Und nun verpisst euch. Oder sollen wir auch noch eure Räder klauen?“ Also keine Fotos. Ich habe aber nach dem Rennen noch ein Foto gemacht, als die Typen endlich weg waren.

 

Am Start landeten wir in Block G. Das ist ungewöhnlich, weil sonst der letzte Block immer der H war, also Zeit einmal die Teilnehmerzahlen der letzten drei Jahre im 60 km Rennen zu prüfen:

  • 2018: etwa 3.700 Teilnehmer
  • 2017: 4.520 Teilnehmer
  • 2016: 5.045 Teilnehmer

Über die Gründe mag man spekulieren (Datum, Wetter, Entwicklung im Radsport, Gewohnheiten) aber die Teilnehmerzahlen gehen immer weiter zurück. In guten Jahren waren auf der 60 km Strecke mal fast 6.000 Teilnehmer unterwegs. Schade, weniger Teilnehmer, die man überholen kann.

Es geht los und ich hänge mich an zwei starke Jungs ohne Namen auf den Startnummern und Fabian hängt sich an mich. Ich lasse es ungewöhnlich langsam angehen, Fabian überholt mich in der Neutralisation noch auf der Ebertstrasse. Das stachelt meinen Ehrgeiz an und ich geb ein wenig mehr Gas. Wir sind aber so weit hinten gestartet, dass es keine schnelle Gruppe gibt, an die wir uns hängen können. Nach einigen Kilometern kommt eine Straßenverengung und wir müssen uns da langsam durchkämpfen. Ich nicht, denn ich springe auf den Fußgängerweg und fahre links vorbei, Fabian bleibt hängen. Das Feld ist hier schon weit auseinander gerissen und ich stehe nun ganz alleine im Wind. Alles was vor mir fährt ist zu langsam und von hinten hängt sich auch niemand länger an mich dran. Den Spandauer Damm muss ich auch alleine in Angriff nehmen. Das geht auch gut, kostet aber jede Menge Körner. Nachdem de Anstieg vorbei ist kommt endlich eine schnelle Gruppe von hinten und ich hänge mich ran.

An der Teltower Strasse sollte ich mich eigentlich aus der Gruppe herausfallen lassen, langsam treten bis Fabian kommt und dann gemeinsam mit ihm fahren. Ich bin aber so froh ein schnelles Feld gefunden zu haben, so dass ich erst einmal in der Gruppe bleibe. Es geht jetzt zum Wannsee und in das hügelige Terrain. In den Hügeln bin ich normalerweise gut. Dieses Jahr aber nicht – zu viele Körner am Spandauer Damm gelassen, zu wenig trainiert, dieses Jahr noch nicht in den Bergen gewesen, oder eine Kombination von allem – ich falle aus der Gruppe raus. Schade, damit ist dann auch der Ehrgeiz weg hier eine gute Zeit zu erreichen. Ich gebe aber trotzdem noch viel und lass mich nicht von anderen überholen bis wir links abbiegen und auf die lange Gerade kommen. Hier nehme ich Tempo raus, fahre mit 20 km/h auf der rechten Seite und warte auf Fabian.
Es dauert eine Weile, aber Fabian kommt auch in einer schnellen Gruppe. Er hat mich nicht gesehen, ich ihn erst, als er bereits vorbei ist und so muss ich beschleunigen wie ein Blöder und dann im TT Stil an die Gruppe heranfahren. Puh, das hat noch mal geklappt. Eine gute und schnelle Gruppe, nicht zu groß. Nun müsste Kathrin doch irgendwo stehen und winken? Ich mache gerade vorne Führungsarbeit und verpasse sie.

 

 

 

Puh, in dieser Gruppe muss ich echt viel Führungsarbeit machen, so hatte ich mir das ja nicht vorgestellt. In der Gruppe sind zwar vielleicht 15 Fahrer, darunter Fatty, einer mit einem Wilier Trikot, einer mit ’nem MTB (!) und zwei Satanisten, jedenfalls haben die so Jerseys mit „Cycyling“ und einem Fünfzackigem Stern in rot/schwarz darauf, aber von denen arbeiten nur vier oder fünf vorne, der Rest lutscht. Fatty macht absolut nichts. Am meisten legt sich der MTB Fahrer ins Zeug.

Für Fabian ist die Gruppe zu schnell, wie ich nach kurzer Zeit bemerke. Ich will jetzt aber mit denen ins Ziel  und strenge mich an. Es läuft gut und wir kommen bei Tempelhof rein. Der Wind kommt nun von vorne und ich stehe voll drin. Zum Glück geht es jetzt tendentiel wieder mehr Richtung Westen. An der Siegessäule beginnt die lange Zielgerade und ich schaue, dass ich nach vorne und nach links komme, aber nicht im Wind steht. Der Sprint geht los und neben mir ist Fatty. Das geht gar nicht, erst die ganze Zeit lutschen und dann mir die Platzierung wegnehmen! Ich strenge mich richtig an und komme 10 cm vor Fatty über die Ziellinie. 483. Platz, gerade noch vor Fatty. Tagesziel erreicht. War gar nicht so übel auch von der Zeit, obwohl ich ja auf Fabian gewartet hatte. Aber wenn ich nicht gewartet hätte und alleine weiter gefahren wäre, dann hätte mich die gleich schnelle Gruppe auch irgendwann eingeholt und ich wäre ebenfalls mit denen ins Ziel gekommen. Insgesamt bin ich zu zufrieden. Es ist noch nicht mal zehn Uhr morgens und alles was an diesem Tag gemacht werden müsste ist bereits getan.

Wir hängen am Ziel rum und treffen Bekannte von Fabian. Christine ist ja leider dieses Jahr nicht mitgefahren. Dafür gibt es einen Wirtschaftsprof aus Pforzheim und einen, dessen Name ich vergessen habe, der aber die Knie nicht mehr beugen konnte vor lauter Schmerzen. Zeit nun sinnvolle Dinge zu tun.

Irgendwie haben Fabian und ich noch Lust ein wenig zu radeln und machen uns auf den Weg zu ihm. Wir basteln dabei bereits an der Strategie für das nächste Jahr. Die naheliegende Idee kommt uns, als wir diese Dockless Leihräder in vielen verschiedenen Farben, die ja nun wirklich überall in Berlin rumliegen, sehen. Nächstes Jahr fahren wir auf diesen Leihrädern. Super Idee!

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Es gibt wie immer Kuchen im Garten. Wir versuchen uns an der Herstellung von Tofu und dann mache ich mich auf den langen Weg zurück nach Bremen.

In Bremen hat übrigens Limebike seine Räder in der Stadt verteilt:

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Prima, ein paar später als ich am Bahnhof ankomme und zum Laden in der Überseestadt muss probiere ich die mal aus. Innerhalb von 20 Sekunden auf so einem Rad wird mir klar, dass das mit Berlin nächstes Jahr gar keine gute Idee ist. Die haben zwar drei Gänge, aber die ersten beiden sind glaube ich Freiläufe. Der 3. bewegt das Rad …irgendwie. Auch in Aeroposition (Hände weg vom Lenker und direkt links und rechts in den Korb krallen) komme ich schnell vorwärts und werde mühelos von Hinz und Kunz überholt. Mit denen brauchen wir mindestens drei Stunden für 60 km.
Fabian, we need to talk.

 

 

 

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„Das hat Holperdorp nicht verdient! “ RTF Teutoburgerwald Tocht.

Sonntag der 15. April. Man quält sich früh aus dem Bett, springt in die vertikal vorbereiteten Socken um sich auf den Weg zur RTF Elbe Classic der RG Harburg zu machen. Oder man bleibt liegen und fährt später mit Hannes in den Bremer Süden.

Heute letzteres denn das Wetter am Sonntagmorgen war eher gruselig. Ein Blick durch diverse Mails, fb Beiträge etc. von meinen Freunden in Japan lässt die Laune nicht besser werden: Das Radfahrleben könnte so schön sein, wenn es denn gerade nur in Japan stattfinden würde.

Shigasaka Climb, heute gepostet von David. Seufz.

Nach der Aufarbeitung des Arbeitsleben der letzten Woche, der Aufarbeitung der Physiklücken der Tochter des letzten Halbjahres und dem Zusammenschreiben des Erlebnisberichtes derselbigen Tochter bei einer Recylingfirma geht es dann zusammen mit Hannes über wirklich jeden Höhenmeter zwischen Okel, Schnepke und Syke.  Insgesamt sind es sagenhafte 269 geworden. Darüber will ich nicht schreiben.

Letzte Woche waren es nämlich 1.479 Meter und zwar bei der vom holländischen Radclub OWC-Oldenzaal organisierten Teutoburgerwald Tocht in Ibbenbüren. Letztes Jahr hatte mich Andi auf diese voll unschöne RTF aufmerksam gemacht und ich fand die echt klasse; so klasse, dass ich sie dieses Jahr gleich wieder fahren wollte und Hannes motivieren konnte mich zu begleiten. Zusammen mit Silke bildeten wir ein Bremer Dreamteam.

An sich wurde über diese wunderschöne RTF bereits letztes Jahr alles geschrieben, was es zu schreiben gibt, so dass ich mich auf ein paar wesentliche Abweichungen beschränken werde.

Wir fuhren nicht mit der Bahn nach Ibbenbüren.

Keine Ahnung, warum wir das letztes Jahr getan haben. Letztes Jahr war es extrem stressig, aber dieses Jahr reisten wir sehr gemütlich und pünktlich im geliehenen Diesel Caddy zu viert an und uns war allen scheißegal war mit unserer Umwelt dadurch passiert. Wir können ja auch durchaus nachhaltiger sein, aber nicht wenn uns die Deutsche Bahn das Leben dadurch so schwer macht, dass wir uns anschließend erst einmal ein paar Tage krankschreiben lassen müssen. Den Holländern ist das übrigens auch ganz egal: Ganz Ibbenbüren war vollgeparkt mit Volvos, DAFs, Wohnwagen und was Holländer noch so fahren und hinter sich herziehen.

Wir sahen Marianne Vos.

Das ist kein Witz.

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Von links nach rechts: Unbekannte holländische Stange, Marianne Vos von hinten, holländische Staffage.

Wow. Ich stellte gerade mein Rad ab und schaute der gut aussehenden Frau in die Augen, die ihr Rad neben dem meinen platzierte. Äh, das war Marianne Vos. In diesen Momenten bin ich einfach zu schüchtern genau das zu sagen, was ich am liebsten loswerde möchte: „Hallo Marianne. Du bist mein Idol. Ich finde Dich so toll, dass wir die Frauentoilette im Laden nach Dir benannt haben.“

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Die Frauentoilette bei Cyclyng

Die Männertoilette bei uns wurde übrigens nach Eddy Merckx benannt. Und so habe ich nun das große Glück allen Menschen persönlich begegnet zu sein, nach denen eine Toilette bei Cycylng benannt wurde: Letztes Wochenende Marianne Vos und 2008 bei der Cycle Mode Messe in Tokyo Eddy Merckx. Ansonsten ist meine Promi-Bilanz eher mau: Einmal sass ich hinter dem im Flugzeug. Und die beiden traf ich auch schon mal. Ach ja, und die beiden sah in mal in München. Es stellt sich die Frage, wen ich denn überhaupt gerne einmal treffen würde? Eher Menschen aus dem Musik-, denn aus dem Radsport.

Wir fuhren so durch die Gegend.

Genau wie letztes Jahr und wir waren gut drauf.

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Silke und Hannes hinter den Deventer Schwalben.

Holländische Rennradfahrer erkennt man meist ziemlich schnell am Trikot. Vor allem dann, wenn es ein Europameistertrikot ist, auf dem „Marianne Vos“ steht. Aber mal ehrlich, Holländer benutzen Farben und Formen für ihre Vereinstrikots, an die wir nicht einmal denken. So eine rot/grün Kombi habe ich hierzulande noch nie gesehen, ich denke die ganze Zeit darüber nach, woher ich das kenne ….ach ja genau, aus Bremen.

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Dann kamen wir nach Iburg zur ersten Verpflegungsstelle, die wieder sehr mager besetzt war. Ich parkte mein Rad Johnny Hoogerland Style. Das Giant TCR macht wirklich Spaß, da gibt es von der Funktion her nichts zu motzen.

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Und machte mich auf den Weg zu Kaffee und Kuchen. Die übrigens nicht Teil der offiziellen Verpflegung waren, sondern von cleveren Iburger Geschäftsleuten zur Verfügung gestellt wurden. Dort trafen wir dann zufällig Sylvia Esspunkt, Esspunkt Esspunkt und später dann auch Thomas Vaupunkt. Ich nutze die Gelegenheit, das Silvia an Hnter litt schamlos aus, gab ihr einen Riegel und rang ihr das Versprechen ab dafür ab, ein paar unserer Aufkleber an strategisch wichtigen Orten zu platzieren, was sie dann auch gleich umsetzte.

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Dann fuhren wir weiter. Und zwar wirklich die 120 Kilometer.

Letztes Jahr hatten wir eine Abzweig auf eine Schleife verpasst und waren bereits nach etwas mehr als 100 km im Ziel, dieses Jahr passierte und das nicht, weil Andi aufgepasst hatte. So richtig glücklich darüber waren wir nicht.

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Wir trafen auch Peter Sagan.

Eigentlich nicht. Aber jemand hatte sein Trikot geklaut und es geweitet.

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Ich finde das ja irgendwie peinlich im Weltmeistertrikot durch die Gegend zu radeln. Dazu bin ich einfach nicht schnell genug, bzw. nicht langsam genug, um dies als ironisches Zitat durchgehen zu lassen. Außerdem habe ich immer das Gefühl, dass ich Leute um mich herum dann richtig wild mache, mich zu überholen. Ausnahme: Gepunktetes Trikot der Tour de France beim fahren im Flachen, bzw. grünes Trikot der Tour de France beim Fahren in den Bergen.

Wenn ich so Revue passieren lasse, was ich bereits so alles an bekannten Trikots gesehen habe, dann würde ich vermuten, am meisten Landesmeister-Trikots bzw. Nationalmannschaftrikots, also Farben wichtiger und nicht so wichtiger Nationen, bzw. Nationen die noch nicht einmal Staaten sind. Hannes zum Beispiel, fährt ab und an für Tibet, David für Kachastan. Ganz selten sieht man mal ein Weltmeistertrikot, und noch viel seltener ein gelbes Trikot der Tour de France, oder eins in rosa vom Giro d’Italia, oder fast nie ein grünes von der Tour of Japan! Unverständlich?

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Führender Junghipster Oscar Pujol Munoz  bei der Tour of Japan 2016.

Das gelbe Trikot der TdFwird vermutlich deswegen nicht gekauft, weil man sich dadurch automatisch zum Doping bekennt.  Und ein Gewinnerjersey von Paris-Roubaix oder Amstel Gold Race habe ich noch nie gesehen? Warum sind die bloß so unbeliebt?

Wir tranken Bier.

Leider gab es keinen holländischen Pommeswagen am Ziel – total schade. Aber es war noch Zeit für ein paar alkoholfreie Bierchen bevor wir uns wieder auf nach Bremen machten.

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Toller Tag, auch wenn ich ein paar nicht so tolle Tage brauchte um mich wieder davon zu erholen. Danke an Silke, Hannes und Andi.

Strava.

Anmerkung.

Diese RTF ist übrigens alles andere als unumstritten. Die lokale Bevölkerung hatte gerade einmal das posttraumatische Syndrom des Einfalls der römischen Legionen unter Varus im Jahr 9 n. Christus verdaut und da kommen dann schon die Holländer! Das kann man alles in diesem sehr schönen Artikel aus dem Wittlager Kreisblatt nachlesen, der in dem verzweifelten Ausruf von Beate Groß (noch so eine Prominente die ich nie getroffen habe) mündet: „Nein, das hat Holperdorp an einem schönen Sonntag nicht verdient.“ Man fragt sich unwillkürlich, was Holperdorp denn sonst noch so nicht verdient haben könnte, neben Römern, Hollandern, Beate Groß und eben dem Namen „Holperdorp“.

Ob der Namen in dieser Gegend, weiß man wirklich nicht genau, ob die ausschließlich in gutmeinender Absicht vergeben wurde. Gut, hier bei uns in der Gegend haben wir Adolfshausen gleich neben dem Dorf Jerusalem und weiter im Norden Ostereistedt oder Amerika. Aber mal ehrlich: Hilter-Hankenberge?

Da fällt mir nur noch das hier ein.

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Gierige Räder. Januar.

Isen All Season Road

von Hartley & Talbot, London

via Bike Rumor

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Twin Six Standard Rando

via Twin Six Website

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K loves radeln

Yuji Kimura in Berlin macht sein eigenes Ding: Entwurf und Aufbau individueller Räder, bei denen die Funktion wichtig, und das Aussehen nicht weniger wichtiger ist. Yuji nimmt als Basis entweder alte Stahlrahmen, vorwiegend aus Frankreich und England, oder lässt sich neue bei Raizin in Japan löten.
[Übrigens, wer das Design des Internets in den Neunziger Jahren verpasst hat, kann dies auf der Raizin Website nachholen]

Die fertigen Räder sind oft nicht in bestehende Kisten, wie Rennrad, Mountainbike etc. zu stellen, sondern befinden sich zwischen sich zwischen den Kisten; so wie Radfahrer nicht immer Rennen oder Downhill fahren, sondern auch mal mit dem Rad einkaufen gehen.

Die Arbeiten von Yuji gefallen wir oft außergewöhnlich gut, ab und ab tauschen wir uns aus mit Ideen. Vielleicht durch den gemeinsamen japanischen und deutschen Hintergrund (er: ein wenig japanischer, ich: ein wenig deutscher) ist da eine große Nähe im Geschmack und wir suchen nach einer technischen Lösung zur Umsetzung.

Einige der letzten Aufbauten von Yuji.

Beflügelt

Details

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Biche Meral Rahmen

Details

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Cougar MTB

Details

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Peak Bicycle and Peak Strava

A Strava-based Forecast

By Michael O.B. Krähe
January 28th, 2018

 

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Introduction

The road racing bicycle market is a very small segment of the overall bicycle market and accounts for 5% or less of the total market size in terms of units. Nevertheless, it is an interesting segment, as innovation in road racing bicycles, such as (electronic) gear shifting, disc brakes or carbon fiber frames tend to trickle down into other segments, such as trekking or city bikes over the years.

The last ten years have been very successful ones for the manufacturers of racing bikes as the market continued to expand; road racing has become popular in many countries of the world and was sometimes described as the “new golf”. This is due to the fact, that rather than children or young adults, picking up a bike and learning to race, people in their forties and fifties have discovered cycling as a viable alternative to other kinds of sports. As this group possess ample financial means to support their hobbies, more and more expensive bikes with advanced technology could be sold by the makers. Which in turn led to more innovation and many new, young brands showing up in the marketplace.

However, observers of industry news could note since 2016, that the peak has been reached and that sales have become more sluggish since then. The biggest bike component makers such as Shimano, Sram and Campagnolo have published decreased sales and profits figures and some of the smaller brands have either exited the market (for example American Classics in January 2018), filed for bankruptcy (Niner) or were acquired (Felt by Rossignol and Eddy Merckx by Ridley) by other companies. Partly also by private Investors (Rapha by RZC Investments) or by other industries (Pinarello by LVMH).

This article forecasts the behavior of the global racing bicycle market based on an analysis of data available to the public by Strava, a social network that collects data about bicycle rides uploaded by users worldwide.

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Strava as Data source

A road racing bike needs to be purchased by an individual who then uses his bike to ride alone or with friends during his free time and occasionally attends open races or organized tours. The more a racing bike is used, the more likely it is that the user will decide to buy a newer, more technological advanced model. These “heavy users” create a small, constant demand in the market. The major driving force however are beginners, who buy a bicycle for the first time. These buyers may or may not decide to ride often, thus becoming „heavy users“ or „non-users“ with their bikes being stored in the basement and no further purchases planned. Heavy users so not create significant market growth, beginners do.

Racing is all about competition, in other words to compare one’s own performance against others. Traditionally this is done in races, which has the disadvantage that it can be done only infrequently at specific time and place.  This is where Strava comes in. Strava, founded in 2009 and based in San Francisco, has created a web-based application where members can upload data from their rides which are recorded either by dedicated devices from makers such as Garmin or Wahoo, or by smart phones equipped with GPS.

Users define “segments” which are stretches of roads with start and finishing points and compare the time  it has taken them to ride with other Strava users that have recorded their ride on the same segment. Apart from the competitive aspect, where users can decide whether to engage in a “race against all others” on a segment, there is also a social aspect as users can see where their friends and acquaintances have ridden recently.

The data gathered by Strava in the nine years since their establishment is quite astonishing. Strava has recently released a “Global Heat Map” in September 2017 based on the data of more than one billion rides. The map displays roads which are heavily frequented by Strava users in glowing yellow; the more the roads are used, the bigger and brighter are the related colors. Looking at the map one can easily see where globally most people ride racing bikes. And this give a good indication where most road racing bikes are globally sold.

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Strava Heat Map – September 2017

It is fair to assume that Strava Users are “Heavy Users” in the racing bike market segment. Naturally not all riders are using Strava, nor is there a direct relation between recording rides and buying road racing bikes. However, it is fair to assume that countries in which are a high number of rides recorded in Strava are important road racing bike market, whereas countries shown dark on the map are not. A major exception are however popular bike holiday destinations such as Thailand. Rides in Thailand are recorded on the roads of Thailand, however Strava users may reside in other countries.

A first glance on the map does not offer surprises: The US; Europe and Japan are the nations with the highest number or rides, thus with the biggest markets. People in large parts of South America, Africa and Asia do not record their rides on Strava and in consequence these countries are also not attractive markets. Surprisingly neither China nor India seem to be attractive markets despite their huge populations. It should be noted that this is the case although Strava is offered besides English in many other languages, among them Chinese, Russian, Spanish and Portuguese. It could also be argued, that Strava hasn’t penetrated the race bike cycling communities in many countries in the same degree as it has in the US and Europe.

Strava data can be compared over time, this is possible by looking at data in the form of “Challenges”. Riders are asked to do a certain number of kilometers between defined dates. If they achieve their goal, they are presented with virtual badges on their Strava profile. This provides additional motivation to many users. One of the major challenges on Strava is the Festive 500, sponsored by the cycling apparel maker Rapha from the UK since 2013. The goal of the Festive 500 Challenge is to ride 500 km between Christmas and New Year and each year ten thousands of riders from all over the world are registering for the challenge. The data of Festive 500 provides therefore an easily available, significant and representative data sample of global road racing activities as outlined previously. Data is publicly available for all challenges between 2013 and 2017; this data was used to analyze the riding activities in selected countries and to show trends over time.

Global Strava Rides and Global Racing Bike Market

83,181 riders registered in 2017 for the Festive 500 challenge on Strava. Out of this total 13,587  riders did not ride a single kilometer. The remaining 69,594 active riders rode a total of 19,867,129 kilometers and 19,139 of them (“Achievers”) rode more than 500 km, thus achieving the goal of the challenge. Although these are impressive numbers, one needs to compare them with the previous Festive 500 challenges between 2013 and 2016.

2017 was the year with the highest number of registrations, kilometers completed, active riders and achievers since the start of the challenge. However, the growth in all numbers has significantly slowed down. There were only 0,7% more registration in 2017 compared to 2016, whereas there has been double digit growth in previous years. This is not only true for registrations, but also for completed kilometers (plus 2.9%) and active riders (plus 0.9%). The exception is the number of achievers, which has increased by 12%. Thus we conclude, that either the growth in Strava penetration rate has slowed down, or that the growth in number of riders has slowed down, or both. Those who have chosen to ride, rode longer and more of them have achieved their goal. So, it is fair to conclude that more heavy users are among the riders who have registered for the Festive 500 challenges and less beginners and in consequence that there are less people starting to ride road racing bikes, thus a shrinking market.

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There is a concept in environmental studies called “Peak Oil” which could provide a good analogy to what is happening today on Strava. Peak Oil basically states, that long before natural oil reserves have completely dried up, the production of oil will reach its maximum and thereafter the production rates will continue to fall. This is mainly because the discovery of new reserves and their subsequent exploitation will not continue at the same pace as the demand for oil increases worldwide. Since its conception in the fifties peak oil has been forecasted as early as 1974, then revised to 1995, but as a matter of fact oil production has increased until 2015 and an end is not in sight.

To put this in relation: Strava usage will further grow as long as beginners are buying bikes (discovery of new reserves) and start to use Strava (exploitation of reserves).

One can analyze the development of Strava based on the peak oil concept. An increase of Strava usage is due to

  • A) newcomers taking up the sport and
  • B) riders discovering Strava as a useful tool.

A) is based on market growth (newcomers) and B) is based on Strava penetration rate.

A decrease in Strava usage is due to

  • C) people quitting cycling sports and
  • d) people quitting Strava.

The former is more likely than the later, as Strava has, just as facebook, some kind of addictive characteristics. In extreme cases Strava motivated to start doping to enhance their performance on Strava; caused a deathly accident and website offer cheats to digitally enhance the performance of users.

However, whereas other social networks such as WhatsApp, snapchat or line offer feasible alternatives to Strava, there is virtually no competition to Strava. In terms of cycling social networks, Strava enjoys a monopoly like Windows in the PC market. Thus, a decrease in Strava usage is rather based on less people riding than on less people using Strava.

Based on the data available, we conclude that Strava will reach its peak in 2018. This claim can be verified by looking at detailed data from the major global bike markets. 55% of all riders registered for the Festive 500 Challenge come from only 13 countries with the UK, USA, Australia and Brazil accounting for 35%. In all four countries participation has been lower in 2017 compared to 2016.

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So, in major bike markets, where Strava penetration is already high, the supply of new riders has dried up and more and more people are quitting cycling, leading to an overall decrease.

The same is basically true for the following nine markets, notably Spain, Japan, Italy, Germany, France, the Netherlands, Belgium, South Africa and Portugal. In all markets, with he exception of the Netherlands and Belgium, Strava Festive 500 participation in 2017 was lower than in 2016 and in three of them even 2016 participation was lower than in 2015. This shows a clear trend, that the market size is dramatically decreasing on a global scale. So, the question is, why is Strava still growing, even if the growth rate has become very small?

The answer to that question is, that Strava participation continues to grow in non-developed markets. The 13 major markets have accounted for 72% of all Festive 500 riders in 2013, but only for 55% of all riders in 2017. Again, there are two causes for this development; one being the addition of new riders in less developed markets, and one being a higher Strava penetration rate in these markets. With the addition of new languages on Strava in recent years, we assume that the penetration rate in these markets has much more influence on this development than market growth.

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Conclusion

Basically, the analysis of the Strava Festive 500 data confirms, what has been in the news throughout the last two years: The bicycle market size is decreasing in developed markets. Sales in non-developed markets may increase, however in terms of volume they can not compensate what has been lost in the major markets.

The same is true for the development of Strava. However, the trend has been mitigated by Strava successfully increasing penetration rate in non-developed markets. The question is, how much longer Strava will be able to increase penetration rate further when the supply of new riders is quickly drying up. The key to more growth lies in the development of non-developed market with huge potential, notably China and India. And new target groups. However, looking at Strava Festive 500 data from the last five years there is little reason for hope. Road racing continues to be a sport enjoyed by men in their forties and fifties, mostly from Western countries, something that hasn’t changed very much since the first bicycle race almost 150 years ago in Paris.

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