Bremen Challenge 2014

Die Bremen Challenge ist, neben dem Rad Marathon, mein Heimatrennen. Dieses Jahr bestand die Herausforderung aus zwei Teilen: Zunächst etwa eine Stunde kalt im Startblock zu stehen und dann hechelnd in der Gruppe während des Rennens zu bleiben.

Meine erste Bremen Challenge war 2011. Ich war neu in Bremen, kannte so gut wie niemanden und fühlte mich etwas einsam. 2012 war besser, 2013 bin ich wegen dem Wetter nicht gefahren und 2014 war bislang am besten. Doch alles der Reihe nach.

Am Abend vorher baute ich mein Canyon Rennrad von „Triathlon Aerodynamisch“ auf „Rennen scheißegal“ um. Also die teuren Laufräder und alles andere was wertvoll ist runter und das billigere Zeug dran, nur für den Fall dass ich mich hinlege und größere finanzielle Einbußen zu verkraften habe. Die SPD Pedalen ließ ich dran, denn alles was man da an schlechterer Kraftübertragung während des Rennens an Zeit verliert, macht man am Start wieder gut, wenn man als schnellster in die Pedalen einklickt und die ersten 20 Fahrer innerhalb von zehn Metern hinter sich lässt.

Ich bin zwar kein Mitglied der Wiegetritt Truppe, aber mittlerweile geduldeter Gast. So konnte ich meinen Rucksack im Hänger lassen, durfte mir einen Kaffee nehmen und mit dem Rest quatschen. Da ich doch immer noch recht nervös für jedem Rennen bin, auch wenn es nichts zu gewinnen gibt, bin ich dafür unendlich dankbar. Ich fuhr dann ein wenig durch die Überseestadt um mich warm zu machen, wie immer in der letzten Zeit war es wieder richtig windig, und reihte mich ca. eine Viertelstunde vor dem Start ganz vorne in Startblock A ein. Das durfte ich deswegen, weil ich bei meiner Durchschnittsgeschwindigkeit bei der Anmeldung „Schallgeschwindigkeit“ angegeben hatte und nicht bescheiden „36 km/hr“. Vor mir standen eine Menge anderer Fahrer, die vermutlich „Lichtgschwindigkeit“ eingetragen hatten.

Die Startblöcke waren zu klein dimensioniert, viele Fahrer die noch etwas später kamen mussten sich am Ende des Feldes einreihen. Das ist normalerweise ungünstig, da man dann nie nach vorne fahren kann, sollte aber letztendlich keine Rolle spielen.

Es begann nun das Drama, dass immer noch einzelne Privatfahrzeuge auf der abgesperrten Strecke waren und der Start nicht freigegeben werden konnte. Als wenn das noch nicht schlimm genug wäre, wurde das Starterfeld von Marcel Wüst und dem Moderator auf launige Art und Weise unterhalten. Diese war im wesentlichen sinnfrei („Wer mit zwei Trinkflaschen fährt hält jetzt bitte einmal die Arme hoch“) und sehr gequält und bemüht. Zeit also ein paar Fotos zu machen, fotographiert zu werden und die Nachbarn im Block zu beobachten.

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Schlechte Laune in Startblock A. Mein gelber Nachbar war auch nicht gerade wahnsinnig gesprächig.

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Vor mir war nicht viel los.

Links von mir war nichts los.

Rechts war es allerdings interessanter, hier stand ein Fahrer mit Specialized Venge (glaube ich) und Mavic Hochprofilfelgen (bei dem Wind) sowie kompletter Mavic Trikotage.

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Mr. and Ms. Specialized

War ich auf sein Rad neidisch? Nein. auf seine Freundin, die 15 Minuten das Rad hielt während er auf die Toilette verschwand, ihm Riegel verschiedener Geschmackssorten reichte und aufmunternde Worte sprach? Definitiv.

Mitterweile waren alle kalt, die Fahrer mit drei Trinkflaschen hatten die Hände hochgehalten und auch die, die nur ein Bein hatten oder 12 Finger, ich weiß es nicht mehr. Die Musik schmirgelte von den Achtzigern auf die Siebziger: Sister Sledge, Chic…. obwohl ich muss gestehen, dass ich „Good Times“ von Chic sehr „groovy“ finde. Aber auch das half nichts gegen die Kälte die sich nun in den Körper schlicht.

Wie so oft, irgendwann gibt man auf. Und so tat es die Rennleitung und startete das Rennen mit einer neutralisierten Runde die im 20 – 25 km/h durch die Strecke führen sollte. Schön, endlich ging es los und ich machte mich auf den Weg nach vorne. Tatsächlich war das Tempo von Anfang an recht ordentlich und ehrlich gesagt gibt es ja auch keinen Grund auf der Hochstrasse 25 km/h zu fahren. Dort traf ich Andreas, der mit seinen Nuttrixion Leuten unter Lichtgeschwindigkeit gestanden hatte und später auch Jessica. Als wir die Hochstraße zurückfuhren wurde auch klar, dass die Geschwindigkeit der neutralisierten Runde nicht neutral genug für viele Fahrer war, denn das Feld hatte sich bereits recht weit auseinander gezogen. Zum Glück war ich noch in Reichweite des Führungsfahrzeuges, auch wenn die Muskeln wegen Kälte schnell dicht machten.

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Andreas auf der Hochstrasse. er wird automatisch bei 130 bpm abgeriegelt.

Die neue Streckenführung fand ich persönlich nicht so glücklich, die im Pulk zu fahren war ganz schlecht, war allem der sehr holprige Teil durch Walle, aber später als sich das Feld auseinandergezogen hatte war das dann auch ganz OK. Als wir nach der ersten Runde durch das Ziel kamen, kam die Ansage, dass die Neutralisierung aufgehoben war und es ging los mit dem Tempo. Ich schaffte es noch genau bis auf die Hochstrasse hoch in der ersten Gruppe, danach war mein Rendezvous mit den richtig guten Fahrern vorbei und ich fiel aus der Gruppe heraus. Aus Erfahrung weiß ich, dass man dann nicht den Fehler machen sollte alleine aufzuholen, das verbrennt nur unnötig Körner, man schafft es eh nicht und wenn dann die zweite  nächste Gruppe kommt, dann kann man mit denen nicht auch mehr mithalten weil die Kraft fehlt. Das sagt die Erfahrung. Das Gefühl oben auf der Hochstrasse sagt scheißegal, man macht es trotzdem und so zieht dann auch die zweite Gruppe vorbei. Die Demütigung in dem Fall bestand darin, dass da auch ein Bromptonfahrer mit seinem Klapprad dabei war.

Es ist aber immer besser am Anfang vorne mitzufahren und sich dann zurückfallen zu lassen, als zu versuchen von hinten das Feld aufzurollen, denn dann hat man das Pech langsam entlangzugurken in einer Gruppe die gerade so schnell ist, dass die Entfernung zur nächstschnelleren beständig wächst und man den Sprung über die Distanz nicht mehr schafft.

In der dritten Gruppe waren dann auch zwei Fahrer  von Wiegetritt die vorne die ganze Zeit Führungsarbeit leisteten und da fühlte ich mich dann recht wohl, insgesamt waren wir etwa zu fünfzehn.

Leider harmonisierte die Gruppe nicht sehr gut. Auch in vierter oder fünfter Position stand ich recht oft im Wind, zudem war das Tempo vorne extrem verschieden: Mal ging es mit 33 km/h vorwärts, dann ein Wechsel vorne und jemand erhöhte temporär auf über 40 Sachen. Und so war es ein kontinuierliches Hecheln und aufpassen nicht von der Gruppe abgehängt zu werden. So lief das im Prinzip die ganze Zeit, am Ende der vierten Runde waren wir vielleicht noch zu zehnt. Mein Vorteil ist, dass ich keine Angst vor Steigungen habe. Bei der Auffahrt zur Hochstrasse nach dem Start und beim Anstieg zurück vom Rembertikreisel konnte ich immer wieder Distanz oder Positionen gut machen. Viele machen sich da einfach in die Hose wenn sie die Steigung sehen und lassen es langsamer angehen. Zum Glück gab es diesmal überhaupt keine gefährlichen Situationen oder Stürze.

Am Ende der vierten Runde hatte ich noch genug Power, um für den Schlusssprint zu üben und beschleunigte voll aus der letzten Kurve und flog als erster auf das Ziel zu. Dabei merkte ich wie lang die Strecke da noch ist, dass die Power nicht voll ausreicht zumal es auch voll gegen den Wind geht und das sollte mir in der letzten Runde dann helfen.

Die letzte Runde war dann deutlich langsamer als die ersten vier. Die ganze Gruppe sparte an Kraft, vermutlich deswegen weil jeder beim Schlußsprint der Gruppe vorne liegen wollte. So ging es dann zum letzten Mal auf die Nordstrasse. Etwa 500 Meter vor der letzten Kurve zog das Tempo noch einmal an, das Feld wurde nervös und jeder wollte eine in einer guten Position aus der Kurve kommen. Ich blieb in der Mitte und als einer der beiden Wiegetritt Fahrer anfing zu sprinten klemmte ich mich an sein Hinterrad und zog an den anderen vorbei. Etwa 50 Meter vor dem Ziel startete ich den Überholvorgang und danach war es dann wirklich nur noch Zentimetersache, ich kann gar nicht sagen wer von uns beiden zuerst im Ziel war. Allerdings hatte sich ein anderer Fahrer an mein Hinterrad geklemmt und der überholte uns dann kurz vor dem Ziel beide. Insgesamt war es aber ein durchaus gelungener Endspurt.

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Meine Wiegetrittgruppe im Rennen

Die Zeitmessung und die Ergebnisse sind bei der Bremen Challenge ja aus Tradition her chaotisch. Platzierung, Zeit und Durchschnittsgeschwindigkeit sich völlig unabhängig davon was tatsächlich passiert ist und in welchem Rennen man war. Sebastian zum Beispiel landete einige Plätze vor mir im 67,5 km Rennen (wenn es denn so lange war), obwohl der nachmittags im 123 km (der wie lang das auch immer war) gestartet war. Und so bin ich erst einmal ganz happy mit der Zeit von 1:45 hr, 150ten Platz von mehr als 300 Fahrern und dem 20 Platz in meiner Altersklasse (Professoren von privaten Hochschulen über 50), aber ob das alles der Realität entspricht ist mehr als fraglich. Ist auch egal, ich war zufrieden.

Nach dem Rennen sprach ich mit dem Fahrer, der mich kurz vor dem Ziel noch abgefangen hatte. Er schaute auf meine SPD Mountainbikeschuhe und sagte: „Dass Du das mit Turnschuhen gefahren bist – Respekt.“ Schönes Kompliment, auch wenn das meine geliebten Shimano MTB Schuhe von 2004 sind, davor bin ich nämlich wirklich noch mit Turnschuhen und Hakenpedalen gefahren.

Im Anschluss an das Rennen traf ich Niels und seine Frau? Freundin? mit der ich bestimmt schon zehn Mal gesprochen habe und von der ich immer noch nicht den Namen weiß. Jetzt gab es erst einmal eine leckere Pommes.

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Von Sportmedizinern empfohlene Nahrungsaufnahme nach einer Stunde kalt im Startblock und eineinhalb Stunden heiß im Rennen.

Und so mit war gegen 12 Uhr alles vorbei und dass ohne das es angefangen hatte zu regnen. Ich schaute mir dann mit Torsten und Thorben den Rest des Rennens an, wobei wir, so gut wir konnten, am Anstieg zur Hochstrasse Philipp, Sebastian und Ulrich Jahn anfeuerten.

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Die richtig schnellen Jungs beim Anstieg

Da war sehr lustig, machte Laune, aber nachdem ich fast den gesamten, lebenden Samstag in Osnabrück beim Radfahren verbracht hatte und nun auch den halben Sonntag, war es zeit sich wieder mehr um die Familie zu kümmern. Zumal es ja einiges an Heldentaten zu berichten gab.

Es folgt jetzt eine längere Blogpause, da ich mich morgen mit eben dieser Familie auf der Estland mache.

Danke an Harald und Niels für die Fotos.

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Eingeordnet unter Blitzrad, Bremen, Harald, Mob, Rennen

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