Archiv der Kategorie: Uncategorized

Beine testen in Berlin. Velothon 2018.

Mit dem Alter kommen die Gewohnheiten. Unmöglich, einen Tag nicht unter der Dusche zu beginnen, keine Zigarette nach dem Mittagessen zu rauchen, oder im Mai/Juni nicht zum Velothon nach Berlin zu fahren.

Delta Berlin 2018

Gewohnheiten sind nichts schlechtes sondern geben dem Leben Gefüge und Struktur. Vorausgesetzt, die Struktur ergibt dann auch etwas schönes und sinnvolles wie dieses Gebäude hier;

front_view_of_takanawa_fire_station_nihon-enoki_branch_office

Takanawa, Tokyo: Fire Station

und nicht etwas völlig sinnloses wie dieses:

 

2w993c0-bild

„very confused“

was lustigerweise in de Nähe von Berlin steht. Deshalb ist es schon eine gute Idee Gewohnheiten zu überdenken und sich die Frage zu stellen, ob man etwas macht, weil es wirklich gut ist, oder nur, weil es einem das nachdenken erspart, was man sonst noch machen könnte.

Der Velothon in Berlin wurde als Jedermannrennen erstmals 2008 ausgetragen; seit 2010 bin ich dort jedes Jahr gefahren mit einer Ausnahme. Zunächst die 120er Strecke, später dann die 60er. Einmal mit dem Cervelo, einmal mit meinem Union Fixie und sonst immer mit dem Canyon Positivo; dann dieses Jahr auf dem neuen Giant TCR. Immer zusammen mit Fabian. Für mich gibt es da nichts zu gewinnen, auch nicht annäherungsweise. Trotzdem mag ich das Rennen, weil es durch geschichtlich relevante Gegenden führt und am Wannsee auch ein paar Hügel hat. Noch mehr mag ich es allerdings mit Kathrin, Fabian und ihrer Familie zusammen zu sein. Als ich meiner Tochter erzählte, dass ich auch dieses Jahr wieder dort hinfahre fragte Sie mich: „Ist das die Familie, bei der du zu den Kindern so viel netter bist als zu deinen eigenen?“ Mag sein; ich komme da erstens ganz auf den eigenen Vater, und zweitens hängt’s natürlich auch stark von der pubertär geprägten Laune der eigenen Kinder ab, wie ich so zu denen bin.

Ich reise immer gerne nach Berlin, in begeistert was es da so alles gibt und ab und an bin ich dann auch soweit zu glauben, dass ich da ganz gut hinpassen würde. Vielleicht brauchen die ja da auch einen Radladen mit Cafe, wo die Menschen nett zu den Kunden sind – obwohl ich ja den Eindruck habe, das Nettigkeit von Fremden in Berlin den Beigeschmack von Heuchelei hat.

Mit 13 schenkte mir mein Onkel Horst ein Rennrad von Motobecane. Also ich glaubte, dass es ein Rennrad war, aber heute würde man so etwas bestenfalls Sportrad nennen, denn es hatte Schutzbleche, Beleuchtung mit Dynamo und diese gebogenen Griffe an den Bremshebeln mit denen man auch kurz greifend am Oberlenker bremsen konnte (ab und werden die auch „Suicide Levers“ genannt). In Mönchengladbach gab es damals nur die Auswahl zwischen einem Motobecane, einem Peugeot und einem Raleigh. Peugeots hatten die anderen und die Raleighs sahen scheisse aus. Das Rad habe ich dann lange gefahren, auch noch als Student in Aachen, bis mir einmal bei einer Abfahrt auf dem Weg zur Uni der Vorbau direkt über dem Steuerrohr abscherte und ich mich wunderte, warum denn Lenker nicht mehr mit Rad verbunden war. Diese Wunderphase dauerte nur kurz an, denn dann lag ich auch schon erstens auf der Fresse, zweitens mitten auf der Strasse und dritten kurz vor einem mit quietschenden Bremsen zum stehen kommenden Bus.

motobecane-gruen1

Motobecane Sportrad. Heute kann man so etwas als Gravelbike verkaufen.

Damit ging ich dann zu einem Radsportladen in Aachen, der ersten Adresse am Platze. „Ne, können wir nicht reparieren.“ War die Antwort. Da ich ja Student und links war, also gerne und lange diskutierte bohrte ich nach. Sichtlich genervt bekam ich dann zu hören: „Also pass mal auf. Stell Dir vor es gibt ein Formel Eins Rennen und wir stehen an der Box und warten darauf, dass einer unserer Rennwagen zum nachtanken kommt. Und dann plötzlich fährt da jemand mit seinem Traktor vor und möchte, das wir den reparieren. Da geht ja auch nicht. Und jetzt verpiss Dich.“

Heute habe ich einen halben Radladen und mache das hoffentlich besser. Und die Räder die ich fahre sind auch besser als das Sportrad von Motobecane.

Fabian und ich hatten am Samstag nur kurz Zeit um uns die Beine zu vertreten, Carboloading zu betreiben (immens wichtig für 60 km Strecke!) und dann die Rennstrategie zu besprechen. Radrennen, so ist ja allgemein bekannt, werden im Team gewonnen und Fabian und ich sind ein echt gutes Team. In den vergangenen Jahren hatten wir schon alles versucht: Schnell loszufahren und uns an eine schnelle Gruppe zu hängen bis zum Ziel; ganz schnell loszufahren aus dem letzten Startblock; uns irgendwie alleine durchzuschlagen; uns zusammen durchzuschlagen, es mal mit einem Fixie zu versuchen oder einfach nur die ganze Zeit irgendwie schnell zu fahren.
Diesmal starteten wir wieder aus dem letzten Block. Das ist super, denn da kann man extrem viele andere Radfahrer überholen im Laufe von 60 km und ab und an gibt es dort auch strake Fahrer, die sich zu einer Gruppe zusammentun und nach vorne wollen. Diese Fahrer sind stark und verpeilt, denn sonst hätten sie sich ja früher angemeldet und würden nicht in den den letzten Block strafversetzt. Man erkennt die immer daran, dass die keinen Namen auf der Startnummer haben.
Fabian und ich wollten zusammenbleiben so lang es geht, uns aber am Ende des Spandauer Damms wieder treffen. Am Wannsee wollte ich dann wieder alleine abhauen, so dass wir uns dann wieder auf der langen Geraden, dem Kronprinzessinnenweg wieder treffen und das Rennen in Ruhe zu Ende fahren. Super Strategie, würde ich mal sagen.

Am nächsten Morgen machten wir uns von Fabians Büro auf den Weg an den Start, direkt an dem Eisenmann/Juden Denkmal. Wir kommen dann immer am Kumpelnest 3000 (für die, die es nicht kennen, das ist das ehemalige Kumpelnest 2000!) vorbei, wo das Nachtleben auch morgens um sieben noch lange nicht vorbei ist. Und jedes Mal wollen wir da ein Foto von uns machen. Also wir gehen diesmal hin und zum Glück stehen auch zwei Gäste direkt vor dem Kumpelnest die wir fragen können, ob sie ein Foto von uns machen. Als wir uns die aber genauer anschauen, nehmen wir von der Idee wieder Abstand. Das waren zwei extrem tätowierte Kanten, die nur noch teilweise ansprechbar sind, und Fremde als eher störend empfinden. Hätten wir denen unsere Handys in die Hand gedrückt mit der Bitte Fotos zu machen, hätten sie die sicherlich gerne genommen. Um uns dann zuzurufen: „Danke für die Handys. Und nun verpisst euch. Oder sollen wir auch noch eure Räder klauen?“ Also keine Fotos. Ich habe aber nach dem Rennen noch ein Foto gemacht, als die Typen endlich weg waren.

 

Am Start landeten wir in Block G. Das ist ungewöhnlich, weil sonst der letzte Block immer der H war, also Zeit einmal die Teilnehmerzahlen der letzten drei Jahre im 60 km Rennen zu prüfen:

  • 2018: etwa 3.700 Teilnehmer
  • 2017: 4.520 Teilnehmer
  • 2016: 5.045 Teilnehmer

Über die Gründe mag man spekulieren (Datum, Wetter, Entwicklung im Radsport, Gewohnheiten) aber die Teilnehmerzahlen gehen immer weiter zurück. In guten Jahren waren auf der 60 km Strecke mal fast 6.000 Teilnehmer unterwegs. Schade, weniger Teilnehmer, die man überholen kann.

Es geht los und ich hänge mich an zwei starke Jungs ohne Namen auf den Startnummern und Fabian hängt sich an mich. Ich lasse es ungewöhnlich langsam angehen, Fabian überholt mich in der Neutralisation noch auf der Ebertstrasse. Das stachelt meinen Ehrgeiz an und ich geb ein wenig mehr Gas. Wir sind aber so weit hinten gestartet, dass es keine schnelle Gruppe gibt, an die wir uns hängen können. Nach einigen Kilometern kommt eine Straßenverengung und wir müssen uns da langsam durchkämpfen. Ich nicht, denn ich springe auf den Fußgängerweg und fahre links vorbei, Fabian bleibt hängen. Das Feld ist hier schon weit auseinander gerissen und ich stehe nun ganz alleine im Wind. Alles was vor mir fährt ist zu langsam und von hinten hängt sich auch niemand länger an mich dran. Den Spandauer Damm muss ich auch alleine in Angriff nehmen. Das geht auch gut, kostet aber jede Menge Körner. Nachdem de Anstieg vorbei ist kommt endlich eine schnelle Gruppe von hinten und ich hänge mich ran.

An der Teltower Strasse sollte ich mich eigentlich aus der Gruppe herausfallen lassen, langsam treten bis Fabian kommt und dann gemeinsam mit ihm fahren. Ich bin aber so froh ein schnelles Feld gefunden zu haben, so dass ich erst einmal in der Gruppe bleibe. Es geht jetzt zum Wannsee und in das hügelige Terrain. In den Hügeln bin ich normalerweise gut. Dieses Jahr aber nicht – zu viele Körner am Spandauer Damm gelassen, zu wenig trainiert, dieses Jahr noch nicht in den Bergen gewesen, oder eine Kombination von allem – ich falle aus der Gruppe raus. Schade, damit ist dann auch der Ehrgeiz weg hier eine gute Zeit zu erreichen. Ich gebe aber trotzdem noch viel und lass mich nicht von anderen überholen bis wir links abbiegen und auf die lange Gerade kommen. Hier nehme ich Tempo raus, fahre mit 20 km/h auf der rechten Seite und warte auf Fabian.
Es dauert eine Weile, aber Fabian kommt auch in einer schnellen Gruppe. Er hat mich nicht gesehen, ich ihn erst, als er bereits vorbei ist und so muss ich beschleunigen wie ein Blöder und dann im TT Stil an die Gruppe heranfahren. Puh, das hat noch mal geklappt. Eine gute und schnelle Gruppe, nicht zu groß. Nun müsste Kathrin doch irgendwo stehen und winken? Ich mache gerade vorne Führungsarbeit und verpasse sie.

 

 

 

Puh, in dieser Gruppe muss ich echt viel Führungsarbeit machen, so hatte ich mir das ja nicht vorgestellt. In der Gruppe sind zwar vielleicht 15 Fahrer, darunter Fatty, einer mit einem Wilier Trikot, einer mit ’nem MTB (!) und zwei Satanisten, jedenfalls haben die so Jerseys mit „Cycyling“ und einem Fünfzackigem Stern in rot/schwarz darauf, aber von denen arbeiten nur vier oder fünf vorne, der Rest lutscht. Fatty macht absolut nichts. Am meisten legt sich der MTB Fahrer ins Zeug.

Für Fabian ist die Gruppe zu schnell, wie ich nach kurzer Zeit bemerke. Ich will jetzt aber mit denen ins Ziel  und strenge mich an. Es läuft gut und wir kommen bei Tempelhof rein. Der Wind kommt nun von vorne und ich stehe voll drin. Zum Glück geht es jetzt tendentiel wieder mehr Richtung Westen. An der Siegessäule beginnt die lange Zielgerade und ich schaue, dass ich nach vorne und nach links komme, aber nicht im Wind steht. Der Sprint geht los und neben mir ist Fatty. Das geht gar nicht, erst die ganze Zeit lutschen und dann mir die Platzierung wegnehmen! Ich strenge mich richtig an und komme 10 cm vor Fatty über die Ziellinie. 483. Platz, gerade noch vor Fatty. Tagesziel erreicht. War gar nicht so übel auch von der Zeit, obwohl ich ja auf Fabian gewartet hatte. Aber wenn ich nicht gewartet hätte und alleine weiter gefahren wäre, dann hätte mich die gleich schnelle Gruppe auch irgendwann eingeholt und ich wäre ebenfalls mit denen ins Ziel gekommen. Insgesamt bin ich zu zufrieden. Es ist noch nicht mal zehn Uhr morgens und alles was an diesem Tag gemacht werden müsste ist bereits getan.

Wir hängen am Ziel rum und treffen Bekannte von Fabian. Christine ist ja leider dieses Jahr nicht mitgefahren. Dafür gibt es einen Wirtschaftsprof aus Pforzheim und einen, dessen Name ich vergessen habe, der aber die Knie nicht mehr beugen konnte vor lauter Schmerzen. Zeit nun sinnvolle Dinge zu tun.

Irgendwie haben Fabian und ich noch Lust ein wenig zu radeln und machen uns auf den Weg zu ihm. Wir basteln dabei bereits an der Strategie für das nächste Jahr. Die naheliegende Idee kommt uns, als wir diese Dockless Leihräder in vielen verschiedenen Farben, die ja nun wirklich überall in Berlin rumliegen, sehen. Nächstes Jahr fahren wir auf diesen Leihrädern. Super Idee!

2-format6001

Es gibt wie immer Kuchen im Garten. Wir versuchen uns an der Herstellung von Tofu und dann mache ich mich auf den langen Weg zurück nach Bremen.

In Bremen hat übrigens Limebike seine Räder in der Stadt verteilt:

limebike-bremen100__v-1280x720_c-1520787512786

Prima, ein paar später als ich am Bahnhof ankomme und zum Laden in der Überseestadt muss probiere ich die mal aus. Innerhalb von 20 Sekunden auf so einem Rad wird mir klar, dass das mit Berlin nächstes Jahr gar keine gute Idee ist. Die haben zwar drei Gänge, aber die ersten beiden sind glaube ich Freiläufe. Der 3. bewegt das Rad …irgendwie. Auch in Aeroposition (Hände weg vom Lenker und direkt links und rechts in den Korb krallen) komme ich schnell vorwärts und werde mühelos von Hinz und Kunz überholt. Mit denen brauchen wir mindestens drei Stunden für 60 km.
Fabian, we need to talk.

 

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2018, Fabian, Mob, Rennen, Uncategorized

Eastern Everywhere.

1802 Cyclyng Laden 3

Regelmässigen Lesern dieses Blogs wird aufgefallen sein, dass hier in letzter Zeit regelmässig nicht viel passiert und sind deswegen zurecht regelrecht enttäuscht. Zeit einige Ostereier zu öffnen.

R-696619-1371324523-9132.jpeg

Im März 2018 haben Matthias von Wiegetritt  und Cyclyng Bike & Cafe in der Überseestadt von Bremen eröffnet, nachdem wir etwa ein Jahr mit der Idee schwanger waren. Bei zwei Männern dauern Schwangerschaften ja bekanntlich länger als bei Frauen. Das hat für mich die Konsequenz, dass meine bisherige Arbeit, also das Einfüllen von Wissen mittels virtueller Trichter in die Köpfe von jungen Menschen in verschiedenen Stadien der Pubertät nun zu meinem Hobby geworden ist, und mein bisheriges Hobby also Radfahren, irgendwie an Rädern schrauben und darüber schreiben nun zu meinem Beruf wurde.

Den Beruf zum Hobby zu machen ist sicherlich immer eine gute Idee. Schon allein weil das weniger Arbeit bedeutet. Ich unterrichte ja wirklich gerne, weil das a) die Fortsetzung meiner Punkrockkarriere mit nicht musikalischen Mitteln ist und b) im Gegensatz dazu, niemand ungestraft den Konzertsaal verlassen darf. Man wird auch nicht berotzt, mit Bierflaschen beworfen, oder bei schlechten Auftritten verprügelt. Und trotzdem wird man von einem Teil des Publikums mit derselben Inbrunst gehasst, wie nach unseren Auftritten in den Achtzigern mit EA80 bzw. Ranola. Nur wird man nicht nach den Auftritten von der Bühne ins Damenklo gezerrt und den Kopf von zwei bärtigen Rockern in die Kloschüssel gedrückt, sondern man bekommt E-Mails in denen Dinge stehen wie „macht zuviel Praxis, hätte lieber spannende Theorie!“ oder: „scheint weibliche Studenten zu bevorzugen.“ Wobei ich mir bei letzterem nicht sicher bin, ob das eine Kritik der männlichen, oder ein Lob der weiblichen Studenten war.

8005 EA80 in MG 19800518-EA80-1

EA80 Sommerfestival Mönchengladbach 1980

Das Hobby zum Beruf zu machen ist deutlich schwieriger. Es besteht die Gefahr, dass viele Dinge dann einfach nicht mehr so viel Spaß machen, wie zu der Zeit, als man sie noch freiwillig tat. Ich habe zum Beispiel eine Menge guter Bücher gelesen, aber ich hasse auf Lebenszeit alle Bücher, die ich im Deutschunterricht lesen musste. Aus diesem Grunde blogge ich auch einfach viel, viel weniger, obwohl so ganz aufgeben möchte ich nicht. Bloggen wird sich in Zukunft mehr auf die Rennen, RTFs und sonstigen Ereignisse beschränken an denen ich teilnehme und weniger auf das Copy&Paste von gierigen Rädern, die ich irgendwo im Netz fand.

Wenn eine größere Veränderung im Leben eintritt hat das eben seine Auswirkungen die man nicht sofort versteht und vorausgesehen hat. Da darf man nicht jammern sondern muss einfach das richtige machen.

Tatsache ist leider auch, das bloggen sooooo 2010 ist. Das Cyclyng Blog und seine Vorläufer aus Tokyo, das Positivo Espresso Blog gibt es seit Oktober 2007. Das ist für ein Blog eine extrem lange Lebenszeit, die meisten Blogs, auch gute und beliebte in der Radwelt schaffen mal so gerade fünf Jahre. Bis 2016 stiegen die „views“ auf dem Blog sehr stark an, seitdem ist das rückläufig. Das bedeutet, dass mit immer mehr Aufwand immer weniger Leser erreicht werden. Von daher ist es besser nicht kontinuierlich, sondern nur nach Lust und Laune zu schreiben. Würde ich das ganze noch einmal machen, würde ich mit einem YouTube Kanal anfangen. Na ja, wenn ich darüber nachdenke, dann vielleicht auch eher gar nicht, denn YouTube ist sooooo 2015. Vielleicht doch eher auf Snapchat?

Nachdem der Winter noch einmal im März über Bremen hereinbrach, hat nun endlich und endgültig der norddeutsche Frühling angefangen. Man schaut, immer dann wenn es nicht zu stark regnet oder fisselt nach oben und sieht diesen typischen, immer wieder faszinierenden norddeutsch Frühlingshimmel:

Bildergebnis für grau

Der Frühlingshimmel über Bremen

Mittlerweile ist es wieder so warm (also etwa 3 Grad), dass es wieder regnet und nicht schneit, hagelt oder graupelt. Währendessen schicken einem sogenannte „Freunde aus Tokyo“ Fotos rüber, wie es nun gerade dort aussieht.

David fuhr am Wochenende den Fleche Kumamoto, unter anderem auf der Shimanami Kaido, ein spektakulärer Radweg der die jap. Hauptinseln Honshu und Shikoku miteinander verbindet. Und was mache ich hier in Bremen?

In Bremen kommt ein Wind dazu, der einem das frühe Saisongefühl vermittelt besonders gut in Form zu sehen; und zwar dann wenn er von hinten bläst und nicht wahrgenommen wird. Bzw. das Gefühl die letzte Flasche zu sein, wenn er von vorne weht. Man deckt an all die unnötige Schoki die man in den letzten vier Monaten gegessen hat, die vielen Mentholzigaretten und die leeren Flaschen Rotwein. Warum, ja warum, wurde nicht schon viel früher mit dem Training begonnen, statt sich so ewig lang durch den Winter zu chillen?
Mein Großvater sagte immer: „Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort, große etwas später.“ Kleine Sünden werden meistens direkt am Dienstag Abend beim Body Attack von Janina Katharina gnadenlos bestraft. Größere bei den Ausfahrten am Wochenende mit Hannes oder allein.

Am Freitag war es dann mal wieder so weit, österliche Ausfahrt mit Hannes Richtung Süden, zunächst einmal von Borgfeld Richtung Fischerhude. Hannes drückt richtig aufs Tempo, aber obwohl wir echt schnell fahren, schaffen wir es nicht die gutaussehende Endfünfziger Frau vor uns auf ihrem Ebike schnell einzuholen. Zum Teil liegt es am strengen Gegenwind, zum Teil an unserer miserabelen Form und und zum Teil auch an dem getunten Ebike, dass deutlich schneller unterwegs war, als die gesetzlich erlaubten 25 km/h. Da die Strecke am Waldesrand zwischen Borgfeld und Fischerhude ja so etwas wie der Cycling Superhighway von Bremen ist, kamen uns eine Menge Rennradfahrer entgegen. Im Winter werde ich dann meistens gegrüßt, die ganz Harten haben eben Respekt voreinander, aber sobald die Saison offiziell angefangen hat, ist es wieder aus mit dem Grüßen. Seit Strava Flyby wiederum, weiß man nun auch sehr genau, wer das denn im Wiegetritt Jersey war, der da gerade so weggeschaut hat.

Bildergebnis für esso oyten

Jedenfalls sind wir bereits in Oyten so kaputt, dass wir an der Esso Tankstelle dort einen Stop einlegen müssen. Ein altes schwarzweiß Foto im Schaufenster weist auf die lange Geschichte dieser Tankstelle hin: Hier tanken bereits die Volvos und Saabs der schwedischen Armee, als diese unter Gustav Adolf II Richtung Schloss Etelsen vorrückten. Wallenstein, dessen Armee nur mit Kreidler Floretts ausgerüstet war, konnte ihm nicht mehr folgen, da an der Esso Tanke das 1:25 Gemisch ausging.

Über Achim kamen wir nach Uesen und fuhren dort die Hünenburg runter richtig Weser. Eine superbrutale Abfahrt – mit seiner 23% Steigung so mit das brutalste, was die Bremer Umgebung zu bieten hat. Hannes war schon runter gefahren und hatte sich in der Kurve platziert, um sicher zu gehen, dass ich in einem Schwung schnell durchfahren konnte. Todesmutig setze ich mich fast auf das Hinterrad und begann die Abfahrt – zum Glück winkte Hannes mich durch; ich war zwar langsam, hatte aber wegen der Steilheit der ganzen Sache so viel Schwung, dass ich auch nicht stehen hätte bleiben können, wenn er „Achtung Schneepflug!“ oder „Baugrube!“ gerufen hätte. Da habe ich nun erst Mal wieder einen KOM bei Strava.

Den nächsten Versuch machten wir bei der Eißeler Finkenburg. Mit dem ganzen Wind im Rücken, der uns bislang so flaschig gemacht hatte, arbeiteten wir uns hier in die Top Ten vor.

Und danach war die Luft raus, wir fuhren das ganze Dinge so irgendwie nach Hause. Auf dem Weg kamen wir an dem Yasukuni Jinja Annex vorbei, einem japanischen Schrein in der Nähe von Dreye. Der Yasukuni Schrein steht mitten in Tokyo und ist einer der bekanntesten Schreine im shimtoistischen Glauben, wobei der erstens gar nicht so alt ist (1869) und zweitens auch nicht ganz unumstritten ist.  Markant an ihm sind, neben den ganzen rechtsextremen Spinnern die sich dort aufhalten, die Eingangstore, deren Stil nach dem Schrein auch Yasukuni Stil genannt wird. Die Dinger haben es vor dem 2. Weltkrieg sogar auf die 50 Yen Banknote geschafft, das gelang in Deutschland lediglich Balthasar Neumann erst nach dem Krieg.

dscf3492

Nein, das ist kein Foto von 1938, sondern eins von 2017.

In Japan, wo der Glaube jegwelcher Coleur in einem sehr flachen Winkel auf die Erde trifft, ist es üblich zu Beginn des neuen Jahres einen Schrein oder Tempel zu besuchen. Diesen Akt nennt man „Hatsumode“ (初詣).

Man betet darum das neue Jahr gut zu überstehen und kann sich bei dieser Gelegenheit auch mit einer Anzahl von Talismännern eindecken, so dass einem das Glück gefügig bleibt. Oft fährt man auch gleich mal mit dem Familienauto hin und lässt es von einem Priester segnen.

SS2331991

Ich hatte das bislang versäumt und so bot dieser Ausflug mit Hannes eine gute Gelegenheit all dies nachzuholen. Zunächst segnete Hannes unsere beiden Räder mit dem heiligen Zweig.

20180330_172736

Und dann beteten wir vor dem Tor. Hannes muss noch ein wenig und seiner Haltung arbeiten, das sieht noch nicht richtig japanisch aus.

20180330_172928

Kleine Wünsche im Winkel von 30 Grad.

20180330_172935

Größere Wünsche im Winkel von 45 Grad

20180330_173003

Hannes wünscht sich gerade eine elegantere Haltung beim Zeitfahren.

Eine sehr schöne Anleitung zum richtigen Verbeugen in Japan je nach Anlass gibt es vom Japanese Culture Lab.

Dann nach Hause und eine der ersten längeren Ausfahrten des Jahres war vorbei.

Strava

Am Samstag gab es dann wie erwähnt eine Runde Body Attack, die mich wirklich fassungslos machte. Aber nicht genug, um mich nicht kurz am Sonntag (Strava) aufs Rad zu schwingen nachdem ich mich überzeugt hatte, wer die Flandern Rundfahrt gewann. Natürlich wieder jemand von LIDL, sorry, Quickstep. Und auch am Montag. Muss auch sein, denn am nächsten Wochenende steht die erste RTF der Saison auf dem Plan, die Teutoburgerwald Tocht. Das ist diese holländische RTF in Deutschland, weil denen in Holland die Berge ausgegangen sind. Und das erste OBKM Rennen ist auch bereits am 25. April. Zeit mehr zu arbeiten, oder das Hobby wieder aufzugreifen.

20180319_19204720180401_181523

 

 

 

2 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

Meanwhile in … whereever.

Japan

retouch.jpg

In Deutschland finden ja viele japanische Keirin Rennen unglaublich cool und hip und irgendwie so Zen.Buddhistisch; in Japan allerdings kämpfen die Veranstalter mit Zuschauerschwund und Vergreisung des Publikums. Keirin ist eher etwas für alte Männer, die sonst auch zu Pferde- oder Motorbootrennen gehen würden, die klassischen drei Arten des japanischen Wettsports. Zumindest letzteres ist gar nicht cool, wenn man weiss, dass das Monopol für Motorbootrennen lange Zeit be Ryoichi Sasagawa lag – den ich beinahe sogar einmal kennengelernt hätte, wenn ich nicht doof genug gewesen wäre dies abzulehnen.

Seit 2012 gibt es nun wieder Frauenrennen – Girls Keirin. Das spricht sich japanisch übrigens Garrls Kehrin aus und nicht Kairin. Es heisst ja auch Gehscha, und nicht Gaischa.

Bildergebnis für girls keirin

po_ani1_gk_sousenkyopo_ani4_ogt_matsudopo_ani5_ggp_shonanpo_ani6_gkctr_shonan

Dänemark

DTcPrH4WAAEJG-O

Nein, das ist NICHT das dänische Nationaltrikot. Das ist Louis Meintjes (RSA) vom Team Dimension Data nach einem langen Tag auf dem Rad in der Sonne und einem Mesh-Jersey.

erectile-dysfunction

USA, irgendwo

Aus der Carbonhölle

[falls es wirklich jemand noch nicht gesehen hat]

via Bike Rumour

Spanien, in der Nähe von Granada

Sind wir mit den Positivo Espresso Core Team ebenfalls gefahren, war schon mit normalen Rennrädern anstrengend genug und wirklich endlos. Aber runter fahren, das war, sehr, sehr geil.

Bildergebnis für patrick seabase

Video via Tracko

2 Kommentare

Eingeordnet unter 2018, Mob, Uncategorized

Bremen und Humor.

Gestern bin ich zum ersten Mal über die bröselige Brücke über die Weser gefahren, über die gerade halb Deutschland lacht.

b1

Eigentlich habe ich an dieser Stelle die Weser schon häufiger übequert und vor den bunten Graffities viele Fotos von meinen Rädern gemacht. Nie war ich mir der Gefahr bewusst.

Nun weiß ich es Dank der ARD.

Das ist echt bremischer Humor. Gleich hinter der Brücke, etwas weiter weseraufwärts auf der anderen Seite findet man ein weiteres Beispiel dieses einzigartigen Humores:

b3

Manchmal, so scheint es, kommen wir uns hier vor wie Berlin, umschlossen von der Zone.

 

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bremen, Mob, Uncategorized

Räder der Profis.

1708 Giant Himmel

Bad Hersfeld (Ausschnitt)

Vor einigen Wochen waren wir auf der Vorstellung der neuen Giant Räder für 2018 in Bad Hersfeld. Ich würde gerne mehr darüber berichten, aber mein Notebook ist vor zwei Wochen abgesoffen und seitdem tut sich der Hersteller sehr schwer damit es überhaupt erst einmal bei mir abzuholen trotz €60 Service Gebühr. Egal.

Bei Giant waren einige Pro Räder vom Team Sunweb ausgestellt, die ganz hervorragende Ergebnisse beim Giro d’Italia und bei der Tour de France erzielt hatten.

20170809_163446

Dies hier zum Beispiel ist das TCR von Tom Dumolin, dem Gewinner des Giro d’Italia 2017. Es sieht aus wie ein normales TCR Rad für Frauen in Pink. Irgendwie so ein bißchen schwul im positiven Sinne.

Das TCR (sozusagen das „normale Rennrad“ von Giant im Gegensatz zu dem Propel (Aero) und dem Defy (Komfort)) von Warren Barguil, dem Gewinner der Bergwertung der Tour de France war ebenfalls da. Auch als leichter Bergfahrer wird ein massiver Vorbau montiert auf den Thomas Voss neidisch wäre.

1708 Giant Polka Dot Jersey 1

1708 Giant Polka Dot Jersey 21708 Giant Polka Dot Jersey 3

Ich mochte dieses leicht dreckige und verblichene Lenkerband, was so gerade einen Hauch von Benutzung vermittelt. Gleich daneben stand ebenfalls ein TCR von Michael Matthews, dem besten Sprinter der Tour de France in diesem Jahr. Auch hier wieder ein extrem massiver Vorbau mit Drang Richtung Boden.

1708 Giant Green Jersey 11708 Giant Green Jersey 2

Auf dem Vorbau klebte noch das Cue-Sheet für die letzte Etappe der Tour de France. Wenn ich das richtig interpretiere geht das Rennen etwa 63 km nach dem Start los. Und nach 103 km sollte man aufhören zu treten, weil man dann im Ziel ist. Dazwischen passiert wenig.

1708 Giant Green Jersey 31708 Giant Green Jersey 41708 Giant Green Jersey 5

Der massive Vorbau stand auch im Kontrast zur Gesamtproportion des Rennrades: Zunächst dachte ich , da hätte jemand eine Replika für den Sohn von Michael Matthew gebaut. Es ware aber kein Kinderrad, sondern tatsächlich das Originalrad von ihm. Der Eindruck wird auch durch den stark geneigten Rahmen vermittelt.

Alle drei Räder waren übrigens mit Shimano Dura Ace Di2 ausgerüstet; dieses Jahr bei der Tour war es ja so, dass alle Trikot-Gewinnner und alle Etappensieger mit Shimano Gruppen unterwegs waren.

Insgesamt gab es hübschere Rennräder bei Giant zu sehen, als die der Profis, vor allem bei den Frauen und deren Giant Marke Liv.

Liv Langma = Giant TCR

1708 Giant Liv Langma Adv Pro Disc 3

Als TCR in der Männerversion.

20170809_163219

Giant Defy

1708 Giant Defy 2

Speziell für handwerklich unbegabte Frauen entwickelte Reifenheber.

1708 Giant Liv Reifenheber

Später mehr.

 

 

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter 2017, Gierige Räder, Mob, Uncategorized

Aurora.

20170827_18574620170827_18582620170827_19190220170827_19192220170827_19192520170827_19193720170827_192000WP_20170823_18_22_03_ProWP_20170823_18_22_11_Pro

2 Kommentare

Eingeordnet unter 2017, Bremen, Mob, Touren, Uncategorized

Silbersee Triathlon. Mixed Staffel. 2. Platz.

„Es war um die Mittagszeit eines sehr heißen Junitags, als der »Dogfish«, einer der größten Passagier- und Güterdampfer des Arkansas, mit seinen mächtigen Schaufelrädern die Fluten des Stromes peitschte. Er hatte am frühen Morgen Little Rock verlassen und sollte nun bald Lewisburg erreichen, um dort anzulegen, falls neue Passagiere oder Güter aufzunehmen seien.“

sis1n

Das sind die ersten Zeilen des Romans „Der Schatz im Silbersee“ von Karl May, den ich nie ganz gelesen habe. Ich besaß aber eine gleichnamige LP auf dem legendären Europa Label, die ich mir gerne mit meinem Freund Christoph anhörte, bevor wir draußen im Garten die wichtigsten Passagen mit unseren Schwestern nachspielten. Der Roman wurde 1891 geschrieben, die Kindheit ist lange vorbei und so klingelte an einem Sonntag Morgen 2017 um kurz vor sieben der Wecker und ich fuhr, ohnehin zu spät zum Silbersee in Stuhr wo ich mich, ohne lange nachzudenken angemeldet hatte, als Ina mich fragte ob ich denn wollte.

Nachdenken ist nicht schlecht. Denn erstens hatte ich die frühe Startzeit nicht mitbekommen und zweitens war mir auch nicht klar, dass von mir ein 40 km langes Zeitfahren verlangt wurde. Bislang war ich immer 20 km gefahren. Andererseits war das alles auch OK, weil in unserer Klasse ohnehin nur sechs Teams angemeldet waren und irgendwie geht es ja immer. Und ich hatte ja auch prima vorher mit Hannes trainiert.

20170729_182451

Ja, von Bremen sind wir bis nach Berlin gefahren.

Ich kam viel zu spät am Silbersee an, den ich zunächst nicht erkannte, weil er keineswegs silber ist, sondern diese organische Färbung hat mit der man nicht gerne in Berührung kommt. Ich schummelte mich irgendwie mit meinem rheinischen Charme in die Wechselzone und wartete auf Ina, die alles organisiert hatte und schwimmen wollte und Axel, der unsere Staffel als Läufer komplementierte.

Wie bist Du in die Wechselzone gekommen? Das geht doch gar nicht ohne Papiere?“ Mit dieser Frage wurde ich als erstes von meinem Team konfrontiert. Das ging an sich ganz einfach, ich ließ meinen rheinischen Charme spielen und mogelte mich durch. Dabei half mir meine Auslandserfahrung, denn in Japan geht an sich alles, wenn man sich nur doof genug stellt und Ausländer ist. In Deutschland, so finde ich, sehen wir diese Dinge zu eng, vieles ist so einfach möglich, man muss es nur einfach machen und darf nicht so lange darüber nachdenken.

1707 Silbersee Wechselzone

In der Wechselzone

1707 Silbersee Start 2

Das Cyclyng Team: Axel, Ina und ich.

Wir starten in der Mixed Staffel, insgesamt waren dort sechs Team gemeldet, so dass unsere Chancen auf’s Treppchen zu kommen rein mathematisch 50:50, oder wie Reiner Calmund einmal sagte, 60:60 standen. Also schauten wir uns zunächst einmal an, welche Räder unsere Konkurrenz fuhr und ob wir irgendwelche von denen identifizieren konnten. Interessanterweise fuhren bei zwei Teams die Frauen Rad, während die Männer schwammen und liefen; eine von den Frauen sah auch ganz fit aus und stellte eine echte Gefahr dar. Das war die blonde hier unten im Photo.

1707 Silbersee Start 3

Meine direkte Konkurrentin vom Team aus OHZ. Sollte sich als die stärkste im Feld herausstellen.

Dann gab es noch eine weitere fitte Frau aus Clausthal-Zellerfeld und ein paar schicke Räder mit Zeitfahraufsatz, aber in meinem rheinischen Übermut statuierte ich erst einmal „Die hau ich alle weg.“

Ina startete als Schwimmerin und kam dann auch gleich als zweite überhaupt von allen Staffelschwimmerin in die Wechselzone. Ich schnappte mir den Transponder, hetzte über die Wiese zum Rad und machte mich auf den Weg raus in die Geest. Bereits auf dem kleinen Weg raus überholte ich die ersten Einzelstarter, vor allem deswegen, weil ich mit meinen Shimano SPD MTB Cleats viel schneller laufen und einclicken kann, als Fahrer mit normalen Rennradpedalsystemen. Aber jetzt ging es erst einmal voll gegen den Wind und ich machte mir Sorgen, dass ich die angestrebten 1:10 hr für die 40 km schaffen würde, denn ich kroch teilweise mit 32 km/h durch die Landschaft. Das war irre anstrengend und ich hatte noch mehr als 30 km vor mir.

Zumal so ein Triathlon ja total unentspannt ist, sowohl von den Teilnehmern her, als auch von den Kampfrichtern die überall herumlaufen und Disziplinarische Maßnahmen verteilen.

IMG-20170730-WA0007

Alles Verbrecher in Verdacht des Windschattenfahrens

Ich schaute also sehr, dass wenn ich andere überholte, dass ich schön Abstand hielt und auch erst lange nach dem überholen wieder rechts einscherte, was mir dann wiederum einen Anschiss von den Kampfrichtern einbrachte, ich solle doch nicht so lange links fahren. Puh, die meinten es ja wirklich ernst hier.

Zwischen Ristedt und Gessel gab es einen langgezogenen Anstieg und ich verlor noch einmal Fahrt. Einerseits. Andererseits war das auch ein Problem für viele Triathleten die eher brettflache Strecken gewöhnt sind und noch deutlich langsamer waren als ich. Ehrlich gesagt finde ich ja, dass viele von denen keine besonders gute Technik auf dem Rad haben. Letztens in Österreich wurden mir ja meine Grenzen aufgezeigt, als ich auf einem 8.000€ Cannondale Super Six Hi Mod Evo Rad hinter einem MTB Fahrer auf einem Rennrad fuhr – der nahme locker driftend eine Kurve mit Schotter, während ich mich ebenso locker in die Büsche verabschiedete. Aber hier war im Vergleich richtig gut, ich fuhr die Anstiege hoch so schnell wie es ging, bei den Abfahrten konnte ich richtig Speed machen und in den Kurven konnte ich mit einer guten Linie und schnellem Beschleunigen in der Kurve immer richtig Zeit aufholen. Allerdings war ich in Gessel dann auch richtig kaputt. Für die ersten 10 km hatte ich 17:27 min gebraucht; für die zweiten bis zum Wendepunkt 17:22 min, aber jetzt sollte noch der lange Anstieg zurück kommen und ich war wirklich kaputt.

Zum Wendepunkt führt eine lange gerade Straße die man auch wieder zurückfährt. Ca. 1 km nach dem Wendepunkt sah ich die erste Frau einer Mixedstaffel in Richtung Wendepunkt fahren. Ich wusste also dass ich 2 km Vorsprung also mehr als 3 min hatte und das musste ich jetzt unbedingt bis zum Ziel verteidigen. Dummerweise ging es jetzt einen langen Anstieg hoch nach Leerßen und teilweise fuhr ich da mit 20 bis 25 km/h hoch, das würde also vermutlich weder war mit einer guten Zeit noch mit einer Führung werden.

Als ich oben war, ging es aber nun sehr flott weiter, denn nun hatte ich den Wind im Rücken und konnte quasi kontinuierlich mit 40 km/h fahren, so dass ich für die nächsten 10 km nur 17:09 min brauchte. Das könnte also doch etwas werden. Da das Ziel ja nun recht nahe war mobilisierte ich die letzten Kräfte und viel schneller als ich gedacht hätte kam ich wieder am Silbersee an. Für die nächsten 9 km brauchte ich dann auch nur 14:42 min und dann ging mir die Strecke aus.

In der Wechselzone knallte neben mir eine Triathletin vom Rad bei dem Versuch abzusteigen. Zu diesem Zeitpunkt merkt man aber vor lauter Adrenalin nichts mehr und würde auch noch mit dem eigenen separierten Bein unterm Arm zum Wechselpunkt laufen. Dort kam ich als erster Fahrer einer Mixedstaffel an, Axel lief los und ich knallte auf den Boden. Die starke Fahrerin kam drei Minuten später an und die nächste dann noch einmal zwei Minuten danach. Die Art und Weise wie die Frauen zusammenbrachen war schon spektakulär.

Das war aber noch gar nichts gegen das was kommen sollte: Kurz danach kam eine Fahrerin mit Trikot von Urania Delmenhorst ins Ziel, schmiss sich keuchend und zuckend auf den Boden und erlebt etwas, was aussah wie ein phänomenaler Orgasmus, oder aber eine sehr, sehr schwierige Geburt. Ich hätte gerne davon Photos gemacht, muss aber gestehen, dass ich sie in diesem Moment nur fassungslos angestarrt habe.

Dann kam ein Mädel von einer Frauenstaffel rein und schrie extrem laut „Scheisse ich hab’s verkackt!“ Was war geschehen? Ein Kampfrichter hatte ihr 2 Minuten verpasst, wegen „Verdacht auf Windschattenfahren“. Boh, war die sauer, was ja gar nicht angebracht ist, denn in diesem Wettbewerb waren ohnehin nur zwei Staffeln angetreten, so dass ein Platz auf dem Podium garantiert war. Aber die konnte sich gar nicht zurückhalten oder einkriegen.

Bei der Fahrerin der Mixed Staffel die als dritte ins Ziel kam, stellte ich die Frage, ob die einen guten Läufer haben, der uns noch einholen könnte und die meinte nur: „Keine Ahnung, ich kenn‘ den Typen nicht.“ Und dann gab es noch obendrauf: „Dich hätte ich auch noch eingeholt, wenn der Honk mich nicht falsch eingewiesen hätte.“ Was war denn hier passiert? Irgendwie falsch abgebogen und musste dann wieder zurück.

Tatsächlich ist es auch so, dass ich der langsamste von den drei starken Teams war, allerdings liegen zwischen dem ersten Team und mir auch nur 16 Sekunden. Und die kam fast 5 Minuten nach mir ins Ziel, nie im Leben hätte die das geschafft. Aber wie gesagt, das war hier auch alles andere als entspannt.

Ina und ich gingen also erst einmal zur Laufstrecke und schauten Axel zu. Die Strecke über 10 km musste in drei Runden zurückgelegt werden, bereits nach der ersten hatte der Läufer des guten Teams Axel eingeholt, so dass nun klar war, dass wir auf den zweiten Platz landen würden. Axel war untröstlich: „Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! “ schrie er noch stundenlang auf dem Gelände am Silbersee herum.

20170730_115824.jpg

Nein, das tat er nicht, weil Axel nämlich ein sehr entspannter Typ ist. Er hat dann glaube ich auch noch „The Getz“ eingeholt, ein bekannter amerikanischer Profi-Wrestler.

1707 Silbersee 14

1707 Silbersee 15

Axel bei der Jagd auf „The Getz“

Und als ich so an der Laufstrecke stand und darauf wartete, dass Axel seine nächste Runde absolvierte, fiel mir auf einmal auf, dass neben mir das perfekte, entspannte Mädchen stand.

1707 Silbersee 13

Nur falls sich das wirklich jemand fragen sollte: Rechts natürlich.

Für einen Moment vergaß ich Axel.

Menschen, die kurz vor dem Tod stehen, aber dann durch wundersame Weise wieder zurückkehren, berichten ja schon mal darüber, dass in einem einzigen Augenblick ihr ganzes Leben an ihnen vorbeizieht. Als ich das perfekte Mädchen sah, zog hingegen meine Zukunft in einem einigen Augenblick an mir vorbei: Das perfekte Mädchen mit „Na, so alleine hier? Ich auch“ ansprechen, schnelle Scheidung, die zickigen Kinder ins Heim stecken, gemeinsam nach Neuseeland abhauen (Hallo Holger!) und am Abend am Strand gemeinsam: „Somewhere over the rainbow“ singen.

1707 Silbersee 12

Leider dauerte meine Zukunft auch eben nur einen Augenblick und dann war ich wieder zurück in diesem Leben. Zweiter Platz, in jeglicher Hinsicht.

1707 Silbersee 17

Danke an Axel und Ina aus unserem Cyclyng Team für Organisation, entspannte Stimmung und gute Leistung. Wir sehen uns wieder auf dem City Triathlon in Bremen nächste Woche.

Ergebnisse Gesamt

Ergebnis Mixed Staffel

Strava

4 Kommentare

Eingeordnet unter 2017, Bremen, Mob, Rennen, Triathlon, Uncategorized

Gustave Flaubert (1821 – 1880)

a) Gustave Flaubert war ein bekannter französischer Bahnradfahren aus Rouen, der das erste Radrennen der Welt am 31. Mai 1868 im Parc de Saint-Cloud, von Paris gewann.

b) Gustave Flaubert ist ein französischer Schriftsteller, mit dessen Roman „Madame Bovary“ Schüler im Frz. LK gequält werden. Später an der Uni liest man dann „Die Erziehung der Gefühle“ oder „Ein schlichtes Herz“ an der Uni.

c) Ist die Titelfigur des Romans „Flaubert’s Papagei“ von Julian Barnes.

puck

„Soyez réglé dans votre vie et ordinaire comme un bourgeois, afin d’être violent et original dans vos œuvres.“

„Sei ordentlich und gewöhnlich in deinem Leben, um wild und orginell in deinem Werk zu sein.“

(1876)

armstrong-tweets-yellow-jerseys-tour-france-twitter

„Dumm, egoistisch und gesund zu sein sind die Grundvoraussetzungen des Glücks. Obwohl, wenn die Dummheit fehlt ist alles verloren.“

(1846)

Alles richtig, bis auf a). Flaubert eignet sich in hervorragenderweise zum zitieren.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2017, Mob, Uncategorized

OBKM Rennen Vier. Platz Eins.

Während irgendwo in Frankreich sich die Profis die Lunge aus dem Leib fahren und deutsche Hoffnungen eben diese gerade begraben, fand in Bremen der 4. Lauf der Offenen Bremer Kriteriumsmeisterschaft teil, bei dem sich junge Talente auf die Tor vorbereiten können.

Mit der deutschen Hoffnung meine ich Emanuel Buchmann, der aus unerfindlichen Gründen bei der ARD als Tour-Favorit gehandelt wird und vermutlich selber am meisten erstaunt ist, dass er regelmäßig nach dem Rennen interviewt wird.

coole-alte-leute-radfahren

Yeah – und auf zum Sachsenring!

Mit jungen Talenten meine ich die vier Fahrer, die sich gestern auf dem legendären Sachsenring in Heilshorn einfanden, um wie jeden Monat im Sommer unter sich den besten und härtesten Seniorenfahrer (bzw. die härteste Frau) im fairen Kampf herauszufinden. Doch alles in der Reihe nach.

Ich fahre ja echt gerne Rad – aber nie die ersten zehn Kilometer. Bis ich mich umgezogen habe, auf die Kiste geschwungen und dann vor mich hin eiere, das kostet jedesmal so viel Willen und Durchhaltevermögen – vor allem nach einem langen Tag an der Hochschule, wo man so ziemlich das Gegenteil von Radfahren macht. Und zwar versucht Studis Spaß und Abenteuer am Hedging von Fremdwährungsrisiken beizubringen. „Im Gegensatz zum Surrealismus der Grundmetapher. Bäh, der Tod ist noch zu gut für sie.“

Ich war spät dran und von Westen zogen zudem auch noch Unwetter Richtung Bremen. Letztens, am 22. Juni gab es ja die selbe Situation als ich gerade Frau und Tochter zum Flughafen nach Hamburg fuhr, damit sie die Sommerferien in Japan verbringen konnten. Meine Frau hörte die Nachrichten im Auto und meinte „Fahr schneller, da ist bereits ein Hurricane in Scheeßel„. Ja, ja, und da im Norden brennen bereits die Deiche.

Am Haus am Walde traf ist Thomas V2 auf dem falschen Rad, aber ich musste mich beeilen, um noch rechtzeitig zu kommen. Und ich kam wirklich auf den letzten Drücker. Tim und Caro hatten sich heute heimlich zu einem Date in Zivil verabredet; zuerst habe ich die beiden nicht erkannt da sie sich extra auffällig in neon-gelb und rot verkleidet hatten. Aber dann sah ich das Canondäl Mars Hi Mod Schrott Evo Six Rad von Caro, auch kurz „Schrotti“ genannt.

20170719_181455

A girl and her machine – Schrotti.

Ein Rad das immer noch bei weitem nicht so alt ist, wie die Teilnehmer die heute im Rennen fuhren. Leider sollte das auch das einzige Bild bleiben, was ich an diesem Tag machte, ich muss mich also aus dem reichhaltigen Fundus des www bedienen, um die Eindrücke einigermaßen korrekt wiederzugeben.

Am Start waren heute die üblichen Verdächtigen die immer fahren: Wolfgang, der im Regelfall gewinnt; Kai, mit dem ich immer um Platz vier kämpfe; Marc, der … äh … mitfährt und ich.

「start radrennen」の画像検索結果

Start: Kai, Wolfgang, Marc und ich (v.l.n.r.)

Wegen des bevorstehenden Regens wurde das Rennen von 25 auf 20 Runden verkürzt. Aber es gab die gleiche Anzahl von Punktwertungen, nämlich fünf, also alle vier Runden.

Da vorne im Wind nicht mehr so oft gewechselt wird war klar, dass das Tempo heute ein wenig langsamer werden würde, zumal das Wetter auch recht drückend war. Wolfgang versuchte es bei der ersten Sprintwertung erfolgreich mit einem Ausreißversuch auf der Gegengerade. Ich versuchte hinterher zu powern, kam aber nicht mehr in seinen Windschatten. Kai jedoch kam in meinem und überholte mich kurz vor dem Ziel, also nur ein dritter Platz. Marc habe ich seitdem nicht mehr gesehen – bis zum Ende des Rennens, also ging es zu dritt weiter, was noch einmal anstrengender werden sollte.

「sprint radrennen」の画像検索結果

Der erste Print (also so in etwa)

Die Erholungsphasen sind ja dann auch kürzer, da wir ja nur vier Runden zwischen den Sprints hatten und ja auch noch dazu oft Führungsarbeit machen mussten. So kamen wir relativ langsam auf die Gegengerade in der letzten Runde und ich befand mich vorne, was immer eine ungünstige Position ist, da man von dort nicht sehen kann, ob einer der Hintermänner den Sprint anzieht. Ich entschloss mich relativ früh den Sprint selber zu beginnen, um nicht überrascht zu werden. Das klappte auch gut, ich kam als erster durch die Kurve auf die Zielgerade und konnte meinen Vorsprung bis zur Linie halten.

「sprint radrennen」の画像検索結果

2. Sprint, gefühlt etwa so.

Im sechsten Punkterennen, an denen ich bislang teilgenommen habe, war das das erste Mal, dass ich einen Sprint gewonnen hatte. Es war auch da erste Mal in 22 Sprints, dass ich Wolfgang schlagen konnte. Das lief also heute ganz gut.

Natürlich klappt da nicht immer. Beim dritten Sprint war ich auf der Gegengerade relativ lange vorne und machte innen auf. In der Kurve zogen Kai und Wolfgang an mir vorbei und ich war zu langsam, um an ihnen dranzubleiben. Zwar machte ich auf der Zielgeraden noch jede Menge Meter gut und am Ende war es knapp, aber es blieb wieder nur der dritte Platz.

「zielfoto rad knapp」の画像検索結果

Der dritte Sprint: Knapp für alle.

So langsam wurde es eng. Es blieben jetzt noch zwei Sprints, der vorletzte in der Runde 16 und der letzte, der doppelt gewertet wird, in der 20. und letzten Runde. Zumindest hatte ich jetzt jede Menge Selbstvertrauen, da ich wusste, dass ich jeden schlagen konnte.

Ich habe keine Erinnerung mehr, was da genau passiert ist, aber es gelang mir den vierten Sprint wieder zu gewinnen. Das sah jetzt sehr gut aus, wenn ich den letzten Sprint auch noch für mich entscheiden könnte, dann hätte ich auch das Rennen gewonnen.

Mittlerweile fuhren wir echt langsam. Während das Durchschnittstempo sonst so zwischen 38 und 40 km/h liegt, waren wir jetzt bei 35 oder so. In der letzten Runde zog Wolfgang ähnlich wie in der ersten Runde den Sprint sehr früh auf der Gegengerade an, vielleicht 350 Meter vor dem Ziel. Ich war aber vorne, konnte relativ schnell reagieren und mir gelang es mich an ihn zu hängen, während Kai hinter mir erst einmal abreißen lassen musste. Durch die letzte Kurve kam ich auch sehr gut und konnte früh anfangen wieder zu treten so dass ich nicht viel Geschwindigkeit verlor und auf den letzten Meter dann Wolfgang überholen konnte. Wieder Erster. Nicht schlecht. Gesamt Erster. Noch besser.

「finish photo cycling」の画像検索結果

Zielfoto des Rennens – letzter Sprint mit Händen und Füssen

Irgendwie auch ungewöhnlich, denn in der letzten Zeit bin ich eher weniger Rad gefahren und fühlte mich nicht besonders fit. Aber um das mal hirstorisch richtig einzuordnen: Das war das erste Mal überhaupt in meiner Rennsportkarriere, dass ich ein Rennen gewonnen hatte. OK, da waren auch nur vier Teilnehmer, einerseits. Aber andererseits hat das auch fast 12 Jahre gedauert. Das erste Radrennen an dem ich jemals teilnahm war der Bike-Navi Grand Prix in Ashigara, Japan im November 2005.  Wie man auf dem nächsten Foto erkennen kann, war ich schon damals der Profi, der ich all die Jahre geblieben bin.

0511 Ashigara Rennen Allsports MOB

Meine unglaubliche Leistungsstärke brachte die zuschauenden Frauen am Streckenrand fast um ihren Verstand.

Ich hatte nicht so viel Ahnung von Rennen und ich hatte auch gar keine Ahnung, dass das keine gute Idee ist ohne Peloton alleine in der Gegend rumzueiern. Letzter bin ich da zwar nicht geworden, aber großartig war es sicher auch nicht. Ich kaufte mir dann ein neues Rad (das macht man immer so, wenn es nicht klappt) und drei Jahre später war ich japanischer Meister in der D Klasse des JCRC (Japan Racing Cycling Club Association).

0811 Saiko Race Shinji ToJ Ceremony 02

Das klingt toll, aber ich glaube meine beste Platzierung in einem Rennen war da vielleicht ein 10. Platz. Die Meisterschaft schafft man vor allem durch viele Rennteilnahmen, nicht unbedingt nur durch gute Platzierungen.

Und in Deutschland kann man ja bei den Jedermannrennen nichts gewinnen. Beim Velothon in Berlin wurde ich einmal 21. in meiner Altersklasse (das war dieser Velothon der total verregnet war vor drei, vier Jahren) und das fand ich super. Dieses Jahr war ich 51. Gähn. Erster werden ist halt doch besser.

Nach uns starteten dann direkt die „Jedermänner“. Dieses Renn ist auch wegen der großen Teilnehmerzahl und deren Leistungsstärke deutlich schneller als unser Seniorending. Wie gesagt, es drohten Unwetter und ich machte mich auf den Weg, um schnell nach Hause zu kommen. Dort erzählte ich dann jedem in meiner Familie von meinem ersten Platz. So Opamässig – am Ende waren alle etwas genervt, aber ich war irgendwie … glücklich.

bateau-mouche-bicycle-bike-eiffel-tower-girl-happiness-Favim.com-52340

2 Kommentare

Eingeordnet unter 2017, Bremen, Mob, Rennen, Uncategorized

Gastbeitrag: Tour de France in Mönchengladbach

Letztens schrieb ich darüber, wie stolz ich darauf bin, dass die Tour de France dieses Jahr den Weg durch meine Heimatstadt Mönchengladbach fand.

Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu dieser Stadt. Als Kind habe ich da viele tolle Dinge erlebt. Es gab eine Radrennbahn im Volksgarten von der nur noch die Tribüne steht – bzw. stand. Wir spielten Fußball auf dem Rasen vor den Gesundheitsamt oder Hockey an der Annakirchstrasse, mit unseren Skateboards die Ludwig Weber Straße runter oder surften durch die Innenstadt der Hindenburgstrasse.

Gladbach wurde Meister und die Mannschaft fuhr in einem roten Londoner Doppeldeckerbus, gesponsort von Hannen Alt (erst sehr spät lernte ich, was vernünftiger Bier ist) durch die Stadt. Es gab das Haus Zoar, wo wir erst als Hippies in der Teestube Neil Young und Frank Zappa hörten und später als Punks mit EA80 und anderen Absplitterungen selber auftraten.

Auf dem alten Markt spielten Bands von auswärts wie „Epitaph“ oder Gebrüder Engel und auf dem Frühlingsfestival spielte die musikalische Elite Gladbachs in Form von „Children of Spring“ mit der unglaublichen Beate Granderath. Keine Ahnung, warum ich den Namen heute noch weiß, vielleicht, weil er so unglaublich nach Gladbach klingt.

Ich hatte einen guten Freund, mit dem ich die unglaublichsten Dinge anstellte. Wir hätten mehrfach tot sein können, waren kurz davor verhaftet zu werden und am Ende heiratete er meine Freundin, was ich ihm genau 26 Jahre nicht verzieh. Dann aber doch.

Anfang der Achtziger hatte ich extreme Probleme mit den Skinheads dort und konnte mich jahrelang nicht alleine auf die Straße trauen. Ich zog erst nach Düsseldorf und dann später nach Aachen und wenn ich nach Gladbach zurückkam, dann erinnerte mich alles an die schlechten, und nichts an die die guten Tage dort.

Ich finde, mit der Tour de France wurde wieder ein erfreuliches Kapitel in Gladbach angefangen, eins mit dem ich mich identifizieren kann. Ich konnte sogar meine beiden über 80 Jahre alten Eltern dazu bewegen sich an den Straßenrand zu stellen und die Tour anzuschauen. Danach schauten Sie sich begeistert den Rest der 2. Etappe bis Lüttich an, wo Marcel Kittel den Sieg holte, riefen mich an und stellten mir tausend technische Fragen.

Tour de 018

Tour de 019

Photos von der TdF in MG (Dieter Krähe)

Das dürfte ruhig öfters mal passieren.

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized