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Trek Chefpoint

Seit März 2018 betreibe ich einen Radladen, eigentlich einen Radladen mit Café in der Bremer Überseestadt. Seitdem habe ich deutlich weniger Zeit und Lust zu schreiben und auch deutlich weniger Räder für mich selber aufgebaut.

Der eine hat heute einen Radladen, der andere fährt Ferrari. Aber vor 30 Jahren saßen wir noch gemeinsam auf der Schulbank in Tokyo.

Na gut, also wenn ich mal von dem Giant TCR Advanced Pro, dem Wilier Cento 10 Pro, dem Orbea Avant, dem Ridley Kanzo Speed und dem Orbea Alma M25 absehe – aber das waren, mehr oder minder alles Räder von der Stange oder aus dem Karton, die wenig Kreativität erforderten und dann auch entsprechend wenig orginell wurden.

Anfang des Jahres kam mir die Idee, den Fokus im Geschäft etwas weg von Rennrädern und mehr auf MTBs zu legen. Rennräder laufen gut, aber wir wachsen und es gibt in Bremen und Umgebung wirklich keinen Laden, der mehr als zwei MTBs über 2.000 Euro zum ausprobieren da hat. Na gut, es gibt auch weniger als zwei Berge in Bremen und Umgebung, genauer gesagt gar keinen. Aber trotzdem haben eine Menge Leute hier MTBs mit denen sie im Wald herumkurven, in die Harburger Berge oder in den Harz fahren – und denen muss geholfen werden.

Nur Fliegen waren schöner – in den Siebzigern auf dem Landwehr Trail

Von MTBs habe ich leider so gar keine Ahnung. Das nächste was daran kommt war ein umgebautes BMX Rad mit dem ich als Teeny über selbstgebaute Hindernisparcours in unserem Garten und über den legendären Landwehrtrail in Mönchengladbach gefahren bin. Also habe ich mir das Orbea Alma zugelegt und probierte es aus, zunächst auf dem Weg von zuhause zur Arbeit: Ui, das machte ja richtig Spaß! Statt an der Weser lang fuhr ich nun auf Sandwegen durch den Bürgerpark, machte Abstecher über Wiesen oder fuhr sinnlos Hügel in den Wallanlagen rauf und runter. Ein MTB schafft ganz neue Wege und Möglichkeiten und ich war wirklich begeistert, zumal es auch nicht sooo viel langsamer auf der Straße rollte. Also nächster Schritt: ab in den Wald.

Und so fuhr ich eines Tages an der Weser nach Süden Richtung Okel, um dort im Wald zwischen Syke und Goldplatz die Trails anzutesten. Damit ich auf der Straße gut rollte hatte ich die fetten Reifen recht gut aufgepumpt und bald bot sich die erste Gelegenheit von der Straße abzubiegen und in den Wald zu saußen. Ui, das machte nun auch super Spaß! In der Wolfsschlucht probierte ich dann schon einige gewagtere Abfahrten aus und machte mich dann auf einem kleinen Trail Richtung Syke, den hatten wohl MTBler angelegt, denn an einer Stelle verzweigte er sich: Links ging es einfach weiter runter, rechts war eine Mini Sprungschanze, vielleicht so 20 cm über dem Boden. Hey, springen – das hatte ich ja schon 40 Jahre nicht mehr gemacht, geil.

Hätte ich auch lieber lassen sollen.

Ich weiß nur noch, wie ich auf einmal senkrecht aber verkehrt rum in der Luft stand und dann mit dem Kopf voll auf den Boden schlug. Der Schmerz machte mir gleich klar, dass der nicht nicht einfach ignoriert und erst einmal weiter gefahren werden kann. Ich fuhr irgendwie aus dem Wald raus, rief meine Frau an und die brachte mich nach Bremen ins Krankenhaus.

Über die Erfahrungen dort gäbe es eine Menge zu schreiben, aber das ist ja hier ein Blog über Räder und nicht Spahns Health Care System Blog. Jedenfalls war das Ergebnis meines wagemutigen Experiments zwei gebrochene Halswirbel und eine zermatschte Bandscheibe. Zwei Wochen Krankenhaus, eine OP und 4 Titan Schrauben und eine Klammer (ich hoffe Dura-Ace Specs) später geht es mir schon wieder ganz OK. Allerdings kann ich meinen Hals nicht mehr besonders gut nach rechts und links, und schon gar nicht nach oben verdrehen. Die Physio wird da sicherlich noch einiges richten, aber Rennradfahren kommt erst mal nicht in Frage. Bei der typischen Rennradhaltung sehe ich nur Asphalt vor mir, da ich den Kopf nicht hoch genug bekommen.

Ich brauchte also ein neues, behindertengerechtes Rad.
Enter Trek Chefpoint.

Enter Chefpoint

Zur Zeit sind „Gravelbikes“ extrem gehypt. Ein Gravelbike ist so etwas wie eine Eierlegendewollmichsau, will sagen, man kann damit auf der Straße fahren, im Gelände, bei Regen zur Arbeit oder mit Gepäck auf Radtour. Was man damit nicht macht ist eigentlich nur eins: Lange Strecken nur auf Gravel fahren, denn das gibt es, im Gegensatz zu den USA hier weniger. Ein Gravelbike ersetzt also vier Räder und ist ideal für Menschen die sich nicht entscheiden können. Meist verkaufen die sich als Alurahmen mit Shimano GRX400 oder GRX600 Ausstattung für Preise zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Typische Gravelbikes sind das Ridley Kanzo A, das Orbea Terra und eben das Trek Checkpoint.

Die extreme Flexibilität eines Gravelrades hat natürlich auch einen großen Nachteil: So ein Rad kann nichts richtig: Auf der Straße ist es lahmer als ein Rennrad, im Gelände nicht so leicht zu fahren wie ein Fully MTB, in der Stadt wird es gerne geklaut und so weiter; es gibt ja eben auch einen Grund, dass noch Rennräder, MTBs etc., gebaut werden. Viele Menschen die ein Gravelbike wollen, wären mit einem Rennrad besser bedient, denn eigentlich fahren sie fast immer auf der Straße und brauchen nur etwas dickere Reifen, eine entspanntere Haltung und ein paar Ösen. Die kaufen dann ein Marathon Rennrad, auch wenn (weil sinnvollerweise aus Carbon) das teurer ist.

Der Aufbau

Ich brauchte jetzt auch etwas mit einer entspannteren Haltung, dicken Reifen und der Möglichkeit Schutzbleche anzubauen, und dafür besorgte ich mir (man kann ja) einen Trek Checkpoint ALR Rahmen. Das Checkpoint hat sogenannten „Stranglehold“ Ausfallenden, d.h. man kann die Steckachse des Hinterrads nach hinten verschieben, so dass auch ein Singlespeed Aufbau möglich ist.

Ich wollte schon immer einmal Rene Herse/Compass Reifen ausprobieren. Das sind extrem dicke 50 mm Reifen mit extraweichen Flanken die, wenn tubeless gefahren, auch nicht langsamer rollen sollen als Rennradreifen. Das behauptet jedenfalls Jan Heine, der Herausgeber von Bicycle Quaterly. Wenn es nach Jan Heine gehen würde, dann würden wir alle auf französischen Stahlrahmen mit Mittelzugbremsen und dicken Reifen fahren, denn seit den Fünfziger Jahren hat sich technisch nichts mehr sinnvolles getan, Genau wie die Jugend werden auch die Räder von heute immer schlechter – Jan Heine ist da sehr streng in seinen Ansichten. Aber hey, das heißt ja nicht, dass er komplett unrecht hat, also wollte ich gerne einmal die Reifen selber fahren, um mir ein Urteil zu bilden.
Dafür suchte ich mir eine Kombi aus stabilen Shimano Gravel Laufrädern GRX570 in 650B, Rene Herse Switchback Hill Reifen mit 48 mm Breite extralite in Naturflanke und Campagnolo Bremsscheiben aus. Zu dem Gesamterlebnis später mehr.

Just another brick in Walle

Wichtig war mir auch eine gute Bremse, deshalb griff ich dann gleich zu einer Deore XT Vierkolbenbremse vorne und einer etwas einfacheren Version hinten, da sich die MTB Bremssättel nur mit viel Aufwand oder gar nicht am Hinterbau montieren lassen. Gestern bin ich mal wieder Rennrad gefahren mit einer „normalen“ Scheibenbremsen und hey, da fühle ich mich nun echt ein wenig unsicher mit – ganz zu schweigen von einem Rad mit Felgenbremse. Soviel zur Entwicklung der Technik.

Beim Antrieb wollte ich auf jeden Fall auf Singlespeed gehen und ein sehr schönes Factory 5 Track Kettenblatt verbauen. Da die Kettenstreben des Checkpoints aber sehr breit bauen musste da dann letztendlich doch eine GRX Kurbel dran komplementiert mit MKS Allways Pedalen.

Eine 46/15 Übersetzung für die Stadt schien mir OK, und so habe ich ein 11-fach 15er Ritzel aus einer Shimano 105er Kassette genommen und das ganze mit einer 11-fach KMC X11EL Kette kombiniert. Auch keine gute Idee, denn das Ritzel hat eingefräßte Schaltungshilfen, die dafür sorgen, dass die Kette recht gerne abspringt. Nachdem das eine Weile mächtig genervt hatte besorgte ich mir ein dickeres 1/8 einfach Ritzel aus dem Versand und baute das mit der entsprechenden Kette um und seitdem funktioniert das wunderbar.

Um zuletzt noch den Komfort zu erhöhen verbaute ich eine Pro Vibe Carbon Stütze mit 27,2 mm Durchmesser und 20 mm offset und einen neueren Fizik Argo Sattel. Da sind diese neuen sehr kurzen Sättel (gegen die ist ein klassischer Fizik Arione ein Torpedo) die relativ breit sind und große Ausschnitte haben, ahnlich wie der Prologo Dimension 143 oder der Pro Stealth. Man muss sich die Dinger schön gucken aber dann passt es schon.

Zum Komfort gehört auch ein Riser Bar der ordentlich nach oben aufbaut von Renthal und Ergon GA1 Griffe in passendem Orange. Außerdem, seitdem nun der Herbst seit heute in Bremen begonnen hat, auch ein paar breite schwarze Metallschutzbleche. Und schon war der Aufbau fertig. Und wie fuhr er sich nun?

Die Fahrt

Obwohl das Rad mit knapp über 8 kg recht leicht geworden ist und es sich schön fluffig fährt ist es mal definitiv nicht so schnell und leichtfüßig wie ein gutes Rennrad. Es ist, auch im Vergleich zu meinen Stahl Fixies, eben nicht so einfach auf Geschwindigkeit zu bekommen und verhält sich weniger agil. Kurz, es motiviert weniger dazu schnell zu fahren. Soviel zu Jan Heine.

Das heißt aber nicht, dass es ein schlechtes Rad ist; es ist eben nur auch kein Rennrad. Zunächst einmal sind die dicken Reifen toll. Der Komfort auf den schlechten Straßen von Bremen ist einmal phänomenal. Ich brauche keine Angst mehr zu haben vor Schienen oder Bordsteinen und kann diese auch problemlos schräg anfahren. Wegen der Tubeless Reifen brauche ich mir auch keine Sorgen um Durchschläge zu machen. Aber damit nicht genug, die dicken Reifen machen es auch möglich schnell auf nicht asphaltierten Wegen zu fahren oder einen Abstecher über den Rasen zu machen. Daher gehört jetzt ein Abstecher auf den Fußwegen durch den Wald im Bürgerpark zu meinen quasi täglichen Routen. Die Federung ist wirklich gut und das macht das Fahrerlebnis, in Kombination mit der entspannten Haltung und dem breiten Lenker sehr angenehm.

Ich kann mir allerdings auch gut vorstellen doch wieder eine Schaltung zu verbauen, wir würden sogar 7 oder 8 Gänge reichen. Aber eine 1:3 Übersetzung ist einfach zu schwer zum ständigen anfahren in der Stadt und bei ca. 30 km/h wird dann die Trittfrequenz doch auch arg hoch. Ich mag das Fixie fahren, weil ich dann ohne Bremsen die Geschwindigkeit senken kann, aber Singlespeed? Macht wenig Sinn.

Was leider wirklich nervt ist der tubeless Aufbau. Obwohl die Felge Tubeless-ready ist, die Reifen ebenfalls dafür ausgelegt und intensiv getränkt wurden vor der endgültigen Montage und die gute Stan’s no tube Milch verwendet wurde erweicht da einfach viel zu viel Luft. Ich muss morgens einmal vor der Fahrt zum Laden und dann auch noch Abends einmal vor der Rückfahrt pumpen. Nachdem ich da letztens noch einmal gefühlt einen Liter Dichtmilch reingepresst habe geht es nun, aber diese „Tubeless-Restangst“ ist immer noch da.

Letztens war ich mit dem Rad mal im Gelände, anlässlich eines Cyclocross Trainings unseres Ladens. Auch da ist die 3:1 Übersetzung nicht wirklich hilfreich. Und was mich auch nervt ist das Kurvenverhalten: Werden die Reifen mit 3 bar oder mehr aufgepumpt, fährt sich das Rad in Kurven sehr sicher, auch wenn ein Rennrad mit 25mm Reifen besser auf der Straße liegt. Allerdings ist der Federungskomfort oberhalb von 3 bar auch nicht mehr so gut.

Zwischen 2,5 und 3 bar ist die Federung gut und das Kuvenverhalten ist OK. Also nicht großartig, aber OK. Unterhalb von 2,5 bar fängt das Rad in dem Kurven an zu schwimmen. Das wundert mich, denn ich bin wirklich nicht der MotoGP Schräglagenfahrer. Liegt das an mir und meiner Fahrtechnik? Liegt es an dem Rad? Ich weiß es nicht.

Mittlerweile habe ich das Rad fertig für Herbst und Winter gemacht: 47 breite schwarze Metallschutzbleche sind montiert und vorne leuchtet eine Cateye Gvolt 50 Lampe in Kombination mit einer Fabric Lumaray V2 , die brauche ich, um auf einem Garminhalter einen Wahoo ELMNT zu montieren. Und hinten benutze ich bereits seit längerem die Cateye Rapid X2 Kintec, ein Rücklicht mit einem Beschleunigungssensor. Wenn ich bremse, wird das Licht heller, in etwa wie das Bremslicht eines Autos, um dann noch 3 bis 4 Sekunden wieder normal hell zu leuchten. Ein japanischer Ingenieur von Cateye, der einmal bei mir im Laden zu Besuch war, hat mir eine in Deutschland nicht zugelassene Version davon geschenkt.

Um damit auch mal mit Cleats fahren u können, habe ich letztens die MKS Allways Pedale gegen Crank Brothers Double Shot 1 getauscht. Das sind Hybrid Pedale, also auf der einen Seite Plattform, auf der anderen Seite für Cleats. Ich bin kein Fan von Hybridpedalen, aber diese funktionieren OK. Besonders erfreulich ist das extrem leichte Ausklicken, wenn die entsprechenden Cleats (Easy 6) von den Crank Brothers montiert werden.

Das Rad wird mich gut durch den Herbst und Winter bringen und dann sollte so langsam klar werden, wo die körperliche Reise hingeht.

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Battle of Okel 11.4.2020 BUBUU 2

Boo

Deutschland sucht gerade den Superstar und findet ihn seit hundert Jahren nicht. Aber der Superstar von Okel könnt ihr am nächsten Samstag dem 11.4. werden. Wie?

Jeder Teilnehmer muss am 11.4. die vorgegebene Runde von etwa 34 km in der vorgegebenen Richtung von Barrien nach Gödestorf Plus ALLEINE fahren. Die Gesamtzeit wird nicht gewertet, aber das ganze muss auf Strava aufgezeichnet und nachvollziehbar sein. Die Strecke kann bei Garmin Connect geladen werden.

Es gibt fünf brutale Anstiege von 600 bis 1.700 Meter Länge mit insgesamt unglaublichen 200 Höhenmetern die jeweils einzeln mit Punkten gewertet werden:

Für den ersten Platz auf jedem Segment gibt es 10 Punkte, für den 2. Platz 9 Punkte, für den 3. 8 Punkte und so weiter bis zu einem Punkt für den 10. Platz. King of Okel (Kinoo) ist derjenige der insgesamt die meisten Punkte hat.
Die erzielten Punkte werden aufaddiert in der großen BUBUU (Battle um Bremen und umzu) Serie. Die erste Battle war die Battle for Wilstedt, organisiert von Schnippo und wir werden in Zukunft sehen, wer weitere Battles an den folgenden Wochenenden organisieren wird. Es bleibt also spannend.

Sollte das Wetter am Samstag dem 11.4. nicht vorteilhaft sein, dann verschieben wir das ganze auf den Sonntag oder notfalls auf das folgende Wochenende.

Es gib eine kurze Straßenbaustelle in Okel, bei der man ca. 50 Meter über ein, ich sage mal, Gravelsegment fahen muss. Das geht aber prima, kein Problem, und da wir die Gesamtzeit ja ohnehin nicht betrachten macht das ja nichts – konzentriert euch auf die Anstiege, denn die ziehen ordentlich. Ich bin das heute mal gefahren und musste echt beißen.

Okel ist nicht umsonst das Mekka des Radsports in Niedersachsen. Lange Jahre gab es das Lizenzrennen Syke-Okel-Syke und wir fahren einen Teil der alten Strecke ab. In den letzten Jahren wurde es dann still um den Finanzplatz Okel – alles dicht, alles aufgerissen, dagegen war Dresden 1945 wie ein Tag im Phantasialand. Aber das ist jetzt vorbei.

2003 Hasselmann
Start ist an der Konditorei Hasselmann in Barrien. Falls da zufällig geöffnet sein sollte, gebe ich gerne einen Kaffee aus, ruft mich einfach mal an. Dann geht es den bekannten Krusenberg hoch, nicht lang aber knackig.

Drei weitere Anstiege beginnen am Ortsrand von Syke und sind etwa 1,5 km lang durch den Wald Richtung Golfplatz, Osterholz und Schnepke. Nicht besonders steil, aber durch die Länge echte Beißerstrecken. Und der Okeler Berg, ein Klassiker ist auch dabei.

Dazwischen geht es schön auf und ab mit vielen Hügeln und Wellen. Das eine andere bekannte Ballerstück, zum Beispiel vom Golfplatz Syke nach Okel und von Osterholz nach Gödestorf ist auch dabei. Es wird also nicht einfach.

Und nicht vergessen: Das alles soll auch Spaß machen.

okel2

 

 

 

 

 

 

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Battle for Wilstedt 2020

Die Battle for Wilstedt ist das traditionell erste Rennen der Battle um Bremen und umzu  (BUBUU!) Rennserie die dieses Jahr zum ersten Mal durchgeführt wurde. Das weiß zwar noch keiner, ist aber nun mal so.

Bow1

Die Idee dazu kam von Schnippo und ist genial einfach. Unter „genial einfach“ verstehe ich Ideen, die man auch selber haben könnte, aber auf die man nie gekommen ist, wie z.B. Farbe über das Gesicht von Marilyn Monroe zu kippen. Manche Menschen formulieren das auch als: „Wieso kostet das Geld, das hätte ich auch selber gekonnt!“.

Haben sie aber nicht.

Die Idee der Battle for Wilstedt ist also am letzten Samstag in Borgfeld loszufahren, auf einem Rundkurs 6 Ortsschilder in Wilstedt anzusprinten und dann an den Startpunkt zurückzufahren. Man muss dabei die exakte Route abfahren und bekommt für jeden der 6 Sprints Punkte je nach Platzierung aller Teilnehmer. Natürlich alleine. Wer die meisten Punkte hat, hat gewonnen. Völlig sinnlos, aber eben genial.

Noch genialer ist, daraus eine Serie zu machen, was aber der Definition von „genial einfach“ widerspricht, denn die Idee hatte ich ja nun mal selber.

Ich war seit Ewigkeiten nicht mehr in Wilstedt und dieses Jahr auch nur mäßig wenig unterwegs auf dem Rad unterwegs. Wilstedt ist ja nun mal als ein kleines Kaff und im größeren Kontext der Weltgeschichte unwichtig, aber wenn man im Nordwesten von Bremen unterwegs ist, muss man da durch. Ist ähnlich wie „Alle Wege führen nach Rom“. Am Papst, Stan Libuda und an Wilstedt kommt man einfach nicht vorbei, vor allem dann nicht, wenn man Mitglied im RCB ist und bei den Montagsrunden mitfährt. Und bei vielen löst eben der Anblick eines Ortsschildes auf dem Wilstedt geschrieben steht einen sofortigen Pavlov’schen Sprintreflex aus. Egal, ob jemand alleine, oder in der Gruppe fährt, am Ortsschild Wilstedt wird gesprintet. Punkt.

Ein wenig Training an Vorbereitung wäre ja nicht schlecht, dachte ich mir und ich fuhr deswegen am Vortag einen Teil der Strecke mit meinem Winterrad ab. Da oben blies mal wieder ein richtiger mieser Wind, aber es war trocken, sonnig und bei der Bäckerei traf ich zufällig auf Joern und Jens. Jörn fuhr das im Training in 2:44 hr zu Ende, eine Zeit die ich am nächsten Tag nicht einmal erreichen sollte – soviel zu meinen Chancen da irgendetwas tolles zu gewinnen. Aber egal, raus aus der Lethargiefalle und mal wieder etwas anstrengendes tun war wichtiger als der Welt zu zeigen wie toll ich Radfahren kann.

Am nächsten Tag wachte ich spät auf, hatte jede Menge Arbeit auf dem Schreibtisch vor mir, bevor ich mich auf die Strecke machen konnte und schaute so gegen 12 mal bei Strava rein um zu sehen, ob schon jemand die Strecke ganz früh gefahren war. Man sieht das bei Strava sofort an der charakteristischen Streckenführung, siehe das Bild oben: das symbolisch die güldenen Straßen und die grüne Topgraphie der Landschaft zeigt. Jannis hatte offensichtlich eine Zeit von unter 2:15 hr mit einem Schnitt von fast 38 km/h vorgelegt. Hm, dachte ich mir, vielleicht ist es doch besser zu Hause zu bleiben und noch ein paar Runden Panzer General zu spielen. Russland könnte ich locker am Samstag erobern, Wilstedt eher nicht.

Endlich, nachdem auch der letzte Mist erledigt war und es keine Ausreden mehr gab nichts zu tun, also so kurz nach 15 Uhr machte ich mein Wilier Yellow Submarine klar.

We all live in a yellow submarine, yellow submarine.

Hm, Hochprofilfelgen waren bei dem Wind vielleicht nicht die schlauste Idee. Dafür hatte ich aber diesen genialen Redshift Aufsatz, der es erlaubt in eine windschnittige Position zu gehen, oder das Ding in 10 Sekunden abzumontieren und in die Trikottasche zu stecken.  Sehr praktisch, wenn jemand wie ich mal alleine, und mal in der Gruppe fährt. Nicht so praktisch ist der High-Tec Sattel von Fabric. Klar, der sieht gut aus, voll Carbon und, das wichtigste, da steht klein irgendwo „Airbus“ drauf, weil er zusammen mit Airbus entwickelt wurde, aber angesichts des Komforts wäre ein Prägung „Boeing 737 max“ doch irgendwie treffender.

Der Jan-Reiner-Weg raus nach Borgfeld war voll wie immer und als ich zum Startpunkt kam drehte ich mich in Position und versuchte konstant schneller als 30 km/h zu fahren, was bei dem Gegenwind gar nicht so einfach war. Christian kam mir entgegen, wahrscheinlich war er auch gerade fertig geworden und so sah er auch aus.

Die Battle

Auf der Straße von Huxfeld nach Wilstedt rein kam mir dann Vanessa entgegen, die vermutlich gerade ihre Battle beendet hatte. Sie sah, äh, ein wenig fertig aus und schenkte mir ebenso wenig Beachtung. Ich hatte auch keine Zeit zu schreien, zu grüßen oder umzudrehen, denn ich war ja im Battlemodus und das erste Ortsschild war nur wenige hundert Meter vor mir. Der Wind kam quer von vorne und ich war noch richtig gut drauf – wenn ich das bei Strava richtig sehe bin ich da mit 39s und 36er Schnitt 3. geworden. Guter Start, wenn ich das nur gewusst hätte.

Es ging dann voll gegen den Wind raus Richtung Tarnstedt und am Kreisverkehr dort dieselbe Straße wieder zurück – diesmal schön mit Rückenwind. Da ich nicht genau wusste, wo die Segmente anfangen und wo genau sie aufhören (denn auf der Strava Karte sieht man ja nicht wo die Dinger genau liegen), habe ich etwas länger durchgezogen. Die sind eh schon verdammt lang angesetzt gewesen, eher 400m als wie angekündigt 200m lang, so dass da weniger Sprint als Beissen angesagt war. Mit 34 s und 40er Schnitt wurde ich da immerhin noch 8. – auch nicht schlecht. So langsam hätte ich eine Bewerbung für die Rg Bremen schreiben können.

Mit gutem Rückenwind ging es nun raus Richtung Buchholz. Unterwegs kam mir ein Rennradfahrer entgegen den ich nicht kannte. Der kam mir dann später noch einmal entgegen, ich konnte den später aber dann nicht bei Strava, noch bei den Fly-bys finden. So wie der da rum-eierte denke ich mal, dass er einen dieser seltenen Momente im Leben hatte, in dem er entschied seine Aufzeichnungen später nicht auf Strava hochzuladen. Warum eigentlich, ist doch total egal, ob man da gut fährt oder nicht. Hauptsache man hat Mumm und zieht das ganze durch. Außerdem fand ich das auch doof, da ich ja an sich nicht Letzter werden wollte.

Nachdem ich jetzt schon über eine Stunde unterwegs war, dachte ich mir, es wäre doch eine gute Idee einen Schluck Wasser zu trinken. Ich griff nach unten in ein Loch, das schwärzer war als ein schwarzes Loch. In diesem schwarzen Loch war meine Trinkflasche verschwunden. Und durch dieses schwarze Loch fiel sie dann genau auf den Küchentisch bei mir zuhause, wo ich sie fand, als ich zurück nach Hause kam. Seltsam. Dann auch besser keine trockenen Müsliriegel essen? Dann stellte ich fest, dass ich diese zuhause hatte liegen lassen – super, dieses Problem stellte sich somit auch nicht.

Die Frage war nur, ob ich drei Stunden ohne Energie und Wasser durchhalten würde.

Aber hey, wenn ich schon eine Stunden gefahren war, dann würde ich auch noch zwei durchhalten, oder? Also sprintete ich von Dipshorn am 3. Ortsschild nach Wilstedt rein, mit unglaublichen 30 km/h. Wow. Das konnte ja lustig werden.

Es ging nun raus nach Vorwerk und über Bülstedt wieder rein nach Wilstedt. Am Vortag, mit dem Wind richtig im Rücken war ich da noch richtig schnell gefahren, aber jetzt war da einfach nur noch überleben angesagt. Zum Glück hatte ich noch genug Energie und 4 von 6 Sprints hinter mir.

Es ging jetzt raus Richtung Dipshorn und dann von Vorwerk rein nach Wilstedt. Diese Strecke war ich noch nie gefahren und ich hatte keine Ahnung wo das Ortsschild ist. Entsprechend spät zog ich an und entsprechend schlecht war die Zeit. Und spätestens jetzt hatte ich auch keine Power mehr – dummerweise kam aber jetzt noch ein Sprint voll gegen den Wind, von Buchholz rein. Boh, das war so peinlich, darüber möchte ich nichts schreiben.

wind

Aerokinn

Nachdem ich jetzt das Sprintprogramm erledigt hatte, musste ich mich nur noch nach Borgfeld retten. Die ganze Zeit hatte ich diese Vision von einer riesigen Colaflasche am Horizont vor mich, die nie näher kam, auch wenn ich schon seit gefühlten Stunden ihr entgegen fuhr. Man war ich froh, als ich endlich beim Rewe in Borgfeld rein konnte und mich mit den schlimmsten Ernährungsfallen und Getränken eindeckte, die diese Welt zu bieten hat.

Am Ende machte ich den 9. Platz (von 10 Teilnehmern), da sind ja noch mehr gefahren, aber was ich so gehört habe, haben sich da ja einige „verfahren“ oder „das Navi ging auf einmal kaputt“, so dass wohl nicht alle Ergebnisse hochgeladen wurden. Ist ja auch egal, ich war froh das getan zu haben.

Nachgang: Battle of Okel (BOO)

Super Idee von Schnippo. Und gute Ideen werden natürlich gleich in Serie kopiert. Daher mein Vorschlag für Samstag den 11. April: Battle of Okel:

Battle of Okel

Strava Route

Im Gegensatz zu Sprints auf Wilstedt sind hier fünf der fiesesten Anstiege zu fahren, die Bremen und umzu zu bieten hat, darunter der Krusenberg und der Okeler Berg.

  1. Krusenberg auf Strava
  2. Syke – Osterholz auf Strava
  3. Syke Golfplatz auf Strava
  4. Okeler Berg auf Strava
  5. Syke Schnepke auf Strava

Insgesamt müssen auf der 70 km langen Strecke krasse 300 Höhenmeter zurückgelegt werden, davon 200 Hm unter Battlebedingungen – im Profil sieht man ja schon gut wie unglaublich hart das werden wird – sieht aus wie die Sella Runde.

Sellaronda Bike Day: Die Pässe gehören den Radfahrern – Südtirol News

Der Gewinner und die Platzierungen werden ermittelt unter allen Teilnehmern die am 11. April den gesamten Kurs fahren. Dabei werden die Zeiten alle 5 Anstiege addiert und daraus der Gewinner und die Platzierungen ermittelt.

Falls das Wetter an dem Tag nicht mitspielt werden wir das ganze verschieben.

Und wer bastelt schon an der nächsten Battle für den 25. April ?

Die schönsten Rennradziele in Italien und Spanien

Blick auf Okel vom Golfplatz aus (Serviervorschlag)

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