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RTF. Das Delmenhorst Syndrom.

Eine RTF bietet dem ambitionierten Hobbyrennradfahrer die Möglichkeit sich einmal über 20 km völlig auzupowern und an seine Leistungsgrenzen zu gehen. Am Anfang natürlich. Am Ende plaudert man dann entspannt in der Gruppe und rollt das Ding nach Hause.

Delmenhorst, hört man diesen Namen, woran denkt man dann? Als ich am Tag vorher meinem Sohn sagte, dass ich am nächsten Morgen an einer RTF in Delmenhorst teilnehme meint er nur: „Ich habe letztens eine Statistik über Mordraten in Deutschland gesehen. Das war so eine Karte in grün, gelb und rot. Delmenhorst war da tiefrot. Pass auf Dich auf.“ Das ist aber Fake-News, der Spiegel zeigt, dass man in Delmenhorst sicherer lebt als zum Beispiel in Bremen. Meinem Sohn werde ich nun empfehlen nachts auf die Discomeile in Delmenhorst zu gehen. Wenn es so etwas gibt. Ansonsten ist Delmenhorst ein beschauliches Städtchen. Eine Bildersuche mit Google ergab unter anderem die folgenden Treffer:

An der Inkoop-Baustelle an der Oldenburger Straße hat es am Mittwochnachmittag einen schweren Unfall gegeben. Foto: Andreas Nistler

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Ich denke diese Impressionen geben einen guten Überblick, was den Fremden in Delmenhorst erwartet, wenn es schon nicht Mord und Totschlag ist.

Die RTF in Delmenhorst, ausgerichtet von dem rührigen RSV Urania Delmenhorst (internationaler Partnerverein ist übrigens Plutonia Pyöngjang: Städte die sich gegenseitig an Schönheit überbieten), ist eine der schöneren in der Umgebung von Bremen. Dieses Jahr bin ich sie zum 5. oder 6. Mal mitgefahren. Sie hat ein paar große Vorteile:

  • Die Anreise aus Bremen ist kurz und mit dem Rad.
  • Sie führt sehr schnell aus Delmenhorst hinaus in die Geest.
  • Man kann sich auf der Strecke entscheiden, ob man 80, 120 oder 155 km fahren möchte.
  • Am Ende fährt man nur kurz wieder nach Delmenhorst rein.

Aber auch einen großen Nachteil, denn die RTF ist traditionsgemäß schlecht ausgeschildert. Ich bin da noch nie 80, 120 oder 155 km gefahren, sondern immer 90, 133 oder 180, je nachdem wie viel ich mich verfahren hatte.

Da ich ja dieses Jahr durch Lüttich-Bastogne-Lüttich sehr gut vorbereitet war, musste ich am Abend vorher etwas gegen meine gute Vorbereitung tun, damit ich im Feld nicht weiter auffalle. Zufällig war ich zu einer Party der Absolventen meiner Hochschule eingeladen. Nach Steaks und Würstchen, vielen kleinen Bierchen redete ich dort ziemlich viel Mist; vermutlich, denn so genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Den Weg nach Hause habe ich auf dem Rad im Regen zurückgelegt und auch daran habe ich kaum eine Erinnerung. Woran ich mich allerdings sehr gut erinnere ist, dass fünf Stunden später der Wecker klingelte und ich zunächst glaubte, dass Körper und Kopf voneinander getrennt worden wären, denn der eine tat nicht was der andere ihm befahl.

Zum Glück kam Hannes vorbei und wir radelten los um uns mit den anderen Bremern am Subway in der Pappelstrasse zur gemeinsamen Anfahrt nach Delmenhorst zu treffen. „Früher“ war da, wo heute das Subway haussiert, Radsport Schröder.

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Serviervorschlag

Traditionsgemäß wurde nun dort zunächst ein Kranz niedergelegt („Den Opfern des Radsportes“), traurige Lieder angestimmt („An einem Rädlein helle“; „Beim Schröder vor dem Tore“) und viel Mist geredet bevor unsere große Gruppe mit Trommeln und Pyro sich aufmachte Richtung Delmenhorst.

Angekommen entdeckten wir viele bekannte Gesichter, unter anderem auch den Jungen, den ich bereits beim letzten Mal kennengelernt hatte. Der verkaufte mir ein Salamibrötchen und eine Cola. Für €1,50 – das gibt es eben nur den den RTFs die vom Verein organisiert werden. Da waren auch wieder die Fahrer der SG Stern, denen wir bereits eine Woche früher bei der Bremer RTF hinterhergefahren waren. Da waren Karin und Torsten die ich eine Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte (nicht weil sie in Delmenhorst wohnen), Jan, Lars, und und und. Das konnte ja lustig werden.

Zunächst einmal stellten wir uns aber an den Start. Da wir bereits ziemlich spät waren, fanden wir nur einen Platz im Mittelfeld. Die Stimmung war prächtig, Rennradfahrer bis zum Horizont, teilweise hinter Hecken und sonstwo.

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Am Start. Vorne die üblichen Verdächtigen.

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Prächtige Stimmung am Start. Siehe Andi (ganz links)

Es ging gleich zackig los. Also wie immer, bereits nach 100 Metern waren die ersten Löcher gerissen. Hannes und ich wollten eigentlich wieder bei den Sternen mitfahren, aber die hatten wir bereits ganz zu Anfang verloren. Ich versuchte uns nach vorne zu fahren, aber der Gegenwind und der Schädel hatten etwas dagegen. Bereits nach ein paar Minuten brach ich total ein. Hannes übernahm dann die Führung, aber ich konnte nicht folgen, so wenig Kraft brachte ich auf die Strasse. Es war echt schlimm, ich war über-vorbereitet.

So langsam bildete sich dann doch ein Gruppe von vielleicht 20 – 30 Fahrern und wir saussten raus aus Delmenhorst, fast immer gegen den Wind und richtig schön anstrengend. Wir waren schnell, aber nicht extraschnell und trotzdem war es irrsinnig anstrengend für mich. Ab und an machte ich an der Spitze etwas Führungsarbeit, aber ich musste mich wirklich zurückhalten. Wäre ich ein Rad, ich hätte nun geknarzt.

Peinlicherweise hatte ich schon wieder Probleme mit dem Material. Ich hatte extra mein knarzendes Canyon zuhause gelassen und mich mit dem lahmeren Basso Fior di Loto begnügt. Das ist eins von zwei Rädern, die nicht mit SPD Klickpedalen, sondern mit SPD-SL Klickpedalen ausgerüstet ist. Da ich das recht selten benutze hatte ich mir keine Gedanken über die Schuhe gemacht, zu mal ich ohnehin zwei paar SIDI habe, eins sehr alt und eins alt. Aus Versehen zog ich aber das sehr alte Paar an und da waren die Cleats nicht mehr im besten Zustand. Mitten auf freier Strecke, als ich in den Wiegetritt ging, klickte ich aus dem Pedal aus, trat auf die Strasse und musste einige Verrenkungen machen um mich nicht flach zu legen.

An einem T-Stück zeigte der Pfeil des Ausrichters nach links, aber viele waren sich sicher, dass wir nach rechts abbiegen sollten. Chaos. Schließlich entschieden wir uns dem Garmin und den Ortskundigen zu vertrauen und fuhren rechts weiter, was sich als die richtige Entscheidung herausstellte. Viele andere, unter anderem der schnelle Trupp vor uns, hatte sich aber für die falsche Richtung entschieden und kam deshalb an der Verpflegungsstation nach uns an. Warum das so kam weiß kein Mensch. Es könnte ein Versehen des Ausrichters sein, oder vielleicht hatte jemand das Schild auch umgehängt, wer weiß das schon. Tatsache ist aber auch, dass diese kleinen roten Pfeile mit gelber Spitze sehr schwer zu sehen sind. Man erkennt den Pfeil, braucht aber noch einige Zeit um die Richtung festzustellen. Und teilweise waren die Pfeile sehr spät vor den Abzweigungen festgemacht, so dass es zu scharfen Bremsungen im Feld kam. Das könnte und das sollte besser werden.

Da wir eine der wenigen, schnellen Gruppen waren, die die richtige Abbiegeentscheidung getroffen hatten kamen wir dann auch als erste an der Station in Colnrade an. Die schnelle Gruppe kam vielleicht 5 Minuten später, hatte einen dicken Hals und fuhr fast geschlossen an der Station vorbei (Auf Strava kann man gut nachverfolgen, wie sie etwa 10 Minuten Zeit verloren haben). Nach ca. 45 km muss man ja auch nicht unbedingt eine Pause machen. Wir bildeten dann eine kleinere Gruppe von vielleicht 20 Fahrern und machten uns auf und hinterher auf die 120 km Schleife. Dabei waren auch Kai Pi und Balacz, ersteren kenne ich schon sehr lange, zweiteren seit letztem Samstag. Und auch Lars. Ich wollte nun mit meinem iphone ein paar coole Photos machen, aber alles was mir aus Versehen gelang war dieses hier.

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Wie man sehen kann, habe ich mein sehr schickes Positivo Espresso Outfit an.

Die Gruppe passte ganz gut zusammen. Wir sammelten unterwegs noch zwei Fahrer auf, die aus der schnellen Gruppe gefallen waren, unter anderem einen Fahrer von der SG Stern der so aussah wie der Sportler unten heißt.

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Nein, nicht Kevin. So kann man nicht aussehen.

Das Klima in der Gruppe wurde nun immer besser, etwas das aus der Psychologie als „Stockholm Syndrom“ bekannt ist, oder meinetwegen auch als Delmenhorst Syndrom. Irgendwie ist alles zu schnell und zu anstrengend, aber man weiß auch, dass wenn es noch viel anstrengender wird und länger dauert, wenn man aus der Gruppe herausfällt. Deshalb entwickelt man eine Hassliebe für die Tempobolzer vorne an der Spitze.

Der Norddeutsche an sich und der Langstreckenfahrer im besonderen gilt ja allgemein nicht so als sehr offen und gesprächig (vgl. Horst Delme: „Der Norddeutsche – Aufzucht, Hege und Pflege“) im Gegensatz zum Rheinländer, aber bei einer RTF merkt man doch sehr deutlich, wie sich die Atmosphäre in der Gruppe langsam ändert. Am Anfang ist es sehr still, keiner sagt etwas, alle schweigen oder hecheln, denn bei 45 km/h ist es für die meisten von uns auch schwierig Konversation zu machen. Doch mit der Zeit beginnen die ersten Smalltalks. Der eine oder andere murmelt: „frei“, wenn eine Straße gekreuzt wird, oder flüstert „rechts“ wenn nach rechts abgebogen werden soll. Nach ca. 100 km sagt auch mal jemand „Vorsicht“, wenn ein Mähdrescher in voller Breite entgegenkommt, oder eben ein Haufen Fußballfans aus Dresden. Am Ende ist die Stimmung dann bereits orgiastisch. Man steht virtuell auf den Tischen und schreit „FFFREEEEIIIIIIIIII“ oder „AUUUTOOOOO VONNN VOOOOORNE !!!!“ in einer nicht für möglich gehaltenen Lautstärke. Hier verliert der Nordeutsche alle Hemmungen und geht in der Gruppe auf.

Ich klippte versehentlich noch zwei Mal aus. Beim zweiten Mal war es in einer Kurve in Colnrade, ich war gerade im Wiegetritt und steuerte auf einen Bordstein zu. Zum Glück war der Winkel recht flach, ich knallte mit der Pedale dagegen, das Rad fuhr durch den Impuls nun vom Bordstein wieder weg und ich konnte wieder einklicken. Das war aber sehr knapp.

So kamen wir geschlossen zum zweiten Mal an den Verpflegungspunkt.  Nach einer kurzen Pause entscheiden Hannes, Kai, Balacz und zwei andere aus unserer Gruppe, dass wir die 155 km in Angriff nehmen wollten. Wir fuhren los, aber ich schaffte es nicht in mein rechtes Pedal einzuklicken. Der Cleat war jetzt total hinüber. Also zogen Hannes und ich die Konsequenzen und machten uns auf den Heimweg. Bislang war ja noch nicht wirklich etwas passiert, aber ich wollte unser Glück auch nicht strapazieren.

Hier hatten wir nun endlich Rückenwind und kamen auch zu zweit gut voran. So langsam hatte ich den Alkohol aus meinem Körper rausgeschwitzt und funktionierte wieder einigermaßen normal. Hannes und ich wechselten uns vorne ab, überholten die eine oder andere Gruppe bis wir an die Stadtgrenze von Delmenhorst kamen und dort von einer anderen Gruppe im Ortsschildsprint überholt wurden. Und dann war die RTF und somit 120 km auch wieder vorüber. Wir hatten uns nun wirklich Bratwurst, Ziwi, Kaffee und Kuchen verdient.

Strava

Das übliche Gequatsche danach, ich war froh das sich es geschafft hatte denn Körper und Material hatten heute eigentlich etwas dagegen. Und hey, da war ja auch der Typ von der Selfiebox, vom letzten Wochenende.

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Auf dem Jersey ist ein perfekter Kreis abgedruckt.

 

Jörg war da, später kam auch Silke rein und wir fuhren alle zusammen wieder zurück nach Bremen. Das Ende der Giro d’Italia Etappe habe ich noch so halb mitbekommen, die Bundesliga aber so gar nicht mehr. Macht nichts.

Hannes hingegen hatte anschließend mit seiner Familie noch „Die lange Nacht der Museen“ vor sich. Ich denke Sport und Kultur sollten in umgekehrter Reihenfolge abgefrühstückt werden.

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Rad am Ring 2014. Teil Eins: Like! Like! Like! lol

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Rad am Ring ist neben den Cyclassics in Hamburg und dem Velothon in Berlin eines der größeren Rennradsportereignisse in Deutschland. Zeit daran teilzunehmen. 

Wie sieht die typische Erwartungskurve eines Radrennens aus an dem man plant teilzunehmen? Nun, zuerst, also Monate vorher freut man sich sehr und erzählt es allen weiter. Wochen vorher, wenn es an die Details geht, stellt man fest, dass ausgerechnet an diesem Wochenende der Geburtstag der Ehefrau liegt und man nur hoffen und beten kann, dass man nicht auf Fotos auf facebook markiert wird, bzw. später einen riesigen Aufwand hat all‘ diese Markierungen wieder zu löschen. Zu diesem Zeitpunkt hat man auch schon die Startgebühr bezahlt, je höher diese ist, umso schlechter ist die Wettervorhersage für den Renntag. Und irgendwie ist es ja auch ziemlich bescheuert, 24 Stunden lang mit drei anderen auf einer 25 km im Kreis zu fahren und dabei jedesmal 580 Höhenmeter zurückzulegen. Weil man ja leider nicht genug trainiert hat. Bei mir kommt dann ein paar Tage vorher der Punkt, wo ich mir wünsche entweder beide Beine zu brechen, oder spontan von islamischen Milizen nach Aleppo verschleppt zu werden.

Dann fährt man das Renn, es macht auch Spaß und ganz am Ende ist man doch auch froh, dass es vorbei ist. Das ist nun mal wirklich anstrengend und auf keinen Fall macht man so einen Scheiß im nächsten Jahr noch einmal mit.  Heute, vier Tage nach dem Rennen war das natürlich ein Superereignis und klar, nächstes Jahr wieder, immer, gerne. Wie schaffen wir es eigentlich dies alles tatsächlich und ernsthaft zu glauben? Doch alles der Reihe nach.

Die Vorbereitung

Wir hatten mit Sylvie, Björn, Andreas und mir recht schnell ein Team (Fixed Beards Bremen) zusammen; dazu kam ein weiteres mit Silke, Torsten, Philipp und Michael aus Köln (Fixed Beards Delmenhorst , glaube ich). Dann machten wir erst einmal eine Vorbesprechung an der Schlachte, um alles gut zu planen, mit dabei auch Karin und Harald. Andreas hatte so etwas ähnliches wie einen Beinbruch, fiel sportlich aus, war aber netterweise trotzdem bereit mit uns zu fahren und wurde durch Jessica körperlich ersetzt. Das Treffen wurde vorbildlich mit Agenda und Actionliste von Karin organisiert und es wurden viele Fragen besprochen. Neben den besonders wichtigen (wer fährt mit dem Auto runter, wer nimmt wen mit, usw.) auch die ganz besonders wichtigen Fragen (Kräutersteak oder Pute für den Grill, Anzahl der Rostbratwürstchen im Verhältnis zu den Nürnberger Würstchen, Farbe der Isomatte in der Teamabstimmung etc.), also Dinge die ernsthafte Erwachsene eigentlich den ganzen Tag lang beschäftigen sollten. Die weitere Abstimmung fand über facebook chat statt. Hier wurden im präzisen Dialog der Teilnehmer weitere Entscheidungen getroffen und schriftlich fixiert. Anbei ein paar besonders wichtige im Faksimile, die uns letztendlich dabei geholfen haben fast zu gewinnen:

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Ich glaube, insbesondere die unten dokumentierte Entscheidung über die richtige Komposition des Nudelsalats, insbesondere unter Ernährungspsyschologischen Gründen war eine sehr gute. Für mich war die Konsequenz, dass ich möglichst wenig in facebook geschaut habe, sämtliche akkustischen Signale an meinem PC auf stumm stellte und mir wenige Tage später ein Zelt kaufte. Ja, ich weiß, ich gehöre noch zu einer Generation, die die erste Versuche im Schreiben mit Gänsekiel und Tintenfäßchen auf Büttenpapier von Gohrmühle begonne hat. Eine Generation die noch weiß, dass die Anzahl der weißen Lilien im Blumenstrauss von Fleurop an die Dame des Herzens übermittelt, die Stunde des nächsten heimlichen Treffens  anzeigt, die roten Rosen jedoch der Code für den Ort sind. Die gelben dann stellen die Frage nach der Treue. Douglas Adams, wieder so ein Typ der zu meiner Jugend sehr cool war und den nun Englischlehrer, die in meiner Jugend so jung waren wie ich, Ihren verzweifelt gelangweilten Schülern zum lesen aufzwingen, sagte einmal:

I’ve come up with a set of rules that describe our reactions to technologies:
1. Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works.
2. Anything that’s invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it.
3. Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things.”

Fazit: Ein komplexes Ereignis wie Rad am Ring mit ca. zehn Personen auf facebook abzustimmen ist hoffnungslos. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass es auch sonst hoffnungslos ist. Am Ende gaben wir alle auf, liessen Karin machen und das war auch gut so.

Björn und Jessica holten mich am Freitag nicht ganz um eins ab und wir fuhren dann zu Silke. Björn relativ großer Benz war mit unserem Zeuch schon komplett voll, aber zum Glück würde Silke ja nicht so viel Gepäck haben und den Rest sollten wir doch locker bei Torsten in den Wohnwagen bekommen. Im Wagen von Björn lagen merkwürdige Dinge: Gleich zwei Kühlboxen, dicke und schwere orange Kanteisen deren Verwendungszweck sich mir entzog, Kistenweise Vilsa Mineralwasser und Cola (jeder von uns hätte sich locker eine Kiste an das Rad schrauben können) und viele andere Dinge von denen ich nicht unbedingt der Meinung bin, dass man sie auf eine Reise mitnahmen muss. Silke überraschte uns dann mit einer Monstertasche, und zwar der von der Transalp. Udn als wir dann bei Torsten ankamen, überraschten uns alle damit, dass auch der Wohnwagen mehr oder minder komplett beladen war. Wir hatten unheimliche Menge von „Zeug“ dabei. Wäre meine Frau dabei gewesen, hätte sie noch einen 10 kg Sack japanischen Reis zugepackt, aber vielmehr hätte ihr auch nicht mehr einfallen können. Es war, als wenn wir damit rechneten, dass nun am Samstag Deutschland atomar ausgelöscht wird und wir nun auf uns alleine gestellt für ein Wochenende überleben müssen, bevor wir von Suchmannschaften des ADACs gerettet werden (sofern wir dort noch Mitglieder sind).

Dann ging es los: Karin mit Torsten und Philipp im Delmenhorst-Hummer und Wohnwagen; Silke, Jessica, Björn und ich im dicken Benz, Andreas, Sylvie und Harald im schicken Benz. Und kaum waren wir richtig im Schwung auf der Autobahn gab es bereits die erste Pause bei McD. Denn OBWOHL wir so saugut geplant hatten und OBWOHL wir mehr Nahrungsmittel an Bord hatten als im Jahr in Burundi geerntet werden, hatten wir alle vor lauter Aufregung nichts gegessen, nicht ans Essen gedacht und sind blauäugig einfach ins blaue gefahren. Ich finde McD auch doof. In Deutschland gibt es wesentlich bessere Restaurants in denen man gut essen kann, z.B. Wolfgangs Bierstube auf dem Weg nach Adolfsdorf (das ist kurz vor Schlußdorf).

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Na ja, vielleicht ist das rote M doch ganz OK.

Und ehe wir uns versahen waren wir in der Eifel. Die Eifel erkennt man daran, dass man zunächst, aus bremischer Sicht, den Rhein überqueren muss, was bei mir als geborenen Rheinländer immer heftige heimatliche Emotionen auslöst, um sich dann nach einer Weile in den Bergen wieder zu finden. Als Bremer ist man geneigt zu denken, dass Berge etwas sind was wir in den Alpen finden, wie etwa den Tourmalet oder den Ventoux und was verdammt weit weg ist. Es gibt eine Ausnahme, und das ist der Harz aber das ist eine in ihrer Art unnatürliche, sehr kleine und sehr merkwürdige Ansammlung von größeren Erhebungen in gerade noch bahnläufiger Entfernung. Aber sonst beginnt, nach bremischer Ansicht, hinter dem Harz wieder das flache Land und ziegt sich runter bis nach Sonthofen, wo dann in etwa die Alpen beginnen (das muss so sein, weil dort die Transalp startet).

Jedenfalls sind die Hügelchen in der Eifel schon sehr erhaben und auch sehr furchteinflössend. Mir war nicht ganz neu, dass Formel Eins Strecken nicht unbedingt alle im flachen Land gebaut sind. Ich bin zweimal Rennen auf dem Fuji Speedway Formula One Track in Japan gefahren. Einmal ein professionelles Rennen, von dem es ein prima Video gibt, dass man sich unbedingt einmal ansehen sollte, wenn man nicht weiß wie Pro Rennen in Japan wirklich sind. Man beachte die Highspeed Position eines Fahrers bei etwa 4:38 min, nur wer von unten an den Korb fasst schafft die Schallmauer.

Da andere Mal bin ich bin dort mit Alain ein Jedermann Rennen gefahren bei dem wir sogar den dritten Platz gemacht haben. Alain ist so ziemlich der technisch beste Radfahrer den ich je kennengelernt habe; nach eigenen Angaben war er einmal Meister der französischen Studenten. Er hat mir aber immer verschwiegen, ob das auch in Frankreich war oder in der Mongolei.

An das Rennen kann ich mich gut erinnern, es war einer dieser scheiß-heißen Tage in Juli im Japan und ich dachte dass wir uns als Zweimanteam bei einem 3 1/2 Stunden Rennen fahren würden, immer schön abwechselnd, Alain ein bisschen mehr da sowieso besser als ich. Ich hatte einen bequemen Sessel mit und eine kleine Wasserflasche mit und freute mich auf ein paar vergnügliche Stunden. Dann fanden wir heraus,. dass wir immer alle beiden fahren müssen und dass unsere Runden und Zeiten addiert werden. Vorbei schöne Zeit. Irgendwie habe ich das überlebt und jetzt, etwa 6 Jahre Später, würde ich das natürlich immer wieder genauso machen. Man kann aber schön sehen, wie meine Leistung über die Zeitdauer des Rennens in den Keller geht.

Je näher man dem Nürburgring kam, umso seltsamer wurde auch die Auswahl von Geschäften am Wegesrand. Gab es in einem Dorf noch ’nen Lidl, ’nen Aldi und ’nen Netto, waren im nächsten an sich nur noch Ferrari, Aston Martin und Moto Guzzi Händler. Und dann waren wir auch schon am Ring, der eben erstaunlicherweise mitten im Wald und irgendwie in den Bergen lag. Torsten führte und zu unserer Parzelle. Die war anders, als die Parzellen von Campingplätzen außerhalb des Rings.

Außerhalb gab es schöne Campingplätze mit großen Wiesen und Blick auf den See oder Fluss, hier war alles winzig und klein und zugebaut von anderen Radteams. Also mussten wir richtig gut überlegen, wo wir unseren Wohnwagen, unser Sumo-zelt für Frauen, die beiden Einzelzelte, die beiden Pavillons bauten und dann auch noch drei Autos dazu parkten. Aber irgendwann hatten wir es dann geschafft und sassen mit einem Bier in der Hand, einem Lächeln im Gesicht und einer riesigen Schüssel Nudelsalat vor uns am Tisch und chillten gemeinsam. Nun wurde auch klar, wofür diese orangen schweren Eisenteile waren, das war ein Teil des riesigen Fahnenmastes den mir mit hatten und an dem zunächst die Bremer Speckflagge und später auch der flandrische Löwe im Wind flatterten.

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Wir hatten die größte Fahne überhaupt. In diesem Moment, als es langsam dunkel wurde, und die Kieler Nachbarn neidisch auf unsere Fahne schauten, da umwehte als alle ein Hauch von Stolz und Ehrfurcht vor den Aufgaben die am nächsten Tag auf uns zukommen würden. Würden wir als Bremer (Delmenhorster) Team zusammenhalten oder einbrechen? Würden wir gute Rundenzeiten hinlegen? Würden wir es schaffen uns auf Dixieklos mit einer Hand die Nase zuzuhalten und mit der anderen den Hintern abzuwischen ohne dass der Haustürschlüssel in die Scheisse fällt? Das waren so ungefähr die Gedanken die jeden von uns bewegten bevor wir uns in die Schlafsäcke rollten und die Augen schlossen.

Demnächst mehr.

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Fahrt in den Tod

Heute morgen war ich mächtig aufgeregt, die große Sternfahrt, das erste Leistungsmessen der Saison stand an.

So gegen 10 Uhr hatte sich bereit die halbe Rennradwelt Bremens vor den Messehallen versammelt. Viele bekannte Gesichter: Blitzrad, Karin, Torsten, Björn, Andreas, Olli, Silke, Harald ,Torben, Andi, Dino, Olmoista und andere ich ich seit Beginn des diesmal nicht so langen Winters gesehen hatte. Und viele andere die ich schon mal gesehen habe, deren Beiträge ich im Rennradforum oder facebook kommentiere und von denen ich keine Ahnung habe wie sie heissen. Ich hatte mich für die Gruppe 30+ angemeldet, stellte dann aber mit Erschrecken fest, dass sich diese Zahl auf die Geschwindigkeit und nicht auf das Alter bezog. Zum Glück war ein Wechsel in die 25+ Gruppe in der alle fuhren die ich kannte als unkompliziert heraus. Es begann mit einem „Peptalk“ von Bernd Rennies, der über das Thema „Sicherheit auf dem Rad“ referierte. Es hatte in etwa den Charme einer Sicherheitsunterweisung im Flugzeug. Man weiß schon was gesagt wird, liest in der „Gala“ weiter, knappert an den Nüssen und nippt vom Champagner, während die Stewardess die Schwimmweste anzieht und zu blasen beginnt.

Und dann ging es schon los, die wilde Fahrt. In unserer Gruppe waren wir vielleicht so um die 30 Radler und das Tempo war definitiv noch nicht einmal 25+ als wir uns auf den Weg heraus aus der gr0ßen Stadt machten unter strahlend blauem Himmel und wirklich sehr angenehmen Temperaturen. Es dauerte eine nette Weile bis wir am Platzhirsch in die erste Bergwertung kamen, da hielt es dann fast keinen mehr zurück und wir versuchten allesamt als erste über die Autobahn zu kommen. Blitzrad begab sich dann in die Aeroposition um den Windschatten voll auszunutzen und neue Spitzenwerte auf der folgenden Abfahrt zu erzielen. Ja, es war nett und ich quatschte die ganze Zeit mit Karin, Björn und Torsten auf dem Weg nach Fischerhude. Als wir dort ankamen, waren die 30+ er bereits da, trauten sich aber an der Lindenlaube nicht Eis zu essen. Ich denke, dass ist so eine Art Gruppenzwang, man kann da ja nicht vor allen anderen ein Schokoeis essen – das geht gar nicht! Wie uncool. Das schreibe ich übrigens, nachdem ich meiner Tochter nun versprochen habe mit ihr gleich ins Venezia auf der Wachtmannstrasse zu fahren und das größte Eis zu kaufen, dass sie sich vorstellen kann. Übrigens hat es auch andere Vorteile in eine rgroßen Gruppe zu fahren: Man ist laut, fährt selbstbewußt, blockiert in vollem Recht die Strasse und macht Dinge mit einem Selbstbewußtsein, dass einem sonst fehlt. Da kam z.B. eine Gruppe von Motorrädern vorbei, die einen Sturm von Heiterkeit und Gelächter auslösten. Normalerweise bin ich da etwas stiller, vor allem dann, wenn die a) Harleys fahren, b) Enbleme mit Totenschädeln etc. auf ihren Lederjacken haben und c) Ketten und Morgensterne auf dem Gepäckträger befestigt sind. Aber 30 Radler nehmen es locker mit solchen Halbstarken auf. Könnte man meinen. Meine Erfahrung ist leider anders. Im September 1979 war ich auf meinem ersten Punk Konzert im Okie-Dokie in Neuss, es spielte die Berliner Gruppen Auswurf und Katapult, Musik, die die Geschichte bereits vergessen hat und zwar zurecht. Die lokale Rockergang La Cada hatte sich bereits angesagt, um uns alle zu vermöbeln. Leidtragende war erst einmal da Okie Dokie, denn in Erwartung der Rocker wurde das Mobilar zerstört und sich mit Stuhlbeinen bewaffnet, um Widerstand leisten zu können. Ich natürlich nicht, denn ich war Gymnasiast, Brillenträger und feige. Und dann kamen die Rocker wie angekündigt und eine Horde von vielleicht 200 Punks bekam von 20 – 30 durchtrainierten Rockern richtig eins auf die Nase. Mein Freund Martin, immer noch Sänger bei EA80 und ich flüchteten uns zunächst auf die Damentoilette und dann über ein Fenster auf das Dach des Okie Dokies. Von dort aus hatten wir einen wunderbaren Blick auf die Prügelei auf dem Vorplatz und die anrückende Polizei. Wäre das heute passiert, hätte ich da getwittert und Photos gemacht, damals war ich einfach froh, dass ich mit dem Leben davon gekommen bin.

Immerhin, die Hälfte er Strecke war vollbracht und ich fühlte mich bereits wie nach einem vollen Tag auf der Transalp. DAS Tempo war mörderisch. Es bedurfte meiner vollen Konzentration im 25er Schnitt in der Gruppe zu fahren und nicht zur Seite umzufallen. Stützräder wären heute wirklich gut gewesen.

Auf der Rückfahrt fuhr ich viel mit Andreas zusammen, der bei dem Höllentempo die aerodynamischen Vorteile seines Cervelos voll ausspielen konnte. Schwer da an seiner Seite mitzuhalten,, und so erzählte ich ihm den lustigsten Witz den ich derzeit kenne, um ihn aus dem Rhythmus zu bringen:

Es klingelt an der Tür, ein Mann macht auf, ein anderer steht vor der Tür und sagt:

Guten Tag, ich heisse Umberto und ich bin gekommen, um ihre Tochter zu ficken!

„Um was?“

UM B E R T O !“

Andreas fiel daraufhin prompt vom Rad und verursachte größere Auffahrunfälle hinter ihm. Ansonsten ist aber nichts passiert. Angesichts der Reaktion vieler Passanten glaube ich aber trotzdem nicht, dass wir uns mit dieser Tour in die Herzen der Bremer Bevölkerung gefahren haben, viele waren doch arg genervt von der großen Truppe. Ebenso erstaunlich war die Anzahl der Rennradfahrer die uns noch entgegenkamen (überholt haben wir bei dem Tempo logischerweise keine), ich hätte geschworen, dass jeder einzelne von denen bei uns mitfährt. Und dan nkamen wir an Aldi vorbei und kurz danach bei den genmanipulierten Schafen und schon waren wir wieder in der Stadt und zurück an der Messe. Ich wollte ja gerne noch einige Fahrer dazu bewegen am V MAX Cup teilzunehmen, in der Nähe unseres Hauses an der Hirchbachstrasse gibt es nämlich nun eine Geschwindigkeitsanzeige die man schön lange anfahren kann um richtig Speed zu machen. Dem schnellsten hätte ich dann eine Limo am Kiosk zur gelben Gefahr spendiert. Aber nein, alle waren total geschafft und der Platz vor der Messe bot ein ähnliches Schauspiel wie ein Truppenverbandsplatz während der Zeit der Napoleonischen Kriege. Oder war es Solferino? In diesem Takarazuka Musical ist die Stimmung nach der Sternfahrt sehr gut nachgestellt, leider aber auf japanisch.

Schöner Tach, Danke an alle die da waren und hier noch ein paar Bilder.

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Bernd Rennies bei Peptalk. Mit Security Guard.

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Vor der Abfahrt: Torben und Karin

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Andreas, Team Nutrixxion: UMMMBERTOOOO !

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Blitzrad, Björn, Pablo Escobar zbd Torsten

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Gruppenrasen auf der Parkallee

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Blitzrad, In Aeroposition überholt die bislang führende Else Obermayer (96)

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Kein Eis an der Lindelaube in Fischerhude

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Rückfahrt: Forsch nach Sagehorn in mörderischem Tempo

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Rückfahrt: Forsch nach Sagehorn

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Rückfahrt von vorne.

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Karin und die Versuchungen des Lebens

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Karin und die genmanipulierten Schafe

Ach so: Kamera ist kaputt, fokusiert nicht mehr richtig. Wer glaubte ich hätte alle Bilder mit Instagram bearbeitet liegt falsch.



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There goes the Currywurst: Osnabrück im Herbst. Teil I

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Manchmal, so wird gesagt, haben Menschen einen Traum, der ihr ganzes Leben verändert: Man ist dabei wie Jesus Christus gekreuzigt wird und heult Rotz und Wasser. Dann wacht man auf, geht in die Kirche und wird irrsinnig fromm. Oder man wacht auf, geht bei der Bundestagswahl wählen und schmeißt sich dann in Radklamotten, um nach Osnabrück zu fahren.

Ich glaube ernsthaft, dass es nach diesem Sommer besser ist noch mal schnell nach Osnabrück zu fahren und nicht fromm zu werden. Dieses Jahr konnte man die gemeinsamen Ausfahrten an den Fingern eines Sägewerkangestellten abzählen. In der Woche gab es fast keine gemeinsamen Ausfahrten, einmal waren wir zusammen im Harz, aber sonst? Dieser Sommer war echt mies und so mies er war, so schade ist es, dass er jetzt bereits wieder vorbei ist.

Umso erfreulicher für alle Bremer (und Delmenhorster!), dass Joerg eine Tour in Osnabrück und um Osnabrück herum organisierte zu der wir alle kamen. Das heißt, alle bis auf Olli und den Raben, die sich kurzfristig noch Erkältungen eingefangen hatten, Hennig, der sehr kurzfristig noch besoffen war und Jonas, der gar nicht kurzfristig einfach nicht konnte. Aber immerhin Silke, Karin, Torsten, Björn, Harald, Phillip, Joerg und ich waren dabei und um kurz vor zehn am Bahnhof. So viele von uns hatte ich lange nicht mehr auf einem Haufen gesehen.

Diese Tour stand unter dem Haupthema „Radfahren – aber richtig – korrekte Ernährung ist wichtig!“ und weiter unten in diesem Post werden ein paar Bilder zu sehen sein, die die Wichtigkeit dieser Aussage exemplarisch unterstreichen.

Richtige Ernährung fängt bereits lange vor der eigentlichen sportlichen Tätigkeit an; der Körper will gut auf die kommenden Strapazen vorbereitet sein. Es empfiehlt sich daher, bereits unterwegs im Zug mit der Rolle zu trainieren. Sehr gut eignen sich dafür die schwarzen Rollen von Haribo.

1309 Osnabrück HL 20Es ist mir vorher nie so klar gewesen, aber wenn jemand mit Vornamen Harald, auch „Harry“ genannt heißt, dann entwickelt man doch zwangsläufig eine Liebesbeiziehung zu Haribo Konfekt. Während, wenn jemand „Silke“ heißen würde, so wäre s ie vermutlich süchtig nach „Colorado“.

Eine Zugfahrt ist weiterhin auch gut dafür geeignet, sich psychologisch auf die bevorstehende Tour vorzubereiten; vor allem dann, wenn man Mitfahrer dabei hat, die noch nicht so oft mit dabei waren. Insbesondere dann sollte man im Abteil untereinander auf die folgende Art und Weise Konversation machen:

„Weißt Du noch, als wir vor drei Jahren im Harz waren und Benno bereits am ersten Anstieg sagte, ich glaube ich bleibe in Goslar, fahre ein wenig rum und warte bis ihr wieder da seid?“

Und dann alle: „Ha ha ha, hi hi hi, ja das war lustig.“

Oder: „Und dann schickte mir Matsche eine SMS und schrieb, dass er nicht mehr mithalten konnte und uns noch viel Spaß wünschte. Tja, wer sagt er fährt einen 35er Schnitt sollte halt nicht mit 25 mitrollen.“

Und alle: „Matsche – der hat echt einen an der Klatsche! Ha ha ha hi hi hi!“

Man könnte nun denken, dass wir fiese und gemeine Menschen sind. Aber so sehen wir uns nicht. Ich dachte die ganze Fahrt eigentlich nur daran, dass ich auf der Rückfahrt gerne eine Currywurst essen würde. Es ist manchmal seltsam, was uns antreibt und motiviert, aber gestern war es, die Aussicht auf eine Currywust die mich zu sportlichen Taten antrieb.

Als wir in Osnabrück dann endlich aus dem Zug stiegen war es noch kälter als in Bremen. Ich vermute, dass dies an der Hochgebirgslage des Ortes liegt. Es kann aber auch daran gelegen haben, dass Osnabrück einfach scheiß kalt war. Jedenfalls muss man dann schnell losfahren, damit einem auch schnell warm wird. Dementsprechend lag unser Tempo innerhalb von Osnabrück auch bei gefühlten und konstanten 40 km/h. So schnell waren wir nie wieder auf der ganzen Strecke. Die übrigens Jörg ganz hervorragend für uns ausgesucht hatte.

Hier ist die Tour

Wir durchquerten so manches schöne Industriegebiet in der Stadt der bibeltreuen Christen. Wenn mir das jemand im Zug erzählt hätte, na dann wäre ich doch in Ostcappeln ausgestiegen. Auch wenn der Regionalexpress dort eigentlich nicht hält – so voll hätte ich die Hosen gehabt. Schliesslich fanden wir einen Ausweg durch eine klitzekleine Unterführung unter der riesigen, Osnabrück umkreisenden Autobahn und schon waren wir in freier Natur. Das hatte allerdings auch eine ganze Weile gedauert. Phillip, der ja etwas jünger ist als viele von uns, war in dieser Zeit mal wieder etwas gewachsen und musste deswegen seinen Sattel auf eine höhere Länge adjustieren.

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 Wie man auf dem Foro gut erkennen kann, benötigt Philipp bereits bei einer normalen Rennradgeometrie eine Sattelstütze die aus speziellem, südafrikanischen Giraffenstahl gefertigt wird. Jetzt träumt er von einem gesloppten Rennrad aus dem Hause Specialized, etwa so:

Tatsache, ist aber dass  Philip auf diesem Rad etwa so aussehen würde, wie ich auf meinem Canyon mit gewreckter Sattelstütze bei der Adlerrunde im Harz. Was Philipp also eigentlich braucht, ist eine Blitzrad Version des Specialized Venge, etwa so:

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Leider gibt es noch kein Material auf Erden, dass für diese Art von Konstruktion geeignet wäre. Na egal, eigentlich wollte ich ja hier über die Tour schreiben. Ich denke, ich mache einmal morgen weiter, hier erst einmal ein paar Bilder:

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