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Velotörn Bremen 2017. 151. Platz

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Am Himmel öffnete sich kurz vor neun ein blaues Fenster, das erste seit Tagen, und erlaubte eine trockene und relativ windfreie Durchführung der 2. Auflage des Velotörn Rennens in Bremen. Ansonsten ging aber viel schief.

Als Mitglied des Wiegetritt Werkteams; wenn auch in der schwächeren Gruppe mit Olaf, Thorsten, Micha und Steen, konnte ich kostenlos an dem 55 km Rennen am Morgen teilnehmen und was nichts kostet ist ja bekannerweise auch nichts. Ich merkte das schon auf der Hinfahrt, wo ich mich abmühen musste noch rechtzeitig zur Akkreditierung zu kommen, aber irgendwie auch ein wenig lustlos und unmotiviert war. Kaum hat man mal was richtig gutes geschafft (Dritter in der Jahreswertung der offenen bremischen Kriteriumsmeisterschaften, später einmal mehr), lehnt man sich sofort auf den geernteten mickrigen Lorbeeren aus.

In den Tagen vor dem Rennen gab es im Laden ein paar Diskussionen, wie wir denn da taktisch fahren sollten. Unter anderem wurde gesagt, dass wir gejagt werden würden, da wir ja in der Teamwertung die Titelverteidiger wären. Ich denke mal, das dürfte so ziemlich jeder bis auf uns vergessen haben; aber wir halten natürlich noch die weiterhin mickrigen Lorbeeren über unseren Köpfe und rufen: „Seht her, schaut uns an, wie großartig wird sind.“ Dann wurde die Taktik bekanntgegeben: Am Start schnell losfahren, in die schnelle Gruppe ganz nach vorne kommen und dort bleiben, und dann im Sprint am Ende schnell an allen anderen vorbei.

Das ist eine sehr gute Taktik, die aber dummerweise drei Mal das Wort „schnell“ beinhaltet und die meisten von uns, mich eingeschlossen, können das nur ein oder maximal zwei Mal. Zum Glück waren im 2. Werksteam mit Leo, Jan und Lisa drei gute Fahrer die das schon für uns reisen würden. Eine pragmatischere Taktik ist einfach nur auf dem Rad zu bleiben und ins Ziel zu kommen. Die Planänderung von visionär auf pragmatisch erfolgt dann meistens während der ersten 500 Meter des Rennens.

Sehr gut gelang es uns dann aber im Startbereich ganz vorne zu positionieren, bei etwa 225 Teilnehmern. Das ist extrem wichtig, denn so ein Jedermann Rennen wird quasi am Start entschieden. Aus dem Mittelfeld kommt man nie nach vorne, irgendwann und sehr schnell reisst eine Lücke und das war es dann.

 

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Am Start war die Stimmung gut, neben uns standen die Jungs vom RCB und vor uns konnten aufgrund der Präsenz von Bernd Rennies noch ein paar Sixdays Mädels rein die ich dann im weiteren Verlauf nicht mehr gesehen habe.

Man steht dann immer so am Start eine halbe Stunde und wird kalt, während der Ansager versucht die Zeit zu überbrücken. Bei der letzten Bremen Challenge, 2014 war das ganz besonders schlimm, als wir fast zwei Stunden im Block sassen und Marcel Wüst Geschichten aus seinem Leben zum Besten gab. Diesmal war nicht Marcel Wüst, sondern C. Zeyfang, Leiterin des Sportamtes Bremen der Ehrengast und wurde vom Ansager zu allerlei Nichtigkeiten interviewt. Der Ansager stellte eine Frage, hielt das Mikro zu Frau Zeyfang und knipste es vermutlich auch in diesem Moment aus. Jedenfalls habe ich nichts gehört, immer nur den Ansager. Ich glaube, der hörte sich einfach nur gerne selber reden und konnte es nicht ertragen wenn andere Menschen etwas sagten. Ich bezweifle auch, dass das irgendjemandem außer mir auch nur aufgefallen ist, denn am Start sind alle nervös und haben kein Ohr für Frau Zeyfang.

Runterzählen bis zehn und los ging. Ich fuhr heute auf meinem „De Rosa“, da mein Canyon Positivo erste Zerfallserscheinungen nach sechs Jahren zeigt. Das De Rosa ist ein kleines Sensibelchen, vor allem die Schaltung. Und so wunderte es mich gar nicht, dass direkt beim Start auch schon die fürchterlichsten Geräusche von Kurbel und Schaltwerk kamen. Und ich so gar keine Power auf die Strasse brachte. Dann waren die Geräusche auf einmal weg – prima. Leider war auch meine Kette nicht mehr am Rad.

Also, abgestiegen, zurück, Kette gefunden auf der Strasse. Da hatte es sauber einen Nietstift rausgezogen. Schrott nun. Zurück zum Start bei Stadler am Zelt: Ein netter Mechaniker baute mir schnell eine neue Kette an das Rad, fluchte über die Schaltung und brachte mich wieder in Schwung. Das alles für lau.

Jetzt war ich wieder auf der Strecke und hatte die ganz für mich. Ich war mit Sicherheit auch Letzter, mindstens zehn Minuten hinter dem Vorletzten. Äh, wie war noch mal die Taktik? Ah ja, in die schnelle Gruppe rein und da drin bleiben.

Prima, denn als ich auf der Nordstrasse so lustlos vor mich hinfuhr kam schon die schnelle Gruppe in der 2. Runde von hinten an. Ich nahm Tempo auf und hing mich an die ran. Alles richtig gemacht. In der schnellen Gruppe waren auch Leo und Jan mit etwa 15 weiteren Fahrern, der Rest der Wiegetrittfahrer hatte erwartungsgemäß nicht den Sprung nach vorne geschafft. Die schnelle Truppe war verdammt schnell und ich hatte Mühe dort dranzu bleiben. Sie brachte mich aber über die volle erste Runde (die 2. Runde an sich) und dann auch noch weiter bis zum Ende der Nordstrasse. Ich hätte ja noch ein wenig länger drin bleiben können, aber weitere drei Runden häte ich auch auf keinen Fall durchgehalten und so liess ich mich rausfallen und fuhr wieder alleine weiter. Von hinten kam erst einmal nichts.

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Die Streckenführung war dieses Mal doch sehr unklar. So unklar, dass die Spitzengruppe in der ersten Runde sogar von den Führungsfahrzeugen falsch geführt wurde udn wenn man alleine fährt hat man teilweise so gar keine Ahnung wo es lang gehen könnte und fährt entsprechend vorsichtig. Es war quasi wie eine schlechte ausgeschilderte RTF.

Irgendwann einmal kam die zweite Gruppe von hinten, angeführt von Christian vom RCB. In dieser Gruppe waren von Wiegetritt auch Lisa, Steen und Thorsten und vom RCB neben Christian auch Matthias sowie ca 40 weitere Fahrer. Diese Gruppe war deutlich langsamer und ich fuhr die nächsten Runden mit denen durch. Dabei überundeten wir auch die erste Fahrer, so dass ich mich langsam aber sicher vom letzten Platz löste. Prima.

Schnell war die nicht, da konnte ich gut drinnebleiben und nochd ie Kräfte schonen für das große Finale. Ach ja, und für die Extrarunde die ich ja wohl hauptsächlich alleine fahren würde. Immer wenn es mit denm Wind ging fuhr ich weiter in der Gruppe nach vorne und bei gegenwind versteckte ich mich schön im Feld. Ich fühlte mich jetzt richtig gut und fuhr zu Christian in der Spitze  auf und sagte: „Hey. ich fahr Dich auf der Zielgeraden an!“ Undf dann ging ich in die Führung, damit Christian da mal endlich raus konnte, denn der fuhr fast nur vorne im Feld.  Christian sagte noch:“OK, fahr dann links raus, so dass ich rechts an Dir vorbei komme.“ Gebongt. So etwa 2 km vor dem Ziel fing ich an mich links unter den ersten zehn zu positionieren, um den Sprint gut anfahren zu können. Auf dem letzten Stück, wo es eine leichte Steigung gibt vor der Zielgeraden war ich fast ganz vorne, als die erste sinnfreieAttacke kam. Ich musste dann nach vorne, um das Loch für das Feld wieder zuzufahren. Dann kam die zweite Attacke von einem sehr starken Fahrer der RG Uni Hamburg die ich auch noch einigermassen kontern konnte, aber dann war die Luft raus. Ich fuhr weit links in die Gerade, spurte so halbherzig ins Ziel und machte mich, im Gegensatz zu allen anderen, auf eine weitere Runde.

Zumindest kannte ich jetzt den Kurs und würde mich nicht mehr verfahren. Ich überholte noch ein paar Gruppen, insgesamt 73 Fahrer und landete am Ende auf dem 151. Platz. 29,8 km/h ist auch keine schlechte Zeit, da die ja auch einen komplette Kettenwechsel und viel zeit alleine auf der Strecke inkludiert. Also nichts lief nach Plan aber am Ende war ich doch ganz zufrieden.

In der Teamwertung holte Wiegetritt den 1. und 3. und der RCB den 2. Platz. Es gibt dann noch eine PaveTeamwertung, bei der mein Team den ersten Platz holte, aber ich habe keine Ahnung worum es dabei geht.

Am Ende standen wir so rum und wollten uns unterhalten. Das ging aber leider fast gar nicht, weil eine Gruppe von Exilbrasilianern aus Wildeshausen Ihr Sambafeuerwerk abbrannte. Ich weiß nicht wer die engagiert hat, aber da war fast noch schlimmer als der einsame Saxophonspieler, der in der Regel bei Kunstaustellung tutend improvisierend durch die Räume spaziert.

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Samba do Wildos Hauso

Wir warteten auf die Siegerehrung, denn an sich waren wir ziemlich sicher, dass wir weit vorne landen würden. Der Ansager war unglaublich peinlich. Ein Mädel war dritte geworden und er fragte sie, was ihr an dem Rennen besonders gefallen hätte. Erwartungsgemäß sagte sie „das Kopfsteinpflaster“. (Diemsal konnte man sogar eine Antwort hören). Weil ja ein unheimlicher Hype um dieses Pflaster gemacht wird, was mich im Prinzip ja nur daran hindert schnell zu fahren. Und dann sagte er: „Du magst es also hart und dreckig, hehehhehe.“ Oh Mann, ich dachte ich schaue gerade eine Folge von Jerks.

Dann kam die Teamwertung. Wir mussten also nun auf das Podest. Taten wir aber nicht. Stattdessen standen da so total unsportliche Typen auf dem Podest die wir im Rennen nie gesehen hatten. Da hatte aber jemand einen dicken Fehler gemacht. Risen Aufregung bei uns, doch zum Glück hatten wir mit Olaf einen Anwalt dabei. „Los Olaf, mach was!“ Einstweilige Verfügung – oder wenigstens Wiederholungs des Rennens.“

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Olaf war ganz bei uns. Wenn es sei gemusst hätte, er hätte auch eine Wiederholung des 2. Weltkrieges erwirkt (Stalin war gedopt und Rosevelt hätte nicht ausgewechselt werden dürfen!). Und dann bekamen wir noch unsere Siegerehrung während bereits das 100 km Rennen lief und einer der großen und umstrittenen des Radsportes ein sehr versöhnliches letztes Rennen fuhr.

Was ich mir dann nicht mehr angesehen habe denn ich hatte nun Lust auf Pommes, Currywurst und zuhause. So jetzt noch die RTF Lauenau am nächsten Wochenende (sehr empfehlenswert), Anfang Oktober der Münsterland Giro mit 120 km und dann noch ein paar Tage Mallorca oder so und dann ist die Saison 2017 wieder vorbei.

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Noch ein paar Worte zum Velotörn:

Ich bin wirklich dankbar, dass jemand es in die Hand nimmt ein größeres Rennen in Bremen zu organisieren. Es gibt da noch jede Menge Verbesserunsgpotential:
Erstens war die Streckenführung nicht wirklich gut. Ich meine ist ja schön, das Bremen so arm ist und kein Geld hat seine Infrastruktur zu erhalten, aber Kopfsteinpflaster finde ich nicht unbedingt wichtig. Das ist kein Merkmal einer guten Strecke. Die Bremen Challenge hatte eine gute Strecke in den letzten Ausgaben über den Flyover am Hauptbahnhof und mit Schmackes durch den Rembertikreisel. Der Velotörn nutzt im Prinzip eine sehr ähnliche Strecke wie der City Triathlon und die bin ich nun so oft gefahren, dass ich in der Mitte ein Ortsschild mit „Wilstedt“ erwarte. Von den Strecken in Hamburg oder Berlin im Vergleich will ich gar nicht reden.

Die Organisation der Strecke war dieses Jahr nicht gut. Es gab sehr enge und gefährliche Passagen, teilweise waren da noch kurz nach Kurven geparkte Autos auf der Strecke und es fehlte einfach an Ausschilderung und Streckenposten. Ehrlich. Das muss besser werden.

Ach so: Und bitte weniger Ansagen und noch weniger Samba.

Bis zum nächsten Jahr.

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Velotörn Bremen. Teil I: World of Fixedcraft.

Anstatt schon wieder ein recht normales Rennradrennen von 100km auf der sehr langweiligen Strecke in der Überssestadt in Bremen zu fahren, entschloss ich mich beim Velotörn am Fixie Rennen teilzunehmen. 30 Runden gegen den Wind, über Kopfsteinpflaster, haarscharf an Barrieren vorbei und das Ganze auf einem scheiß-unbequemen Rad.

Ich weiß auch nicht, warum ich mir das alles in meinem Alter noch antue. Ich könnte ja auch Samstags lange schlafen, ein Auto waschen und dabei Bundesliga im Radio hören, und dann im Garten grillen. Stattdessen mache ich mich am Samstag Morgen auf den Weg in die Überseestadt, um die Rennstrecke de Velotörns zu erkunden. Zum Glück zeigt sich Bremen an diesem Wochenende von seiner allerschönsten Seite.

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Bremen, wo die Weser wie ein richtiger Fluss aussieht (also fast so wie der Rhein)

Die Strecke führt auf der Konsul-M-Schmitt-Strasse die Weser runter, macht dann eine S-förmige Linkskurve über recht fieses Kopfsteinpflaster und läuft dann parallel über die Kaje am Hafenbecken in die entgegengesetzte Richtung. Es gibt dann wieder eine schnell durchfahrbare S-Kurve auf die Konsul-M-Schmitt-Strasse, dann ca.200 Meter Gerade zum sprinten, bevor es nach ca. 1,1 km wieder ins Ziel geht. Wäre dies eine Autorennstrecke, dann vielleicht Daytona im 18.Jahrhundert – wegen  dem Kopfsteinpflaster.

Ich habe Familie, einen Job und wenn ich mich mit dem Rad hinlege, dann dauert es eine Weile, bis wieder alles verheilt ist. Konsequenterweise hat mein Fixie Bremsen. Was aber bei diesem Rennen nicht erlaubt ist. Auch sind keine Kurbeln an nicht-Bahnrahmen mit einer Kurbelarmlänge von mehr als 165mm erlaubt. Überhaupt gibt es viele Regeln, was nicht dem kulturellen Anspruch des Rennens entspricht: „die jungen Wilden“; „Fixie-Subkultur“ etc. Es erinnert mich an eine Online-Anzeige von zwei sehr coolen Typen in Hamburg, die einen neuen Mitbewohner für ihre WG suchten. Zunächst einmal beschrieben sie sehr schön,wie locker und gechillt das Leben mit ihnen ist, um am Ende Interessenten zu bitten, Ihnen „ihr aktuelles Lieblingslied und ein polizeiliches Führungszeugnis“ zuzusenden.

Die richtige Antwort auf das Lieblingslied ist natürlich sehr simpel.

Jedenfalls hatte das zur Folge, dass ich mein japanisches Nagasawa Bahnrad reaktivieren musste, das nun seit 2 Jahren als Weihnachtsschmuckadapter an der Wohnzimmerwand verstaubt. Erst einmal andere Laufräder rein, damit wenigstens die teuren Mavic SSC überleben werden. Und dann kam ein anderer Lenker und Vorbau ran, denn dieser NJS Vorbau der an Keirin Bahnrädern quasi Standard ist bringt das Kinn knapp über die Höhe des Vorderrads. Ist man nicht rasiert, kann man nur noch maximal 20 mm Reifen montieren, sonst ist da einfach kein Platz mehr.

Wegen dem Kopfsteinpflaster hatte ich dann doch noch ein Lenkerband gewickelt, damit es ein wenig bequemer wird. Dafür opferte ich mein sehr schickes George Sorell Korkband, das ich 2011 zusammen mit David in Ravenna im Radladen Sambi gekauft hatte. So jetzt noch abnehmbare Bremsen dran, damit ich zum Rennen komme und los.

In der Überseestadt tummelte sich die Creme de la Creme des bremischen Radsportes. In  früheren Berichten habe ich immer jeden einzelnen mit Namen aufgeführt den ich kannte, heute ist das nicht mehr möglich (Sorry, Silke, Silvia, Caro, Linda, Jessica, Maren, Jörn, Andreas, Andi, Thomas, Jan, Philipp, Schnippo, Marc, Matthias, Christian, Benjamin, Tim, Harald, Didi…) Es ist ein sehr schönes Gefühl von vielen netten Menschen erkannt und gegrüßt zu werden und dazu zu gehören. Vor allem, nachdem ich vergleichsweise nach 12 Jahren Leben in Japan gerade einmal vier japanische Freunde hatte – die ich jeweils ein bis zweimal pro Jahr traf. Mit den Ausländern dort lief es wesentlich besser, das hatte nur den Nachteil, dass das japanische Haltbarkeitsdatum eines typischen Ausländers etwa drei Jahre ist – danach geht es wieder zurück in die Heimat oder in das nächste Land. Zum Gefühl der Zughörigkeit später mehr.

So standen wir also an der Rennstrecke und schauten uns das Rennen von Linda an.

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Die creme de la creme des bremischen Radsports

Linda war bei den Frauen zusammen mit den U17 Fahrern gestartet, insgesamt etwa 16 Fahrer. In den ersten Runden hielt sie sich gut im Hauptfeld, aber dann fuhren vorne 8 Fahrer das Feld zu Klump und büxten aus. Danach war sie ein wenig verloren und zu zweit oder zu dritt unterwegs und es wurde sehr anstrengend. Dementsprechend  schnell muss das Rennen gewesen sein, denn Linda ist wirklich nicht gerade langsam (das ist eine klassische Umschreibung von: „Linda ist deutlich schneller als ich.“ Von den acht blieben sieben vorne und gewannen nach 30 Runden das Rennen. Linda wurde Zweite bei den Frauen.

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Im übrigen konnte man hier wieder beobachten, dass bei großer Anstrengung nach dem Rennen die Birne rot anfängt zu glühen, und zwar nach der Formel: „Je jünger der Fahrer, desto roter die Birne.“ Ist mir bereits beim OBKM aufgefallen, wo der 70-jährige Zweite der Meisterschaft kalk-weiß war, geradezu Mumienhaft, während Linda (Kolibri) rot strahlte wie ein schmelzender Reaktorkern in Fukushima. Was aber immer noch nichts gegen Schnippo nach dem Rennen war, der rot strahlte wie ein tätowierter, russischer Mafia-Reaktor. Doch dazu später.

Darauf folgte das Derny Rennen. Ein paar Runden fährt der eine auf einem enthemmten e-Bike und der Andere hinterher, dann wurde gewechselt und es werden ein paar Runden umgekehrt gefahren. Am Start waren Schnippo und Philipp, sowie Marc und [vergessen].

Sportlich war das, na ja, aber sonst war es der Höhepunkt des Tages. Beim Wechsel mussten auch die Schuhe getauscht werden. Wir erwarteten am Streckenrand, irgendetwas in der Geschwindigkeit eines Triathlonwechsels. Stattdessen lief das ganze in erschreckender Zeitlupe ab. Schnippo und Philipp beim Wechsel zu beobachten war etwa so schnell und spannend wie die Ziehung der Lottozahlen im Fernsehn zu schauen. Und als dann  Schnippo auf dem e-Bike vor Philipp fuhr tat er das genau zwei Runden. Dann war es Philipp zu langweilig und er überholte Schnippo  auf der Zielgeraden. Denn das E-bike war nicht so richtig enthemmt – Philipp allerdings schon.

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Nachdem ich mich also gut amüsierte hatte war jetzt leider Schluss damit, denn nun musste ich auf die Strecke. Was ist bislang gesehen hatte, machte mir Angst. Da waren Fixiefahrer, die aussahen wie Simon Geschke und Frauen auf Fixies die….nun,  ebenfalls aussahen wie Simon Geschke. Andreas meinte treffend, dass das keine Radkuriere sind, sondern welche vom Radpaketdienst. Zack, vier Waschmaschinen unter den Arm und dann ab ausfahren zu den Kunden. Zum Glück gab es nur 19 davon. Und Philipp und Schnippo. Und mich. Alle fuhren auf Rahmen mit nach hinten offenen Ausfallenden; es gab viele Tätowierungen zu sehen, Piercings und Totenköpfe etc. auf den Jerseys. Da gehörte ich nun definitiv nicht rein. Erstens nicht von der Leistung, zweitens nicht vom Alter und dann auch wegen ein noch ein paar anderer offensichtlicher Mängel an Muskeln, Barthaar, Street Credibility und Geldknappheit. ich fühlte mich da sehr falsch. Wann hatte ich das letzte Mal dieses Gefühl? Vermutlich als ich 1990 versehentlich in einem heißen Quellenbad in Japan in die Damenumkleide ging, da dort keine Symbole, sondern chinesische Schriftzeichen an die Tür gemalt waren.

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Ich bin eben Rennradfahrer und fahre Radrennen. Bei so etwas habe ich keine Chance. Also nicht, dass ich sonst eine hätte. Meine Taktik war daher etwa wie die von Steven Bardbury  im Short Track bei den olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City: Hinten fahren und hoffen, das sich vorne alle auf die Fresse legen. Dann non-chalant vorbeiziehen. Nein -zu gemein, ich fuhr wieder mit meiner Standardtaktik: Versuche irgendwie zu überleben und nicht zu bescheuert auszusehen.

Aber da ich da schon einmal stand konnte ich ja ein paar Bilder machen und mitfahren.

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Und dann ging es auch schon los. Alle meine Sorgen waren umsonst, die erste Runde konnte ich echt gut mithalten! Leider stellte sich dann heraus, dass dies nur die neutralisierte Einführungsrunde war und wir am Start wieder stehen blieben. Trotzdem, eine gute Idee, um warm zu werden. Und zum Glück wurde das Rennen auch von 30 auf 20 Runden verkürzt.

Die zweite, also die nun eigentlich erste Runde, war schon deutlich schneller.  Am Anfang war es sehr nervös und ich machte mir da auch ein wenig Sorgen im Feld zu fahren, aber nach zwei Runden war ich da quasi draußen und in einer Dreiergruppe. Die Kurve mit Kopfsteinpflaster nahm irre viel Geschwindigkeit weg und es war extrem hart, dann wieder gegen den Wind zu beschleunigen. Nach 5 Runden hatte ich nur noch wenig Lust und überlegte aufzugeben. Das ist ja immer so, weil ich mich noch nicht warm gefahren habe und es dann am meisten weh tut -später wird es besser.

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Feuerwerk der Radkunst

Dann war ich mit einem der Mädels in dem Rennen zusammen. Ich wollte Sie animieren, dass wir auf die Gruppe der drei Männer vor uns auffahren. Sie sagte ja, ich machte Tempo, und als ich dann wechseln wollte blieb sie hinter mir. Für die nächsten drei Runden. Da ich alleine ohnehin nicht aufholen konnte wurde ich erst einmal wieder etwas langsamer.

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Lutscher !

In der S-Kurve zum Zielsprint drehte ich dann auf, als ich eine weitere, überrundete Fahrerin vor mir sah und setzte mich ab. An die hängte ich mich erst einmal dran und dann gab ich ihr Windschatten. Dann fuhr sie wieder vorne und erstaunlicherweise hatte sie noch gut Power und zog davon. Ehrlich gesagt lag das auch an der Technik, die fuhr die Kurven einfach viel besser als ich. Und als es dann in einer der beiden Kurven einen Sturz gab und ich langsamer wurde und die Richtung wechselte, war sie fast weg. Zwei der schnellen Fahrer waren zu schnell in die Kurve gegangen und matzten in die Barrieren.

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Erst überholen und vorweg …

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….und dann ein paar Runden später den Anschluss verlieren

Nach jeder Kurve musste ich erst einmal die Lücke wieder zu sprinten und das kostete viel Kraft. Aber jetzt war ich zumindest ganz gut dabei. Auch wenn die Spitzengruppe mich in der Zwischenzeit zwei Mal überrundet hatte. Dann sah ich kurz vor Ende Schnippo vor mir, den ich nun überrunden würde. Was er nicht wollte und ihm frische Power gab.

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Prima, mit Schnippo war das jetzt natürlich wieder viel besser und so kamen wir in die letzte Runde und dann auf die Zielgerade. Schnippo fragte mich:,“Wollen wir zusammen ins Ziel fahren, oder das ausfahren?“ „Ausfahren!“ Und so legte wir einen guten Spurt und Bike-throw zum Schluss hin. Nun hatte ich wirklich keine Lust mehr. Allerdings auch keine Bremsen, um zu stoppen.

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Strava

Am Ende wurde es ein 12.Platz von 23 Teilnehmern, von denen wiederum 17 ins Ziel kamen und sechs aufgaben (zwei glaube ich wegen Sturz). Hinter mir nur Frauen. Und Schnippo (Rennen drei). Vor mir eine Frau, und zwar die, deren Trikot so aus sah wie ein Mosaik-gefliestes Badezimmer auf den Bahamas.

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v.l.n.r : Das bahamische Badezimmer; gut getarnte Norddeutsche; meine Begleiterin für ein paar Runden am Start vor mir.

Das hat jetzt nix mit: Ich bin besser als Frauen oder so zu tun, sondern ist einfach meine Erfahrung in den typischen Platzierungen meiner Karriere: Zweitstärkste Frau.

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Hier sieht man noch einmal einen der gestürzten. Fiese Delle am Oberrohr des Standaert Rad.

Prima, ich hatte überlebt, ein Top-12 Finish und war fix und fertig.  Und neben mir glühte Schnippo. Eigentlich keine so gute Idee, denn er fährt morgen das 100 km Rennen beim Velotörn und ich die 150 km der RTF Lauenau. Und dann kam noch einer der schnellen Fixiefahrer und gab mir die Hand – eine Welle von Zusammenhalt wallte in mir auf.

Es ist übrigens keine gute Idee mit wenig gefahrenem, bzw. wenig  getestetem Gerät ins Rennen zu gehen. Der Vorbau fixierte den Lenker nicht gut und da ich fast auschließlich im Unterlenker fuhr, drückte ich im Verlauf des Rennens den Lenker nach vorne und oben. Das war am Ende sehr unbequem. Und sah auch echt scheiße aus.

Und ganz zum Schluss löste sich auch noch ein Kurbelarm vom Vierkanttretlager. Ich fuhr zu Matthias, aber der hatte auch kein passendes Werkzeug (8mm Inbus) dabei. Dafür aber Carolin Schiff, die ich fast übersehen hätte. Ich hatte Sie ja nur einmal im Rennen gesehen und war mir nicht sicher, ob sie es wirklich war. Die Beine schienen mir ein wenig dünn (vor allem nach dem was ich da im Fixie Rennen gesehen hatte), aber dann gab es auf dem Schienbein ein paar markante Narben und ich dachte ich frage sie mal, ob sie es ist. Bingo. Taktisch wollte ich nur beweisen, das ich netter bin, als dass was ich schreibe und wir unterhielten und über das, worüber sich erwachsene Menschen so unterhalten: Radrennen, Motorboote auf dem Gardasee, über die Unsinnigkeit in Bremen zu wohnen und so weiter.

Das waren ja für einen Tag mit so herrlichem Wetter recht wenig Kilometer, diese aber sehr intensiv. Insgesamt war die Veranstaltung gelungen, mit €20 auch nicht zu teuer und spaßig. Zum Glück habe im Rennen ich nicht geschmittet (Bremer Fachwort für „sich auf die Fresse legen“).

Allerdings ist da auch kein großer Unterschied zu den Bremen Challenge Veranstaltungen mit Streckenführung in der Überseestadt zu spüren. Aber trotzdem, danke für die Mühe der Organisation. Danke auch an Silke, Harald und Linda für die Fotos.

Wir sehen uns dann total platt beim RCB Montagstraining.

 

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