Mallorca, die Zweite.

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Heute morgen, vom Fenster des Studios aus zu sehen, war der Himmel tiefblau und einige weiße Wölkchen brachten sich davor in Positur. Das Wetter wurde noch besser als gestern und ich fragte mich, warum ich gestern so gefahren bin, als wenn es kein morgen mehr geben würde.

Die Beine sagten, trotz des schönen Wetters: „Heute quälst Du uns nicht in dem Du den Puig Major hochfährst -egal von welcher Seite Du da hochfahren willst.“ Auf seine Beine sollten man hören, definitiv mehr als auf Leber, Lunge oder Herz. Also machte ich mich mit dem wagen auf nach Calvia, ein guter Startpunkt, um die Pässe im Südwesten der Insel zu erkunden. Fabian hatte mich vor einigen Jahren in die Gegend eingeführt und dafür muss ich ihm wirklich dankbar sein. Von Calvia aus fuhr ich nach Es Capdella, mit müden Beinen und gegen den Wind auf einer langweiligen, langen Langstraße. Ich war so lahm, ich hätte heulen können. Von dort aus ging es dann aber immer schön runter nach Peguera und dann Richtung Westen nach Port d’Andratx. Am Ende von Peguera gibt es eine Straße die in den Himmel führt und just als ich darauf zufuhr bog ein MTBler etwa 50 Meter vor mir darauf ein. Das war der erste Radfahrer mit dem ich mich messen konnte. Zuerst holte ich gut auf, aber der Typ auf dem MTB sah auch fit aus, war gekleidet wie ein Pro und als er mich sah sog er das Tempo an. Oben auf dem Berg war er weg und  bei der Abfahrt konnte ich ihn nicht mehr einholen.

Von Port d’Antratx ging es weiter nach Antratx, wo ich auf Anhieb, obwohl ich zu letzt vor 1 1/2 Jahren da war, den geheimnisvollen und verwinkelten Weg zurück nach Es Capdella fand. Ich weiß auch nicht woran es liegt, aber in der Ebene und bei viel Wind bin ich wirklich komplett außer Form, aber bei den Anstiegen läuft es besser als erwartet. Ganz oben bricht der Pass durch den Berg und man kann sich kurz umschauen und das erreichte reflektieren.

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„There are things known and things unknown and in between are the Doors.“

 

Auf dem Weg hoch begegnete ich der ersten Gruppe von Radfahrern heute und auf dem Weg runter nach Es Capdella. Von dort aus ging es weiter nach Galilea. Dieser Anstieg ist fast noch besser als der zuvor, es gibt reichlich Serpentinen und zwei Stellen an denen man denkt, dass man bereist oben angekommen ist, aber beides Mal ist es keineswegs so und man muss sich hochquälen bis zum Ortsschild Galilea. Bis jetzt und einschließlich gestern habe ich ALLES mit dem großen Kettenblatt gefahren, sozusagen als Tribut an Kaipi und unsere Harztour 2011. Aber an der Steigung hoch zur Kirche von Galilea [Immaculada Concepcio] gab ich auf und wechselte auf das kleine Blatt – aber auch wirklich zum einzigen Mal heute. Oben angekommen hatten sogar beide Cafes auf und da ich meine Riegel vergessen hatte nahm ich einen Kaffee mit viel Zucker und genoss die Aussicht.

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Die Aussicht

 

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Die exakte Uhrzeit der unbefleckten Empfängnis

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…und ein Kaffee mit viel Zucker dazu.

 

Mittlerweile war ich ziemlich unterzuckert, oder wie Ludwig immer sagt „I was seriously bonking.“ Ich hatte aber nur ein Brötchen dabei – aber was für eins, aus Roggen, mit gesalzener Butter und darauf dick Pate mit Oliven und Tomaten. Ich war zwar schon 1.000 Meter hoch gefahren, aber ich wollte mein einziges Brötchen besser noch nicht essen und so machte ich mich auf den Weg nach Puigpunyent und weiter hoch nach Es Grau und Esporles. Oben an der Kirche in Galilea waren zwei dicke ebike Fahrer und es ist wirklich mein Horror, das sich von deresgleichen bei einem Anstieg überholt werde den ich mich mit 13 km/h hochquäle, während die sich mit 25 km/h hochkapitulieren bis der Akku leer ist. Aber zum Glück kamen die nicht und ich wurde mit einem schönen, einsamen Anstieg mit vielen Serpentinen nach es Grau belohnt.

Die Abfahrt ging gut und ich war ganz überrascht, dass es nur runter ging, ich dachte, dass am Ende noch ein leichter Anstieg sei. War aber nicht. Und so ging es ganz fix weiter nach Establishment und irgendwie fühlte ich mich viel kraftvoller als gestern und war auch mal in der Lage einen Hügel zu übersprinten. Der Kopf ist frei von Arbeit und so einem Zeuch und kann sich wieder auf die Beine konzentrieren. Von Establishment ging es weiter Richtung Westen, und irgendwann biegt links eine kleine Straße ab zum letzten Anstieg vor Calvia. Ich mag diesen Anstieg sehr, Fabian hatte mir den einmal gezeigt. Er ist relativ lang aber sehr flach und mit ein wenig Ausdauer kann man den mit 20 km/h plus fahren. OK, das habe ich heute nicht aber ich fühlte mich trotzdem gut, zu mal ich auch den Punkt verpasste an dem man die letzten Meter noch einmal richtig drücken kann.

Eine schnelle Abfahrt und ich war zurück in Calvia, wo sich Mallorca noch einmal von seiner schönen, grün – blauen Seite zeigte.

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Zurück im Auto nach Alcudia – ein guter Tag. Morgen mal deutlich weniger Steigung und auf Erkundungsfahrt in den Osten, wo ich bisher noch nicht richtig war. Aber nach Randa will ich schon mal hoch.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter 2014, Mob, Touren

2 Antworten zu “Mallorca, die Zweite.

  1. Ich bin so neidisch!

    Aber ich freue mich auch mit Dir – ist immer eine schöne Belohnung in Gallilea einzukehren.

    Fährst Du dieses Jahr Sa Calobra?

    Und von Bunyola nach Orient?

    • Hi, ich habe heute was interessantes für Dich gefunden und fotographiert.
      Sa Colobra weiß ich noch nicht, das Wetter in den Bergen scheint ein wenig launisch. Orient aber auf jeden Fall.
      Sei nicht neidisch, bald bist Du ja auch da!

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