A Sunday in Hell. A Sunday in Heaven.

Heute war das Paris – Roubaix Rennen angesagt; ein Rennen, dass seit 1896 auf den gleichen Strassen ausgerichtet wird. Damals waren das normale Strassen, heute sind das einfach nur noch gruselige Relikte aus der Vor-Internet Zeit. Das Rennen beginnt nicht, wie der Name sagt in Paris, sondern in Compiegne, etwa 80 km östlich von Paris. In Compiegne wurde der Waffenstillstand des 1. Weltkriegs geschlossen und später auch die (vorläufige) Niederlage Frankreichs im 2.Weltkrieg 1940 vom Führer höchstpersönlich besiegelt. Von dort aus führt das Rennen durch die in dem Film „Willkommen bei den Sch’tis“ bestens beschriebene Landschaft nach Roubaix, der Partnerstadt meiner Heimatstadt Mönchengladbach.

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Roubaix. Sahneseite.

Bei aller Romantik und prinzipiell netten Menschen sollte man sich da nichts vormachen; beides sind trostlose Löcher, das eine hat ein Rennen, das andere einen Fußballverein.

Das Rennen endet in einem Velodrome, dann bekommt der Sieger einen Pflasterstein und darf duschen gehen. Das passierte heute John Degenkolb.

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„Cool, ein… Stein. Äh, Danke auch.“ Wenn ich noch ein paar mal hier gewinne baue ich eine Strasse oder ein Haus damit.

 

Insgesamt ist das ganze eine für alle Beteiligten sehr anstrengende und unerfreuliche Angelegenheit, bei der man hinfallen, verlieren und unter Umständen auch von einem Zug überfahren werden kann. Von der Teilnahme wird daher dringend abgeraten. Wer immer noch nicht überzeugt ist, möge sich „A Sunday in Hell„, den Film über das Rennen von 1977 ansehen.

Bremen im April 2015 – der Himmel lacht die Sonne an und beide auf die Menschen runter, die nun aus der Stadt in Parke und auf Deiche drängen. Es könnte nicht schöner sein, na gut, der Westwind draußen und Holger drinnen nerven doch ganz gewaltig als ich alleine Richtung Erdbeerbrücke fahre. Warum heisst die Erdbeerbrücke, eigentlich Erdbeerbrücke? Ist es nur, weil niemand sich gerne an Karl Carstens erinnert, oder gibt es eine geheime Reminizenz zu Klaus Kinski? Vor mir fährt ein Mädel, das die besseren Entscheidungen bei der Wahl der Strassenseiten trifft und daher 200 Meter schneller auf dem Deich ist als ich. Auf dem Deich hole ich sie endlich ein und will sie gerade überholen, als ich feststelle, dass sie eine Transalp Trinkflasche stecken hat. Ich verstehe das als dezenten Hinweis auf Leistungsstärke und lutsche erst einmal; aber dann überhole ich sie dort. Ich glaube ich kenne sie aus der Zeit,als ich noch mit dem swb Team vom Universum Gym aus gefahren bin.

Es ist ein wenig mühsam gegen den Wind Richtung Riede, aber dann kommt das schönste Stück überhaupt, nach Dibbersen raus. Ich weiß jetzt bereits, wenn ich einmal von Bremen fortgehe, dann wird mich die Erinnerung an dieses Stück Landschaft begleiten.

Von Thedinghausen aus geht es mit Rückenwind weiter nach Werder und über die Weser den Uesener Berg hoch. Ich fahre auf halbe Strecke hoch  links rein, ich Stück an der Weser aufwärts entlang und die Rampe am Hünenberg hoch. Oben angekommen bin ich fertig und denke: „Wenn ich 15 kg weniger wiegen würde, und ich für jedes Jahraltersunterschied 5 Sekunden früher starten dürfte, würde ich Philipp Lühmann hier locker schlagen.“ Aber jetzt habe ich erst einmal Hunger, denn, wie heisst es so schön „Pain is food, leaving the body“ wenn es um Radfahren geht. Zum Glück gibt es direkt auf dem Gipfel links vom Uesner Berg eines meiner Lieblingslokale, das „Berlin Döner„! Das Berlin Döner kennt an, dass Döner nicht aus der Türkei, sondern aus Berlin kommt, also eigentlich sehr ähnlich zu „Bremen Rollo“. Alleine die facebook Seite von Berlin Döner (Werbespruch: „das beste“) ist schon großartig.

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Neue Kurbel nun gepaart mit neuer Goldkette.

 

Man kann diese facebook Seite aber nur mögen, wenn man, wie zum Beispiel mein Vater, verliebt in Sossen ist. Die facebook Seite ist voll mit tollen Sossenphotos, die man einfach gesehen haben muss. Ich habe mal wahllos eins rausgegriffen:

Sieht man ja nicht so oft in Radblogs – warum eigentlich nicht?

 

 

Und was gibt es von Dienstag bis Sonntag beim Berlin Döner, hä?

 

Ich würde diesen Laden gerne unterstützen. Vielleicht könnte man ja Trikots machen, die wie diese Dönerspießplakate neben meinem Rad designt sind. Gut, fände ich so riesige, aufblasbare Trikots. Die Tomate ganz oben ist dann eigentlich ein Helm und aus dem Helm guckt eine Spießantenne raus an der ein Wimpel flattert: „Berlin Döner – das beste!“.

Es erschließt sich von selbst, dass nach diesem Highlight der Rest der Strecke über Achim, Oyten, Sagehorn nach Fischerhude eher langweilig war. Und dann gegen den Wind von Fischerhude zurück nach Bremen war auch nicht so toll, wenn ich nicht zwei tolle Milchbrötchen in der Bäckerei in Fischerhude gekauft hätte.

Das tolle aber war, dass ich nach ca. 2 1/2 Stunden Fahrt und 70 km genau pünktlich um 15:30hr am HaW ankam, wo die „Björn Riedel Gedächtnis Runde“ darauf wartete gestartet zu werden. Super, dann konnte ich mit der gleich weiterfahren (d.h. einen Moment dachte ich daran nur Hallo zu sagen und mir ein Stück Käsetorte mi Kaffee zur Brust zu nehmen. Aber dann sah ich all die netten Menschen und dachte an Philipp und den Hünenberg und setze leicht widerwillig den Helm auf.

Das war eine sehr entspannte Truppe; Tobi hatte die Strecke auf seinem Garmin und ich fragte ihn wo es hingehen würde: „Richtung Fischerhude, dann nach Oyten und Achim, Uesener Berg und rüber nach Thedinghausen….“ Ich hörte schon nicht mehr zu, denn das war genau die Strecke umgekehrt, die ich gerade gekommen war. Na egal, Tobi führte uns, nicht zu schnell durch die kleinen Wege nach Embs und es war wie ein Musikstück, dass nun auf andere Art und Weise interpretiert wurde. Also, sagen wir mal, das ist meine Interpretation der Strecke, und die hier von Tobi. Na gut, ich wollte einfach nur etwas über t.a.t.u.hier reinbringen, ich gebe es zu.

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Und schwubs, kamen wir schon wieder am Berlin Döner vorbei. Und auf meinen Vorschlag hin, fuhren wir dann auch gleich nach mal den Hünenberg hoch, und zwar ohne Vorwarnung (also Benjamin und ich wussten eh Bescheid, der Rest hatte keine Ahnung was Ihnen blühte). Das hatte Konsequenzen:

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Ich glaube das nennt man wohl eine Radwanderung.

Machte aber auch Spaß und wir erst einmal Pause. Denn nun ging es gegen den Wind wieder Richtung Bremen auf der anderen Weserseite. Das waren auch wieder verschiedene Interpretationen im Prinzip der gleichen Strecke die ich gefahren war, und schöne nette Wege (auch wenn nicht ganz so schön wie nach Dibersen, aber bitte).

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Zeit für die nächste Pause an der „Berlin Riviera“, einem Berliner Eiskaffee in Weyhe.

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Und dann noch die letzten Kilometer zurück nach Bremen, passte jetzt alles.

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Alleen Richtung Osten, im Prinzip bis nach Ostpreußen.

 

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Tanja und Tobi splitteten sich in Leeste ab, Benjamin und Johanna an der Wehrstrasse und die Viertelschwalben am Paulaner. Mit 140 km war das auch est einmal die bislang längste Strecke für 1015, die Hälfte solo, die andere Hälfte in der Gruppe war auch genau die richtige Mischung. Danke an alle die dabei waren: A Sunday in Heaven.

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter 2015, Bremen, Mob, Touren

Eine Antwort zu “A Sunday in Hell. A Sunday in Heaven.

  1. alex

    …ein „netter“ Vorschlag mit sogar ausgeschilderten 23% Steigung.

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