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Einen Korb bekommen: Shopping blockade runner.


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Beim Aufbauen von Rädern ist meist der Rahmen die Basis oder der Nukleus. Man kauft einen Rahmen und stellt sich vor, welche Komponenten und Laufräder gut daran passen würden. Der Rahmen ist oftmals die teuerste Investition, die nur manchmal von den Laufrädern oder der Gruppe geschlagen wird. Aber es muss nicht immer der Rahmen sein, mit dem man beginnt: Gute Ideen beginnen manchmal mit exzellenten kleinen Ideen. Dieser Aufbau begann mit einem Korb.

Ich muß gestehen, dass ich trotz aller Liebe für feine und tiefsinnige Details und Schnelligkeit Rädern mit Körbern mag. Dass muss eine unterbewußte japanische Prägung sein, denn in Japan haben quasi drei von vier Rädern mindestens einen Korb.

Ich hatte vor zwei Jahren bereits einmal ein Rad mit Korb gebaut, aber damit war ich überhaupt nicht zufrieden und habe nach und nach die Teile dafür verkauft. Das sah alles sehr schick aus, aber der verbaute Copenhagen Bike Porter ist meiner Meinung nach eine Fehlkonstruktion. Dadurch, dass der Schwerpunkt des Gepäcks weit vor der Lenkerklemmung ist, besteht nicht nur das Risiko, dass sich diese verdreht oder gar aufreisst; nein auch der Hebel ist so stark, dass jede Unebenheit auf der Strasse den Korb in unkontrollierbare Schwingungen versetzt. Man braucht also auf alle Fälle etwas wie ein Netz über dem Korb, um zu verhindern dass das Gepäck heraus katapultiert wird. Und wegen der unsicheren Lenkerklemmung fährt die Angst immer mit. Obwohl, das Teil sieht schick aus, hat etwas, was ikonische Teile wie Campa Delta Bremsen, Ofmega Mistral Kurbeln oder Cinelli Laser Rahmen eben so haben und ist jetzt erst einmal für die nächsten zwanzig Jahre eingelagert, dann wird es auf ebay oder wo auch immer verschleudert.

Aber die Idee des Korbes ließ mich nicht los und als ich zufällig bei ebay wieder Mal so ein Teil günstig erstehen konnte schlug ich zu.

Manche Leute sehen da nur Holzdielen oder eine Haufen Metallschrott. Ich aber sah die Zukunft, und die Zukunft war bullig, verchromt und relaxt. Eine Mischung aus Easy Rider, Hummer und Mad Max Teil II. Als der Korb dann zuhause ankam, konnte man schon seine Herkunft erahnen: Das musste eine Requiste aus Mad Max II gewesen sein., etwas was vielleicht in einem dieser Autos verbaut worden war.

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Ein Rad, dass ich wie ein Auto seinen Weg mit brutaler Gewalt bahnt oder dem Vorwand zum einkaufen zu fahren. Ein Rad wie ein respekteinflössender Geländewagen, aber mit völliger politischer Korrektheit.

Hummer H2 with GM Accessories - Grill, 2003, 1024x768, 3 of 6

Nun hatte ich den Korb und der Rest musste folgen. Eine gute Quelle für alle möglichen Basisteile zum Aufbau abstruser und ungewöhnlicher Räder ist „Bankrupt bike parts“ auf Ebay. Sollte ich eigentlich nicht verraten, denn das ist meine Top Secret Quelle. Bei denen hatte ich schon einmal einen pinken Raleigh Damenrahmen gekauft und auch gerade, als ich ihre Website gecheckt habe, sind wieder ein paar außergewöhnliche Dinge im Angebot.

Jedenfalls gab es bei Bankrupt Bike Parts den perfekten Rahmen zu dem Korb. Ich musste noch ein paar Tage darüber nachdenken, ob ich wirklich so bescheuert sein sollte und ein Rad um einen Korb baue, aber dann gab endlich die Vernunft nach und der Wahnsinn verschaffte sich seinen verdienten Raum. Ich mochte den Rahmen, weil er erstens total verchromt war, also aus etwa gleichen Designelementen wie der Korb bestand, recht niedrig war, so dass die Lenkerposition nicht allzu hoch ausfallen würde und ich im Gegenzug mit einer langen Sattelstütze den Fahrer über das Niveau der Lenkerstange hieven konnte. Und dann war der Ramen auch nicht so irrsinnig teuer (die Grenze für „nicht so irrsinnig teuer“ liegt exakt bei 100€).

Ich mag Komponenten und Rahmen die nicht irrsinnig teuer sind. Ich habe mir eine Menge teures Zeug gekauft, sagen wir mal z.B. eine komplette Serie von jeder Campa Monoplaner Bremse die jemals gebaut wurde, ein paar Campa Deltas (einen Satz habe ich dann wieder verschenkt), eine Campa Record Sattelstütze etc. aber es macht einfach keinen Spaß diese Teile zu verbauen und damit zu fahren. Vieles von dem Zeug ist ja auch rein design-ikonisch und die Funktion ist wie in einem Architekten-Design Haus: An den Außenwändern läuft nach dem Regen die Szuppe runter und es gibt fiese, graue Schlieren, aber der Designarchitekt konnte sein künstlerisches Gewissen nicht kleinreden und überzeugen, das überhängende Gauben eine gute Idee sind. Sattdessen sieht das Haus wie ein weißer Klotz mit schwarzen Ausschnitten aus, durch das Flachdach dringt die Feuchtigkeit nach innen und außen jauchst der Chor der Puristen: „Ikonisch! Pur! Rein!“. Oder, wie es einmal Peter Eisenmann sagte:

„Die syntaktische Bedeutung, wie sie hier definiert ist, berührt die Bedeutung nicht, die Elementen oder tatsächlichen Relationen zwischen Elementen zuwächst, sondern die Relation von Relationen untereinander.“

(nachzulesen in: Tom Wolfe „Mit dem Bauhaus leben“ Rowohlt 1986, oder zum Beispiel hier; das ist eines von den 111 Büchern, die ich mit auf die einsame Insel nehmen würde).

Was mit Eisenmann Gebäuden passiert, kann man hier sehr gut sehen, am Beispiel des Nunotani Buildings in Tokyo.

Schweifte ich etwas ab? Gut. Wo waren wir denn? Ach ja, Korb und Rahmen harmonisieren prächtig, der Rest findet sich irgendwie. Wichtig ist auf jeden Fall die Wahl der passenden Laufräder. Ich hatte nicht vor eine Schaltung zu verbauen, denn Schaltungen und deren Verkabelung stören nur die Designlinien und sind bei so einem Rad funktionell nicht notwendig. Ein Gang reicht ja wohl zum einkaufen. Also entschied ich mich für einen günstigen 26er Laufradsatz mit Shimano Kassette von Rose, Deore Naben und darauf wurden sehr bullige Schwalbe Kojaks 26 x 2,00 montiert, die dem ganzen die nötige Wucht verlangen. Der Korb mit schmalen Rennradreifen – das geht doch gar nicht. Und bitte keine zusätzliche Farbe, der Chrom muss für sich selbst sprechen und alles spiegeln was er trifft. Akzente sind OK, schwarz ist immer OK, da keine Farbe, aber bitte keine Smartieseffekte an den Laufrädern.

Auf die Kassette kam ein 18Z Ritzel, vorne ein 53er Kettenblatt an einer Sturmey Archer Kurbel (das häßliche Logo habe ich wegpoliert), so dass die Übersetzung etwas weniger als 3:1 ist – mit 26er Reifen ist das gut fahrbar. Ich teste so etwas immer an der Fußgängerbrücke um die Ecke, und wenn ich die Rampe hochfahren kann bin ich zufrieden.

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Verchromte Sturmey Racher Kurbel vorne, mit 53Z Kettenblatt und Hosenschutz. Wäre schön, wenn der auch chromig glänzen würde, aber wichtig ist erst mal die Funktion.

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MKS BM-7 Pedale, heisst das eigentlich Bärentatzen oder Bärenfalle. Auf jeden Fall sind die zweiseitig fahrbar und haben diese bullige Optik die zum Gesamtbild passt.

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Ein Schaltwerk könnte montiert werden, alles dafür da. Ebenso die Ösen für Schutzbleche und Gepäckträger.

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Günstig erworbene Singlespeed Umbauoption für die Shimano Kassettennabe. Zwei weitere Ritzel gibt es umsonst dazu. Die horizontalen Ausfallenden bieten Platz die Ritzel ohne Austausch der Kette zu montieren.

Fährt da Teil einmal los, ist es schwierig es wieder zum stoppen zu bekommen. Ich meine das Ding soll ja auch nicht stoppen, es ist ein Blockadebrecher. Es soll einfach von seinem Fahrer auf eine Umlaufbahn geschossen werden und dort kreisen. Na gut, aber Bremsen braucht man halt doch. Hier stellen sich zwei Probleme, erstens gibt es Halterungen für Cantilever oder V-Bremsen, und aufgrund der Reifenbreite hat man sowieso keine andere Möglichkeit. OK, also V Bremsen aus dem Bestand (Avid Single Digit 1 in schwarz). Und zweitens, ist die Krümmung des Lenkers etwas ungünstig. Die Bremsgriffe müssen daher relativ nah am Ende montiert werden, es bleibt deutlich weniger als normal (120 mm) Platz für den Plastikgriff. Und auch die Führung des Bremskabels ist etwas tricky. Zum Glück hatte ich noch ein paar modularisierte Bremsgriffe von Starfucker aus Japan. hatte ich im April bei Above Bike in Kawasaki gekauft und mit nach Hause genommen. Das sind Silikonringe, die man in beliebiger Anzahl hintereinanderstecken kann, so dass quasi jede Griffbreite realisierbar ist. Theoretisch könnte man auch einen Rennradlenker damit komplett verbauen, das wird aber recht teuer. Dazu dann unauffällige Tektro 750er Bremsgriffe, aber in der Canti Version, denn bei den „normalen“ FL reicht der Hebel nicht aus, um die Bremsen angemessen in Bewegung zu versetzen.

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Starfucker Silikongriffe, sechs Module (ein Set = 14 Module)

 

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Satttel ist übrigens ein Brooks Colt, Sonderedition in Raspberry. Den Colt muss man wirklich mögen – bzw. den passenden Hintern dafür haben. Für mich fühlt der sich ähnlich an wie ein Selle Italia Turbo – also wer auf einem Turbo bequem sitzt st entweder ein total harter oder hat den passenden Arsch. In habe den nicht.

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Donuts am Bremskabel nach hinten

Noch einmal ein paar Korb Bilder

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So, wie ist nun der Gesamteindruck?

Thema Eins. Frisch aus der Garage.

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Thema Zwei: Vor den roten Zacken

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Thema Drei: Vor der Villa Psycho.

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Und wie fährt es sich: Gut. Ewartungsgemäß ist das Teil nicht wirklich schnell und wendig, aber es liegt sicher in der Spur und walzt über alles rüber. Warum eigentlich Schlaglöchern ausweichen – mit dem Rad ist das nicht nötig. Ein großer Vorteil ist der kleine Rahmen. Ich kann das Rad genauso gut fahren mit meinen 1,86 m wie meine Tochter mit 1,45 m. Klar, sie hat die Hände viel höher am Lenker aber das geht auch prima.

Und dieses Rad verpasst Respekt. Kommt einem auf dem Radweg jemand entgegen macht er ziemlich sicher Platz. Vermutlich ist da Gefühl so, als wenn einem ein Hummer auf dem Radweg entgegenkommen würde. Passt. Und einkaufen kann man damit auch.

Mad Chrome

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