Tagesarchiv: 1. April 2020

Battle for Wilstedt 2020

Die Battle for Wilstedt ist das traditionell erste Rennen der Battle um Bremen und umzu  (BUBUU!) Rennserie die dieses Jahr zum ersten Mal durchgeführt wurde. Das weiß zwar noch keiner, ist aber nun mal so.

Bow1

Die Idee dazu kam von Schnippo und ist genial einfach. Unter „genial einfach“ verstehe ich Ideen, die man auch selber haben könnte, aber auf die man nie gekommen ist, wie z.B. Farbe über das Gesicht von Marilyn Monroe zu kippen. Manche Menschen formulieren das auch als: „Wieso kostet das Geld, das hätte ich auch selber gekonnt!“.

Haben sie aber nicht.

Die Idee der Battle for Wilstedt ist also am letzten Samstag in Borgfeld loszufahren, auf einem Rundkurs 6 Ortsschilder in Wilstedt anzusprinten und dann an den Startpunkt zurückzufahren. Man muss dabei die exakte Route abfahren und bekommt für jeden der 6 Sprints Punkte je nach Platzierung aller Teilnehmer. Natürlich alleine. Wer die meisten Punkte hat, hat gewonnen. Völlig sinnlos, aber eben genial.

Noch genialer ist, daraus eine Serie zu machen, was aber der Definition von „genial einfach“ widerspricht, denn die Idee hatte ich ja nun mal selber.

Ich war seit Ewigkeiten nicht mehr in Wilstedt und dieses Jahr auch nur mäßig wenig unterwegs auf dem Rad unterwegs. Wilstedt ist ja nun mal als ein kleines Kaff und im größeren Kontext der Weltgeschichte unwichtig, aber wenn man im Nordwesten von Bremen unterwegs ist, muss man da durch. Ist ähnlich wie „Alle Wege führen nach Rom“. Am Papst, Stan Libuda und an Wilstedt kommt man einfach nicht vorbei, vor allem dann nicht, wenn man Mitglied im RCB ist und bei den Montagsrunden mitfährt. Und bei vielen löst eben der Anblick eines Ortsschildes auf dem Wilstedt geschrieben steht einen sofortigen Pavlov’schen Sprintreflex aus. Egal, ob jemand alleine, oder in der Gruppe fährt, am Ortsschild Wilstedt wird gesprintet. Punkt.

Ein wenig Training an Vorbereitung wäre ja nicht schlecht, dachte ich mir und ich fuhr deswegen am Vortag einen Teil der Strecke mit meinem Winterrad ab. Da oben blies mal wieder ein richtiger mieser Wind, aber es war trocken, sonnig und bei der Bäckerei traf ich zufällig auf Joern und Jens. Jörn fuhr das im Training in 2:44 hr zu Ende, eine Zeit die ich am nächsten Tag nicht einmal erreichen sollte – soviel zu meinen Chancen da irgendetwas tolles zu gewinnen. Aber egal, raus aus der Lethargiefalle und mal wieder etwas anstrengendes tun war wichtiger als der Welt zu zeigen wie toll ich Radfahren kann.

Am nächsten Tag wachte ich spät auf, hatte jede Menge Arbeit auf dem Schreibtisch vor mir, bevor ich mich auf die Strecke machen konnte und schaute so gegen 12 mal bei Strava rein um zu sehen, ob schon jemand die Strecke ganz früh gefahren war. Man sieht das bei Strava sofort an der charakteristischen Streckenführung, siehe das Bild oben: das symbolisch die güldenen Straßen und die grüne Topgraphie der Landschaft zeigt. Jannis hatte offensichtlich eine Zeit von unter 2:15 hr mit einem Schnitt von fast 38 km/h vorgelegt. Hm, dachte ich mir, vielleicht ist es doch besser zu Hause zu bleiben und noch ein paar Runden Panzer General zu spielen. Russland könnte ich locker am Samstag erobern, Wilstedt eher nicht.

Endlich, nachdem auch der letzte Mist erledigt war und es keine Ausreden mehr gab nichts zu tun, also so kurz nach 15 Uhr machte ich mein Wilier Yellow Submarine klar.

We all live in a yellow submarine, yellow submarine.

Hm, Hochprofilfelgen waren bei dem Wind vielleicht nicht die schlauste Idee. Dafür hatte ich aber diesen genialen Redshift Aufsatz, der es erlaubt in eine windschnittige Position zu gehen, oder das Ding in 10 Sekunden abzumontieren und in die Trikottasche zu stecken.  Sehr praktisch, wenn jemand wie ich mal alleine, und mal in der Gruppe fährt. Nicht so praktisch ist der High-Tec Sattel von Fabric. Klar, der sieht gut aus, voll Carbon und, das wichtigste, da steht klein irgendwo „Airbus“ drauf, weil er zusammen mit Airbus entwickelt wurde, aber angesichts des Komforts wäre ein Prägung „Boeing 737 max“ doch irgendwie treffender.

Der Jan-Reiner-Weg raus nach Borgfeld war voll wie immer und als ich zum Startpunkt kam drehte ich mich in Position und versuchte konstant schneller als 30 km/h zu fahren, was bei dem Gegenwind gar nicht so einfach war. Christian kam mir entgegen, wahrscheinlich war er auch gerade fertig geworden und so sah er auch aus.

Die Battle

Auf der Straße von Huxfeld nach Wilstedt rein kam mir dann Vanessa entgegen, die vermutlich gerade ihre Battle beendet hatte. Sie sah, äh, ein wenig fertig aus und schenkte mir ebenso wenig Beachtung. Ich hatte auch keine Zeit zu schreien, zu grüßen oder umzudrehen, denn ich war ja im Battlemodus und das erste Ortsschild war nur wenige hundert Meter vor mir. Der Wind kam quer von vorne und ich war noch richtig gut drauf – wenn ich das bei Strava richtig sehe bin ich da mit 39s und 36er Schnitt 3. geworden. Guter Start, wenn ich das nur gewusst hätte.

Es ging dann voll gegen den Wind raus Richtung Tarnstedt und am Kreisverkehr dort dieselbe Straße wieder zurück – diesmal schön mit Rückenwind. Da ich nicht genau wusste, wo die Segmente anfangen und wo genau sie aufhören (denn auf der Strava Karte sieht man ja nicht wo die Dinger genau liegen), habe ich etwas länger durchgezogen. Die sind eh schon verdammt lang angesetzt gewesen, eher 400m als wie angekündigt 200m lang, so dass da weniger Sprint als Beissen angesagt war. Mit 34 s und 40er Schnitt wurde ich da immerhin noch 8. – auch nicht schlecht. So langsam hätte ich eine Bewerbung für die Rg Bremen schreiben können.

Mit gutem Rückenwind ging es nun raus Richtung Buchholz. Unterwegs kam mir ein Rennradfahrer entgegen den ich nicht kannte. Der kam mir dann später noch einmal entgegen, ich konnte den später aber dann nicht bei Strava, noch bei den Fly-bys finden. So wie der da rum-eierte denke ich mal, dass er einen dieser seltenen Momente im Leben hatte, in dem er entschied seine Aufzeichnungen später nicht auf Strava hochzuladen. Warum eigentlich, ist doch total egal, ob man da gut fährt oder nicht. Hauptsache man hat Mumm und zieht das ganze durch. Außerdem fand ich das auch doof, da ich ja an sich nicht Letzter werden wollte.

Nachdem ich jetzt schon über eine Stunde unterwegs war, dachte ich mir, es wäre doch eine gute Idee einen Schluck Wasser zu trinken. Ich griff nach unten in ein Loch, das schwärzer war als ein schwarzes Loch. In diesem schwarzen Loch war meine Trinkflasche verschwunden. Und durch dieses schwarze Loch fiel sie dann genau auf den Küchentisch bei mir zuhause, wo ich sie fand, als ich zurück nach Hause kam. Seltsam. Dann auch besser keine trockenen Müsliriegel essen? Dann stellte ich fest, dass ich diese zuhause hatte liegen lassen – super, dieses Problem stellte sich somit auch nicht.

Die Frage war nur, ob ich drei Stunden ohne Energie und Wasser durchhalten würde.

Aber hey, wenn ich schon eine Stunden gefahren war, dann würde ich auch noch zwei durchhalten, oder? Also sprintete ich von Dipshorn am 3. Ortsschild nach Wilstedt rein, mit unglaublichen 30 km/h. Wow. Das konnte ja lustig werden.

Es ging nun raus nach Vorwerk und über Bülstedt wieder rein nach Wilstedt. Am Vortag, mit dem Wind richtig im Rücken war ich da noch richtig schnell gefahren, aber jetzt war da einfach nur noch überleben angesagt. Zum Glück hatte ich noch genug Energie und 4 von 6 Sprints hinter mir.

Es ging jetzt raus Richtung Dipshorn und dann von Vorwerk rein nach Wilstedt. Diese Strecke war ich noch nie gefahren und ich hatte keine Ahnung wo das Ortsschild ist. Entsprechend spät zog ich an und entsprechend schlecht war die Zeit. Und spätestens jetzt hatte ich auch keine Power mehr – dummerweise kam aber jetzt noch ein Sprint voll gegen den Wind, von Buchholz rein. Boh, das war so peinlich, darüber möchte ich nichts schreiben.

wind

Aerokinn

Nachdem ich jetzt das Sprintprogramm erledigt hatte, musste ich mich nur noch nach Borgfeld retten. Die ganze Zeit hatte ich diese Vision von einer riesigen Colaflasche am Horizont vor mich, die nie näher kam, auch wenn ich schon seit gefühlten Stunden ihr entgegen fuhr. Man war ich froh, als ich endlich beim Rewe in Borgfeld rein konnte und mich mit den schlimmsten Ernährungsfallen und Getränken eindeckte, die diese Welt zu bieten hat.

Am Ende machte ich den 9. Platz (von 10 Teilnehmern), da sind ja noch mehr gefahren, aber was ich so gehört habe, haben sich da ja einige „verfahren“ oder „das Navi ging auf einmal kaputt“, so dass wohl nicht alle Ergebnisse hochgeladen wurden. Ist ja auch egal, ich war froh das getan zu haben.

Nachgang: Battle of Okel (BOO)

Super Idee von Schnippo. Und gute Ideen werden natürlich gleich in Serie kopiert. Daher mein Vorschlag für Samstag den 11. April: Battle of Okel:

Battle of Okel

Strava Route

Im Gegensatz zu Sprints auf Wilstedt sind hier fünf der fiesesten Anstiege zu fahren, die Bremen und umzu zu bieten hat, darunter der Krusenberg und der Okeler Berg.

  1. Krusenberg auf Strava
  2. Syke – Osterholz auf Strava
  3. Syke Golfplatz auf Strava
  4. Okeler Berg auf Strava
  5. Syke Schnepke auf Strava

Insgesamt müssen auf der 70 km langen Strecke krasse 300 Höhenmeter zurückgelegt werden, davon 200 Hm unter Battlebedingungen – im Profil sieht man ja schon gut wie unglaublich hart das werden wird – sieht aus wie die Sella Runde.

Sellaronda Bike Day: Die Pässe gehören den Radfahrern – Südtirol News

Der Gewinner und die Platzierungen werden ermittelt unter allen Teilnehmern die am 11. April den gesamten Kurs fahren. Dabei werden die Zeiten alle 5 Anstiege addiert und daraus der Gewinner und die Platzierungen ermittelt.

Falls das Wetter an dem Tag nicht mitspielt werden wir das ganze verschieben.

Und wer bastelt schon an der nächsten Battle für den 25. April ?

Die schönsten Rennradziele in Italien und Spanien

Blick auf Okel vom Golfplatz aus (Serviervorschlag)

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