Archiv der Kategorie: Reus

Reus. Die Zukunft der Nostalgie.

Vor etwa drei Jahren baute ich ein Reus Rennrad für Julian auf. Das gefiel mir so gut, dass ich Julian mehrfach anbot das Rad jederzeit zurückzukaufen. Letztens schickte mir Julian einige Photos von dem Rad und nun weiß ich wo er mir dem Rad war und was daraus wurde.

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Der Originalaufbau

Die Details über den Aufbau und die Wahl der Komponenten lassen sich hier auf dem Blog bei Interesse nachlesen. Die Kombination des dunkelgrauen Rahmens mit roten Laufrädern und Züge hatte so etwas leicht vampirelles; noch besser als das war das Fahrverhalten: Wirklich schnell, agil, resonierend im Wiegetritt, fast so gut wie mein Canyon Positivo, was (leider) immer noch das Maß aller Dinge darstellt.

Julian fuhr mit dem Rad 2014 im Blockland um Bremen herum, was uns erahnen lässt wie gut das Reus aussehen könnte, wenn er eine Stunde früher losgefahren wäre. So sehen wir allerdings die Schönheit des Blocklandes.

Blockland

Reus 2014 im Blockland

Im Sommer 2015 ging es in die Schweiz und seinen Pässen.

Kunkelspass 1

Kunkelspass

Der Pass ist in der Nähe von Chur. Schön, das Rad sieht quasi original aus, nur Flaschenhalter, Klickpedale und Satteltasche sind dazu gekommen. Ich finde ja allen möglichen Klimbim am Rad nicht so sexy, aber auf längeren Touren muss man halt Kompromisse machen.

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St. Gotthard (Tremolo)

Zwei Tage später: Ah ja, eine Luftpumpe, ein Tacho und ein Plastikadapter für irgendetwas sind am Lenker montiert. Und sogar noch die Originalreifen..

Gotthardpass

St. Gotthard im Juni

Furkapass

Drei Tage später am Furkapass

Heiligenrode

Irgendwann in Heiligenrode

Hoffentlich ein Photo neueren Datums. Das Rad sieht immer noch gut aus und hat jetzt auch endlich vernünftige (wenn auch nicht gut aussehende) Reifen: Conti GP4000.

Als ich die Photos sah, dachte ich an den Film Amelie,

und wie die Heldin Ihrem Vater heimlich einen Gartenzwerg entwendet, Photos von verschiedenen berühmten Gebäuden der Welt mit dem Zwerg davor macht und diese als Postkarten (Absender: Zwerg) an ihren Vater schickt.

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Es freut mich immens, das ein Rad das ich für gelungen halte, so viel herum kommt, gut genutzt wird und Freunde bereitet. Danke, Julian.

Andere Geschichte: Heute bin ich die ersten 100 km (an einem Tag) in diesem Jahr gefahren. Auf dem 3Rensho, dass sich nun, frisch japanisch gesegnet und mit neuem, breiteren Felgenband ausgestattet klaglos und gut verhielt. Der Himmel war blau, kaum eine Wolke zu sehen und trotzdem regnete es punktuell ab und an: Hier mal 15 Meter auf der Parkallee, da mal 20 Meter an der kleinen Wümme. Wirklich eigenartig. Eigentlich wollte ich ja mit den anderen heute raus, aber ich verpennte die schnelle Gruppe um zehn, eine weitere um 11 und dann auch die um 12. Nach drei Uhr wurde es wirklich kalt, und so stieg ich das erste Mal nach 82 km vom Rad und machte eine kurze Pause zum aufwärmen im Cafe in Fischerhude. Die letzten 18 km nach Hause waren dann weniger prickelnd.

Das war die erste länger Fahrt (Strava) mit dem 3Rensho und ich bin mal gespannt, wie sich die Geschichte diese Rades, gerade in Photos entwickeln wird.

 

 

 

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Reus Supersangue

Jan de Reus war holländischer Radprofi vor dem 2. Weltkrieg. Nach dem Krieg eröffnete er seinen eigenen Laden in Zwanenburg und begann später, zusammen mit seinem Sohn Jan de Reus Junior (* 1946) eigene Stahlrahmen zu löten. Den Radladen gibt es heute noch; einige seiner Räder kursieren auf im Netz und im Web und hier und dort.Ob er ein Vampir war ist nicht bekannt.

Vampirella_by_Kidd_P

Kai P. stellte mir eines Abends im Winter seinem guten Freund Julian vor, der ein Rennrad suchte. Ich hatte nichts passendes für ihn in der Garage (aka Area 51) und wir einigten uns darauf, dass ich ihm auf der Basis eines Stahlrahmens etwas modernes zusammenbauen würde. Eigentlich wollte Julian etwas in Burgundrot, aber langsam ging uns die Geduld bei der Rahmensuche aus und ich kaufte doch für relativ viel Geld einen leichtem Jan de Reus Rahmen aus Reynolds 531 Stahlrohr in dunklem grau; damit ließen sich bestimmt eine Menge farblicher Variationen herstellen. Der Rahmen kam komplett mit Hatta Swan Steuersatz und Campagnolo Innenlager sowie Startnummernhalter am Oberrohr; all dies sah sehr professionell aus.

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Ich weiß auch nicht warum ich immer bei holländischen Rahmen hänge bleibe. Vermutlich liegt es daran, dass die erstens meine Größe haben, zweitens nicht ganz so beliebt sind und relativ günstig zu haben sind, und drittens oft angeboten werden. Ich hatte eine Gazelle, habe noch ein Union und zwei Concorde und irgendwann einmal werde ich vermutlich auch ein Duell besitzen.

Der Aufbau gestaltete sich sehr langsam; die Vorgabe nach Burgundrot war sehr schwierig umzusetzen und die ersst geplante Gruppe 600 Trikolore STI gefiel mir nicht gut genug für diesen Rahmen (liegt jetzt in der Kiste). Schließlich entschloss ich mich meine Ultegra 6500er Gruppe, die ich ursprünglich 2008 für mein Cervelo Soloist gekauft hatte zu verbauen. Die Gruppe hatte ich 2009 durch die neuere 6600er ohne „Wäscheleinen“ ersetzt und dann zunächst an einem Faggin und später an einem Chesini montiert. Mit dem „ice grey“ Finish von Shimano passte sie sehr gut zu dem Rahmen und bot alle Vorzüge einer modernen 10fach STI Schaltung. Danach ging es dann schneller vorwärts, die Grundrichtung war mit Shimano vorgegeben, auch wenn an der Kettenstrebe ein Campagnolo Aufkleber strahlte; aber das sehr bescheidene Wetter hinderte mich daran Probefahrten zu machen und alles perfekt einzustellen.

Aber im einzelnen:

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RAHMEN

+ Jan de Reus RH58 Stahlrahmen aus Reynolds 531 inkl.Gabel, ca Mitte Neunziger; 100/126 mm
+ Sattelstütze 27,2 mm
+ Bremzugführung im Oberrohr
+ Angelötete Schalthebelsockel, Umwerferadapter, 2 Flschenhalter, Startnummernhalter
+ Pantographien an der Gabelkrone, Steuerkopfmuffe unten innen, Innenlager links
+ Schaltzugführung unter dem Tretlager
+ Ausfallenden Campagnolo mit Stellschrauben

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BERÜHRUNGSPUNKTE

+ Lenker Nitto Mod. 55 42cm breit
+ Lenkerband 3T
+Vorbau Kalloy silber 80 mm
+ Sattel Charge Spoon schwarz
+ Sattelstütze BLB Aero 27,2 mm
+ Pedalen MKS Stream schwarz, beidseitig fahrbar

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BREMSEN UND ANTRIEB

+ STI Hebel Shimano Ultegra 6500 10-fach mit Wäscheleinen
+ Bremsen Shimano Ultegra 6500 ice grey finish, vorne mit roten Bremsschuhen.
+ Shimnno Ultegra 6500 Umwerfer
+ Shimano Ultegra 6500 Schaltwerk
+ Wippermann Connex Kette
+ Shimano Dura Ace 7500 Kurbel mit neuen Kettenblättern 
+ Shimano 105 Kassette 12/26 
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LAUFRÄDER

+ Vorne Campagnolo Record Nabemit DT Swiss Revolution Speichen und Rigida Nova Felge 32L
+ Hinten Shimano Dura Ace 7500 Nabe mit DT Competition Speichen und Rigida Nove Felge 32L
+ Neues Felgenband, Schläuche, rote Ventilkappen, Reifen Schwalbe Blizzard udn Continental Ultra Sport

Ich hatte an sich einen Satz Shimano 105er Naben mit Mavic CXP33 Felgen in Silber für den Aufbau gekauft, die roten ungeösten Rigida Nova sahen aber so viel besser aus. Klickpedale kamen nicht in Frage, da auch in der Stadt gefahren werden sollte, kamen die sehr praktischen beidseitig fahrbaren MKS Stream zum Einsatz.

Endlich hatte ich Ostern alles zusammengebaut und heute war das Wetter wenigstens so, dass es so aussah als könnte es in absehbarer Zeit einmal Frühling werden. Ich machte mich also zum abstimmen und photopraphieren auf die Straße. Nach ein bißchen Gefummel an der Schaltung und dem Nachstellen der Hinterradbremse lief das Rad wie von selbst. erstaunlich wie gering der Unterschied in Beschleunigung, Kurvenlage und bremen im Vergleich zu meinem Canyon Carbonrad ist. Sicher, das Canyon ist schneller und agiler und etwas präziser; aber das ist nicht etwas was man sofort und überall merkt.  Natürlich hatte ich auch mal wieder geschludert; der Sattel war nicht festgestellt und rutschte nach hinten als ich mich setzte. Aber das kann man ja schnell justieren.

Zum Abschluss stieg ich noch einmal richtig aus dem Sattel und jagte im harten Wiegetritt die Bahnüberführung hoch. Wobei ich mir prompt den Lenker verdrehte und mich fast hingelegt hätte, den ich hatte vergessen den Vorbau zu fixieren. Ein Glück, dass ich das noch bemerkt habe.

Alles in allem ist das aber ein Rad, dass ich liebend gerne auch selber behalten und ab und an fahren würde. Das dunkelgrau – Rote Finish erinnert mich irgendwie an Vampire, Blutgefäße und so ein Zeuch, wie in diesem japanische Lorelei U-Boot Film.  Deshalb Supersangue.

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3 Kommentare

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Reus Faktor Positiv

Hier ein paar Bilder von einem Reus Rennradrahmen, den ich vor ein paar Tagen gekauft habe. 

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Zuerst dachte ich, hm, dunkles grau, mein Gott wie langweilig, nur ein holländischer Rahmenbauer der direkt hinterm Deich lebt und immer starken Wind, Regen und schlechtes Wetter erfährt kann in einem depressiven Anfall auf so eine Farbkombination kommen. Aber je länger ich mir den Rahmen ansehe, umso besser gefällt er mir. Eigentlich ist dunkles grau auch eine gute, neutrale Farbe an der man alles an auffälligen Farben anbauen kann. Und so ergibt sich eine schöne Alternative zu dem weiß/schwarzen Einerlei was sonst so an Rädern hängt (an meinen übrigens auch).

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Der Rahmen hat einen gut laufenden Hatta Swan Steuersatz vorne und , was noch viel besser ist, eine Befestigung für eine Startnummer kurz vor dem Steuerkopf. Das ist halt eine echte Rennmaschine gewesen, nicht für Amateure. Jan de Reus war (angeblich) ein bekannter holländischer Rennradfahrer in den Dreissiger Jahren, der dann anschliessend Rahmen gebaut hat. Nun dieser Rahmen scheint aus den Achtzigern zu sein, von daher muss der jan ja verdammt lange gelebt haben.

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Das Innenlager ist von Campagnolo. Innenlager finde ich nicht sooo spannend und nach meinen Erfahrungen tut es ja letztendlich doch ein gutes Patronenlager von Kinex auch. aber das hier ist natürlich das orginale, offene Lager. Die Schaltzugführung läuft unter dem Tretlager.

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Ausfallenden von Campagnolo  mit Stellschrauben. Wie heissen die noch mal? Portacatena? Und was heisst das eigentlich? Den großen Nachteil alter Ramen finde ich ja schon den in den Rahmen integrierten Schaltwerkadaptor. Wenn da mal was schief geht und das Ding abreisst ist der rahmen hinüber bzw. nur mit sehr viel Mühe wieder zu reparieren. Na ja, oder man baut das Ding einfach in ein Fixie um.

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Tretlagerstandard ist natürlich ITA. Schicker Campagnolo Aufkleber auf der linken Kettenstrebe.

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Gabel aus Reynolds 531 Geröhr. Oben pantographiert, übrigens genauso wie das Tretlager auf der linken Seite. Die Pantographie hat nicht den Charme Italiens, sieht eher etwas nach dem Druckbuchstabenkasten aus der Kinderpost aus, aber so what. Ich denke diese würde ich noch einmal neu farblich auslegen, vielleicht in rot.

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Ah, diese Aerodynamik. Hier sieht man auch rechterhand das pantographierte Tretlager.

1205 Der Reus Faktor Positiv 10Alles in allem wirklich ein toller und leichter Rahmen, aus dem sich auch in Punko Design noch eine Menge machen läßt. Ich freue mich schon darauf in den Ferien an ihm basteln zu können. Ich denke ein modernes Rennrad, also mit STIs läßt sich daraus sehr gut bauen.

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