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Amstel Gold und Syke Silber

„Hallo, ich bin der Norbert.“ Hände wurden geschüttelt.

Da werden ja heute eine Menge Jungs mitfahren dachte ich, als ich an der Ampel vor der Erdeerbrücke stand und gleich zwei neue Gesichter mit Jerseys des TCB (Teeny Club Bremen) neben mir warteten.  So langsam ging mir auf, daß ich vielleicht neben der Konkurrenz stehen würde.

„Äh, seit ihr vom Club Bremer Triathleten?“ 
„Was???? Natürlich nicht, wir sind vom Triathleten Club Bremen!“

Ein Tag der anfängt wie ein nie gedrehter Radsportfilm von Monty Python kann kein schlechter Tag werden. An der Weserbank (die Bank mit der Hausnummer Wehrstraße 1) warteten schon eine Menge Mitfahrer, insgesamt wurden es mit mir sechs heute: (Namen geändert): Onne, Aufdi Hügel, Drücker, Jan (Nachname) und Godzilla. Gerhard Polt, ein Name bei dem ich mir nicht sicher bin ob er überhaupt in Norddeutschland zitiert weden darf, hat zu so einer Ansammlung von potentieller Kraft einmal gesagt: „Wir waren ein Haufen PS.“

Und schon ging es los. Leider bin ich völlig überfordert hier wiederzugeben wohin wir denn gefahren sind. Wenn ich fragte, dann hieß es „südlich von Syke“, was nach allgemeinem Verständnis etwas anderes bedeutet als „südlich von Bremen.“ Als ich nach Hause kam, hatte ich aber mehr als 300 Höhenmeter auf dem Tacho, und das ist bei 76 km Strecke insgesamt doch eine ganze Menge. Teile der Strecke waren die schwierigsten Teilstücke aus dem Frühjahrsklassiker „Barrien Butterkuchen RTF“.

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Wir kamen nach Heiligenfelde. „Ist nicht hier die Mühle, wo wir letztes Wochenende waren?“ „Nein, das ist Heiligenberge.“ „Was, ist das hier schon Sudwehye?“ „Nein, das ist hier Sudwalde.“  „Wistedt oder Wilstedt?“ „Nein, Ristedt.“ Irgendwie hatte ich das Gefühl, noch nicht in der Heimat angekommen zu sein. Als ich nach 12 Jahren Tokyo im Mai 2010 nach Bremen mit meiner Familie zurückkehrte, hätte ich vielleicht doch das Angebot meines Arbeitgebers für ein sechsmonatiges Resozialisierungstraining im Auffanglager Friedland annehmen sollen. In Japan hießen die Orte durch die ich fuhr etwa Higashimatsubara (Östlicher Kiefernhain), Yamabushitoge (Pass der kriegerischen Mönche) oder Okutamakoeki (Bahnhof am inneren Juwelensee), also einfach merkbare Namen mit assozierbaren Begriffen. Aber hier? Okel? Neu-Bruchhausen? Riede? Felde?

Update: Danke an Enno für die Daten der Runde:
http://www.sports-tracker.com/#/workout/enno/d2blse5ggrufm067

Ein Haufen PS fuhr also willen- und orientierungslos, aber schnell durch die Gegend. Mit Drückerwind ging es ganz gut raus und wir machten schön unsere Kilometer. Aufdi Hügel ging fast an jedem Berg in die Eisen und der Rest von uns hatte Mühe ihm zu folgen. Danach fanden wir uns als Gruppe aber immer wieder zusammen. Insgesamt war es deutlich anstrengender als das letzte Wochenende, auch wenn wir am Ende weniger Kilometer in den Beinen und auch einen langsameren Schnitt gefahrenn sind. Am Ende mussten wir danna uch gegen den Wind fahren, aber ich will nicht motzen, Aufdi machte viel Arbeit an der Spitze und das Wetter blieb zum Glück trocken.

Nach 2 1/2 Stunden waren wir wieder zurück an der Bank und konnten nun nach Hause fahren, um den eigentlichen Wochenendtätigkeiten nachzugehen: Terassen bauen, Kaffee trinken, Sesselförmige Ansehstücke im Wohnzimmer bewundern und vor allem wohl duschen und schlafen. Ich setzte mich vor den Fernseher und schaute mir das Amstel Gold Race an. Das einzige große Radrennen das klingt wie eine Biersorte. Erstaunlich wie viele Berge es in Holland gibt, aber erstens sind darüber ja schon Lieder darüber  geschrieben worden und zweitens habe ich ja doch den Verdacht, daß es sich um ein und denselben Berg handelt. Ich bin mal mit Muckel und Rote Zora in einem Wohnviertel in Ritterhude rumgefahren auf der verzweifelten Suche nach Bergen als Vorbereitung für die Transalp. Das war durchaus ähnlich. Außerdem konnte ich feststellen das im Gegensatz zu der Tour de France, die Kühe mit dem Peloton über das Feld laufen. Und dieser junge Franzose, Bradet war sehr mutig aber noch besser hat mir Skysurfer5, auch bekannt unter dem Namen Oscar Freire gefallen.

Der hatte sich ja heute morgen um 4 oder 4 aus Bremen weggeschlichen, angeblich um in den Harz zu fahren und Höhenmeter zu sammeln. Das war aber kein Harzer, sondern Limburger Käse was er schrieb, denn er fuhr direkt nach Holland und fast hätte er es auch geschafft das Rennen zu gewinnen. Das war wirklich spannend.

Zeit die Dienstagsbank wieder zu beleben (Dienstags, 19 Uhr Haus am Walde). Oder die Donnerstagsbank.


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Niedersachsenrundfahrt

10 Uhr an der Bank Weserstrasse heute. Auf nach Niedersachsen, links-weserisch.

Seit langer Zeit wieder eine Ausfahrt mit Leuten aus dem Rennrad-Forum. Als Vorbereitung darauf bin ich am Abend um Acht Uhr ins Bett gegangen, küsste meine Tochter zum Abschied und hing mir eine Kopie des heiligen Christopheruses um, die Tom Boonen letztens von Tjörven Cleenewerck erhalten hatte. In völliger Überschätzung meines körperlichen Kampfkraft setzte ich mich auf mein Union Fixie und fuhr los. Einen Reifen habe ich mir allerdings nicht drangebunden, das macht man nur in Japan zum Training wenn man erstens früher Keirin gefahren ist und zweitens über 70 Jahre alt ist. Sonnig, kalt und windstill, besser kann es fast nicht sein. Doch ein bißchen wärmer, wegen der Füße.

An der Bank warteten bereits die andren. Um ihre Identität geheim zu halten will ich ihnen einmal andere Namen geben: Brummifahrer, Will Work, Hobby und Don Carlos. Als sie mich mit dem Union und meiner flachen Landstraßenübersetzung 52/16 sahen, gab es großes he,he; und ene völlige Fehleinschätzung meiner Leistungsfähigkeiten. Ich war allerdings beeindruckt angesichts der Tatsache, daß Will Work keine Handschuhe anhatte und Hobby kurze Hosen – mir wäre das zu kalt. Später fand ich allerdings raus, dass Will Work sehr enge Lederhandschuhe mit Hautaufdruck von Chanel und Will Work hautfarbene Leichtpelzbeinlinge von Jack Wolfskin trug.

Wir einigten uns schnell auf eine ca. 100 km lange Runde nach Bruchhausen-Vilsen, der Stadt aus der das legendäre Vilsa kommt.

Vilsa Limette PET 12 x 1,0 l

Das Bild zeigt nicht, wie zunächst angenommen werden könnte, 12 Fahrer des Liquigas Teams die ich Dreierreihen durch einen Tunnel fahren, sondern eines der wunderschönen Produkte der Stadt Vilsa, die seit eh und je die Welt beglücken. 

Zunächst fuhren wir also auf dem Deich, bis wir recht fix abbogen und dann irgendwie auf die Straße Richtung Süden kommt, auf der man dann rechts nach Syke abbiegen kann, genau L331. Hobby und Will Work zogen den Rest der Truppe quasi die ganze Zeit. Meine Ortskenntnis war genau hier zu Ende. Zum Glück war es flach, windstil und die beiden machten vorne gut Tempo im 30/33er Bereich so daß wir gut durch die Dörfer kamen. Die Straßen waren auch genial leer, Niedersachsen war vermutlich im Garten und suchte Eier. Wir kamen dann durch weitere Dörfer mt Namen wie Tierfuttermittel bis wir recht fix in Bruchhausen-Vilsen waren. Brummifahrer verließ uns dann und wir fuhren zu viert weiter.

Wie bereits geschrieben, ich hatte nicht mehr die geringste Ahnung wo ich war. Es folgte ein Berg, ganz erstaunlich, bei dem ich völlig einsackte und mit Abstand als letzter den Pass erreichte. Will Work fragte schelmisch, ob wir Lust auf eienn Abstecher ind ie Heiligenfelder Geest hätten. Klar, hatten wir, das liegt übrigens auf der Niedersächsischen Mühlestraße. Also wenn man die Halmastraße immer gerade aus fährt, den Mikadoweg und die Schachallee hinter sich läßt und dann links abbiegt. Also, kam mir jedenfalls so vor. Vereinzelnte Sprachfetzen die ich hörte und die Kennzeichen gelegentlich vorbeifahrender Autos deuteten darauf hin, daß wir uns noch in Deutschland befanden.

Dann kam ein fieser Berg und zwar an der Klostermühle Heiligenberg. Mit meiner Übersetzung fuhr ich da mit 8 km/h im Zickzack hoch. Will Work erzählte mir, daß man dort lecker Kuchen essen kann, der Laden wird von zwei Östereicherinnen betrieben. Rechts sah ich ein blondes Madel im Dirndl. Ich hätte stehen bleiben soll. Habe ich aber nicht.

Es ging zurück nach Bruchhuasen-Vilsen und dann etwas gemütlicher zurück an die Weser. Als wir an der Bank ankamen hattenw ir 94 km hinter uns (ich etwas mehr wegen dem Zickzack am Berg). Don Carlos konnte zu den 26 km zur Bank noch einmal die gleiche Distanz nach Hause draufpacken, ich hatte es etwas weniger weit.

Ich kam nach Hause, aß zu mittag und sah dann dies:

Tom-Boonen-Paris-Roubaix-2012-winner.jpg

Dieser Mann hatte einen etwas härteren Tag hinter sich. 

Nach Paris, Roubaix und Dusche machte ich mich mit meinem Sohn an die Gartenarbeit, um endlich einmal andere Muskelgruppen als die Beine zu belasten. Die Idee kam mir im Gespräch mit Hobby, der so etwas ähnliches macht, aber in Ermanglung eines Gartens Hanteln benutzt.

Ich hasse Gartenarbeit. Als ich vor zwei Jahren aus Tokyo zurückkam und die Wohnung in Bremen gekauft hatte, sagte der Makler noch zu mir „Hier haben sie auch einen wundeschönen, großen Garten, da können sie auch draußen sitzen.“ Wenn man 12 Jahre in Tokyo gelebt hat, 12 Sommer dort mitgemacht hat (36-40 Grad, 99% Luftfeuchte), dann kann man in Bremen nur mit Chanel Handschuhen und Jack Wolfskin Beinlingen draußen sitzen. Habe ich noch nie gemacht. Nur zum rauchen oder Rad putzen. Wenn ein Makler heute so etwas zu mir sagt, dann klingt das wie: „Nebenan ist eine chemische Farbrik einer iranischen Firma, die geht irgendwann in die Luft oder sie bekommen vorher Lungenkrebs.“ Ja, das ist ungefähr gleich mit dem Charme der Gartenarbeit auf mich ausübt.Nie mehr will ich ein Haus, das irgendetwas organisches draußen hat.

Es war und ist aber ein schöner Tag gewesen und die Ausfahrt hat mir sehr viel Spaß gemacht. Das schöne daran mit Anderen zu fahren ist, daß man neue Straßen und Berge kennenlernt, sich unterhält und viele neue Dinge erfährt.

Und der Windschatten.

Fotos von Hobby.

Strecke von Don Sebastiano

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