Schlagwort-Archive: Jörg

The Munsters (continued)

Der Startschuss für Block B wird abgefeuert und alle vor uns fahren los. Nachher wird sich herausstellen, dass es gar keinen Startschuss gab, sondern dass der Reifen von Jörg ziemlich laut platzte.
Egal, jetzt waren erst einmal alle Betablocker auf der Strecke und der C-Block musste noch kurz warten, bevor dieser dann an Jörg vorbei fuhr. Ich hatte ihn ehrlich nicht gesehen, da ich am start mal wieder wie auf Speed war und nach Gelegenheiten suchte mich nach vorne zu drängeln.

Jörg wurde dann nach dem Flicken am Betreten der Strecke gehindert und gezwungen statt der 130 km die 60 km zu fahren. Damit war er alles andere als happy. Andererseits ersparte er sich auch eine Menge Leid und Schmerzen.

Meine Renntaktik ist relativ simpel: Ich weiß, dass wenn ich nicht gleich am Start in eine der schnellen Gruppen komme, dann kann ich nur sehr bescheidene Ergebnisse erreichen. Also versuche ich mich so schnell wie möglich von hinten nach vorne durchzuschlagen, auch wenn das sehr viele Körner kostet. Da sich ja meistens Gruppen bilden, versucche ich dann so lange wie ich kann von einer Gruppe auf die nächste zu springen. Das klappte auch in Münster wieder ganz gut, kostete aber jede Menge Kraft. Nach 3 km sah ich dann aber nicht mehr die Spitze des C-Feldes, die waren dann schon zu weit weg nach vorne. Als sich auch dann eine größere Lücke zur nächsten Gruppe auftat blieb ich erst einmal in meiner Gruppe. Die wilde Jagd hatte doch sehr viel Kraft gekostet und am liebsten hätte ich schon aufgehört. Zumal das Wetter auch echt mies war und gerade mal 20 km gefahren wurden.

Dummerweise passierte nun folgendes: Unser Feld wurde immer kleiner, da hinten immer mehr Fahrer rausfielen. Ich finde so etwas ja erst einmal gut, da ich glaubte, dass wir irrwitzig schnell waren. Bislang hatte ich nur überholt und bin fast gar nicht überholt worden. Aber als wir nur noch 5 oder 6 Fahrer waren und keiner mehr Lust hatte in den Wind zu gehen wurden wir auch langsamer und das war gar nicht mehr lustig. Da war noch ein Mannganz in weiss, er hatte so etwas an, dass mich entfernt an ein altes schwarz-weisses Peugeot Trikot erinnerte. Mir nahmen uns gemeinsam vor aus unserer Gruppe auszubrechen und auf eine ca. 200m vor uns liegende Gruppe aufzuschliessen. Das klappte ganz gut, wir wechselten und vorne ab, hatten uns schnell von den anderen abgesetzt aber die Distanz zur vorderen Gruppe war einfach sehr weit. Schliesslich schaften wir es, nur um festzustellen, dass die ziemlich lahm waren und auch gerade auseinanderfielen. Mist. Jetzt waren wir total schlapp, fühlten uns aber wie Eddy Merckse.

Dann kamen wir durch eines dieser Dörfer. Bei dem Münsterlandgiro fand ich die Dorfdurchfahrten allesamt ziemlich mies und riskant. So als hätte man es darauf abgesehen den Fahrern eine gute Chance zu geben, sich vor großen Publikum auf die Fresse zu legen. Durch den Lautsprecher hörte ich, dass eine große Gruppe im Anmarsch sei ..stimmt… alle Fahrer die wir vorher unter vollem Krafteinsatz hinter uns gelassen hatten, kamen nun in einer schönen großen Gruppe von ca 60 bis 80 Fahrer schnell hinter uns her und holten uns ein. Dabei waren auch drei Mädels. Diese Gruppe war nun gut drauf, da sie sich die Kräfte vorher besser eingeteilt hatte und wir konnten erst einmal bei ihr bleiben.

Das ging dann auch ganz gut bis etwa 40 Kilometer vor dem Ziel, knapp vor den Schöppinger Bergen, wo die Bergwertung stattfand. Ich merkte, dass ich nicht mehr allzuviel Power hatte und zudem bekam ich jetzt richtig üble Krämpfe in beiden Beinen. Hatte ich früher auch schon mal, aber nie nach läppischen 90 Kilometern. Muß das Alter sein. Und irgendwann war es dann vorbei. Ich hatte Glück als die vordere Gruppe einmal geradeaus fuhr, wo sie hätte links abbiegen sollen, aber dann fiel ich endgültig hinten aus dem Feld. Ich hasse diesen Moment, wo man merkt, dass man nicht so gut ist wie die Anderen.

Also machte ich erst einmal eine kurze Pause und schleckte zwei Müsliriegel. Die Dinger bekam ich mit meinen Handschuhen nicht auf, deshalb musste ich halten. Und eigentlich wollte ich nicht halten. Ich war nämlich wieder in Kontakt mit meiner EX-Freundin Ute, die in Stadtlohn wohnt und geschrieben hatte, da ich ja ohnehin beim Rennen durch ihre Stadt kommen würde, sollte ich einmal halten und mit ihr auf die Schnelle einen Kaffee trinken. Das hatte ich abgelehnt, also fühlte ich mich moralisch verpflichtet immer schön durchzufahren.

Ich saß nun wieder auf dem Rad, fuhr langsam und hatte also nun den gesamten Mund voll mit klebrigem Müslizeug und konnte kaum noch atmen. Dann tauchten dummerweise die Schöppinger Berge vor mir auf. Berge hochfahren ist gaaanz schlecht wenn man den Mund voll Pattex hat. Als er dann endlich wieder leer war, war ich auch fast schon oben auf dem Berg. Denn so wahnsinnig beeindruckend sind die Schöppinger Berge auch nicht.

So langsam bekamen wir zum Glück auch wieder eine Gruppe zusammen. Damit machten wir wieder ein bißchen mehr Druck. Hinter uns kam gar nichts mehr, was mir vielleicht auch hätte zu denken geben sollen. Wir waren eben eine Gruppe von Loosern. Und so ging es dann die letzten dreissig, vierzig Kilometer Richtung Ziel. Wir holten dann auch den weißen Peugeotmenschen ein, der auch aus der schnellen Gruppe rausgefallen war. Ich war relativ viel vorne und machte Tempo, hatte dummerweise aber auch eine Menge Krämpfe. Am Ziel gab es dann noch den lustigen Versuch eines Sprints, aber eigentlich war uns alles egal.

Mit meiner Leistung war ich ganz zufrieden, bis ich die Ergebnisse sah. 3:45:40 H Leiden reichten gerade mal für den 484. Platz von 677 angekommenen Fahrern. Das erstaunte mich doch sehr, denn ich bin ja außer von dem großen Feld einmal nicht überholt worden und dachte ich wäre der Superstar. Ich hatte auch ein paar Fahrer aus dem Betablock eingeholt. Aber dann muß der A und B Block doch recht  groß und recht schnell gewesen sein, was mir Stefana auch nach dem Rennen bestätigte.

So machen das übrigens Profis:

Video von WDR3.

Na ja, also ich stand da rum und dann entdeckte mich Stefan. Wir sahen beide ziemlich dreckig, nass und fertig aus, was erst einmal dokumentiert werden mußte:

 

Die vielen braunen und grauen Punkte auf dem Photo sind nicht von Instagram, sondern echter Dreck.

Wir hatten auch keine große Lust mehr in Münster zu bleiben, zumal es auch schon wieder anfing zu regnen. Jörg war bereits am Auto wo wir uns alle nackt auszogen um in warme Klamotten zu kommen. Machten alle so, ausziehen, abtrocknen (Stefan hatte ich Wahl zwischen dem nassen, benutzten Handtuch von Jörg und dem trockenen Handtuch für den Ölwechsel seines Wagens) umziehen und dann abhauen. Wir auch und zack waren wir an einer Autobahnraststätte und hatten Leberkäs und Bockwurst bestellt. Ich war wirklich froh, dass ich mit Jörg nach Hause fahren konnte und nicht wieder auf die Bahn musste. Danke Jörg! Ich wollte mich auch bedanken, in dem ich Jörg anbot mein Fixie auszuprobieren. Als wir in Bremen ankam hatte s aber keine Lust mehr. Das mag auch an dem Platzregen gelegen haben.

Zuhause war ich erst einmal fertig. Warum mache ich eigentlich so einen Scheiss mit in meinem Alter? Ich könnte doch genauso gut golfen und an Kohlfahrten teilnehmen. Allein das aufstehen um kurz vor fünf morgens ist schon echt mies.

Aber ich denke, in dem Moment, wo ich mich nicht mehr aufraffen kann so einen Scheiß zu machen, lebe ich nicht mehr. Das klingt jetzt sehr pathetisch, aber im Bett liegen zu bleiben, dem Wecker auf die Schnauze zu geben und weiter zu pennen ist eine dicke Niederlage für mich. Das ist noch schlimmer, als aus einer Gruppe hinten rausfallen.

Die Woche wurde am Freitag abgerundet durch einen Ausflug an den Dümmer See. Ich wollte an sich am Freitag dort hinfahren mit dem Rad, das scheiterte aber an dem sehr bescheidenen Wetter. Wir hatten dort einen Workshop mit 25 Studis und den Beiden. Genau, ich meine „Die Beiden„. Die beiden waren gut.Gut war auch, dass das Zimmer im Jugendzentrum eine riesige, behindertengerechte Dusche hatte. Dort konnte ich sogar bequem mit meinem dreckigen Rad vom Giro rein. Cool, bislang hatte ich noch nie nackt mit meinem Rad geduscht. Sollte ich mal öfters machen wenn keiner zuguckt.

Heute morgen schien die Sonne über dem Dümmer See und ich machte mich auf dem Rad auf Richtung Bremen. Ich hatte keine Liust auf die langweilige B51 und wählte eine nettere Strecke durch Harpstedt. Aber zunächst einmal kam ich durch Barnstorf; ich muß sagen, dass ist schon eins der häßlichsten Dörfern Deutschlands.  Aber dann wurde es immer besser, nur leider kam ich auch in den ersten Schauer, noch nicht einmal 30 km gefahren und meine Socken waren schon total nass.

Di Strecke war aber jetzt wirklich schön, viel schöner als der Münsterland Giro. Übr Goldenstedt ging es weiter nach Colnrade. Dort stellte ich fest, dass ich dort schon einmal war, und zwar bei der Delmenhorst RTF, ich kam genau an dem Verpflegungspunkt vorbei. Reckum, Harpstedt. Nächster Schauer. Dünsen, Kirchseelte, Brinkum. Über die A1 zum Flughafen und dann, als ich schon fast zuhause war, noch einmal ganz bitter verfahren. Am Hauptbahnhof kam ich dann in den nächsten Schauer und dann endlich nach Hause .. ins Büro. Wo ich gerade sitze und nachdem ich noch fiese Bemerkungen und gute Noten bei den arbeiten meiner Studierenden verbrochen habe, nun dieses Post schreibe.

Eine intensive Woche: 130 km Osnabrück und Bremer Vollmond, dann 130 km Münsterland Giro und heute noch einmal 100 km vom Dümmer See nach Bremen, kann sich sehen lassen. Kommt aber als Saisonvorbereitung zu spät. Oder zu früh.

5 Kommentare

Eingeordnet unter 2012, Mob, Rennen

24 Stunden von Osnabrück und Bremen

Heute mit Jörg, Olli und Martin unserem Scout unterwegs im Osnabrücker Land: 100km, 1.000 Höhenmeter auf kleinen Wegen kreuz und quer durch die Gegend.

Martin kennt sich dort wirklich sehr gut aus, Straßenstücke im Umkreis von 50 km schicken automatisch eine SMS an ihn wenn sie wieder befahrbar sind. Wir hatten viel Spass und ein wenig Kuchen bei (Ewald) Lienen.

 

Osnabrück ist zum Glück nicht so weit weg wie Bad Harzburg, so dass man relativ lässig mit der Bahn dorthin und schnell wieder zurückkommen kann. Um 18 Uhr waren wir wieder in Bremen. Aber da war doch noch was? Richtig, Mondscheinfahrt um 19:15 Uhr an der Werderbank.

Und so warteten Olli und ich auf andere Mitstreiter und fuhren dann alleine los. Allerlei seltsame Gestalten kreuzten unsere Wege.

Aber irgendwie schafften wir es dann nach Hause. Auch Dank meines neuen Rücklichtes mit Laserkantenprojektion auf die Fahrbahn.

OK. Rücklicht? Check. Training? Check. Münsterland Giro? Möge kommen.

4 Kommentare

Eingeordnet unter 2012, Mob, Touren