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Tour de France Event Tokyo.

Es gibt Leute die ich kenne (Jutta, Olli, Harald, Silke) und Leute die ich kenne (John Degenkolb, Kate Upton, Sade, Eddy Merckx).

In der Regel sind das zwei Parallelen die durch das Leben ziehen: und Parallelen haben die Eigenschaft sich nicht zu berühren. Manchmal eben aber doch. Vor ein Paar Wochen stand ich zufällig neben einem Andre Greipel in Trainingshose in Rotterdam; meine Frau wartete einmal vor Verona Pooth in der Schlange beim McD in Yokohama und einmal saß ich mit einer Familie im Flieger hinter Günther Netzer. Ach so ja, und einmal war in auf einem Kim Wilde Konzert ganz vorne. Oh ja, und einmal stand ich mit meiner Frau neben einer japanischen Prinzessin bei einem Empfang. Ich bin dann in der Regel etwas gehemmt diese Menschen anzusprechen, was mir im letzteren Fall nie von meiner Frau verziehen wurde.

Daher finde ich es noch besser als selber Prominente zu treffen, wenn Menschen die ich kenne, Menschen die ich kenne treffen. Heute kann man das ja sehr einfach dokumentieren und noch einfacher kommunizieren. In Tokyo bin ich viel mit der Truppe von Positivo Espresso unterwegs gewesen, daneben hatten wir eine gute Beziehung zum Tokyo Cycling Club (TCC, nicht zu verwechseln mit dem TCB: Triathlon Club Bremen oder dem TCA: Teen Choice Awards). Eine Menge Sportler die ich noch aus meiner Zeit in Tokyo kenne sind immer noch dort und hatten nun gestern die Gelegenheit bei der Tour de France Veranstaltung der französischen Botschaft teilzunehmen.  Da berührten sich wieder ein paar Parallelen. Und viele von denen habe ich noch nie eine Funktionskleidung, Helm und Sonnenbrille gesehen.

Naomi von TCC mit Yukiya Arashiro

Naomi mit Bernard Hinault

Tim von GSAstuto mit Bernard Hinault

Alan mit Bernard Hinault

 

 

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Von Triathleten

Über Triathleten hört man merkwürdige Dinge. 

Angeblich lassen sich diese zu Steigerung ihrer Leistunsgfähigkeit Schwimmhäute zwischen die Finger plantieren, laufen während der Arbeitszeit das Trepenhaus rauf und runter oder, und da find ich wirklich völlig unglaublich, tragen angeblich Schuhe von Nike beim Radfahren. Mein guter Freund David aus Tokyo, mit dem ich noch letztes Jahr zusammen 1.000 km über die Alpen innerhalb einer Woche gefahren bin, ein ganz normaler Mensch also, ist jetzt auch einer von denen geworden. Zunächst fuhr er immer längere Strecken mit dem Rad. 100, 200, 300 dann 600km und dann von Paris nach Brest und zurück. Gerade heute hat er sich auf den Weg von Tokyo nach Akita gemacht, schlappe 600 km, die aber nur der Auftakt für weitere 1.000km sind die dann bis Freitag abgeschlossen sein müssen. Ok, ein wenig viel, aber man wird halt besser auf dem Rad wenn man viel trainiert und dann fährt man halt ein wenig länger. Aber letztens war er zum erstenMal bei einem Triathlon auf Ishigaki.

Es zerreist einem das Herz, es ist so, als wenn der beste Freund, mit dem man zusammen vor 20 Jahren in der Oberschule Findorff war plötzlich sagt: „Du, ich bin jetzt Fan von  Bayern München/ziehe nach Hamburg/habe Lungenkrebs/ziehe mit Deiner Frau zusammen/habe gerausgefunden das Shimano und Campagnolo gleich gut sind!“ Man suche sich heraus, was für einen persönlich das Schlimmste wäre. Und ich komme noch nicht einmal aus Bremen.

Sonntags Morgens um 10 lungert immer ein Haufen Triathleten an der Erdbeerbrücke herum. Manchmal sind sogar Frauen dabei. Unser Treffpunkt ist eine Bank weiter die Weser hoch, weil es einfach zu gefährlich ist sich in deren Nähe zu lange aufzuhalten. Wir  demonstrieren damit auch unsere Überlegenheit, denn WIR müssen weiter zu unserem Treffpunkt fahren. Oft genug, wie zum Beispiel vor 2 Wochen, kommt es zu Verwechslungen. Ich werde an der Ampel am Autohaus Weller herzlichst von zwei Rennradlern gegrüßt, die denken ich gehöre zu ihrem Verein TCB  (Teeny Club Bremen), aber bei Ihrem Treffpunkt fahr ich ganz cool weiter, denn ich bin ja vom TCC (Tokyo Cyclyng Club). Die ideologischen Unterschiede zwischen uns sind in etwas so groß wie zwischer der judäischen Volksfront und der Volksfront von Judäa.

Leider ist es so dass wesentlich mehr Leute zu Treffpunkt des TCBs erscheinen als zu dem des TCCs, bzw. des Weserexpresses. Heute waren wir nur zwei, nämlich der Blöh und der Mob. Und es war zwar gutes Radwetter, aber doch sehr windig. Ich weiß nicht mehr, wer von uns auf diese verwegene Idee gekommen ist, aber schliesslich als keiner mehr dazu kam beschlossen wir, uns der Truppe vom TCB anzuschliessen. Und da kamen sie schon, ich fragte ob wir mit dürften, zu meinem Erstaunen sagten die auch schnell ja.  Alle hatten Helmen auf, so daß ich nicht prüfen konnte, ob die tatsächlich ein Loch für einen abnehmbaren Schnorchel auf dem höchten Punkt des Kopfes haben. Ich fuhr neben Olli und erstaunlicherweise konnten wir uns ganz normal unterhalten. Wir benutzten sogar das gleiche Vokabular, wie „Mavic Cosmic Carbon SL“, „Carbonfaser“, „windschnittiger Rahmen“ oder „Geometrie des Radabstandes“. Und was noch mehr unglaublich war, war, daß wir auch demselben Glauben beziehungsweise Irrglauben angehören: „Hochprofilfelgen aus Carbon bringen noch mal mindestens 200 Gramm Gewichtsersparnis“ oder „dieser Rahmen wurde aerodynamisch optimiert und man muß nachweislich bei der gleichen Geschwindigkeit 4,2 Watt weniger Leistung treten.“ Irrglauben, weil leider wurde dieser Körper noch nicht aerodynamisch optimiert.

 Und so fuhren wir in Zweierreihen durch die Landschaft, in einem sehr angenehmen konstanten Tempo und unterhielten uns gut. Wo wir jetzt genau waren habe ich natürlich wieder vergessen, irgendwie kamen wir nach Bramstedt und dann ging es wieder Richtung Neubruchhausen und plötzlich waren wir in Bruchhausen-Vilsen. Dort wurde erst einmal Kaffee getrunken. So etwas hatte ich ja noch nie gemacht. Wir fahren ja schließlich nicht raus um uns zu amüsieren, sondern um knallhart die Leistung zu trainieren, die uns dann in Beruf und Familie fehlt. Aber es war nett, muß ich wirklich sagen. Hier haben ja zum ersten mal alle die Helme und Sonnenbrillen abgesetzt und ich persönlich finde das ja immer einen sehr spannenden Moment. Man fährt also so gemeinsam 50km durch die Landschaft, unterhält sich gut, und stellt dann plötzlich bei Abnahme fest, dass der nette Mitfahrer der nervige Stadtbeamte ist, der einem letztens die Lizenz zum Erdbeerverkauf  auf dem Markt verweigert hat. Oder diese Student aus der ersten Reihe, der immer kurz vorm einschlafen ist. Oder der langvermisste Neffe aus Venezuela. Man muß aber auch 50km zurück, und, wie gesagt, alle sind sehr nett und so kommt man dann gut zuhause und zusammen an.

Die meisten haben übrigens Kaffee bestellt, aber es wurden auch größere Stücke von Erdbeer- und Apfelkuchen gesichtet. Erdbeerkuchen  ind wie Eisberge, da muß man vorsichtig sein, denn nur 6% des Gesamtvolumens liegen auf dem Teller, der Rest verbirgt sich darunter.  Und natürlich ist es auch einigen peinlich Erdbeeerkuchen zu essen. „Wer hatte Erdbeeerkuchen mit Milchkaffee bestellt?“ Fragte die Bedienung. Alle schweigen, schauen in die Hecke, einer sagt zögerlich „Äh, ich hatte eine Milchkaffee“.  „Dann nehmen Sie diesen hier der Erdbeerkuchen mensch wird sich schon finden und wenn nicht…“ Eine unausgesprochene, schreckliche Drohung liegt in der Luft. Wir sind weit von der großen Stadt und Zivilisation Bremen weg, hier ist Niedersachsen, hier ist es ländlich mit alten Kulturen und Gebräuchen und Ehrenschuld und Blutrache sind noch fest in den Köpfen der Menschen tätowiert.

Wie sitzen also da und trinken Kaffee und unterhalten uns über das, was man so als Radfahrer zu besprechen hat: Besoffene Finnen, Druckausgleich bei Espressomachinen, Bikehotels im Harz oder Laufbergwandern in Norwegen. Plötzlich wagt es jemand die schrecklichen Worte zu sprechen: „Sollen wir mal nicht mal langsam…?……“ Zurück in die Einöde von Beruf und Familie, dort wo wir nur ein Rädchen im Getriebe eienr gigantischen Maschine sind, deren Meister uns auswechselt und in die gelbe Tonne wirft wenn unsere zuverlässige Haltbarkeit überschritten ist? Ja.

Also noch einmal so 50km zurück. Es wird ein wenig windiger, ein wenig hügeliger und ein wenig ruhiger. Ich mag das, wenn die Gruppe harmoniert und man einen guten Vordermann hat, der gleichmässig fährt und an den man sichgut dranhängen kann ohne nervös zu werden. Ich höre zum ersten mal über Hochseekajaken. 200Meter vor uns fahren drei Rennradler in einer Gruppe, zwei von uns lösen sich und schliessen zu denen auf. Danch wird es wieder ruhiger und wir kommen nach Dreye rein. Gleich der Deich, die Erdbeerbrücke und nach 92 km ist alles zu Ende.

Sehr erfreulich alles, wir sind da soetwas wie die „Vereinigte judäische Volksfront vonJudäa“ geworden für einen Sonntag. Kann man aber gerne wiederholen

Strecke von heute (Danke Andre). Dank an den TCB.

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