Neri Romolo. Automatisch Manuell – manuell automatisch.

Ein Freund von mir, nennen wir ihn mal Umberto,  wünschte sich ein zweites Rad für die Stadt. Ein verständlicher Wunsch, wenn man bedenkt was er normalerweise fährt. So ein Rad würde ich auch ungerne mit einem Schloss an einer Laterne in der Innenstadt festschliessen. Man kommt nach fünf Minuten zurück, die Laterne ist noch da, das Schloss ist noch da, aber irgendjemand hat den Carbonrahmen durchgebrochen, um das Rad mitgehen zu lassen. Es erwischt halt immer das schwächste Glied in der Kette.

Das Rad sollte also klassisch sein, nicht zu teuer (mit einem Cervelo S5 als Maßstab ist dies auch nicht sehr schwierig zu schaffen) und funktional. Umberto hatte sich bereits vorher in das Raleigh von Sora mit der 2-Gang Schaltnabe von Sram verguckt, daher kamen also einige Anregungen.

Für den Aufbau hatten wir bereits einen sehr schönen, blauen Neri Rahmen organisiert, der hier im Detail beschrieben wird.

So ist es dann also geworden, zur Einstimmung einmal ein paar Ansichten:

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Irgendwann kamen wir dann auf die Idee vorne eine manuelle Schaltung mit einem klassischen Umwerfer und zwei Kettenblätter an der Kurbel mit einer automatischen Sram 2 Gang Nabe  ohne Rücktrittsbremse zu kombinieren.  Das ergibt dann 2 Gänge, die man manuell und zwei die automatisch geschaltet werden, insgesamt 4. Hat man dann vorne eine Kombination von 52/39 und hinten eine Übersetzung von 1:1 bzw. 1:1,36 und ein 16 er Ritzel entspricht dies etwa 52/39 kombiniert mit 12/16 oder einer Schaltweite von 1 Umdrehung vorne = 4,42 hinten bis 1 : 2,44 oder 181%. Bei einem Fixie für die Stadt macht 1:2,5 Sinn, also sollte das Neri sowohl für die Stadt als auch für schnellere Ausflüge tauglich sein.

Die Kette muss bei dieser Kombination natürlich gespannt werden und wir hatten keine Ahnung, was dies für die Funktionsweise der Getriebenabe bedeuten würde. Also besorgten wir uns erst einmal einen simplen Kettenspanner und legten los.

Dazu mussten zunächst die Laufräder gebaut werden. Vorne eine ungelabelte Novatec Hochflanschnabe mit DT Swiss Competition Speichen und einer Rigida Chrina Felge 32L. Umberto wünschte sich viel blickendes Chrom an seinem Rad, das schränkte die Auswahl etwas ein. Da das Rad für das raue Leben der Stadt konzipiert ist, wollte ich auf jeden Fall etwas stabiles und das ist meiner Meinung nach eine niedrige Felge mit Ösen (in silber). Da gibt es dann eigentlich nur noch im klassischen Look für einen bezahlbaren Preis die Rigida; hat man mehr Geld in der Tasche dann die H plus Son TB14. Die muss man aber mögen denn das Felgenbett ist relativ breit.

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Für das Hinterrad kamen die gleichen Felgen und Speichen in der 36L Version mit der Automatix Nabe zum Einbau. Da die Flansche symmetrisch sind ist das Einspeichen nicht besonders schwer. Ich war allerdings doch sehr über die Größe der Speicherlöcher in den Flanschen überrascht – gehören da an sich 2,34mm und nicht 2mm dicke Speichen rein? Hm.

Da der Moustache Lenker mit einer Dicke von 23,4 mm für die Montage von Rennradbremshebeln keine Schalthebelschellen ertragen kann, haben wir einen älteren Schalthebel am Vorbau angebaut. Das erinnert ein wenig an den Maschinentelegraphen  eines Schiffes.

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Maschinentelegraph am Rad und …

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… Maschinentelegraph im Schiff

Der Schaltzug verschwindet im Oberrohr und wird unter dem Tretlager durch das Sitzrohr geführt, wo er aus einem Loch auf der Rückseite heraustritt. Das Loch ist allerdings so hoch angebracht, dass eigentlich nur Kettenblätter 52 und größer verwendet werden können, sonst liegt der Umwerfer quasi auf dem Austrittsloch. Als Umwerfer selber hatten wir uns einen sehr schicken und chronisch unterschätzten RX100 von Shimano ausgesucht.

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Chronisch unterschätzter Shimano RX100 Umwerfer

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Schaltzugführung am Umwerfer. Reibungsfrei ist anders, funktioniert aber.

So, dann nur noch die Kette montieren und und hinten den Kettenspanner dran und testen. Die Kombination 52/39 funktionierte leider gar nicht, denn so ein Kettenspanner mit einem Rädchen hat eine begrenztere Kapazität als Daniela Katzenberger oder, von mir aus Thorsten Legat. Zum Glück hatte ich noch ein 46er Kettenblatt für eine Campa Kurbel mit 135 mm Lochkreis da, und siehe da, 7 Zähne Kapazität konnten irgendwie gehandelt werden. Also, testfahren nun.

Kurz vor dem Testfahren fiel mir dann ein, dass eine Bremse zu montieren hilfreiche Dienste leisten könnte. Beim fahren fiel dann schnell auf, dass die Nabe auf dem großen Kettenblatt, wenn die Kett gut gespannt ist, top funktioniert und automatisch schaltet, auf dem kleinen Kettenblatt rutschte die aber bei Belastung durch. Also kam uns die Idee ein normales Schaltwerk einzubauen, in diesem Fall ein Suntour Cyclone Mark II. Das ist meiner Ansicht nach eines der coolsten, leichtesten und chronisch unterschätztesten Schaltwerke auf dem Globus und passt daher perfekt zu dem Shimano RX100 Umwerfer.

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Schaltwerk, das nicht schalten darf, weil …

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… die Nabe daneben die Arbeit tut.

Das Ritzel der Nabe liegt allerdings so weit innen, dass man die Schalträdchen mittels der Begrenzungsschrauben nicht mittig unter das Ritzel bekommt, hier musste also noch einmal ein wenig getrickst werden. Wie, das verrate ich aber nicht, damit auch ja keiner diesen Aufbau 1:1 kopieren kann.

Getestet. Funktionierte dann im Strassenbetrieb – juhu. Wobei man sagen muss, dass die automatische Schaltung sehr gewöhnungsbedürftig ist. Da ist einfach kein Gefühl der Abschätzung, wann die denn nun einen Gang schwerer schaltet. Und wenn sie das getan hat und man hört auf zu treten, um eben wieder in den kleineren Gang zu kommen, hat man nicht das Gefühl, dass dies passiert, es tritt sich immer noch schwer. Bis man wieder anfängt zu treten und das Ding wieder einen Gang schwerer schaltet (nämlich in den 2.). Und so hat man irgendwie das Gefühl, dass das Treten immer schwerer und schwerer wird und das in Wirklichkeit keine Zweigang, sondern eine Unendlichgang Nabe ist, bei der man aber nur in eine Richtung schalten kann: härter.

Insgesamt bin ich sehr froh, dass dies alles mit Korrekturen zum laufen gebracht wurde und ich bin gespannt, wie sich das Rad und vor allem die Schaltung im Alltag bewährt. Das ist doch einmal etwas anderes als das x-te Rennrad aufzubauen. Einerseits. Andererseits hätte gerade dieser rahmen mit der kompletten Innenverlegung von Schalt-und bremszügen eigentlich eine schöne Schaltung verdient gehabt. Aber wer weiß, vielleicht bauen wir die mal nach.

Was gibt es sonst noch an dem Rad? Mal vorne und oben angefangen: Moustache Lenker mit 25,4 mm Klemmung, 23,4 mm Durchmesser und einem Drop von 4 cm. Ich hätte gerne einen flachen Lenker gesehen ohne Drop, aber den gibt es eben nur für 22,2 mm Durchmesser, also hätten wir auf Rennradbremsen verzichten müssen. Das wollten wir aber nicht.

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Bremshebel Shimano 600 gelocht mit Dia Compe Gummis.

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Lenkerband Fizik Microtex, einigermassen passend zu Sattel und Gummis.

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Bremsen Shimano 600, alles im Original.

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Kurbel Campa Centaur mit MKS Sylvain Stream Pedalen. Gibt es dazu eigentlich irgendeine Alternative? Die sind schmal, beidseitig fahrbar, stabil und sehen gut aus- trotzdem würde ich gerne mal etwas anderes verbauen.

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Sattel Gyes G6 auf Wunsch von Umberto mit ungelabelter BLB Aero Stütze auf Wunsch von mir.

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Hatte ich die schwarzen Michelin Dynamic Sport Reifen bereits veschwiegen? Gut. Noch ein paar schöne Details?

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Zwei Bitten noch zum Schluss:  Zollt dem chronischen unterschätztem Umberto auf diesem Rad bitte den gehörigen Respekt. Zweitens: Klaut dieses Rad nicht. Danke.

 

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Eingeordnet unter 2014, Mob, Neri Romolo

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