Tagesarchiv: 22. November 2014

Saisonabschlußdunkelbeleuchtungstestfahrt.

Letzte Woche hatten Hannes und ich ein Vorderrad mit Nabendynamo für ihn gebastelt. Heute wurde es im Dunkeln getestet.

Eigentlich hatte ich das Versprechen auf einen Test schon lange vergessen und verdrängt bei dem Sauwetter draußen. Ich saß lethargisch in der Bude rum und dachte darüber nach, was ich heute alles auf keinen Fall tun sollte. Ein Sonntag, der ein Samstag war. Dann rief Hannes an und rief mich aus meinem Koma. Innerhalb einer halben Stunden zog ich mich um, machte das Panasonic fertig und kurz nach Sechs stand ich bei ihm vor der Haustür. An meinem Panasonic wird für das Licht durch eine Kombination von einem Shutter Precision SV8 Nabendynamo und einer AXA Luxx 70 Plus Steady Lampe gesorgt. Hannes an den gleichen Nabendynamo in der Kombination mit der AXA Luxx 70 Steady Auto Lampe. Es würde also spannend werden, wer von uns den helleren Lichtkegel besitzt. Ich wollte daher pfuschen und meine B&M Akku Lampe Ixon IQ Speed zusäzlich montieren, stellte aber dann fest, dass der Akku noch im Keller lag.

Wie jeder weiß, sind die meisten Busch und Müller Produkte sehr gut und schneiden bei Tests sehr weit vorne ab. Es wäre aber auch schön, wenn man die Namen dieser Produkte irgendwie aussprechen und behalten könnte. Checkt man z.B. bei Bike24 nach Busch und Müller Lampen, bekommt man 139 (!)= verschiedene Produkte angeboten (wenn das hier in drei Tagen gelesen wird vermutlich schon wieder zehn mehr). Was bitte ist denn der Unterschied zwischen:

Busch + Müller Lumotec IQ2 Eyc N Plus LED Frontleuchte 160RNDI

und

Busch + Müller Lumotec IQ2 Eyc T Senso LED Frontleuchte 160RTSNDI ?

Genau, zwei Buchstaben (TS), die sich ganz am Ende des Namens in einer Abkürzung verstecken. Die Recherche, welche Lampe auf einen passt ist damit wahnsinnig aufwändig – das kommt davon, wenn man keine vernünftige Marketing Abteilung hat und die Produkte nach den Entwicklungsprojektnamen benennt, die Ingenieure Ihnen gegeben haben. Produktnamen wie WLAN Passwörter.

Warum heißen die Lampen nicht Dura Ace, Ultegra, 105 …..? Oder umgekehrt, wenn Busch und Müller Schaltungen herstellen würde, dann hieß ein 10-fach Zahnkranz bei denen vermutlich:

Busch + Müller Schalttec IQ Evo Hyper Plus 11121315171921232528 RNDITSHK2L Senso

Nicht zuletzt aus diesem Grunde habe ich dann irgendwann aufgegeben und mir eine AXA Lampe gekauft.

Trotz Busch und Müller fuhren Hannes und ich dann irgwndwann los. Da uns unsere Frauen für bescheuert erklärt hatten bei dem Wetter und im Dunkeln zu fahren, wollten wir es kurz und wenig knackig halten. Also rauf auf den Deich. Heute war Randgruppenkohlfahrtstag. Zuerst begegneten wir kurz hinter dem Lehster Deich einer Gruppe ausländischer Kohkfahrer, dann anschliessend auf der Rückfahrt einer reinen Frauenkohlfahrt. Als wir von hinten auf gleicher Höhe sie zurollten riefen sie: „Auto, Auto“ was uns mächtig stolz auf unsere Beleuchtung machte. Vermutlich hatte da aber auch der Alkohol seine Hand im Spiel.

Ruckzuck waren wir am Ende des Deichs und machten ein paar schicke Photos von uns.

IMGP0627

Hannes Sohn suchte derzeit verzweifelt zuhause nach seinem Leibchen für das Fußballspiel morgen.

IMGP0628

Hannes Rad mit schicker Campagnolo G3 (vorne) und G2(hinten) Reflektorenspeichung.

 

Auf der Ritterhuder Brücke gelang mir noch ein unglaubliches Kunstphoto. Meine Kunstlehrer und -lehrerinnen, Frau Hesse (abgedreht, hysterisch), Herr L’Hoest (oft betrunken), und Herr Würfel (landete in der Psychiatrie) wären stolz auf mich gewesen.

IMGP0630

Der Kuß des Mondes (Fluxus Version)

 

Und dann ging es zurück über die noch dunklere, andere Wümme Seite. Recht langsam, so dass wir uns gut unterhalten konnten. Aber einmal hatten wir doch richtig Angst, als wir von einem Motorrädchen der „Vespa Hass Gruppe Vahr Süd“ überholt wurden. Sonst alles friedlich (bis auf einen Hund der auf uns losging) und wir beneideten die Menschen, die in der Schleuse und anderen Gaststätten in der Wärme sassen und Bier tranken. Um eine möglichst gute Sicht auf die Strasse zu haben, fuhren wir nebeneinander, Hannes leuchtete den Nahbereich aus und ich in die Ferne. Das was ausreichend.

Deshalb möchte ich auch zum Fazit des Lampenvergleichstest kommen:

Die AXA Luxx 70 Plus Steady Lampe kostet 64€. Ich habe sie gekauft.

Die AXA Luxx 70 Steady Auto Lampe kostet 40€. Hannes hat sie sich gekauft.

Beide sind exakt gleich hell. Es gibt da absolut null Unterschied, es sei denn, ich fahre langsamer als 6 km/hr, dann gibt es bei meiner Lampe eine Nahfeldausleuchtung. Mit anderen Worten, wenn ich das Rad schiebe, dann ist meine Lampe besser.

Fazit: Hannes ist schlauer als ich.

Zu meiner Rettung möchte ich aber noch erwähnen, dass meine Lampe zusätzlich über einen USB Anschluß verfügt, den ich noch nie benutzt habe. Hannes Lampe hat keinen USB Anschlu, aber Hannes hat einen Garmin der so etwas brauchen könnte.

Fazit: Theoretisch bin ich schlauer.

Schöne und schön kalte 40 km heute, Danke an Hannes.

IMGP0631

 

 

Ach so und mit dieser Tour dann in diesem Jahr (wobei das Jahr am 24.12.2013 mit der Festive 500 begann:

IMGP0635

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2014, Bremen, Hannes, Mob, Touren

Hermann.

Unterwegs auf Dienstreise habe ich gerne ein Rad dabei. Meistens ist es sinnlos.

Ich möchte nicht darüber nachdenken, wie viele Räder ich bereits durch Bahnhöfe, Flughäfen und zum Autoverleih geschleppt habe. Manchmal bin ich gar nicht gefahren, einige Male nur als Alibi. Auch heute war die Strecke eher kurz (35 km) aber es hat sich trotzdem gelohnt. Dabei hätte die Polizei das fast auch noch verhindert.

Bremen an einem Donnerstag im Herbst um kurz vor sieben morgens. Es ist kalt und ich fahre auf dem Canyon nur mit Rücklicht zum Parkplatz des Car-Sharings auf der Emmastraße. Dabei merke ich nicht, dass auf dem letzten Stück ein Polizeiwagen hinter mir her fährt. Und vermutlich errege ich einen Veracht, als ich dann unvermittelt auf einen dunklen Parkplatz fahre. Ich steige ab und fummele an der Transponderstation herum, der Polizeiwagen steht auf der Straße und zwei Polizisten schauen mich aus dem warmen Inneren an und sind unschlüssig ob es Sinn macht in die Kälte zu steigen. Ausschlaggebend sind dann bei mir wohl Anzug und Krawatte; so ein gut angezogener Mensch tut doch nichts böses – sie fahren weiter und ich nach Bielefeld.

Am Abend bin ich in Detmold. Ein schnuckeliges Städtchen mit einem Sehloß mitten in der Stadt, einem Wassergraben und Resten einer Stadtmauer und vielen Fachwerkshäuschen auf einer endlosen Fußgängerzone. In den Filmfestspielen läuft gerade Nick Caves: „1.000.000.000 days on earth“ (rechts) und „Hunger Games“ (links). Es ist alles recht hübsch und ich residiere im Detmolder Hof, der ewigen Konkurrenz zum Lippischen Hof am Platze. Es ist übrigens keine gute Idee mit dem Auto nach Detmold zu kommen – die Parkplatzgeschichten wären noch einen weiteren Beitrag wert. Ein gutes Abendessen mit netten Leuten. Eine Flasche spanischer Rotwein., man kommt ins reden.

Ich erzähle, dass meine Familie ursprünglich aus Detmold kommt. Meine Großväter väterlicherseits sind hier in der Nähe aufgewachsen, bis meine Großeltern dann vor dem Krieg nach Mönchengladbach kamen. Viel weiß ich nicht und ich war in meinem Leben noch nie in Detmold. Es  gibt eine bekannte Familiengeschichte, dass der Vater meiner Großmutter ein Sägewerk und einen Wald auf dem Königshügel in Heiligenkirchen besaß und dass er versprach, er würde diesen Wald der Fürstin von Lippe-Detmold schenken, wenn Sie einmal mit ihm tanzen würde. Die Fürstin, pragmatischer als mein Urgr0ßvater, soll dies dann auch getan haben, wodurch der Wald an die Krone von Lippe-Detmold fiel. Einer der beiden Gesprächspartner wohnt heute auf dem Königshügel.

Am nächsten Morgen komme ich kaum früh aus dem Bett, aber irgendwann klappt es dann doch. Ich baue das Canyon zusammen und mache mich auf den Weg aus der Stadt. In der Neustadt komme ich an der Musikhochschule vorbei und frage mich, wie viele Japanerinnen da wohl studieren. Kein Japaner kommt nach Deutschland um Ingenieur oder Zahnarzt zu werden, aber Musik …. da zieht es einen dann vielleicht auch nach Detmold. Raus aus der Stadt biege ich links ab nach Hiddesen. Die ersten Hügel kommen und ich bin noch nicht einmal richtig warm. Noch einmal links abgebogen geht es hoch zum Hermannsdenkmal, da sind endlich mal wieder 200 Höhenmeter an einem Stück. Ich habe die ganze Strasse für mich und als ich oben bin auch das ganze Denkmal. Das ist anstrengend und ich bin viel zu warm angezogen aber es macht auch wieder Spaß in den Hügel zu sein. Vor dem Denkmal gibt es eine Freitreppe.

DSCN4989

’schuldigung Hermann.

 

Der Bruder meines Großvaters hieß auch Hermann, genauso wie sein Vater. Ein alter Familienwitz besagt, dass er den Hermann auf dem Denkmal fragte: „Hermann, was hast Du an deinen Füßen“. Und Hermann antwortetet „nichts“. Ich weiß, dass ist nicht besonders lustig, aber der Versuch das heute zum ersten Mal meiner japanischen Frau zu erklären war es schon. Diese Art von Humor wird ihr auf Weg verschlossen bleiben und es ist fraglich, ob sie dadurch etwas wesentliches in ihrem Leben verpasst hat.

Die Belohnung für das Klettern folgt auf dem Fuße. eine wunderschöne, leicht kurvige Straße führt mich schön schnell nach Heiligenkirchen.

DSCN4990

Ich klettere wieder mal einen Berg hoch, dieses mal den Königshügel. Hier stehen ein paar nette Paläste. Hätten meine Ahnen den nicht quasi verschenkt, sondern ordentlich zu Geld gemacht, dann könnte ich heute als Privatier in Detmold leben und hätte eine ganze Garage voll Räder. Hm, wenn ich so darüber nachdenke, dann habe ich die ja eh schon.

DSCN4991

Heiligenkirchen, vom Königshügel aus gesehen

 

Es bleibt gerade noch Zeit für einen Ausflug zu den Extersteinen. Da wollte ich schon immer mal hin, seitdem ich vor ein paar Jahren ein Foto davon gesehen hatte. Ich bin nicht enttäuscht, die Dinger sehen einfach großartig aus.

DSCN4992

DSCN4993

Interessanterweise gibt es über die Steine keine Beziehungen oder Witzchen zu meiner Familie. Es bleibt kau noch Zeit und so mache ich mich auf den Rückweg nach Detmold. Dusche, Hemd und Krawatte an und ein neuer Arbeitstag kann beginnen. Ich fühle mich frisch und ausgeruht und viel besser, als es nach eienr Flasche Rotwein hätte sein dürfen. Aber der Start, der war hart.

4 Kommentare

Eingeordnet unter 2014, Mob, Touren