RTF Blaustedt. Nein Goldenstedt, war nur Spaß.

Es hat schon etwas, am Sonntag Morgen um halb Acht im Auto auf der A1 Richtung Süden zu fahren. Auch wenn das Auto nur ein Ford Mondeo ist und Süden Goldenstedt bedeutet.

Die Strassen sind leer und es macht Spaß zu fahren, wären die Strassen doch immer etwas leerer, dann müsste man nicht auf das Rad umsteigen um Spaß zu haben. Das Navi führt mich das letzte Stück über asphaltierte Feldwege, die auch gut für eine RTF geeignet wären bis in das Zentrum von Goldenstedt. Die Stadt existiert bereits seit fast 1000 Jahren, in den letzten 937 scheint eher wenig passiert zu sein; zumindest haben die Einwohner Geld angehäuft, wie so häufig in den niedersächsischen Dörfern südlich von Bremen. Davon wurde ein schickes Rathaus gebaut, davor der Platz der deutschen Einheit (auch „Blue Men Platz“ genannt), dahinter die Marienschule, wo der lokale Radklub RSV 890 Goldenstedt seine RTF startet.

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„Schau mal, ein cooler Kanaldeckel!“ „Wo denn? Wo denn?“

Das Wetter ist perfekt und es sind große Gruppen von Fahrern aus den anliegenden Dörfern vertreten: die Goldenstedter selber natürlich, die gelben Visbecker, die Wildeshausener, die Großknetener und  die Bruchhausen-Vilsner. Letztere haben das interessanteste Trikotdesign, eine Mischung aus Astana blau, Garmin Burlington Muster, aber vielleicht ist es auch ein sehr großes, gelbes Treibnetzt in dem sich ein Hai verfangen hat. Der Hai hat bereits ein Loch in das Netz gebissen und droht zu entwischen, der Träger des Jerseys hingegen hat keine Wahl, er muss es tragen. Man denke nicht oft an Haie, wenn man an Bruchhausen-Vilsen denkt; eine Vilsaflasche im Treibnetz hingegen kann man sich gut vorstellen.

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Nicht von der Blue Men Group Goldenstedt, sondern von den Bruchhausen-Vilsener Haien.

Am Start treffe ich eine Menge bekannter Gesichter: Olli mal wieder seit Ewigkeiten, der zusammen mit den Sturen auf dem Rad gekommen ist, Silvia, Torsten, später auch Thorsten, Sebastian und Anne; Bert aus Visbeck und sein bärtiger Gandalf-Freund sehe ich auch zum x-ten Mal auf einer RTF. Es gibt nicht viel Zeit zum reden, denn pünktlich um 9 Uhr wird gestartet – ich stehe sowieso recht weit hinten, sozusagen im virtuellen Startblock G.

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Sonntag Morgen, 9:00 Uhr im Startblock G beim Goldenstedt Velothon

Da ich am Vortag über 130 km geradelt bin, entscheide ich mich eher für den gemütlichen Ansatz und versuche nicht nach vorne zu fahren. Aber nach etwa fünf Kilometern, als ich merke, dass vorne eine schnellere Truppe fährt und sich eine Lücke auftut, mache ich mich mit Thorsten daran auf diese Gruppe zu springen. Die wird dann auch sehr groß und fährt so im 35er Bereich weiter. Aber so richtig Spaß macht es nicht, zwar wird nicht verlangt vorne viel Führungsarbeit zumachen, aber die Gruppe ist sehr nervös, viel gebremse, hohe Konzentration und auch als ich weiter nach vorne fahre, wo sich der Effekt der unruhigen Fahrweise noch nicht nach hinten potenziert hat wird es nicht wesentlich besser. Und so bin ich froh als nach ca. 24 km die erste Kontrolle kommt und fahre gleich weiter durch ohne anzuhalten.

Die Gruppe ist nun deutlich kleiner, vielleicht 20 Fahrer sind noch dabei und es wird etwas weniger hektisch. Die Route der RTF ist sehr gut ausgewählt, viele kleine Straßen, wenig Verkehr und hier und da ein paar nette Steigungen die man fast alle durchtreten kann. Es geht nach wie vor flott voran, aber ich habe nicht das Gefühl, als wenn ich um mein Leben kämpfen müsste. Oder, das allerschlimmste, hinten rausfallen würde.

An der zweiten Kontrolle nach ca 54 km fühle ich mich immer noch, nehme ein Stück Butterkuchen im Vorbeifahren auf und radele weiter ohne anzuhalten. Nach einigen Metern sind wir zu viert, ein Garmin Mädel, ein Typ im schwarzen Jersey, ein verrückter, stiller und älterer  Ranndoneur aus Osnabrück den ich auch schon öfters gesehen habe und ich. Ich mache vorne viel Tempo und wir kommen schnell an die Abzweigung 80er Runde links, 120 und 150er rechts. Ich frage wer rechts fährt und höre nur Entschuldigungen wie „Äh, ich muss noch zurück nach Bremen…“, also heisst es Tschüss sagen. Der Osnabrücker sagte gar nichts, er war halt ein Stiller und wir fahren beide rechts, aber nach einigen Metern fällt er hinten raus. Alleine also, denke ich.

Da kommt ein schnellerer Zug von hinten, angeführt von einigen radioaktiven Delmenhorstern, ein paar lohnenden Vechtanern und zwei schnellen Jungs aus Cuxhaven. Die fahren mit fast 40 an mir vorbei und in dritter Position kann ich das nicht lange mithalten und lasse mich zurückfallen – das gesamte Feld allerdings auch. Uns so bleiben wir zusammen bis zur dritten Kontrolle bei ca. 88 km. Die Cuxhavener wollen durchfahren, ich auch, und so sind wir dann wieder nur noch zu fünft. Bei der 120er links, 150er rechts Abzweigung springen  wieder zwei Fahrer ab und nun sind wir nur noch zu dritt. DAS Tempo ist aber gut und auch nicht zu schnell; wir quatschen ein wenig über Transalp, die Jugend  usw. und schwupps sind wir an der vierten und letzten Kontrolle wo wir zum ersten Mal vom Rad steigen. Nur noch 30 km ins Ziel, wir sind sehr entspannt. Vor uns fährt ein Blauer (aber nicht von den Blue Men) und zu dritt setzen wir unseren Ehrgeiz daran ihn einzuholen – denke ich.

Kaum haben wir ihn, geht es aber im gleichen Tempo weiter. Das Tempo wird eigentlich nur unterbrochen, wenn wir mal eine Abzweigung verpassen und zurück fahren müssen (dummerweise passiert das zwei Mal als ich vorne das Tempo machte). Es wird richtig, richtig schnell und richtig, richtig anstrengend. „Wie gemein“, denke ich, „erst fahren wir ein haltbares Tempo und quatschen, bis ich total eingelullt bin, und dann holen die den Hammer raus!“. Es ist schwer zu sagen, wie weit es noch bis zum Ziel ist. Diese RTF geht ja irgendwie kreuz und quer durch die Lande, ständig sieht man Wegweiser „Goldenstedt nur noch 12 km!“ und ist versucht diesen zu folgen. Und plötzlich erreichen wir dann auch schneller als geglaubt die City Limits von Goldenstedt und dann auch schon das TRATS. Das ist niedersächsisch für „Ziel“, oder das Gegenteil von „Start“.

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Endlich, das Trats!

Silvia, Olli und Torsten haben gerade das erste Steck gegessen nachdem sie von der 120er Runde zurück sind, wenig später trudeln auch Thorsten und Sebastian ein. Gesamtzeit 4:37 hr sind ja auch ganz gut für eine fast 150er Runde.  Es gibt Kirschkuchen, Cola und später auch gegrilltes für mich. Torsten erzählt von einem Unfall in seiner Gruppe mit viel Geschreie und dem Brechen von Knochen. Auf den Stehtischen sind Erinnerungsplaketten an die schöne Zeit mit Schulleiterin Irmgard Möller fixiert (2004 bis 2008) und in der Schule hängt die Galerie der deutschen Bundespräsidenten an der Wand.

Kurzum, es ist ein typischer Sonntag in Niedersachsen und wir sitzen auf Klappbänken an Klapptischen im Trats Bereich.

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Und dann ist es auch wieder Zeit nach Hause zu fahren, die A1 ist nun schon deutlich voller. Eine sehr schöne RTF, genau das richtige für einen Sonntag im Süden (von Bremen). Danke an alle Bremer und die umliegenden Dörfchen.

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