Total Humorloser X-Mas Kirchen Ride.

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„Das verstehst Du nicht als Japanerin: Ich bin katholisch! Ich muss am Heiligen Abend in die Kirche, oder ich komme in die Hölle!“ sagte ich zu meiner Frau. Was ich ihr nicht sagte, war, dass ich 35 km weit weg zur Humorlosen Kirche wollte. Und auch nicht, dass das eigentliche Ereignis keinesfalls ein Besuch im Gotteshaus, sondern in der Fahrt dorthin und zurück mit den übriggebliebenen Rennradradlern Bremens war.

Die Strassen Bremens waren wie leergefegt, einzig und allein die Verzweifelten, denen immer noch Weihnachtsgeschenke unter dem Baum fehlten machten sich per Auto in die Stadt. Also etwa die Hälfte der gesamten Stadtbewohner. Aber sonst war alles wie immer, nur ein bißchen zu warm. Als ich an der Eichhörnchenwache abbog, sah ich hinter mir einen Weihnachtsmann auf dem Rennrad. Das war schon etwas ungewöhnlich, aber Weihnachtsmann hin oder her, ich machte das, was getan werden musste und zog das Tempo an, so dass mich der Weihnachtsmann auf keinen Fall überholte. Mir ist das egal, ob der Weihnachtsmann, Wolfgang Schäuble oder Jens Voigt hinter mir her fahren, auf der Parkallee will ich nicht überholt werden, Pasta.

Am Treffpunkt am Haus am Walde warteten schon drei, vier Mitfahrer und langsam trudelten immer mehr ein. Ich kannte lediglich Melanie, Thorben und Jörg aber das mochte ja nichts Josef Point (aka Joey Punkt) teilte Startnummern aus, die wir uns irgendwo hinstecken sollten.

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Melanie mit Startnummer 77.

Überhaupt, es bestand mal wieder gar kein Zusammenhang zwischen denen, die eingeladen und zugesagt hatten oder interessiert waren, oder denen die letztendlich erschienen. Das ganze erinnerte sehr stark an Douglas Adams „Bistr-O-Matik Drive:
[Wer, wie ich „Per Anhalter durch die Galaxis“ im wesentlichen auswendig kennt möge kurz gähnen und diesen Absatz überlesen]

So hat man nun erkannt, daß Zahlen nicht absolut sind, sondern von der Bewegung des Betrachters in Restaurants abhängen.

Die erste nichtabsolute Zahl ist die Anzahl der Leute für die ein Tisch reserviert wird. Sie wird sich im Laufe der ersten 3 Telefonate ständig verändern und dann keine erkennbare Beziehung zur Anzahl der Leute haben, die wirklich dort aufkreuzen, die später noch dazukommen, oder die wieder weggehen,wenn sie sehen wer noch alles gekommen ist.

Die zweite nichtabsolute Zahl ist die angegebene Ankunftszeit, die inzwischen als einer der bizarrsten mathematischen Begriffe bekannt ist, nämlich als Reziproversexklusion, eine Zahl, deren Existenz nur so definiert werden kann, daß sie alles andere als sie selbst ist. Mit anderen Worten: die angegebene Ankunftszeit ist der eizige Moment, in dem es völlig ausgeschlossen ist, daß da irgendein Mitglied der Runde erscheint.

Die dritte und allerrätselhafteste Zahl im Bereich der Nichtabsolutheit ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen der Anzahl der Posten auf der Rechnung, dem Preis jedes Postens, der Anzahl der Leute am Tisch und dem Betrag, den jeder zu zahlen bereit ist.
(Die Anzahl der Leute, die überhaupt Geld mitgebracht haben, ist nur ein Unterphänomen in diesem Bereich.)“

 

Bei Radtreffs in Bremen ist das total ähnlich. Die erste nichtsabsolute Zahl ist die Zahl der Radfahrer, die mitfahren und keinerlei Bezug zu irgendwelchen Ansagen, Anmeldungen oder sonstigem hat. Es ist zudem eine dynamische Zahl, denn ihre Größe ändert sich inkremental über die Dauer einer Radfahrt, im wesentlichen daraus, dass hinten jemand rausfällt.

Die zweite nicht-absolute Zahl ist die Durchschnittsgeschwindigkeit, die für eine Radfahrt angegeben wird, etwa „Wir fahren heute einen ruhigen 28er Schnitt.“. Als ich zum ersten Mal an der Humorlosen Kirche auf meinen Tacho schaute (worher konnte ich nicht, ich musste mich zu sehr aus mitkommen konzentrieren), zeigte dieser einen Schnitt von 29,7 km/h. Und zwar nur deswegen, weil ich mein Rad die ersten 2 km rauchend geschoben hatte, sonst wäre ich gnadenlos über die 30 gekommen. Tja, Bremen steht halt nicht für Bremsen, auch wenn fast alle Buchstaben gleich sind.

Die dritte und letzte nicht-absolute Zahl ist die Rückkehrzeit. Sie steht in keinem Verhältnis zu vorher gemachten Aussagen, der angekündigten Strecke und seiner Länge oder irgendwie sonstetwas. Man kann aber mit Sicherheit sagen, dass sie später ist als jede Zahl die in einem Satz gegeben wird der beginnt mit „Schatz, ich bin spätestens um …“.

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Thorben

Wir fuhren also mit 35 Sachen an der kleinen Wümme und dem Deich entlang; Thorben und ich hielten das Ingenieursniveau der ganzen Sache hoch und unterhielten uns über punktuell verstärkten Materialabtrag im Säurebad unter Hitzeeinwirkung duch Laser und erfreuten uns des Lebens bevor wir viel zu schnell an der Kirche waren. Oder doch zu spät, denn auf uns warteten ja die Familien zuhause und so mussten wir den Besuch da leider ausfallen lassen. Was vielleicht auch ganz gut war, denn eigentlich war ich auch 1993 aus der Kirche ausgetreten. Was jahrelange linke Indoktrination an der Schule und im Studium nicht geschafft hatten, erreichte die erste Lohnabrechnung meines Arbeitgebers quasi sofort. Wir machten ein  paar schicke Photos.

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Mann, chillend vor Sandhaufen (groß).

Da ich das Gruppenphoto ja schon weiter oben platziert habe, bleibt mir hier nichts anderes übrig, als ein Photo aus der Gruppe zu zeigen, dass einen Mann vor einem Sandhaufen zeigt.

In leicht gemässigtem Tempo und vor allem mit Rückenwind ging es dann wieder zurück nach Bremen, was Melanie und mir die Gelegenheit gab uns zu unterhalten. Und ich konnte auch noch ein paar schicke Photos machen:

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Männer in Radklamotten auf dem Deich von hinten.

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Männer in Radklamotten auf dem Deich von hinten. Einer nicht.

Ich weiß nicht, wie viele Photos ich in den fast sechs Jahren Bremen zum Themenkomplex „Männer in Radklamotten auf dem Deich von hinten“ gemacht habe. egal, hier sind noch einmal zwei.

Wie zu erwarten, wurde dann in Richtung Platzhirsch noch mal gut geballert und die Bergetappe über die Autobahn (Bremens Äquivalent zu Alpe d’Huez) mit vollem Tempo gefahren. danach war die Luft aber raus. Was übrig geblieben war von der Meute fuhr Richtung HaW, ich bog ab und machte mich auf nach Fischerhude.

60 km waren einfach nicht genug für heute, denn heute beginnt die Festive500, also etwas was stärker ist als der katholische Glaube, nämlich die Verpflichtung zwischen Weihnachten und Neujahr insgesamt mehr als 500 km zu radeln. 60 km wären da erstens unterdurchschnittlich gewesen und zweitens wäre ich vor der angesagten Zeit zuhause gewesen – unmöglich. Also raus auf den Hodenberger Deich, dann abbiegen nach Saghorn und weiter nach Fisherhude. Mist, die Bäckerei hat natürlich schon geschlossen, als ich da ankomme. Zum Glück habe ich einen Energieriegel dabei. Nein, habe ich zuhause liegen lassen. Mist. Und so geht es halb auf dem Hungerast zurück am Waldesrand nach Bremen.

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Startnummer 47.

Insgesamt werden es 104 km, das nimmt erst einmal etwas Druck vom Kessel. Da darf jetzt auch mal ein Tag mit Regen kommen, ohne das es gleich kritisch wird. Obwohl dieses Jahr pfusche ich sowieso. Nachdem ich zwei Mal  hintereinander mehr als 500 km in diesem norddeutschen Mistwetter abgerissen habe, über das sich Australier und Südafrikaner totlachen während die im Sommer in der Sonne schwitzen, fahre ich nun drei Tage nach Malle, um die notwendigen Kilometer abzuspulen. Freue mich schon.

Aber jetzt erst mal Geschenke auspacken, ich hoffe der Weihnachtsmann war schon da.

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Na, warste schon da?

Danke für die Idee, die Organisation und die Photos von der Gruppe, Melanie und Weihnachtsmann an Joey Punkt.

Wir sehen uns dann spätestens am 1.1. um 11:11 Uhr an der Weserbank.

 

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter 2015, Bremen, Mob, Touren

Eine Antwort zu “Total Humorloser X-Mas Kirchen Ride.

  1. alex

    …eigentlich eine coole Idee. Ich sollte mal wieder wo in so einen „Verein“ eintreten.
    Na gut, dafür war ich heute „nur Laufen“.

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