Modernes für Klassiker heute: Teil I: Die Welt der Gewindesteuersätze.

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Ein Steuersatz ist vielleicht aufgrund seiner Größe und Position am Rad kein Teil, das schnell ins Auge fällt. Allerdings ist es auch eine Komponente, die aufgrund von Abnutzung getauscht werden sollte. Ich hatte oft alte Rahmen in der Hand die noch gut aussahen, bei denen der Steuersatz allerdings rauh lief, oder in der 0 Grad Stellung einrastete. Dann muss unbedingt etwas neues, passendes rein. Mit Hilfe des Rennrad News Forums haben wir nachgeschaut, was derzeit auf dem Markt angeboten wird.

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Zunächst aber einmal eine generelle Einführung in die Welt der Gewindesteuersätze. Wer das alles schon kennt, möge bitte erst einmal warten und dann den Link hier drücken, den es jetzt noch nicht gibt.

Generelle Typen von Gewindesteuersätze in Stahlrahmen

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Natürlich gab es bereits am Ende des letzten Jahrhundert eine große Anzahl verschiedener Typen von Stahlrahmen und Steuersätzen, aber hier möchte ich mich gerne auf die am häufigsten gebauten Varianten beschränken. Das sind Gewindesteuersätze für 1 Zoll Außendurchmesser (25,4 mm) Gabelschäfte, die so in Steuerrohren verbaut werden, dass die Lagerschalen außen oberhalb und unterhalb des Steuerrohrs sitzen (heute nennt man so etwas EC oder „External Cups“). Die Gabelschäfte haben oben ein Gewinde mit einer Steigung von 24 tpi (Ausnahme: französische Gabeln: 25,4 tpi) und mittels einer Kontermutter wird der Steuersatz fixiert und vorgespannt. Die Lagerschalen wurden in der Regel in das Steuerrohr gepresst, wobei der Innendurchmesser des Steuerrohrs dann gleich dem Außendurchmesser des verpressten Abschnittes der Lagerschalen ist.

Hier gibt es schon die erste wichtige Unterscheidung: Der gebräuchlichste Standard hier ist der ISO Standard, und der gibt einen Außdendurchmesser der Lagerschalen von 30,2 mm vor. Wie dick das Steuerrohr außen ist, ist egal, aber in der Regl kann man da von etwa plus 5 mm ausgehen.

Zum Glück ist der alte italienische und der alte französische Standard hier ebenfalls 30,2 mm, ABER der JIS Standard ist lediglich 30 mm. Rahmen mit JIS Standard findet man in Europa relativ selten, allerdings sind zum Beispiel viele (japanische) MTBs und alle Keirin Bahnräder aus Japan auf der Basis von JIS Standards gelötet. Da muss man dann halt aufpassen.

Der zweite wichtige Unterschied ist der Innendurchmesser des Gabelkonus, also dem Teil des Steuersatzes, der auf der Gabelkrone sitzt. Der Gabelschaft hat auf dem letzten Stück vor der Gabelkrone nicht mehr einen Durchmesser von 25,4 mm , sondern verdickt sich auf 26,4 mm (bei ISO), 26,5 (bei italienischem oder französischem Standard) oder auf 27 mm (bei JIS und manchen französischen Rädern).

Auf diesen Stück wird der Gabelkonus aufgeschlagen, man könnte auch sagen „draufgepresst“. Der Gabelkonus hat also einen Innendurchmesser von 26,4; 26,5 oder 27 mm, je nach Gabeltyp und ISO, JIS etc. Standard.  Einen Gabelkonus mit 26,4 mm bekommt man auch problemlos auf einen Gabelschaft mit 26,5 mm Dicke aufgeschlagen. Ein 27 mm Gabelkonus auf einer 26,4 mm Gabel wackelt aber und ein 26,4 mm Gabelkonus lässt sich nicht auf eine 27 mm Gabel aufschlagen.

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Im Prinzip ist die Konsequenz, dass man für ISO und italienschen Standard den gleichen Steuersatz verwenden kann. (Lagerschalenaußendurchmesser 30,2 und Gabelkonus Innendurchmeser 26,4). Das ginge auch für einen französischen Rahmen, aber leider, leider haben sich die Franzosen dazu entschieden den Gabelschaft nicht 25,4 mm, sondern nur 25 mm dick zu machen. Und außerdem verwenden Sie ein anderes Gewinde mit 25,4 tpi und nicht 24 tpi.

Also braucht man drei verschiedene Steuersätze um den Großteil der Stahlrahmen bestücken zu können:

  • ISO : 25,4 mm Gabelschaft; 30,2 mm Steuerrohr; 26,4 mm Gabelkonus und 24 tpi Gewinde
  • JIS : 25,4 mm Gabelschaft; 30 mm Steuerrohr; 27 mm Gabelkonus und 24 tpi Gewinde
  • FRA: 25 mm Gabelschaft; 30,2 mm Steuerrohr; 26,4 oder 27 mm Gabelkonus und 25,4 tpi Gewinde

Das hat übrigens auch noch eine Konsequenz für den Vorbau: In ISO und JIS Gabelschäfte passen Vorbauten mit einem Außendurchmesser von 22,2 mm; für einen französischen Gabelschaft benötigt man einen Vorbau mit 22 mm – heutzutage eher schwierig aufzutreiben.

Ist man nicht gerade versessen auf die Peugeots, Gitane, Merciers und Keirinrahmen dieser Welt, kommt man in geschätzten 90% aller Fälle mit einem ISO Steuersatz aus. Aber man kann eben auch Pech haben.

Man kann das ja alles recht kompliziert finden, aber das ist absolut gar nichts gegen die Vielfalt die heute an Steuersätzen gebraucht wird. Da gibt es mindestens vier verschiedene Gabelschaftdurchmesser, integrierte und semi-integrierte Lager und und und. Wer einmal einen Eindruck darüber gewinnen möchte kann spaßeshalber einmal einen Blick auf die Website von FSA werfen und sich die 81 verschiedenen Steuersätze von diesem Hersteller ansehen. Ich fürchte ein Artikel über Steuersätze in 30 Jahren wird deutlich umfangreicher.

Zum Schluss wurde ich noch darauf aufmerksam gemacht, dass es noch diverse andere Standards auf dieser Welt gibt, bei denen in einen Rahmen kein 1 Zoll Gewindesteuersatz ISO, JIS oder FRA passt. Stahlrahmen der DDR z.B., Mifa und Diamant wurden nach anderen Standards gefertigt wurden. Da passt nichts. Eine kurze Übersicht dazu findet sich hier.

Wie unterscheiden sich 1 Zoll Gewindesteuersätze heute?

Eine umfangreiche Recherche ergab, dass etwa 70-80 verschiedene Steuersätze von verschiedenen Herstellern, überwiegend aus Asien und den USA heute noch angeboten werden. Dabei wurden nur die betrachtet, die die folgenden Merkmale haben:

  • Für 1 Zoll (OK, auch 25 mm) Gewindegabeln
  • Gebaut nach ISO, JIS oder FRA Standard
  • Das Finish ist silber, also entweder Aluminum, Stahl, verchromt oder auch Titan. Aber nicht schwarz oder irgendwie farbig eloxiert.
  • Ausgelassen haben wir auch die vielen Steuersätze aus Stahl für unter €10, die vorzugsweise an Holland- und Einkaufsrädern verbaut werden.

Auch wenn die Auswahl immer noch groß ist, so sind die Unterschiede zwischen den Produkten vielfach sehr gering. Die Funktion und die Anbringung eines Steuersatzes lässt nicht so viele Designvarianten zu, wie z.B. die Form eines Rahmens, oder Form und Farbgebung eines Sattels. Einige Hersteller aus Asien fertigen zudem Steuersätze für europäische oder amerikanische Händler, die dann unter einem anderen Markennamen verkauft werden. Tange Seiki aus Japan zum Beispiel, beliefert Bricklane Bikes, IRD, Soma und Grand Bois mit qualitativ hochwertigen Steuersätzen; Neco aus Taiwan beliefert diverse Großhändler mit einfachen Standardprodukten, verschiedene unbekannte chinesische Fabriken vermutlich die OEM Hersteller von einfachen Gebrauchsrädern.

Trotzdem gibt es einige wichtige Unterscheidungen, die man beim Kauf und Einbau eines Steuersatzes kennen sollte:

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Materialen

Grundsätzlich kommen hier verschiedene Aluminium und Stahlsorten zum Einsatz, eher selten Titan. Nun besteht ja, wie oben in der schematischen Abbildung zu sehen war, ein Steuersatz aus 8 Teilen, von denen die wichtigsten der Gabelkonus, die beiden Lager, die beiden Lagerschalen und die einstellbare Lagerschale oben sind. Der Gabelkonus ist immer aus Stahl, da er besonders abriebfest sein muss und sich keine Rillen bilden dürfen, wenn die Kugeln des Lagern auf ihm laufen. Die Lager werden später gesondert betrachtet und die Schrauben oben sind nicht so wichtig. Wenn man von einem Steuersatz aus Aluminium oder Stahl spricht, meint man daher, dass die Lagerschalen aus Aluminium bzw. Stahl sind.

Aluminium Steuersätze sind leichter als Stahlsteuersätze: ein typischer Aluminium Steuersatz wiegt etwa 100, einer aus Stahl etwa 150 Gramm. Überwiegend sind Aluminium Lagerschalen aus der Legierung T6061-T6 hergestellt, das ist das „Wald- und Wiesen Aluminium“ im Fahrzeugbau, da es günstig ist, sich gut verarbeiten lässt und eine ausreichend hohe Festigkeit besitzt. Qualitativ bessere Steuersätze werden z.B. von Tange Seiki und Chris King aus Aluminium T7075-T6 gefertigt, das sich schwerer verarbeiten läßt, aber eine höhere Festigkeit besitzt. Oft wird diese Legierung auch als „aircraft grade aluminium“ oder, noch etwa martialischer, als „military grade aluminium“ bezeichnet.

Leider ist die Abriebfestigkeit von Aluminium nicht die allerbeste, so das oftmals zwischen Lagerschale oder Lagerkonus und Lager Stahllaufbahnen verpresst werden, auf denen die Lager laufen. Sieht also von außen aus wie Alu, innen drin ist aber Stahl. Macht das ganze wieder schwerer. Stahlkonen können zusätzlich brüniert werden, um die Abriebfestigkeit zu erhöhen und den Korrossionsschutz zu verbessern.

Das Außenfinsh eines Aluminium Steuersatzes kann entweder ungehandeltes, eloxiertes (anodisertes) oder verchromtes Material sein. Eine Nachbehandlung durch Sand- und Kugelstrahlen kann ein satiniertes Finish erzeugen. Stahlsteuersätze sind in der Regel verchromt, eine Eloxierung ist bei Stahl nicht möglich.

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Eloxierte Steursätze Classic von Dia Compe

Lagertypen

Die Lager haben bei einem Steuersatz drei Aufgaben:

  • Sicherzustellen, dass sich die Gabel leicht drehen lässt
  • Das Gewicht von Fahrer und Rad vorne am Rahmen ausfzunehmen und in die Gabel zu leiten
  • Die Bremskräfte vom Laufrad bzw. der Gabel aufzunehmen und in den Rahmen zu leiten.

Daraus ergeben sich bestimmte Belastungen für ein Lager; grundsätzlich ist das untere Lager stärker belastet als das obere, da es  höhere Eigengewicht und Bremskräfte aufnehmen muss. Einige Hersteller tragen dem Rechnung, in dem sie das untere Lager stärker ausführen, als das obere. Zum Beispiel dadurch, dass sie unten größere oder mehr Kugeln verwenden, einen anderen, stabileren  Lagertypen oder ein zweifaches Kugellager (Soma) einbauen.

Der älteste, noch gebräuchliche Lagertyp ist das ungedichtete Kugellager (oder auch Konuslager). Die Kugel sind regelmässig in einem Ring (Retainer) angeordnet und laufen auf einer schräg angeordneten Laufbau (Konus). Nur so können die Kugeln sowohl vertikale, als auch horizontale Kräfte weiterleiten. Gute Steuersätze verwenden hier unten und oben jeweils 20 Kugeln mit einem Durchmesser von 5/32 Zoll, entsprechend etwa 4 mm. Zwischen Konus und Lagerschalen gibt es keine Dichtung, so dass Schmutz und Wasser relativ ungehindert in das Lager eindringen können. Diese Steuersätze verschleissen daher schneller bzw. müssen öfters gereinigt und nachgestellt werden.

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Kugellagerring: Oben ist die „Offene Seite“ oben; unten ist die „Offene Seite“ unten.

Befinden sich Dichtungen zwischen Lagerschalen und Konus spricht man von einem gedichteten Steuersatz. Dies ist heute in der Regel bei qualitativ besseren Steuersätzen mit Kugellagern der Fall. Die Haltbarkeit des Lagers wird erhöht, in dem man es ordentlich in Fett packt.

Weitere Unterschiede in der Qualität der Kugellager ergeben sich durch die Rundheit und Härte der verwendeten Lagerkugeln (je runder und härter desto weicher bewegt sich das Lager) und durch die Öberflächenhärte und Toleranzen der Laufbahnen (also Konus auf der einen, und Lagerschale auf der anderen Seite). Gute Steuersätze haben Kugeln aus Chromstahl und/oder nachgeschliffenen und polierte Laufbahnen.

Nach und nach werden  offene Kugellager (Konuslager) durch sogenannte Industrie-, oder Patronenlager ersetzt. Dies sind komplette, gedichtete Einheiten aus Konus, Kugeln und Lagerschale, die statt dem Kugellagerring zwischen Lagerschale und Konus des Steuersatzes eingelegt werden. Man nennt diese auch Rillenkugellager, im Gegensatz zu den Konuslagern. Industrielager sitzen fest auf der Lagerschale bzw. auf dem Konus und bewegen sich nicht im Verhältnis zu diesen; ergo spielt die Qualität von Konus und Lagerschale eine geringere Rolle. Die Laufbahnen sind innerhalb des Lagers, so dass ein Abrieb auch innerhalb des Industrielagers statfindet. Und die Lager verschmutzen nicht, da sie als Einheit gedichtet sind. Was dann aber z.B. Cane Creek nicht davon abhält noch einmal klassisch zwischen Lagerschale und Konus zusätzlich zu dichten.

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Irgendwann ist so ein Industrielager verbracht, auch wenn es konstruktionsbedingt lange hält. Dann muss man das Lager tauschen. Da in der Regel normierte Standardprodukte verbaut werden, soll dies nicht so schwierig sein (keine eigenen Erfahrungen). Die Lagerschalen halten bei Industrielagern quasi ewig, da sie nicht durch Abrieb belastet werden.

Industrielager lassen sich einfacher einstellen (siehe Montage), da sie bereits vorgespannt sind und sich die Kugeln auf der richtigen Position auf den Laufbahnen befinden. Zudem haben Sie den Vorteil, dass man den Gabelkonus schlitzen kann: Statt einen Ring auf den Gabelkonus aufzuschlagen, kann man einen geschlitzten Gabelkonus etwas spreizen und somit einfacher auf dem Gabelschaft montieren, bzw. wieder abnehmen. Das ist deshalb möglich, weil das Industrielager ja fest auf dem Konus sitzt im Gegensatz zum offenen Konuslager, wo die Kugeln ja über den Konus laufen und ein Schlitz stören würde.

Ein relativ kurzlebiger und heute eher seltener Typ sind Nadellager; bekannt wurden diese durch die Marke Primax. Nadellager haben den Vortel, dass die Nadeln eine größere Auflagefläche auf dem Konus haben und somit weniger Druck ausüben (Stöckelschuhe contra Gummistiefel). Dadurch wird weniger Abrieb erzeugt und die Lager halten länger.

Allerdings laufen Nagellager nicht so weich wie Kugelager, verhalten sich angeblich etwas zickig beim einstellen und sind oft auch in der Bauhöhe (siehe unten) höher. Aus diesen Gründen haben sie sich nicht durchgesetzt und es gibt heute nur wenigen Steuersätze auf der Basis diesen Prinzips.

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Alter Stronglight A9 Steuersatz mit Nadellager

Einbauhöhen

Ein wichtiges Merkmal bei Gewindesteuersätzen ist die sogenannte Einbauhöhe. Damit bezeichnet man die gesamte Höhe eines Steuersatzes, die unten und oben aus dem Steuerrohr herausragt. Der Teil des Steuersatzes der im Steuerrohr verpresst wird zählt demnach nicht dazu.

Man könnte auch sagen, die Einbauhöhe ist die Differenz zwischen der Länge des Steuerrohrs und der Länge des Gabelschafts (Na ja, so ungefähr), denn der Gabelschaft verschwindet ja völlig und von der Länge her fast genau in Steuerrohr und Steuersatz.

Ist der Gabelschaft länger als Steuerrohr plus Einbauhöhe hat man kein Problem; der Gabelschaft wird einfach abgesägt. Dabei ist darauf zu achten, dass oben noch ausreichend Gewinde da ist, um den beweglichen Konus und die Kottermutter zu verschrauben. Falls nicht muss Gewinde nachgeschnitten werden. Man sollte nicht leichtfertig kürzen, denn rückgängig kann da nichts gemacht werden. Und zuhause habe ich eine Gabel, wo ich bei dem Thema Länge nicht lange überlegt habe. Oder nicht lange genug. Jedenfalls ist diese Gabel gerade sehr einsam und passt in keinen Rahmen mehr.

Ist die Gabel sehrkurz, hat man nur noch die Möglichkeit einen möglichst niedrig bauenden Steuersatz zu verbauen. Typische Einbauhöhen sind etwa zwischen 35 und 40 mm. Alte Shimano Steuersätze Typ HP-1050 und 1055 (105SC) und 600 (HP-6400) haben sehr geringe Einbauhöhen von 33,5 mm, der Dura Ace HP-7600 sogar nur 30 mm; daher muss man einen ähnlich niedrigen Steuersatz verbauen und hat keine Wahl. Zur Not kann man auch immer noch die Nasenscheibe unter der Kontermutter weglassen; ideal ist das aber nicht, da das Risiko besteht, dass sich der Steuersatz schneller lockert und nachgestellt werden muss. Eine Aufstellung mit Einbauhöhen klassischer Steuersätze findet sich hier.

Es macht daher Sinn, wenn man einen Steuersatz komplett austauscht, ein Modell zu verwenden, dass in etwa die gleiche Einbauhöhe hat.

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Ein Problem niedriger Ordnung.

S.H.I.S System

Um der Vielfalt der Steuersätze, die heute verbaut werden Herr zu werden, wurde in Kooperation einiger Hersteller das S.H.I.S System = Standardized Headset Identification System entwickelt. Eine typische Kennung schaut so aus:

EC30/25.4 | EC30/26,4

Der erste Teil bis zum „|“ beschreibt die obere, der Teil dahinter die untere Lagerschale. Zunächst wird mit der Kennung EC angegeben, dass es sich um „External Cups“ handelt, im Gegensatz zu ZS (internal Headset) und IS (Integrated Headset). Gewindesteuersätze sind immer vom Type EC.

Die zweiten beiden Zahlen geben die Dimensionen außen und innen an dem Lager in Millimeter vor. Also wenn oben „30/25,4“ die Angabe ist, dann heißt dies, dass die Lagerschale in ein Steuerrohr mit Innendurchmesser  von 30 mm verpresst werden kann und dass der Gabelschaft eine Durchmesser von 25,4 mm ( = 1 Zoll) hat.

Und unten „30,26,4 bedeutet für die Lagerschale exakt das gleiche, und die 26,4 beziehen sich auf den Durchmesser des Gabelschafts, auf den der Gabelkonus aufgeschlagen wird.

Mein Eindruck ist, dass unabhängig von ISO und JIS Standard, die SIHS Steuersätze immer 30 mm angeben, auch wenn die Lagerschale außen 30,2 mm Durchmesser ist. Aber vielleicht weiß dies ja jemand besser.

Je nachdem, was für ein Rahmen-. und Gabelstandard verwendet wird, ergeben sich die folgenden SIHS Spezifikationen:

  • ISO: EC30/25.4 | EC30/26,4
  • JIS: EC30/25.4 | EC30/27
  • FRA: EC30/25 | EC30/26,4 oder 27

Das ganze ist im Detail sehr gut bei Park Tool beschrieben.

Montage, Wartung und Einstellung von Gewindesteuersätzen

Für den Ein- und Ausbau von Gewindesteuersätzen benötigt man doch einen Haufen von Spezialwerkzeug (wenn man es gut machen will), für die Wartung und Einstellung relativ wenig. Den Vorbau muss man erst einmal entfernen, um den Steuersatz aufzumachen, dafür braucht man dann meistens einen flachen 32er Schlüssel mit langem Arm, so wie diesen hier von Cyclus. Mit dem Schlüssel wird die Kontermutter abgeschraubt, dann die Nasenscheibe entfernt und zum Schluß der bewegliche Lagerkonus oben abgeschraubt. Danach kann man die Gabel aus dem Rahmen ziehen (oder sie fällt von alleine wenn man nicht konzentriert war).

Hier sollte man sehr vorsichtig sein, denn die Kugeln von offenen Kugellager sitzen oft nicht sehr fest im Kugellagerring und fallen dann auf den Boden – sehr mühsam die wieder zu finden. Oder jemand hat den Kugellagerring bereits entfernt und die Kugeln liegen lose in den Lagerschalen. Das macht man schon einmal, um eingefahrene Lager wieder aufzufrischen und mehr Kugeln in ein Lager zu bringen.

Ersatzkugeln kann man günstig und schnell bei Kugel Winnie bestellen, ich kaufe immer die aus Chromstahl.

Und bei jedem Auseinanderbauen sollte man sich sehr gut merken, welches Kugellager oben und welches unten eingebaut war, denn bei einigen Modellen haben die Lager andere Abmessungen oder Kugelgrößen (Campagnolo) oben und unten. Und dann sollte man auch wissen, ob der Kugellagerring mit der offenen Seite nach oben oder nach zeigt. Man kann sich das auch einfach merken, dass die offene Seite des Kugellagerrings immer auf dr Lagerschale liegt und nie auf dem Konus. Keine Ahnung, ob das stimmt. Merkt man sich das nicht, dann gibt es vier verschiedene Kombinationen: Welcher der beiden Kugellagerringe ist oben, welcher unten? Und wie rum liegt der unten und wie oben? Mühsam und nervig, daher besser merken oder ein Foto machen.

Aufpassen sollte man auch, dass die Dichtungen nicht verschwinden; diese kleben oft zunächst an den Lagerschalen und fallen dann runter, wenn man es nicht sieht.

Man kann dann mit Seifenlauge und Bremsreiniger Gabelschaft, Lagerschalen , Kugellagerringe und Konen sauberer machen. An Industrielager darf allerdings kein Bremsreiniger dran, um die innere Schmierung nicht zu beeinträchtigen. Dann wird das ganze gut mit Fett zugekleistert, ich nehme da ganz gerne das Shimano Fett, aber das ist eine persönliche Vorliebe. Teflon Fett hingegen mag ich gar nicht, weil ich damit einmal bei einer Sattelstütze sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe.

Dann wird das ganze wieder zusammengesteckt und zusammengebaut. Erst einmal locker. In dem Video hier wird das recht gut beschrieben.

Nicht nur nach einer Reinigung sollte das Lager eingestellt werden, sondern auch von Zeit zu Zeit auf Spiel kontrolliert werden und, falls vorhanden, dann ebenfalls eingestellt werden. Spiel im Steuersatz hat man immer dann, wenn man die Bremse vorne anzieht, den Lenker nach vorne und hinten ruckelt und er sich dabei bewegen lässt. Dann muss der bewegliche Konus oben weiter angezogen und mit der Kontermutter gesichert werden. Das kann man im folgenden Video gut sehen.

Unabhängig vom Lagertyp (offenes Konuslager, Industrielager oder Nadellager) ist diese Prozedur gleich. Das ist ein wenig Frickelei, denn man muss die Balance finden zwischen einem weich laufenden Steuersatz (dazu darf der bewegliche Konus oben nicht zu sehr angezogen werden, und einem Aufbau ohne Spiel. Mit ein wenig Erfdahrung lernt man dies aber schnell. Geht es so gar nicht, hat man entweder die Teile nicht richtig eingebaut, oder aber der Steuersatz ist tatsächlich alt und kaputt.

Zur Montage eines neuen Steuersatzes in einem Stahlrahmen braucht man eine Menge Spezialwerkzeug. Zunächst einmal müssen die Lagerschalen aus dem Rahmen, und der Konus von der Gabel entfernt werden. Dazu braucht man einen Austreiber für die Lagerschalen und einen Abzieher oder Abschläger für den Gabelkonus.

Dann können die neuen Lagerschalen in das Steuerrohr eingepresst werden, dafür braucht man ein spezielles Werkzeug, z.B. dieses hier. Zuletzt muss man noch den Konus auf den Gabelschaft aufschlagen und auch hier braucht man eine Spezialwerkzeug.

Dann muss nur noch zusammengebaut werden wir oben beschrieben.

Aber wie gesagt, da ist erst einmal eine Investition in Werkzeug von 100 bis 200 € fällig, vom daher sollte man sich da richtig gut überlegen.

Im zweiten Teil beschäftigen wir und dann damit, welche Gewindesteuersätze heute zu kaufen sind und welche wir empfehlen.

3 Kommentare

Eingeordnet unter 2017, Mob, Moderne Klassik

3 Antworten zu “Modernes für Klassiker heute: Teil I: Die Welt der Gewindesteuersätze.

  1. Hallo,
    eine recht schöne Zusammenfassung! Danke dafür. Ein kleine Bemerkung aber noch. Es gibt zumindest im Ostteil Deutschlands noch einige 10-tausend Diamant und Mifa Räder. Deren Steuersätz sind noch einmal anders bemaßt. Siehe hier: ddr-fahrradwiki.de/Steuers%C3%A4tze.
    Ich sag das nur deshalb weil viele das nicht (mehr) wissen und dann irgend einen Standard 1-Zoll Steuersatz dort hineinwürgen wollen.
    Beste Grüße
    Uwe Engler
    Berlin

  2. Danke, das ist ein guter Hinweis und ich habe das in den Post mit aufgenommen. So wird das dann auch immer besser und sinnvoller durch gute Beiträge wie Deinen.

  3. Pingback: Modernes für Klassiker heute: Teil II: Gewindesteuersätze. | there is no "I" in cyclyng

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