Diesen Sommer bin ich kaum Fixie gefahren, für den Weg zur Arbeit hatte ich mein Umberto Dei, für größere Touren gab es eine Anzahl schöner, schneller und passabler Rennräder in der Garage und für das schlechte Wetter habe ich nun ein Panasonic. Wenn der Winter kommt fahren ich dann gerne wieder Fixie. Das ist technisch anspruchsvoller, man kann sich einbilden, dass es ein gutes Training ist und auch kürzere Touren werden anstrengender, man kann also kürzer draußen in der der Kälte bleiben. Bei Schnee macht ein Fixie wahnsinnig viel Spaß, es ist einfach das Hinterrad zu blockieren und durch die Gegend zu schliddern und wenn man hinfällt, nun dann fällt man in den Schnee und nicht auf den dreckigen Asphalt.
Heute, zwischen zwei Termine gerade einmal Zeit um 30 km auf dem Deich zu fahren. Dann zurück an der Blocklanddeponie und zum Unisee.
Schön. Schön kalt. Ganz ruhig, vielleicht fünf Radfahrer gesehen. Idealer Trip zur Unterbrechung der Arbeit.
Endlich einmal eine vernünftig terminierte Saisonabschlussfahrt. Erstens bei herrlichem Wetter und zweitens um 12:00 Uhr beginnend. Und drittens, wie sich später herausstellte, ersparte man sich dabei die sinnlose Beschäftigung mit dem Nordderby.
Diesmal habe ich genau geschaut: Ganze 25 Minuten dauerte es, von dem Zeitpunkt der Entscheidung sich jetzt auf das Rausfahren vorzubereiten bis zu dem Punkt wo ich auf dem Rad sass und losfuhr. Man braucht im Winter einfach Zeit um sich zu entschieden wie kalt oder warm es draußen ist und was genau man anziehen will. Dann noch Pulsgurt, Uhr, Überschuhe, Laufräder austauschen, Lampen anbauen, Räder aufpumpen, Bremsen neu einstellen, Brille putzen …. nicht zu vergessen der Prozess des Entscheidens welche Musik dazu am besten passt, besser Nada Surf, the Damned oder Presidents of the USA? OK, 15 Minuten später: Nada Surf.
Auf dem Weg zum Treffpunkt sehe ich mindestens drei andere Rennradfahrer und denke mir: „Wow, das wird wirkliche ine große Gruppe werden!“. Am Treffpunkt bin ich dann auch nicht enttäuscht, neben Andreas, Jan, Caro, Tobias, Torben, Tanja und Lars kamen dann leicht verspätet auch noch Philipp und Jonas und ganz viele andere die ich teilweise von anderen Fahrten her kannte und teilweise eben noch nicht. Leicht verspätet ging es los und wir fuhren in gutem Tempo den Deich runter Richtung Weyhe. Aber nicht allzu lange. Jonas fuhr gleich neben mir, plötzlich wird er langsamer und ich sehe, wie unter seinem linken Fuß der linke Kurbelarm klebt aber leider ohne jegwelche Verbindung zum Rad. Ich weiß nicht was dann bei andren Menschen im Kopf vorgeht, aber ich denke dann immer zuerst: „Ist das eine neue Trainingsmethode?“ Es gibt so viele ungewöhnliche Dinge, man denke z.B. an die Power Cranks, quasi Kurbeln mit Freilauf die immer „mitgezogen“ werden müssen.
Aber Jonas trainiert nicht mit neuem Spielzeug. Jonas trainiert gerade ganz ernsthaft anzuhalten, auszuklippen und sich dabei nicht auf die Fresse zu legen.
Irgendwie versuchen wir seine FSA Hollowtec-II Kurbel zu reparieren.
Dummerweise fehlt diese Schraube da oben rechts neben dem linken Kurbelarm, die muss irgendwo unterwegs verloren gegangen sein. Und den Kurbelarm nur so zu fixieren ist halt sehr riskioreich. Was tun? Alle waren nett udn Jonas hat sich schon mit seinem Schicksal abgefunden die Tour abzubrechen und nach Hause zu fahren. Ich biete ihm an, eines meiner Räder auszuleihen und die anderen dann in Bruchhausen-Vilsen zu treffen. Das ist eben der Vorteil, wenn man eine Garage mit einer ganzen Reihe von Rädern hat. Und natürlich jede Menge Laufrädern. Und Bremsbeläge, Schläuche und und und, also im Prinzip wenn Gragae und Wohnung aussehen wie ein schlecht sortierter Radladen, dann hat man Stress zuhause aber viel Spaß auf der Strasse. Also, Jonas und ich sprinte zu mir nach Hause während sich die Gruppe Richtung Bruchhausen -Vilsen bewegt.
Eine lustige Situation, welches Rad soll ich nun Jonas in die Hand geben? Jonas ist noch nie Fixie gefahren, also wie wäre es z.B. mit meinem Nagasawa Fixie ohne Bremsen das im Wohnzimmer hängt mit der Beründung, sorry, die andere habe ich alle ausgeliehen?
Oder das Mountainbike meiner Tochter und der Begründung: „Sorry, das ist das einzige, was ich in Deiner Größe habe!“
Nein, das alles sind nur theoretische Gedankenspiele und ich drücke Jonas das Moser Leader AX Evolution zwischen die Beine.
Damit machen wir uns nun auf den Weg die anderen einzuholen. Wir haben insgesamt fast 40 Minuten Zeit verloren und treten nun so richtig rein. Jonas muss als Strafe Führungsarbeit leisten, vor allem wenn es gegen den Wind geht und die Hügelchen hoch, also quasi immer. Ruckzuck sind wir in Südweyhe und biegen nach Okel ab. Rechts und links schwirren die kleinen Ortschaften vorbei, wir treten rein bis den Maximalpuls erreicht haben und sind nur beseelt von einem Gedanken: „Wir wollen unser Stück Kuchen in Bruchhausen-Vilsen.“ Okel…Gödestorf, ab und zu mach ich mich nun auch vorne lang… Wachendorf…Süstedt…Ortsnamen wie Produkte von Busch und Müller…Uenzen… und dann sind wir etwas auspumpt in Bruchhausen-Vilsen. Die anderen sind schon da und geben lügen ganz höflich, dass sie maximal fünf Minuten vor uns angekommen sind. Nun gibt es auch endlich Kuchen; da wir ein ganzer Haufen Leute sind, essen einige von uns drinnen und andere sitzen draußen auf den Bänken. Unsere Räder stehen vor dem Laden, es sind viele und sie fallen auf.
Unsere Räder. Also, bis auf den „Steppenwolf“ in der Mitte.
Der Steppenwolf gehört nicht zu uns, dass ist ein Pusher. Der Kuchen ist lecker und der Kaffee auch und die Atmosphäre nun entspannt. Philipp behauptet, dass aus dem Wasserhahn in der Herrentoilette Vilsa herauskommt. Das kann ich nicht so richtig glauben und probiere das aus.
Stimmt überhaupt nicht. Was aber auf jeden Fall stimmt ist, dass bei der Pissoirspülung Vilsa Sportschorle Apfel-Grapefrucht eingesetzt wird. Zumindest schmeckt das ganz genauso.
Wer mir das nicht glaubt kann das ja einfach bei der nächsten Ausfahrt dorthin nachprüfen.
Irgendwie ist ein wenig Unruhe da wegen dem Nordderby und weil dem Tag auch so früh das Licht ausgeht. In der großen Gruppe dann mit Rückenwind Richtung Bremen zu fahren ist auch deutlich weniger anstregend als alleine mit Jonas unterwegs zu sein.
Sieht nach Sommer aus, war’s aber nicht.
Und Sprint nach vorne zum fotographieren
Vorne machen die Jungs Tempo und hinten ….
Die Rückfahrt ist wirklich angenehm, ich unterhalte mich hier und dort, mache ein paar Fotos und eh man sich versieht sind wir schon wieder auf dem Deich. In der Zwischenzeit ist dichter Nebel aufgezogen, zumindest in meiner Kamera, die ich nur lose in die Rückseite der Windjacke gesteckt hatte.
Caro verteilt letzte Ferrero Küßchen im dichten Nebel
Aufstellen zum Gruppenbild. Gar nicht so einfach bei Sichtweite Null.
Als sich der Nebel verzieht, wir uns endlich alle aufgereiht haben und ein Passant überzeugt werden konnte von uns allen ein Foto zu machen, funktioniert das Smartphone nicht so richtig. Wen ich das Problem richtig verstanden habe, war dieses Smartphone von seiner Besitzerin auf automatische Genitalienerkennung eingestellt. Mit anderen Worten, erst wenn alle 20 Genitalien von allen Teilnehmern gleichzeitig lachen oder grinsen wird ein Foto ausgelöst. Wie man sich aber einfach vorstellen kann ist es recht schwierig die Genitalien von 20 Leuten die gerade von einer langen Radtour zurückkommen und ständig auf zu kleinen Rennradsätteln gequetscht wurden, zum grinsen zu bewegen. Erst nach dem die Kamera auf den Modus „Mach jetzt ein Foto ist doch scheißegal wie“ umgestellt wurde, klappte es.
So, danach verliefen sich die Teilnehmer in alle Richtungen und Caro zeigte mir dann noch eine sehr schicke Abkürzung nach Hause. Guter Tag, der mich aus meiner Herbstlethargie gerissen hat. Danke an alle die dabei waren und hoffentlich bald wieder zur Saisonstartfahrt am nächsten Wochenende.
Ach so, also 25 Minuten Vorbereitung zum fahren geht ja gar nicht. Hannes und ich möchten dem ein Ende machen und laden schon einmal für den 1. Januar 2015 um 08:30 zur Katerausfahrt ein. Bei der Ausfahrt dürfen nur Bibshorts and Sandalen und keine anderen Kleidungsstücke getragen werden. Frauen ist es erlaubt zusätzlich eine Pelzstola ersatzweise eine Federboa zu tragen.
Letzte Woche hatten Hannes und ich ein Vorderrad mit Nabendynamo für ihn gebastelt. Heute wurde es im Dunkeln getestet.
Eigentlich hatte ich das Versprechen auf einen Test schon lange vergessen und verdrängt bei dem Sauwetter draußen. Ich saß lethargisch in der Bude rum und dachte darüber nach, was ich heute alles auf keinen Fall tun sollte. Ein Sonntag, der ein Samstag war. Dann rief Hannes an und rief mich aus meinem Koma. Innerhalb einer halben Stunden zog ich mich um, machte das Panasonic fertig und kurz nach Sechs stand ich bei ihm vor der Haustür. An meinem Panasonic wird für das Licht durch eine Kombination von einem Shutter Precision SV8 Nabendynamo und einer AXA Luxx 70 Plus Steady Lampe gesorgt. Hannes an den gleichen Nabendynamo in der Kombination mit der AXA Luxx 70 Steady Auto Lampe. Es würde also spannend werden, wer von uns den helleren Lichtkegel besitzt. Ich wollte daher pfuschen und meine B&M Akku Lampe Ixon IQ Speed zusäzlich montieren, stellte aber dann fest, dass der Akku noch im Keller lag.
Wie jeder weiß, sind die meisten Busch und Müller Produkte sehr gut und schneiden bei Tests sehr weit vorne ab. Es wäre aber auch schön, wenn man die Namen dieser Produkte irgendwie aussprechen und behalten könnte. Checkt man z.B. bei Bike24 nach Busch und Müller Lampen, bekommt man 139 (!)= verschiedene Produkte angeboten (wenn das hier in drei Tagen gelesen wird vermutlich schon wieder zehn mehr). Was bitte ist denn der Unterschied zwischen:
Genau, zwei Buchstaben (TS), die sich ganz am Ende des Namens in einer Abkürzung verstecken. Die Recherche, welche Lampe auf einen passt ist damit wahnsinnig aufwändig – das kommt davon, wenn man keine vernünftige Marketing Abteilung hat und die Produkte nach den Entwicklungsprojektnamen benennt, die Ingenieure Ihnen gegeben haben. Produktnamen wie WLAN Passwörter.
Warum heißen die Lampen nicht Dura Ace, Ultegra, 105 …..? Oder umgekehrt, wenn Busch und Müller Schaltungen herstellen würde, dann hieß ein 10-fach Zahnkranz bei denen vermutlich:
Busch + Müller Schalttec IQ Evo Hyper Plus 11121315171921232528 RNDITSHK2L Senso
Nicht zuletzt aus diesem Grunde habe ich dann irgendwann aufgegeben und mir eine AXA Lampe gekauft.
Trotz Busch und Müller fuhren Hannes und ich dann irgwndwann los. Da uns unsere Frauen für bescheuert erklärt hatten bei dem Wetter und im Dunkeln zu fahren, wollten wir es kurz und wenig knackig halten. Also rauf auf den Deich. Heute war Randgruppenkohlfahrtstag. Zuerst begegneten wir kurz hinter dem Lehster Deich einer Gruppe ausländischer Kohkfahrer, dann anschliessend auf der Rückfahrt einer reinen Frauenkohlfahrt. Als wir von hinten auf gleicher Höhe sie zurollten riefen sie: „Auto, Auto“ was uns mächtig stolz auf unsere Beleuchtung machte. Vermutlich hatte da aber auch der Alkohol seine Hand im Spiel.
Ruckzuck waren wir am Ende des Deichs und machten ein paar schicke Photos von uns.
Hannes Sohn suchte derzeit verzweifelt zuhause nach seinem Leibchen für das Fußballspiel morgen.
Hannes Rad mit schicker Campagnolo G3 (vorne) und G2(hinten) Reflektorenspeichung.
Auf der Ritterhuder Brücke gelang mir noch ein unglaubliches Kunstphoto. Meine Kunstlehrer und -lehrerinnen, Frau Hesse (abgedreht, hysterisch), Herr L’Hoest (oft betrunken), und Herr Würfel (landete in der Psychiatrie) wären stolz auf mich gewesen.
Der Kuß des Mondes (Fluxus Version)
Und dann ging es zurück über die noch dunklere, andere Wümme Seite. Recht langsam, so dass wir uns gut unterhalten konnten. Aber einmal hatten wir doch richtig Angst, als wir von einem Motorrädchen der „Vespa Hass Gruppe Vahr Süd“ überholt wurden. Sonst alles friedlich (bis auf einen Hund der auf uns losging) und wir beneideten die Menschen, die in der Schleuse und anderen Gaststätten in der Wärme sassen und Bier tranken. Um eine möglichst gute Sicht auf die Strasse zu haben, fuhren wir nebeneinander, Hannes leuchtete den Nahbereich aus und ich in die Ferne. Das was ausreichend.
Deshalb möchte ich auch zum Fazit des Lampenvergleichstest kommen:
Beide sind exakt gleich hell. Es gibt da absolut null Unterschied, es sei denn, ich fahre langsamer als 6 km/hr, dann gibt es bei meiner Lampe eine Nahfeldausleuchtung. Mit anderen Worten, wenn ich das Rad schiebe, dann ist meine Lampe besser.
Fazit: Hannes ist schlauer als ich.
Zu meiner Rettung möchte ich aber noch erwähnen, dass meine Lampe zusätzlich über einen USB Anschluß verfügt, den ich noch nie benutzt habe. Hannes Lampe hat keinen USB Anschlu, aber Hannes hat einen Garmin der so etwas brauchen könnte.
Fazit: Theoretisch bin ich schlauer.
Schöne und schön kalte 40 km heute, Danke an Hannes.
Ach so und mit dieser Tour dann in diesem Jahr (wobei das Jahr am 24.12.2013 mit der Festive 500 begann:
Unterwegs auf Dienstreise habe ich gerne ein Rad dabei. Meistens ist es sinnlos.
Ich möchte nicht darüber nachdenken, wie viele Räder ich bereits durch Bahnhöfe, Flughäfen und zum Autoverleih geschleppt habe. Manchmal bin ich gar nicht gefahren, einige Male nur als Alibi. Auch heute war die Strecke eher kurz (35 km) aber es hat sich trotzdem gelohnt. Dabei hätte die Polizei das fast auch noch verhindert.
Bremen an einem Donnerstag im Herbst um kurz vor sieben morgens. Es ist kalt und ich fahre auf dem Canyon nur mit Rücklicht zum Parkplatz des Car-Sharings auf der Emmastraße. Dabei merke ich nicht, dass auf dem letzten Stück ein Polizeiwagen hinter mir her fährt. Und vermutlich errege ich einen Veracht, als ich dann unvermittelt auf einen dunklen Parkplatz fahre. Ich steige ab und fummele an der Transponderstation herum, der Polizeiwagen steht auf der Straße und zwei Polizisten schauen mich aus dem warmen Inneren an und sind unschlüssig ob es Sinn macht in die Kälte zu steigen. Ausschlaggebend sind dann bei mir wohl Anzug und Krawatte; so ein gut angezogener Mensch tut doch nichts böses – sie fahren weiter und ich nach Bielefeld.
Am Abend bin ich in Detmold. Ein schnuckeliges Städtchen mit einem Sehloß mitten in der Stadt, einem Wassergraben und Resten einer Stadtmauer und vielen Fachwerkshäuschen auf einer endlosen Fußgängerzone. In den Filmfestspielen läuft gerade Nick Caves: „1.000.000.000 days on earth“ (rechts) und „Hunger Games“ (links). Es ist alles recht hübsch und ich residiere im Detmolder Hof, der ewigen Konkurrenz zum Lippischen Hof am Platze. Es ist übrigens keine gute Idee mit dem Auto nach Detmold zu kommen – die Parkplatzgeschichten wären noch einen weiteren Beitrag wert. Ein gutes Abendessen mit netten Leuten. Eine Flasche spanischer Rotwein., man kommt ins reden.
Ich erzähle, dass meine Familie ursprünglich aus Detmold kommt. Meine Großväter väterlicherseits sind hier in der Nähe aufgewachsen, bis meine Großeltern dann vor dem Krieg nach Mönchengladbach kamen. Viel weiß ich nicht und ich war in meinem Leben noch nie in Detmold. Es gibt eine bekannte Familiengeschichte, dass der Vater meiner Großmutter ein Sägewerk und einen Wald auf dem Königshügel in Heiligenkirchen besaß und dass er versprach, er würde diesen Wald der Fürstin von Lippe-Detmold schenken, wenn Sie einmal mit ihm tanzen würde. Die Fürstin, pragmatischer als mein Urgr0ßvater, soll dies dann auch getan haben, wodurch der Wald an die Krone von Lippe-Detmold fiel. Einer der beiden Gesprächspartner wohnt heute auf dem Königshügel.
Am nächsten Morgen komme ich kaum früh aus dem Bett, aber irgendwann klappt es dann doch. Ich baue das Canyon zusammen und mache mich auf den Weg aus der Stadt. In der Neustadt komme ich an der Musikhochschule vorbei und frage mich, wie viele Japanerinnen da wohl studieren. Kein Japaner kommt nach Deutschland um Ingenieur oder Zahnarzt zu werden, aber Musik …. da zieht es einen dann vielleicht auch nach Detmold. Raus aus der Stadt biege ich links ab nach Hiddesen. Die ersten Hügel kommen und ich bin noch nicht einmal richtig warm. Noch einmal links abgebogen geht es hoch zum Hermannsdenkmal, da sind endlich mal wieder 200 Höhenmeter an einem Stück. Ich habe die ganze Strasse für mich und als ich oben bin auch das ganze Denkmal. Das ist anstrengend und ich bin viel zu warm angezogen aber es macht auch wieder Spaß in den Hügel zu sein. Vor dem Denkmal gibt es eine Freitreppe.
’schuldigung Hermann.
Der Bruder meines Großvaters hieß auch Hermann, genauso wie sein Vater. Ein alter Familienwitz besagt, dass er den Hermann auf dem Denkmal fragte: „Hermann, was hast Du an deinen Füßen“. Und Hermann antwortetet „nichts“. Ich weiß, dass ist nicht besonders lustig, aber der Versuch das heute zum ersten Mal meiner japanischen Frau zu erklären war es schon. Diese Art von Humor wird ihr auf Weg verschlossen bleiben und es ist fraglich, ob sie dadurch etwas wesentliches in ihrem Leben verpasst hat.
Die Belohnung für das Klettern folgt auf dem Fuße. eine wunderschöne, leicht kurvige Straße führt mich schön schnell nach Heiligenkirchen.
Ich klettere wieder mal einen Berg hoch, dieses mal den Königshügel. Hier stehen ein paar nette Paläste. Hätten meine Ahnen den nicht quasi verschenkt, sondern ordentlich zu Geld gemacht, dann könnte ich heute als Privatier in Detmold leben und hätte eine ganze Garage voll Räder. Hm, wenn ich so darüber nachdenke, dann habe ich die ja eh schon.
Heiligenkirchen, vom Königshügel aus gesehen
Es bleibt gerade noch Zeit für einen Ausflug zu den Extersteinen. Da wollte ich schon immer mal hin, seitdem ich vor ein paar Jahren ein Foto davon gesehen hatte. Ich bin nicht enttäuscht, die Dinger sehen einfach großartig aus.
Interessanterweise gibt es über die Steine keine Beziehungen oder Witzchen zu meiner Familie. Es bleibt kau noch Zeit und so mache ich mich auf den Rückweg nach Detmold. Dusche, Hemd und Krawatte an und ein neuer Arbeitstag kann beginnen. Ich fühle mich frisch und ausgeruht und viel besser, als es nach eienr Flasche Rotwein hätte sein dürfen. Aber der Start, der war hart.
OK, man muss nun akzeptieren, dass der Herbst da ist.
Das ist einerseits gut, denn es ist beruhigend, dass die Jahreszeiten ihren normalen Gang gehen und der Klimawandel noch nicht vollkommen ist. Das ist andererseits schlecht, denn es macht nicht wirklich Spaß durch den Regen zu fahren, auch wenn man es als Trainingsfahrt für noch schlechtere Zeiten (Winter in Bremen) einstuft und es als Testfahrt für das Panasonic Rad mit SChutzblechen durchgehen lässt.
Am Samstag war es noch trocken. Ich wachte auf und hatte Kopfschmerzen, als wenn ich die halbe Nacht mit einspeichen verbracht hätte. De facto hatte ich das auch, und zwar bei Hannes, wo wir zusammen ein neues Nabendynamo Vorderrad für seinen Renner bastelten. Hannes hatte eine Flache Rotein „Ventoux“ dafür bereitsgestellt und mir ist bis heute nicht ganz klar ob die Schwierigkeiten, die wir beim zentrieren erfuhren auf den Rotwein zurückzuführen sind, oder die Tatsache, dass wir sehr, sehr lange durchgehalten haben.
Am Freitag war ich zum ersten Mal seit langer Zeit mal wieder auf dem Fixie unterwegs. Ich hatte vergessen wie viel Spaß das machen kann. Aber am Samstag wollte ich Strecke machen und so stieg ich doch wieder auf das Canyon und fuhr raus Richtung Nordosten. Zum ersten Mal fuhr ich de Jan-Reinders Radweg durch Lilienthal auf seiner ganzen Länge; viele hatten mir davon abgeraten, aber es war wieder einmal etwas neues und nicht so gefährlich, wie es weiß gemacht wurde. Ich kam kurz vor Worpshausen auf die Landstraße und fuhr über eine dicke Wurzel. Dachte ich. Könnte aber auch sein, dass ich über mein Brillenetui gefahren bin, dass bei der nächsten Pause nicht mehr auffindbar war. Ärgerlich, und es wurde schon fast dunkel.
Der Verlust einer Brille auf einer Radtour am Nachmittag im Herbst hat zwei Konsequenzen: Erstens, kann man nun mit der getönten Radbrille nach Hause fahren, also es wird im Herbst ja nicht nur früher dunkel, sondern mit einer Sonnenbrille auch sehr schnell zappenduster. Zweitens muss man sich eine neue besorgen und bis dahin mit einer der bescheuerten Brillen seiner Jugend herumrennen.
All dies war mir aber noch nicht bewusst, als ich nach Worpswede reinfuhr. Ich machte extra einen Anlauf den KOM von Timeworp zu knacken, fing total schnell an den Sandberg hochzufahren und stellte fest, dass der Gegenwind ganz schön heftig war, ich der Mitte sackte ich zusammen wie ein Luftballon mit einem ganz kleinen Loch. Ich fuhr weiter Richtung Grasberg, bog ab nach Schlußdorf und fuhr ein paar neue Strassen. Da ich nicht glauben konnte, dass eine von denen eine Sackgasse war, musste ich etwa 2 km über einen Grasbewachsenen Feldweg fahren; ich war mir nicht sicher ob dass die neuen Zonda Laufräder von Muckel mit Mavic Reifen aushalten würden, aber sie taten es. Dann war ich wieder auf der Landstrasse nach Tarnstedt.
Mit Zonda Laufrädern, hinten G3, vorne G4 Einspeichung – die allerschönste Zonda Variation
Der Wind kam jetzt recht heftig von vorne und ich kroch Richtung Transtedt, dann weiter Richtung Wilstedt und von dort aus Richtung Quelkhorn. Der Wind kam auf diesem Stück immer von seitlich links und würde mich dann von Quelkhorn nach Fischerhude und von dort aus nach Hause blasen – schöne Aussichten.
Also zog ich das Tempo deutlich an und fuhr über 40 Sachen im Durchschnitt nach Fischerhude rein – ein Stück Kuchen hatte ich mir nun verdient. Mittlerweile wurde es richtig dunkel. Also Nacht war es noch nicht, aber da wurde mir erst klar, als ich die Sonnenbrille absetzte.
Dann noch einmal richtig Tempo von Fischerhude nach Borgfeld. Das war ein wenig riskant, denn ich sah absolut wenig. Zu allem Unglück war auch noch der Akku des Frontscheinwerfers ziemlich leer, so dass ich mich nur noch schemenhaft an die Ereignisse erinnern kann. Insgesamt eine schöne, anstrengende Strecke für den Samstag.
Am Sonntag fuhr ich deutlich füher los, denn es sollte regnen un ich wollte schauen, ob ich mein Brillenetui nicht doch irgendwo am Wegesrand finden könnte. Also exakt die gleiche Strecke raus bin nach Worspwede. Kein Erfolg. OK, dann als Bestrafung weiter durch Worpswede Richtung Ritterhude. In der Zwischenzeit hatte es auch richtig angefangen zu schütten, eigentlich schon seit Worpshausen. Aber die Kleidung hielt dicht und so auch die Schuhe erst mal.
Wasser quasi überall
Das Panasonic fährt sich wie ein Panzer. Es ist unheimlich anstrengend es zu beschleunigen, aber wenn es erst einmal rollt, dann rollt es einfach.
Nach ca. 37 km war ich am Ende der Wümme an der Ritterhuderlandstrasse angekommen. Bis dahin waren auch meine Füße trocken, während die Handschuhe sich anfühlten wie Sponge Bob. Die letzten Kilometer an der Wümme entlang nach Hause waren dann echt mies. Die Schuhe liefen voll mit Wasser und alles treten war wie ein laufen durch ein Moor. Der Bäcker an der HH Meier Allee war über mein kommen nicht sehr erfreut, denn ich verbreitete eine Spur der Nässe in seinem Laden bei dem Versuch Kuchen zu kaufen.
Es muss also noch ein wenig optimiert werden. Der Spritzschutz muss vorne unbedingt wieder an das Schutzblech, denn es wird immer noch viel zu viel Wasser nach hinten gegen Schuhe und Kurbel getragen. Für die Schuhe brauche ich Überschuhe oder ähnliches. Die Schuhe selber sind einigermaßen dicht, auch weil es keine Befestigung für cleats gibt, aber das Wasser läuft von oben rein.
Die beiden Stücke Kuchen hatte ich mir am Ende wirklich verdient. Das mache ich noch mal.
Manchmal kommt man unverhofft in eine Situation wie diese: Ein günstiger Laufradsatz steht irgendwo zum Verkauf an, ist aber leider mit einem Shimano Rotor ausgestattet, wo man doch gerade Campagnolo bräuchte. Oder umgekehrt. Oder, das ist leider so bei mir, man hat Rennräder mit Shimano und Campagnolo Ausstattung in der Garage stehen und kann die Laufräder nicht beliebig zwischen denen wechseln. Obwohl, in meinem Fall, bräuchte ich einen Shimano und Campagnolo Acht, Neun und Zehnfach kompatibelen Laufradsatz mit fixierter Schraubkranzkassette. Aber egal, was 10 oder 11-fach angeht ist das Shimano Rennrad zwar dass was am meisten gefahren wird, aber auch a) das letzte verbliebene, alles andere ist nun Campa (Moser, Basso, Panasonic) und b) das was als nächstes ausgetauscht wird.
Es gibt die Möglichkeit, je nachdem wir clever der Produzent ist, den Rotor bei einigen Laufradtypen auszutauschen, sprich Campa gegen Shimano oder umgekehrt. Das ist aber nicht gerade billig, man schaue hier. Und Campagnolo ist noch nicht einmal der teuerste Anbieter (wie sonst). Und so wird das Schnäppchen dann doch teuer, oder, falls die Vernunft sich in einem seltenen Fall doch durchgesetzt haben sollte, nicht gekauft.
Und jetzt bitte mal hier schauen:
Ambrosio, Hersteller wunderschöner Felgen in vergangenen Jahren, hat eine Kassette für Campagnolo Schaltungen, die auf einen Shimano Freilaufkörper passt. Und umgekehrt. Und für 9-fach und 10-fach. Und für jede Menge Abstufungen (11-23 bis 13-28), dass alles entweder über Ebay oder über UK Bike. So kann ich meinen neu erworbenen Satz Campganolo Zonda (mit G4 bzw. G3 Einspeichung) an allen Rädern nutzen.
Find eich als Idee einfach sehr gut und sehr praktisch. Ich vermute einmal das Design der Zähne ist überall gleich, die Ketten sind ja auch austauschbar bzw. Ausstatter wie Wippermann oder KMC machen keine Unterschied ob Shimano oder Campa bei ihren zehnfach Ketten. Also muss man bei den Ritzeln nur verschiedene Rotormuster stanzen. Der Abstand zwischen den Ritzeln wird durch Plastik Zwischenringe festgelegt und ist eben zwischen Shimano und Campa verschieden. Also je nach SChaltung einfach andere Plastikringe rein – fertig. Die Ritzeln sind alle einzeln und nicht zu Einheiten auf einem Träger aufgebracht. Nur die letzten beiden Ritzel (11er und 12er) haben einen Rand und benötigen deshalb keine Zwischenring. Diese müsste also immer spezifisch gefertigt werden.
Wir morgen mal mit einem der Campa Räer getestet, ich hoffe das Wetter wird komplett anders als vorausgesagt. Ist aber auch egal, sonst wird das Panasonic-Campa Regenrad getestet.