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2018er Räder schauen. Diesmal: Focus. Cervelo. Kalkhoff.

Nach Cannondale und Trek vor ein paar Wochen ging es am Mittwoch zu Derby Cycle nach Cloppenburg, um die Räder für die neue Saison zu sichten.

Für die die es nicht wissen: Derby Cycle gehört zur holländischen PON Gruppe, die sich gerade mit der Accel Gruppe und Giant um die Fahhradweltherrschaft streitet. Derby Cycles wiederum ist aus Kalkhoff entstanden und hat somit etwas wie eine norddeutsche Tradition. Außer Kalkhoff werden Räder der Marken Focus, Raleigh, Univega, Rixe von Derby Cycle gebaut und vertrieben. Durch die Verbindung zu PON konnten wir uns auch Räder von Cervelo ansehen.

Man kommt nach Cloppenburg über die Autobahn rein und landet in einem Industriegebiet. Über der Derby Cycle Fabrik strahlt der orange Mond von Pfanni. Das ist kein Witz:

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That’s not pfanni, that’s Derby Cycle.

Das Austellungsgelände ist riesig, so dass drei Eingänge nebeneinander vonnöten sind, einer ist der Marke Kalkhoff, einer der Marke Focus und einer der Marke Cervelo gewidmet. Natürlich bin ich aus Prinzip nur durch den Cervelo Eingang gegangen und deshalb würde ich auch gerne mit den Cervelo Rädern anfangen.

Cervelo

Cervelo liegt mir am Herzen, dann ich hatte mir vor langer Zeit ein Soloist (später S1) aus Alu gekauft und bin damit viel und gerne gefahren. Erst später, als ich dann mein erstes Carbonrad gefahren bin, habe ich bemerkt wie bretthart das Soloist war. An Cervelo gefiel mit das massive Unterrohr, die Aerostütze aus Carbon, die damals auch nicht jedes Rad hatte, die Tatsache das es relativ exklusiv war und die YouTube Serie „Beyond the Peloton“ die von dem damaligen Cervelo TestTeam um Carlos Sastre handelte.

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Das Cervelo in der Werkstatt bei seinem letzten Ausflug in Japan mit Ludwig (2.v.l.) 2010.

Die beiden Gründer von Cervelo, Gerard Vroomen und Phil White haben die Marke 2011 an Pon verkauft; Vroomen ist nun Mitbesitzer der italienischen Marke 3T, die nun neben Komponenten auch begonnen hat Rahmen zu verkaufen, daneben gehört ihm auch OPEN.

Von Cervelo gab es zunächst die S (Aero) und die R (Leicht) Serie, heute gibt es dazu noch C (Endurance), P (Triathlon) und T (Track), bei letzterer gibt es sogar einen buchstäblichen Zusammenhang. Leider durfte man von den Cervelo Rädern so gar keine Photos machen. Ausnahme, die neuen Zeiträder, wie z.B. das P5X.

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Ja, mit Scheibenbremse. Und mehr Gepäckfächern, als ein Deuter Alpin Rucksack. Es ist klar, dass Menschen die mit klassischen Rennrädern aufgewachsen sind, solchen Rädern erst einmal skeptisch gegenüber stehen, aber immerhin gibt es hier bei Cervelo jede Menge Entwicklung. Ob die Richtung richtig ist wird sich zeigen. Ich frage mich eher, ob sich denn der ganze Aufwand lohnt, denn dieses Radsegment ist winzig. Andererseits hatte Cervelo beim Ironman 2016 einen Marktanteil von 26% und war damit die Nummer Eins.

Zur Abrundung hier noch ein P5. Kostet etwa €8.000 im Laden, das P5X ist etwa doppelt so teuer.

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Was in die Entwicklung der P Serie an Geld gesteckt wird fehlt leider bei den klassischen S, R und P Rädern. Das Photo oben ist so wichtig, nicht weil es das P5 von hinten zeigt, sondern weil wir im Hintergrund ein Rad der S Serie sehen können. Bei der S Serie ist nichts passiert in den letzten Jahren, außer dass die klare, kantige Sprache des Rahmens im Laufe der Zeit geschmolzen wurde wie ein Stück Käse auf der Ananas eines Toasts Hawaii. Damit ist sehr viel Individualität verloren gegangen. Und diese neuen, gekrümmten Kettenstreben sehen auch nicht wirklich gut aus an einem Rennrad. Das gleiche gilt auch für die Räder der R Serie. Das waren einmal für ihr Zeit richtig scharfe Rahmen mit kantigen, viereckigem Rohr und exzessiv dünnen Kettenstreben. David hatte eins. Jetzt ist das alles in Richtung Einheit runtergeschmolzen.

Das ist nun einmal was passiert, wenn eine innovative, kleine Firma, die vom Schwung zweier Gründer getragen wird, von einem Konzern aufgekauft wird. Man sollte aber nicht traurig darüber sein, denn es entstehen ja immer noch jede Menge anderer Unternehmen neu am Markt. Das was mal gut war und schlecht geworden ist wird auch wieder verschwinden, bei Cervelo bin ich mir da ziemlich sicher.

Focus

Focus ist ja so gar nicht meine Marke. Die kannte ich bis vor einigen Jahren nur aus dem Radverleih auf Mallorca, wo ich sie nach Möglichkeit gemieden habe (ebenso wie Centurion, Cube und Haibike).  Vorurteile sind ja nun einmal dazu da revidiert zu werden und dies bei der Gelegenheit allen Menschen zu erzählen, damit man dann mit Toleranz und Flexibilität punkten kann.

Zunächst einmal strahlte am Eingang ein aufgebautes Project Y Rad. Was aussieht wie ein schlecht proportioniertes Rennrad ist in Wahrheit ein schlecht proportioniertes e-Rennrad. Das wiegt etwa 12 kg, hat Akku und Motor im Rahmen versteckt und unterstützt bis max. 25 km/h wie vom Gesetzt vorgeschrieben.

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Ich bin im Anschluss an den Besuch der Ausstellung einige e-bikes Probe gefahren; das war abgesehen von dem jap. Shopping e-bike meiner Frau meine erste Erfahrung mit hochwertigen Geräten. Ich denke, für den normalen Benutzer, der unterhalb 25 km/h bleibt ist das eine prima Sache. Aber sobald man schneller unterwegs ist, ist die plötzliche und ja nach System brutale Abschaltung der Unterstützung recht fies. Sind die Motoren zudem mit weniger Torque ausgestattet ist das noch einmal unangenehmer. Von daher finde ich die Kombination eines Rennrads mit der Beschränkung auf 25 km/h eher unglücklich. Mit einer Begrenzung von 40 km/h würde das alles schon Sinn machen.

Oder man benutzt dieses Rad einfach nicht als Rennrad, sondern fährt damit und viel Gepäck um die Welt, dann macht das auch wieder Sinn.

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Ähnlich wie das P5X ist das alles aber eher ein Showprojekt von Focus, um zu zeigen was möglich sein könnte, nicht um es unbedingt zu verkaufen. Das sind also die Maybachs und Phaetons dieses Welt.

Bei Focus schauten wir uns zunächst einmal die Crosser an, denn was Trek diese Saison an den Start schickt ist nicht überzeugend – übrigens im Gegensatz zu Cannondale.

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Das hier oben ist das Top Mares CX Modell von Focus. Technisch ist das sowieso gut, aber das sieht auch nicht richtig interessant farblich gestaltet aus. Man muss es allerdings auch mögen, diesen Comic-artigen Look.

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Diese farbigen Bänder sind die neue Corporate Identity von Focus, das sieht man jetzt immer mehr an den Top Modellen, wie hier an einem Izalo Max.

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Diese Idee ist definitiv geklaut und ich überlege schon seit Tagen woher ich das kenne. Kenzo? Mayersche? Nah dran, aber das ist es noch nicht ganz. Prinzipiell finde ich aber, dass Focus an seinen Rädern eine sehr vernünftige, klassische Farbgebung vornimmt, wie man an den nächsten drei Photos gut sehen kann.

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Interessanterweise passierte nun folgendes: Bei Cannondale und Trek hatte ich einen Hafen Räder mit integrierten Komponenten gesehen, wie z.B. Lenker/Vorbau Einheiten, verkleidete Bremsen etc. und mich darüber ausgelassen wir schwierig das für mich ist sowas vom Design her gut zu finden.

Also ich nun zu Focus kam und mir deren Rennräder ansah stellte ich sofort fest, dass die das alle nicht haben. Da sind dann gute Standardkomponenten von Easton, 3T etc. verbaut. Und als ich das sah, dachte ich mir: „Boh, wie altmodisch, warum ist denn hier nichts integriert?“. So schnell kann das also mit dem eigenen Geschmack gehen. Irgendwann finde ich auch noch eine neuere Shimano Kurbel sexy.

Also, die Rennräder von Focus haben mich nicht umgehauen, aber hübsch anzusehen waren sie durchaus. Und technisch gut dürften Sie auch sein.

Dann ging es noch ein wenig probefahren auf dem Gelände, einem Road, und einem Off-Road Kurs. Auf dem Roadkurs habe ich mich in erster Linie mit e-bikes von Kalkhoff ausgetobt. Es gibt da ein neues, sportliches namens Berleen oder Durban Berleen, das mich allerdings so gar nicht überzeugt hat. Die normalen E-bikes sind für normale Kunden OK, wobei ich wiederum die Kalkhoff eigenen Impulse Motoren besser als die Bosch Systeme fand (wobei die Impulse wiederum einen schlechten Ruf in der Zuverlässigkeit haben). Aber das reicht alles völlig.

Richtig Spaß hat dann das Fahren eines e-MTB, in diesem Fall êines Jam 2 auf dem Off-Road Kurs gemacht. Zunächst hatte ich nur wenig Unterstützung vom Motor, aber dann habe ich mich Stufe um Stufe hochgearbeitet und am Ende wäre ich fast aus der Kurve geflogen, hätte Lisa mich nicht vorgewarnt. So um Gelände mit richtig dicken REifen zu fahren macht doch mehr Spaß als gedacht – ich denke ich brauche aber noch viel mehr Armmuskulatur um das auch bewältigen zu können, denn nach vier, fünf Runden mit diesen Lenkern wie Fahnenmasten, taten mir die Arme echt weh.

Prima, das es hier Potential für die Zukunft gibt.

Dann hieß es Abschied sagen zum orangen Mond von Pfanni und wieder nach Hause fahren. Es stehen noch drei, vier Herstelleraustellungen dieses Jahr an und natürlich Ende des Monats auch die Eurobike in Friederichshafen von der ich berichten werde.

 

 

 

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London 2012: Teil Zwei: Die Räder

Hetchins? Läuten da irgendwelche Glocken?

Also, meine Freunde David und Juliane wohnen in London, genauergesagt im Positivo Espresso Non-Euro Eurozone Headquarter Building in der Nähe der Waterloo Station. Cool, man kann quasi auf den Big Ben spucken, müsste aber ca 800m groß sein.

Jedenfalls heiraten sie bald. Und beide fahren Rad und gar nicht mal schlecht, denn bei beiden liegt der Sport in der Familie. Davids Onkel war bei den Olympischen Spielen 1952 in Melburn dabei, sein Vater ist Radsportveteran und Juliane machte die 400m Tartanbahn im Osten Deutschlands unsicher (das schöne Gesicht des Sozialismus). Also machen sie natürlich einen Radhochzeitsreise, genauer gesagt fahren sie auf der Eroica im Herbst des Jahres in der Toskana. Wenn sie diese Flitterwochen überstehen, haben sie sich gegenseitig verdient.  Und für so etwas braucht man natürlich auch die passenden Räder. Also haben sie eingekauft, und da es die Hochzeitsreise ist, sind es auch ein paar sehr schöne Räder:

Hetchins Magnus Opum von 1983 mit Campagnolo 50. Geburtstagsausstattung.

Hat diese Hetchins-typischen geschwungenen Kettenstreben. Tja, eigentlich zu schade zum fahren, vor allem auf den staubigen Straßen der Toskana. Macht nichts, für den Herr gibt es dann ein Holdsworth aus den Fünfzigern:

Mit sehr ausgefallenen Bremhebeln:

Und für die Dame des Hauses gibt es 20 Kilo pures Eisenglück in Form eines Carltons.

Lustig übrigens das Engländer das Wort Workshop nicht schreiben können.

Ansonsten fahren die beiden ein recht schönes, altes Carbon TREK (ich schreibe ja normalerweise nichts gutes über TREK, aber hier mache ich einmal eine Ausnahme), ein deRosa und ein superschönes Kalkhoff.

Wen ich bei ihnen zu Besuch sind darf ich mir auch imme ein Rad aussuchen und damit fahren. 2010 habe ich innerhalb von zwei Tagen zwei Räder zerstört: Speichenbruch beim Rennrad, Vorbau beim MTB und diese Tradition konnte ich bei meinem Besuch letzte Woche fortsetzen: Sattel geklaut beim Kalkhoff. Sorry, Juliane.

 

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