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In eigener Sache.

Dieses Blog fährt auf der Hauptstraße des Radsports und deren Alleen heißen „Fahren“, „Basteln“, „Gierige Räder“ und so weiter. Aber ab und an darf man auch mal von der Hauptstrasse links abbiegen in die Sackgasse rein, und ganz am Ende das Tor aufzumachen und in den Schrebergarten des Lebens zu fahren. Neben der Kleingartenkolonie „Klein-Nippon“, in der ich mich ganz gerne aufhalte, gibt es noch die Laubenkolonie „Punkmusik“. In beiden Vereinen war ich lange Mitglied, im ersten 14, im zweiten 11 Jahre.

Zu meinem Entzücken durfte ich vor einigen Wochen feststellen, dass es Martin von Red Lounge Records gelungen war eine fast verschollene Single aus der Frühzeit der deutschen Punkbewegung wieder aufzulegen. Es handelt sich um das Erstlingswerk der Düsseldorfer Band „Isolierband“, eine 7“ Single mit dem Titel „Keine Gnade“ und er der Flipside „Kontrolle“. Oder umgekehrt. Statt die Musik zu beschreiben die ohnehin unbeschreiblich ist, ist es besser sie zu hören denn sie ist auch unhörbar. Zum Glück gibt es ja alles auf Youtube.


Nein, ich singe auf dieser Single nicht, ich spiele auch keines der Instrumente und ich bin auch nicht der Weihnachtsmann auf dem Cover. Aber mit den Typen von Isolierband habe ich Jahre meines Lebens verbracht und sie verdienen etwas Würdigung. Ich kam 1981 nach Düsseldorf, nach einer gescheiterten Lehre als Landwirt (2 Monate), einem langweiligen Praktikum in einer Bank (drei Monate) und nachdem ich dort eine Zivildienststelle gefunden hatte. Düsseldorf – der Traum eines jeden ambitionierten, pop-modern kulturell interessierten Jugendlichen – vor allem wenn er aus Mönchengladbach kommt. Ich machte damals ein Fanzine, „Das M.O.B.“ meine lebenslange Leidenschaft für das schreiben hatte bereits begonnen (ich war allerdings nicht besonder gut). Darüber lernte ich eine Menge interessanter Menschen kennen (Steini zum Beispiel, der damals noch in erlangen wohnte und ein Fanzine namens „Fetisch Stacheldraht“ produzierte. Aber meine absolute Helden der Fanzines waren die Macher von „Deutschlands Ruhmeshalle“ aus Düsseldorf. Die ich gleich nach meiner Ankunft in Groß D kontaktierte und mit denen ich die folgenden fünf Jahre zusammen verbrachte.

Bernd war vermutlich das Genie der Truppe, aber das hatte ich damals nicht erkannt. Es war völlig unmöglich sich mit ihm zu unterhalten, erlebte in seiner eigenen Welt und sagte was er wollte ohne zuzuhören und ohne jegliches Interesse an der Welt wen es gerade nicht passte. Er singt auf der Single. Er war deutlich älter als der Rest von uns, verheiratet und hatte einen festen Job als Krankenpfleger. Er war mir nicht besonders sympathisch – aber er konnte schreiben dass es einen umhaute. Die besten und schmutzigsten Geschichten in Deutschlands Ruhmeshalle waren von ihm. Die Distanz zur Vergangenheit verklärt natürlich, ich würde heute auch nicht behaupten wollen, dass diese Single wirklich gute Musik ist (obwohl ich habe letztens noch mal Östro 430 gehört und dagegen war die Isolierband ’ne Topband). Aber bei seinen Geschichten bin ich mir sehr sicher, wenn ich die heute lesen würde, die würden mir immer noch gefallen.

Der zweite im Bunde war Thomas, der hier Schlagzeug und Synthesizer spielt. Mit Thomas und seiner Dauerfreundin Pamela hin ich die meiste Zeit zusammen, auch später noch als er mit Stimmen der Stille in die Gothic Gruft stieg. Thomas hatte eine ziemlich versyphte Bude ganz hoch oben in einem Mietshaus in Bilk und wir hingen da Tag und Nacht rum. Kein Ahnung, was wir da gemacht haben, vermutlich auch ab und an Musik und geschrieben.

sds

Thomas oben rechts, Pamela unten links

 

Der dritte im Bund war Wookie. Wookie war absolut unmusikalisch und hatte eine Lehre als Maler- und Tapezierer begonnen. Er konnte auch nicht besonders gut schreiben. Er war auch nicht besonders nett …. und irgendwie hatte ich vor Wookie eine Menge Respekt, denn er benahm sich ständig so, als wenn er kurz vorm durchdrehen war und uns allen jeden Moment unheimlich was auf die Fresse geben würde.

Die restlichen Musiker waren befreundete Hippies, denn wir Punks wollten alle Gitarre oder Synthie spielen, so dass wir die Hippies auf jeden Fall für Schlagzeug und Bass brauchten.

Die Isolierband gab nur ein einziges Konzert und das war auf einer recht gut besuchten Abifeier in Gerresheim 1982. Wie die Abiturienten auf die Idee kamen die Isolierband zu engagieren wird wohl ein Geheimnis bleiben. Es war ein sehr gutes Konzert meiner Ansicht nach. Bernd lief zu provokanter Topform auf und der erste Song des Abends war der Hammer:

Hallo junger Mann / fahr’n sie doch mal Achterbahn / die Räder dreh’n sich tausend Mal / Du hast noch Festiger in den Haarn
Trink doch ein Gläschen / Salzsäure oder Benzol / das ist ein tolles Späßchen / und du fühlst dich recht wohl

Es gibt ein Tape von dem Konzert, ich hatte eine Kopie davon aber vor ein paar Monaten konnte ich die beim Suchen auf dem Speicher meiner Eltern nicht finden. Vielleicht ist da auch besser so, so bleibt die Erinnerung, dass es ein toller Song war, ein tolles Konzert, aber trotzdem eine nicht so tolle Zeit.

 

 

 

 

 

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Minus Delta T.

deltatime

Erinnert sich hier noch jemand an Minus Delta T?

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Einige Videos.

Heute. Früher:

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Plus : + : Isolier-band

Kauft man heute Lenkerband, so kommt dieses mit zwei Aufklebern.

Also ich dachte jedenfalls immer dass das Aufkleber sind, denn auf die Idee damit das Lenkerband abzuschliessen mit einer finalen Wicklung – darauf wäre ich nie gekommen. Klappt auch nicht besonders gut. Für so etwas benutze ich schon immer Isolierband. Ich kaufte immer das von NITTO im Baumarkt an der Kannana-Dori in Tokyo, gleich gegenüber von dem Positivo Radladen von Nagai-San. Kostete etwa 50 Cent und funktionierte großartig. Das beste war, daß auchd er große Nagai-San, der bereits als Mechaniker für Fasso Bartoli an der Tour de France und am Giro teilgenommen hatte, auch dieses billige Band benutzte.

Als nun mein japanischer Bestand langsam zu Ende ging, habe ich mir eine Ladung in allen möglichen Farben durch Ebay besorgt. Funktioniert phantastisch und braucht man immer. Vor allem das Orange. Und das Blaue, den ich bin ja nun in der Blauphase.

Es gibt aber noch eine tieferliegende Beziehung zu Isolier-band. Denn das war der Name einer Punkband in Düsseldorf Anfang der Achtziger, also die Isolier-BAND, ist der Witz jetzt klar? In der Band spielte mein Freund ThSt und Sänger war der großartige Bernd Zimmermann; ein völlig unerträglicher Mensch aber ein großartiger Schriftsteller und sehr, sehr bescheidener Sänger. Es gab nur ein einziges Konzert der Isolierband auf einer Abiparty und ich hatte das große Glück dieses zu sehen und auch noch aufzunehmen. Denn ansonsten ist von der Isolierband nur eine Single mit den Titeln KEINE GNADE und KONTROLLE auf dieser Welt übrig geblieben.



Bernd der Sänger war als Texter einfach großartig. Heute mag das alles unverständlich sein, aber vor dreissig Jahren war das die Krone der musikalischen Schöpfung.

 

Ein Kommentar

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Milo

Vermutlich vesteht das hier keiner unter Vierzig und der in seiner Jugend etwas mit Punk zu tun hatte. Oh Gott, die Descendents, Wie habe ich sie geliebt und geglaubt, das sie die Welt verändern würden.

 

 

 

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