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Wind sägen am Wümmedeich

Gestern, Samstag, unterwegs mit dem Union Fixie in einer Arbeitspause zu einer schnellen 30 km Runde.

Vom Platzhirsch über Kuhsiel und Dammsiel runter die Wümme und dann auf der anderen Seite wieder runter. An der einzigen Steigung auf der ganzen Strecke, direkt hinter dem Platzhirsch, dieser mörderische Anstieg über die Autobahn, der  in endlosen Serpentinen ganz nach oben läuft, werden ich prompt überholt von einem Faggin. Ich bin noch nicht warm, fahre mit dem Union Fixie und der Wind ist möderisch aber ich klemme mich dran. Das läuft auch gut die Wümme runter aber dann biegt das Faggin nach links richtig Müllhalde ab und ich später nach rechts. Die Luft ist nun raus, irgendwie krieche ich nach Hause.

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Bin froh, dass ich die Möglichkeit habe während der Arbeit so etwas zu machen. Wäre noch froher wenn Berge in der Nähe wären.

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Umberto Dei: Ein Italiener

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Warum glauben wir, unbesehen, dass bestimmte Menschen, Unternehmen oder Staaten Dinge einfach besser können als andere? Wenn es um Rennräder geht, bin ich überzeugt, dass Italiener da ganz vorne liegen. 

Klar, das schnellste Rad in der Garage kommt aus Deutschland (Canyon, mehr oder minder), davor hatte ich ein Cervelo (Kanada) und ein Cannondale (USA) und auch so manches Rad aus Benelux gebaut (Gazelle, Union, Reus, Concorde, Minerva). Aber die Mehrzahl kommt doch von kleinen Herstellern aus Italien: Basso, Olmo, Colnago, Bottecchia, Pinarello, Moser, Romani, Faggin, Vetta, Simonato, Chessini, Gimondi.. und jetzt ein Umberto Dei.

Bis vor zwei Jahren hatte ich noch nichts von Umberto Dei gehört, dabei ist das einer der am frühesten gegründeten Hersteller in Italien überhaupt. In den letzten Jahrzehnten ist Umberto Dei aber nicht mehr im Rennrad Markt aktiv und hat sich auf elegante Touren- und Stadträder spezialisiert. (alter Katalog von 1934 : dei1934). Ich hatte eines ihrer Räder in der Embacher Kollektion gesehen und es gefiel mir.

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Dieses Jahr konnte ich günstig ein komplettes Umberto Dei Rad mit Campagnolo Ausstattung kaufen und das gab mir die Möglichkeit ein Umberto Dei nach meinen Vorstellungen aufzubauen. Nicht wieder als Rennrad, sondern als Touring oder Stadtrad mit einer gewissen Eleganz und vielleicht auch Dekadenz. Aber eben nur ein wenig.

Die erste Version wurde im September fertig und ich habe das Rad als Test dann von Bremen nach Bad Zwischenahn bewegt, so etwa 70 km.  Da noch eine Schutzbleche, mit einem Ambrosio Elite Laufradsatz und fetten 700x28er Reifen die ich für den Winter geplant hatte. Fazit: Fährt sich ja einigermaßen schnell, aber der Moustachelenker ist nichts für mich, jedenfalls für längere Strecken.

Dann wollte ich Dia Compe Schutzbleche dranbauen, aber zu meiner Überraschung ist zu wenig Platz zwischen Gabel und Schutzblech (vorne geht es so gerade) bzw. zwischen Brücke und Schutzblech hinten. Heute wurde der neue Laufradsatz fertig: H Plus Son TB 14 Felgen in Gold, 32L mit Campagnolo Chorus Naben aus den Neunzigern für Schraubkränze. Um den goldenen Eindruck abzurunden kam noch ein 6-fach Regina Oro Schraubkranz mit der passenden Regina Oro Kette drauf. Das sieht zwar sehr schick aus, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass im Winter zu fahren; da wird es also eine Ersatzlösung geben. Jetzt müßte mir Mathias mir mal das Schutzblech hinten montieren, dafür reichen Fähigkeiten und Werkzeug nicht aus.

Heute unterwegs, zuerst am Focke (das ist gleich hinter dem Kiosk zur gelben Gefahr, für die nicht Kultur interessierten) und dann die Wümme rauf und runter. Einige Bilder. Herlichster Herbst in Norddeutschland. Ein wenig windig, aber 18 Grad, blauer Himmel mit dezent platzierten Wölkchen und jede Menge Laub in allen Farben.

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Auf dem Deich, richtige Seite.1310 Umberto Dei Blau Gold Weiss 16

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Gold und Italo Krempel wohin das Auge blickt

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SOS 74 KM Tour

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Äh – ist es möglich, dasß ich dieses Jahr noch kaum gefahren bin? OK, zweimal bin ich raus und zurück zur Jacobs Universität, einmal sogar auf dem Union Fixie. Aber sonst?

Der Winter war lang und unangenhem, aber als ich heute morgen aufwachte, und dann nach facebook, ebay, Rennradforum, Kicker, Spiegel Online; Google Reader endlich das Bett verließ und aus dem Fenster schaute, da schaute ich auf einen strahlend blauen Himmel. Auf denselben Himmel schaute vielleicht 300km weiter östlich ein Mann, der eine halbe Stunde später dann nicht mehr Bundespräsident war. Ich habe keine sonderlichen Sympathien für Christian Wulff, aber die Forderungen die heute an Managern und Politikern in leitenden Positionen gestellt werden sind schlecht mit der Transparenz dieser Personen im Zeitalter des Internets zu vereinbaren. Zum Glück habe ich meine Jugend in einer Zeit verbracht, als es noch kein Internet gab. Infolgedessen hatte ich keine Gelegenheit auf Facebook zu postern, dass ich grade Steine auf Polizeiautos warf, oder zu twittern, dass ich total bekifft stundenlang vor einer roten Ampel im Auto gewartet habe, um festzustellen, dass es sich um das rote Licht einer Bar handelte. Und ich konnte auch nicht twittern, dass ein zehnjähriges Mädhcne in unserer Punkband „I’m not able to fuck the table“ singen musste, ohne dass es die Eltern wußten. Nicht, dass ich irgendetwas von dem auch tatsächlich getan hätte. Aber wenn ich es ohnehin verkündet hätte, dann hätte es irgendwann einmal jemand gefunden und dann wäre ich heute nicht da wo ich bin. Das schlimmste an Offenbahrung was ich sonst in meinem Leben tun mußte war ein AIDS Test für die Position des COO bei Tyco in Japan.

In noch extremeren Maße gilt dies vermutlich für die Bundespräsidenten der Vergangenheit: Karl Carstens – war der nicht in der SS? Heinrich Lübke, sagte der nicht u.a. „Sie können sich vorstellen, dass ich kange nicht mehr in einer Schule gewesen bin. Das geistige Niveau ist dann natürlich entsprechend gesunken.“ Wie lange hätten die denn im Amte des Bundespräsidenten überlebt, wenn deren Jugend und Reifung lückenlos im Netz verfügbar wäre? Es häte sich vermutlich nur um Stunden gehandelt.

Ansonsten: Ich tippe einmal auf Gauck, den Kandidaten der Herzen. Oder Otto Rehagel, wenn der ohenhin in Berlin weilen sollte schafft der auch mit 73 Jahren noch zwei Jobs.

Aber all das wusste ich noch nicht, als ich mich auf das Rad schwang. Ich hatte mir für heute das blaue Chesini Gran Premio ausgesucht, das ich angeglich für meinen Sohn gebaut hatte. Zunächst einmal musste ich das Hinterrad austauschen, da ich gestern mal wieder einen Platten habe. DAs nervt aber jetzt ganz gewaltig, Platten am laufenden Band. Keine Ahnung wieviel Schläuche ich schon in dieser Saison verbraucht habe. Außerdem habe ich noch die SKS Race Blades Schutzbleche montiert. Das war ein wenig frimmelig, da unter dem Unterrohr fast kein Platz ist und der Schaltzugegenhalter dort nervt. Und der Geschwindigkeitssensor stört auch ein wenig. Aber dann ging es schon los, erst raus Richtung Uni und dann weiter über den Lehster Deich an der Wümme entlang nach Norden. Der Pulsmesser spinnte mal wieder und fiel dann ganz aus. Aber trotzdem war ich nicht gut in Form, auch wenn es voll gegen den Wind ging. Nach ca 45 Minuten war ich an der Straße nach Ritterhude und bog ab in Richtung Worpswede. Das ging jetzt schon viel besser und zackiger mit dem Wind im Rücken, aber das Chesini ist für den Oberkörper irgendwie unbequem. Ich habe auf der Fahrt x-mal die Position gewechselt, aber es tat immer irgendwo schnell weh. Ich denke ja immer noch, dass der Vorbau zu lang ist und will mir etwas ganz kirzes von Nitto kaufen, aber ich glaube ich sollte erst einmal meine Rahmen vermessen und analysieren um eine endgültige aussage treffen zu können. Ja, aber es kauft sich ja so leicht und schön.

Am SOS Landschaftsnotruf machte ich eine kurze Pause und ein paar Photos. Dann ging es auf der üblichen Runde weiter nach Worspswede, Worpshausen, Quelkorn und Fischerhude. Soweit so gut. Dann gegen den Wind weiter nach Borgfeld. Normalerweise ist diese Runde voll langweilig und ätzend, vor allem das Stück zwischen Heideberg (?) und Quelkorn. Abe rich wollte das einfach einmal fahren um ein Gefühl für die Länge und die Zeit dafür zu bekommen. Es waren auch nicht viele Radfahrer unterwegs – jedenfalls so super Profis so wie ich!

Das letzte Stück nach Borgfeld rein gegen den Wind war schon ein wenig quälend. Aber der Anblick krakellierender Eisflächen rechts und links auf den Wiesen entschädigte ein wenig für die Mühe. Die Borgfelser Wümme Brücke, nunauch bekannt unter dem Namen „Wümme-Wulff-Brücke“ war für den Verkehr offen und konnte ohne Anlegen von Schwimmflügelchen überquert werden. Und es war ja nun auch nicht mehr so weit bis nach Hause. Nach 74 km und 2:44 hr war ich da. Schöner Trip zu Beginn des Jahres. Im Februar.

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