Gastbeitrag: Tour de France in Mönchengladbach

Letztens schrieb ich darüber, wie stolz ich darauf bin, dass die Tour de France dieses Jahr den Weg durch meine Heimatstadt Mönchengladbach fand.

Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu dieser Stadt. Als Kind habe ich da viele tolle Dinge erlebt. Es gab eine Radrennbahn im Volksgarten von der nur noch die Tribüne steht – bzw. stand. Wir spielten Fußball auf dem Rasen vor den Gesundheitsamt oder Hockey an der Annakirchstrasse, mit unseren Skateboards die Ludwig Weber Straße runter oder surften durch die Innenstadt der Hindenburgstrasse.

Gladbach wurde Meister und die Mannschaft fuhr in einem roten Londoner Doppeldeckerbus, gesponsort von Hannen Alt (erst sehr spät lernte ich, was vernünftiger Bier ist) durch die Stadt. Es gab das Haus Zoar, wo wir erst als Hippies in der Teestube Neil Young und Frank Zappa hörten und später als Punks mit EA80 und anderen Absplitterungen selber auftraten.

Auf dem alten Markt spielten Bands von auswärts wie „Epitaph“ oder Gebrüder Engel und auf dem Frühlingsfestival spielte die musikalische Elite Gladbachs in Form von „Children of Spring“ mit der unglaublichen Beate Granderath. Keine Ahnung, warum ich den Namen heute noch weiß, vielleicht, weil er so unglaublich nach Gladbach klingt.

Ich hatte einen guten Freund, mit dem ich die unglaublichsten Dinge anstellte. Wir hätten mehrfach tot sein können, waren kurz davor verhaftet zu werden und am Ende heiratete er meine Freundin, was ich ihm genau 26 Jahre nicht verzieh. Dann aber doch.

Anfang der Achtziger hatte ich extreme Probleme mit den Skinheads dort und konnte mich jahrelang nicht alleine auf die Straße trauen. Ich zog erst nach Düsseldorf und dann später nach Aachen und wenn ich nach Gladbach zurückkam, dann erinnerte mich alles an die schlechten, und nichts an die die guten Tage dort.

Ich finde, mit der Tour de France wurde wieder ein erfreuliches Kapitel in Gladbach angefangen, eins mit dem ich mich identifizieren kann. Ich konnte sogar meine beiden über 80 Jahre alten Eltern dazu bewegen sich an den Straßenrand zu stellen und die Tour anzuschauen. Danach schauten Sie sich begeistert den Rest der 2. Etappe bis Lüttich an, wo Marcel Kittel den Sieg holte, riefen mich an und stellten mir tausend technische Fragen.

Tour de 018

Tour de 019

Photos von der TdF in MG (Dieter Krähe)

Das dürfte ruhig öfters mal passieren.

 

Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Gastbeitrag: Tour de France in Mönchengladbach

  1. Uwe

    Wie die zeit vergeht. Als Gladbacher kenne ich auch noch EA80 und children of spring und die alte Bahnsport Anlage ist mitlerweile abgerissen.

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