Silbersee Triathlon. Mixed Staffel. 2. Platz.

„Es war um die Mittagszeit eines sehr heißen Junitags, als der »Dogfish«, einer der größten Passagier- und Güterdampfer des Arkansas, mit seinen mächtigen Schaufelrädern die Fluten des Stromes peitschte. Er hatte am frühen Morgen Little Rock verlassen und sollte nun bald Lewisburg erreichen, um dort anzulegen, falls neue Passagiere oder Güter aufzunehmen seien.“

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Das sind die ersten Zeilen des Romans „Der Schatz im Silbersee“ von Karl May, den ich nie ganz gelesen habe. Ich besaß aber eine gleichnamige LP auf dem legendären Europa Label, die ich mir gerne mit meinem Freund Christoph anhörte, bevor wir draußen im Garten die wichtigsten Passagen mit unseren Schwestern nachspielten. Der Roman wurde 1891 geschrieben, die Kindheit ist lange vorbei und so klingelte an einem Sonntag Morgen 2017 um kurz vor sieben der Wecker und ich fuhr, ohnehin zu spät zum Silbersee in Stuhr wo ich mich, ohne lange nachzudenken angemeldet hatte, als Ina mich fragte ob ich denn wollte.

Nachdenken ist nicht schlecht. Denn erstens hatte ich die frühe Startzeit nicht mitbekommen und zweitens war mir auch nicht klar, dass von mir ein 40 km langes Zeitfahren verlangt wurde. Bislang war ich immer 20 km gefahren. Andererseits war das alles auch OK, weil in unserer Klasse ohnehin nur sechs Teams angemeldet waren und irgendwie geht es ja immer. Und ich hatte ja auch prima vorher mit Hannes trainiert.

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Ja, von Bremen sind wir bis nach Berlin gefahren.

Ich kam viel zu spät am Silbersee an, den ich zunächst nicht erkannte, weil er keineswegs silber ist, sondern diese organische Färbung hat mit der man nicht gerne in Berührung kommt. Ich schummelte mich irgendwie mit meinem rheinischen Charme in die Wechselzone und wartete auf Ina, die alles organisiert hatte und schwimmen wollte und Axel, der unsere Staffel als Läufer komplementierte.

Wie bist Du in die Wechselzone gekommen? Das geht doch gar nicht ohne Papiere?“ Mit dieser Frage wurde ich als erstes von meinem Team konfrontiert. Das ging an sich ganz einfach, ich ließ meinen rheinischen Charme spielen und mogelte mich durch. Dabei half mir meine Auslandserfahrung, denn in Japan geht an sich alles, wenn man sich nur doof genug stellt und Ausländer ist. In Deutschland, so finde ich, sehen wir diese Dinge zu eng, vieles ist so einfach möglich, man muss es nur einfach machen und darf nicht so lange darüber nachdenken.

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In der Wechselzone

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Das Cyclyng Team: Axel, Ina und ich.

Wir starten in der Mixed Staffel, insgesamt waren dort sechs Team gemeldet, so dass unsere Chancen auf’s Treppchen zu kommen rein mathematisch 50:50, oder wie Reiner Calmund einmal sagte, 60:60 standen. Also schauten wir uns zunächst einmal an, welche Räder unsere Konkurrenz fuhr und ob wir irgendwelche von denen identifizieren konnten. Interessanterweise fuhren bei zwei Teams die Frauen Rad, während die Männer schwammen und liefen; eine von den Frauen sah auch ganz fit aus und stellte eine echte Gefahr dar. Das war die blonde hier unten im Photo.

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Meine direkte Konkurrentin vom Team aus OHZ. Sollte sich als die stärkste im Feld herausstellen.

Dann gab es noch eine weitere fitte Frau aus Clausthal-Zellerfeld und ein paar schicke Räder mit Zeitfahraufsatz, aber in meinem rheinischen Übermut statuierte ich erst einmal „Die hau ich alle weg.“

Ina startete als Schwimmerin und kam dann auch gleich als zweite überhaupt von allen Staffelschwimmerin in die Wechselzone. Ich schnappte mir den Transponder, hetzte über die Wiese zum Rad und machte mich auf den Weg raus in die Geest. Bereits auf dem kleinen Weg raus überholte ich die ersten Einzelstarter, vor allem deswegen, weil ich mit meinen Shimano SPD MTB Cleats viel schneller laufen und einclicken kann, als Fahrer mit normalen Rennradpedalsystemen. Aber jetzt ging es erst einmal voll gegen den Wind und ich machte mir Sorgen, dass ich die angestrebten 1:10 hr für die 40 km schaffen würde, denn ich kroch teilweise mit 32 km/h durch die Landschaft. Das war irre anstrengend und ich hatte noch mehr als 30 km vor mir.

Zumal so ein Triathlon ja total unentspannt ist, sowohl von den Teilnehmern her, als auch von den Kampfrichtern die überall herumlaufen und Disziplinarische Maßnahmen verteilen.

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Alles Verbrecher in Verdacht des Windschattenfahrens

Ich schaute also sehr, dass wenn ich andere überholte, dass ich schön Abstand hielt und auch erst lange nach dem überholen wieder rechts einscherte, was mir dann wiederum einen Anschiss von den Kampfrichtern einbrachte, ich solle doch nicht so lange links fahren. Puh, die meinten es ja wirklich ernst hier.

Zwischen Ristedt und Gessel gab es einen langgezogenen Anstieg und ich verlor noch einmal Fahrt. Einerseits. Andererseits war das auch ein Problem für viele Triathleten die eher brettflache Strecken gewöhnt sind und noch deutlich langsamer waren als ich. Ehrlich gesagt finde ich ja, dass viele von denen keine besonders gute Technik auf dem Rad haben. Letztens in Österreich wurden mir ja meine Grenzen aufgezeigt, als ich auf einem 8.000€ Cannondale Super Six Hi Mod Evo Rad hinter einem MTB Fahrer auf einem Rennrad fuhr – der nahme locker driftend eine Kurve mit Schotter, während ich mich ebenso locker in die Büsche verabschiedete. Aber hier war im Vergleich richtig gut, ich fuhr die Anstiege hoch so schnell wie es ging, bei den Abfahrten konnte ich richtig Speed machen und in den Kurven konnte ich mit einer guten Linie und schnellem Beschleunigen in der Kurve immer richtig Zeit aufholen. Allerdings war ich in Gessel dann auch richtig kaputt. Für die ersten 10 km hatte ich 17:27 min gebraucht; für die zweiten bis zum Wendepunkt 17:22 min, aber jetzt sollte noch der lange Anstieg zurück kommen und ich war wirklich kaputt.

Zum Wendepunkt führt eine lange gerade Straße die man auch wieder zurückfährt. Ca. 1 km nach dem Wendepunkt sah ich die erste Frau einer Mixedstaffel in Richtung Wendepunkt fahren. Ich wusste also dass ich 2 km Vorsprung also mehr als 3 min hatte und das musste ich jetzt unbedingt bis zum Ziel verteidigen. Dummerweise ging es jetzt einen langen Anstieg hoch nach Leerßen und teilweise fuhr ich da mit 20 bis 25 km/h hoch, das würde also vermutlich weder war mit einer guten Zeit noch mit einer Führung werden.

Als ich oben war, ging es aber nun sehr flott weiter, denn nun hatte ich den Wind im Rücken und konnte quasi kontinuierlich mit 40 km/h fahren, so dass ich für die nächsten 10 km nur 17:09 min brauchte. Das könnte also doch etwas werden. Da das Ziel ja nun recht nahe war mobilisierte ich die letzten Kräfte und viel schneller als ich gedacht hätte kam ich wieder am Silbersee an. Für die nächsten 9 km brauchte ich dann auch nur 14:42 min und dann ging mir die Strecke aus.

In der Wechselzone knallte neben mir eine Triathletin vom Rad bei dem Versuch abzusteigen. Zu diesem Zeitpunkt merkt man aber vor lauter Adrenalin nichts mehr und würde auch noch mit dem eigenen separierten Bein unterm Arm zum Wechselpunkt laufen. Dort kam ich als erster Fahrer einer Mixedstaffel an, Axel lief los und ich knallte auf den Boden. Die starke Fahrerin kam drei Minuten später an und die nächste dann noch einmal zwei Minuten danach. Die Art und Weise wie die Frauen zusammenbrachen war schon spektakulär.

Das war aber noch gar nichts gegen das was kommen sollte: Kurz danach kam eine Fahrerin mit Trikot von Urania Delmenhorst ins Ziel, schmiss sich keuchend und zuckend auf den Boden und erlebt etwas, was aussah wie ein phänomenaler Orgasmus, oder aber eine sehr, sehr schwierige Geburt. Ich hätte gerne davon Photos gemacht, muss aber gestehen, dass ich sie in diesem Moment nur fassungslos angestarrt habe.

Dann kam ein Mädel von einer Frauenstaffel rein und schrie extrem laut „Scheisse ich hab’s verkackt!“ Was war geschehen? Ein Kampfrichter hatte ihr 2 Minuten verpasst, wegen „Verdacht auf Windschattenfahren“. Boh, war die sauer, was ja gar nicht angebracht ist, denn in diesem Wettbewerb waren ohnehin nur zwei Staffeln angetreten, so dass ein Platz auf dem Podium garantiert war. Aber die konnte sich gar nicht zurückhalten oder einkriegen.

Bei der Fahrerin der Mixed Staffel die als dritte ins Ziel kam, stellte ich die Frage, ob die einen guten Läufer haben, der uns noch einholen könnte und die meinte nur: „Keine Ahnung, ich kenn‘ den Typen nicht.“ Und dann gab es noch obendrauf: „Dich hätte ich auch noch eingeholt, wenn der Honk mich nicht falsch eingewiesen hätte.“ Was war denn hier passiert? Irgendwie falsch abgebogen und musste dann wieder zurück.

Tatsächlich ist es auch so, dass ich der langsamste von den drei starken Teams war, allerdings liegen zwischen dem ersten Team und mir auch nur 16 Sekunden. Und die kam fast 5 Minuten nach mir ins Ziel, nie im Leben hätte die das geschafft. Aber wie gesagt, das war hier auch alles andere als entspannt.

Ina und ich gingen also erst einmal zur Laufstrecke und schauten Axel zu. Die Strecke über 10 km musste in drei Runden zurückgelegt werden, bereits nach der ersten hatte der Läufer des guten Teams Axel eingeholt, so dass nun klar war, dass wir auf den zweiten Platz landen würden. Axel war untröstlich: „Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! Scheiße, ich hab’s verkackt! “ schrie er noch stundenlang auf dem Gelände am Silbersee herum.

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Nein, das tat er nicht, weil Axel nämlich ein sehr entspannter Typ ist. Er hat dann glaube ich auch noch „The Getz“ eingeholt, ein bekannter amerikanischer Profi-Wrestler.

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Axel bei der Jagd auf „The Getz“

Und als ich so an der Laufstrecke stand und darauf wartete, dass Axel seine nächste Runde absolvierte, fiel mir auf einmal auf, dass neben mir das perfekte, entspannte Mädchen stand.

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Nur falls sich das wirklich jemand fragen sollte: Rechts natürlich.

Für einen Moment vergaß ich Axel.

Menschen, die kurz vor dem Tod stehen, aber dann durch wundersame Weise wieder zurückkehren, berichten ja schon mal darüber, dass in einem einzigen Augenblick ihr ganzes Leben an ihnen vorbeizieht. Als ich das perfekte Mädchen sah, zog hingegen meine Zukunft in einem einigen Augenblick an mir vorbei: Das perfekte Mädchen mit „Na, so alleine hier? Ich auch“ ansprechen, schnelle Scheidung, die zickigen Kinder ins Heim stecken, gemeinsam nach Neuseeland abhauen (Hallo Holger!) und am Abend am Strand gemeinsam: „Somewhere over the rainbow“ singen.

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Leider dauerte meine Zukunft auch eben nur einen Augenblick und dann war ich wieder zurück in diesem Leben. Zweiter Platz, in jeglicher Hinsicht.

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Danke an Axel und Ina aus unserem Cyclyng Team für Organisation, entspannte Stimmung und gute Leistung. Wir sehen uns wieder auf dem City Triathlon in Bremen nächste Woche.

Ergebnisse Gesamt

Ergebnis Mixed Staffel

Strava

4 Kommentare

Eingeordnet unter 2017, Bremen, Mob, Rennen, Triathlon, Uncategorized

4 Antworten zu “Silbersee Triathlon. Mixed Staffel. 2. Platz.

  1. Ja ja – direkt nach dem Start schon auf dem kleinen Stichweg überholt… obwohl dort strengstes Überholverbot ist. Aber halt nie ein Kampfrichter..
    Ich kenn‘ das – willkommen im Club 🙂

    • Ne, das war nur auf dem ersten Stück Überholverbot, sobald da keine Schilder mehr ausfgestellt waren bin ich davon ausgegangen, dass überholen OK ist, sonst hätte ich ja auch eine disziplinarische Maßnahme a la „Verdacht auf Missachtung des Überholverbots“ bekommen.

  2. Gratulation! Und wieder herrlich süffig geschrieben…

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