Pinarello Nytro.

Pinarello-E-bike-eroad-Nytro-2018-5-e1511208200843

Pinarello ist nun die erste, große Fahrradmarke, die ein „richtiges“ e-Rennrad auf den Markt wirft. Da kann nicht gut gehen, oder? Tat es erst einmal auch nicht.

Klar, es gibt bereits e-Rennräder auf dem Markt, oder sie sind für 2018 angekündigt, wie das Cube Agree Hybrid C.62.  Oder das Gain von Orbea, Oder der Sonnenblick High End von Steinbach für € 12.100. Auch Bianchi zeigte bereits 2016 den Prototypen des E-Doardo. Und das Haibike XDURO Race (45 km/h 19 kg) gibt es auch schon seit geraumer Zeit. Oft sind das keine Rennräder, sondern relativ schwere Tourenräder mit Rennlenker.

Trotzdem ist der Verkaufsstart des Pinarello ein besonderes Ereignis, da es sich bei dem Nytro nicht nur um ein leichtes Rennrad handelt (13 kg), sondern es auch das erste Mal ist, dass eine traditionelle, ruhmreiche italienische Marke, die wir mit der Tour de France, Giro d’Italia und damit auch mit Blut, Schweiß und Tränen verbinden, ein Rad in den Markt gibt, dass eben, na ja, deutlich weniger Schweiß und Tränen fordern wird.

Das Familienunternehmen Pinarello wurde vor einem Jahr von dem französischen Luxuskonzern LVMH (= Louis Vuiton, Moet, Hennessey) übernommen. Auch aus diesem Grunde ist das Nytro interessant. Ein e-Rennrad ist nun einmal ein umstrittenes Konzept, dass erst einmal verkauft werden muss. Richtet es sich mehr an Louis Vuiton schwenkende, Moet Schampus trinkende Luxus-Weichlinge? Wird es das Pinarello Markenimage negativ beeinflussen?

Die Marketing Abteilung von Pinarello und/oder LVMH machte sich also daran die Zielgruppe des Nytro zu definieren und anzusprechen.  Dabei hatten sie zwei tolle Ideen, für wen das Nytro denn genau das richtige Rad wäre:

  • Männer, die keine Lust oder keine Zeit zum Trainieren haben, aber trotzdem am Wochenende mit ihren sich hart abtrainierenden Buddies zusammen fahren wollen.
  • Und Frauen, die bislang ihren schnellen Männern hinterherfahren und sich abhecheln müssen – mit dem Nytro wäre das dann nicht mehr nötig.

pinarello-nytro-ad-manpinarello-nytro-ad-woman

OK, dazu erst einmal meine persönliche Meinung: Wenn jemand zu alt, schwach, krank, zu kurz dabei, oder mal schlecht drauf ist, darf  er oder sie gerne in meinen Windschatten fahren. Jemand der ein e-bike fährt damit er nicht trainieren muss darf das nicht. Und in seinen Windschatten will ich nicht.

Ich glaube auch nicht, dass jemand beispielsweise in Bremen beim RCB Montagstraining mit einem auf 25 km/h abgeregelten Pinarello auch nur den Hauch einer Chance hätte in einer Gruppe zu bleiben. Selbst die Anfängergruppe ist deutlich schneller.

Und was das Thema Frauen angeht: Abgesehen davon, dass Girlfriends nicht per se langsamer sind als Boyfriends möchte ich auch ernsthaft bezweifeln, dass meine oder andere Frauen mit mir oder anderen Partnern Radfahren würden, wenn sie ein schnelleres Rad hätten. Ich gehe ja auch nicht lieber mit meiner Frau Eislaufen, nur weil ich Schuhe mit breiteren Kufen kaufen könnte, mit denen ich mich nicht ständig auf die Fresse lege.

Die Kampagne ging dann auch wie erwartet spektakulär schief und wurde von Pinarello gestern zurückgezogen. Epische Shitstorms in den sozialen Medien.

Pinarello-E-bike-eroad-Nytro-2018-10

Vielleicht doch noch ein paar Worte zu dem Rad selber. Der Antrieb kommt von Fazua; das Fazua Evation Antriebssystem wiegt 4,7 kg und setzt sich gerade als Standard in diesem neuen Segment durch (siehe Focus, Cube). Der Akku dazu hat gerade einmal 250 Wh, was gut ist um das Rad leicht zu machen, aber leider auch die Reichweite sehr stark begrenzt. 400 Wh, besser 500 Wh werden schon gebraucht für eine längere Tagesausfahrt, um sicher nach Hause zu kommen. Sonst sieht es eben aus, wie ein Pinarello aussieht – manche mögen ja diese Rahmenform, die aussieht, als wenn sie in der Sonne geschmolzen wäre.

Na ja, und 25 km/h Abriegelung, ehrlich? Damit ist das Rad ja wirklich nur für hügeliges und bergiges Gelände geeignet, wo der Boyfriend 25 km/h oder weniger schnell fährt. Sagen wir mal, hoch nach Alpe d’Huez. Im flachen Gelände, wie hier in Bremen ist so etwas völlig unbrauchbar. Einerseits.

Andererseits war ich vor ein paar Wochen auf Mallorca und bin zusammen mit meinem Freund David und seinem 82-jährigen Vater Alan Rad gefahren. Alan war in den Fünfzigern und Sechziger Jahren ein exzellenter Amateurfahrer und hat mehrere englische Meistertitel errungen. David und ich sassen auf Rennrädern, Alan auf einem Haibike XDuro. In den Hügeln war er schneller als wir. Hat Spaß gemacht mit ihm zu fahren.

Pinarello-E-bike-eroad-Nytro-2018-4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3 Kommentare

Eingeordnet unter 2017, Bike Buisness, Mob

3 Antworten zu “Pinarello Nytro.

  1. Zum Glück haben wir so unsere eigene Einstellung zum Gruppenfahren. So schnell wie der Langsamste, so oft Pause wie wir alle mal ein Käffchen brauchen. Passt immer.

    Oder auf die harte Tour: no man/ women left behind !

    • Na ja, wir sind in Bremen ja auch keine Arschlöcher. Beim Montagstraining allerdings, da geht es nur um’s Überleben. Ist auch nicht tragisch, da wir immer die gleiche Strecke fahren und die Furchen im Asphalt uns nach Hause führen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s