Gestern

Photo: Iri Greco. Ah, la grande nation.

Ah, l’Anglais.
vor Gestern



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Note the gendarme who surely would have stopped the delinquents if he hadn’t been so busy holding up the boom for them.

via Podium Cafe.

Photo: Iri Greco. Ah, la grande nation.

Ah, l’Anglais.



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Note the gendarme who surely would have stopped the delinquents if he hadn’t been so busy holding up the boom for them.

via Podium Cafe.
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Hannes und ich hatten gemeinsam in den letzten Wochen einen CIÖCC Rahmen aufgebaut. Das Resultat war ein ansehliches Reiserad mit Schutzblechen, Nabendynamo und Lampe, dass nicht unbedingt schnell, aber geradeaus fährt. Es fehlte nur noch ein Gepäckträger.
Bis der perfekte Gepäckträger gefunden ist, wird es noch etwas dauern, denn der muss erst noch gebaut werden in Kooperation mit dem letzten Gepäckträgerbauer Bremens. Bis dahin muss es zunächst ein Tubus Fly tun, denn die ersten, längeren Ausfahrten stehen im Juli an.
Den Tubus Fly wird oben an dem Bolzen der Hinterradbremse befestigt, ist so etwas nicht vorhanden oder geht dies an anderen Gründen nicht, so gibt es Adapter für eine Seitenbefestigung an den Sitzstreben. Während der Gepäckträger selber in verschiedenen Finishes angeboten wird, gibt es den Adapter nur in schwarz. Das ist, angesichts der Mühe, die das CIÖCC erfahren hat, absolut unbefriedigend.
Zum Glück gibt es die „Metaller“, die nun eine sehr schöne und elegante Lösung dafür gezaubert haben.



Die Hilfe der Metaller werden wir bei unserem nächsten gemeinsamen Projekt, einem alten MTB, das im Hinterhof einer sozialen Einrichtung in Bremen gefunden wurde, bestimmt wieder brauchen. Ich wünschte, es gäbe dort auch „Lackierer“.
Eingeordnet unter 2016, CIÖCC Hannes, Hannes, Mob
Nette Idee von Fabric.



Fabric verkauft neben der Wasserflasche auch Lenkerband, Griffe und Sättel. Die Scoop Serie wurde vor einigen Jahren von Charge verkauft, ist also nicht wirklich neu. Aber gut, kann ich aus eigener Erfahrung mit dem Umberto Dei berichten.
ALM

CELL



SCOOP

#Confartigianato and #Columbus have asked to 5 framebuilders, one for each continent, to realize a frame that embodied their vision of cycling.
The artisans that answered this call have been:
– Richard Sachs (USA)
– Caren Hartley (UK)
– Cherubim (Japan)
– Baum Cycles (Australia)
– Mercer Bikes (South Africa)
via The Radavist





Eingeordnet unter 2016, Gierige Räder, Mob
The Walmart Huffy Carnage.
„…I had to keep rotating the bars, which added a challenging element to the ride.“
An sich hatte ich vor, noch kurz ein paar Worte über die Zeit nach dem Rennen in Berlin, die Heimfahrt, und dann insbesondere über die Verleihung der Abiturzeugnisse an meinen Sohn zum exakten Zeitpunkt des EM Spiels Deutschland-Polen zu schreiben.
Die Schulleiterin hatte sich als verschenkter Kaktus verkleidet,
ein finnischer Junge sang ein trauriges, finnisches Lied auf finnisch zu Klavier und Cello,
und nach langem sitzen, zuhören und dem 1:0 für Deutschland wurden dann endlich die Abiturzeugnisse ausgeteilt. Der Kaktus las die Namen vor, die Abiturienten traten vor.
Ich wünschte ich wäre jetzt nicht hier, sondern 1980 in Los Angeles bei einem Nina Hagen Konzert.

Auf dem Pulli ist das chinesische Zeichen für „Doppeltes Glück“, den Saum säumt eine Kette von „langem Leben“.
Nicht dass ich Nina Hagen heute großartig finden würde. Aber 1979, als das erste Nina Hagen Album veröffentlicht wurde, da hat es mich umgehauen. Martin (später und heute noch EA80) hatte es auf Kassette aufgenommen und spielte es auf einem sehr bescheidenem, Walkman ähnlichem Gerät auf einem Medienseminar des WDR in Königswinter ab. Danach bettelte ich meine Mutter um Geld an, damit ich es mir direkt am folgenden Monat kaufen konnte. Es gibt wenige Dinge in meinem Leben die ich so haben wollte, wie dieses Nina Hagen Album. Vielleicht SRM eTap, am besten noch in Kombination mit Scheibenbremsen?
Ich habe gerade die Möglichkeit für einen Freund einen alten Stahlrahmen mit der eTap aufzubauen, das ist toll. Danach sehen wir weiter, ob das auch etwas für mich ist. Oder vielleicht doch noch ein Stahlrad aus Japan; auf Cherubim werfe ich ja schon länger mehr als ein Auge.
via Cycle EXIF
Sehr reizvoll finde ich auch, das LOW nun einen Straßenrahmen baut, nachdem sie sich bislang auf Bahn/Fixie konzentriert haben (Bicycle.com, bike rumor)

Ja, all dies wollte ich schreiben und mache es jetzt nicht.
Eingeordnet unter 2016, Gierige Räder, Mob
„Rennen werden am Berg entschieden.“ Sagt man. In Berlin gilt das nicht, da werden Rennen morgens im Bett entschieden. Kommt man raus, oder nicht? Und vor allem: Wann endlich?
Ich lag im angebauten Wintergarten von Kathrin und Fabian. Der hat riesige Fenster, und nur ein paar wenige Vorhänge, so dass einem nichts vor dem Sonnenaufgang um kurz vor 5 am fast längsten Tag des Jahres schützt. Umdrehen, prüfen ob beide Beine noch vorhanden sind, unter dem Bett liegen auch keine Nordkoreaner, die einem noch in ihr Heimatland verschleppen wollen; es gibt einfach keine Ausrede nicht aufzustehen und sich fertig zu machen. Ein paar Zimmer wacht Fabian gerade auf und denkt vermutlich dasselbe.

Sogar die Auswahl an Riegeln und die guten Pistazientartuffos von Bio Lüske liegen noch auf dem Frühstückstisch – bei uns zuhause hätten irgendwelche hungrigen Nachtmonster alles weggefuttert. Wieder kein Grund nicht zu gehen.
Dabei war ich gut trainiert, mit noch besseren Vorsätzen und vollmundigen Versprechungen nach Berlin gekommen. Ich hatte bereits deutlich mehr als 6.000 km dieses Jahr (Das Jahr fängt Weihnachten des Vorjahrs an und zwar wegen der Rapha Festive 500) trainiert, fühlte mich gut, hatte bei der Anmeldung zum Velothon 43 km/h als Durchschnittsgeschwindigkeit angegeben, um auf jeden Fall in Startblock A zu kommen und allen die es hören wollten oder nicht gesagt, dass ich mit in ca 1:39 hr die 66 km fahren wollte. Was mir dann einen Platz innerhalb der ersten 25 meiner Altersklasse garantiert hätte. Ich hatte sogar einer meiner Studentinnen, die in Berlin arbeitet, gesagt, dass sie doch zum gucken kommen möge. Es stand also nicht nur persönliche Befriedigung, sondern auch Respekt und professorale Authorität auf dem Spiel. Also an sich ein guter Grund doch zuhause zu bleiben.
Kurz vor Sieben kamen wir an Fabians Büro in der Innenstadt an. Das liegt ganz in der Nähe der Kneipe Kumpelnest 3000, ehemals Kumpelnest 2000, wo um diese Zeit immer noch der Bär tobte.

Das ist nicht unser Rad vor dem Kumpelnest 3000.
Wir freuten uns schon darauf nach dem Rennen dort einzukehren und unsere Erfolge zu feiern. Aber erst einmal fuhren wir zum Start.
Dort mussten wir uns ganz hinten im Startblock A einreihen, denn der war eine halbe Stunde vor dem Anpfiff bereits gut gefüllt. Es zeigte sich, das Rennen eben im Bett entschieden werden: wer früh aufsteht und zum Start fährt kommt nach vorne, sonst muss man sich eben hinten einreihen und das ist für hoch-ambitionierte und leistungsschwache Fahrer wie mich nicht optimal.

In Teamfarben: Links Team Rapha, rechts Team Postivo Espresso -Louis Vuitton. Hinter uns Block B.
Ich war übrigens über das qualitative Aussehen der anderen Starter im Block A überrascht. Erwartet hätte ich junge, schlanke Menschen in den Farben bekannter Teams wie Merkur Druck oder Eisenschweinekader und den einen oder anderen verbissenen Midlife-Chrysler. Stattdessen sahen die meisten wie du und ich aus. OK, ich habe keine Ahnung wie du gerade aussiehst, aber wenn Du besser aussehen solltest als wir, dann schick bitte ein Foto. Vor uns majestätisch die Siegessäule mit der Goldelse oben drauf.

Finisher Trikot am Start. Cool.
Zum Glück auf dem Foto nicht bei einem von uns auf dem Kopf, denn sonst hätten wir ausgesehen wie Sheldon Brown.

Bartmäßig vor allem Fabian.
Nachdem der VIP Block auf die Reise geschickt wurde, der in erster Linie aus Klappradfahrern bestand, ging es recht pünktlich um 7:41 hr los. Ein letztes „頑張れ!“ an Fabian und wir fuhren los. Bei Rennen fahre ich grundsätzlich SPD Pedale, denn die Sekunden die ich damit beim Einklippen am Start spare kann ich im Rennen nie wieder aufholen. Jedermannrennen laufen ja bekannterweise andersrum wie Profirennen ab. Die ersten 10 bis 20 Kilometer haut man rein wie ein Blöder, um den Rest dann, unabhängig von der Distanz in der Gruppe locker ausrollen zu lassen. Und es ganz wichtig sich dann entsprechend aggressiv nach vorne zu pfuschen ohne auf die Fresse zu fallen. Ich fuhr etwas unter dem Leistungsmaximum, da ich meine Körner nicht komplett zu Beginn verschleudern wollte und arbeitete mich nach vorne. Das klappte sehr gut und ich überholte bestimmt so um die 100 Mitfahrer, damit war ich ganz zufrieden. Bereits nach 7 km war das Feld schon so weit auseinander gezogen, dass ich auf die Mithilfe von anderen angewiesen war, um in eine der vorderen Gruppen zu springen. Dummerweise musste ich jetzt in der Gruppe die Führungsarbeit machen, als wir auf den Ernst-Reuter Kreisel einbogen.
Vor uns kam nun die erste leichte Steigung am Spanndauer Damm und ich sah eine größere Gruppe vor mir. Dummerweise hatte ich nun gar keine Körner mehr im Köcher, um mal ein paar gängige Klischees und Metaphern zum besten zu geben (Kurzer Exkurs: richtig gute Anwendung von Metaphern und Klischees beherrschen die Texter des neuen Rose Katalogs: „Sophie Irgendetwas ist bildhübsch und pfeilschnell – sie sprengt alle gängigen Schubladen!„). Die Gruppe vor mir war so nah, und doch so fern. Ich hätte jetzt auch gerne eine Schublade gesprengt um da rein zu kommen, aber alleine springen ging nicht und meine Gruppe wurde langsamer und langsamer. Das ist bei Flachlandfahrern dummerweise so, sie sehen eine Steigung und in dem Moment funkt das Hirn „Kräfte sparen!“, und so ist man gerade noch mit 40 unterwegs und auf einmal nur noch mit 35, obwohl die Steigung noch gar nicht begonnen hat. Vor uns fuhr die Gruppe davon und ich wusste in dem Moment, dass das heute nichts richtig gutes geben würde. Aber vielleicht würde ich am Wannsee noch eine Chance haben.
Im Prinzip hätte man hier das Ziel aufbauen können, denn die Fahrer meiner Gruppe kam dann mehr oder minder geschlossen 50 km später so ins Ziel. Da war der dicke, riesige Wikingerdäne, der zackige Fixiefahrer, die lange Bohne mit der durchsichtigen weißen Assoshose und die beide Gesellen von Malerbetrieb Strechow – keinen von denen wurde ich los. Das wusste ich aber in diesem Moment noch nicht.
Ich möchte jetzt hier nicht angeben mit meiner Power, denn schließlich habe ich auch nicht so viel, als wenn es dazu reichen würde im Solo davon zu sprinten und Anschluss an die Gruppe vor mir zu finden, aber ich war jetzt erst einmal ein wenig gelangweilt und der Puls hing bei 120 bis 130. Wir daddelten so mit 35 bis 37 durch die Gegend und so manche RTF und Montagstrainings habe ich als wesentlich härter in Erinnerung. Am Wannsee, bei den welligen Steigungen dachte ich, dass ich es noch einmal versuchen sollte, denn ich war vorne in der Gruppe, man fährt etwas langsamer und ich bin am Berg an sich ganz gut. So zog ich an und machte mich den Hügel hoch nur um festzustellen, dass meine Gruppe quasi stehen geblieben war. „Kräfte sparen!„. Wie jedes Jahr gab es hier auch mal wieder einen Sturz. Das passiert immer dann, wen eng in der Gruppe gefahren wird und der Fahrer vor einem aus dem Sattel in den Wiegetritt geht. dann wird das Rad einen Moment langsamer und der hintere fährt auf. Jedes Jahr mit ziemlicher Sicherheit.
Es half alles nichts. Ich nahm wieder Power raus und ließ mich in die Gruppe zurückfallen. Da ging es dann mit 35 weiter. Meine einzige Hoffnung war, dass von hinten eine Spurtstarke Gruppe aus dem B Block, der 2 Minuten nach uns gestartet war, kommen würde, an der ich ich ranhängen konnte. Am botanischen Garten stand Kathrin und mit der hatte ich mich abgesprochen, dass Sie mir zuschreien sollte, in der wie vielten Gruppe von vorne ich wäre. „Dritte!“ hörte ich. Das war gut, aber nur dann wenn der B Block auch schnell wäre.

Meine Gruppe. Hinter mir der zackige Fixiefahrer.

Fabian, ein paar Minuten später.
Gemütlich ging es nun die nächsten 10 km bis zur Einfahrt zum ehemaligen Flughafen Tempelhof. In den letzten Jahren wehte da immer ein fieser Wind, und zwar immer von vorne, aber diesmal war da absolut nichts.
Das letzte Stück, besonders das durch Kreuzberg mag ich am liebsten. Ich hatte die Hoffnung auf den B Block aufgegeben und dachte OK, fahr halt so weit wie es geht nach vorne und versuch wenigstens einen ordentlichen Sprint auf der langen Zielgeraden hinzubekommen. Ich blieb weit links, damit ich die Linkskurven schnell durchfahren konnte und platzierte mich ca 6 km vor dem Ende nach der Kurve an dem kurzen Anstieg zur Karl-Liebknecht-Straße gut. Unsere Gruppe war aber auch verdammt groß und so schnell wie ich wollte kam ich nicht nach vorne. Und da war ja schon die Goldelse wieder.
Es half wieder nichts, ich war eingeklemmt zwischen Massen von Fahrern, die einfach nicht schnell fahren wollten und rollte mit ihnen durch das Ziel. Da war erst einmal ein Gefühl von totaler Enttäuschung und erstaunlicher Frische. 1:44 hr und ein Schnitt von 38,3 km/h sind ja nicht wirklich schlecht – aber eben auch nicht wirklich gut. Zum Glück war meine Studentin nicht da, so dass mir die ultimative Peinlichkeit erspart blieb.

Ja, das war peinlich. Aber was macht man, wenn man sich so richtig dreckig fühlt? Man hält Ausschau nach Menschen, denen es scheinbar noch dreckiger geht. Das ist ja das Prinzip vieler Sendungen auf RTL. Und es dauerte keine 5 Minuten, bis ich jemanden gefunden hatte, der noch peinlicher war als ich – wenn auch schneller. Mann, bin ich froh, das ich nicht hinter dem herfahren musste.

Fünf weitere Minuten stellte ich fest, dass ich ans ich ein recht glücklicher Mensch bin, denn meine Familie lässt mir die Freiheiten meinen Hobbies nachzugehen. Das ist nicht immer und bei jedem so.

„So jetzt bist du dran. schon den ganzen Morgen pass ich auf die Göre auf. Jetzt mach auch mal was du Spree-Armstrong!
Mittlerweile hatten Fabian und ich uns auch wieder gefunden, wir tranken ein Alkoholfreies Paulaner und bummelten noch ein wenig durch die Radshoppingmeile. Am Oakleystand kommte man 1:1 auf der Rolle gegeneinander antreten. Fabian bequatschte mich, dass wir das mal machen sollten, aber als ich mich gemeldet hatte hielt er sich gschickt im Hintergrund und ich musste dann gegen so einen Typen mit Jeans und Sonnenbrille fahren.

Was ich nicht wusste war, dass genau der Type der Schnellste am Vortag war. Und schnell zu treten ist ja so gar nicht mein Ding. Also rennmäßig eine weiter Enttäuschung.
Aber egal, es war gerade einmal halb elf und fast ein ganzer Tag in Berlin lag vor uns. Das war viel besser als das Rennen. Wir fuhren zurück zum Büro, vorbei am Kumpelnest 3000 wo jetzt endgültig Schluss war und machten uns dann auf den Weg zum japanischen Restaurant Udagawa.

Dort platzierten wir die japanische Flagge vor uns und stimmten die japanische Nationalhymne an.
Doch das ist eine andere Geschichte, die in Teil 3 erzählt werden wird. Oder auch nicht.
Danke an Kathrin, Fabian, Pina und Lucie.
Jedes Jahr fahre ich genau zwei Mal nach Berlin: Im Oktober zum Deutschen Logistik Kongress, dem intellektuellen Highlight meiner beruflichen Bestimmung und im Juni zum Velothon. Der Kongress ist deutlich anstrengender und ebenso weniger spaßig.
Zumal ich da auch immer in irgend so einem angeblichen Luxushotel bin. Der Luxus besteht darin, dass dort eine Flasche Mineralwasser auf dem Tisch steht. „Oh, denkt man sich“, wie nett von denen, bis man die Flasche hoch nimmt und feststellt, dass unter dem gläsernem Deckel ein klitzekleiner Zettel liegt auf dem geschrieben steht: „Genießen Sie unser Premium Mineralwasser der Fürst Detlev Quelle zum Preis von nur €15,80 pro Flasche.“ Ich habe nie verstanden, warum die Preise in der Minibar bei Hotels proportional zum Übernachtungspreis steigen. Man sollte doch meinen, dass ab einem bestimmten, lächerlich hohen Zimmerpreis alles umsonst sein sollte.
Beim Velothon übernachte ich immer bei Kathrin und Fabian; nicht über Airbnb, sondern über die gute alte Japanconnection die uns auf alle Zeiten zusammenschweißen wird:
„I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Shibuya. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhäuser Gate. All those moments will be lost in time, like tears…in…rain. Time to die.“ [Tears in rain]

Bubble Era Japan, Anfang der Neunziger. Noch ein paar Jahre, so dachte man, dann wird Japan die wirtschaftliche Führung der Welt übernehmen. Da kann man schon mal ein paar hundert Euro für eine Taxifahrt nach Hause ausgeben, auf golden eingefärbte Eiswürfel im Pissoir pinkeln und sich ausrechnen, für wie viel Quadratmeter japanischen Boden in Tokyo man wie viel Quadratkilometer Anwesen an der Küste in Kalifornien eintauschen kann.
Ich war 1990 im Panasonic Showroom, eigentlich Show Palast und sag die ersten Shimano STI Hebel meines Lebens. All diese Dinge verbinden die, die dabei waren und der Versuch das irgendjemandem anderen zu erklären ist, was uns lächerlich macht. Wer das nicht glaubt möge versuchen Taro Karl Greenfields Speedtribes zu lesen.

Ikonen der Bubble Era
Heute sitzen wir in London, Berlin, Bremen oder immer noch in Tokyo. DSa ist übrigens auch nicht schlecht. Ich schätze es irgendwie sehr, dass keiner meinerJapan-Freunde in Bremen ist, sondern ich gezwungen werde zu reisen, um sie zu treffen.
An sich war der Plan am Freitag nach Berlin zu fahren , am Samstag im Grunewald zu trainieren und danach shoppen zu gehen, am Sonntag den Velothon zu fahren und dann ganz entspannt am Montag nach Bremen zurückzukehren. Für die Zugfahrt hatte ich mir ein paar besonders miese Projektberichte meiner Studis mitgenommen, um mich wieder ganz schnell zu aklimatisieren.
Von allen Dingen machte mir ausgerechnet mein Sohn einen Strich durch die Rechnung. Mein pubertierender, Teenagersohn, den ich nie sehe, weil er in seinem Zimmer hockt, Online zockt und maximal um vier Jahr morgens raus kommt um sich eine Pizza in der Mikrowelle warm macht. Also ein Sohn, der sehr wenig Aufwand bereit, dafür sollte man als Eltern nicht undankbar sein. Und ausgerechnet dieser Sohn kam dann eines Tages aus seinem Zimmer und sage. „Hey, ich hab jetzt Abitur.“ Wobei, um das richtig einzuordnen, es sich um ein Bremer Abitur handelt. In Bayern bekommt man das vermutlich in einer Tüte mit Panini Sammelbildern und dann ärgert man sich, dass man nicht den glitzernden Mario Gomez drin hatte. Jedenfalls bedingte dies, dass wir am Freitag auf den Abiball seiner Schule mussten der, dem Anlass entsprechend, im viertbesten Hotel am Platze ausgerichtet wurde. Also erst am Samstag nach Berlin.
Aber erst ein paar Worte zum Abiball. Erstens, hatte ich nicht. Also Abitur schon, aber wir fanden das normal und nicht so außergewöhnlich, als dass es eines Fests bedurft hätte. Wir hatten auch keine Mottowochen in den Wochen vor den Abiturprüfungen, wo wir jeden Tag der Woche in einem anderen Kostüm auftauchen mussten. Und auch kein Abibuch. Und keine selbstorganisierte Abifahrt an die Küsten Spaniens, zusätzlich zu der Abifahrt. Uns wurde das Abi in die Hand gedrückt, und dann wurden wir zur Hintertür der Schule gebracht, wo wir dann doch bitte unauffällig das Gebäude zu verlassen hatten, um nie wieder zurückzukehren. Ich schwang mich damals auf meine Motobecane Rennrad fuhr nach Hause und wusste nicht was ich tun sollte. Die Zeit nach dem Abi war so ziemlich die langweiligste meines Lebens.
Heute hat mein Sohn keine Zeit Langeweile zu haben, denn seine Zeit ist mit Abi Events total verplant. Und als Eltern habe ich da mitzuziehen. Also musste ich für die ganze Familie Karten zum Abiball kaufen die teurer waren als die Teilnahmegbühren beim Velothon, die Tochter brauchte ein neues Kleid, der Sohn brauchte komplett alles neu was seinen Teenykörper verhüllt, da hätte ich ihm schon ein MTB für zaubern können und ich konnte nicht nach Berlin.
Stattdessen fand ich mich am Abend im Hotel wieder mit einem Glas Sekt in der Hand. Abiturzeit in Bremen. Nebenan feierte die freie Waldorfschule und der Duft von gerösteten Sonnenblumenkernen trieb ebenso wie die Töne von Altblockflöten zu uns herüber, dazu gab es ein Lied über die Kartoffel aber nichts zu essen.
Wir hatten aus alle ziemlich aufgebratzt – wie auch alle anderen die da waren.

Super, mein Sohn hat Abi – und ich den Hosenstall offen.
Wir durften dann endlich in den Ballsaal wo es einige Reden gab und danach wurde das Buffet eröffnet. Es gab: Nudelsalat. Currywurst. War wie auf dem Campingplatz am Unisee. Und stolze Mütter.

Danach gab es dann: Gedichte, vorgetragen von überglücklichen Abiturientinnen. Echt schlimmes, bedeutungsschwangeres Zeug. Und musikalische Darbietungen von Schülern mit Gitarren. Gruselig. Man wusste so gar nicht, wo man hinschauen sollte. Dann kam der Höhepunkt des Abends.
Ein paar Tage vorher hatte ich eine leicht ironische Mail an die Tutorin unseres Sohnes, Frau Kah geschrieben, und mich dafür bedankt, dass sie unseren Sohn zum Abi geführt hat. Das war etwas ironisch, weil ich vor zwei Jahren ein Gespräch mit ihr und der Oberstufenleiterin hatte, in dem Sie mir nahelegt, dass unser Sohn doch besser die Schule verlassen würde. Wie einigten uns aber darauf, dass er die Q1 wiederholen solle und im Nachinein war das eine gute Entscheidung. Jedenfalls erzählte ich das kurz vor dem Abiball meinem Sohn (den sehe ich ja nicht so häufig, und wenn dann nur morgens um vier in der Küche) und er sagte: „Wir haben da nicht mir Frau Kah, sondern mit Frau Peh gesprochen. Ich hasse Frau Kah.“ Also, ich hatte mich bei der meist gehassten Lehrerin meines Sohnes bedankt, die ich überhaupt nicht kenne. Wobei mein Sohn sowieso alle Lehrer hasst und es da im Hass bestenfalls Unterschiede im Microhassbereich gibt.
Wir hingen also an unserem Tisch herum und versuchten Currywurst mit Nudelsalat zu essen, als so eine Frau an unseren Tisch kam – das war Frau Kah. Ich erkannte die nicht, weil ich Frau Kah noch nie gesehen hatte. Überschwänglich bedankte Sie sich bei mir für die nette E-Mail und sagte ein paar nette Dinge über unseren Sohn. Eigentlich sagte sie nur das eine nette: „Er ist ja ein Stiller.“ Worauf ich antwortete: „Tja, halt Japaner!“.
Danach schwangen wir noch unsere Knochen auf die Tanzfläche und kurz danach wurden wir von den Schülern rausgeschmissen, die alleine feiern wollten. So kamen wir früh nach Hause und am nächsten Morgen konnte ich mein Zeug für Berlin packen. Die Bahn fuhr auch pünktlich ein, bevor in Hannover dann nichts mehr ging. Ich sass direkt im Wagen hinter dem Fahrerstand. Da wurde geschraubt und am Computer gehackt, aber es kam immer wieder nur diese monotone Stimme die „Störung. Störung. Störung“ wiederholte. Ich habe den Verdacht, so ein IC läuft im Prinzip auf Windows 3.2.

IC Anwendung
An der Technik mag es ja bei der DB mangeln, dafür sind die Zugbegleiter mittlerweile erstklassig geschult. Auf die ersten Beschwerden wurde sehr souverän reagiert:
„Sie wissen doch, wie das bei uns läuft. Aber das wichtigste ist jetzt nicht die gute Laune zu verlieren. Sie da machen das schon ganz gut.“
Und so kam ich, wie fast immer, zu spät nach Berlin. Aber immer noch rechtzeitig, um kurz bei Bio Lüske zu shoppen und dann mit Kathrin, Fabian un den Kindern auf dem Balkon zu Abend zu essen. Wir hauten Nudeln rein, als wenn es nur noch ein Morgen geben würde. Und zwar der Tag an dem wir nicht 60 km in Berlin, sondern 1.200 km von Paris nach Brest und wieder zurück fahren würden.
Doch das ist eine andere Geschichte und die wird morgen erzählt.
Kyo-to, das ist To-kyo rückwärts. Kyoto ist die legendäre alte Kaiserstadt Japans, Tokyo ist die moderne Metropole. In Deutschland würde das etwa Aachen und Berlin entsprechen, wenn Aachen irgendetwas geheimnisvolles hätte.
In Kyoto sitzt Grand Bois Cycling. Die machen nichts modernes. Aber viel schönes. Tokyo ist 700C. Kyoto ist 650B.





Fotos via Kinki Cycles