Ich mag die Idee der Nullplanung – auch wenn das Ergebnis 457 statt 280 ist.
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Berlin. Prag. 280, nein 457 km.
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Lost in France…. äh….Horstedt
Weihnachten – Ohrwurmzeit. Man geht in die Stadt,kauf eine Menge Geschenke und kommt vollgepackt und in den Ohren „White Christmas“ gestopft nach Hause zurück.
Ist es nicht erstaunlich, dass wir relativ große Kontrolle darüber haben, was wir uns in die Einkaufstasche stecken, aber fast keine darüber, was in unseren Ohren hängenbleibt? Ich wünschte, ich würde aus der Stadt kommen, und sagen wir mal, das hier vor mir her summen:
Aber nein, so was bleibt nie hängen. Hängen bleibt immer, dass was vielleicht irgendwelche Ur-instinkte oder -ängste in uns anspricht denen wir willenlos folgen müssen, so wie das hier:
Also raus aus der Höhle und im Wald Honig und Beeren sammeln gehen.
Letztens, auf der sehr guten Party von Caroline im Eichhörnchenrevier hatte ich eine interessante Küchenunterhaltung über das Thema Musik, die mit der Aussage: „Die Musik der Neunziger war echt geil.“ begann. Auf mich übersetzt heißt das: „Die Musik der Siebziger war echt geil!“. Stimmt, es gab tolle Songs, noch bessere Gruppen und leicht komische Frisuren. Das gilt übrigens auf für die Achtziger und die Musik der Neunziger war geil. In den Nullern gab es gute Musik und, wenn man genau hinhört gibt es diese auch noch heute. In den Siebzigern spielten noch Led Zeppelin, Jimi Hendrix schaffe es gerade noch in das erste Jahr, Jim Morrisson schaffte es gerade noch ein Jahr länger. All dies hörte ich aber nicht, sondern zunächst Slade, Sweet, T.Rex und Udo Lindenberg und später dann die Sex Pistols, the Damned und the Cure (und das sind noch die coolsten Sachen die ich ausgesucht habe – peinliche Irrungen wie Grobschnitt oder MEK Bilk möchte ich hier eigentlich verschweigen).
Mein Punkt ist der folgende: Auch heute gibt es sehr gute Musik, aber unsere Beziehung dazu hat sich verändert. Wir sind eben nicht mehr jung und es fehlt nun der Hebel uns zu begeistern und zu bewegen. „Je t’aime“ im Dunkeln in der Matrazengruft von Clemens Partykeller zwischen Katja und Marion zu hören ermöglicht eine andere Bindung zu einem Song als sich am Schreibtisch über Miley Cyrus „Wrecking Ball“ kaputtzulachen.
Obwohl letzteres der bessere Song ist. OK, hier ist ein wirklich guter Song aus 2014:
Weihnachten bedeutet auch Geschenke zu verpacken.
Leider ist das kein Weihnachtsgeschenk, was ich hier verpackte, sondern die Sendung meines verzogenen Moulton Rahmens an den deutschen Importeur in der vagen Hoffnung, dass hier noch irgendetwas gerichtet werden kann.
Eigentlich hatte ich auch keine Lust auf Radfahren heute, aber was soll man denn sonst machen an so einem langweiligen Tag. Nach Wochenlangen Fummeln habe ich das Panasonic nun endlich in Schuss bekommen: Das Campa Chorus Schaltwerk harmonierte nicht mit den 8-fach Campa Chorus Ergopower Hebeln und der Schutzblechadaptor am Bremssteg wackelte – jetzt funktioniert alles perfekt. Vorne ist nun ein verkabelter Tacho dran, den die Axa Leuchte interferiert mit dem kabellosen Teil und ich fahre dann konstant 199,9 km/h.
Raus auf die Straße und innerhalb von 20 Metern habe ich eine unerfreuliche Diskussion mit einem Rentnerehepaar, dass mein Recht auf ein Durchkommen auf dem Fußgängerweg bestreitet. Das ich ohnehin wenig Lust auf fahren habe, habe ich viel auf diskutieren. Nach sechs Minute geben sie auf.
Auf dem Deich treffe ich Silke, Caroline, Torben und X. X ist ja ein echter Schnacker – ich musste ihn mehrfach unterbrechen, damit ich endlich weiterfahren konnte. Danach radle ich weiter nach Riede und dann ein paar neue Wege in der Dibbersen Ecke. Ich verirre mich nach Horstedt in einem Schrebergarten, aus dem ich nicht mehr herauskomme. Eine letzte Tür, die mir einen Ausweg bieten kann:

„There are things known, and things unknown, and in between are the Doors.“ (William Blake; angeblich die Inspiration für den Namen der Gruppe „The Doors“)
Die Weser ist ein Grundstück.
Hinter Eißeln ein Platter. Jedesmal wenn ich einen Platten mit einem Reifen habe, der nicht Conti GP4000 ist, denke ich: Ich sollte wirklich Contis aufziehen. Jedesmal wen ich einen Platten mit den Contis habe sage ich mir: „Die halten ja echt lange!“ Ich pumpe den Reifen mit einer Kartusche auf, da es so kalt ist und das CO2 so schnell entweicht wird die Kartusche extrem kalt und bleibt an meiner Hand kleben.
Über die Brücke nach Achim und dann direkt auf dem langweiligen Weg nach Hause. Insgesamt ergab sich somit folgendes Bild:
Wie man sehen kann, habe ich mir größte Mühe gegeben mit dem Rad einen Hai zu malen. Das ist vermutlich die letzte Fahrt der Saison, denn die neue beginnt am 24.12. mit der Festive 500. Vielleicht brauche ich dafür noch einen anderen Untersatz, so etwas als Rad:
Aber jetzt erst mal zu Hause Kaffee trinken, Kuchen essen und gute Musik hören.
Humoorlos.
Traumwetter heute – nach Bremer Dezembermaßstäben. Raus auf das gewaschene Panasonic und 60 km abgespult zur humoorlosen Kirche und auf anderen Pfaden wieder zurück. Damit ist die 11.000 km Marke für diese Saison geknackt.
Letzte Bilder aus Mallorca.
Am Mittwoch war noch einmal ein ganz besonders exquisiter Tag auf Mallorca: Nach dem Sturm des Dienstages war nun der Himmel tiefblau, das Meer tiefblau und die wenigen Wölkchen ebenso tiefweiß. Am Ende meiner Tour stand in halbnackt in der Sonne und wechselte von Rad- und Flugklamotten – mir war nicht im geringsten kalt. Und ich war ein wenig betrübt, dass alles gerade in diesem Moment aufhören musste.

Anfang der Tour: Hoch von Es Capdella nach Galilea auf der Suche nach dem KOM, dann weiter nach Sporles und rauf auf die Corniche.
Contra Vento
Ganz ganz aufmerksamen Lesern hier ist vielleicht in Erinnerung geblieben, dass wir unseren „Club“ in Tokyo mal genauso nennen wollten: „Contra Vento“; dass ist germanisiertes italienisch für „Gegen den Wind“. Die Idee kam von einem Schweizer Transalpfreund von Juliane, der bei „Con Vento“ (mit dem Wind vor), aber nicht lange genug im Windschatten von ihr bleiben konnte. Daraufhin entschieden wir uns, aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen „Positivo Espresso“ zu nennen – der Rest ist Geschichte; allerdings solche die nicht gelesen wird.
Heute Sturm auf Mallorca. Gemeinerweise tarnt sich der mit Sonnenschein und relativ blauem Himmel. Ich hätte mich vermutlich nicht auf das Rad gesetzt, wenn ich in den letzten sechs Tagen nicht eine Routine entwickelt hätte: „Aufstehen- waschen- anziehen – frühstücken – losfahren.“ Ganz simpel und so konnte ich auch heute nicht anderes als der Routine zu folgen.
Ich wollte nicht zu viel und nicht zu lange fahren und vor allem nicht zu weit weg für den Fall, dass es anfängt zu regnen. Trotzdem war es keine gute Idee von Alcudia aus am Meer entlang nach Port de Pollenca zu fahren. Volle Kanne in die Eisen treten, Puls auf 160 bringen und dann mit 15 km/h gegen den Wind -super Leistung! Also so lange der Wind von vorne kam. Kam der von der Seite bließ er mich von rechts nach links auf der Strasse und von weitem sah es sicher so aus, als wenn ich zu viel getrunken hätte.
Eine noch schlechtere Idee war es dann von Port de Pollenca den ersten Pass Richtung Formentor zu fahren. Dass ich nicht schnell fahren würde war klar, aber je weiter ich hochfuhr, umso windiger wurde es und umso schwieriger das Rad auf Kurs zu halten. Dann kam eine enge Kurve mit einer kräftigen Steigung und ich ging aus dem Sattel, um die zu treten. Und als ich fast um die Kurve war kam mir der Wind mit solch einer Wucht entgegen, als wenn ich gegen eine Wand fahren würde. Ich blieb einfach stehen und klickte aus. Dann drehte ich mich rechtwinklig zur Strasse um Halt zu finden und mit vergrößerter Angriffsfläche warf mich der Wind einfach um. Bumm. Zum Glück nicht in den Schnee -der war wohl über Nacht gefallen. Im Gegensatz zu mir, gerade eben.
Mit schieben und gelegentlichem fahren ging es dann hoch und weiter bis zum Aussichtspunkt. Von dort wollte ich weiter fahren nach Formentor, aber bereits nach ein paar Metern die Straße runter stellte ich fest, dass das heute einfach nicht drin ist. Keine Chance mit dem Rad geradeaus zu fahren, voller Wind von der Seite.
Also zurück und dann ab ins Landesinnere, wo der Wind dann auch ein bißchen weniger stark war. Insgesamt 67 km, nicht gerade viel aber für den Wind hier OK. Strava Track.
Zuhause angekommen stellte ich dann fest, dass das Apartmenthaus meines Studio eigentlich einen ganz sympathischen Schriftzug trägt.
Und dann stellte ich fest, dass das Image von Amerika und Russland, von Spanien aus gesehen, gar nicht so verschieden ist:
Oliven hätte ich jetzt nicht unbedingt mit Russland in Verbindung gebracht, Erbsen Möhren aber definitv. Was bei den Amis im Salat ist weiß man nicht, wie immer lassen die sich nicht in die Karten schauen. egal was man wählt, man bekommt dasselbe, nur die Beilagen sind anders. Eine schöne Analogie auf die Weltherrschaft.
Mal sehen, was morgen noch geht.
Puig Major Immaculado.
Letztens hatte ich einen interessanten Dialog mit meiner Frau: Ich erzählte ihr, dass ich beim Arzt zum Check-up war und dass mit Herz und Kreislauf alles bestens ist. „Tja“, meinte sie, „da wirst du wohl am Gehirn sterben.“
Ich tu‘ ja alles mögliche, um auch anderen Todesursachen eine Chance zu geben, unter anderem in dem ich ab und an rauche, unglaubliche Mengen Kaffee trinke, dem Süßen nicht abgeneigt bin und wie ein bescheuerter Serpentinen mit dem Rennrad runterfahre. So auch heute.
Nachdem es gestern wegen dem Wetter nicht geklappt hatte, machte ich mich heute auf den weg nach Caimari um die Königsetappe dieses Urlaubs zu fahren: Hoch nach Lluc, weiter und höher zum Puig Major und dann von Soller hoch auf den Col de Soller, runter nach Bunyola und gleich weiter nach Orient. Ich hatte ganz schönes Muffensaussen; dazu wurde im Radio berichtet, dass der erste Schnee des Jahres auf dem Puig Major gefallen war und daher hatte ich schon die dickste Kleidung an, die ich mitgenommen hatte. Mir wäre es an dem Morgen auch nicht unrecht gewesen mir ein Bein zu brechen, oder mit dem Auto den Abhang runterzufahren – egal was, Hauptsache es verhindert, dass ich diese blöde Idee einer Etappe in die Tat umsetze.
Und natürlich kommt es ganz anders. In Caimari angekommen stellte ich fest, dass der Himmel tiefblau war, die Sonne schien und die Temperaturen 18 Grad erreichten. Und das heute da ja spanischer, ungefleckter Feiertag war und somit eine Menge Autos und Radler unterwegs.
Ich ging es, angesichts des Tagesprogramms etwas langsamer an und es lief auch nicht schlecht – aber ich war für die Temperaturen hier unten viel zu warm angezogen und fühlte mich wie ein Eskimo in Algerien. Trotzdem lief es gut und ich fuhr gleich an der Tankstelle bei Sa Batalla vorbei und weiter Richtung Puig Major. Hier oben war es nicht so voll, wie ich gedacht hatte und wenn überhaupt waren nur ein paar Touren- und MTB Fahrer unterwegs. An der Kreuzung nach Sa Calobra kam mir kurz der Gedanke, die Abfahrt und den anschließenden Anstieg mitzunehmen, also so ganz andere Gefühle als heute morgen beim losfahren. Aber am Ende siegt die Vernunft und ich schraubte mich weiter nach oben. Relativ schnell kommt dann der erste See und etwas weiter dann der zweite.
Danach zog sich das Wetter über den Bergen auch langsam zu. Für morgen ist Sturmwarnung ausgegeben, könnte gut sein, dass das die letzte längere Fahrt auf der Insel war.
Ich hatte gedacht, dass ich auf übe 1.000 Meter steigen würde, aber der Pass, genauer gesagt, der Tunnel au dem Pass ist so etwa bei 850 Meter. Hier war es jetzt richtig kalt und die Abfahrt nach Soller was dann etwas unangenehm – aber auch Eis- und Schneefrei. Ich war jetzt in einer Forrest Gump ähnlichen Stimmung, also warum nicht noch ein wenig weiterfahren? Soller hat zwar so einen leichten Jugendstil Charme, aber auch eine Menge hässlicher, voller Straßen, also besser schnell durch und dann hoch auf den Col de Soller. Wenn man est einmal die Hauptstrasse zum Tunnel nach Palma verlassen hat und die alte Strasse den Col hochfährt, ist das eine phantastische Strecke. Die Serpentinen schrauben sich endlos lang den Berghang hoch und es erinnert ein weinig an den Stelvio, aber ohne den Ausblick. Ich hatte ganz vergessen, wie toll dieser Pass ist. Als ich endlich oben war, hatte ich an einem Stück 50 km und über 1.500 Höhenmeter zurückgelegt. OK, jetzt können die Dolomiten nächstes Jahr kommen, dachte ich mir.
Das hatte ja jetzt einmal ein eigenes Segment auf Strava verdient und zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass diese Idee noch keiner vor mir hatte. Obwohl, das Segment von Caimari nach Soller ist schon recht populär da kann man sich dann mit Marco Pinotti und Ben King messen.
Nachdem nun das härteste geschafft war, war der Rest eher antiklimatisch. Der Anstieg von Bunyola nach Orient ist zwar schön, aber gibt nicht mehr den letzten Kick.
Vor und in Orient standen jede Menge Autos rum. Ich dachte, es gäbe vielleicht ein Volksfest, oder eine Prozession bei der die Devotionalien durch den Ort getragen werden – aber nichts. Jede Menge Menschen auf dem Weg nach Orient, aber im Ort selber – Leere. Nur ein paar alte Männer vor einer Bar.
Zurück nach Caimari dann über Alaro, Lloseta, Biniamar und Mancor de la Vall.
Fertig. Hier der Strava Track. Das war bisher der anstrengenste Tag, danach war nicht mehr viel übrig von mir.
Mal sehen, was morgen dann noch so geht.
Der Drang zur Perfektion.
Warum haben Japaner eigentlich diesen Drang, dass alles einer Form zu folgen hat und dann perfekt wird?
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Schatten meinerselbst.
Das sieht hier gar nicht so aus, aber es blitzte und donnerte die halbe Nacht und heute Morgen regnete es. Zeit die aufgekommene Routine zu durchbrechen. Also. Erst in die Bar, Cafe trinken und Bücher lesen, warten bis das Wetter besser wird und dann raus. Ich lese gerade Emile Zola „Das Glück der Familie Rougon“, das ist der Band aus dem Rougon-Maquart Zyklus (20 Bände), den man zuerst lesen muss, um den Rest zu verstehen. Darin kann man sich wunderbar vertiefen, wenn man im Cafe sitzt und es draußen regnet. Man muss diesen alten französischen Kram aber auch mögen. Das sollte man auch besser, wenn man 20 Stück davon zuhause hat.
Ich machte mich mit dem Wagen auf den nach Arta, ganz im Nordosten der Insel denn ich hatte dort eine schicken Anstieg auf der Karte gefunden, der aber so weit weg von allem anderen interessanten Straßen der Insel ist: Hoch zur Ermitta de Betlem. Wie kommt es eigentlich, dass Mönche, Priester und andere Geistliche dieser Welt den Drang haben ihre Kirchen, Temple, Schreine etc. in irgendwelchen gottverlassenen Winkeln zu errichten (siehe Randa oder Mitsumine Jinja)? Heute ist das eine einfache Geschichte, erst kommt der Bulldozer und baut eine Straße hoch, dann kommen die Laster mit dem Baumaterial und wenn alles fertig ist kommen die Touristen und der Pfarrer fährt mit seinem Seat runter in den Ort und kauft ein. Aber vor 200 oder 500 Jahren gab es noch keine Straßen und keine Laster und nach dem einkaufen musste man die ganzen Plastiktüten durch den Wald wieder nach oben schleppen. Und wer wartete da oben dann? Richtig der Obermönch und der ist sauer, dass man statt Grapefruchtsaft Orangensaft mitgebracht hat und nun kann man gleich wieder runter durch den Wald latschen. Von daher macht es doch Sinn gleich hinter dem LIDL am Ortseingang zu bauen.
Leider begann der Regen dort etwa als ich ankam und so blieb mir nichts anderes als mit dem Auto hochzufahren. Mit dem Rad ist das vermutlich recht anstregend, mit dem Auto ist das einfach nur gruselig: Eine schmale Straße, Abgründe überall und zum Glück kamen mir nur drei Autos entgegen denen ich quasi mit einem Rad über dem Abgrund ausweichen musste. Trotzdem – ich hoffe, dass ich noch Zeit habe mit dem Rad da hochzufahren.
Ich fuhr aber erst einmal zurück nach Alcudia, da strahlte mittlerweile die Sonne und so konnte ich zumindest noch 47 km an der Küste fahren und den Anstieg nach Formentor anzufahren. Ich hatte aber in den ersten drei Tagen ordentlich Körner gelassen und war nur noch ein Schatten meinerselbst.
Ich schaffte nur ein Drittel hoch, denn die Dunkelheit nahte und bescherte mir schon dort einen prima Sonnenuntergang.
Also morgen dann hoffentlich die Königsetappe dieses Urlaubs.
Malle Tag 3: Auf Spanien
Meinen Kindern musste ich vor einiger Zeit beichten, dass es keinen Nikolaus gibt. Mein Sohn, 18 Jahre alt, hatte ohnehin in der letzten Zeit schon einen leichten Verdacht geäußert.
Gibt es aber trotzdem Geschenke am 6. Dezember, so werden diese vom Nililaus gebracht. Dabei handelt es sich um das große, grüne Kuscheltier von IKEA, das von meinen Kindern regelmässig getreten und missachtet wird. Man weiß ja, wie das bei IKEA läuft, man geht hin und will ein paar neue Stühle oder einen Tisch kaufen, und kommt dann mysteriöserweise mit einem Sack Teelichter, einem Bilderrahmenset und einem grünen Kuscheltier nach Hause. Egal, was ich eigentlich bei IKEA kaufen will, es ist immer das gleiche: Ich stopfe mit enr Hand einen Haufen Zeug, den das wir nicht wirklich brauchen in den Kofferraum unseres Autos und versuche dabei mit der anderen einen Hot Dog zu balancieren.
Spanien glaubt am 6. Dezember weder an der Niko- noch an den Nililaus und feiert den Tag der Verfassung, denn so lange ist es nicht her, dass Spanien die Franco Herrschaft beendete – gerade mal elf Jahre vor dem Ende der DDR. Die Geschäfte haben auf wie immer, aber nicht am 8. Dezember, dann ist wirklich alles dicht hier; an diesem Tag wird die unbefleckte Empfängnis Marias gefeiert. Daraus gebärt sich ein langes Wochenende und das sah man heute auch auf den Straßen, jede Menge Radfahrer unterwegs, oft auch in größeren Gruppen.
Nach 1.800 Höhenmetern am ersten und 1.500 am zweiten Tag stand mir heute der Sinn nach der Ebene. In der Mitte Mallorcas war ich bislang nur einmal mit David und Juliane 2011 gefahren. Wir fanden es nicht doll, die Straßen zu breit, die Autos zu viele und außerdem hatten wir gerade Sa Calobra entdeckt. Aber im Dezember ist der Verkehr auf der Insel sehr dünn und die Bremer, die ich im Flugzeug getroffen hatte, hatten mir von der Gegend vorgeschwärmt (obwohl, ich bin mir nicht sicher, von welcher Gegend sie überhaupt sprachen, denn irgendwie ging es um Weinberge und die habe ich den ganzen Tag nicht gesehen). Also machte ich mich auf nach Petra, dem Startpunkt heute. In Petra war ich schon mal, es hatte sich aber stark verändert. Genau wie Petra Ohren, mit der ich in der Sexta zusammen in die Schule ging und deren Eltern ein Tapetengeschäft hatten.
Da fällt mir noch ein guter ein: Letztens hatte ich einen Bewerber da und fragte ihn, in welche Länder er bis jetzt gereist ist. Er sagte, neben anderen, war er auch „auf Spanien“. Das machte mich etwas stutzig und ich fragte ihn, wo er denn auf Spanien war. Die Antwort kam: „Ich war schon auf beiden Spanien: Auf Mallorca und auf Ibiza!“
Also, in Petra, auf Spanien ging es los. Heute wehte ein ganz fieser Wind und der kam genau aus der anderen Richtung. So machte das gar keinen Spaß, erst nach Villaranca und dann weitere nach Porreres. Heute habe ich mich auch in jeder Stadt auf dem Weg verfahren. Die Städte sind klein und verwinkelt. Man fährt aus der Ebene darauf zu und sieht die Kirche in der Mitte von weitem, aber wenn man einmal drin ist, dann gibt es nur noch Wände aus gelb-bräunlichem Gestein und Rolladen die zu bleiben. Wo ist die Kirche geblieben? Wo sind die Menschen? Die Straßen sind leer, nur hier und dort am Marktplatz ist eine Bar offen und zwei, drei ältere Männer sitzen davor und rauchen sich einen. Egal ob die Badeorte an der Küste, in denen die Hotels geschlossen sind und die Supermärkte zugemacht haben, auch den normalen Städten im Innern Mallorcas scheinen im Winter die Menschen auszugehen.
Am Ortsausgang von Porreres sah ich eine größere Gruppe von Radfahrern – „wartet“ rief ich, bis ich feststellte, dass die auf dem Weg zurück nach Palma waren und ich weiter nach LLucmajor wollte. Auf der Strecke war der Wind dann wieder einmal ganz fies und ich fuhr mit 23 km/h und 150er Puls dagegen an. Recht unvermittelt wurde ich von einem einheimischen Rennradfahrer überholt. Ok, der sah sportlich aus, hatte ich windschnittiges Triathlonrad mit Lenkeraufsatz und ich konnte mich dann erst einmal an ihn heranklemmen und lutschen. Baer bereits einige Minuten später überholte uns ein anderer, nicht ganz so sportlicher Spanier auf einem normalen ORBEA Rennrad. Und am nächsten Berg setzten sich die beiden von mir ab. Mist, dachte ich, so gut wie Du denkst bist du auch nicht. Eine Lücke war entstanden aber so richtig vergrößerte die sich erstaunlicherweise nicht. Und auf der nächsten Abfahrt in diesem landschaftlichen Wellental, war drückte ich dann kräftig auf’sgas und fand wieder Anschluss. Ja, das machte schon wieder mehr Spaß nicht mehr alleine, sondern mit anderen zusammen schnell zu fahren.
Irgendwie war mir der Kopf leicht und als es nach einer Abfahrt wieder einen Hügel hoch ging, ging ich aus dem Sattel beschleunigte wie blöde und fuhr mir einen Vorsprung heraus, den ich bis zum Ortseingangsschild von Llucmajor verteidigte, aber das war verdammt hart und kostete eine Menge Kraft. Am Ende fand ich mich auch ziemlich deutsch, ich hätte ja auch einfach mit denen zusammen fahren können, aber nein ich wollte ja unbedingt Kampf und Wettbewerb.
„Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort“, sagt mein Opa öfters und so durfte ich mich dann gleich in Llucmajor wieder verfahren und rumirren, bis ich die Strasse nach Randa fand. Direkt am Ortseingang beginnt der Aufstieg zum Kloster Santuari de Cura. Der Berg an sich ist schon ein kleines Wunder, mitten in der Ebene ragt er unmittelbar empor und man kann ihn bereits von weitem, von Petra aus, erkennen.

Fast ganz oben befindet sich eine Radarstation des Militärs oder der Flugsicherung und an dem weißen Ball der Installation kann man das ganze gut identifizieren. Ich mag den Aufstieg dort rauf sehr. Er ist von der Landstraße aus ungefähr 5,7 km lang und man klettert etwa 300 m hoch über Serpentinen und Rampen die mal mehr und mal weniger steil sind – auf jeden Fall aber das kleine Kettenblatt verlangen. Richtig gute Männer kommen da in 13 Minuten hoch, richtig gute Frauen (Emma Pooley in diesem Fall), brauchen etwa 16 Minuten und ich fast 23, und dabei hatte ich mir richtig Mühe gegeben. Oben amKloster machte ich est einmal eine Pause und aß meine Brötchen, die beste Idee die ich bislang auf Mallorca hatte.
Es folgte das obligatorische Foto mit Bart und Passschild.
So, was sollte danach noch kommen? Alles was Spaß machte war gemacht, aber nur 40 von fast 108 km zurückgelegt. Ich machte mich auf die Abfahrt, bog nach nach Algaida (islamischer Terrorort für Lispler), und dann mit gutem Rückenwind weiter nach Pina, wo ich ein Foto für Fabian machte.
Dort entdeckte ich ein Haus, das ganz von Madarinen umgeben war.
Dann schnell weiter nach Lloret, Sineu, Maria de la Salut und Santa Margalida. Hier hätte ich nach Süden und Petra abbiegen und abkürzen können, aber verleitet durch den Rückenwind und die Aussicht das Meer an der Nordküste zu sehen fuhr ich weiter und machte dann auf einer anderen Strasse kehrt zurück nach Petra. Wie erwartet wurde es dann am Ende noch einmal richtig fies und die Steigungen waren auch nicht ohne.
Ja, das sieht alles so harmlos aus, aber insgesamt sind heute auch wieder 1.200 Höhenmeter zusammengekommen. Das kommt durch eine Kombination von vielen Anstiegen und schnellen Abfahrten.
Auf der Rückfahrt bei Lidl shoppen. Ist eigentlich genauso wie in Deutschland auf dem Dorf, am Ortseingang steht dann ein Lidl oder ein Aldi. Kurz nach 5 wr ich wieder zurück und da hatte sich das Wetter bereits dramatisch verändert: In Alcudia blitzte und donnerte es und es war überhaupt nicht daran zu denken rauszugehen und im Cafe etwas zu essen und zu trinken. Zum Glück hatte ich ja jetzt jede Menge Lidl Brötchen.
Morgen, wenn das Wetter gut ist folgt die Königsetappe: Von Selvia hoch nach Lluc, dann auf den Puig Major und zurück nach Selvia über Orient.































































































































