Malle Tag 3: Auf Spanien

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Meinen Kindern musste ich vor einiger Zeit beichten, dass es keinen Nikolaus gibt. Mein Sohn, 18 Jahre alt,  hatte ohnehin in der letzten Zeit schon einen leichten Verdacht geäußert.

Gibt es aber trotzdem Geschenke am 6. Dezember, so werden diese vom Nililaus gebracht. Dabei handelt es sich um das große, grüne Kuscheltier von IKEA, das von meinen Kindern regelmässig getreten und missachtet wird. Man weiß ja, wie das bei IKEA läuft, man geht hin und will ein paar neue Stühle oder einen Tisch kaufen, und kommt dann mysteriöserweise mit einem Sack Teelichter, einem Bilderrahmenset und einem grünen Kuscheltier nach Hause. Egal, was ich eigentlich bei IKEA kaufen will, es ist immer das gleiche: Ich stopfe mit enr Hand einen Haufen Zeug, den das wir nicht wirklich brauchen in den Kofferraum unseres Autos und versuche dabei mit der anderen einen Hot Dog zu balancieren.

Spanien glaubt am 6. Dezember weder an der Niko- noch an den Nililaus und feiert den Tag der Verfassung, denn so lange ist es nicht her, dass Spanien die Franco Herrschaft beendete – gerade mal elf Jahre vor dem Ende der DDR. Die Geschäfte haben auf wie immer, aber nicht am 8. Dezember, dann ist wirklich alles dicht hier; an diesem Tag wird die unbefleckte Empfängnis Marias gefeiert. Daraus gebärt sich ein langes Wochenende und das sah man heute auch auf den Straßen, jede Menge Radfahrer unterwegs, oft auch in größeren Gruppen.

Nach 1.800 Höhenmetern am ersten und 1.500 am zweiten Tag stand mir heute der Sinn nach der Ebene. In der Mitte Mallorcas war ich bislang nur einmal mit David und Juliane 2011 gefahren. Wir fanden es nicht doll, die Straßen zu breit, die Autos zu viele und außerdem hatten wir gerade Sa Calobra entdeckt. Aber im Dezember ist der Verkehr auf der Insel sehr dünn und die Bremer, die ich im Flugzeug getroffen hatte, hatten mir von der Gegend vorgeschwärmt (obwohl, ich bin mir nicht sicher, von welcher Gegend sie überhaupt sprachen, denn irgendwie ging es um Weinberge und die habe ich den ganzen Tag nicht gesehen). Also machte ich mich auf nach Petra, dem Startpunkt heute. In Petra war ich schon mal, es hatte sich aber stark verändert. Genau wie Petra Ohren, mit der ich in der Sexta zusammen in die Schule ging und deren Eltern ein Tapetengeschäft hatten.

Da fällt mir noch ein guter ein: Letztens hatte ich einen Bewerber da und fragte ihn, in welche Länder er bis jetzt gereist ist. Er sagte, neben anderen, war er auch „auf Spanien“. Das machte mich etwas stutzig und ich fragte ihn, wo er denn auf Spanien war. Die Antwort kam: „Ich war schon auf beiden Spanien: Auf Mallorca und auf Ibiza!“

Also, in Petra, auf Spanien ging es los. Heute wehte ein ganz fieser Wind und der kam genau aus der anderen Richtung. So machte das gar keinen Spaß, erst nach Villaranca und dann weitere nach Porreres. Heute habe ich mich auch in jeder Stadt auf dem Weg verfahren. Die Städte sind klein und verwinkelt. Man fährt aus der Ebene darauf zu und sieht die Kirche in der Mitte von weitem, aber wenn man einmal drin ist, dann gibt es nur noch Wände aus gelb-bräunlichem Gestein und Rolladen die zu bleiben. Wo ist die Kirche geblieben? Wo sind die Menschen? Die Straßen sind leer, nur hier und dort am Marktplatz ist eine Bar offen und zwei, drei ältere Männer sitzen davor und rauchen sich einen. Egal ob die Badeorte an der Küste, in denen die Hotels geschlossen sind und die Supermärkte zugemacht haben, auch den normalen Städten im Innern Mallorcas scheinen im Winter die Menschen auszugehen.

Am Ortsausgang von Porreres sah ich eine größere Gruppe von Radfahrern – „wartet“ rief ich, bis ich feststellte, dass die auf dem Weg zurück nach Palma waren und ich weiter nach LLucmajor wollte. Auf der Strecke war der Wind dann wieder einmal ganz fies und ich fuhr mit 23 km/h und 150er Puls dagegen an. Recht unvermittelt wurde ich von einem einheimischen Rennradfahrer überholt. Ok, der sah sportlich aus, hatte ich windschnittiges Triathlonrad mit Lenkeraufsatz und ich konnte mich dann erst einmal an ihn heranklemmen und lutschen. Baer bereits einige Minuten später überholte uns ein anderer, nicht ganz so sportlicher Spanier auf einem normalen ORBEA Rennrad. Und am nächsten Berg setzten sich die beiden von mir ab. Mist, dachte ich, so gut wie Du denkst bist du auch nicht. Eine Lücke war entstanden aber so richtig vergrößerte die sich erstaunlicherweise nicht. Und auf der nächsten Abfahrt in diesem landschaftlichen Wellental, war drückte ich dann kräftig auf’sgas und fand wieder Anschluss. Ja, das machte schon wieder mehr Spaß nicht mehr alleine, sondern mit anderen zusammen schnell zu fahren.

Irgendwie war mir der Kopf leicht und als es nach einer Abfahrt wieder einen Hügel hoch ging, ging ich aus dem Sattel beschleunigte wie blöde und fuhr mir einen Vorsprung heraus, den ich bis zum Ortseingangsschild von Llucmajor verteidigte, aber das war verdammt hart und kostete eine Menge Kraft. Am Ende fand ich mich auch ziemlich deutsch, ich hätte ja auch einfach mit denen zusammen fahren können, aber nein ich wollte ja unbedingt Kampf und Wettbewerb.

„Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort“, sagt mein Opa öfters und so durfte ich mich dann gleich in Llucmajor wieder verfahren und rumirren, bis ich die Strasse nach Randa fand. Direkt am Ortseingang beginnt der Aufstieg zum Kloster Santuari de Cura. Der Berg an sich ist schon ein kleines Wunder, mitten in der Ebene ragt er unmittelbar empor und man kann ihn bereits von weitem, von Petra aus, erkennen.

Fast ganz oben befindet sich eine Radarstation des Militärs oder der Flugsicherung und an dem weißen Ball der Installation kann man das ganze gut identifizieren. Ich mag den Aufstieg dort rauf sehr. Er ist von der Landstraße aus ungefähr 5,7 km lang und  man klettert etwa 300 m hoch über Serpentinen und Rampen die mal mehr und mal weniger steil sind – auf jeden Fall aber das kleine Kettenblatt verlangen. Richtig gute Männer kommen da in  13 Minuten hoch, richtig gute Frauen (Emma Pooley in diesem Fall), brauchen etwa 16 Minuten  und ich fast 23, und dabei hatte ich mir richtig Mühe gegeben. Oben amKloster machte ich est einmal eine Pause und aß meine Brötchen, die beste Idee die ich bislang auf Mallorca hatte.

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Bike leaning against something

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Oh, Stacheldraht

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Noch mal, in Hinblick auf den 8. Dezember.

 

Es folgte das obligatorische Foto mit Bart und Passschild.

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Japan- French Racing Team Outfit

 

So, was sollte danach noch kommen? Alles was Spaß machte war gemacht, aber nur 40 von fast 108 km zurückgelegt. Ich machte mich auf die Abfahrt, bog nach nach Algaida (islamischer Terrorort für Lispler), und dann mit gutem Rückenwind weiter nach Pina, wo ich ein Foto für Fabian machte.

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Wäre doch ganz nett als Postkarte, wenn Pina mal Vierzig wird.

Dort entdeckte ich ein Haus, das ganz von Madarinen umgeben war.

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Dann schnell weiter nach Lloret, Sineu, Maria de la Salut und Santa Margalida. Hier hätte ich nach Süden und Petra abbiegen und abkürzen können, aber verleitet durch den Rückenwind und die Aussicht das Meer an der Nordküste zu sehen fuhr ich weiter und machte dann auf einer anderen Strasse kehrt zurück nach Petra. Wie erwartet wurde es dann am Ende noch einmal richtig fies und die Steigungen waren auch nicht ohne.

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Ja, das sieht alles so harmlos aus, aber insgesamt sind heute auch wieder 1.200 Höhenmeter zusammengekommen. Das kommt durch eine Kombination von vielen Anstiegen und schnellen Abfahrten.

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Auf der Rückfahrt bei Lidl shoppen. Ist eigentlich genauso wie in Deutschland auf dem Dorf, am Ortseingang steht dann ein Lidl oder ein Aldi. Kurz nach 5 wr ich wieder zurück und da hatte sich das Wetter bereits dramatisch verändert: In Alcudia blitzte und donnerte es und es war überhaupt nicht daran zu denken rauszugehen und im Cafe etwas zu essen und zu trinken. Zum Glück hatte ich ja jetzt jede Menge Lidl Brötchen.

Morgen, wenn das Wetter gut ist folgt die Königsetappe: Von Selvia hoch nach Lluc, dann auf den Puig Major und zurück nach Selvia über Orient.

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Eingeordnet unter 2014, Mob, Touren

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