Berlin Velothon Heimat 2012

Heimat – das ist ein bekannter Film in meiner Generation von Edgar Reitz. Berlin – das ist eine Stadt.

Zwischennotiz: Es folgt ein längerer Diskurs über das Konzept „Heimat“ und seine Dynamik im Zusammenhang der Globalisierung. Die Radinteressierten mögen bei „Hier“ weiterlesen.

Meine Großmutter verbrachte die letzten 67 Jahre ihres hundertjährigen Lebens in einem Dorf am Bodensee namens Lochau. Ihre Tochter, meine Mutter, zog 1960 nach Mönchengladbach und blieb dort die nächsten 52 Jahre. Ich wuchs immerhin noch 20 Jahre in Gladbach auf, dann zog es mich über Düsseldorf, Aachen, Tokyo und China und Malaysia wieder nach Düsseldorf und nach Japan und letztendlich nach Bremen. Mein Sohn? Geboren in Kuala Lumpur, aufgewachsen in Düsseldorf, Hamamatsu, Tokyo, Yokohama und Bremen. Meine Tochter? Geboren in Tokyo, nun in Bremen mit zehn Jahren. Meine Kinder wissen wo sie zuhause sind, sie könnten aber nicht sagen, wo ihre Heimat ist. Für mich ist es wichtig, Orte zu haben, die ich mit meinen Erinnerungen verknüpfen kann. Das alte Jugendheim in dem wir aufgetreten sind, der Geruch von nassem Gras im Garten meiner Eltern, der Radladen in dem mein Vater mir mein erstes Rad gekauft hat. Genauso wichtig sind immer wiederkehrende Ereignisse: Das jährliche Radrennen am Saiko See in der Nähe des Fujis, das erste Mal im Frühjahr draußen im Cafe sitzen. Werder gegen Gladbach im Weserstadium sehen.

Das ist wahrscheinlich für viele genauso. Meine Kinder haben diesen Bezug nicht oder deutlich weniger, ihre Fixpunkte sind weniger und weit verstreut über den Globus. Vermutlich werden sie später in Städten wohnen die heute noch Dörfer sind und in Ländern leben die noch nicht existieren.

Nach der Rückkehr aus Japan gibt es für mich zwei, drei jährliche Fixpunkte, die so etwas wie „Heimat Deutschland“ ausmachen: Der Bremer Radmarathon, das Sommerfest eines Freundes in Diemitz und der Velothon in Berlin bei Kathrin und Fabian.

HIER

Der Velothon ist daher etwas ganz besonderes, nicht wegen dem Rennen an sich, das ist in etwa genau wie jedes andere Rennen (Etwa: Wie ein bescheuerter losfahren, sich voll verausgaben, Augen immer auf dem Hinterrad des Vordermanns, nachher nicht mehr können und ins Ziel einrollen, juhu fertig, Platz egal, anyhow sowie nicht doll und nix von der Umgebung gesehen). Das ist mehr die Kombination von einigen sehr entspannenden Tagen in einer sehr netten Umgebung in einer sehr ungewöhnlichen Stadt.

Genau: Berlin – oder das große Bremen an der Havel, wie es von seinen Einheimischen und vielen Zugewanderten liebevoll genannt wird. Das Brandenburger Tor, die Siegessäule,

der Reichstag

– in Berlin gibt es viel zu sehen. Ich gehöre ja noch zu der Generation die seinen Kindern jedes Mal auf der Fahrt nach Berlins sagt: „Ruhe da hinten, wie sind jetzt in der Zone!“ Berlin ist für mich schlechtes Wetter, kalt, riesige alte Häuser in Reihen mit Hinterhöfen, Kachelöfen und Toilette auf dem Flur, Häuserkampf in Kreuzberg, Demos, mein Schulfreund Thomas mit einem Molli in der Hand, Punkrock Konzerte, gutsortierte, kleine Plattenläden, Jugendherbergen und Bahnhofsmission und unfreundliche DDR Zöllner. Oder, besser gesagt, das war Berlin für mich, denn heute ist Berlin eher schlafen im Wintergarten, radeln durch den Grünewald, quatschen mit Kathrin und Fabian und draußen im Garten sitzen und entspannt essen und trinken. Ich fühle mich angekommen und wohl behütet und meine einzige Sorge ist, dass das wohl nicht so immer weitergeht. Zuhause haben die Kinder Mumps und die Frau möchte ein neues Auto, aber ich brauche auch das eine um das andere zu schätzen.

Ich saß also im Zug nach Berlin der naturgemäß am Freitag Abend wieder voll und zu spät war. In meinem Hinterkopf brummte „Wir fahren nach Berlin“ von Hermanns Orgie, einer zu recht vergessenen Hamburger Band aus den Achtzigern. Ich hatte mein Fixie dabei, denn in der Woche vorher kam ich auf die großartige Idee den Velothon nicht auf meinem Rennrad zu fahren. Beim ersten Mal 2010 war ich bereits die etwa 116 km unter 3 Stunden gefahren und letztes Jahr hatte ich einen Unfall, musste das Rad reparieren und war deutlich langsamer. Also nicht wieder volle Pulle, sondern gemeinsam mit Fabian und seinen Freunden. Mal sehen was geht, war die Devise.

Neben mir im Zug saß eine wahnsinnig dicke, blonde Frau. Ihr Kopf war mehr eine Beule die sich sanft zwischen ihrem Busen hervorhob. Sie aß, las einen Roman und spielte dabei mit ihrem Smartphone. Ich war zwischen ihr und dem Fenster eingequetscht und konnte mich kaum bewegen und so versuchte ich mich mit dem Hören guter Musik abzulenken (bewährte Mehode aus dem Tokioter U-Bahn). Wahrscheinlich war sie ganz nett, aber ich wurde halt zwischen Masse und Glas eingequetscht und wollte einfach nur ankommen.

Ich kam also an der S-Bahnstation an, baute das Fixie zusammen und fuhr zur Kill Man Street. Keiner da, denn alle waren beim Griechen oder so und schauten sich Polen gegen Griechenland an. Es wurde auch diskutiert oder welchen Vorwänden sich Männer zusätzliche Freizeit verschaffen (Kongressteilnahme) und was sie dann machen (Radfahren auf Mallorca oder anderes). Ein Ingenieur, ein Architekt und ein Rechtsanwalt sitzen zusammen und diskutieren, was besser ist, die Frau oder die Geliebte. Der Rechtsanwalt vertritt aus legalen Gründen vehement die Frau, der Architekt aus Gründen der Romantik und der Emotion die Geliebte. Und der Ingenieur? „Beides“. Warum? „Dann denkt die Frau man ist bei der Geliebten, und die Geliebte man ist bei der Frau. Dann kann man endlich mal im Büro bleiben und einen Haufen Arbeit weghauen.“ Oder halt auf Mallorca Rad fahren.

Einen habe ich noch, den kürzesten Männerwitz der Welt: Kommt `ne Frau beim Arzt.

Am Samstag wachten wir spät auf, frühstückten dann in aller Ruhe und machten uns dann daran unsere Fahrräder zu tunen. Viel gab es nichts zu tun – dachte ich, bis ich die Kette von Fabians Rad sah. Die haben wir dann gemeinsam gereinigt. Meine Finger habe ich bis Montag nicht mehr sauber bekommen. Auf der anderen Seite ist das Grundstück auf der Kill Man Street nun wegen schwerer Altlasten nicht mehr verkäuflich. Tausende von Jahren später werden Geologen hier Probebohrungen durchführen, auf Ölhaltige Sande stoßen und eine Raffinerie errichten. Ich wünschte ich hätte Photos gemacht.

Wir trafen uns dann zum „lockeren Einrollen am Tag zuvor“. Dabei waren Fabian und ich, Christine und Gregor, Till und Bernhard. Bernhard hatte ein neues Rose Rad, das sein altes Hercules von letztem Jahr ersetzte. Christine hatte ihr schönes Bianchi, allerdings ohne Kuhlenkerband und ohne Iphone Halterung. Gregor hatte weiße Kompressionssocken, hoch bis in die Kniekehlen, also von der UCI verboten. Es sollte so „locker durch den Grunewald gehen“. Klar, eigentlich muss man schon anfangen zu lächeln wenn man so etwas hört. Es wurden gruselige 39 km die mir schon fast alles abverlangten. Dabei stellte wir allerdings fest, das Till aus dem Heimatdorf meiner Mutter (Lochau am Bodensee) kommt. Da haben wir wieder den Heimatbezug.

Wir fahren den Berg hoch zum Grünewaldturm und das zog sich … ich wurde langsamer und langsamer und irgendwie kam ich drüber aber für das Rennen am nächsten Tag machte mir das ordentlich Angst. Zum Abschluß führte und Bernhard noch hoch auf den Teufelsberg. Da fuhren so Skateboarder rum und „Drifttrikes“ und so wurde es wahnsinnig schwer da die Steigung hochzukommen und dann mußte man noch wahnsinnig konzentriert beim runterfahren sein – puh. Zuhause kochte ich dann erst einmal (das einzige Gericht das ich kann und das ich meiner Ex-Freundin JvK verdanke), schlief eine Stunde und schaute dann mit allen zusammen Deutschland gegen Portugal.

Photo von Kathrin mit Hipstamatic

Während ich das schreibe läuft Deutschland gegen Holland … deswegen .. Fortsetzung folgt.

NEIN. DOCH HIER.

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Hans Riegel und Peter Sagan

Sagan - Is there anything he can

Peter Sagan, Tour de Suisse. Drei von vier Etappen gewonnen, ähnlich wie vorher bei der Tour of California. Wow.
Die Kombination von Haribo und ihm – göttlich.

 

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Noch mehr Bilder aus Berlin

Es gibt nur ein Berlin. Das aber jedes Jahr.

Es wird wohl noch eine Weile dauern, bevor ich dazu komme etwas über den Velothon 2012 in Berlin zu schreiben. Am Mittwoch und Donnerstag bin ich allerdings auf einem Wissenschaftssymposium; da wird es mit Sicherheit die eine oder andere sehr langweilige Sequenz geben, bei der ich mich sehr schön mit Erinnerungen an Berlin ablenken möchte.

Hier erst einmal ein paar neue Bilder aus Berlin, leider ohne Hipstamatic.

Karboloading am Vorabend unter wissenschaftlichen kontrollierten Bedingungen. Merke: Karboloading ist besser als Suppenkarboloading. Nach dem Karboloading: Soccerloading: „Ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen die Deutschen“ – Gary Lineker

Am Start treffen wir Hendrik. Wie sind uns noch nie im Leben begegnet. Wir schauen nur unsere Räder an, stellen jeweils füreinander  fest, dass wir vermutlich die einzigen Singlespeed/Fixie Fahrer im ganzen Feld von 15.000 Fahrern sind und schütteln uns spontan die Hände. Bitte melden, Hendrik!

Der Berlin-Pforzheim-Bremen Express auf der Autostraße zurück in die große Stadt. Typisches farbliches Muster, gelg-weiß gefolgt von der östereichischen Flagge. An den Trikots müssen wir noch optimieren für das nächste Jahr, wir brauchen etwas wesentlich auffälligeres und einen guten Teamnamen. Der beste Teamname 2012: Team Himmelspforte, allerdings auf die Hose hinten geschrieben – gewagt!

Tempelhof war dieses Jahr nicht so gruselig windig wie im letzten. So konten wir auffächern und eine Reihe schöner Photos von hinten und von vorne machen. Die Jungs fuhren aber fast 40 km/h so dass ich mit der Kamera in der Hand kaum nachkam. Nächstes Jahr führt die Strecke ja wohl über Tempelhof und Tegel, eventuell sogar Schönefeld habe ich gehört.

Fabian holt den Hammer auf den letzten 400m raus. Die Fahrer, die jetzt noch vor ihm sind kommen gefühlte Stunden später ins Ziel. Die Siegesgöttin wird rot-gold vor Scham.

Uns so sehen Sieger aus:

Ich stelle bei diesem Photo einen gewissen Mangel an Frauen fest, weiß aber nun, wie ich nach Wedding komme.

Später mehr.

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Berlin Velothon: Flughafen Tempelhof

alles weitere morgen.

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Blog Pause / 準備中

Heute geht es nach Berlin zum Velothon und daher wird es vermutlich bis zu meiner Rückkehr nach Bremen am Sonntag Abend keine neuen Posts mehr geben. Na gut, vielleicht ein paar Photos vom vorbereitenden Training am Samstag. Oder guten Essen und netten Frauen. Oder süßen Kindern. Wahrscheinlich aber eine Kombination von allem diesen.

Bis dahin Bilder von Frauen aus den Sechzigern /Siebzigern, die man irgendwie mit dem Thema Rad in Verbindung bringen konnte. Via everyday i show.

Ich weiß, am Ende wird es etwas sehr dünn mit dem Bezug zum Thema Rad. Die Fotos sind aber zu gut und die Frauen zu hübsch als dass ich sie hätte weglassen können.

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Noch schneller durch Haushaltskeramik

Picture of External road bottom bracket, Red

269 Euro. Damit wird man natürlich um einiges schnellerPicture of Titanium pulley wheel for Campagnolo 11s - COATED 489 Euro? Ab in den Warenkorb. Ach, ich nehm gleich den Koffer, dann wird es um einiges billiger. Un so nen kleinen Koffer kann man immer gut bebrauchen.

via Ceramic  Speed

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Multitool im Lenker

Hübsch und an sich total sinnfrei. 

Ich kann mir nicht vorstellen, daß dies ein Produkt wird, mag aber die Logik der Idee irgendwie …  und irgendwie nicht.  Wie fixiere ich hier das Lenkerband am Ende, dafür brauche ich doch gerade einen Stopfen?

Lustig fände ich aber die Idee ein Nunchuck dort zu verstecken – man weiß nie auf den Straßen Bremens!

via ideacious

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Fixed Gear Girl Taiwan: Traumhochzeit (ohne Linda de Mol)

Meine Frau und ich haben im Winter 1992 geheiratet. Ich besaß damals ein Panasonic Rennrad und meine Frau hatte ein  Panasonic MTB, daß ich ihr noch vor unserer Hochzeit geschenkt hatte.

Wir sind ab und zu zusammen Rad gefahren. Einmal, etwa 200m bevor meine Frau etwas in den Augen hatte und nicht mehr weiterfahren konnte. Einmal hatte sie das viel zu große Rennrad eines Freundes, konnte mit den Füßen nicht auf den Boden und ist voll in ein Garagentor gefahren (ich hatte ihr vorher großspurig versprochen, daß ich stoppen und sie auffangen würde, wenn sie bremsen möchte). Einmal auf dem Deich mit ihren Elektrorad. Das machte Spaß solange die Batterie Saft hatte, dann deutlich weniger.

Ich denke ich habe es ordentlich versaut ihr Lust auf radfahren zu machen, aber ich war halt jung, verliebt und hatte keine Ahnung was Ehefrauen brauchen.

Gäste:

Geschenke:

Honeymoon:

via Fixed Gear Girl Taiwan

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Hello Fixie

Das wird ein Schock sein, aber ich muß gestehen, ich bin ein großer Fan von Hello Kitty.

Ich war sogar mehrmals im Sanrio Playland, einem Vergnügungspark in Tokyo, der fast zur Gänze Hello Kitty gewidmet ist: Hello Kittys Haus, Hello Kittys Tempel, Hello Kitty Restaurant, Hello Kitty Revue, Hello Kitty Geisterbahn usw.

Einfach großartig, besonders die Revue und währendKinder mit großen Augen aufd ie Bühn starren und rechts und links müde Väter die Augen schließen und anfangen zu pennen bin ich fasziniert und erfreue mich am Anblick.

Ja, Hello Kitty ist schon großartig und für alle die Hello Kitty nicht mögen gibt es ja immerhin Hello Kitty Hell. Dort gibt es einige eher außergewöhnliche Hello Kitty Produkte zu sehen.

Nun denn, so war meine Freunde auch groß beim heutigen Blog entry von Fixed Gear Girl Taiwan, meinem Lieblingsblog derzeit.

Also ganz ehrlich, was ist das eigentlich? Keine Ahnung. Aber mit dem Hello Kitty Logo kann es ja nichts schlechtes sein.

Sonst hier:

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Der längste Anstieg

..den ich je gemacht gabe, an einem Stück, ist der Weg rauf aus den Odarumi Pass. Man kann von Tokyo mit dem rad zum Startpunkt fahren, dasß habe ich einmal gemacht im Sommer mit dem Ergebnis, daß ich gleich nach hause gefahren bin. Und zwar ohen den letzten Pass (Yanagizawa) zu überqueren.

Man fährt also besser mit dem Zug nach Koshu etwa auf Höhe von 500m und dann geht es fast 2.000m rauf auf den Berg mehr oder minder an einem Stück ohne Pause. Ich brauchte dafür mal mehr als 2 1/2 Stunden, sind etwa 30 km.

Das ist schon sehr extrem aber machbar. Man muß übrigens dann wieder auf der gelichen Seite runterfahren, da die andere Seite nur eine Schotterpiste ist, was das ganze natürlich recht sinnfrei macht.

Und jetzt das:

Dieses Monster sahen 1861 Französische Seeleute, als sie nach Kolumbien kamen. Na gut, eigentlich nicht dieses Monster sondern dieses hier:

Schon besser, realistischer. Das ist der Anstieg zum Alto de Letras, 50 bis 52 Meilen lang und 3.195 m Höhenunterschied.

3.195 m

Wow.

Hier kann man die ganze Wucht dieses Anstieges im Vergleich zu andren bekannten Bergern erkennen:

Unglaublich guter Post von Klaus auf englisch  auf seinem Blog: Cycling Inquisition

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