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Laufrad. Bauen.

In den letzten sechs Jahren habe ich ungefähr 50 Laufräder gebaut -manche waren dabei sehr gutmütig, andere etwas zickiger. Diese Woche erwischt ich eins, das mich so richtig frustrierte bei dem Versuch es gut zu machen. Selber schuld.

Laufräder aufbauen kann ich gut – in Gegensatz zu Lenkerband wickeln. Ich habe Geduld, Zeit, ein Glas Rotwein auf dem Tisch und nach Möglichkeit sind die Frauen außer Haus. Es läuft zunächst gute Laufradbaumusik a la Sade oder Redskins oder Dexys Midnight Runnern bis es an das Zentrieren geht.

Ich muss allerdings zugeben, dass meine Laufradbauerfahrungen sehr seicht sind. Ich habe zwar viele Laufräder gebaut, aber immer die gleichen: Meistens Aerofelgen (H plus Son Archetype, Campa V Omega, Araya SA-730, Rigida DP18), immer Alu, immer dreifach oder zweifach gekreuzt, fast immer für Drahtreifen/Faltreifen. Ich benutze gerne leichte Speichen wie DT Swiss Revolution oder SAPIM Laser, fast immer Messingunterlegscheiben am Nabenflansch und immer Messingnippel. Alunippeln traue ich nicht über den Weg.

Was ich mit dem neuen De Rosa Giro d´Italia Rahmen ( den BB aus dem RRB Forum nun hoffentlich bald liefert)

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genau will weiß ich noch nicht. Mir schwebt irgendetwas mit einem Einkaufskorb vor, denn ich brauche weder ein weiteres Rennrad (ein Canyon, ein Basso und ein No 3Rensho stehen in der Garage), noch ein weiteres Fixie (Union Sapporo und ein Basso stehen in der Garage, ein Nagasawa hängt im Wohnzimmer an der Wand), einen Crosser kann man daraus nicht bauen und ein Faltrad? Nun, das will ich nicht versuchen.

Egal was es wird, an das Rad gehören silbrige Komponenten. Für eine Bekannte hatte ein Centurion Rennrad verkauft, von dem hatte ich noch ein paar Wolber Super Champion Gentleman GTA Felgen die ich mit viel Aufwand und noch mehr Autosol aufpoliert hatte. Timpalin aus dem RRN Forum trat mir netterweise ein Paar hübsche Mavic 501 Naben ab, für die der Rest der Tube Autosol draufging. Damit wollte ich dann die Laufräder für das De Rosa bauen.

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Das ist eine sehr hübsche Kombination. Mir gefällt die Form der Mavic Naben sehr gut, weil sie der Funktion der Nabe folgt: Außen, wo die Lager sitzen dicker, zur Mitte hin, wo weniger Spannung auf dem Material ist, dünner. Sonst lasse ich die Finger von Mavic, ich hatte an meinem Cannondale 2000 serienmässig eine Laufradsatz von denen – das war gar nichts. Der Rest, so z.B. die Open Pro Felge ist überteuert und sieht nicht wirklich gut aus (technisch ist das allerdings astrein). Die Reifen sind Mist.  Da kann ich gleich Sand in den Schlauch füllen, losfahren und hoffen das alles gut geht.

Auch sehr schmale, geöste Alufelgen wie die Wolber gefallen mir gut. Es gibt sehr viele grau oder dunkeleloxierte Felgen. Und dann gibt es schwarze Felgen. Letzteres ist OK und passt irgendwie immer, aber bei einem De Rosa muss der rote Rahmen und der Chrom zur Geltung kommen, da dürfen die Räder nicht durch massive Felgenhöhe ablenken.

Der Bau des Vorderrads fing schon nicht gut an. Ich hatte beim Speichenrechner Flanschabstand und Flanschdurchmessereingabe vertauscht und mir viel zu lange Speichen bestellt. das sah ich sofort, als ich mit dem einspeichen anfing, aber man denkt ja dann immer: „Einfach ignorieren, irgendwie geht das schon.“ Ging aber nicht. Wer also 36 Speichen SAPIM Laser 302 mm lang haben möchte möge sich melden. Ok, also dann mit dem Hinterrad anfangen.

Ich bin ein Freund hoher Speichenspannung. Der Laufradpabst, Gerd Schraner schreibt dazu in seinre Bibel „Zen und die Kunst ein Laufrad zu bauen“: „Ursache eines Speichenbruchs ist immer nur die Unruhe des Speichengerüsts im Laufrad. …1. Spiel zwischen Speiche und Nabe, 2. Zu schwache Speichenvorspannung.“ Diesen Hinweis habe ich mir zu Herzen genommen und verwende deswegen erstens konsequent Messingunterlegscheiben am Flansch um das Spiel zu reduzieren, und zweitens spanne ich auf etwa 120 kgf  (also ca. 1200 N) ein und kontrolliere die Speichenspannung mit dem Park Tool TM-1. Das ist sogar noch etwas mehr, als Schraner empfiehlt (900-950N vorne, 1050N hinten rechts, bei hohen V Profilen bis auf 1.200N). Bislang kam ich damit auch sehr gut klar, denn ich verwendete ja auch immer mehr oder minder hohe V Profile.

Die SAPIM Laser Speichen sind im Mittelteil sehr dünn (1,5mm) und ich vergaß beim zentrieren, dass dünnere Speichen eine niedrigere Ablesung auf dem TM-1 haben bei gleicher Speichenspannung wie dickere Speichen. Will sagen, eine DT Swiss Alpine Speiche mit 2,0 mm Durchmesser hat bei einer Ablesung von „20“ auf dem Park Tool eine Speichenspannung von 700N, eine DT Swiss Competition mit 1,8mm Durchmesser eine Spannung von 1.100N, eine DT Swiss Revolution (1,6 mm) 1.280N und eine Laser dann 1480N. Ich spannte also angestrengt die Speichen auf der Antriebseite auf 20 hoch, damit die Felge auch mittig liegt und bügelte die ersten gröberen Seitenschläge aus. Dann nahm ich das Rad aus dem Zentrieständer und drückte es mit viel Kraft, wie gewohnt, auf dem Boden ab. Das war, nachdem ich viel zu viel Spannung aufgebracht hatte, die zweite schlechte Idee, denn beim abdrücken auf die eine Seite schlug die Felge komplett um. Das gab ein leichtes Ei, also fing ich noch einmal von vorne an und entspannte das Laufrad.

Aber auch beim zweiten zentrieren musste ich mehr als 1.000N Spannung auf die Speichen der Antriebsseite geben, damit sich de Felge etwa mittig einfand. Und die Speichen auf der Nicht-Antriebseite hatte so gut wie gar keine Spannung. Dann vorsichtig abgedrückt. Aber nicht vorsichtig genug, die Felge schlug wieder um und diesmal blieb ein richtig fetter Schlag zurück. Die Felge selber ist am Felgenstoß auch nicht verschweisst sondern mit Stahlstiften der einem Profil verpresst. Und der Felgenstoß hatte sich richtig git verzogen.

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Mit anderen Worten, die Felge war hinüber. Was für eine Verschwendung von Autosol und Muskelkraft.

Ach so, ja, hat jemand noch so eine Felge rumliegen? Es tut’s auch jede andere silbrige Felge mit etwa dem gleichen ERD und 36 Löchern – und Drahtreifen bitte. 

Ein paar Tage später kamen dann die Speichen für das Vorderrad. Ich halt mich diesmal beim zentrieren in Punkto Spannung sehr zurück, so etwa bei 950N, als wie es der Papst so sagt. Das klappte dann auf Anhieb auch sehr gut, aber ich muss auch schreiben, dass ich mich beim Abdrücken wirklich sehr vorsichtig verhielt. Ich wollte nicht noch eine Felge mit meiner Doofheit einen sehr schlechten Tag bereiten. Das Ergebnis sieht wie gewünscht gut aus, ist lau vorgespannt und ans ich fertig zum probefahren.

Die Frage, die gerade meinen Kopf quält ist, wenn sich das Laufrad schon beim Abdrücken so wenig stabil verhält, wie viel Stabilität hat es dann beim fahren, vor allem in den Kurven oder im Wiegetritt. Ich bin ja nicht gerade ein Leichtgewicht und ich mache mir doch etwas Sorgen, dass sich das Laufrad in einer Kurve ähnlich wie beim abdrücken verhält: Die Felge schlägt um – und ich auf die Fresse. Irgendwelche Sachdienlichen Hinweise?

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Radventskranz

Radventskranz Wolber Deore

Wolber GTX2 Felge, 36L mit Shimano Deore LX Nabe, alles aus den Neunzigern. Gewicht ca. 5,7 kg inklusive 24 dezidiert ausgesuchten Geschenken von Tochter, Sohn und Mann für meine Frau. Die braucht jetzt allerdings eine Leiter, um sich diese in den nächsten Tagen abzuholen.

Fröhliche Weihnachten allerseits!

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Bottecchia Sprinter 1991

Ein Bottecchia in voller Neonblüte im Garten

Ein Bottecchia in voller Neonblüte im Garten

Vor ein paar Wochen habe ich auf Ebay relativ günstig diesen Neo-, oder besser Neonklassiker von Bottecchia erstanden. Das Wort „relativ günstig“ darf auf diesem Blog und in diesem Zusammenhang nur gebraucht werden, wenn es sich um einen zweistelligen Eurobetrag handelt. Ich mag solche Projekte, also Räder für wenig Geld kaufen und dann für wenig Geld in Schuß bringen. Man darf nicht durchdrehen und Veloflex Reifen in Frankreich bestellen weil sie farblich so schön passen, oder die vorhandenen Dura Ace Teile verbauen. Es ist eine Übung in Geduld, nämlich mit wenig Geld etwas schönes zu bauen. Nur … was mache ich jetzt aus dieser Kiste. Neu lackieren?

Zu den Details: Ein Bottecchia Modell Sprinter, nach Shimano Produktionscode von 1991, relativ gut erhalten. Ich vermute einmal, dass dies ein Einstiegsmodell von Bottecchia war und noch mit den Orginalkomponenten ausgestattet ist. Dsa sieht man ja auch schon an dem Lenkerband, das farblich genau auf den Rahmen abgestimmt ist.

Neonlenkerband mit graduellem Übergang von Lila zu Gelb.

Neonlenkerband mit graduellem Übergang von Lila zu Gelb.

Die meisten Komponenten an dem Rad sind von der Shimano 105 Gruppe, genauer gesagt Shimano 105SC. So also die Naben vorne und hinten, sowie die Bremsen und die Kurbel. Die 105SC ist eine sehr vernünftige Gruppe: Sieht OK aus, funktioniert gut und ist noch günstig zu haben.
Die Bremsgriffe sind allerdings von Modolo, Modell America? und die komplette Schaltgruppe ist von Suntour, Blaze, 2 x 7-fach.

 

 Na ja, SunTour. Einerseits haben die wirklich ein paar sehr schön anzusehende Teile gebaut, wie z.B. das Cyclone  Mk II Schaltwerk von 1981, dass sich noch in einem meiner Schatzkästchen befindet und darauf wartet verbaut zu werden. Andererseits gibt es aber auch eine Menge mittelmässigen und schlecht kreierten Schund von dieser Firma. Und dann der Name … also wirklich. Schön übrigens, wie der Swichennippel als Endkappe am Schaltungsseil hier verbaut wurde. Stilvoller wäre natürlich ein gelb eloxierter Speichennippel.

Soweit zu den Hauptkomponenten. Also, ich finde jedenfalls dass dies die Komponenten sind, die einem Rad ihren Charakter verleihen. Dann gibt es noch die Nebenkomponenten, in diesem Fall ein Lenker von „Cosmos“, einer Marke von der ich noch nie gehört habe, ein Miche Steuersatz, ein noch unbekanntes Tretlager, ein unbekannter Vorbau, eine Selcof Sattelstütze und, als Highlights gut erhaltene Wolber GTX 2 Felgen:

Wolber GTX 2 Drahtreifenfelgen

Wolber GTX 2 Drahtreifenfelgen

Fast schon zu gut für diesesRad, also vielleicht werden diese dann woanders verbaut? Ich habe da gerade so eine Baustelle an einem Kotter…..

Und ein weiteres Highlight, recht interessante Riemenpedalen von Maillard, Typ Atom CXC.

Die häßlichen Reflektoren müssen natürlich ab …. viel zu schwer, da geht ja die Leistung in den Keller. Na ja, und ich und Maillard – die habe ich alle recht schnell kaputt bekommen, also besser nicht zuviel mit diesen Dingern fahren.

Was ich aber am meisten überhaupt an Bottecchia mag ist der Headbadge am Steuerkopf. Wow, dieses neo-klassizisische Italo-Fascho Design Logo aus den Dreissigern ….

 

 Fast so schön wie das Chesini Logo. Oder das runde M von Moser.

Alos, was nun aus dem ganzen machen für wenig Geld. Ach so, der Rahmen ist mir übrigens zu klein, für mich selber wird das nichts.

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