Kona Brand Count. Gegen die Vernunft.

K-AG-16

Lava Magazine, eine Zeitschrift nicht für Geologen, sondern für den ernsthaften Triathleten, zählte beim Ironman in Hawaii vor ein paar Wochen mal wieder, welche Räder, Laufräder, Gruppen, Helme etc. die Teilnehmer dort benutzen. Das Ergebnis: Warum wollen wir eigentlich keine individuellen Räder?

Eine ausführliche Analyse der verwendeten Produkte für das Jahr 2016 kann man hier auf cyclyng nachlesen. Nun gibt es Daten für fünf Jahre (2013 – 2017) und so die Gelegenheit über diesen Zeitraum zu schauen, welche Marken sich besonders entwickelt haben. Oder verschwunden sind.

Bildergebnis für cervelo tri bike

Welche Räder waren die Ironman Teilnehmer?

Jedes Jahr dieselben Marken. Mehr als 50% alles Teilnehmer fahren Cervelo, Trek, Specialized und Felt; wobei Cervelo alleine jedes Jahr etwa ein Viertel aller Räder stellt und unangefochten an der Spitze steht. Weitere sieben Marken kommen dann für mehr als 30% aller weiteren Räder auf: Argon18, Canyon, BMC, Scott, Giant, Qintana Roo; Ceepo und Cannondale. Auch dies hat sich in den letzten Jahren nicht verändert.

Ausnahme: Canyon, die sich erst 2017 in der Spitze etabliert haben. Da erst im Herbst diesen Jahres Canyon auf dem US Markt aktiv geworden ist, ist damit zu rechnen, dass sich das Unternehmen innerhalb der nächsten fünf Jahre fest in der Spitze etablieren wird.

Insgesamt waren 2017 Räder von 106 Marken präsent. Das bedeutet, 12 Marken kommen für 80% alle Räder auf, die restlichen 94 Marken für 20%. Ich denke für diese Marken macht es größtenteils keinen Sinn Triathlonräder zu entwickeln, zu produzieren und (versuchen) zu verkaufen, denn die Stückzahlen sind so gering, dass da nie genug Geld zurückkommen wird um das ganze zu finanzieren. Diesen Trend kann man auch über die Jahre gut in Kona nachverfolgen, denn der Anteil der 12 beliebtesten Hersteller wird Jahr für Jahr größer.

Welche Laufräder rollen in Kona?

Bildergebnis für zipp tri wheels

Bei den Laufräder sieht das Bild etwas anders aus, als bei den Rädern, aber es gibt eine unumstrittene Nummer Eins seit 2013: Zipp. Deren Anteil ist allerdings von 51% auf 39% gesunken. Hinter Zipp hat sich ENVE mit 7% Anteil plaziert; ENVE ist es gelungen über die Jahre kontinuierlich beliebter zu werden und hat in der Folge HED, Shimano, Reynolds, Mavic und Bontrager überholt.

Insgesamt sind etwas mehr als die Hälfte aller Laufräder von Zipp, ENVE oder HED und dies hat sich über die Jahre auch nicht groß geändert. Es gibt im Vergleich zu den Rädern eine deutlich größere Vielfalt an Marken und die Dominanz der Großen ist nicht so stark ausgeprägt. Und es gibt deutliche Markentrends: Zu den Aufsteigern gehören ENVE, Roval, FLO und Profile Design, während Xentis deutlich verloren hat.

Bildergebnis für campagnolo  triathlon group

Und bei den Komponentengruppen?

Tja, wär hätte das gedacht? Seit Jahren sind in Kona mehr als 80% aller Räder mit Shimano Gruppen ausgestattet, der Rest mit SRAM. Campagnolo und Vision spielen eine minimale Rolle und noch kein Triathlon scheint auf die Idee gekommen zu sein mit FSA, Rotor oder Microshift anzutreten. Der SRAM Anteil ging in den letzten Jahren zunächst runter und hat sich 2017 etwas erholt, was vermutlich auf die eTap zurückzuführen ist.

Fazit

Es ist schön, dass es so viele Marken auf dem Markt gibt, von dem wir unsere Räder, Laufräder, Gruppen und Komponenten zum Radfahren kaufen können, die meisten tun dies aber nur von sehr wenigen Marken, und zwar pro Segment maximal sieben. Auf der Lava Seite, sind die Zählungen auch für andere Produktgruppen verfügbar, das Bild ist da sehr ähnlich:

  • Helme: Rudy Project und Giro
  • Sättel: ISM
  • Aerobars: Profile Design und 3T
  • Pedale: Shimano, Look und Speedplay
  • Powermeter: Quarq und Garmin

Wie überleben diese ganzen kleineren Hersteller, die quasi nicht präsent sind? Ich vermute einmal dass die Situation im Rennradbereich, wenn auch nicht so extrem, aber doch ähnlich ist. Bei den Gruppen bestimmt Shimano klar den Markt und bei den Rennrädern selber gibt es vielleicht in Deutschland 15 Marken, die 80% der Neuverkäufe unter sich ausmachen. Man könnte meinen, dass sich Menschen etwas kaufen möchten, was kein anderer hat. Vielleicht wird das auch ernsthaft überlegt; das Ergebnis ist dann aber in der Regel, dass wir uns bei Canyon oder Rose ein schwarzes Rennrad mit Shimano Ultegra Schaltung bestellen. Ich denke, so etwas heißt „Vernunft“.

Bildergebnis für canyon rennrad schwarz

 

 

 

 

 

2 Kommentare

Eingeordnet unter 2017, Bike Buisness, Mob

2 Antworten zu “Kona Brand Count. Gegen die Vernunft.

  1. Ja, so ist es leider. Ich denke bei vielen zählt zunächst der Gedanke, dass gekauft wird, was viel verkauft wird. Muss ja gut sein, wenn es weit verbreitet ist. Ist es sicher auch. Und Ersatzteile gibt es auch an jeder Ecke. Vielleicht für den Ironman weniger wichtig, aber für den Hobbyradler schon. Und natürlich ist auch der Preis für ein Komplettbike sehr interessant.

    Schön, wenn man es sich leisten kann, etwas fürs Auge und Herz zusammenzustellen und nicht auf Katalogbikes zurückgreifen muss. 🙂

    • Ich glaube, wenn man viel fährt, dann ist immer wieder die Motivation da noch etwa an dem Rad zu ändern und etwas neues auszuprobieren, damit es noch besser wird. Und so verändert sich ein Rad über die Jahre und wird individueller. Das muss nicht unbedingt im Moment des Kaufes individualisiert werden. Bis auf den Rahmen – da muss die Kaufentscheidung schon richtig sein. Deswegen finde ich es ja so enttäuschend, dass so viele Menschen ein schwarzes Rad fahren wollen. Da geht man quasi der Entscheidung über Individualität aus dem Weg.

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