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Münsterland Giro 2014

2012 war der Münsterlandgiro eine stressige, nasse und gruselige Erfahrung. Heute war es ganz anders: Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen Pro- und Jedermannrennen: Prorennen enden mit einem Sprint, Jedermannrennen beginnen damit.

Der Wetterbericht war hervorragend – bis zu 23 Grad. Trotzdem wäre es natürlich noch besser, das Rennen am Tag der deutschen Einheit durchzuführen, und zwar dem Tag vor der Einheit: dem 17. Juni. Einerseits. Andererseits ist Münster ein guter und würdiger Abschluss für die Radsaison, das Rennen ist lang, hat ein paar Höhenmeter je nach Kurs und zum Abschluß sollte man so gut trainiert sein, dass es sehr schnell wird.

Auch dieses Jahr ging es erst einmal mit Ärger los: Waren es 2012 noch ein Selbstmord, der den Bahnverkehr für fast zwei Stunden still legte, Jörgs platzende Reifen und Regen, so machte mir dieses Jahr der Car Sharing Service einen Strich durch die Rechnung bereits am Vortage anzureisen und in Greven zu übernachten. Stattdessen klingelte der Wecker um Viertel vor Sechs und ich machte mich auf nach Münster. Die Strassen waren frei, zunächst war es noch dunkel und dann zog Bodennebel auf aber man konnte schon erahnen, dass es ein wunderschöner Tag werden würde – bis zu dem Moment wo ich in mein Marzipancroissant biss und feststellte, dass mir der Tankwart eins mit Nutella verkauft hatte. Das Leben zeigte sich von seiner Schokoladenseite.

Nach 1 1/2 Stunden Fahrt war ich in Münster und machte mich zur Startnummernausgabe. Hier ist lobend zu erwähnen, dass man dort zunächst wirklich nur die wichtigen Dinge bekommt (Transpoder, Nummer, Kabelbinder, Sicherheitsnadeln) und sich die ganzen unwichtigen Dinge woanders und freiwillig abholen muss. Ich empfinde es als störend Skigutscheine für Südtirol, Plazenta Hautcremepröbchen für Radfahrer und unförmige Wasserflaschen mit mir rumschleppen zu müssen wenn ich eigentlich nur radfahren will.

Noch ein wenig rauf und runter die Strasse um wach und warm zu werden und dann reihte ich mich in den Startblock B ein. Der A Block war gut gefüllt, die Verteilung findet in der Regel nach eigener Geschwindigkeitsangabe statt: Gibt man Licht- oder Schallgeschwindigkeit oder irgendetwas jenseits der Sechzig Stundenkilometer an landet man im Block an, alles über 30 in Block B und alles darunter wird wahllos auf Block C und D verteilt, auch Angaben von 38Grad Celsius oder „To infinity and beyond“ werden prinzipiell in Block A plaziert.

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Der B Block. Wer da noch Ärmlinge an hatte sollte dies später bereuen.

Ich hatte 36 km/h angegeben (letztendlich sollten es 38.8 werden) zog die Windjacke aus und machte mich warm. Im Gegensatz zur Bremen Challenge, einer der größten Zwangsunterhaltungsshows diesen Jahres, wo mehrere hundert Starter über eine Stunde unterhalten wurden, ging es hier planmäßig um 9 Uhr mit dem Start von Block A los, eine Minute später dann auch mit Block B. Da ich relativ weit hinten im Block stand, machte ich mich auf den Weg nach vorne und nutzte jede Möglichkeit zum überholen aus. Weil die Umgebung aber quasi genauso schnell in Bewegung ist wie einer selber, bekommt man das irgendwie nicht so mit; man denkt man daddelt mit 30 km/h durch die Gegend und schaut auf den Tacho und liest 44 km/h. Der Drang nach vorne klappte heute sehr gut. Nach ca. 20 Minuten des Hechels war ich ganz vorne mit dabei, es sei denn es gab noch eine schnellere B Truppe die sich vorne abgesetzt hatte. Da das ja ein Renne und keine Trainingsausfahrt mit Freunden ist, vermied ich es aber tunlichst mich in den Wind zu stellen.

Nach 18 km kam die erste Steigung. Die war nicht zu lang und es gelang mir in der Gruppe zu bleiben. So Gruppen sind ja riesige Maschinen, die Ausschuss produzieren der hinten rausfällt. Nach 22 km kam der erste „richtige“ Berg mit 100m Höhendifferenz und hier trennte sich das Pils vom Weizen. Dummerweise war ich bei den Pilsen dabei, aber auch nicht so richtig, ich war eher ein weiziges Pils, denn aus der Gruppe fiel ich nicht heraus, aber in der erste war ich nun auch nicht mehr dabei. Bis auf zwei, drei andere war ich alleine auf der Strasse und ich lies es ruhiger angehen, um mich von der nächsten großen Gruppe einholen zu lassen. Schliesslich hatten wir etwa 10 Fahrer zusammen und versuchten auf die Gruppe vor uns aufzuschliessen, was aber mißlang. Da waren halt auch ein paar dabei die von hinten nach vorne sprinteten Führungsarbeit machten und denen dann das Licht aus ging. Ich beteiligte mich an der Arbeit, aber es nutze alles nichts. Die Gruppe war auch zu klein um richtiges Tempo zu machen. Nach etwa 50 km, kurz vor Coesfeld, wurden wir von dem B Hauptfeld wieder eingeholt. Das war un eine sehr große Gruppe mit mehr als hundert Fahrern und die sollte auch bis zu den Schöppinger Bergen bei km 115 so zusammenbleiben. Ab und an holten wir ein paar A Fahrer ein, denen entweder Licht oder Schall ausgegangen war aber sonst passierte nicht viel. Das Tempo war immer noch fix, jetzt im flachen wieder jenseits der 40, taktisch lief es hervorragend und es gab zum Glück keine Anfänger und Selbstmörder im Feld bislang. Dann schlug mir jemand auf den Hintern. Mädels mögen so etwas ja nicht aus dem Hinterhalt, ich schon, vor allem bei Tempo 40. Marcus war auch im B Block gestartet, ich hatte ihn am Start aber gar nicht gesehen und hatte uns mit der Haupttruppe eingeholt.

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Marcus – kurz nach dem einholen

Es begann ein Abschnitt der sehr flach war und das Tempo ging etwas runter. Wie auf Kommando packten Hände an Trinkflaschen und Riegel wurden aus Trikottaschen gezogen. Nachdem ich das erledigt hatte holte ich meine Kamera raus und machte ein paar Fotos vom Feld. Dabei musste ich daran denken, dass ich am Montag bei der Ausfahrt, einer ursprünglich als lockere Ausfahrt nach der Arbeit geplanten kurzen Runde, absolut und überhaupt keine Zeit hatte Fotos zu machen. Wenn ich nur daran gedacht hätte, die Kamera aus der Tasche zu holen, hätte mich dieser Moment der Unkonzentriertheit bereits hoffnungslos hinter die Gruppe zurückfallen lassen. Das war also wesentlich härter als der Giro hier.

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Vor mir,

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…hinter mir,

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… mit mir.

Hart an diesem Giro waren vor allem die Ortsdurchfahrten. Die Organisatoren geben sich große Mühe die Gefahrenstellen zu kennzeichnen und abzuschranken, aber das fahren durch die Stadt ist trotzdem gefährlich und es ist ja nicht so als wenn das unbedingt nötig wäre. Die Begeisterung der lokalen Bevölkerung hält sich doch stark in Grenzen. Zwar ist ab und Kirmes und Männer von Schützenvereinen ziehen durch die Strassen – aber können die das denn nicht auch am 17. Juni machen?

Trotzdem merkte ich aber auch, dass es langsam anstrengender wurde. Meine Taktik ist im allgemeinen recht unkonzentriert in der Gruppe zu fahren; dadurch tun sich vor mir schon mal Lücken auf und andere Fahrer schieben sich dort rein. Dadurch falle ich nach hinten. Hinten fahren ist aber nicht gut, denn erstens ist das Risiko des baghängt zu werden groß und zweitens ist das wie in einem Stau, hinten fährt man hektischer wennn dich die Geschwindigkeit vorne verändert. das ist also anstrengender.  Und dann, wenn ich meine ich bin weit genug zurückgefallen, spurte ich an der Seite wieder nach vorne. So langsam merkte ich, dass die Spurts mir schwerer fallen. Ich wollte mich auch nicht komplett verausgaben, die ja wusste, dass noch die Schöppinger Berge kommen. Und da waren die dann auch nach 112 km. Sofort zerfiel die Gruppe in die ihre Einzelteile. Ganz vorne konnte ich nicht mithalten, aber irgendwie gelang es mir doch relativ weit vorne zu bleiben. Ich vermute einmal, dass es Marcus da erwischt hat, und dass er hinten raus fiel. Ich dachte zunächst, dass sich nun vorne eine größere Gruppe abgesetzt hätte, aber zum Glück konnten wir die wieder einholen. Insgesamt war die Gruppe aber deutlich kleiner geworden.

Da wir jetzt näher ans Ziel kamen, wurde die Truppe auch hektischer. Es gab fast zwei, drei Stürze vor mir. Und obwohl wie auf einer relativ breiten Strasse unterwegs waren, zog es immer mehr Fahrer nach links so dass es schwieriger wurde nach vorne zu kommen. Ich blieb so in der Mitte und etwa 10 km vor dem Ziel versuchte ich mich nach vorne zu arbeiten, was aber sehr schwierig war. Jedenfalls hatte ich noch genug Power für einen Schlusssprint und das wollte ich nutzen. In Münster sind die Strassen dann relativ eng. Erstaunlich, denn im Zielbereich ist dies ja auch der Kurs der Profis, das häte ich mir durchaus breiter vorgestellt. Ein letzter Einsatz, Sprint und dann war es vorbei. So ganz unfroh war ich nicht, dass die Arbeit des Tages nun geleistet war (so dachte ich jedenfalls).

Zuhause vergleich ich dann die Zeit mit 2012. Damals 3:45 h, diesmal 3:41, kam mir ja doch schneller vor. Dann wurde mir auch klar warum, 2012 war die Strecke nur 129 km lang, diesmal 143. Das erhöhte dann den Zufriedenheitsgrad ungemein. 348ter von 672 Fahrern insgesamt, 56ter von 132 Fahrern in meiner Altersklasse. Alles sehr erfreuliche Ergebnisse.

Jetzt also erst einmal ein Weizen.

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Paulaner Himmel

Ich hatte mich mit Marcus hier zum trinken verabredet, aber der kam einfach nicht. Eine gute Gelegenheit ein paar Fotos zu machen, insbesondere von coolen Clubtrikots, Münster Schloßplatz ist da ja so etwas wie der Radlaufsteg der Welt

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Yep babe – it’s a mathai world … whatever

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Dazu fällt mir nur dies ein: https://www.youtube.com/watch?v=prwDgGYFTxc Am Haarschnitt muss aber noch gearbeitet werden.

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Fräulein Lenzen – habe ich bestimmt heute 20 Mal überholt und umgekehrt.

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Red Dot Design Award heute: Martin Schultewolte’s Sanitäres Racingteam und Rotz Racing – total unsanitär.

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Das Trikot sieht farblich so aus wie eine Stützstrumpfhose aus dem Altersheim, das Mädel aber konnte fahren. Hat mich bestimmt 20 Mal überholt. Und Umgekehrt.

So, dann kamen aber auch schon die Profis.

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Die Fahrt nach Hause dauerte dann geschlagene drei Stunden. Manchmal dachte ich, wenn ich jetzt mit dem Rad nach Hause gefahren wäre im Tempo des Giros hätte es auch nicht länger gedauert.

Insgesamt war es ein super Tag. Ich habe mir das mal auf Strava angeschaut. Jeder KOM und die darauf folgenden dreihundert besten Ergebnisse wurden heute gefahren, alles was vorher war quasi ausradiert. So , morgen noch ein bisschen fahren und dann werden die Beine erst mal hochgelegt.

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Panasonic Tourer. Preview.

Beschreibung folgt irgendwann einmal. Vorweg ein paar Fotos.

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Basso Fior di Loto. Karbonisierter Stahl.

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Von Frühjahr bis jetzt beschäftigte mich der Aufbau eines Fuchsienroten Basso Fior di Loto. Insbesondere der Radhändler meines Vertrauens stellte meine Geduld auf die Probe – 10 Wochen und dazu noch die schönsten im Sommer, musste ich warten bis das eingeklebte Vierkantinnenlager endlich draußen war . Jetzt ist es erst einmal fertig. Wenn so ein Rad je fertig werden sollte.

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Dieses Basso ist mein zweites. Das erste ist ein blaues, nicht identifizerbares Modell mit den gleichen Decals aus den Neunzigern, dass ich zu einem Fixie umgebaut habe. Das blaue Basso gefällt mir unheimlich gut, es ist unheimlich agil und will beschleunigt werden. Das Basso Fior di Loto hatte ich mir von „dem Basso“ Anfang des Jahres im Forum besorgte.  Meistens mag man ja Räder aus ganz komplizierten, aber letztendlich simplen Gründen. An dem Basso gefällt mir der Name (= Lotusblüte) und die in die Sattelstreben integrierte Sattelklemmschraube ganz besonders. Die Rahmennummer ist von 1990 (passt zum Katalogphoto, bis auf die verchromte Kettenstrebe), und Mitte Januar kam das Ding bei mir an. Dann wurde mir erst einmal bewusst, was ich mir da eigentlich geholt hatte, denn die Farbe des Rahmens ist zwar schön, aber auch sehr speziell und sehr schlecht mit anderen Farben, abgesehen von weiß und schwarz, kombinierbar. Und außerdem wusste ich nicht, ob es sich jetzt wirklich lohnt viel Geld in dieses Rad zu stecken, denn in der Garage stehen ja durchaus ein paar gleichwertige Alternativen (Moser, Canyon). Und dann war da noch der Plan mit dem Panasonic (kommt später) …..

Also machte ich erst einmal eine Probefahrt. Die überzeugte mich einigermassen, machte mich euphorisch und brachte mich auf die Idee das Rad mit einer 11-fach Campagnolo Gruppe auszurüsten. Also schaute ich mal bei den Versendern nach was so etwas kosten würde. Super Record? Record? Ne, zu teuer? Chorus? Auch zu teuer? Athena? Vielleicht. Centaur, Veloce? Sieht zu uncool aus. Irgendwie alles nicht so wie ich dachte oder zu teuer. Also 10-fach – das reicht für den Alltagsgebrauch in Bremen durchaus. Aber auf jeden Fall viel Campagnolo Carbon aus der Jahrtausendwende. Ob ich aufgrund dieser Idee irgendwie Geld im Vergleich zu einer 11-fach Grupp gespart habe wage ich aber im Nachhinein zu bezweifeln. Ich wusste es würde teuer werden und der Gedanke gefiel mir nicht.

Schaltung
Ich bestellte mir ein paar Centaur Ergohebel bei einem großen Versender in Koblenz über ebay. Irgendwie bekam ich dann eine Rechnung über Record Ergos, die ich reklamierte. Dann kam doch das Päckchen und siehe da, was als Centaur verkauft wurde, waren dann tatsächlich Record Ultra Ergos. Ich habe dann auf eine Reklamation verzichtet. Ich vermute einmal, die machen das absichtlich. Jedenfalls freute ich mich in dem Moment, auf der anderen Seite stieg jetzt mein Anspruch auf RECORD Höhe und das machte da Ganze noch teurer. Jetzt musste es natürlich ein Campa Record Titanium Schaltwerk sein mit Carbonkäfig. Umwerfer finde ich ja technisch doof, und daher bin ich da bereit Kompromisse zu machen. Ich möchte mal behaupten, dass man an Campa 10fach Ergos auch einen Shimano Golden Arrow Umwerfer dranbauen kann und das funktioniert dann auch irgendwie. Also reichte da auch mal Chorus.

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Antrieb
Auf alle Fälle ein Vierkant Innenlager, aussenliegende Lagerschalen finde ich für Stahlrahmen moralisch unpassend. Ja, wir haben alle unsere Spleens. Zum Glück war noch ein Shimano Dura Ace Lager im Rahmen eingebaut (dachte ich, also dass es mein Glück wäre). Am liebsten hätte ich die Record Carbon Kurbel mit Struktur gehabt aber die gibt es fast nicht zu kaufen, und wenn dann nur zu Preisen – dafür hätte ich locker noch einmal den Rahmen bekommen. Na ja, vielleicht werden Rahmen auch überschätzt, Hauptsache man kann Carbonstruktur sehen. Also dann doch die klassisch marmorierte Carbon Kurbel von Campa. Als sie dann endlich da ist, stelle ich fest, dass die Kettenblattkombination mit 48/39 etwas abenteuerlich ist. Zum Glück habe ich noch irgendwo ein 52Z Campa 10-fach Blatt zum Tausch. Übrigens, das ist zwar eine Fünf-Arm Kurbel, der fünfte Arm ist aber der Pedalarm, deshalb ist diese eine Kettenblattschraube auch etwas ungewöhnlich. Ich möchte gar nicht daran denken was es kosten könnte, wenn man die einmal verliert. Der Pin am Kettenblatt der ein runterrutschen in den Zwischenraum zwischen äußerem Kettenblatt und Kurbelarm verhindern sol ist da natürlich auch an der falschen Stelle, da er bei „normalen Kurbeln zwischen den Kettenblattschrauben und nicht über den Schrauben liegt.

Campagnolo Kurbeln haben eine ISO Vierkantaufnahme (weit)  – Shimano Dura Ace Innenlager einen JIS Vierkant (eng). Daher rutscht die Kurbel sehr weit nach Innen. Oft ist dann das Problem, dass man die mit den Kurbelschrauben nicht mehr richtig fixiert bekommt und sich die Kurbel bei Benutzung losdreht. Umgekehrt JIS Kurbeln auf ISO Innenlager) geht irgendwie, aber umgekehrt ist es tödlich. Zumal die Kurbel nun so weit nach innen gewandert war, dass der Umwerfer gar nicht richtig über dem innenliegenden Kettenblatt positioniert werden konnte. Also – Innenlager raus. Geht nicht. Radhändler braucht 10 Wochen da die rechte Schale eingeklebt ist. Chorus Innenlager mit 102mm Achse rein. Perfekt.

Das Ganze wird dann mit einer, und zwar der schönsten  Wippermann Connex Kette mit dem Hinterrad verbunden auf der Basis einer 11-25 Kassette.

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Bremsen
Bei aller Liebe zu Campa, ich mag deren Skeleton Bremsen nicht. Ob da wirklich eine gute Idee ist vorne Dual Pivot und hinten Single Pivot Bremsen zu verbauen – das wage ich bei der Gelegenheit auch mal zu bezweifeln. Die Bremswirkung der Campa Bremsen ist aber, vor allem die Dosierbarkeit  besser als bei den neueren Shimano Modellen, aber ich mag lieber ganze Teile die auch einfacher zu reinigen sind, als diese gerupften Dinger in denen sich der Bremsdreck festsetzt. Die einzigen Bremsen die nicht Skeleton sind, sind die Veloce und die Centaur Versionen, wobei ich mal behaupten möchte dass die auch im wesentlichen gleich sind. Die Veloce verbaue ich unheimlich gerne, die sind günstig, die besten Bremsen die ich kenne aber haben diesen uncoolen Veloce Schriftzug. Nun gibt es aber ein cooles Radiergummi mit dem man diesen uncoolen Schriftzug cool und locker wegradieren kann und voila: alles perfekt und cool. Es gabe eine Zeit bei Campagnolo, da waren die Gruppennamen auf den Teilen notiert (Record, Chorus, Daytona, Athena, Veloce, Mirage…) bis auf die Chorus Gruppe, die hatte keinen Namen neben dem Campagnolo Logo. So kann man also Veloce Bremsen recht gut zu coolen Chorus Bremsen pimpen, zumindest ideell.

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Laufräder
Wieder einmal einen Traum erfüllt: NOS grau eloxierte Campagnolo Omega V Hochprofilfelgen (also, was man damals unter Hochprofil verstand). Sehen wahnsinnig gut aus und sind, ähnlich wie die Mavic SSC Roubaix Felgen, der Stoff aus denen Wunder geschnitzt werden. Vorne hatte ich dafür noch eine Campa Record Nabe, das ganze dann mit DT Swiss Revolution 2.0/1.5 Speichen verbaut. Hinten wird es schwierig, es gibt auf dem Markt nur eine sehr begrenzte Auswahl an 36 Loch Naben mit 10fach Campa Freilaufrotor. Wobei mir die Campagnolo Record da gar nicht gefällt und auch nur für 32 Speichen erhältlich ist. Nur Hope bietet da Hoffnung. Gun Smoke passt farblich einigermassen, die Nabe ist schön laut. Auch hinten dreifach gekreuzt aber mit dickeren DT Swiss Competition 2.0/1.8 mm Speichen und Unterlegscheibchen an der Nabe. Ich wollte nicht schon wieder die langweiligen Continental Grand Prix 400 Reifen verbauen. Diese sind zwar sehr langlebig und pannensicher, ich empfinde die aber auch als sehr klobig(siehe anderer Post). Vom Design her schön finde ich die Veloflex Reifen, diese sind aber eine Qual im aufziehen und überhaupt nicht pannensicher. Also Mavix SSC Yksion Pro in 700C x 23 – sehr schön filligran. Meine erste Ausfahrt führte dann nach ca. 200 Metern auf der SChotterpiste direkt zu einem ersten Platten – seitdem fährt die Angst mit. Und bald sind dann auch wieder Contis drauf. Oder schwarze Panasonic Pasellas.

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Cockpit und Sattel
Den Stronglight Delta Nadellager Steuersatz hatte ich entfernen lassen und stattdessen einen Campagnolo Record Steuersatz verbaut. Das wäre natürlich nicht nötig gewesen, aber da ich jetzt doch irgendwie mit Gruppen oder zumindest Herstellerreinheit infiziert war, begann ich nun irrationale Entscheidungen zu treffen. Aus dem Steuersatz ragt ein Cinelli Vorbau mit einer schwarzen Plastikkappe vorne und über der Feststellschraube  für den Gabelschaft. Das ist sozusagen mein Beitrag an den Look der Neunziger. DEr Vorbau hat ein 26 mm Klemmung und da passt so gerade ein klassischer Nitto Mod. 55 Lenker rein.

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Der Mod. 55 Lenker stammt im Original aus dem Jahr 1988 und wurde zum 55jährigen Bestehen des Unternehmens aufgelegt. Er ist klassischen geschwungen und hat mit einem Reach von 94 und einem „Dorop“ von 137 mm (siehe Bild) nicht gerade kompakte, aber ausgewogene Maße. Die Logos links und rechts der Mitte sind Cinelli und ITM/3ttt Logos nachempfunden. OK, sagen wir mal die sind geklaut. Im Prinzip ist der Mod. 55 eine gepimpte Version des Standardlenkers B105AA mit einer 25,4mm Klemmung – deshalb passt auch der 26 mmVorbau nicht wirklich – die müssen langfristig noch „Shims“ runter. Ich hatte mir einmal füng Mod. 55 in Japan besorgt und nun wurde auch der letzte verbaut. Das schwarze Lenkerband ist das BBB Speed Ribbon, meiner Ansicht nach ein sehr einfach zu wickelndes (da sehr elastisch) und lang haltendes Lenkerband. Im Gegensatz zu Fizik Microtex ist die Farbauswahl leider sehr beschränkt, aber sonst gibt es keinen Grund Microtex zu verwenden. Auch die Stopfen von BBB passen in die Lenkerenden – bei Mikrotex ist das nicht unbedingt der Fall.

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Ja, die Ergos sind absichtlich so hoch angesetzt, damit ich bequem auf dem Oberlenker fahren kann.

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Kabelhüllen und Züge sind nichts besonderes (Shimano), alles in schwatz auch die Züge schwarz mit Teflonbeschichtung. Viel sieht man von denen ja eh nicht, da der hintere Bremszug durch das Oberrohr geleitet wird. Am hinteren Ende kommt eine 27,2 mm (SLX Geröhr) Campagnolo Record Sattelstütze aus dem Rahmen heraus. Ich hatte die schon in 32.4 mm Durchmesser,  das ist ein echter Ladenhüter und obwohl die Produktion schon vor Jahren eingestellt wurde gibt es die noch hier und dort zu kaufen. Die 27,2 mm Version gar nicht. Und darauf sitze ein bequemer, schwarzer Selle Italia Flite Sattel mit einer Aussparung. Ganz wichtig ist der お守り *Omamori„, ein Glücksbringer aus Japan der in diesem Fall von der Gefahr fernhält. Man weiß ja nie, bzw. erst zu spät, wer in Fragen der Religon dann letztendlich recht hat.

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Was gibt es noch von dem Rad zu berichten? Oder zu zeigen? Im Detail:
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Und im Großen und Ganzen:

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Fazit: Erste richtige Ausfahrt mit Therafit am Sonntag nach Bruchhausen-Vilsen lief gut. Zweite Ausfahrt mit vielen Hyperchillern am Montag lief noch besser. Schönes Rad. Jetzt hier und da noch ein wenig optimieren, dann passt das alles und kann oft gefahren werden – schade dass es mittlerweile Herbst geworden ist. Die Schaltung arbeitet übrigens super – freue mich richtig meine ganze Flotte auf Campa umzubauen.

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Very last exit Wilstedt.

Ein mir bekannter, rennradfahrender Zahnarzt bat mich nach der Ausfahrt heute Abend so schnell wie möglich darüber zu berichten. Ich will dem Wunsch gerne, dem Tempo der Ausfahrt entsprechend, entsprechen.

Sonnengebräunte Waden, Aeroräder, wilde Jerseys, windzerzauste Friseuren, einige Frauen und jede Menge Anfänger – die Komposition der Gruppe die sich heute an Jacques Weindepot in Borgfeld traf ließ erahnen, dass es nicht gerade langsam heute zugehen würde. Eigentlich wollte ich nach der Arbeit, die ja schon anstrengend genug ist, nur etwas auf dem Rad chillen. Chillen heisst, in der Gruppe so mit 33 km/h durch die Gegend zu radeln, sich links und rechts ein wenig zu unterhalten und die Beine von der Seele baumeln lassen. Ich meine, dass ist meine schon sehr ambitionierte Vorstellung von chillen, die sich zum Beispiel von der meines Sohnes (Cola, Tüte Chips und nachts bis vier Ballerspiele am PC) erheblich unterscheidet. Daraus wurde aber nichts, denn schon auf dem Weg nach Fischerhude begaben wir uns in eine Phase des Hyperchillens. Wir machten irgendetwas zwischen 35 und 40 Sachen, in der ersten Linie dadurch motiviert, die hinter uns kichernden Mädchen (Silke und Sylvie) zum schweigen zu bringen. Nachdem wir das Tempo stetig in den Grundlagenausdauerbereich 7 steigerten gelang dies auch, führte aber auch zu einem hechelnden Gesamtkunstwerk.

Ich wünschte ich hätte mein Canyon dabei gehabt, denn das Basso ist doch einen Tick langsamer und vor allem zwei Ticks unkomfortabler. Dies ist eine gute Gelegenheit es einmal zu zeigen denn an Photos machen war heute gar nicht zu denken: Keine Zeit und bei dem Tempo und dem Abendlicht wären die Ergebnisse eher Rohrschachmässig geworden.

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Schönes Rad, Danke. Etwas zu langsam für diesen Abend, ich hätte gerne für die nächste Ausfahrt etwas mit ungehemmter Elektrounterstützung.

Das Tempo wird dann nach Buchholz nicht langsamer, und auch nicht nach Vorwerk, und schon gar nicht Wilstedt. Bei jedem Ortsschild wurde gesprintet und ich strengte mich zwar an, konnte aber nicht mal annähernd vorne mitfahren. Bis auf einmal, da setzte ich mich überraschend von der Gruppe an und rief: „Wer als erster auf dem Friedhof in Wilstedt landet!“. Den gewann ich mit klarem Vorsprung, was auch an dem altersmässigen Vorsprung liegt der uneinholbar ist.

Richtung Grasberg wurden wir auch nicht langsamer, und auch nicht bei Grasberg, in Dannenberg, oder wo wir sonst so vorbeikamen. Was ich aber wegen Dunkelheit und Bewußtseinsveränderungen nicht mehr richtig mitbekam. Ein letzter Sprint für das Ortsschild in Timmersloh. Alle sind fertig also unternehme ich nun einen Ausreißversuch. Das klappt auch ganz gut, ich komme wir vor wie der Wümmen-Jens Voigt. Die Luft geht mir langsam aus, aber ich rufe einfach „Shut Up Lungs!“ Das machen die auch und ich bekomme noch weniger Luft und werde dann eingeholt und so geht es zurück bis zum Weindepot.

Was für eine Verschwendung? Ich hatte meinen GPS Logger nicht dabei und nichts von diesen Heldentaten wurde aufgezeichnet. Ich bitte um die Zusendung von GPX Files, die ich dann unter meinem Account bei Strava hochladen kann. Ansonsten: Gute, starke Truppe heute, fühle mich bestens gerüstet für Münster am Freitag und Danke an alle die mitgefahren sind.

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Last Exit Brooklyn. Nein Schnepke.

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Ist man zu fröhlich oder zu optimistisch über den Lauf der Dinge, dann ist es eine gute Idee „Last Exit Brooklyn“ von Hubert Selby zu leben. Braucht man nur einen schönen Sonntag, so reicht auch Last Exit Schnepke.

Trotz oder gerade wegen guten Wetter musste ich am Samstag arbeiten. Ich stand mit einem Kollegen im Autohaus Weller an der Weser und versuchte angehende Studenten davon zu überzeugen ihr Glück an unserer Hochschule zu versuchen. „Kann man bei einen Zahnarzt werden?“ Nein, wir haben nur Wirtschaftsstudiengänge.“ „Finde ich auch gut.“.

Am Abend gab es dann positive Abwechslung als Andreas sein Neri Romolo 2×2 bei mir abholte. Wir machten eine kleine Testfahrt durch die verwinkelten Wege um den Riensberger Friedhof und dann zeigte ich Andreas die Nordwestpassage durch die Schrebergärten zwischen Riensberg und der Parkstrasse. Schön war es, ein laues Lüftchen wehte durch die angenehn temperarierte Abendluft und in einer Laune des Übermuts versprach ich ihm am nächsten Morgen mit der therafit Gruppe um 9:30 zu fahren. Am liebsten auf meinem neuen Basso.

Ich weiß nicht welche Therafit Gruppe das war, es war mein erstes Mal. Waren das Frauen Anfänger 30plus? Oder Bremer Katholiken Ü40? Egal mit welcher Gruppe ich unterwegs bin, es sind immer die gleichen Frauen dabei (Silke und Caroline), nie irgendwelche Anfänger und ich bin vermutlich der einzige (ehemalige) Katholik. Und schneller als dreißig ist es sowieso immer.

Silke kam in rosa, Caroline im kleinen schwarzen, Jan war da, Sebastian auch, Andreas stieß später zu uns und die anderen waren mir neu. Bernd Rennies führte die Gruppe an Richtung Süden. Richtung Süden heißt, dass man erst einmal wie gewohnt Richtung Platzhirsch fährt, denn alle Wege, auch die Richtung Süden, führen über die Autobahnbrücke dort und den Deich dahinter. Über Borgfeld und Oyten und Achim kreuzten wir dann die Weser Richtung Werder und Schwarme. Irgendwie war ich nicht gut drauf, ich hatte ein wenig Richtung Luft zu bekommen; und da obwohl vorne fast ausschließlich Bernd fuhr und ich mein Puls recht niedrig war.

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Zuerst hatte Silke einen Platten. Da sie ja selbst in der Lage ist diese Dinge zu regeln, brauchte Sie quasi keinen Betreuungsaufwand und meine Hilfe wurde an sich nur beim pumpen benötigt. Ein paar Kilometer später hatte Jan einen Platten. Statt sich darum zu kümmern das Ding zu flicken, rief es nur: „Wo ist der mob?“ (ich stand genau hinter ihm), denn er verlangte eine mindest ebenso gute mechanische Betreuung, wie ich sie zuvor Silke gewährt hatte. Jans recht neuer Conti 4000S Reifen war hinüber, ein fieser langer Riss quer zur Fahrtrichtung durch die Seitenwand durch den man auf den Schlauch sehen konnte. Nicht gut und so entschloß sich Jan alleine auf den Rückweg zu machen. Er sollte halt doch besser einen Schwalbe Ultremo ZX verwenden. Oder auch nicht.

Die Gruppe, wir waren jetzt noch zu dreizehnt, machte sich dann weiter nach Bruchhausen-Vilsen und von dort aus an der Bahnstrecke lang wieder Richtung Norden. Wir machten einige lustige Abstecher durch den Wald, endlich war es auch ein wenig wellig und das fahren machte so richtig Spaß. Sollte dies wirklich das letzte Mal dieses Jahr gewesen sein?

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Und so kamen wir sviel zu schnell zurück nach Syke, Weye und dann am Deich entlang zum Weserwehr. Dort liess sich die eine Gruppe im Cafe nieder, doch auf mich warteten noch ein paar Aufgaben zuhause. Ich hatte auch gesehen, dass Philipp heute seinen neuen Carbonrahmen ausführen wollte; also machte ich mich mit dem neuen Panasonic auf den Weg zum Haus am Walde um das Wunderteil zu sehen. Und als ich ankam wartete es auch bereits dort.

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Wunder Aero Stevens von Philipp links, Wunder Nicht-Aero Panasonic von mir rechts. Noch weiter rechts: Sich wundernder Rennradfahrer.

Prima, damit war mein Tagwerk getan. Ich denke aber es macht Sinn in Anbetracht des anhaltend guten Wetters am Montag noch einmal zu fahren, am Freitag in Münster dann sowieso, ganz egal wie das Wetter ist: Bei schönem Wetter mit dem Basso, beim schlechten nun mit dem Panasonic.

Strava von heute.

Danke an alle die mitgefahren sind.

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Heute. Früher.

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Twiggy. Raleigh. Sechziger.

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Cannondale Track Frame. Anfang der Neunziger.

Wenn noch einmal einen Alurahmen, dann nur diesen und auch nur für die Vitrine und nicht zum fahren.

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Neri Romolo. Automatisch Manuell – manuell automatisch.

Ein Freund von mir, nennen wir ihn mal Umberto,  wünschte sich ein zweites Rad für die Stadt. Ein verständlicher Wunsch, wenn man bedenkt was er normalerweise fährt. So ein Rad würde ich auch ungerne mit einem Schloss an einer Laterne in der Innenstadt festschliessen. Man kommt nach fünf Minuten zurück, die Laterne ist noch da, das Schloss ist noch da, aber irgendjemand hat den Carbonrahmen durchgebrochen, um das Rad mitgehen zu lassen. Es erwischt halt immer das schwächste Glied in der Kette.

Das Rad sollte also klassisch sein, nicht zu teuer (mit einem Cervelo S5 als Maßstab ist dies auch nicht sehr schwierig zu schaffen) und funktional. Umberto hatte sich bereits vorher in das Raleigh von Sora mit der 2-Gang Schaltnabe von Sram verguckt, daher kamen also einige Anregungen.

Für den Aufbau hatten wir bereits einen sehr schönen, blauen Neri Rahmen organisiert, der hier im Detail beschrieben wird.

So ist es dann also geworden, zur Einstimmung einmal ein paar Ansichten:

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Irgendwann kamen wir dann auf die Idee vorne eine manuelle Schaltung mit einem klassischen Umwerfer und zwei Kettenblätter an der Kurbel mit einer automatischen Sram 2 Gang Nabe  ohne Rücktrittsbremse zu kombinieren.  Das ergibt dann 2 Gänge, die man manuell und zwei die automatisch geschaltet werden, insgesamt 4. Hat man dann vorne eine Kombination von 52/39 und hinten eine Übersetzung von 1:1 bzw. 1:1,36 und ein 16 er Ritzel entspricht dies etwa 52/39 kombiniert mit 12/16 oder einer Schaltweite von 1 Umdrehung vorne = 4,42 hinten bis 1 : 2,44 oder 181%. Bei einem Fixie für die Stadt macht 1:2,5 Sinn, also sollte das Neri sowohl für die Stadt als auch für schnellere Ausflüge tauglich sein.

Die Kette muss bei dieser Kombination natürlich gespannt werden und wir hatten keine Ahnung, was dies für die Funktionsweise der Getriebenabe bedeuten würde. Also besorgten wir uns erst einmal einen simplen Kettenspanner und legten los.

Dazu mussten zunächst die Laufräder gebaut werden. Vorne eine ungelabelte Novatec Hochflanschnabe mit DT Swiss Competition Speichen und einer Rigida Chrina Felge 32L. Umberto wünschte sich viel blickendes Chrom an seinem Rad, das schränkte die Auswahl etwas ein. Da das Rad für das raue Leben der Stadt konzipiert ist, wollte ich auf jeden Fall etwas stabiles und das ist meiner Meinung nach eine niedrige Felge mit Ösen (in silber). Da gibt es dann eigentlich nur noch im klassischen Look für einen bezahlbaren Preis die Rigida; hat man mehr Geld in der Tasche dann die H plus Son TB14. Die muss man aber mögen denn das Felgenbett ist relativ breit.

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Für das Hinterrad kamen die gleichen Felgen und Speichen in der 36L Version mit der Automatix Nabe zum Einbau. Da die Flansche symmetrisch sind ist das Einspeichen nicht besonders schwer. Ich war allerdings doch sehr über die Größe der Speicherlöcher in den Flanschen überrascht – gehören da an sich 2,34mm und nicht 2mm dicke Speichen rein? Hm.

Da der Moustache Lenker mit einer Dicke von 23,4 mm für die Montage von Rennradbremshebeln keine Schalthebelschellen ertragen kann, haben wir einen älteren Schalthebel am Vorbau angebaut. Das erinnert ein wenig an den Maschinentelegraphen  eines Schiffes.

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Maschinentelegraph am Rad und …

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… Maschinentelegraph im Schiff

Der Schaltzug verschwindet im Oberrohr und wird unter dem Tretlager durch das Sitzrohr geführt, wo er aus einem Loch auf der Rückseite heraustritt. Das Loch ist allerdings so hoch angebracht, dass eigentlich nur Kettenblätter 52 und größer verwendet werden können, sonst liegt der Umwerfer quasi auf dem Austrittsloch. Als Umwerfer selber hatten wir uns einen sehr schicken und chronisch unterschätzten RX100 von Shimano ausgesucht.

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Chronisch unterschätzter Shimano RX100 Umwerfer

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Schaltzugführung am Umwerfer. Reibungsfrei ist anders, funktioniert aber.

So, dann nur noch die Kette montieren und und hinten den Kettenspanner dran und testen. Die Kombination 52/39 funktionierte leider gar nicht, denn so ein Kettenspanner mit einem Rädchen hat eine begrenztere Kapazität als Daniela Katzenberger oder, von mir aus Thorsten Legat. Zum Glück hatte ich noch ein 46er Kettenblatt für eine Campa Kurbel mit 135 mm Lochkreis da, und siehe da, 7 Zähne Kapazität konnten irgendwie gehandelt werden. Also, testfahren nun.

Kurz vor dem Testfahren fiel mir dann ein, dass eine Bremse zu montieren hilfreiche Dienste leisten könnte. Beim fahren fiel dann schnell auf, dass die Nabe auf dem großen Kettenblatt, wenn die Kett gut gespannt ist, top funktioniert und automatisch schaltet, auf dem kleinen Kettenblatt rutschte die aber bei Belastung durch. Also kam uns die Idee ein normales Schaltwerk einzubauen, in diesem Fall ein Suntour Cyclone Mark II. Das ist meiner Ansicht nach eines der coolsten, leichtesten und chronisch unterschätztesten Schaltwerke auf dem Globus und passt daher perfekt zu dem Shimano RX100 Umwerfer.

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Schaltwerk, das nicht schalten darf, weil …

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… die Nabe daneben die Arbeit tut.

Das Ritzel der Nabe liegt allerdings so weit innen, dass man die Schalträdchen mittels der Begrenzungsschrauben nicht mittig unter das Ritzel bekommt, hier musste also noch einmal ein wenig getrickst werden. Wie, das verrate ich aber nicht, damit auch ja keiner diesen Aufbau 1:1 kopieren kann.

Getestet. Funktionierte dann im Strassenbetrieb – juhu. Wobei man sagen muss, dass die automatische Schaltung sehr gewöhnungsbedürftig ist. Da ist einfach kein Gefühl der Abschätzung, wann die denn nun einen Gang schwerer schaltet. Und wenn sie das getan hat und man hört auf zu treten, um eben wieder in den kleineren Gang zu kommen, hat man nicht das Gefühl, dass dies passiert, es tritt sich immer noch schwer. Bis man wieder anfängt zu treten und das Ding wieder einen Gang schwerer schaltet (nämlich in den 2.). Und so hat man irgendwie das Gefühl, dass das Treten immer schwerer und schwerer wird und das in Wirklichkeit keine Zweigang, sondern eine Unendlichgang Nabe ist, bei der man aber nur in eine Richtung schalten kann: härter.

Insgesamt bin ich sehr froh, dass dies alles mit Korrekturen zum laufen gebracht wurde und ich bin gespannt, wie sich das Rad und vor allem die Schaltung im Alltag bewährt. Das ist doch einmal etwas anderes als das x-te Rennrad aufzubauen. Einerseits. Andererseits hätte gerade dieser rahmen mit der kompletten Innenverlegung von Schalt-und bremszügen eigentlich eine schöne Schaltung verdient gehabt. Aber wer weiß, vielleicht bauen wir die mal nach.

Was gibt es sonst noch an dem Rad? Mal vorne und oben angefangen: Moustache Lenker mit 25,4 mm Klemmung, 23,4 mm Durchmesser und einem Drop von 4 cm. Ich hätte gerne einen flachen Lenker gesehen ohne Drop, aber den gibt es eben nur für 22,2 mm Durchmesser, also hätten wir auf Rennradbremsen verzichten müssen. Das wollten wir aber nicht.

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Bremshebel Shimano 600 gelocht mit Dia Compe Gummis.

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Lenkerband Fizik Microtex, einigermassen passend zu Sattel und Gummis.

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Bremsen Shimano 600, alles im Original.

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Kurbel Campa Centaur mit MKS Sylvain Stream Pedalen. Gibt es dazu eigentlich irgendeine Alternative? Die sind schmal, beidseitig fahrbar, stabil und sehen gut aus- trotzdem würde ich gerne mal etwas anderes verbauen.

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Sattel Gyes G6 auf Wunsch von Umberto mit ungelabelter BLB Aero Stütze auf Wunsch von mir.

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Hatte ich die schwarzen Michelin Dynamic Sport Reifen bereits veschwiegen? Gut. Noch ein paar schöne Details?

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Zwei Bitten noch zum Schluss:  Zollt dem chronischen unterschätztem Umberto auf diesem Rad bitte den gehörigen Respekt. Zweitens: Klaut dieses Rad nicht. Danke.

 

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Eingeordnet unter 2014, Mob, Neri Romolo

Klassisch unterwegs: Basso Fior di Loto Campagnolo Record

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Nach einer etwas längeren Reparaturzeit (den kompletten Sommer in Bremen) wegen eines eingeklebten Innenlagers bei dem Radhändler meines Vertrauens stand heute die erste Probefahrt mit dem Basso an.

Wenn ich Zeit habe setze ich morgen einmal ein paar mehr Fotos von dem Aufbau rein. Ich hatte mir den Rahmen vor ein paar Monaten über das Rennradforum organisert und wollte ihn gerne als mein Standard Rennrad für Bremen aufbauen. Ich mag die Basso Rahmen, mein blaues Basso Fixie ist irrsinnig agil und ich mag das Design der Rahmen mit diesen ulkigen Abdeckkappen für die innenverlegten Bremszüge im Oberrohr und der halb-integrierten Sattelstützenklemme. Meine Idee war CCC, also erstens Campagnolo, zweitens Carbon und drittens cehnfach. Das war teuer und brauchte etwas Zeit bis alles zusammengekauft war; vieles ist aus der Record Gruppe, aber auch von Chorus und die Bremsen sind sogar „nur“ moderne Veloce. Ich schätze aber gerade die sehr, die SKeleton Bremsen von Campagolo hingegen gefallen mir vom Design überhaupt nicht. Sehrschön fidne ich die Campagnolo Omega V Hochprofilfelgen, die passen auch farblich mit dem dunklen Eloxat gut zu dem Rahmen, der neben schwarz keine andere Farbe duldet.

Nachdem also sicher war, dass Werder in Augsburg heute verlieren würde, schwang ich mich auf das Rad und fuhr auf der westlichen Seite der Weser runter Richtung Riede. Wie neue Räder , nun einmal sind, sie fahren gut, meint man. Das hier ist vielleicht nicht ganz so schnell wie mein Canyon aber immer noch schnell genug. Oder vielleicht war ich heute auch zu lahm. Die Sitzposition empfand ich mit zunehmender Fahrt als immer unbequemer bis ich merkte, dass sich der Lenker langsam nach vorne drehte, weil ich ihn nicht fest im Vorbau fixiert hatte. Das Phänomen kenne ich schon, ähnliches ist mir bereits einmal auf dem Velothon passiert.

In Theddinghausen war Dorffest und ich musste durch die Menschenmassen wie ein Lachs gegen die Strömung  schwimmen. Schlimmer war allerdings der Geruch nach Pizza, Pommes und gegrillten Champignons, der mir zum Verweilen riet. Danach kam ich nach Werder und überquerte die Weser kurz vor Achim.

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Ich hatte wenig verlangen durch Achim und über die viel befahrene Straße zurück nach Bremen in den Süden zu fahren, zumal ich auch nur bessere Positionslichter montiert hatte. Also machte ich mich auf nach Oyten und Sagehorn, um dann am Wümmedeich nach Borgfeld zu fahren. Mittlerweile war es auch schon ziemlich dunkel und ich kam nun auf dieses blöde Stück rote Schotterpiste entlang der Bahnstrecke auf dass ich jedesmal komme, wenn ich alleine fahre und nie wenn ich mit einer Gruppe unterwegs bin. Nach 200 Metern hatte der Mavic Reifen einen Platten. Soweit zu der Haltbarkeit von diesen wirklich gut aussehenden Reifen. Ich hatte dann die Gelegenheit den letzten von meinen 25 Conti Schläuchen zu montieren, die ich im „Big Pack“ ziemlich genau vor einem Jahr gekauft hatte.

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Jetzt war es richtig dunkel und ich war froh als ich runter vom Deich und wieder in der Stadt war. Was mir dann zuhause die Möglichkeit gab das Stoppelkamp 83 Meter Tor zu sehen.

Das Basso fuhr sich gut, fast kein Unterschied zum Canyon. Hier und da muss noch ein wenig geschraubt werden. Vor allem am Vorbau.

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