Archiv der Kategorie: Freunde

Positivo Espresso, Bremen und Sonstwo. Alle die mitmachen.

Wimmernd an der Wümme.

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Die Qualität guten Journalismus lässt sich bereits an den Alliterationen in den Artikelüberschriften messen. Gewinnt Hendrik Hering (das ist ein Name und keine Alliteration) von der SPD die Wahl in in Rheinland-Pfalz, so kann er laut Presse von sich behaupten: „Mainz bleibt meins“. Soviel zur Überschrift.

Noch 25 Tage bis Lüttich. Oder Bastogne, oder irgendwo mittendrin und die Form ist noch nicht einmal in Dortmund. Zum Glück war das Wochenende ein schönes mit vielen Touren und die ersten Gegenmaßnahmen wurden bereits ergriffen: Gestern noch vier Tage Malle gebucht und letzte Woche mit Hannes zum heutigen Frühtraining im Blockland verabredet. Jetzt, wo die Tage wieder länger werden und es Abends auch länger hell bleibt, macht es Sinn sich morgens früh zu treffen und vor der Arbeit ein wenig zu rollen. Zumal das Wetter ja auch großartig ist.

Ich kam um Viertel nach Acht aus dem Haus, ungewohnt früh für mich, schaute auf das Thermometer und kehrte gleich wieder um, um mir erst einmal ein weiteres langes Unterhemd und die dicke Assos-Jacke anzuziehen. Es war gerade mal drei Grad warm, ich konnte meinen Atem sehen und an Kopf und Nacken war es schön kalt. Kaum zu glauben, dass ich mir acht Stunden später im Büro den Pullover vom Körper reißen würde. Ich hatte bereits kalte Hände und Füsse, als ich 8 Minuten später bei Hannes an der Tür stand. Zum Glück war er noch nicht fertig, was mir die Gelegenheit gab mich bei Tanja und ihm aufzuwärmen. Aber dann ging es los. Über dem Blockland wabberte der Bodennebel.

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Dazu passte die Schlagzeile im Weserkurier, das ein Wolf in Borgfeld ein Reh gerissen hat. Es war fast so, als könnte man die Rudel in der Ferne heulen hören. In wenigen Momenten würden sie aus dem Bodennebel hervortreten, riesige Tiere mit neon-gelbem Fell und strahlend grünen Augen, geflohen aus der Sperrzone rundum Tschernobyl und auf der Suche nach menschlichem Rennradfahrerfleisch mit viel Muskulatur.  Die Kombination von Kälte, wenig Schlaf und Blockland kann einen schon ganz gut in den Wahnsinn treiben.

Aber so langsam wurde es wärmer und es stellte sich so etwas wie Frühlingsromantik ein.

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Caspar David Friedrich: Der Styx bei Borghfeldt (1824)

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Der kleine Styx.

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Vermutlich war heute wirklich jeder, der es irgendwie konnte und es mit Arbeit und Familie vereinbaren durfte draußen auf dem Rennrad. Aber wir waren so ziemlich die ersten, froren und radelten vor uns hin parlierend einmal die Wümme runter bis zur Brücke und dann auf der anderen Seite, dem Blockland Roubaix, wieder hoch.

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Dabei kamen wir auch an dem alten Pumpenhaus vorbei, 1884 erbaut, von dem ich letztens schon einmal geschrieben hatte.

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Es ist immer sehr entspannend mit Hannes zu radeln; wir haben keinen Druck dem anderen zu zeigen wer gerade wie gut in Form ist und es gibt immer jede Menge Themen die es zu besprechen gilt in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung steht. Meistens beginnen wir mit etwas wichtigem, heute war es das leidige Thema Töchter und Söhne in der Pubertät, bevor wir meistens fast zwanghaft bei Radrelevanten Themen landen, um dann, heute etwas ungewöhnlich, bei Staubsaugern zu enden. Nicht dass wir uns irgendwie für saubermachen interessieren würden, aber bei einem Rennradrahmen mit innenverlegten Zügen kann man, wenn man es geschickt und mit einem Bindfaden anstellt, den Bindfaden oben einfädeln und mit Hilfe eines Staubsaugerns unten absaugen. An den Bindfaden kommt dann der Zug der durch den Rahmen geführt werden muss und man spart sich die endlose Frickelei und das Stochern auf der Suche nach dem Ausgang.

Ich fürchte radsportlich war das heute morgen keine Meisterleistung, aber der Start in einen sehr schönen Tag.

Strava

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Japan Handmade Bicycle Show 2017

Heute und morgen findet in Tokyo im Science Museum, ganz in der Nähe des Kaiserpalasts die Toyko Handmade Bicycle Show statt. Positivo Espresso’s David war bereits heute da und hat auf dem Positivo Espresso Blog darüber geschrieben.

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Ich muss sagen ich bin schwer beeindruckt, erstens davon was es dort alles zu sehen gab an neuen Ideen und zweitens von dem Fleiß mit dem David alles zusammengetragen hat. Vor allem der Kontrast zum letzten Jahr ist groß, hier ist ein Post von Jan Heine über seinen Besuch im Februar 2016; trotz aller Begeisterung eine eher trockene Affäre.

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Es entsteht der Eindruck, als wenn sich etwas in Japan tut. Es gibt eine große Anzahl von Traditionsreichen Rahmenbauern, wie Cherubim, Makino, Amanda, Hirose und anderen auf der einen Seite und neuen, jungen Leuten auf der anderen.

img_2206Dazu kommt auch etwas Bewegung in den Komponentenmarkt, wo nun neben der Übermacht Shimano und den antiquierten Herstellern Nitto, Sugino, MKS, Kashimax, Tange Seiki, Hatta, Sun XCD, Honjo, Dia Compe, Izumi, D.I.D. und Soyo, auch jüngere Hersteller auftauchen, allen voran SIM Works, Starfuckers und  Dixna.

Posts auf dem Positivo Espresso Blog [in Englisch]

Intro

Schönheiten

Etwas Anderes

Der Parkplatz

 

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Regen am Ende des Regenbogens.

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Pass auf Deinen Traumkörper, Schatz!“ sagte meine Frau noch, als ich mich auf den Weg zum Flughafen machte um den gelb-blauen Ryanair-bomber nach Mallorca zu nehmen. Oder vielleicht sagte Sie etwas ähnliches, oder auch gar nichts, oder ich wünschte mir nur, dass sie das gesagt hätte.

Als ich auf dem Flughafen in Palma ankam, schien die Sonne und es war angenehm warm. Ich fuhr in dem geliehenen Citroen Cactus (ist so lala als Auto, etwa wie als Pflanze) nach Lloseta, wo ich eine Finca gemietet hatte. Irgendwie war ich müde und legte mich hin. Ein folgenschwerer Fehler, denn in den verbleibenden 3 Stunden Tageslicht hätte ich locker 60 km Radfahren können. Und, das wären, nach einer Woche hier, mehr als 1/3 der Gesamtstrecke gewesen.

Danach fing es nämlich an zu regnen.In Mallorca regnet es durchschnittlich  im Jahr etwa 620 Liter pro Quadratmeter (in Deutschland zum Vergleich 750), davon kamen mehr als ein Viertel in den letzten vier Tagen runter. Nachdem ich am Donnerstag und Freitag, zunächst kurz alleine und dann mit Juliane und David, noch ein paar kurze Touren fahren konnte, war es in den letzten vier Tagen unmöglich überhaupt nur vor die Tür zu gehen. Geschweige denn ein Rad mit raus zu nehmen.

Fieserweise klarte der Himmel Abends, wenn es dunkel war, wieder auf und die Sterne waren zu sehen. Pünktlich zum Sonnenaufgang schoben sich dann wieder Gewitterwolken in verschiedenen Grauschattierungen über die Insel und schütteten sich hemmungslos aus.

Und wann soll es aufhören zu regnen? Morgen mittag, und zwar ziemlich genau dann, wenn mein Flug zurück nach Bremen geht. Wo es nach einer sonnigen Kältephase was? – Genau, anfängt zu regnen.

In meiner Verzweiflung schaute ich mir gestern Abend die Wetterberichte ganz genau an und meinte eine Ecke bei Felanitx entdeckt zu haben, die relativ regenfrei sein sollte. Da würde ich hinfahren und schlimmstenfalls ein paar Runden im Kreisverkehr drehen. Heute morgen sah das schon wieder anders aus. Aber vielleicht in Andratx um 14:00hr? Ich fuhr im Cactus dorthin, aber es regnete immer noch. Ich fuhr im Cactus zurück nach Lloseta. Links von mir, in der Tramuntana viele graue Wolken, aber rechts klarte der Himmel etwas auf. Ich kam mir vor wie diese Forscher, die nach Tornados suchen, immer auf der Aussschau wo sich einer bildet und dann im vollen Tempo dorthin unterwegs.

In Biniali packte ich das Rad aus und fuhr exakt 2 km Richtung Senchelles, bevor es anfing zu regnen. Dabei schien die Sonne, und über der Straße hatte sich ein Regenbogen geöffnet. Ich fuhr in die andere Richtung zurück, dann nach Santa Eugenia. Auch dort fing es an zu regnen. Ich fuhr wieder nach Biniali. Auch dort war mittlerweile Regen. Überall nur Regen am Ende des Regenbogens.

Gefrustet packte ich mein Rad ein und machte mich auf den Heimweg. Ich hatte noch nicht einmal 15 km geschafft. Morgen früh stehe ich noch mal ganz früh auf und suche das kleine Loch in der Wolkendecke, bevor ich mich auf den Heimweg mache.

Jetzt erst einmal zum Abendessen zu Juliane und David aus Ausgleich. Als ich das letzte Mal da war, gab es das hier:

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Cassoulet

Life has it’s compensations.

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Auf Strava

 

 

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Me & Andi Arbeit.

 

dscf3042Andi organisierte heute die jetzt vielleicht wirklich letzte schöne Tour des Sommers nach Bruchhausen-Vilsen. Viele kamen.

Also: Andi nervte mich diese Woche, weil er auf fb zwei Songs einer Gruppe gepostet hatte, an die ich zu Recht 25 Jahre nicht mehr gedacht hatte. „Me & the Heat“ – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Kirmestruppe, die am anderen Ende des musikalischen Spektrums auf Veranstaltungen wie „Magic Bike Rüdesheim“ rumdudelt. Nein, diese Hardcoretruppe bildender Künstler aus dem Bochum der Achtziger, die uns mit Songs wie „In another mood“ beschallten.

Es gab eine Zeit in den Achtzigern, da bin ich auf alle möglichen Konzerte gefahren, aber nachdem mir Martin von EA80, Me & the Heat vorspielte, habe ich auf deren Gig verzichtet. Wie überhaupt die ganze Kunstpunk/Industrial Ecke a la Trobbing Gristle, Mark Stewart & the Mafia, Swans, SPK, Cabaret Voltaire etc. für mich persönlich eine richtige Sackgasse war: Man fährt 100 Sachen und holt das letzte aus seinem alten VW Käfer raus, weil neben dir Blondie, und hinten auf den Rücksitzen die Undertones und die Specials sitzen. Dann biegt man mitgröllend und voller guter Stimmung um die Kurve und knallt gegen eine Wand von schlechter Laune, gebaut von Künstlern mit erhobenem Zeigefinger.

Leider war das Mitte der Achtziger gerade sehr trendy. Und da man fünf Jahre früher den Trend der Zeit erkannte und in den Punkrock VW Käfer stieg und dabei riesig viel Spaß hatte, war man jetzt gezwungen die Ohren offen zu halten auf der Ausschau nach dem nächsten, großen Ding. Konnte ja keiner wissen, dass es Rap und Hiphop werden sollte – wir dachten da eher an die einstürzenden Neubauten.

Jedenfalls dachte ich am Morgen an all die schwere „Kunscht“ und brachte mich in Schwung mit einigen Ohrwürmern. Also eigentlich nur einem, der mir aber nicht mehr aus dem Kopf geht. Vielleicht liegt es ja nur an meiner japanisch mutierten Genetik, aber ich kann nur warnen, wer ein paar Mal „One Night Carnival von Kishidan und Hamasaki Ayumi hört, bekommt das nicht mehr aus dem Kopf.

Visuell ist der Eindruck, den die Frisuren von Kishidan hinterlassen natürlich auch sehr verstörend.

Jedenfalls fuhr ich „Can you master, baby !!!!“ summend Richtung Erdbeerbrücke und Wehrstrasse, wo bereits eine große Truppe versammelt war. Aufgrund der Komposition der Gruppe war es relativ schnell klar, dass die vorher getroffene Ansage von Andi „Wir haben’s nicht so eilig“ relativ zu verstehen war. Langsam würde das jedenfalls nicht werden.

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Das Wetter war traumhaft, die Stimmung gut und wir fuhren die Höhenmeter ab, die der Bremer Süden so zu bieten hat. Legendäre Anstiege wie der Okeler Berg (20 Höhenmeter, die einem aber vorkommen wie 20.000), die Hölle von Falldorf, Alpe du Barbusch, Col de Berxen (bekannt aus dem Rennen Berxen-Berxen-Berxen), all dies lag heute auf unserer Strecke. Ich will gar nicht viel schreiben, war ohnehin unbeschreiblich gut, statt dessen ein paar Bilder.

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Da wir es ja nicht so eilig hatten, blieb die Gruppe gut zusammen, mit Ausnahme von jedem Ortsschild, jedem Anstieg und jeder Abfahrt. 

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Pause bei da Angelo in Bruchhausen-Vilsen

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Pistazie & Malaga

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Insgesamt war es eine gute Mischung von Tempo, Rücksicht und Ballern. Im Hinblick auf den Münsterland Giro, der nächstes Wochenende als letztes Rennen der Saison auf dem Plan steht, war das ein sehr gutes Training mit vielen Intervallen.

Es gab eine längere Pause bei „da Angelo“ in BV – das war gut, aber Melissa in Etelsen ist schon der beste Eisladen im Süden.

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Zurück an der Bank.

Auf den letzten Metern kurz vor Kühlschrank, Gin Tonic und Zigaretten reichte es dann noch für den KOM auf der Konrad Adenauer Allee.

Egal. Danke an Andi, für die Motivation am Sonntag noch einmal länger zu fahren und auch den letzten Zipfel Sommer auszunutzen. Und an die vielen netten Mitfahrer für gute und lustige Gespräche, Windschatten und Sticheln des Ehrgeizes.

Strava

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Velotörn Bremen. Teil I: World of Fixedcraft.

Anstatt schon wieder ein recht normales Rennradrennen von 100km auf der sehr langweiligen Strecke in der Überssestadt in Bremen zu fahren, entschloss ich mich beim Velotörn am Fixie Rennen teilzunehmen. 30 Runden gegen den Wind, über Kopfsteinpflaster, haarscharf an Barrieren vorbei und das Ganze auf einem scheiß-unbequemen Rad.

Ich weiß auch nicht, warum ich mir das alles in meinem Alter noch antue. Ich könnte ja auch Samstags lange schlafen, ein Auto waschen und dabei Bundesliga im Radio hören, und dann im Garten grillen. Stattdessen mache ich mich am Samstag Morgen auf den Weg in die Überseestadt, um die Rennstrecke de Velotörns zu erkunden. Zum Glück zeigt sich Bremen an diesem Wochenende von seiner allerschönsten Seite.

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Bremen, wo die Weser wie ein richtiger Fluss aussieht (also fast so wie der Rhein)

Die Strecke führt auf der Konsul-M-Schmitt-Strasse die Weser runter, macht dann eine S-förmige Linkskurve über recht fieses Kopfsteinpflaster und läuft dann parallel über die Kaje am Hafenbecken in die entgegengesetzte Richtung. Es gibt dann wieder eine schnell durchfahrbare S-Kurve auf die Konsul-M-Schmitt-Strasse, dann ca.200 Meter Gerade zum sprinten, bevor es nach ca. 1,1 km wieder ins Ziel geht. Wäre dies eine Autorennstrecke, dann vielleicht Daytona im 18.Jahrhundert – wegen  dem Kopfsteinpflaster.

Ich habe Familie, einen Job und wenn ich mich mit dem Rad hinlege, dann dauert es eine Weile, bis wieder alles verheilt ist. Konsequenterweise hat mein Fixie Bremsen. Was aber bei diesem Rennen nicht erlaubt ist. Auch sind keine Kurbeln an nicht-Bahnrahmen mit einer Kurbelarmlänge von mehr als 165mm erlaubt. Überhaupt gibt es viele Regeln, was nicht dem kulturellen Anspruch des Rennens entspricht: „die jungen Wilden“; „Fixie-Subkultur“ etc. Es erinnert mich an eine Online-Anzeige von zwei sehr coolen Typen in Hamburg, die einen neuen Mitbewohner für ihre WG suchten. Zunächst einmal beschrieben sie sehr schön,wie locker und gechillt das Leben mit ihnen ist, um am Ende Interessenten zu bitten, Ihnen „ihr aktuelles Lieblingslied und ein polizeiliches Führungszeugnis“ zuzusenden.

Die richtige Antwort auf das Lieblingslied ist natürlich sehr simpel.

Jedenfalls hatte das zur Folge, dass ich mein japanisches Nagasawa Bahnrad reaktivieren musste, das nun seit 2 Jahren als Weihnachtsschmuckadapter an der Wohnzimmerwand verstaubt. Erst einmal andere Laufräder rein, damit wenigstens die teuren Mavic SSC überleben werden. Und dann kam ein anderer Lenker und Vorbau ran, denn dieser NJS Vorbau der an Keirin Bahnrädern quasi Standard ist bringt das Kinn knapp über die Höhe des Vorderrads. Ist man nicht rasiert, kann man nur noch maximal 20 mm Reifen montieren, sonst ist da einfach kein Platz mehr.

Wegen dem Kopfsteinpflaster hatte ich dann doch noch ein Lenkerband gewickelt, damit es ein wenig bequemer wird. Dafür opferte ich mein sehr schickes George Sorell Korkband, das ich 2011 zusammen mit David in Ravenna im Radladen Sambi gekauft hatte. So jetzt noch abnehmbare Bremsen dran, damit ich zum Rennen komme und los.

In der Überseestadt tummelte sich die Creme de la Creme des bremischen Radsportes. In  früheren Berichten habe ich immer jeden einzelnen mit Namen aufgeführt den ich kannte, heute ist das nicht mehr möglich (Sorry, Silke, Silvia, Caro, Linda, Jessica, Maren, Jörn, Andreas, Andi, Thomas, Jan, Philipp, Schnippo, Marc, Matthias, Christian, Benjamin, Tim, Harald, Didi…) Es ist ein sehr schönes Gefühl von vielen netten Menschen erkannt und gegrüßt zu werden und dazu zu gehören. Vor allem, nachdem ich vergleichsweise nach 12 Jahren Leben in Japan gerade einmal vier japanische Freunde hatte – die ich jeweils ein bis zweimal pro Jahr traf. Mit den Ausländern dort lief es wesentlich besser, das hatte nur den Nachteil, dass das japanische Haltbarkeitsdatum eines typischen Ausländers etwa drei Jahre ist – danach geht es wieder zurück in die Heimat oder in das nächste Land. Zum Gefühl der Zughörigkeit später mehr.

So standen wir also an der Rennstrecke und schauten uns das Rennen von Linda an.

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Die creme de la creme des bremischen Radsports

Linda war bei den Frauen zusammen mit den U17 Fahrern gestartet, insgesamt etwa 16 Fahrer. In den ersten Runden hielt sie sich gut im Hauptfeld, aber dann fuhren vorne 8 Fahrer das Feld zu Klump und büxten aus. Danach war sie ein wenig verloren und zu zweit oder zu dritt unterwegs und es wurde sehr anstrengend. Dementsprechend  schnell muss das Rennen gewesen sein, denn Linda ist wirklich nicht gerade langsam (das ist eine klassische Umschreibung von: „Linda ist deutlich schneller als ich.“ Von den acht blieben sieben vorne und gewannen nach 30 Runden das Rennen. Linda wurde Zweite bei den Frauen.

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Im übrigen konnte man hier wieder beobachten, dass bei großer Anstrengung nach dem Rennen die Birne rot anfängt zu glühen, und zwar nach der Formel: „Je jünger der Fahrer, desto roter die Birne.“ Ist mir bereits beim OBKM aufgefallen, wo der 70-jährige Zweite der Meisterschaft kalk-weiß war, geradezu Mumienhaft, während Linda (Kolibri) rot strahlte wie ein schmelzender Reaktorkern in Fukushima. Was aber immer noch nichts gegen Schnippo nach dem Rennen war, der rot strahlte wie ein tätowierter, russischer Mafia-Reaktor. Doch dazu später.

Darauf folgte das Derny Rennen. Ein paar Runden fährt der eine auf einem enthemmten e-Bike und der Andere hinterher, dann wurde gewechselt und es werden ein paar Runden umgekehrt gefahren. Am Start waren Schnippo und Philipp, sowie Marc und [vergessen].

Sportlich war das, na ja, aber sonst war es der Höhepunkt des Tages. Beim Wechsel mussten auch die Schuhe getauscht werden. Wir erwarteten am Streckenrand, irgendetwas in der Geschwindigkeit eines Triathlonwechsels. Stattdessen lief das ganze in erschreckender Zeitlupe ab. Schnippo und Philipp beim Wechsel zu beobachten war etwa so schnell und spannend wie die Ziehung der Lottozahlen im Fernsehn zu schauen. Und als dann  Schnippo auf dem e-Bike vor Philipp fuhr tat er das genau zwei Runden. Dann war es Philipp zu langweilig und er überholte Schnippo  auf der Zielgeraden. Denn das E-bike war nicht so richtig enthemmt – Philipp allerdings schon.

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Nachdem ich mich also gut amüsierte hatte war jetzt leider Schluss damit, denn nun musste ich auf die Strecke. Was ist bislang gesehen hatte, machte mir Angst. Da waren Fixiefahrer, die aussahen wie Simon Geschke und Frauen auf Fixies die….nun,  ebenfalls aussahen wie Simon Geschke. Andreas meinte treffend, dass das keine Radkuriere sind, sondern welche vom Radpaketdienst. Zack, vier Waschmaschinen unter den Arm und dann ab ausfahren zu den Kunden. Zum Glück gab es nur 19 davon. Und Philipp und Schnippo. Und mich. Alle fuhren auf Rahmen mit nach hinten offenen Ausfallenden; es gab viele Tätowierungen zu sehen, Piercings und Totenköpfe etc. auf den Jerseys. Da gehörte ich nun definitiv nicht rein. Erstens nicht von der Leistung, zweitens nicht vom Alter und dann auch wegen ein noch ein paar anderer offensichtlicher Mängel an Muskeln, Barthaar, Street Credibility und Geldknappheit. ich fühlte mich da sehr falsch. Wann hatte ich das letzte Mal dieses Gefühl? Vermutlich als ich 1990 versehentlich in einem heißen Quellenbad in Japan in die Damenumkleide ging, da dort keine Symbole, sondern chinesische Schriftzeichen an die Tür gemalt waren.

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Ich bin eben Rennradfahrer und fahre Radrennen. Bei so etwas habe ich keine Chance. Also nicht, dass ich sonst eine hätte. Meine Taktik war daher etwa wie die von Steven Bardbury  im Short Track bei den olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City: Hinten fahren und hoffen, das sich vorne alle auf die Fresse legen. Dann non-chalant vorbeiziehen. Nein -zu gemein, ich fuhr wieder mit meiner Standardtaktik: Versuche irgendwie zu überleben und nicht zu bescheuert auszusehen.

Aber da ich da schon einmal stand konnte ich ja ein paar Bilder machen und mitfahren.

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Und dann ging es auch schon los. Alle meine Sorgen waren umsonst, die erste Runde konnte ich echt gut mithalten! Leider stellte sich dann heraus, dass dies nur die neutralisierte Einführungsrunde war und wir am Start wieder stehen blieben. Trotzdem, eine gute Idee, um warm zu werden. Und zum Glück wurde das Rennen auch von 30 auf 20 Runden verkürzt.

Die zweite, also die nun eigentlich erste Runde, war schon deutlich schneller.  Am Anfang war es sehr nervös und ich machte mir da auch ein wenig Sorgen im Feld zu fahren, aber nach zwei Runden war ich da quasi draußen und in einer Dreiergruppe. Die Kurve mit Kopfsteinpflaster nahm irre viel Geschwindigkeit weg und es war extrem hart, dann wieder gegen den Wind zu beschleunigen. Nach 5 Runden hatte ich nur noch wenig Lust und überlegte aufzugeben. Das ist ja immer so, weil ich mich noch nicht warm gefahren habe und es dann am meisten weh tut -später wird es besser.

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Feuerwerk der Radkunst

Dann war ich mit einem der Mädels in dem Rennen zusammen. Ich wollte Sie animieren, dass wir auf die Gruppe der drei Männer vor uns auffahren. Sie sagte ja, ich machte Tempo, und als ich dann wechseln wollte blieb sie hinter mir. Für die nächsten drei Runden. Da ich alleine ohnehin nicht aufholen konnte wurde ich erst einmal wieder etwas langsamer.

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Lutscher !

In der S-Kurve zum Zielsprint drehte ich dann auf, als ich eine weitere, überrundete Fahrerin vor mir sah und setzte mich ab. An die hängte ich mich erst einmal dran und dann gab ich ihr Windschatten. Dann fuhr sie wieder vorne und erstaunlicherweise hatte sie noch gut Power und zog davon. Ehrlich gesagt lag das auch an der Technik, die fuhr die Kurven einfach viel besser als ich. Und als es dann in einer der beiden Kurven einen Sturz gab und ich langsamer wurde und die Richtung wechselte, war sie fast weg. Zwei der schnellen Fahrer waren zu schnell in die Kurve gegangen und matzten in die Barrieren.

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Erst überholen und vorweg …

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….und dann ein paar Runden später den Anschluss verlieren

Nach jeder Kurve musste ich erst einmal die Lücke wieder zu sprinten und das kostete viel Kraft. Aber jetzt war ich zumindest ganz gut dabei. Auch wenn die Spitzengruppe mich in der Zwischenzeit zwei Mal überrundet hatte. Dann sah ich kurz vor Ende Schnippo vor mir, den ich nun überrunden würde. Was er nicht wollte und ihm frische Power gab.

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Prima, mit Schnippo war das jetzt natürlich wieder viel besser und so kamen wir in die letzte Runde und dann auf die Zielgerade. Schnippo fragte mich:,“Wollen wir zusammen ins Ziel fahren, oder das ausfahren?“ „Ausfahren!“ Und so legte wir einen guten Spurt und Bike-throw zum Schluss hin. Nun hatte ich wirklich keine Lust mehr. Allerdings auch keine Bremsen, um zu stoppen.

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Strava

Am Ende wurde es ein 12.Platz von 23 Teilnehmern, von denen wiederum 17 ins Ziel kamen und sechs aufgaben (zwei glaube ich wegen Sturz). Hinter mir nur Frauen. Und Schnippo (Rennen drei). Vor mir eine Frau, und zwar die, deren Trikot so aus sah wie ein Mosaik-gefliestes Badezimmer auf den Bahamas.

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v.l.n.r : Das bahamische Badezimmer; gut getarnte Norddeutsche; meine Begleiterin für ein paar Runden am Start vor mir.

Das hat jetzt nix mit: Ich bin besser als Frauen oder so zu tun, sondern ist einfach meine Erfahrung in den typischen Platzierungen meiner Karriere: Zweitstärkste Frau.

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Hier sieht man noch einmal einen der gestürzten. Fiese Delle am Oberrohr des Standaert Rad.

Prima, ich hatte überlebt, ein Top-12 Finish und war fix und fertig.  Und neben mir glühte Schnippo. Eigentlich keine so gute Idee, denn er fährt morgen das 100 km Rennen beim Velotörn und ich die 150 km der RTF Lauenau. Und dann kam noch einer der schnellen Fixiefahrer und gab mir die Hand – eine Welle von Zusammenhalt wallte in mir auf.

Es ist übrigens keine gute Idee mit wenig gefahrenem, bzw. wenig  getestetem Gerät ins Rennen zu gehen. Der Vorbau fixierte den Lenker nicht gut und da ich fast auschließlich im Unterlenker fuhr, drückte ich im Verlauf des Rennens den Lenker nach vorne und oben. Das war am Ende sehr unbequem. Und sah auch echt scheiße aus.

Und ganz zum Schluss löste sich auch noch ein Kurbelarm vom Vierkanttretlager. Ich fuhr zu Matthias, aber der hatte auch kein passendes Werkzeug (8mm Inbus) dabei. Dafür aber Carolin Schiff, die ich fast übersehen hätte. Ich hatte Sie ja nur einmal im Rennen gesehen und war mir nicht sicher, ob sie es wirklich war. Die Beine schienen mir ein wenig dünn (vor allem nach dem was ich da im Fixie Rennen gesehen hatte), aber dann gab es auf dem Schienbein ein paar markante Narben und ich dachte ich frage sie mal, ob sie es ist. Bingo. Taktisch wollte ich nur beweisen, das ich netter bin, als dass was ich schreibe und wir unterhielten und über das, worüber sich erwachsene Menschen so unterhalten: Radrennen, Motorboote auf dem Gardasee, über die Unsinnigkeit in Bremen zu wohnen und so weiter.

Das waren ja für einen Tag mit so herrlichem Wetter recht wenig Kilometer, diese aber sehr intensiv. Insgesamt war die Veranstaltung gelungen, mit €20 auch nicht zu teuer und spaßig. Zum Glück habe im Rennen ich nicht geschmittet (Bremer Fachwort für „sich auf die Fresse legen“).

Allerdings ist da auch kein großer Unterschied zu den Bremen Challenge Veranstaltungen mit Streckenführung in der Überseestadt zu spüren. Aber trotzdem, danke für die Mühe der Organisation. Danke auch an Silke, Harald und Linda für die Fotos.

Wir sehen uns dann total platt beim RCB Montagstraining.

 

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OBKM BKOM BOKM MOB K

OBKM ist die Abkürzung für „Offene Bremer Kriterium Meisterschaften“. Alle vier Buchstaben sind ebenfalls die Initialien meiner Vornamen und meines Nachnamens. Das nur so. Wichtiger: Heute fand der vierte Lauf in Heilshorn am Sachsenring statt.

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Den ersten Lauf hatte ich nicht mitbekommen, den zweiten vor einiger Zeit verpasst, weil ich bei der Arbeit sehr busy war. Den dritten Lauf vor zwei Wochen habe ich willentlich verpasst, denn das Wetter war echt mies. Aber heute war das Wetter großartig und im Büro war es extremst langweilig – es gab also leider keine Ausrede mehr nicht zum Rennen zu fahren.

Wie läuft so ein Kriterium- bzw. Punkterennen ab? Nun, zunächst es gibt einen technisch anspruchsvollen Rundkurs der in unserem Fall ein Viereck mit einem Umfang von 1,1 km war. Total flach, kaum Wind und die Kurven konnte man alle auch noch mit 40 Sachen durchtreten. Ein Kurs wie geschaffen für meine technischen Fähigkeiten. Der einzige Kurs auf der Welt der noch einfacher zu fahren ist dürfte Hitachi Naka sein; und da habe ich mal 2007 den sechsten Platz gemacht und bekam von einem japanischen  Busenwunder tolle Urkunden überreicht.

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Japanisches Busenwunder links, keine japanischen Busenwunder rechts davon.

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2007 in Japan kurz vor der Wiedervereinigung

Man fährt denSachsenringkurs in unserem Fall 25 Mal. Alle fünf Runden gibt es eine Punktewertung. Der erste Fahrer bekommt dann 5 Punkte, der zweite 3, der dritte 2 und der vierte einen Punkt; bei 25 Runden passiert das genau vier Mal. In der letzten Runde werden ebenfalls die besten vier Fahrer gewertet, allerdings gibt es dann die jeweils doppelte Punktzahl.

Meine bisherigen Erfolge in Punkterennen sind sehr, sehr bescheiden. 2008 war das erste Rennen der Saison in der JCRC Serie  (Japanese Cycle Racing Clubs Association) ein Punkterennen in Kawagoe und da machte ich den 30. Platz von 38 Fahrern. Und das letzte Rennen der Saison, NATS, war ebenfalls ein Punkterennen. An das Ergebnis kann ich mich nicht erinnern, es wird ähnlich gewesen sein. Ich bin zu schwer, um schnell zu beschleunigen und erreiche auch keine hohe Endgeschwindigkeit. Und meine Fahrtechnik ist auch nicht großartig, so dass ich nach Kurven oft Lücken zufahren muss, was wiederum Kraft kostet. Aber ich habe Ausdauer, bin zäh und ehrgeizig. Hoch motiviert und leistungsschwach fasst es zusammen.

Ich weiß nicht, warum diese Veranstaltung „Offene Bremer…“ heißt, denn Heilshorn liegt gefühlt in Norwegen. Ich musste erst mal 25 km mit dem Rad raus fahren. Als ich ankam, waren bereits 3/4 der Rennhasen vor Ort: Silke und Caro hatten sich als Streckenposten verdingt und Linda fuhr das Rennen mit. Organisiert wurde das ganze vom RSC Vegesack, der vor Ort mit professioneller Ausrüstung und Gerät vorgefahren kam.

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Voiture d’equipe

Kritisch muss ich hier allerdings anmerken, dass bereits zum Zeitpunkt des Startes die Lakritzdose verdammt leer war.

Ich fuhr noch ein paar Mal den Kurs ab. Von der letzten Kurve bis zum Ziel waren es etwa 180 Meter – zu kurz um den Sprint nach der Kurve anzuziehen für mich. Ich musste also auf der Geraden zuvor schauen, dass ich aktiv werde.

Das erste Rennen war dem jüngeren Nachwuchs vorbehalten: 15 Runden: ein Junge gegen ein Mädchen. Das Mädchen gewann die Frauenwertung, der Junge die der Männer, wenn ich das richtig behalten habe.

Ich quatschte gerade mit Linda über einkaufen in China und Mama-chari Grand Prix Rennen in Japan als wir auch schon an den Start mussten. Insgesamt waren wir acht Fahrer. Und ich wollte gerade den Faden der Unterhaltung mit Linda wieder aufgreifen, als der Rennleiter so beiläufig sagte: „Und los geht’s.“

Natürlich war ich kalt. Die anderen irgendwie nicht. Oder nicht so kalt wie ich. Jedenfalls ging es gleich ordentlich schnell los und ich dachte nur, hm, das wird gar nicht lustig heute. Ich hatte doch ziemlich Mühe dran zu bleiben und wurde nach hinten durchgereicht. Aber irgendwie ging es dann doch. Als die Glocke die 5. Runde einbimmelte wurde das Feld auf der Gegengerade langsamer. Ich hing so etwa in 4. Position und wartete darauf, dass jemand den Sprint anzieht hinter den ich mich klemmen konnte. Das passierte dann auch, aber es war keine gute Idee, denn da riss gleich eine riesige Lücke auf und ich kam erst als 5.und somit ohne Punkte ins Ziel.

Dann machte Frank Stephan (Name geändert), mit dem ich zwei Mal zusammen den Giro Dolomiti gefahren bin und mit dessen Familie ich in Eppan Abendessen war und der mich trotzdem nie grüßt, geschweige denn erkennt (das musste jetzt doch noch einmal gesagt werden) einen Ausreissversuch, als wir anderen gerade müde vom Sprinten waren. Eine clevere Idee, denn keiner von uns hatte Lust vorne Führungsarbeit zu machen und ihn einzuholen.  Nach drei Runden fuhr ich dann die Lücke zu ihm zu. In der letzten Runde wurde es wieder deutlich langsamer und als wir durch die vorletzte Kurve gefahren waren und so ca. 250 Meter vor dem Ziel zog ich kräftig an und links am Feld vorbei. Ich kam als erster aus der Kurve, sah aber auch die Schatten der anderen hinter mir. Dann flutschte mir der Gang raus, aber immerhin schaffte ich meinen ersten Punkt jemals auf dem vierten Platz. Es ging also doch.

In Runde 10 vor Schluss machte ich es ganz genau so noch einmal, zog aber den Sprint noch einmal 30 Meter früher an. Wieder kam ich als erster aus der Kurve und spurtete auf die Ziellinie zu und dieses Mal wurde ich nur noch von einem Fahrer überholt. Dabei hatte ich auch alles gegeben und als der nächste Ausreissversuch kam konnte ich nicht mehr parieren.

Runde 5 vor Schluss fuhr ich einen lustlosen Sprint. Am Ende versuchte ich es noch einmal halbherzig, aber da zwei Fahrer ohnehin bereits vorne weg waren machte das auch nur wenig Sinn. Aber immerhin, gesamt 4 Punkte. damit hätte ich nicht gerechnet.

Was habe ich daraus gelernt?

Nun in dieser Konstellation sind Kriteriumsrennen gut fahrbar. Die Teilnehmer waren alle technisch sicher und fuhren wenig aggressiv, ich hatte keine Angst da auf die Fresse fallen zu müssen. Je länger das Rennen dauerte umso mehr Kurven wurden auch bei höheren Geschwindigkeiten komplett durchgetreten. Oder anders ausgedrückt: das Rennen hätte ich auch auf einem Fixie ohne Bremsen fahren können.

Dadurch, dass das Feld auch wieder langsamer wird, kann wieder Anschluss gefunden werden, wenn man vorher rausgefallen war. Und hat somit immer wieder eine Chance am Sprinten teilzunehmen, was sehr motivierend ist. Ist eigentlich ein wenig ähnlich wie Intervalltraining und gut für die Tempohärte.

Übrigens, kurz nach dem Rennen konnte ich eine interessante Beobachtung bei den Teilnehmern machen: Je jünger der Fahrer, desto roter die Birne. Wolfgang „Tiger“ H., Baujahr 1943 war quasi kalkweiß, während Linda „Kolibri“ glühte wie fliessendes Lava.

Zuletzt und mit anderen Worten, ich hätte mal besser weniger Respekt davor gehabt. Insofern kann ich nur jedem empfehlen, der sich in etwa auf oder über meinem Niveau befindet (im Prinzip also 95% aller RCB Mitglieder, ach quatsch, der Menschheit!) da mitzufahren. im besonderen möchte ich das mal Thomas Voss ans Herz legen. Ich hätte schon viel früher damit anfangen sollen. Was Linda und ein paar andere getan hatten, denn es folgte die Siegerehrung für den Gesamtsieger der 4 Läufe. Und da fand sich Linda auf dem dritten Platz wieder.

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Es gab alkoholfreies Bier und Blumen.

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Gesamtsieger OBKM: Wolfgang H. (oder so), 2. Platz: Wolfgang H. (sind, glaube ich, Zwillinge.), 3. Platz: Linda Wolfgang

Ja, es hilft in Bremen ungemein, wenn man Wolfgang heißt. Übrigens genau wie mein Onkel, Wolfgang Adolf Krähe, geboren 1940. Mein Großvater erzählte ihm später, dass er seinen zweiten Vornamen von einem sehr entfernten Großonkel bekommen hat, der dann leider aber im Krieg verstarb. Im Prinzip ist das ja auch nichts anderes als der Kevin und Mandy Effekt heutiger Tage.

Danach fuhren dann die richtig guten Jungs. Und Carolin Schiff. Sie wird schon mal schnell übersehen. Das war ein sehr dichtes Feld mit ca. 30 Teilnehmern.

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Die richtig schnellen Jungs. Auf dem Foto ohne Carolin Schiff.

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Da gab es dann eine Dreiergruppe, die sich zunächst absetzte und dann das Feld überrundete. Sehr cool. Aber die Lakritzdose war leer, ich hatte Hunger, ich musste nach Hause. Bis zum nächsten Mal bzw. Jahr. I ‚ll be back.

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Ach so ja: Ich bin übrigens letzter geworden im 4. Lauf. Egal, ich war trotzdem zufrieden. Da nächste Mal versuche ich es mit dem Moulton TSR zu fahren, da könnte ich in Kurve und Beschleunigung einige Vorteile haben.

Ich hätte noch den Wunsch an die Organisatoren mich in der Gesamtwertung zu platzieren, damit meine drei Punkte aktenkundig werden.

Strava

Danke an die Organisatoren. Wir hätten nicht so viel Spaß im Leben, wenn es nicht Menschen gäbe, die uns das auf Kosten ihres eigenen Spaßes ermöglichen würden.

 

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Elb-Bremen Cyclassics 2016

Hamburg, das etwas größere Bremen an der Elbe, oder auch kurz das Elb-Bremen, wie es von seinen höflichen, toleranten, weltoffenen und verständnisvollen Bewohnern genannt wird, ist seit 1996 Schauplatz eines Radrennens, den Cyclassics. Dieses sollte dieses Jahr zum letzten Mal ausgetragen werden – Zeit also dabei zu sein.

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Ich bin leider nur sehr selten in Hamburg, da es ja leider so ist, dass diese Stadt absolut nichts hat, was Bremen nicht schon hätte. Hafen? Hat Bremen auch. Speicherstadt? Hat Bremen auch in Form der Überseestadt. Mittelmäßiger Fußballverein? Schlechtes Wetter?Schiefgegangene Bauprojekte a la Elbphilharmonie oder Spacepark? Reeperbahn? – Helenenstraße. St. Pauli? – das Viertel. Cyclassics? Bremen Challenge! Na gut, also irgendwie doch 1:0 für Hamburg.

Mitte dieses Jahres hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass der Rückzug von Vattenfall als Sponsor der Cyclassics das Ende der Veranstaltung, zumindest in Hamburg bedeuten würde. Zwar beteuerte der Veanstalter, dass es zwei ernsthafte Angebote anderer Städte für die Fortführung geben würde, aber wir wissen ja ziemlich genau, welche Städte heute so verzweifelt sind dies zu tun: Pjöngyang, Dubai oder Damaskus. Also meldete ich mich für die 100 km Strecke an, um wenigstens einmal in Hamburg dabei gewesen zu sein. Als dann bekannt wurde, dass ein neuer Sponsor EuroEyes, gefunden wurde und das Rennen in Hamburg bleibt, dachte ich erst einmal ich seh‘ nicht richtig. Und dann entschied ich mich doch teilzunehmen und nicht zu warten bis EuroEyes auch kein Interesse mehr hat.

Und so fand ich mich am Sonntag Morgen zusammen mit Silke um 6:30 Uhr im Zug nach Hamburg. Wenige Minute vorher war eine Sushiparty bei uns zu Hause zu Ende gegangen, die mein Sohn initiiert hatte. Er hatte in den letzten Monaten mitbekommen, dass „Willst Du noch ein Bier bei mir trinken?“ eine deutlich niedrigere Erfolgsquote bei Frauen seines Alters hat als „Kommst Du auch zu meiner Sushiparty?“ Und so haben wir in der letzten Zeit eine Sushiparty nach der anderen, was sehr lustig ist, wenn man meinen Sohn kennt: Der will nämlich nie mit uns Sushi essen gehen, weil er das nicht mag bis auf eine einzige Sorte (Ikura). Und an der Zubereitung von Essen zeigte er ebenfalls noch kein Interesse; also auch wenn er halber Japanern ist heißt das noch lange nicht, dass er Sushis zaubern kann.

Ich dachte, wenn jetzt Mädels zu uns nach Hause kommen, dann sorgen die auch dafür, dass nach der Party aufgeräumt wird, aber das war eine komplette Fehleinschätzung. Ich durfte mir erst einmal durch Reis-, Avakoda- und Lachsreste eine Schneise auf dem Frühstückstisch schlagen zwischen Pfützen aus Soyasosse und Schleifspuren aus Wasabi.

Der ganze Zug hingegen war im Bereich des Radwagens voll mit Bremern die nach Hamburg fuhren. Um diese Uhrzeit trifft man im Zug normalerweise ja nur Menschen die aus der Discomeile Bremens nach Hause auf das Dorf fahren wollen und dabei verzweifelt versuchen beim Kotzen den kleinen Tischabfalleimer zu treffen. Da war heute komplett anders.

In Hamburg angekommen sagten wir schnell „Tschüß“, denn Silke war mit ihren Rennhasen in Block E verabredet, während es mich als Erstteilnehmer in Block I verschlagen hatte. Dort traf ich Fabian, der mit dem Motorboot über die Kanäle Mitteldeutschlands nach Hamburg geschippert war. Das war sehr praktisch, denn er hatte sein Motorboot im Parkhaus am Hauptbahnhof geparkt und musste dann nur wenige Schritte zum Start laufen. Ich hatte Fabian seit dem Velothon in Berlin nicht mehr gesehen und wir hatten uns einiges zu erzählen, zumal wir im September zusammen mit Steini auch endlich Berlin entlang des Mauerweges umrunden wollen.

Dann ging es plötzlich los. Das ist ja immer so. Man steht im Startblock, quatscht, ist komplett kalt und plötzlich sieht man, wie die Massen vor einem in Schwung kommen. Und in Hamburg war schon eine sehr große Masse vor einem, vor allem aus Perspektive I.

Von Alain, einem Franzosen, den ich in Tokyo kannte, habe ich gelernt, wie man sich gut durch ein dichtes Feld von Fahrern zu Beginn eines Rennens nach vorne durcharbeiten kann. Alain konnte das extrem gut und ich kann es ein wenig; während wir also im Schritttempo durch die neutrale Zone auf den Start zuradelte hattet ich bereits ein Drittel des Startblockes hinter mich gelassen. Und auch danach ging es nicht gerade schnell weiter. Bislang war ich es von Rennen gewohnt, dass die ersten 10 Kilometer, unabhängig von der Länge des Rennens, mit 50 Km/h plus durchgeballert werden bis man nur noch nach Luft japst und keine Kraft mehr hat. Die restliche Distanz bis zum Ziel wird dann in RTF Manier in einer Gruppe abgewickelt. Hier war es aber nicht so, es ging relativ gemütlich raus aus Hamburg und ich sprang vorwärts von einer Gruppe zur anderen.

Dann kam ein sehr schneller Fahrer vorbei, ich erinnere mich nur noch daran, dass auf seiner Hose „Veganes Radfahren“ stand, was auch immer das bedeuten soll. Ich verstehe ja, dass man vegan essen kann, aber Radfahren? Klingt ähnlich wie rauchen „ohne Atomkraft“; oder  „bumsen für den Frieden“. Der zog mich an weiteren Gruppen vorbei, war aber letztendlich zu schnell für mich. Dann kamen drei blaue Dänen von hinten, an die ich mich wieder ransaugen konnte und mit denen nahm ich die Köhlbrandbrücke in Angriff.

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Die kommt leider bereits nach 10 km und ich war noch nicht richtig warm – das tat also richtig weh und am Ende krabbelte ich da mit weniger als 25 km/h hoch. Aber es ging.

Dann kamen die Berge. OK, also was Hamburg so an Bergen zu bieten hat, was sich auch nicht wesentlich von dem unterscheidet, was Bremen an Bergen zu bieten hat. Allerdings braucht man in Bremen für jede Steigung erstens eine Autobahn und zweitens eine Brücke darüber. In grenzenloser Überschätzung meiner Fähigkeiten nach dem Dolomitentraining und da ich irgendwo gelesen hatte, dass die Bergwertung nur 1,7 km lang ist, ging ich den ersten Berg sehr forsch an und setzte mich von meiner Gruppe ab. Drei Minuten, so dachte ich, halte ich das locker durch. Aber ich war erstens nicht so gut und zweitens war die Strecke deutlich länger als ich dachte, am Ende etwa 6 1/2 Minuten und so wurde ich von dem gesamten Feld wieder eingeholt als ich jämmerlich langsam die letzten Meter zusammenkratzte.

Aber jetzt hatte sich, mehr als 30 km im Rennen, endlich einmal eine vernünftige Truppe gefunden, die in etwa bis zum Schluss zusammenbleiben sollte. Dabei waren unter anderem:

+ Dänen, die nicht lügen und schnell fahren können
+ Zwei weitere Dänen vom Team „Heino“ [das ist dänisch und heißt „Heino“ auf deutsch, vermutlich]
+ Ein Fahrer mit einem türkisen Trikot, das aussah als wenn es eine schlecht gemachte „Biancchi“ Kopie aus Nordkorea gewesen wäre und der von einer Parfümerie aus Wedel gesponsort wurde. Auf seiner Hose stand hinten drauf „Ein Duft sagt mehr als 1000 Worte
+ Ein Riese mit DEMAG Trikot und einem Cervelo.
+ Eine blonde Frau im weißen Trikot „Changing Diabetes“

Jetzt ging es richtig schnell vorwärts und wir rollten das Feld von hinten auf. Bereits auf dem Weg nach draußen kämpfen wir uns durch das H und G Feld durch. Wir überholten größere Gruppen von denen und dabei musste man immer aufpassen, das man an der schnellen Truppe blieb und nicht aus versehen dort hängenblieb weil man aus Versehen am falschen Hinterrad kleben bleibt. Weil die Straßen teilweise recht eng und kurvig waren, wurde das Tempo beim Überholen etwas langsamer, so dass alle in der Gruppe Anschluss finden konnte. Irgendwo holte die Gruppe auch Christian ein, der ebenfalls aus I gestartet war.

Es ging relativ schnell nach Hamburg wieder rein, jetzt mit Rückenwind. Ich konnte mich weiterhin gut an dem Duft mit 1000 Worten orientieren, bis der dann nach einer Kurve und schneller Beschleunigung heraus fiel. Die Gruppe wurde zum Ende etwas kleiner.

Im Hafen war eine Straße zur Hälfte für den Verkehr frei, zur anderen Hälfte für das Radrennen mit Hütchen gesperrt. Diese konnte man aber fast nicht sehen und beinahe wäre ich gegen das erste gefahren. Silke sah später an der gleichen Stelle einen ziemlich schlimmen Sturz, der sie ebenfalls fast ausgeknockt hätte.

Und dann waren wir auch schon nahe des Ziels. Es gab ein paar aufblasbare Tore, aber wie viel Kilometer die bis zum Ziel anzeigen sollten war mir nicht klar. Ich fuhr zu früh an, am Ende ging mir ein wenig die Kraft aus, aber es reichte dann um mit Christian gemeinsam über die Ziellinie zu fahren. Ergebnis: Etwa 2:35 hr Fahrzeit, Top 600 in der 100 km Distanz, fast Top 100 in meiner Altersklasse (Betreute Senioren 3), fast 39er Schnitt. Kam mir etwas schneller vor, aber in den „Hamburger Bergen“ fährt man doch halt längere Strecken im 30er Bereich.

Strava

Mein Vergleich für Hamburg sind die beiden großen anderen deutschen Jedermannrennen, die ich gefahren bin: Berlin und Münster. Im Vergleich dazu sind wesentlich mehr Fahrer auf der Strecke, es gibt nicht diese langen Stücke komplett ohne Fahrer zum Ende des Rennens. Die Strecke ist auch wesentlich kurviger und hat mehr gefährliche Stellen wie Schienen, Verkehrsinseln oder scharfe Kurven, man muss die ganze Zeit sehr konzentriert fahren. Andererseits hatte ich erwartet nach den Berichten bislang, dass mehr gefährliche Fahrer auf der Strecke sind; aber bis auf einen Flachlenkerwichser, der es lustig fand bei den Hütchen der Straßenabtrennung Slalom zu fahren, war das Niveau gut.

Nach dem Rennen trafen sich die Bremer auf dem Platz wo es Paulaner gab.

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Junge, gut aussehende Hamburgerinnen in hanseatischen Kostümen verteilten die Getränke an die Teilnehmer. OK, 2:0 für Hamburg, die Frauen haben den größeren Charmefaktor.

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Oder vielleicht doch 1:1, wenn man sie mit den RCB Rennhasen vergleicht.

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vl.n.r.: Linda Hase, Silvia Rabbit, Silke Usagi und mein Name ist Hase, ist weiß von nichts.

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Immer mehr Bremer kamen und wir verloren uns in Unterhaltungen. Ich sprach recht lange mit Kai, der bald den Ötztaler Marathon fahren wird; Fabian, Kathrin und die Kinder kamen, später auch Jan und Caro und Friedel, nein Klaus.

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Die Fahrt zurück nach Bremen dauerte dann zu lange in einem zu vollen Zug.

Fazit: Hamburg ist zwar verdammt weit weg von Bremen, aber durchaus ab und an einen Abstecher wert. Danke an alle für Organisation, Unterstützung und Freundschaft.

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Giro Dolomiti Day 2: Le Déjeuner sur l’herbe

Die Ereignisse des Tages begannen damit, dass ich 10 km von zuhause aus feststellte, dass ich meine Wasserflaschen vergessen hatte, wieder zurückfuhr und dann wie ein Bescheuerter nach Bozen raste um rechtzeitig zum Start zu kommen. Unten am Start fiel mir ein, dass wir ja ohnehin durch meinen Ort, Wolkenstein fahren und ich mir all die Hektik hätte  sparen können.

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(c) ADP, glaube ich

Am Start erschien das Feld irgendwie kleiner als am ersten Tag an dem mehr als 500 Fahrer teilgenommen hatten. Da die allermeisten ihre Trikots gewechselt hatten und nicht wie die Winterthurer, sieben Sätze mit nach Bozen brachten, war es gar nicht so einfach die Bekanntschaften vom Vortag wieder zu entdecken. Dafür sah ich einige Fahrer aus dem letzten Jahr, die  nun endlich wieder die richtigen Jerseys anhatten. Ich sage nur: Pedali Bolognese.

Gut organisiert ging es im Verband raus aus Bozen entlang der Eisack auf der Landstrasse bis nach Blumau; dort begann der erste Anstieg des Tages Richtung Völs, Seis und Kastelruth. Das Feld zieht sich dann sehr lang; ich muss da immer aufpassen nicht gleich in den Rennmodus zu schalten und akzeptieren von Fahrern überholt zu werden die schwerer oder älter sind als ich, bzw. ein anderes Geschlecht haben. Das ist also genau umgekehrt wie ein RCB Montagstraining, bei dem jeder Versuch des Überholens direkt mit dem Sprintanzug bestraft wird.

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Ein langer, aber sehr angenehmer Anstieg der letztendlich bis auf das etwa 2.100 m hohe Grödner Joch führen sollte. Die Sonne schien und wir kamen an der Konditorei Andreas [OHZ] vorbei und dann durch St. Michael.

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Vor mir der Däne, der mich später zwang auf die Damentoilette zu gehen.

Gerade als ich den kleinen Anstieg an der Kirche St.Michael hochfuhr läuteten die Glocken zwei Mal und zeigten an, dass es halb Zehn sei. Ein gutes Omen für den Rest des Tages, das ich sicherlich noch brauchen würde.

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Vor uns die Kirche St.Michael.

Neben mir fuhr eine Gruppe von Russen, die teilweise in Fucking Radklamotten eingekleidet waren.

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Es gab auch fucking Socken die ein hübsches und schnelles russisches Mädchen anhatte, leider konnte ich das nicht richtig gut photographieren.

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Coole fucking Socken

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Noch einmal coole fucking Socken ganz links.

Der Russe davor, mit dem blauen Jersey war auch nicht schlecht: Er gehörte zum Team „Gazprom Colnago“; wäre dies ein Formel Eins Team, dann könnte die Entsprechung „Schalke Ferrari“ sein in blau-rot gestreiften Autos.

Ein weiteres Highlight des Tages war das Team „www.Flinker-Zahn.de“, dass trotz großspuriger Ankündigung von hinten keine eigene Website besitzt. Macht nichts, auf der Website der Dentalpraxis Dr. Straube erfährt man alles nötige. Übrigens waren das die Fahrerinnen, die am Vortag diese rosa Hosenträger Jerseys anhatten.

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Flinke Implantate von Dr. Straube

Wir sind ja alle durch unsere Berufe irgendwie geprägt, ich kann z.B. nicht in einen Aufzug steigen ohne zu prüfen wer den hergestellt hat und wo und ob der Notausgang in der Decke ist. Tja, dafür reichen fünf Jahre bei Schindler. Wenn ich mit den Zahnarzthelferinnen bei meinem extrem guten Zahnarzt (Dr. Pfannenstiel) spreche, dann bin ich immer leicht neurotisch, was sie wohl über mich denken mögen. Vielleicht: „Eigentlich ein netter Typ, aber die Fehlstellung mit Engstand unten drei ist ja so etwas von Achtziger!“ oder „Boh, der sieht nach drei Stunden Zahnreinigung wie im Steinbruch aus.“

Ich traf auch einen der „Ulmis“ aus dem letzten Jahr den ich prompt ansprach: „Hey, ich kenne Dich vom letzten Jahr, Du bist immer unseren Mädels hinterher gefahren!“ Gefolgt von einer halbherzigen Leugnung.

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Rechts ein Ulmi im neuen Trikot. Links das Uhrwerk: Fuhr die ganze Etappe im gleichen Tempo durch, manchmal vor, manchmal hinter mir. Hielt nie an.

Jedenfalls ich das immer ein gutes Zeichen, wenn ich Zeit habe Photos zu machen und mich umzuschauen, das sollte sich nämlich später ändern. Bis Wolkenstein waren es immerhin ca. 50 km und 1.500 hm hoch und so langsam begann der Magen zu knurren. Ich konnte mich aber motivieren in dem ich mir versprach im Supermarkt am Ort ein Stück Apfelstrudel zu kaufen. Am Ortseingang wartete meine Familie auf mich und schrie und winkte. Also fuhr ich schnell noch ein Stück die Strasse hoch und bog dann ab. Cola, Apfelstrudel und zur Sicherheit noch ein paar Powerbars und dann weiter die letzten Meter bis zur offiziellen Verpflegung. Die da nicht so doll ist: Kekse, Bananen, Linzer und ein paar geschmierte Butterbrote wenn man schnell da war.

Um 11 Uhr ging es weiter Richtung Grödner Joch. Diese Strecke war ich letzte Woche bereits gefahren und ich wusste, was auf mich zukommt. Ich war deutlich langsamer als in der letzten Woche, aber das war OK. Und so begann die Abfahrt nach Corvara so gegen 12 Uhr. Auf der Strasse war viel Verkehr, so dass man nicht so richtig aufdrehen konnte. Von nun an ging es 27 km und mehr als 1.000  Höhenmeter abwärts. Das fuhr sich zwar sehr geschmeidig, hatte aber auch den Nachteil, dass mir bewusst wurde, dass ich eine Menge davon wieder hochfahren muss. Es war so, wie John Oliver von This week tonight angenehme Dinge mit unangenehmen Beigeschmack beschrieb: „It’s like catching an icecream cone out of the air, because a child was hit by a car.

An einer Baustelle, bei der gerade ein Teil der Strasse neu asphaltiert wurde fuhren viele andere und ich elegant an den wartenden Autos auf der linken Seite vorbei, nur um ein paar Meter weiter festzustellen, dass wir alle eine Zentimeterdicke Teerschicht auf unseren Reifen haben die sich quasi nicht mehr entfernen liess. Der Teer war noch heiß und weich und tausende von kleinen Steinchen sammelten sich in ihm an wie Schokostreusel auf einem Zuckerdonut. Das war gar nicht gut und ich machte mir etwas Sorgen, dass sich die Steine irgendwann durch die Reifen arbeiten würden.

Zeit als auf Toilette zu gehen und einen Espresso zu trinken. Kurz vor St. Martin in Thurn fand ich eine nette Bar – nur die Toilette war voll mit anderen Radfahrern (BASF!) und Osterhus-Däne sagte: „Geh‘ döch auf dö Damentölette!“ „Echt?!“ „Öch klör!“ Na gut. dann hockte ich ein der paar mit ein paar Fahrern aus der Gegend und liess es mir gut gehen- es sollte das letzte mal an diesem Tag sein. Die anderen Bremer hatte ich, bis auf Marc, seit Wolkenstein nicht mehr gesehen.

Der Rennstart war nur 2 km entfernt. Von hier aus sollte es 14 km hochgehen bis zum Würzjoch: Zunächst einmal 5 km und 450 Höhenmeter bis es wieder 3 km runter ging und dann noch einmal 6 km hoch mit 550 Höhenmeter.

Am Anfang war ich gut motiviert und überholte erst einmal einen fucking Russen.

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Das fühlte sich schon mal fucking gut an. Lief eben gut die ersten fünf Kilometer, ich überholte eine Menge Fahrer und wurde auch einige Male überholt. Alles im grünen Bereich. Ich strengte mich an, aber auch nicht zu sehr. Ab und an einen Gang höher, in den Wiegetritt und weiter. In den Spitzkehren immer schön den kürzesten Weg genommen und mit viel Schwung raus. Hoch traf ich zunächst Dietmar und dann Matthias, denen ich ein wenig Schwung mitgab.  Dann kam die Abfahrt, die viel zu schnell vorbei war. Und danach wurde es richtig hart.

Es waren zwar nur noch 6 km und 550 hm bis zum Ziel aber das zog sich verdammt lange. Und einige Stücke waren ätzend steil. Und mir ging auch langsam die Energie aus. Eine echte Qual, ich zählte quasi jeden Meter den ich fuhr. Bloß nicht aufhören zu treten, bloß nicht absteigen. Selbst als ich das Ziel in der Ferne sah, motivierte mich das nicht besonders, ich war einfach nur froh als ich oben war. Am Ziel stellte ich dann fest, dass die gefahrene Zeit für mich gut war. Das war aber auch so mit das härteste, was ich bisher gefahren bin. Härter waren an sich nur noch der Mortirolo, der Stelvio etc. von der Transalp 2011 und quasi jedes Mal Wada Toge in Japan hochzufahren. Und mindestens zwei RCB Montagstrainings dieses Jahr.

Bloß schnell runter zur Verplegungsstelle, dazu musste man 3 km ins Tal fahren. Ich freute mich schon sehr, meine Erwartungshaltung sah etwa so aus:

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Mittagessen am Würzjoch 1863 (Edouard Manet)

Und Stimmungsmässig wie der gleichnamige Film von Jean Renoir.

Wie bitter wurde ich enttäuscht. Es fing an zu nieseln und das Essen war eine Mischung aus Kinderalptraumspinat, englisch zubereitetem Rindfleisch (mindestens 5 Stunden gekocht) und lustloser Pasta. Nur ein Teil der Sitze war unter Zelten und ich musste mich da irgendwo reinfriemmeln, gegen den erklärten Willen von zwei Winterthurern. Marc war bereits da, nachher kamen auch noch Andreas, Matthias und Dietmar.

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Mittagessen am Würzjoch 2015 (ADP)

Da das Wetter aber immer ungemütlicher wurde machte ich mich los auf den Weg nach unten. Zunächst einmal weitere 100 Höhenmeter hoch, während es um mich herum anfing zu blitzen und kurz danach zu donnern. Ich hatte zwar eine dünne Regenjacke dabei, die aber nicht viel nützte. Innerhalb kurzer Zeit waren nicht nur die Klamotten, sondern auch die Schuhe komplett nass und wir wurde kalt. Die Straße runter war in keinem guten Zustand und sehr schmal, für den Verkehr war sie ebenfalls nicht gesperrt, was die Fahrt nach unten sehr risikoreich machte.  Das einzig gute war, dass der Regen unten wärmer wurde.

Etwas nördlich von Klausen kamen wir wieder in das Eisacktal, von dort aus waren es noch etwa 40 km zurück nach Bozen. Zunächst fuhr ich auf der Schnellstraße, da ich aber in keiner Gruppe war und der Verkehr sehr dicht, nahm ich ab Kollmann den Radweg, den ich von letzter Woche her schon kannte. Das war wesentlich angenehmer. In Bozen angekommen regnete es erst einmal nicht, fing dann aber auch wieder an. Das reichte mir total für heute, ich setzte mich in das Auto und fuhr wieder zurück nach Wolkenstein.

Insgesamt ein zwiespältiger Tag, einerseits eine extreme Leistung, die zunächst auch Spaß machte, aber mehr als zwei Stunden im Regen ohne Organisation auf dem Rückweg waren alles andere als lustig. Da ich keine Wechselklamotten habe, alles nass war, wenig Lust zum Radfahren und Kazuko heute auch Geburtstag nicht zuletzt entschloss ich mich heute einen Ruhetag einzulegen.

Strava

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Giro Dolomiti Day 1: Mummy you’re not watching me

Drei Tage Höhentraining in Wolkenstein, zwei Tage absolutes Nichtstun, der Familie gegenüber als „Regenerationsphase“, bzw. „Stabilisationsmigration“ verkauft. Heute dann der Start des Giro Dolomiti mit einer Transferetappe.

Mit Transfer ist hier gemeint, dass nun langsam der Transfer von einen normalen Leben in eins, dass sich komplett dem Radfahren unterordnen muss, stattfindet. Es gibt keine Mahlzeiten mehr, sondern nur noch „Verpflegungspausen“ oder „Zeit für einen Riegel“; es gibt keine Freizeit und keinen Müßiggang mehr, sondern nur noch erschöpftes einschlummern gefolgt von hektischem Vorbereiten auf den nächsten Tag.

Ich machte mich um 6:30 Uhr auf den Weg von Wolkenstein in das 50 km entfernte Bozen; es war Sonntag und die Straßen leer. Um Zeit zu sparen frühstückte ich im Auto, sobald ich unten im Tal fuhr und hörte dazu Sade, TV Personalities und Natalie Imbruglia und noch schlimmer, Alvaro Soller [den wir als Kind von der Deutschen Schule in Yokohama kennen] , also die perfekte Mischung zwischen purer Freude und leichter Genervtheit, um wach zu bleiben. Dazu hatte ich das perfekte Gerät dabei, meinen ipod shuffle von 2005 mit unglaublichem 512 MB Speicher. Das ist übrigens das einzige Apple Geär, das ich besitze; nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil es sich so ergeben hat.

Parkplätze gab es genug an der Messe, ich parkte neben einem Bus in dem sich minderjährige Pfadfinder fertig für die Fahrt in die Berge machten. Am Start traf sich mehr oder weniger die Bremer Fahrer, es blieb gerade noch Zeit für ein Photo vor der grünen Wand und dann ging es schon auf die Strecke.

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(c) Andis Dolomiten Photo (ADP)

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Es war sehr nostalgisch einerseits, denn es gab viele Jerseys aus dem Vorjahr zu sehen – von den etwas mehr als 500 Startern waren ca. 532 vom RSC Niddatal in der markanten Ketchup/Senf Montur, dazu Winterthur, Pedali Bolognese, Hövelshof, Erkelenz und viele mehr – es gab einige Wiedersehen vom letzten Jahr – der Zwerg war wieder dabei, Rapunzel ebenso wie die rosa Socken aus Maschsee und den Rest habe ich wohl nicht erkannt, da er gerade das falsche Trikot anhatte. Und irgendwie war ich auch ein wenig traurig gestimmt, denn Silvia, Thomas, David und Jochen fehlten mir doch am Start.

Gewohnt gut organisiert wurden wir durch Bozen und dann auf die Landstraße an de Eisack in Richtung Brenner geführt. Diese war in beide Richtungen für uns gesperrt, es war noch etwas kühl am Morgen und das Tempo eigentlich gemütlich. Trotzdem kam es zu zwei Stürzen, beide Male in einem Tunnel; am ersten Tag kochen die Hormone halt noch ordentlich hoch, aber Körper, Alter und Natur tun im weiteren Verlauf das ihrige, um den Pegel auf Normalniveau zu bringen.

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So ging es die ersten 26 Kilometer langsam hoch durch das Tal bis nach Waidbrück, wo wir von der Hauptstraße abbogen und uns auf den Anstieg nach Barbian machten. Das waren die ersten 350 Höhenmeter des Giros, bei denen das Berggefühl aufkam. Ich passte auf, das ich da in meinem Tempo gleichmäßig hoch fuhr, denn ich wollte mich ja nicht vor der gestoppten Strecke verausgaben. Dabei unterhielt ich mich ein wenig mit Dietmar, der wie ich aus Mönchengladbach kommt. Na ja, eigentlich aus der Nähe von Mönchengladbach, aber zum Glück nicht aus Rheydt. wie überhaupt das Rheinland beim Giro immer gut vertreten ist: Erkelenz, Brühl und natürlich jede Menge Holländer.

Die übrigens nicht nach 31 km in Barbian begann, sondern etwa 3 bis 4 km später. Da gab es eine schöne, schmale Abfahrt, eine enge Kurve und dann war da auf einmal dieses Tor für den Beginn der Zeitnahme. Ups. Das ging mir aber zu schnell,  ich drehte um, fuhr den Hügel wieder ein Stück hoch und machte mich (geistig) fertig.

Dann los, den Hügel runter, mit Schwung durch die Zeitaufnahme und gleich gebremst von der Gravitation und einem Mini Stau. Vor mir rosa Socken aus Maschsee, das sollte für die nächsten Kilometer erst einmal mein Orientierungspunkt sein. Durch den Ministau wurde meine Übermotivation erst einmal gebremst und dann war es ohnehin erst einmal so steil, dass es an sich nur noch ums Überleben ging. Dann kam nach ca. 3 km eine kurze Abfahrt und ich war mir unsicher, ob dies nun bedeutete, dass wir doch das 14 km lange Original fahren würden, denn ich dachte dass das 9 km Stück komplett ohne Abfahrt wäre. Das machte mich nun doch etwas unsicher und ich hielt mich etwas mehr zurück für den Fall, dass ich doch noch länger fahren müsste. Irgendwo überholte mich Andi, was von ihm phototechnisch ausführlichst festgehalten wurde.

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(c) ADP

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(c) ADP

 

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(c) ADP

Kann auch sein, dass das alles vor dem Rennen war, aber so genau bekam ich das nicht mehr mit.

Es folgte eine weitere Abfahrt und das Schild „3 km bis zum Ziel“. Cool. Dann noch ein paar kurze Aufstiege und das Schild „1 km bis zum Ziel“. Noch eine Abfahrt und dann war es auch schon zu Ende. Andi stand bereits am Ziel mit der Kamera in der Hand.

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Silke im Ziel

Kurz hinter dem Ziel lag die Verpflegungsstelle, bei der es den üblichen dolomitischen Misch aus Keksen, Marmeladenkuchen und Bananen gab. Nachdem die harte Arbeit vorbei war, wurde die Stimmung auch deutlich entspannter.

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Hilde (c) ADP

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Silke van der Kitten  [CN] (c) ADP

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(c) ADP

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(c) ADP

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(c) ADP

Zeit also, sich einmal nach dem bestaussehenden Sportler des Tages umzuschauen. Schon auf der Fahrt hoch nach Barbian war mir „Die Mumie“ aufgefallen. Wie würde man so eine Hose bezeichnen: Dreiviertel-lang? Siebenachtel-lang? Hochwasserhose?

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Trikot des Tages: Die Mumie (2. von rechts)

Mal was anderes. Jedenfalls anders, als die vielen, vielen bunten ALE jerseys mit love bubbles, siehe Big Mistake von Natalie Imbruglia. Trikotdesign und Leistung haben übrigens nichts miteinander zu tun. Heute wurde ich von zwei älteren Frauen überholt, die Trikots anhatten, die ausssahen wie rosa Unterhemden und darüber blaue Hosenträger. Davon muss ich unbedingt noch ein Photo machen.

Nach der Pause musste noch ein wenig geklettert werden, bis wir schließlich durch Oberinn kamen,

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und dann begann auch schon die schöne,lange Abfahrt zurück nach Bozen. Der obere Teil war etwas kurviger und der untere Teil war nicht mehr sonderlich steil, aber schnell, schnell, schnell und durch jede Menge Tunnel.

Nach 79 km war alles vorbei und wir waren zurück an der Messe in Botschaft. Ich musste mich etwas beeilen, da meine Familie wieder etwas von mir haben wollte und machte mich relativ zügig auf den Weg zurück nach Wolkenstein.

Der Rest des Tages: Einschlummern bein anschauen der Tour de France, hektisches Vorbereiten auf den nächsten Tag. Nudeln en masse. Morgen die erste Königsetappe von sechs weiteren.

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Teufelsmoor.

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Seit Jahren suche ich nach neuen Wegen um Bremen herum und seit Jahren weiß ich auch, dass ich dafür einen Crosser brauchen würde, habe aber keine Lust und kein Geld, um mir einen zu kaufen.

Und seitdem ich  letztem Sommer zum ersten Mal in Melchers Hütte war, wollte ich die Feldwege im Teufelsmoor erkunden und über diese schräge Brücke über die Hamme fahren, die mir bei einer Torfkahnfahrt auffiel.

In der letzten Woche habe ich mein Umberto Dei umgebaut. Das ist ein sehr schöner Rahmen mit einem Moustache Lenker, tollen goldenen Mafac Bremsen und noch schöneren goldenen H plus Son TB14 Felgen; abgerundet durch eine Regina Ora Kranz mit passender Regina Kette – Gold quasi überall. Das Rad gefällt vielen gut die es sehen; mir auch, nur leider muss ich es auch fahren und da liegt das Problem: Funktional ist das alles nicht so glücklich. Für kurze Strecken ist Umberto gut, aber bei längeren Strecken schmerzt die Haltung und die Handposition auf dem Lenker. Die Bremsen machen alles: Geräusche, glitzern, bewegen .. nur bremsen, das tun sie nicht. Und Rahmenschalthebel….na ja: STIs/Ergo und Dual Pivot Bremsen sind ja meiner Ansicht nach die herausragenden Innovationen der letzten 30 Jahre.

Ich hatte mir lange überlegt, wie ich das Rad umbauen sollte und langsam reifte die Idee daraus einen Semi-Crosser zu bauen. Den Moustache Lenker ersetzte ich durch einen schmalen Riser von Nitto der sehr stark nach Fixie-Szene aussieht. Einen breiten MTB Lenker wollte ich nicht. Nichts gegen MTBs und schon gar nichts gegen ihre Fahrer, aber MTB Fahrer sehen meiner Meinung nach auf MTBs so aus, wie weibliche, russische Gewichtsheberinnen wenn Sie gerade das Gewicht vom Boden nach oben reißen.

Weightlifting

Klassischer MTB Riser Lenker in typischer, epischer Breite.

Die Bremsen ersetzte ich durch Modolo Sport Hebel, da ich schon wieder Tektro FL-750 verbauen wollte die zugebenermaßen die schönsten Hebel der Welt sind. Und durch Tektro Bremsen mit langen Schenkeln die vom Aufbau von Hannes weißen CIÖCC übrig geblieben waren. Dazu hellblaue Esi Chunky Griffe, statt den Oury Griffen, die ich sonst oft benutze.

Den Laufradsatz tauschte ich aus gegen einen mit Dura Ace 7400 Naben, Mavic MA2 Felgen  und einer massigen 6-fach Uniglide Kassette 15/32. Zum Glück schafft das die Campa Nuovo Record Schaltung, wenn auch nur auf dem großen Kettenblatt. Aber das ist doch mal eine ansprechende Übersetzung für das Gelände. Auf die Felgen  wurden Challenge Strada Bianca Reifen gezogen. Massive Dinger 700 x 30C, aber mit einem schönen Diamantprofil, Naturflanke und halbwegs Straßentauglich aussehend.

Ich hatte noch einen Satz Suntour Accushift Daumis; von denen montierte ich den rechten an den Lenker um das Schaltwerk zu bedienen. Den linken Schalthebel für den Umwerfer ließ ich unten am Rahmen wo er hingehört, weil der ohnehin nicht benutzt wird. Ich hätte auch gleich Umwerfer und kleines Kettenblatt abmontieren können, aber meiner Erfahrung nach ist es gut einen Umwerfer montiert zu haben, einfach nur um die Kette vorne nicht abspringen zu lassen.

Am Donnerstag Abend nach dem Regen machte ich eine kurze Probefahrt. Passte in etwa. Heute dann die längere Ausfahrt ins Teufelsmoor.

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Melchers Brücke

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Melchers Hamme

Am Anfang fuhr ich auf bekannten Wegen. Umberto ist nicht wirklich schnell, aber es reicht, um nicht ungeduldig zu werden. Kurz vor Worpswede bog ich nach Norden ab und so langsam kam jetzt auch die Sonne raus. Es machte Spaß schnell zu fahren, neues zu sehen und unter dem Rad Sand und Kies knirschen zu hören. Das machte Lust nach mehr.

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OK, der Hummer hat doch die dickeren Reifen.

Wie schwierig das Gelände dort ist sieht man ja schon daran, was da sonst so rumfährt. Nicht. Denn ehrlich gesagt, hätte ich das alles auch mit einem Rennrad fahren können, Conti GP4000 Reifen halten so etwas aus.

Trotzdem, der Umberto Crosser könnte genau das richtige Rad für eine weitere geplante Tour sein: Die komplette Umrundung Westberlins auf dem 160km langen Berliner Mauerweg mit Fabian; und am besten auch gleich mit Steini.

Ich freue mich schon riesig, Fabian. Ich freue mich schon sehr, Steini. Ich hoffe das gibt diesen Spätsommer etwas, Fabian. Das machen wir doch im September, Steini?

Strava

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