Archiv der Kategorie: Freunde

Positivo Espresso, Bremen und Sonstwo. Alle die mitmachen.

Warten auf Bumsfidel. RTF Barrien.

„In Bremen an der Weser, Fleischergasse 8
da wohnt der Metzger Bumsfidel, der aus Kindern Hackfleisch macht
den Eltern gibt er’s wieder, wenn auch als Frikassee
auf diese Art und Weise, tut scheiden nicht so weh“

Mit diesem Reim versuchten mich meine Eltern in Kindertagen davon zu überzeugen, meine Suppe auszulöffeln, wenn sie mal wieder nicht so gut schmeckte. Bumsfidel, das war der Horror meiner Kindertage: omnipräsent wie Tritop, grauenhaft wie BZN und geheimnisvoll wie Idi Amin. Ich wurde erwachsen, dachte nicht mehr an Bumsfidel, bis an jenen schicksalhaften Sonntag im Juni 2015:

Markus und ich hetzten morgen uns halb sieben zur Bank an der Wehrstrasse, wo sich die bremischen Radfahrer zur Anfahrt nach Barrien trafen. Wir wurden herzlich begrüßt mit einem lautstarken: „moin, rhabarber, rhabarber, rharbarber, grummel, grummel“ begrüsst und wollten schon losfahren…..

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Sonntag Morgens um halb Sieben an der Wehrstrasse: Where the fuck is Bumsfidel?

….. als jemand auffiel, das Bumsfidel noch fehlte. Bumsfidel –  ein leichter Schauer rieselte über meinen Rücken und die noch behaarten Teile meiner Beine richteten sich leicht auf gegen den Nieselregen auf. Ein gelber Schatten am Horizont: „Da kommt Bumsfidel endlich!“

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Nein, es war nicht Bumsfidel. Bumsfidel kam nicht und so setzten wir uns in Bewegung Richung Barrien.

Die Barrien RTF heisst offiziell, zumindest auf der Referenzseite aller RTFs in Norddeutschland, Helmuts Fahrradseiten: „Quer durchs Hachetal„. Ich finde die Bezeichnung „Tal“ etwas irritierend, denn sie impliziert das Vorhandensein von Bergen oder wenigstens Hügeln um das Tal herum. Die Hügel müssen sich aber bereits vor langer Zeit  gen Süden verpisst haben. Oder meinte jemand damit die Berge an Butterkuchen, die das eigentliche Highlight dieser RTF sind?  Erste Fehleinschätzung.

Die zweite war, dass wir recht zügig nach Barrien unterwegs waren. Ich dachte, das wird eine gemütliche RTF die ich im 30/33er Schnitt abrolle. Mein Image war etwa so:


Also, locker rum fahren, ab und an ein Baguette aus den extralangen Trikottaschen ziehen und abbeissen, ’ne Fluppe zwischendurch rauchen und dann volles abtanzen im Technoclub in Barrien, um die überschüssige Energie loszuwerden.

Aber alleine die Anfahrt dorthin ließ bereits den Verdacht aufkommen, das es schnell werden könnte. Also erst einmal eine rauchen, wenn das schon bei der Fahrt nicht möglich ist und sich vorher gut verpflegen. Es ist ja schon unglaublich, was die Dorfvereine um Bremen herum (Goldenstedt, Visbeck, Barrien etc.) für so eine RTF an Kuchen und Broten zur Verfügung stellen. Ich bin versucht mit Rad und Kinderanhänger anzureisen, den Damen am Buffetstand zuzurufen: „Ich kaufe alles, stellen Sie es mir bitte in den Anhänger und schicken Sie mir eine Rechnung.“ und dann auf dem Marktplatz in Bremen zu verkaufen – ich könnte reich werden.

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Alles in den Anhänger bitte, aber zapp zapp!

Aber ich bin zum radeln gekommen und nicht um Geld zu machen. Also nehme ich ein Leberwurstbrötchen, einen Kaffee und mache mir eine Mentholfluppe an. Eins von den RCB Mädels starrt mich mit diesem Blick an, den ich nur zu gut kenne. Es ist der Blick, den mein Vater hatte, als ich ihm nach dem Abitur sagte, dass ich nun eine landwirtschaftliche Lehre anfangen würde und den Lehrvertrag bereits unterschrieben hatte; es ist der Blick, den mir meine Frau zuwarf, als ich ihr nebenbei sagte, dass ich zu meinem Geburtstag alle meine ex-Freundinnen eingeladen habe. Ich glaube die Idee des Blickes kommt ganz gut rüber.

Aber wie gesagt, ich bin zum radeln gekommen und wir stellen uns am Start auf. Und nach einer motivierenden Rede durch den Verein geht es los. Und wie immer bei einer RTF fährt man dann gleich 45 km/h ohne das richtig zu merken. Das Feld zieht sich schnell auseinander und Markus und ich sind recht weit vorne in einer Gruppe mit vielleicht 20 Fahrer. Es ist kaum jemand dabei den wir kennen, aber die Gruppe macht gutes Tempo und wir hängen dran, als wenn es um unser Leben geht. Das heisst, ich tu das, Markus macht das sehr souverän. Irgendwie fehlt mir heute die Power, das liegt a) an der Zigarette b) an dem Basso Stahlrad, das heute den Vorzug vor der Carbonmöhre bekommen hat und c) an der Angst vor Bumsfidel. Vermutlich. Vielleicht reichen in meinem Alter fast 6.000 km Training auch nicht mehr aus, um eine RTF schnell zu fahren, ich weiß es nicht.

Bei der ersten Kontrolle nach noch nicht einmal 30 km fahren wir durch. Wir sind jetzt nur noch zu siebt und das Tempo ist immer noch hoch. Irgendwo an einem Hügel nach 41 km müssen wir abreissen lassen, vier sind vorne weg, und wir drei sortieren uns neu. Bis wir dann unvermeidlich von einer größeren Gruppe überholt werden, in der sich die meisten schnellen Jungs vom RCB befinden: Philipp, Sebastian, Stefan, Benjamin, Tobias.. habe ich jemanden vergessen? Nein, Bumsfidel ist nicht dabei. Mit der Truppe geht es dann auch schnell, aber vor allem wesentlich gleichmäßiger weiter.

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An der nächsten Kontrolle, nach etwa 60 km halten wir und fassen Butterkuchen, wie es sich gehört. Die korrekte Form der Nahrungsaufnahme bei dieser RTF ist der sogenannte „Barrienburger“: Zwei Stücke Butterkuchen, mit der Zuckerseite nach innen, so dass man sich nicht die Finger verklebt und mittendrin eine halbe Banane.

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Der klassische Barrienburger

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Die Freunden der Nahrungsaufnahme bei einer RTF, wenn man Strava eingeschaltet hat.

Es geht flott weiter, aber in dieser Gruppe macht es mehr Spaß zu fahren. Gleichmässiger, vielleicht etwas langsamer, aber es ist kein Problem mitzukommen und die Geschwindigkeit ist trotzdem hoch. Ruckzuck geht es durch das von hohen Bergen rechts und links umrahmte Hachetal.

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Durch das Hachetal: Links die Hachspitze und der Mont ‚ach, rechts hinter den Bäumen das Hacher Joch.

Die nächste Kontrolle ist nach ca. 103 km, ein etwas ungewöhnlicher Standort bei 115 km Streckenlänge, aber bitte. Es gibt keinen Grund für diesen Ort, da ist nur ein Haus und zwei nette Damen stehen da und verteilen Butterkuchen, den man nun nicht mehr wirklich will. Der Körper sehnt sich nach Bratwurst, Mettbrötchen und Gulaschsuppe – Hauptsache salzig. Die letzten zehn Kilometer sind dann höllisch gefährlich, da ist teilweise viel Sand und Schlamm auf der Strasse vom Regen am Vortag – da hätte aber noch mal ordentlich gekehrt werden können. Egal, das Ziel ist um die Ecke und wir haben es geschafft. Dort treffe ich Eddie Spezial und seinen Sohn Harry Spezial, der gerade seine erste RTF überhaupt gefahren ist. Überhaupt sind irrsinnig viele nette Menschen da die ich kenne und ich muss an meine erste RTF in Bremen überhaupt denken (RSC Gold), da kannte ich wirklich niemanden.  Ds ist schon gut wie sich das entwickelt hat und ich sollte mir das nicht zerstören, in dem ich jetzt fiese Dinge hier auf dem Blog schreibe. Dazu gibt es allerdings auch keinen Anlass. Die Stuhrer sind bereits da, Silke und Olaf, Klapp-Rabe, Cobra, Thorsten, etwas später treffen auch Caro, Tanja und Silke ein. Überall gibt es etwas zu erzählen und zu hören.

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Doch leider muss ich auch schnell wieder nach Hause, das Grauen in Form von „Chemiearbeit der Tochter am nächsten Montag“ steht vor der Tür.

Zuhause lade ich meine Daten auf Strava hoch (mit neuem Namen, um meiner Mitgliedschaft im RCOB Rechnung zu tragen) und definiere bei dieser Gelegenheit ein neues Segment über die gesamte Länge der RTF. Das Ergebnis ist recht interessant: Wie erwartet bin ich etwa genauso schnell wie Benjamin, mit dem ich zusammen gestartet und ins Ziel gekommen bin und immer noch ’ne halbe Stunde langsamer als die Schnellsten.

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Und ich bin 40 Minuten schneller als Sebastian, mit dem ich ebenfalls gleichzeitig gestartet und ins Ziel gekommen bin? Wie hat der das denn geschafft? Und wieso daddelt Thorsten mit 26 km/h wie auf einem Hollandrad rum und belegt den letzten Platz in der Stravaliste?

Clipboard01 Ich glaube, das ist die elektronische Frikassee-rache von Bumsfidel.

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International Drug Trade

This is a post I wanted to write for quite a long time.  Moving from Tokyo to Bremen in 2010 was quite a shock. Obviously not for Tokyo, that could easily neglect the loss of one of its 30 Million Kanto Metropolia inhabitants and also not for Bremen as well, that couls easily acommodate one crazy half-foreigner. Riding a bike in Tokyo is s much different from riding a bike in Bremen, it is almost like beginning to cycle all over again: Bremites ride on the right (or wrong side) of the road, there are many cycle lanes as oppoed to Tokyo where there are very few, the Bremen landscape is empty of any noticeable hills whereas the weather there is empty of any sun except for the summer (Juli 15th to August 3rd). On the other hand, there are also some similiarities. The most important one: After five years in Bremen I found many nice people to ride with and there is a pletora of offers to ride together almost every day of the week. And much to my surprise I found out that the Columbian drug cartel has established itself along major cycling roads in the vicinity of Tokyo as well as in Bremen. One of the favourite roads out of Tokyo for the Positivo Espresso team is a small, asphalted road along the Northern slopes of lake Tsukui in the West of Tokyo. The road is almost the first pleasant road after the urban sprawl of the Hashimoto/Sagami area and allows to avoid heavy raffic on national road #413 when riding out to Miyagase lake or other popular destinations. This isn’t a very long road and it doesn’t offer spectacular climbs or vistas, although the view on lake Tsukui is beautiful and at the vey hand one passes over the lake on a suspension bridge. I have seen Japanese monkeys in the surrounding forrest once but this is rather an usual event, Nevertheless this road is full of Positivo Espresso stories, for example a rode there once with James and Ludwig on my Cervelo racing bike and rode back on a single speedy. But by far the most interesting feature is the villa of the Columbian druglord that is situated about half of the distance.

The Villa of the Columbian druglord at lake Tsukui.

This is a spectacular building that arrived in the completely surprised landscape one day, although the owner tried to compensate the ladnscape by planting some palm trees along the road. For those who haven’t been to Japan yet, this is neither a traditional nor a very modern Japanese building so the only conclusion possible is that this indeed must be the villa of a druglord. When I checked with Google streetview I found out much to my surprise that the building is blurred – which is quite common in Germany but very rare in Japan; another indication that something suspicious must be going on behind its terracotta walls. For years a land rover was parked in front of it, I always assumed that this was the car to make a quick escape as it never seems to have moved. I guess almost every blogpost on the Positivo Espresso and this blog that reports about a ride covering this road has mentioned the druglord’s villa. The location, style and related story of this place seemd to me so particular, that for a long time I thought that this must be special, not to be encountered anywhere else in the world. This was my opinion until entered Delmenhorst the other day. Delmenhorst, a rather unimportant small city to the West of Bremen, home to some very nice people, offers once a year a good touring event. The main point of this tour is, that it doesn’t bother to stay close to Delmenhost for a long time; it rather leads out straight to Colnrade with its beautiful forrests and network of small, sleepy roads. However, when one enters Delmenhorst coming from Bremen, one sees this at the entry to the city.

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Columbian Drugloard’s Villa in Delmenhorst

After gaining abundant international experience in Tokyo, the only conclusion I can draw is that this is another outpost of the Columbian drug cartel as a) the style of the building is strinkingly similar b) the incorporation into the landscape as inconspicuous as in Tokyo and c) the location is close to a mayor cycling road.

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In addition one can see four huge garage gates which are not connected to the plastered driveway but have lawn in front of them. This treacherous terrain can only be crossed by all terrain vehicles so I assume there are some Landrover escape cars parked in the garages. The precise location can be seen at GoogleMaps.

According to some local rumours, the villa is owned by a local industrial that became rich by producing wooden toys but one should rather not believe such ridiculous stories.

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Philipp after the Delmenhost RTF,before trying to buy drugs

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Mallorca. The last supper.

Das ist ein Post speziell für Japaner, denn er beinhaltet Bilder von a) Restaurants und b) Essen. Ich würde einmal schätzen, dass ca. 77% aller japanischen facebook Photos sich mit diesen beiden Themen beschäftigen. Der letzte Tag auf Mallorca. Koffer gepackt, ausgecheckt, rüber zum Resort gefahren und mal wieder auf David und Juliane gewartet; da langweilig erst einmal ihren Leihwagen verschönert.

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Top Styling – Top Gear.

Zum Radfahren fehlte den Beiden die Lust und ich hatte mich verletzt, Sehne entzündet oder Muskelfaserriss, jedenfalls tat der linke Oberschenkel beim pedalieren weh und der Schmerz konnte  nicht ignoriert werden. Also, ab nach Valdemosssa mit den Autos und Mittagessen in einem kleinem Restaurant auf einem etwas größeren Platz. Das Restaurant hatte einen Chef, der aussah wie der japanische Koch in einem Ramen (Nuddelsuppen) Laden; also etwas dicklich und mit einem fetten, schwarzen Vollbart. Aus welchen Gründen auch immer sehen Köche in Nudelsuppenläden immer so aus – siehe Tampopo. Clipboard01 Und aus welchen Gründen auch immer waren sie dort Tim&Struppi Fans. IMGP1039 Jazz plätscherte vor sich hin bis wie schließlich Dinge bekamen, die wir zumindest als Kinder udn Jugendliche  nicht so gerne gegessen haben.

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Rote Beete – Kinderalptraum

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Raviolo – Camping Alptraum. Gefüllt mit Kürbis, Sosse mit Miso und schmckten trotzdem immer noch wie … Ravioli

Die Zeit verging wie im Fluge und irgendwann machten wir uns auf zu unseren Fliegern. Unser Trainingscamp war nun endgültig vorbei. Es ist genial, dass wir es schaffen uns nach all den Jahren immer noch regelmäßig zu treffen und gemeinsam zu fahren, obwohl es uns in alle Welt verstreut hat (Tokyo, Mexico-City, London, Bremen). Mehr davon. 2016 Kalifornien.

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Mallorca. Die letzten Tage.

Alle wollten ausruhen. Ich nicht. Und so machte ich mich mit viel Zeit und wenig Eile auf den Weg nach Kap Formentor.  Ich war dort bereits ein paar Mal gewesen, aber dieses Jahr eben noch nicht. Die Strasse dorthin ist seit letzten Jahr neu asphaltiert und in einem ganz hervorragendem Zustand, Dank der Förderung durch die EU. Überall an der Strasse waren im Dezember Schilder aufgestellt, die auf diesen Umstand hinwiesen und so wurde vermutlich eine Vorbedingung der EU Bürokraten für den Verbleib Spaniens in der EU erfüllt. Ich vermute einmal, dass dies so ist, denn die Bürokraten selber haben sich dem Radfahren zugewendet. Das sieht jedenfalls so aus, wenn man das Radvolk im April 2015 auf Malle mit dem von 2014 vergleicht: Wesentlich zahlreicher, viele graue Haare, auch auf den Waden, viele Frauen die ihren Männern hinterherhecheln und eine sich deutlich öffnende Diskrepanz zwischen Leistungspotential und Material: Unten Zipp Räder, darüber Zapp Bauch. Nein, ich will das nicht kritisieren, ich bin nicht der Ansicht, dass man Ahnung vom Radfahren haben muss oder einen bestimmten Leistungsstandard (nämlich knapp unter dem eigenen)  haben sollte bevor man nach Malle darf, oder Radfahren irgendwie elitär sein sollte. Nein, ist mir alles völlig egal. Es sind lediglich mehr ältere Radfahrer auf Malle. Punkt. Ach so ja: und Frauen. Punkt. Und die sehen nicht unbedingt alle so aus, als hätten sie viel Spaß. Kein Punkt. Da ich es gar nicht eilig hatte und gemütlich den ersten Hügel hinauffuhr und auf der anderen Seite wieder runter, nahm ich mir vor einmal weiter geradeaus zum Strand Formentor zu fahren, denn dort war ich, weil immer auf der Suche nach neuen KOMs, bisher noch nicht gewesen. Es gibt dort einen Strand, ein Hotel, ein gutes Restaurant und ein paar exklusive Wohnhäuser, zum radeln ist das alles aber eher uninteressant. Und so machte ich mich weiter auf den Weg zum Leuchtturm. Etwa drei Kilometer vor dem Ziel fing der Nebel an vom Wasser her auf die Insel zu treiben und der Leuchtturm selber war gerade noch so in der Ferne zu erkennen.

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Nebel vor Kap Formentor

Es wurde auch recht kühl, wenn auch nicht direkt kalt. Auch ein erstes Mal, denn bisher war das Wetter dort immer sehr gut. Vielleicht ist das die Rache Spaniens an der Europäischen Union.

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Blick von Kap Formentor

Am Leuchtturm angekommen holte ich mir erst einmal einen heißen Kaffee und ein Stück Apfelkuchen und wärmte mich auf. Es waren nicht allzu viele Radler da, ein paar Leihwagen und ein sehr schickes Porsche Cabrio mit einem Typen und drei Mädels. All dies war deutlich durch den Nebel zu erkennen, ebenso wie der Blick nach Süden. Auf dem Rückweg kam ich hoch auf den Pass, der einen Ausblick von der einen Seite der Bucht auf die andere gibt.

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Blick über die Bucht auf die Berge der gegenüberliegenden Landzunge

Über den Wolken waren die Bergspitzen der anderen Seite sichtbar und trieben scheinbar wie Eisberge im Wasser ihrer titanischen Bestimmung entgegen. Normalerweise sieht man hier ja Fotos von Rädern und Menschen vor Landschaften, aber hier waren die Landschaften einmal deutlich wichtiger. Zurück vom Kap fuhr ich Richtung Pollenca und dann eine Stichstrasse rein zur Küste nach Cala Sant Vincenc; ebenfalls ein Ort wo ich noch niemals gewesen bin. Hier setzte sich Don Pedro zwei Denkmäler, zunächst in Form eines Denkmals, später in Form einer riesigen Hotelanlage.

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Don Pedro in persona links, Don Pedro in betonica rechts

Schönes Dorf, da könnte ich mir auch vorstellen einen Sommer am Strand zu verbringen ohne zu radeln. Ich nahme den Weg zurück auf die Hauptstrasse, cruiste ein wenig durch Pollenca und wollte mich dann durch die Felder wieder nach Hause machen, verlor aber den Weg komplett. Stattdessen fand ich eine neue, schöne kleine Strasse direkt nach Alcudia. Insgeamt wenihe Kilometer, aber eben auch sehr unstressig und viele neue Entdeckungen. Am Abend vorher feierten wir Julianes Geburststag, den sie ja fast jedes Jahr in Mallorca hat. Mittlerweile ist sie halb so alt wie David. Wir sassen mit den US Boys, die ihren letzten Tag auf Mallorca hatten, bevor sie wieder nach Kalifornien, Chicago und Pittsburgh flogen, bei gutem Wein, sehr gutem Essen und vielen Reden in einem alten Gemäuer und unterhielten und prächtig. Ich mag ja dieses Redenschwingen bei Abendessen, diese Beschwörungen der ewigen deutsch-amerikanischen Freundschaft, die Aussicht sich nächstes Jahr in Süd-Kalifornien statt in Spanien zu treffen,  oder die fundamental unterschiedliche Bewertung der britischen Monarchie. Dummerweise macht jede Menge Spaß am Abend, wenig Spaß am nächsten Morgen .. woran liegt das? Strava Tag Sechs Am Abend spät war Stevie gekommen. Ihn kenne ich auch schon seit Urzeiten, genauer gesagt habe ich ihn, den Iren, auf einer RTF in Japan kennengelernt, der Tour den Noto 400.  400 Kilometer in drei Tagen, recht hügelig, irgendwo auf der falschen Küstenseite in der japanischen Provinz. Stevie lebt jetzt wieder in London und er ist bei den meisten Positivo Espresso Trainingcamps dabei.  Juliane und David hatten wenig Luist zu fahren und so machte ich mich spät mit Stevie und dem Auto auf den Weg nach Petra. Von dort aus fuhren wir hoch zu einer Kirche, die, wie Kirchen und Tempel es so häufig an sich oben, ganz oben auf einem Hügel stehen, der Ermita de Bonany („Einsiedlerei zum guten Jahr“ auf Deutsch). Ich war noch nie dort gewesen und Stevie hatte ich verschwiegen, dass wir da hochfahren würden, da er gerade nicht so dolle in Form ist und sich auf einen ruhigen Tag freute. Er hatte trotzdem seinen Spaß, denn wir überholten einen Haufen tschechischer Mädel in sehr schicken Radklamotten auf dem Weg nach oben und genossen dort die Aussicht über das weite Land.

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Noch mehr Landschaft. So langsam sollte es aber reichen.

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Der Eingang zur Erimitrage

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Tschechen links, unsere Räder rechts

Unser eigentliches Ziel war Cura die Randa, eine Kirche auf einem Hügel (kommt bekannt vor), aber der Hügel ist höher, ragt wie ein Block aus dem flachen Land hervor und die Kirche ist bekannter und m,ehr Radler sind oben. Bis dahin war es ein recht weiter Weg, immer einen Anstieg hoch und auch immer gegen den Wind. Wir waren endlos langsam. Und als wir dann unten im Dorf Randa ankamen verließ ich Stevie und eilte den Hügel hoch auf der Suche nach meiner Form. Und er auf der Suche nach seiner. Und als wir uns oben wieder trafen bestellte ich im Cafe einen Hamburger und er zwei Bier und wir hatten ein paar ernsthafte Männergespräche die nichts im Radfahren zu tun hatten. Und dann fuhren wir wieder runter.

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Unten in Randa

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und wenn man genau hinschaut…

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sieht man Stevie und mich

Dann mit dem Wind und die Anstiege runter … wir warfen einfach so viel schneller und besser und ruckzuck zurück. Strava

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Ikonisch. Mallorca. Mist. Teil II.

Also, wir waren in Sa Calobra, tranken Kaffee, aßen Kuchen und vertrödelten die Zeit, immer im Hinterkopf den Gedanken habend, dass wir entweder da wieder hochfahren müssen, oder aber ganz peinlich die Fähre nach Soller nehmen, um diesem Ort zu entkommen.

 

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Kuchen zum vergessen

 

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Bloß nicht auffallen.

Interessanterweise kam just in diesem Moment eine Fähre an, die voll mit Radfahrern beladen war und die alle noch die ca 680 Meter Höhendifferenz und 10 km lange Steigung zum  Col de Reis hochfahren wollten. Völlig unverständlich.  Nach und nach machten wir uns auf den Weg, zunächst David und Mike, dann ich alleine, denn ich wollte mein eigenes Tempo fahren und dann Juliane und Byron gefolgt von Tom und Rob. OK, ich will nicht lügen, ich wollte möglichst schnell hoch und ich hatte mich bei Strava umgeschaut, ein 12 km/hr Schnitt und eine Zeit unter 49 Minuten würde mich in die vordere Hälfte der Ergebnisse katapultieren. Und so machte ich mich auf den Weg. Es war auch wesentlich einfacher als das letzte Mal, 2013, als ich hier hochgefahren war. Ich überholte den einen oder anderen Fahrer und wurde selber nur selten überholt. Ca. 200 Meter unterhalb des Gipfels traf ich auf Mike, vor dem ich wirklich Respekt hatte, dass er diesen Anstieg auf sich nahm. Kurz vor dem Gipfel ging mir fast die Luft aus und ich wurde langsamer, aber wenn das Ziel so nah ist und David so ca. 50 Meter vor mir, dann ist das noch einmal ein Grund alles zu geben. Und ich war oben.

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Mike und Rob zum zweiten Mal auf dem Col de Reis

 

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Himmel genau über dem Col de Reis

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John O

Nachher auf Strava zeigte sich dann zuhause, dass ich 48:51 Minuten gebraucht hatte, zum Vergleich, die besten brauchen 20 Minuten weniger. Ich war irgendwie zufrieden, und wenn ich zufrieden bin, dann mache ich aus Dankbarkeit ein Photo meiner Beine:

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Zwei unrasierte Rettiche plus aerodynamische SIDI Schnallenführung

Meine Beine sehen nicht gut aus, also nicht so Radfahrermässig. Lange Zeit glaubte ich, dass würde daran liegen, dass meine Beine nicht rasiert sind. Juliane im Vergleich uns sehr schöne, lange, braune und vor allem haarfreie Beine die mein Vorbild sind, und ich dachte, wenn ich nur meine Beine rasieren würde, dann würde ich so aussehen wie Juliane, also beinmässig, mit dem Rest bin ich an sich ganz zufrieden.

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Juliane mit Beinen

Irgendwann einmal, als ich nichts zu tun hatte, schnappte ich mir einen Rasierer und fing an mir die Beine zu rasieren. Als ich fertig war, schaute ich mir das Ergebnis im Spiegel an. Ging gar nicht. Ich sah überhaupt nicht aus wie Juliane, sondern wie ein dickes, japanisches Schulmädchen. Die haben schon mal Beine wie ein „Daikon“, das ist eine japanische Art des Rettichs:

Meine Beine, rasiert (in etwa).

 

Danach habe ich dann aufgehört mir die Beine zu rasieren.

Wie man sich denken kann, war die Pause oben am Pass relativ lang, da ich mir sehr lange Gedanken über Rettiche machen konnte. Das runterfahren war dann sehr schnell und prickelnd; und wir machten uns auf den Weg heim über Lluc, Selvia und campanet, also genauso wie wir gekommen waren. War ziemlich schnell.

Juliane hatte an dem Abend Geburtstag, also genauer gesagt schon den ganzen Tag und so gab es ein prima Essen in Alcudia mit dem der Tag zuende ging.

Gefühlt war das auch das Ende des Mallorca Trips, denn da war schon klar, dass alle anderen Touren nur noch halb so lang, so hoch und so schnell würden.

Ein Kommentar

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Ikonisch. Mallorca. Mist.

Malle Tag 4.

Der letzte Tag mit der US Truppe, also muss etwas ikonisches her, im Sinne von „unvergeßlich“. Schmerzen eignen sich dazu ganz hervorragend, besonders dann wenn sie noch am nächsten Tag anhalten, elf Stunden lang in der Economy Class im Flieger nach San Fransisco. Erst dann ist ein Radabenteuer „ikonisch“.

Als typischer Deutscher war ein typisch pünktlich um 10 Uhr zum vereinbarten Zeitpunkt am Resort, um eine der beiden Varianten zu erleben, die bisher jeden Morgen passierten: Variante Eins: Ich bin zum verabredeten Zeitpunkt am Treffpunkt und niemand ist da. Variante zwei: Ich schummele mich in den Frühstücksraum und alle sind noch beim essen. Auf diesem Mallorca Trip habe ich gefühlt mehr Zeit gewartet, als ich Rad gefahren bin und das nur, weil ich in einem anderen Hotel als alle anderen übernachte. Denn sonst könnte ich auch beim Frühstück abhängen.

Egal, wir machen und auf den Weg von Pollentia nach Campanet, Selva und Camari, wo der Anstieg in die Transmontana beginnt. Die Sonne scheint, wir sind schnell unterwegs aber ich halte mich zurück, denn das wird ein langer Tag.  In Selva lotse ich erst einmal David um den „Kanaldeckel des Todes“; dort fuhr er vor drei Jahren mit seinem Vorderrad rein und das löste eine unschöne häusliche Debatte über seine Dämlichkeit aus.

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Von rechts nach links: Julianes Hand, Rob, David und der Kanaldeckel des Todes

Es beginnt der Anstieg nach Lluc, oder genauer gesagt zu der Repsol Tankstelle dort in der Nähe. Warum ist das eigentlich ’ne Tanke? Ich habe da noch nie jemanden tanken sehen, ist auch ganz unmöglich da mit dem Auto reinzufahren, da kontiniuerlich von Radfahrern blockiert.  Man könnte da Millionen mit Energieriegeln, Fahrradschläuchen und leichteren Carbonrahmen verdienen, stattdessen wird dort kein Sprit verkauft.

Ich nehme den Anstieg leicht und fahre ihn im wesentlichen mit 130er Puls hoch. Wie das so ist, ein paar Radler überhole ich, werde aber auch selber ein paar Mal überholt. Am Ende kommt eine Triathlet mit seinem Ceepo Rad und ich klemme mich an sein Hinterrad. das bringt die letzten Meter bis zur Tankstelle.

Nach einer kurzen Rast, bei der Mike zu uns stösst, geht es weiter in Richtung Puig Major und dann rechts hoch die Strasse zum Col de Reis, mit 680 Meter dem höchsten Punkt heute. Wieder eine kurze Rast.

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Und dann geht es schon rasend schnell runter nach Sa Calobra.

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IMGP1016wird fortgesetzt.

 

 

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Blockpost.

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Gestern eine Tour mit Verzögerung. Wir wollten um 10 Uhr los, aber bis wir dann endlich alle auf dem Rad sassen und fuhren war es 12:30 Uhr. Und dann wollten wir eigentlich im Uhrzeigersinn die Corniche fahren, aber gleich die erste Abzweigung die wir nahmen war falsch und wir mussten einen bisher nicht gekannten höllischen Anstieg hoch. Das war schon die Wada/Kazahari Rindo Klasse, die wir aus Japan kennen, und daher gab es dann oben auch das typische Positivo Photo.

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Und das war übrigens noch nicht mal der Pass, das glaubten wir nur irrtümlich. Es war vielleicht keine so gute Idee, diesen Pass zuerst zu fahren, denn danach war erst einmal die Luft raus. Auch aus meinem Hinterrad und so brauchten wir die ganze Corniche zwischen Banyalbufar und Andratx plus zwei Kaffee und ein Omelette auf dem Marktplatz dort um uns wieder zu erholen. Das heisst die, die noch übrig waren.

Anschliessend dann zwei bekannte und bekannt schöne Anstiege von Andratx nach Es Capdella und von dort hoch nach Gallilea. danach waren wir dann wieder so fit, dass es noch eine irre Abfahrt bis nach Establishmentes gab.

Insgesamt 8:30 Uhr unterwegs mit Treffen und Anfahrt und gerade mal 80 km Rad gefahren. Das ganze ist Teil eines perfiden Plans, das Image gründlicher deutscher Planung, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit in den Augen der Amis zu zerstören.

Ein Tag später

Es tröpfelt schon als ich mich auf den Weg zum Resort mache um die Truppe zu treffen und dann dauert es wieder ein einhalb Stunden bis wir zu dritt (Juliane, david und ich) auf dem Rad sitzen und richtig Alcudia fahren. Wir wollen raus zu dem Militärstützpunkt auf der nicht-Formentor Seite der Bucht von Alcudia. Dort ist gerade die halbe spanische Armee mit Luftunterstützung aufgefahren und probt die Invasion Mallorcas. Das ist das Druckmittel, dass die spanische Regierung in den Händen hält, um die Rückzahlung deutscher Euro Schulden zu verhindern. Tja, mit Reparationszahlungen ist hier ja wohl nichts, aber Deutschland ohne Mallorca – das wird hart für viele Menschen.

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Oder vielleicht müssen die Spaner auch gar nichts zahlen, wenn sie sich verpflichten die Strasse nach Kap Formentor immer in einem guten Zustand zu erhalten.

Wir sitzen im Cafe und schauen, was die Gegend fern und nah so bietet.

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1504 Malle day3 3

Aber irgendwie ist heute die Luft raus. Das Wetter ist schwül, Lust zu fahren ist wenig da nach dem Tag gestern.

Dann machen wir eine schreckliche Entdeckung an der Küste:

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Riesige Tofubrocken sollen die Küstenlinie gegen Errosion sichern.

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Auf diese Art und Weise wird natürlich niemals die natürliche Schönheit japanischer Küstenlinien erreicht werden.

tetrapods

… wie sie hier exemplarisch zu erkennen ist.

Ich hätte niemals gedacht, dass sich Spanien technisch auf so einem niedrigen Niveau bewegt. Den Rest des Tages ärgere ich mich mit meinem Rad rum und bin auf der Suche nach einem Laden der es repariert. Endlich, um 17:00 Uhr ist es geschafft und vor lauter Frust und Dankbarkeit fahre ich noch den ersten Hügel nach Formentor hoch – und dann reicht es auch für heute schon.

Komischer Tag.

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A Tuesday on Mallorca.

IMGP0993Ruhetag angeblich. Mit den US Boys.

https://www.strava.com/activities/285241242

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Kette rechts, Wheelstedt links. Nein rechts.

Seit dieser Saison gibt es ja ein unüberschaubares Angebot an Touren im Raum Bremen für alle möglichen Typen und Zeiten, die über facebook organisiert werden: Anfänger und Frauen Montag um halb sieben, Schnelle Jungs Samstags um zehn; Katholiken Sonntags um zwölf und alle die Holger heißen am Ostermontag kurz vor fünf. Getroffen wird sich in der Regel am Haus Platzhirsch Depot, so auch heute.

Ich bin zu spät, da ich zu lange an meinem Moulton herumgefummelt habe, bis es dann endlich fertig wurde – für’s erste. Aber das Selbstvertrauen, mit dem Moulton bei einer Rennradausfahrt mitzufahren habe ich noch nicht anfummeln können, ich bin mir nicht sicher ob es schnell genug, stabil und gruppenfahrtaglich dafür ist. Und eigentlich habe ich ein wenig Angst vor möglichen Kommentaren wie “ Ein Klapprad- ehrlich?“ oder „Schade, dass Du vom rechten Weg abgekommen bist“, denn ich nur mit „Wenn jetzt nicht bald Ruhe ist, dann schreibe ich lauter gemeine und fiese Dinge über Dich auf dem Blog!“ entgegnen kann. Also nehme ich das Canyon, vergessen den Helm zuhause (das war übrigens die zweite Sache die ich heute vergaß, die erste war eine Kaffeetasse in den Automaten zu stellen und die dritte war mein Handy auf der Erdbeerbrücke) und hetze los.

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Sag‘ bloss nix fieses.

Björn ist da, zuerst dachte ich, dass flüssiges Lava an seinem Rennrad runterläuft bis mir klar wird, dass er grell-orange Kniestrümpfe trägt die definitiv nicht UCI konform sind (Folie 38). Benjamin kommt mit seiner Freundin. Ich bewundere sie ja für ihren Mut mit uns zu fahren, denn wir sind IMMER schneller als angekündigt und drohen davon zu eilen. Natürlich könnte der Grund auch „total bescheuerte Verliebheit“ sein, da die beiden aber, so glaube ich, schon länger zusammen sind scheidet das wohl aus. Schröder und Tanja sind auch da, bei den beiden bin ich mir über die Kombination von Mut und Veliebtheit deutlich weniger sicher – insgesamt sind wir mit zwei, drei weiteren Mitfahrern eine runde Truppe. Schröder schlägt vor am Platzhirsch Minigolf zu spielen, ich finde das eine gute Idee, denn da habe ich die Chance einen KOM (King of Minigolf) zu holen, jedenfalls eher als einen KOM beim radeln.

Wir fahren los, und kaum sind wir über den Höllenanstieg direkt hinterm Platzhirsch rüber, sind die Kräfte schon aufgezehrt und es wird „kürzer“ gerufen. Das macht aber nichts, ich hatte eh keine Lust heute auf hetzen ohne morgen. Und so sehen wir die Landschaft klarer an uns vorbeiziehen und in den Augenwinkeln gerade noch Jessica, Harald und Olaf, die am Depot auf uns gewartet haben. Gefühlt bin ich mit den ersten beiden nicht mehr gefahren seit Rad am Ring – und das war im Juli letzte Jahres, als ich mir Haralds Rücklicht ausgeliehen hatte. Rein zufällig habe ich das heute, neun Monate später an meinem Rad und ich denke, es wäre doch eigentlich ganz nett von mir das jetzt zurückzugeben.

Wir fahren heute mit de Uhrzeiger die Wheelstedtrunde, was Niklas noch an Wind übrig geblieben hat chillt noch in der Bremer Gegend rum und macht uns das Leben schwer – gegen den Uhrzeiger sollte einfacher sein. Ruckzuck sind mir auch schon In Wheelstedt und entschliessen uns die Runde über Bühlstedt und Dipshorn zu verlängern. Leider sind wir alle nicht so besonders ortskundig, kein einziger Bremer dabei! Benjamin kommt ja bekanntermassen aus Sundern, Bo aus Peterswerder (und das liegt vor der Stadtmauer), Jessica und Harald haben lange in Bremen gewohnt sind aber nun weit weg gezogen und mit Ortskenntnissen aus Mönchengladbach kann man in Wheelstedt auch keinen Blumentopf gewinnen. Das hält mich aber nicht davon ab, meinen männlichen Pflichten nachzukommen und den Weg zu weisen: „Hier rechts“ (hm, dieses Pflaster ist mir neu…) „Wieder rechts!“ „Bist Du sicher?“ „Ganz sicher!“.

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Gleich geht es links.

 

Ein amerikanischen Forscherteam hat einmal zwei zufällig ausgewählte Personen, einen Mann und eine Frau auf offener Straße entführt, betäubt, ihnen die Augen verbunden und die Ohren zugestopft und dann in ein Flugzeug verfrachtet. Das Flugzeug flog nach Brasilien und warf die beiden irgendwo im Amazonasbecken ab, immer noch in voll betäubtem Zustand. Aus den Aufzeichnungen konnte man später feststellen, dass das erste, was der Mann, als er aufwachte, tat, war in eine willkürliche Richtung zu zeigen und „Hier entlang“ zu sagen. Diese göttliche Fügung den Weg zu weisen, das ist einfach unsere männliche Bestimmung.

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Gleich geht es rechts.

 

Nach Vorwerk (das ist der Ort wo eine HSV Fahne weht) sind wir nicht sicher ob wir auf der Strasse nach Buchholz, oder nach Ottersberg sind. Umso größer ist die Überraschung, als wir wieder nach Wheelstedt kommen. Schröder und ich überlegen, ob wir nichtd ie gesamte Tour als „gefährlich“ bei Strava kennzeichnen sollen, so dass keiner die Streckenführung dort nachvollziehen kann. Also fahren wir dann, ohne weitere Experimente zu wagen, weiter in Richtung Buchholz und Quelkhorn. Es ist sonnig, ein wenig kalt aber wunderschön nach diesen miesen fünf Sturmtagen und mit Rückenwind rasen wir die Strasse lang.

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Anschließend lassen wir es wieder ein wenig langsamer angehen und rollen in aller Ruhe und in zwei Gruppen aus nach Borgfeld.  Ein passender Start in das Osterwochenende. Ganz am Ende stellen wir dann noch fest, dass viele von uns im Schatten großer Stadien aufgewachsen sind, die meisten in Peterswerder im Schatten des alten Weserstadiums, ich im Schatten des Bökelbergs. Wir alle hatten als Schüler kein Geld, aber die richtigen Ideen um umsonst reinzukommen: Harald war damals noch so dünn, dass er an einer ganz bestimmten Stelle durch den ausgebeulten Zaun flutschen konnte, ich hingegen suchte mir einen Vater mit Kindern aus, ging vor ihm durch den Eingang zum Ordner, zeigte nach hinten und sagte: „Mein Papi hat die Karten!“. Zum Glück hat das immer geklappt, heute hätte ich nicht mehr den Mut dazu.

Ich kannte aber schon mit 21 Jahren Peterswerder, da ich damals einen Brieffreund in Bremen hatte, der dort lebte: Benno B. wohnte dort in der Braunschweigerstrasse in Bremen (man bemerke die Häufung an B’s) und das Leben, dass er mir in seinen Briefen beschrieb war brutal: Wir waren beide Punkrocker, machten beide Musik (er bei den Jayhawks, ich bei EA80), verlegten beide ein Fanzine (er die „Endlösung“, ich „Das MOB“) . Aber ich lebte im beschaulichen Mönchengladbach und das Leben war langweilig und ungefährlich, während er es im brutalen Bremen aushielt, sich Strassenkämpfe mit der Polizei, den Skinheads und den Teds lieferte, Häuser besetzt und jeden Tag sein Leben in den Slums von Peterswerder aufs Spiel setze. Wir schrieben uns, bis ich etwa 1990 nach Japan ging, in Bremen war ich bis dahin nie gewesen; mein erster Besuch war dann 2010. Nachdem ich nun hier wohnte, fasste ich nach einigen Monaten den Mut mich auf die Braunschweigerstrasse zu wagen und ich muss sagen, ich war doch etwas überrascht. Das waren alles ganz nette Häuschen aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg mit ein wenig Wintergarten oder Terasse zur Strasse hin in denen wohl überwiegend Lehrer und Pädagogen wohnen. Schwer vorstellbar, dass in den Achtzigern hier das Blut meterhoch in den Strassen stand und die Deichscharte geöffnet werden musssten, damit es in die Weser abläuft.

Aber all das ist lange her und morgen soll das Wetter wieder gut werden.

 

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Frühstück im Grünen.Edu

Sabrina (aka „Mädchen no Rücklicht) hatte auf fb eine entspannte Runde für den Sonntagnachmittag um 14 Uhr plaziert. Entspannt deswegen, weil nicht um 7 Uhr aufgestanden werden muss, man in Ruhe zuhause frühstücken und den Müll rausbringen kann, Kinder und Frau zum Abschied küsst und sich dann erst ab dem Platzhirsch die Lunge aus dem Leib pustet. Nein, war nur ein Spaß, die angekündigte Stimmung war etwa so:

Edouard Manet: Das Frühstück im Grünen (1863). Eien Reihe von Carbonrädern steht rechts im Gebüsch.

Menschen meiner Generation (Generation M im Generationskalender der mittlerweile bei Y angekommen ist) kennen dieses Bild weil sie früher Bob Wow Wow gehört haben und lauthals „I want Candy“ sangen, die mit der Gnade später Geburt beschenkten kennen es vielleicht aus Marie Antoinette.

Und während ich im Keller lut fluchte, weil mein Moulton Rad einen Platten hatte und ich eigentlich mit dem fahren wollte (geht nicht schneller als 37 km/h max) verging die Zeit und ich merkte nicht, dass es schon kurz vor 2 war. Sprint zum Platzhirsch Treffpunkt, ich war der letzte und gleich ging es los. Jede Menge bekannter Gesichter: Benjamin (aus Sundern im Sauerland), Björn, aber ohne Simone, Lars, Stefan, Olaf, Sabrina…. und jede Menge neuer Gesichter eine richtig große Truppe. Angekündigt war eine Tour nach Norden bis nach Vegesack und dann mit der Fähre rüber nach Lemwerder und zurück auf der anderen Seite. Doch plötzlich ging es doch nach Wilstedt auf die Standardrunde. Na ja, so was kann man an sich noch nach Feierabend fahren, aber mir sollte es auch recht sein. Das Tempo war mässig, aber da mir erst mal die Kette absprung konnte ich zusammen mit Benjamin plus x gleich mal einen Sprint einlegen um wieder Anschluß zu finden. Trotz der großen Truppe war einigermassen Ordnung da, manchmal wurde etwas nervös gebremst aber im großen und ganzen war es OK. Ich fuhr hinter einen Fahrer aus Österreich (oder Polen, weiß nicht, auf jeden Fall war Kleidung und Rad komplett rot-weiß) der ordentlich Windschatten abgab her und schmunzelte im Kopfe so vor mich hin. Das linke Hosenbein war voll mit Abdrücken von Kette und Kettenblättern, aber wieso das linke? Also entweder waren das Beinlinge und er hatte das linke rechts und umgekehrt, oder er hatte seine Hose falschrum angezogen, es wird mir auf immer ein Rätsel bleiben. Jedenfalls wollte ich das für die Nachwelt dokumentieren und holte meine Kamera aus der Jacke. Die dann prompt runterfiel und den Geist aufgab. Wie sagte mein Opa (Generation K) immer: „Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort, große etwas später.“ OK, damit ist aber danna uch jegliche SChuld abgegolten. Zusammen mit Benjamin und Y bildeten wir einen Zug und sprinteten mit 37 Sachen wieder an die Gruppe ran – es war also echt sportlich, auch wenn es meine Dämlichkeit war.

Über Fischerhude und Quelkhorn ging es dann nach Bucholz (erster Ortsschildsprint) und dann durch die Felder nach Vorwerk und Bülstedt. Manchmal wurde es etwas schneller, aber Dank der Beteiligung aller wurde vorne dann kürzer getreten und der Rest half hinten aus die Truppe wieder zusammen zu fahren. Vor Wilstedt setzten sich die üblichen Verdächtigen nach vorne, um den Sprint um das Ortsschild untereinander auszumachen. Mein Timing zum Antritt war richtig gut und keiner kam mit – also bis auf Stefan, der einfach schneller ist. Oder jünger. Oder das bessere Rad hat.  Oder alles drei.

In Wheel Stedt machten wir dann kurz Stopp um uns neu zu formieren und ein Gruppenbild zu machen.

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Waren eigentlich alle da bis auf zwei – von daher kann das Tempo ja nicht so falsch gewesen sein. Jetzt hatten wir Rückenwind und ich befürchtete, dass nun das große Zeitfahren auf dem Stück nach Huxfeld stattfinden würde. War aber nicht so, es ging gut und gemütlich weiter und es gab jede Menge Zeit und Luft zum unterhalten. Frühstück im Grünen halt.

Den Rest hatte ich schon x-mal gefahren, Grasdorfer Strasse, Timmensloh, Borgfeld, das Stück über dem Deich bis zum Kuhsiel, man kennt es und kann es fast mit verbundenen Augen fahren. Stefan, Benjamin, Z, L und ich entschieden, dass wir noch nicht genug haben und machten noch eine Runde zum Dammsiel und dann weiter durch das Blockland, vorbei an den Kleingärten der Hillibillies bis zu dem Camper Schrottplatz (der aussieht wie ein Drehort von „Breaking Bad“), dem Tierheim und der Müllverbrennung nebenan. Stefan meinte, ganz richtig, dass man doch Serpentinen den Müllberg hoch bauen könnte, am besten als Rundkurs vorne hoch und hinten runter und wir würden dann das ganze als „Stelvioland“ vermarkten.

Dann erzählte ich Stefan eine wahnsinnig komplizierte Geschichte, die definitiv nicht beim radfahren erzählt werden kann. Es ging darum, dass mich die kleine Wümme an die Sümpfe im Mississippi und insbesondere an den Film „Down by law“ erinnern würde. Kannte Stefan nicht. Na der Film, in dem Roberto Benigni mitspielt, der bekannte italienische Komiker. Kannte Stefan auch nicht, meinte ich Danny de Vito? Nein, einen echten Italiener. Der aus dem Film „Life is beautiful“. Kannte Stefan auch nicht. Also fing ich an ihm die berühmte Szene aus dem Film zu erzählen.

Man kann sich einfach vorstellen, dass das auf dem Rad erstens nicht so einfach und zweitens nicht so lustig ist. Und drittens, unglaublich lange dauert, so dass wir Tierheim und MVA bald erreichten ohne dass ich auch nur annähernd am ende angekommen war. Über den  Unisex und über die Parkallee und den Schwachhausener Ring ging es dann zurück nach Haus Sehr schöne Tour, Danke an alle die dabei waren.

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