Archiv der Kategorie: Rennen

Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: Culo rasato

In der Vergangenheit habe ich mich des öfteren abfällig über Menschen geäußert, die soooo alte Radhosen tragen, dass die Arschbehaarung sichtbar wird, wenn man in ihrem Windschatten fährt. Nachdem mich Silvia im Laufe der Etappe darauf aufmerksam machte, dass nagelneue, verschwitzte weiße Radhosen in etwa denselben Effekt erzielen tut mir dies sehr leid.

T02Egal, dazu später mehr. Oder auch nicht. Am zweiten Tag hatten die Mädels ausnahmsweise in ihrem Zimmr gut geschlafen, so dass  wiederum ausnahmsweise kein Zimmerwechsel verlangt wurde. Am zweiten Tag hat man den Drill auch schon ganz gut verinnerlicht. Man weiß wann man aufstehen muss, was vorbereitet sein will, was man zum Frühstück isst und wie man ann gemütlich zum Startpunkt, der Messe in Bozen, fährt. Wir waren vielleicht ein wenig nervöser als sonst, da heute wesentlich mehr Kilometer (143) als auch Höhenmeter (2.200) als gestern anstanden – der Rennteil selber waren aber wieder nur lächerliche  613 Höhenmeter auf 6,2 km Strecke, also etwa 2/3 von dem was wir gestern geleistet hatten.

11745380_10207967468850989_9170487379593718722_n

Am Start des 2. Tages. Silvia als Deutsche, ich als Holländer verkleidet.

Nach demStart ging es im abgesperrten Verkehr aus der Landstraße parallel zur Brennerautobahn raus aus Bozen Richtung Norden. Als wir aus der Stadt raus waren begann der Anstieg und wir fuhren direkt in einen sehr langen Tunnel. Das war nicht so gut gewählt, denn die Luft war recht stickig und von der Landschaft war natürlich nichts zu sehen. Einerseits. Andererseits erinnerte mich, dass an das 210 km Rennen 2008 auf Sadogashima, auf dem es auf 210 km immer und permanent geregnet hatte und ich froh war, dass ab und zu ein Tunnel kam und ich trocken blieb. Dort waren die Tunnels die Highlights der Tour! Eine gute Seite hatte der Tunnel ja schon: Die Männer hielten sich im Tunneln doch sehr mit dem pinkeln zurück, noch nicht einmal die BASF Fahrer kamen auf die Idee den Beton zu düngen.

David bemerkte dann auch, dass wir eine andere Strecke fuhren, als der Veranstalter Sie zuum Download für Navis zur Verfügung gestellt hatte. Das war übrigens am ersten Tag genauso, wo wir auf der dicken Landstraße blieben und nicht den kleinen Weg um den Kalterer See fuhren. Es ging aber trotzdem ständig bergauf und durch das kontrollierte fahren machte das auch sehr viel Spaß.

IMGP1416

Endlich aus dem Tunnel raus.

IMGP1418

Und jetzt wo der Tunnel weg ist, ist auch der Tunnelblick verschwunden.

Rechts und links gab es nun Landschaft noch und nöcher. Und da wir nun auch auf mehr als 1.000 Meter Höhe waren, wurden die Temperaturen auch ganz angenehm.

IMGP1419

IMGP1414

Rapunzel, mit aus dem Jersey gefallenen, gold-blonden Extensions.

Und wem begegnete ich wieder direkt nach der Ausfahrt aus dem Tunnel?
Doch was war das? Auf einmal ging es links ab zum……Nein, ich wage es nicht zu schreiben, ein Pass mit einem politisch inakzeptablem, völlig inkorrektem Namen. Unglaublich, in welchem Jahrhundert leben wir denn hier in Norditalien? Ist da in den Bergen noch die Inquisition am Werke? Ich finde diesen Pass sollte man langsam mal umbenennen, also zum Beispiel in „Pass mit Migrationshintergrund“ oder ähnlich wohlklingenden, politisch korrekten Namen.

IMGP1422

Skandal !

Wir fuhren weiter in Richtung des politisch korrekten Karerpasses. Am Straßenrand gab es eine Pause auf dem höchsten Punkt und dann machten wir uns auf in eine schöne Abfahrt nach Pera die Fossa. Von der Hauptstraße aus zweigte eine steile, kleinere Strasse ab direkt auf eine bewaldete Felswand zu und dort stand nun auch das Tor der Zeitmessung, dass wir bereits von der ersten Etappe kannten. Ich zitiere hier einmal aus dem Beschreibung des Veranstalters über den nun folgenden Rennanstieg:

„Der Aufstieg, 6,2 km lang mit einem Höhenunterschied von 613 m, ist kurz aber anspruchsvoll wegen der Neigungen, die in einigen Strecken 20% erreichen. Die Route führt durch eine besonders eindrucksvolle Landschaft im Herzen des Rosengartens. Die schwierigsten Abschnitte begegnen uns in den ersten 1500 m und in den letzten 3 km. Die durchschnittliche Neigung ist 9,9%.“

OK. Also die schwierigen Teile sind die ersten 1,5 km und die letzten 3, dann sollten die 1,7 km in der Mitte ja recht einfach sein, immerhin. Die ersten 1,5 km waren extrem steil. Es war überhaupt nicht daran zu denken hier irgendein Rennen zu fahren, es ging um das pure überleben und auf dem Rad bleiben und weiter treten – Survivalmode von der ersten Minute an. Man kommt dann durch eine Ort, wo die Straße etwas flacher verläuft und teilweise auch abschüssig wird. Das sind die leichten 1,7 km, aber mir schienen die maximal 400 Meter lang. Und von dort aus ging es dann superbrutal durch den Wald hoch. Ich kann mich nicht erinnern, da irgendwie zweistellige Geschwindigkeiten gefahren zu sein – war sozusagen die Anti-Fuchsröhre.  Natürlich überholte ich trotzdem die gleichen Leute wie immer und wurde wie immer selber heftigst überholt. Silvia und Silke waren echt am fluchen. Einige Teilnehmer waren abgestiegen und gingen zu Fuß hoch. Ich könnte mir vorstellen, dass das schneller ist als Rad zu fahren. Thomas meinte er hätte jemand gesehen, der mit viel Schwung die Abfahrt runter kam, das Tor der Zeiterfassung und die Straße dahinter sah und gleich umkehrte und sich zur nächsten Pausenstation aufmachte. Kann ich nachvollziehen. Ich wollte aber ums verrecken nicht absteigen und quälte mich da mit 34/28 Übersetzung hoch. Jetzt wäre ich echt dankbar für ein 32er Ritzel hinten gewesen. Noch eine Kurve…und immer noch kein Ziel in Sicht….noch 500 Meter… immer noch kein Ziel zu sehen….noch ne Kurve… noch ’ne Kurve….ich steig ab…nein., doch nicht….weiter, komm, gleich in das Ziel da, nach der nächsten Ecke….Mist.. immer noch nicht…da! da! da!…die letzten 20 Meter noch Mal voll gespurtet und dann brach ich kurz hinter dem Ziel zusammen, ungefähr da wo Thomas gut gestylt und noch besser gelaunt stand und Fotos machte.

IMGP1425

„Na, so alleine hier?“

Kurz nach mir kamen Silke und Silvia rein und dann auch David. Zum Glück gab es jetzt Erfrischungen. Und da fiel uns auf, dass die Landschaft hier ja ziemlich beeindruckend war. Ich schwöre, ich habe davon absolut nichts im rennen gesehen.

11050088_10206458233472100_3819158236613068006_n

11214067_10206458235752157_3691755604681364971_n

DHF: Deutsch-holländische Freundschaft: „Ich & die Wirklichkeit“

11694965_10206458238272220_3863213458013707247_n

11709763_1601924216763214_4327612141146202894_n

11745357_10206458235192143_8379163678811307086_n

11760077_10207967440290275_2962167403241458453_n

11760189_10206458233752107_7923517061023660961_n

11800533_10206458234152117_5343727631812843129_nNicht schlecht, oder?

Wir waren schon mächtig beeindruckt und mittlerweile konnten wir uns auch wieder bewegen trotz aller Erschöpfung un den Mund aufmachen und „Ahhhhh“ und „Oooohhh“ sagen. Nachdem nun alle Fahrer oben angekommen waren ging es wieder runter auf derselben Straße und dann nach Pozza die Fasso zum Mittagessen. Wie immer reichhaltig. Die anschließende Rückfahrt nach Bozen verzögerte sich dann erheblich. Wir mussten sehr lange warten, bis es dann im Gesamtpulk wieder losging.

IMGP1437

Das war aber auch der einzige Moment, wo ich von der Organisation etwas genervt war. Von etwa 140 km waren wir nun gerade einmal die Hälfte gefahren und eigentlich recht kaputt. Die nächsten 70 km waren aber quasi nur noch abwärts im Peloton. Man hätte auch ein wenig schneller fahren können, denn es drängte sich schon ganz ordentlich, aber es ging dann sehr, sehr zügig zurück nach Bozen. Das Fahren in der großen Gruppe machte mir bei den schnellen Abfahrten aber nicht so viel Spaß, deshalb überlegte ich mir schon, wie in dem in Zukunft entgehen könnte.

Nachher an der Messe schaute ich auf die Ergebnisse: Wieder so Platz 300 irgendwas. Diesmal nur 16,2 Meter/Minute hoch, etwas langsamer als auf den Schneiderwiesen. Na ja, je steiler es wird umso mehr bin ich durch das Gewicht benachteiligt. Wir haben es dann nicht mehr raus in die Stadt geschafft zum Abendessen sondern sind zusammengesunken in unserem Hotel. Zum Glück wurden wir dort von Mademoiselle Jeanne verwöhnt:

“ Was willst Du? Noch ein Bier?“ (zu mir)

„Und was darf ich Madame bringen?“ (zu Silke)

Ja, Mademoiselle Jeanne vom Hotel Raffi hatte schon ihren besonderen Charme, den wir nun, wieder in Bremen angekommen sehr vermissen. Abends in unserem Zimmer packte ich meine weiße Radhose in die Wäschetüte und holte sie erst in Bremen wieder raus.

Strava.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2015, David, Mob, Rennen, Silke, Silvia

Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: Prato di Sarto

Eine Zeit lang, als unser Sohn noch sehr klein, und ich mal gerade wieder ganz gemein war, erzählte ich ihm im Vertrauen, dass ab und an der Schneider bei uns vorbeikommen, und kleinen, unartigen Kindern die Finger abschneiden würde. Lustigerweise kam einige Monate später ein Aupair namens Natascha Schneider, die dann zunächst Angst und Schrecken verbreitete. Und am ersten Tag des Giro ging es hoch auf die passend benannten Schneiderwiesen.

T01

Das Konzept des Giro Dolomiti ist ein sehr komfortables. Jede Etappe startet und endet in Bozen (mit Ausnahme der 4. Etappe, wo es den Stelvio hoch geht). Man fährt zunächst ein wenig und nicht so schnell durch die Gegend, um dann einen einzigen Anstieg im Renntempo zu erklimmen (der gelbe Teil der Grafik oben). Oben, oder kurz danach, gibt es dann ein gutes und umfangreiches Mittagessen und dann rollt man vom höchsten Punkt wieder zurück nach Bozen. Im Gegensatz zur Transalp muss man also nicht jeden Tag umziehen, Sachen packen etc., und man bekommt auch so recht viel von der Landschaft mit.

So weit so gut und zur Theorie. Am ersten Tag beim Frühstück vor Sieben sieht die ganze Sache dann aber doch wesentlich nervöser aus. Die Mädels hatten ihr Zimmer auf der lauten Straßenseite des Hotels gegen eins auf der Gartenseite getauscht (1. Zimmertausch), um besser schlafen zu können. Wenig konnten sie ahnen, dass im Garten nebenan die ganze Nacht Party war. Und so sahen sie am Frühstückstisch eher  etwas dünnlippig als gewöhnlich aus.

11800611_10206450463637859_3076512302373047139_n

Irgendwelche Schweizer Mädels die auch im Hotel übernachteten in wechselnden Zimmern.

Dann auf zum Start durch das pennende Bozen, im Hintergrund die Berge mal wieder.

1513700_10206450462917841_8286326877808108293_n IMGP1388

Silke und Silvia hatten sich als Schweizerinnen verkleidet. Sie wurden dann während des Rennens ständig auf schwyzerdütsch angequatscht. Also, eigentlich wurden sie immer angequatscht, im Gegensatz zu David oder mir. Selbst wenn sie Bärte und Kosakenuniformen getragen hätten, wären sie wohl auf russisch angequatscht worden. David und mich hätte man noch nicht einmal angesprochen, wenn wir dafür Geld gezahlt hätten.

Am Start an der Messe hatten sich bereits die gut 500 Fahrer der Tour versammelt und dann ging es auch schon mit Eskorte raus. Das war wirklich sehr gut organisiert, der Pulk blieb zusammen und der Verkehr draußen.

11811458_10207960278431233_4535326975744940622_n

Davidsilviathomassilke

11694877_10207960277231203_2249562344322545797_n

mob beim Japaner-posen

11781743_10207960276671189_2620085669903857450_n

Thomasmobsilkesilvia

11206946_10207960287871469_113389779634958747_n

11695763_10207960279271254_7599328165849550783_n 11707567_10207960278551236_5182567171037892134_n

11751867_10207960279071249_1268857610062596037_nIn sehr gemütlichem Tempo ging es nun über Eppan nach Kaltern. Es war schon fast zu langsam, mir juckte es in den Beinen und ich wollte endlich alles geben – ein Gefühl, das ich wirklich nur auf den ersten 40 km hatte und danach nie wieder. Zwei Dinge sind mir dann aufgefallen: Erstens sind viele Männer vor dem Start so aufgeregt, dass sie ihre Morgentoilette vergessen. Das holen sie dann auf der Tour nach und ich übertreibe sicherlich nicht, wenn ich schreibe dass ich an diesem Morgen mehr als 25% der männlichem Starter am Straßenrand zwischen Apfelbäumen und Weinreben pinkeln sah. Ich hatte keine Wahl, egal wo ich hinsah Äpfel, Weintrauben und pinkelnde Männer. Und mit geschlossenen Augen radelt es sich nun einmal sehr risikoreich. Es hatte den Anschein einer gigantischen, inszenierten, konzertierten Nitratdüngungsaktion. Ohne den Giro würden in Südtirol vermutlich gar keine Pflanzen wachsen die Früchte tragen! Besonders lustig wird das ganze, wenn man Radler sieht die Trikots von BASF tragen und düngen.

IMGP1400Oder ist das eine ganz geschickte Taktik um vor dem Rennen wirklich jedes unnötige Gramm Gewicht zu verlieren? Vielleicht sassen da ja noch andere Radler weiter hinten in den Apfelbaumplantagen und machten sich gerade einen Einlauf, um das optimale Bergzeitfahrgewicht zu erreichen.

Zweitens erkennt man die Mitradler in der Regel an der Kombination von Trikot und Rad. Oh, da ist wieder dieser „Eindhoven Penguin“ auf dem Pinarello. Oh, da ist wieder Rapunzel. Die erkannte man übrigens immer, aber weder an Rad nach an Trikot, sondern an ihren superlangen blonden Extensions deren Spitzen in den Trikottaschen verstaut waren. Haben die Leute dann am nächsten Tag ein anderes Jersey an, weiß man wieder mal nicht wer die sind. Und in der Stadt in Freizeitklamotten würde man keinen einzigen erkennen – mit Ausnahme von Rapunzel. Doch dazu später.

Wir fuhren über Auer nach Leifers und waren quasi wieder zurück am Hotel, als wenige Kilometer später eine Strasse nach rechts abzweigte, mitten auf eine Felswand zu. Dahinter gab es ein aufblasbares Tor mit Zeitmessung und das Rennen würde hier beginnen. 10,7 Kilometer lang, 1.087 Höhenmeter, also durchschnittlich mehr als 10% Steigung.

Ich drehte noch eine kurze Schleife, da ich auf dem 20% Anstieg der zum Start führte nicht in das kleine Kettenblatt vorne schalten konnte und machte mich dann im Rennmodus auf den Weg nach oben zum Ziel, hinter dem die legendären Schneiderwiesen liegen sollten. Die ganze Strecke nach oben war komplett frei von Verkehr und führte bei guten, aber heißem Wetter überwiegend durch schattiges Waldgebiet. Ich war relativ weit hinten im Feld gestartet, denn das gibt mir die Möglichkeit früher gestartete Fahrer zu überholen und möglichst wenig selber überholt zu werden. Ganz ehrlich – überholen ist das einzige was in meinem Alter, in dem man keinen Blumentopf mehr gewinnen kann, bei Rennen Spaß macht. Auf dieser ersten Etappe lernte ich dann die Fahrer kennen, die ich dann in den folgenden fünf Renntagen immer weider überholen würde, bzw. von denen ich immer wieder überholt werden würde. Da war so eine ledrige Frau mit kurzen Haaren die etwa auf demselben Niveau wie ich fuhr. Oder die Mannschaft vom RSC Erkelenz die ich fast jedes Mal komplett stehen ließ. Da die aus meiner Heimat kommen, feierte ich ab und an einzelne von denen mit einem „LOT JONN !“ an, aber das waren eher so introvertierte Machotypen, die nicht viel Spaß verstanden.

11143221_10207960286591437_7783402506711797425_n

Hoch auf die Schneiderwiesen, hier schon relativ weit oben.

Ich war im Rennmodus und nicht gerade langsam für meine Verhältnisse, wurde aber zu Beginn deutlich öfters eingheholt, als ich selber überholte. Mist. 8.000 km Training in den Bergen um Bremen umsonst! Warum bin ich denn 20 Mal hintereinander das Hohe Zeh, die Aalschleife und den Hünenhügel hier hochgefahren, bitte ???? Silvia uns später Silke bekam ich noch. An Silvia schlich ich mich heran, hauchte ein „Na, so allein hier? Ich auch…“ in ihr Ohr und bekam zur Antwort: „Fahr‘ ruhig weiter…“ Und habe bei bescheidenem Wetter die 150km der RTF Alpe de Seevetal zurückgelegt wo mehr Höhenmeter nicht gehen? Ganz am Ende wurde ich noch von so einer deutschen Zicke eingeholt (egal) und die letzten Meter wurden im Schlußspurt zurückgelegt.

Insgesamt braucht ich 1:04:50 hr für das Stück, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 10 km/h und 16,8 m/min Steiggeschwindigkeit entspricht, das ist für mich alles ganz OK. Thomas war der einzige von uns der das alles in weniger als einer Stunde schaffte und dann konsequenterweise gut frisiert oben auf uns wartete.

IMGP1392

Silvia im Ziel auf den Schneiderwiesen

IMGP1393

..wo Thomas schon lange wartet.

Oben gab es dann erst einmal zu trinken und … Apfelstrudel.

11009962_10207960279671264_209990353902156230_n

Apfelstrudel vorne, Schweizerinnen hinten.

IMGP1395

Apfelstrudel everywhere …..

IMGP1396

…Niddataler auch überall. Rechts David, der auf Ranndoneur-Art pausiert.

War wirklich gut und die Aussicht von dort oben war auch schön.

11143582_10207960287151451_759168521513598843_n

11760330_10206450469758012_3279661940692318272_nGanz oben traf ich auch Rapunzel wieder.

rapunzel

Langsam kamen wir erste Zweifel an der Echtheit ihrer Haare und ehrlich gesagt auch ihrer Schönheit. Sie erinnerte mich mehr an mehr an die Rapunzel aus der „Gebrüder Grimm“ Verfilmung von Terry Gilliam, als an was mich sonst so normalerweise unter Rapunzel vorstellt. Meine Favoritin war, abgesehen von zwei Schweizerinnen, die mir bei der ersten Etappe auffielen und die ich dann lange nicht mehr wiedersah, eine sehr junge Italienerin, die mit ihrem ganzen Clan angereist war und wirklich schnell war.

favoritin

Mit Bruder, Cousin oder so, passte jedenfalls immer auf sie auf.

Nach einer sehr erfrischenden Pause ging es dann von den Schneiderwiesen dieselbe Straße runter auf die Hauptstraße, die wir gekommen waren. Jetzt gab es ein wenig Verkehr hier, zudem war die Straße sehr steil und kurvig, so dass ich ganz schön stark in den Bremshebeln hing – ich mag es ja lieber wenn es wenig technisch und schnell runter geht, so wie vom Pico de Valeta in der Sierra Nevada, wo man 2.700 Höhenmeter auf 43 km Strecke und breiten Straßen prima nach unten wegrollen kann.  Es gibt aber irre viele schnelle Abfahrer, die dort runterfuhren, als wenn es kein morgen mehr geben würde. Wir gehörten nicht dazu.

Noch ein kurzes Stück über abgesperrte Landstraßen und dann waren wir wieder an der Messe. Auf das essen dort verzichteten wir (kann mich nicht erinnern warum) und stattdessen fuhren David und ich mit dem Bus nach Bozen rein, um uns den Ötzi anzuschauen.

Der Ötzi. Erinnerte mich irgendwie an die Trikots der Erkelenzer.

Der Ötzi ist im Südtiroler Archäologiemuseum ausgestellt, in dem eine Etage mir zu Ehren benannt ist, wie ich erfreulicherweise feststellen durfte.

11800030_10207960280271279_870129285373506450_n

Durchgang nur für den mob

Ehrlich gesagt, war da außer Radfahren, essen und schlafen auch die einzige kulturelle Aktion, die wir auf einem Renntag zustande bekommen haben, was damit zusammenhing, dass a) das der erste Tag und wir nicht frisch waren und b) die ganze Etappe recht kurz war. In den nächsten tagen sollte es immer härter werden, aber dazu später mehr.

Ergebnistechnisch war ich zufrieden. Ich war auf Platz 307 von ca. 450 gestarteten Teilnehmern, hatte also so etwa ein Drittel hinter mir gelassen. In meinem Alter schaut man ja eher nach hinten und nicht nach vorne.

Strava

 

 

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2015, David, Mob, Rennen, Silke

Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: Il preparazione

Dante (1265-1321) beschreibt in seinem Werk „Die göttliche Komödie“ seine Reise durch die Jenseitsbereiche Hölle (Inferno), Fegefeuer (Purgatorio)  und Paradies (Paradiso, seit 1968 in Amsterdam). Im folgender der Versuch in drei Teilen frei nach Dante den Giro Dolomiti, ein „Radrennen“ in den Dolomiten, an denen wir (Silke, Silvia, David, Jochen und Thomas) dieses Jahr teilgenommen habe, wiederzugeben. Teil I: Il Preparazione / Die Vorhölle.

Alles, wirklich alles über die Dolomiten und nichts, wirklich nichts zum Thema Radfahren

Wir hatten uns entschieden, dieses Jahr nicht am Rad am Ring teilzunehmen, sondern etwas anderes zu machen und irgendwie kamen wir über Stefan und Jochen auf die Idee, es einmal mit dem Giro Dolomiti zu versuchen. Die Dolomiten, sagenumworbene Berge im Norden Italiens, die Ihren Namen, je nachdem wem man glauben mag, entweder vom Wort „Dolores“ (Lat.: Schmerzen) oder von einem Langnese erhalten haben.

Ja, die Dolomiten sind riesig. [Vielen Dank für die Idee an Homunkunils]. Oben auf den Gipfeln liegt Schnee, darunter sammelt sich bis zur Waldgrenze das Blut von Radfahrern die versucht haben die Pässe zwischen den Gipfeln zu bezwingen . Im Laufe der Jahre sind die Gipfel rund geworden (wie man bei der Wiederentdeckung der Dolomiten 2014 feststellen musste). Früher waren die Dinger noch scharf, kantig und zackig, aber nur bis 1987, dann entließ man all die fleißigen und geschickten Gipfelschnitzerinnen und lagerte die Produktion nach China aus.

dolomiti

Ich kenne die Dolomiten ganz gut. Das hängt damit zusammen, dass ich von meinen Eltern 12 Jahre lang gezwungen wurde, die Zeit zwischen Weihnachten und Schulbeginn im Januar in den Dolomiten im Wintersport zu verbringen. Mein Leben in den Ferien bestand aus a) Skifahren bis zum abwinken, b) Malefiz spielen mit Eltern, Oma und Schwester bis wir total zerstritten waren und c) schweigend im Audi 100 nach Hause zu fahren. Ich war daher sehr überrascht zu hören, dass die Dolomiten auch im Sommer für den Publikumsverkehr geöffnet sind.

Meine Mutter wurde 1936 in Bozen, der Hauptstadt des Königreiches Dolomitia geboren. Das war zu der Zeit und seit 1918 italienisch, eine Folge der Auflösung der KuK Monarchie nach dem verlorenen 1. Weltkrieg, als Österreich das Gebiet Südtirol an Italien abtreten musste. Meine Mutter wurde also als Italienerin geboren, sprach und spricht aber nach wie vor kein italienisch, sondern nur dieses Deutsch mit Akzent aus der Gegend dort. Ihrem Vater, passte das gar nicht, er gehörte zu einer Gruppe Südtiroler Freiheitskämpfer, die sich zur Aufgabe gemacht hatten die italienischen Besatzer zu terrorisieren. Wenn man der Familienlegende glauben darf, war er besonders gut im Umsägen von Strommasten. Heute wäre er vermutlich Terrorist, damals war er ein Idol der Freiheit. Zum Glück gibt es heute keine Kontrollen mehr an der Grenze zwischen Italien und Österreich, denn als Kind hatte ich immer Angst, dass ich bei einer Kontrolle aus dem Wagen gezogen werde und den Rest meines Lebens Reparationen in Italien in Form des Baus von Stromleitungen leisten müsste (der Rest meiner Familie ist handwerklich eher ungeschickt).

Dummerweise kam ihm die italienische Polizei auf die Schliche und er floh 1938 über die Berge mit seiner Frau und den drei Kindern nach Österreich. das damals Deutsch war. Also wurde meine Mutter Deutsche. 1945 änderte sich das wieder, als Österreich wieder unabhängig wurde und meine Mutter einen österreichischen Pass bekam. Um dann ein paar Jahre später meinen Vater zu heiraten und damit die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen. Daran kann man schön sehen, wie das Konzept von Staatsangehörigkeit eigentlich ein sinnloses ist.

Der italienische Name für Südtirol ist „Alto Adige“, wobei Adige der Name des Flusses „Etsch“ ist, der durch eines der Haupttäler dort fließt. Also, mit anderen Worten und im Sinne der verbotenen ersten Strophe der deutschen Nationalhymne: ist sowieso alles deutsch. Die meisten Menschen sprechen auch dort deutsch, vor allem in den Dörfern, in den wenigen Städten gibt es viele Italiener die zum Beispiel von Mussolini von Sizilien nach Südtirol umgesiedelt wurden. Während Südtirol im Winter (zumindest 1968 bis 1979) kalt und arm ist, ist es im Sommer schweineheiss und reich. Die Mischung der Menschen passt gut zueinander und die Küche ist fantastisch. Also los, fahren wir dahin. Im Sommer.

Grundsätze der Vorbereitung [Radfahrer bitte hier anfangen zu lesen]

Da allerwichtigste überhaupt und das erste was man tun sollte, wenn man an so einer Veranstaltung teilnimmt, ist zu planen, mit wem man da zusammen fahren möchte. Tut man das nicht, besteht die Gefahr, dass man da plötzlich alleine in den Bergen steht und das kann sehr unlustig sein. Wer plant zu fahren und wer dann tatsächlich fährt sind zwei völlig verschiedene Dinge bzw. Zahlen, die im wesentlichen bereits von Douglas Adams beschrieben wurden:

Der Bistr-O-Matik-Drive

Wie bereits Einstein beobachtete, daß Zeit kein Absolutum ist, sondern von der Bewegung des Betrachters im Raum abhängt, und daß Raum kein Absolutum ist, sondern von der Bewegung des Betrachters in der Zeit abhängt, so hat man nun erkannt, daß Zahlen nicht absolut sind, sondern von der Bewegung des Betrachters in Restaurants abhängen.

Die erste nicht absolute Zahl ist die Anzahl der Leute für die ein Tisch reserviert wird.
Sie wird sich im Laufe der ersten 3 Telefonate ständig verändern und dann keine erkennbare Beziehung zur Anzahl der Leute haben, die wirklich dort aufkreuzen, die später noch dazukommen, oder die wieder weggehen,wenn sie sehen wer noch alles gekommen ist.

Die zweite nicht absolute Zahl ist die angegebene Ankunftszeit, die inzwischen als einer der bizarrsten mathematischen Begriffe bekannt ist, nämlich als Reziproversexklusion, eine Zahl, deren Existenz nur so definiert werden kann, daß sie alles andere als sie selbst ist.
Mit anderen Worten: die angegebene Ankunftszeit ist der einzige Moment, in dem es völlig ausgeschlossen ist, daß da irgendein Mitglied der Runde erscheint.

Die dritte und allerrätselhafteste Zahl im Bereich der Nichtabsolutheit ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen der Anzahl der Posten auf der Rechnung, dem Preis jedes Postens, der Anzahl der Leute am Tisch und dem Betrag, den jeder zu zahlen bereit ist.

11041580_10207974967078440_2004231407926253115_n

Der Davidsilkethomassilviamob

Geplant war, dass Silke, Silvia, Jochen, sein Sohn und ich von Bremen aus nach Bozen fahren und dort David, Juliane und david aus Tokyo, bzw. London treffen. Es stellte sich dann heraus, dass Jochens Sohn keine Zeit hat, Jochen später kommt und david plötzlich nach Mexiko versetzt wurde, so dass er und Juliane irgendwo zum urlauben im Amazonas verschwanden. Zufällig war aber „Thomas“ in Bozen und stiess zu uns. Aus Silkesilviamobdavidjulianedavidjochenkian wurde somit Silkesilviamobdavid-thomasjochen. War aber auch egal, Hauptsache nicht alleine.

Nachdem man geklärt hat, wer alles mitkommt muss man dann klären, wie man eigentlich in die Dolomiten kommt, denn die sind, von Bremen aus gesehen, verdammt weit weg. Aus der Theorie der Verkehrsträger abgeleitet gibt es folgende Alternative: Flugzeug, Schiff, Binnenschiff, Auto, Eisenbahn oder Pipeline. Schiffe fahren nicht über die Alpen, wir flutschen schlecht durch Pipelines und ich Anbetracht der Anzahl unserer Koffer (Werkzeugkoffer und Schminkkoffer) kam dann nur noch das Auto in Frage. Silke organisierte einen sehr schicken Taxibus VW T5 in dem wir fünf und alle unsere Räder, Koffer, Ersatzlaufräder, Wasserflaschentaschen und Einkaufstüten mit Energieriegeln passen würden und mit dem wollten wir von Bremen nach Bozen. Habe ich die Eisenbahn ind  der Betrachtung vergessen? Nein Danke, Deutsche Bahn, wir wollten ungern ’nen Tag zu spät kommen.

Als nächstes muss man nun ein Hotel buchen. Das wurde freundlicherweise mir überlassen und ich buchte die billigste Hütte die einigermaßen nah vom Start verfügbar war; in unserem Fall das Hotel Raffl, was sich auf seiner Website folgendermassen präsentiert.

Clipboard01

Hier die zwei Bettdeckenvariante, die nicht in allen Räumlichkeiten implementiert war.

Wie man gut erkennt, ein Oase der Ruhe und Entspannung. Etwas Sorgen machte mir, dass das Hotel ganz in der Nähe des Flughafen Bozens lag. Das hätte mich aber nicht beunruhigen sollen, denn von dort aus starten im Wesentlichen Segelflieger. Was mich aber beunruhigen hätte sollen war die Tatsache, dass die Zimmer nach vorne raus alle direkt an der Hauptstraße zwischen Bozen und Leifers liegen. Kennt man vielleicht nicht so, da fahren aber mehr Autos und Motorräder lang als über die A1 von Hamburg nach Bremen. Und zwar zu jeder Tages- und Nachtszeit. Hat man ein Doppelbett in einem Zimmer nach vorne, so erscheint es, als wenn die Autos in der Spalte zwischen den beiden Betten entlang rasen würde. Man traut sich nicht Hände oder Füsse aus dem Bett zu strecken, weil jeden Moment ein Laster darüber fahren könnte, doch dazu später mehr. In aller Fairness muss man aber auch sagen, dass sich die Menschen des Hotels die größte Mühe gegeben haben nett zu uns zu sein und wirklich eine Menge Anstrengungen unternehmen um uns (und insbesondere Silke und Silvia) zufrieden zu stellen.

So, jetzt braucht man nur noch eine Packliste und schon kann es losgehen. Zum Glück hatte ich noch eine von der Transalp 2011 die ich etwas verfeinerte. Verfeinern heisst in diesem Zusammenhang: Schlafsack und Isomatte für das übernachten in der Turnhalle raus (nie wieder!) und dafür jede Menge Werkzeug und Ersatzteile rein. Wie das so ist, ich habe so viel Zeug mitgenommen, das ich überhaupt nicht gebraucht habe, zum Glück: Regenjacke, Ärmlinge, Jeans, Cleats….. Auf der anderen Seite brauchte ich prompt einen Ersatzreifen und zwei Schläuche, jede Menge Werkzeug um Davids Rad zusammenzubauen und sämtliche Nasenpflaster, um durch Schnarchen entstehende Geräusche zu optimieren.

Fertig. Jetzt muss man nur noch nervös sein und warten bis es los geht.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2015, David, Mob, Rennen, Silke, Silvia

Nein Mann, ich will noch nicht fahr’n: Berlin Velothon 2015

Tanzkurs mit den Studenten gefolgt von Gedächtnistraining am Samstag? Oder Velothon in Berlin fahren. An sich eine eher rhetorische Frage, es sei denn die Nase ist zu, die Glieder schmerzen und der Kopf dröhnt.

Trotzdem, alles egal, den Velothon bin ich jedes Jahr gefahren seitdem ich 2010 zurück nach Deutschland kam, (Ausnahme 2013), und es ist eine gute Gelegenheit wieder Kathrin und Fabian zu besuchen. Natürlich ist das alles viel zu teuer für 60 km Radfahren, aber es ist auch eines der wenigen traditionellen Ereignisse  in meinem Leben – auch wenn der Kilometer dann im Endeffekt fast 3 Euro kostet.

Da ich mich sehr kurzfristig entschlossen hatte komme ich in Startblock G – das ist ganz hinten und ganz spät. Man ist noch gar nicht gestartet, da kommen schon die schnellen Jungs und Mädel aus dem A Block vom Rennen zurück und drücken hinten, da sie ins Ziel wollen. Startblock G hat aber auch seine Vorteile: Man lernt quasi fast alle Teilnehmer am Velothon kennen – wenn man nur schnell genug nach vorne fährt, aber um die aus dem F, E und D Block zu überholen sollte es allemal reichen. Und das ist ja eigentlich der Sinn der Velothonteilnahme, oder? Die Strecke kann man ja auch so an jedem x-beliebigen Tag fahren, gerade der schöne Teil durch den Grunewald ist ja quasi Autofrei. Und gewinnen kann man da eh nichts, da ja seit vielen Jahren die Gruppe der Jedermänner eben aus Jedermann besteht: Hinz und Kunz, aber auch Amateure, Jugendfahrer, ex-Profis und andere Supersportler die einem schon beim Tempo in der Neutralisation abhängen könnten. Aber überholen, und zwar massenhaft und ständig – das ist das besondere am Velothon. Und aus Startblock G bekommt man da deutlich mehr für’s Geld.

Am Samstag holen wir die Startunterlagen in der City ab. Die City ist diesmal gelb-schwarz, halb Dortmund ist dort auf dem Weg in das Olympiastadium, während die Farben grün-weiß fast gar nicht zu sehen sind. Ich habe Mühe am Hinterrad von Fabian zu bleiben, die Nase läuft gelb-schwarz und es ist  anstrengend zu fahren. Wir radeln dann noch ein wenig im Grunewald, damit ich mir wieder merken kann wo und wie lang die Steigungen sind.

Am Abend dann Carboloading, wobei, bei 60 km am nächsten Tag ist das ja mehr „Loading“, also Gewichtszunahme, als dass es der Ausdauer dient.

2015 Velothon K2

Carboloading (Nudeln) nach dem Carboloading (Sushi)

Meine Frau macht mich innerhalb eines 15 Minütigen Telefongespräches zum Sushireisexperten. Sushis rollen kann ich nicht, also beschließen wir das ganze als Sushiparty (temaki sushi) zu verkaufen und jeder ist dafür verantwortlich, was er sich mit Seegrasblättern (nori) , Reis, Fisch und Gemüse selber gedreht hat.

Meine Kollegen in meinen ersten Job in Deutschland  fragten mich mal, als meine Frau mir Sushi als Mittagessen vorbereitet hatte, warum ich denn meinen Reis in Kohlepapier eingeschlagen hätte. Heute weiß keiner mehr was Kohlepapier ist, aber alle haben schon mal Sushi gegessen bei Dr. To in Neukölln.

Teilweise sind die Versuche aber auch sehr lustig. CvZ packt sich zunächst unglaublich viel auf sein  Nori, um dann nach Spezialwerkzeug zur exakten Kreisrunden Rollung zu fragen. Das ist etwa so, als wenn man versucht sich einen Joint mit den Blättern eines Gummibaums zu drehen. Das Endergebnis sieht dann auch so aus wie meine erste selbstgedrehte Zigarette bei der WDR Rocknacht mit Mothers Finest 1978.

Am Sonntag Morgen wache ich auf und sehe aus dem Wintergarten heraus einen strahlend blauen Himmel. Die letzten Sorgen, dass es wieder eine Regenschlacht wie letztes Jahr wird sind verflogen. Die Nase läuft zwar immer noch und heute trage ich ein geschenkt bekommenes Ketterer Jersey und Fabian eine Positivo Espresso Hose aber irgendwie geht es los und wir machen kurz Station in der Stadt im Loft.

IMGP1161

Das Loft und Blick auf das Gesims von Berlin.

IMGP1160

Am Start reihen wir uns dann ganz, ganz hinten ein, aber da wir früh da sind relativ an der Spitze des Startblock G; das ist gut, denn vor uns sind einige 120er Fahrer die sich auf 60 umgemeldet haben und nun auch von hinten starten müssen. An sich sollten die Startblöcke doch so verteilt sein, dass Teilnehmer, die etwa gleich schnell fahren in einem Block sind, mit den schnellen vorne und den nicht so schnellen hinten, damit sich das Ganze gut auf die Strecke verteilt. Ist aber nicht so. Gregor, der zum ersten Mal die 120 fährt ist in Startblock A gelandet und Tibor und Barbara, der wir noch am Abend vorher den Gepäckträger von ihrem Citybike geschraubt haben starten aus Block D. In Block G stehen die ganzen verpennten, aber sehr schnellen Nachmelde-Schlunze.

Verpennte Nachmeldeschlunze

Verpennte Nachmeldeschlunze

Kurze Strategiebesprechung. Die ersten beiden Male bin ich die 120er Runde mit vollen Einsatz gefahren, das lief beim ersten Mal gut, beim zweiten Mal nicht ganz so. Dann bin ich die 120er Mal auf dem Fixie gefahren und letztes Jahr die 60er im Regen mit dem Zeil heil anzukommen. Dieses Jahr beschliessen wir es ruhig angehen zu lassen und zusammen zu bleiben. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das klappen wird, der Vorsatz ist sicherlich ein guter, aber sobald mich jemand überholt, der irgendwie dicker oder unsportlicher aussieht als ich, oder MTB fährt drehe ich durch.

Nach dem Start hängen wir uns recht schnell an ein Pärchen dran, er in Cannondale giftgrün, sie mit einem riesigen Schriftzug „TIROL“ auf dem Hintern. Nach kurzer Zeit sieht es schon wie eine kleine Truppe aus, dabei sind die beiden weißen Malergesellen von MLB, der der auf dem Hintern „Hardbreaker“ stehen hat, einer mit Trek/NIsssan Jersey und zwei Mädels mit grauen Rollkragenpullis (In den Siebzigern hätte man das noch „Nicki!“ gerufen).

Die Tiroler bringen uns gut nach vorn, machen aber beim ersten Anstieg auf dem Spanndauer Damm schlapp. Die Gruppe zieht aber weiter und wir machen gutes Tempo,ohne uns aber zu verausgaben. Im Grunewald gibt es dann die einzige relevanten Ups und Downs. Ich wollte ja eigentlich nicht nach vorne, aber am Berg bin ich eindeutig schneller als der Rest und bei den Abfahrten dann auch ehrlich gesagt gerne mal etwa alleine. Im Graben liegt der erste Fahrer, später erfahren wir, dass Christine und Kongo-Bob dort erste Hilfe geleistet haben. Fabian habe ich in der Bergwelt des Grunewalds verloren. Das macht aber nichts, denn nach der Linkskurve, als es an die Avus langgeht nehme ich das Tempo wieder raus und warte auf ihn. Es tut ein wenig weh die schnellen Gruppen vorbeiziehen zu sehen, aber das ist nur ein temporärer Schmerz, etwas so, wie wenn man daran denkt wie gerade Nudelsuppe die Lieblingskrawatte runterläuft: Man weiß, es wird nicht wirklich etwas im Leben ändern, aber es tut weh – auch Jahre später noch wenn man daran denkt. Und zum Glück vergißt man diese Dinge zwischendurch.

Entlang die Avus finden Fabian und ich wieder zusammen. Zeit für eine Banane und Zeit Kathrin und Lucie am Wegesrand zuzuwinken.

2015 Velothon K1

Lange Jahre in Japan verändern das Reflexverhalten

IMGP1168

Viva La Banana!

Jetzt ist die Luft auch ein wenig raus. Noch 25 km bis ins Ziel, immer noch massenhaft Fahrer aus dem E Block zu überholen und richtige Herausforderungen in der Stadt gibt es nicht mehr. Die weißen Malergesellen sind weg, aber der Giftgrüne und Frau Tirol sind wieder da und auch die beiden Mädels, bei denen ich mir nicht sicher bin ob sie direkt aus dem Film „Jules et Jim“ von der Leinwand auf die Räder gesprungen sind, oder ihre Trikots bei Steve Jobs gekauft haben.

In der Gruppe gehe ich nach vorne und bei der Gelegenheit packt mich der Giftgrüne erst an und drohte mir dann Dresche an: „Ich stoß Dich einmal an, dann liegste auf der Fresse…“ In dem Moment habe ich einfach Riesenlust auf eine Prügelei. Da kann man mal sehen was der Radsport aus einem macht! Ich bin total friedlich, Zivi, Brillenträger….OK, eigentlich bin ich nicht friedlich sondern feige. Die letzte Schlägerei ist schon so lange her (ca 7 Jahre) , ich kann mich aber noch gut erinnern, wie ich in Shibuya einen japanischen Hilfs-Yakuza angerempelt hatte. Ich war mit Anna, unserem Aupair und ihrer Freundin aus Deutschland, die zu Besuch kam, unterwegs und ich hatte das noch nicht einmal richtig gemerkt. Der aber schon, kam hinter mir her gerannt und als er auf gleicher Höhe war holte er aus und schlug mir ohne Vorwarnung auf das Auge. Wir schlugen uns dann ein bisschen hin und her, aber es war ziemlich schnell klar, dass  das unentschieden enden würde, bzw. vermutlich würden wir beide verlieren, wenn die Polizei erst einmal gekommen wäre. Also gingen wir wieder unserer getrennten Wege. Annas Freundin bekam dadurch einen ziemlich falschen und schlechten Eindruck vom Leben in Japan – es würde mich wundern wenn sie jemals wieder kam.

Statt mich zu prügel schwor ich mir, dass ich vor dem durch’s Ziel fahre! Selten war ich so motiviert. Kurz vor Schluss geht es noch einmal eine sehr kurze Steigung hoch, gefolgt von einer Rechtskurve. Als ich mich oben umschaue ist keiner hinter mir und das schwarze Gummiaufblastor von Canyon, das den letzten Kilometer zum Ziel anzeigt in Sicht. Ich beschleunige und mache mich alleine auf den Weg ins Ziel (so Gilbert-mässig) , stelle aber dann fest, dass das keineswegs das 1 km, sondern das drei Kilometer Tor war. Ich bin mit über 40 Sachen unterwegs, Fabian habe ich verloren, muss jetzt durchhalten, damit der Giftgrüne mich nicht überholt.  Mist, so langsam geht mir die Puste aus. Aber da kommt die Siegessäule in Sicht und jetzt sind es noch so 500 bis 600 Meter. Zwei überholen mich noch, aber keiner von denen ist annähernd grün. Ziel geschafft, virtuelle Prügelei gewonnen. Weniger als eine Minute später kommt auch Fabian rein.

Langsam rollen wir zum Ende der Strecke, als ich hinter uns die Mädels in ihren grauen Nickis bemerke. Normalerweise spreche ich keine fremden Mädels an, das ist noch seltener als in eine Prügelei verwickelt zu werden: Als ich in Aachen studierte wohnte ich nahe der Einkaufszone am Hintereingang eines Woolworth Kaufhauses. Um in die Stadt zu kommen ging ich da häufig durch und dabei begegnete ich der wunderschönen Kassiererin, die in der Damenunterbekleidungsabteilung Dienst tat. Die wollte ich unbedingt einmal anquatschen und mit ihr ausgehen! Leider konnte ich mich dazu sehr lange Zeit absolut nicht durchringen. Und als ich endlich so viel Mut aufgebracht hatte es zu tun, hatte sie bereits bei Woolworth gekündigt, denn in der  Damenunterbekleidungsabteilung am Hinterausgang bei Woolworth in Aachen hält es keine wunderschöne Kassiererin lange aus. Da ich aber nun mal nach langem hin und her diesen Plan gefasst hatte, sprach ich einfach ihre Nachfolgerin an, was dann zu einer einfach voraussehbaren Katastrophe führte, die ich an dieser Stelle nicht beschreiben möchte, weil sie, wie die oben beschriebenen Gefühle beim Anblick der suppenverklebten Lieblingskrawatte, schmerzhaft, wenn auch temporär ist.

Andererseits hätte ich mich ja auch gerade fast geprügelt, also nahm ich all meinen Charme zusammen und fragte, ob ich ein Foto von ihnen machten dürfte, da mir ihr existenzialisticher Look so gut gefiel. Der hätte auch zu einem Radausflug von Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre und Albert Camus gepasst. Albert will immer mit seinem Rad gegen einen Baum fahren, Simone versucht ihn davon abzuhalten. Ich durfte:

IMGP1174 IMGP1173

Fabian sprach dann auch mit ihnen und dabei kam heraus, dass sie ebenfalls aus Bremen kamen. Das ist sehr, sehr  cool.

Wir fuhren dann nach Hause, gingen lecker vietnamesische essen, und ich legte mich noch ein wenig in den Wintergarten zum dösen.

In der rosaroten Woolworthwelt

In der rosaroten Woolworthwelt

… bevor beim traditionellen Kaffee im Garten die Berlinparty 2015 zu ihrem Ende kam. Noch mal meinen dank an Kathrin und Fabian für ein traditionelles, und immer wieder neues und gutes Wochenende in Berlin.

Nein, Mann, ich will noch nicht gehn, ich will noch ein bisschen tanzen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2015, Mob, Racing, Rennen

Münsterland Giro 2014

2012 war der Münsterlandgiro eine stressige, nasse und gruselige Erfahrung. Heute war es ganz anders: Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen Pro- und Jedermannrennen: Prorennen enden mit einem Sprint, Jedermannrennen beginnen damit.

Der Wetterbericht war hervorragend – bis zu 23 Grad. Trotzdem wäre es natürlich noch besser, das Rennen am Tag der deutschen Einheit durchzuführen, und zwar dem Tag vor der Einheit: dem 17. Juni. Einerseits. Andererseits ist Münster ein guter und würdiger Abschluss für die Radsaison, das Rennen ist lang, hat ein paar Höhenmeter je nach Kurs und zum Abschluß sollte man so gut trainiert sein, dass es sehr schnell wird.

Auch dieses Jahr ging es erst einmal mit Ärger los: Waren es 2012 noch ein Selbstmord, der den Bahnverkehr für fast zwei Stunden still legte, Jörgs platzende Reifen und Regen, so machte mir dieses Jahr der Car Sharing Service einen Strich durch die Rechnung bereits am Vortage anzureisen und in Greven zu übernachten. Stattdessen klingelte der Wecker um Viertel vor Sechs und ich machte mich auf nach Münster. Die Strassen waren frei, zunächst war es noch dunkel und dann zog Bodennebel auf aber man konnte schon erahnen, dass es ein wunderschöner Tag werden würde – bis zu dem Moment wo ich in mein Marzipancroissant biss und feststellte, dass mir der Tankwart eins mit Nutella verkauft hatte. Das Leben zeigte sich von seiner Schokoladenseite.

Nach 1 1/2 Stunden Fahrt war ich in Münster und machte mich zur Startnummernausgabe. Hier ist lobend zu erwähnen, dass man dort zunächst wirklich nur die wichtigen Dinge bekommt (Transpoder, Nummer, Kabelbinder, Sicherheitsnadeln) und sich die ganzen unwichtigen Dinge woanders und freiwillig abholen muss. Ich empfinde es als störend Skigutscheine für Südtirol, Plazenta Hautcremepröbchen für Radfahrer und unförmige Wasserflaschen mit mir rumschleppen zu müssen wenn ich eigentlich nur radfahren will.

Noch ein wenig rauf und runter die Strasse um wach und warm zu werden und dann reihte ich mich in den Startblock B ein. Der A Block war gut gefüllt, die Verteilung findet in der Regel nach eigener Geschwindigkeitsangabe statt: Gibt man Licht- oder Schallgeschwindigkeit oder irgendetwas jenseits der Sechzig Stundenkilometer an landet man im Block an, alles über 30 in Block B und alles darunter wird wahllos auf Block C und D verteilt, auch Angaben von 38Grad Celsius oder „To infinity and beyond“ werden prinzipiell in Block A plaziert.

DSCN4853

Der B Block. Wer da noch Ärmlinge an hatte sollte dies später bereuen.

Ich hatte 36 km/h angegeben (letztendlich sollten es 38.8 werden) zog die Windjacke aus und machte mich warm. Im Gegensatz zur Bremen Challenge, einer der größten Zwangsunterhaltungsshows diesen Jahres, wo mehrere hundert Starter über eine Stunde unterhalten wurden, ging es hier planmäßig um 9 Uhr mit dem Start von Block A los, eine Minute später dann auch mit Block B. Da ich relativ weit hinten im Block stand, machte ich mich auf den Weg nach vorne und nutzte jede Möglichkeit zum überholen aus. Weil die Umgebung aber quasi genauso schnell in Bewegung ist wie einer selber, bekommt man das irgendwie nicht so mit; man denkt man daddelt mit 30 km/h durch die Gegend und schaut auf den Tacho und liest 44 km/h. Der Drang nach vorne klappte heute sehr gut. Nach ca. 20 Minuten des Hechels war ich ganz vorne mit dabei, es sei denn es gab noch eine schnellere B Truppe die sich vorne abgesetzt hatte. Da das ja ein Renne und keine Trainingsausfahrt mit Freunden ist, vermied ich es aber tunlichst mich in den Wind zu stellen.

Nach 18 km kam die erste Steigung. Die war nicht zu lang und es gelang mir in der Gruppe zu bleiben. So Gruppen sind ja riesige Maschinen, die Ausschuss produzieren der hinten rausfällt. Nach 22 km kam der erste „richtige“ Berg mit 100m Höhendifferenz und hier trennte sich das Pils vom Weizen. Dummerweise war ich bei den Pilsen dabei, aber auch nicht so richtig, ich war eher ein weiziges Pils, denn aus der Gruppe fiel ich nicht heraus, aber in der erste war ich nun auch nicht mehr dabei. Bis auf zwei, drei andere war ich alleine auf der Strasse und ich lies es ruhiger angehen, um mich von der nächsten großen Gruppe einholen zu lassen. Schliesslich hatten wir etwa 10 Fahrer zusammen und versuchten auf die Gruppe vor uns aufzuschliessen, was aber mißlang. Da waren halt auch ein paar dabei die von hinten nach vorne sprinteten Führungsarbeit machten und denen dann das Licht aus ging. Ich beteiligte mich an der Arbeit, aber es nutze alles nichts. Die Gruppe war auch zu klein um richtiges Tempo zu machen. Nach etwa 50 km, kurz vor Coesfeld, wurden wir von dem B Hauptfeld wieder eingeholt. Das war un eine sehr große Gruppe mit mehr als hundert Fahrern und die sollte auch bis zu den Schöppinger Bergen bei km 115 so zusammenbleiben. Ab und an holten wir ein paar A Fahrer ein, denen entweder Licht oder Schall ausgegangen war aber sonst passierte nicht viel. Das Tempo war immer noch fix, jetzt im flachen wieder jenseits der 40, taktisch lief es hervorragend und es gab zum Glück keine Anfänger und Selbstmörder im Feld bislang. Dann schlug mir jemand auf den Hintern. Mädels mögen so etwas ja nicht aus dem Hinterhalt, ich schon, vor allem bei Tempo 40. Marcus war auch im B Block gestartet, ich hatte ihn am Start aber gar nicht gesehen und hatte uns mit der Haupttruppe eingeholt.

DSCN4860

Marcus – kurz nach dem einholen

Es begann ein Abschnitt der sehr flach war und das Tempo ging etwas runter. Wie auf Kommando packten Hände an Trinkflaschen und Riegel wurden aus Trikottaschen gezogen. Nachdem ich das erledigt hatte holte ich meine Kamera raus und machte ein paar Fotos vom Feld. Dabei musste ich daran denken, dass ich am Montag bei der Ausfahrt, einer ursprünglich als lockere Ausfahrt nach der Arbeit geplanten kurzen Runde, absolut und überhaupt keine Zeit hatte Fotos zu machen. Wenn ich nur daran gedacht hätte, die Kamera aus der Tasche zu holen, hätte mich dieser Moment der Unkonzentriertheit bereits hoffnungslos hinter die Gruppe zurückfallen lassen. Das war also wesentlich härter als der Giro hier.

DSCN4854

Vor mir,

DSCN4855

…hinter mir,

DSCN4856

… mit mir.

Hart an diesem Giro waren vor allem die Ortsdurchfahrten. Die Organisatoren geben sich große Mühe die Gefahrenstellen zu kennzeichnen und abzuschranken, aber das fahren durch die Stadt ist trotzdem gefährlich und es ist ja nicht so als wenn das unbedingt nötig wäre. Die Begeisterung der lokalen Bevölkerung hält sich doch stark in Grenzen. Zwar ist ab und Kirmes und Männer von Schützenvereinen ziehen durch die Strassen – aber können die das denn nicht auch am 17. Juni machen?

Trotzdem merkte ich aber auch, dass es langsam anstrengender wurde. Meine Taktik ist im allgemeinen recht unkonzentriert in der Gruppe zu fahren; dadurch tun sich vor mir schon mal Lücken auf und andere Fahrer schieben sich dort rein. Dadurch falle ich nach hinten. Hinten fahren ist aber nicht gut, denn erstens ist das Risiko des baghängt zu werden groß und zweitens ist das wie in einem Stau, hinten fährt man hektischer wennn dich die Geschwindigkeit vorne verändert. das ist also anstrengender.  Und dann, wenn ich meine ich bin weit genug zurückgefallen, spurte ich an der Seite wieder nach vorne. So langsam merkte ich, dass die Spurts mir schwerer fallen. Ich wollte mich auch nicht komplett verausgaben, die ja wusste, dass noch die Schöppinger Berge kommen. Und da waren die dann auch nach 112 km. Sofort zerfiel die Gruppe in die ihre Einzelteile. Ganz vorne konnte ich nicht mithalten, aber irgendwie gelang es mir doch relativ weit vorne zu bleiben. Ich vermute einmal, dass es Marcus da erwischt hat, und dass er hinten raus fiel. Ich dachte zunächst, dass sich nun vorne eine größere Gruppe abgesetzt hätte, aber zum Glück konnten wir die wieder einholen. Insgesamt war die Gruppe aber deutlich kleiner geworden.

Da wir jetzt näher ans Ziel kamen, wurde die Truppe auch hektischer. Es gab fast zwei, drei Stürze vor mir. Und obwohl wie auf einer relativ breiten Strasse unterwegs waren, zog es immer mehr Fahrer nach links so dass es schwieriger wurde nach vorne zu kommen. Ich blieb so in der Mitte und etwa 10 km vor dem Ziel versuchte ich mich nach vorne zu arbeiten, was aber sehr schwierig war. Jedenfalls hatte ich noch genug Power für einen Schlusssprint und das wollte ich nutzen. In Münster sind die Strassen dann relativ eng. Erstaunlich, denn im Zielbereich ist dies ja auch der Kurs der Profis, das häte ich mir durchaus breiter vorgestellt. Ein letzter Einsatz, Sprint und dann war es vorbei. So ganz unfroh war ich nicht, dass die Arbeit des Tages nun geleistet war (so dachte ich jedenfalls).

Zuhause vergleich ich dann die Zeit mit 2012. Damals 3:45 h, diesmal 3:41, kam mir ja doch schneller vor. Dann wurde mir auch klar warum, 2012 war die Strecke nur 129 km lang, diesmal 143. Das erhöhte dann den Zufriedenheitsgrad ungemein. 348ter von 672 Fahrern insgesamt, 56ter von 132 Fahrern in meiner Altersklasse. Alles sehr erfreuliche Ergebnisse.

Jetzt also erst einmal ein Weizen.

DSCN4863

Paulaner Himmel

Ich hatte mich mit Marcus hier zum trinken verabredet, aber der kam einfach nicht. Eine gute Gelegenheit ein paar Fotos zu machen, insbesondere von coolen Clubtrikots, Münster Schloßplatz ist da ja so etwas wie der Radlaufsteg der Welt

DSCN4861

Yep babe – it’s a mathai world … whatever

DSCN4862

Dazu fällt mir nur dies ein: https://www.youtube.com/watch?v=prwDgGYFTxc Am Haarschnitt muss aber noch gearbeitet werden.

DSCN4864

Fräulein Lenzen – habe ich bestimmt heute 20 Mal überholt und umgekehrt.

DSCN4865

Red Dot Design Award heute: Martin Schultewolte’s Sanitäres Racingteam und Rotz Racing – total unsanitär.

DSCN4866

Das Trikot sieht farblich so aus wie eine Stützstrumpfhose aus dem Altersheim, das Mädel aber konnte fahren. Hat mich bestimmt 20 Mal überholt. Und Umgekehrt.

So, dann kamen aber auch schon die Profis.

DSCN4867 DSCN4868

Die Fahrt nach Hause dauerte dann geschlagene drei Stunden. Manchmal dachte ich, wenn ich jetzt mit dem Rad nach Hause gefahren wäre im Tempo des Giros hätte es auch nicht länger gedauert.

Insgesamt war es ein super Tag. Ich habe mir das mal auf Strava angeschaut. Jeder KOM und die darauf folgenden dreihundert besten Ergebnisse wurden heute gefahren, alles was vorher war quasi ausradiert. So , morgen noch ein bisschen fahren und dann werden die Beine erst mal hochgelegt.

2 Kommentare

Eingeordnet unter 2014, Mob, Rennen

Fotos von der Weserrunde

Noch zwei Stück aus dem Ärmel: Auch als Fisch kann man die Weserrunde mitffahren. Da man dann naturgemäß den Sattel Richtung Lenker herunterglitscht, empfiehlt es sich die Sattelstellung entsprechend anzupassen.

1409 Weserrunde M2

Heldenfoto zum zeigen und erzählen entsprechender Epen zehn Jahre später:

1409 Weserrunde P 4

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Blitzrad, Bremen, Mob, Rennen

RTFs im Testvergleich: Große Weserrunde vs. Lauenau

1409 RTF Lauenau h

Vorsicht, Beitrag enthält Weser.

An den letzten beiden Wochenende hatte ich das Vergnügen an zwei RTFs teilzunehmen. Doch welche ist unterm Strich besser gewesen? Große Weserrunde und RTF Lauenau im streng wissenschaftlich-analytischem Vergleich.

Die Auswahl der Vergleichskriterien für Produkte der Serviceindustrie ist ein komplexes Unterfangen über dass sich die Forschung bislang nicht einig ist. Diverse Forschungsergebnisse, beispielsweise Groeninger [2017], Oehm [1897] oder Matze [2020] bestätigen dies, auf eine einheitliche Definition von Mindestkritierien kann sich nicht festgelegt werden. In Anlehnung an Boertz/Döring [2014] die in jeder empirischen Arbeit erwähnt werden müssen, wird der gegebenen Komplexität durch eine angemessene Chaotik in Methodik und Durchführung Rechnung getragen. Zahlenmässige Angaben in Form von arabischen Zahlen wurden nach Dilbert [1999] ermittelt und bewertet.

5652.strip

Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, wurde die Einführung an dieser Stelle beendet und mit dem Vergleich begonnen.

1. Anreise

Große Weserrunde

= große Anreise. Treffpunkt morgens um 4 Uhr am Bahnhof. Zumindest gibt mir dies die Gelegenheit meinen 14 jährigen Sohn zu treffen, der sich zum Zeitpunkt des Frühstückens auf einem Ausflug in die Küche begibt, um Nahrung für seine nächtlichen Onlineballerspieleskapaden zu beschaffen. Im Zug dann in einem Abteil mit dem was Bremer Clubs eben so Samstags Morgens um 4 Uhr ausgespuckt haben und nun auf dem Weg zurück in die Provinz ist. Neben uns sitzt ein Typ der den Abfallkorbdeckel öffnet um herreinzubrechen, ein angesichts getrübter Zielgenauigkeit hoffnungsloses Unterfangen. Tobias kann ihn gerade noch überreden die Toilette zu benutzen, wir hören ihn würgen und kotzten noch bevor sich die automatische Tür wieder schließt. Leider die Kamera nicht rechtzeitig zur Hand gehabt.

Da die Bahn von sechs bis neun einen Streik angekündigt hat zittern wir dann in der S-Bahn an jedem Bahnhof zwischen Wunstdorf und Bückeburg ob der Zug wieder anfährt oder eben nicht wieder. Doch Lokführer sind auch nicht doof, wer will denn schon am Samstag morgen in Haste drei Stunden rumsitzen, da haste nix von. S-Bahn fährt zum Glück weiter bis nach Bückeburg wie geplant. Von dort aus über einen ersten Berg nach Rinteln.  Im dunkeln konnten wir den zum Glück nicht sehen, wären sonst vermutlich wieder umgekehrt. Das Ausmaß unserer Leistung wird erst auf dem Rückweg erkennbar.

RTF Lauenau

Der Wecker klingelt um 6:45 Uhr. Dann wird klar dass es nicht der Wecker ist sondern ein Anruf von Hannes, der mich fragt wo zum Teufel ich denn bleibe, denn wir wollten mit seinem Wagen um 6:30 Uhr bei ihm losfahren. Anziehen und frühstücken wird ein wenig hektisch, aber dann fahren wir in Seelenruhe nach Lauenau wo wir 1 1/2 Stunden später bei guten Wetter ankommen. Nervend: Gang vom 80 Meter entfernten Parkplatz zur Anmeldestelle im Schwimmbad – das kostet ein paar Körner.

2. Begleitung

Große Weserrunde

10589790_10204789067714407_2071511822_n

10685200_10204789067514402_631266585_n

Mit Philipp, Jonas und Tobias im Zug. Gute Stimmung wie üblich. In Rinteln warten dann auch noch Jan und Sebastian auf uns; wir bekommen eine eigene Startzeit und radeln in unserer Gruppe los. Recht schnell wird klar, das ich der langsamste von allen bin, was dann dazu führt das sich relativ entspannt am Ende der Gruppe vor mich hingurken darf. Ein paar Mal, insbesondere an Anstiegen falle ich hinten raus, aber oben oder bei der Abfahrt warten alle immer nett auf mich, einpaar Mal zieht mich Tobias wieder an die Gruppe ran (Danke). Insgesamt klappt es aber sehr gut und der Leistungsunterschied ist auch nicht so signifikant. Ganz am Ende kneife ich dann vor der Route durch die Berge von Aetzen (Aerzen) und ziehe es vor mit den neu gewonnen Küs Freunden an der Weser und somit am Atomkraftwerk nach Rinteln zu fahren. Keine Nennung des Wortes Atomkraftwerk ohne einen Link zu S.Y.P.H.s Industriemädchen.

1409 RTF Lauenau 3

RTF Lauenau

Allein auf weiter Flur mit Hannes, kein Bremer verirrte sich nach Lauenau – doch ganz am Ende sehen wir einen im Trikot vom RCB. Eigentlich sollten noch Eddie und seine Frau mitkommen, die aber in letzter Stunden absagen. Da wir viel zu spät für den Start gekommen sind fahren wir quasi die ganze Strecke alleine. Gestählt durch die große Weserrunde bin ich in Bestform. Hannes darf ab und an vorne im Flachen Führungsarbeit machen, aber auf den Anstiegen und Abfahrten gebe ich zur Abwechslung mal das Tempo vor.  Auch nicht schlecht. Irgendwann überholen wir eine Gruppe gelber Visbeker und ein Mädel hängt sich an uns ran, muss aber dann wieder auf ihre (lahmeren) Jungs warten. Sonst lernen wir leider niemanden neu kennen. Mit Hannes fahre ich aber sehr gerne, da wir das gleiche Maß an Anstrengung und an Nicht-Ernsthaftigkeit in unsere Touren legen.

3. Strecke

Große Weserrunde

IMGP0535 IMGP0536 IMGP0537

Die große Weserrunde ist nicht ausgeschildert und da ich immer noch nicht im Besitz eines Garmins bin, bin ich auf Gedeih und Verderb meinen Garminausgestatteten Freunden ausgeliefert. Nicht, dass dies ein Problem wäre und auch das Routing mit deren Garmins funktioniert ausgezeichnet. Ich würde mir ja auch gerne einen Garmin kaufen, finde aber, dass diese sich von der Nutzerfreundlichkeit irgendwo zwischen einem Commodore 64 und einem IBM386 mit MS DOS bewegen: XCOPY C:\Test\ A: . Und seitdem Bedienungsanleitungen länger als 20 Seiten sind und nicht mehr auf Papier gedruckt werden, lese ich diese ungern – kein Zeit dafür.

Ansonsten gibt es bei der Weserrunde über die Streckenführung nichts zu meckern. Ab und an werden doch arg kleine Wege und Abkürzungen benutzt, in Hameln fahren wir einmal über die Terasse eines Biergartens und verfahren uns gleich anschliessend. Es geht fast immer recht dicht an der Weser entlang bis auf zwei Abstecher in die Hügel, einmal auf der Hinfahrt nach Hannoverisch Münden und einmal auf der Rückfahrt von Polle nach Aerzen. Da gibt es denn eine alternative Strecke, die sich aber im nachhinein auch als länger herausstellt. Über 300 Kilometer kommen so einige Höhenmeter zusammen, bei so einer Distanz bin ich dann auch froh, dass es nicht zu viele wurden. 300km sind lang und länger als Lauenau. Das hat den Vorteil, dass man anschliessend viel zu erzählen hat. So lange Distanzen bin ich bislang selten gefahren; Tokyo-Itoigawa Rennen 2008, etwa 290 km in etwas mehr als 10 Stunden auf dem Rad und 12 Stunden insgesamt und mit vielen, vielen fiesen Höhenmetern und Ampeln. Yokohama – Hamamatsu 2010 ähnlich lang und hart. Aber seitdem ich zurück in Deutschland bin, bin ich nur selten mehr als 200 km an einem Stück gefahren. Jetzt gibt es wieder viel von Heldentaten zu berichten.

RTF Lauenau

1409 RTF Lauenau i

Quasi direkt nach dem Start geht es mit den Anstiegen los. Die Strecke ist gut ausgeschildert in den Farben des ausrichtenden Radklubs Victoria Lauenau. Bereits nach 50 km haben wir fast 800 Höhenmeter in den Beinen. Die erste Abfahrt ist auf einer sehr schicken und schnellen Landstrasse und endet etwas abrupt und gefährlich an einem T Stück ohne Vorwarnung. dann geht es wieder in kleinen Wegen weiter hoch. Teilweise sind die Steigungen recht giftig und es fällt mir schwer alles im großen Kettenblatt abzuarbeiten – aber zunächst geht es noch. Die Landschaft ist jedenfalls großartig, viele Hügel, Wälder, einzelne Bauernhöfe hier und da und das alles bei sehr gutem, sonnigen Wetter aber auch nicht zu heiß. Eine Gegend zum verlieben – man möchte noch einmal 20 sein und neu anfangen, am besten gleich in Tevenhausen. Obwohl heiraten, Kinder großziehen etc. sind größtenteils vollbracht und wenn ein Drehen zurück an der Uhr dies wieder nach sich ziehen würde dann vielleicht doch eher nicht. Bei Tevenhausen fahren wir einen Teil der Strecke zwei Mal. Dazu kommen ab und Radfahrer entgegen, vermutlich von der Marathontour. Das ist etwas irritierend aber wir lassen das nicht zu. Raus aus de Kalletal zurück an die Weser  setzen wir bei Großenwieden mit der Fähre über. Das ist originell und kann nicht jede RTF bieten. An der nächstgelegenen Verpflegungsstation klärt und ein älterer Herr mit noch älterer Team Telekom Mütze auf, dass wir nun die Auswahl zwischen zwei Strecken zurück nach Lauenau haben: Die flache Alternative, oder noch einmal den Berg hoch zur Schaumburg und weiter zur Paschenburg.

1409 RTF Lauenau l

Das wollen wir natürlich unbedingt, einmal das Palais Schaumburg sehen! Oder einmal Palais Schaumburg sehen? Die Steigung zieht noch einmal ordentlich an und bringt mich letztlich auf das kleine Kettenblatt. Danach eine super Abfahrt bis fast nach Lauenau rein. Streckenplanung also super, fast keine Bundesstrassen, viele Anstiege auf kleinen Strassen, viele Abfahrten auf geräumigen Alleen. Aber eben auch schon nach 150 km zu Ende.

1409 RTF Lauenau b 1409 RTF Lauenau c

4. Verpflegung

Große Weserrunde

IMGP0533

Verpflegungsstationen etwa alle 50 km. Manchmal gibt es nur eine Cola und einen Stempel aber fast alle Lokationen sind großartig. Der Campingplatz Himmelspforte direkt hinter dem Regipswerk Bodenwerder wird mir auf ewig in Erinnerung bleiben: “Es ist verboten warmes Wasser von den Toiletten mitzunehmen”. Es ist vermutlich auch verboten kalt in die Becken zu pinkeln. Dicke Holländer in frottierten Bademanteln kommen wir aus den Waschräumen entgegen. Irgendjemand hat doch die Uhr zurückgestellt, oder?  In Holzminden eine Blockhaushütte namens „Hafenbar“. Ich denke an Ford Capri, Batida de Coco, Tritop und wilde Wodka Parties kurz hinter Tschernobyl mit Alwin und Peter. Dier Verpfelegung ist OK, das Mittagessen in Hannoversch Münden auch udn die einzige Gelegenheit mal mit ein paar anderen Leuten zu sprechen. Wir treffen zwei Zigarrenliegeradfahrer und unterhalten uns mit ihnen, der eine fährt ein Cabrio, der andere vollverkleidet. Ich stelle mir vor, wie sein Cabrio bei Regen vollläuft und nur noch der Kopf vom Kinn aufwärts aus dem Wasser in seiner Kiste hervorragt. Die übrigens auch nicht leicht ist: 36 kg wollen bewegt werden, vor allem den Berg hoch. Das Boothaus in Beverungen ist auch so eine Zeitkapsel. Wie hat das alles überlebt aus den Siebzigern?

Der letzte Rast in Polle ist der Hit: Wir sitzen auf einer Terasse auf einem Campingplatz an der Weser und bekommen Getränke, Kaffee und vor allem Erdbeerkuchen umsonst.Eigentlich wollen wir gar nicht mehr weiter und wünschten uns Torsten wäre mit seinem Eifelland Wohnwagen da. Am Ende dann auch noch Essen am Start. Alles wirklich gut organisiert.

RTF Lauenau

„Ein Salamibrötchen bitte“ „Das macht 50 Cent.“ Eigentlich möchte man ja dann sagen: „OK, geben Sie mir alle, ich verkaufe die am Montag vor der Uni für ’nen Euro“ aber wir sind fürs Radfahren und nicht für den Profit gekommen. An der ersten Station in Hemeringen nach ca. 30 km beisse ich in zwei leblose und labrige Waffeln bevor Hannes mir sagt, dass hier besonders das selbstgemacht Rosinenbrot zu empfehlen ist. Das ist wirklich gut. es gibt quasi alle 25 km eine Verpflegungsstation und so brauche ich nur einmal auf einen Riegel zurückzugreifen. Rosinenbrot gibt es überall. Bananen, Obst, Müsliriegel, nichts außergewöhnliches aber eben gut für eine RTF. Am Ende gibt es dann noch gegrillte Bratwurst und Kuchen. Der ist aber leider schon fast weg, da wir zwei Stunden nach der Meute gestartet sind und uns viel Zeit gelassen haben.

1409 RTF Lauenau 5 1409 RTF Lauenau 6

5. Rückfahrt

Große Weserrunde

Jpeg

Sebastian meinte, dass wir es locker im hellen wieder zurück nach Bremen schaffen. Schummerig wurde es allerdings schon auf der Rückfahrt nach Bückeburg. Die Bahn brachte uns dann einen weiteren, langen Aufenthalt in Wunstdorf ein, dummerweise war da dann auch schon lange das Shoppingcenter im Bahnhof geschlossen (bereits seit 14 Uhr!). So gegen 23 Uhr war ich zuhause, ein 19 Stunden Abenteuer.

tt151

Nicht Herr Sato.

RTF Lauenau

Hannes fährt, wir quatschen und nach ca. 1 1/2 Stunden setzt er mich netterweise zu Hause bei mir ab.

Fazit

Beides lohnenswerte RTFs, dieses Jahr haben wir neben diesen beiden auch wieder die Adlerrunde, der rote Fuchs und die Delmenhorst RTF gefallen. Visbek war auch nicht schlecht und auch Barrien. Bramsche fand ich nicht so doll. Schade, dass nun alles vorbei ist bis zum nächsten Jahr – aber wenn das Wetter gut ist, dann fahre ich noch den Münsterland Giro. Welche war nun besser? Keine Ahnung.

Handlungsempfehlung

Die Untersuchungen machen klar, dass eine Beurteilung der Qualität von RTFs anhand von standardisierten Kriterien nur dann eine signifikante Aussage haben kann, wenn die Anzahl der untersuchten Objekte deutlich erhöht wird. Aufgrund dieses Untersuchungsergebnisses wird empfohlen weitere Analyse in kommende Forschungsvorhaben einzubetten um auf der Basis gesicherter statistischen Erhebungen Aussagen zu treffen, deren mittlere Standardabweichung einen gewissen Grad von Allgemeingültigkeit zulässt.

Clipboard01

Kein Zusammenhang. Schafft aber auch bestimmt 51,151 km in der Stunde.

Der Autor dankt seinen Mit-fahrern und -forschern.

EoL

IMGP0544

2 Kommentare

Eingeordnet unter Blitzrad, Bremen, Mob, Rennen

Gestern Nachmittag am Atomkraftwerk mit den Küs

IMGP0542Gestern war die „Große Weserrunde„, eine RTF über 300 km von Rinteln entlang der Weser nach Hannoversch-Münden und auf der andren Weserseite wieder zurück. Demnächst schreibe ich ein wenig mehr darüber. 

Nach etwa 240 km, am Campingplatz in Polle haben wir uns getrennt, ich bin mit den Küs die alternative Strecke entlang der Weser gefahren (länger aber weniger Höhenmeter) und die anderen haben die Strecke durch die Hügel über Aerzen zurück nach Rinteln genommen. Plötzlich tun sich die Wälder vor uns auf und geben den Blick frei auf das Atomkraftwerk Grohnde. 

As AKW Grohnde sieht aus wie ein AKW in Deutschland eben aussieht, aber eben nicht alle AKWs in der Welt: rund.

AKW Grohnde

Währenddessen zum Beispiel ein japanisches AKW  eher eckig ist:

Ich hatte dieses runde Element völlig vergessen, für mich war es wie eine Zeitreise in die Siebziger, als AKWs und NATO Aufrüstung die beherrschenden Themen der Zeit waren. Insofern war dieses AKW auch der Höhepunkt einer Radzeitreise in die Vergangenheit, denn auch die Campingplätze und Orte entlang der Weser an denen wir vorbei kamen und Rast machten sahen aus wie eine Miniaturwelt der Siebziger Jahre: 

Fast 300 km lang gab es, von dem AKW, einer Regipsfabrik direkt am Campingplatz Himmelspforte, der Porzellanmanufaktur Fürstenberg im Ort gleichen Namens und einem Gebäckhersteller namens „XOX“ (deren widerliche Kekse es bei alten Leuten in meinem Familienkreis zu Kaffee gab) keinerlei nennenswerte Industrie.

Das beste waren allerdings die zahlreichen Campingplätze mit angeschlossenen Ausflugslokalen die wir angefahren haben. Während heute fast jedes Restaurant oder Cafe „Country Club Quelkhorn“ oder „Wellness Terrasse Wilstedt“ etc. heißt, gab es dort kein einziges englisches Wort zu lesen, selbst die Verbotsschilder waren auf Deutsch und wiesen in der strengen Sprache der Fünfziger darauf hin was alles nicht erlaubt ist: „Es ist verboten warmes Wasser von den Toiletten mitzunehmen“. „Besuchen der Gäste des Campingplatzes nur gegen Gebühr“. Das ganze garniert mit aberwitzigen Fliesen, Möbeln aus der Wirtschaftswunderzeit, Gardinen wie aus „Madmen“ und Wimpeln und Pokalen mit dicken Staubschichten.

Ich fühlte mich auf einmal sehr jung. Nach dreihunter Kilometer war dieses Gefühl komplett verfolgen und ich fühlte mich nur noch sehr alt.

 

 

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Blitzrad, Mob, Rennen

Road to Mont Blanc

pass

Danke an David und Domenic für den Hinweis auf dieses Video. 1.000 Kilometer und 20.000 Höhenmeter von Italien über die Schweiz nach Frankreich durch die Alpen. Von der Distanz her wie das Transalprennen aber alles in einem Rutsch: 53 Stunden.

 Kommentar David: „…. But the support car is really cheating. Spare clothes, spare
batteries, spare wheels, etc., etc. … Rain .. then a change into dry.“
gear.

san boldo

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Mob, Transalp

Bremen Challenge 2014

Die Bremen Challenge ist, neben dem Rad Marathon, mein Heimatrennen. Dieses Jahr bestand die Herausforderung aus zwei Teilen: Zunächst etwa eine Stunde kalt im Startblock zu stehen und dann hechelnd in der Gruppe während des Rennens zu bleiben.

Meine erste Bremen Challenge war 2011. Ich war neu in Bremen, kannte so gut wie niemanden und fühlte mich etwas einsam. 2012 war besser, 2013 bin ich wegen dem Wetter nicht gefahren und 2014 war bislang am besten. Doch alles der Reihe nach.

Am Abend vorher baute ich mein Canyon Rennrad von „Triathlon Aerodynamisch“ auf „Rennen scheißegal“ um. Also die teuren Laufräder und alles andere was wertvoll ist runter und das billigere Zeug dran, nur für den Fall dass ich mich hinlege und größere finanzielle Einbußen zu verkraften habe. Die SPD Pedalen ließ ich dran, denn alles was man da an schlechterer Kraftübertragung während des Rennens an Zeit verliert, macht man am Start wieder gut, wenn man als schnellster in die Pedalen einklickt und die ersten 20 Fahrer innerhalb von zehn Metern hinter sich lässt.

Ich bin zwar kein Mitglied der Wiegetritt Truppe, aber mittlerweile geduldeter Gast. So konnte ich meinen Rucksack im Hänger lassen, durfte mir einen Kaffee nehmen und mit dem Rest quatschen. Da ich doch immer noch recht nervös für jedem Rennen bin, auch wenn es nichts zu gewinnen gibt, bin ich dafür unendlich dankbar. Ich fuhr dann ein wenig durch die Überseestadt um mich warm zu machen, wie immer in der letzten Zeit war es wieder richtig windig, und reihte mich ca. eine Viertelstunde vor dem Start ganz vorne in Startblock A ein. Das durfte ich deswegen, weil ich bei meiner Durchschnittsgeschwindigkeit bei der Anmeldung „Schallgeschwindigkeit“ angegeben hatte und nicht bescheiden „36 km/hr“. Vor mir standen eine Menge anderer Fahrer, die vermutlich „Lichtgschwindigkeit“ eingetragen hatten.

Die Startblöcke waren zu klein dimensioniert, viele Fahrer die noch etwas später kamen mussten sich am Ende des Feldes einreihen. Das ist normalerweise ungünstig, da man dann nie nach vorne fahren kann, sollte aber letztendlich keine Rolle spielen.

Es begann nun das Drama, dass immer noch einzelne Privatfahrzeuge auf der abgesperrten Strecke waren und der Start nicht freigegeben werden konnte. Als wenn das noch nicht schlimm genug wäre, wurde das Starterfeld von Marcel Wüst und dem Moderator auf launige Art und Weise unterhalten. Diese war im wesentlichen sinnfrei („Wer mit zwei Trinkflaschen fährt hält jetzt bitte einmal die Arme hoch“) und sehr gequält und bemüht. Zeit also ein paar Fotos zu machen, fotographiert zu werden und die Nachbarn im Block zu beobachten.

20140817_091605

Schlechte Laune in Startblock A. Mein gelber Nachbar war auch nicht gerade wahnsinnig gesprächig.

IMGP0385

Vor mir war nicht viel los.

Links von mir war nichts los.

Rechts war es allerdings interessanter, hier stand ein Fahrer mit Specialized Venge (glaube ich) und Mavic Hochprofilfelgen (bei dem Wind) sowie kompletter Mavic Trikotage.

IMGP0387

Mr. and Ms. Specialized

War ich auf sein Rad neidisch? Nein. auf seine Freundin, die 15 Minuten das Rad hielt während er auf die Toilette verschwand, ihm Riegel verschiedener Geschmackssorten reichte und aufmunternde Worte sprach? Definitiv.

Mitterweile waren alle kalt, die Fahrer mit drei Trinkflaschen hatten die Hände hochgehalten und auch die, die nur ein Bein hatten oder 12 Finger, ich weiß es nicht mehr. Die Musik schmirgelte von den Achtzigern auf die Siebziger: Sister Sledge, Chic…. obwohl ich muss gestehen, dass ich „Good Times“ von Chic sehr „groovy“ finde. Aber auch das half nichts gegen die Kälte die sich nun in den Körper schlicht.

Wie so oft, irgendwann gibt man auf. Und so tat es die Rennleitung und startete das Rennen mit einer neutralisierten Runde die im 20 – 25 km/h durch die Strecke führen sollte. Schön, endlich ging es los und ich machte mich auf den Weg nach vorne. Tatsächlich war das Tempo von Anfang an recht ordentlich und ehrlich gesagt gibt es ja auch keinen Grund auf der Hochstrasse 25 km/h zu fahren. Dort traf ich Andreas, der mit seinen Nuttrixion Leuten unter Lichtgeschwindigkeit gestanden hatte und später auch Jessica. Als wir die Hochstraße zurückfuhren wurde auch klar, dass die Geschwindigkeit der neutralisierten Runde nicht neutral genug für viele Fahrer war, denn das Feld hatte sich bereits recht weit auseinander gezogen. Zum Glück war ich noch in Reichweite des Führungsfahrzeuges, auch wenn die Muskeln wegen Kälte schnell dicht machten.

1554620_827636867255491_3052938536284959278_n

Andreas auf der Hochstrasse. er wird automatisch bei 130 bpm abgeriegelt.

Die neue Streckenführung fand ich persönlich nicht so glücklich, die im Pulk zu fahren war ganz schlecht, war allem der sehr holprige Teil durch Walle, aber später als sich das Feld auseinandergezogen hatte war das dann auch ganz OK. Als wir nach der ersten Runde durch das Ziel kamen, kam die Ansage, dass die Neutralisierung aufgehoben war und es ging los mit dem Tempo. Ich schaffte es noch genau bis auf die Hochstrasse hoch in der ersten Gruppe, danach war mein Rendezvous mit den richtig guten Fahrern vorbei und ich fiel aus der Gruppe heraus. Aus Erfahrung weiß ich, dass man dann nicht den Fehler machen sollte alleine aufzuholen, das verbrennt nur unnötig Körner, man schafft es eh nicht und wenn dann die zweite  nächste Gruppe kommt, dann kann man mit denen nicht auch mehr mithalten weil die Kraft fehlt. Das sagt die Erfahrung. Das Gefühl oben auf der Hochstrasse sagt scheißegal, man macht es trotzdem und so zieht dann auch die zweite Gruppe vorbei. Die Demütigung in dem Fall bestand darin, dass da auch ein Bromptonfahrer mit seinem Klapprad dabei war.

Es ist aber immer besser am Anfang vorne mitzufahren und sich dann zurückfallen zu lassen, als zu versuchen von hinten das Feld aufzurollen, denn dann hat man das Pech langsam entlangzugurken in einer Gruppe die gerade so schnell ist, dass die Entfernung zur nächstschnelleren beständig wächst und man den Sprung über die Distanz nicht mehr schafft.

In der dritten Gruppe waren dann auch zwei Fahrer  von Wiegetritt die vorne die ganze Zeit Führungsarbeit leisteten und da fühlte ich mich dann recht wohl, insgesamt waren wir etwa zu fünfzehn.

Leider harmonisierte die Gruppe nicht sehr gut. Auch in vierter oder fünfter Position stand ich recht oft im Wind, zudem war das Tempo vorne extrem verschieden: Mal ging es mit 33 km/h vorwärts, dann ein Wechsel vorne und jemand erhöhte temporär auf über 40 Sachen. Und so war es ein kontinuierliches Hecheln und aufpassen nicht von der Gruppe abgehängt zu werden. So lief das im Prinzip die ganze Zeit, am Ende der vierten Runde waren wir vielleicht noch zu zehnt. Mein Vorteil ist, dass ich keine Angst vor Steigungen habe. Bei der Auffahrt zur Hochstrasse nach dem Start und beim Anstieg zurück vom Rembertikreisel konnte ich immer wieder Distanz oder Positionen gut machen. Viele machen sich da einfach in die Hose wenn sie die Steigung sehen und lassen es langsamer angehen. Zum Glück gab es diesmal überhaupt keine gefährlichen Situationen oder Stürze.

Am Ende der vierten Runde hatte ich noch genug Power, um für den Schlusssprint zu üben und beschleunigte voll aus der letzten Kurve und flog als erster auf das Ziel zu. Dabei merkte ich wie lang die Strecke da noch ist, dass die Power nicht voll ausreicht zumal es auch voll gegen den Wind geht und das sollte mir in der letzten Runde dann helfen.

Die letzte Runde war dann deutlich langsamer als die ersten vier. Die ganze Gruppe sparte an Kraft, vermutlich deswegen weil jeder beim Schlußsprint der Gruppe vorne liegen wollte. So ging es dann zum letzten Mal auf die Nordstrasse. Etwa 500 Meter vor der letzten Kurve zog das Tempo noch einmal an, das Feld wurde nervös und jeder wollte eine in einer guten Position aus der Kurve kommen. Ich blieb in der Mitte und als einer der beiden Wiegetritt Fahrer anfing zu sprinten klemmte ich mich an sein Hinterrad und zog an den anderen vorbei. Etwa 50 Meter vor dem Ziel startete ich den Überholvorgang und danach war es dann wirklich nur noch Zentimetersache, ich kann gar nicht sagen wer von uns beiden zuerst im Ziel war. Allerdings hatte sich ein anderer Fahrer an mein Hinterrad geklemmt und der überholte uns dann kurz vor dem Ziel beide. Insgesamt war es aber ein durchaus gelungener Endspurt.

10610740_827637217255456_8379803020600563436_n

Meine Wiegetrittgruppe im Rennen

Die Zeitmessung und die Ergebnisse sind bei der Bremen Challenge ja aus Tradition her chaotisch. Platzierung, Zeit und Durchschnittsgeschwindigkeit sich völlig unabhängig davon was tatsächlich passiert ist und in welchem Rennen man war. Sebastian zum Beispiel landete einige Plätze vor mir im 67,5 km Rennen (wenn es denn so lange war), obwohl der nachmittags im 123 km (der wie lang das auch immer war) gestartet war. Und so bin ich erst einmal ganz happy mit der Zeit von 1:45 hr, 150ten Platz von mehr als 300 Fahrern und dem 20 Platz in meiner Altersklasse (Professoren von privaten Hochschulen über 50), aber ob das alles der Realität entspricht ist mehr als fraglich. Ist auch egal, ich war zufrieden.

Nach dem Rennen sprach ich mit dem Fahrer, der mich kurz vor dem Ziel noch abgefangen hatte. Er schaute auf meine SPD Mountainbikeschuhe und sagte: „Dass Du das mit Turnschuhen gefahren bist – Respekt.“ Schönes Kompliment, auch wenn das meine geliebten Shimano MTB Schuhe von 2004 sind, davor bin ich nämlich wirklich noch mit Turnschuhen und Hakenpedalen gefahren.

Im Anschluss an das Rennen traf ich Niels und seine Frau? Freundin? mit der ich bestimmt schon zehn Mal gesprochen habe und von der ich immer noch nicht den Namen weiß. Jetzt gab es erst einmal eine leckere Pommes.

IMGP0388

Von Sportmedizinern empfohlene Nahrungsaufnahme nach einer Stunde kalt im Startblock und eineinhalb Stunden heiß im Rennen.

Und so mit war gegen 12 Uhr alles vorbei und dass ohne das es angefangen hatte zu regnen. Ich schaute mir dann mit Torsten und Thorben den Rest des Rennens an, wobei wir, so gut wir konnten, am Anstieg zur Hochstrasse Philipp, Sebastian und Ulrich Jahn anfeuerten.

IMGP0390

Die richtig schnellen Jungs beim Anstieg

Da war sehr lustig, machte Laune, aber nachdem ich fast den gesamten, lebenden Samstag in Osnabrück beim Radfahren verbracht hatte und nun auch den halben Sonntag, war es zeit sich wieder mehr um die Familie zu kümmern. Zumal es ja einiges an Heldentaten zu berichten gab.

Es folgt jetzt eine längere Blogpause, da ich mich morgen mit eben dieser Familie auf der Estland mache.

Danke an Harald und Niels für die Fotos.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Blitzrad, Bremen, Harald, Mob, Rennen